BmaS&rrif« ffit April: hl Karlsruhe: in un- facer Geschäftsstelle und in u »,eren Ausgabestellen al>- Sekolt monatlich Jl 3800.— ftei Haus «liefert monat> liÄ Jl 4000.—: uuswärts: durch unlere Aaenturen be M 4000.— EinzrlverkaiU.fspreis: 150 Jl Po»jche-kio«to Str. SS47 Karlsruher Tagblatt Karlsrnhe. SDwctewrtrile t#r »vrll: die »aesp. Nonvareillezeile ober deren Raum Jl 850.—; auswärts Jl 420.— : Fa- mllienanzeiaen und Stellen- aesuche Jl 200.—; Reklame- aetle Jt 1100.—: an erster Stelle Jl 1200.—. Rabatt nach Tarif. Anzeia.-Annabme b. !> Ulir mittags: kleinere Anzeigen spätestens bis S Uhr nachm. fternsvrechauschlüike: 3Jr 2« Nr. 19. Badische Morgenzeitung Mit der Wochenschrift «Die Pyramide" Badische Morgenpost »Wirtschafts- und Handelszeitung- ✓ „Turn- und Sport-Zeitung" / „Unterhaltungsbeilage"X »Literaturbeilage" / «Für die Frauen" ^«Wandern und Reisen" ^„Die Scholle" Chesredakteur: Hermann v Laer. Verantwortlich für Politik: Fritz Ehrharb: für den wirtschaftlichen, badischen und lokalen Teil: Hein,ich Gerhardt: wr bas Feuilleton: Hermann Weick? Mr die „Pyramide' Karl I c> b o : für Inserate: Heinrich Schriever. sämtliche in Karlsruh-. Druck und Verlag C F. Müller. Karlsruhe. Ritterstr. 1. Berlin r Redaktion 0r. Richard I ü gl eBerlin-Lankwttz. MozaNf«. 87. Telephon-Zentrum 423. Für unverlangte Manuskripte oder Drucksachen übernimmt die Redaktion keine Verantwortung. Rücksendung erfolgt, wen» Porto beigefügt ist. Sprechstunde der Redaktion: 11—12 Uhr vormittags. 120. Jahrg. Montag, den 16. April 1921* Mr. 104. Die neueste Drohreöe poincares Die Rede in Dünkirchen. Paris, IS. April. (Drahtber.) Anläßlich der Enthüllung eines Kriegerdenkmals in Dünkirchen hielt Ministerpräsident Poinears eine Rede, in der er zunächst die alte Lüge wieder- holte, daß Frankreich und Belgien zur Besetzung der Ruhrgebiete geschritten seien,' weil Deutsch- tond seine Verpflichtungen nicht erfüllt habe, so daß Frankreich selbst annähernd IM Milliarden für Deutschlands Rechnung habe zahlen müssen. Frankreich habe sich jetzt davon überzeugt, daß Deutschland die Kohlen hätte liefern können, "ie es verweigerte, es habe sich so eingerichtet, üaß es jetzt die Ruhr kohle entbehren könne. Dann log Poincars weiter, Frankreich habe jetzt gewisse militärische Organisationen in Deutsch- laich auflösen und entlarven können, die sich un- te * dem harmlosen Namen Schutzpolizei "erborgen hätten- Poincäre erklärte weiter, er schon mehrfach gesagt hat, daß Frankreich die Pfänder nicht gegen einfache Versprechungen herausgeben werde, und daß es nur nach Matz- Kabe der geleisteten Zahlungen sich aus dem ^uhrgebiet zurückziehen werde. England und Amerika würden jetzt wenigstens die Beweg- gründe Frankreichs billigen, der Meinungsum- ichwung in diesen Ländern sei zum großen Teil darauf zurückzuführen, daß Frankreich seinen Hillen durchsetzte und jetzt die sogenannte Schlagader Deutschlands in Händen habe. Poincare wiederholte dann älte Lügen und be- hnuptete, wir gedenken niemand zu erdrosseln, ^'ir haben nur den Wunsch, uns bezahlt zu ma- ^en und uns vor dem finanziellen Zusammenbruch zu bewahren. Kein Mensch könne ernstlich Dauben, daß Frankreich den tollen Gedanken ^ge, fremde Völker unter fein Joch zu bringen "ad sich Gebiete gegen den Willen seiner Be- ?vhner anzueignen. (Man denke an Ober- Glesien und an die Saar. D. Red.) Poinear« Wandete sich dann gegen die Einwürfe gewisser Franzosen gegen die Ruhrbesetzung und erklärte, daß er sich durch Gelegenheitspessimisten von nnem Ziel nicht abbringen lasse. Die Gesamtheit des Landes fei entschlossen, zu vollenden was ^egonnen worden sei. Die Aktion werde mit ie! it Wiederaufbau der verwüsteten Provinzen ^nd mit der Wieöererhebung Frankreichs enden, vergeblich werde Deutschland auch nur eine ein- -ttge Minute des Schwankens erwarten, Frank- lcich werde durchhalten, wie es bisher ohne Ge- "alt und ohne Provozierung (Man ver- Deiche die Worte mit den Taten. D. Red.) archgxhg^ten habe. Es werde jusquau bout (bis äum Ende) voranschreiten und durch einen ^uerhaften Frieden der Wiederherstellung das ^erk feiner Toten vollenden. Ein französisch-belgischer Reparalionspian. .Paris, lg. April. Wie der „Maiin" mitteilt, j. T es tatsächlich die Absicht der französischen und ^»Kuchen Regierung, einen französischibelgischen ^arattonsplan aufzustellen, der mit den ande- ^ Alliierten, wenn sie es wünschten, erörtert Stritte, und den man auch Deutsch- oL f. mitteilen könne. Die Vorschläge, die der verkündet, stellten in den wesentlichen K»»^ n das Ergebnis der in Paris gemachten rudien dar und die Loucheur dem englischen als seine rein persönliche Ansicht m^eteilt Habe. Im Laufe der Beratungen habe mit den -belgischen Ministern diese Ka- besprochen. April. Bon gutuntorrichteter Seite iro bestritten, daß der von dem Pariser „Ma- g<^!„veröffentlichte Reparationsplan in London »ebilligt wurde. April. Wie Havas mitteilt, hat der lgi,che Ministerpräsident Dheunis imch Schluß vvrnnttng stattgehabten Beratung zu *it!L« en gesagt: „Wir Wben eine Sit- Aufuchtsrates des Ruhrgebietes abge- ' ^er gleichen Quelle haben die Mi- d-enten der beiden Länder beschlossen, fn*r • aus» neue in Brüssel miteinander zu ronfer,eren. Rücktritt Vonar Laws? s «°ndon. 15. April. Das Reutersche Büro gibt des R Mitteilung: Der Gesundheitszustand din»sPremierministers Bonar Law hat neuer- »nr * äu einiger Sorge gegeben. Schon titoU i'i Bahlen war sein Gesundheitszustand ftp?! flut - und er hat das Amt des Premiermini- Rpf;®, «ntcr Druck angenommen. Seitdem v°r^H er ficö nicht wohl, und es sind Anzeichen ^'°uden, das, erbaldzurücktreten wird. sv>^5v Auswärtige Amt widerspricht in einer ^Smu!u xlnm öer ****** Uotl Die Massenanslreibung Eisenbahner» der Frankfurt, IS. April. Gestern nachmittag gegen 5 Uhr trafen 2 0 0 ausgewiesene Eifenbahner aus Höchst, Flörsheim, Hochheim, Wiesbaden, Biebrich, Erbenheim und Dotzheim der Reichs- etsenbahndirektionsbezirke Frankfurt und Mainz in Frankfurt ein. Sie wurden an öer Grenze des besetzten Gebietes in Empfang genommen und im Sonderzug nach Frankfurt gefahren. Im Eisenbahndirektionsgebäude wurden sie von dem Präsidenten der Reichsbahnverwaltung Dr. Stapff begrüßt. Er sprach ihnen den Dank des Vaterlandes und der Reichsbahnverwaltung für ihr ihrem Eide getreues, vorbildliches Verhalten gegenüber den widerrechtlichen Gewaltmaßnah- men der Franzosen und für ihr mannhaftes Aus- harren aus und sicherte sofortige und sorgsamste Füsorge zu für sie und für ihre Familien, die in wenigen Tagen folgen müssen. Haltung und Stimmung der Ausgewiesenen war ausgezeich- net. Gestern nachmittag halb 6 Uhr traf aus der Richtung Griesheim ein Eifenbahnzng mit aus- gewiesenen Eisenbahnern in Darmstadt ein. Der Zns hielt auf freier Strecke. Die Ausgewiesenen mußten zu Fuß nach Da.rmstadt gehen. Es waren Eisenbahner aus Goddelau, Wolsskehlen, Dornheim, Groß-Gerau und Klein-Gerau. Ein zweiter Zug mit Ausgewiesenen wurde bei Gernsheim angehalten. Die hier abgesetzten Eisenbahner stammen aus Budenheim nnd Stock- stadt. Die Familien sämtlicher Ausgewiesenen müssen innerhalb vier Tagen folgen. Insgesamt waren es über 100 Eisenbahner. Der Grund der Ausweisung ist, daß die Eisenbahner auf wiederholtes Befragen, ob sie für die Franzosen arbeiten wollen, dies verweigert haben. D:e Be- Hörden in Darmstadt sind bemüht, die Ausge- wiesenen unterzubringen Ludwigshasen, 15. April. Ausgewiesen wurde der Personalvertreter Richard Guttiug, Gewer kfchafsfekretär des Bayerischen Eisenbahnerverbandes, und Ludwig Stichler, Vorsitzender des Bezirksbeamtenrates. In Kaiserslautern wurde eine Aufforderung zur Dienstaufnahme an alle Beamten neuerdings erlassen mit dem Zusatz: Wer Mon- tag, den 16., den Dienst nicht aufnimmt, wird am gleichen Tage ausgewiesen werden. Bei den gestrigen Ausweisungen wurde am Rheiuüber- gang Germersheim die Zollkonirolle besonders scharf ausgeübt, wobei auch kleine Mengen Tabak und Wäschestücke den Ausgewiesenen ab- genommen wurden. Von einzelneu Bahnhof- Wirten-in der Pfalz ist verlangt worden, daß sie ihre Pachtbeträge nunmehr an die Franzosen überführen. Das Ansuchen ist aber abgelehnt worden. Düsseldorf, 15. April. Der Vorsteher des Vahnamtes Düsseldorf-Gerresheim, Eisenbahn- inspektor Schwanberg, wurde gestern von den Franzosen verhaftet und ausgewiesen. Seine Familie hat innerhalb dreier Tage zu folgen. Der AbwehrwMe der Berg- arbeiker. Bielefeld, 15. April. Am 13. und 14, April fand in Bielefeld die Reichskonferenz öer Bergarbeiter Deutschlands statt, um zu der Besetzung des Ruhrgebietes Stellung zu nehmen. Der Berbandsvorsitzende gab einen umfassenden Neberblick über die Lage und unterstrich die Siotwendigkeit der weiteren Abwehr der franzöfisch-belgischen Rechtsverletzungen am Rhein und Rnhr. Den um ihre Lebenshaltung schwer kämpfenden Saarkameraden drückte die Konferenz ihre stärkste Sympathie aus und be- schloß, für sie einen Extrabeitrag in der Höhe eines zweimaligen Wochenbeitrages zu erheben. SchliefUch wurde einstimmig eine Eutschlie- ß u n g angenommen, in der der nngebroche- n e Wille, fremder Willkür und brutaler Ge- walt sich nicht zu beugen, bekundet wird. Die Konferenz verurteilt den Ueberfall französischer und belgischer Truppen auf eine friedlich arbei- tende Bevölkerung, sie wies aber auch den Ge- danken weit von sich, durch Abkehr von den bis- her erfolgreich angewandten Abwehrmitteln die grausame Gefahr einer blutigen Auseinander- setzung heraufzubeschwören. Es sei heilige Pslicht der Regierung, keine Gelegenheit zur Anbahnung einer friedlichen Verständigung un- benützt vorübergehen zu lassen. Weitere Schachtanlagen be?etzl. Berlin, IS. April. Einer Blättermeldung aus Gelsenkirchen zufolge haben die Franzosen am Sonntag in Holstem scher die Schachtanlage Nordstern 8 nnd 4 (Phönix) und die Zeche Welheim tStinneskonzern) besetzt. Die Ablagen verfügen über keine Kokslerzeugung. Weiter wurde in Kreideweiß die neue Schachtanlage der Vontfaziuszeche und die Koterei besetzt. Bei der letzteren Aktion wurden von den Fro -nzosen Tanks benutzt. Die Koks- und Brikettlager der Brmifaziuszeche wurden von den Franzosen be- sonders inspiziert. Der Kampf um die Kohlen- stener. Berlin. 15. April. Die von den Franzosen Euöe Februar erlassene Verorönuug über öie Zahlung der Kohlensteuer stellt den Gipfel aller bisherigen Willkürakte und Verachtungen des Rechts dar. Sie bestimmt, daß die nach dem 1. Oktober 1922 fällig gewesene Kohlensteuer von den einzelnen Kohlenzechen an die f r a n z ö f i - schen Kassen bezahlt werden müssen, obwohl den Franzosen genau bekannt war. daß diese Kohlensteuern restlos bezahlt sind und daß im Ruhrgebiet nicht nur öie Kohlenzechen, sondern das KohlensynöikatSteuerschuldner ist. Wenn die Zechen sich weigern, wird den Aufsichtsräten und den Leitern der Gesellschaf- ten der Eingriffinihr Privatvermögen, eine im modernen Recht verpönte und dem mittelalterlichen Rechtsbegriff entnommene Maßnahme angedroht. Der Termin für das Inkrafttreten dieser willkürlichen und rechtswidrigen Anordnung ist von den Fran- zofen auf den 15. April hinausgeschoben worden. Die deutschen Kohlenindustriellen haben trotz- dem einmütig den Beschluß gefaßt, sich der Ge- walt uicht zu beugen. Die Raubzüge auf Reichsbankgelder. Berlin, 15. April. Die deutsche Botschaft in Paris wurde beauftragt, der französischen Regie- ruug folgende Note zu überreichen: Die Reichsbank machte der deutschen Re- gierung von einer neuen schweren Verletzung ihrer Rechte durch die französischen Besatzuugs- truppen Mitteilung. Danach haben die Trnp- pen in einer mit dem Druck von Banknoten für die Reichsbank beschäftigten privaten Druckerei in Mühlheim (Ruhr) Druckplatten sowie einen großen Posten fertiger und unfertiger N o t e n f o r m n l a r e fortgenommen. Offen- bar sollen sowohl die fertigen Notenformulare als auch die unfertigen, die in fertig zwar ge- druckten, aber noch nicht verschnittenen Bogen bestehen, als Papiergeld in Umlauf gesetzt wer- den. Auch das übrige fortgenommene Ma- terial ist bisher nur zum Teil zurück- geführt worden. Es fehlen eine Druckplatte und 41 von den noch nicht fertig gedruckten Bo- gen, über deren Verbleib und Verwendung die Truppen bisher keinerlei Erklärungen abgegeben haben. Die französischen Befehlshaber find trotz der deutschen Proteste nicht daran gehindert wor- den, Geldtransporte der Reichsbank wegzuueh- men, obwohl diese — wie auch von den jnristi- schen Sachverständigen der Reparationskommis- sion mit alleiniger Ausnahme des französischen Sachverständigen anerkannt worden ist — als privates Institut angesehen werden muß. Es ist deshalb nicht zu verwundern, daß die Be- fehlshaber sogar jetzt dazu übergehen, sich aus den für die Reichsbank arbeitenden privaten Druckereien Material anzueignen, das nur unter Begehung eines gemeinen Münzdelik- tes als Papiergeld in den Verkehr gebracht werden kann. Die deutsche Regierung möchte einstweilen annehmen, daß die französische Re- gierung dieses Vorgehen ihrer Truppen nicht billigt. Sie erwartet daher, daß öie französische Regierung entsprechend dem Antrag der Reichs- bank sofort die erforderlichen Anordnungen trifft, damit das gesamte noch fehlende Material zurückerstattet und außerdem die förmliche Ver- sicherung gegeben wird, daß von den Druck- platten keinerlei Abdrücke vorgenommen wor- den sind. * Köln, 15. April. Der Versuch, die in der Be- kanntmachung des Reichsbankdirektoriums vom 13. April bezeichneten, in Mühlheim an der Ruhr von den französischen Besatzungstruppen be schlagnahmteu Druckforunulare als gültige Banknoten in 'den Verkehr zu bringen, ist, wie wir erfahren, von französtsch-belgischer Seite ge- macht worden. Die Banane Belgigue hat da- selbst 4 Millionen Mar!k dieser Scheine der ReichsbankHauptstelle mit dem Ersuchen um Gut schrift dies Betrages vorgelegt. Selbstverständlich wurde diese Gutschrift abgelehnt. Die vor- gelegten Stücke sind im Wege der Durchlochitng unbranchbar gemacht. Das Urleil gegen den Essener Bürgermeister Schäfer. Köln, 15. April.. Wie öie Blätter aus Essen melden, ist nun auch das Urteil des 5?riegs gerichts in Recklinghausen gegen den Bürger meister Schäfer von Essen, das auf 3 Jahre Ge- fängnis und ö Millionen Mark Geldstrafe lau- tete, vom Gericht in Mainz als Revisionsinstanz aufgehoben worden. Der Prozeß wurde an das Kriegsgericht in Düsseldorf zur nochmaligen Verhandlung verwiese«. Widerstand unsere einzige Lettung. Bon Prof. G. v. Below sFretburg i. Br.). Wenn es für dem Bestand eines Staates stets wesentlich ist, daß er keine Lücke zeigt, sondern in allen seinen Teile« soft zusammenhält, so erwies sich eine solche Geschlossenheit vollends notwendig bei dem furchtbaren Ringen, welches Deutsch- land im Weltkrieg ausigeMungen wurde. Unsere Feinde suchten jede Lücke zu erspähen und jede zu erweitern, unter Ausnutzung unserer innen- politischen Schwieriglkeiten. Wie sie uns unsere Bundesgenossen abtrünnig M machen suchten, so bemühten sie sich, inneren Hader bei uns zu er- wecken und zu schüren. Man ließ die galten Deutschen wissen, sie würden nicht mehr bekämpft werden, wenn sie Deutschland nur recht gründ- ilich öemokrattsierten und republikanisierten. den „Obrigkeitsstaat" und den „Militarismus" ab- schafften. Ein Deutscher. Hans Wram, der die drei ersten Kriogsjahre in Paris lebte, hat, nach- dem es ihm gelungen war, nach der Schweiz überzusiedeln, seine Pariser Beobachtungen in zwei lehrreichen Schriften damals Mfammenge- faßt s„Kriegsbilöer aus Paris 1914—1917" und „Paris 1014—1918'0. Er schildert, wie die Fran- Msen die Verheißungen, 'die sie für die Demo- ikrattsierung Deutschlands in Aussicht stellten, uicht im mindesten ernst meinten, vielmehr nur Mr Schwächung unseres Vaterlandes ausnutzten. Er schildert aber zugleich^ wie eine Zeitlang auch in Frankreich die Zwietracht Platz griff und wie im Zusammenhang mit ihr die großen kriegeri- schen Taten der Deutschen dem französischen Schicksal doch eine bedenkliche Wendung zu geben schienen. Da aber kam unseren Feinden die deutsche Uneinigkeit zu Hilfe. Das Unglück- liche Jahr 1917 mit der Sonderpolitik des Habs- burgers Karl, mit der Erzberger-Resolntivn und mit der bei uns geforderten „Demobilifa- tion des Geistes" zog herauf, und natürlich nutzte die Entente die willlommene Gelegenheit kräftig aus. Der Blick auf die «deutsche Uneinig- feit beseitigte schnell die franizösische und stärkte öie Entente. Treue Freunde des Vaterlandes haben da- mals eindringlich zur deutschen Einigkeit ge- mahnt. Tirpitz setzte eben dies Ziel auf die Va- terlandApartei und wies alle an ihn herantreten- den iunerpolitifchen Forderungen unbedingt ab. Allein die inner-politischen <>>egensätze gewannen das Uebergewicht. Es gab Reichstaigsabgevrd- nete, welche die Meuterer der Marine in ihren Schutz nahmen! Blond George, der seit dem Kriegsende wie- Herholt das gute Recht unseres alten deutschen Standpunktes hat anerkennen müssen, äußert sich neuerdings auf eine höchst bemerkenswerte Weife im „Daily Telegraph": „Die Kritik der großen deutschen Heerführer hüt sehr viel für sich, wenn sie sagen, ihre Niederlage sei in weitem Um- fang der Tatsache zuzuschreiben, daß öer deutsche Politiker feine Pflicht nicht tat. als es sich da rum ha n d elte die Sti mm un g des Volkes hinter öer Front zu organisieren und aufrecht zu halten. Heere wurden mobilisi- siert, aber nicht die Herzen lconscript« were mobiliscd, but not consciences), Die Folg e wa r, daß der Geist öeS deut^ scheu Volkes ver sagte, ehe der Wider- stand der Truppe geb r ocheu wa r." Die Worte von Lloyd George stellen ein be- merkenswertes geschichtliches Urteil dar. Haben sie aber nur für die Beurteilung der Vergangen- heit Bedeutung? Zwar haben sich die Dinge insofern gewandelt, als uns uufer altes, fchö- neS Heer genommen worden ist. Indessen die „Mobilisierung der Herzen" bleibt nach wie vor die Grundlage. Lloyd George selbst gibt uns einen Wink, wie wir die heutige Lage ibetrmh ten sollen. Wir dürfen nicht mehr der „Demo bilisierung der Geister" das Wort reden, nicht mehr die Trennung der Nation, wie sie 1917 er folgte, zulassen, nicht für Verhandlungen mit den Franlzofen und Nachgiebigkeit ihneu gegon^ über schwärmen. Jener FranMe, dessen Aeuße' rungen Wram in seiner Schrift wiedergibt, sagt' „Es ist eine unglaublich blöde Einbildung der Deutschen, daß sie die Idee haben, uns zu einer Versöhnung zu beweigen." Nur Widerstand, nur geschlossener Widerstand kann uns helfen. Nur dann anch kann die Un- einigkeit, die sich jetzt innerhalb der Entente zeigt, für uns nutzbar werden. S!ur ein e i u i - ges und von festem Willen geleitetes Deutschland wird als Bundesgenosse von einem anderen Staat geschätzt werden. Wir geben uns nicht Illusionen hin. indem wir etwa glauben, ein Staat würde um unserer schönen Augen willen sich für uns ereifern: unsere Auffassung ist vielmehr die, daß Deutschland sich selbst hel- feu muß, aber, wenn es die nötige Festigkeit zeigt, auch von anderen geschätzt wer- den wird. Und daß ein fest geschlossenes Deutschland heute manchem Nichtfrnnzosen er- wünscht ist, dafür besitzen wir reichlich Beweise. Seite 2 Karlsruher Tagblatt, Montag, den 1k. April 1928 Rr. 104. Als einen Beweis erwWnen Mir hier einen von dem englischen Professor Herford im „Observer" gegen den fron,Mischen Ueberchauvi nisten Pro- fessor Seignodos unter dem Titel „Die Fabel von Deutschlands Ansflüchten" veröffentlichten offenen Brief, in dem Herford dem ftriatwofen mit allerliebsten kleinen Bosheiten zusetzt. Während Seignobos rathetifch erklärt, Deutschland dürfe als Schuldner nicht meihr frei sein, macht Herford den hübschen Borschlag, wegen Poin- earSs Weigerung, die französischen Schulden England und Amerika zu bezahlen, die Seiden- Ginnereien von Lyon unter englische Kontrolle zu stellen! Und Herford meint ferner, man könne es „einem Deutschen, der Heute vom wider- rechtlich besetzten Mannheim über das Neckartal hiuübersieht nach den Ruinen des Heidelberger Schlosses, wohl verzeihen, wenn er Äaran denkt, daß dieselben Franzosen, die es im Jahre 1689 verbrannt Habel,, seht die Herren seines Hafens lind." Vrotversorgnng nnd freie Getreidewirtschaft. Ter Reichstag bat, wie schon gemeldet, am Donnerstag einen Antrag angenommen, der die Aufhebung der sogenannten Getreideumlage fordert. Damit hat der Kampf nm die Zwangs- abliefernng von Getreide ein Ende gefun- den, ob für immer, wer vermags z>n sagen? Die Verbillignng des Brotes für Minderbemit- telte soll durch eine besondere Abgabe der be- sitzenden Kreise erreicht werden. Die erste, sehr wichtige unmittelbare Wirkung dieser Eni- schließuug wirb uud muh sein — so schreibt Reiätsernährungsminister Dr. Luther in einem Artikel über den nun angenommenen Antrag — daß die deutschen Landwirte alles aufbieten, was als Teil der Frühjahrsarbciten noch möglich ist, um dem deutschen Bolk eine reichliche und gute Getreiderntc zu sichern- Die Voraussicht, nicht mehr unter wirtschaftlichen Hemmungen und obrigkeitlichen Eingriffen bei der Getreidewirt- fchaft zu stehen, mich Ansporn für den deutschen Landwirt werden. Das ivird die erste Einlösung des Versprechens der deutschen Landwirtschaft sein, bei Freigabe des Brotgetreides vom Zwang bi>e deutsche Volksernährung dauernd erheblich bessern zu können. Alle sonstigen Folgeerscheinungen der erwar- reten Reichstagsentschließung werden, da es sich um das nächste Erntejahr handelt, der Bevölke- rung keinesfalls vor dem Herbst fühlbar werden. Eine Reichsgetreidestelle, die Rückwirkungen auf den Brotprcis haben würde, wäre eine Ange- legenheit des laufenden auf der Umlage beru- henden Erntejahres, in dem, wie bekannt, ein sehr großer Abstand zwischen den Ausgaben und den Einnahmen entstanden ist Auch die Frage, wie lange und in welchem Umfange die Vertei- lungswirtfchaft mit ih-rem Kartenwesen in das nächste Erntejahr hinein noch fortgesetzt wer- den soll, muh bis auf weiteres offen bleiben; zureichende Möglichkeiten nach dieser Richtung sind durch die Hilfe der beabsichtigten Reserve (3,5 Millionen Tonnen) vorgesehen. Die Einführung der freien Wirtschaft, die übrigens in Oesterreich schon seit dem laufenden Erntejahr wieder besteht, ist nichts anderes als die Verwirklichung des Programms der Reichs- regierung, das sich mit dein Programm ber frü- Warum steigt der Saft in den Pflanzen? Von Otto Speer. Wer als glücklicher Gartenbesitzer an einem heißen Sommertage seine zwanzig Gießkannen voll Wasser geschleppt hat, der darf sich schon einmal die Stirne wischen und ein bißchen stöhnen, damit auch die Frau weiß, wie schwer er arbeitet. Und doch hat vielleicht mancher Baum des Gartens an demselben Tage in aller Stille die gleiche Arbeit geleistet wie s^in fleißiger Herr, indem er eine ebenso große Wassermenge mit seinen Wurzeln aus dem Boden ausgesaugt und im Stamme emporgeleitet hat. Eine große Birke mit ungefähr 200000 Blättern verdunstet an einem heißen Sommertag etwa 400 kg Wasser, das sind 20 Gießkannen zu je 20 I, an kalten oder regnerischen Tagen 8 bis 10 1; das ergibt in 90 Sommertagen bei täglich durchschnittlich 60 I die hübsche Summe von 5400 1 Wasser. Dabei muß diese Wassermenge oft recht hoch emporgehoben werden, gibt es doch Baumriesen bis zu 100 in Höhe. Welche Kraft hebt diese Last im Baume empor? Diese Frage hat die Naturforscher in den letzten hundert Jahren oft beschäftigt, mit Axt, Feuer und Gift ist man der Pflanze zu Leib gerückt, um ihr Ge- heimnis zu ergründen. Diese Versuche haben inter- essante Einblicke in die Wasserversorgung der Pflanzen gewahrt, während die Erklärnngsversuche der mecha- nistischen und vilalistischen Anschauung sich bis jetzt uuversöhnbar gegenüberstanden. Bei den Bäumen sind die Rinde und die äußeren -(jüngsten) Jahresringe an der Wasserleitung am meisten beteiligt, nach innen nimmt das Leitungs- vermögen des Holzes ab, es scheint sogar, als ob das Holz vorwiegend als Behälter sür Wasservorräte dient, auf die im Notfall zurückgegriffen wird. Der Wasserstrom durchläuft in einer Stunde häufig 1 bis 2 m, bei Kürbis nnd Zaunrebe sogar 6 m. Wird eine Pflanze an- oder abgeschnitten, so „blutet" oder „weint" sie. Eine Rebe weint täglich bis 1 I, eine kräftige Birke 5 bis 7 I Flüssigkeit. Der Druck, mit dem der Saft dabei austritt, ist zuweilen recht beträchtlich; er beträgt bei krantigen Pflanzen bis 0,5 Atmosphären, bei der Rebe bis 1,5, bei der Birke bis 2,7 Atmosphären. Dieser Blutungsdruck kann sehr einfach gemessen werden durch eine Quecksilber- äule auf der Schnittfläche. Er ist bei hoher Tempera- tnr größer als bei niedriger und setzt im Frühjahr (oder Winter) erst ein, wenn der Boden ansgetaut ist; mit dem Erscheinen der Blätter, wenn die Tran- spiration beginnt, nimmt er ab, bei voller Belaubung verschwindet er meist ganz, Schon dieser Blutungs- Heren Reichsregierung deckt, die in jener Note vom 14. November 1922 an die Vertragsgegner von Versailles geschrieben hat: „Zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion wird die Zwangswirtschaft des Brotgetreides abgebaut werden. Bei einer Besserung der Mark fallen die wesentlichen Gründe für die bisherige Ge- treidepolitik fort." Die jetzt erfreulicherweise eingetretene Markbefestigung hat sogar eine weitergehende Wirkung gehabt, indem durch sie das bisherige Umlagesystem in eine Art Zwick- mühl geraten ist, dadurch, daß sich der Um- laaepreis dem freien Marktpreis stark genähert hat. Das Deutlichwerden dieser Erscheinung ge- rade in den letzten Wochen hat in den maßgeben- den Kreisen/ besonders auch im Reichstag, die Ueberzeugung von den schweren Bedenken, die einer Wiederholung der Umlage im Wege stehen, noch gesteigert. Die Wirkung der freien Wirt- schast auf den Brotpreis kann keinesfalls erheb- lich fein. Schon jetzt beruht der verhältnismäßig sehr billige Preis des Markenbrodes nur zu einem recht geringen Teil auf der bisherigen Unterbezahlung des Umlagegetreides. Viel stär- ker schlagen zu Buch der frühzeitige Ankauf des Auslandsgetreides durch die Reichsgetreide- stelle und Zuschüsse aus allgemeinen Mitteln. Die Frage des Brotpreises muß mithin von an- deren Gesichtspunkten aus betrachtet werden. Wichtig ist zunächst, daß die Reserve in der Hand des Reiches dazu bestimmt ist, spekulative Preis- gcstaltuugen des Brotpreises zu verhindern. Zu bedenken ist weiter, daß der jetzige Zustand, wonach Löhne und Gehälter und die davon abge- leiteten Einnahmen freier Berufe nicht auf einen wirtschaftlich richtigen, sondern auf einen künst- lich gesenkten BrotpreiS «ingestellt sind, ein Stück innerer Unwahrhaftigkeit unserer Volkswirtschaft darstellt, dessen Ueberwindung ein wesentlicher Teil des wirt- schaftlichen Gesundnngsvorganges sein wird. Ganz anders liegt die Frage natürlich bei allen, die nicht oder nid>i hinreichend in den Wirtschaftsablauf eingeschaltet werden können (Sozial- rentner, Kleinrentner, Kriegsopfer ufw.,' auch Kinderreiche). Hier muß gerade beim Brot, dessen besondere Bedeutung für unsere Ernährung ja jeder kennt, aus sozialen Gründen für eine fühl- bare Erleichterung gesorgt werden. Die Reichs- regierung hat erklärt, daß sie nur der Entschlie- stnng zustimmen könne, die ausdrücklich eine be- sondere Belastung des gesamten Besitzes, mit Einschluß natürlich des landrvirtschaftlichen Besitzes, vorsieht. Hierdurch wird das bisherige Verfahren geändert, das auf dein Wege der Unterbezahlung der Umlage ausschließlich den land- wirtschaftlichen Besitz belastet hat. So darf erwartet werden, daß die bevorstehende Regelung ohne soziale Schädigung die Rückkehr zu nor- malen wirtschaftlichen Verhältnissen erleichtert und gleichzeitig durch Herbeiführung besserer Ernteerträgnisse dem Gesamtwohl des deutschen Volkes di ent. —^ mi __ Die Franzosenherrschaft in Mittelbaden. Ans der Ortenau wirö unS unter dem 14. April 1923 geschrieben: Nachdem man von der Offenburger Staatsan- waltschaft verlangt hatte, die NamenderKriminalbeamten zu nennen, wurde die dem Landgericht druck gibt allerlei Rätsel auf: da er im Grunde am ersten und stärksten sich zeigt, suchte man die Ursache dieses Druckes in den Wurzeln und sprach vom „Wurzeldruck" als einer der Ursachen des Saft- auftriebs. Viele Pflanzen aber zeigen Blutungs- druck, auch wenn die Wurzeln und damit der Wnrzel- drnck fehlen (Schnittblumen, Rcbenzweige); bei anderen Pflanzen, z. B. den Nadelbäumen, fehlt der Blutungsdruck fast ganz, bei voller Belaubung zeigt er sich meist überhaupt nicht mehr. Ferner genügt der Bluiungsdrnck keineswegs, die oft recht große Wa sermenge vom Boden bis zum Gipfel emporzudrücken. Da das Wasser sich im Holze von Zelle zu Zelle und durch die Zellwände bewegt, sind außer dem Gewichte auch noch Filtrations- und Reibungswiderstände zn überwinden; die Angaben über die dazu erforderlichen Kräfte schwanken zwischen 20 bis 100 Atmosphären Druck, je nach der Zellenbeschaffenheit und Höhe der Bäume. Auf jeden Fall sind die Kräfte größer als der höchste, bisher gemessene Blntnngsdrnck. Die Wissenschaft nahm daher als weitere Kraft den atmosphärischen Druck an. Leider kann er das Wasser nur bis zn einer Höhe von höchstens 10,3 m empordrücken, scheidet also bei höheren Bäumen aus. Auch der osmotische Druck, der bei der Verschmelzung verschieden gesättigter Lösungen durch die Porösen Zwischenwände zweier Nachbarzellen auftritt, ge- ntigl nicht zur Erklärung der Wasserbewegnng. Die dadurch bewirkte Bewegung ist viel zu langsam, beträgt nur wenige Zentimeter pro Stunde, während das Wasser in der Pflanze mit einer Schnelligkeit bis zu 10 m emporsteigt. Aber damit ist die mecha- nische Anschauung noch nicht am Ende ihrer Weis- heit: als letzte Kraftquelle gilt ihr die Saugkraft der Blätter Bei der Verdunstung des Wassers ans den Wasserspalten der Bläser entständen im Blatte luftleere Räume, wenn nicht dnrch die Ko> häsionskrast ständig Wasser nachgezrgen würde. Tatsächlich ist die Zerreißiingssähigkeit des Wassers, wenn es in starre Hüllen eingeschlossen ist, theoretisch kanm geringer als die fester Körper und ist experi- menlell mit mindestens 34 Atmosphären Druck be- stimm worden. So soll das Wasser in Form ge- spann er Wasserfäden an den Blättern hängen und durch die Hangwirlnng der Blätter von den Wurzeln durch den S!amm bis zum Gipfel der höchsten Bäume gezerr werden können. Diese Kohäsions^heorie ist von der Wissenschaf fast «"gemein a> genommen worden. Nun ist sicher, daß die Wasserzufuhr sich nach der Verdunstung richte und daß transpirierende Blätter kräftig äugen. Aber man hat schon lange beobachtet, daß das Was'er anch hochsteig', wenn die Verdunstung ins? ge hoher Luftfeuchtigkeit (bei angeliederte K rimnalabteilung und somit der letzte Schutz preisgegeben, den Offen- bürg nach der Ausweisung der städtischen Polizei und der Kreisgendarmeri« noch besaß. Lichtscheues Gesindel treibt sich jetzt nachts herum und macht die Stadt unsicher. Wenn Lächerlichkeiten töten könnten wäre mancher französische Soldat schon gestorben. Vor ein paar Tagen sangen in den Anlagen junge Pfadfinder das Lied „Deutschland. Deutschland über alles". Als die Franzosen das Lied hörten, schwoll ihnen der Kamm und schleunigst wurde die „Garnison" alarmiert. 40 Mann zogen hin- aus auf den Kampfplatz und mit ausgepflanztem Seitengewehr und entsichertem Gewehr gingen sie auf die fugend los, die natürlich das Feld räumte. Mit der Beschuldigung, einer von den Tätern zu fein, die seinerzeit der Dirne, die sich mit Franzosen eingelassen hatte, den Zopf ab- geschnitten hatten, wurde ein Fabrikant ver- haftet und gefesselt mit schweren Handschellen durch die Straßen geführt. Et« Gastwirt aus Renchen, der unter Zwang einen Gendarm nach Offenburg fahren mußte, ging in Offenburg durch Beschlagnahme seines Autos verlustig, weil uutcrivegs am Auto zufällig eine Schraube los ging, wodurch das Gefährt in Gefahr geriet und der Gendarm annahm, es ginge ihm ans Leben. In den letzten Tagen haben die Fran- zosen anch in den Buchhandlungen Schulbücher ausgekauft, um sich über den Geist, der darin ent- halten, ist zu unterrichten. Um die Ruhrhilfe zu unterbinden, haben die Franzosen die Jndu- striellen seit einigen Tagen bearbeitet, sie mögen die Zahl ihrer Arbeiter und Arbeitslosen an- gben. Der Befehl stieß auf einmütige Weige- rung. Ein skandalöser Fall, ber in der Stadt großes Aufsehen und große Erbitterung hervor- gerufen hat, ereignete sich am Donnerstag abend. Die Franzosen verlangten von der G ist lich- k e i t der Hl. Kreuzkirche die Schlüssel zum Kirchturm unter Androhung -der Verhaftung. Anscheinend will man dort eine Funkstation er- richten. Natürlich fand die Forderung, die von einer Abteilung Franzosen unter Führung eines Offiziers gestellt wurde, die Ablehnung des Pfarrers. Wie sich die Angelegenheit weiter- entwickelt, weiß man noch nicht. Die Pfalzbahnen. Die allgemeine Aufforderung der Franzosen an das pfälzische Eisenbahnerpersonal zur Auf- nähme des Dienstes bei Vermeidung schwerster Strafen war bisher ohne Erfolg. Die Franzosen haben nunmehr in verschiedenenen Stationen damit begonnen, die Aufforderung zur Dienst- aufnähme jedem Bediensteten persönlich zu zu- stellen. In Schiffer st adt wurde mit der Ortsschelle bekanntgegeben, öaß jeder, der um 10 Uhr den Dienst nicht aufgenommen habe, ans- gewiesen werde. In Lambrecht wurde be- kanntgegeben, daß die im Amtsgebäude infolge Ausweisungen freigewordenen Wohnungen nicht besetzt werden dürften. Nächstens sollen aus Frankreich 5000 Leute für den Eisenbahndienst nach und nach in Trupps von 700 bis 800 Mann eintreffen, die von den bereits anwesenden fran- zösischen Eisenbahnern in den Dienst eingewie- sen werden sollen. Die Leute sollen in Frank- reich schon seit sechs Monaten ausgebildet worden sein. Bis zum 10. Mai sollen die bisher verwendeten französischen Eisenbahner ausge- tauscht werden. Nacht) gedämpft ist, und daß es dann durch die Blätter in Tropfen ausgeschieden wird, bei Fuchsien, Kapuzinern, besonders in Gewächshän'ern. Diese Wasserausscheidung beruht also nicht auf einer Saug- Wirkung der Blätter, sondern offenbar darauf, daß das Wasser in den Blatigesäßen unter Drnck gerät. Beraub, man Pflanzen ihrer Wurzeln und Blätter und schaltet so Wurzeldruck und Saugwirkuug aus, überzieht man außerdem die ganze Oberfläche mit einem undurchläss gen Firnis und macht so jede Verdunstung unmöglich, und stellt man dann den Stamm in Wasser, so steigt dieses nicht nur mit großer Schnelligkeit empor, sondern tritt auch mit starkem Blutung',druck am oberen Ende ans. Solche Beobachtungen haben immer wieder dazu geführt, die ganze physikalisch-mechanistische Erklärung zn verwerfen nnd eine Eigentätigkeit der Zellen anzu- nehmen; die Zellen erzeugen den Blntnngsdrnck, indem sie aus der einen Seile Wasser ausnehmen, nach der andern abgeben. Diese vitalistische Er- lärung war aber sehr schwer zu beweisen, da die Pumptätigkeit der Zellen natürlich nicht unmittelbar beobachtet werden konnte. Verbrühung durch Hitze (Danipf) oder Abtötung durch Kälte bewirkten zwar Welken und Vertrocknen der darüber sitzenden Teile und konnten als Beweis dafür gelten, daß die so ab- getöteten Zellen nicht mehr arbeiteten, aber die Vertreter der mechanischen Theorie nahmen einfach Verstopfung der Leitung dnrch abgestorbene Teile an. Strasburger schnitt eine 22 rn hohe Eiche ab und vergiftete sie mit Pikrinsäure; nachdem die sehr giftige Pikrinsäure bis zum Gipfel gestiegen war, sog die Eiche trotzdem noch mit Fuchsin versetzte Pikrinsäure bis zum Gipfel ans. Strasburger nahm an, das Fuchsin habe seinen Weg durch das vorher abgetöte!e Holz genommen, und glaubte damit be- wiesen zu haben, daß das Wasser auch ohne Mit- Wirkung lebender Zellen im Holz weit über 10 m aufsteigen könne: die vitalistische Theorie schien end- gültig erledigt zu sein. Aber Strasburgers Versuch, der seinerzei! viel Aufsehen machte, hat einen Mangel: als der Baum vergiftet wurde, hatten seine Zellen noch ihre volle Lebenskraft. Neuere Versuche haben gezeigt, daß halbwelke Pflanzen unfähig sind, eine giftige Flüssigkeit auszusaugen, mehr und mehr welken und rasch sterben. Stellt man dieselben Pflanzen aber in Wasser mi einer Lösung anregender Stoffe, so saugen sie das Wasser g'erig auf und erholen sich rasch. In Verbindung mit den obigen Ausführungen ergibt sich hieraus 'lar, daß der Wassertransport in der Pflanze ein Werk der leben- den Zellen ist. Ter experimentelle Nachweis dieser Fortbc we- gungstätigkeit der Zelle scheiterte bisher daran, daß Wegen Beschimpfung des Ministers Severins verboten. Frankfurt a. M., IS. April. Der Oberprasident von Hessen-Nassau hat in bezug auf die §§ 21 und 17 in Verbindung mit 8 8, Ziffer 1 des Ge- setzes zum Schutze der Republik vom 20. August 1922 das Erscheinen der Frankfurter Nach richten für die Dauer von drei Wochen und zwar vom 14. bis 28. April einschließlich ver- boten. Zur Begründung dieses Verbots wird angeführt, daß die Frankfurter Nachrichten iv Nr. 85 vom 27. März einen Leitartikel, über- schrieben: „Zweierlei Maß" gebracht habe, der die verfassungsmäßig festgestellte Staats form Preußens dadurch herabwürdigte, daß er ein Mitglied ber preußischen Regierung, den Mini-- ster Severins beschimpfte und verleumdete. Französische Propaganda im Saargebiet. Was jedem Saarlänber längst bekannt ist. was von den Französlingen im Saargebict jedoch stets abgeleugnet wird, bestätigt „Eclair' in seiner Nummer vom 7. April: Der „Saar- kurier" ist ein vom französischen Propaganda- souds geschaffenes und bezahltes Blatt. „Eclair' nimmt das Verbot des „Saarkuriers" zum An- laß. über die angeblich mangelhafte Propaganda der Franzosen im Saargebiet zu klagen. Ihm entschlüpft dabei ein wertvolles Eingeständnis: „Uebrigens gab die Art. wie diese Zeitung in- spiriert wurde, zu viel Kritiken von Metzer Zei- tuugen Anlaß, die mit Erstaunen feststellten, daß man die Saarländer zn gewinnen suchte, indem man int „Saarkurier" eine Politik ver- trat, die ganz ossenkundig gegen die tatsächliche« Empfindungen der großen Mehrheit der Bevöl- keruug des Saargebiets ging." Das Eingestand- nis der Pariser Zeitung ist sehr wertvoll, denn damit wird gleichfalls zugegeben, daß die Po* litik der Regierungskommission, von der ja auw der Saarkurier seine Richtlinien erhält, nicht mit den Wünschen der Bewohner des Saarge- bietes übereinstimmt. Der „Saarkurier" ist ein von der französischen Propaganga unterhaltenes Blatt, die Regierungskommission vertritt die Interessen Frankreichs — gegen den Willen der Bevölkerung. In diesen Tagen wird in Genf der Völker- buudsrat zusammentreten. der sich wiederum mit der Saarsrage zu beschäftigen haben wird. Der Rat wird zu dem ausführlichen Bericht der Saarregierung in Beantwortung der deutschen Beschwerde über den Unterricht, die Behandlung der Staatsangehörigkeitsfrage und die Ernen- nung des Nachfolgers des Dr. Hectors Stel« lnng nehmen müssen. Es soll ferner der erste Bericht über die bisher getroffenen Vorberei- tungen zur Bildung einer einheimischen Gen- darmerie im Saargebiet zur Vorlage gelanget Darüber hinaus liegen dem Rat Klage« der Parteien des Saargebietes gegen die Regie' rungskommission wegen der Notverordnung und deren Auswirkungen vor. Hossentlia nimmt der Völkcrbundsrat während seiner ießi' gen Tagung endlich Veranlassung, sich mit den Praktiken der Regierungskommission des Völkerbundlandes Saargebiet näher zu beschäftigen es natürlich unmöglich war, die lebende Zelle be' ihrer Arbeit im Innern des Baumes zu beobachte» selbst wenn dies möglich gewesen wäre, wären auf die feinsten Mikroskope nicht fähig gewesen, eine Bel' ändernng der Zelle während ihrer Tätigkeit wähl' nnchmen. Es mußten erst Apparate geschafft werden, die eine ungeheure Vergrößerung dies^ nltra-mi roskopischen Werte erlaubten. Die findnng der elektrischen Sonde ermöglicht es nn^ in Verbindung mit der Einzelzelle zu treten. Dw Sonde, ein feiner Platindraht in Verbindung w einem hochempfindlichen Galvanometer, wird V*', endlich behutsam von der Oberfläche in das vorgetrieben. Kommt sie in Berührung mit t# 1 lebenden Zelle, so sendet sie elektrische Signale au' die selbsttätig vom Galvanometer aufgezeichn^' werden: der Aufschlag am Galvanometer zeigt A»>" dehnung der Zelle und Aufsaugung des Saftes W der Niederschlag zeigt die ausstoßende Zusamutt'' ziehung an. Dabei sieht man, daß die Zellen in WJ lebenden Schicht wie das Herz schlagen, indem r sich abwechselnd zusammenziehen und ausdehnt außerdem kann man eine zeitliche Auseinander?»^ dieser Pulsschläge von unten nach oben bemerk^ Jede Zelle sangt während ihrer Ausdehnung Was^ von unten anf und gibt es beim Znsammenzieh^ nach oben weiter. Das Aufsteigen des Saft^ ist aber die Folge der ineinandergreifend^ Tätigkeit eines Systems übereinander geordneter Zellen, deren jede als PuM>' wirkt. Ein Pulsschlag dauert ungefähr 14 Sekunda wird aber bei steigender Temperatur beschleunig so daß der Saftumlauf vermehrt wird. Kälte i> £t langsamt den Pulsschlag nnd Saftumlauf bis 3 1 ".' Stocken, worauf die Pflanze die Blätter hängen uud schließlich stirbt. Ferner hat die Pflanze e '; wohlentwickeltes Nervensystem, so daß Erregung von einem Punkte aus das ganze Lebewesen d«**, laufen. Es gibt in der Tat auch im höchsten Le^ Wesen keine Lebensfunktion, die in dem einfaches Leben der Pflanze nicht wenigstens angedeutet Deshalb werden Untersuchungen des Pflanzenlebe^ auch manches verwickelte« Problem des tierisch Lebens lösen helfen. Von hier aus wird Fechn £ . „Nanna oder über das Seelenleben der Pflanz^ wieder überaus zeitgemäß, wir sehen, wie ein heitlicher Strom in allem rinnt, was da ist, dieses Kraft überall wirkt, und jenes tiefe Wort des Ang^ Silesius gilt nicht nur vom Menschen, sondern vom Tiere und selbst von der Pflanze: Die Gottheit ist mein Saft; was an mir grünt und blüht, , Das ist sein heiliger Geist, durch den der Trieb geschieht. Nr. 104 Karlsruher Tagblatt, Montag. Bett IC. April J9Zö Ceti« s Die Eröffnung der Frankfurter Frühjahrsmesse. lEiaener Bericht.) Die Erschütterungen des Wirtschaftslebens der letzten Zeit zeigen naturgemäß an den feinen Instrumenten der Börse und der Messe die kräftigsten Ausschläge. Seit der Leipziger Herbst- messe im vorigen Jahre war unser ganzes Ge- schästsleben dauernd von Krisen bedroht, seien sie nnn Erscheinungen, die sich bebende oder sinkende Konjunktur zur Ursache hatten. Die Leipziger Herbstmesse wurde von dem rapiden Ansteigen des Dollars beeinträchtigt, während sie jetzt im Frühjahr durch ihre etwas nngün- stige Lage und die allgemeine Geschäftsunlust zu Aden hatte. Die Stabilisierung der fremden Bährungen wirkt bei der frankfurter Messe auf die Preiskalkulation etwas günstiger ein. denn man sagt sich, daß die inslatorische Wirkung des Notendrucks nicht vollständig durch die Devisen- 'ntervention paralysiert werden kann. Demzu- wlge scheint die Neigung, nicht kaufen zu wol- len, allmählich durch die bessere Einsicht ver- drängt zu werden, so das; man immerhin mit einigen Hoffnungen auf Erfolg rechnen darf. , Die Frühjahrsmesse wurde gestern vormittag lm Werkbundhaus durch eine schlichte Feier er- öffnet. Der Borstand des Aufsichtsrates und «er Direktion des Mestamtes, Stadtrat Land- Mann, begrüßte die Anwesenden und kam im Verlauf von zeitgemäßen Betrachtungen auf die Rückwirkung der politischen Verhältnisse zu wrechen. Es sei traurig, daß die Welt nicht ühlt. welch schweres Verbrechen an dem deut- 'chen Volke durch die dauernde Beunruhigung und Knebelung begangen wird. Das deutsche Volk könne den Glanben an sich selbst nicht auf- Aeben. Ein Beweis unerschütterlichen Glau- bens an die Tatkraft des deutschen Volkes sei eben die Frankfurter Messe. Der Wagemut der Stadt Frankfurt sehe sich jetzt belohnt, während !iöln seine Messe vertagen mußte. Das rühre daher, baß man in Köln sich erst für den Messe- bedanken entschloß, als die Zeit düster war. Man habe es in Frankfurt gewagt und fei nun glücklich, daß trotz aller Gefahren die Messe sich durchgesetzt habe. Das sei ein neueS Ruhmesblatt in der Ge- sichte der uralten Handelsstadt. Man sei stolz, daß das Glück dem Mut der Frankfurter ge- sichelt habe. War es doch fraglich, ob die voli- usche Entwicklung die Messe nicht unmöglich Machen würde. Sie habe jedoch nicht nur durch- geführt, sondern noch weiter ausgebaut werden können. Es handle sich bei der Eröffnung der Frühjahrsmesse um einen bedeutsamen Tag. Hell jetzt gewissermaßen die erste Etappe in der Msgestaltung beendet sei. Vieles war zunächst 'Improvisation. Die räumliche Grundlage für die organisatorische Ausgestaltung konnte man tticht aus dem Boden stampfen. Erst allmählich Mutzte das System der Branchendurchsührung verwirklicht werden. Mit der Eröffnung des Dauses „Schuhe und Leber" sei ein Eckstein ge- J e öt, ein erster Abschluß erfolgt. Aber ein wei- >eres bedeutsames Ereignis, die Jnbetrieb- Ahme des Messegüterbahnhofes, müsse gewür- Mt werden. Es sei eine Ehrenivflicht. des Sannes zu gedenken, der den Messegedanken ht Tat umgesetzt habe, des Direktors Modlin- und seines Kollegen Direktor Sutter. Mit Wünschen, daß der geschäftliche Erfolg den ^gestrengten Bemühungen der Messeleituna und der Stadt sich anfügen möge, schloß der Redner seine Ausführungen. Direktor Modlinger von der Leitung des ?^ßa>mtes ergriff dann das Wort, um speziell M die Bedeutung des neu entstandenen -Sauses Schuhe und Leder einMgehen. Man -habe sich ;*Müiht, auf der Frankfurter Messe jene Zweige rjflwn, die int näheren Wirtschaft sibezwk ^dcnftändig sind oder es Warden wollen. Von Schuv- med Ledevbwanche kann das gefaßt -Aden. Zunächst nahm das Haus Offenbach die ^derwirtschaft auf, dann kam sie in die Ost- Sjfj« C und rtlmüilich tauchte der Gedanke eines Anbaues a«f. Unter der architettonrfthen Lei- vw &*** RSckle ist nun eine Anlage ent- r>.. u , die ht Deutschland und vielleicht in der Muzcn nicht wieder zu finden ist. So FiÄmPfurt ein Zentrum der Produktion des Abstches werden. Aitich die Wiener r®««, mit der Wiener FarBenfreudigkeit errich- !?- »ürftr als ein weiterer Beweis des Enimck- Ä^bfortichrittes der Frankfurter Messe ange- werden. Sehr iboachtensuvert sei aitch der ^legnterbohnhof. denn gerade der Meffeous- «raer weiß, daß die Transportkosten heute hau- ^t hsher sind als die Standmieten. Sie Firma RhennS -TranSportgeseMchirft sei in hervorragender Werse an der Verwirklichung des Planes beteiligt, wofür ihr warmer Dank ge- blchrt. Kommerzienrat Wallersteiu -Offenbach er- kannte die Fertigstellung des Neubaus namens der Lederaussteller mit freudiger Genugtuung an und bemerkte, daß das Haus in der Zeit von November bis jetzt erbaut worden sei. Man dürfe die Hoffnung hegen, daß nach Lockerung der Exportabgabe und Erweiterung der Aus- fuhrfreiliste mit mehr Zuversicht in die Zukunft gesehen werden könne. In einem Schlußwort sprach Stadtrat Land- mann dem Magistrat und der Stadtverord- netenversammlung der Stadt Frankfurt den Dank aus für den Weitblick und die Weitherzig- feit, die sie für das Messeprosekt immer an den Tag gelegt haben. Damit war der Eröffnungs- akt beendigt. Die jetzige Messe bekommt ihr Gepräge durch die Uebergabe der Halle „Schuh und Leber". Sie schließt sich in ihrer imposanten Wucht eben- bürtig den andern Hallen a>n. Der Stein zeigt das schlichte Grau, das für die gesamte Messe maßgebend geworden ist. Die Kojen sind ge- schmackvoll und z-weckmäßig und machen in der einheitlichen Beschriftung den gewünschten künst- krischen Eindruck. Hier dominieren Offenbach und Frankfurt mit den feinen Erzeugnissen ihrer Spezialhranche und tonangebenden Modedingen. Das Loder hat ja die Eigenart, daß es künst- lerisch und zweckdienlich zugleich wirken kann. Die weite Halle hatte gleich am ersten Tag star- tat Besuch, doch war daS Geschäft nur zögernd, mit jenen Ausnahmen, in denen die Produzen- ten den schleppenden Absatzperhältnissen Rech- nung trugen. Des weiteren bildete das Haus Oesterreich einen Anziehungspunkt für die nicht geschäftlich interessierten Besucher, dg hier vornehmlich das Auge sich der Lederbranche. Die bequeme Orientierung, zentrale Lage und der Wegfall der Kölner Messe dürften weitere Momente für die Auffassung sein, daß das Ge- scherst aus der heurigen Frankfurter Messe, wenn auch nicht allen Wünschen entspricht, sv doch im allgemeinen zu einiger Hoffnung Raum gM. War am ersten Tage viel schaulustiges Publikum festzustellen, so niurmt man an, daß ^der Verkehr heute und in den nächsten Tagen wohl ruhiger, in geschäftlicher Beziehung jedoch ersprießlicher wird. — Aus öemStaött'reise Vom Zngsverkehr. Vom Montag, 16. April an, werden die Schnellzüge D 37/D 38 zwischen Stuttgart und Berlin zur Beseitigung der in- folge des Umlenkeverkehrs aufgetretenen Be- triebsschwierigkeitn in zwei Teilen befördert werden. Der erste in Stuttgart beginnende Teil des Zuges D 37 nimmt in Osterburken die von Mannheim kommenden Wagen auf und fährt zwei Schlafwagen Stuttgart—Berlin? Durchführung gemäß veröffentlichtem Fahrplan. Der zweite mit der Nr. D 237 verkehrende Teil führt die Wagen von Zürich und Konstanz sowie einen Schlafwagen von Stuttgart uach Berlin und verkehrt wie folgt: Stuttgart ab 9.55 Uhr, Heilbronn 10.58, Osterburken 11.55, 12.05, Lauda 12.48, Würzburg 1.38/46, Schweinfurt 2.33/47 nachts, Erfurt 6.10/17, Korbetha 7.47, Halle 8.15/21, Bit- terfeld 8.53, Berlizi Auhalter Bahnhof au 10.59 Uhr vormittags. In Verbindung hiermit ver- kehren die Züge v 137/0 37 ab Konstanz und Singen später: D 137 Konstanz ab 4 Uhr nachm. Radolfzell 4.26, Singen an 4.41, v 37 Singen ab 4.56, Engen 5.19, Jmmendingen 5.55/6.16, Stutt- gart an 9.30 Uhr nachts. Der Zug D 237 berührt Meiningen nicht, sondern wird unmittelbar über Ritschenhausen-Grinrmental geleitet. In der Gegenrichtung fährt der Schnellzug D 38 vom 16. April an in Berlin Anh. Bahnhof mit durchl. Wagen nach Manheim und Stuttgart sowie zwei Schlafwagen nach Stuttgart: wie bisher um 6.10 Uhr nachts ab. Der zweite Zugteil mit der Nr. v 238 erhält die durchlaufenden Wagen nach Kon- stanz und Zürich und verläßt Berlin Anhalter Bahnhof um 6.20 Uhr nachts. Dadurch, daß der Zug Ö 238 nicht über Meiningen geleitet wird, verkehrt er südlich von Ritschenhausen vor dem Zug 0 38 wie folgt: Schweinfurt 2.47/58, Würz- burfr 3.44/50, Lauda 4.49/50, Osterburken 5.38/40, Heilbronn 6.38/40, Stuttgart 7.37/52 und weiter als Zug D 38 gemäß Fahrplan. Infolge der Späterlegung des Zuges D 37 Singen ab geht in Eutingen der Anschluß an den Personenzug 930, ad 6.58 nachts, nach Pforzheim .lerlmen. Reisende nach Karlsruhe, Heidelberg, Mannheim und weiter, die den Zug D 37 benützen- müssen daher vom 36. April an über Stuttgart sah- ren. wo unmittelbarer Anschluß an den Zng D 60, ab 9J6 nachts besteht (Karlsruhe an 13.50) über Bruchsal. Rothausbrä«. Dem Beispiel anderer Brauer- eien folgend hat die Badische Staatsbrauerei Rothans A.-G. den Schild ihres bekannten Spe- zialausschankes „Deutscher Hos" Ecke Karl- und Erbprinzenstraße in „Rothausbrä u" urnge- wandelt. Das Restaurant wird in der bisherigen Weise weitergeführt. Es ist erfreulich, daß wir in unserer Stadt in dem Restaurant einen Spe- zialansfchank des beliebten RothanSbieres be- sitzen, das in seinem Charakter dem „Pilsner Ur- quell" nahezu gleichkommt. Chronik der Vereine. BerkebrSverei». Wenn die. Stadt Karlsrube in den lebten Jahren im Verkehrs- und HandelSlcben einen bedeutsamen Aufschwung genommen bat, so gebührt das Verdienst für diese Erscheinung «ohl in erster Linie der rührigen Tätigkeit des BerkehrsvereinS Karlsruhe. Der Verein bedarf Hii seine umfassende Tätigkeit der Mitarbeit der gesamten Bevölkerung der Stadt und nicht zulebt aroher Mittel, die ihn in den Stand setzen, sein Programm, das letzten Endes für die ganze Be- völkeruug von grobem Nutzen ist. durchzuführen. Der Verein veranstaltete im Städtischen Konzerthaus eine Filmvorführung mit gesanglichen und musikalischen Darbietungen. Der große Saal war bis zum letzten Platz gefüllt. Das rühmlichst bekannte Ruzecksche Dop- velauartett, Dirigent Herr Karl S t e h I i n i u n., lei- tete den Abend mit Gesangsvortrag ein, der. wie auch die übrigen Vorträge deS Quartetts durch die glückliche Auswahl der Lieder sowie ihre künstlerisch hervor- ragende Wiedergabe allgemein entzückten. Die von Herrn L. Falke» Vera iutt. vorgetragenen Cellosolos mit Klavierbegleitung von Herrn G. L u e t t - g e r 6 fanden allgemein groben Beifall. Besonders wurde ein virtuos vorgetragenes Capriccio von G. Gol- termann mit Beifall ausgenommen. Lebhaftes Interesse wurde den Filmvorführungen entgegengebracht, die uns die landschaftlichen Schönheiten in lebendiger Weise vor Augen führten. Der Film »Die Eismeer- insel Island" versetzt uns in das Leben und Treibe» dieses ferne» Jnselvolke«. Grobe hübsch angelegte Fischerdörfer, gtlt angelegte Straßen, mächtige Kelsen, einzelgelegene Bauernhöfe, umgeben von grünen, be- bauten Feldern, grünen Wiesen, ans denen Pferde, Rinderherden und vor allem grobe Schafherden weiden, dann wieder weite Lavaselder. wüste Gegenden, die von einzelnen Kunststraben durchzogen sind. Beson- deres Interesse erregte auch die Verarbeitung der Klipp- sische, die hier millionenweise gefangen, gleich ver- arbeitet und versandsertig gemacht werden. Nicht min» der grobem Interesse erregte der Film »Das Niesen- gebirge", seine Berge, Täler und Badeorte, der uns so recht lebendig in das sagenhafte Gebiet des Rübe- zabl hineinführte, Schneelandschaften von gewaltiger Schönheit zogen vor dem Auge vorüber. Von welch grober Bedeutung diese Filmreklame sür das Verkehrs- leben ist, konnte man so recht aus diesem Film erken- nen. der besonders den Ski- und Rodelsport im Riesen- gebirge zum Vorwurf hatte und wohl in jedem Zu- schauer den brennenden Wunsch entstehen lieb, mit sei- nen „Brettern'" diese Gegend zu durchfahren. Den Schluß bildete ein kleiner humoristischer Lehrsilm „Die Geheimnisse des Maikäfers in der Fantasie des kleinen Moritzchens', der in humorvoller Form die Eutwick- lung, die Eigenschaften, Leiden und Freuden des Mai- käfers vor Augen führt. Der 1. Vorsitzende des Ver- eins, Stadtrat W i b l e r, hatte die zahlreichen Gäste herzlich begrübt und über Ausgaben und Ziele des Vereins gesprochen, während Stadtrat Steine! in einem Werbevortrag von der Bedeutung der Verkehrs- vereine und speziell der des Verkehrsvereins Karlsruhe svrach und die Anwesenden aufforderte, recht zahlreich dem Verein beizutreten nnd ihn besonders pekuniär zu unterstützen. Der Abend darf als ein voller Erfolg gebucht werden und man darf annehmen, dab die in ihn gesetzte» Erwartungen in reichem Mabe erfüllt werden. Sunte Chronik Die Laufbahn eines Fälschers. Die Rolle ekneS Gerichtsassessors, DoktorS der Rechte uud „Sun» dikus bei großen Firmen" hat der frühere Hand» lnngsgehllfe Max KnSffel lange Zeit mit großem Erfolg dnrchzuführeu gewußt. Er hatte sich vor der Strafkammer in Berlin wegen Be- irugs, Betrugsversuchs und Urkundenfälschung zu verantworten. In den Jahren 1913/14 halte er bereits Kreditschwindeleien begangen und war ins Gefängnis gekommen. Während deö Krieges wurde er verwundet: er kam dann im Lazarett anf die Idee, sich zum Doktor jur. und Gerichts« assessor zu machen. Gleichzeitig wurde aus dem Sohu eines Küsters der Sohn einer Oberkousi» storialrais, der mit der Tockter eines hoher». Offiziers verheiratet fei. Ans Grund seivcT fälschten Zeugnisse gelang es ihm, eine «nfte!» lung als juristischer Mitarbeiter bei Siemens- Schlickert in Berlin zu erhalten. Diese Stellung füllte er auch zur großen Zufriedenheit an», s» daß er glänzende Zeugnisse und Aner /ennuugS- schreiben erhielt. Während des großen Streik? ans der Schichau-Werft im Jahre 1920 war er für den Verband der Me tallindnstrtel» l e n Beisitzer bei den Schiedsgerichten im Reichs» arbeitsministerinm. Es wurde ihm noch jetzt von Zeugen die größte Anerkennung für seine Tätigkeit ausgesprochen. Mit seinen guten Empfehlungsschreiben bekam er bann eine An» stellung als Syndikus bei dem Eschweiler Bergwcrksverein. Hier aber regte sich bei ihm wieder sein verbrecherischer Trieb und er fälschte verschiedene Schecks, die er aber nicht rechtzeitig einlösen konnte, so daß Knössel entlassen wurde. Der Angeklagte gab die Fälschungen unumwun- den zu, behauptete aber, daß er niemanden habe schädigen wollen. Der Staatsanwalt beantragte angesichts der hochstaplerischen Tätigkeit des An- geklagten zwei Jahre Zuchthaus nnd fünf Jahre Ehrverlust. Das Gericht billigte dem Angeklag- ten aber mildernde Umstände zn und verurteilte ihn nur zu einem Jahr Gefängnis. Großer Wald- nnd Heidevrand. Durch einen großen Wald- und Heidebraud wurde im Land- kreis Harburg bei Hamburg erheblicher Scha- den angerichtet, der aus drei Milliarden Mark geschäht wird und insgesamt 80 Morgen Holz- bestand und 150 Morgen Heide vernichtet hat. Das Feuer ist anscheinend durch kochende Heide- wanöerer verursacht worden. Der Tod anf der Wasserrntschbah«. Auf dem Messeplatz vor dem Frankfurter Tor in L e i p - zig findet zurzeit die Leipziger Kleinmesse statt, die Bergnügungen aller Art bietet. Dazu ge- hört eine Wassernrtschbahn, auf der sich ein schweres Unglück ereignete. Der 21 jährige Handlungsgehilfe Werner wurde, als der voll- besetzte Kahn die letzte .Kurve durchfuhr, her- ausgeschleudert? der Tod trat auf der Stelle ein. Seine Braut, die sich an der Fahrt beteiligte, war Zeugin des Unglücks. Da die technischen Einrichtungen der Bahn ein« Gefahr für das Publikum vollständig ausschließen, ist daS Unglück nur dadurch zu erklären, daß Wer- ner die bestehenden Vorschriften nicht beachtet und die Kurve stehend durchfahren hat. Mord. Samstag abend wurde in Berlin- Schöneberg ein etwa 20 Jahre alter Mann mit einer Schußwunde im Kopse von Straßenpassan- ten aufgefunden. Als sie sich auf ihn nieder- beugten, rief er ihnen zu: Ich bin erschossen! und starb dann. Die Ermittelung nach der Persön- lichkeit des Ermordeten und nach den Umständen seiner Ermordung hatten bisher noch keinen Er- folg. Vom Wewer Voraussichtliche Witterung. Wechselnd wolkig, nur zeitweilig aufheiternd, im allgemeinen trocken^ etwas wärmer. . Tagesanzeigev Montag, de» 16. April 1933. Bad. Landestheater: „DaS Postamt", «Die K»mödie der Irrungen", abends 7 bis 10 Uhr. Städt. Kouzerthaus: Badische Lichtspiele, «ach- ntittags 5 und abends 8 Uhr. Colosfeum: Bauerntbeater, abends 8 Uhr. Bekanntmachung« fceT Verordnung > tit Finanzen sind die »"toouun zu des Herr» Reichsministers e Steuerertiarnnacn für '.•«■"■"■h 3«* Einkommen- nnd suv •»?»'ft!'***«»«!*«»«* fiir das Kalenderjahr • e „ ',I»r die crltc Aeranlaaung >»r Siermö- Mr Hie eranlaauns jnr im Lause des Monats April, * "trii£* 6 di« tum 30. «vril 1»2» abzugeben. aefch?H u ' Berltnaerunli der Frist müssen, ab- ödaeiVfc,? 0n '.""i besonders begründeten Fällen, Es 2?^ werden. 31. ?u> die öffentliche Aufforderung vom fcaft Uli ff- 6 - bingcwiclcn und dabei bemerkt, *Uit»rn „ ln , re . tti)un fl von VermögenSstcuercrklä- iie ?„^LUr folchc Tienerpflictitige verpflichtet find, ein Vermögt;» von mehr JifEV j besessen haben. $letfhi;m£F u ® e ,u de» Steuererklärungen nebst sttiurnKi*»! unö sonstige» Anlagen werden den «er ft? hYa Iß 0 ",, 111 den nächsten Tagen zugeben. -Unil noch nicht erhalten bat. und einer Erklärung verpflichtet ist Jyinamamt oder von der Steuer-- '»»gen rni < rd e t 1 i^ irt l a r 9 der Gewerbesteuer»««, »«{w "nnUeg"b e „ b Ä IC » Iift die Karlsruhe, de» 14. iflpni igzz. Swanzamt-Ltadt. Sina«,amt-Land. *■1! SienslniSdchen Getiefte solide Köchin, att< & etwas Haus- loblm „verrichtet, bei ScaSL «nd guter Wik»« W »eincki. 1 ! ra tj C ^; jjV c 1 n b t c » n e c - K'Ä« gesucht. - nttee 64. Schlachthof - Wirtschast) Buchhaltung. Geeigneten viebA- erwerb bietet si» iiite- rem Herr» m. lausmnnn. Kenntnisse» in feinem Hause durch Stachtragen der Bücher, stundenweise oder an einzelnen Tagen Ruhige Tätiikeit ohne Verkehr mit »undschast oder sonstigem Personal. Angeb. nnt. Nr. 4476 ins TagblattlUtro erbeten. Am 14. abends verchied im | Alter von 61 Jahren in Folge eines Schlaganfalles unser lieber Bruder Geheimerat im kiMm Karlsruhe, den 15. April 1923. | Im Namen der Familie: E. Schellenberg, Oberregierungsrat Die Einäscherung findet Diens- J I lag, den 17. April, vorm 11 Uhr; in Stille statt Von Blumenspenden wolle ab-| I gesehen werden. jeder Art liefert rasch und In tadelloser Ausführung Tagblatt - Druckerei, Rltter- straBe I, Fernsprecher 297, Holzdrehbank ätt tttttfc« a«w«ht. Wo lagt das Tagi>lattbüro. Statt jeder besoitd. Anzeige. Heute Sonntag früh entschlief sanftnachknrzer, schwerer Krankheit im 70. Lebensjahr meine liebe Mutter, unsere treue Oroßmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Fran Qeh. Hofrat Ida Bockel w m . geb. Sexauer. Im Namen aller Hinterbliebenen: Karlsruhe, 15.Apr.1923. Gertrud Mendius Wwe. geb. Bockel, Feuerbestattung Dienstag, 17 April, 3 Uhr. Bitte von Blumenspenden u Beileidsbesuchen absehen zu wollen. SllJIOil mft angelegt. Garten, ca. 700 qm, cinaezaumt, mit eigener Wasser- «. >Las- lettnng, in schonst. Lage am Turmlierg b. Durlach zu vertai-sen. Näheres :m Tagblattbiiro. Meine am Ostermontag in Knielingen gemaaiten nnwahren?lussagen über Herrn Ludwig Roth, juu. i5ise>lbabnstrasze27 nehme i» «ntt Bedauern zurück. Farwruhe. de» 7. April 1923, & slouii Ankauf von W-Mö% SilM- gesegfinde, Mkin. , »et Sahn 3500811.*Ä' Rich.Zieglar Gebisse ver Zahn von im m an und höher, Silber- ^SlßtlSi 'i^cnmfriiiiäc BttiliWc'« während zu höchstem Tagespreis Frau K. Vftiisier. Hirschstratze 31 Hl. Dieaötaa u. «tttiwoch von 10—G Uhr kaufe ich Gebisse per Zshv 3 SSV M. Do»ala«ftr SS Ii, gegenüber d. Hauptvoft. «i.. Zi