, Ntmaövrtis för Null: ?» Karlsruhe: in. ^ Gclchättsstelle und in unleren Slusa>,bestellen ab- Molt monatlich Jt 19 000.—, : Ret Haus Beliefert monatlich Jl 20 000.—: , auswärt»: durch un- "tc Aaenturen Bei * 20 000.—. A»,elvtrka«ssvreis: 800 Jt. Jerlaa. SchriMeituug und Gelckialtsv-lle Ritterftrah- t Poftjche-kkonto Nr. 9547 Sarlsr»he. Karlsruher Tagblatt Anzeiaenprei!« s«r J»lt: die 9aef». NonvareillezeN« oder deren Raum Jl 1500.— auswärt? Jl 1800.—: Ka- milienanzetaen und Stellen» aesuche Jt 900.—: Reklame- »eile Jl 6900.—: an erster Stelle Jl 5700.—. Rabatt nach Tarif. Anzcta.-Annabme b. 8 Ubr mittag»? kleinere Anzeige» spätestens bis S Uhr nachm. fternsvrechanschlüsse: Geschäftsstelle Nr. 18. «erlag Nr. 21 und 297. Schnftleitung Nr. •«Hrtsi [« Nr. 19. Badische Morgenzeitung Mit der Wochenschrist »Die Pyramide' Vadische Morgenpost »Wirtschyfts» und Handelszeitung" ^ «Turn-- und Sport-Jeitung" ^ .Anterhaltungsbeilage" ^ „Literaturbeilage- ^ »Für die Frauen" ^„Wandern und Reisen" ^«Die Scholle' «besredakteur: Hermann ? Laer. Verantwortlich tür Politik: Fritz «idrhard: sü» den wirtschaftlichen, badische» und lokalen Teil: Heinrich Gerhardt: sür da» S-utlleton: Hermann W e ick: sürdie .Poramide' Sart S°bo: wr Inserate: Heinrich Schrie» er. sämtliche in »arlSrub. Druck und Verlag S S- Müller. SarlSruSe, Rttterstr. 1. Berlin.r Redaktion Dr. Richard Jügle». Berlin-Lankwid. Mozartkr.S?. Televbon.Zentrum «2». Kür unverlangte Manuskrivte oder Drucksachen übernimmt die Redaktion keine Verantwortung. Rücksendung ersolgt. wenn Porto betgesügt ist. .Sprechstunde der Redaktion: 11—12 Uhr vormittag». 120. Jahrg. Freitag, den 6. Juli 1928 Nr. 184. Die Verhandlungen der Alliierten. Der italienische BÄschafier bei Lord Curzon. London, 5. Juli. (Drahtbericht.) Die „Ti- vl e 6" berichten, der i t a l i en is ch e B o ts ch as- ter habe gestern eine lange Unterredung mit Lord Curzon gehabt. Es bestehe Grund zu der Annahme, daß die britische und die italie- Zische Regierung die Reparationsfrage in voll- kommener Harmonie prüfen werden. Der diplomatische Berichterstatter der „23 e st - Ginster Gazette" schreibt, es verlaute, daß der italienische Botschafter in direkter Mis- !io» gekommen sei, um die britische Regierung der Auffassung Mussolinis zu verständigen, der mehr und mehr der britischen Auffassung in der Ruhrfrage und dem bri- iischen Reparationsplane zuneige. Weiter schreibt dieser Korrespondent, der Be- | Ucht, den Lord Curzon gestern im Kabinett über c- Uchte Besprechungen mit dem französischen und dem belgischen Botschafter erstattete, brachte, wie j* .»erlaute, den Ministern den Ernst der Lage l- Karl zum Bewußtsein. Bei verschiedenen Kabi- U. ' »ettsmttgltedern wurden Zweifel laut, ob es e, überhaupt einen Zweck habe, die Erörterungen fortzusetzen, da diese doch wenig oder gar keinen i- Erfolg versprechen. Indessen ist auch beschlossen forden, weitere Anstrengungen zu is «acheu. um einen Modus vivendi zu finden. Diese & ' Besprechungen dürften aber nicht unbegrenzt fortdauern. Man hoffe, daß PoincarS noch eine Senaue Darstellung seiner Haltung geben werde. „Daily Mail" meldete, die Mitteilung Lord . 6urzous in der Kabinettsitzung lautete dahin, 1 daß die Haltung der französischen R e - gieru.ng so gut wie unverändert sei | und daß PoincarS seine Forderung, daß die m - Alliierten das letzte deutsche Angebot erst nach f Ausgabe des passiven Widerstandes prüfen dürf- f «t, nicht aufgebe. Der Berichterstatter des „Daily Tele- Sraph" schreibt über das Ergebnis der gestrigen Zusammenkunft, es scheine offizielle Jnsor- wattonen zu enthalten. In politischen Kreisen verlaute jedoch, daß die Lage für außer- ordentlich ernst und sehr heikel an- Sesehen werde. Es liege klar zu Tage, daß es ungewiß sei, ob die englisch-französischen Bespre- Zungen tatsächlich aufgenommen werden sollten. Paris, ö. Juli (Drahtbericht.) Der „Neuyork Herald" will von einer der autortsiertesten Per- wnlichkeiten, die die Unterhaltung des sran- tösischen Botschafters mit Lord Curzon in den letzten drei Tagen genau verfolgt habe, folgende & Darlegung der Lage erhalten haben, die in einer Anzahl von Punkten eine ausfallende Ueberein- mmmung mit den heutigen Ausführungen des i «351 a t i n" aufweist. Die Vermutung, daß es "ch in beiden Fällen um ein und dasselbe von £»tcr bestimmten französischen Stelle ausgehen- «es taktisches Manöver handelt, dürft demnach uicht von der Hand zu weisen sein und zu be- wnders vorsichtiger Aufnahme dieser Mitteilung Anlaß geben. Nach dem Gewährs- u>ann des „Neuyork Herald ist es nicht die nn- ' Nachgiebige Haltung Frankreichs, die eine Rege- lung der französisch -englischen Unstimmigkeiten erschwert. Diese Verzögerung habe vielmehr ji ihren Grund in M ei n u ng s v e r s ch i e d e n- t Letten innerhalb des englischen Ka- ' . «inetts. Die franzöfisch-englischen Differen- il »e» ließen sich im Augenblick wie folgt zusammenfassen: 1. England sei bereit. d,e Besetzung , °es Ruhrgebiets als vollendete Tatsache hinzu- * Pehmen, und bringt sofortige Räumung und Ein- Mränkung der Besatzungsmacht nicht einmal in Anregung, da der Premierminister Baldwin und ^nige Mitglieder des Kabinetts überzeugt seien, ?aß die Besetzung noch lange Zeit notwendig 'cht werde, um von Deutschland Zahlungen zu ^zwingen. (Der halbamtliche »Petit Pa- Listen" betont heute vormittag im Gegensatz Zierzu nochmals, daß England die Ruhr- Besetzung nach wie vor verurteile. . Die Red.) 2. Zwischen den Mitgliedern des eng- . ;Men Kabinetts bestehen hinsichtlich der Aus- > , "cht Englands, durch ein Sonderabkom- j Aen Zahlungen von Deutschland-zu erlangen, Meinungsverschiedenheiten, und dieser Umstand verhindere die Gruppe Baldwin und Mac ^enna, um die deutsche Gesamtverpflichtung herabsetzen zu können, klar hervorzutreten, j ' Da England es unterlasse, Frankreich mit- ; {«teilen, was es von ihm und Deutschland künf- ' 'ig an Zahlungen verlange, sei es unmöglich, ' vorwärts zu kommen. Aus einer anderen von ihm als zuverlässig bezeichneten Quelle gibt der „Neuyork Herald" folgende Darlegung der Lage: England behaup- tet, Frankreich spreche nicht deutlich aus, was es wolle, indessen habe PoincarS schriftlich und mündlich vor der Kammer und in mehreren ös- sentlichen Reden die französische Position aus- einandergesetzt und dabei das feierliche Verfpre- chen gegeben, das Ruhrgebiet zu räumen, sobald Frankreich bezahlt sei, aber nicht eher. Die sranzösischeMindestsorderungseiim- meF t».d immer wieder veröffentlicht worden. England aber habe über das, was es erwarte, kein Wort verlauten lassen. Bedeutsame Ausführungen Daldwins. London, 5. Juli. lDrahtbericht.) Die Finanz- vorläge wurde gestern abend vom Unterhaus in dritter Lesung angenommen. Baldwin er- klärte, nichts habe so viel zum guten Ein- vernehmen zwischen den Vereinig- ten Staaten und Großbritannien bei- getragen, wie die englische Haltung in der An- gelegenheit der Schulden an Amerika. Diese Haltung habe den Weg zu einem besseren Verständnis zwischen de nbeiden Ländern für die Zukunft bereitet, sowie Amerika geneig- ter gemacht, mit Großbritannien bei dem Wiederaufbau der Welt Hand in Hand zu arbeiten. Was die Frage der alliierten Schulden betreffe, so müsse festgestellt werden, daß das britische Angebot vom Januar angenommen worden fei, und daß England jetzt freie Hand habe, so zu handeln, wie es ihm am besten scheine. Der Abg. Peres Harris erklärte, so lange Frankreich in der Lage sei große Sum- me nfür Rüstungen auszugeben, solle es da nicht entsprechende Steuern erheben oder einen Versuch unternehmen, sein Budget ins Gleichgewicht zu bringen und feine Schul- den zu bezahlen? Durch seine unüber - legte Politik verursache Frankreich Ver- wirrung im Handel. Arbeitslosigkeit, Unruhen und wirtschaftliche Depressionen in ganz Eu- ropa. Es sei zu hoffen, daß der Premier- minister bei den gegenwärtigen Verhandlungen eine energischeHaltung einnehmen werde. Wenn er dies tue, habe er die gesamte Na- tton hinter sich. Die Stellung Englands durch Mussolini und den Vatikan gestärkt. London, S. Juli. lDrahtber.) Einem Bericht des diplomatischen Korrespondenten der „Pall Mall Gazette" zusolge ist in den englischen amtlichen Kreisen jede Hoffnung auf eine schnelle Verständigung! geschwuu- de n. Das Gerücht, daß das «rgttsche Kabinett heute Beschlüsse von entscheidender Bedeutung gefaßt Habe, entbehrt offenbar einer amtlichen Unterlage. Die übrigen Blätter betrachten die Lage als hoch ernst. Der Don der Blätter ist im allgemeinen ruhiger, als in den ersten Tagen der Woche, aber nicht weniger bestimmt. Der „Star" erklärt, die Stellung Englands sei durch die Erklärung Mussolinis und die des Vatikans noch außen hin gestärkt wor- den. Im Jmtern stellt sich die öffentliche Mei- nun« in steigendem Maße Anter die Regierung. Die Besprechungen des Reichskanzlers mii dem Nuntius Pacelli. b. Berlin. 5. Juli. lEig. Drahtber.) Die Be- sprechungen, die der päpstliche Nuntius P a - celli gestern mit dem Reichskanzler be- gönnen hat, sind heute vormittag und auch am Nachmittag noch fortgesetzt worden. Der Reichs- kanzler hat nicht verfehlt, den Beauftragten des Papstes gegenüber darauf hinzuweisen, daß die Reichsregierung die Sabotageakte von jeher verurteilte, aber eigentlich gar keinen Einfluß auf diejenigen Kreise habe, aus denen die Sabotageakte zu stammen scheinen, da der Widerstand im Ruhrgebiet lediglich eine spontane Aeuß erung des Unwillens und der Unzufriedenheit sei, die in der Bevölkerung des Ruhrgebiets herrsche. Zu irgend einem po- sitiven Ergebnis haben, wie wir hören, die Be- sprechungen auch heute noch nicht geführt Die Revision gegen die sieben Todesurteile verworfen. Düsseldorf, S. Juli. sDrahtber.j Die gege« das vom Mainzer Kriegsgericht am 29. Juni wegen angeblicher Sabotageakte gegen sieben deutsche Angeklagte namens Sasse, Mauer, Gruber. Hahne, Schneider, Freie und Frey ans- gesprochene Todesurteil von deutscher Seite ein- gelegte Revision sowie die Berufung gegen die zwei weiteren Urteile, wovon das eine ans lebenslängliches Zuchthaus, das andere auf fünf Jahre Gefängnis lautet, ist Heute vom Revisious- gericht der französischen Rheinarmee in Dössel- dorf nach kurzer Verhandlung nnter dem Vor- sitz des Generals Pari verworfen worden. Die wertbeständigen Löhne. A. Bon unserer Berliner Redaktion wird un» ge- drahtet: Im Reichsarbeitsministerium traten gestern die von der Zentralarbeitsgemeinschaft für die Frage der wertbeständtgeu Löhne ein- gesetzten Kommissionen der Arbeitgeber und Ar- beitnehmer unter dem Vorsitz des Reichs- arbeitsministers zusammen, um zu einer Ent- scheidung über die Wertbeständigkeitsfrage zu gelangen. Da ein endgültiges Ergebnis auch diesmal nicht erzielt werden konnte, wird sich nunmehr, wie gestern abend halbamtlich mit- geteilt wird, die Reichsregierung unmittelbar mit der Frage befassen. Ueber die Vorgeschichte und den Verlauf der gestrigen sehr bedeutuugs- vollen Verhandlungen wird noch mitgeteilt, daß, nachdem die Verhandlungen zwischen Arbeit- gebern und Arbeitnehmern über die antoma- tische Anpassung der Löhne an den amtlichen Lebenshaltungsindex am vorigen Freitag zu keinem Ergebnis geführt hatten, der Reichs- arbeitsminister die beiden Parteien für gestern zu einer gemeinsamen Besprechung eingeladen hatte. Die Gewerkschaften hatten sich in der Zwischenzeit auf einen im „Vorwärts" am 5. Juli veröffentlichten Beschluß festgelegt, in dem unter allen Umständen auf der automati- fchcn Anpassung der Löhne an den Index be- standen wird. In der gestrigen Besprechung setzten die Ar- bettgeber ihre Bedenken gegen diese Methode erneut auseinander. Diese Bedenken bestehen hauptsächlich darin, daß der neue Lebenshal- tungsindex die Grundlage für die Preisgestal- tung auf allen Gebieten fast mit automatischer Sicherheit bilden werde. Es bestand daher bei den Arbeitgebern die Besorgnis, daß hierdurch gerade im gegenwärtigen Ilugenblick, wo doch von feiten der Regierung versucht wird, den Wert der Mark zu halten und wo die Wirt- fchaftskreife aufgefordert werden, diese Politik zu stützen, eine solche Maßnahme die innere Kaufkraft der Mark in überstürztem Temvo weitersenken und dadurch das Gegenteil der er- hofften Wirkung ausgelöst würde. Die Arbeit- nehmer glaubten jedoch, nach wie vor ihren Standpunkt beibehalten zu müssen und lehnten den Vorschlag der Arbeitgeber ab, die Wert- beständigkeit der Löhne dadurch zu sichern, daß innerhalb der Tarifperiode die Grundlöhne sich etwa entsprechend dem Goldzollaufgeld ver- ändern sollen. Eine Einigung kam daher nicht zustande. Die Arbeitnehmer betrachten damit die Verhandlungen als abgebrochen. Die- Ar- beitgebervertreter gaben jedoch eine Erklärung ab. daß ein solcher Abbruch ihrerseits weder be- absichtigt. noch erwünscht sei, daß sie im Gegen- teil die Erörterung über die Auswirkungen einer solchen Maßnahme, insbesondere auf wirt- schaftspolitischem und währungspolitischem Ge- biet, fortsetzen werden, und daß deshalb sosor- tige weitere Besprechungen auf breiterer Basis in die Wege geleitet werden. Angesichts der Heftigkeit, mit der sich die Ver- einigte Sozialdemokratische Partei, besonders ihre Reichstagssraktion für die wertbeständigen Löhne einsetzt, kann man jetzt nur noch die Hoff- nung hegen, daß es dem Reichskabinett gelingt, den Ausweg zu finden, der beschritten werden muß. um innerpolitische Verwicklungen zu ver- meiden. Berlin, 5. Juli. Der Bmndesansschuß des Allgemeine« Deutschen Ge-we rkschast sblm des naym gestern in einer Sitzung zur Lohnsrage eins Resolution an, in der es heißt: Der Aus- schütz des A.D.G.B. empfieHlt den Gewervschaf- ten, die Tarifverträge, mit einer Klausel ziu versehen, die den vereinbarten Löhnen inner- hailb jeder frischen Lohnperwde die Erhal- t u n g ih r e r Kaufkraft sichert. Zwecks Auf- wertuna des Lohnes am Zahltage ist eine a m t- liche Meßziffer einzusetzen, die die wirkliche Steigerumg der LebenshaltunWAosten voll zum Musdruck bringt. Die Anwendung der amtlichen Meßziffer au' die Erhöhung der Löhne ist mög- lichst durch zentrale Vereinvarung für alle Arbeiter und Angestellten zu sichern. Für Arbeiter und Angestellte der össent- vichen Betriebe fordert der Bundesausschuß die einheitliche Anwendung durch Gesetz oder Ver- ordnung. In einer weiteren Entschließung ver- urteilt der A.D.GLZ. aufs schärffte die Sabo- tageakte im besetzten Gebiet und erklärt sie unvereinbar mit dem von 'der Arbeiterschaft unterstützten Abwehrvampf. Der Bundeslaus- schuß sondert, daß Me Schuldiaon ermittelt und nach deutschem Recht zur Verantwortung gezo- gen werden. * Streik der Berliner ZNekallarbeiier. w. Berlin. 5. Juli. lDrahtber.) Die Abstim- mnng der Metallarbeiter in den einzelnen Be- trieben hat eine überwältigende Mehrheit für die Ablehnung des Schiedsspruches ergeben. Die zu einer Streikerklärung nötige M e h r- heit ist bei weitem überschritten. Wann die Metallarbeiter in den Ausstand treten, ist noch nicht festgesetzt. Die Danziger Angelegenheit vor dem Völkerbundsrat. w. Genf. 5. Juli. Die Behandlung der Dan- ziger Angelegenheit in der gestrigen öffentlichen Sitzung des Bölkerbundsrates führte zu einem sehr energischen Vorstoß des polnischen Vertreters gegen die vertragsmäßig festgelegten Rechte der freien Stadt Danzig und gegen die Zuständigkeit des Völkerbundsrates. Die Aktion der polnischen Regierung war bereits durch eine polnische Note an den Völkerbundsrat vom 20. Juni ein- geleitet worden, in der die polnische Regierung dagegen Einspruch erhebt, daß die im Versailler Vertrag festgelegten Rechte Polens auf die Ge- biete der freien Stadt Danzig in keiner Weise verwirklicht worden seien. Die Note lehnte ferner die Einmischung in die inneren polni- schen Angelegenheiten ab und forderte, daß dte Bestimmungen des Versailler Vertrages nun- mehr in vollem Umfange durchgeführt würben. Der Präsident der freien Stadt Danzig stellte die polnische Forderung in einer Note vom 1. Juli richtig, in der er u. a. auf die Bestim- mungen des Versailler Vertrages hinweist, denen zufolge Danzig ein nnabhängi- ger und selbständiger Staat ist. Die gestrige Debatte drehte sich um die drei folgen- den wichtigen Punkte: 1. Das Verhältnis der zwischen Danzig und Polen im Jahre 1920 abgeschlossenen sogenannten Pariser Konvention zu Art. 104 des Versailler Vertrages, den dte Polen in den Vordergrund rücken nud einseitig auszulegen scheinen, um die Bestimmungen der Polnisch- Danziger Konvention zu umgehen: 2. die Zuständigkeit deS Völker- bundkommissars in Danzig, an den laut Artikel 89 der Konvention Polen sich bei Unstimmigkeiten zu wenden habe, während es sich gegenwärtig nnter Umgehung des Völker- bundkommissars direkt an den Völkerbund wen- det, was erst nach erfolgter Anrufung und Be- schlußfassung des Kommissars zulässig ist; 3. die allgemeinen Beziehungen zwischen Danzig und Poleu, von denen volnischerseits ein völlig übertriebenes Bild entworfen wurde mit dem Zweck, daraus die Berechtigung zu einer Neuregelung der Bezie- Hungen zwischen den beiden Staaten herzu- letteu. Der Berichterstatter des Rates, der Spanier Qninones de Leon, stellte sich auf den Standpunkt, daß laut Art. 39 der Konvention die streitenden Parteien sich an den Kom- m i s s a r zu wenden haben, der selbst über seine Zuständigkeit entscheide, auch bei den von Polen gegenwärtig angeführten Streitfällen. Eine weitere Entscheidung behielt sich der Bericht- erstatter bis nach Anhörung der beiden Parteien vor. Der Bölkerbundkommifsar in Danzig, Mac D o n n e l l, vertrat den Standpunkt des Berichterstatters mit noch viel größerer Ent- schiedenhett und verwies auf dte seit zwei Iah- ren erfolgreich durchgeführte Praxis. Er stellte mit Nachdruck fest, daß die Polnisch-Danziger Konvention auf Art. 194 des Versailler Ver- träges beruhe, die beide Parteien binde, und fordert, wobei er auf die Tatsache anspielte, daß der polnische Vertreter sich in der letzten Zeit nicht mehr zu den gemeinsamen Sitzungen mit dem Völkerbundskommissar einfinde, die Wahrung und Achtung feiner Rechte. Der polnische Delegierte Plucinski, diplo- maiischer Vertreter Polens in Danzig. erhob in einer außerordentlich heftigen Rede zahl- reiche und maßlose Vorwürfe gegen die freie Stadt Danzig und beschuldigte auch den Völkerbnndskommissar, der sich mit seinen Entscheidungen in die innere Politik Polens einmische. Als Plucinski unter der Heiterkeit der Versammlung der freien Stadt Danzig auch das Bestehen eines, wie er sagte, im Versailler Vertrag nicht vorgesehenen Spielsaales vorwarf, mußte ihn der Präsident unterbrechen und darauf aufmerksam 'machen, daß neue Klagen zunächst an den Völkerbunds- kommissar zu richten seien. Präsident Sah m trat in kurzen und maß- vollen Darlegungen der Haltung des polnischen Vertreters entgegen, die im Widerspruch mit den Vertragsbestimmungen stehe, und stimmte den von hoher Unparteilich- keit getragenen Ausführungen des Völkerbunds- kommissars zu. bezeichnete die Konvention als ebenso rechtsgültig wie den Versailler Bertrag, von dem sie abgeleitet sei. und erklärte, daß sie nicht ohne Zustimmung Danzigs abgeändert werden könne. Besonders nachdrücklich protestierte Dr. S a h m gegen die Nichtachtung des Art. 39 der Konvention, der ausdrücklich die Zuständigkeit des Völkerbundskommissars anerkennt. Jeder Staat, der die Völkerbundsbestimmungen an- nehme, müsse naturgemäß von seiner Souverä- nität aufgeben. Auf jeden Fall bedürfe Danzig dringend des Schutzes des Völkerbundes. Die von Polen eingeleitete direkte Aktion gegen Danzig bei Umgehung des Völkerbundskommissars und die zahlreichen Re- pressalien beweisen, wie notwendig die- ser Schutz sei. Sahm richtete daher an den Rat die dringende Bitte, den Völkerbundskom- Nr. 184. Seite 2 Karlsruher Tagblatt. Freitag, den S. Juli 1928 Erstes Blatt missar *it ermächtigen, alle Schritte Po» lens gegen Danzig sofort auszu- lieben. Er wies auf Sie befremdende Tatsache An. dafi ein Staat von 30 Millionen Einwoh- nern in dieser Weise gegen ein Staatswesen von 375 000 Einwohnern vorgehe, und schloß mit der Bitte um schnelle Entscheidung, die allein eine weitere Verschärfung der polnisch-danziger Beziehungen verhindern könnte, sowie mit dem Ausdruck seines Vertrauens zum Völkerbund. Lord Robert Cecil belebte die Situation durch eine gründliche Bemerkung, auf die der polnische Vertreter nur teilweise antworten konnte. Er fragte, ob Polen denn nicht die Gültigkeit der Konvention anerkenne, die es selbst unterzeichnet habe: ob es die Ab- ficht habe, bei angeblichen Widersprüchen sich ein- fach über die Konvention hinwegzusetzen, ohne sich dazu zu verstehen, bah bei Meinungsverschiedenheiten der Bölkerbundskommissar zu- ständig sei. Als Plucinski bei diesen Dar- legungen auf frühere Aeußerungen des javani- schen Ratsmitgliedes Jshii, des ehemaligen Be- richterstatiers. hinwies, die sich auf die Dan- ziger fragen bezogen hatten, um nachzuweisen, daß auch er sich nicht auf die Konvention, son- dern den Versailler Vertrag stütze, ergriff schließlich auch Jshii das Wort, um festzustellen, daß er sich damals nicht auf die Konvention stützen konnte, da sie erst seit zwei Tagen be- stand, bah man heute aber wohl auf sie zu- rückgreifen müsse. Die Sitzung bestimmte dann, daß der Rats- Präsident und der Spanier Quinones de Leon mit der Ausarbeitung eines Resolutionsent- wurfes beauftragt würden, der heute vorgelegt werden soll. Deutscher prolest gegen die französischen Eingriffe in den Reichsbantbetrieb. w. Berlin, 5. Juni. Die Deutsche Botschaft in Paris ist beauftragt worden, der französischen Regierung folgende Note zu übergeben: Durch gewaltsame Eingriffe waren deovi e i ch s b an k bereits Mitte Mai von fran- zösischen Beamten und Militärpersonen im alt- besetzten und Einbruchsgebiet über 30 Milliar- den fortgeommen worden. Unter Nichtachtung der von deutscher Seite dagegen gerichteten Proteste ist das gewaltsame Vorgehen gegen den Reichsbankbetrieb nament- lich im Einbruchsgebiet auch seither fortgesetzt worden. Am 26. Mai sind französische Militär- und Zivilpersonen in die Reichsbankhaupt- st e l l e Essen eingedrungen und haben die im Tresor befindlichen Barbeträge von 92 Milliar- den Mark beschlagnahmt. Am 11. Juni hat sich der gleiche Vorfall in Dortmund wiederholt, Hier sind etwa 52 Milliarden fortgenommen worden. Dabei haben die an der Besetzung der Reichsbank beteiligten französischen Soldaten die in einem besonderen Druckraum bei der Fer- tigstellung von Banknoten tätigen Drucker ge- zwungen, die vorhanden Bogen auszudrucken und zu schneiden. Sie haben auf diese Weife Notenformulare in einem Gesamtbetrage von 1090 Millionen Mark herstellen lassen und als- dann fortgenommen. Ferner wurden am 1. Juni von französischen Gendarmen in der Reichsbanknebenstelle in M e t t m a n n unter dem Borwand der Ein- ziehuug einer der Stadt Mettmann auferlegten Geldstrafe 77,2 Millionen Mark aus dem Tre- sor, am 16. Juni in der Reichsbanknebenstelle Traben-Trarbach zwecks Beitreibung einer Geldstrafe gegen die Stadt Coblenz 270 Millionen Mark gewaltsam entnommen.' In allen diesen Fällen wurden die Schlüssel zum Tresor den beteiligten Beamten mit Gewalt entrissen. Im Dortmunder Fall wurden zwei leitende Beamte der Reichsbankstelle tagelang der Freiheit beraubt. Die deutsche Regierung stellt unter .Hinweis auf ihre früheren Darlegungen die Rechts- Widrigkeit des Vorgehens gegen die Reichsbank erneut fest. Selbst im Kriege würbe der Zugriff auf das Privateigentum der Reichs- bank, deren Charakter als reines vom Reichs- fiskus unabhängiges Privatinstitut im Jahre 1922 entsprechend den Forderungen der Repa- rationskommission noch verstärkt worden ist, widerrechtlich sein. Gegen die dauernde Nichtachtung der klaren Rechtslagen tzurch die französischen Zivil- und Militärstellen legt die deutsche Regierung schärf st e Verwahrung ein. Die dauern- den Eingriffe drohen die infolge der Besetzung ohnedies äußerst erschwerte Aufrechterhaltung geordneter Verhältnisse im Ruhrgebiet, nament- lich hinsichtlich der Lebensmittelversorgung, nahezu unmöglich zu machen. Die deutsche Regierung fordert die Rück- gäbe der fo r t g e n o m m en e n Beträge und behält sich selbst und der Reichsbank alle Ersatzansprüche vor. Else«. 5. Juli. lDrahtbericht.) Die hiesig« Reichsbank st elle wurde heute abermals von den Franzosen besetzt. Die Großban- ken haben geschlossen. Die Aktion soll wegen Nichibefolgung der Verordnung Degout- tes zu der Devisenverordnung der Reichsregie- rung erfolgt sein. Gera«. 5. Juli. lDrahtber.) Hier ist gestern ein Auto von den Franzosen festgehalten wor- den, das 1 Milliarde Mark in Säcken bei sich führte. Von den Franzosen wird eine Be- scheinigung darüber verlangt, wozu die Gelber dienen sollen. Die Vertehrssperre. Die Absperrung des Offenburger und Sehler Gebietes. Karlsruhe, 3. Juli. Die Absper ru ng des Offenburger und Kehler Gebietes wird streng durchgeführt. An der Grenz« sind Plaikate angebracht, denen ztuifaflge schon die Annäherung an die Grenze bestraft wird und ,vro«u werden 'die männlichen Perfonen mit lebenslänglicher Zwangsarbeit und die weiblichen Perso- nen mit 10 Millionen Mk. Geldstrafe «bedroht. Hamm, 5. Juli. lDrahtber.) Der Perso- nenverkehr mit dem besetzten und dem Ein- bruchsgebiet ist vollständig uuterbro- ch e n. Züge in der Richtung nach Köln laufen bis Köln durch, passieren aber zwischen Elber- feld und Vohwinkel leer. Französische Kontrolle in Hagen-Hengstei verbietet den im besetzten und Einbruchsgebiet wohnenden Reisenden die Weiterfahrt, läßt dagegen zurzeit die im unbe- setzten Gebtzt wohnhaften Reisenden ausweislich ihrer Fahrkarte nach Stationen des unbesetzten Gebietes noch durch. w. Berlin, 5. Julü. Aus dem Ruhrgebiet wird gemeldet: tili Transport von 660 Kindern, die von Hamborn ins unbesetzte Gebiet zur Er- holung gebracht werden sollten, wurde in Salem angehalten und nach Hamborn zur-ü ckgew ie- sen. w. Berlin, 5. Juli. Von der englischen Be- satzung wird auf -die französischen Kontrollstellen dahin gewirkt, daß deutschen Reisenden Mit einem englischen Paßvisum die Einreise von dem englisch besetzten in das französisch besetzte Gebiet gestattet wird. Zahlreiche Perüo- nen haben heute bereits mit dem englischen Sichtvermerk die Sperre ungehindert passieren können. Gladbeck, 5. Juli. Obwohl sich im hiesigen Be- zirk keinerlei Zwischenfälle ereigneten, wurden sämtliche Wirtschaften und Kaffees auf vier Wochen gefchlosfen. Ebenso ist der Straßenbahnverkehr für vier Wochen stillgelegt. Mißhandlungen durch die Belgier. w. Berli», 5. Juli. Am 1. und 2. Juli wurden auf den belgischen Kontrollstellen zahlreiche Per- sonen verhaftet und mißhandelt. Aus dem belgischen besetzten Gebiet liegen Meldungen Wer viele ohne Anlaß erfolgte Mißhandlungen von Bergarbeitern auf öffentlichen Strafen vor. Die Ausweisungen. w. Berlin, 5. Juli. Aus Heu» Bereiche der Reichsfinanzverwaltung sind bis Mim 1. Juli 1923 von den Beslatzunasbehörden 3613 Zollbeamte und 146 Steuerbeamte ausgewiesen worden. In der Zeit vom 10. Januar bis 30. Juni wurden aus dem Bereiche der Reichsvertöhrs- Verwaltung 8023 Beamte, Angestellte und Arbei- ter mit insgesamt 26317 Familienangehörigen von Haus und Hos vertrieben, davon sind 7563 Bedienstete mit 19942 Familienangehörigen ausgewiesen woriöen. Mainz. 5. Juli. lDrahtber.) Gestern sind wieder einige Ausweisungen durch die Be- satzungsbehörden erfolgt, darunter der Chef- redakteur der ..Mainzer Tageszeitung", B u r g e r. Aus der Pfalz. Lndwigshafen, 5. IM. In Zweibrücken wur- den nach erfolgloser Versammlung zwecks Dienst- Übernahme zwei Gruppen von je 10 Eifenbäh- nern zum französische» Delegierten geladen, wo- selbst sie zunächst höflich zur Dienstaufnahme aufgefordert wurden. Da die Einlaidung jedoch ergebnislos blieb, wurden sie um so unhöflicher, Mm Teil mit der Reitpeitsche, weggejagt. Die neue Ausweisung von etwa 74 Eisenbahnern aus Zweibrücken und Umgebung ist zweifellos die Folge dieser Absage. Aeußerungen Loucheurs. Paris, 5. Juli. Ein Berichterstatter will von Loucheur persönlich erfahren 'haben daß die Nachricht, eine Gruppe deutscher Groß in- Sustrieller. darunter Stinnes, wünschten mit dem ehemaligen französischen Minister und Großindustriellen in Verbindung zu kommen, tatsächlich zutreffe. Man sei an LSucheur bei des- sen Rückkehr aus London im April herangetre? ten. Dagegen sei es unzutreffend, daß er Stinnes persönlich gesehen habe. Allerdings sei nach seiner Ansicht eine Abmachung über den Aus- tausch von Kohlen und Erzen zwischen den RuHrindustriellen und der französischen In- dustrie in vieler Hinsicht sehr wünschens- wert und er glaube, mit dieser Ansicht nicht allein zu stehen. Zwischen ihm und der deutschon Industrie bestehe jedoch ke i ue rlei Fühlung und man könne sich denken, daß er nach semer „Londoner Geschichte" eine Reise m Stinnes nicht unternommen hätte, ohne schriftliche Avmachun- gen und den Rat, sie anzutreten. Was der „2!tatin" zu berichten weiß. Paris. 5. Juli. lDrahtber.) Der „Matin" be- richtet aus Düsseldorf, daß zwischen dem Gene- roldirewor der Kruppschen Werke, v. Bülow, und den französischen Besatzungsbehörden ein bedeutsames Abkommen getroffen worden sei. v. Bülow habe sich verpflichtet, die Abfuhr von 70000 Tonnen Kohlen, die auf den Krupp- schen Lügern bei Dortmund lagern, zu fördern, wogegen die französische Besatzungsbehörde das Versprechen gegeben hätte, den Abtransport einer gewissen Menge Metall waren für die Ausfuhr zu erleichtern. Dieses Abkommen wurde von der alldeutschen Presse heftig ange- griffen. lEine Bestätigung dieser Meldung von deutscher Seite liegt nicht vor und es liegt die Vermutung nahe, daß es sich hier um eine fran- zösische Stimmungsmache handelt. D. Red.) Deutscher Reichstag t. Berlin. 8. Juli. Das Gesetz über die Wie- derein st ellung und Kündigung im besetzten Gebiet wird ohne Aussprache in allen drei Lesungen angenommen. Der Ent- wurf schreibt für die Zeit nach der Beendigung des Ruhreinbruches eine Wiedereinstellung der während der Dauer des Ruhreinbruchs entlasse- 1 nen Arbeiter vor und stellt außerdem eine Kün- dlguugsbeschränkuug für die Dauer des Ruhr- einoruchs auf. Die 10. Ergänzung des Besoldungsgesetzes wird einstimmig angenommen. Sie bringt eine Erhöhung der Kinderzulagen um je ! Die bayerische Ansnahmevcrordnnng. Abg. Unterleitner lSoz.) begründet dann einen Antrag seiner Partei, der die Aufhebung des Belagerungsgesetzes in Bayern verlangt. ' In Bayern betreiben gewisse rechtsradikale Ele- ! mente, ,o führt der Redner aus. offenen Lan- desverrat. Die Regierung aber unterdrücke : nicht diese Landesverräter, sondern mit Hilfe des Ausnahmezustandes diejenigen, die sich gegen ! den Landesverrat wenden. Eine Regierung, die gemeine Verbrechen dulde, büße jede Autorität ein und auch das Fernbleiben der bayerischen ! Regierung von der Frankfurter Parlaments- feier sei eine Provokation des Reiches. Die I bayerische Ausnahmeverordnung sei auf Befehl der Deutschnationalen und Rechtsradikalen ent- standen. Der rechtsradikale Bund „Bayern und : Reich vertrete Anschauungen, nach denen Sabo- ! tageakte gegen die Besetzung vaterländische Ta- ten seien. In Fürth seien 15 Mitglieder der Polizei Angehörige der nationalsozialistischen Partei gewesen. Die Hetze gegen die Reichs- regierung werde unverblümt betrieben- Ein Arbeitermord in Feucht bei Nürnberg falle der ! Polizei zur Last. Auch der betagte Kommerzien- ! rat Frankel sei von .Hakenkreuzlern als „Ost- jude und „Sanjude" beschimpft und jetzt tödlich bedroht worden. Der Bürgermeister von Passau wurde aufs schwerste bedroht, weil er den Krön- i Prinzen Rupprecht nicht mit Königliche Hoheit ! angeredet habe. Die Enthüllung des Vollmar- Denkmals wurde verhindert, weil man entwür- digende Bedingungen stellte. Die bayerische Re- > gierung stehe ganz im Dienst der Reaktion und ' unterdrücke jede freiheitliche Regung. Abg. Remmele lKomm.j bezeichnet Bayern ! als das von den Faschisten besetzte Gebiet. Die ! weiß-blane Schmach Bayern sei viel schlimmer als die Schwarze Schmach im besetzten Gebiet. lLärm rechts und Pfui-Rufe!) Auf Antrag des Abg. von Schoch (D.Vp.) wird darauf der Antrag dem Rechtsausschutz überwiesen. j Das Haus vertagt sich auf Freitag 1 Uhr. , Verbrauchssteuern. Schluß nach 4 Uhr. 5 b. Berlin, 5. Juli. iEig. Drahtber.) Der ! Aeltestenrat des Reichstages beschäftigte sich heute nachmittag mlit der Frage, ob noch vor der ' Vertagung des Reichstages, die am Samstag erfolgen wird, eine politische Aussprache ! stattfinden soll. Die Reichsregierung wünscht sie bekanntlich nicht, auch die bürgerlichen Parteien stechen auf dem Standpunkt, daß eine solche Aus- spräche zur Zeit nicht opportun sei. Die Soz-ial- Demokraten und Kommunisten halten jedoch nach \ wie vor eine politische Ausspräche für notwen- | big. Die Sozialdemokraten wollen nochmaW in einer Fraktionssitzung zu dieser Frage Stellung ' nehmen. ' Die Entscheidung der Fraktion wird im wesentlichen davon abhängen, welcher Art die Erklärung sein wird, die die Reichsregierung über die Sabotageakte im Ruhrgebiet abgeben wird. Eine solche Erklärung ist Gegen- i stand einer gemeinsamen Besprechung ' der I Reichsregieriung und der preußischen Regierung, die heute nachmittag im Anschluß an die Bespre Ein Sprung in die Schweiz. Leicht kommt ein Deutscher heute nicht über die Schweizer Grenze, ins Alpenland. Schon der Paß und das konsularische Visum ist eine Prozedur, die au Zeit und Beutel keine geringe Anforderung stellt. Uns Badenern ist zudem durch die lieben Franzosen in Offenburg der Weg nach Bafel und auch, auf der Schwarzwaldbahn, nach uuserm eigenen Konstanz gefperrt. Ich bin indes, da ich zunächst nach Zürich wollte, über Stuttgart nach Schaffhausen nicht allzu übel drangewesen. Auch an der Grenzsperre waren die Götter mir gnädig genug. Ich habe mein Handgepäck nicht zu öffnen brauchen und bin, kaum behelligt, durch die hölzerne Baracke hindurch an den Schweizer Zug gelangt. Trotz- dem ist mir dabei das Blut ins Kochen geraten. Wird man doch wie eine verseuchte Hornvieh- Herde in den Verschlag zusammengetrieben. Alles drängt natürlich nach der Tür, um wo- möglich als Erster in das Untersuchungsgefäng- nis zu geraten. Nur Wenige werden auf ein- mal zugelassen. Dem Beamten, der hier- über zu wachen hat, fehlt nur der Stock. Im engen Gang wird wieder gestanden nnd ge- drängt, bis man in die Einzelzelle hinein darf, aus der so Mancher verstört genug heraus- kommt. Wird man doch sogar daraufhin aus- gefragt und evtl. durchsucht, ob man nicht mehr Geld in der Tasche mitführt, als zulässig ist! Ein Schein unseres Finanzamts ersparte mir diese Demütigung. Wozu diese ganze Tierquälerei? Der Uuge- l e g e n e, der über die Grenze will, wird trotz all dieser Fußangeln und Draht- zäune durchzukommen wissen. Macht er sich als Fremder im Jnlande mausig, so gibt es doch dafür eine Polizei, die ihn ohne weiteres auf den Schub bringen kann! Am allerunsin- nigsten dürste die Geldbeschränkung sein. Als könnte man dieses nicht auf hundert Wegen über die Grenze bekommen. Genügt hierzu doch schon ein beliebiger Kreditbrief. Als die Paß-Wirtschaft im Zeitalter der eben- so kurzsichtigen als engherzigen Reaktion, wie sie, nach dem Sturze Napoleons, im Metternich- schen Polizei-Zeitalter einsetzte, ist sie als eine sklavische Barbarei empfunden worden. Das russische Zareutum allein hat sie durch das ab- gelaufene Jahrhundert hindurch beibehalten. Bis in das Frühjahr 1914 hinein konnte man mit Ausnahme des Russenlandes ganz Europa durchreisen — ohne Paß! Neuerdings haben England, Frankreich und die Schweiz im Ver- kehr miteinander mit dem bürokratischen Unfug kurzerhand aufgeräumt. Sollte es für Deutsch- land nicht an der Zeit sein, sich diesem Vorgehen anzuschließen? Die hieraus erwachsende Er- sparnis an Personal und Erleichterung des Verkehrs wäre unserer so brüchigen Finanz- Wirtschaft zu wünschen. Die Sperre an der Schweizer Grenze emp- findet man um so peinlicher — gar bei Schafs- Hausen! — als es hier keine noch so leise Spur einer geographischen oder völkischen Abgrenzung gibt. Es könnte ebensogut eine Sperre Karls- ruhe von Mühlburg trennen. Schon die Zollschranke ist ein Verhängnis- volles Uebel. Eine, solche ist der Kriegszustand in Permanenz mit den Nachbarstaaten, und dies zu jeder Stunde des Tages und der Nacht. Man denke sich dieselbe fort, und die benachbarten Völker würden wirtfchastlich so unauflöslich in- einander verwachsen, daß sie sich gar nicht mehr bekriegen könnten. Unser so schwer be- drängtes und geprüftes Deutschland hält, trotz aller Sprengversuche so fest zusammen, nicht so- wohl infolge des politischen Bandes, als der Zolleinheit. Das einzelne Glied kann sich vom Reiche nicht mehr loslösen, ohne selbst zu ver- blnten. Die Zerklüftung Europas durch die Zollfchran- ken all der großen und kleinen Staaten engt es in seiner wirtschaftlichen Entwicklung und sei- nem Außenhandel so ein, daß es bei diesem Käfig-System im Wettbetrieb mit den Vereinig- ten Staaten Nordamerikas und des britischen Weltreiches unterliegen mirß. Diese Not wird zweifellos früher oder später den europäischen Zollverein anbahnen. Der Weg dahin ist aller- dings ein mehr als schwieriger nnd dornen- reicher. Er kann nur etappenweise zurückge- legt werden. Dem Ziele zusteuern sollten dar- um die Staatslenker schon heute. Je früher es geschieht, desto aussichtsvoller. E r st mit dem Zollverein würde der europäische Friedenszilstand besiegelt werden. Bei der Einfahrt in die Schweiz von Deutsch- land aus kommt Einem besonders klar zum Bewußtsein, was für ein urdeutsches Gebilde die ursprüngliche Eidgenossenschaft ist. Ersteht sie doch im Quellgebiet des Vaters Rhein, des Stromes, der schon zu den Tagen Caesars seinem ganzen Verlaufe nach den Deutschen gehört hat. Flüsse bilden zwischen Völkern keine natürliche Scheidewand. Ein Volk, das sich eines Stromes zu bemächtigen begonnen hat, wird sich meist in den Besitz beider Ufer setzen. Wie der Rheinstrom den Deutschen gehört, so gehört die Rhone den Franzosen. Man kann sich die deutsche und französische Schweiz in ihrer Zweiheit nicht einfacher und klarer veranschau- lichen, als im Hinblick auf diese beiden Strom- gebiete. Die Welschen, insbesondere die Fran- zosen, haben der ursprünglichen Eidgenossenschaft nur als eroberte Lande angehört. Erst im Ge- folge der Revolution am Ausgang des 18. Jahr- Hunderts sind sie als gleichberechtigte Glieder in die Genossenschaft aufgenommen worden. Wäh- rend der napoleonischen Epoche sind Genf und das Wallis, auch Neuenburg, zu Frankreich geschla- gen gewesen. Sie bilden noch kein Drittel der heutigen Schweiz. Die „Freiheit" haben die Urkantone nicht durch ihren Tell, der nie existiert hat. erlangt, sondern durch ihre Zugehörigkeit zum Deutschen Reiche, das ihnen ihre Freibriefe verbürgte. Ihr Freiheitskampf hat sich nur gegen die Habsburger als die eingesessenen Landesherren gerichtet- Nicht die Erschießung des sagenhaften Geßler, des Habsburgischen Landvogtes, sondern die Er- mordung' Kaiser Albrechts, des habgierigen Habsburgers, durch seinen Neffen Johann Par- ricida, hat ihnen Rettung gebracht. Die nach- folgenden Kaiser haben, wie schon die vorher- gehenden, alsbald ihre Freibriefe erneuert und die Schweizer in ihren Schutz genommen. Demgemäß ruft auch im Schillerschen Bühnen- stück Stauffachers Gertrud, da sie zum Freiheits- kämpfe ermutigt: „Die Schweizer wollen fest und treu beim Reich beharren, wie die Alt- vordern es gehalten und getan". Ebenso am Schlüsse Walter Fürst: „Wohl uns, daß wir beim Reiche treu gehalten." Losgelöst vom Reiche haben sich die Schweizer erst im Gefolge des Dreißigjährigen Krieges, da das Reich aus allen Fugen ging u. zur Wüste geworden war. Die Reformation hat sie, trotz des Zwiespaltes zwischen den Zwinglianern und Lutheranern, wenigstens als deutsches Volkstum dem übrigen Deutschland wieder näher gebrachte indem sie bewirkte, daß die Deutschredenden an das Mutterland frischen gei- stigen Anschluß gewannen. Während die Elsäs- ser und die Vlamen, durch die römische Kirche und das Franzosentum ihrer höheren Jntellek- tualität beraubt und von der Höheren deutschen Kultur abgeschnitten, in ihrem Dialekte und Kauderwelsch eingekapselt, mit dem Hochdeut- schen die Fühlung verloren, haben die Deutsch- Schweizer die Sprachentwicklung mitgemacht und derart mit der deutschen Kultur Schritt ge- halten. Die deutsche Literatur ist die ihrige, innerhalb derselben sind ihre Schriftsteller mit- führende Geister geworden. Mit der sprachlichen Gemeinschaft ist auch die völkische gegeben. Die Schweizer haben indes zu lange außerhalb des Reiches gestanden und, auf republikan.-demo- kratifcher Grundlage sich dem monarchischen Ge- bilde entfremdet, um sich mit diesen, solidarisch zu fühlen. Dazu die staatliche Gemeinschaft mit den Welschen! Doch ist die Neuaufrichtung des Deutschen Reiches 1870/71 von niemanden be- geisterter begrüßt und beredter gefeiert worden, als von ihrem Leuthold und F.C.Meyer, der darob dem ihm anhaftenden Welfchtum ent- sagte und zum Volldeutschen wurde. Auch Gott- fried Keller hat stets mit einem Fuße und seinem Herzschlage diesseits des Rheins ge- standen. Daß die Deutsch-Schweizer trotz alledem wäh- rend des Ansturms gegen das Deutsche Reich und dessen Niederkämpfung sich mehr als abseits gehalten haben, erklärt sich aus der Befürchtung, daß ihr Ländchen zum Kriegsschauplätze werden könnte, sowie aus der Irreführung in Bezug auf die Kriegsschuldfrage. Wenn ein Tapferer, wie der Züricher Bölling er, Psarrer am Neumüuster, für das Deutschtum und die gute Sache eintrat, so wäre er darob bald gesteinigt worden. Ob die so Befangenen heute, da der wahre Sachverhalt so grell am Tage liegt, sich nicht auf ihr eigenstes Selbst besinnen sollten? Daß die Vernichtung des deutschen Volkes und der öeut- schen Kultur, wie sie der Franzose im Bunde mit Wallonen, Polen, Tschechen, Südslaven, Magyaren und Rumänen, so unzweideutig be- treibt, den Deutsch-Schweizer mit an der Le- Erstes Blatt Karlsruher Tagblatt. Freitag, den 6. Juli 1928 Nr. 184. Seite 8 chung des Kanzlers mit dem Nuntius Pacelli 3« einer gemeinsamen Siizuwa zusammengetreten sind, die in später Abendstunde noch nicht be- endet war. Der Aeltestenrat des Reichstages wird am irreitafl nochmals zarsammßin treten, um dann eine endgültige Entscheidung herbeizuführen. Kommt es m einer politischen Aussprache, fo wivd diese am Samstag stattfinden. Vom Auswärtigen Ausschuß. Berlin, 5. Juli. (Drahtber.) Der Auswärtige Ausschuß >des Reichstages beschäftigte sich heut« mit der Frage des Wirtschaftsverkehrs mit Frankreich und Belgien. Sowohl der Reichskanzler als auch der Minister des Aeußern konnten der Sitzung wegen einer gleichzeitig stattfindenden Sitzung 'des ReichSkabinetts und des preußischen Kabinetts nicht beiwohnen. Da» (teget! war der Reichswirt schafftsminister Dr. Becker anwesend. Die Regierung naHm von den Ausführungen der Vertreter der verschiede- nen Parteien Kenntnis und gab erneut die von ihr aufgestellten Richtlinien bekannt. Eine be- sondere Entscheidung wurde vom Ausschuß nicht getroffen. Darauf folgte die Beratung des d eutffch-spanisch e it Abkommens, die jedoch nicht zu Ende geführt, sondern auf Sams- tag vertagt wurde. Der Eintritt Badens in die Viersteuergemeinschaft. Berlin, 5. Juli. Der Steuerausschuß >des Reichstages beffchäftigte fich gestern mit dem Ge- setzeutmurf, der die in dem Gesetz über den Ein» tritt der Freistaaten Bayern. Württemberg und Baden in die Biersteuergemeinschaft festgelegten Aufwendungen regelt. Diesen Frei- staaten wur>de seinerzeit ein bestimmter Anteil an 'der Bievsteuer für die Aufgabe ihrer Bier- itvuerreservate zugesichert, der durch Höchstbetrag begrenzt war, der aber infolge der Geldentwer- tung nun längst überholt ist. Der Steue raus- schuh beschloß, den Höchsrbetrag für Bayern von 7 Millionen auf 7 Milliarden, für Württemberg von IS Millionen auf 1820 Millionen und für Baden von 10 Millionen auf 910 Millio- n e n zu erHÄhen unter bei BorauAsetzung, Sah eine Erhöhung der Biersteuer auf das vövfache vom Reichstag beschlossen wiM Der neue Posttarif. Die Reichspostverwaltung hat am 1. Juki die verschiedenen Gebühren verdreifacht, vervierfacht oder verfünffacht und vom 1. August ab sollen diese erhöhten Gebühren abermals hvranfge- setzt werden. Wenn die Vorlage des Reichs- Postministeriums vom Tarifausschuh bei der Postverwaltung angenommen wird, werden wir ab 1. August dreieinhalbmal so hohe Fernsprech- gebühren und viermal so hohe Telegramm- gebühren wie im Juli zu bezahlen haben. Briefe im Fernverkehr werden 1000 Mark, im Ortsverkehr 400 Mark, Postkarten 400 bezw. 200 Mark kosten. Es soll zunächst nichts dagegen gesagt werden, daß auch die Reichspost bestrebt ist, sich den Fol- gen der Geldentwertung zu entziehen. Me Aus- gleichung des Haushalts der Betriebsverwal- tungen ist ja eine von allen politischen Parteien aufgestellte Forderung, die ohne zeitgemäße Tarifgestaltung nicht erfüllt werden Kann. Eine andere Frage ist aber die, ob der Weg der mechanischen, unterschiedslosen Tariferhöhung der richtige ist oder ob eS nicht Mittel und Wege gibt, die sozial bedrängten Schichten des Mittel- standes in irgend einer Form zu begünstigen und kulturelle Interessen zu berücksichtigen. Sollte es nicht möglich sein, unter anderem etwa dem A r z t mit kleiner Praxis die Haltung eines Fernsprechanschlusses finanziell zu er- leichtern? Könnte man nicht dem in der Oef- sentlichkeit bereits gemachten Vorschlag beitreten und einen sogenannten „Familienbries" schaffen, der offen versandt werden muh und dafür nur mit dem Drucksachenporto belastet wird? Ein Vergleich mit den Preisen für andere Gegenstände des täglichen Bedarfs mag einen Portosatz von 1000 Mark für einen Fern- brief nicht als unangemessen erscheinen lassen, und doch werden Tausende und Abertausende das ohnehin eingeschränkte Briefschreiben ganz einstellen müssen, haben sie doch kaum das Nötigste, um das nackte Leben kümmerlich zu fristen. Daß das aber einen gewaltigen kulturellen Schaden bedeuten würde, braucht ebensowenig begründet zu werden, wie die Tatsache erwähnt werden muß, daß infolge der Porto- und Reiseverteuerung auch nahe Familien- beziehungen, und solche zwischen Eltern und Kindern gelockert und zerrissen werden. Eine Portoverbilligung für Fa- Milien bliese wäre auch im politischen In- teresse zu begrüßen In den besetzten Gebieten ist jetzt fast die gesamte deutsche Presse verboten. Der geistige Zusammenhang mit dem unbesetzten Deutschland wfrd am sichersten und festesten ge- wahrt durch den durch die Post vermittelten Ge- dankenstrom, der die Brüder an Rhein und Ruhr stark macht gegen das von den Feinden ausge- streute Propagandagift. Hüten wir uns davor, diesen Strom zu unterbrechen! Kulturelle und politische Erwägungen sprechen gegen das jetzt in Brauch befindliche System der schematischen „Anpassung an die Geldentwertung". Neue Wege müssen gefunden und schon bei der nächsten Tariferhöhung der Post beschritten werden, wenn nicht ein nie wieder gutzumachender Schaden angerichtet werden foll. Das Leben in Moskau. Bon Bruno Wentscher. in. Moskau, im Juni. Die Tage, die mir für diesen Besuch in Mos- kau zur Verfügung stehen, vergehen viel zu schnell, und die Wege sind viel zu weit, als daß ich ,/das Herz Rußlands" in allen Richtungen durchforschen könnte. Aber daraus kommt es ja auch nicht an. Ich will ja keinen Führer durch Roms tartare schreiben, wie Frau von Etzel die auf sieben Hügeln erbaute Stadt geistreich be- nannt hat, sondern nur versuchen, einen mög- lichst objektiven Eindruck von den augenblick- lichen Zuständen in Sowjetrußlands Hauptstadt mithereinzunehmen. Hier draußen, abseits der Petrograder Chaussee, in dem von der Peralust bewohnten Landhaus, in dem ich gastliche Aufnahme gefun- den habe, umgeben von blühenden Flieder- büschen und dem frischen Grün der benachbarten Gärten, könnte man sich in Deutschland wähnen, wenn nicht das vom Alexanderbahnhof herüber- tönende Lokomotivgetute eine fremde Sprache spräche und über uns den roten Stern als Ab- zeichen führende Jagdflugzeuge den herrlichen Sommerabend zu kühnen Kurven und zeitlichen Loopings benutzten. Schon die Straße selbst ist echt russisch. Breit wie die Heerwege, die unsere Ostkrieger zogen: drei Fahrdämme, dazwischen Fuß- und Radfahrsteige und grüne Rasenstrei- fen. Das Queren des seitlichen Fahrdammes gibt einen Begriff von der ermüdenden Qual des Moskauer Kopfsteinpflasters, die dem west- liche Großstadtkultur Gewohnten weite Wände- rungen abseits der wenigen besseren Haupt- straßen verleidet. In der Mitte des breiten Mitteldammes das Schtenenpaar der Straßenbahn. Auf dem Tram, der mich täglich zur Stadt bringt, durch die Triumph-Pforte, die Twers- kaja entlang, am Strastnoi-Kloster vorüber, herrscht trotz häufiger Ueberfüllung gute Ordnung. An einer der Anfangsstationen sah ich die fahrlustige Menge in langer Einzelreihe ohne jegliches Drängeln anstehen. Als der erste Wagen gefüllt war, warteten die Zurückbleiben- den geduldig, bis der nächste kam. Doch die Platzordnung auf der Straßenbahn wird immer noch aufrecht erhalten,' über die Hintere Platt- form steigt man ein, über die vordere aus. Allerdings muß man dabei, wie ich gleich auf einer der ersten Fahrten von einem menschen- freundlichen jungen Russen gewarnt wurde, „auf seinen Geldbeutel aufpassen". Auch hier sind Diebesbanden tätig, die mit künstlerischer Fer- tigkeit die geheimsten Westenverstecke von unten her aufschneiden und die Baluta-Geldtaschen herausstehlen, aber auch mit Taschenuhren und anderen leichter zugänglichen Objekten vorlieb nehmen. Eine Moskauer Spezialität aber sind die Straßenjungen, die barfüßig und ziemlich zerlumpt, sich „wie Wanzen an der Wand" an Rückwand, Puffer und seitliche Trittbretter klammern. Mancher Arm und manches Bein fallen diesem eigenartigen Sport zum Opfer. Das Innere der Wagen ist sauber gehalten, Wohl um die seit alterher bei den Russen sehr beliebte rote Farbe noch eindringlicher zu be- tonen, als das bisher in dem Mörtelbewurf zahlreicher Kirchen und Schlösser und in der großrussischen Nationaltracht geschehen war, hat man eine Reihe von Triebwagen ganz rot an- gestrichen. Ueber ihren Richtungsschildern schwebt ein Sowjetstern und in der Mitte der Seitenwände prangen Ankündigungen der gro- ßen landwirtschaftlichen Ausstellung, die am 15. August eröffnet werden soll. Madame Re- klame ist also auch in Moskau durchaus auf dem Posten. Als „Kondukteur" sind meist Frauen tätig, die die Wageninsassen nicht mehr mit „Towarysch" (Genosse), sondern mit „Grasch- denin" (Bürger) anreden. Der Fahrpreis wurde in den ersten Tagen meines Hierseins von 3 Rubel von 1923, also wenn man will von 3 Millionen auf 5 für die kurze Strecke, auf 7 und 8 für die weitere erhöht. Da der Dollar hier rund 160 Rubel notiert und in Berlin bei meiner Abreise auf etwa 80 000 Mark stand, so wäre der Mindeftfahrpreis jetzt ins Deutsche übertragen 2500 Mark, was aber durchaus der gesamten hiesigen Preiseinstellung mit Aus- nähme einer Reihe von billigeren Lebensmitteln entspricht. In den Strahen Moskaus, vor allem in den Hauptverkehrsadern herrscht reges Leben. An den Kreuzungspunkten sorgen uniformierte Stadtpolizisten für das Einhalten der Fahrord- nung. Mit einer bewunderswerten Virtuosität umkurven die schnellen zweisitzigen Droschken und die verhältnismäßig seltenen, aber umso mehr darauslossahrenden Autos diese richtungweisenden Pfeiler. Ueberall sieht man die Kraft- wagen der britischen Handelsvertre- tung mit wehendem Union-Jack. Die Klei- düng der Bevölkerung ist äußerst verschieden- artig. Wirkliche Eleganz ist aus der Straße sel- ten anzutreffen. Unter den Männern fallen be- sonders die Tartaren mit ihren enganliegenden gestickten Kopfkappen auf. Uniformen der Ro- ten Armee sieht man sehr viel, oft geschmückt mit dem Orden der Roten Fahne I. und II. Klasse. Chinesen und Japaner mischen- sich dazwischen. Straßenhändler und Bettler gibt eS wie Sand am Meer, Die letzteren „arbeiten" durchaus ge- werbsmäßig. Me aussichtsreichen Gegenden sind in kleine Bezirke eingeteilt. Eine sehr häu- fige Erscheinung ist die hingekauerte, unaufhörlich vor sich hinplärrcnde Frau mit zwei an- geblich schlafenden Kindern. NachtS wurden wir am Er emitage-Garten von einer ganzen Schar von Stelzfüßen eskortiert, die sehr bald auf deutsch mit „Kamerad, Kamerad!" ihr Glück zu machen versuchten. Den Zustand der Hausfassaden hatte ich mir nach in Deutschland kursierenden Schilderungen schlimmer vorgestellt. Allerdings ist vielfach der Stuck abgebröckelt, und die Spuren der im Win- ter durch die Fenster geführten Ofenrohre sind sichtbar. Eine völlige Ruine in der Kasnezkij Most (Schmiedebrücke) erwies sich als das Werk der Deutschenhetze während des Krieges? ein deutsches Pianofortehans war vom Mob ge- stürmt und Klaviere und Flügel durch die Fen- ster auf die Straße gestürzt worden. Als Zeu- gen der Revolution aber sind wohl die an ver- schieden«« Stellen der Stadt anzutreffenden Baufragmente anzusprechen; auS Äusschachtun- gen und Fundamenten ragende Backsteinpseiler und Doppel-I'-Träger geplante Geschäftshäuser, für deren Vollendung staatliches Interesse bis- her nicht vorgelegen hat. Wenig schön wirkt die Farbe am Giebel des Großen Theaters, wo der alte Doppeladler weggerissen wurde, eine Ge» fchmacklosigkeit, die, wie mir erzählt wurde, dem- nächst durch eine Wiederanbringung abgestellt werden soll. Auch auf den Türmen der Kremel- tore blieben die Jnsignien des alten Zarenreiches erhalten und nur von der flachen Kuppel des Gerichtsgebäudes flattert im Winde die rote Fahne. Unter der Kremelmauer aber bewacht ein Ehrenposten der Roten Armee die Gräber der beim Sturm auf das Bollwerk der Stadt gefallenen Revolutionäre. VerschieöeneDvahtmelöungon. Die Junibezüge der Beamten und Staatsarbeiter. Berlin. 5. IM. (DraHtber.) Die Verband- lungen über die Junibez>üge der Beamten und Sbaatsarbeiter werden morgen im Retchsfinanz- Ministerium beginnen und voraussichtlich zwei Tage in Anspruch nehmen. Der Dockarbeitersireit in England. w. London, 8. IM. Gestern abend dst es in White Häven (Cumberland) zu Zusammenstößen zwischen Ausständigen und Polizei ge- kommen. Hierbei wurden 20 Polizisten und 89 Zivilpersonen verletzt. Der wiilde Dockarbeiter- streik hat sich weiter ausgedehnt. Im ganzen sind 30000 Mann auSständi«, davon 14000 im Londoner Hafen. Ruhland. Moskau, 5. Juli. Angesichts der Besse- rung Her Lebensmittellage in den Hungerge- bieten und der guten ErnteauSsichten ist durch Erlaß des allrussischen Zentrwlexekutivkomitees die ZentnMommission z>ur Bekämpfung der Hungersnot aufgelöst worden. Vom Wetter WetternaKrichtendieust der Badischeu Landes, Wetterwarte Karlsruhe. Donnerstag de« S. Juli. Im Bereich des kräftigen Hochdruckgebietes über Mittel- und Osteuropa dauert in ganz Deutschland das heitere, warme und trockene Wetter fort. In der Rheinebene gingen die Temperaturen gestern erheblich über 20 Grad hinaus und auch auf dem Hochschwarzwald herrscht sommerliche Wärme. Da erhebliche Störungen der Wetterlage nicht bevorstehen, wird das heitere, trockene Wetter andauern und die Wärme noch zunehmen. Aetteransfichten für Freitag, den «. Juli 1923: Fortdauer der heiteren, trockenen Witterung bei weiter zunehmender Wärme: schwache, meist östliche Winde. !Nvein-Wasserstä«de morgens « Uhr: v.Juli 4. Juli Trtinitcrinsel . 2,27 m 2,82 m fleöl 8,88 m 8.80 m Max«« .... fl,0I m 5,06 m m mittags 12 Ubr 5,06 m „ .... — rn abends 8 Uvr 5,06 m Mannbein» . . 4,01 m 4,06 m Tägesanzeigeo Freitag, den I. Juli 1SZ8. Bad. Land'cslheater: »Die lustigen Weiber von Windior", abends 7 bis %10 Ubr. Städt. KonzerthauS: .Die Bajadere", abends %8 Uhr. Städt. Fe ft balle: Symvhoniekonzert der Dres- dener Staatskavellc, abends W8 Ubr. Karlsruher Hausfrauenbund: Vortrag im „Arbeiterbildungsverein". Wilhelmstraße 14, nach- mittag« 8 Uhr. Welt-Kino: Neues Programm. F.C. Phönix: Generalversammlung, abends 8 Uhr im Lokal. benswurzel trifft, wird er von Tag zu Tag leb- bafter gewahr werden. Sich zu feinem Deutsch- tum und zur gerechten Sache zu bekennen, wagt er jedoch leider noch nicht Er meint als Schweiber in der dreisprachigen StaatSgemeinschaft, nicht national im völkischen Sinne fein zu dürfen und zudem allseitige Neutralität wahren Zu müssen. Seine Stimme für das so bedrohte und mißhandelte Deutschland zu erheben, auch nur wie der Finländer oder Schwede seiner Ent. rustung lauten Ausdruck zu geben über die un- erhörte Vergewaltigung elementarsten Völker- rechtes, wagt er nicht, aus Furcht vor einer Gegenkundgebung der französischen Schweizer. Als wenn diese ihre Nattonalität, ihr Fran- zvsentum verleugneten oder nur im Zaume hielten! Rabiater anttdentsch als die Lausanner und Genfer Blätter hat es während des Krieges keine gegeben und kann es bis auf den heutigen Tag kaum geben. Darum ist die Eid- Genossenschaft doch nicht aus den Fugen geraten? Daß der Deutsche seinen Gegenfüßler so gewähren läht, ohne auch nur darauf zu reagieren, ist nur zu deutsch An dem Tage, an dem er sich ««zu aufrafft, sich unumwunden zu seinem -Volkstum zu bekennen und für dasselbe ein- zutreten, wird er nicht nur an Achtung vor sich selber, sondern auch vor der ganzen Welt, nicht Zum wenigsten vor den Welschen, gewinnen und damit sein Schweizertum nur vollends besiegeln. In der heutigen Lage als Deutschschweizer sein Deutschtum verleugnen, kommt geradewegs dem Selbstmorde gleich. Steht doch das Schick- sal des deutschen Volkes als solchem auf dem Spiel! Die bisherige Haltung, will sagen nationale Haltlosigkeit, der Deutsch-Schweizer ist um so unverständiger, als die Schweiz in ihrer Selb- ständigkeit von Seiten Deutschlands nie beein- trächtigt worden ist; wogegen sie von Seiten Frankreichs sich in ständiger Lebensgefahr be- sunden hat. Im 18. Jahrhundert hat die „Allianz" mit Frankreich darin bestanden, daß Frankreich die Schweizer Regimenter als Söldner in seinen Dienst brachte. Der französische Gesandte, der das Gold und die Titulaturen austeilte, hatte tatsächlich die Eidgenossenschafi am Gängelbande. Napoleon hat sich nicht damit begnügt, ihr die West- und Südkantone zu entreißen, sondern hat sie mittels der Mediattonsakte, ähnlich wie den deutschen Rheinbund und noch unmittelbarer, unter sein Szepter gebracht. Daß sie 1814/16 ihre Vollständigkeit und Uabhängigkeit zurückerhielt, hat sie nicht zum wenigsten dem so wider- sinnig verhaßten Königreich Preußen zu ver- danken gehabt, das schließlich auch auf das ihm aus der oranischen Erbschaft zugefallene Neu- chätel verzichtet hat. Durch die Eroberung Savoyens im Jahre 1861 hat Frankreich das ganze Südufer des Genfer Sees eingenommen mnd damit die französische Schweiz vollends umklammert. Schon 1815 ist Genf so in die Enge geraten, daß, um es einigermaßen lebens- fähig zu machen, die damals (gegen Frankreich) „Alliierten" darauf bestanden, daß die französi- sche Zollgrenze ein wenig zurückgelegt und der- art eine bescheidene Freizone gesichert wurde. In seinem Bersailler Siegestaumel besteht Frankreich jetzt darauf, diesen ..Grenzfehler" gutzumachen. Die Bundesregierung in Bern hat nicht gewagt, sich dieser „Korrektur" zu widersetzen. Erst die Volksabstimmung hat dagegen ein Veto eingelegt. Dabei haben die Kantone französischer Zunge, Neuch-tel und das Waadtland, Genf im Stiche gelassen, es sind die deutschen Kantone, die dasselbe geschützt haben. Die Schweiz ist indes nicht in der Lage, aus eigener Kraft heraus sich der französischen Anmaßung zu erwehren. Sie weiß sich daher nicht anders zu helfen, als indem sie ein Schieds- gerichtsurteil anrufen will. Ob ein zureichend unabhängiges Schiedsgericht sich wird ausfindig machen lassen? Der in Gens selbst tagende „Völkerbund" hat sich bisher noch immer als ein willfähriges Werkzeug der Machthaber an der Seine erwiesen, zumal wenn es sich um den Bersailler ,Friedens"-Vertrag handelt . Mit dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches ist jenes Europa zusammengebrochen, dem die Schweiz ihre Existenz verdankt. Obgleich die Schweiz durch den Weltkrieg in Mitleidenschaft gezogen worden ist, sie vier Jahre hindurch ihre Wehrmacht hat mobil er- halten müssen, und obgleich sie infolge der all- gemeinen Geldentwertung über Teuerung zu klagen hat — welch ein Abstand, wenn man aus dem verarmten, hungernden Deutschland in der französischen Folterkammer kommt! Gleich das erste beste Frühstück mit seiner Rie- senportton Kaffee, Schokolade oder Tee, feiner vollen Milchkanne, feiner Butter, seinem Honig, feinem köstlichen weißen Brote und Brötchen, ist heute in deutschen Landen mit keinem Gelde aufzutreiben. So in allen Dingen. Erst wenn man die Schweizer Buben und Mädel sieht, wird man gewahr, in welchem Maße in Deutschland die Unterernährung über- Hand genommen hat. Der durchschnittliche Wohlstand des so geseg- neten Alpenparadieses sucht überhaupt seines- gleichen. Dem entspricht die so wohltuende Reinlichkeit und Ordnung. Musterhaft ist vor allem das Schulwesen. Musterhaft auch das Verkehrswesen. Trotz der so auffälligen Schwer- sälligkeit und Gemessenheit der Angestellten, spielt sich alles-auf das Pünktlichste ab. Und dies in den höflichsten Formen. Zumal das Bahnpersonal kann sich in seiner dunkelblauen Tuchkleidung ohne jede Firlefanzerei, blanke Knöpfe u. dergl., mit dem kleidsamen Käppi, nicht wohlgefälliger präsentieren.. Es hält offenbar im Sinne eines geschlossenen Standes auf sich. Durch die Ausbeutung der überreichlichen Wasserkräfte mittels der Elektrizität hat das Alpenland einen unermeßlichen Zuwachs an natürlichem Reichtum erhalten, die „weiße Kohl e" wird die schwarze, die aus dem Aus- lande bezagen werden muß, mit der Zeit ent- behrlich inichen. Schon ist ein namhafter Teil der Eisenbahnen elektrisiert. Wie spielt sich da alles so viel reinlicher, leichter, sicherer ab, als bei dem Betriebe mit Kohle und Dampf! Sieht zur Zeit eine elektrische Lokomotive in Form eines geschlossenen großen Waggons, gegen das Dampfroß gehalten, unförmlich und unschön aus — wie ganz anders sind der Lokomotiv- führer und sein Heizer untergebracht! Die Be- freiung von der schwarzen Kohle bewirkt auch einen sozialen Fortschritt, der kaum zu hoch gewertet werden kann. Möchte der Berkehr zwischen Deutschland und der Schweiz bald ein normaler werden. Je unbehinderter, je reger er sich gestaltet, umso besser für beide Teile. Je enger man Wirtschaft- lich miteinander verwächst, desto eher werden auch dt? Herzen zusammen schlagen. Ar. B. Aus dem Karlsruher kunstleben. Galerie Hirsch. Die Sommerausstellung der Galerie Hirsch bringt neben kleineren Sammlungen verschiedener Künstler auch einzelne Werke, die im Rahmen ihrer Darbietungen sich gut und harmonisch eingliedern. So hat I. B e r g m a n n ein älteres, tonig gehaltenes Stück von breitem malerischem Vortrag: Knabe im Kahn, P. v. Ravenstein eine forgfälttg und frisch durch- geführte „Mühle" und P. S e g i s s e r eine mo- dein gesehene und gemalte Landschaft, F. K a l l- morgen zwei „Hafenstücke" gebracht, die den frischen, immer großräumig gestaltenden Künst- ler von bewährten Seiten zeigt? Zwischen diese einzelnen Werke schieben sich kleine Kollektionen, die den Charakter der Ausstellenden von mehre- ren Seiten beleuchten. Besonders eindrucksvoll siud die durch Leucht- kraft und Farbenschönheit hervortretenden Still- leben von E. R i e st e r - Pforzheim. Seine Technik, die Farben auf Metallplatten aufzu- schmelzen und die sorgfältige Vortragsweise sichern diesen köstlichen Stücken von vornherein Beachtung, umsomehr als die dem Bauern- und Kinderleben entnommenen Stoffe zu den Litho- graphien von Hugo Tröndle in ihrer zu- rückhaltenden und formal einfach behandelten Art den Gegensatz von Leidenschaft im Farbigen und Beherrschtheit im Kompositionellen stark hervortreten läßt. Einen ebensolchen Gegensatz bilden die Kojen Dill und Grether. Bei Ludw. Dill, mit dem auch seine Gattin I. Dill- M a l b u r g ausgestellt hat, die sichere BeHerr- schung der Flächenaufteilung durch Farbflächen (bei Joh. Dill-Malbnrg mit betonter Verstär- kung der Gegensätze und schärferer Hervor- Hebung der Zeichnung),- bei K. Fr. Grether das noch suchende Schwanken zwischen dekorati- ver und intimer Landschaftsmalerei (Stiller Winkel, Nachmittagssonne usw.), während der „Jeremias" einen Um- oder Abweg in die mo- numentale Malerei mit sentimentaler Unter- strömung darstellt. Nimmt man noch die beiden lebendigen Bildnisse von E. Firnrohr und die anziehenden Marinen von M. Wieland hinzu, so hat man die wesentlichen Erscheinungen der diesmaligen Ausstellung durchgegangen. Nr. 184. Seite 4 Karlsruher Tagblatt, Freitag, den S. Juli 1S28 Erstes Dlatt Femfahrt Heidelberg - Freiburg 228 km über Bruchsal-Durlach-Neumalsch-Gernsbach-Freudenstadt-Elzach-Waldkirch am I.Juli 1923 Paul Jörg, Karlsruhe, auf trotz dreimaligen schweren Reifenschadens IL SIEGER SNOB bei einem Brennstoffverbrauch von 4 Liter. Eine «SNOB- Maschine am Start und diese siegreich! General-Vertretung für ganz BADEN. Handels- u. Industrieyes. „SÜD" m. b. H., Karlsruhe, Waldstr. 8, Telefon 4249. Di« Kestitellung der Straften- t»t«b Bauflucht«« betreffend. Durch den Be,irksrat wurden die an der nörd- lichcn seile des Rosenweges durch die Entschließ- ungen des Bezirksrats vom SS. HI. 13 16. xii . 19 festgestellten Strafen- und Z mit Vorgarten ausgehoben, und die Stra an dieser Stelle gemast dem Antrag des vom 17. iv. igzg und dem vorgelegten gestellt. Der Plan liegt während zwei Wochen beim städt. Tiesbauamt zur Einstau aus. O.Z. 61. Karlsruhe, den 2. Juli 1928. Badischen Bezirksamt. Abtl. III. d vom autlnchten >enfluchten Stadtrates Slane lest- süddeutsche Disconto-Gesellschaft A.-G. In der heute stattgehabten XVIII. ordentlichen Generalversammlung unserer Gesellschaft wnrde die Verteilung einer Dividende von 200 % für das Geschäftsjahr 1922 beschlossen. Demgemäß gelangen die Oewinnanteilscheine Nr. 18 um. Aktien Nr. 1— 33000 m. M. 2000.— Nr. 13 un». Aktie« Nr. 35001— 38 500 m. M. 2000— Nr. 12 uns. Aktien Nr. 38 501— 50000 m. M. 2000.— Nr. 2 ans. Aktien Nr. 50 001—100 000 m. M. 2000.— Nr. 1 uns. Aktien Nr. 100001—150000 m. M. 2000.— an nachstehenden Stellen von Mittwoch, den 4. Juli a.e. ab zur Einlösung: In Mannhelm an der Kasse unserer Gesellschaft sowie den Kassen unserer sämtlichen Zweigstellen in Barmen bei dem Barmer Bankverein Hinsberg Fischer » Co. in Berlin bei der Direcilon der Dlmconto- Gesellschaft In Frankfurt a. M. bei Hertn E. Ladenburg und der Direktion der Disconto-Ge- _ Seilschaft in Heilbronn bei der Handels- u. Gewerbebank Hellbronn A.-G. in Karlsruhe bei Firma Straus 21 Co. sowie bei unserer Filiale In Köln bei dem A. Schaaffhausenschen Bankverein A.-G. In Leipzig bei der Allgemeinen Deutschen Creditanstalt in Magdeburg bei der Directlon der Dlsconto- Gesellschaft in Mainz bei der Directlon der Dlsconto- Gesellschaft hl Meiningen bei der Bank für Thüringen vorm. B. M. Strupp A.-G. in Nürnberg bei der Bayerischen Dlsconto- und Wechselbank A.-G. in Pforzheim bei der Firma Carl Schmitt ft Co. A.-G. sowie bei uns. Filiale in Stuttgart bei der Directlon der Dlsconto- Gesellschaft Mannheim, 3. Juli 1923. Südde utsche Disconfo - Gesellschaft B-G . ftreitag, den 6. Juli. 4 Uhr. versteigern wir im Gasthaus „Zum Lamm", Mlchlburg, ein € a st A u t o. gaffe & tWatalttff, Auktionatoren. s^en Verstei urvenftraße 19 nächsten K i werden Möbel. u. • Olli I-r Art erung Sachen .Sirtschafts angenommen. eirfi Beeid.Oefsentl. Versteigerer, l«J» Goethestrabe 18. - Tel. 2725. Vorbehaltlich der Zustimmung des Stadtver- ordnetenvorstandes treten mit Wirkung vom Sams- tag, den 7. Juli 23 in den Beförderungsbedingungen der Strabenvahn folgende Aenderungen ein: Fahrscheine: bi» 5 Teilstr. 2000 Jt, über 5 Teilstr. 2500 Jl, Kinder» und Geväcifcheine 1N0U M. Fahrs cheinhefte: bis 2 Teilstr. 12 Scheine 18000 Jl, 6 Scheine 6500 Jl-, bis 5 Teilttr. 12 Scheine 20000 Jl, 6 Scheine 10000 Jl-. über ö Teilstr. 8 Scheine 19000 Jl. Halbmonatskartcn: bis 3 Teilstr. 42000 Jl, bis 6 Teilstr 56 000 Jl, bis 9 Teilstr. 72000 Jl, ganzes Neb 90000 JL Schülerwochenkarten: sür 2 Fahrten tägl.: bis 5 Teilstr. 4200 M, über 6 Teilstr. £.600 Jl-, für 4 .Jährten tägl,: bis 5 Teilstr. 5600 Jl, über 5 Teilstr. 85D0 .#. Die Preise sür LehrlingSwochenkarten ent- sprechen denen der Schülerwochenkarten mit den sestaesebten Zuschlägen. Die Einkommensgrenze, bis zu der Lehrlingswochenkarten verausgabt werden, wird aus monatlich 200000 Jl erhöht. Der Preis der Zwickkarten sür KrieAsbelchädigte erhöbt sich aus 27000 Jl. «Hiervon trägt die Stadt die Hälfte.) ^.Dieunter Geltung des Tarif« vom 24. Juni inss AW verlieren...... _ Im Tarif der Karlsruher Lokalbahn tritt am Montag, den 9. Juli 2» ebenfalls eine Tariferhöhung und eine Kabrplanerveiterung ei». Nähere Auskunft erteilen die Stationen. Karlsruhe, den 5. Jnli 1928. StSdtifcheS Bahnamt. gegebenen Fahrscheinhefte können letztmalig am ltwoch, den IS. August 1928 benübt werden und lieren dann ihre Gültigkeit. Freiwillige Versteigerung! Zamstaa, 7. Juli, mittags 1 Uhr, «örnerft.14. Hos, werden im Auftrag gegen bar versteigert: 2 Betten, Kleiderschr.. Waschkommode, Zimmer- tisch, 1 Kochkiste m- Tövfen, Siachttisch, 1 gr. Ücber scekoner. 1 Beerenpresse liegestuhl, Fliigenl 1 große ®" ' * Äeerenvresse mit Mühle, Kranken liegenschrank. Svielwaren: darunter kisenbahn, diverse Schlosser- und Schreinerwerkzeuae Gas- und Wasserrotre, Silberstahl, dar. 2 Roiir- walzen Gr. 44-S7, 68 <89, sowie «ch reinerholz, Aenster mit Glas, jgr. Hostor 2-tItr mit Beschlag, GartengerSte, 1 Mebgerschrage und vieles sonst. Karl Ackermann, aaSWe'ss.«. /Heute, 6. Juli, 7 7 2 Uhr, Festhalle & Fritz Busch mit der CSM Dresdener Staatskapelle Weber* Oberon-Ouverture Schubert« H -moll-Symphonie Strauß t Till Eulenspiegel Beethoven , Eroika-Symphonie Karten bei Kurt Neufeldt. ; Badische Anilin- u. Soda-Fabrik Da die Zustellung des Lohnes mit Postscheck für die Zeit vom 1. bis 14. Juli auf Schwierigkeiten stößt, wird unseren rechtsrheinisch wohnenden Arbeitern der Lohnvorschuß für diese Zeit am Frei tag und Samstag dieser Woche in Mannheim im Rosengarten ausbezahlt Zur geordneten Durchführung der Zahlung ist es unbedingt notwendig, die nachstehend genannten Zeiten genau einzuhalten. Es wird gezahlt: Freitag, den 6. Juli von 9—12 Uhr an die in Mannheim und Vororten Wohnenden mit den Anfangsbuchstaben A bis K. Von 1—4 Uhr an die in Mannheim und Vororten Wohnenden mit den Anfangsbuchstaben L bis Z. Samstag, den 7. Juli von 9—12 Uhr an die außerhalb Mannheims Wohnenden mit den Anfangsbuchstaben A bis K. Von 1—4 Uhr an die außerhalb Mannheims Wohnenden mit den Anfangsbuchstaben L bis Z. Jeder Arbeiter muß sein Geld personlich unter Vorlage des Fabrikausweises und des polizeilichen Personalausweises abholen. An anderen Tagen werden keine Zahlungen vorgenommen. Mannheim, den 4. Juli 1923. Badische Anilin- u. Soda-FabriK. DieGemeindeReuburg- weier vergiut in öisrnt- licher Submisston t fetten Rindsarren u. 1 ab-, iingia. schwere« Schweinsfasel. Angebote sind längstens bis Dienstag, 10. Juli 1923, nachmittag« k> Uhr. beim Bürgermeisteramt vro Ztr. Lebendgewicht verschlossen mit der Auf- schrist Farreuvergebung^ einzureichen. Neuburgweier, den 8. Juli 1928. Bürgermeisteramt. Reichert. Ratschr- Becker. Mlu. nimmt Arbeit in Stickerei sHochsticken, Hohlsaum. Richelieu jc .) an. Schillerst!, lö, iv. r. MyiMWMl! sowie an Pianos u.Harmo- niums übernimmt z. geSieg. Ausführung Ludwig Schwcisqut, 4 Erbvrinzenstr. 4 Nagold. Gasthof und Pension „Zum Löwen" Reu renoviert. Erl»olungsbeviirft-ge finden gute Verpflegung bei angenehmem Au- senthalt. Franz Surlenbaur. Bei Anfragen Sitte Retur-Marke. K.SC.PHöMIX PMÖMX-AUMANMA Freitag, den 6. Juli 1923, abends 8 Uhr im Lokal (Schrentpp) ordentliche General-Versammlung Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Rechenschaftsbericht. 3. Spielbericht. 4. Neuwahlen. 5. Anträge. 6. Verschiedenes. Wir bitten um zahlreiche Beteiligung. Liederhalle Karlsruhe Samstag, 14. Jnli 1923 abends 8 Uhr im großen Festhallesaal Sommernachtsball mit Tanztourmer. (Die Preisrichter gehören nicht der Liederhalle an.) Zutritt nur im BaUanzug. Eintritt für Mitglieder Mk. 3000.—, Nichtmitglieder Mk. 10 000.—, an der Abendkasse Mk. 15 000.—. Kartenverkauf an Mitglieder Sonntag, 8. Juli, vorm. Vjll— l M Uhr im ..Löwenrachen" und ab 9. Juli in der Musikalienhandlung Fritz Müller, Kaiserstraße. Mitgliedskarten beim Kartenkauf und beim Eintritt vorzeigen. WELT-KINO Kaiserstraße 133 — Telephon 5448. Nur bis einschL Montag Die Herrin der Welt I IL Teil und Mit Büchse und ».Teil. Lasso i Städf. Konzerthaus. Leitung: Direktor Adalbert Steffter. Heute Freitae, den 6. Juli, abends 7'/j Uhr: letites Gastspiel urete Sedfitz vom Lessingtheater Berlin. Zum letzten Male: Die Bajadere Morgen Samstag, den 7. Juli, abends 7^2 Uhr: Zum ersten Male! Die FörstercHristel Operette in 3 Akten von Georg Jarno. In Szene gesetzt von Direktor Steffter. Mnslkal. Leitung: Kapellmeister Mflrl. Sonntag, den 8. Juli, 2 Vorstellungen, nachmittags 3% und abends 7»/a vhr. Die FörstercHristel Montag, den 9. Juli, abends 7^/g Uhr: Die FörstercHristel gleichzeitig auch für Mitglieder der Volksbühne U I, Badisches Landestheater. Freitag, den 6. Juli 7—»MIO Uhr Sp. I. 18000 Jl Abonn. D 24. Th.-Oem. B. V. B. Nr. 3901-4500. Die lustigen Weiber von Windsor. Die falkner auf Cindenböbe Roman von Reinhold Ortman». (57) (Nachdruck verboten.) „Um einen Mörder straflos ausgehen zu lassen? — Wenn das Ihre Meinung ist, Herr Sanitätsrat — meine ist es nicht. Ich will ihn auf dem Schaffst sehen." Das werden Sie nicht erleben. Sie sind ein Raubtier, Brandt! Wie kann man einen Menschen so wahnwitzig hassen, nur weil er einem mit einer Beschwerde gedroht hat!" „Sie haben es also nicht verstanden, was ich Ihnen einmal von dem hungrigen Betteljungen sagte, der durch die Glasscheibe den Schwelge- reten der Glücklichen zusehen muß?" „Verstanden habe ich es wohl: aber es paßt doch garnicht auf Sie und Germering. Sie sind meines Wissens viel reicher als er und könnten sich ohne große Mühe alle Vergnügungen ver- schaffen, die er vielleicht genießt." „Meinen Sie? — Auch die Liebe einer Frau, die dem schönen Manne zufliegt, während sie sich von dem häßlichen mit Geringschätzung ab- wendet?" Erstaunt sah ihn der Sanitätsrat an. ,J!st es das? Sie waren eifersüchtig auf ihn? Eifersüchtig im gewöhnlichen Sinne des Wor- tes?" Der Apotheker wehrte ab. „Welchen Zweck hat es, wenn ich ja oder nein sage? Sie find ein alter Mann, Herr Sanitäts- rat, der nichts mehr von Leidenschaften weiß. Und das, was ich in diesen letzten Wochen ge- litten, haben Sie wohl auch in jungen Jahren nicht am eigenen Leibe erfahren. Sie können auch nicht ahnen, was ich jetzt leide. Darum halten Sie mich lieber für einen Morphinisten und Trunkenbold. Dann wird eS Ihnen viel- leicht noch am leichtesten, mich zu verstehen." Barenthin schütttelte den Kops. „Es war kein guter Stern, der Sie nach Tie- fenbrunn geführt hat, Herr Brandt! Wenn Sie sich wenigstens jetzt noch zusammenreißen könn- ten! Die Frau, die Sie als die Gattin eines anderen niemals hätten gewinnen können- ist doch nun tot. Keiner kann sich mehr ihrer Liebe erfreuen. Das sollte genug sein, Sie wieder ruhig und vernünftig zu machen." „Ich bin ganz ruhig — verlassen Sie sich dar- auf. Und über das, was vernünftig oder unver- nünftig ist, kann man eben verschiedener Mei- nnng sein. Außerdem nehmen die Dinge ja jetzt ihren Lauf, und keiner von uns beiden kann ihn aufhalten. Auch daß Sie plötzlich seinen Fürsprecher machen wollen, wird Germering nicht retten." „Es fällt mir nicht ein, seinen Fürsprecher zu machen. Ich will mir nur nicht die Finger ver- brennen, das ist alles." Konrad Brandt nickte mit dem vorigen, ver- ständnisvoll ironischen Lächeln. Während er den Sanitatsrat hinaus geleitete, fragte er: „Wieviel Zeit wird man nach Ihrer Meinung für die chemische Untersuchung brauchen?" „Das entzieht sich meiner Beurteilung. Mög- licherweise bedarf es sehr umständlicher und zeit- raubender Prozeduren. Mir sind Fälle bekannt, in denen man erst nach einer langen Reihe von Tagen zu bestimmten Schlußfolgerungen ge- langte." „Nun, wir können ja warten. Für eine» Ver such, sich aus dem Staube zu. machen, ist er zu klug. Auch wenn er schon Unrat gewittert hat. Er weiß, daß er es auf den Kampf um Leben oder Tod ankommen lassen muß. Er wird sich auch jetzt auf seine bestechende Persönlichkeit ver. lassen. Aber es gibt glücklicherweise noch Fälle, in denen auch die Kraft und die Schönheit ver- sagen." Tag um Tag vergingen, ohne daß die fieber- Haft gespannten Tiesenbrunner in ihrem „An- zeiger" gesunden hätten, was sie suchten. Nie hatten sie begieriger auf das Erscheinen. ihres Blattes gewartet, als jetzt: nie hatten sie die Spalten, die den „Lokalen Ereignissen" vor- behalten waren, mit heißerem Wissensdurst durchforscht. Aber ts war immer wieder um- sonst. Mit keinem Wort kam die Zeitung auf die Angelegenheit Falkner, die für die meisten bereits zu einer Angelegenheit Germering ge- worden war. zurück. Man sah den stadtbekann- ten jungen Arzt nach wie vor seinen Berufs- pflichten nachgehen, und selbst die schärfsten Au- gen bemühten sich vergebens, einen anderen Schuldbeweis auf seinem Gesicht zu lesen, als den unverständlich tiefen Ernst, der sich aller, dings ziemlich auffallend von seinem früheren frischen und munteren Wesen unterschied. In ihrer einmal gefaßten Meinung und in ihrer Hoffnung ließen sie sich dadurch freilich nicht irremachen Die Tiesenbrunner Chronik war zu arm an aufregenden Kriminalfällen, als daß man sich um die Aussicht aus diesen einen so leicht hätte betrügen lassen. Irgend etwas mußte unbedingt noch geschehen. Daß man so lange darauf warten mußte, gab den geschwätzt- gen Zungen nur desto ausgiebigere Gelegen- heit, sich in den kühnsten und phantastischsten Vermutungen zu ergehen. Inwieweit Dr. Germering die bei der Ein« wohnerschaft herrschende Stimmung zum Be- wußtsein gekommen war, blieb ungewiß. Tat- fache ivar nur, daß er auch die wenigen gesell- schaftlichen Beziehungen, die er bisher unter- halten, so gut wie ganz abgebrochen hatte. Er erschien nicht mehr an dem Gastbausstammtisch, der ihn zuweilen in fröhlicher Tafelrunde ge- sehen, in einigen Familien, zu denen er in dem Verhältnis eines Hausarztes stand. Seine Praxis aber schien sich in der kurzen Zeit bereits erheblich vermindert zu haben. Denn man konnte ihn jetzt des öfteren als einsamen Spa- ziergänger in den Anlagen sehen, die sich längs des Lindenwegs bis zur Lindenhöhe hinauf- zogen. Auf einem dieser Spaziergänge war es. wo er, in einen Seitenweg einbiegend, plötzlich vor Gerda Falkner stand. Keiner von ihnen war auf die Begegnung vorbereitet gewesen, und der Augenblick des Erkennens brachte wohl auf beiden Seiten die gleiche Bestürzung hervor. Aber während eGrda nach einem flüchtigen Zu- sammenfahren Miene machte, ihren Weg un- beirrt fortzusetzen, führte der kurze Kampf des jungen Arztes zu einer entschlossenen Tat. Mit dem Hute in der Hand vertrat er der Tochter Bernhard Falkner g-eradezn den Weg. „Guten Tag, gnädiges Fräulein!" sagte er. „Da es der Zufall so gut mit mir meint — darf ich mir vielleicht einige Augenblicke freundlichen Gehörs erbitten? Gerda zauderte. Doch nur für eine kurze Zeitspanne. Dann erhob sie mit einer stolzen Bewegung den Kopf. „Ich bin zu einer eiligen Besorgung unter- Wegs. Aber wenn es etwas sehr Dringendes ist, das Sie mir zu sagen wünschen — „Ja — etwas sehr Dringendes — wenigstens für mich. Trotzdem würde ich darauf verzichten, wenn ich annehmen müßte, daß es Ihnen pein- lich oder beschämend wäre, in meiner Gesell- schaft gesehen zu werden." lFortsetzung folgt.) Zwei tes Dlatt Ministerpräsident von knilling Über die außenpolitische Lage. Der bayerische Ministerpräsident von K n i l - ling hat aus Anlaß der Haushaltsberatung des Ministeriums des Aeutzeren eine bedeu» tungsvolle Rede über die außenpolitische Lage gehalten, in der er zunächst die Rhein- und Ruhrfrage besprach. Er stellte fest, daß von einem schuldhaften Verhalten Deutschlands, das die Franzosen zum Borwand für den Einbruch JjjK Ruhrgebiet nehmen, keine Rede sein kann. Aber selbst, wenn die von Frankreich behaupte- ten tatsächlichen Verfehlungen zutreffend wären, tonnten sie doch kein Grund für das französische Borgehen sein. Es bleibe vielmehr auch dann ein frevelhafter Bruch des Berfailler Vertrages und des Völkerrechtes und eine brutale rechts- widrige Vergewaltigung eines wehrlosen Vol- kes. Das französische Zie! sei überhaupt kein wirtschaftliches, sondern ein politisches. Was letzt vor sich gehe, s?i nicht mehr und nicht weni- Ter als die Wiederholung der Politik Ludwigs XIV. und Napoleons I. Es hanöle sich nicht mehr um ein deutsches, sondern um ein europäisches, ?a um ein Weltproblem. Deutschland kämpfe an der Ruhr und am Rhein nicht nur um seine Existenz, sondern um den Frieden Europas. Die Herrschaft der Franzosen am Rhein bedeute nicht nur die Unterjochung Deutschlands, son- oern Hegemonie der französischen Gewalt- und Eroberungspolitik in Europa. Der Minister Seiselte hierauf mit scharfen Worten das brutale Verhalten der Franzosen im besetzten Gebiet und gedachte hierbei auch Schlageters. Dr, v. Knilling verwies in diesem Zusammenhang darauf, daß sich die französische Regierung dar- über beschwert habe, daß ein französischer Mini- Uer die Bezeichnung „Feind" auf Frankreich angewendet habe, und bemerkte hierzu: Wir sollen auch nicht einmal mehr die Dinge mit ihrem rechten Namen nennen. Ausführlich kam der Ministerpräsident dann auf die S ch u l d f r a g e zu sprechen und bezeich- uete die Schuld Deutschlands am Weltkriege alS die größte Lüge der Weltgeschichte. Auf Grund der bisherigen Aktenveröffentlichun- gen könne man schon heute davon überzeugt sein, daß nicht Deutschland, sondern Frankreich diesen Krieg verschuldet habe. Er nahm besonders Bezug auf die neueste Ausgabe des in Frank- reich erschienenen Russischen Schwarzbuches und suhr bann fort, alle Kreise des deutschen Volkes erwarten deshalb, daß die Reichsregie- Jung in der Schuldfrage zur Offen- sive übergeht und von den Wahrheitszeug- Nissen Gebrauch macht, die den russischen Archiven zu verdanken seien und durch die der fran« Mischen Eroberungspolitik die heuchlerische Maske der Friedfertigkeit vom Gesicht gerissen werde. Nur unter dem Eindruck der Blockade gegen Frauen und Kinder sei die deutsche Unter- schrist unter den Bertrag von Versailles erpreßt worden. Diese auf falschen Voraussetzungen beruhende Unterschrift müsse heute jeder gerecht denkende als null und nichtig erkennen. v. Knilling erklärte nachdrücklich, daß ein Ver- handeln über das politische Ziel der Franzosen unmöglich sei. Deutsches Land und deutsche Souveränität dürften nie und nimmer zum Ge» genstand diplomatischer Verhandlungen und Kompensationen gemacht werden. lieber Meinungsverschiedenheiten, die in wirt- schaftlicher Beziehung über Höhe und Zeitpunkt öer von uns aufzubringenden Leistungen und über das Maß der deutschen Leistungsfähigkeit bestehen, sind Verhandlungen möglich. Aber ohne Rückgängigmachung der ungerechten Maß- nahmen gegen treudeutsche Volksgenossen, ohne Aushebung der Ausweisungen und kriegsgericht- uchen Urteile gibt es keine wirtschaftliche Ver- uändigungz Solange Frankreich am -"Hein steht, gibt es für Europak ei« e n Frieden. Am 2. Mai hat die Reichs- regierung an die alliierten Mächte eine Note ge- Achtet, in der sie erneut die Bereitwilligkeit zu Verhandlungen erklärte. Ich war nicht in allem damit einverstanden. Bayern wuß es als sein gutes Recht ansehen Jw einzelnen Falle, zumal in einer für das Reich so folgenschweren 6rage, seine abweichende Meinung üegeenüber der Reichsregierung zu Zertreten. Eine Reichsregierung, die den berechtigten Lebensnotwendigkeiten der Länder gebührend Rechnung trägt, und die eine ziel- bewußte, von nationaler Würde getragene -neichspolitik als Aufgabe betrachtet, wird -«ayern stets als getreuesten Gefolgsmann an der Seite haben. Die gegenwärtige -tteichsregierung kann das Ver- trauen beanspruchen, daß sie diesen Er- wrdernissen gerecht wirb. Alle Gerüchte von einer auch nur vorübergehenden Verstimmung zwischen der Reichsregierung und der bayeri- ichen Landesregierung aus jenem Anlasse muß Ja) als das bezeichnen, was sie sind: als haltlose Erfindungen. Der englische Premierminister bat vor kurzem in einer Rede gesagt, man sehe beute die Zivilisation in die Brüche gehen und die ganze Welt erhoffe Heil vom britischen Deiche und von den Vereinigten Staaten von Amerika. Die Entscheidung, um die es gegen- wärtig geht, ist die gleiche, wie zu den Zeiten Ludwigs XIV. und Napoleons I. Bon ihr hängt das Schicksal Europas ab, und wie damals ist es {juch jetzt wieder in erster Reihe in die Hand Englands gelegt. Wie auch die Würfel fallen wögen, dessen müssen mir uns bewußt sein, daß gerade jetzt, wo vielleicht noch bange schwere Lochen oder auch Monate bis zu einer klaren Entscheidung vergehen können, unsere Wider- standskrasl nicht erlahmen darf. Würden wir letzt nach solchen Opfern »ud Leiden kleinmütig und schlapp befunden, wir würden den Krieg Mm zweiten Male und nur noch entscheidender und endgültiger verlieren als im Jahre 1918, als das deutsche Volk in seinem Nervenzusam- wenbruch seine Waffen wegwarf. Der /harte Kampf, der noch zu bestehen ist, geht um unser Schicksal, um Deutschlands Zukunft, um Güter, mr deren Verteidigung jeder Deutsche sein Herzblut hingeben muh: um die deutsche Frei- heit, um Ehre und Wohlfahrt. Karlsruher Tagblatt» Aus Saöen e. Durlach, 5. Julli. Um die im Interesse der Milchversorgung wichtige Fortführung des städtischen Gutsbetriebes rationeller zu ««stalten, wird vom Stadtrat beschlossen, auf dem Gelände der Gutsav-irtschaft ein Verwaltungsgebäude mit Wohnung für den Verwalter und Aufenthalts- bezw. Unterkunftsräumen der im Gut Met rieb beschäftigten Volontäre, Melker und Fuhrleute m erstellen sowie die Stallungen durch Errich- tun« eines Jungvieh- und Gespanntierstalles zu erweitern. Der Gesamtaufwand mit zirka 812 Millionen Mark ist aus Anlehensniitteln zu bellreiten und aus Wirtschastsmitteln des Guts- betriebs in spätestens 4 Jahren heimzuzahlen. — Die Kegellgesellschaft ,>Alle 'Neun" hat «tö Reinerlös aus einem Preisikegeln 87000 Mk. für das städtische Kindererhowng^he im Turmberg Wer» wiesen. = Mannheim. 5. Juli. Der 13 Jahre alte Volksschüler PH. S ch w ö b e l, in Ludwigshafen ist im Rhein an der Kaimauer der Hafen- ichleusenanlagen beim Fischen ins Wasser ae- fallen und e r t r u k e n. Die Leiche des Knaben wurde einige Zeit später geländet. = Dossenheim bei Heidelberg, 5. Juli. Beim Heuholen st ü r z t e der 47 jährige Landwirt Georg Mühlbauer infolge Scheuens seiner Kühe vom Wagen. Er wurde überfahren und noch ein Stück geschleift und erlitt so schwere Verletzungen, daß er starb. Eberbach. 5. Juli. Nach fast 27jähriger Tätig- keit i nhiesiger Stadt ist dieser Tage Stadtpfar- rer Graf gestorben. Freiburg i. Br., 5. Juli. Dem BürgerauS- schuß ist seitens des Stadtrats eine Vorlage zur Genehmigung zugegangen, die für eine Elektrofutteranlage auf dem Riefelgut einen Nachtragskrebit in Höhe von 100 Millionen Mark vorsieht. Die Kostenberechnung beläuft sich ins- gesamt auf 140 Millionen Mark. — Für die In- standsetzung der Karlskaserne zur Unterbringung der Handelsschule und der städtischen Aemter ist ein Nachtragskrebit von 1137178 M zu genehmigen. — Zur Bereitstellung von Grundstocks- Mitteln für die Finanzierung des Elzwerkes soll mit tunlichster Beschleunigung ein außerordent- licher Holzhieb bis zur Höhe von 20 000 Fest- meiern geschlagen werden. - Freiburg. 5. Juli. Hier wird teilweise der vollselbständige Fernsprechbetrieb ein- geführt. - Freiburg, 5. Juli. Der Sonderzug aelegent- lich des 18. Turnfestes in München fährt hier am Freitag, den 13. Juli, vormittags 10.20 Uhr, ab un'd trifft abends 9 Uhr in München «in. Ueber die Rückfahrt schweben noch Berhandlun- gen. b. Jechtingeu, 5. Juli. Am 15. Juli kann der seit 3 Jahren 'hier im Ruhestand lebende Psar- rer Anton Schauber sein goldenes Prie- fterjubiläum feiern. Von 23 Kursgenossen, die mit ihm die Priesterweihe empfingen, ist er mit seinem in Ue-berlingen im Ruhestand leben» den Schwager, dem hier gebürtigen JuliuS v. Wover, der einzig« badische Geistliche, der die- ses Fest erloben darf. Drei KurAgenossen 'des Jubilars wirken in HohenzMern. S. Kirchen, 5. Juli. sDrahtber.) Der Land» wirt Fritz Walter war mit seinem Fuhrwerk fortgefahren, um Klee m holen. Als man nach einer Stunde 'das Fuhrwerk führerlos antraf, ging man der Spur nach und fand Walter an einem Baum tot liegen. Wie 'der Tod eintrat, konnte nicht festgestellt werden. Anscheinend ist das eine Rad über Walter hinweggegangen. Der Verunglückte stand im 55. Lebensjahre. d. Bugginge», 5. Juli. sDrahtber.) Heute nacht hat sich im Kali-Schacht dadurch ein Unglück ereignet, daß infolge Platzens der Ver- schlußklappe an einer Pumpe ein Beamter und fünf Arbeiter durch ausströmenden Dampf verletzt würben. Zwei vom den Beriletz- ten mußten in öaÄ Müllheimer Spital gebracht werden, während die anderen in ihrer Wohnung behandelt werden konnten. d. Kollmarsrente, 5. Juli. sDrahtber.) Der zehnjährige Knabe der Witwe Gut jähr wurde gestern abend von einem Wald kircher Lastkraft- wagen übe rfahr en und so schwer verletzt, daß der Tod auf der Stelle eintrat. = Tiengen, 5. Juli. sDrahtber.) Im hiesigen Gipssteinbruch verunglückte der 17jährige Ar- beiter Erne dadurch tödlich, daß er bei der Handhabung der Kippwagen an der Drahtseil- bahn vom Drahtseil einen Schlag an den Hals erhielt, der ihm die Halsschlagader zertrüm- merte. X Staufen, 8. Juli. Der am vergangenen Sonntag durch Sturz vom Kirschbaum v e r u n « glückte Fabrikarbeiter Brüstle ist seinen schweren Verletzungen erlegen. Der auf so tragische Weise ums Leben Gekommene hinter- läßt vier unmündige Kinder. = Waldshut. 5. Juli. Im Fabrikkanal in U n t e r e g g i n g e n ist der 53jährige Fabrik- arbeiter Friedrich G ä b e l e ans Gebweiler e r - trunken. - Lörrach, 5. Juli. Auf der Basier Straße haben drei Gauner zwei etwa 12 Jahre alte Knaben» die auf einem Wägelchen Holz holen sollten, die zu diesem Zwecke bestimmten 40000 Mark aus der Tasche gestohlen. Bisher konn- ten die Diebe noch nicht ermittelt werden. - Slus dem Hegau, 5. Juli. In der hiesigen Gegend ist die Heuernte ziemlich beendet. Sowohl mit der Quantität als auch mit der Qualität der Ernte ist mau im allgemeinen recht zufrieden. Auch die Frucht zeigt bis jetzt einen schönen Stand, doch sind Heiße Tage nötig, um die Blüte zu bewirken. Weniger günstig sind die Aussichten für die Reben. . Konstanz. 5. Juli. In einem Hause in der Jvhianngasse, das seit Jahren von sieben Par- teien bewohnt wird, hat der auswärts wohnende Eigentümer den Mietern den Vorschlag gemacht, zwei Jahre lang mietfrei wohnen zu dürfen, wenn sie ihren Reparaturwünschen selbst nachkommen. Die Mieter sollen aus das Ange- bot ihres Vermieters verzichtet Hülben. - Bon der Schweizer Grenze. 5. Juli. Wie aus Frauenfeld gemeldet wird, haben die Ende Juni dort vorgekommenen Pockenfälle glück- ig. den S. Juli 1928 —— licherweife nicht zu einer weiteren Ausbreitung der rKankheit geführt. Es dürfte dies auf die sofort vorgenommenen Maßnahmen — fast all- gemeine Jmpfug — zurückzuführen sein. Nur ein einziger weiterer Fall ist am letzten SamS- tag noch gemeldet worden. Ms öemStaötkreile Ueber die Mordaffäre, die sich, wie gemeldet, am Mittwoch nachmittag in der Durlacherstraße ereignet hat, ist noch zu berichten: Der flüchtige Täter, der 22 Jahre alte Taglöhn er Reithner, der hier in der Gren»straße wohnt, ist bei der „Jvus" in der Durlacher Allee beschäftigt gewesen. An dem Mordtage begab er sich mit einigen Arbeitskollegen in die Durlacherstraße, angeb- lich in der Absicht, ein Paar Schuhe zu kaufen. Das Ladenlokal liegt so, daß man von außen nicht erkennen kann, was im Innern vorgeht. Nach Betreten des Ladens durch Reithner hör- ten die Anwohner fürchterliche Hilferufe, worauf sie die durch einen tiefen Stich in den Hals ver- letzte Frau Fuchs über die Straße eilen sahen. Auch der Mörder tom eiligst auf die Straße und wurde von einigen Bewohnern noch feftgehal- ten, die vermuteten, daß der Davoneilende etwas gestohlen habe. Man rief allgemein, wie es im Bollksrnnnd heißt: Hebet ihn! In der Erregung, die sich der Leute begreiflicherweise be- nwtdjttgt hatte, ließen sie den Betreffenden wie- der laufen, da er beteuert«, es handle sich gar nicht um ihn, sondern um einen anderem So konnte es dem Täter in der Erregung gelingen, zu flüchten. Er begab sich dann durch eine der Seitenstraßen auf die Kaiserstraße und in seine Wohnung in der Grenzstraße. Er wohnt hier bei seinem Großvater, bei einem Zimmermann namens Fischer, mit dem er sich, nachdem er sich umgezogen hatte, in eine Wirtschaft in der Kai- ser-Allee begab, wo die Beiden einige Glas Bier tranken. Seinem Großvater ist aber auch die Erregung nicht entgangen, die sich des Berbre- chers bemächtigt hatte. Gegen 7 Uhr entfernte sich Reithner, vermutlich nach dem Bahnhof und in das besetzte GSbiet, für das er einen Paß be- sitzt, nachdem er vorher einem Verhältnis, das er unterhält und von dem er ein Kind besitzt, einen Bejlnch gemacht hatte. Di- Sektion der Leiche wurde gestern nachmittag "vorgenommen. In der Wohnung des Reithner wurde auch ein Messer gefunden, das ihm gehört. Der Mann der getöteten Frau Fuchs befand sich auf einer Geschäftsreise in Mannheim i nicht Frankfurt). Die Untersuchung der Movdaffare wird von Oberstaatsanwalt Dr. Rubmann geleitet. Die Reichsindex,'.iffer für die Lebenshaltungs- kosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Be- leuchtung und Bekleidung) stellt sich laut Fest- stellung des Statistis«ben Reichsamts im Durchschnitt des Monat Juni auf 7650 (1918/14 = 1) gegenüber 8816 im Mai. Die Steigerung gegenüber dem Vormonat beträgt somit 100,5 Prozent. Die Indexziffer ohne Bekleidung beträgt 6778, die Steigerung gegenüber Mai 08,2 Prozent. Die Ernährungskosten allein sind um 102,8 Prozent auf das S847sache, die Bekleidungskosten um 109,6 Prozent auf das 11935 fache der Vorkriegszeit gestiegen. Diese Ziffern sind in- zwischen infolge der sprunghaften Preissteige- rungen sämtlicher Lebensbedürfnisse wesentlich überholt. Am 20. Juni war die Gesamtindex- ziffer auf 9272 gestiegen, am 27. Juni, dem Mitt- woch der letzten Juniwoche, auf 11785. Zugsverkehr »ach Herrenalb. Wie der Ver- kehrsverein mitteilt, ist es der Kurverwaltung Herrenalb gelungen, am kommenden Sonntag, 8. Juli, abends, eine weitere Vorstellung des Badischen Landestheaters mit Halbes „Strom" zur Aufführung zu bringen, nachdem die Direk- tion der Albtalbahn nach Schluß der Borstel- luug den Bedarfzug ab Herrenalb 10,40 Uhr nach Karlsruhe verkehren läßt. Zu diesem Zug haben aber die Sonntagsrückfahrkarten keine Gültigkeit. Doch ist es den Besuchern des Alb- tals ermöglicht, den Abend dort zu verbringen. Schüleraufführungen des Badische» Konler- vatoriums. Den Hauptteil des Programms des III. Vortragsabends bestritt die schon im ersren Vorspiel hervorstechende Eugenie Schneider mit Klavier-vorträgen. einer Mozart-Sonate und geschmackvoll ineinander greifenden Chopinstük- km. Eine starke Gestaltungsgabe ist der jungen Dame eigen, die durch eine bereits ansehnliche Technik gestützt wird. Mit schöner Stimme, musikalisch empfindend, doch ein wenig blaß im Ausdruck, sang Wilhelm Brockhaus eine Arie aus den Jahreszeiten" von Haydn und drei Lie- der aus der „Winterreise" von Schubert, gewandt begleitet von Else Bodfeld. Mit überraschen- der geistiger Reife und eimvand freier Technik packte die noch junge Hilde Bürgelin Schumanns „DavidbündlcrtäNize" an: mit Kraft, In» telligenz, sicherem Stilgefühl wurden Hanna H u b e r und Gertrud Rottengatter Brahms Bariationcn'werl über ein Haydnsches Thema gerecht. mt. Wochenmarktpreise der wichtigste» Lebeusmit« tel in Karlsruhe am 5. Juli. (5cach Mitteilung des Städt. Statistischen Amts.) Ochsensleisch mit Knochen 18—22 000 Jl, Rindfleisch mit Knochen 16—22 000 JL, Kuhfleisch mit Knochen 14 bis 16000 Jl, Kalbfleisch mit Knochen 24 000 k, Hammelfleisch mit Knochen 22 000 JL, Schweinefleisch mit Knochen 20—26 00V JL, Hühner (Henne) St. 15—80(700 M, Gänse, lebend St. 60 bis 80 000 M, Kabeljau Pfd. 18 000 .Ä, Schellfisch Pfd 16 000 JL, Kartoffeln, neue. Pfd. 1500 JL, Weißkraut Pfd. 1000 M, Blumenkohl 5000-7000 Jl, Wirsing Pfd. 1000 Jl, Spinat Pfd. 1000 Jl, Mangold Pfd. 600 A, Karotten Bund 1000—1200 .U, Kohlrabi 1 Pfd. 1200—1500 Jl, Erbsen, grüne, Pfund 3800—4000 .k, Kopfsalat St 100—400 M, Rettich. St. 200—500 M, Radieschen, Bund 250 bis 400 .H, Spargel Pfd. 3800—5200 Jl. Zwiebeln Pfd. 800—1200 .H, Lauch St. 300 .H, Kirschen Pfd. 2800—3300 .Ä, Erdbeeren Pfd. 6500—7000 Jl, Heidelbeeren Pfd. 4500 Jl, Himbeeren Pfd. 6500 ,Ä, Johannisbeeren Pfd. 2800 JL, Stachelbeeren Pfd. 1800—2000 Jl, Orangen St. 800—1500 Jl, Eierfrische St. 1500—1700 Jl, Tafelbutter Pfd. 84 000 bis 36 000 Jl Schweineschmalz, ausl. Pfd. 28 000 M, Schweizerkäse Pfd. 18 000 M, Limburgerkäse Pfd. 14 000 M, Rahmkäse Pfd. 10400—12 000 M. Rücksichtsloser Radfahrer. Donnerstag abend wurde, ein Dienstmädchen von hier, als es an der Haltestelle Mühw>urger Tor in einen Stra- Mr. 184. Seite S. ßenbiahnwagen ■ einsteigen wollte, von einem 15 Jahre alten Schreinerlehrling, der feine 13jährige Schwester bei sich auf dem Rade sitzen hatte, angefahren und .zu Boden geworfen. Da sie noch einen Korlb mit 100 Eiern bei sich 'hatte, die mit zu Boden fielen, erlitt die Dienstherr- schaft einen Schaden von 150 000 Mk. Mitteilungen des Bad. Landestheate». In der am Sonntag als lebte Vorstellung vor de» Ferien stattfindenden Aufführnng von Wagners .Loben- grin' wird sich Herr Zilkcn, wie bereits bekanntgegeben. vom hiesigen Pnbliknm verabschieden. Als Elsa gastiert seine Gattin. Frau AgneS Zilken-Poschner. Chronik der vereine. Abeuduuterjaltusg des Karlsrnber !>us>ball»erei«s. Zu Ehren der Nürnberger Gäste hatte der K.K.B, am SamStag in der Eintracht eine Abendunterhaltung veranstaltet, deren schöner und gemütlicher Verlans den starken Besuch rechtfertigte. Alle Darbietungen waren gleich hervorragend und erzeugten eine Stimmung des Frohsinns, die dem verdienstvollen Leiter der Beran- staltung. Herrn A. Rempv. Dank und Aufmunterung zugleich sein dürfte. Das Gebiet des ernsten Kunst- k gelang« bestritten Herr Weyrauch in bekannt meister- licher Weise und das klangvolle Dovoelauartett der Coneordia sowie Bereinsmitglied Opernsänger Warth. Als Meister des Overettengesangs und des Wiener Lie- de« erwies sich wieder Herr I. Steiner au» Wien. Die komischen Vorträge der Herren Sonntag und W. Edcr erregten den stets gewohnten Beifall. Die kleine Frl. Eberl- konnte sich mit ihren reizenden Tänzen voll behaupten. Ganz vortrefflich patzte in die- feS Programm das von einer Jugendmannschaft im Dretz vorgetragene Fntzballerlied.. Im ganzen gcnom- men bot die Veranstaltung, um deren Gelingen sich Herr W. Eber als Begleiter besonders verdient machte, jedem so viel Schönes, datz eine baldige Wiederholung für den Borstand kein all,« grohes Risiko sein dürfte. Werkmeisterbezirksverein. In der Alten Brauerei Kämmerer hielt der Berein am Dienstag abend eine Monatsversammlung ab. Vor Eintritt in die Tages- ordnnng machte der Borsitzende, Herr R u h m a n n , die Mitteilung, datz Herr G. Martin sein SSjährigeS Berbantsjubiläum begehen könne. Nach Kenntnis- nähme der Eingänge erstattete der Vorsitzende Bericht über die Vorsitzcndcnkonserenz der Gruvve 8 in Pforzheim, die allseits begrützt wurde. Im wetteren wurde bekannt gegeben, datz an Stelle des als Gruppenvor- sitzender zurückgetretenen Herrn Benz sich Herr Köhl bereit erklärt habe, sür die Restdienstzeit daS Amt deS Vorsitzenden zn übernehmen. Die Frage der Trennung des »BezirkSvercins in Ost und West wurde einstweilen zurückgestellt, da durch Pacht de? FriebrichSbofc» durch den Zentralverband auch der Werkmeisterverein seine Geschäftsstelle nach dort verlegen werde und auch feine Versammlungen dort abhalten werde und deshalb vor- läufig eine Trennung untunlich sei. Nach Erledigung verschiedener Anfragen erstattete Kassier Bach den Kassenbericht pro 2. Quartal, womit die Versammlung ihren Abschluh fand. , —n— Deranstalwngen. Promenadekonzert auf dem Schloßplatz. Der Musik- verein Karlsruhe veranstaltet anf Anregung des Verkehrsvereins am Sonntag, 8. Jnli. vormittags H12 Uhr, auf dem Schlotzplatz ein Promenadekonzert. Sommeroverette im Städt. Konzerthaus. Heute Frei- tag findet die letzte Ausführung der Operette „Die Baja- der-' statt, in der sich Frl. Grete Sedlltz vom hie- sigen Publikum verabschieden wird. Morgen, Samstag abend ist die Erstausführung der Operette «Die Förster- christel" von Georg Jarno. Leiter der Ausführung ist Direktor Steffter: die musikalische Leitung hat Kapell- meister Mürl. Sonntag, den 8. Juli, finden zwei Vor- Stellungen statt, nachmittags 8% und abends 7% Uhr die Operette „Förfterchristel". Die Dresdener Staatskapelle gibt beute, Freitag, abends 7V4 Uhr. in der Festhalle daS wiederholt an- gekündigte Snmvhoniekonzert uuter Leitung ihres Generalmusikdirektors Fritz Busch. DaS Orchester zählt bekanntlich zu den allerbesten: eS ist die» die erste Konzertreise, die von ihm unternommen wird, daher dürste daS außerordentliche Interesse. daS sich nicht nur in Karlsruhe, sondern auch in allen Nachbarstädten zeigt, vollauf gerechtfertigt sein. Vielsachen Wünschen entsprechend wurde das Programm insofern geändert. alS die „Eroiea"-Svmphonie von Beethoven an den Schlutz gestellt worden ist. Um eine allzu lange Dauer zu vermeiden, wird an Stelle der ursprünglich fest- gesetzten D-Dnr-Somphonie von Brahms die „Un- vollendete" von Schubert gespielt. Der grötzte Teil der Eintrittskarten ist bereits verkauft: da es zweifelhaft ist, ob an der Abendkasse noch Karten zu haben sind, ist es empscblcnswert, diese im Vorverkauf m lösen bei Kurt Neufeldt. Die Bitrgervereinlgung der Weststadt veranstaltet in Verbindung mit dem Mnsikverein Konkordia am Samstag. den 7. Juli, abends 8 Uhr. eine WohltiitigkeitSauf- führnng in Form einer Lindenblütenfeicr auf dem Gntenbergplatz hier. DaS Fest wird aus musikalischen Darbietungen. Gcsangsvorträgen, einem Kinderumzug und bengalischer Beleuchtung deS MarktbrnnnenS bestehen. An den Zugängen zum Gutenbergplatz werden freiwillige Spenden entgegengenommen, deren Rein- ertrag der Altershilfe zur Verwendung für Bedürftige der Weststadt zugeführt wird. Standesbuch-Auszüge. Todesfälle. 8. Juli: Augusta Heppeler, alt so Jahre. Ehefrau des Redakteurs Ab. Heppeler: Eugen Steinhäuser. Holzdreher. ledig, alt 24 Jahre. — 4. Juli: Rosina Schön, alt Sb Jahre. Witwe d«S Schlossers Johann Schön. — 5. Juli: Dg. Wiebelt, Maurer, Ehemann, alt 4g Jahre. öcrirlrwlaal Sarlsruher Schwurgericht. ^ Karlsruhe, 5. Juli. Wegen Körperverletzung mit nachgefolgtem Tode standen heute der 25 jährige verheiratete Steinhauer Karl Z w i n g e r t und der 25 jährige verheiratete Landwirt Stephan Mast, beide aus Varnhalt, vor den Geschworenen. Sie waren beim Wil- dern mit dem Waldhüter Brutscher zusammen- gestoßen, wobei Brutscher zwei Schüsse erhielt, die seinen Tod herbeiführten. Die Tat war am 20. November 1910 begangen worden, und erst jetzt konnte ihre Aufklärung erfolgen. Zwingert erhielt 1% Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehr- Verlust, und Mast 2^ Jahre Gefängnis. — In der Nachmittagssitzung wurde der Landwirt Gu- stav G a m e r aus Graben wegen Notzuchtver- such zu 10 Monaten Gefängnis abzüglich sechs Wochen Untersuchungshast, bei Strafaufschub auf Wohlverhalten, verurteilt. * — Mannheim, 5. Juli. Das Urteil in dem Schwurgerichtsprozeß wegen des Raub- morbs an dem Kaufmann Aronsfrau lantete gegen Däumling auf \y> Jahre und gegen Ueber auf 4 Jahre Gefängnis. Als strafver- schärfend kam die Schwere der Tat, als strafmil- derud bei Däumling seine Jugend und seine erb- liche Belastung und bei Ueber sein reumütiges Geständnis in Betracht. Nr. 184. Seite S Karlsruher Tagblatt, Freitag, den 6. Juli 1V2S Zweites Blatt Die Geburten in der Stadt Karlsruhe im Jahre 1922. Mitgeteilt vom städtischen Statistischen Amt.) Der Geburtenausffall. den 'Her Krieg im Ge- folge hatte, hört mit Juli 1919 auif. Im August 1919 war die Z a h 1 derLevendgeborenen l'die Totgeborenen sollen zunächst außer Betracht bleiben) um 95 größer als im Juli. Während im August 1918 142 Kinder geboren wurden, waren es im Jahre 1919 im August 268, im Septem» ber 316, Oktober 331, November 340 und Dezcm- ber 301, zusammen 490 mehr als in den gleichen Monaten des Jahres 1914. Die November-Ziffer ist die höchst«, die hier jemals in einem Mo- nat festgestellt worden ist. Wenn auch seitdem die Zahl der Lebendgeborenen zurückgeht, zu- nächst hielt sie sich immer noch auf großer Höhe. In den einzelnen Monaten des Jahres 1920 schwankte sie zwischen 250 und 329, 1921 zwischen 243 und 313 und 1922 Mischen 199 und 275. Schon aus diesen Spannungsziffern erkennt man, wie wir uns vom Kinderreichtum ber Zeitspanne August 1919/ März 1920 entfernen. Nach Kalenderjahren betrachtet, ergeben sich für 1920 3371 Lcbendgeborene, für 1921 3212, für 1922 nur noch 2870. Stellen schon die Jahre 1920 und 1921 nicht die des größten Kindersegens dar — die Zeitspanne 1907 bis 1910 weist im jährlichen Durch- schnitt höhere Kinderzahl auf — so haben wir im Ia>hre 1922, vor allem in seiner 2. Sülfte, die Vorkriegszeit nach unten bereits überschritten. Denn 1912 zählte' man 3001 Lebendgeborene, 1913 2882 und 1914 2926. Im Jahre 1922 wurden nur noch so viel Kinder geboren wie etwa im Jahre 1900, als Karlsruhe um rund 40 000 Ein- wohner kleiner war. Damals entfielen auf je 1000 Einwohner 30 Geburten, 1922 waren es nur noch 21. In der Reihe der Jahre nach 1900 war bischer svon der unter der Einwirkung des Krie- «es stechenden Zeitspanne abgesehen) 1913 das Jahr, das die wenigsten Geburten aufzuweisen hatte. Jetzt ist sein Minus-Rekord vom Jahre 1922 überholt worden. Und in den ersten 4 Mo- naten des Jahres 1928 hat dieser Rückgang wei- tere Fortschritte gemacht. Schon bis Ende April fehlen selbst gegenüber dem, wie bereits erwähnt, O 1921 geburtenärmsten Jahre 1913 81 Kinder. Die Kurve der Geburtenzahl hat Mo ihre in den letzten 5 Iahren vor dem Kriege schärfer als vorher nach unten eingestellte Richtung nach einem kurzen Ansteigen von knapp 3 Iahren wie- ber aufgenommen. Diese Aufwärtsbe-wegun« «leicht nur zu etwa einem Viertel den durch den Krieg hervorgerufenen Geburtenausfall wieder aus. Nimmt man an, daß. wäre der Krieg nicht ausgebrochen, auch von Mai 1915 an svorher konnten die Einwirkungen des Krieges sich nicht zeigen) bis Ende 1922 bie jährliche Zahl der Le- bendgeborenen ebenso groß gewesen wäre wie im Iaihre 1914. so wären in der Zeit vom Mai 1915 bis Juli 1919 12 436 Kinder lebend geboren. In Wirklichkeit waren es nur 8326; somit ergibt sich ein Ausfall von 4110. Demgegenüber steht das Plus von 1013 Lebenbgeborenen (11010 statt 9997) aus der Zeit August 1919 bis Ende 1922. Demnach beträgt der B e oölk eru ngSvertust als KriegSWlge allein auf der Seite ber Geburten rund 3100 Personen. Eine Verminderung die- fes Verlustes bürste kaum noch eintreten, da nicht anzunehmen ist, daß bie seit Mitte 1922 selbst über das Friedensmaß hinaus eingetretene Ber- sMrfung des Geburtenrückganges in den nach- sten Monaten zum Stillstand kommt. Als Ur- lachen dieser Verschärfung ergeben sich unschwer die der Begründung und Vergrößerung einer Familie sich entgegenstellende Wshnungsknapp- heit und in erster Linie die immer schneller zu- nehmende Geldentwertung, die ja Familien mit Kindern in besonders hbhem Maße zu spüren haben und unter ihnen wiederum diejenigen, die, nicht durch Krankenversicherung gedeckt, alle mit der Geburt eines Kinbes verknüpften Kosten selbst zu tragen haben. Selbst eine normal ver- laufene Entbindung dürfte samt den allerein- fachsten Anschaffungen für Mutter und Kind zur- zeit einen Aufwand von mindestens 150 000 Mk. erfordern, bei Komplikationen oder bei Inan- spruchnahme eines Wöchnerinnenheims — die jetzt, zur Zeit der Wr>hnun>gsenqe und des Dienst>botenman>gels, häusiger als je nötia wäre — wird diese Summe schnell aufs Doppelte ansteigen. Mit der Zahl der LSbendgeborenen ging auch die Z0«) 4 i) rep. 15o/ 0 ' «P. «0O/ o ») rep. 60 o/„ <} rep. 80% ») rep 17456.- 1735.50 6 ) rep. .. 9 rep. 30 o/ 0 s ) rep. 10 o/o 9 ) rep. 60 o/o im. 9549.-', %757.- ) 4937.1$ 1880.- 661660 1604.-- 5588951 1 1744i50 »O'o JiM. 23740 5087.- 1970 - 5 » 80298 50 16957.50 1795.50 ') rep. 40 »/. »> rep. 40°/o »J rep. 30 0/o «) rep. 25o/ 0 » rep. 25o/ 0 •) rep. 30 o/ 0 Brief 2857150') •Ißt , 7218—') 751875 -«' 166415.-' c-3 9875 29273.-1 23960.- ">J . 238 60 "Sss tili 1704250 1804.50'») 1 rep. 15 0/, ») rep. 40 0/0 »)rep. 250/0 '0) rep. -SO °/o "> rep. 5«o/o ") rep 750/0 llnnotierte Werte. Mitgeteilt von Baer & Elend, Karlsruhe, Karl-Friedrich8tr. 26 Adler Kali . . . Api ...... . Bad. Lokomotivwerke Baidur Becker Kohle . . . Becker Stahl . . . Benz Brown Boveri . . . Deutsche Lastauto . Deutsche Petroleum . Germania Linoleum . Hansa Lloyd . . . Heldburg Vorzugs-Akt. Inag Kabel Rheydt . . . Karstadt Knorr Krttgershall .... Landeswirtschaftsstelle (Ur das BadischeHand- werk Meurer Spritemetall . Moninger Brauerei . Offenburger jplnnerei eirka 750000 360000 »0000 28000 460000 480000 540000 150000 100000 680000 340000 120000 520000 85000 350000 520000 100000 50060 100000 Petersbgr. Int. Rastatter Waggon eirka 90000 170003 Rod! & Wienenberger Russehbank Sichel . . 81oman . . Teichgräber Textil Meyer . . . Tabak-Handels - A .-G. Ufa 5o/o Bad Kohlenw.-Anl. 6 o/o Mannh. Kohlenw.- Anleihe 7°/o Sachsische Braunkohlen-Anleihe . . . 5 o/p Rhein-Main-Donau Dollar-Anleihe . , . 50/0 Neckarwerke Sold- Anleihe 5 o/o PreuSisehe «all- Anleihe pro 100 kg 50/0 Preußische Roggen- wert-Anleihe p. Ztr. (350000 220000 80000 29000 0 160000 50000 3400 210000 830000 820000 100000 180000 160000 200000 Zweites Blatt Karlsruher Tagblatt, Freitag, den 6. Juli 1S28 Mr. 184. Seite 7 Die stadtischen Gukshöfe. Die Bewirtschaftung der von der Stadt Karls- Nlhe gepachteten Fürstl. Fürstenbergischen Schwarzwaldhöfe bildete in letzter Zeit in der Oessentlichkeit wiederholt den Gegenstand der Kritik. Um zu dieser sachlich Stellung nehmen Zu können und gegebenenfalls die nötigen Fol- gerungen daraus zu ziehen, hat der Stadtrat Ichon im März d. Js. eine Kommission von drei außerhalb der Stadtverwaltung stehenden Sach- verständigen mit der eingehenden Besichtigung de? Höfe und Erstattung eines Gutachtens be- auftragt. Da der März zu einer abschließenden -oeurteilung des Gesamtstandes der Gutswirt- Ichaft, namentlich der Feldbewirtschaftung auf dem oberen Schwarzwald ein wenig geeigneter -Uconat war, wurde Ende Juni d. Js. nochmals eine Kommission von drei sachkundigen Mitgliedern des städt. Ausschusses für land- und forst- wirtschaftliche Angelegenheiten unter Führung eines der Sachverständigen -der ersten Kommission zwecks Ergänzung und Vervollständigung des Gutachtens auf die Höfe entsandt. Darüber wird uns offiziell mitgeteilt: In Übereinstimmung mit dem Ausschutz für land- und forstwirtschaftliche Angelegenheiten stellt der Stadtrat als Schlußergebnis dieser Untersuchungen fest, dah der Stand der städt. wutswirtschaften auf dem Schwarzwald im all- ^meinen erfreulich günstig ist, und datz die Stadt die Betriebsführung dieser Höfe vor jeder- wann verantworten kann. Soweit das erste Gutachten Mängel verzeichnet hat, sind sie der Hauptsache nach in der Zwischenzeit behoben worden. Im einzelnen ist festzustellen: a ) Feldbewirtschaftung. Der Zustand der Felder und Miosen hat sich gegen frühere ^ahve, insbesondere gegenüber dem Zustand, wie ihn die Stadt bei Uebernahm der Höfe an- getroffen hat, ganz bedeutend gehoben. Er wird heute als ein „durchweg guter" bzeichnet, der den vergleich mit jeder benachbarten Gutswirtschaft aushalten kann. Ausgehend von der durch die sachverständigen anerkannten Tatsache, datz die Bewirtschaftung der Schwarzwaldhöfe, was Klima, Lage und Bodenbefchaffenheit anbelangt, an besonders schwierig« Bedingungen gebunden m, wird nach den Ratschlägen der Sachverstäudi- Sen Weisung dahin gegeben, den Futterbau ge- Senüber dem Getreidebau stärker als bisher zu betonen, um eine noch grötzere Anzahl von Milchkühen auf den Höfen halten zu können. Viehhaltung. Auf den Höfen stehen öurzeit 73 Milchkühe, die durchweg befriedigend Sepflegt und ernährt sind. Im Verhältnis zur letzigen Leistungsfähigkeit der Höfe wird diese Zahl als zu niedrig bezeichnet, wenn sie auch in der Vergangenheit durch die nasse Witterung des Vorjahres und die dadurch bedingte Futter- rnappheit ihre Rechtfertigung findet. Es soll danach die Zahl der Milchkühe auf 8ö—90 erhöht werden« An Stelle des jetzt noch in großer Zahl auf den Höfen vorhandenen Niederungsviehes sollen baldmöglichst Tiere Simmentaler Rasse eingestellt werden, die sich für die Höhenlage besser eignen. Die Zahl der Pferde und Ochsen auf den Höfen ist dem Betrieb in richtiger Weise angepatzt. Der Ernährungszustand auch dieser Tiere ist durchweg gut. c) Milchleistung. Im abgelaufenen Rechnungsjahre wurden auf den Schwarzwalühöfen 237 733 Liter Milch erzeugt. Bei einem durch- fchnittlichen Bestand von 80 Kühen hat jede Kuh jeden Tag acht Liter Milch gegeben, eine durch- aus normale Milchleistung, wie sie in der Höhen- läge der Schwarzwaldhöfe nicht besser erwartet werden kann. Znrzeit gelangen von den Höfen an das Städt. Milchamt im Durchschnitt täglich 465 Liter, das sind pro .Kuh 6,4 Liter, die übrige erzeugte Milch in durchschnittlicher Menge von täglich 1,6 Liter wird zur Aufzucht von Tieren und in der Hauswirtschaft der Höfe verwendet. Die Erzeugungskosten der Milch stehen selbst- verständlich, wie bei jedem ausschließlich auf Milchleistung eingestellten Wirtschaftsbetrieb, über den Kosten eines kleinbäuerlichen Betriebs, für den die Milcherzeugung und Milchabgabe nur eine Nebenleistung darstellt. Immerhin bleiben die Milcherzeugungskosten der städt. Gutsbetriebe noch hinter den Erzeugungskostelt der privaten, mit Landwirtschaft verbundenen Melkereibetriebe in der Stadt zurück. d) Der bauliche Zustand der Höfe, der von den Sachverständigen teilwese stark be- mängelt wurde, ist in der Hauptsache so, wie ihn die Stadt seinerzeit Übernommen hat, und wie er nur durch Erstellung von Neubauten, zu de- neu die Stadt als Pächterin nicht verpflichtet ist, gebessert werden könnte. Soweit die Ver- pächterin neuerdings dringend notwendige Re- paraturen verlangt hat, ist deren sofortige AuS- führung in die Wege geleitet. Das Jubiläum des Hagsfelder „Liederkranzes". = Hagsfeld, 5. Juli. Die goldene Jubelfeier des Liederkranz Hagsfeld, die am Samstag. Sonntag und Montag stattfand, nahm einen würdigen Verlauf. Der Verein zeigte, datz es ihm nicht darum zu tun war, ein lautes und prunkvolles Fest zu feiern, sondern durch der Töne Macht die Herzen zu begeistern und der Allgemeinheit zu dienen. Eingeleitet wurde das SOjährige Bestehen am Samstag nachmit- tag durch Kranzniederlegung am Grabe des früheren bewährten Vereinsdirigenten Kollmer. Abends 8 Uhr fand ein Kinderfestzug durch die Ortsstratzen statt, wobei die Kinder mit festlich gezierten Wagen und blumengeschmückten Stä-, ben grotze und freudige Stimmung hervorriefen. Nachher fand geselliges Beisammensein der Lie- derkränzler mit den aus nah und fern erschie- nenen ssestgästen statt. Sonntag morgens v Uhr fand auf dem Friedhofe zu Ehren der verstor- benen und gefallenen Mitglieder eine Gedächtnisfeier statt, bei der Kirchenrat a. D. Wey- mann eine tiefempfundene Gedächtnisrede hielt. Den Höhepunkt der Jubelfeier bildete unstreitig das nachmittags 2 Uhr im Gasthaus zum Bahnhof abgehaltene Festkonzert. Der 100 Mann zählende Chorkörper verfügt über ein Stimmaterial und eine Chordisziplin, wie man sie selten findet. Unter der vorzüglichen Lei- tung von Hauptlehrer a. D. G. Eckert kamen Chöre von Abt, Neßler, Kuntze, Kücken, Jüngst und Hansen in höchster Vollendung zum Vor- trag, so datz nur eine Stimme des Lobes zu hören war. Schöne Siimmkultur. vorzüglicher Chorklang, Tonreinheit, prächtige Aussprache und bester Stimmenausgleich waren die Züge, die den tiefempfundenen Vorträgen das Ge- präge gaben. Frl. Elisabeth Neumaun aus Grötzingen verschönte das Konzert durch Violin- vortrüge. Mit dem Violinkonzert C-Moll von Mendelssohn-Bartholdy. wie Nocturna von Chopin-Sarasate und anderem zeigte Frl. Neu- mann, daß sie eine Künstlerin ist. Ihr seelisches Spiel eroberte im Sturme alle Herzen. Herr Willi E d e r erfreute durch seine wohlklingende Baritonstimme die Zuhörer, wie Frl. Klara Wurm aus Karlsruhe als feinfühlige Beglei- terin auf dem Klavier viel zum Gelingen bei- trug. So nahm das Konzert in jeder Bezie- Huna einen glänzenden Verlauf. Nach dem Konzert fand im Vereinslokal zur Krone das Festbankett statt. Nach Begrüßungsworten des Vorsitzenden Schlimm ergriff der Ehrenvor- sitzende Schork das Wort, um ein Bild der Entwicklung des Verein? zu entrollen. Es wur- den folgende Herren geehrt: zu Ehrenmitglie- dern die beiden noch lebenden Gründer Leopold Linder und Eduard Pallmer und die beiden hochverdienten Mitglieder Ernst Schmidt und Hermann Schork. ftür langjährige Mitgliedschaft: Noa Heidt, Wilh. Meinzer. Jakob Gun- ser. Ueber 60 Jahre alte Mitglieder: Jul. Rausch. Heinrich Rausch. Jul. Martin. Fr. Ratz, K. Linder I, Fr. Joh. Wurm, Jak. Bäuerle und Fried. Linder, alle zu Ehrenmitgliedern. Für 15jährige Sängertätigkeit ausgezeichnet: Philipp Mathias. Rob. Reeb und Wilh. Schmidt, ftttr 15jährige Passivität ausgezeichnet: Oskar Murr, Ferd. Merkel. Karl Linder II. Emil Fischer, Serm. Gehrhard. Ernst Hemberle. Martin Burst. Emil Ott. Wilh. Ott und Karl Erb. Mit Geschenken wurden bedacht: Chormeister Eckert, Vorstand Schlimm. Fr. Murr, Aug. Murr. Leop. Martin. Alwin Oes und Bertold Linder. Dem Verein wurde von dem Gesangverein Benzwerke Mannheim, welcher in stattlicher An- zahl erschienen war, ein prachtvolles Bild über- reicht. Verschiedene Vertreter befreundeter Ver- eine, darunter auch ein Verein aus Unterbal- dingen bei Donaueschingen, überbrachten die Glückwünsche ihrer Vereine. Der Karlsruher Sängergau war durch den Gauleiter und Kassier vertreten und der Gauleiter entbot dem Jubel- verein die Glückwünsche und den Dank des G .aues. Ein Ausflug nach Karlsruhe beschloß die Feier, auf die der Verein mit berechtigtem Stolz zurückblicken darf. Sport>6piet Mannheimer Sommer-Pferderennen. Die letztes Jahr erstmals auf der Mannheimer Renn- bahn eingeführten Halbblutrennen, die sich am Sonn- tag. 8. Juli, abwickeln werden, verfvrechen zu einer be- deutsamen Veranstaltung zu werden. Es sind für die stehen geschlossenen Entscheidungen 51 Pferde gemeldet, davon mehrere mit öfteren Engagements, so dah kein Rennen weniger als sieben Starter erhält. Ein achtes Rennen, das als Trostrennen gelaufen wird, erhält feine Verpflichtungen erst an der Wage. Auch Voll- blüter. wie Domino, Honved, Conforte u. a. m., die die Vollbluivrüfung aufgegeben haben, werden stch in einem Rennen zusammenfinden. Das Programm die- ser größten süddeutschen Leistungsprüfung deS ländlichen Materials ist überaus reichlich. ES steht durch- weg ein Svort in Aussicht, mit dem selbst diejenigen zufrieden sein werden, die gewöhnt find, hohe Ansprüche zu stellen. Auch im Vorjahr gingen die Leistungen weit über ben Rahmen dessen hinaus, was man sich im all- gemeinen unter landwirtschaftlichen Rennen vorstellt, und es werden sich wieder Endkämpfe abwickeln, die selbst den Bollblutrennen Ehre machen würden. Der Totalisator wird sich an 38 Schaltern abwickeln, und auch sonst werden die technischen Einrichtungen der Grob-Rennbahn der Veranstaltung das großzügige Ge- präge geben. Fahnenweihe des Turn- und Spielvereins Rheinsheim. Mit der Fahnenweihe des Turn- und SpielvereinS Rheinsheim sand ein volkstümliches Wetturnen statt. Am Samstag abend wurde das Fest durch einen Fackel- zug und Festbankett eingeleitet und am Sonntag in der Frühe begannen die Wettkämpfe. Der zur Auskämpfung kommende Ehrenfchild wurde dem Turnverein Bruchsal zugesprochen. Der I. Gauvertreter Herr Sie- g e l überreichte mit herzlichen Glückwnnschworten dem siegenden Verein den Ehrenschild nebst Diplom. Wetter großes Interesse erregten die 82 Turnerinnen, die erstmals im Gau zu einem Wetturnen angetreten waren und hier staunenswerre Leistungen boten. Nachmittags fanden die 10 x 100-Meter-Stafselläufe der Turner statt. Auch hier konnten die Bruchsaler die erste Stelle erringen. Gleichzeitig begann die Auf- stellung des Feftzuges, an dem 32 Vereine teilnabmen. Nachfolgend bringen wir einen Auszug ans der Sieger- liste. Wanderfchtld: Tv. Bruchsal 342 Punkte. Langenbrücken 806, Wiesental 802. Stafetten- lau f: Jugendturner (6 x 75 Meter). Bruchsal 60 Sekunden 1. Preis. Langenbrücken 61,1 Sek. 2. Preis. Heidelsheim 62 Sek. 8. Preis. PhilippSburg 62 Sek. 8. Preis. Damen 4 x 75 Meter: Bruchsal 42,4 Sek., Heidelsheim 45;1 Sek., PhilippSburg 47,0 Sek. Turner (10 x 100 Meter): Bruchsal 125,2 Sek., Heidelsheim 180,3 Sek., Langenbrücken 185,8 Sek. Turner über 18 Jahre: 1. August Steinbach-Bruchasl 83 Punkte, 2. Otto Woll-Langenbrücken 7g P., 8. Johann Ochs-HeidelS- beim 77 P., 4. Simon Schweickert-Wiesental 76 P., 5. Ludwig Sand-Kirrlach 72 P. Turner über 16 bis 18 Jahren: 1. Wilhelm Heft-Philippsburg und Hermann Batzler-Oestringen 100 Punkte, 2. Hermann Schäfer- Langenbrücken 86 P., 8. Theodor Dammert-Bruchsal und Julius Gentner-Wiesenial »5 P., 4. Karl Dochert- Mingolsheim, Hermann Grittmann-Odenheim und Ru- dols Holb-Graben 04 P. Turner von 14 bis 16 Jabre: 1. OSkar Zimmermann-Kronau 03 P.. 2. Paul Schiilv- Helmsbeim 91 P., 8. Josef Hirt-Odenheim 00 P., 4. Adolf Moch-Kronau 88 P., 5. Franz Stadtmüller- Langenbrücken und Karl Gaßner-MingolSheim 86 P. Turnerinnen: 1. Siesel Marttn-Bruchsal 80 P., 2. Ma- rianne Hambsch-Brnchfal 70 P.. 8. Frieda Straub-Phi- lippsburg 60 P., 5. Elsa Ricde-Philippsburg 66 P. 56 wüchsen Stecklinge gezogen werden. Abge- blühte Pelargonien sind stark zurückzuschnei- den und in kleinere Töpfe mit sandiger Erde zu setzen. Nicht selten leidet diese Pflanze unter Blattläusen. Man bekämpft dies« durch Tabakstaub oder Insektenpulver. Im übrigen sind alle sich nicht in starkem Machtsum befindenden abgeblühten Pflanzen umzutopfen. Reseda, dünn in nahrhas- £en fetten Boden gesät, gibt einen schönen Winterflor. Dickblättrige Gewächse, wie Kaktus und andere verlangen viel Sonne und reichliche Bewässerung. Zwiebelge- wachse, wie Amaryllis u. a., bekommen kelbe Blattspitzen. Das ist ein Zeichen, datz die Pflanze nach Ruhe verlangt. Man hört darum mit dem Begietzen aus und hält sie trocken. Samen von Calceolarien und Cinerarien sät man in sandige Erde und hält ihn mätzig feucht. Alle im Wachstum befindlichen Zimmerpflanzen sind jetzt reich- lich zu gietzen, denn in den engen Töpfen ist bei heißem, trockenem Wetter bald alle Feuchtigkeit aufgesogen: auch soll man sie vor greller Sonne schützen. Besondere Auf- merksamkeit erfordern auch die Balkon- kästen, die reichlich zu gietzen und zu dün- gen sind. Im allgemeinen wirb man Kunst- dünger vorziehen. th. Der kleine Ratgeber. Obst- und Gartenbau. Beerenobstcrnte. Dient Beerenobst für s ofortigen Genutz oder Verkauf, so mutz es vollständig ausreifen, denn nur in der Voll- seife hat das Beerenobst seine besten Eigen- 'Haften. die es aber bei Ueberreife sofort wieder verliert. Eintretende Gärung macht das Beerenobst wenig verwendbar für Mar- welade- und Geleezwecke. Bei nötiger Auf- Bewahrung im Keller wähle man nur kühle ^taume und nicht zu hohe Lagen. — Stachel- oeeren werden oft im unreifen Zustande »eerntet. um sie einzukochen. Man ernte "e dann, wenn sie etwa dreiviertel reif sind, ^eife Stachelbeeren pflücke man mit be- «innendem Weichwerden. — Ueberreife vimbeeren erkennt man an dem bläulichen Schimmer. Tritt Ueberreife ein. ist stets jnfolflc häufigen Abfalls mit grotzen Ver- pusten zu rechnen. Dem Uebel beugt man durch Durchpslücken des Astes vor. Bei den Erdbeeren für Versand -beachte man. datz wan sie etwas vor der Reife abpflückt und ^war, wenn sie nicht mehr hart sind, son- oern bei einem Druck etwas nachgeben. . Teigigwerden des Sommerobstes. Um »ieses zu vermeiden, pflückt man es nicht in vollreifem Zustande ab. sondern dann, wenn °>e Kerne braun werden. Dabei empfiehlt Uch das Dnrchpflücken: das gepflückte Obst wird, an dunklem Ort auf Stroh gelagert und mit Stroh leicht bedeckt, in wenigen ^»gen genutzreif. Zur Saat bestimmte Psirsichkerne mutz wan in mit sandiger Erde gestillte Töpfe Aufschichten, um sie lange feucht zu halten, wenn man sie nicht sofort aussäen kann, ^rocken gewordene Kerne verlieren ihre Keimkraft. Schwzb. D>e grotze Wegschneckc tritt jetzt wieder zahlreich aus und richtet an Melonen. Gur- «n und Kürbissen grotzen Schaden an. Erst am Abend kommt sie auS ihren Schlupfwinkeln hervor und ist dann am besten zu vertilgen. Kenntlich ist sie an der Länge sca. 12 Zentimeter lang) und an den grau- schwarzen Flecken. Schwzb. Kopfdüngungen mit Jauche an regen- armen Tagen gegeben, erfordern unbedingt das Begietzen der Pflanzen mit reinem Wasser, damit die Gemüseblätter von nach- teiligem Beigeschmack frei bleiben. Marktmätzige Zubereitung der Gemiile nennt man das Entfernen allen Schmutzes und überflüssige Blätter und Bündeln. Auf diese Weise erhöht man infolge des fchönen Ausfehens die Kauflust. Beim Bündeln achte man auf Gleichmäßigkeit des Ge- müses: gleichgrotze Knollen, gleichlange Wurzeln, gleichmätzigeS Blattwerk. Geflügelzucht. Wie werden Hühner rasch und gut ge- mästet? An allen decken, Rändern und Mauern, so auch an Steinhaufen stehen als Unkraut die für Garten und Feld so unerwünschten Nesseln. Diese Pflanzen mit ihren Samen bieten ein außergewöhnlich gutes Mastfutter in getrocknetem Zustande dar. Die dürren Blätter und Samen sind zu Pulver gestoßen, mit Roggenmehl und Kleie unter Zuguß von Wirtschaftswasser oder dem Abguß von geschälten Kartoffeln zu einem Teig zu kneten. Aus dem Teig werden handliche Nudeln hergestellt, die entweder durch Stopfung oder Vorwerfung in Brocken zum Verzehr gelangen. Neben- bei ist jeden Tag den Tieren etwas Hafer vorzuwerfen. Gesunde Tiere werden bei diesem Mutter in drei Wochen überraschend seit. Das fleisch ist zart, dabei kräftig und recht wohlschmeckend. Das Sammeln der Nesseln ist mit Mühe nicht verknüpft, eben- sowenig deren Trocknung. Ratgeber für Haus, Landwirtschaft und AlomgärtnsrsL Beilage zum «Karlsruher Tagblatt" 5. Jahrgang Nummer 14 6. Juli 1923 Betriebskapital. Bon Dr. H. W. Schmidt. Auch der Landwirt und Gartenbauer mutz ei« gewisses Kapital zur Verfügung haben, mit dem er die Betriebskosten decken kann. Wenn im Herbste die Ernte verkauft ist, dann hat der Landwirt das Betriebskapital in Händen, ebenso der Gartenbauer. wenn er seine Ware verkauft oder selbst verzehrt hat. Denn auch im letzten Falle hat er die Anschaffnngskosten des Obstes und Ge- müses erspart und diese ersparte Summe bildet sein Betriebskapital. Mit diesem hat er alles Nötige anzuschaffen. Ein Uebel- stand ist es nun. datz heutzutage bei der rapid um sich greifenden Senkung unseres Markkurses das ein halbes Jahr vorher eingenommene Betriebskapital bei kleinen Betrieben nicht ausreicht, die viel höheren Kosten der anzuschaffenden Hilfsmittel zur Wiederaufnahme des Betriebes im nächsten Jahre zu decken. Allerdings ist damit zu rechnen, datz dann im kommenden Herbste auch höhere Getreide- und überhaupt Er- zeugerpreise die Unkosten decken und noch ein.? gute Verzinsung der angelegter Summe versprechen. Aber der Mangel an Geld ist dann doch eben vorhanden. Daher hat bereits die Regierung den Gedanken zu realisieren gesucht, solchen Betrieben aus ir- gend eine Weise Erleichterungen beim Ein- kaufe ihres Bedarfs zu leisten. Am durch- greifendsten wäre eine solche naturgemätz durch womöglichst zinsenlose Zuschüsse bis ,um Erlöse des Geernteten. Hierdurch wäre es auch kleinen Betrieben möglich, ihren Betrieb aufrecht zu erhalten, ja noch in der dem Volke und Vaterlande fo nötigen Weise zu vergrötzern. Ist das Betriebskapital des Pflanzen- bauers vorhanden, dann ist es auch richtig anzuwenden. Die besten Hilfsmittel bieten natürlich die beste Gewähr bester Erfolge, welche Anschaffungskosten tilgen und bestens verzinsen. Demnach muh der Pflanzen- bauer danach trachten, Höchsterträge zu er- zielen und seine Tätigkeit hierauf einrich- ten. Diese bedingt drei Gattungen von Hilfs Mitteln. Erstens jene, die eine gute Bo- denbearbeitung, die Vorbereitung zum Pflanzenbau ermöglichen, die Gerätschaften und Maschinen. Hier ist es sehr zu wün- scheu, alljährlich die Neuerungen auf diesen Gebieten sich nutzbar zu machen. Die Land- ivirtschastliche Ausstellung der Deutschen Landwirtschaftlichen Gesellschaft in Nürn- berg hat wieder gezeigt, datz auf diesem Ge- biete die Fabrikation die grötzten Fort- schritte gemacht hat. Auf genossenschaftlicher Basis läßt sich auch das Kapital ausbringen, das gestattet, gute, rationell und darum rentabel arbeitende Maschinen anzuschaffen, ein Umstand, der die Wirtschaftslage der Klein^'^"'cbe wesentlich stärkt. Zweitens haben wir durch Zuchtwahl dermaßen gutes Saatgut hervorgebracht, daß mit dem Be- triebskapital nur das Beste für das betref- sende Klima und den Boden passende Pflanzenmaterial erstanden werben kann. Ein wichtiger Zweig der pflanzenbaulichen Tätigkeit ist die Ernährung der Kultur- pflanzen. Diese geschieht heutzutage aus Mangel an Naturdünger mit Kunftdlln- gern. Der Pslanzenbaner meint, der Kunst- .dünger'verschlinge ein zu hohes Kapital. Doch wer seine Wirkung betrachtet, der sieht, daß kein pflanzenbauliches Betriebskapital sich besser abzahlt und verzinst. Gerade die letzten Jabre haben in Deutschland Kunst- düngersorten hervorgebracht, die sich sehr gut bewähren und als durchaus rentabel erweisen. verantwortlich: Heinrich Gerhardt, «arttrube, Druck und Verlag von E. &• Müller, »arlSruh«. Ar. 184. Seite 8 Karlsruher Tagblatt. Freitag, den 6. Juli 1V2Z Zweites Blatt 1 Zu vermiete Mieter- w Amern» Mlsruhe e.E.m l.H. Wir haben au! Isfort zu vermieten. Gervinusftr.5. S.Stock, eine 2 Zimmerwohnung mit Zubehör: Wetnbrennerstraße 7 », 3. Stocka eine 2 Zimmerwobnuna mit Zubehör. Zur lebten Wohnung können nur Eisenbahn- bedienstete, welche eine Tausch-Wohnuna haben, zugelassen werden, Bewerbungen wollen b. Montag, den 0. l. Mts. erfolgen. Die Vermietung tindet am Dienstag, den 10. l. Mts., abends 6 Uhr, im Büro statt. De« «orstand. Ei» eiemt. Zimmer. elekt-Licht, zw.Marktvlatz u. Post z.vermtet. Ang.u. Nr. 5448 I. 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Juli. Sabbatanfang 7.80Uhr. SamStag. den 7. Juli: Moraengottesd. 7.80 U. ^chülergottesd. 2.45 U Nachm.-Gottesd. 5.00 U. Tabbatausgang 0.80 U- Werktags: Mvraengot- tesdienft S.15 Uhr. Nachm.-Gottesd.7,30 U. 54 55 Der hydraulische Widder als Wasierversorger sür Haus, Hof und Garten. Das Lagern der Halmfrüchte. Gerade dem Kleingärtner und Siedler macht die Wasserversorcwna nicht selten die «rösten Schwierigkeiten. Wem aber flie- hendes Wasser in nicht allzu grober Entser- Abbildung 1. nung zur Verfügung steht, kann sich durch Benutzung eines hydraulischen Widders geradezu eine ideale Wasserversorgungs- anlage schaffen. Schon bei einem nutzbaren Gefälle von VA Meier ist der Widder im- stände, bis zur zehnfachen Höhe des aus- genützten Gefälles zu treiben. Ein befon- keffel zweigt die Druck- oder Steigelei» tung D ab. Die Arbeitsweise des Widders: Das durch das Zuflußrohr zuströmende Triebwasser öffnet zunächst das Ventil zum Windkessel und tritt in diesen ein. zum Teil steigt es auch unter das Sverrventil. durch seinen^ Auftrieb dieses schließend. Nach dem Gesetz der kommunizierenden Röhren steigt das Wasser aus dem Windkessel in die Druck- oder Steigeleitung so hoch, bis es mit dem Zuflu^^"s>älter in gleicher Höhe steht. Drückt man nun mit der Hand das Sperr- ventil nach unten, so fließt hier Wasser aus, läßt man mit dem Druck nach, verschließt das Wasser sich selbst wieder diesen Aus- weg. Dadurch wird die Bewegung der gan- zen Wassermenge gehindert, der Druck ver- größert sich, das Wasser sucht einen Ausweg und findet ihn durch das Bodenveniil in den Windkessel. Je mehr Wasser aber in den Windkessel dringt, um so mehr wirb die Lust in demselben zusammengepreßt, ihre Spannkraft wächst und treibt das Wasser im Steigerohr in die Höhe. Der- selbe Vorgang wiederholt sich, wenn man das Sperrventil öfters herabdrückt. biS das Wasser schließlich aus dem Steigerohr her- Abbildung 2. derer Vorzug dieser Einrichtung ist noch der. daß der Widder keiner Unterhaltung und Wartung bedarf, da er, einmal in Tätigkeit, selbsttätig durch den Druck des Wassers ununterbrochen weiterarbeitet. Un- sere beiden Abbildungen zeigen uns den Widder selbst lAbb. 1) in seiner Einrichtung und eine durch ihn betriebene Anlage lAb- bildung 2). Der Widder besteht zur Hauptsache nach auS dem Zuflußrohr A, auf dem ein Wind- kessel aufgebaut ist, der mit dem Zufluß- rohr durch ein Ventil, das sich in den Wind- kessel hinein öffnet, verbunden ist. Das eine Ende des Zuflußrohres ist knieartig auf- wärts gebogen und wird hier durch das Sperrventil C geschlossen. Von dem Wind- ausfließt. DaS Sperrventil arbeitet nun völlig selbsttätig weiter. Dies kommt da- her, daß schließlich, wenn bei geschlossenem Sperrventil das Wasser in den Windkessel einfließt, ein Moment der Ruhe eintritt, in welchem das Druckventil etwas geöffnet bleibt. Infolge seiner Schwere nimt dann das Wasser im Steigerohr einen Augenblick eine rückläufige Bewegung an, wodurch das Sperrventil entlastet wird und infolge seines Gewichtes herabsinkt. Will man den Widder außer Betrieb setzen, hält man das Sperrventil einige Augenblicke an, bei Wie- derinbetriebsetzung stößt man es mehrmals nieder. Da durch das Sperrventil stets Wasser ausgestoßen wird, muß hierfür ein freier Abfluß geschaffen werden. Sch. Eine der größten Gefahren für das Ge- treibe ist das Lagern, das namentlich durch allzu reiche Niederschläge ^Gewitterregen) tn der Reifezeit stark begünstigt wird. Ge- lagertes Getreide bat eine größere Länge der unteren Halmglieder und eine gerin- gere Dicke der zugehörigen Halmwände aus- zuweisen als das Getreide bei normaler Entwicklung. Die unteren überverlänger- ten Halmglieder der Lagerfrucht bauen sich, auf aus stark verlängerten Zellen mit schwachen Zellwänden. Die hierdurch be- dingte Schwächung der unteren Halmteile hat zur f^olge, daß diese die oberen kräftig entwickelten Halmpartien nicht zu tragen vermögen und deshalb umknicken, ivas ge- wöhnlich am zweiten, zuweilen auch am dritten Gliede über dem Boden geschieht. Je früher das Lagern eintritt, um so grö- ßer ist der dadurch hervorgerufene Schaden. Lagert sich das Getreide erst nach vollstän- diger Ausbildung der Körner, so kann der Massenertrag noch recht günstig ausfallen. während andererseits die Kosten der Ernte durch das lange Lagern wesentlich vermehrt werden und so indirekt doch eine Schmäle» run« des Ertrages stattfindet. Weit schlim- mer ist das Uebel naturgemäß, wenn es zu einer Zeit sich einstellt, wo die Samenbil- dung erst etwa soeben begonnen hat: als«dann ist eine Mißernte mit Sicherheit zu erwarten. Der praktische Landwirt wird deshalb stets darauf bedacht sein, dem Lagern der Halmfrüchte wenn möglich vorzubeugen. Das ist nur durch ein Mittel zu erreichen: indem man den Wurzeln die Möglichkeit bietet, festen ^uß zu fassen. Neben dem Walzen des Bodens ist demgemäß die Tief- kultur, möge diese bewirkt werden durch Ackergeräte itiefes Pflügen. Durchbrechen des undurchlässigen Untergrundes) oder den Anbau tiefwurzelnder Pflanzen, ein sehr wirksames Mittel gegen daS Lagern des Getreides. Trinkgefäße für Küken. Nicht wenige Küken gehen durch falsche Tränkeinrichtungen ein. Gar mancher Züch- ter weiß zu seinem eigenen Schaden ein Lied davon zu singen, trotzdem weiß er keine Abhilfe. Hohe Behälter für Trink- wasser sind gefährlich insofern, als die klei- nen Tierchen auf den Rand fliegen, das Gleichgewicht verlieren und ertrinken, flache Gefäße, wie Untertassen. Blumen- topsuntersetzzr u. ä. sind auch ungeeignet. Statt am Rande stehen zu bleiben und den Schnabel einzutauchen, laufen die Küken in die Schale hinein, verunreinigen nicht nur das Wasser, sondern durchnässen sich Bauch- und Brustpartie. Unterleibs- und Darm- erkrankungen sind die Folge, ein Eingehen der zarten Tierchen ist nicht mehr zu ver- hindern. Will man allen diesen unliebsamen Zufällen aus dem Wege gehen, verfertige man sich ein Trinkgefäß, wie es unsere Ab- bildung zeigt. Wir selbst haben solche schon jahrelang im Gebrauch und können sie aus eigener Erfahrung aufs angelegentlichste empfehlen. Ein Stück Dachrinne wird an beiden Enden dicht abgeschlossen, entweder durch Anlöten einer Zinkplatte oder halb- kreisförmige Brettltücke. Diese Tränkrinne setzt man auf zwei passende kleine Böcke, um ein Umfallen zu verhindern. Dann nimmt man ein viereckiges Breit, das in die Rinne hineinpaßt und bohrt mehrere kükenkopfgroße Löcher hinein. Nachdem man die Tränkrinne mit Wasser gefüllt hat, legt man dieses Brett als Schwimmer auf. Die Küken fliegen auf das Brett, stecken den Schnabel durch eins der Löcher und stillen ihren Durst, ohne sich im geringsten naß zu machen. Natürlich kann auch jedes andere flache Gefäß mit einem ähnlichen Brettschuö versehen werden. Sch. Ansere Zimmerblumen im Juli. Manche unserer Zimmerpflanzen haben ihren Bliitenschmuck schon abgelegt. Zu die- sen gehören auch die meisten Rosenarien. Nach Beendigung der Blüte treiben sie er- neut Schößlinge, die besonders für Steck- linge geeignet sind. Diese jungen Triebe schneidet man mit zwei Gliedern ab und setzt sie in Töpfe, die mit sandiger Erbe ge- füllt sind, auf der eine 3 Zentimeter starke Sandschicht ruht. In diese Erde senkt man die Stecklinge so tief ein. daß man über den Tovf noch eine Glasscheibe decken kann. Bis zur Vewurzelung ist die Erdschicht stets ebenmäßig feucht zu halten und der Glas- schütz nicht zu entfernen, da nur in der ein- geschlossenen Luft die Bewurzelung rasch und sicher vonstatten geht. In gleicher Weise können auch von anderen Topfge-