Nro. 96. Pag. 545. Lar lsruher Zeitung. Mittwochs den ii. August 1790. Mit Hochfürstlich - Markgräflich - Badischem gnädigstem privilegjs. Nadrit, vom rr-Iuly.- ^ Auf die Nachricht , die Engl. Eskadre wäre unter Segel gegangen , hat unser Hof sogleich Befehl nach Cadir ergehen lassen, daß die Unsrige auslaufcn sollte und sie muß itzt in See seyn. Es sind über- dieses bringende Befehle erlheilt worden , noch is Linienschiffe in gedachtem Havcn auszurüstcn und das Regiment von Canlabrien cinzuschjffcn, welches sich nach Briefen aus Cadix vom 6. dieses nun bereits an Bord, von 2 Linienschiffen, einer Fxegattc, einem Hücker befinden und mit dieser kleinen Eskadre, die viel Ammunition an Bord hat, nach Porto, Rico abgegangen seyn muß. Dergleichen Anstalten sieht man allenthalben, worinn Spanien, so wenig Rechnung es auch auf Frankreichs Reciprecitäc in Erfüllung des Familien , Pacis machen kann, nachm, lassen gar nicht geneigt ist. Man kann sogar sagen, daß die Unterhandlung nach der Ankunft des Herrn Fitzherbert keine günstigere Wendung genommen hat. Der große Stein des Anstoßes iß immer noch die vor. läufige Äenugthuuug, die der Grosbrittannische Hof foderk und die man hier demselben nicht geben will. Regcnsburg, vom 21 July. Der Fürst von Thurn und Taxis hat seinen geheimen R>lh von Schneid und den Hofrath von Ley- kam aus Tifchingcn hicher gesandt, um- wofern etwa bey Gelegenheit der Erinnerungen Zur Wahlcapjiiila- tion und insogdcrhcit derjenigen, was zu dem 2ylen Artikel in Betreff des Pvstwescns gemacht werden dürfte, den Gejandschaften der Reichsstände zu erklären, daß, im Fall irgendJemand Beschwerden in diesem Fach hätte, man sich, wofern solche gegründet wä> " ten und dem Fürsten angebracht würden, von seiner Seite bestreben würde, soiche sogleich in Güte abzu- stellen. Rom, vom 2Z July. Der berühmte Jagliostro befand sich seit einigen Tagen sehr krank, man ließ ihm daher öfters zur Ader und wandte alle^ Sorgfalt zu ftuirr Erhaltung an. Stockholm, vom 2g July. Prinz von Nassau hat sich mit dem Nest seiner Echmenfivlte nach Friedrichshamm hegeden, wo eine ihm gestoßen ist. Den ,zteu hat man ihn schon wieder m See gesehen und vermnihlich werden bald wieder neue kriegerische Austritte erfolgen. Ein fernerer Bericht von dem Vorfall in Swenk- sund den essen dieses liefert noch folgendesVerzcichniß von eroberten Fahrzeugen. Fregatte» 4; Hcmmcma i: Schebcckeu z; Galeeren 14; Brieg i; Gallioten y; Halbgalceren i; Cutter 5 , schwimmende Batterien 2; Kanoncnböke 2, Chefs-Schaluppen z. Eine Fregatte ist zu Grund gegangen, von welcher bloß ein Osficier und rin Wundarzt gerettet sind. Wie viel Fahrzeuge der Feind selbst verbrannt habe, weiß ma» noch nicht; wir aber haben von den Feindlichen Fahrzeugen, die auf den Strand gerieihen, verbrannt: Galeeren 2 Halbgalceren-r, Bcmbcn - Gallioren 1, Bomben« Cutter i, Kanonen-Schaluppen i. Zu Gefangnen sind gemacht worden: 212 Offiziers und an Gemeinen, so viel man schon weiß, gewiß 4500 Mann. Unser Verlust an Fahrzeugen ist: Udemo Ingcdorg, z Ka- nonendöte und 2 Jolle», die theils in die Luft flogen, thcils zu Grund giengen. Auch von uns sind verschichne Officiers geblieben. An eroberten mc« kallnem Kanonen, ausser denen , die noch immer arf? den gesträubten Fahrzeugen geborgen wer- wecdcn und den eisernen Kanonen, deren eine Menge ist: Mörser 2; Vicrzigpfündner; Haubitzen 2, Scchs- zigpfündner; i dito Sechszehnvfünder; 4 dils Vier und Zwanffgvfündncr. Kanonen: 4 Scchspft'mdner und Dreyvsünder. Gestern ward ein fcyerliches Te Deum gesungen. Die Trophäen wurdet von Officiers in Procession nach der Kirche gebrach^ Die Köni- ginn, bcgleiiei vom Herzog Friedrich von Ostgothland und die ganze König!. Familie wohnten der Procession bcy. Florenz, vom 24 Iuly. In unsrem ganzen Land wimmelt es itzt vom Milirair , da man noch vor 2 Monaten kaum einen Soldaten sah. Die zu Rom angcstclltc Untersuchung des Srnods von Pistoia ist geendigt. Man wird nichts gegen den Prälaten ohne des Königs Einwilligung nntccnchmen und es ist nicht zu zweifeln , daß — ( 546 der König diesen unglücklichen , aber edeldenkenden Mann gegen alle Nachstellungen schützen werde; der König ist gerecht und der Prälat ein ehrwürdiger Mann. Unterdessen ist die Cabale doch gegen diesen würdigen Mann sehr geschäftig und erregt allerdings Besorgnisse. In Florenz ist gegenwärtig alles still und wir erwarten mit Sehnsucht unfern neuen Gebieter; denn er wird von allen herzlich geliebt. Nancy/ vom sü Iuly. Die neuen Nationalmilitaireinnck, aen scheinen den nach dem ehemaligen Schnitt cirgerichteten französische» Kriegsmännern nicht recht behage» zu wollen. Fast täglich ereignen sich deshalb gehässige Austritte/ die nicht selten den größten Lärm und selbst gefährliche Tätlichkeiten nach sich ziehen. Dieses vcranlaßte erst neuerdings/ daß zo französische Ofsiciers von hier nach Luremburg übergicngcn, denen gleich darauf daS halbe Negimenr von Bonrbonnois, welches zu Dudenhofen in Besatzung liegt/ folgte. Diese Mannschaft bestund aus lauter Ausländern / die in Frankreich nichts zu verlieren haben. Der übrige Theil des Regiments, lauter Lanbskmder, ist bey den Fahnen geblieben. Stockholm, vom 27 Iuly. Man hat Nachricht von einer Assaire, die bey Da. vidsstadt vorgesalien ist, man weiß aber die Umstände noch nicht, die nächstens erwartet werden. Vorgestern ist eine Nußistbe Leibflagge hier in Stockholm angekommcn, die nach der Action bey Sweiisksund, nebst mchrern Gefangnen, auf einer Insei erbeutet worden ist. Man endeckk täglich Russen, die sich auf den Justin bey Swenskfund von den verbrannten und gcsunknen Fahrzeugen gerettet haben. Es sollen y Schiffe auf mchrern Wersten, statt der verlohrnen Linienschiffe gebaut werden. Londen, vom 27 Iuly. Unsre öffentlichen Blätter meiden, die Ankunft des Secretairs drs Svanischen Bothschasters von Madrit habe ben öffentlichen Angelegenheiten eine andre Gestalt gegeben und man versichere, daß alle Streitigkeiten zwischen Großbritannien und Spanien in der Güte würden deygelegt werden. Venedig, vom zo Iuly. Ganz Constankinopcl ist in größter Erwartung, wie der Kapitam Pascha die Nußische Flotte im schwär, zcn Meer, welche aus 11 Linienschiffen, 17 Fregat« icn und andern leichten Fahrzeugen besteht und nach Warna gehen will, empfangen werde. Die neusten Depeschen unsers Admirals Kondulmer bestältigen den ) - glücklichen Sieg über die Tunesische Fahrzeuge desKa- pilain Kleva. Paris, vom 1 Aug. Der in dem Graf Maüiedoisschen Verschwörungs. plane verwickelte und vor kurzem aus den Gefängnissen hiesiger Akten entflohene Herr Bonne Savardin ist zu ChalonS - für - Marne ertappt und mit seiner Reisegesellschaft, die ihm für Flucht behülflich war, in Verhaft genommen worden. Man hat vcrschiedne wichtige Papiere bey ihm gefunden, woraus man die Absichten und Anschläge der Aristokraten näher zu entdecken und zu vernichten hofft. Vorgestern Abends sind zwey Ablheilungen Kavallerie und Infanterie von hier abmarfchirt, um den zu Chalons s»r - Marne angchaltnen Bonne - Savardin nebst scmer Reisegesellschaft abzuholcn. Krieg ist gegenwärtig hier fast adzcmctn das Losungsmvrk und cs scheint, als sehne sich die Nation nach dein Augenblick, wo sie von den Heldenthatcn einer aus lauter ftcyeu Bürgern bestehenden Armee redende Beweise gebe» könne. Freilich wäre diese Armee einmal recht zu Siand ge. bracht, so hätte die Welt seit Darius und Lerxes Zeiten gewiß nie ein herrlicheres und zahlreicheres Kriegsheer gesehen und doch läßt es sich fragen , ob es nicht rathsamer scy, unscrn Durst nach groscn Thaten noch eme Zeit lang zu verschmerzen, weil es nicht unwahrscheinlich ist, daß die Feinde unsrer neuen Verfassung noch immer hinterm Berg lauren und nur einen bequemen Zeitpunkt abwarle», um die Nation in einen auswärtigen Krieg zu verwickeln und alsdann im Innern des Landes ihren Unfug desto fteyer treiben zu können. Der Prinz von Conde wird als der Anführer der Aiistokratcn- partey angegeben und soll entschlossen seyn, mit Auf, opfeung seines Lebens die vorige Regicrungsform wieder herzustcllen. Man traut den Ministern in England böse Absichten wider Frankreich zu : allein man ist hier so von dem frcyhettliebenden Karakter der bric. tischen Ration eingenommen, daß man sich überre- den will, die englische, irrländischc und schottische Nationen würden sich eher milder französischen verbinden und gemeinsame Sache machen, als zulasten, daß die so lheuer und glorreich errungene Freyhctt von Frankreich von ihrem Hof gekränkt und zu Grund gerichtet werde. Zu Lyon ist den r6. Iuly eben zur Zeit, als die Mnnicivalbeamtcn zusammen waren, ein entsetzlicher Auflauf von mchr als 2000 Menschen ausgedrochcn, unter welchen sich viele Ausländer befanden. Sie nahmen zum Vorwand, daß der Generalkommandant der Nationalgarde, Herr Dervieu): Devillar, welcher seine Stelle niedcrgelcgt hatte, zu. rückberuftn werden sollte. Nun war es nicht möglich, ( 547 ) a- ihrem Verlangen sogleich Genüge zu leisten, weil Hr. Dervieur sich auf dem Land befand. Der Maire Irak vor das Nakhhaus und bemühte sich, de» irre ls. geführten Hausen zu beiänftigcn; adcr umsonst. Der cn Pöbel voll Wulh eilte nach dem Zeughaus, überwäl- zu k ligie auf semem Weg ctne Wache und machte sic le. wehrlos. Bcy der Ankunft am Zeughaus feuerten er- die Meutimge ai.f die Na.'ional^arde und auf ein Dreh- ^ taschcmcnt von ^ cm Regiment Eonnemberg , die sich !b- ^ zur Gegenwehr stellten. Einer von den Handwerks- it« ^ lcnteii ward erst',offen und einer verwundet. Die Muds ! mzwalstät sar nun auf Zwangsmittel; cs wurden on Kanonen an d u gefahrdrohenden Plätzen »usgepflanzt; ne die g! tionalgar 'e, das Regiment Sonnemderg, die ,e- Mare Hausse, die Scharsschützen besetzten die ihnen ast angcwießnen Posten. Nun steckte man c,c rothe Fah. ne ne an dem Raihhaus aus; dennoch ward die Adkün- rn j digung und Vollstreckung des Markialgcfetzes auf den sie- folgenden Tag verlegt. Glücklicherweise stellte sich eg- Morgens > e Ruhe wieder em, oder wenigstens schien ge. die Furcht chr dem Strafgesetz den Memüngcn ruhi- »d ' gcre Gedanttu eingeflößt zu haben. Dem Präsidenten hl- der Nationai-erfammlung ist aufgetragcn worden, ra- der Wumcivanert zu Lyon, auch ihrer Nationalgar- rch , de sowohl als dem Regiment Sonnemderg und der m, Ma',chausse für diesen dem Vaterland geleisteten >de Dienst die Dankvcgierde der Nation zu bezeugen. ,'tg Wien, vom i 2t ug. ui, Seit voriger Woche befindet sich der Erzherzog er- Franz in mißlichen Gesundhettsumständcn, welche auch -en bedenkliche Folgen habet, könnten; er hustet öfters inj Blut aus und hat immer ein kleines Fieber. Der c», ig,te Iuly war für die Franzosen ein fevecil- uf, chcr Tag. Er ist vorüber und mit demselben )ie- wohl der Despotismus zu Grabe getragen wor- ng- den. Grose Staatsmänner zwciflen aber an ,an der Dauerhaftigkeit der gegenwärtigen Lage der ril. Dinge in Frankreich und heissen die neue Constitution :re. einen angenehmen Moraeat--im, der bcym Erwachen sia« mancher verfliegen wird. Mit den Bcralhschiagungen den der Ungarischen Stande auf der Lanbtagsverfamm- Saß lung zu Ofen a/'m es etwas langsam und eS wäre wn kein Wunder, wvsern die Krönung in diesem Iahrnicht ind oor sich giengc. Unter andern Forderungen verlangen zur die Protestanten in Ungarn, daß erstlich: den Proteen, stanken und Helvetischen Religionsgeuossen, nach de» hen Verträgen von Wien und Linz, durch das ganze Un- be- -arische Reich und die damit verbundnen Provinzen, ene- die freye Religionsübung verstauet uud vom König ieup beschworen werbe; zwcyicns: daß dieselben mit den zu. Römischkatholifchen in gleichem Rang stehen sollen; lieh, drittens: daß ihre Superintendenten auch Prälaten fthn können, so daß sie die nemlichen Rechte mit den Römischkathoiischcn genießen und ihnen auch Güter lind Hißihünicr verliehen werden und endlich viertens: daß der Ausdruck; „ die herrschende katholische Nell» gion " ganz ausyöre. Schccid-n aus Wien, vom i Aug. Graf Harl-g ist von Ruchenbach mit der Nachricht an den König gekommen, daß nun der Preußische Hof mit dew- Unftigcn vollkommen ausgeglichen sey und der crstre die Vermittlung des türkischen Kriegs ebenfalls über sich genommen habe. Die Bedingungen werden nächstens bekannt werden. Aber für uns sind sie gar nicht voriheilhast, indem wir alte Eroberungen zurückgeben müssen. Feldmarschall Graf von Laset wird nun nicht mehrfach dem HauptgiiartierNeutiischeln zur Ucbcriiehmimg des Generalkommandos der Mährischen Armee abgchcn. Ein Thcil seines Gepäcks ist zwar schon vorauSgeichickt worden. Auch behauptet man, wofern auch die Haupisundamenle gegründet sind, so kann doch, wie man glaubt, das Gebäude unmöglich noch fertig seyn, da man nun sicher weiß, daß ausser den Anliegenheiten von Oesterreich, Pohlen und der Türk-y, auch jene des deutschen Reichs in Reicheubach mit auf dem Tapet der Unterhandlungen sich befinden. Wien, vom 2 Aug. Die Pforte soll nähre Schrille zur Aussöhnung ge« than unk sich anerdolen haben, an Oesterreich und Rußland 72 Millionen Piaster für die eroberten Länder und Kriegskvüen zu zeuch ». Es ist aber mehr als wahrscheinlich, baß Oesterreich von Grundlegung des Passarowltzer Friedens nicht abstehcn werde, so wie Rußland nicht von den äußerst billigen Bedingungen, welche noch im vergangne» Monat die Kayserinn durch den Grafen Oflecmann dem ganzen Europa vor» legen ließ. Es bestättkgt sich, daß die Frledensuntec- Handlung mit der Pforte hinführo in Bukarest und nicht mehr in Jassy adgehalten werden sollen , weit Fürst Polemkin schleunigst nach Petersburg gegangen soll. Der Mannheimer Schauspieler Jfland kommt zu dem hiesigen Nationalthealer. Hamburg, vom z August. Aus Dessau hat man die Nachricht erhalten, daß der Proftßor Basedow, ein Mann, der bey einigen Schwachheiten gewiß grose Verdienste um die Aufklärung halte, 65 Jahr alt, nach einer achttägigen Krankheit verstorben ist. Zur Bestätigung dessen, was lezthin in unsrer Zeitung unter dem Artikel von Reval gesagt worden, dient auch folgender Auszug eines Briefs aus Petersburg vom lGeii July. Den 9M1 dieses hat Prinz von Nassau einen Versuch gemacht, die Schwedische Galecrenflorte unter dem Kommando des Königs, die in Schwenksund durch die aus Pommern ( 548 ) da;» gekommene Eseadce sehr verstärkt war, in diesem durch Natur und Kunst vesten Posten anzugrcifen. Alles versprach schon den glücklichsten Erfolg, als ein starker Wind entstund und die See in große Bewegung brachte, wodurch ein großer Theil der kleinen Fahrzeuge auf Klippen und Sandbänke gericlh, da denn der Prinz gezwungen war, sich mit Verlust zu- rückzuziehen. Man macht alle Anstalten zu neuen Unternehmungen. Ein Theil der grosen Flotte hält die Uederbicibsel der Schwedischen tu Sweadurg »och immer eingeschlossen. Herre, vom Z August. Vormittags um io Uhr. Nachdem der Kommandant der seit 8 Tagen zwischen Herve und Batice gelagerten belgischen Truppen gestern vernommen, daß die Oesterreicher auf einer Anhöhe bcy Sprimont, z starke Stunden von hier, Post» gefaßt hätten, so ließ « sein aus dcyläusig 6oc> Mau» bestehendes Korps gegen Z Uhr Abends aufbrcctzen und in de» Gefilden bcy Oluc, Scunde von hier, ihr Lager schlagen; die Kanonen, Munilionskarren und Bagage wurden aber in das Dorf gebracht. Heute um 5 Uhr frühe hatten die Oesterreicher das Dorf und das Lager ganz unvermukhet umgangen und drangen auf 2 Seilen ein, wo die Patrioten sich dessen am wenigsten versahen, so daß sie sich ihrer Kanonen wenig oder gar nicht bedicucn konnten. Die beiden Kompagnie» von Dupatin und die bcy der Luxemburger Legion m- korporirlcii Z Kompagnien Freywillig« wehrten sich tapfer; allem, die Dragoner sowohl als die Jäger von Tongerloo und Cumptich wollten nicht ins Feuer gehen. Ihr Kommandant, Herr von Schlplaeken, that alles, was man von einem Befehlshaber erwarten kann; er ward aber verwundet und mußte das Feld räumen. Der wackere Kapital» EUier und der Lieulnanl Mertens haben ihr Leben emgcbüßt und der Feltpater Brosius ward in eben dem Augenblicke erschossen, als er das Volk ermahnte, für die Religion zu fechten. Alle Berichte stimmen darum Übeln, daß die Insmgcnlcck'eine Menge Tobte und Verwundete auf dem Waylftld gelassen haben. Kanonen, Muni- rlonskarrcn, Zelte und Gcpacke, kurz alles ist den Oesterrcichern in die Hände gefallen, welche vermulh- jich noch heute unsere Stadt in Besitz nehmen werden. Die hier im Mililalrsplial befindlichen verwundeten Patrioten werben in aller Eil auf Wagen gepackt, um ins Lütticher Land transporllrl zu werden. Herr von Schleplacken befindet sich wirklich in Lüttich. Aus wcstphnlcn, vom Z Aug. Nach der zwischen Preussen und Oesterreich zu Rei- chendach gc>chloßncn Ucbcrcinkunft soll, dem Vcrneh. meu nach, der König von Preussen dem König von Ungarn und Böhmen die Niederlande 'garantrrew. Cd ^ r, heißt zugleich, ein Theil König!, preusischcn Truppen! ^ werde dem König von Schweden zu Hülfe eilen. z Nürnberg, vom 3 Aug. Nach Privatnachrichlen aus Regensburg will man wisse», daß der König von Preußen aus sehr erhebst- chen Ursachen die baldige Ansehung des Wahl- und d, Krönungsgeschäfts wolle betrieben wissen. Diese sol- g len hauptsächlich dann», bestehen, daß von dem neuen Z Kays« ohne Zeitverlust das Reich in Thätigkeit gesetzt I werde, den von Frankreich gekränkten deutschen Reichs-, j ständen, weil schriftliche Vorstellungen fruchllvs gcwk z, sen seyen, mit allem Nachdruck der gesamten Reichs- » macht bcyzustehen und ihnen zu ihren Gerechtsamen und Nutzungen wieder zu verhelfen, sofort sie auch für künftige Zeiten dieserwegcn sicher zu stellen. . Lüttich, vom 4 Aug. g Das Limburger-Land ist nun von den braban« p ter Insurgenten nach ihrer gestern bcy Olne erlitt»«, r Niederlage völlig gesäubert und die Oesterreich« haben n dasselbe in Besitz genommen. Die Wurmser-Husaren ; sind den Flüchtlinge» bis an unsere Karlhaus »achge- 8 setzt. Gestern Morgen trafen y Fuhren mit Verwunde- c len hier ein, die in die hiesige» Spitäler verlegt l wurden. Das Odservantenkloster zu Vife ist gleichfalls r mit Verwundeten angefüllt. Dem sichern Vernehmen, l nach, har der Anführer der Brabant« nebst 4 Ossi. I eieren auf dem Wahlseld das Leben eingcbüßt. ! s Mastricht, vom 4 Aug. ^ d Nachdem die Nelchstcuppen sich gestern Morgens' n der Anhöhen von Brce bemächtigt hatten, so rückte il ihr rechter Flügel Nachmittags unter dem Komman- 2 do des Grafen von Hatzfeld gegen Eonhoven, unge- si fahr elrie Stunde von Hass.it und -er linke Flügel si unter Anführung des Prinzen Moritz von Isenburg ? nach der Bessemer - Heide gegen Surcndal. Hur § hatten sich die Insurgenten ln eine Mühle geworfen, u aus welcher sie auf die Rcichslruppcn wacker ftuer- ^ len, so daß «sie« sich gezwungen sahen, auS Kanonen b ans dieselbe zu schießen, wodurch dir Mühle wirtlich ü in Brand geriet!). Dieses zwang die Lütticher, sich » näch Münsterdilsen zurückzuzlchcn, wo sie eine Battcclr v errichtet haben, von welcher sie ganzer 2 Slunden. l, auf die Exckutionstruppen kanon^rcn, ohne ihnen je, d doch de» mindesten Schaben zuzusügen. Von Veiten le der Rcichsarmee wurde die Kanonade aufs lebhafteste i> erwledect; man weis jedoch noch nicht, ob die Lüt- - ticher dadurch viel oder wenig gelitten haben. Noch diesen Morgen um 8 Uhr hörte mau den Kanonen-' " donner und seitdem vernimmt man, daß die Reichs« 2 ! trupvcn in Sutendabl eingerückl und die Patrioten in die Flucht gejagt sind. Heule um die Miltagszeil sieng das Kanoiiiren wieder au und dguerts noch i» .« ( 549 ) Cs PPM man »cdlr- uav svl- cuen esttzt uchs- >ewi» 'ichs- unen auch ttue,i laben saren ichge» unde» erlegt hsavs hmcn Offi. egens rückte man- unge« i>üge! rburg Hilk ftt>er> ivncn >rUlch sich ittccir '.uten i je, feilen isteste Lüt- Noch vnen- cichK ni in, gszeil , i» i,»« rinem fort. So viel man auS der Entfernung er- ralhen kann, scheint auf der Beffemer - Heide etwas ' im Gang zu seyn. Alles stimmt darinn überein, daß -ie Gegenwehr der Lütticher über die Erwartung gehtt Hamburg, vsm 4 August. Verschicdne Briefe, die man mit gestriger Post aus Lande» erhalten hat, melden, daß in Ansehung der Streitigkeiten mit Spanien noch alles auf vorigen Fuß und man noch immer ungewiß ist, ob der Friede forctaucrn, oder der Krieg ausbrechen werde. Andre Briefe hingegen melden als zuvecläßig, daß Lord Howe' sey mit der Flotte in See gegangen und man befürchte daß die Unterhandlungen mit Spanien sich zerschlagen werden. Mastrichr, vom 5 Aug. Der linke Flüge! der Neichsarmee steht noch, wie gestern, auf einer vortheilhasten Anhöhe zu Sutendal und die Lütticher gegen ihm über zwischen Holzungen und dichten Sträuchen. Es fällt zwar dann und wann ein Schuß; die beyderscitigen Lager stehen aber zu weit von einander, als daß sie sich schaden könnten. Bcyde Theist bleibe» in^ ihren vortheilhasten Stellungen unbeweglich und scheinen irgend eine gute Gelegenheit abwaneu zu wollen, um sich keiner Gefahr auszusttzcn. Die Bewegungen des rechten Flügels sind uns noch unbekannt. Einige sagen, cs sty auf die Belagerung von Hassest abgesehen, andre behaupten, man suche die Insurgenten cinzuschlicsstsi. Man weis nun, daß bey dem gestrigen Austritt von beydcn «Ottlen niemand cvdt geblieben ist. Die Insurgenten haben ihre 2 Bakterien vor Vilsen verlassen und sich, 2200 Mann an der Zahl, in Bilsen geworfen. Die pfälzi, schen Truppen nahmen die Batterien sogleich in Besitz; die Kanonen waren aber schon nach Bilsen in Sicherheit gebracht. Die mainzischen und trierischen Kriegsvölker liegen vor Hasselt , die Münster,chcn und ! bonnischcn hingegen beym Hauptquartier zu Gench. Der Austritt zwischen den Oesterrcichern und brabanter Patrioten im Herzogihum Limburg wird in einem öffentlichen Blatt folgendermaßen erzählt: »Das Herzogihum Limburg ist nun durch eine Armee von 96 Mann wieder in österreichische Hände gekommen. Den zstn d. M. früh um halb 7 Uhr rückte der Haupkmann d'Aspre nrt 24 Husaren, 12 Mann leichter Reite» cy und üo Mann Infanteristen gerade zu auf das Lager der Belgier bey Olne, i /r Stund von Hcrve, los. Die belgische Tapferkeit lag noch eingewicgt in seligem Schlummer unter dem Schutz Morpheus, der ihnen weither war, als der rauhe Mars, welcher weder Rast noch Ruhr gönnt. Die Oesterreicher, ungeduldig Belgiens Krieges sufzuwe. cken, sprengten auf ihre Zelte und es blieb den 500 schlafenden Helden nichts übrig, als sich zusammen zu raffen und Fersengeld zu geben. Lager, Gepäeke, Munition und z Kanonen nebst vielen Pferden wurden die Beute der Oesterreich», welche aus den eroberten Kanonen sowohl mit Karlärschen die Fliehenden begrüßten, als auch so unartig auf sie cinhiebcn, daß über 8o Mann geblieben sind.. Die Zahl der Verwundeten ist sehr gros und dic.übrigeu sind haufenweise ohne Hosen nach Vcrviers, Lüttich und den umliegenden Dörfern geflohen. Ihr Kommandant Schiplaekeu ist verwundet nach Lüttich gebracht worden. Nachmittags rückten die Oesterreich» unter allgelneinem Vivatruf: es lebe Leopold, in Herve und Eupem ein und gleich ward fcyeriich das Te Deum abgesungen. « Der österreichische Kommandant zu Herve und Hauptmann der Grenadiers von Ligne, Herr vo» Aspre, erhielt den gten Morgens eine Staffele mit der Nachricht, daß ihm heute eine Verstärkung von 1700 Mann zugehcn werde. Reichstag. So viel bey dem Reichstag bekannt geworden' haben die Reichsstädte des Schwäbischen KreißcS, an bas Krcißdireckvrialamt vcrschiediie Beschwerden getan-' gen lassen, damit hievon Gebrauch bey der kayser-' lichen Wahlkapitulation gemacht werden solle. Sie' schickten solche aber auch an das reichsstädtische Collen gium ab, um sie denen Nonius »6 L^pirulutiousrn eiiizuverleibcn. Es will verlauten, daß laute und bittere Beschwerden, wegen der begünstigten Gctraidaus- fuhr in die Schwcitz zum Nachthcil des Deutschen Vaterlands, von einigen Reichsständen sollen geführt und auf künftige Sicherheitsmittel gedacht werden;! indem die Sache an ein und andern Orten schon! wirklich Unruhen verankaßte, die hernach so leichte nicht mehr gestillt werden können. Forftgung der Leserlichkeiten bey -er Wahl und Rrönung eines deutschen Raysers oder eines römischen Lönigö- Am Eingang der Kirche werden die hohen Wählen-' den von einem Bischofs und verschicdnen andern Geists lichen empfangen und in das Chor der Kirche geführt, wo sogleich die katholischen Churfürsten dem Altar gegen über unter rochen Baldachinen Platz nehmen, um eine Messe anzuhören, die evangelischen aber so lauge stehen bleiben, als die Messe dauert. Nach Endigung derselben vereinigen sich beyderley Herren am Altar wieder und Churmainz fordert di« hohen Wählenden zum Wahleid auf. Sobald dieser abgelegt ist , gehen sie sämmt- t 550 ) lich ins Wahlzimmer (Csnclave) um daselbst 'ihr wichtiges Geschäft zu vollziehen. Gleich nach ihrem Eintritt wird vie Thür vom oben crwähntemReichscrbmarschall (dem jedesmaligen Grafen von Pappenheim, welcher dieses Amt vom Churfürstcn von Sachsen, zu Lehn trägt) verschlossen und vom Reichserblhürhürer (dem jedes, maligen Grafen von Werthcrn) mit einem langen Stab in der Hand so lang bewacht, als die Wahl dauert. In diesem Wahlzimmer tritt Churmainz wieder auf, die Stimmen zu sammeln und giebc dann die feinige zulezt und wen alsdenn die Mehr, heit der Stimmen trist, der ist Kayser. Demselben wird die Wahl durch einen Reichsfürsten bekannt gemacht und er hält in diesem Fall einen seycrlichen Einzug in die Stadt, um die Krönung und Salbung zu erhalten. Da dem Gewählten und auch selbst dem Reich aus vielen Gemeinden daran gelegen ist, daß diese feyerliche Handlung bald vor sich gehe, so wird dem neuen Oberhaupt sobald als möglich die vorher von den Churfürsten abgefaßte Wahlkapitulation vorge- legt, damit er sie beschwöre und eigenhändig unterschreibe. Die Capitulation enthält die von den Churfürsten gemachte Bedingungen, unter welchen der Gewählte das freye deutsche Reich regieren soll und ist nach der sogenannten goldnen Bulle das zwcyte Reichs, Srundgesetz. Nach dieser Feyerlichkcit setzt der Gewählte den Tag zu seiner Krönung selbst an. Dieser Tag ist der einzige in seiner Art; denn nichts in der Welt kann mit der Feycr desselben verglichen werden. Es ist daher billig, daß ich meinen Lesern die wichtigsten Umstände davon erzähle.. Das, was an diesem Kröritmgstag die Aufmerksamkeit der Zuschauer am ersten rege macht, sind die von Nürnberg und Aachen hergcholten Reichsklcino« dien; denn nur an diesem Tag und sonst nie, werben sie gebraucht. Einige derselben sind bcy der Handlung der Krönung als wirkliche Sinnbilder und Zeichen der Kayserl. Würde wesentlich nöihig und heissen deswegen Reichsinsignien; andre sind blos des An- schauens würdige Kostbarkeiten und heissen Reichsreli- quicn, oder auch Neichshcliiglhümer. Jene, die Rcichsinsignien, werden in der grossen, itzt protestantischen Reichsstadt Nürnberg sufbcwahrc und sind folgende: i) Die Kayscrkrone, von Gold, 14 Pfund schwer, oben über dem Scheitel mit einem Ring und vorne über der Stirn mit einem Kreuz versehen. Sic besteht aus 8 Feldern, die alle mit vielen, aber unge, schliffncn Diamanten bcsezt sind. 2) Der Scepter, oben in der Gestalt einer Eichel mit 6 Blättern, wovon z Blätter aufwärts stehen, Z aber hängen. Er ist eigentlich von Silber, war aber ehedem stark vergoldet. Izt ist die Vergoldung größtentheils davon gegangen, z) Der Reichsapfel; eine Kugel von Gold, ^ z Mark und 2 Lolh schwer und von der Grösse, » daß sie eine starke Mannshand füllt, um sie herum ge- ^ hcn Z gvldne Reife und oben drauf st-.ht ein solches Kxeiiz, wie auf der Kayscrkrone. Der Reichsapfel war ehemals das Sinnbild der Herrschaft über die ganz Erdkugel, siAuuin impsril Orbis terrarum) weil die berühmte Nation der Römer wirklich über die meisten Reiche der damals bekannten Erde regierte. 4) Der Säbel Carls des Grossen, worauf die Worte stehen: OIiMus vinclr, regnak, imperab. (Christus siegt, regiert, herrscht.) Auf der einen Seite des Sä- b bclsknopfs ist das Bild eines einfachen Adlers, auf 8 der, andern aber die Figur eines Löwen mit z Schwän- b zen. 5) Die eigentliche Kayserliche Kleidung, die eben- t< falls noch von Carl dein Grossen herrührt. Die Stü- 6 cke, aus welchen dieser Ornat besteht, sind folgende: > 3) ein langer Mantel, oder Talar von Seide, mit Gold durchwirkl, reich mit Gold und Ebelgesicinen besetzt; b) ei» enger Rock, tvalmatiaagenannt) welchen der Erwählte unter dem eben gedachten Mantel trägt; c) cm kleines scidncs Gewand , (Alba) was dem Kayser über den Mantel gehängt wird. Es ist ein wirkliches Meßgewand, weil der Kayser als Kayser zugleich n Canonicus der Marienst.fcskirchc zu Aachen und also § gewissermassen ein Geistlicher ist; ä) die 8rols, ein langer, etliche Finger breiter Riemen, stark mit Gold und Etelgcstcincn besetzt, weicher dem Kayser über die ft Schultern vorn herunter hängt; e> die Kayscclichcn r, Ringe, welche dem Nene'wählten an die Finger ge- 3 steckt werden; s) die Handschuh und Schuhe Kaystr » Karls des Grossen. Diese und einige andre Putzsa- k chcn aus dem Atterthum heissen zusammen: 1'nnica, N Xlba, kluvi.ile, 8ro!s, Aona, Lkirotbeaae und 8ar>- a äalia. Da Kayser Carl der Grosse auch wirklich sei« ti ner Statur nach ein sehr grosser und starker Mann ss gewesen und also diese Sache» nicht jedem seiner Nach- >r folgcr passen, so werben sie dem erwählten TagS vor, her angelegt und paßüch gemacht. Demohngeachtet bleibt dieser ganze Anzug mit der 14 Pfund schweren L Kreme eine wirkliche Last für das Haupt und die Schul- 2 lern des neuen Kayftrs; dem jauchzenden Volk aber w ist der Anblick dieser antiken Pracht ein frohes u Entzücken. >r (Die Fortsetzung folgt.) di Vermischte Nachrichten. ^ Es beißt, als habe sich die Pforte anheischig ge- macht, der Krone Preuffen hundert Millionen B Löwen - Thaier zur Entschädigung adzugeben» R D P