Karlsruher Jeitimg. IS«. _ Mittwoch, 8. Juni Expedition: Karl-Friedrichs-Straße Nr. 14 (Telephonanschluß Nr. 154), woselbst auch die Anzeigen in Empfang genommen werden. Vorausbezahlung: vierteljährlich 3 M. 50 Pf.; durch die Post im Gebiete der deutschen Postverwaltnng. Briesträgergedühr eingerechnet, 3 M. 65 Pf. Einrückungsgebühr: die gespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfennige. Briefe und Gelder frei. 18 V 2 . dessen Raschheit an das Emporblühen kultureller Schöpfungen in der anderen Hemisphäre erinnert. Ein wohlgegliedertes Verkehrswesen ermöglicht durch weitgehende Erleichterungen die intensive Ausnützung der Landesprodukte. Der finanzielle Kredit Ungarns hat sich auf die Höhe jener Staaten emporgehoben, welche sich des vollen Vertrauens der europäischen Kapitalkreise erfreuen; das Schulwesen hat eine bedeutsame Entwickelung erfahren und bezüglich der Verwaltungsverhältnisse ist eine Besserung zu verzeichnen, welche durch die schon in Angriff genommene umfassende Reform zu einer durchgreifenden gestaltet werden soll. Die nächste Folge all dieser Fortschritte war eine überaus bedeutsame Kräftigung des Ansehens und der Machtstellung Ungarns in der Habsburgischen Monarchie selbst. Damit eröffnete sich der politischen Thätigkeit der Magyaren ein erweitertes Feld und niemand wird zu laugnen vermögen, daß der ungarische Einfluß in Wien meist in ersprießlichem Sinne zur Geltung gebracht wurde. In den Krisen und Wirren der inneren Politik Oesterreichs hat jener Einfluß ein wirksames Gegengewicht gegenüber den eigensüchtigen Zerstückelungsversuchen der Slawen geboten, und in der auswärtigen Politik haben sich die Ungarn als die treuen, eifrigen Hüter des deutsch-österreichischen Bundes erwiesen. Schon dieser Umstand verbürgt den Festen, mit welchen Ungarn die Erinnerung an die Kvuigskrönung feiert, die sympathische Theilnahme des Deutschen Reiches und das warme Interesse, mit dem man auf deutschem Boden die Kundgebungen der Treue und Hingebung des ungarischen Volkes an die edle Persönlichkeit des Kaisers Franz Josef verfolgt. Deutschland. * Berlin, 6. Juni. Seine Majestät der Kaiser ist heute Nachmittag um 2 Uhr mittelst Ssnderzuges nach Kiel abgereist. Die Ankunft in Kiel erfolgte um 7^ uhr. Auf Allerhöchsten Wunsch unterblieb ein besonderer Empfang; nur Seine Königliche Hoheit der Prinz Heinrich . der Chef der Ostseestation und der Bürgermeister waren am Bahnhof erschienen. Der Kaiser fuhr, von einem zahlreichen Publikum mit freudigen Zurufen empfangen, zum Schlosse, wo Allerhöchstderselbe von der Prinzessin Heinrich empfangen wurde. Nach kurzem Aufenthalte im Schlöffe begab der Kaiser sich an Bord der Dacht „Hohenzvllern". Im Gefolge des Kaisers ist der Staatssekretär Frhr. v. Marschall in Kiel eingetroffen. Heute Abend kam dort auch der russische Botschafter Graf Schuwaloff an. — Aus Kopenhagen liegt die Nachricht vor, daß Seine Majestät der Kaiser von Rußland sich mit dem Großfürsten Thronfolger heute Abend um 9 Uhr 20 Min. auf der Jacht „Polarstern" eingeschifft hat, um nach Kiel zu fahren. — Ueber die letzte Sitzung des Bundesraths liegt in den Blättern folgender Bericht vor: Der Bundesrath beschäftigte sich in der am 2. d. Mts. unter dem Vorsitz des Staatssekretärs v. Boetticher abgehaltenen Plenarsitzung zunächst mit Zoll- und Steuerangelegenheiten: der zollfreien Ablaffung von Netzen für die Hochseefischerei, der Zulassung gemischter Privattransitlager ohne amtlichen Mitverschlnß für Getreide in mehreren Städten, der Abänderung der Vorschriften über die Rückvergütung der Brausteuer bei der Ausfuhr von Bier, endlich Anträgen auf Rückvergütung gezahlter Zollbeträge. Dem Entwurf von Ausführungsvorschriften zu dem Gesetz betreffend die Unterstützung von Familien der zu Friedensübungen ein- berufenen Mannschaften, sowie dem Anträge Badens auf Abänderung des Etats der Zoll- und Salzsteuerverwaltungskosten wurde die Zustimmung ertheilt. Die vom Reichstag überwiesenen Petitionen wegen Abänderung ! des Handelsgesetzbuches, der Gewerbeordnung, der Civil- prozeßordnung und der Konkursordnung wurden dem ! Reichskanzler übergeben. Das Rekursgesuch eines Reichsbeamten gegen seine unfreiwillige Versetzung in den Ruhestand, über welches alsdann verhandelt wurde, hatte keinen Erfolg. Dem Beschluß des Reichstags, eine Petition betreffend die Aufnahme von Bestimmungen über Jagdrecht und Ersatz von Wildschaden in das künftige bürgerliche Gesetzbuch dem Reichskanzler als Material für die Prüfung der Frage zu überweisen, ob und eventuell nach welcher Richtung hin Bestimmungen über Jagdrecht und Ersatz von Wildschaden in das künftige deutsche bürgerliche Gesetzbuch aufzunehmen seien, beschloß die Versammlung, keine Folge zu geben. — Wiederholt ist darauf hingewiesen worden, wie unsere sozialpolitische Gesetzgebung andern Ländern zum Vorbilde dient. Wie die „Nordd. Allg. Ztg." erfährt, wird Professor Lindstedt aus Stockholm in der nächsten Zeit abermals nach Deutschland kommen, um unsere Sozialgesetze und deren praktische Anwendung zu studiren, und wird insbesondere auch an dem Berufsgenoffenschaftstage in Hamburg am 10. Juni theilnehmen. In Schweden ist eine aus sechs Reichstagsmitgliedern und dem Professor Lindstedt als Sachverständigen bestehende Kommission zur Vorbereitung von Arbeiterversicherungsgesetzen eingesetzt und man hofft, mit der neuen Vorlage — es war schon früher eine solche über obligatorische Altersversicherung in Schweden aufgestellt — noch vor dem Ende dieses Jahres fertig zu werden, so daß dieselbe voraussichtlich dem Reichstage von 1893 wird vorgelegt werden können. Die dem Entwürfe unterlegten Prinzipien stimmen mit denen der deutschen Jn- validitäts- und Altersversicherung wesentlich überein, doch soll die Unfallversicherung in denselben gesetzlichen Rah- men und dieselbe Organisation einbezogen werden. Frankfurt, 6. Juni. Seine Königliche Hoheit der Prinz von Wales ist mit dem Prinzen Georg hier eingetroffen und im „Englischen Hofe" abgestiegen. (Die englischen Herrschaften beabsichtigen, Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich in Homburg einen Besuch abzustatten; auch der Kronprinz und die Kronprinzessin von Griechenland reisen von Kopenhagen, nachdem die dortigen Jubiläumsfestlichkeiten jetzt zum Abschlüsse gekommen sind, nach Homburg.) Oesterreich-Ungarn. Wien, 6. Juni. Seine Majestät der Kaiser ist heute Nmtlicher Theil. Mit Entschließung Großh. Ministeriums des Innern vom 2. Juni 1892 wurde der Vorstand der Landwirth- schaftlichen Winterschule in Eppingen, Landwirthschafts- lehrer Paul Vincenz, etatmäßig angestellt. Durch Allerhöchste Kabinets - Ordres vom 17. Mai bezw. 1. Juni d. I. ist Folgendes bestimmt: Infanterie-Regiment von Lützow (1. Rhein.) Nr. 25: Voelcker, Bicefeldwebel, in Kontrole des Landwehr- Bezirks 1 Kassel, zum Secondelieutenant der Reserve des Regiments befördert. 5. Badisches Infanterie-Regiment Nr. 113: Genth, Secondelieutenant der Reserve, in Kontrole des Landwehr-Bezirks Küstrin, der Abschied bewilligt. Großh. Mecklenburgisches Jäger-Bataillon Nr. 14: Frhr. v. Heintze, Secotidelieutenant, in das Garde- Jäger-Bataillon versetzt. Nichtamtlicher Theil. Karlsruhe, den 7. Juni. In diesen Tagen begeht man in Ungarn eine Feier, welche sich zu einer würdigen und erhebenden Kundgebung des patriotischen Sinnes der Magyaren, zu einem wahren Nationalfeste gestaltet: das Jubiläum der Krönung Seiner Majestät des Kaisers Franz Josef zum König von Ungarn. Fünfundzwanzig Jahre sind verflossen, seitdem Kaiser Franz Josef zum König von Ungarn gekrönt ward. Wenn der Jubel, der damals den Monarchen umbrauste, noch einer Steigerung fähig war, so ist diese in dem Augenblicke zu vernehmen, da der Herrscher des Habsburger Reiches in Budapest erscheint, um den geschichtlichen Gedenktag inmitten seiner magyarischen Unterthanen zu feiern. Die ungarische Bevölkerung stattet dem König den Dank ab für die Gaben, welche er ihr vor einem Vierteljahrhundert gespendet hat, und das Gefühl der Dankbarkeit wird von ihr mit doppelter Innigkeit empfunden, weil sich der volle Werth jener Gaben erst in dem verflossenen Zeiträume erwiesen hat. Die verfassungsmäßigen Rechte und Freiheiten, welche das magyarische Volk im Jahre 1867 erlangte, sind zum Grundsteine einer Entwickelung geworden, die einen überaus raschen Aufschwung auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens Ungarns ermöglichte. Trotz der reichen Hilfsquellen des Landes war die wirthschaftliche Lage des Landes vor wenigen Dezennien noch eine tief traurige; der Handelsverkehr war auf ein Minimum beschränkt und zum Ausbeutungsfelde einer geringen Zahl Bevorzugter geworden, und die Finanzverhältnisse Ungarns boten ein trostloses Bild. In der Verwaltung zeigten sich die Mißbräuche einer ererbten Korruption und die Volksbildung war auf ein niedriges Maß beschränkt. In der kurzen Zeitspanne weniger Jahrzehnte ist auf allen diesen Gebieten ein Aufschwung eingetreten, Grosttzerrogliitzes Hoflheakrr. „Der Sommernachtstrau m." —r. Wenn es möglich wäre, die EntstehungSzeit des „Sommernachtstraums" genau zu bestimmen, so könnten wir wahrscheinlich in den nächsten Jahre« das Jubiläum dieses unvergleichlichen Lustspiels feiern. Denn obgleich den Versuchen, eine bestimmte Veranlassung für die Entstehung des Werkes aufzn- finden, keinerlei Beweiskrast inne wohnt, s« sprechen doch entscheidende Gründe dafür, daß der „Sommernachtstraum" um die Mitte der neunziger Jahre des 16. Jahrhunderts geschrieben worden ist. Im Jahre 15S8 war das Stück, wie wir von Francis Meres wissen, schon wobl bekannt; vor 1594 kann es aber nicht entstanden sein, wenn wir in der Schilderung Titania's von der Naturkatastrophe, die Oberons Eifersucht über das Laad gebracht hat, eine Reminiscenz an das Unglücksjahr 1594 erblicken sollen. Die Vermntbung. daß wir es bei dieser Rede der Elsenkönigin mit einer Anspielung auf das Mihwachsjahr I5S4 zu thun haben. liegt aber zu nahe, um abgcwiesen werden zu können. Daß Shakspeare Andeutungen auf kurz vorhergegangrve, allgemein noch in frischer Erinnerung stehende Vorgänge gern in seine Dramen verwebte, wissen wir, von manchem anderen Verspiel abgesehen, namentlich aus einem ungefähr derselben Zeit wie dem .Sommernachtstraum" angehörigen Stück, aus „Romes und Julia"» wo die Amme auf das Erdbeben vor elf Jahren Bezug nimmt. Wen» man jedoch dieser Aenßerung der Amme eine Beweiskraft hinsichtlich der Entstehnngszcit von -Romeo und Julia" beimißt. so muß man in noch viel höherem Grade die Schilderung Titanias bemerkenswerth finden. Denn dre Worte der Amme in „Romeo und Julia" fallen ganz gelegentlich , sie sind in das Geschwätz der redseligen alten Person ver- woben und fallen dem. Leser des Stücks nicht weiter aus; dre Schilderung des Mißmachscs und der N-th in den Worten Titania's aber steht in einem so ausfällige« Gegensätze zn allen übrigen Verhältnissen des Stücks, diese absichtlich breit ausgeführte Darstellung eines Mißwachsjahres widerspricht in so befremdender Weise der ganzen Stimmung des Werkes, daß man gar nicht begreifen könnte, wie Shakspeare gerade hier zu ihr gekommen ist, wenn er nicht unwillkürlich von der Erinnerung an ein noch lebhaft in aller Gedäcktniß stehendes Ereigniß geleitet worden wäre und bei seinen Zuschauern auf ein sicheres Ver- ständniß der Anspielung hätte rechnen dürfen. Ganz unzweifelhaft bringt die Schilderung Titania's einen fremden, zmn übrigen nicht paffenden Zug in das Bild der Dichtung; die traurige Vorstellung eines mißrathenen Erntrjahrrs läßt sich gar nicht in Einklang bringen mit dem Gesammtton dcS „Sommernachtstraums", der die Poesie einer blühenden und duftenden Sommrr- landschaft im Zauberglanz des Mondscheins und beim Spiel der Waldgeistcr wiedergibt. Es bleibt als» kaum etwas anderes als die Vermuthung übrig, daß diese Stelle der Dichtung gewisser, maßen das „aktuelle Interesse" des Werkes erhöhen sollte. Wenn wir aber bei dem Mangel einer genaueren Kenntniß von der Entstebungszeit deS Shakspeare'schen Werkes auch nicht in der Lage sein »erden, das Jubiläum des „Sommernachtstraums" zu begehen, so werde« wir doch das Jubiläum der herrlichen Musik, mit der die Shakspeare'sche Dichtung auf der deutschen Bühne heimisch geworden ist, seiern können, und zwar im nächsten Jahre. Es ist im nächsten Jahre ein halbes Jahrhundert verflossen, seit der .Sommernachtstraum" mit der köstlichen Musik Mendelssohns auf der Bühne erschien. Man tritt den Reizen der wundervollen Dichtung nicht zn nahe, wenn man der Mendelssohnschen Musik einen erheblichen Theil des Genusses zuschreibt, mit dem wir heut« den „Sommernachtstraum" auf der Bühne sehen und hören. Wir haben darüber schon v,r einigen Jahren an dieser Stelle gesprochen; wie tief Mendelssohn die dichterischen Schönheiten des „Sommernachtstraumes" empfunden hat, geht am besten auS dem Umstande hervor, daß kl zu zwei «eit auseinanderlicgendeu Zeiten an die musikalische Behandlung des Werkes herangetrrtrn ist. Jene Musik zum „Sommernachtstraum", die den Dichter als geistreiche Interpretin begleitet, stammt aus dem Jahre 1843, aber schon zwei Jahrzehnte früher hatte er. noch ein Jüngling, sein- „Sommer- nachtstraum"-Ouverture geschrieben. Welche Fülle der musikalischen Ideen, welche Mannigfaltigkeit der Motive, welche Plastische Kraft des Ausdrucks, von der Schilderung des lustigen Elfentreibens auf monderhelltem Waldesboden bis zu der feierlichen Pracht des Hochzeilsmarsches! Zwischen den zitternden, hin- und hrrhuschenden Tönen, die das neckische Weben und Leben der Geister in der Zaubernacht so überzeugend »arakterisiren, zuweilen unterbrochen von den tiescn Klängen, die an den dämonischen Ursprung dieses fröhlichen Treibens erinnern, bis zu dem gesättigten Farbenglanz jener zugleich erhabenen und freudigen Marschmelodic - welche Schatzkammer der köstlichsten musikalischen Perlen und Edelsteine liegt d» cingeschlossen! Bon allen klassischen Dramen ist kein anderes von der Musik so bedeutend unterstützt worden wie der „Sommernachtstraum", denn die Beet- hovensche Musik zum „Egmont" steht bei weitem nicht in so unmittelbarer Beziehung zu den dichterischen Worten, fördert die Veranschaulichung der Situation nicht derart wie hier. Ein stattliches Hochzeitspaar mit fürstlichem Anstande waren der Tbeseus des Herrn Mark und die Hippolyta der Frau Petzet. Herr Beyer ist ein zu nüchterner und poesieloser Oberon, was freilich nicht ganz seine Schuld ist. Da in derartigen Rollen, die poetisch wirken sollen, ohne daß der Darsteller viel für sie thun kann, eine junge Dame meistens gefälliger und graziöser erscheint als ein Mann, so halten wir es für ganz gerechtfertigt, den Oberon, wie es an vielen Bühnen geschuht, von einer Dame darstellen zu lassen. Aber es stand wohl außer des im Stück schon beschäftigten Mitgliedern eine Dame, die sicher aufzutreten und deutlich zu sprechen weiß, nicht zur Verfügung. Frau Bichler war eine anmutbige und zierliche Titania. Ein bischen Eigensinn, wie die Titania ihn besitzt, steht der Künstlerin auf der Bühne immer ganz gut; aber auch im übrigen spielte sie die Elfenkiinigin recht angenehm und ge. wandt. Frl. Engelhardt ist ein leichtfüßiger, beweglicher Bormittag zur Jubiläumsfeier seiner Krönung nach Pest abgereist. Ueber die Vorbereitungen zu den Festlichkeiten wird aus Pest berichtet: „Zur heutigen Feier des 25. Jahrestags der Krönung Kaiser Franz Josefs als König von Ungarn sind schon in der frühen Morgenstunde alle Straßen der Hauptstadt glänzend geschmückt und von einer großen Menschenmenge in festlicher Kleidung belebt. Ueberall sind Draperien, Fahne», Wappen und Embleme angebracht. Der Westbahnhof, auf welchem der Hofzug anlangt, ist reich dekorirt. Besonders prächtigen Schmuck zeigen die Straßen, welche der Festzug passiren wird; am Theresienring, in der Andrassystraße und der Albrechtstraße sind monumentale Triumphpforten errichtet, an denen auf das Fest bezügliche Inschriften angebracht sind." Eine spätere Depesche skizzirt den Verlauf der heutigen Festlichkeiten folgendermaßen: Der Kaiser hielt Nachmittags seinen feierlichen Einzug in die Stadt. Am Bahnhof war ein prächtiger Festzug aufgestellt. In der Hofburg wurde der Monarch von den Erzherzogen und Erzherzoginnen empfangen. Abends fand Galavorstellung im Nationaltheater statt, wobei das Jubiläumsstück „Die heilige Krone" aufgeführt wurde. — Während die Ungarn in diesen Tagen ein Fest feiern, das die Anhänglichkeit der Bevölkerung an die Dynastie zum Ausdruck bringt, halten die Sozialdemokraten in Wien einen Parteitag ab. Es liegt darüber folgende Meldung vor: „Auf dem hier versammelten sozialdemokratische» Parteitage, welcher die Spaltungen innerhalb der Partei in Oesterreich beseitigen soll, feierte der deutsche Reichstagsabgeordnete Auer die Brüderschaft und Kampfgenossenschaft der deutschen und der österreichischen Sozialdemokratie, sowie die Einigkeit der Proletarier in allen Ländern. Vor dem Beginn der Verhandlungen besprach Adler die Katastrophe in Przibram. Die Versorgung der Hinterbliebenen sei völlig unzulänglich, und unter den schärfsten Ausfällen gegen die Regierung schrieb der Redner die Schuld an der Katastrophe dem herrschenden Produktivsystem und einer übela»gebrachten Sparsamkeit zu, da durch eine elektrische Beleuchtung das Unglück vermindert worden wäre. Hierauf wurde einstimmig eine Resolution gefaßt, welche eine strafgerichtliche Untersuchung und die Bestrafung der Beamten verlangt, durch deren Sparsamkeitseifer und Unterlassungssünden unzählige Opfer einen elenden Tod gefunden Hütten." (Um die Leichtfertigkeit dieser sozialdemokratischen Beschlußfassung zu kennzeichnen, mag darauf verwiesen werden, daß die Ursachen des Grubenunglücks noch durchaus nicht völlig klar gestellt sind, daß aber vielfach die Meinung verbreitet ist, es liege dem Unglück ein verbrecherischer Anschlag zu Grunde. Während übrigens die Sozialisten leere Worte für die Opfer von Przibram haben, hat der Kaiser von Oesterreich, wie weiter unten mitgetheilt, sich mit einem namhaften Geldbeiträge an die Spitze einer Hilfsaktion für die Witwen und Waisen der Verunglückten gestellt, lieber den ferneren Verlauf des sozialdemokratischen Parteitags meldet das Wolff'sche Bureau aus Wien: „Der sozialdemokratische Parteitag erörterte die Parteilage, wobei die Darstellung der galizischen Delegirten Aufsehen hervorrief. Fräulein Grubinger berichtete über die Agitation unter den Arbeiterinnen. Auf Antrag des Vierundzwanziger-Ausschusses wurde die Ausschließung der Genossen Hauser und Heimann beschlossen. Außerdem verhandelte gesondert die oppositionelle „föderalistische Fraktion". Sie beschloß die Gründung einer selbständigen Partei." Nach dem letzten Satz zu schließen, sind also die Versuche, die Spaltungen innerhalb der sozialdemokratischen Partei Oesterreichs zu beseitigen, mißglückt und die Einigkeit der Partei ist auf diesem Parteitage erst recht in die Brüche gegangen.) Puck, und die koboldarlige Lustigkeit, die übersvrudelnde Laune LeS dienstdereiten Begleiters Oberons kommt reckt lebendig bei ihr zur Geltung; das moussirendc Wesen und dir bei allem Uebermuth »arte und zierliche Natur des Puck vermißt man bei dieser Leistung nicht. Nur lacht Frl. Engelhardt als Puck etwas zu viel und ru absichtlich und das gibt ihrer Darstellung des tollen Wildsangs stellenweise etwas Forcirtes. Recht gut war Fräulein Schwendemann als Hermia, frisch und natürlich, was man von Fräulein Nerson als Helena keineswegs sagen konnte. Fräulein Nerson suchte das sanfte Wesen der Helena durch eine Süßlichkeit der Redeweise zu kennzeichnen, die in hohem Grade geziert erschien- Mitunter konnte man glauben, die Tbispe reden zu hören. Wenn Fräulein Nerson sich den guten Eindruck ihres verständigen, obgleich etwas farblosen Spiels nicht durch die Unnatur ibreS Sprechens verderben will, so hat sie es dringen» nöthig, sich eine einfachere Redeweise anzneignen- Die beiden Liebhaber wurden von Herrn Höcker und Bassermann gut dargestellt. Von den Handwerkern ist der Zettel des Herrn Lange eine außerordentlich komische Figur: er belebt die Mpek- scenen durch die kräftige, vollsastige Drastik seines Spiels und wirkt in der EselsmaSke ungemein drollig. In den Proben der Tragikomödie und bei der Aufführung vor dem TbeseuS stellt er den Spieleifer des begeisterten Dilettanten höchst ergötzlich dar und iu den Scenen mit Titania weiß er unter der Maske den Mangel des Mienenspiel» durch drollige Kopfstrllungen und durch das Spiel der beweglichen Obren vorzüglich zu ersetzen. Auch Herr Br eh in als wackerer Squenz und Herr Benedict als Flaut in der bei aller Komik decenten Durchführung der .Tbispe-Rolle waren zu loben. Die Scenen im Walde waren durchaus zweckmäßig arrangirt, obgleich wir die Dekoration gern etwas reicher, »um Beispiel beim Lager der Titania nnd überhaupt im Vordergrund etwas blumiger und bunter wünschten, damit der Märchencharakter des Stücks auch dem Auge deS Zuschauers noch eindringlicher sich darstellt. Bor allem aber möchten wir für den letzten Akt eine festlichere Dekoratian; dieser Schloßhof erscheint zur VermählungSfeier des Herzogs von Athen doch allzu nüchtern und einförmig. In Bezug auf die Bühnendem- beitung ist zu bemerken, daß allerdings der innere Zusammenhang der mittleren drei Akte sehr einleuchtend gemacht wird, wenn mau diese Akte in einen einzigen zusammenzieht, daß die Zusammcnziehung aber doch. abgesehen von manchen Unzweckmäßigkeiten, ziemlich ermüdend wirkt. Italien. Rom, 6. Juni. Die römische Bürgerschaft veranstaltete gestern eine bemerkenswerthe deutschfreundliche Kundgebung. Als nämlich der deutsche Botschafter Graf Solms nach der Parade in Uniform den Quirinal verließ, wurde er von der versammelten Menge mit den Rufen: „Es lebe Deutschland.'" — „Es lebe unser Verbündeter!" begrüßt. Offenbar ist dies eine Antwort der Bürgerschaft auf die Versuche der Radikalen, die finanzpolitischen Schwierigkeiten Italiens zu benützen, um Italien dem Dreibunde abwendig zu machen. Frankreich. Paris, 6. Juni. Die Feste in Nancy scheinen bis jetzt glatt und ohne jeden unangenehmen Zwischenfall verlaufen zu sein. Präsident Carnot reiste gestern Vormittag mit dem Ministerpräsidenten Lsubet und dem Unterrichtsminister Bourgeois von hier nach Nancy ab. Am Bahnhofe hatte sich eine ziemlich große Volksmenge eingefunden, die Hochrufe auf den Präsidenten ansbrachte. In Bar-Ie-duc, wo Herr Carnot Nachmittags um 1 Uhr eintraf, wurde er von der Bevölkerung lebhaft begrüßt. Er empfing die Behörden, welche ihre Ergebenheit gegenüber der Republik versicherten. Der Bischof von Verdun stellte die Geistlichkeit vor und erklärte, er und der Klerus seiner Diözese acceptirten offen und loyal die Regierungsform, welche sich das Land aus freier Entschließung gegeben habe. Er gebe dem Wunsche Ausdruck, daß die Mißhelligkeiten verschwinden und Einigkeit und Friede einkehren mögen. In seiner Erwiderung dankte der Präsident dem Bischof für seine patriotischen Worte. In Nancy traf der Präsident der Republik gestern Nachmittag um 5 Uhr ein. Er wurde von der Bevölkerung mit lebhaftem Jubel empfangen. Alle Straßen waren mit Fahnen in französischen und burgundischen Farben geschmückt; 32 Triumphbogen sind errichtet. Auch hier beeilte sich die Geistlichkeit, ihre loyale Haltung gegenüber der republikanischen Staatsform zu versichern und so der letzten entschiedene Willensäußerung des Pavstes gerecht zu werden. Bischof Turinaz stellte dem Präsidenten die Geistlichkeit vor und betonte in einer Ansprache, er selbst wie die Geistlichkeit seiner Diözese theilten die patriotischen Empfindungen des lothringischen Volkes und wünschten eine Einigung des französischen Volkes in Gerechtigkeit und Freiheit. Sie erfüllten ihre Pflicht der Unterwerfung gegenüber der Regierung, allein sie seien gewillt, auch ihrer religiösen Aufgabe gerecht zu werden. Diesen Prinzipien würden sie treu bleiben, um gleichzeitig dem Gewissen zu gehorchen und dem Baterlande zu dienen. Präsident Carnot erwiderte, er begrüße die patriotischen Empfindungen der Bischöfe; nichts sei für die Machtstellung und Größe Frankreichs so nöthig wie die Einigung des französischen Volkes und dessen unterschiedslose Unterwerfung unter die Gesetze des Landes. Aus der großen Truppenschau, welche der Präfekt in der ersten Freude über die Ankündigung von Carnots Besuch in Nancy veranstalten wollte, ist bekanntlich nichts geworden, es fand nur eine Parade statt und diese ist noch dazu verregnet. Trotz des regnerischen Wetters soll der Vorbeimarsch der Truppen aber glänzend und zur großen Befriedigung der Volksmenge, die Herrn Carnot lebhafte Ovationen bereitete, verlaufen sein. Während die Minister Loubet und Bourgeois mit dem Präsidenten der Republik zu den Festen nach Nancy fuhren, eröffnet« der Kriegsminister gestern auf der Satory-Ebene bei Versailles das nationale Wettschießen für die Offiziere und Soldaten der Territorialarmee. Freycinet sprach den Veranstaltern des Wettschießens seinen Dank aus und sagte, dasselbe wäre dazu bestimmt, den Fortschritt in der Leistungsfähigkeit der Territorialarmee zu zeigen, welche die Reserve der Nation bilde. Belgien. Brüssel, 6. Juni. Die Truppen der hiesigen Garnison, welche sich gegenwärtig im Lager von Beverlos befinden, werden am kommenden Samstag angesichts des Wahltages (14. Juni) wieder hierher zurückkehren. Am Wahltage werden die Truppen in den Kasernen konsignirt sein. (Die Konsignirung der Truppen in Brüssel ist eine hergebrachte Vorsichtsmaßregel bei Wahltagen. Im übrigen liegt bis jetzt kein Grund zu der Befürchtung vor, daß die öffentliche Ruhe in der Hauptstadt am Wahltage gestört werden könnte.) Bulgarien. Sofia, 6. Juni. Ministerpräsident Stambulosf trat heute eine auf etwa zwei Monate berechnete Rundreise in die nördlichen Landestheile an. (Die Abwesenheit des Ministerpräsidenten von der Hauptstadt zu einer Zeit, in welcher auch Prinz Ferdinand von Sofia fern ist, dürfte als ein Zeichen dafür auszufassen sein, daß die bulgarische Regierung trotz der in letzter Zeit, von den bulgarischen Emigranten entwickelten Agitationen keinerlei Störung für die öffentliche Ruhe befürchtet.) Rumänien. Buarest, 5. Juni. Seine Majestät der König hat gestern die Glückwünsche sämmtlicher Minister und der Abordnungen beider Kammern zur Verlobung des Kronprinzen entgegengenommen. Die Vertreter der Kammern gaben der dankbaren Anerkennung dafür Ausdruck, daß der König niemals die Geschicke seiner Dynastie von der Wohlfahrt seines Landes trenne. Der König erwiderte, er betrachte die von dem Lande so überaus freudig begrüßte Verbindung als ein großes Glück und einen wahrhaften Trost, denn er sehe dadurch das mit der gegenwärtigen Generation begonnene Werk gesichert; er blicke vertrauensvoll in die Zukunft. Aus dem ganzen Lande laufen Glückwünsche ein. Die Mitglieder des diplomatischen Corps zeichneten sich in die im Palais aufliegenden Listen ein. Die Presse des Landet hebt in Uebereinstimmung mit der Bevölkerüstg die große Bedeutung des neuen EhebündmffeS hervor, welcher eine enge Verwandtschaft zwischen der rumänischen Dynastie und der Herrscherfamilie des mächtigen englischen Reiches begründe. Die Verbindung rechtfertige das Vertrauen in die Zukunft des Landes. Man wisse der Königin Victoria Dank und betrachte deren Zustimmung zu der Verbindung als einen neuen Beweis ihres wohlwollenden Interesses für Rumänien. Griechenland. Athen, 6. Juni. Heute fand die Eröffnung der Kammer mit dem gebräuchlichen Ceremoniell, aber ohne Thronrede statt. Zum provisorischen Präsidenten wurde Cantargi gewählt. (Daß von einer Thronrede zur Kammer- eröffnung Abstand genommen wurde, ergibt sich aus den Verhältnissen. Das Kabinet Konstantopulos konnte nicht ein Programm für die Thätigkeit des neugewählten Parlaments aufstellen, da es im Begriffe steht, einem neuen Ministerium Platz zu machen. Der neue Präsident der Kammer gehört zur Partei des Herrn Trikupis und in seiner Wahl zum Kammerpräsidenten, die übrigens ohne ernsten Widerstand erfolgt zu sein scheint, kennzeichnet sich der bei den Wahlen erfolgte Umschwung der Dinge. Cantargi ist im Kammervorsitz der Nachfolger des Herrn Konstantopulos, des jetzigen Ministerpräsidenten, der vor seiner Berufung an die Spitze der Regierung die Kammer leitete. Cantargi ist nur provisorisch Präsident, weil die endgiltige Bureauwahl erst vorgenommen werden kann, sobald die Wahlprüsungen beendigt sind, und darüber werden zwei bis drei Wochen hingehen.) »Amerika. Washington, 6. Juni. Der Präsident Harrison hat den Assistent-Sekretär Wharton mit der zeitweiligen Leitung des Staatsdepartements betraut. (An Stelle des Staatssekretärs Blaine, der bekanntlich seine Entlassung gMommen hat. Ueber die Gründe für den Rücktritt Blaine's tritt heute eine neue Lesart auf; darnach hätke Blaine nicht bloß demissionirt, weil er sich als Kandidat für die Präsidentenwahl aufstellen lassen will, sondern wegen politischen und persönlichen Meinungsverschiedenheiten mit Herrn Harrison. Das Reutcr'sche Bureau berichtet nämlich: „Wie v«lautet, hätte der Staatssekretär Blaine aus persönlichen Gründen und wegen sachlicher Differenzen in der chilenischen und in der Behringsmeerangelegenheit schon seit längerer Zeit die Absicht "gehabt, zu demissioniren; auch soll der Verkehr der Familien Harrisons und Blaine's ein wenig freundschaftlicher gewesen sein." Darnach wäre es freilich auch verständlich, warum Präsident Harrison so kühl und lakonisch das Entlassungsgesuch Blaine's genehmigte. Die republikanische Partei leidet übriges an einer für sie gefährlichen Zerfahrenheit der Ansichten in Bezug auf die Präsidentschaftskandidatur. Die Anhänger Blaine's in der republikanischen Konvention, welche morgen in Minneapolis Zusammentritt, sind der festen Ansicht, Blaine zum Kandidaten für die Präsidentschaft zu ernennen. Es gibt aber in der republikanischen Partei auch Leute, die weder von Harrison noch von Blaine als Präsidentschaftskandidaten etwas wissen wollen. Nach einer Meldung aus Minneapolis zeigen die zwischen den dortigen republikanischen Fraktionen bestehenden Gegensätze eine Verschärfung. Die Absicht, einen dritten Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen zu ernennen, soll mit größerer Bestimmtheit zu Tage treten, und zwar soll die Aufstellung Mac Kinley's geplant sein.) Grotzhrrzogthum Baden. Karlsruhe, den 7. Juni. Am Pfingstsonntag fand in der Schloßkapelle in Baden ein Hausgottesdienst statt, welcher von Prälat l). Doll abgehalten wurde. Gestern nahmen die Höchsten Herrschaften an dem Gottesdienst in der evangelischen Stadtkirche theil. Nach demselben traf Ihre Königliche Hoheit die Erbgroßherzogin in Baden-Baden ein; Seine Königliche Hoheit der Erbgroßherzog empfing Höchstdieselbe in Oos. Heute Vormittag 11 Uhr kam Seine Majestät der König von Schweden und Norwegen von Paris in Baden- Baden an. Ihre Königliche Hoheit die Kronprinzessin von Schweden und Norwegen war Höchstihrem Schwiegervater nach Oos entgegefahren, während Seine Königliche Hoheit der Großherzog Allerhöchstdcnselben am, Bahnhof in Baden empfing und zum Großherzoglichen Schloß geleitete, wo Ihre Königlichen Hoheiten die Großherzogin, der Erbgroßherzog und die Erbgroßherzogin den König erwarteten. Darnach fand ein Dejeuner statt, an welchem auch Ihre Kaiserlichen Hoheiten die Prinzessin Wilhelm und die Prinzessin Eugönie von Leuchtenberg theilnahmen. Nachmittags reisten die sämmtlichen Höchsten Herrschaften mit Seiner Majestät dem König nach Karlsruhe und trafen daselbst 5 Uhr 36 M. ein. Am Bahnhof waren zum Empfang anwesend der Staatsminister vr. Turban, der Oberstkammerherr Freiherr von Gemmingen und der Flügeladjutant Oberstlieutenant Müller. Der König reist ineognito und ist von vier Herren begleitet. Abends besuchten die Höchsten Herrschaften das Theater. Am Donnerstag den 9. d. M. Vormittags 11 Uhr erwarten die Großherzoglichen Herrschaften in Karlsruhe den Besuch Ihrer Majestäten des Königs und der Königin von Württemberg, wobei ein feierlicher Empfang stattfinden wird. Ihre Majestäten gedenken Abends 11 Uhr nach Stuttgart zurückzukehren. In Nr. 278 der „Neuen Badischen Landeszeitung" vom 4. Juni findet sich in einem Artikel, datirt Konstanz, 2. Juni, die folgende Mittheilung: In der Zweiten Kammer wurde bei der Verhandlung über den Muser'schen Antrag betr. die Revision des Beamtengesetzes vom Regierungstisch aus, insbesondere vom Herrn Finanjininister Ellstätter, wiederholt erklärt, daß die Erkennung von Arreststrafen als Disziplinarstrafe bei Unterbeamten nur in den schwersten Fällen erfolge. Dem Herrn Finanzminister scheint demnach nicht bekannt zu sein, daß vor wenigen Monaten zwei hiesige Grenzaufseher, die inzwischen von hier versetzt wurden, mit Arrest bestraft worden sind, lediglich deßhalb, weil sie einen dienstfreien Nachmittag zu einem Spaziergang in die benachbarte Schweiz benutzten, wobei sie allerdings versäumt hatten, den im Dienstreglement vorgeschriebenen Urlaub einzuholen. So viel wir wissen, haben die bestraften Grenzaufseher s. Zt. Beschwerde gegen diese Strafe bei der Dienstbehörde in Karlsruhe eingereicht, aber nichts ausgerichtet. Ihre geringfügige Uebertretung muß demnach zu den „schweren Fällen" gerechnet worden sein. Der Inhalt dieses Artikels beruht in allen Punkten, die für die Behauptungen des Verfassers wesentlich sind, durchaus auf Unwahrheit: die beiden Grenzausseher sind nicht lediglich wegen eines ohne Erlaubniß unternommenen Spazierganges in die Schweiz bestraft worden. Der eine der beiden Grenzaufseher erhielt eine Arrest- sirafe von einem Tag, weil er sich in Civil ohne Erlaubniß auf das benachbarte Schweizer Gebiet begeben und dort eine Wirtschaft besucht hat, wobei für die Ausmessung der Strafe in Betracht gezogen wurde, daß der Aufseher kurz vorher einem höheren Beamten, der ihm wegen einer dienstlichen Nachlässigkeit den gebotenen Vorhalt machte, in unziemlicher und subordinationswidriger Weise begegnete; alle diese Verfehlungen zusammen bildeten , den strafbaren Thatbestand. Der zweite der beiden Grenzaufseher erhielt eine Arrest« strafe von zwei Tagen, weil er sich in Civil ohne Erlaubniß auf das benachbarte Schweizer Gebiet begeben hatte und dann am gleichen Lage auf seinem Posten stark betrunken und schlafend angetroffen wurde. Den im Beamtengesetz vorgesehenen Beschwerdeweg gegen das von der Großh. Zolldirektion erlassene Straf- «rkenntniß hat keiner der beiden Beamten beschritten; wohl aber wurde dem erstgenannten derselben auf seine Bitte die eintägige Arreststrafe von der gleichen Behörde, die sie ausgesprochen hatte, mit Rücksicht auf seine frühere gute Führung und die von ihm an den Tag gelegte Reue in eine mäßige Geldstrafe umgewandelt. Auch dieser Fall zeigt, wie leichtfertig von manchen Seiten verfahren wird, wenn es sich darum handelt, angebliche Mißstände, die sich aus dem Vollzug des Be- umtengesetzes ergeben sollen, in die Oeffentlichkeit zu bringen. » _ * (Im Hinblick auf den bevarstebeabcn Besuch Ihrer Majestäten des Königs und der Königin von Württemberg) am hiesigen Hose wird eine festliche Ausschmückung des Marktplatzes und der Karl-Friedrich-Straße varbereitct. Die Dekaration des Marktplatzes besteht in Fahnenmaste», zwischen denen auf hohen Postamenten Opferbecken ausgestellt sind, und entspricht dem Schmuck deS Platzes anläßlich des Regierungsjubiläums Seiner Königlichen Hoheit des Groß- -erzogs- Der Wochenmarkt wird am Donnerst«, statt auf dem Marktplatze auf dem Ludwigsplatzt abgehalten. * (Im städtischen Schlachthause) läßt zur Zeit die Firma Rietschel L Hernieder, in Berlin den ihr patentirten Kafilldesinfektor vsrführen. Es ist dies ein Apparat zum Ste- rilisiren und Austrocknen von Thierleicken und dergleichen unter Gewinnung von Fett. Leim und Dungpulver. Heute früh 7 Uhr wurde die erste öffentliche Probe begonnen. Es wurden in den Apparat, der 1200 Kilo zu fassen vermag, zwei Pferde im Gewicht von 460 Kilo, ferner 172 Kil» Knochen und ein Hund eingelegt und heute Nachmittag 5 Uhr sollte dann das Ergebniß der Arbeit deS Desinfektors gezeigt werden. Von Seiten des Großh. Ministeriums des Innern wohnte Herr Oberregierungs- raih t)r. Lvdtin der Probe an. Von auswärts waren erschienen die Herren Obermedizinalrath 0r. Lorenz aus Darmstadt, dir Professoren der Thierarztneischule Stuttgart vr. Ostrr- tag und 1>r. Sußd »rf, Schlachthausdirektor Götz aus Straßburg und Landesthierarzt Jmlin von dort. Außerdem war der hiesige Vertreter der Firma Rietschel L Hennederg, Herr Civil» Ingenieur Ka bisch» zugegen. Bei der Entleerung des Apparates am Abend waren sodann noch außer den obengenannten Persönlichkeiten anwesend die Herren Staatsrath Eisenlohr. Ministerialratl» Buchenbcrger, Hofralh Meidin ger, Oberbürgermeister Sehnetzler und einige andere. * (Der hiesige Arbeiterbildungsverein) beging zu Pfingsten die Feier seines 3siährigen Bestehens und vereinigte Hamit die Weihe einer neuen Vereinsfahne. Zu dem Festakte, der aus diesem Anlaß im Vcreinshause stattfand, hatte Seine König!. Hoheit der Großherzog Sr. Exc- Herrn Geb. Rath Frhrn. v. Ungern-Sternberg mit Höchstseiner Vertretung beauftragt. Als Vertreter der Großh. Regierung wohnten Herr Minikerialrath Braun und als solcher der Stadt Herr Bürgermeister Siegrisi der Festfeicr an. Ferner bemerkten wir die Herren Hsfbaudirrktor Hemberger, Direktor Götz und zahlreiche andere Gäste. Abordnungen auswärtiger Vereine waren erschienen aus Durlach, Heidelberg, Lahr, Schopsheim- Schriesheim, Wiesloch, Frankenthal, Ludwigshafen und Neustadt a. H. Der unter Leitung des Chorsängers am Hofthealer Herrn I. Weiß stehende Verrinssängerchsr »öffnete den Festakt' worauf der zweite Vorstand, Herr Heck, die Festgäste herzlich bewillkommte. Er betonte die vielseitige Lhätigkcit der Arbeitcr- bildungsvereine, deren Streben darnach gerichtet sei, die Bildung und das Wohl ihrer Mitglieder durch Wort und Schrift zu fördern, wie ihnen auch das BereinshauS eine Heimstätte sei Redner konnte mittheilen, daß die VereinSsparkaffe ein Vermögen von 20 000 M. aufweise. Die neue Fahne sei aus freiwilligen Beiträgen von Mitgliedern beschafft worden. Zum Schluß erfüllte Redner noch eine Dankespflicht allen denjenigen gegenüber, die dem Verein ihre fördernde Hilfe zu Tbril werden ließen- Vor Allem dankte Redoer Seiner König!- Hoheit dem Großberzog, HSchstwelcher erst neuerdings dem Verein sein fürstliches Wohlwollen bekundete. Aber auch dir Großh. Regierung, die städtischen Behörden und viele Andere hätten sich den Dank deS Ar- driterbildmigSvereins erworben. Als Redner mit nochmaligem Willkommgruß geendet, betrat Herr Prof. Höchstetter alS Festredner »aS Podium. »30 Jahre ein Mann?" war »er Satz, de» derselbe seinen Ausführungen voransttllte» um daran an- knüpfend zu betonen, wie »er Verein in den 80 Jahren seines Be' Lehens mannhaft erstarkt, wie er ein mächtiger Baum geworden sei. Er wies darauf hin, daß ohne Arbeit das Leben schal sei. „Arbeit ist Leben", namentlich die freie Arbeit im Gegensatz zur Sklavenarbeit ; wie sehr die Arbeit sich entwickelt, gehe namentlich auS dem hohen Stande unseres KunkgewerberS hervsr. Der Sklave arbeite mit den Armen, der freie Mann aber mit dem Kopf. Redner erinnert an die schönen Worte, die bei der 25- jährige» Stiftungsfeier vor 5 Jahren unser gnädigster Landesherr über die freie Arbeit gesprochen- Dieser kann der Segen nicht fehlen und es bewahrheitet sich der Satz „Segen ist der Mühe Preis" Dock eS sei zu Unterscheiden, wie man arbeitet; daß man arbeitet wi: ein Mensch und nicht wie ein Thier. Hierüber zu belehren, fei die Aufgabe derArbeiterbildungsvereinr. Redner wicS noch auf die neue Fahne hm, unter die sich die Mitglieder zu aemeinsamer Arbeit scharen sollten, und schloß mit Segenswünschen für das fernere Blühen und Gedeihen des Vereins. Nunmehr erfolgte die Uedcrgabe der neuen Fahne. Die erste Fahnenjungfrau, Frln. H o l z kn e ch t, richtete einen warmen Appell an den Verein, den altbewährten Prinzipien auch unter der neuen Fahne treu zu bleiben, worauf der Fahnenträger Herr Stosfler den Fohnenschwur leistete. Die Fahne ist im Entwurf. wie in der Ausführung ein Meisterstück und beweist am besten, was strebsame fleißige Arbeit zu leisten vermag- Der Entwurf rührt von Herrn Direktor Götz her, währen» die treffliche Ausführung durch die Firm» K. A. Ki« dler hier erfalgte. Zu Ehrenmitgliedern des Vereins wurden ernannt: Wirk!. Geh. Rath Frhr. v. Ungern-Sternberg, Geh. Rath Gustav v. Stösser, Stadtpfarrer Längin, Direktor Götz, Korrektar Reiff und Hauptlehrer Mattes; außer diesen Herren war auch der leider »erstorbene Oberbürgermeister Lauter zum Ehrenmitglied «usersrhrn gewesen. Ehrendiplome erhielten die Stadträthe Di-. Spemann und Wunder, Hof- sattlermeister Lautermilch, die Schneidermeister Holz- k n e ch t und G u h l, Maschinist M a r t i n und Kaminfeger» meister Stemmte. Als auch dieser Akt vollzogen war, wurde unter lebhafter Zustimmung die Absendung eines Begrüßungsund Huldigungstelegramms an Seine Königliche Haheit den Großherzog beschlossen und Herr Heck brachte ein begeistert aufgenommenes Hoch auf Höchstdcnselben auS. Im Verlauf des Festes traf aus Schloß Baden ein huldvolles Antworttelegramm unseres Großherzogs ein. Der Festakt schloß mit Mozarts „Weihe des Gesanges". Um 1 Uhr fand darauf gemeinsames Mittagessen im „Weißen Bären" und Abends Bankett im Ver- einshaus statt. Am nächsten Sonntag wird am Grabe des Oberbürgermeisters Lauter ein Kranz niedergelegt. Der Verlauf des Festes trug den Stempel einer schönen Familenfeicr, und wir möchten nur wünschen, daß diese Familie immer mehr erstarke. Verschiedenes. Wien, 7. Juni. sTel.s (Zum Grubenunglück in Przibram.) Den Witwen und Waisen der bei der Gruben- katastrophe in Przibram verunglückten Bergleute ist von Seiner Majestät dem Kaiser die Summe vau 10000 Gulden überwiesen worden. Prag, 6. Juni. (Die Einnahme der vowöäie krooxais« beschlagnahmt.) Direktor Angel» Neumonn erwirkte gestern wegen Vertragsbruches die gerichtliche Beschlagnahme der gestern von den Mitgliedern der „vomöüie kranxiise" in Brünn erzielten Gastspieleinnahme, nachdem dieselben ihr auf heute vereinbartes Auftreten in Prag abgesagt hatten. Infolge eines Gewitters langte jedoch das betreffende Telegramm verspätet in Btünn an, weßhalb die Ausführung der Beschlagnahme nicht mehr möglich war. (Lie Mitglieder der „Oomallickran^aiss^, die zuletzt in Wien im Ausstellungstheater gastirten, hatten Herrn Direktor Angel« Neumaun zugesagt, bei einer Woblthätigkeits- Vorstellung im Deutschen Theater zu Prag mitzuwirke«. Als diese Zusage der Künstler in Paris bekannt wurde, schlugen die dortigen Chauvinistendlätter Lärm und erklärten c- in herkömmlicher Weise als Balerlandsverrath, daß französische Künstler an einem deutschen Theater auftreten wollen. Der Direktor der „OkEilis der bekannte Schriftsteller Claretie, ließ sich durch die Drohungen der intransigenten Zeitungen cinschüchtern und verbot telegraphisch daS Auftreten der Künstler am Prager Theater. Direktor Ncumann aber war keineswegs geneigt, sich diese Schwenkung in den Absichten der Pariser Schauspieler gefallen zu lasten; er bestand auf seinem Schein und erwirkte, wie auS dem öden mitgetheiltcn Telegramm aus Prag hervorgeht, einen Arrestdefehl auf die Einnahme der Pariser Künstler in Brünn. Wenn den Franzosen jetzt auch ein Gewitter zu Hilfe gekommen ist, so wird Direktor Neumann sich wohl für den Kontraktbruch noch schadlos zu ballen wissen. Uebrigens ist es recht bezeichnend, daß die Mitglieder der „Oowsäio trauxaistz" zwar Anstand nehmen, in dem Prager LandeStheater zu spielen, aber an dem nicht minder deutschen Theater in Brünn gsstiren. Sie spekulircn damit wohl auf die Unkenntniß des Pariser Publikums, welches nicht weiß, daß das Brünner Stadtlheater eine rein deutsche Bühne ist, deren Leiter noch dazu — borridilc äimu — Ritter des preußischen Kronenordens ist.) ä.H. Paris, 7. Juni. sTel.j (Beim Bootfahren ertrunken.) Aus Chamber» wird berichtet, daß aus dem See von Le Bourget ein Boot, in dem sich der Schiffer mit zwei Priestern und Schülern befand, uwgeschlagen ist. Nur ein Priester und der Schiffer konnten sich retten. R.8. Londoo, 7 . Juni. (Tel.) (Das Panzerschiff „Wildfire") ist im Medwavflusse in der Nähe des See- magazins von Cbatbam gestrandet. Die Versuche, das Schiff flott zu machen, waren bisher vergeblich. Die Lage des Schiffes ist sehr gefädrlich. R.V. Pittsburg. 6. Juni. (Die Städte Titusville llnd Oil - Cith) sind heute infolge e.nes W°^ucks übn schwemmt worden. Gleichzeitig wurden »re P"rolcum lst durch einen Blitzschlag in Brand gesetzt. Titusmll soll zur Hälfte e,n Raub der Flammen geworden sein. Die V V uin's Leben gekommenen Personen wird aus 150 griw tz Oil-Eitv sollen 11 Personen in de» Flammen u«gekon>men ,-lN- (Spötrrr Meldungen geben folgende Details «n: Der . rung von TituSville und Oil-Cit» bemächtigte sich . treten der Katastrophe eine unbeschreibliche P«mk. Die E flüchteten nach den hochgelegenen Stellen der Umgegenv- sao reiche Personen, unter ihnen Frauen und Kinder, find 'M Waffrr. theils in den Flammen »«gekommen. 3» „ allein sollen bereit» gegen 100 Lricheu «ufgefundea '«n, z a reiche Personen «erden noch vermißt. Der verursachte Schaden wird auf mehrere Millionen Dollars geschätzt.) L.6. Teheran, 6. Juni. (Dir Lholeraepidemiet in de? Gegend von Mesched hat an Heftigkeit nachgelassen. Neueste Telegramme. (Nach Schluß der Redaktion eingetroffen.) Berlin, 7. Juni, lieber die Kaiserbegegnung liegen aus Kiel folgende telegrahische Meldungen vor: Seine Majestät der Kaiser Wilhelm fuhr heute Früh auf der Dacht „Hochenzollern" dem Czaren und dem Groß- fürsien-Thrvnfvlger bis Friedrichsort entgegen. Die russischen Herrschaften, die gestern Abend gegen 10 Uhr Kopenhagen an Bord der Jacht „Polarstern" verlassen hatten, passirten Friedrichsort um 9 Uhr 50 Min. Um 10'/4 Uhr trafen „Hohenzollern", „Polarstern" mit den sie begleitenden Schiffen „Zarewna", „Korniloff" und „Wacht" im hiesigen Hafen ein. Der Kriegshafen bot bei prächtigem Wetter einen herrlichen Anblick. 25 deutsche Kriegsschiffe lagen in Parade, festlich beflaggt, da und begrüßten die Kaiserschiffe mit donnerndem Salut. Brausende HurrahS ertönten, als der „Polarstern", die deutsche Flagge im Vortop führend, an der Flotte »orüberfuhr. Die Musikkapellen auf den deutschen Schiffen spielten die russische Nationalhymne, während auf dem „Polarstern" „Heil Dir im Siegerkranz" gespielt wurde. Der „Polarstern" warf gegenüber dem Schlosse, zwischen „Hohenzollern" und „Beowulf" Anker. Um lOff, Uhr fuhren die Majestäten von Bord aus nach der Barba- roffabrücke und von dort nach dem Schloß, in welchem großer Empfang stattfand. Bei der Barbarossabrücke war eine Ehrenwache des Regiments „Herzog von Holstein", im Schloßhof eine Ehrenwache des 1. Seebataillons aufgestellt. Berlin, 7. Juni. (Spätere Meldung.) Seine Majestät der russische Kaiser hatte sich um 10'/. Uhr an Bord der Jacht „Hohenzollern" begeben, um den Kaiser Wilhelm zu begrüßen, und verweilte etwa 20 Minuten dort. Um 11^4 Uhr erwiderte Kaiser Wilhelm den Besuch auf dem „Polarstern". Bei dem Besuche auf der Jacht „Hohenzollern" begrüßte Kaiser Wilhelm den Kaiser Alexander an der Steuerbordtreppe. Beide Kaiser, welche die Uniformen ihrer resp. Regimenter trugen, umarmten und küßten sich wiederholt. Auch bei dem Besuch des Kaisers Wilhelm auf dem „Polarstern" war die Begrüßung sehr herzlich. Um 11 ^ Uhr fuhren beide Kaiser auf dem blauen Kaiserboote nach der Barbarossabrücke und begaben sich in lebhaftem Gespräch nach dem Schlosse, wo das Frühstück eingenommen wurde. Frankfurt, 7. Juni. Der Defraudant Jäger und seine Begleiterin Klotz trafen heute Früh um 6^/4 Uhr, von München kommend, hier ein und wurden in einer Droschke nach dem Gefängniß übergeführt. Familirmrachrirhtrn. Eheausgebote. 3. Juli. Peter Donat von Deutz, Tele- graphenmcchaniker hier, mit Anna Hofmann von hier. — Karl Schwarz von Mudau, Schreiner hier, mit Emilie Mohr von hier. — Ferdinand Trabold von Mannheim, Juwelier hier, mit Luise Werner von Altschweier. Todesfälle. 4. Juni. Josef, 7 I., V.: Johann Ocks, Taalöhner. — Frieda Birg» ledig» Taglöhnerin, 31 I. — 5. Juni. Emil. 7 M. tt T., V.: Emil Schwank, Friseur. — Friedrich. 6 M. 7 T., V.: Philipp Goos, Arbeiter. — Binzens Hornberaer, Ehemann, Wirth, 31 I. — Leopold Steinet, Ehemann, Notar» 50 I. — Seima, 3 M., V.: Will» Mainzer, Oberkellner. — Christof Baader, Ehemann, Lokomotivführer, SI I. — Karl RieS, Ehemann, Postkassier, a. D„ «7 I. — 6. Juni. Karoline Kühnle, ledig, Privatiere, 66 I. — Mina Ad le. Schülerin beim Ballet. 15 I, - Adolsine, 7 M. 22 T„ B.: Ludwig Espe, Handwerkmeisirr. — Helene, 14 T-, V.: Franz Stadel, Kutscher. — Daniel Großmüüer, Ehemann, Bu- reaudicner» 43 I. WittrrungobeobachlmlgrA der Mrtrorol. Station Karlsruhe. Juni 5. Nachts 9-°U. 6. Mrgs.7-°U. 6.Mittgs.22°U. 6- Nachts S-'U. 7- Mrgs. 7-«U. 7-Mittgs-2Na. Barom? Therm. Absol. Relative wi» ^ in 0. Zeucht. Feuchtigkeit in >/, 748.2 412.2 10 3° 98 751 8 4-13.9 10.1 86 753 6.-s-17.9 8.5 56 755.4!-s-15.0 9.4 74 756 9j-s-13.4 99 87 756.1 -t-182 i 8.0 52 Wind. SW NW SW NE Himmel. bedeckt s. wolkig bedeckt l w. wolkig Wafserstaud des Rheins. Maxau, s. Juni, Mrgs., 4.84 m. 6. Juni, Mrgs-, 4.90 m. 7-Juni» Mrgs-, 5.02, gestiegen 12 cm. Ueverficht der Witterung vom 7. Juni. Die Luftdruck- vertheilung hat fick in den legten Tagen wesentlich umgestaltet. Während bisher flache Depressionen über dem Festland hier unbeständiges regnerisches Wetter veranlaßt batten, bat seit gestern daher Druck von Westen her sich ousgebreitet; sein Kern lagert über Großbritannien, eine Depression bedeckt die Balkauhalb- insel. Diese Luftdruckvertbeilung bedingt meist unbeständiges Wetter und nordwestliche Winde, welche die Temperaturen auf verbältnißniäßig niedrigen Ständen halten, doch steht besseres und allmälig wärmeres Wetter in Aussicht, da sich der Hobe Druck voraussichtlich noch weiter binnenwärts ausdrritrn wird. Frankfurter telegraphische Kursberichte StaaiS-a-trre. »°/§D.ReichSaaleihe 87.7V dto. 4°/,Preuß. Sonsol v'/,Badeo in fl. «'/« w - M. Oesterr. Soldreate Silberreute ir,?.— Itv.ss I0L »0 I08.SV SS.St V1.4S 4»/,Ungar. GoLLrente «4.— LSSVr Russen H. Ortentanleihtz Italiener comptant TflYPtrr Sparer Zoll-Türken Vnnke». Kreditaktte» Diskonto SouwmLt Darmstädter Bank deutsche Bank Dresdener Bank S4.SS ss.- sa.so »7.SV ss.70 SL 20 L74.— 1SS.70 14S.40 15t SS 1V8 §0 LStFS vom 7. Juni 18S2. So-noM«». Schweiz. NordoNbobn rrs.ss , Centralbahn irs.sa Kotthard les.si Lombarden SL>/> Ungarn 9t — Slbthal r- ».so Heff-LndwigSbahn »17 «o Wechsel UN» «orte». Wechsel a. AmSerd iss »s . » London SSL» . . Par!« si.oi . > Wien rro.sr Na-oleonSd-or is.ro Privatdi-konto I»/, K « ch » » r I«. Sredttaktteo ü7s'„ Di»konto-N«m>m»>dit ISS.S4 EtaatSiahn r«s.- Lmnbardeu ss', lenden»! schwächer. Oesterr. skreditakttro 17» SO Oestrr. Staatstbahn l»110 Lombarden 4 S10 Diskonto-Sommand. is» so ! Lailrabittte 113 6» Gelsensirch-n ItS.70 , Dortmunder —.— - Bochum« IS» — Rubelnotea »is.- Tendenz schwach. Wien. ! Srrditaftie» srs.ir Staotsbahn »cs.is Lmnbrrde» 9S.S» Ungarn II0.7S Marknoten ss.sr Teuren» - unentschieden. Paris. Rente »».»7 Svanier ««.so Türken rs.ro Ottomane »94.— S'k. Portugiese» 17 7» l Lenden,: sest. Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Harder in Karlsruhe. Soeben erschien in unserem Verlas: T-821.2. of- und Staatshandbuch des Großherzogthums Baden. I8«2 Preis M. 8.—. Statistische Angaben über das Großheyogthum Gaden nebst Gemeiude-Berzeichniß. Dritte Ausgabe. Entnommen dem Hof» und Staatsbandbuch für 1892. Preis: Mark IS«. Karlsruhe. _ K. Sraun'sche Hofbuchhandlung. Allgemeine Wersorgungs-Anstalt Lebens-Werstcherung. Gemäß 8 39 der Statuten werden die Mitglieder der Anstalt zu einer ordentliche« Generalversammlung auf T-936 Samstag den 25 Juni 1892, Nachmittags 3 Uhr, in de« Sitzungssaal der Austalt zu Karlsruhe eingeladen. Tagesordnung. Abnahme des Rechenschaftsberichts für 1891 und Beschlußfassung hierüber (8 38 Hiss. 3 der Statuten). Karlsruhe, den 3l. Mai 1892. _I »er _ Liwipp'seNe lltziLsnslalt, 4L«8t«»»1i»l2o (HL«»««), unter Leitung dss Herrn T 532 7 I. Lüdsarst io Würisdokon. ÄI.9391. Frriburg. ^usschreibeu. Bei dem adeligen Albert-Karolinen» Stift dahier ist eine Erziehungsrente für Mädchen von jährlich 300 fl. oder 514 M. 29 Pf. vom 1. Januar 1892 an zu vergeben. Bewerbungen um dieselbe sind mit Belegen nach 8 13 der Statuten innerhalb « Woche« bei der Unterzeichneten Executorie schriftlich portofrei einzu- reichen- Freiburg, den 3. Juni 1892. Die Executorie des Albert Karoliuen-StiftS. F reiherr Rinck von Baldeustein. ^T-938. Nr. 5758. Freiburg. DekoMeu-Ztelle. Die nicht etatmäßige Stelle eines De- kopistcn bei der hiesigen Stadtverwaltung mit einem Jahresgehalt von 1000 Mark ist auf den 1- k. M. zu besetzen. Junge Leute mit entsprechender Vorbildung (Actuariats-Jncipienten) und schöner Handschrift finden vorzugsweise Berücksichtigung. Bewerber wollen ihre Gesuche unter Anschluß von Zeugnissen alsbald dahier einreichen. Freiburg, den 1. Juni 1892- Der Stadtrath. Winterer. Mörder . Offene GehilsmMe. Bei dem Fürstl. Fürstenberg. Rent- amtc Donaueschingen ist die dritte Ge» bilfenstclle mit 900 M. bis 1600 M. Jahresgehalt auf 1. Juli 1892 ander- weit zu besetzen. Nicht über 30 Jahre alte, unverheirathete Bewerber wollen sich bis 15. Juni d. I. melden und unter Vorlage von Zeugnissen, auch der neuesten Schulzeugnisse, Auskunft geben über Alter, Gesundheit, Bildungsgang u bisherige Beschäftigung T 957-1 jl, reicher ^.usvM bei »^rv«LrLed LU«« 6rossb. Hoflieferant kV V7oIS L Sodn's Detail. tzeamoatiruagan ebenso stepsratneea «erden prompt b esorgt. O91234 lAk-M»!» S'22.13. 4<-, ltari-friedricbrtr. Ix.3, kclce v. Wirbel, äMiMW. Msiks ksslMNl w MMr. ewpüsklt gedieg ttSek«, Kittagstirck, sovie stertanrrtion ä la carte so jeder lagosreit. — Osnre Omer». — tlus- sodanlc von g lateicxport- und l-ager dier »ns der oranireigerellscbatt vrän- «inbel vor« V 8inoer. 6arsntiet reine und vorrngl. Meine von d. ersten Rinnen. bisder in k'irm n llebr. Lense!, Hvkli ek. K^- EI» Notariatsgehilfe, durchaus selbständig arbeitend, sucht wegen bevorstehender Penfionirung seines bisherigen Chefs anderweite geeignete Stelle. Gest. Offerten beförd. die Exped. d. Bl- unter S. T960 1 T 942 I. Gengeubach. Steigerungs-Ankün- dizung. Aus dem Nach lasse d- Bierbrauers August Wörter v. Ortenberg werden der Theilung wegen mit obervvrmund fchaftlicher Genehmigung Freitag de» 24. Juni 18S2, Vormittags IVVr Uhr, im Gemeindehaus zu Ortenberg die unten beschriebenen Liegenschaften öffentlich zu Eigenthum versteigert, wobei der Zuschlag erfolgt, wenn wenigstens rer Schätzungspreis geboten wird. Beschreibung der Liegenschaften: Markung Ortenberg. 1. Lgb. Nr. 1222s, Pl. 14. 12,42 a Hosraithe und Hausgarten mit einem daraufstehenden zweistöckigen Wohnhaus mit 2 gewölbten Kellern, Brauhaus mit Bierbrauereieinrichtung und gewölbtem Keller, Scheuer, Stall, Schopf mit Sckweinställen, Back- und Waschhaus, Faßhalle mit Äniestock im Ortsetter an der Landstraße, sowie ein unter dem Grundstück des Anton Harter Lgb. Nr. 1120 Pl. 14 neben der Bühlweggaffe und Anstößer befindlicher Eis- und Lagecbierkeller, tax.L3000 M. 2. Lgb. Nr. 4784 Pl. 36. 15,84 a Acker im ober» Steinefeld, tax. 550 M. 3. Lgb. Nr. 6038a Pl. 40. 20,64 a Wiese auf den Fischersteinmatten, taxirt. 700 M. 8. Markung Offenburg. 4. Lgb. Nr. 2988/89. Pl- 50. 34.52 a Ackerland im Bruch, tax. 1700 M. Auswärtige Steigerer und Bürgen haben bürgermeisteramtlich beglaubigte Bermögenszeugnisse vorzulegen. Die weiteren Versteigerungsbcding- ungen liegen in der Zwischenzeit bei dem Notar zu Jedermanns Einsicht auf, auch kann Abschrift derselben auf Antrag und Kosten des Antragstellers cr- theilt werden. Gengenbach, den 2. Juni 1892. Großh. bad. Notar: Rubi. w ir Allen Personen, welche eine zur Kon- ! kursmafse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegcben, nichts an den Gcmeinschuldner zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 22. Juni 1892 Anzeige zu machen. Rastatt, den 31. Mai 1892. Großh. bad. Amtsgericht, gez. Siegel. DieS veröffentlicht Der Gerichtsschreiber: Zirkel. Brrmögensabsondernag. T.962. Nr. 3874. Offenburg. Die Ehefrau des Xaver Göhringer, Magdalena, geborne Mali in Haslach, hat durch Rechtsanwalt Bumillcr gegen ihren genannten Ehemann eine Klage auf Vermägensabsonderung bei Großh. Landgericht dahier erhoben und ist Termin zur Verhandlung hierüber vor der Civilkammer Hl auf Freitag den 23. September 1892, Vormittags 9 Uhr, anberaumt, was zur Kenntnißnahme der Gläubiger hiermit veröffentlicht wird. Offrnburg, den 4. Juni 1892. Die Gerichtsschreiberei des Großh. bad. Landgerichts, vr. Hamburger. Berschollruheitsvrrfahren. T 9281. Nr. 11,186. Lörrach. Endbescheid. Nach fruchtlosem Ablauf der für die Kundschaftserhebung mit Beschluß vom 6. Februar 1891 gesetzt gewesenen Frist wird nunmehr Julius Götz , zuletzt in Lörrach, für verschollen erklärt. Lörrach, den 2- Juni 1892. Großh. bad. Amtsgericht, gez. Nüßle- Zur Beglaubigung- Der Gerichtsschreiber: Appel. Bekanntmachung. T932. Nr 2536 Kehl- Als Beistand für den entmündigten Johann Lutz von Eckartsweier wurde unterm Heutigen, dir 2536, Landwirth David Lutz H. in Eckartsweier an Stelle des auf Antrag seines Amtes enthobenen Michael Lutz 17. ernannt- Kehl, den 24. Mai 1892 Großh. bad. Amtsgericht. Leonhard. Erdeinweisunsm. T 9151. Rr- 14,394. Mosbach. Großh. Amtsgericht Mosbach hat heute verfügt: Die Johann Herr mann Wtb-, Barbara, geborene Augustin in Mosbach, hat um Einweisung in Besitz und Gewähr des Nachlasses ihres am 5. Mai 1892 zu Mosbach verstorbenen Ehemannes nachgesucht. Diesem Gesuche wird entsprochen werden, wenn nicht binnen 4 Wochen Einsprache dagegen erfolgt. Mosbach, den 3 Juni 1892- Der Gerichtsschreiber Gr- Amtsgerichts: Heber. PanoelSregislerrintragr. T'944. Nr. 5964. In bas Firmen- register wurde heute eingetragen: Zu O Z. 180 Firma Herrn. Schrempp Nachf. Emil Sutter in Ober- kirch. Inhaber der Firma ist der ledige Kaufmann Emil Sutter in Oberkirch. Zu O.Z. 1 Firma Hermann Schrempp in Oberkirch. Die Firma ist erloschen. Oberkirch, den 2. Juni 1892. Großh. bad. Amtsgericht. Zimpfer. T'946. Nr. 6880. Unter O.Z. 30 des diesseitigen Gesellschoftsregisters wurde heute eingetragen: „Der Gesellschafter Bankier Oskar Mez in Freiburg ist mit Jda Wild aus London verheirathet. Nach dem Ehevertrag, d. d. Freiburg, den 7. Fe- brur 1884, ist völlige Vermögensab- sonderung nach L-R.S. 1536 bedungen. Donaueschingen, den 27. Mai 1892. Großh. bad. Amtsgericht. Oster. Zwangsversteijeruug. T-947. Elz ach. Liegenschafts-Ber steigerung. In Folge richterlicher Verfügung wird Montag den 25. Juli d. I., Nachmittags '/s2 Uhr, im Rathhaus zu Elzach folgende Fadtik, Wohngebäude rc. des Papierfabrikanten August Maier öffentlich versteigert und zugeschlagen, wenn der Gesammtanschlag — 14500 Mark — geboten wird- Ein Fabrikgebäude mit Waffertrieb- werk von 8 Pserdekräften, nebst ca. ein Ar Hofraum, Maschineneinrichtung, 2 Holländergetriebe, Butteneinrichtung, ! Papiermaschine, Getrieb und Garnitur, ! sowie Dampfkessel und Garnitur. Ein , dreistöckiges Wohnhaus, von Stein er- > baut, mbst Scheuer und Stall; ein Ar 90 Meter Gemüsegarten. Alles bei- ! sammen in der Vorstadt Elzach. ! Elzach, den 4. Juni 1892. ! Der Vollsireckungsbeamte: Kctterer. T-963- Donaueschingen. Bekanntmachung. Zur Aufstellung des Lagerbuchs der Gemarkung Muudelstngen wird mit höherer Ermächtigung Tagfahrt auf Dienstag und Mittwoch den 14. u. 15 d. Mts. in das Rathhaus Mun- delfingen anberaumt. Gemäß Art. 7 der Landesherrlichen Verordnung vom 1l. September 1883 werden die Eigentbümer von Liegenschaften, zu deren Gunsten Dienstbarkeiten bestehen, aufgefordert, dieselben unter Anführung' der Rechtsurkundm ! in obiger Tagfahrt zu bezeichnen. Donaueschingen, den 6. Juni 1892. Der Lagerbuchsbeamte: i A. Ziegler, Bezirksgeomcter. Druck und Verlag der G. Braun'schen Hofbnchdruck-rei. (Mit einer Beilage.)