ScattoSvrrtS fSt fttttrf: jnutätamtm mr quitt: >n oTfferu fi e • m u«. —«w die ggesv. Nonvareillezcile £S:J1::3r| UTlöTli II er £l\{W ltlll®f^i MW / O ZMM Äfe&^ r . 2 §9. Badische Morgenzeitung Badische Morgenpost .Wirtschaft- und Handelszeitung- ^ „Turn- und Sport-geitung" / .Nnterhaltungsbeilage" ^ .Literawrbeilage" ^ «Für die Frauen" ^«Wandern und Reisen" /*®ie Scholle" Chefredakteur: Hermann » da er. Verantwortlich Mr Politik: Fritz Ehrbar» i w» den wirtschaftlichen, babischen und lokalen Teil: Heini ich Gerhardt: wr das Feuilleton: Hermann Wetck: für die .Pyramide'Karl Joho : für Inserate: Heinrich S chriever, sämtliche tn Karlsruh?. Druck und Verla« C F. Müller.Karlsruhe. Nitterftr. 1 Berlin, r Redaktion vr. RichardI üg le ,, Berlin-Lankwib. Mozartstr. 87. Telephon-Zentrum 42g. Für unverlangte Manuskripte oder Drucksachen übernimmt die Redaktion keine Verantwortung. Rücksend ung erfolgt, wenn Porto beigefügt ist. Sprechstunde der Redaktion: 11—12 Uhr vormittag». 120. Jahrg. Sonntag, den l^lStttti I9ä3 ' Mr. 165. LJUW———II« ■■IMI———IIWIIIM1M——Willi»—Hl«———III«« IIMIIIIMII W I M III « II » England und das Ziel der deutschen Politik. Von Legattonsrat Frhr. v. Rheinbaben. M. d. R. Merkwürdig, wie schnell einige Teile unserer öffentlichen Meinung auch in der jetzigen ernsten un» kritischen Lage wieder gewisse Tatsachen vergessen oder darüber hinweggehen. Man run- zeit die Sttru, man äußert laut ernste „Besorg- nisse" über den letzten Schritt der Reichsregie- rung, man geht stellenweise sogar so weit, den albernsten persönlichen Klatsch zur Grundlage von den in Deutschland so beliebten und so oft höchst überflüssigen „Resoluttonen" gefinuungs- tüchtiger Konventtkel zu machen — und man läßt ganz außer acht, daß die deutsche Regierung ihre Vorschläge vom 2. Mm aus ausdrückliche Aufforderung der offiziellen englischen Politik gemacht und sie ebenso wieder auf Grund von Wünschen vornehmlich der Londoner Staats- Männer am 7- Juni erläutert und erweitert hat. Sollte Deuttchland in seiner jetzigen Lage etwa auf eine solche vor der ganzen Welt ergangenen Aufforderung ablehnend antworten? Wäre ein solches Verhalten etwa die gerade von jenen Kreisen überlaut geforderte „aktive Politik zur Besserung von Deutschlands Lage gewesen? Und was die „Sorgen und ernsten Bedenken" anbe- langt, die heute von vielen öffentlichen Kritikern dieser Richtung immer noch zu dem Memoran- dum vom 7. Juni geäußert werden, so gibt es, so hoffe ich wenigstens, in Deuttchland nicht einen einzigen einigermaßen verantwortungs- vollen Polittker in- und außerhalb der Parlamente, der nicht überhaupt aus allen Gebieten unseres Landes Tag und Nacht sich Sorgen und Gedanken machte, wie und auf welchen Wegen unser Volk aus dem Elend und dem Unrecht dieser Tage zu einer lichteren Zukunft geführt werden könne. Ich bin also der Ansicht, daß alle Berater und Verkünder unserer öffentlichen Meinung sich jeder an seiner Stelle bestreben sollten, gerade tn diesen Tagen die Diskussion auf diejenigen einfachen, aber gerade in dieser Einfachheit außerordentlich entscheidungsvollen Linien zu beschränken, von deren Erkennen oder Nichterkennen das kiinfttge deutsche Schicksal ab- hängt. Dabei hat rückläufige Krittk erst recht Sar keinen Sinn irnd ein politisch einigermaßen reifes oder zum mindesten doch richtig beratenes Volk stellt sie wenigstens so lange zurück, bis die Würfel über seine Zukunft als Station gefallen sind. Ein anderes noch möchte ich jenen Kri- tikern zurufen und ihrer ernstlichen Erwägung anheimstellen: Glauben sie wirklich, baß ohne unferm ganzen Volk bekannte bis zum Aeußer- sten gehende neuerliche Reparationsvorschläge auch nur ein Teil jener infolge zunehmender Materieller Notlage einerseits, dumpfer Resig- Nation andererseits nickt ohne Mühe aufrecht erhaltenen Geschlossenheit nach außen sich hätte erzielen lassen, wenn solche Vorschläge ausge- blieben wären? Die Antwort ist aanz sicherlich ein „Nein". Nach anßen und nach innen hat die Regierung den einzig richtigen Weg beschritten Und erst tn späterer Zeit wird man sich darüber Unterhalten dürfen, ob es nicht richtiger gewe- sen wäre, den auch schon in einem früheren Stadium des Ruhrkampfes, wenn auch in an- derer Form, vorliegenden englischen Versuchen schon eher Folge zu geben. Bei aller Ablehnung jeder ausdrücklichen Jnterventionspolitik lag nämlich schon seit etwa März d. I. so etwas wie ein »nglischer ^aden". vor. ffetzt jedenfalls ist er klar und sichtbar für alle Welt deutscherseits aufgegriffen und weitergesponuen worden. Es folgte der Meinungsaustausch zwischen den Alliierten, dessen Aeußerungen und Schwierig- ketten wir wohl nur sehr teilweise täglich in der Presse lesen. Sehr schnell bildete sich darin ein scheinbar großer Gegensatz zwischen englischer Und französischer Auffassung heraus, bei dem Italien in der Reserve bleibt und Belgien ern doppeltes Spiel spielt. Von Paris kommt mit allen bekannten Mitteln der Stimmungsmache die Wiederholung der Forderung nach Kapitulation Deutschlands durch bedingungsloses Aufgeben des pas- s i v e n Widerstandes; von London viele Pressestimmen, doch kein entscheidender Akt und keine Festlegung der englischen Politik, „weil die Lage so schwierig sei, England trotzdem ein ge- weinsames Vorgehen aller Alliierten wünsche Und demgemäß vorläufig öffentlich seitens der Regierung nichts gesagt werden könne". Als Objekt der großen Politik ist Deutschland w diesem Stadium der Verhandlungen zur Zu- schauerrolle verdammt. Sein einziges Aktivum bleibt der geschlossene Wille zur Fortsetzung seines Widerstandes, bis das Ziel der Räumung der Ruhr, Befreiung der Gefangenen, Rückfüh- rung der Vertriebenen und Gewißheit über eine sagbare Lösung des Reparattonsproblems sichere Aussicht auf Verwirklichung hat. Dies wäre in dem Augenblick der Fall, in dem Frank- reich seine Politik aus Reparattouen im höchst- Möglichen Ausmaß einstellt. Weil Herr Pom- ***$ in Wahrheit „Reparationen" nur auf dem Wege gewaltmäßiger Abtrennung deutscher Wirtschaftsgrundlagen begleitet von politischer Zertrümmerung Deutschlands sucht, besteht heut wenig Aussicht, daß wir vor einer baldigen „Lösung" friedlicher nnd katastrophenfreier Art stehen. Es bleibt also — solange man überhaupt in naher Zukunft an eine solche denkt — nur übrig, daß Herr Poincarö entweder unter dem Druck seiner Alliierten seine Ansicht ändert oder daß ein weniger belasteter Nachfolger diese deui- schen Mindestforderungen i\t ernsthafte Erwägung zu ziehen bereit ist. Daß irgend eine deutsche Regierung nach allem, was im Ruhr- gebiet und am Rhein geschehen ist, und noch tag- lich geschieht, auf das hier formulierte, unserem ganzen Volke verständliche Ziel verzichten könnte, halte ich für ausgeschlossen. Würde es irgend eine deutsche Regierung geben, die diese elementarsten Forderungen der Vernunft und der Gerechtigkeit fallen ließe, dann wäre der Tag ihres ersten Handelns der traurig« Tag des Reichszersalls von innen heraus. Stimmen diese Voraussetzungen, dann wird auch die Bedentnng des „englischen Fadens" richtig erkannt werden Trotz gelegentlicher anttfranzösischer Redensarten denkt das heute maßgebende England im Ernste nicht daran, einen Bruch mit Frankreich herbeizuführen. Aus eigenstem Interesse heraus hat ganz gewiß England den Faden zuerst gesponnen. Ans eigenstem Interesse heraus hat Deutschland ihn ausgenommen und so wenigstens einem großen Teil der Welt und diesmal auch in der Richtung auf die Bereinigten Staaten noch einmal nn- zweideutig feinen ehrlichen Willen kundgegeben, im Rahmen äußerster Anspannung und bis zur äußersten Grenze seiner Leistungsfähigkeit Kriegsentschädigungen aufzubringen. Das be- deutet neben den fchon erwähnten Wirkungen nach Innen auch nach Außen gegenüber dem bisherigen Zustand der öffentlichen Meinung in der Welt einen sichtbaren Fortschritt. Daß von dieser Veränderung, falls sie anhält, zum mindesten mit der Zeit auch eine gewisse Wir- kung auf das französische Bolk ausgehen wird, scheint gleichfalls sicher. Früher oder später muß diese Politik Deutschlands, die sich über- Haupt erst gestützt auf den passiven Widerstand betätigen konnte, ihre Früchte tragen. Aber ge- rade, wenn dies richtig ist, dürfen wir ihre Wir- kung auf den A ug e n b l i ck nicht überfchätzen! Letzten Endes bleiben wir heute Frankreich allein gegenüber, wenn es zum Aeußersten kommt. Dieses Aeußerstc sehe ich dann gegeben, wenn Frankreich auf feiner Kapitulationsforde rung bestehen bleibt und schon durch Ablehnung jeder Verhandlung über die äußere Form der Beendigung des Ruhrkonfliktes in der schroff- sten Weise zu erkennen gibt, daß es nicht Repa- rationen haben, sondern Deutschland in Trüm- mer schlagen will. Wir würden unsere Zukunft als Nation auf lange Dauer hinaus mit eigenen Händen vernichten, wenn wir nicht mehr die Kraft aufbrächten, dieser französischen Tendenz weiterhin einmüttg entgegenzutreten! kriegsgerichlsurteile gegen Vergwerksdirektoren. Werde«, 16. Juni. Vor dem hiesigen Kriegs- gericht fand gestern die Verhandlung gegen den Direktor Bergassessor a. D. Hermann Kel- l e r m a n n von der Guten Hoffnungshütte, Oberhausen, den Direktor Bergassessor a. D. Wilhelm Falke von den Rombacher Hütten- werken (Zech? Concordia, Oberhausen) und den Prokuristen Peter Fried mann von der Ad- ler-A.-G. sür Bergbau in Kupferdreh statt. Die Herren wurden angeklagt, gegen die Verord nung Nr. 33 verstoßen zu haben dadurch, daß sie die Kohlen- und Kokslieferung trotz aus- drücklichen Befehls nicht wieder ausgenommen hätten. Direktor Kellermann erklärte, daß er wegen des Lieserungsverbots des Reichskohlen- kommissars nicht hätte liefern dürfen, und daß er, wenn er auch gewollt hätte, nicht hätte liefern können, da die Arbeiter sonst in den Streik aetreteu wären. Der als Zeuge vernommene BetriebSratsvorsitzende Weidlich bestättgte die letztere Angabe. Kellermann sührte noch auS, daß er Reparationskoks schon seit August vori- gen Jahres nicht mehr geliefert habe, weil er von Frankreich als unbrauchbar zurückge- wiesen worden sei. Der Anklagevertreter be- antragte gegen Kellermann fünf Jahre Gefäng- nis und den doppelten Wert der nicht gelieser- ten Kohlen- Mid Koksmengen in Höhe von 24,4 Millionen Franken lrund 170 Milliarden Mark). Nachdem die Verteidiger, unter denen sich auch der aus dem Kruvv-Orozeß bekannte Rechts- anmalt Moriaud befand, ihre Einwände vorge- bracht hatten, wurde nach kurzer Beratung das Urteil verkündet, welches dem Antrage entspre- chend auf fünf Jahre Gefängnis und 17« Milliarden Mark Geldstrafe lautete. Die Verhandlung gegen Direktor Falke bot dasselbe Bild. Der Angeklagte wurde zu fünf Jahren Gefängnis und 6 2 Millionen Franken gleich 42.78 Milliarden Mark Geld- strafe verurteilt. In der Verhandlung gegen Direktor Friedmann beantragte der Ver- treter der Anklage 3 Jahre fi^efängnis und 8M Millionen Franken gleich 56.925 Milliarden Mark Geldstrafe. Das Gericht verurteilte den Anaeklli^en lediglich zu der beantragten Geld- strafe, sah aber von der Verhänguna einer Ge fängnisstrase ab. * Ferner wurden verurteilt: Generaldirektor Hein von der Gewerkschaft Langenbrahn, Essen-Rüttenscheid. zu s ü n f I a h- reu Gefängnis und 8,6 Millionen Franken Geldstrafe lrund 24 Milliarden Mark): Bergwerksdirektor Heinrichs von der Ge- werkschaft Zollverein in Katerndorf zu fünf Jahren Gefängnis und 62 Millionen Franken Geldstrafe trund 430 Milliarden Mark): Genera^ l ir Dr. Winkhans vom Köln- Neueffener Bergwerksverein in Altenesseu. zu Die Schreckenstat Die Darstellung eines Augenzeugen. Berlin 16. Juni. Den fremden Regier»«- ge» «nrde in Verbindung mit einem Protest- schreiben folgendes gerichtliches Protokoll über die blutigen Vorgänge i« Dortmund überreicht. Amtsgericht. Gegenwärtig: Amtsrichter H. als Richter, D. als Gerichtsschrejber. 13. Juni. In der Ermittlungssache gegen Unbekannt ist erschienen Z. aus Dortmund, 31 Jahre alt. Der- selbe erklärte unter Hinweis auf die Bedeutung des Eides: Am Sonntag, den 10. Juni kam ich von einem Besuch zu Fuß aus Barop mit meiner Frau und zwei Kindern zwischen g und 10 Uh abends — die genaue Zeit kann ich nicht sagen, weil meine Uhr stehen geblieben war — nach Dortmund zurück und passierte die Große Heim- straße. Auf der Straße bewegte sich eine grö- ßere Kolonne von 40 bis 60 französischen Soldaten im Laufschritt. Von dem Führer der Truppe, wurde ich auf Französisch angerufen. Ich vernahm auf diesem Anruf, daß ich stehen bleiben sollte. Ich blieb sofort stehen. Meine Frau wurde mit den beiden Kindern fort- geschickt, wogegen ich von der Kolonne abgeführt wurde. Im selben Moment kameil weitere Personen ahnungslos des Weges und wurden von dem Führer der Truppe, welcher in der linken Hand eine Reitpeitsche und in der rechten Hand eine Pistole trug, mit der Reitpeitsche schwer mißhandelt und ebenfalls zu mir gesteckt. Ein junges Mädchen wurde ebenfalls mit uns abgeführt und von den hinter uns gehenden Franzosen mit Fußtritten traktiert. In der Sonnenstraße angekommen, kam eine männliche Person auf der rechten Seite des Bürgersteiges von der entgegengesetzten Seite uns entgegen. Diese männliche Person wurde ohne jegliche Veranlassung von dim Führer der Truppe mit zwei Pi- stolenschüsfeu niedergestreckt. Diese Person war sofort tot. Wir mußten, nach- dem die Kolonne Halt gemacht hatte, die Leiche mit 4 Mann im Laufschritt vom Bürgersteig hole« und in der Kolonne mitführen. Diese von mir mitgetragene Leiche wurde von den hinter uns gehenden französischen Soldaten getre- ten. Nachdem wir einige Meter weiter ge- gangen waren, kam wiederum eine männliche Zivilperson uns entgegen. Sie wurde eben- falls ohne jegliche Veranlassung von dem französischen Offizier beziv. dem Truppenführer durch zwei Pistolenschüsse niedergeschossen. Die niedergeschossene Person blieb liegen. Eine ebenfalls ahuuugs- los entgegenkommende Person wurde von dem vorgenannten Führer mit zwei Pistolen- schüssen nie bergest reckt. Diese Person war ebenfalls sofort tot. Sie mutzte von vier inzwischen zu uns geschickten Man doli «en- spielern — es waren junge Leute — aufgerafft und mitgetragen werden. Wir mußten dann unter Mittührnng der zwei Leichen bis zur Mündung der Baroper- und Wilhelmstraße marschieren, woselbst wir die zwei Leichen niederlegen mußten, und zwar mit dem Kopf zur östlichen und mit den Füßen zur westlichen Seite, woselbst in der Nacht vom g. zum 10. Juni die zwei französischen Adjudants erschossen worden waren. Wir, die Festgenommenen, standen mitten zwischen den französischen Soldaten und dem Trupipenführer. Nachdem wir die Leichen hingelegt hatten, blieben meine Leidensgenossen auf der Seite wo die Soldaten standen. Als ich sah, daß diese mit Kolbenschlägen mißhandelt wurden, ging ich zur Seite, wo der Führer der Truppe stand. Hinter dem Rücken des Führers bin ich dann entflohen. Ich hörte noch zwei Schüsse fallen, die meines Erachtens mir gelten sollten. Erwähnen möchte ich, daß der Führer der Truppe, welcher dauernd in seiner rechten Hand die Pistole schußserttg hatte, als wir an den Ort kamen, wo wir die Leihen niedergelegt hatten, mit den hinter uns kommenden französischen Soldaten leise sprach, woraus ich ent- nahm, daß diese nns hinterrücks erschießen bezw. erschlagen sollten. Ich habe dann Dortmund heimlich verlassen, weil ich annehmen mußte, daß ich als übrig gebliebener Zeuge von den Frau- zosen ebenfalls ermordert werden würde. Borgelesen, genehmigt und unterschrieben. lGcz.) Z. Der Zeuge hat sodann seine Aussage gemäß § 65 Abs. 3 vorschriftsmäßig beschworen. e von Dortmund. Der Schlosser Frey gab zu Protokoll, daß er sich, als er am Sonntag abend von auswärts kam und erst bei seiner Ankunft von der Ber- hünguug des Belagerungszustandes erfahren hatte, sofort nach Haufe begeben wollte. Er sei mit anderen von IS französischen Soldaten fest- gehalten und, nachdem die Frauen fortgeschickt waren, mit bereitgehaltener Pistole abgeführt worden. Ein Mann sei dabei durch einen Schuß zu Boden gestreckt worden, worauf er einen zweiten Schuß erhielt. Ein französi- scher Soldat habe nun auf ihm g e - kniet und die Pistole an seinem Kops mehrfach abgedirückö. Eine Kugel sei ihm in die rechte Wange eingedrungen und am linken Auge wieder herausgekommen. Darauf habe sich der Soldat entfernt. Der verschärfte Druck. Me völlige Stillegung des Bahnverkehrs 'im Ruhrgebiet. Dortmund, 16. Juni. Seit gestern früh halten die Franzosen sowohl den Hauptbahnhof als auch den Bahnhof Süd, die noch frei waren, be- setzt, ebenso die Güterbahnhöfe. Nebenbahnhöfe. und Stellwerke. Damit ist Dortmund von jedem Eisenbahnverkehr abgeschnitten. Außer dem Dortmunder Bahnhof besetzten die Franzosen die Bahnhöfe Langendreer, Gelsen- kirchen, sowie den Bahnhof Herne, sämtliche Bochumer Bahnhöfe und den Bahnhof Hörde. Der Bahn- und Güterverkehr auf diesen Strecken ruht. Die Milchversorgung der Städte über Dortmund hinaus ist infolgedessen sehr er- schwert. Auch der Bahnhof Kray-Nord wurde heute früh besetzt. Von den an der Strecke Berge—Borbeck—Wanne gelegenen Stationen sind sämtliche Eisenbahnbeamten ausgewiesen worden. Die tn den letzten Tagen und gestern hier eingegangenen Nachrichten aus dem Ein- bruchgebiet lasse« einen zunehmenden Druck der französischen Besatzung gegen die Bevölkerung erkennen, der offensichtlich auf eine Abschnürnng der Lebensmittelzusuhren hinzielt. Daß in der Unterbindung der LebenSmittelzufuhr franzöfi- fcherfetts System liegt, erhellt aus den Aenße- ruugeu des Ortskommandanten von Herne, der, auf die eintretende Hungersnot hingewiesen, ausdrücklich erklärte, das wolle ergerade. Durch die Besetzung der Dortmunder Bahnhöfe ist die Hauptpforte zwischen dem Einbruchs- gebiet und dem unbesetzten Deuttchland lRich- tung Berlin, Paderborn, Minden und Münster) verschlossen. Es liegt also nunmehr der g e - samte deutsche Bahnverkehr im Ein- bruchsgebiet still. Lediglich die sogenannte Hollandstrecke Gelsenkirchen — Bismarck über Horst nach Dorsten, von wv man Anschluß an Wesel hat, ist frei, da hier die aus Grund des deuttch-holläudische« Wirtschaftsabkommens an Holland zu liefernde Kohle hinausgeht. Schließ- lich existiert zur Not noch ein Pendelverkehr zwischen Stoppenberg bei Essen und Gelsen- kirchen-Bismarck. Der gesamte Verkehr ist aus das sich durch das ganze Ruhrgebiet hindurchziehende und an mehreren Stellen die Verbin- düng mit dem unbesetzten Deutschland herstel- lende (Dortmund - Unna - Steele ° Elberfeld) System der elektrischen Straßenbahn angewiesen. Die englisch - französischen Verhandlungen. b. London, 16. Juni. tDrahber.) Die „West- minster Gazette" meldet, daß der englische Mi- nisterpräsident willens sei, sich mit PoinearS über die Reparattonssrage persönlich zu unter- halten. Die Pariser Blätter versichern, daß die französische Regierung den englischen Frage- bogen in dem gleichen freundschaftlichen Geist stu- diere, in dem er abgefaßt ist. Für Frankreich scheint die Hauptfrage jetzt zu sein, in welcher Weise sich England der französischen Forderung bezüglich des passiven Widerstandes anschließen wird, wenn eine Einigung unter den Alliierten erzielt ist. In England ist man der Meinung, daß der passive Widerstand das Ziel habe, eine stillschweigende, dauernde Festsetzung Frankreichs im Ruhrgebiet zu verhindern, und daß deshalb die deutsche Regierung den Arbeiterorganisa- ttonen den Verzicht auf den passiven Widerstand nur empfehlen könne, wenn sie ihnen gleichzeitig Zusicherungen bezüglich der Räumung geben kann. Deshalb will England wissen, wie sich Frankreich die Entwicklung bis zur endgültigen Räumung des Gebietes denkt- Nr. 165. Seite 2 Karlsruher Tagblatt. Sonntag, den 17. Juni 1923 Erstes Blatt fünf Jahr«n GesängnkS und W Millio- nen Franken Geldstrafe lrund 430 Milliarden Mark): GoneraWirektor Rieghist vom <^omer!kver- ein Helene Amalie in Berge-Vvrbeck zu fünf Jahren Gefängnis und 52 Millionen Kranken Geldstrafe lrund 287 Milliarden Mark): Bergwerksdirektor K a m p e r s von den Man- nesmann-Röhrenwerken. Abteilung Bergwerk, in Essen au fünf Jahren Gefängnis und M Millionen Kranken Geldstrafe lrund 200 Milliarden Mark). Sämtliche Strafen wurden in Abwesenheit der Angeklagten verhängt. Das Todesurteil gegen Görges. Paris, 16. Juni. (Drahtbericht.) Wie das „Echo de Paris aus Mainz berichtet, hat der vom Kriegsgericht zu Mainz zum Tode, verurteilte deutsche Landwirtschastslehrer Görges gegen das Urteil Revision eingelegt. Dieser Schritt habe, wie das französische Blatt zynisch bemerkt, ein wenig Erstaunen erregt, da der Verurteilte das Urteil mit größter Gleichgültigkeit aufgenommen hätte. Karlsruhe, 16. Juni. Der Evangelische Oberkirchenrat hat die Vermittlung des Erzbischofs Soederbloem in Upsala angerufen, damit er bei PoinearS Einspruch erhebe, gegen die Vollstreckung des Todesurteils an dem Land- wirtschaftslehrer Görges. Gleichzeitig hat der Oberkircheurat ein Telegramm an die Köni- gin von Schweden gerichtet, um ihr nahe- zulegen, den Schritt des Erzbischofs zu unter- stützen. Frankfurt, 16. Juni. (Drahtbericht.) Das „Echo du Rhin" in Mainz veröffentlicht einen Bericht über die Verhandlungen des Mainzer Kriegsgerichts gegen den Landwirtschaftslehrer von der Badischen Anilin- und Sodafabrik Gör- g es, aus dem hervorgeht, daß Görges nicht, wie ursprünglich auf französischer Seite behaup- tet worden ist, auf frischer Tat ertappt worden war. Die Anklage stützt sich vielmehr auf einen Indizienbeweis. Nach dem französischen Blatt soll Görges frei von jedem Zwange wäh- rend der Verhandlung noch einmal ein Geständ- nis abgelegt haben über den Attentatsversuch auf die militarisierte Strecke Ludwigshafen— Schifferstadt. Demgegenüber stellt das „Berliner Tagbl." fest, daß ein Geständnis infolge des dnrch unerhörte Mißhandlungen erfolgten Nerven- Zusammenbruchs des Angeklagten gemacht worden ist und daß zwei weitere deutsche Zeu- gen, die das Alibi Görges einwandfrei nachweisen konnten, vom Kriegsgericht nicht vernommen worden sind. Ueberdies wurde der Bruder des Angeklagten von dem Verhandlungstermin so spät in Kenntnis gesetzt, daß er nicht mehr recht- zeitig in Mainz eintreffen konnte, um als Ent- lastungszeuge aufzutreten. Protest gegen die provokalwnstakM. Berlin, 16. Juni. Die deutschen Botschaften .in London, Madrid. Rom, Washington und MoSkau und die deutschen Gesandtschaften im Haag, sowie in Bern, Kopenhagen, Ehristiania, Stockholm. Riga und Warschau wurden beauftragt, den dortigen Regierungen ein Schreiben zu überweisen, in dem gegen die Erschießung von Deutschen in Dortmund und Recklinghansen Protest erhoben wird. Das Schreiben weist dar- auf hin, daß Krankreich trotz der Verhandlungs- bereitschaft Deutschlands den Druck im besetzten Gebiet verhärte. Der Protest weist ferner auf die Todesurteile hin, und sagt zum Schluß: „Das französische Vorgehen macht alle Be- mühungen der deutschen Regierung, beruht- gend auf die Bevölkerung einzuwirken, illu- sorisch. Es stärkt nicht nur in der Bevöl- kerun» das Gefühl der Notwendigkeit, gegen- über dem fremden Militarismus den passiven Widerstand aufrechtzuerhalten, sondern be- schwört darüber hinaus immer ernster die Ge- fahr herauf, daß sich die in ihrem innersten Empfinden getroffene Bevölkerung zu v e r - zweifelten Unbesonnenheiten hin- reißen läßt, die in ihren Auswirkungen weit über das besetzte Gebiet hinausgehen. Die deutsche Regierung hat bei den unaufgeklärten Zwischenfällen wiederholt vorgeschlagen, den Vie „Pyramide" Wochenschrift zum Karlsruher Tagblatt enthält in ihrer heutigen Nummer (34) folgende Beiträge: Eine historisch-politische Betrachtung, l. Bon Professor Dr. Konrad Arnold Bergmann in Karls- ruhe. — Die Einseitigen. Bon Mar Bittrich in Frei- bnrg. — Eine badische Frau in schwerer Zeit. Bon Pfarrer a. D. Lebrecht Mayer in Durlach. Saöisches Kmtestheater Uraufführung: Die KmnSbiantia. Operette. Text und Musik von Hermann Weick. Es ist über ein Dutzend Jahre her, da drückte mir der Redakteur und Dichter Hans H. Ehrler vom Landesboten etat Manuskript zur Prüfung in int Hand, das den mir unbekannten Autor- namen Hermann Weick trug. Es waren in ju- gendlichem Ueberschwang ein Wintertag auf der Hornisgrinde oder so wo beschrieben und darin unzweifelhaft herzechte und ehrlich empfundene Gefühle und seelische Erlebnisse, die aus der Naturstimmung schwangen, niedergelegt. Nach Ansmerzung von nur wenigen Dutzend Küssen und dergleichen holder Jugendverschwendung erwies sich die Arbeit als durchaus druckfähig. Als der Zauberer Zufall im tollen Wandel suchender Jahre mich mit Weick unter ein Be- rufsdach brachte, erzählte er mir, daß jener flammende Wintertag sein erster künstlerischer Versuch gewesen war. Wir blieben von da an irgendwie verbunden, so daß ich das schriststelle-i Sachverhalt durch international« Kommission nen untersuchen zu lassen. Die französische Re> gierung ließ alle derartigen Anträge bisher unbeantwortet." Dem Protestschreibeu sind die gerichtlichen Protokolle über die blutigen Vorgänge in Dortmund nach den Aussagen von Augenzeugen beigefügt: Die Beisetzung der Dortmunder Opfer. Dortmund, 1«. Juni. Gestern imchjmittag fand die Beerdigung der sechs PersÄnen statt, die am 'Samstag abend französischen Geschossen zum Opfer gefallen sind, unter nngöheurer Be teilt- gung aller Bevülkerungslrei^. Etwa zehn Mm- sikkapellen spielten Trauerweisen, «während die (blocken wirtlicher Kirchen lauteten. Alle Behörden, alle Berufe und Bereine waren vertre- ten. Sämtliche Geschäftslokale und Wirtschaften üer Stadt Hatten geschlossen. Die evangelische und die «katholische Geistlichkeit schritt Hinter den «sechs Wagen einher, die je einen Sarg trugen: hinter der Geistlichkeit gingen die Angehörigen. Der Vorbeimarsch «des Zuges «dauerte über % Stunden. Insgesamt umsäumten wohl 150000 Menschen die Straßen, die der Trauerzug pasisierte. Der Reichskanzler ließ an den Grä- >bern «der getöteten sechs Personen Kränze nie- verlegen. Der Mißerfolg des Kohlenraubs Esse«, Ib. Juni. Aus einer amtlichen Ueber- ficht über die Kohlen- und Koksabfuhr aus dem Rnhrbezirk Wer die Brücken bei Duisburg- Hochfeld-Süd und Düsseldorf und auf dem Rhein in Richtung Frankreich und Belgien vor dem Rnhreinbruch und im Mai 1923 ergibt sich, daß die beiden Länder monatlich auf der Eisen- bahn und anf den Wasserstraßen durch Deutsch- land an Reparationskohle und Koks vor dem Rnhreinbruch (gerechnet zu 28 Arbeitstagen) 58 750 Wagen erhalten haben, während sie im Monat Mai auf der Eisenbahn und auf dem Rhein (die Schiffsladungen find in Wagen- ladungen umgerechnet) nur 2 0 560 Wagen nach Frankreich und Belgien abfahren konnten. Die Abfuhr an Kohle und Koks nur auf der Eisenbahn durch Deutschland nach Frankreich und Belgien vor dem Rnhreinbruch betrug 46 250 Wagen. Dagegen betrug die Abfuhr von Kohle und Koks anf der Eisenbahn nach Frank- reich und Belgien im Monat Mai 1923 nur 18 069 Wagen. Die deutsche Beladung eines Eisenbahn- wagens ist durchschnittlich 17,8 Tonnen, während die französisch-belgische Beladung eines Wagens auf 10 bis 12 Tonnen zu schätzen ist. Wenn der Ruhreinbruch der Franzosen und Belgier nicht erfolgt wäre, würden im Monat Mai an Repa- rattonSkohle und Koks von Deutschland nach Frankreich und Belgien aus dem Ruhrgebiet über die Brücken bei Düsseldorf und Duisburg 1850 Wagen arbeitstäglich abgefahren worden sein, während nach dem Rnhreinbruch durch die Besatzung über die beiden Brücken nur täglich durchschnittlich 582 Wagen abgefahren wurden. Poincare und Frankreichs innere Politik. Paris, 16. Juli. Gestern hat die französische Kammer über PoinearSs Stellung zu Frankreichs innerer Politik debattiert. Von soziali- stischer und demokratischer Seite wurde gegen Poincar^ der Vorwurf erhoben, daß er den Trei- bereien der Rechtsradikalen, zu denen auch die Monarchisten zählen, keinen Widerstand ent- gegensetze. Poincar^ verteidigte sich und fand schließlich eine Mehrheit für seine Stellung zu seiner Politik. Bei der Abstimmung, die erst nach Mitternacht um 3 Uhr morgens vorgenom- men wurde, erhielt PoinearS 375 Stimmen. 200 Stimmen waren gegen ihn. Poincarö wies in der Erwiderung an seine politischen Gegner vor allem auf die außenpolitische Lage Frankreichs hin und hatte damit Erfolg. Er sprach wie üb- lich von der gefährlichen Lage Frankreichs und wandte fich gegen internationale Verständi- gungsversuche. Von dem alten Lied der Brü- derlichkeit der Völker, so erklärte er. dürfe man fich nicht einlullen lassen. Man müsse der Lage, rische und journalistische Schaffen Hermann Weicks sozusagen miterlebte. Voller Bedenke» war ich. als der ewig Suchende ausgangs seiner 20 er Jahre nochmals einen neuen Beruf er- sehnte und zur Musik überging. Nicht als ob ich an der Begabung des ausgezeichneten Kla- vierspielers gezweifelt hätte, aber für die unend- lich lange Kleinmis^re, die keiner Kapellmeister- laufbahu erspart bleibt, schien er mir doch im Alter zu vorgeschritten. Der ewige Bohemien liegt nicht jedermann, besonders, wenn man wie Weick durch ein straffes und erziehendes Be- amtentum geschritten ist. In der Tat gab Weick seine praktische musikalische Tätigkeit, in die zu- dem der Krieg und die Revolution eingriff und alle Lebensbedingungen tötlich verschlechterte, bald auf und erschien wieder in seinem gelieb- ten Tagblatt. Seine kritischen Arbeiten und sein« an dieser Stelle veröffentlichten Unter- Haltungsromane kennen unsere Leser. Sie wa- ren aber gewiß verwnndert, als die Ankündigung der Aufführung einer Operette auf dem Spielplan unseres Karlsruher Landestheaters »u lesen war. Es stellte sich die Wahr- heit des Göttschen Wortes „Mancher Umweg ist keiner" heraus, denn in seinem dunkeln Drange war Weick seines rechten Weges sich wohl be- wüßt gewesen, und seine musikalischen Studien- Saaten haben neben der Dichtung eines Textes die Komposition der heutigen Operette „Die Komödiantin" gereist. Aus dieser zunächst höchst überflüssig erfchei- nenden Darstellung ergibt sich nun von selbst, daß vom Unterzeichneten und gar an der Stelle der Wirksamkeit des Doppelautors keine ,^ri- tik" des uraufgeführten Werkes verlangt wer- den darf. Wie sie auch formuliert würde: im- mer wäre sie über das natürliche Maß hinaus subjektiv. Man müßte sich ja auch schämen, wäre man statt eines Menschen eine kritikasternde Rezensionsmaschine. Andererseits würde ge- rade der inständige Wunsch nach Objektivität das Urteil schärfer und härter fassen lassen als die Tatsachen verlangten. Hier nun eine In- baltsangabe des Stückes, eine Darstellung des in der sich Frankreich angesichts des schlechten Willens (!) Deutschlands befinde, Rechnung tragen. Was die Sicherheit des Landes anbe- treffe, habe er Deutschland nottfiziert, daß die Kontrollkommissionen wieder funktionieren mütz- ten: das sei namentlich hinsichtlich der Luftschiff- fahrt notwendig. Deutschland müsse überwacht werden. Die deutsche Regierung ermutige die Mord - und Sabotageakte und for- dere Frankreich durch lächerliche Vorschläge heraus. Deshalb sei man gezwungen, den Druck zu verstärken und zu verläu- gern. Die äußere Politik werde also noch ein« Zeitlang die Fragen der inneren Politik beHerr- schen. Augenblicklich sei zwar der Friede unter- zeichnet, aber die Friedensbedingungen seien noch nicht geregelt. So seien Frankreich die Fah- nen vom Jahre 1871 noch nicht zurück- erstattet worden. Frankreich habe also sein Werk der Gerechtigkeit noch nicht vollendet. (!) Gestern habe sein moralisches und materielles Leben auf dem Spiel gestanden, heute sei sein wirtschaftliches und finanzielles Leben bedroht, und morgen werde vielleicht seine ganze Existenz bedroht sein. Müsse da also die äußere Politik nicht vollkommen die innere Politik beherrschen? Die Sprengungen bei Offenburg. Ofsendurg, 16. Juni. Zum Anschlag auf die Weisanlagen am Bahnhof in Windschläg wird nvch weiter berichtet: Bon Sen angelegten 14 Sprengkapseln explodierte nur eine. Di« iübri- gen fielen in den unten vorberfliehonden Dur- «dach. Durch die Explosion, die auch in Offenburg vernommen wurde, «wurde ein Schienenstrang auf eine Länge von 25 Meter nur etwa 10 Zentimeter gehoben und Mauerwerk beschädigt. 12 Sprenglkapseln waren mit 1 Yt nnd zwei mit 2'A Kilogramm Sprengstoff, anscheinend Nitrin, geladen. Der von der Äaatsanwaltschast zur Untersuchung angefetzte Polizeihund verfolgte eine Spur bis zur Appenweierer Eisenbahn- brücke, wo er sie verlor. Wie man hört, «sollen im unbesetzten Gebiet verschiedene Verhaftungen vorgenommen fein. Man spricht vom 11 Per- fönen. Die Franzosen in Loben. t. Mannheim, 16. Juni. Die in der Pfalz un«d auch im rechtsrheinischen Deutschland verbreite- ten Gerüchte von einer bevorstehenden neuen Sperre der Rheinbrücke Mannheim—Lndiwigs-- Hafen auf längere Dauer emtbehren. wie die französische Besatzungsbehörde der . Neuen Pfäl- zischen Landes>5eitung" mitteilt, jeder Begrün- düng. Auch hat die französtsche Besatzung vor- erst davon Abstand genommen, die neuen Paß- Nestimniunften auch auf «das neübefetzte Rhei- nauer Gebiet auszuhöhnen. Die Erlaubnis zur Einreise von Rechtsrheinern in das besetzte Ge- biet «wird jedoch von den Besatzungsbehörden sehr scharf ««handhabt und es wird das PaHvis»rm für Rechts-rheiner in der letzten Zeit nur in seltenen Fällen erteilt. ©ebbst in ganz «dringenden Fällen, z. B. bei Todesfällen von An- gehörigen von Rechtsrheinern, ist «das Paßvisum nicht erteilt worden. Die Kontrolle an den Uebergangsstellen vom unbesetzten ins besetzte Gebiet ist in den letzten Tagen bedeutend verschärft worden. Alle Personen, die ohne Paß- Visum einreisen wollen, «werden zurückgewiesen. Am Freitag abend .war eine Abordnung des französischen GeneraWabes unter Leitung des Marschalls Petain im Jndustriehafen in Mannheim. Die Franzosen kamen in sechs Automobilen angefahren und von mehreren Krinnnalbe- amten und einem Photographen begleitet. Der historische Augenblick wurde an der Diif- fenebrticke durch eine photoigraphische Aufnahme verewigt. Sonst ist aber nichts passiert. Die Ausweisungen. Paris, 16. Juni. (Drah-tber.) Die Rhein- lands^ommislsion hat vom 6. bis 11. Juni 686 Eisenbahnangestellte und 65 Beamte aus dem besetzten Gebiet ausgewiesen. * Frankfurt a. M., 16. Juni. Aus Höchst am Main sind 35 Bahnlbodienstete mit 28 Frauen und 49 Kindern, ferner aus dem Bezirk Mainz musikalischen Charakters und ein Bericht über seine Aufführung. * * * Hella Rosen hat, um ihre Familie Wirtschaft- lich zu retten, sich einem reichen Mann verlobt und von ihm vor der Heirat die Freiheit zweier Bühnenjahre erwirkt. Als gefeierte Sängerin lernt sie den Dr. Karsten kennen, gerade als ihre Bühnenlaufbahn beendet und die Rückkehr des sich auf einer Weltreise befindlichen Bräu- tigams zu erwarten war. Zwischen beiden Men- schen loht ivahre und tiefe Liebe auf: Hella Ro- sen gibt sich in ihrer Gewalt trotz der konventio- nellen Bindung in der stürmischen Forderung des Erlebnisses dem Glücksgefühl hin. Als der Bräutigam erscheint und die aus Scham ver- hehlte Verlobungsvorgeschichte dem Dr. Karsten in brüsker Weise durch einen abgeblitzten Hof- macher der Künstlerin kundgetan wird, wirft er der schuldlos Schuldigen das Wort „Komödian- ttn" ins Gesicht. Die tragische Verknüpfung löst sich glücklicherweise, da der Verlobte, nach andern Wünschen jagend, Hella Rosen, die ihrer- seits innerlich immer ungefesselt blieb, frei gibt. Um diesen Kern der Haupthandlung rankt sich das Suchen und Finden eines neckischen zweiten Liebespaares: ein alter Schwerenöter und ein Kavaliertrio treiben ihr humoriges Wesen ne- benher und geben damit Hintergründe nnd Ge- gensätze. Die Umwelt ist bunt und fesselnd. Im Restaurant finden fich zwanglos alle Akteure zusammen, treffen sich im zweiten Akt bei einer Gesellschaft wieder, um im dritten während eines Gartenfestes die Handlung hinauszufüh- ren. Dank diesem geübten Vülmenblick rollen sich in natürlichem Ablauf mit aller Gelegenheit zu Sang und Tanz, zu Ernst und Komik, die Geschehnisse ab. Hoch anzuerkennen dabei ist die Dezenz, die Weick in dem berüchtigt gewor- denen modernen Operettenmilieu trotz aller Ausgelassenheit immer zu wah«ur weiß. Damit wirkt er in reformatorischer Frische. Herrschend und bestimmend bei einer Operette muß natürlich die Musik sein. Als wohltuendes 95 Eisenbahner «mit Familien ausgewiesen mor- «den. In allen Fallen mußten Sie Möbel zurück- Melassen werden. Jnsvlge der Berkehrslpcrvr wird auch der Mbtramsport «der Flüchtlinge er- heblich behindert. So wurden Leute von «dem- scher Seite bis hart an «die Grenze des besetztem Gebietes verbracht, dann aber von den Frau- zosen wieder zarückgeschickt, öatz sie teils m Fuß, teils su Schiff, teiW in MSbelivagen nach dem unbesetzten Gebiet mußten. Eine Anzahl Frauen ist bei solchen Anlässen ohnmächtig geworden. Eine Kundgebung der Angestellten. Elberfeld, 16. Juni. Eine Angestelltenkund- gebung, einberufen vom Gesamtverband deut- scher Angestellten-Gewerkschaften im deutschen Kewerkschastsbund, fand für das alt- und neu- besetzte Gebiet in Elberfeld statt. Nach längeren eingehenden Beratungen wurde die Willens- Meinung der Versammelten einmütig in folgen- der Entschließung zum Ausdruck gebracht: Wir werden uns nicht von der gemeinsam ein- genommenen Linie der Abwehr abbringen lassen. Wir wenden unS mit besonderem Nachdruck ge- gen jene Bestrebungen, deren Ziel die Trennung des Rheinlandes in irgendeiner Form von Preußen oder vom Reiche ist. Wir erheben schärfsten Einspruch gegen alle Versuche, entgegen dem ausdrücklichen Willen der überwältigenden Mehrheit der Rheinlandbevölkerung das gegen- wärtige staatsrechtliche Verhältnis der Rhein- provinz zu Preußen und damit zum Reiche in irgendeiner Weise zu ändern. Wir erheben mit allem Nachdruck die Forderung, daß keiner Lö- sung der Reparationsfrage zugestimmt wird, bis nicht völlig ungehemmte Rückkehr aller Ausgewiesenen und Bertrie- benen und Freilassung aller um ihrer Treue zum Reiche und der Befolgung seiner Ge- setze willen Verurteilten gewährleistet ist. Von den Regierungen des Reichs und der Länder erwarten wir, daß sie den Terror Deutscher ge- gen Deutsche mit aller Energie rücksichtslos unterdrücken. Ebenso nachdrücklich verlangen wir Maßnahmen für die Beseitigung der Ur- fachen berechtigter Unzufriedenheit in den Krei- sen der Arbeitnehmer. Es muß bedauerlicher- weise festgestellt werden, daß Kreise der Arbeit- geberschaft die Fähigkeit haben vermissen lassen, aus den sich deutlich zeigenden Verhältnissen, die erforderlichen lohnpolttischen Schlüsse rechtzeitig zu ziehen. Wir verlangen von der Reichs- regierung entsprechende Einwirkung auf diese Kreise, weil wir es gern vermeiden möchten, in dieser Zeit einen sozial und wirtschaftlich ver- bitternd wirkenden Kampf zu führen. Hände weg vom Rheinland. Elberfeld, 16. Juni. In einer hier abgehalte- nen Versammlung der Deutschen Demo» kratischen Partei wurde folgende Entschließung angenommen: Die Deutsche Demokratische Partei in Elberfeld erklärt, daß es für das deut- sche Volk keine Rheinlands rage gibt. Es werde allen Bestrebungen aus Loslösung der Rhvimlande ihren unbeugsamen und entschlösse- nen Willen in jeglicher Form entgegensetzen. Sie wird «die Einheit der deutsche« Republik nicht antasten lassen und erhebt mit allen Deutschen den Ruf: Reich und Rhein auf ewig umgeteilt! Darum Hände weg vom Rheinlan«d! Bayern will feine Bahnen wieder. Berlin. 16. Juni. (Drahtber.) Blättermel- düngen aus München zufolge hat der Wirtschaft- liche Beirat der Bayerischen Volkspartei eine Denkschrift herausgegeben, welche die selbstän- dige Verwaltung des bayerischen Eisenbahn- Netzes fordert, da die in dem deutschen Garan- tieangebot enthaltene Bürgschaft der deutschen Reichsbahnen schwere Gefahren für die Eigen- art nnd Staatlichkeit in sich berge. Gesamtcharakteristikum ergibt sich die Zweifel- lose Ehrlichkeit der Empfindung. Ganz deutlich fühlt man, baß insbesondere die ernsten Teile echt empfangen find. Dieses Kriterium wird er- härtet durch die Tatsache, daß di« Figuren d«r Hella Rosen und des Dr. Karsten in einem Fluß und in einer Wesensart durchgehalten sind. Von der Einleitungsmusik au bis zum Schlußlied weht dies« getragene, warme, ehrliche nnd darum zu Herzen gehende volksliedartige Empfindung durch die Tonschöpfung. Die Er- findnng der Melodien fließt flott dahin, di« In- strumentierung ist einfach und geschmackvoll ge- halten, beim ersten Duett Karsten-Rosen in sei- uer Holzbläfergruppe glänzend schechthin. Die Kouplets atmen Witz und Laune, die Tänze wirbeln einschmeichelnden Rhythmus. Das Ganze gibt sich in natürlicher sehr sympathischer Begabung, die sich ihrer Grenzen bewußt, ästhe- tisch erzogen, keine Gewaltsamkeiten und keine Fexereien versucht und darum schon wertvoll ist. Was im Innern geschaffen ist — das ist zweisel- los Weicks ,Komödiantin" — das ist gut. Das ist zunächst bestimmend für eine seelische Wer- tung. Die Jntuitton ist das Primäre, das Schaffen und Zeugerisch e das höchste Erleben. Dieses ureigenen Schaffens von Weick freuen wir uns am tiefften und sicherlich mit uns seine Freunde und die Freunde des Karlsruher Tagblatts". Das spezifische Werturteil ist Sache einer ^ Graduierung, die sich nach der Gattung des Werkes einzustellen hat: die allgemeine An- erkennung aber über die Eigenproduktion, die von Naturwegen über allem rezeptiven nnd re- produzierenden Schaffen steht, darf auch hker mit allem Nachdruck ausgesprochen werden. Dem» entgegen bedeutet aller kritische und, ach, so billige Hochmut und jene wichtigtuerische Selbstgefälligkeit, die oft nur neidische Kühle ist, nichts- Bier Verszeilen können mehr wert sein als vier Bände gelehrte Aesthetik und kritische Erkennt« nisse. Ein Lied, selbst aus einer Operette, kann über einen dicken Lexikonband klüMer Musik- theorie kichernd triumphieren. Die Erfüllung des raufchigen Eigenschaffens wird auch unserem Erstes Dlatt Karlsruher Tagblatt. Sonntag, den 17. Juni ISN Ar. II». Lette 3 Letzte Stunde. Von Or. Walther Schotte. Herausgeber der „Preußischen Jahrbuches. Der Mangel an revolutionärem Mut, der in Unserer auswärtigen Politik nun schon seit etwa einem Monate zu beklagen ist, hat sich inzwischen in voller Tragik ausgewirkt. Die Hoffnung, daß der Kampf an der Ruhr nicht verloren sei, hängt an einem Seidenfaden. Wenn der frohe Glaube, daß die Dinge gut stünden, irgend etwas helfen könnte, wäre es unverantwortlich, zu sagen, „was ist". Allein, hier handelt es sich nicht um «ine Gefahr in der Gesamthaltung des Volkes. Die sonst so schwere Masse wurde diesmal bewegt, sie hat be- griffen, um was es'geht bei dem Widerstand an der Ruhr, und zumal die Westfalen selbst, in welchem Vager immer sie stehen, halten fest an ihrem Ab- wehrwillen gegen die Franzosen. Noch heute kann man mit diesem Volke alles wagen, wer von verantwortlicher Stelle aus überhaupt das Letzte wagen will. Das eben ist die Tragik, daß innerhalb der Verantwortlichkeiten von Parlament und Re- gierung die Geschlossenheit des Kampfwillens von Anfang an gefehlt hat und bei denen, die auf Kampf eingestellt sind, Geist und Wille von Tag zu Tag schwächer werden. Wenn man jetzt ausspricht, daß der Kampf an der Ruhr fo gut wie verloren ist, so schlägt man damit gewiß nicht den Widerstands- willen des Volkes tot? nämlich dann nicht, wenn man zugleich feststellt, daß weder der Opfermut der Massen daran schuld ist, noch die Verhältnisse selbst» d. h. die Gefahren und die Verluste, die der Krieg fegen die Franzosen mit sich bringt, sondern die . Verantwortung für das klägliche Ende lastet auf jenen, die auch rechtlich und die politisch und mora- lisch veraMwortlich sind. Diese Feststellung aber wacht vielleicht Kräfte frei, die entweder die recht- Iich Verantwortlichen zwingen werden, einen der wiederkehrenden psychologischen Momente zu be- nutzen, um die Linie des Kampfes fortzuführen »der die statt ihrer dann zu handeln wissen werden. Dies „vielleicht" ist der Seidenfaden unserer Hoff- nungen; reißt auch er, dann ist das Schicksal der Kapitulation, das Schicksal eines zweiten Friedens von Versailles, unabwendbar, und wir alle geben den Weg unendlicher Verkümmerung und nur sehr lerner Aussichten auf endliche Befreiung. Man erzählt uns, daß der Kanzler entschlossen gewesen sei, auf die Antworten hm, die unser sehr uberflüssiges Angebot gefunden hat, den Gedanken der Verhandlungen fortzuwerfen, darum nicht zu antworten, sondern zunächst einmal im Widerstande auszuharren. Aber die „Fronde der Erfüllungs- Politiker" habe ihn schließlich gezwungen, ein neues Angebot vorzubereiten, und obwohl sich Tag für Tag klarer erweise, wie aussichtslos/ ja gefährlich ein zweites Angebot sein würde, sei er leider jetzt nicht mehr imstande, das Angebot zu verhindern. Die Geschäftigkeit der Erfüllungsvolitiker habe in» Zwischen die öffentliche Meinung der Welt auf ein »weites Angebot gefaßt gemacht; sie zu enttäuschen fei umso schwerer, als der psychologische Moment für Ablehnung der Verhandlungen verpaßt sei. Denn der rüde oder hochfahrende Ton der ver- schiedenen Antworten sei über dem Gerede von einem zweiten deutschen Angebot vergessen worden. Wir gestehen, daß diese Klage den staatsmänni- schen Eigenschaften des Kanzlers nicht gerade ein rühmliches Zeugnis ausstellt. Und daneben müssen wir bemerken, daß, wenn wirklich ein einheitlicher Wille zur WiderstandSpolitik vorhanden gewesen wäre, psychologische Momente mehr als genug sich gefunden hätten, an denen dieser Wille anknüpfen konnte, um die öffentliche Meinung zu orientieren und um sich durchzusetzen. Waren etwa die Schand- urteile von Bredeney und Düsseldorf, das Revisions- urteil im Prozeß gegen Krupv und gar der Mord an Schlageter als psychologische Momente unge- eignet, um die Fortsetzung der Diskussion über Verhandlungen abzulehnen und statt dessen die einfache Linie des Widerstands zu verstärken? Wenn alle diese psychologischen Momente verpaßt worden find, dann kann man sich des Andrucks nicht erwehren, daß die Fronde der Erfüllungspolitiker auch im Kabinett ihre Vertreter hatte. Und daS um so weniger, wenn man die ungeheuren inner- voliti schen Verfehlungen ansiebt, die an dem kämpfenden Volk der Ruhr begangen worden sind. Wie will der Finanzminister verantworten, daß er im kritischen Moment des Widerstandes, dann nämlich, als das erste Wort von Verhandlungen fiel, die langfristigen Reichsaufträge zur Befchäfti- gung der Industrie im Okkupationsgebiet zurückzog? Wie will er verantworten, daß die Bergarbeiter- löhne erst nach den Löhnen anderer Berufe, nach den Löhnen im unbesetzten Gebiet, geregelt werden konnten? Mehr als vier'Wochen später, als die gewaltige Preissteigerung eingesetzt und erst zehn Tage, nachdem das schreiende Mißverhältnis von Löhnen und Preisen zu Streikbewegungen geführt hatte, die .Franzose und Kommunist sich zunutze machten! Hinter Verhandlungen, die aus solcher Schwach- Herzigkeit der Staatsführung entstanden sind, kommt eines Tages nichts als die nackte Kapitulation. Die Angst um die Mark, die, wenn auch aus verschiedenen Gründen, gleich stark empfunden wird von. den gewerkschaftlichen Vertretern der Konsumenten- massen ebenso wie von gewissen internationalen Finanzkreisen, sie ist es, die die Erfüllungspolitiker zur Kapitulation drängt. Und dieser zweite Friede von Versailles kostet tatsächlich Rhein und Ruhr, selbst dann, wenn Baldwins zögernde Staatskunst formal staatsrechtlich die Gebiete deutsch erhält und den Raub der Franzosen zu verbergen sucht. Denn unter französischer Okkupationsherrschaft fallen Land und Leute von Rhein und Ruhr für den großen Freiheitskampf als aktive Kräfte aus. Dieser zweite Friede von Versailles kostet aber noch Größeres — er kostet unserem Volke den moralischen Mut. Wieder einmal wird es sich verraten und verkauft fühlen! Auf die Dauer der Zwangsherrschaft wird Demoralisation unvermeidlich sein, zumal dann, wenn die wirtschaftlichen Interessenten der Er- füllungsvolitik helfen, den Plan des Bankier Frisch zu realisieren, der auch unter französischer Oberhoheit in den Formen einer europäischen Zollunion das „Geschäft" retten will. Die Kapitulation wird weder durch die Klauseln des zweiten deutschen Angebots, noch durch die Voraussetzungen verhindert werden, welche die Denkschrift der Industrie aufgezeichnet hat für eine realisierbare Garantie deutscher Reparationsleistun- gen. Die Kapitulation kann heute durch nichts mehr verhindert werden, als durch eine tatsäch- liche nationale Diktatur, welche die Ersüllungs- Politiker zum Schweigen bringt, um die Wider- standspolitik fortzusetzen. Wir kommen dazu, früher oder später! Aber, wenn wir die Stunde jetzt ver- säunien, werden wir durch ein Jammertal unend- lichen Leides und unsäglicher Arbeit hindurch müssen. Die Forderung des Mindest- reallohnes. 3. Eon unserer Berliner Redaktion wird uns a«- drabtet: Bor einiger Zeit haben die Gewerkschaften an ihre Führer die Forderung gestellt, im Reichs- tag sofort einen Antrag einzubringen dahin- gehend, daß ein Gesetz zur Einführung des Min- destlohnes für alle Schaffenden, sowie eine Mindestrente für alle Bersorgungsberechtigten geschaffen wird. Die Gewerkschaften stehen auf dem Standpunkt, daß ernste Differenzen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nur vermieden werden können, wenn endlich Löhne bewilligt werden, die nicht dauernd hinter den tatsächlichen Preisverhältnissen herhinken. Sie wollen den Reallohn durch gesetzlichen Zwang erlangen, genau so wie die Arbeitszeit durch Gesetz fest- gelegt werden soll. In welcher Weise sich die Verhältnisse auf der Basis des Mindestreal- lohnes gestalten sollen, darüber geht dem ..Acht- uhrabendblatt" aus gewerkschaftlichen Kreisen folgende Darlegung zu: Der Festlegung eines Mindestreallohnes muß die Festsetzung eines allgemein anerkannte« Existenzminimums vor- ausgehen. Deshalb fordern wir einen Reichs- index, der durch eine Kommisston von Verbrau- chern und Produzenten festgesetzt wird. Dem Mindestreallohn soll das volle Arbeitseinkom- men eines 21jährigen Mannes zugrunde gelegt werden. Für Frauen und Jugendliche sollen entsprechende Abzüge gemacht werden. Bei Aen- derungen der Ziffern des Existenzminimums, die jeweils amtlich bekannt gegeben werden, sind die Unternehmer gesetzlich verpflichtet, die Löhne entsprechend m ändern. Eine Verbesserung des Reallohnes unter Ausnutzung der Konjunktur soll durch diese gesetzliche Regelung nicht berührt werben. Die Folgen der Einführung des Min- destreallohnes würbe zunächst eine große Preisumwälzung sein, aber von dem Augenblick an. da die Löhne und Preise sich ein- geglichen haben, würde niemand mehr ein In- teresse an weiterer Erhöhung der Preise haben. Die Regierung müßte dazu übergehen, die wei-- tere Herausgabe von Noten einzustellen Eine völlige Stillegung der Notenpresse wird jedoch dann möglich sein, wenn der Mindestreallohn gesetzlich festgelegt ist und sich ein Ausgleich zwischen Lohn und Preis vollzogen hat. Dte Gewerkschaften find sich bewußt, baß dies« For- derungen nur durch Kampf durchgefetzt werden können, aber sie find entschlossen, diesen Kampf mit allen gesetzlichen Mitteln zu führen. Deutsches Reick Beschlüsse des Reichsrats. Berlin, 1k. Juni. lDrahtbericht.) Der Reichs- rat hat sich mit der neuen Besoldungsord- nung «ach den Reichstagsbeschlüsseu eiuver- standen erklärt — Zur Erwerbslosen- für sorge wurde eine Regierungsvorlage an- genommen, wonach in Fällen besonderen Be- dürfnisses die obersten Landesbehörden die Wartezeit mit Zustimmung des ReichsarbeitS- Ministers bis auf 3 Tage abkürzen können. Ferner erklärte sich der Neichsrat mit Verordnungen einverstanden, die W v ch e n h t l f e, die Wochensürsorge, die Unterstützungen der Renten- empfänger aus der Invaliden- und Angestellten- Versicherung und die Zulagen in der Unfall- Versicherung entsprechend der Geldentwertung wesentlich zu erhöhen. — Angenommen wurde ferner die Erhöhung der Post-, Tele- graphen- und Fernsprechgebühren zum 1. Juli. Die Post- und Telegrammgebüh- ren werden verdreifacht, die Fernsprech- gebühren verfünffacht. Wie mitgeteilt wird, be- trägt der durch die letzte Teuerungswelle ver- ursachte Mehrbedarf der Postverwaltung 4 biS 5 Billionen. Mit der Gevührenerhöhung wird nur die Hälfte gedeckt werben können, so daß mit weiteren Gebührenerhöhungen zu rechnen ist. Besprochen wurde hierbei die Eingabe des Vereins deutscher Zeitungsver- leger, daß die Gebühren für Pressetelegramme nur verdoppelt werden mögen. Hierzu wurde von den Ausschüssen festgestellt, daß die Presse- gebühren durch das Gesetz in ein festes Verhält- nis zu den allgemeinen Telegrammgebühren gebracht sei, so daß das Eingehen auf die Ein- gäbe nur auf dem Wege einer gegenwärtig nicht möglichen Gefetzesänderung zu bewirken wäre. Die Eingabe habe daher nicht berücksichtigt wer- den können. Schließlich wurde der Gesetzentwurf über wertbeständig e Hypotheken angenom- men, wonach künftig Hypotheken nach Stein- kohlen, Rogggen und Weizen zugelassen werden. Die Regierung hatte mit Zustimmung des Reichsrats weitere wertbeständige Wertmesser wie Kali und Sachleistungen, wie elektrische Kilo- Wattstunden usw. zugelassen. Das Gesetz gilt für Hypothekenbanken wie für Privatleute. Das Beamlenvertretungsgesetz. Berlin, 16. Juni. sDrahtber.) Der Reichs- Lanz>ler und der Minister des Innern, Oeser, besprachen gestern mit -den Führern der Reichs- tagKsraktionen das Beamten vertre- tungsgesetz. Der Reichskanzler sowohl wie ber Innenminister betonten das große Jnter- esse bes Reiches an einem 'balbi-gen Zustande- kommen bes Gesetzes, wiesen aber ebensosehr aufbie Bedenken hm, die die vom 23er Reichs- tagsaus schuß in der zweiten Beratimg gefaßten Beschlüsse aufweisen. In dieser Hinsicht stimme dte Reichs rogierung mit sämtlichen Wnderregie- rungeu überein. Nach.Hervorhebung der wich- ttgsten Punkte bes Gesetzes ergab sich ein Ein- Verständnis, öaß die ReichSvegieruug den Frak- tionSfiiihrern ein« Aufzeichnung über diejenigen Punkte zugchen lassen wird, dte nach Auffassung ider Reichs regierung und ber LÄnderregierun- gen nicht annehmbar sind. Die Weinsteuer. Berlin. IS. Juni. Der Steuerausschuß des Reichstages verhandelte erneut über die Frage der Verlängerung der Geltungsdauer des Weinsteuergesetzes. Man einigte sich dahin, daß das jetzige Gesetz vorläufig bis zum 1. Novem- ber in Kraft bleiben soll. Verein Deutscher Zeiwngsoerleger. BveÄlan, 1«. Amrt. Der Verein Deutscher Zett-wgKoetLoger OevauSgever «deutscher Tageszeitungen) hatte awf be« 16. Jwui seine ordentliche Ha u ptversa m mlung. bbe 26. fett feinem Bestehen. nach hier einberufen. Die «an»e Tagung stand unter «dem Zeichen ber fuvchilvareu Rot des Vaterlandes. VerfchieöeneDvahtmelöungen. Da» Code Stambulmskis. London, IS. Juni. Zu ber Erschießung beS isirüheven bulgarischen MtnisterprSsibenten Stam- bulins« berichtet Reuter folgende Einzelheiten: Stambu'linSki würbe gestern früh 7 Uhr im Dorfe Golaie gefangen genommen. Er erklärte dem Triwsvenbefehlshaber, baß er bereit fei, sich ftu ergeben. Um 8 Uhr nachts führte man ihn im Auto nach Tatar Bazardjik, wo die Menge feindselige Rufe gegen ihn ausstieß und ihn lynchen wollte. Um jeden Zwischenfall zu ver- meiden, führte man StvanbulinsK nach Slavo vitza Mrttck. Unterwegs wurde ber Wagen durch Bauern angehalten und es gelang StambuknAki, zu entfliehen. Es würbe sofort ber Befehl erteilt, ihn zu verfolgen und festzunehmen und unter sicherer Bedeckung nach Slavovitza zurück- zubringen. Im Laufe der Verfolgung entstand eine lebhafte Schießerei, wobei Stambulinski getötet wurde. Die Regiernng bedauert leb- Haft den Vorfall «üb ordnete ein« strenge U-n- terw-chnng an. Die Schweizer Arankeafvrdenmgen an Deutschland. Berlin, IS. Juni. lDrahtber.) Der Haushalt- ausschuß des Reichstages nahm heute einen Gesetzentwurf über das Znfatzabkommn zn dem Abkommen vom 6. Dezember ISA zwischen dem Deutschen Reiche und der schweizerischen Eid- genossenschaft betreffend die schweiberischen Eid» Hypothek n an Deutschland unb gewisse Artikel über Frankenforberungen an deutsche Schuldner an. 250 Millionen Mark veruntreut. Berlin. 16. Juni. lDrahtber.') Der 18jährige Lehrling Baltz aus Stuttgart hatte 250 Millionen Mark veruntreut und beabsichtigte mit einer 24jährigen Kontoristin nach Südamerika auszu- wandern. Kurz vor seiner Ausreise wurde er aber von der Polizei verhaftet. Ein Teil des Geldes wurde bei ihm noch vorgefunden, wäh- rend der andere bereits zur Ausrüstung verwendet worden war. Lunte ekrontk Der Hahn als Todesursache. In Pohl bei Plauen stieg der Landwirt Lautenschläger in den Brunnenschacht, um einen in den Brunnen ge- fallenen Hahn herauszuholen. Zur Vorsicht seilte et sich an und übergab das Seil seiner 2Sjährigen Tochter. Beim Abstieg glitt er ab und riß seine Tochter in den Brunnenschacht. Sie ertrank, während der Bater von Nachbarn aus seiner gefährlichen Lage befreit wurde. Die Todesfahrt der „blinden" Passagiere. Auf dem ans Havanna in einem amerikanischen Halsen eingetroffenen Dampser „Santa Theresa" wurden von 9 in den Kohlenbunkern sich versteckt haltenden blinden Passagieren fünf erstickt aus- gefunden. Sportspiel Fußball. Das Pokalspiel FC. Bade« arge« Germania Dur- lach am Samstag abend im Kasanengarte» endete mit einem Siege des F.C. Baden von 6:2 Toren, Halbzeit 2:2. Hermann Weick als das Beglückendste und Wertvollste über die Seele geflattert sein, als die Bühne die Gestalten seiner Phantasie in hol- dem Licht verlebendigte. * * * Es soll der Komödiantin" Weicks gewiß nicht 6U nahe getreten werden: aber ein großer Teil des durchschlagenden Erfolgs, der im dichtbesetz- ten Hans so freudigfrische Anteilnahme zeigte, kommt zweifellos auf die Aufführung, die in ihrer Art zu den besten des Jahres gehörte. Turn au. der vorgestern von rechtswegen ebenfalls mit dem Autor und den ausübenden Künstlern und Burkard gerufen wurde, hat in den Szenenablauf Rasse und Schneid mit un- zähligen köstlichen Kleinideen hineingebracht, wenn auch noch hie und da eine Luftblase auf- quirlte. Das wird sich leicht bessern lassen. Burkards Bühnenbilder und das ungemeine Verdienst des Kapellmeisters Schweppe wurde ebenfalls im Borbericht nachdrücklich an- erkannt, so daß neben der noch zu nennenden Balletmeisterin La in« die Einzelausgaben zu würdigen sind. Da war vor allem die Titel- Heldin der Sete Stechert. Sympathisch im Spiel, überschattet von einer leisen Tragik, war die Künstlerin gesanglich auf voller Höhe, zu- Wal ihr die günstig liegende Partie mehrere ge- tragene Stücke zuwies. Glanzvoll gelang ihr die musikalisch herrlich geratene Stell«: „Und wüßt ich sterben an diesem Wort: ich liebe dich". Den ernsten Partner der Komödiantin gab Hans Bussard in bewährter und immer wie- der' staunenswerter Gestaltungskraft. Wenn dieser Künstler mit der ihm eigentümlichen schie- ken Kopfhaltung über die Bühne changiert, ist das Rennen gewonnen. Seine geschmackvolle Art in Spiel und Gesang schufen die Rolle rund Und wirksam. Das lustige Gegenpaar wurde in sprudelnder Freude von Hanna Rod egg und Albert Peters sang-, tanz- und spielgewandt wit ansteckender Laune gegeben. Eine prächtige Leistung als Komiker von hohen Graden bot "ritz H a n ck e mit seinem liebensbedürstigen Fabrikanten Brückner, Viel von dem Erfolg des letzten Aktes ist seiner Kabinettleistung zuzuschreiben. Bon den Kavalieren stach in guter Groteske S. Lindemann als Stettenheim hervor, von überwältigender Drastik war Frau Mosel-Tomschick, von einem seltsam trockenen, harten, aber rollengemäßen Humor war Walter Warths Ritters. Schade, daß diesem ausgezeichneten Sänger keine Noten un- terlegt waren. Noch sind zu nennen Franz Meyer, Eugen K a l n b a ch und Edith G a st - Beer in Nebenfiguren. Orchester, Chor und Tanzkörper sowie das Beiwerk in äußerer und innerer Inszenierung war hochbesriedigend, wie überhaupt dem Landestheater für die Hingabe an das Werk Weicks nachdrücklichst zu danken ist. K a r l I o h o, Der Schulze. Skizze von Karl Lütge. Der ganz und gar unbekannte bescheidene junge Maler Schulze hatte sich erlaubt, Herrn und Frau Wollemann ein kleines, anspruchsloses Bild zu überreichen. Gewissermaßen als Dank für die letzthin überraschenderweise erfolgte Einladung zu einer kleinen Feier. Da hat man ihn hochprozentig als de» »Kunstmaler, unfern lieben Hausmit- bewohnet, vorgestellt, und er war pflichtschuldigst von den Gästen der reichgewordenen Wollemanns bewundert worden. DaS war vor Jahresfrist und ward bald beider- seits vergessen. DaS Bild kam in den Vorsaal, wo es recht düster ist, und geriet in Vergessenheit. „Gott — von dem Jüngling", sagte wegwerfend Herr Wollemann, «was kann man da groß für Staat machen. Ich Hab' mich erkundigt — es kennt ihn kein Mensch! Wir hätten ihn gar nicht einladen sollen!" . x Das war, wie gesagt, vor einem Jahre. Unterdessen brachte eS der ganz und gar unbe- kannte Maler Schulze voran. Er gelangte sogar in eine Ausstellung mit seinen Bildern. Da sagte Herr Wollemann zu seiner Frau: „Den Schulze, weiht Du, können wir in mein Arbeitszimmer in die Ecke hängen, wo die Tapete so nachgedunkelt ist." „Der Schulze" hing nun im Arbeitszimmer des Herrn Wollemann, und, ebenso wie im Flur, be» achtete ihn hier keine Menschenseele. Da bekam — es mochte unterdessen ein halbes Jahr vergangen sein — aus einer Ausstellung in einer Provinzialhauvtstadt das aufstrebende Talent Fr. A. Schulze einen Preis. Wollemanns lasen es und fanden einmütig, daß eS von Vorteil sei, dem wirklich ganz netten Bildchen des aufstrebenden, talentvollen Malers Fr. A. Schulze einen besseren Platz im Herrenzimmer zu gebeit. So kam „der Schulze" Wollemanns etwas ans Licht. Nrnt ruhte der in letzter Zeit bekanntgewordene Maler Fr. A. Schulze aber durchaus nicht, oder vielmehr sein Ehrgeiz ließ ihn nicht ruhen, und er malte unentwegt weiter, so daß er alsbald einen neuen, diesmal wertvolleren Preis erhielt. Was Wunder, daß der Name des „bekannten Malers", von dem „noch viel zu erwarten sein dürfe", durch alle Blätter ging Ja — und jetzt hängt längst an besonders auf- fälliger Stelle in kostbarem Rahmen „der Schulze" im Salon Wollemanns, und Möllemanns ver- fehlen nicht, ausgiebig von dem berühmten Kunst- maler, einen» lieben und werten und wirklich ganz und gar unvergleichlichen Freunde ihres Hauses zu reden Gedankensplitter. Von Wolf Amstowski. Die Welt sucht immer neue Götter zu eut- decken — deshalb verliert sie den Weg immer mehr zum alten Gott. * Götter können aus Lehm und Eisen geformt werden — Teufel nur aus Gold. * Verlogene Kunst verhöhnt die Gottheit und betrügt die Menschheit. ES gibt mehr vollendete Kunstwerke, als voll- endete Künstler. * Mit dem Schaukeln in ber Wiege werden wtr im Leben zum erstenmal betrogen. * Ein Ehestand ohne Kinder ist tragisch — ein Ehestand mit Kinder oft noch viel tragischer. ch Es ist besser, auf eine schöne Frau zu hoffen, als eine häßliche zu besitzen. ch Es ist leichter .zehnmal zu lügen, als einmal die Wahrheit zu sagen. * Die Reue kommt meistens zu spät — aber oft ahnt man die Reue schon im voraus und kann's nicht ändern. ch Mit einem Land von Narren ist es sehr ge- fährlich. Krieg zu führen — siegen sie — werden sie noch närrischer wie sie sind — siegen sie nicht — besteht die Gefahr, daß sie gescheit werden könnten. ch Die Liebe ist internattonal, der Haß wehr national. Humor. Falsch aufgefaßt. Tochter (von der Hochzeitsreise erzählend): „Als ich mit Fritz den Berg hinauf- ritt, wäre ich beinahe verunglückt, der Esel wurde plötzlich eigensinnig ..." Mutter: „Was? Auf der Hochzeitsreise schon?" Sein Standpunkt. „Ich war aufs höchste über- rascht, als ich hörte, Sie hätten geheiratet!" — „Was wollen Sie — man kann nicht immer nur lieben!" Bündige Auskunft. »Was treibt denn jetzt Ihr Schwager, Herr Klobig? "* reife! " um* Mr. 165. Seite 4 Karlsruher Tagblatt, Sonntag, den 17. Juni 1928 SrsteS Blatt . m — _ — _ — Angesichts der neuesten Errungenschaften der Technik sollte sich überhaupt niemand | H U H .L[ fklak AnalacM Sind 711 d\t ^llt ^GKlßldGt Jt R II P P J flS^UU RlCil» QllßlSSßF o Besohlung nach Näh- und Ago-Sysiem FriorfrirhcnlatT B wenn Sie Schuhe mit verstepptem Oberleder GummUBesohiung. rnegrtsnstuau o. oder gar mit Riestern tragen ! Reinigen und Färben farbiger Schuhwaren nach neuester Methode. Bekanntes Maßgeschäft für alle Schuhgattungen. Sie ^nutaöflejcticö ?är Angestellte betrefteu» Nach Anhörung der in Betracht kommenden Be- Hörden und Jnteressenverbände wird aemSh 8 1 Abs. z deö Versicherungsaeseöes sür Ansestellte und aemäß 8 4 der badischen Vollzugsverordnun« hierzu vo n z. Auaust 1912 der Wert der Sachbezüge mit Wirkung vom 1. Juni 1928 rate folgt neu festgesetzt: Die Angestellten werden nach ihrem Jahresge- halte in zwei Klassen eingeteilt und zwar in: Klasse i mit einem Jahresgehalt bis einschließlich 4 500000 ^ Klasse Ii mit einem Jahresgehalte üb. 4 50» 000 Jl Der Wert der Sachbezllge selbst, wobe^ nur Kost und Wohnung in Betracht kommen, wird lestgelctzt: 1. für die Stadt Karlsruhe mit den Vororten Beiertheim, Daxlanden. Grünwinkel, Rint- heim und Rüvvurr. sowie für die Gemeinden Bulach und Knielingcn: für Klage I auf täglich 4000 Jl sür Klasse H auf täglich 5000 Ji 2. für den übrigen Landbezirk Karlsruhe: sür Klaffe I ani täglich 2 500 sür Klaffe II auf täglich 3 000 Für Wohnung allein ist bei sämtlichen Ange- stellten ohne Unterschied zwischen Stadt und Land, sowie ohne Unterschied der Klasse der Betrag von 250 M angenommen. Karlsruhe, den 12. Juni 1923. O .-Z. 63. Bad. Bezirksamt. — BersicherungSamt. ert O. Die Festsehnna der Ortövreiie (fit den W der äitdi'jcjiiflc aemiift 8 ><>«» Abs. 2 R. B. denen der Wert der Sach- ind-, sorst- und Hauswirt- schastlicher Arbeiter und Arbeiterinnen, bestehend :n Kost und Wohnung, zu berechnen ist. werden gemäß z 160 Abs. 2 der ReichSversicherunasordnung und z 1» der VillzuaLverortmung zur Reichsver- sicherungsordnung hinsichtlich der Krankenversicherung vom 2. Juni iSlü — Bad. Ges. u, B. O. Bl. S. 441 — sür den Amtsbezirk Karlsruhe und zwar einheitlich für alle Personen ohne Geschlechts- und Altersunterschied mit Wirkung vom I.Juni 1923 festgesetzt: a. In der Stadt Karlsruhe, einschließlich der Vor- orte, sowie in den Gemeinden Bulach und Anklingen auf 5000 Jl d. In den übrigen Landgemeinden des Bezirks auf 3000 .U Vom Gesamtwert der Sachbezüge bei voller Ver- vflegung. sreier Wohnung, Beleuchtung und Hei- zun^ treffen aus: vundert- trefsen auf Sunde rt Kundert wundert öundert Sundert. OL. 52. .ervslegnng 90 vom Hundert Wohnung 6 vom Hundert Heizung und Beleuchtung 4 vom Vom Gesamtwert der Verpflegung V Frühstück 9 vom 2. ^ytÜOItÜCt 11 vom Mittagessen 41 vom Vesperbrot 14 vom Abendbrot 25 vom Karlsruhe, den 11. Juni 1928. BadischeS Be»irtSa«t — Bersichernnasamt. Bekanntmachung. Gegenstand: Fleischsteuer. DaS Staatsministerium hat entsprechend der weiter fortgeschrittenen Geldentwertung die Fletsch- ftenersätze neu sestgeietzt und zwar- Für Rindvieh bei einem Schlacht- gewicht von weniger als 200 kg . 3000 Jl von 200 bis ausschließlich 250 kg . . 4500 M von 250 kg Ulli) mehr 0000 Jl und für jedes Milchkalb 1200 Jl für jedes Schwein 2400 Jt sür jedes Schaf 1000 M sür eingeführtes Fleisch 120 J! vom kg. Die neuen Sätze treten am 15. ds. Mts. in Krast Hi»«pt,olla»»t. Anzöge ». Paletot werde» anaesertigt und gewendet od. zu Knaben- kleider umgearbeitet I. Hartman«. Schneider- meister, Waldstr. 73. Ht. II Sonntag, den 17. Juni, nachmittags '1^4—6 Uhrs Opern- und Operetten-Konzert der Fetierwehrkapelle. Vormittags 11—12 Uhr Freikonzert der Stftdt. Schüler- kapelle. Vormittags kein Musikzuschlag. Regelmässige Eintrittspreise. Bei ungünstiger Witterung fällt das Konzert aus. Urteil Des VuchergMks Karlsruhe. 1. Emil Walter, Händler und Landwirt von Stadelbofen, 2. Hermine Re ich« r tgeb. Backhaus von Ober- groustädt. ^ 3. Friedrich Ahr, Bäckermeister von Ellmen- dingen, 4. Friedrich Muth, Wirt von Weinolzheim, 5. Otto Weber, Kaufmann von Mößbach, (5 Albert Rommel. Konditor von Ulm a. D. 7 Karl Walter, Landwirt von Stadelhofen wurden am 4- Mai 1923 wegen unerlaubten Hau- dels zu nachfolgenden Strafen verurteilt: Emil Walker zu 1 Jahr Gefängnis und einer Geldstrafe von 1000 000 Ji, Hermine Reichert zu etner Geldstrase vou 400 000 X Friedrich Ahr zu einer Geldstrafe von 300 000Jl, Friedrich Muth zu einer Geldstrafe von 150000 Jl, Albert Rommel zu einer Geldstrafe von 20000 Jl, Otto Weber wegen Beihilfe zum unerlaubten Handel zn einer Geldstrafe von 200 000.*. Die beschlagnahmten 51 Sack Zucker werden samt den Säcken eingezogen. Dem Emil Walter wird jeglicher Handel mit Lebens- und Futter- Mitteln, überhaupt mit Gegenständen des täglichen Bedarfs, untersagt. Karl Walter aus Stadelhosen wird wegen Begünstigung zu 3 Monaten Gesängnis verurteilt. Staatsanwalts«baft Karlsruh«. zen. .«i. nzelne Damen- Fnndsachen betreffend. Im Monat Mai 1923 wurden folgende Gegen- stände aus dem Fundbüro abgeliefert: 1 silbernes Milchkännchen, Armbänder. 4 Hals- kettchen mit Anhänger, 1 schwarze Halskette, 4 Brillen. 1 Zwicker, 1 Anhänger, 2 Broschen, 2 Rocknadeln, 2 Armbanduhren. 3 Haarstecker. 1 Schachtel mit Orden, 1 künstliches Gebiß, Be- suchstäschchen, Stosftasche, Geldmäppchen mit Geld- betrügen. Säckchen mit Turnschuhen, Gummiball. Kindermützen, Knabenmütze, Korbdeckchen, Schüre Winöelhosen, Autohuppe. einz ' ~ ikinderschnbe. Marktnetz, jre Swli^el und SchliU ..... ken, Messinai,^>sel. Metermaß, Damenstossgürtel, Botanisterbnchse, rotes Mäppchen mit 2000 Jl, vierräderiges Wägelchen, 1 Handtuch. 1 Schiff, 4 Meter lang, gelbe Studeutenmütze, Walbsäge, 1 Regenschirm mit Ueberzng, weißes Kindermän- telchen, 1 Oelkanne mit Schmieröl, 1 weicher Kra- gen. 1 graue Windtacke, 1 Mantel mit Schirm, 1 Herrenschirm, 1 Sturmlaterne, 1 Zufchlanbam- mer. 1 weihe Damenunterhose, 1 Herrenpliischhut, 1 Bild , 1 Verschlußstück von einem Hudrantenschlauch, weiße Kinderwagendecke, Windel und Schürze, 1 Milchkanne, weißer Stroh- Hut. Geldbeutel mit ausländischen Münzen und 1 Ring. 2 Hundeselle, 1 Damenschirm, 1 Strickzeug, ein Henkelkorb, Geldbeutel und Geldmäpp- chen mit größeren Beträgen, sowie Bargeld, dar- unter hohe Beträge. Hunde, welche im Hunde- zwinger untergebracht sind. Die Gegenstände können von den Eigentümern oder sonstigen Empfangsberechtigten im Zimmer 0 des Bezirksamts abaebolt werden. Falls die Empfangsberechtigten nicht rechtzeitig sich melden, geht das Eigentum an dem Fund- gegenständ nach Jahresfrist auf den Finder bezw. die Stadtgemeinde über. Karlsruhe, den 13. Juni 1923. O.Z. 51. Badisches Bezirksamt — Polizeidirektion. Reise-Koffer Handkoffer Damen-Taschen Besuchs-Taschen etc. Gottfr. Dischinger vorm. B. Klotter, Spezial - Geschäft für Reiseartikel und Lederwaren, Kronenstraße 25 Telephon 2618. I Hochbauarbeiien für Dienstgebäude Karlsr- Westbahnhos öffentlich zu vergeben: ->> Grab- und Maurerarbeit., b> Kunst- steinlieserung, cj Eisenbetondecken, d) Zimmer- arbeiteit, e) Schmiedearbeiten, f) Blechner- arbeiten und e) Dach- deckerarbeiten. Pläne ». Bedingnisheit aus unserem Hochbaubüro im 2. Stock des Ausnahme- gebäudes Karlsruhe zur Einsicht. Dort a?ch Ab- gäbe d. Arbeitsbekihriebe geaen Ersatz der Selbst- kosten (für a, c = Je 520^, b, e, e = je 250 J, d und k = je 450 Jl). Angebote mit Aufschrist arbeiten zumDienstgebäude Karlsruhe-Westbahuhoi" verseben, verschlossen u. poitosrei längstens bis Montag, den 2. Juli 1923, vormittags II Uhr, bei uns einzureichen. Zu- schlagssrtsl 4 Wochen Karlsr.. 1«. Juni 1923. Bahnbaninsvektion n Badische LichtspieleHi| 3 Filmvorträge des Oberingenieurs Dreyer, Hannover. Mittwoch, de n 20. Juni, nachmittags 5 Uhr und abends 8 Uhr Do nnerstag, den 21. Juni, abends 8 Uhr im Städtischen Konzerthaus Der Oceanfilm Mit Schnellzug und Ozeandampfer von Berlin über Bremen nach New-York. — Ansteuern der Küste. — Loten, Steuern mit drahtloser Telegraphie. — Telefunkenkompaß. — Einschiffen der Passagiere. — Leben an Bord, — Einfahrt in New-York. Karten-Verkauf bei den üblichen Stellen zu 2500.— u. 2200.— Mk" Preiswerte Club- Standlompea in allen Stil- und Holzarten empfiehlt ab Lager Posamenten und Lampenschitmfabrik W. Clorer jr. Kaiserstr. 136, H. Paßbilder werden sofort geliefert I jPhoto gr. 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Glas und Porzellan, Küchengeschirr. 1 Stehleiter, 1 Eisschrank 1 Kreuzthermalbad, 1 Partie Fahnen und Stangen, 12 Studentenmützen, 1 Nähmaschine, Herren- und Krauenkleider, Schuhe, Gaslüster, sowie allerlei sonstiger Hausrat. Boegler. Ortsrichter-Vorsitzender, Kurvenstr. 18. Fahrnisversteigerung. Mittwoch, den 20. Jnni. mittags 2 Ufte. Herrenstrafte 27, II.: 1 Wohnzimmer, bestehend aus 1 Busset 1 Kredenz. 1 Salontisch, 1 Sopba mit Umbau, l Konsol mit Spiegel, sonstige Tische, Stühle, 1 kleines Sovha. 2 Lehnstühle, I Ruhebett. Bilder, Spiegel, 1 Regulator. 2 Wecker, 1 Näh- Maschine, 8 ausgerichtete Betten. 2 mit Rosjhaar ixe " - Matratzen, 2 Waschkommoden mit und ohne mor. 1 Nachttisch. 8 Schränke, 1 Polsterstuhl mit Einrichtung, Linoleum. 1 Küchenschrank, 1 Gas- Herd, 1 Waschtisch, Glas- und Porzellansachen. Sckuhe, sowie allerlei sonstige Sachen. Boegler. Ortsrichter-Vorsitzender. Kurvenstr. IS. Badisches Landestheater. Sonntag, den 17. Juni, 5 bis 10 Uhr Sp. I Abt. 12000 Jl Abonn. C 21 Gastspiel des Kammersängers Heinrich Hensel rom Stadttheater Hamburg Die Meistersinger von Nürnberg (in der Neueinstudierung) Walter von Stolzing: Heinrich Hensel. Wische BMten-CWjsenichaslMllk e.G.m.b.H., Karlsriiie. ^ctuxtversasn?nlung am Ä4. Juni, vormittags 11 Uhr, im gießen Saal des Kaffee Nowack. hier. Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht. 2. Bericht der Rechnungsprüfmi^skommission. 3. Anträge. 4. Satzungsänderungen. 5. Wahlen. 6. Verschiedenes. Der Anfsichtsrat. Vrelse skr martenfeete Mm ab Montag, den 18. Jnni 1923. 80 Gramm Walserweck Jl 500.— 25U Gramm Weitzbrot Jl 1500 — 400 Gramm Halbweibbrot H 1650— 500 Gramm Kornbrot Jl 1900.— Salzweck, Brezel ufw M 250 — Tüten und Einwickelpapier werden zum Selbst- kostenpreis berechnet. Jreie BScker-Jnnnng Karlsruhe. Abonnenten Kauft bei Inserenten des „Karlsruher Tagblatts". In Dr. Unblutigs Sprechstunde. 2. (Aufheben !) (.Fortsetzung Jolgt.) So Herr Ober, gestern haben Sie mir Htthnereuppe mit Fettaugen serviert und heute bringen Sie mir Hühneraugen mit ohne Suppe. Na, lassen Sie mal sehen. Hühneraugen sind )a bei Kellnern eine Berufskrankheit, wie bei Poincare die Ruhr. Sie haben da zwei wunderschöne Naturdenkmäler, eine schöne Hornhaut auf der Fußsohle und ein Hahnerauge an der großen Zehe. Aber regen Sie sich nicht so hinauf, mein Lieber, diese Dinger beseitigt man nicht mit dem Messer. Da wird auch nicht .WWWWWWW. . ... Brtostp:j. H | , äugen klein und groß, wirst mit Kukirol Duloß 1 '. Gehen Sie jetzt gleich in die nächste größere Apotheke oder bessere Drogerie, kaufen Sie sich eine Schachtel Kukirol und wenden Sie es laut Gebrauchsanweisung an. Sie werden sehr bald Linderung verspüren, im Gegensatz zu anderen Mitteln, welche die Scnmerzeu noch größer machen. In 2 bis 3 Tagen werden Sie sich schon ohne Hühneraugen beheifen müssen. — Gerade Ihnen und Ihren Kollegen möchte ich aber außerdem noch die regelmäßige Benutzung desKukirol-Fußbades empfehlen. Das viele Gehen mit weichen Schuhen auf hartem Boden verursacht natürlich heftiges Brennen an den Füßen, mitunter auch Wundlaufen und allerlei andere Fußleiden. Das Kukirol-Fußbad hält die Füße trocken^ kräftigt Muskeln und Sehnen und ist eine wahre Wohltat für Jeden, der viel geht und steht. — Die lehrreiche Broschüre , J)ie richtige Fußpflege" erhalten Sie auf Verlangen gratis und portofrei durch die Kukirol-Fabrik Groß-Salze 425 bei Magdeburg. Lassen Sie steh niemals etwas anderes als „auch sehr gut" aufreden. Die ungangbaren Waren müssen zwar auch verkauft werden, aber doch nicht gerade an Sie. Es gibt nichts besseres wie Kukirol. Die f alkner auf Ctndenböhe Roman von Reinhold Ortmam». (38) lNachdruck verboten) „Muß es auf öer Stelle sein?" fragte er, seine tiefe Erregung mühsam hinter schmerzlichem Hohn verbergend. „Gleich in dieser Stunde? Während der alte Mann da drlnnen, um dessen Erbe du mit mir feilschen willst, noch atmet und lebt?" Mit der Beharrlichkeit einer Frau, die ihr Ziel unverriickt im Auge behält, gab Signe sich den Anschein, seine Frage ganz ernst zu nehmen. „Nein — ich verlange keine sofortige Entschlie- hung. Aber ich hielt es für gut, dich rechtzeitig darüber aufzuklären, was für dich zu gewinnen und zu verlieren ist. Ob du es jetzt noch ge- schehen lassen willst, daß sich dein Vater von sei- nem Freunde Bennewitz notarielle Schenkungs- urknnden aufsetzen läßt, um dich und deine Ge- schwister zu Bettlern zu machen, hast du zu be- denken; es ist nicht nur deine gesicherte Zukunft, die dabei auf dem Spiel steht, sondern auch deine Freiheit. Von einem armen Manne könnte ich mich freilich nicht scheiden lassen? aber ich fürchte, daß ich ihm keine sehr beqneme Gefährtin sein würde." „Genug!" brauste er i»us. „Laß mich jetzt allein. — Doch nein. Da du dich so oft deiner Aufrichtigkeit rühmst, so antworte mir noch auf eine Frage. Geschah es einem anderen Manne zuliebe, daß du dich jetzt so tief vor mir ernied- rigt hast? Ist der, den du mir zum Nachfolger geben möchtest, vielleicht schon zur Hand?" Als sie schmieg, trat er einen Schritt näher auf sie zu und mühte sich, ihr in die Augen zu sehen: „Ich sing mehr als einmal die Blicke auf, mit denen du Doktor Germering ansahst,' ich kenne diese Blicke. Signe. Und auch die Heimlichkeiten, die du beständig mit ihm hast, entgingen mir nicht. Antworte mir: Ist dein Gewissen rein?" „Ach, Narrheiten!" rief sie, so ungestüm auf- springend, daß der leichte Stuhl umfiel. Und dann, wdem sie ihren Mann mit blitzenden Augen ansah, sprach sie hastig weiter: „Statt meine Blicke zu belauern und meinen Hand- lnngen nachzuspüren, solltest du lieber auf deine Schwester achtgeben, die so unschuldig durch alle Anfechtungen des Bühnenlebens gegangen ist. Sie ist es, die seit dem ersten Tage ihres Hier- seins mit Germering liebäugelt und allerorten mit ihm zusammensteckt. Sie solltest du aufs Gewisfeu fragen — nicht mich!" „Dazu habe ich keine Veranlass»,rgz Gerda ist die Herrin ihrer Entschlüsse und ihrer Hand." „Auch ihrer Hand? Er wäre dir also als Schwager willkommen, der Banerndoktor von Tiefenbrunn? — Nun, ich sage dir, daß sie ihn nicht einfangen wird. Es wäre besser, daß sie das nutzlose Spiel aus freien Stücken aufgäbe, denn sie wird nichts als bittere Enttäuschungen erleben." „Was kümmert dich das? Fühlst du nicht, wie schwer dein eifersüchtiger Zorn dich verdäch- tigt?" Als fühlte sie es in der Tat, nahm Signe sich plötzlich zusammen. „Eifersucht? O nein!" sagte sie mit spöttisch überlegener Ruhe. „Der schöne Doktor kann mir nicht gefährlich werden: auch wenn ich vielleicht Künstlerblut genug in den Adern habe, um ihn mit Wohlgefallen anzu- sehen: der Mann meiner Träume ist er sicherlich nicht. Aber ich fühle mich einstweilen noch als ein Glied deiner Familie, und darum will ich nicht, daß Gerda sich an den unbedeutenden Menschen verliert. Frage deinen Vater, ob er darin nicht ebenso denkt wie ich." Achim machte eine matt abwehrende Geste. „Laß es genug sein. Ich bin nicht in der Ver- fassung, auch darüber noch mit dir zu reden. Und ich brauche Zeit, um mich auf die Komödie vorzubereiten, die wir von nun an den anderen hier werden vorspielen müssen." Sie wollte etwas antworten, aber sie hielt es zurück. Und als er sich wieder seiner Staffelei zukehrte, wandte sie sich mit einem Achselzucken zum Gehen. * Glücklicher, als sie es nach den Eindrücken des ersten Tages erhoffte, schien sich Gerdas Leven auf Liudenhöhe zu gestalten: sie glaubte an die Besserung in ihres Vaters Befinden und an seine Verzeihung. Wenn er sie auch nicht mit Zärtlichkeiten behandelte, so verhielt er sich ge- gen sie doch nicht anders als gegen Erika und Signe. Er sah es offenbar gern, wenn sie mit irgend einer Handarbeit bei ihm saß, und es ge- schah nicht selten, daß er ihr dies oder jenes aus seinem an Erinnerungen reichen Leben erzählte. Auch von ihrer früh verstorbenen Mutter sprach er zuweilen bei solchen Gelegenheiten. Und dann konnten wohl auch weichere, herzliche Töne in seiner Rede anklingen, Gerda fühlte, daß der scheinbar rauhe Mann in seiner Liebe ebenso be- harrlich war wie in seinem Groll. Und als sie einmal, da sie miten in der Arbeit den Kopf von ihrer Stickerei erhoben, seinen auf sie gerichteten Augen begegnet war, hatte sie einen so warmen Blick aufgefangen, daß sie dem Trieb ihres Her- zens nicht hatte widerstehen können. Alles bei- feite werfend, war sie auf den Vater zugeeilt, hatte die Arme um seine Schultern geschlungen und ihren Kops an seiner Brust geborgen. Und trotz seiner oft erklärten Abneigung gegen Rührszenen hatte Bernhard Falkner ihr nicht gewehrt. „Nun — nun!" hatte er freundlich gesagt, als er das schluchzende Erbeben ihres Körpers fühlte. „Ein so großes Mädel wirb doch nicht meinen. Noch dazu ohne alle Ursache. Wir sind ja wieder in Ordnung miteinander." Seitdem war ihr froh und leicht zumute? sie segnete den Entschluß zur Heimkehr, und noch nicht ein einziges Mal hatte sich in ihr ein Ver- langen nach der bunten Scheinwelt geregt, die sie verlassen. Eckpfand sie doch auch Erikas herz- liche Freundschaft als eine beglückende Entfchä- digung für die Bitternisse der langen Verein-- samuug, und gab sie sich ihr doch um so freu- diger hin, als sie die liebenswürdigen Herzens-- eigenschasten der Pflegeschwester jetzt besser zu würdigen wußte als in ihrer einstigen Unersah- renheit und Lebensunkenntnis. .Hatte sie in der immer Geschäftigen und Hilfsbereiten bei aller Zuneigung früher immer so etwas wie ein freundliches Aschenbrödelchen gesehen, dessen Gefälligkeiten man gerne in Anspruch nahm, ohne sich weiter viel um sein Innenleben zu kümmern, so lernte sie jetzt verstehen, wieviel Opferfähigkeit und Seelengröße, ein wie reicher Schatz selbstloser Liebe von der anmutig zarten Hülle dieses immer anspruchslosen und heiteren Geschöpfes umschlossen war. Sie fühlte sich nicht mehr als die Ueberlegene und vom Geschick be-- vorzugte, sondern sie sah mit Dankbarkeit und ehrlicher Bewunderung auf die Fremde, die auf alle Freuden ihrer Jugend verzichtet hatte, um den alternden Mann, den die eigenen Kinder in heißem Lebenstrieb verlassen, mit Wärme und Behagen zu umgeben. Wenn sie das auch nicht aussprach, so mußte es sich einem Wefen von Erikas Feinfühligkeit doch in ihrer ganzen Art unzweideutig offenbaren, und sie vergalt es durch innigste Hingabe an den gleichsam erst jetzt geschlossenen Freundschaftsbund, dem nichts von der spielerischen, wortseligen Überschwenglich- feit gewöhnlicher Mädchensreundschaften anhaftete. lForts. folgt.) Zweites Blatt Karlsruher Tagblatt, Sonntag, den 17. Juni 1928 Nr. 168. Seite S. Zum Sonnlag. „Heilig ist die Jugendzeit: Edler Geist des Ernstes soll Sich in Jünglingsseelen senken, Jede still und andachtsvoll Ihrer heil'gen Kraft gedenken." Ein feiner Gruß des schwäbischen Dichters zum heutigen Ju g e n dsonntag. Zur Einkehr ruft er und zur Begeisterung sitr das ewig Gute und Wahre und Schöne. Beides gehört zur rich- tigen Jugend. Ein Ideal, ein gutes Ziel soll in jedem jungen Menschenkind lesen, mutz in ihm geweckt werden. ,LZor jedem st«ht ein Bild detz, das er wer- den soll. - ^ So lang er das nicht ist, wird nicht sein Friede voll." Die Losung der Jugend muß lauten: Vor- wärts, immer und immer weiter vorwärts! Die Natur weist darauf: Aus der Saat schietzen Halme und Nehren auf. Knospen entfalten sich zu Blüten und Blumen. Ueberall Weiterbildung, denn Stillstand ist Rückschritt. So im Leiblichen, aber nicht minder im Geistigen. Wie war Per- t h e s, der sehr verdiente deutsche Buch- ' Händler, der eine sehr arme Kindheit hinter sich hatte, als Lehrling stets bestrebt, die Lücken in seinen Kenntnissen auszufüllen! Er erfaßte sei- nen künftigen Beruf als ein Mittel, der Menschheit zu dienen für ihre wahre Wohl- fahrt. Und soll nicht jeder Jüngling, jede Jung- frau ihre Arbeit, ihren Beruf so auffassen? Oder wäre das zu hoch gedacht? Aber Zeit und Geld waren ihm spärlich zugemessen. Des- halb nahm er für sich allein die französische und englische Grammatik zur Hand und oft fielen dem müden Lehrling in später Abendstunde über dem Lernen die Augen zu. Am andern Mor« gen aber gings mit neuer Treue und Frische an die harte Lehrlingsarbeit. Solcher Fleiß und Eifer führt zu schönem Ziel. Und wie unermüd- lich sollten unsere deutschen grotzen Dich- ter eingeprägt werben! Gewitz gehört hierzu ein starker Wille, aber den bringt das richtige Ziel, das erstrebt wird, mit sich. Wenn das fehlt, dann bekommt die Begierde die Oberhand, und ohne Halt und Widerstandskraft wird da- hin gelebt. Ist das recht? Auch wenn es oft zu sehen ist? Locke, der Philosoph, sagt dar- über: „Die geeignetste Zeit zur Ausbildung des Willens ist die Jugend, wo unsere Seele allen Eindrücken geöffnet ist, wo sie einen reichen Schatz nützlicher Wahrheiten in sich aufnimmt und gute Grundsätze so in uns befestigt werden können, daß sie für das ganze Leben Boden ge- Winnen. Wer diesen günstigen Zeitraum ver- säumt, der kennt denn kein höheres Gesetz, als seine Wünsche und die Begierden werden allzu stark in ihm", wie an vielen wahrzunehmen ist. Aehnlich sagt ein anderer: ,L?ch habe es Alles Macht, aber es frommt nicht Alles? ich habe es Alles Macht, aber ti soll mich nichts gefangen nehmen". Datz angestrengtes A r b e i t e n zur Erreichung eines hohen Zieles schon in der Jugend nötig ist, um es später fortsetzen zu können, sei an einem deutlichen Borbild gezeigt. Anna Schlat- ter, die geistvolle Kaufmannsfran zu St. Gal- len schreibt: „Ich habe 14 Kinder zu erziehen gehabt, dann war ich Hausfrau, die jede« Pfen- nig spalten muhte und oft kaum mutzte, wo die Bedürfnisse für all« hergenommen werden soll- ten. Ich mutzte Gehilfin meines Mannes im Laden sein. Dabei war ich selbst Kindermagd sowie Näherin für das ganze Haus. Kein Hemd und kein Kleid, kein Leintuch und Tischtuch, keine Haube war im Hause, die meine Hand nicht selbst genäht hatte, die unzählbaren Stümpfe ungerechnet, die ich gestrickt und ge- flickt habe. Oft mutzte ich auch waschen, auf- hängen, glätten,, kochen, alles selbst tun und in Krankheiten die Kinder pflegen". Wie hätte sie dieses viele leisten können, wenn sie es nicht in der Jugend fleitzig und tüchtig geübt hätte! Und fordert unsere Zeit das nicht noch viel mehr? Wie prächtig weist Goethe in „Hermann und Dorothea auf Aehnliches hin: „Dienet die Schwester dem Bruder doch früh, sie dienet den Eltern, r Und ihr Leben ist immer ein ewiges Gehen und Kommen, Oder ein Heben und Tragen. Bereiten und Schaffen für Andere. Wohl ihr, wenn sie sich daran gewöhnt, datz kein Weg ihr zu sauer Wird, und die Stunden der Nacht ihr sind, wie die Stunden des Tages. Datz ihr niemals die Arbeit zu klein und die Nadel zu fein dünkt, Datz sie sich ganz vergißt nnd leben mag nur in Andern!" Solches Arbeiten bringt Freude und Sonnen- schein, und das soll doch ein jeder, nicht nur sei- nen Angehörigen bringen, sondern auch seinen Volksgenossen, zumal jetzt. Die Selbstsucht und auch Parteisucht sagt wohl, aber schnöderweise, anders. Trotzdem soll ein jeder befolgen, was M. Arndt gesungen hat: «Das ganze Deutschland soll es fein! O Gott vom Himmel sieh darein. Und gib uns rechten deutschen Mut, Datz wir es lieben treu und g u t." Wo tvirb das alles gepflegt, datz es wächst und Frucht bringt? Der Jugendsonntag sagt es deutlich einem jeden, der ihn benützt. L. M. Das sterbende und werdende Europa» Ueber dieses Thema sprach Minister Hell- pach am vergangenen Donnerstag. Ausgehend von den politischen Konstellationen um die letzte Jahrhundertwende führte der Redner die Hörer durch die Politik seit 1371. Schon die Ereignisse von 1877/78 hatten gezeigt, daß das alte Europa des Wiener Kongresses im Todeskampf lag. Der Redner verwies in diesem Zusammenhang auf die im Innersten nie aufgegebene franzö- fische Rheinpolitik, auf die riesenhafte allslawi- fche oder panflavistische Bewegung, den Zersetzungsprozeß der österreichisch-ungarischen Mo- narchie, die nationalistische Bewegung in Jta- lien und oie ungeheure Bevölkerungsvermeh- rung in Deutschland, die im Verein mit dem wirtschaftlichen Aufstieg die Reichsgrenzen zu enge werden ließ. Die Idee eines ungeheuren südwesteuropäischen Bündnisblockes (Deutsch- land, Oesterreich-Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Türkei) habe auf ebenso schwachen Füßen gestanden, wie der Dreibund. Unter den wenigen, die die Unmöglichkeit deS alten Europsa einsahen, sei Erzherzog Franz Ferdinand gewesen. Er hatte sicherlich weit- gehende Pläne zur Umgestaltung der Donau- Monarchie, womit er allerdings den Hätz der Slawenwelt heraufbeschwor. Nicht bei einem einzigen Attentat habe so das Gefühl auf die Gemüter gedrückt „Das ist der Krieg!" als bei dem Schutz in Serajewo am 28. Juni 1914. Deö Redner erinnerte an den trü- gerischen Optimismus, dem man sich in Deutsch- land zu jener Zeit bezüglich einer „fast perfek- ten Verständigung mit England" hingegeben habe, diesem England, das gar nicht entgegen- kommen konnte, weil es schon zu tief in die Entente mit Rutzland und Frankreich verstrickt war. Der Redner sprach dann von gewissen Fehlern in der deutschen Kriegspolitik und vom Sterben des alten Europa, das zusammentreffe mit dem Ausgange des Weltkrieges. Im zweiten Teil seiner Ausführung wandte sich Dr. Hellpach dem europäischen Neuaufbau zu. Ein Europa Frankreichs lehnt er ebenso ab. wie ein Europa Englands, da Deutschland hierin nichts zu sagen haben würbe. Es bleibe nur die Orientierung nach bem Osten hin, wo Deutschlands moralisches und geistiges Gewicht unerschüttert sei. Der Redner trat ein für die germanifch-flawische Völker- und Kulhirgemein- schuft und zog darauf innerpolitische Vergleiche zwischen Deutschland und Sowjetrutzland. Wäh- rend letzteres dazu übergeht, sein Rätesystem zu mildern, mutz Deutschland dazu kommen, die Mitbestimmung der berufsständischen Organisa- tionen in eine feste Form zu kleiden und die Autorität der staatlichen Zentralgewalt zu ftär- ken. Der Redner schloß: Der für Deutschland vorgezeichnete Weg wird ein mühseliger und langwieriger sein, auf dem es trotz vielleicht schwerster Opfer kein Verzagen geben darf. Der Ostwind ist bekanntlich scharf und hart. Wir wollen beim Beginn einer neuen Epoche die Weltgeschichte nicht nur dabei gewesen sein: wir wollen u nd müssen ,mitwirken. damit Deutschland wieder zur Weltgeltung kommt. > * Wir müssen eS uns hier versagen, auf die Ausführungen Hellpachs näher einzugehen. Was den Gedanken einer deutschen Orientierung nach Osten anbetrifft, so gehören auch zu einer sol- chen „Interessengemeinschaft" bekanntlich zwei: Rutzland wird aber auf lange Zeit nicht nur das große Rätsel des Ostens bleiben, sondern treibt, absoluteste, nur seinen eigenen Jnteres- sen dienende Realpolitik, und es tut das mit der ganzen Verschlagenheit und dem gesunden Egoismus, die den Slawen immer und in jeder Beziehung ausgezeichnet haben. Gute Kenner der heutigen russischen Verhältnisse, und dazu rechnen wir in erster Linie erfahrene und tief- schürfende Reisende auch neutraler Staaten, mit erhöhtem fachlichem Urteil bezeugen, datz Deutschland nur aufpassen und hoffen, aber nicht unmittelbar positive Resultate seiner Ost- Politik auch auf lange Sicht erwarten kann. Minister Hellpach beschäftigt sich bekanntlich eifrig mit den politischen Problemen, die die Gedankenwelt der Gegenwart ausfüllen. Das ist immer, und heute erst recht eine irndankbare Aufgabe, besonders wenn man sich auf das Pro- phezeien verlegt. Umso dankbarer würden wir es begrüßen, wenn der Professor Hellpach einmal das Wort auf dem ihm ureigenen Ge- biete ergriff und uns über die Psychologie der Völker Europas orientierte, so wie sie sich den Augen der Jetztzeit und dem Urteil des Sach- verständigen bietet. Hier Tatsachenmaterial klarzulegen und bezüglich einer Verständigung auch mit unseren Erb- und Todfeinden Betrach- tungen anzustellen, dürfte ein Gedankenkomplex sein, dem zweifellos weitestes Interesse ent- gegengebracht werden würde. Gaöifrke Politik Deutsche Demokratische Partei. t. Heidelberg. 30. Juni. Die Deutsche Demo- kratisech Partei Badens hält am 23. und 24. Juni hier ihren Parteitag ab, der für Mittel- und Nordbaden bestimmt ist. Für den übrigen Teil des Landes wird im Oberland ein beson-- derer Parteitag abgehalten. Baden Zum Tode Schlageten. t Schönau, 16. Juni. RetchskamÄer Dr. Cnno sandte an die Gemeinde Schönau anläßlich Schlagetens Beisetzung folgendes Telegramm: „Dem aufrechten und getreuen Soihne ihrer Ge- meinde, der nun tat Boden seiner Heimat die letzte Ruhe findet, rufe ich den Abschiedsgrutz nach: Der ist in tie-ffter Seele treu, der die Hei- mat liebt >wie du." * = Heidelberg 16. Juni. Die hiesige Bäckerinnung kann in den nächsten Tagen ihr 300jähr. Bestehen feiern. In Verbindung mit dem am 26. Juni hier stattfindenden Verbandstag des Babischen Bäckerinnungsverbandes wird dieser Tag begangen werden. - Leushcim sbei Bomidorf), 16. Juni. Einem: bedauerlichen Unglücksfall ist der Knecht Hermann H ö f l e r zarm Opfer gefallen. Auf dem Heimweg vom: Felde scheute -das Ochsenge- »pann an >def Straße beim Bahnhof vor -dem da- herfahrenden V-Zug. Höfler stieg vom Wagen uwd 'ton zu Fall, so datz Gm die Räder über den Leib gingen. Er starb an den schweren Ver- lletztmgen, die er davongetragen hatte. w. Gtockach. IV. Jwm. Akf Antrag der Stadt Stockach ist das Befahren der Straße StoHach— LuÄwigshasen unb Stockach—Winderspüren für Kraftfahrzeuge an Sonntagen ver- boten worden. Die Kosten der Lebenshaltung in Karlsruhe. (Mitgeteilt vom Städt, Statistischen Amt.) Bald nach Kriegsende, als die Lebenshaltung merklich teurer zu werden begann, entstand das Bedürfnis, den Umfang der Teuerung regel- mätzig messen und zahlenmäßig einwandfrei zum Ausdruck bringen zu können. Einige Messungs- versuche tauchten .auf. Waren sie schon ihrer Methode wegen, bald mehr bald weniger, zu be- austandeu, so konnten sie sich vor allem deshalb nicht durchsetzen, weil bei ihnen die Möglichkeit des interlokalen Vergleichs viel zu wenig ge- geben war. Gerade darauf mutzte aber das Wirtschaftsleben grötzien Wert legen, seit die Löhne und Gehälter der Angestellten, Arbeiter und Beamten in immer größerem Umfange tariflich vereinbart werden. Deshalb drängten alle, die auf Lohn- und Gehaltstarif Einwirkung hatten, nach einem wenigstens leidlich allgemein brauchbaren Teuerungs-Matzstab. Endlich griff das Statistische Reichsamt ein. Seit Ende 1919 ermittelt es Teuerungszahlen und errechnet aus ihnen Indexziffern, die alle anderen Gradmesser der Teuerung verdrängt haben, weil sie trotz ihrer Mängel methodisch am einwandfreisten sind, und, weil ihnen das Stat. Reichsamt kraft seiner behördlichen Stellung und mit Hilfe sei- nes Verwaltungsapparates viel größere Ver- breitung verschaffen konnte. Es war also nicht schwer, diesen Ziffern nicht nur amtlichen Charakter zu geben, sondern ihnen auch zu allgemei- ner Anerkennung zu verhelfen. Die Praxis ver- laugt dringend nach ihnen, so daß das Stat. Reichsamt seit März 1S22 sich genötigt sah, wenigstens für eine Reihe von Gemeinden (im ganzen 71) monatlich zwei Teuerungszahlen zu berechnen, für jede Monatshälfte eine. Zu die- sen Gemeinden gehört auch Karlsruhe. Die erste Teuerungszahl, die für Karlsruhe exatt berechnet wurde, war die vom Febiuar 1920: sie war 654. Das heißt, datz damals der Aufwand für den Teil der gesamten Lebenshaltung einer fünfköpfigen Familie, der als Gradmesser der Teuerung dienen soll, für vier Wochen 684 .M erforderte oder 7,03 mal mehr als im Durch- schnitt der Jahre 1913/14. Inzwischen sind wir, zunächst in allmählicher, seit Juli 1922 in stür"' mischer Steigerung, bei bem 3863 fachen im Durchschnitt des Monats Mai 1923 angelangt, in dessen zweiter Hälfte die Teuerung bereits das 4366 fache des Friedensaufwandes erreicht hatte. In der zweiten Hälfte Mai stieg die Teuerungszahl gegenüber der ersten Hälfte um 93 500 oder um 30 Prozent und im Durchschnitt deS ganzen Mvnats gegenüber April um 87 800 oder um 32 Prozent. So gewaltig diese Steige- 1.B Organo- ■ Yohimbin-Lecithin Anregendes Kräftigungsmittel auf wissenschaftl. Grundlage Verl. Sie nur „ Organ ophat" in der Hof-Apoth., Kaiserstr. 201. Sprech und AtemtechnU. Nesettiguna 0 no>t StimmstSriinaen. P. Paichsn Karlsruhe, jetzt Adl^rstrake 33. Sprechzeit Samst. nachm. 2*1.1414. Das Waghäufel. V-on Otto Weiner. Am 1. Mär» 1716 er.gilng auf dero Verlangen ein gründlicher Bericht des Ursprungs der Wal- fahrtskkrche und des Kapuzinerklosters zu Wag- heuseln an die durchlauchtigste Fürstin und Frauen Franziska Augustä Snbilla. Mavkgräfin zu Baden und Höchberg, Wittiben. Darin, wirb folgendes mitgeteilt: Ans bewährten Schriften ist zu ersehen, daß der Name Wagheusel daher entsprungen sei, öioweil vor dreihundert Jahren ein armer Leuten Häuslern an selbiger Wag oder Morast gestanden unb dieser Ort deswegen Wagheusel genannt, wie er auch für einen hl. Ort seye gehalten worden. Dies stehet zwar in zweü alten Briefen, welche aber nicht Melden, Jtkomm dieser Ort für heilig fei gehalten worden. Darum ist wohl zu vermuten, datz dies deshalb geschehen, bieweil ein hl. Bildlein von alters her allda ^standen unb auch verehrt worden. Nachgehends ist es aber M Kriegszeiten, auf daß es nicht gestohlen ober verunehrt würbe, in einen hohlen Eichbaum versteckt worden. Wer dies getan und wie lang es darin gelegen, ist unbekannt, wie es aber gefunden worden, be- schreibe ein Pergamentbrief: Im Jahre Christi 1435 hütete ein Schäfer in selbiger Gegend seine Schafe. Da fand er von ungefähr in einem hohlen Eichbaum ein steiner- nes Maria Bildlein ekva zwei Spannen hoch, samt dem Kindlein auf bem linken Arm. Er trug es voll Freuden nach Haus, verehrte es mit sei- nem Gebet und hielt es für einen grotzen Schatz. Am folgenden Morgen, als er's nicht mehr sah, suchte er und fand es in selbigem Baum,. Er trug es zum zweiten Mal und dritten Mal nach Haus, unb da es allzeit zu Nachts wieder in sei- nen Baum zurückkehrte, ward er sogar erzürnt, datz er es mit einem Stein zu Stücken schlagen wollte. Da hörte, er «ine himmlische Stimme brechen: Halte ein, zerschlag's nicht! Bon dieser Stimme erschrak er so gar. datz er vor bem A. Bildlein niederfiel und die Mutter Gottes um Verzeihung bat. Alsdann baute er ein Häuslein in selbigen Baum, setzte das liebe Bild- lein darein und verehrte es knieend mit seinem Gebete. Diewet> nun dieser Baum im Anfang des Lolcherter SSaHbes gn der Landstraße von -Speyer auf Heidelberg stand, wurde das Bild- lein von den sürüber-N eisenden verehrt und von den BreWaften angerufen. Hier wollte auch bie Mutter Gottes erweisen, datz dieses BiMein kein gemeines noch schlechtes,, fondern ein heilt- ges, von ihr selbst geweihtes BiMein >sei und wundersame Kraft in sich habe. Die erwähnten Heilungen und Mirakle« wur- deu 'bald im ganzen fpeirischen Bistum bekannt, verursachten großem Zulauf von Gesunden und Kranken unb währten 38 Jahre lang. Anno 1473 errichtete sodann der Speirer Bischof Matthias Rmnwung an dem Wallfahrtsort eine schön gewölbte Kapelle mit vier Altären und daneben ein Wohnhaus, aus datz allezeit ein darin wohnender Bruder den ankommenden Priestern zur Messe dienen unb den Pilgern zur Hand gehen könne. Es ward nun in der Folge daselbst soviel Gelb und Wachs geopfert, daß 1487 dem Bruder ein Priester zur Seite trat, der wöchentlich zweimal eine heilige Messe laS. Diese Andacht währte viele Jahrzehnte. 1614 kamen danN zwei Kapuziner von Köln und ver- richteten im Waahänsel den Gottesdienst, bis die- selben im pfäMfchen Krieg 161g nach Philipps- bürg berufen würben. 1630 wieder zurückge- kehrt, wurden 1632 bie Patres von den Schweden während der Messe vom Altar gerissen und ge- sanglich mit Pferden weggeführt. Die Kapelle aber wurde ganz ausgeplündert und all« Bil- der und Tafeln verbrannt. Oben an ber kleinen Kirchtür stand nur noch ein steinernes Maria- Bild. 1A34 reiste eSn kavvtnistischer Bauer von Wttlbor^ samt einem Schlosser aus Hanau bei Waglhäuset vorbei auf einem Karren. Sie fluch- ten über das Heiligenbild, und der Bauer stürzte es mit einem eisernen Hebel herab, sobatz es zer- brach. Alsbald aber kam ihn ein gewaltiges Grimmen an, so daß er vor Pein keine zehn Schritte mehr gehen konnte, auf den Wagen ge-- hoben werben mutzte und yach kurzen Stunden jämmerlich und unselig starb. Ueber diese Strafe erschrak sein Reisegenosse so sehr, datz er zum Katholizismus übertrat und in PhilliypKbur« die hl. Sakramente empfing. Bis 1638 stand das Waghäusel verfassen, verschändet und geplündert. 1639 konnte nach Abzug der Schweben der erste Stein zum Kloster gelegt werben. Von mm an setzte ein großer Zulauf von Wallern und Gläu- bigen ein, sodaß bie Kapelle vevgrittzevt wurde. 1680 mutzte« dann die Kapuziner abermals flikhen, da die Framosen MiliPpsburg belager- ten, Kirrlach gab ben Briiibern Zuflucht. Das heilige Biilbllein ward während dieser acht Kriegssahre teils in PhiliPipSburig, teils in He>r- Helberg verwahrt. Danach wieder zurückge- bracht, übte es gleich wieder den Heilenden Ein- fluß aus, uud von 1710 meldet der Chronist: Die Kirche ist an allen Sonn- unb Feiertagen voller Leute. Zahlreich sin® bie wunderbaren Begebenheijem, so sich in Wagihäusel »ugetra>gen. Ein Fähnrich des Fiürstischxn Regiments zu Heidelberg, der an der ungrifchen Krankheit litt, opferte zu WaghäußÄ zur Linderung seiner Not sechs Pfund Wachs, wonach er elme „abscheuliche Natter" aus dem Mund warf und genas. Zun: andern warb das Kind eines Haupt- manns auf Anruf und Opfer zu Waghäusel von den Blattern zweimal geheilt und selbigem die erblindeten Auigen geöffnet. Anno 1705 genaS zu Wa,Mäusel ein Obrist, der sich M Lauterburg durch einen Sturz vom Pferd eine schwere Kopfverletzung zugezogen, nachdem er der Mutter Gottes ein erkleckliches Opfer bereitet. Vom Jahre 1708 endlich meldet die Chronik folgende schritt!iche Bescheinigung: Ich EndeS- benannte bekenne und attestiere, datz mein Kind Maria Anna Leopoldine Antonia, als selbiges vorm Jahre den 8. Dezember sehr gefährlich krank gelegen auf getanes Votum zu der feligften Mutter Mariä auf dem Waghäusjel unoerzlüglüch wiederum.genefen. Heidelberg, den 9. Dezember 1709. Joh. Georg Schaum, Chur-Pfälz-iicher Rat und Landschreiber dahier. Kleines feuiUewn Waö ist ein Hungertuch? Oft wird der Ausdruck gebraucht „am Hungertuch nagen", und jetzt fast mehr noch als während des Krieges haben viele Menschen kennengelernt, was es heißt, wenn das Schicksal das Hungertuch aufgehängt bat. So oft die bekannte Redensart aber auch gebraucht wird, nur wenige Menschen wissen, wa» ein Hungertuch eigentlich ist und was man sich darunter vorzu- stellen hat. Es war im frühen Mittelalter, als der kirchliche Brauch aufkam, während der Favenzeit den gewohnlich reich mit goldenen und buntfarbigen Zieraten geschmückten A»tar mit einem Tuch zu verhüllen, um die ernste Stimmung der Gläubigen nicht durch den Anblick des pruntvollen Schmuckes zu zerstreuen. Dieses Tuch nun, das aus weißer, grauer oder violetter Leinwand hergestellt und mit Bildern aus der Leidensgeschichte Christi oder auch nur mit großen schwarzen 5krcuzen bemalt oder bestickt war, hieß das Hungertuch: denn es deutete, datz man der Fastenzeit gedenke, die iede reichliche Mahlzeit streng verbot. Gleichzeitig sollte der An- blick der auf dem Tuch dargestellten Leidensstationen des Herrn zur Buhe anregen. Nur an den Sonn- tagen und an einigen Feiertagen wurde das Tuci, entfernt. Der Brauch, Hungertücher aufzuhängen, der schon in Schriften deS 9. Jahrhunderts erwähnt wird» hat sich in einigen wenigen Kirchen — so in den Domen von Trient und Paris wie auch in der Lambertikirche zu Münster — bis in die neueste Zeit erhalten. In Museen kann man auch alte Hungertücher aufbewahrt sehen. Das Dresdener IlltertmnSmuseum z. B. besitzt ein schönes Hunger- tuch aus dem Jahre 1472, das mit mehr als hundert Bildern aus der biblischen Geschichte bestickt ist, außerdem auch Tücher aus dem 16. und 17. Jahr- hundert, ebenfalls sehr kunstvoll ausgeführt. Eine chinesische Version deS „Faust". In China gelangt jetzt ein nach Goethes »Faust" gearbeitetes Stück zur Aufführung, das Goethes dramatisches Gedicht dem Geschmack der Chinesen anzupassen bemüht ist. Margarete erscheint hier als ein von Räubern entführtes Mädchen, das in der Gewalt eines Tvrannen schmachtet. Faust, der hier kein Gelehrter ist, sondern als Zauberer austritt, ent- schließt sich einer Regung seines Herzens folgend, die unglückliche Margarete zu befreien, nachdem diese „keusch und rein" in seinen? Hause erschienen ist und sein Herz durch Tänze und Akrobatenkunst- stücke betört hat. Faust besiegt den Räuber, der zur Strafe für seine Nichtswürdigkeit eine Tracht Schläge auf die Fußsohlen erhält, während die befreite Margarete, vor Freude weinend, die Hände des Zauberers Faust küßt, der dann auf allen Vieren davonkriecht und oon dem Dank nichts wissen will. Man sieht, daß von dem Original nicht viel übrig geblieben ist und daß das, was sie zu sehen bekommen, den Chinesen keines rechten Be- griff von dem philosophischen und menschlichen Wert de? deutschen Meisterwerks zn geben vermag. Nr. 165. Seite 6 Karlsruher Tagblatt, Sonntag, den 17. Juni 1923 Zweites Vlatt nmgen auch sind, sie reichen doch nicht an die Zunahme der Teuerung im Februar gegenüber Januar 1023 heran. Damals ging die Teue- rungszahl um 140 000 oder 141 Prozent in die Höhe. In den beiden folgenden Monaten betrug die Zunahme, vor allem dank der Devisenpolitik der Regierung, nur 0 und 7 Prozent. Um die Grade der Teuerung gebietsweise fürs ganze Reich festzustellen, hat das Stat. Reichs- amt unter Nichtberücksichtigung der politischen Grenzen das Reich in fünf Gebietsteile einge- teilt, in Ost-, Nord-, Mittel-, Süd- und West- deutschlaud, in das es auch Baden verwiesen hat. Nach dementsprechender Gruppierung der in die Erhebung einbezogenen 407 Gemeinden ist West- deutschland das teuerste Gebiet. Bis auf 4 ge- hören alle bei der Erhebung beteiligten 188 west- deutschen Gemeinden (d. s. 38 Prozent aller im ganzen Reich beteiligten Gemeinden) den drei höchsten Tenerungsklassen an, und zwar 42 der teuersten und 9S der zweittenersten Klasse, auf die im übrigen Reichsgebiet nur noch 11 bezw. 45 entfallen. In dieser Nebersicht, die sich auf Sept./Dez. 19*22 bezieht, gehören badische Ge- m e i n d e n der teuersten Klasse nicht an. In- zwischen ist freilich auch in Baden infolge der feindlichen Besetzung einzelner Landesteile die Teuerung stärker gestiegen als in manchen an- dern Reichsgebieten und in Karlsruhe hat sie sich in höherem Grade verschärft als in an- deren badischen Städten. Zwar schwankte die Stellung Karlsruhes von Monat zu Monat er- heblich der Reihenfolge der nach der Höhe ihrer Teuernngszahlen geordneten badifchen 16 größten Städte, da in einzelnen Städten die Teuerung nicht immer im gleichen Monat im vollen Umfang zum Ausdruck kommt, weil namentlich die Mietpreise, die Preise für Kohlen, Gas und Elektrizität nicht überall in gleichem Maße steigen. So bewegte sich die Karlsruher Ziffer im Jahre 1921 zwischen der ersten und zwölften Stelle, im Jahre 1922 zwischen der ersten und elften, und in den Monaten Januar/ April 1923 zwischen der zweiten und vierten Stelle. Die Teuerungszahl eines Monats kann jedoch für den interlokglen Vergleich nicht 'viel besagen: hierfür muß schon ein längerer Zeitraum der Beobachtung zugrunde gelegt wer- den. Bekannt sind nns die Ziffern ab Februar 1920. Im jeweiligen Durchschnitt der seitdem lausenden Zeitspanne stand Karlsruhe im Jahre 1921 bis Juni 1922 bald an dritter, bald an vier- ter Stelle, d. h. hinter Baden, Mannheim und Heidelberg: im Juli bis Dezember gelangte es an die erste oder zweite Stelle, weil Baden- Baden, das früher vielfach an erster Stelle stand, auf den dritten Platz und zeitweise selbst hinter Seidelberg und Freiburg rückte. Im Jahre * 1923 nahm Karlsruhe (wiederum im jeweiligen Durchschnitt ab 1920) im Januar bis März den ersten Platz ein, Mannheim den zweiten: im April und Mai war es umgekehrt. Dr. B. Kus öemGtaötkrnje Todesfall. Der -fr-üihere Pr«fessor. Studienrat Dr. Walter B e rg, «Hedem Lehrer an der Karls- ruber Kadettemnistalt, zuletzt Dozent für Literatur und Geschichte am Staatstechnikum hier, ist im Alter von 64 Jaihrem einem Schlagansall er- logen. Der kenntnisreiche und strebsame Schul- mann ist unseren Lesern durch seine geschätzte Mitarbeit an der „Pyramide" bekannt geworden. Sonderzüge. Anläßlich des Jubiläumsver- bandstages und des Länderspieles Zentralschweiz gegen Süddeutschland am 22. Juli in Karlsruhe bab sichtigt der Verkehrsverein Karlsruhe in Verbindung mit dem Ausschuß zur Vorbereitung des Jubiläumsverbandstages verschiedene Son- derzüge zu führen. Solche Züge sind vorgesehen ab Frankfurt a. M., Mannheim, Freiburg, Pforzheim, Bühl i. B, Stuttgart und München und eveutl. Singen a. H. Die Abfahrt der Züge wird in der Weif» erfolgen, daß diese in Karls« ruht am Bormittag so rechtzeitig eintreffen, um den Souderzugsteilnehmern vor dem Länderspiel den Besuch der Großen Deutschen Kunst- ausstelluuug und anderen Sehenswürdigkeiten möglich zu machen. Die Züge sollen abends zwischen 1» und 12 Uhr auf gleicher Strecke zu- rückfahren. Weitere Erhöhung der Reichsbahutarife. Im R eichs verk eh-r sm inisl c riu m sollen Berhaudlun- gen über neue Tarife der Reichsbahn schweben. Wie hoch Hie Erhöhungen sein werden, stehe noch nicht fest. Der Ankauf von Gold für das Reich durch die Reichsbank und Post erfolgt vom 18. Juni ab bis auf weiteres zum Preise von 360 000 Mark für ein 20 Markstück. 175 000 Mark für ein 10 Markstück. Für ausländische Goldmünzen wer- den entsprechende Preise bezahlt. Der Ankauf von Reichssilbermünzen durch die Reichsbank und Post erfolgt bis auf weiteres zum 70vvfachen Betrage des Nennwertes. Förderung tüchtiger Schülir. Das badische Uüterrichtsministerimn hat an die Volksschulen, die höheren Lehranstalten und an die Fachschulen einen Erlaß gerichtet, in dem darauf hingewie- fen wird, daß im Staatsvoranschlag eine entsprechende Summe zur Förderung der Ausbildung tüchtiger und bedürftiger Schüler und Schüle- rinnen vorgesehen ist. In Frage kommen vor allem solche Schüler, deren höhere Ausbildung im Interesse der Allgemeinheit ljegt, die ein solches Ziel aber ohlie fremde Unterstützung nicht zu erreichen vermögen- Es kommen auch solche Schüler in Betracht, für die bereits aus Grund früherer Gesuche in den Vorjahren Beihilfen bewilligt worden sind, wenn die Voraussetzungen hierfür gegeben sind. Die Beihilfegesuche sind dnrch Vermittlung des Schulvorstands dem Un- terrichtsministerium vorzulegen. LandeSindexziffer. Nach den Feststellungen des Statistischen Landesamtes beträgt die Lan- desindexziffer für die Lebenshaltnngs- kosten (Ernährung, Wohnung Heizung und Be- leuchtung) nach dem Staude am 6. Juni 662 246. Im Vergleich mit der Landesindexziffer vom letzten Stichtag (23. Mai) ist eine erhebliche Stei- gerung der Lebenshaltungskosten und zwar um 171619 Punkte oder 44 Prozent eingetreten. An dieser außerordentlichen Steigerung haben sämtliche Nahruugs- und Bedarfsgegenstände, insbesondere Kohlen und Brot, entsprechenden Anteil. « Von den Angestelltenorganisationen im Hotel- und Gastwirtsgewerbe wird uns geschrieben: Die am 16. Juni abgehaltene Protestversammlung der gesamten gastwirtschaftlichen Angestellten be- faßte sich eingehend mit den Abgaben vom Be- dieuungsgeld. Nach längerer Debatte wurde eine Resolution einstimmig angenommen, die be- sagt: Die am 16. Juni tagende gntbesuchte Ver- ■ sanrmlung aller Bedienungsangestellten im Gast- wirtsgewerbe der Stadt Karlsruhe nimmt mit Entrüstung Kenntnis von dem Ansinnen der Ar- beitgeber, Abgaben vom Bedienungsgeld einzu-- führen. Die Versammlung steht auf dem Stand- Punkt, daß dieses Bedienungsgeld, das uichts an- deres darstellt als die Ablösung des früheren Trinkgeldes, durch eine würdigere, sozialere Form der Entlohnung für die überwiegende Mehrheit der gastwirtschaftlichen Arbeitnehmer, nach dem klaren Willen der damaligen Verein- barung sowie nach dem unzweideutigen verbind- lichen Schiedsspruch des Karlsruher Schlich- tuugsausschusses restlos dem Bedieuuugsper- soual zufallen muß. Die Forderur^ der Arbeit- geber bedeutet aber nichts mehr oder weniger, als daß die Arbeitgeber direkt oder indirekt an der Trinkgeldablösung beteiligt wären. Die Or-- ganisationen werden beauftragt, alle dazu not- wendigen Schritte dazu einzuleiten. Das Badjschc Gesetz- nnd Verordnungsblatt Nr. 26 vom 12. Juni hat folgenden Inhalt: Ver- ordnungen und Bekanntmachungen des Staats- Ministeriums: Erhöhung des Teueruugszuschla- ges vom 1. und 17. Mai 1923 an: die Ausbildung, Prüfung nnd Beaufsichtigung der öffentlich be- stellten FelömeßkunÄgen: des Ministeriums der Finanzen: Dienstreisekosten: des Ministeriums des Innern: VerMegungSisütze für Kranke im Landesbad Baden und im Lauöessolbad in Dürr- heim: des Arbeitsministeriums: die staatliche Prüfung von Säuglings- und Kleinkindpfle- gerinnen: die staatliche Prüfung von Sozialbe- amtinnen und Wohlifahrtsyflegerinnen. Schwere Ausschreitungen. Am Freitagabend belästigten drei Leute in einer Wirtschaft der Weststadt den Wirt und die anwesenden Gäste. Den einschreitenden Polizeibeamten leisteten sie erheblichen Widerstand. Der eine, ein verhei- rateter Metallschleifer von hier, versetzte dabei mit einem Dolchmesser einem Polizeiwachtmeister im Handgemenge von hinten einen tiefen Stich in die Schultergegend und verletzte ihn schwer, so daß er von Passanten ins Versorguugs- krankenhaus und von dort im Krankenauto nach seiner Wohnung gebracht werden mußte. Der Täter, der flüchtig ging, wnrde bald darauf in seiner Wohnung verhaftet und ins Amtsgesäng- nis eingeliefert. Wasserrohrbruch. In der Bismarckstraße brach Samstag früh 1 Uhr ein Wasserrohr, wodurch sich das Wasser in den Keller eines benachbarten Hauses ergoß. Das Gaswerk ließ den Schaden alsbald beheben. Sechs Fahrräder wurden in den letzten beiden Tagen hier dusch unbekannte Täter entwendet. Die Räder waren zum Teil angeschlossen. Dnrch die Wucherpolizei gelangten während der letzten 4 Wochen zur Anzeige: wegen Preis- wucher 17 Personen, wegen unerlaubten Han- dels 10 Personen, wegen unerlaubter Ausfuhr 2 Personen, wegen Vergehens gegen die Fleisch- Versorgungsbestimmungen 1 Person, wegen Uebertretuug der Bekanntmachung über Preis- bezeicbnung in den Verkaufsräumen des Klein- Handels 10 Personen und wegen sonstiger Ver- gehen 4 Personen. Mitteilungen des Bad. Landestheakers. Mit der Neueinstudierung des zweiten Teils von Shakespeares historischem Schauspiel „König Hein- r i ch d e r V i e r t c", das am Samstag, den 23. Juni (Abonnement 0 22) zum erstenmal in Szene gehen wird, schließt die Folge der Klasfikcr-Ncueiirstudicrun- gen dieses Spicliahres: das Drama, dessen Bühnen- Wirkung ebenso wie die des ersten Teils, wesentlich mit auf seinen lmmorgetränkten Falftafffzenen beruht, er- bebt die Reihe der Sbakespeareschen Königsdramen aus einen künstlerischen Gipfel, der dann erst' wieder mit dem letzten Werk, mit „König Richard der Dritte" er- reicht, wenn nicht übertrofsen wird. — Eichendorsfs „Freie r" am Donnerstag, den 2t d. M„ finden anher Abonnement statt. In dieser Vorstellung tritt Hubert Endlein vor seinem Scheiben zum letztenmal in einer groben iltolle auf. Am Dienstag, den 19 d. M., gelangt die mit so großem Veisall aufgenommene Operette „D i e K o - m ö d.i a n t i n" von Hermann Weick zur ersten Wieder- holung. Am Freitag, den 22. d. M., findet eine Wie- dergabe von Verdis neuinfzenicrtcr uüd neueinftndier- ter Over „A i d a" (Abonnement nur B 22) statt. Der Sonntag, den 24, 6? M.. bringt dann die dritte Aus- fiihrung der Weick schen Operette „Die Komödian- t i n", während sllr Dienstag, den 26. d. M., Wagners Meistersinger von Nürnberg" (Abonne- ment B 24 und E 24) vorgesehen tst. Veranstaltungen. Auf Melanie Ermarths heute vormittag stattfindende Vorlesung im Verein für jüdische Geschichte und Lite- ratur im Rathaussagl sei nochmals hingewiesen. Stadtgartenkonzert. Heute Sonntagnachmittag von Vvt bis 6 Uhr findet im Stadtgarten ein Konzert der Feuerwehrkapelle statt, zu dem der Dirigent der Ka- pelle, Musikdirektor Emil Irrgang, eine Reihe der schönsten Opern- und Operettenmelodien zusammen- gestellt hat. Jeder Besucher des nunmehr in herrlich- ster Rofenblüte prangenden Stadtgartens wird wieder einige Stunden ungetrübten Genusses erlebem Vor- mittags von 11 bis 12 Uhr findet ein Freikonzert der Schülerkapelle statt. Bei schlechtem Wetter fallen beide Konzerte aus. Slandesbnch-Auszüge. Todesfälle. 14. Juni: Dr. Walter Berg, Prof., Ehemann, alt 63 Jahre: Elise G r e t h e r, alt 32 Jahre, Ehefrau des Malchinenarbeiters Gustav Grether. — 15. Juni: Lud. Karle, Mechaniker, Ehemann, alt 59 Jahre: Hedwig Kraemer, ledig, alt 20 Jahre: Rosa E i s e l e , alt 41 Jahre, Ehefrau des Eisendrehers Frdch. Eisele: Auguste Merkel, alt 57 Jahre, ge- schiedene Ehefrau des Wirts Karl Merkel. — 16. Juni: Luise Krakowski, Dienstmädchen, ledig, alt 24 I. Vom Wetter Wetternachrichtendienst der Badifchen Landes- Wetterwarte Karlsruhe. Samstag, den Iß. Juni 1823. Beobachtungen badischer Wetteritellen morgens 8" Lustdr, in NN S6 w Gestr. Niedr. ööchst- Temp. Wärm.! nachts inde Richtg. Th-rakt. I Nied.» 124 Std Wertheim Seehöhe 151 m ^ 1101 18 | 8 | •— | mn | Reg«,!! 1 Königstuhl Seehöhe 563 m 757,4 | 7 | 11 | 6 | ©0 |fdjnmdb| Siegt« | 1 . Karlsruhe Seehöhe 120 m 757,8 j 11 { 16 | 9 | OSO | leicht | 9teg«»| 0,5 Baden-Baden Seehöhe 213 m 757,2 110 | 16 | 7 | SO | leicht | Nebel | 0,5 St. Blasien Seehöhe 780 >-> | 6 | 18 | 6 | — | mn j Rege»! 2 • Billingen Seehöhe 712 m 759,2 | 7 | 12 ) 5 | S |fdbn>a» 4.10 m Tagesanzeigev Souutag. de» 17. Juni 1923. Bad. Landestheater: „Die Meisterfinger von Nürnberg", abends 5 bis 10 Uhr. Städt. Konzerthaus: Badifche Lichtspiele: Die Macht der Klamme, vormittags 11 Uhr. Stadtgarten: Opern- und Operettenkonzert, nachmittags %4 bis 6 Uhr. (Set ungünstiger Witterung fällt das Konzert aus.) Deutsch - Jüdische Künstlergesellschaft K 0 l - N i d r e", abends 8?4 Uhr im Nowacklaal. Ettlingerftraße. herein für Jüdische Geschichte und Lite- ratur: Vorlesungen von Frau Ermarth. vor- mittags 11 Uhr im großen Rathaussaal. K.T.V. Schlutzspiele um die Meisterschaften. Jugeud- abend, nachmittags Uhr im »Kühlen Krug". M.T.B.: Familienunterhaltung, abends 6 Uhr im Vereinshaus. K.S.V.: Wasserballspiel um die Gaumeisterschast, nach- mittags 3 Uhr im Vereinsbad beim „Kühlen Krug". K.F.B, gegen V. f. R. Heilbronn, nachmittags VA Uhr auf dem Hochfchulsportplatz. Abendunterhalwng, %8 Uhr im Löwenrachen. Geschäftliche Mitteilungen. Kci« Leidender versäume, den Vertreter der Nan- dagenfabrik Otto Brandner in Karlsruhe i. B. zu besuchen, der täglich von 12 bis 6 Uhr, Sonntags von 11 bis 2 Uhr, Hirschstrabe 67 mit Mustern zu fpre- che» ist. Auskunst kostenlos. Näheres die in heutiger Nummer enthaltene Anzeige über „Vruchleidende". Anlagen und Spielplätze. In Nr. 158 des Karlsruher Tagblatts findet sich am gleichen Platz eine Zuschrift, welche die Forstverwaltung wegen der Schließung der Mauerpforte beim Teehaus im Fasanengarten angreift. Es erscheint nötig, diese 'Trage nicht nur vom Standplwkt der Sporttreibenden zu betrachten. Die Maßnahme der Forstverwal- tuug ivird wohl durch die schweren Beschädigen- gen veranlaßt sein, die der Fasanengarten und besonders die Umgebung des Teehauses in der letzten Zeit erlitten hat. Ueberall findet man Spuren roher Zerstörung, der sogar jetzt'das ganze Schmiedegitter am Umgang des Teehauses zum Opfer gefallen ist. Es muß einmal offen ausgesprochen werden, daß der jetzige Zustand des früher so wohlge- pflegten Schloß- nnd Fasanengartens eine Schande für unsere Landeshauptstadt ist. Ver- stärkt wird diese Empfindung, wenn man die früher königlichen Anlagen in Stuttgart oder München besucht, denen man den Wechsel der Staatsform in keiner Weise anmerkt. Oder sollten nur in Baden zertretene Rasen, beschä- diäte Pflanzungen, Brunnen und Denkmäler eine notwendige Begleiterscheinung der repn- blikanischen Freiheit sein? Die meisten Zerstörungen rühren zweifellos von unserer zwar fportliebenden, aber sonst sehr schlecht erzogenen und verwahrlosten Juchend her, die großenteils keine Ahnung hat, wie man sich in einem wohlgepslegten Park benehmen soll. Man kann z. V. täglich beobachten, wie in öffentlichen Anlagen mit wüstem Lärm und Ge- schrei Fußball gespielt wird, einerlei ob die Bälle die Spaziergänger treffen, auf die Rasen fallen oder von den Gestränchern ganze Aeste abreißen. Gegen diese üblen Auswüchse des Sportbtriebs sollte endlich einmal von Polizei, Schule und den Sportvereinen selbst mit aller Energie einge- schritten werden. Für Fußball und ahnliche Spiele sind die Sportplätze da; in den Straßen und Anlagen sollten sie streng verboten sein. ' Wenn es der Staatsverwaltung aus Geld- mangel nicht möglich ist, den Schloß- und Fasa- nengarteu durch ausreichende Bewachung vor weiteren Beschädigungen zu schützen und wieder in guten Stand zu setzen, so wäre noch ein Aus- weg möglich und sollte m. E. beschritten werden, ehe die Verwüstung weitere Fortschritte macht. Diese Gärten müßten (ähnlich wie der Stutt- garter Wilhelmspark) geschlossen und nur gegen Eintrittsgebühr zugänglich gemacht werden. Da- mit wären zwei Vorteile erreicht. Der Geld- ertrag könnte für die Bewachung und Instand- fetzung der Anlagen verwendet werden, und es würden die Personen ferngehalten, die» ohne Sinn für Naturschönheit die Gärten nur als Durchgang nnd Tummelvlatz benutzen. Für den letzteren Zweck bietet der angrenzende Hardtwald und Wildpark Raum genug. Aelte- ren und erholungsbedürftigen Minderbemittel- ten könnte durch Jahresfreikarten der Garten- besuch ermöglicht werden. Die Schließung der Gärten würde allerdings die Herstellung einer freien Zufahrtstraße nach dem Wildpark und den Sportplätzen nötig machen. Zu diesem Zweck wurde am besten der Zirkel und eine davon ausgehende Fächerstraße im Nordosten des Schloßgartens durchgeführt. Der erstere würde dann die natürliche Trennung von Schloßgarten und Fasanengarten bilden, wogegen die vorhandene Trennuugs- mauer beseitigt werden könnte. Znm Schluß noch ein Wort über die Anlage der Spielplätze im Hardtwald und Wildpark, die vom Standpunkt des Naturschutzes aus sehr wenig glücklich ist. Anstatt diese Plätze zu einer auch schönheitlich befriedigenden Anlage znfam- menzufassen, liat man sie planlos im Wald zer- streut, dem sie durch ihre häßlichem Einsriedi- gungeu und teilweise' unschönen Baulichkeiten keineswegs zur Zierde gereichen. In der Nähe des vorher genannten Techaus,es wurde einer der idyllischsten Plätze des Wildparkes mit einem schönen alten Ejchenbestaud ohne Not zerstört? denn die dort angelegten Sportplätze hätten auch an anderer Stelle Raum gesunden. Es wäre sehr erwünscht, wenn wenigstens künftig solche Mißgriffe vermieden würden. Wäre es nicht möglich, die staatlichen Garten- anlagen mit den umgebenden Waldflächen einer einheitlichen, ebenso energischen und künstlerisch geschickten Leitug zu unterstellen, wie sie bei der Einrichtung des Schloßmuseums und der Zteuorduung der Kunstsammlungen in so glück- licher Weise tätig waren? Dies würde vielleicht am besten Gewähr dafür bieten, daß dieser schöne und wertvolle Besitz in einer des badischen Staates und seiner Hauptstadt würdigen Weise erhalten, und soweit es möglich ist, weiter ans- gebaut wird. M. W. Die Figuren vor der Ausstellungshalle. Vor kurzem kamen vor der Ausstellungshalle die beiden Figuren zur Aufstellung, die schon 1015 anläßlich der 200-Jahrfeier der Stadt Karls- ruhe vorgesehen waren. Sie stammen aus der Meisterhand Kiefers-Ettlingen, dessen Schöp-- , fuugeu u. a. auch in Baden-Baden (Bismarck),' ' Frankfurt a. M. und Basel anzutreffen sind. Die Figuren sind das Werk mehr als zweijähiger Arbeit. Umso größer ist der Schmerz und die Entrüstung des Kunstfreundes, wenn, wie wie- derholt geschehen, die Figuren durch uichtswür- dige Bubenhand in gemeinster Weise nächtlich beschmiert und besudelt werden. Es ist dies derselbe niedrige Geist, der auch in der Beschä- digung anderwärts M Tage tritt. Eine exem- plarische Bestrafung durch eirre ganz gehörige Tracht Prügel wäre das Gegebene. * Ein Karlsruher Kunstfreund für Viele. Opferwillen. Die Stimme des Einsenders in Nr. 158 ist von wirklicher Vaterlandsliebe durchdrungen. Ich möchte dazu auch etwas sagen: Wie steht es mit dem „Opferwillen der Nachkommen jener Deutschen von 1807 bis 1014?" Ich glaube sagen zu müssen: Die „Nachkommen jener Deutschen", d. h. „Nachkommen im Geiste", bereit Gut, Geld und Leben dem Vaterland zu opfern, sind heute arm und elend, geschwächt und verbraucht im Kampfe um da's nackte Leben, verbraucht und zermürbt auch im ungleichen Kampfe gegen die Hydra der Vaterlandslosigkeit, des Egoismus und des Materialismus. Jene aber, die lieute mit vollen Händen geben könnten, ach, wie er- bärmlich verwaschen und undeutlich lebt — wenn sie überhaupt leben und wurzeln — in ihnen der Begriff der Pflicht gegen Vaterland und Staat/ für die sie freudig und im Geiste wahrer Vaterlandsliebe opfern sollten: wie wuchert und sproßt dagegen in ihnen der Gedanke und der Zauber des abgöttisch geliebten „Ich". Wer „Nachkomme im Geiste jener Deutschen" sein will, der bringe zunächst das „Opfer" des freimutigen und unerschrockenen Bekenntnisses znm Vaterland und zum deutschen Staate, das Opfer der Selbstverleugnung und freudigen Unterord- nung unter die Interessen des Staates! Das ist die erste und heiligste deutsche Pflicht, undiwer helfen will, sie zu lehren und sie zu erfüllen) der bekenne: „Ich bin ein Deutscher!" Sff. Burgfrieden. Das ist mal eine verkehrte Welt. Deutsch- land, unser teueres Vaterland, stecht in Not, es wird zum Spielball der Völker gemacht und das eigene Volk erkennt es nicht. Wenn die Men- schen nur ein wenig Verstand und Ueberlegung hätten, so müßten sie erkennen, daß es rapid mit unserem Vaterlande bergab geht. Merken denn die lieben Deutschen nicht, daß es gerade ihre Uneinigkeit ist, die unsere Feinde ermutigt, im- mer weiter und brutaler vorzugehen? Der Deutsche glaubt so gern alles, warum glaubt er denn nicht an sich selbst? Warum glaubt er nicht, daß er sein Vaterland retten kann, wenn er nur den ehrlichen Willen dazu hat. Noch geht es, noch ist es nicht zu spät.. Nach meinem Dafürhalten müßte es fo ange- fangen werden: Das deutsche Volk kennt jetzt gar keine Parteien mehr. Es ist nur noch eine große Familie mit dem Oberhaupt, der Regie- rung. Alle Parteimeinungen werden in die Rumpelkammer geworfen und in eines jeden Deutschen Brust zieht der einmütige Wille ein, sein Vaterland zu retten. Wie kann man jetzt anderes im Sinne haben, wo so viel für uns aus dem Spiele steht. Wir müssen sein ein einig Volk von Brüdern, müssen nnsern Feinden die Stirne bieten. Jetzt gilt es eine Zeitlang allem entsagen und nur ans das eine Ziel eingestellt lein: Befreiung vom fremden Joche. Ahnt ihr denn nicht, wie die Feinde sich sreuerr und trium- phierend den Ihren zurufen: Nur kurze Zeit haltet noch aus, dann haben wir erreicht, was wir wollen. Ihr seht es ja, das deutsche Volk arbeitet uns in die Hände, es zerfleischt sich selbst und dadurch haben wir leichtes Spiel. Darum kann es nicht laut und oft genug gesagt weisen, seit einig und habt mehr Nationalstolz. Wenn in den Parteien gestritten werden soll, so nicht eher, bis die Feinde wieder aus unserem Laude und Ruhe und Ordnung eingekehrt sind. Daß es bald so weit komme, dazu helfe uns der liebe Gott, Go. Zweites Blatt Karlsruher Tagblatt. Sonntag, den 17. Juni 1923 Ar. 165. Seite 7 Mrtschafw-unö Hanöels-Mtuns Wirtschaftliche Rundschau« Die lote Mark.—Mittel zur Wertbeständigkeit?— Steuergefahren. Die absel-aufene Woche brachte eimeti D o l - larckurs von über IMVM Mk. Für die deutsche Bolksavirtschaft fitt-5 Me Zeiten ^uherorbent- 'lich trüb. Was iq den Monaten Fevrwar und März etwas Ruhe und Zuvevsicht schuf, die Stützung der Mark, scheint en-dgAti« auf- gegeben M sein. Man suchte >den Ursachen des Scheiterns der Stabilisierung näher m kommen unid setzte einen UntersuchungsauAschuH ein, der aber einen „etMeluen -Dchutdiqen" «icht nennen konnte. Unsere autzenpotitische La«« wirkt auf die Börse haussierend, und Hie Kosten hat die kranke — oder schon tote? — Mark zu tragen. Zwei FuTibaimeutakfragen stehen sich scharf gegenüber. Sollen wir den Export weiter in -der bisherigen Weise psilegen ober sollen wir den Inlandsmarkt als Richtschnur wählen und dann die ArbeitswstKkeit auf uns nehmen. Schon Mehren sich die Stimmen, die von der Einführung der Golöm a rkba sis bei Gehalt tttub Lohn eine Besserung erwarten. Es ist wahr- schein-lich, daß auch dieses Experiment in die Wirklichkeit überzuführen oersucht wirb. Denn ! Mehr als ein Versuch dürfte es nicht sein. Mine Svu-nblegende Aenderung der Verhältnisse kann doch nur aus der inneren Gesundung der Wirt- ' schaft kommen. Diese herbeizuführen, darf natürlich nichts unversucht gelassen werden. Dazn «darf man auch das Bestreben rechnen, j die burch die Wirtschaft fließenden Kapitalien w e r t b e st ä n dig zu machen. Praktisch läuft das auf eine Beseitigung der Mark als Wert- Messer hinaus. Aber große ProbuktionAffrup- ven erkennen die Mark schon lange nicht mehr «IS existierend an. Diese Tatsache trifft vor ollem den Verbraucher, ber nun die Spanne zwri- schon Einkommen und den Preisen »wischen lebenswichtigen Dittgen in erschreckender Weise sich auAdehnen sieiht. Die auf Lohn und Gehalt angewiesenen Schichten nehmen ran mittelbares Interesse an ber Erhaltung der Substanz des ^apita-ls", um so mehr ist es Sache ber Regie- rung, die Mittel zu schassen, die das pvodnzie- renbe Kapital schützen. Denn wenn dieses Fun- dament «Kitifen würbe, kernte der ganze Wirt- schaftsmechanismus in Gefahr. DeShalib sollte Man z. B. die Doülarschatzanw e i , u «g ett weitesten Kreisen leichter zuqanalich machen. Heute fehlt bie Lust, diese Anweisungen zur Er- haltuin« des Kapitals heranzuziehen, weil sie Hen Effekten gleichgestellt und mit der höchsten Bank- Provision belastet werben. Für bie Volkswirt- schaft kann natürlich nicht allein maßgebend sein, was eine Sachverständigengvupye ber Regierung suggeriert. War es schon traurig genug, daß die Dollar schatzanleihe ein so klägliches Ergebnis hatte, so soll nicht noch die Beichafsun« durch vor- kritisierten Uittskutd, erschwert werben. Es muß eine Reichsaufgabe sein, die Neigung, sich durch Devisenerwerb schadlos zn halten, durch die Ähnlichkeit' legaler Erwerbung von gleichwerti- »e« Anlagen auszuschalten. Gefahr droht auch durch eine konfislatoniche. die LelZensintercssen der deutschen Volkswirt- schaft verletzende Steuerpolitik. Reichs- stiianzmin-ister Hermes hat z. B. eine vielsache Erhebung der 3ivani^san>leihe angekündigt. Man ist es ja schon geaoöhnt, daß jede einmalige Be- sitzsteuer, so eifrig auch ihr einmaliger Charakter vvrlher betont wirb, infolge der Kapitalseind- schaft der radikalen Linken sehr halb zu einer dauernben Steuer gemacht wird. An innerem Kredit im eigenen Lande gewinnt das Reich durch ein dera-ctiges Verfahren ganz geiviß nicht. Und es hätte das eigentlich doch heute bitter tötig, nachdem ber inteMationale Kredit des Nieiches durch Frankreichs Schult» und Englands Schleiche völlig zerstört ist. Von ben übrigen von dem Reichssinanzminister angekündigten Steuern liegen die abgeänderten Verbrauchs- steuerendvürfe lErhöhung der Zucker-, Salz?-, Z.ü'Nd.Waven'st'euern us«w.) öem Reichsöa^e bereits vor. Gegen diese läßt sich unter den heutigen Verhältnissen ebensowenig etwas einwenden, wie Deepen die Erhöhung der Sä^e Mr £>ie Boraus- Whlnng der Einkommensteuer. Gewarnt wer- den muH nur vor solchen Steuern, die die «Ab- stanz der deutschen Wirtschaft aufzehren und In- dustrie, Handel und Landwirtschaft die unent- behrlichen Produ ktionsmitt eil entziehen. Die Lage an der Börse. Hand in Hand mit der Dollarhansse aeht auch diesmal wieder eine Auswärtsbewegung der Effektenkurse von ungeheurem Aus- Maß. Der Geldmarkt ist zurzeit recht flüssig, wozu wohl auch die traurigen Ruhrereigmsse ihr Teil beitragen. Das Publikum lieht noch rm- Mer im Erwerb von Essekten das beste Rettungs- Mittel vor dem Marksturz. Die gewaltige Stet- Internationales Speditionshaas Mer Mauser Co. G. SÄ« b« H. Tel 1047 u. 5693 Karlsruhe Kaiserstraße 172 f Spedition, Schiffahrt, Lagerung, Wer- j H. Sicherung, UastkraHwagen-Verkehr, 4 f Solifuhrwerk. ß I gcvung der Effektenkurse ift sogar volkswirtschaftlich notwendig» denn ohne sie würden die boutschen Jndustriepapiere, und zwar die besten und wertvollsten, in noch größerem Umsange und z>u noch billigeren Preisen vom ?luslande ausgekauft werden, als das ohnehin schon gegen- wärtig geschieht. Die Vorgänge bei der Phönix- Bergbaugesellschaft und bei anderen deutschen Großunternehmungen zeigen uns, daß die Ueber- freurditngsgesahr «inen Umfang erreicht hat, der auch das Reich und die zur Wahrung seiner In- teressen verpflichteten Insta>nzen nicht gleichgül- tig lassen kann. Die neueste Phase im Neparationsproblem hat einen so starken Marksturz' hervorgerufen, daß man geradem von einem Ende der Mark spre- chen kann. Die Kursentwicklung der Mark und des Dollars wird durch die nachstehende Tabelle illustriert: FriedenSvarität 81. Jan. 21 11. Hfan. 22 Amsterdam ög.28 5.27 1.70 Zürich 123.85 1*2.85 2.95 Stockholm 88.80 8.25 2.33 Kopenhagen 88 .80 9.15 2.95 Dollar 4.20 60.50" 176.50 1. Febr. 23 24. Mai 23 jetzt Amsterdam 0,00.58 0,00.46 0,00.26 Zürich 0,01 .26 0,01.00 0,00.58 Stockholm 0,00.90 0,00.70 0,00.43 Kopenhagen 0,01,05 0,01.20 0,00.80 Dollar ca. 43,000 ca. 55,000 ca. 105,000 Verstärkt wurde der Rückgang der Mark noch durch starke polnisch-französische Markverkäufe. Die deutschen Industriekreise suchen sich wieder Devisen um jeden Preis zu verschaffen. Die Reichsbank gibt Devisen nur in einem Um- fange ab, der ihren Deviseneingängen entspricht. Während die deutsche Zahlungsbilanz vor dem Kriege eine wachsende Aktivität gezeigt hat sim Jahre 1913 belies sich bei einem Passi- vum der Handelsbilanz von 0,7 Milliarden Mark der Ueberfchuß der Zahlungsbilanz auf rund 1 Milliarde Mark), ist sie unter den Eimvirkun- gen des Krieges und unter dem Einfluß der Bestimmungen des Vertrages von Versailles fortgesetzt passiv! sie leidet, vor allem infolge der Abtretung reicher Rohstoffvorkommen und weiter landwirtschaftlicher Gebiete, nicht 'nur an einem dauernden erheblichen Ueberfchuß der Wareneinfuhr über die Ausfuhr, sondern auch andere wichtige Faktoren der Zahlungsbilanz haben sich im Gegensatz zur Vorkriegszeit voll-- kommen zuungunsten der deutschen Volkswirt- schaft entwickelt. Ter Außenhandel Deutschlands weist, in Goldmark berechnet, gegenüber der Zeit vor dem Kriege wesentlich niedrigere Ziffern auf. jedoch die Ausfuhr in noch stärkerem Maße als die Einfuhr, so daß der Passivsaldo der deutschen Handelsbilanz wie er vor dem Kriege bestand, aber durch andere Faktoren der Zah- lungsbilanz mehr als ausgeglichen wurde, sich sowohl absolut wie relativ vergrößert hat. Er beträgt im Durchschnitt der Fahre 1920—1922 ca. 2 Milliarden Goldmark. Diesem Passivsaldo stehen keine Aktivposten wie vor dem Kriege gegenüber. Der während des Krieges ruhende unsichtbare Export ist nach Verlust der meisten Handelsschiffe, der Liauidierung der deutschen Anslandsunternehmungen, der Abgabe auslän- bischer Wertpapiere usw. größtenteils endgültig verloren. Als weiterer Passivposten $er deutschen Zahlungsbilanz treten die Barzahlungen und Devisenzahlungen auf Grund des Ver- träges von Versailles hinzu. Bis Ende De^em- ber 1922 wurden so insgesamt 2.23 Milliarden Goldmark in bar gezahlt. Außerdem mußten £>15 Millionen Goldmark im Ausgleichsverfah- ren, 895 Millionen Goldmark innere Besaizungs- kosten und 94 Millionen Goldmark für die inter- alliierten Kommissionen aufgebracht werden. Alles in allem ergibt sich im Durchschnitt der Jahre 1920—1922 ein- jährliches Passivum der deutschen Zahlungsbilanz von mindestens 3 Mil- liarden Goldmark. Eine Reparationslast nach dem Londoner Zahlungsplan würde Deutsch- land erdrosseln und immer von neuem sranzö- fischen „Sanktionen" aussetzen. Darin ist/das Hauptziel der französischen Politik zu sehen. Süddeutsche Aeslwertbank in Stuttgart. Unter dieser Firma haben die Bayerische Hllpotiheken- und Wechseilbank in München und die Mitglieder der Arbeitsgemeiitschaft Süddeut- scher Hypothekenbanken, nämlich die Franksttr- ter Hypothekenbank in Frankfurt a. M., die Pfälzische Hypothekenbank in Ludwigshasen a. RH., die Rheinische Hypothekenbank in Mann- heim, die Süddeutsche Bodenkreditbank in München und die Württembergische Hypothekenbank Schreib-,Rechen-, Copiermaschinen Handlung und Reparaturwerkstätte Farbbänder, Kohlepapier Spezialgeschäft K- Hafner Antalienstr. 51, Tel. 2127 in Stuttgart soeben in Stuttgart eine Bank ge- gründet, die das wertbeständige Dar- lehensgeschäst lGewähruug von Darlehen an Körperschaften des öffentlichen Rechts und Gowährung von Grnndrentendarlehen) betreiben und wertbeständige Obligattonen ausgeben soll. * Die Gründeibaniken haben sämtliche Aktien zu gleichen Teilen übernommen, die nicht an den Markt «bracht, sondern dauernd in ihrem Be- sitz bleiben sollen. Das voll eingezahlte Aktien- kapital beträgt zunächst 12V Mill. Mk., die eben- falls eingeZahlten Reserven betragen 00 Mill. Mark. Es sind sämtliche Grlünbevbamken im Vorstand und im Aufsichtsrat vertreten. Die Gründer haben als erste unter den dent- scheu .Hypothekenbanken, die sich immer mehr mit zwingender Notwendigkeit herausarbeitende Form der wertbeständigen DarlehenSgeivährung in die Praxis übergeführt unid sich mit dieser neuen Organiiatton die Form geschaffen, auf wertbeständiger Grundlage weiter zu arbeiten, um den «rohen, aber voWwirtschaftlich berechtig- ten Kreditanspriichcn von Körperschaften des öffentlichen Rechts dienen und das nach wertb<5- ständiger Anlage suchende Publikum mit solcher versehen zu können. Diesen großen Zukunsts- ausgaben gegenüber war eine Zusammensafsitng der Kräfte der sechs Gründerbanken erforderlich, die dem neuen Institut ihre in Jahrzehnten be- währte Organisation zur Verfügung stellen kön- nen, und denen das neue Unternehmen nach Konstruktion und nach Geschästsgrnnbsätzen nach- gebildet ist. Dadurch eröffnet sich sür die grün- denden Hypothekenbanken ein weites, und wie erwartet werden darf, ein fruchtbares Gebiet der Betätigung. Wie mitgeteilt werden kann, besin- den sich bereits größere Darlehensgeschäfte in Vorbereitung, die -die Grundlage für die dem- nächst bevorstehende Obligationen-Emiffion ab-* geben sollen. Von ssu Lörsöllpläksv. Frankfurter Börse. Devisen höher. — Effekten unsicher. •w. Frankfurt a. M., 16. Juni. Schon in den ersten Morgenstunden zeigte sich naclr Dollarnoten eine stärkere Nachfrage. Man nannte einen Kurs von 112 000, der bald auf 113 500 114 300, an der Börse 115 225 genannt wurde. Auszahlung London war mit 525 000 bis 535 000 genannt. Im Effektenfreiverkehr machte sich eine ziemliche Unsicherheit geltend. Die Kurse lagen größtenteils über dem gestrigen Schlußkurs, unterlagen aber Schwankungen. Von den Auslandswerten lagen Zolltürken fest. Sie wurden mit 310—320 000 gehandelt, Bagdad II stiegen auf 410 000. Sehr gesucht Anatolier I und II und Saloniki und Monastier. Sonst hörte man Gebrüder Junghans auf Transaktionsgerüchte mit Schweizer Gesellschaft mit 90 000 GekJ. Theodor Goldschmidt 29 500, Licht und Kraft 175 000, Daimler auf angebliches Motorenpatent gesucht. Von den Papieren des freien Verkehrs sprach man Api 170 COO, Benz 170 000, Entreprise 575 000, Kraichgauer 21 000, Ufa 77—80 000, Brown- Boveri 40 000, Emelka mit größerer Nachfrage steigend 21—27 000 Geld, Growag 7500—8000, Hansa-Lloyd 45—47 000, Krügershall 180 000, Wronker Frankfurt a. M. 17 000. Berliner Börse. w. Berlin, 16. Juni. Der gestrige Rückschlag am Devisen- und Effektenmarkt ist bereits wieder überwunden. Schon am Vormittag setzten Neuyork 112000 ein, Auszahlung London 518 000. Dann in raschen Sprüngen weiter anziehend, nach der amtlichen Notierung mit 119 000 resp. 535 000 genannt. Ein neuer Hochstand war damit erreicht. Die Umsätze am Devisenmarkt waren ziemlich lebhaft, doch wiederum fehlte es an Abgebern. » • Im freien Effektenverkehr lagen die Kurse für alle Industrie- und Valutapapiere beträchtlich über dem gestrigen Schlußkurs. Die Händler beeilten sich, die gestern eingegangenen Blankoengagements zu decken und sich weiter nach oben zu engagieren. Immerhin hielten die Steigerungen bei den genannten Kursen mit denen der Devisenkurse nicht gleichen Schritt, da bei den unsicheren politischen Verhältnissen vielfach eine gewisse Zurückhaltung zu beobachten war. Bankhaus CARL GÖTZ Inh.: E. Zwerg, Bad. Lotterie-Einnehmer HebelstraBe 11 KARLSRUHE Telefon 4828. Kassenstunden von S Uhr morgens bis 6 Uhr abends. Ausführung von allen bankgeschäftlichen Transaktionen, insbesondere Umwechslung v. fremd. Geldsorten. An- u. Verkauf von Wertpapieren. Gewissenhafte Ausführung kleiner Aufträge. Die Lage an den Waren- n. Produkten markten. (Eigener Wochenbericht.) K. Mannheim, 15. Juni. Auf dem Weltmärkte für Getreide waren die Preise, mangels Anregung, nur geringen Schwankungen unterworfen. Die Offerten, die in fremdem Getreide vorlagen, stellten sich in Weizen für Manitoba I, Juni-Verschiffung, 13.25, desgl. per genanntem. Dampfer 13.10, desgl. per erste Hälfte Juli-Abladung 13.223^, desgl. Nr. III per Juni abladbar 12.8756, aus genanntem Dampfer 12.95, Mixed Durum II, aus genanntem Dampfer, 12.07^, desgl. erste Hälfte Juli verschiffbar 12.17K, Hardwinter II, erste Hälfte Juli-Abladung 12.50, Redwinter II per Juli, erste Hälfte August 11,60, Plataweizen, Ro- sario Santa Fe, 79 kg, aus genanntem Dampfer, 12.60 und Barusso, seeschwimmend, 12.10 hfl. die 100 kg, Cif Rotterdam. Roggen hatte ruhigen Markt Es wurden verlangt für Western Rye II. seeschwimmend, 9.02K, per Juni 9.10, per Juli 9.20 hfl. die 100 kg, Cif Rotterdam. Für Western Rye II, per Juni-Juli abladbar, 9.05 hfl. die 100 kg, Cif Bremen. In Gerste ging wenig um. Für 64/65 kg schwere Donauware 58% belgische Franken, die 100 kg, bordfrei Antwerpen. Ferner lagen Offerten vor in 62/63 kg schwerer Donaugerste, 4 Proz. Besatz, aus genanntem Dampfer zu 8.35 hfl. die 100 kg, Cif Hamburg, russische Gerste 63/64 kgj 3 Proz. Besatz, seeschwimmend, 8.60 und per Juni- Verschiffung zu 8.40 hfl. die 100 kg, Cif Rotterdam. Für Malting-Barley, 48 lbs. per Juni-Verschiffung, fordert man 8.30 und für seeschwimmend 8.4A hfl. die 100 kg, Cif Rotterdam. Hafer fand nur wenig Beachtung. Donauhafer, 48/49 kg schwer, dispo' nibel in Antwerpen, war zu 53J-» franz. Franken, die 100 kg, transborde Antwerpen, offeriert. Für Mixed Keat Oats per erste Hälfte Juli-Verschiffung wur- Devisennotierungen: W. Frankfurt, 16. Juni. Brüssel. . . Holland . . l.nndou .. . Paris .... Schweis . . Spanien . . Italien . . . Lissabon . . Dänemark . Norwegen . Schweden Heising fors Newyork. . Wien (altes) Dtsch. OeBt. Budapest. . Prag .... Sofia .... Agrara . . . 15. Juni. Geld 5860 30 42014.50 494760.— 680795 19251-75 158?5.30 492765 1900240 17356.50 27830.'5 289275 104483.10 148-37 1271. SO 3147.10 1157-90 Briet 588970 4230550 497240 - 6842 05 19348.25 1591470 495235 19097-60 17443.50 27979 75 2907 25 103011.91 149-12 1278 20 3162.90 1162.10 Geld 6109-70 45186-75 i. 29672.50 7256,80 20548-50 16957-50 5274-30 16. Juni. Brief 6140.30 45413.25 532327.50 7293.20 20651.50 17042 50 5300.70 2054825 19201-88 30523-50 115335.95 164-85 1272.80 3496-25 1279-30 20751-75 19298-12 30676.50 115940.05 165-15 1278.20 3513-75 1285-70 w. Berlin, 16. 'Juni. Amsterdam BrO.sel. . . Christianta Kopenhag. Stockholm. Helsingfors Italien . . . London. . . Newyork. . Paris .... Schweiz . . Spanien . . Wien (altes) Dtsch. Oeat. Prag .... Budapest. . Lissabon . . Bulgarien . Biicn.-Aires Japan. . . . Bio de Jan. T n>?oslavien In. Juni. Geld 4204450 5835.- 1765550 19351.50 2852850 2892.50 4837.50 493762 - 107430.50 6733 - 19052.- 15660-50 150-22 3172- 1336-50 1172-- 38403.50 51371-- 10673.- 1172- Briet 42255-50 5865.- 17744-50 19448-50 28671 50 2907-50 4362-50 '.96238 — 107969 50 6777 - 19143-- 1573950 150-98 3188-- 1343-50 1178' - 3-.596.50 S1629-- 10727.- 1178-- 16. Juni. Geld 44887-50 6209.- 19201-50 20448-50 30324- - 3192- 5311-50 S28675.- 114712. - 7231.50 20693 - 17157-- 1336.- 152&' — 41146-50 119 12 70.- 56-50 Brief 45112-50 6241.- 19298-50 20551.50 30476.- 3208.- 5338.50 533325 - 115488 - 7268-50 20302 - 17243-- 167-17 3439-- 1344.- 1532' — 41353.50 12030.- 1263-50 Devisenkurse km Freiverkehr Mitgeteilt durch das Bankhaus Straus 8t Co. Karlsruhe. Holland Schweiz Paris Belgien London Newyork .... Italien a) vorbürsüch 42500 — 46700 19500-21400 6350-7500 5850-6450 500000-550000 100500 — 119000 5000-5500 Tendenz: fest 100 Mark in Zürich: 0,49 Cts. 100 franz. Frks. in Zürich: 35.20 Frks. Engl. Pinnd in Paris: 73.— Frks. Unnotierte Werte: Wir waren vor- börslich Api ßad. Motorlokomotivwerke , . . Baldnr Brown Boveri ig. Becker Stahl . . Becker Steinkohle . Benz Deutsche Lastauto. D eutsch ePetrol eum J Großkraftwerke Württemberg Wertbeständige Anlagen 5°/o Badische Kohlenwert-Anleihe . . . . 6% Mannheimer Kohlenwert-Anleihe . . . 7 % Sächsische Braunkohlenwert-Anleihe . 5% Rhein-Main-Donaa-Gold-Anleihe . . . ö°/o Neckarwerke-Goldanleihe 6°/o Preußische Kali-Anleihe pro 100 kg . . ß°/ 0 „ ßoggen-Anleine pro Ztr. In sonstigen nnnotierten Werten sind Kiufer and Verkäufer. •I 9000: Hansa Lloydt Kabel Ehoy Flasche Hautspannung Mk. 4500 1 Dose Cr«me Mk. 4500.—, l Nagoliri Mk 1500— Barkamp, Fabrik kosmetischer Präparate, Berlin N.W. 23. Niederlage: Hermann BieSer, wdtMKrlU Automobilst „teil" ^ eingetr. Wortzeichen Nr. 195134 erstkl. 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Vv '-5-.^ 3^ ^ ,-A 2 3 ^ S> - Pco ^0" 3.j! 3co £ 3 -X' ° £t3 -5, o ^ ^3 >er o rs ^3^ -p' rs 3 ^ § - o;o ^ p SS-^^'.er ^3 A3 er ^ J3 O CD ra £L" § ^ rt ^ ^v ^2 rt P p" o p.*r> s 3*?? rt 2 Q? c»» «CO ©^® s©,^ ® 3 rt rjj'co co a ®~§j p. «^-O^ ra n, ii 1 X 3 's 3 — •S» a =a<-" op- ss SS '3- 3 " 3 N01 -2, 3 co rv » ^ISSto 3.3.5. ^L,©a« K^^Z.Za. 3,8st3f s » c S' to" 3 '» s'—aS aa ,s- ro 3 a or 3 j« - © ~§~ro « ® 3~ §.3, 3 . n e^ _ 2 <£ -p! 2< p "p 1 qJ rt p p- t-wscr p ? SS p . p iz H w im <_ ■to " i»§ 3 -,2*g ssgZ &1. ffs^g 5- a " ä=.» 3 g a rv /c^-p 1 w.fv H- p c-i 3 aH TO^ rt a ® 3 3 3 3, ro « ^ 3, to a 3 ! 3 s 2 ro CO 3 00 3 3 3 ö a TO _ or 3 3 3 " a^ro ^ 3 3a^^?,„3" ga^2^"TO 3 a3AaTO »„o .p ^-> w v^/ —j p: o SS ^--tr p. rv ' p 1 —. o ^•*g:gp^rp e ^ 2."p £q ^ 3 o E IS-Ii. 3 :f &ä|#f ggiffläl 3SMSfts^a - S 3 E.~?E«-s,3 3~aa.^» 3 3 g»^"3 s «-3 a® Jiäro gg 3 «zI S_ro 3 .aTO < §^ ^ S* 'v. J- , fv" 2- rt SS ^KM3 3.3 /.a rv 3 ro ZSZ3 Z a! Ö 3^3" »"SÄ t,. "2. TO ' " O TO —-CO, 3 . 3 TO ro - jg 3 @ ^ 3S5g^i,, WW or H. _ _ o c rv pp p. _ O: 5» P 3" 2. W ^ St . ©|^ 3 r.^"I «3 g 3.o ad'S'c ©"^. ©a&^^-a 5-3 3- a 5* 2 Ks» V»- or 3 3- or o g ro, g 3 >9 ' " ^ ar£i 3 2, 3 a •o' or a or a?s! to 3 gS 3 3 TO' 8^ TO g A", " " f s» ~ 8 SS Ä. p: o rt rt C3 ro Ä 3 o 3 « ro "< ® sal.gg 3 ro ~ or «au 2 2 3 ro _ aa? ? 3 3 Z- 3 "" »wi rt* g a 3 3 cS ®"a S- 3 -3,-^ 3 I'E_ 2 err! er ^.p öü rt- rj w. o o p«. rs rt Ä 3 » « 3 =; 3= * _a >3> rt a 3 © Sor? 3 a s" 3 'TO (g 3 S^TO TO 3 3 . 3 3 dJJ or —• —".3 & > CO ..CO a " TOa B ff® ^ or o TO r- ~ J - ? ?§ co x co 0. p, —'> CO rv "o £ **^3 ss od st ^ 3 > SS P Ss §s' ^e'"o| 3'?l3 5 'g§HS 2 — g „. or o- ar 3 3 3 5. 3. O __ P V-» . w © 3 3 a. o ro or 3 3 CO — 3 § 3 !?. 3 sr — or 2 2._, TO a~3i rv e^ ss^^2§ww_* U S2."a 0v ? er-rr c - —' " 2." ■gJ-T 2 3? 3 3 3 g5-2a:" or_o; a cjr p rj rv rv _p p co P" o SS «> ^^r^S or^, p *— r« er •er er .-.ver er |i-lll3 ö aiaa rv" 2 *^-p' 3" ° p^-2. ~ —» ^ rv p. ', p rv t-* -3, »g-aSft&Hal g'©S3_3 3 33 ■» Z^a S aä^t| 3 3 ||3.S3S 3 a 3 |- ariSg^gi.gf er p- p co — er p St SS » p g Z"Z |S&| a ej to'3. « 3 3 ZZ- a'f ? «'# S= 3 3; t|3|rogS3-2 »3 3 aro'a er rv' S! « o, ' rv rs p rv a c/ er—. p P 3 ^ ^ o o 2 er" (A rs S^p ^ X. PS 2 er o «^3^3 ? ■S» H ss 5 P« « •nji p ^tr ^ ^^2 »§ sr«g 3 -s'?ö 3 3 w. 3 rt rt LS £,—: ^fa—mcoas — äa f rs S-3 ® ä' W a a - p -AZ f I-" g " l^ais a 3 § rro^S - Ö 3 ^; 3 3 5^«-.. ' -- SS Ä CO Ä 3 3 !3 C «g ; »O ? ? TO Z.Z 3' -3. TO g-co ^ TO TO «r St , v -_ or 3 « co 3 TO 3 5' st. S" «. ' 3 a-n © g 3 B " 5 " ' tf S" o> - ■ je p 2< rt er rv ^ rv e: rv KA er Z5 g ? S » Ä Z' p. er tl rv _ ,p rt g. CD O £3 » 3 Drittes Blatt Karlsruher Tagblatt, Sonntag, ven 17. Inn« iyzs Ar. ico. Geite 11 Was sagt der Volkerhund zur Ruhrbesetzuug? Die beiden ursprünglichen Väter des so miß- glückten Völkerbundes sind bekanntlich der damalige Präsident Wilson und der Engländer Lord Robert Cecil. Jener ist in'der politischen Versenkung auf Nimmerwiedersehen verschwunden, Lord Cecil aber ist noch obenauf. Er hat vor kurzem eine große Werbereise durch Amerika gemacht und viele Reden gehalten, um den Beitritt der Vereinigten Staaten zum Völkerbund zu fördern. Im Unterhaus hat er selbst mitgeteilt, daß er durchaus günstige Eindrücke .gewonnen habe und glaube, das amerikanische Volk werde binnen kurzem reif sein, sich dem Völkerbund anzuschließen. Es fehlte auch tricht an einigen äußerlichen Anzeichen, die geeignet erschienen, diesen Glauben zu unterstützen. Präsident Harding und Staatssekretär Hughes hatten trotz ihrer starken Ab- Neigung gegen den Völkerbund an sich sehr eifrig den Vorschlag verfochten, dem vom Völkerbund einzurichtenden allgemeinen Schiedsgericht beizu- treten, und darin erblickten die Freunde des Völker- bundsgedankens eine starke Annäherung. Aller- dings hatte gerade die Aufnahme dieses Vorschlags bei den Freunden des Völkerbundes die Gegner mißtrauisch gemacht und auf den Plan gernfen, wobei Senator Borah wieder die Führung über- nahm. Es fehlte auch nicht an anderen kleinen Erfolgen der sehr rührigen englischen Werbetätigkeit. Aber selbst Lord Cecil mußte in seiner bekannten Rede im Unterhaus zugeben, daß ihm fast in allen Versammlungen, in denen er sprach, die Frage entgegenschallte: „Was sagt der Völkerbund zur Ruhrbesetzung? Das allein hätte Lord Cecil und dessen Freunde stutzig und etwas zurückhaltender in ihrer optimistischen Auffassung über die Geneigtheit der Amerikaner zum Beitritt machen sollen. Es zeigt doch besser als sämtliche langen Reden für und wider es yermögen, daß die Enttäuschung der Amerikaner über das vö.lige Versagen des Völkerbunds auf allen Gebieten sie noch weniger geneigt zum Beitritt gemacht hat, als es ohnehin früher der Fall war. Nnn aber hat auch die Regierung unzweideutig dem Ausdruck gegeben, daß fie gar nicht daran denkt, ihre grundsätzliche Stellung zum Völkerbund zu ändern. Staatssekretär Hughes harte kürzlich in einer großen öffentlichen Rede den Beitritt zum internationalen Schiedsgericht befürwortet. Jetzt hat er in einer zweiten großen Rede den Beitritt Amerikas zum Völkerbund, unter besonderer Zu- stimmung Hardings, mit derselben Schroffheit wie früher, rundweg abgelehnt. Diese Rede hat im Lager der Völkerbnndfreunde nach Washingtoner Berichten eingeschlagen wie eine Bombe, und das ist ver- ständlich. Vielleicht weiß jetzt Lord Cecil, daß seine Werbe- reise gänzlich erfolglos war. Für uns liegt die Nutz- anwendnng auf der Hand. Der Hokettuxus in Amerika. Direktor Kreisch mar vom Hotel Bristol in Berlin ist von einer längereu Studienreise aus AmeMa KUvückgekchrt und hat einem Mitarbei- ter des «Berliner 1 Ta«Vlattes" sein« Eindrücke geschildert, Sie er in den HotölpaWsten der gröh- ten norÄamerikanische-n St Abte gewonnen hat. Um einen Begriff von der AusnahmeMigkeit amevikanischer Hotels M bekommen, mutz man sich vergegenwärtigen, daH Nouyovk allein^ im letzten Jahre 18 8 Millionen Fremde auf- zunehmen -hatte. In Ehioaigo treffen täglich etwa lOOOOO Fremde ein. Diesen gewaltigen Ziffern gegenüber mntet die Berliner FremdenftmtiHk geradezu kleinstädtisch an. Was den technischen Betrieb frei amerikanischen Riesenhotels betrifft, so wird in Greil Küchen fast ansschließ-lich ans Gas gemocht. In vielen Hotels werden Äas ganze Alchr über nnr frische Gemüse verwandt, die im Winter in geeigneten Wärnisw>a>gen aus Süd- amerika importiert werden. Der Küchenchef des Nvuyorker P!«Mlhvtels Lann es sich erlauben, seinen Gästen vom Geflügel nur das zartweiße Fleisch vorzusetzen. Direktor Kretschmar besuchte bei seinem Rundgang auch das Commodorebotel, das das girötzte Bankett-Hotel öei Welt ist. Während seiner Anwesenheit speisten im Hauptban- "kettsaal vi er tausend Menschen. Die ©»eisen für derartige Banketts werben in einer der riesigen HanptMchen vorbereitet und erst in einer Sonderküche, die vor dem Eingang zum Bankettsaal liegt, kurz vor dem Servieren ge- locht und kommen infolgedessen glühheitz ans den Tisch. Die großen Banvetts sind begleitet von sensationellen Darbietungen. Es ist 'dem Amerikaner noch nicht einmal beim Essen gegönnt, sich ausschließlich dieser ^eschÄftigun^ an widmen. Er muß fortwährend^ sämtliche Sinne aufnähme- bereit Halten. Die Sensation des Winters war eine Zir kusVorstellnng im Bankett- sanl des Commodore-Hotels in Neuyork mit Psevden, E>le>fanten und Löwen. Der Bankett- saal Rogt im dritten Stockwerk dieses pompösen Wolikeiikratzers. Der gesamte Ra>nbtierpark des Zirkus wurde in einem großen Gleoator in das Ban kettsaalstockiverk beförd-ert. Jedes Hotel der amer.ikanlischen Großstädte be- sitzt Wesensziige, die Europäer in Staunen setzen. Das Hotel Biltmore in Nenyork hat eine Mb- liothek in gewaltigen Ausmaßen. In sämtlichen Hotöls i>st der Fernschreiber sTelautograph) ein- igeführt, der allen Gästen Tag und Nacht zur Versügnng steht. Mit Hilfe dieses Fernschrei- bers werden in einem besonderen Raum wiih- renÄ Her Börse die Kurse angeschrieben, und die Ho-teilgäifte verfolgen von bequemen Sesseln aus die Schwan'ton, er«! ihrer Papiere. Ein Muster organisatorischer Präzision ist -das Pensylvania- HotÄ, das lgröHte der Welt. Es gehört dem Deutschamerikaner Statler, der heute in fast allen bedeutenden StWten Amerikas führende Hotelpaläste beisitzt. Dieses PenW'vania braucht zur Vollendeten Bedienung von 3500 Gästen nicht mehr als 1800 Anqestellte. Sehr lobend sprach sich Direktor Kretschmar über die Behaglichkeit der Hotelhallen aus, die prun^aft mit Gemäch- sen ausgestattet sind, und in denen nicht selten Singvögel frei umherfliegen. Die amerikani- schen Hotels besitzen Wäschereien, in denen tag- lich bis M 60000 Stück Hauswüsche gewaschen, getrocknet und geplättet werden. Das Walldorf- Astorva--Hotel hat sogar eine eigene Ubrenrepara- tur. Als besondere SehenKwlürdigkeit schilderte Direktor Kretschmar den Damen friste rsalon eines Chicagoer Hotels, der zwei Dutzend Ein- zelkabinen aufweist, von denen jede einen Komfort besitzt, der von der Haarnadel bis zum W. C. reicht. Aiuf die Bedürfnisse der Herren ist in anderer Weise Rücksicht genommen worden. Die Frisiersalons der Männ«rim©lt bieten zwar auch Gelegenheit znm Waschen und sogar zum Baden: aber an Stelle des W. C. ist ihnen ein Zander-Saal und eine Kleiderbügelwerkstatt an- «giliedert. Da diesen Einrichtungen die prakti- sche Erfahrung der amerikanischen Hoteliers zu- gründe liest, ist anzunehmen, daß die Bedürf- nisse der Herren tatsächlich nicht mit denen der Daimen ühereinlstinmnen. Uebrigens werden den amerikanischen Hotelgästen in Leber gebundene Blicher als Geschenk auf den Nachttisch gelegt. Das Biltmore-Hotel legt jedem Gast gleich ein HalbdlUtzenb solcher Werke hin, die sogar Shake- speare, Oskar Wilde und andere Größen der Weltliteratur zu Verfassern haben. Ein Kapitel für sich sind die gewaltigen Baupläne amerikani- scher Hoteliers. In Neuyork sind jetzt mehrere RiesonhoteG gleichzeitig in Bau. Amtliche Kachrichtm Ernennungen, Verseilungen usw. öcr vlanmähigen Beamten. Ministerin«, des Innern. Ernannt: Polizeiobcrwachtmcistcr Herm. Dorna» in Mannheim zum Poltzeiobcrsekretär, Polizeisekretär Gustav Walther in Heidelberg zum Polizciober- sekretär, Wacktmcister Friedrich K it b l e r in Konstanz mm planmäßigen Polizeiwachtmeifter, Wachtmeister Jo- Sann Bitte! in Konstanz zum vlanmöhigen Polizei- Wachtmeister. Finanzministerium. Ernannt: zum Finanzobersekretär Hermann Hoch bei der Staatsschuldenverwaltung in Karlsruhe. Fnrstabteilnna. Znrnbcaescbt aus Ansuchen: Forstmeister Hermann Krautinger in Konstanz und Förster Friedrich Schneider in Ay. Gestorben: Revistonsinspektor Andreas Bund« schuh in Konstanz. Knltns- und Unterrichtsmiliisterinm. Ernanut: Oberzollsekretär Georg A r m br » st er beim Landcs- sinanzamt Karlsruhe zum Finanzobersekretär bei der Universität Heidelberg, Hauptlehrer Gustav Heid an der Volksschule in Mannheim zum Oberlehrer daselbst. Gestorben: Gewerbelehrer Josef K ö b e l e an der Gewerbeschule tu Durlach, am 28. Auril 1923. 1. Badische M Kaiserstr.153 ludolfVieser Fernspr. 740. n ~~ij besorgt billigst bei SU $5 © fachkund. Bedienung. gfgf Keine Tarifpreise. "W8 Herrn. Schultis, Markgrafenstr. 43. ---------------- Tel ephon 5582. — = Methode Ritter Sprachiehr-Snstifuf Anfanger-Kurs Eiigl 'SCii: Beginn Montag, den 18.Juni1923 Honorar mäßig Teilzahlungen gestattet Unterrichidurch Ausländsdeutsche Anmeldungen rechtzeitig erbeten in der Zeit von vorm. 10 bis abends 10 Uhr nur Leopoldsftraßel (a Ä ser - Statt besonderer Anzeige. Donnerstag abend entschlief sanit nach j | kurzer schwerer Krankheit mein lieber I Mann, unser guter Vater und Schwiegervatar | UM Kurls MechaniKer | im 59. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen: Frau Adelheid Karle Wwe. ; Marie und Erwin Harle nebst Braut. Die Beerdigung findet Montag, den | | 18. Juni nachmitta g l | 2 3 Uhr von der Friedholkapelle aus statt. Trauerhaus: Akademiestraße 27. m Schone volle Körperformen durch unsere orientalischen Kraftpillen. 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Allen lieben gekannten und Freunden, die in so großer Zahl unsre heißgeliebte Gattin und Mutter in aufrichtig teilnehmender Weise auf ihrem letzten Wege begleiteten, ihr so überaus kostbare Blumen spendeten und ihrer in verehrungsvollen Worten und Zuschriften gedachten, sagen wir auf diesem Wege unsern tiefgefühlten, herzlichen DanK. Ganz besonderen Dank sagen wir auch dem Herrn Stadtpfarrer, dem Herrn Bürgermeister, dem Kirchen- Frauenchor, der Jugend-Musikkapelle und den Vereinen für ihre wohltuende Anteilnahme und den treuen Werkmeistern und Arbeitern, die sich aus eigenem Antridb erboten, die lb. Entschlafene zur letzten Ruhestätte zu tragen. Gaggsnau, den 16. Juni 1923. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Theodor Bergmann. ■ k Diese drei Punkte Führender Charakter und alter, guter Ruf als Familienblatt I Große Verbreitung in den besten und kaufkräftigsten Kreisen Badens! Zunehmende Abonnentenziffer I verbürgen den Erfolg einer Anzeige im Karlsruher Tagblatt! 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Nicht mit einer anderen Maschine lllllllllllllllllllllllllllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllHIIIIillllllllllllllllllllllllllltl sondern mit der Continental-Schreibmaschine wurde im 1. Deutschen Schreibmaschlnen-Wettschreiben am 28. und 29. April 1923 in Berlin die Meisterschaft von Deutschland mit 8896 Punkten gewonnen und außerdem die zweitbeste Gesamtleistung ' . mit 8893 Punkten erzielt, also praktisch die Meisterschaft 2mal gewonnen! Der Erfolg der „Continental" ist umso bemerkenswerter, als nur etwa 17 „Continental"-Schreibmaschinen Verwendung fanden, während für eine andere Marke, die mit dem Wettschreiben sehr viel Reklame macht, ohne indessen die Meisterschaft erlangt zu haben, ein Aufgebot von etwa 35 Maschinen herangezogen worden war. Wenn von anderer Seite durch Anzeigen und Schaufensterdekorationen versucht wird, den Glauben zu erwecken, die Meisterschaft von Deutschland sei auf einer Maschine anderen Fabrikates erworben worden, so überlassen wir die Beurteilung solcher Geschäftspraktiken dem kaufenden Publikum. Wanderer-Werke A .-G., Schönau bei Chemnitz. General-Vertretung: Emil Scfawehr, In!,.- C. Reircholdt, Karlsruhe, Douglasstraße 7, Telephon 2650. Stuttgart, Telephon 22528 Freiburg I. Br., Telephon 3363. klStttt Iftagazin (Lagerschuppen) mit ober ohne Platz — mit ober ohne Gleisanschluß — gegen hohe sosort gesucht. Angebote unt. Nr. 512? tnö Tagblattb. Bezahlung per Sauberes fmlit kinderloses Ehepaar aese« «tri» sprechend«,, guten Lohn. Eintritt 1. Juli. Meldnngen mit Ieuauifsen ZNlU -oia mit 8 Sessel», Bett (Roßhaar». 2 Gasarme. 1 Küchen aslampe, 1 clektr. Be- leuchtungskörver, IZier- ftafrelef, 1 Hecikasig. KarlSchremypstraste 72. 1 Schneidermaschine 1 Herrenrad abzugeben. Telegraphen- kaserne. 1. 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