Bezugspreis freibleibend: jn Karlsruhe: in urt« igter Gelckästsstelle und in - - «Ä «zab°st-ll.n £. ^ ^ ^ ^ J J WZKarlsruher Taablatt zum 2S. auf den M A H Monatsletzten an- # werden. ^ ^^ ichterlcheinen ?er Zeituna. Abbestcllunaen können nur >eweils bis zum 25. auf den lolaenden Monatsletzten genommen werden, rla«. Schriftttituna und schattsftelle Ritter,trabe i. Vadische Morgenzeitung Mit der Wochenschrist „Die Pyramide" «nzewenvreife: tte Vaesv. „Nonvareillezeile oder deren Raum Ji 120000: auswärts Ji 140 000; Ka- milienanzeigen und Stellen, geluwe Ji 80 000: Reklame- jeilc Ji 800 000, an erster t teile Ji 400 000. abatt nach Tarif. nzetg.-Zlnnabme bis 3 Uvr mittaaS: kleinere Anzeigen spätestens bis 6 Ubr nachm. sternsprechanschlüsfe: Geschäftsstelle Nr. 18. ' fSerlaß Nr. 21 und 297. Tckriftleitn«, Sir. 20 Hauvtschriftleiter Nr. 19. Postscheckkonto Nr. 9547 Karlsrabe. Badische Morgenpost .Wirtschafts- und Handelszeitung"^ »Turn- und Sport-Ieitung" ^ «Anterhaltungsbeilage"X «Literaturbeilage- ^ «Für die Frauen" ^«Wandern und Reisen" ^«Die Scholle" Chekcbakteur: Hermann ? Laer. Verantwortlich wr Politik: Fritz Eirhard: für den wirtschaftlichen, badischen und lokalen Teil: Heinrich Gerhardt: für das Feuilleton: Hermann Weick? für die .Pyramide" Karl «oho : für Inserate: Heinrich Hchrte» >r. sämtliche in Karlsruh-. Druck und Verla« C F. Müller,Karlsruhe, Ritterstr. L Berlin.r Redaktion Or. RichardIügle,, Berlin-Lankwitz. Mozartftr. S7. Telephon-Zentrum 42». Für unverlangte Manuskripte -»der Drucksachen übernimmt die Redaktion keine Verantwortung. Rücksendung erfolgt, wenn Porto beigefügt ist. Sprechstunde der Rebaktion: 11—12 Uhr vormittags. 120. Jahrg. Montag, den »7, August 1923 Mr. 235 poincares Antwort an Stresemann. ZZoincarS's Sonntagsrede. Paris, 25. Aug. In seiner Rede in Chassey entwarf Ministerpräsident Poincarö ein Schrek- kensbild dessen, was geschehen wäre, wenn Deutschland im Weltkrieg den Sieg da- vongetragen hätte. Nachdem er die Länder aus- gezählt hatte, die Deutschland unterjocht haben würde, betonte er die Mäßigung, die Frank- reich Deutschland gegenüber gezeigt habe. Dann kam er auf die Leistungen Frankreichs im Jahre 1871 zu sprechen und berührte am Schlüsse die Rede des Reichskanzlers Dr. Strese- wann mit folgenden Ausführungen: Die Re- varationskomMission habe die wirklich geleisteten Zahlungen gewissenhaft bewertet und bei ihren Feststellungen sei sie immer einmütig gewesen, Es sei also eitel, zu behaupten, daß Deutsch- land bereits 42 Goldmilliarden geleistet habe oder auch nur 25 Milliarden, wie es ein wirt- schaftliches Institut in Washington angegeben habe, dessen Existenz festzustellen ihm bisher nicht möglich gewesen sei. Diese Schätzungen zeigten auf alle Fälle, zu welchem wunderbarem Ergebnis man kommen würde, wenn jemals internationale Sachverständige damit beauftragt werden follten, die Zahlungsfähigkeit Deutsch- lands zu bemessen. Und er brauche nicht zu sagen, daß Frankreichs Ansicht sich in diesem Punkte nicht ändern könne. H a v a s teilt mit, in politischen Kreisen spreche man sich sehr zurückhaltend bezüg- lich des Eindrucks der Rede des Reichskanzlers Dr. Stresemann aus. Man beschränke sich nur darauf, festzustellen, daß seine Worte sich im Ton von denen seines Vorgängers unterscheiden und daß sie keine Ablehnung eines Verständi- gungsversuches darstellt. Man bedaure, daß keine Anspielung auf das Aufhören des passi- ven Widerstandes gemacht worden sei. Auch bezüglich der produktiven Pfänder sei nichts neues vorgebracht worden. Die große Differenz in der Bewertung der Sachlieferun- gen zwischen den Ziffern der Reparationskom- Mission von 7 Milliarden, der amerikanischen von 20 Milliarden und der deutschen von 42 Mil- liarden könne nur aus einer zu hohen Bewer- tung der deutschen Güter erklärt werden. Paris. 26/ Aug. Bei der Einweihung einer Tafel zur Erinnerung an das Eintreffen der ersten amerikanischen Truppen in Frankreich hielt Minist«rpräsident Poinoarö in Gondrecourt eine Red«. Er beidauerte, daß die im Kriege be- währte Einigkeit im Frieden nicht den Charakter und die Stärke einer Allianz behalten habe. Der amerikanische Senat hat den Bersailler Ber- trag nicht ratifiziert und die Bereinigten Staa- ten hätten Sie Zeit für gekommen erachtet, sich nich langer mit Angelegenheiten zu beschweren, an >denen sie nicht unmittelbar beteiligt seien. In der flwfcm Mehrheit halte das amerikanische Bolk Frankreichs Borgehen wegen der deutschen Zahlungen für berechtigt. Der englische Ruf noch der Finanzkontrolle. London. 26. Aug. Der Präsident des Handels- amts Greame legte bei einem Frühstück in der Handelskammer von Aberdeen die Politik hin- sichtlich der Reparationsfrage dar. Er erklärte, es sei unsinnig und beleidigend, anzunehmen, daß eine Regierung eine deutschfreundliche Hal- tung annehmen würde. Die Ziele der briti- schen Politik seien: erstens von Deutschland den höchsten Betraa »n Reparationen auf die wirk- samste und rascheste Art zu erhalten: zweitens geordnete, stetige Verhältnisse in Europa zu schassen, die den Nationen gestatteten zu arbeiten und Handel zutreiben? drittens die Erzwingung von Reparationen zu sichern durch wirksame Garantien, »on denen die w i cht ig st e die Kontrolle der deutschen »j«nnzen sei, ohne die nach seiner Ansicht die deutsche Währung nicht stabilisiert nnd eine angemessene Besteuerung nicht erreicht werden könnte. Die belgische Antwort an England. Paris. 27. Aug. Wie Havas meldet, hat die französische Regierung von dem Text der bei- tischen Antwortnote auf die englische Note Kenntnis genommen nnd hat die belgische Re- Sieruna wissen lassen, daß sie weder gegen den Inhalt noch gegen die Form der Note irgend *i»e Einweichung zu machen habe. Die belgische Antwort umfaßt drei Teile. Der erste Teil antwortet auf die Vorbehalte der eng- tischen Note bezüglich der belgischen Priorität. Die belgische Regierung hätte ihre Rechte auf die Priorität. Im zweiten Teil bestreitet die belgische Antwort den englischen Grundsatz von der Ungesetzlichkeit der Ruhrbeset- zung. Der belgische Gesichtspunkt über die- sen Gegenstand sei mit dem französischen iden- tisch. Der dritte Teil macht genauere Angaben und entwickelt die Anregung, die die frühere bel- gische Note bezüglich der Mittel gemacht hatte, die ins Werk gesetzt werden müßten, um die Be- zahlung ber deutschen Schuld sicherzustellen: Ausbeutung gewisser Regien. Finanzkontrolle. Zollabgaben usw. Die belgische Antwort gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die von der bel- aischen Regierung gemachten Anregungen bei der englischen Regierung Berücksichtigung finden und als Grundlage für neue Besprechungen dienen können. Stresemann in München. München, 26. Aug. Zu dem Besuche des Reichs- kanzlers wird folgende amtliche Mitteilung veröffentlicht: Der Reichskanzler Hat anläßlich sei« -wes Besuches beim bayrischen Ministerpräsiden- ten Gelegenheit genommen, die wichtigsten Ira- gen der inneren und äußeren Politik, insbesondere auch daS gegenseitige Verhältnis »wischen dem Reich und den Ländern eingehend zu bespre- chen. Im Vordergrund standen bezüglich der in- neren Politik die Erörterungen über die wirt- schaftlichen Maßnahmen, die angesichts der augenblicklichen Notlage unverzüglich getroffen werden 'müssen. Dabei wurden in grundsätzlicher Uebereiiilstimlimlng die Voraussetzwngen für eine ersprießliche Zusammenarbeit zwi°- schen der Reichsregierung nnd Bayern erneut festgelegt. Reichskanzler Dr. Stresemann traf am Sonn- tag abend von Mittelwald, wo er übernachtet hatte, wisder in München ein. Nach dem Abend- essen, das den Vertretern der Reichsregierung in München gegeben wurde, trat der Kanzler um 9.15 Uhr die Rückreise nach Berlin an in Be- gleitung des Staatssekretärs von Rheinbaben und des Gesandten von Haniel. Zur Verabschiedung auf dein Ha>uptbahmhofe hatten sich Staats- rat Dr. Schmelze und einige andere Herren ein- gefundein, ^darunter Landtagsabgeordneter Bur- ger, mit dem der Reichskanzler, bevor er den Zug bestieg, eine kurze Unterredung hatte. Englische Stimmen zu Stresemanns Rede. London, 26. Aug. „Daily Chronicle" nennt die „äußerst wichtige Erklärung Stresemanns Deutschlands Angebot an Europa und ein Opfer für das Vaterland aber nicht das Opfern des Vaterlandes. Der Berliner Berichterstatter der „Daily News" schreibt, Stresemann habe durch seine Rede die Grundlage für die Wiedereröffnung der Ruhr- und Reparationserörterungen gcfchaf- sen. Es werde für bezeichnend gehalten, daß der Reichskanzler den Wortstreit über den passiven Widerstand vermieden habe. Die „Times" schreibt im Leitartikel, Strese- mann Hab« gewisse Erklärunsen abgegeben, die als endgültiger Beitrag zur Regelung angesehen weeden können. Der Kanzler habe der Ber- suchung, sich in einer Polemik zu ergehen, wider- standen. Stresemann erweiterte die Bedeutung des letzten deutschen Angebots, denn er bezeichne die latenten Möglichkeiten der deutschen In- dustrie nicht nur als ein Pfand, sondern mit dem französischen Ausdruck als ein produktives Pfand. Weiter erklärt das Blatt, das Angebot Stresemanns verdiene .sorgfältige Erwägung. Es sei bezeichnend, daß Stresemann in dieser Rede den passiven Widerstand nicht erwähne. Die Rede sei eine geschickte Aenßerung mit der Absicht, die Verhandlungen zu fördern- Ein politisches Attentat. Prag, 26. Aug. Die Polizeikorrespondenz mel- dei: Heute vormittag wurde in Prag-8chmichow der frühere bulgarische Gesandte in Prag, Raiko Daskaloff, welcher sich in Beglei- tung von Dr. Iwan Bojadjeff befand, von dem 36 Jahre alten Athenos Nikolofs aus Sofia überfallen und durch vier Pistolenschüsse in die Bauchgegend tötlichverletzt. Dr. Bojadjeff wurde ebenfalls, aber nur leicht verletzt. Ein Polizeiagent entivand dem Täter die Waffe. Die- s i e Menschheit", das Hauptorgan Försters, das sich ständig dem moralischen Befreiungskampf des deutschen Vol- kes in den Weg stellt. Neuerdings behauptete die „Menschheit", der Weltkrieg sei die natürliche und unabweisbare Folge der Bismarck-Treitsch- feschen Staatslehren (!) und der Bismarckpolitik von 1366 (I) gewesen, wonach der Staat jenseits von Gut und Böse steht." (Solche törichten An- schauungen findet man leider auch an anderen Stellen vertreten, man scheut sich sogar nicht, sie in öffentlichen Versammlungen zu vertreten. Red.) Um ganz bestimmter politischer Zw ecke willen, als Kriegs mittel, ist die Lüge vom deutschen „Anschlag" und ,^leberfall", vom bewußten deutschen Kriegswillen in die Welt gesetzt worden, als politische Zwecklüge, um die Niederwerfung Deutschlands nicht nur mit militärischen, sondern auch mit geistig-morali- schen Mittel zu erreichen. Gegen diese Lügen wenden sich selbst einsichtige Ausländer, wie der Engländer Morel, gegen sie sollte das deutsche Volk sich ausnahmslos wenden, denn es hat die meiste Ursache dazu, hat am meisten darunter zu leiden. Der Kampf gegen die dicke und handgreifliche Lüge wird nun aber immer noch durchkreuzt durch solche Meinungen, wie sie oben angeführt wurden und die aus gänzlich anderem Zusammenhang stammen, aus einer gänzlich unpoliti- schen Geschichtsanffassnng. Was soll es denn eigentlich heißen, den Krieg, der 1914 ausbrach, als „natürliche und unab- wendbare Folge der Bismarck -Treitschkeschen Staatslehre" zu bezeichnen? Pros. F ö r st e r fand es in der Woche, als der widerrechtliche Prozeß gegen die Krupp-Direktoren stattfand, mit seinem Gewissen für vereinbar, zu be- hauptkm: „Aus dem Geisteszustand (!) der Kruppherren ist der Weltkrieg hervorgegangen". Wie soll der Krieg aus einer „Staatslehre", aus einem bestimmten „Geisteszustand" hervorgehen? Wenn die An- klage einen Sinn haben soll, kann das doch nur heißen, daß die Bismarck-Treitschkesche Staats- lehre besonders kriegerisch war und die deutschen Regierungen in der Weise beeinflußt hat, daß sie kriegerische Handlungen begingen. Die Be- Häuptling, die Bismarcksche Staatslehre, der Geisteszustand der Kruppherren seien Schuld am Kriege, kann nur so verstanden werden, daß sie zum Krieg getrieben, ihn gewollt haben. Aber noch nach einer anderen Richtung schwankt der unklare „Schuldbegriff" der Pazi- ftsten. Wenn sie den Krieg als „natürliche und unabwendbare Folge" der Bismarckschen Staats- lehre hinstellen, so scheinen sie in ihm etwas gänzlich Unpersönliches, dem menschlichen Wil- len, menschlicher Verantwortung Entrücktes zu sehen. Ihre Formulierungen der Schuld klin- gen oft so. als setzten sie durchaus die Tatsache voraus, daß der Weltkrieg von der Entente aus- ging, gleichzeitig aber — und das ist das Falsche und Verwerfliche — entlasten sie die Entente vollständig von aller Schuld und Verantwortung, indem sie den Krieg, soweit er jene betrifft, als unpersönlich, als naturnotwen- dig, als Folge des deutschen Geistes- z n st a n d e s hinstellen, und damit die volle Schuld im moralischen Sinn auf Deutschland be- ruhen und lasten lassen« Es kommen da ganz merkwürdige Schiebungen vor, geradezu geistige Taschenspielereien, denn wiederum drücken sie sich sehr oft so aus, daß man unbedingt glauben muß, sie sprechen von einem wirklichen Kriegswillen, von tatsächlicher Urheberschaft Deutschlands am Krieg. Man könnte genug Satze aus ihren Schriften anführen, die vom „Präventivkrieg des deutschen Generalstabs" reden, vom Merlin- Wiener Draufgängertum", immer jedoch so, daß sie, gestellt, entschlüpfen können und fagen: Wir meinen ja garnicht den bewußten Kriegswillen. Für einen Andersdenkenden, für alle politisch Denkenden, für einen Ausländer ist es schwer, ja fast unmöglich, solche merkwürdigen schiefen, undurchdachten und ihrer Folgen nicht bewußten Gedanken zu verstehen. Sie sind aber die Hemm- nisfe und Ursachen, weshalb es mit der Be- kämpfung der politischen Zwecklüge nicht recht weiter will, weshalb man nie über etnen toten Pu nkt herauskommt ... Seite 2 Karlsruher Tagblatt. Montag, den 27. August 1923 Nr. 285 Eine ganz merkwürdige Wurzel hat der Be- zriff der „Hauptschuld" am Krieg, wie ihn För- ter in immer steigendem Fanatismus vertritt. Kr hat ihn sich recht eigentlich, konstruiert auS 'iner eigentümlichen Geschichtsauffassung und ,us der eigentümlichen Konstruktion einer be- sonderen Mission, die das deutsche Boll nach ihm erfüllen sollte und nicht erfüllt hat. Die Grün- dung des Vismarckreiches ist nämlich für För st er die Wurzel alles Uebels, die e i g eut l ich e Kri e gsf chuld. Denn sie ist nach ihm ein Abfall von dem übernationalen Geist, den das alte heilige römische Reich dent- scher Nation verkörpert habe. Ohne Rücksicht darauf, daß das 10. Jahrhundert nicht mehr Mit- telalter war, ohne zu fragen, was im Bereich der Möglichkeit lag, tut er so, als hätte Bismarck ganz etwas anderes tun müssen, als den deut- schen Einheitsstaat gründen, als sei das Bis- marckreich eine geschichtliche Schuld. Der Krieg, den die Entente zwecks Zerstörung dieses Rei- ches unternnahm, ist so in seinen Augen mora- lisch mindestens entlastet, wenn nicht willkom- men. Für alle Fälle liegt aber die „Hauptschuld" am Krieg bei Deutschland. Diese ganz verbohrte geschichtliche Konstruktion bildet die Grundlage der Schuldanklage Försters, hat ihm allmählich den Blick vollständig verwirrt, alle sittlichen Be- griffe auf den Kopf gestellt, so daß er es auch jetzt fertig bringt, die „ent scheidend e" Schuld am Ruhreinbruch auf deutscher Seite zu sehen. Immer aus der Verschiebung, die alle Haudlnn- gen der Entente als „Folge" des deutschen „Gei- steszustandes", des deutschen Verhaltens, des an- geblich immer noch herrschenden „Treitschke- geistes" und ähnlicher Gespenster ansieht und moralisch freispricht. Die sittliche Gewissenlofig- keit besteht darin, daß fortwährend die gefchicht- liche, unpersönliche „Schuld" in das Politische hinübergespielt wird und so immer wieder in den Bereich der eigentlichen Schnldlüge fällt. Es wäre noch viel zu sagen, denn der ganze Komplex dessen, was unter der Kriegsschuld ver- standen wird, ist noch weit verwickelter. Di- politische Notwendigkeit erfordert aber, endlich der politischen Zwecklüge ein Ende zn machen, ohne länger auf die zu warten, die doch nicht kommen. Das ist ein Gebot der politischen und staatsmännischen Verantwortung angesichts der gefährlichen und verzweifelten Lage des deut- schen Volkes, das ist ein Gebot der Selbsterhal- tung und der nationalen Ehre. Deutsthes Reick Rauflustige Ausflügler in Berlin. Berlin, 26. Aug. Ms gestern abewd ein PM- .leibeamter auf Aufforderung durch das Publikum «egen einen Tru-pp Ausflügler einschreiten ^wollte, die Sie Passanten von ikm zum, Schlesi- schen Bahnhof führenden Bürger steig hinunter, drängten, fielen «die Burschen über den Polizei- beamten her und schlugen ihn nieder, wobei der Beamte erhebliche Kopsiwunben dwvontru«. Einem zweiten Beamten ergim« es wicht besser. Er erlitt Verletzungen im Gericht Da sich der Borsang vor den Fahrkartcmchaltern abspielte und die Polizeibeamten das PuWbkmu nicht ge- sä'hrden wollten, konnten sie vom der Schußwaffe keinen Gebrauch macheu. Die herbeigeholten polizeilichen Verstärkungen gingen nun mit der blanken Waffe gegen tftt Angreifer vor, wobei nkehrere verletzt worden, die sich schleunigst in Sicherheit brachten. Insgesamt wurden 18 Per- sonen festgenommen, nach Feststellung ihrer Per- sonalien wieder entlassen. Konflikt in der Potsdamer Stadtverwaltung. Berlin. Ll>. Aug. Wie die „Montagspost" mit- teilt, »hat der Magistrat «der Stabt Potsdam, nach- Sem die von 'der Stadtveror>d«eten>v«rsa,mmlung beantragte Disziplinaruntersuchung gegen den Theater unSMuW Städtisches Sonzerthaus. Eine glückliche Hand hatte Direktor Steffter bei der Wahl der neuen Operette. „Katja, die Tänzerin" errang bei der hiesigen Erst- aufführung am Samstag einen durchschlagenden Erfolg. Und mit Recht. Denn diese neue Gil- bert-Operette erwies sich als ein äußerst inter- ejfantes, unterhaltendes Bühnenwerk. Leopold Jacobsohn und Rudof Oe st erreicher haben ein weit über dem Durchschnitt stehendes Buch geschrieben, das eine eigenartige reizvolle Handlung mit starkem dramatischem Einschlag und packenden Steigerungen (so besonders in dem atembeklemmenden Finale des zweiten Aktes) bringt, daneben aber auch so viel des Hei- teren und vornehmlich einen dritten Akt von geradezu zwerchfellerschütternder Komik, so daß der Zuschauer bis zum Schlüsse gefesselt bleibt. Dieser famosen, bühnemoirksamen Handlung gab Jean Gilbert eine Musik, die voll Geist, Witz und jenem charmanten Schmiß ist, der diesen Operetteukomponisten auszeichnet. Schwung- volle, prickelnde Melodien schmeicheln sich ins Ohr, Duette und Terzette von federndem Rhyth- mus erweisen sich sofort als Schlager. Pracht- voll ist so das Duett „Komm ich will mich dir schenken", ungemein witzig das Terzett „Ja, die Liebe hat zwei Trabanten", oder das Duett „Komm Liebchen, wander", um nur einiges her- auszuheben. Daß Gilbert ein großer Könner ist, hat er durch die einfallreiche, dramatisch wir- kungsvolle Gestaltung des Finale des zweiten Aktes, dann aber auch durch die aparte, in immer neuen Lichtern und Farben schillernde Jnstrn- mentation bewiesen. Daß die Operette einen so großen Erfolg hatte, ist nicht zuletzt der /chmissigen Aufführung zu danken, die Direktor Steffter und feine Künstler dem Werk zuteil werden ließen. Die Katja ist eine Bombenrolle, nach der jede Ope- rettendiva begeistert greifen wird. Mary D o r ö e sang, spielte und tanzte sie mit so viel Charme und Temperament und gab ihr dazu so viel Innigkeit, daß ihr der Erfolg sicher war. In Kurt Schritt hatte sie einen Partner, der durch sein leidenschaftliches Spiel nicht minder fesselte wie durch seinen warmblütigen Gesang. Edith Steffter spielte die Maud mit sprühen- der Laune. Von hinreißender Komik war wie- Potsdamer Oberbürgermeister Dr. Voseberg durch den Regierungspräsidenten erfolgt ist und bei welcher Dr. Voseberg die erhobenen Vor- würfe sämtlich wild erlegte, den Autrag gestellt» die Stadtverordnetenversammlung auszulösen. Der Regierungspräsident hat zugesagt, den An- trag dem Siaatsministerium weiterzugeben. In Potsdam rechnet mau daher mit der Auslösung der Stadtuerordnetenversammlung bis spätestens anfangs September. Das Reichsg^setchlatt Nr. 74 vom 22. August 1928 hat folgenden Inhalt: Gesetz über Post-, Postscheck- und Telegraphenordnung. Fernsprech- gebührengesetz. Verordnung zur Ausführung des Steuerzinsgesetzes. Ravenstein gegen die Angriffe auf die Reichsbank. Berlin, 26. Aug. Wie schon mitgeteilt wurde, hat Neichsbankpräsideut Havenstein am Samstag im Zenträlausschuß der Reichsbank eine ans- führliche Darlegung der Reichsbankpolitik ge- geben, lieber die neuen Kreditmethoden, die er ankündigte, ist bereits berichtet worden. Präsi- dent Havenstein ging auch aus die Angriffe ein, die in letzter Zeit in starker Weise gegen die Po- litik der Reichsbcrnk gerichtet worden sind. Wäh- veud als Hauptursache 5er Inflation vielfach der Mißbrauch des Reichsbaukkredits durch private Wirtschaftskreise bezeichnet wird, erklärt Präsi- deut Havenstein, die Hauptschuld sei das hem- muugslose Wachsen der schwebenden Schuld des Reiches, also das ungehemmte Schuldenmachen des Reiches bei der Reichsbank, die die Anfor- derungn zum großen Teil durch Druck neuer No- ten erfüllen konnte. Angesichts der ungeheueren Aufgaben, vor denen die Reichsregierung stehe, müsse noch mit einem weiteren außerordentlichen Awachsen der schwebenden Schuld und damit der Papierslut gerechnet werden. Besonders kritisiert wirb bekanntlich die D i S- k o n t pol i t i k der Reichsbank. Havenstein ver- teidigte seine bisherige Diskontpolitik, die Reichsbank habe bisher keinen anderen Satz sest- setzen können, eine allgemeine Erhöhung des Zinssatzes hätte zahlreiche Wirtschaftskreise schwer gedrosselt und geschädigt, insbesondere die- jenigen, die sich bisher noch nicht ans Wertbe- stänidilgkoit in ihrem Betrieb eingestellt hatten oder sich nicht einstellen konnten. Eine Aenbe- rnug dieser Politik sei jetzt erst möglich, nachdem durch Umstellung der Wirtschast aus Weribestän- bigkeit die Unentbehr>lichkeit des reinen, aus Pa- piermark gestellten Warenwechsels zurückgeht. Die allgemeinere Umstellung des Verkehrs habe erst seit etwa einem Monat eingesetzt. Angesichts des Vordringens des wertbestän- digen Verkehrs habe sich die Reichsbauk ent- schlössen, zur möglichst vollständigen Ver- h ü t u n g unbilliger Ausnützung der Papier- markkredite die wertbeständigen Kredite einzu- führen. Die Folgen der Umstellung der Wirt- schaft auf die Wertbeständigkeit seien heute noch nicht zu übersehen, auch die Nützlichkeit ober die Unbedenklichkeit einer allgemeinen Goldrech- nung unter heutigen Verhältnissen sei keines- wegs erwiesen. Der Zentralausschuß sprach zum Schluß der Sitzung dem Reichsbankdirekto- rium einstimmig das Vertrauen aus. der Fritz S t e i d l als Leauder. Und als gar diese Beiden in stannenerregender Beweglichkeit ihre grotesken Tänze vorführten, da kannte die Begeisterung des Publikums keine Grenzen, so daß es zu zahlreichen Wiederholungen kam. Von den übrigen Mitwirkenden sind noch der Humor- volle Botschafter von Max Gerhards, der von Adolf Bahm markant gezeichnete Jwo und der Polizeichef von Alex K u tz n e r mit Aner- kennung zn nennen. Kapellmeister Zörgie- b e l war der Aufführung ein verständnisvoller überlegener Leiter. Das Publikum nahm die Novität begeistert auf. Nach dem zweiten Akt wurden neben den Solisten auch Direktor Steffter, der ver- dienstvolle Regisseur der Vorstellung, und Kapellmeister Zörgiebel auf die Bühne ge- rufen. Auch Blumen gab es in Hülle und Fülle. H. Wck. * Erich Kleiber -Mannheim wird Generalmufik- direkt»» der Berliner Staatsoper. Ans B e r - lin wird berichtet: Die Generalverwaltung der Staatstheater gibt bekannt: Als Nachfolger Leo Blechs wurde im Einverständnis mit 'dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst und Volksbildung der Operndirektor Erich Klei- b e r vom Nationaltheater in Mannheim auf fünf Jahre als Generalmusikdirektor verpflich- tet. Eine weitere Meldung aus Berlin besagt: Nachdem der Mannheimer Kapellmeister Erich Kleiber zum Nachfolger Leo Blechs an der Staatsover ernannt worden ist, hat der Kapell- meister Dr. Stiedrey sein Entlassungsgesuch bei der Generalintendanz eingereicht. „Klarisfas halbes Herz". Unser Berliner Schauspielreferent schreibt: Das neue Berliner Theaterjahr, über dem sorgenvolle Fragezeichen schweben, wurde im Rotterfchen Kleinen Thea- ter mit Max Brods Komödie .^Klarisfas halbes Herz" eröffnet. Das halbe Herz ist das Schauspielerherz. Das Herz der Diva. Es ist ihr, die sich so oft der Rolle hingab, zur Na- tur geworden, sich ihr Herz immer wieder zu- rückzuerobern, um es auf's Neue zu verschwen- den. Menschen, die von den Urbedingnissen der wandlungsfähigen Leidenschaft, der kunstschöpfe- rifchen, nichts ahnen, nennen das imit boshaftem Akzent) Komodie. Da es schließlich dasselbe Menschenherz ist, da« sich in den beiden Welten Ans dem Elfatz. Das in Strahburg erscheinende offizielle Or- gan der internationalen Rheinzentralkommission beschäftigt sich mit der Frage des Hüuinger Ka- nals, der bekanntlich einige .Kilometer nördlich von Mülhausen bei der Napoleonsinsel von dem Rhone-Rhein-Kanal abzweigt und ohne dessen Wasserzuführung vom Rhein ans der Rhone- Rhein-Kanal nicht schiffbar wäre. Der Artikel scheint dazu bestimmt zu sein, den Schweizern die Benutzung des Hüninger Kanals so recht ans Herz zu legen: denn es heißt in ihm, daß durch ihn eine direkte Verbindung mit dem Saarbecken hergestellt werden, fo daß z. B. die Stadt Basel die Saarkohle ohne Umladung direkt von dort erhalten könne, während jetzt zum Abtransport die Eisenbahnen benutzt werden müßten. Der Hüning« Kanal erfreut sich aber bei den Schiffern keiner großen Beliebtheit, weil ober- halb der 6. Schleuse, also auf drei Vierteln der ganzen Kanallänge, die Wassergeschwindigkeit 70 Zentimeter in der Sekunde beträgt. Das Ziehen der Kähne durch Pferde vom Kanal- dämm aus ist daher recht beschwerlich. Nun werden aber die Schiffer darauf hingewiesen, daß es gelungen sei, die Strömung abzuschwä- chen und zwar auf 40 Zentimeter, so daß statt der bisher benutzten 8 Pferde jetzt nur noch 6 Tiere notwendw feien, um einen beladenen Kahn talaufwärtMzu schleppen. Es wird sogar die Einführung eines Benzin- Traktors befürwortet, wodurch die Fahrdauer eines Kahnes auf die Halste der heute erforderlichen Zeit herabgesetzt würde. Weitere Ver- besserungen seien im Gange, so z. B. die Erweiterung der Schleusen, um den Kähnen bis 300 Tonnen Gehalt den Durchlaß zu sichern. Auch iMc Dämme seien streckenweise schon erhöht worden. Der Artikel hofft auch, durch ldie An- läge deS neuen Hüuinger Hasens den nach Ba- sel gehenden Verkehr mehr und mehr an sich zu ziehen und Hat den Zweck, den Schweizern ihre Bemühungen um die Schisfba rmachung des Oberrheins von Basel nach Strasburg zu ver- leiden. Ms Nachdarlänöern -- Ludwigshafen, 26. Aug. In der Gemeinde Altrip ereignete sich dieser Tage eine folgen» schwere Familientragödie. Infolge von Fami- lienzwistigkeiten erschoß der 34jährige Taglöhner Peter Auer in der Wohnung seine 31jährige Ehefrau, nachdem er vorher auf der Straße schon einige Schüsse auf sie abgegeben hatte. Der Tä- ter ist verhastet. Klus VaKen Zum amerikanischen Ueberfall in Eberbach. _ Nach einem Bericht der „Frks. Ztg." befinden sich die Leute, die den Ueberfall auf den Amerika- uer Bergdoll in Eberbach ausgeführt haben und dabei festgenommen wurden, im Würzburger Unte rsuchun göge fänguiS. Schwetzingen, 26. Aug. Nachdem nun die dritte Bürgermeisterwahl ohne endgültiges Resultat verlaufen ist, wird von der Regierung ein Bürgermeister-eingesetzt werden. Nußloch, 25. März. Beim Holzmachen auf einer hohen Tanne stürzte hier ein ungefähr 12jähriger Knabe ab. Er blieb mit einem dop- pelten Arm- und Oberschenkelbruch noch im Walde mehrere Stunden liegen, bis er aufge- funden wurde und ins Akad. Krankenhaus nach Heidelberg verbracht werden konnte. der Schauspielerin, also im Theater und in der privaten Sphäre, nach seinen eigenen Beding»»- gen auslebt, so erregen Künstlerinnen mit dem Wandel ihrer „Liebeslaunen" Aergernis bei Leuten mit unteilbarem Ich. Daö erotische Pro- blem der Schauspielerin — wenn man, trotz aller individuellen Unterschiede ganz allgemein von einem solchen sprechen kann! — wurde von Dichtern längst reichlich behandelt. Die Ko- mödie von Max Brod hat in der Grundauf- fassung einige Verwandtschaft mit Heinrich Manns Drama: „Die Schauspielerin", in der äußeren, überraschender Weise ein bißchen alt- modischen Theatertechnik jedoch mehr mit Wil- brandts Schauspiel: „Der Mann der Debntan- tin." Dem feinsinnigen Präger Dichter ist zu- gute zu halten, daß er, unbeschadet des flattern- den, in vielen Farben schillernden Mantels der Komödiantin, das Wesen einer Künstlerin, die sich selber gibt, indm sie sich ewig nur spielt, kristallisierte. Seine Klarissa ist untreu, untreu dem Gatten, untreu dem Liebhaber, und bald der Bühne, bald dem eigenen Hause untreu — und dabei doch sich selbst getreu. Zum Unter- schied vou anderen literarischen Abspiegelungen, aber auch von gar manchen Damen der Bühne, die nicht im echten Künstlernaturell verankert sind und doch ihre Libertinage der Kunst auf's Kerbholz schreiben, ist diese Klarissa ehrlich und naiv. In aller scheinbaren Verlogenheit ehrlich und naiv! So meinte es Max Brod. der Dichter. So kam es aber nicht durch die brillierende Leo- poldine Konstantin zum Ausdruck, die uns nur den schillernden Mantel geben konnte. Daö Dichterische der Komödie kam dabei um sein Recht und das Stück wurde mehr als sein Eigen- inhalt erlaubte, zu den älteren Theaterstücken gerückt. Vielleicht war gerade darum der äußere Erfolg bei der Mehrheit der Zuschauer so lebhaft. . . Hermann Kienzel. Kunst und MlienlÄmft Ausstellung deutscher Kunst in Brüssel. Im Brüsseler Museum veranstaltet die Direktion gegenwärtig eine Ausstellung altdeutscher Kunst aus belgischem Privatbesitz — ein eigentümliches Zusammentreffen mit der Haßpropaganda, die die meisten belgischen Zeitungen in der Zeit der Ruhrbesetzung gegen deutsche Art nötig finden. Das Hauptstück der Ausstellung ist ein kostbares X Herrischrieb. 26. Aug. Unter Ausnutzung des Sägebaches. Weidenbaches, Wiedenbaches und des Hagemattengrabens beabsichtigt die hie- sige Gemeinde die Errichtung eines Elektri- zitätswerkes zur Versorgung der Ge- meinde mit Licht und Kraft. X Douauefchingeu, 26. Aug. Die Arbeiten am Krankenhausneubau sind nun so weit vorgeschritten, daß mit der Eröffnung des Kran- kenhanses für Anfang September gerechnet wer- den kann. Interessant ist die Tatsache, daß heute ein einfaches Türschloß so viel kostet, als die Summe des Voranschlages für den ganzen Neubau ausmachte, nämlich 5 Millionen Mark. X Schramberg. 26. Aug. Am Donnerstag nachmittag stieß der 2?jährige Kaufmann Ru- dolf Platz aus noch unaufgeklärter Ursache gegen das Hinterrad der ihm in langsamem Tempo entgegenkommenden, rückwärtssahren- den Zuglokomotive von Gebr. Junghans. Der Lokomotivführer, der sofort stoppte, konnte nicht mehr verhindern, daß Platz vom Rad geworfen und überfahren wurde. Der Verunglückte er- litt so schwere Verletzungen, daß er noch am sel- ben nachmittag im Krankenhaus starb. X Triberg, 26. Aug. Auch hier hat die neue. Tariferhöhung dazu beigetragen, daß die Kur- fremden die Heimfahrt angetreten haben. Im ganzen wird die diesjährige Saison als mittel- mäßig bezeichnet. d. Stockach. 26. Aug. Am Donnerstag nach- mittag wurde die 12jährige Pflegetochter des Landwirts G u g g e l am Dickenwald von einem Burschen überfallen. Dieser versuchte, nach- dem er vorher nach dem Wege gefragt hatte, daö Mädchen zu vergewaltigen und bedrohte es mit dem Messer. Das Kind besaß die Geistesgegen- wart, dem Mann das Messer zu entreißen, ver- letzte sich aber dabei sehr schwer. Ein zufällig des Weges kommender Genbarmeriewachtmei- ster konnte das Mädchen befreien und den Na- men des Unholds feststellen. Dieser selbst ist dann leider entkommen. - Freiburg i. Br., 2«. Aug. Dieser Tage konn» ten wir von dem lOPährigen Jubiläum der alte- sten Bewohnerin von Jechling«» berichten, von der gesagt wurde, daß sie wohl auch die älteste Bewohnerin der Kaiserstühler Gegend sei. Wie jetzt bekannt wird, lebt aber in Freiburg eine noch ältere Kaiserstühlerin, die Witwe Heil- bruner, die am 22. November ihr 102. Le' bensjahr vollendet. X Konstanz. 26. Aug. Im Alter von 58 Jahren ist am 23. ö. Mts. der Landgerichtsdirektor Friedrich Trolle gestorben. 1865 in Wiesloch geboren, war er Notar in Ettlingen, Engen und Gernsbach. Amtsrichter und Oberamtsrichter in Mannheim. Im Iahte 1300 wurde er Land- gerichtsrat und kam in gleicher Eigenschaft nach Konstanz. 1921 wurde er zum Landgerichts- öirektor und Vorsitzenden der Kammer für Han- delssachen ernannt. X Oehningen (81. Konstanz), 26. Aug. Ein Fischer in Stiegen fing am Donnerstag einen Hecht, der das ansehnliche Gewicht von 25 Pfund aufwies. X Waldshut, 26. Aug. Unter dem Namen Wilhelm Meter von Obereggingen. Wilhelm Ebner von Oberalpfen oder Wilhelm H u b e r von Unteralpfen hat ein Schwindler ver- schiedene hiesige Einwohner um größere Geld- betrüge betrogen. Der Täter bietet meist ge- suchte Lebensmittel an .läßt sich Geld im voraus geben, um dann auf Nimmerwiedersehen zu ver- schwinden. - Frcndenstadt, 26. Aug. Die 54jährige Ehe- sran des Weinhändlers W e i k e r t stürzte beim Dreschen eine Treppe rücklings herab nnd war sofort tot. Frühwerk des Straßburger Meisters Hans Baldung Grien, der damals, 1507, in der Um- gebung Dürers war. Es ist ein Altar mit der Marter des heiligen Sebastian im Mittelstück, sehr kernig und etwas schwerflüssig in der Er" zähluug, farbig vom allerschönsten, was Baldung malte. Es gehört der Frau von Gold* schmidt-Przibram, die ihren Kunstbesitz vo» Wien nach Brüssel schaffte. Darin ist auch ei« der altdeutschen Kunstgeschichte wohlbekanntes Nürnberger Werk auS dem Anfang des 15. Jahr- Hunderts- die Darstellung von Maria an der Spindel, Elisabeth mit der Garnhaspel. der Ehri- stusknabe will dem kleinen Johannes eine Pfanne wegnehmen, und dieser ruft sdie Worte stehen auf der Tafel): sieh Mutter, Jesus tut mir. Bei dieser Gelegenheit kam auf der Rück- seite des Bilde? eine eindrucksvolle Gefangen- nähme Christi zum Vorschein, und nicht nur da' mit enthüllt sich die Tafel als Teil eines große« Altars, dessen andere Flügel im Nürnberger Museum sind. Von Cranach sieht man auf der Brüsseler Ausstellung die Bildnisse Friedrichs des Weisen und Johannes des Beständigen aus der früheren Sammlung Peltzer, jetzt Albert Warnant gehörig, dann die große Venus mit dem Amor als Honigdieb aus der Sammlung L*on Cassel und eines seiner überzierliche» Parisnrteile, auf dem die drei Wittenberge^ Fräuleins eine so possierliche Parade vor dem Ritter zu Füßen einer deutschen Eiche machen- Sonnenfinsternis. Am 10. September findet eine totale Sonnenfinsternis statt, die am besten in Mexiko sichtbar ist. Etwa zehn Expeditione^ die in der Hauptsache von Amerika ausgerüstet werden, sind bereits in Mexiko eingetroffen, »m das Beobachtungsfeld vorzubereiten. Es handelt sich auch diesmal darum, die Einsteinsche Relati' vitätstheorie in bezug auf die Ablenkung des Lichtes nachzuprüfen. In der Nähe der Sonne werden sich während der Finsternis etwa 80 Sterne befinden, deren Ablenkungswinkel jeden einzelnes! von Professor Emanuelli vow vatikanischen Observatorium in Rom bereits be' rechnet sind. Die beiden Sonnenfinsternisse vom 9. Mai 1910 und 20. September 1922 haben, wie man weiß, die Theorie Einsteins voll bestätigt- Man sieht deshalb mit großen Erwartungen dem Ergebnis der Nachprüfung gelegentlich der dies- jährigen Finsternis entgegen. Nr. 235 Karlsruher Tagblatt, Montag, den 27. August 1923 Seite 3 Zur Eröffnung der Leipziger Herbstmesse 1923. Wie bMer zerfällt üie Messe in zwei räumlich ««trennte Teile, in die All^emvine Mustermesse ui der Annenstadt r. ad in die Technische Messe, verbunden mit der Blamnesse, aus dem städtischen Ausstellungögeländs am VölkerMachtdenkmal. Bon d»r Technischen Messe ist nur die Sonder- weffe für Kino, Photo, Opttk und Feinmechanik vbgeglieidert, die, in erweitertem Umfange, auch letzt wieder in der Turnhalle am Frankfurter Tor untergebracht wird. Die Ans-de'hnungZbeit r Minsen, die besonders aus der Technischen Messe zutage treten, haben Hier verschiedene UmgrirMiernngen zur Folge gehabt, die teilweise anch darauf beruhen, daß die dort in Bau befindlichen wallen — man denke nur an das Haus der Elektrotechnik — weiter vorgeschritten sind und somit nsue Aussteller auf- «ehmen konnten. Anders liege« dagegen die VerhUtnifse in der Innenstadt. Die Textilmefse hat insofern eine Erweiterung erfahren, als außer der bereits Wt Frühjahr in Benutzung genommenen Grassi- Textilmeßhalle jetzt aitch ein Teil des Grassi- Textibmetzhauses mit für Ausstellunasz>wecke frei- Wgeben worden ist. Ebenso wird jetzt Mm ersten Male das Stockwerk des bekannten, am Königs- Aatz gelegenen Kaufhauses Steigerwald & Kaiser mit für die Textilmesse herangezogen. Einen vollständigen Wandet in der Belegung mit Ans- stellamgsständen macht sodann das Metzhaus »Kosmos" an der Gottscheidstratze durch. Hier sind M dieser Messe zum ersten Male Muster- Ausstellungen von Mas und Porzellan, Haus- Haltungsgegenständelt uuö von Galanterie- und Lederwaren untergebracht. Eine Aenderung ist auch unter den Ausstellungen im Universitäts- SebSude insofern eingetreten, als man jetzt hier Mir noch kunstgewerbliche Erzeugnisse vorfinden wirb, nachdem vereinzelte früher dort unterge- brachte Ausstellungsgegenstände von Uhren und Schmuckwaren den übrigen, speziell der Edelmetall-, Uhren- und Schmnckmesse dienenden Metzhäusern, also in erster Linie Specks Hof, Hotel KönigAhof, Hotel Grüner Baum und dem Metzhaus Sachsenhos, zugewiesen worden sind. An der Wandelhalle deS alten Rathauses wird auch diesmal wieder,, wie zur Frühjahrsmesse, jedoch in noch weiterem Umfange, der Bund der Amichen soz-ialMichen Sowjetrepublik ausstellen. %n Graffi-Museum zeigen sie die Erzeugnisse chrer Volkskunst. Erwähnt sei noch, datz die Ent- wurfs- und Modellmesse, die allen deutschen kunstgewerblich schasse irden Künstlern Gelegen» beit lbietet, ihre Entwürfe und Modelle gebühren- frei während der Messe zn zeigen, diesmal im Rahmen ihrer allgemeinen Ausstellung eine Sonderausstellung von Entwürfen und Photo- graphien vorbildlicher Metzstände, Kojen und Berkaussrinune der Allgemeinen Mustermesse veranstaltet, die auf großes Interesse stoßen bürste. Das Mefomt gibt währenb der Herbstimesse wiederum das „Amtliche Leipziger Metzabretzbuch der Allgemeinen Mustermesse", das „Amtliche Leipziger Metzadretzbuch der Technischen Messe" und das „Amtliche Son«derverzeichnis !der Tex- tilaussteller" heraus. Sie sind dem Metzbesucher Vicht nur ein Führer durch die verschiedenen Metzhäuser, sondern ein naheM vollständiges Nachschlagebuch der gesamten deutschen Industrie. Ein Auskunftbuch mit Stadtplan erleichtert ihm öas Zurechtfinden in der Stadt u. die Benutzung öer zahlreichen zu seiner Erleichterung geschähe- Avn Einrichtungen, lieber alle in Leipzig wä>h» rend der Metztage se-lbst statt find enden Versa mm- lungen und Veranstaltungen sowie über die aktuellen WU'tschastsfragcn unterrichtet ihn so- boim die während der Metzwoche täglich erschei- Nende „Metzamtliche Wirtschafts- un>d Export^!- tung". In ihr findet er auch das Tagespro- BTcimm der zahlreichen Veranstaltungen küust- irischer Natur, wie Theater, Konzerte usw.. mit denen die Btessestadt. Leipzig ihren Gästen nach getaner Arbeit einige frohe Erholungsstunden bereiten will. Neben den Festvo-rstellungen in öen Theatern, vielfach unter Mitwirkung be- ^iihmter auswärtiger Gäste, findet ein grosses Messe-Sonderkonzert unter Bruno Walters Lei- tunq im Gewandhatts statt, denen sich Gesangs- Mtfführnngen des Thomanerchors und der Leip- ziger Singakademie, des Leipziger Rivdelvereins, tägliche Konzerte im B'ölkerschlachtdenkmal u. a. w. würdig anreihen. ^ Sunte Qlronik Der Tod in den Bergen. Ueber Unglücks- fälle auf dem Watzmann wird der F. Z. aus Salzburg folgendes gemeldet: Auf dem Watz- mann entdeckte ein Berchtesgadener Tourist an der Ostwand, 200 Meter unter der Mittelspitze, drei aneinander angeseilte Leichen, von denen eine freihing. Die Leichen strömten bereits einen starken Verwesungsgeruch aus. Da der Berchtesgadener außerstande war, sie zu bergen, ging er zu Tal und erstattete von seiner Wahrnehmung Bericht. Am nächsten Tage er- stiegen zwei andere Berchtesgadener Touristen die Ostwand, um die Leichen zu bergen. Sie fanden diese aber nicht mehr: wahrscheinlich wa- ren die Körper durch daS in der Nacht tobende heftige Gewitter in die Tiefe geschleudert wor- den. Im Laufe ihrer Nachforschungen fanden die Touristen die Leichen zweier anderer ver- unglückten Tonristen, nämlich des Zahnarztes Ernst Müller aus Barmen und des Kaufmanns Walter Bentrup aus Düsseldorf, die anscheinend infolge von Erschöpfung umgekommen waren. Die Leichen dieser beiden Opfer der Berge wur- den zu Tal gebracht. Nach den drei anderen Leichen wird weiter gesucht. Ferner wird aus Admont berichtet: Der Photograph Otto ans Wien bestieg am 13. August mit einem Geführ- ten zwecks photographischer Aufnahmen die Hochtor-Nordwand. Am Abend wurden Hilfe- rufe vernommen« Ein Tourist stieg so weit an der Wand empor, datz er sich mit den Verstiege- nen verständigen konnte, und hörte nun, datz Otto durch Steinschlag verletzt sei. Obwohl so- fort eine Rettungsexpedition ausgerüstet wur- de, konnten die Verstiegenen erst nach drei Nach- ten, während deren sie bei Wettersturz an der Wand ausharren mutzten, geborgen werden. Raubiiberfall im v-Zug. In einem Abteil 2. Klasse des Schnellzugs Berlin- Amsterdam wurde zwischen den Stationen Rheine und Salzbergen durch zwei Polen ein Ueberfall auf eine holländische Familie verübt. Die Täter versuchten, den Lehrer Rüben aus Amsterdam mit einem Beil zu erschlagen und brachten auch seiner Frau und seiner 12 jährigen Tochter zahlreiche Verletzungen mit einem schar- fen Instrument bei Hierauf raubten sie samt- liche der Familie gehörigen Koffer und ver- schwanden Die Täter konnten aber feftgenom- men werde«. Die Ueberfallenen wurden in be- wußtlosem Zustande in das Krankenhaus nach Bentheim verbracht. Die Trauung im Freien. Brooklyn, die grotze Schanstätte Neuyorks erfreut sich einer kleinen Kirchensensation. Es gibt dort in einem Park einen schönen Rosengarten, der von der Bevöl- kerung eifrig besucht wird, zumal in schönen Sommerwochen. Ein besonders naturschwärme- risch veranlagtes junges Paar hatte von der Parkkommission die Erlaubnis erwirkt, sich dort im Rosengarten öffentlich trauen zu lassen. Ein Priester einer Gemeinde in der Nachbarschaft hatte eingewilligt, die Trauung zu vollziehen. Nun aber war -das Ereignis vorher öffentlich bekannt gegeben worden und als die Stunde der Trmiung herannahte, war nicht nur der Ro- sengarten, sondern auch der umliegende Teil des Parks mit einer schaulustigen Menge dicht ge- füllt, das veranlaßt? den Priester feine Zusage zurückzuziehen und die Vollziehung des Ehe- schlusses abzulehnen. In Amerika ist man aber in solchen Fällen um Aushilfsmittel nicht ver- legen. Es fand sich schnell ein anderer Priester, der solchen Gewissensbissen nickt unterlag, und so konnte tatsächlich die Trauuna vor der ver- sammelten schaulustigen Menge vor sich gehen. Ein Eheschlutz im Rosengarten ist schließlich noch immer nicht so sensationell und nervenauf- peitschend, wie eine Trauung im Löwenkäfig, was auch schon dagewesen ist. Die verdorbene Hochzeitsreise. Eine Hoch- zeitsreise, die ein junges Paar anf dem Ham- burger Dampfer Grete nach Neuyork nassauern wollte, hat ein böses Ende gefunden. Wilhel- mine Strieglitz und Gustav Schmidt hatten sich in Hamburg an Bord geschlichen nnd im Koh- lenbunker versteckt. Als das Schiff drei Tage auf See war, krochen die beiden halb verhun- gert und ganz verrutzt hervor und gaben sich zu erkennen. Sie durften baden und wurden mit frischer Wäsche versorgt, bei der Ankunft in Neuyork jedoch der Einwanderungsbehörde übergeben, die ihre Rücksendung veranlatzte. Aus dem Plan, sich in Amerika zu verheiraten und niederzulassen, wurde also nichts. An die Leser der Karlsruher Zeitungen! Die in den letzten Wochen über Deutschland hereingebrochene Wirtschaftskatastrophe hat die Zeitungen in einem solchen Matze in Mit- leidenschaft gezogen, daß in großen Teilen Deutschlands die Stillegung der Zeitungsbe- triebe angekündigt wurde. Die Karlsruher Zeitungsverlage glauben diese schwerwiegende Maßnahme im Interesse der Allgemeinheit vor- läustg nicht in Aussicht nehmen zu sollen, so- lange die Betriebe, wenn auch unter größten Opfern, überhaupt noch aufrecht erhalten werde" können. Dazu sind aber schnelle und durch- greifende Maßnahmen erforderlich. Es mutzte daher von den Verlegern beschlossen werden, datz unter grundsätzlicher Aufrechter- Haltung des Monatsabonnements an Stelle des bisher geübten vierzehntägigen Einziehens der Bezugsgelder von jetzt ab das Bezugsgeld wöchentlich von den Lesern erhoben wird, da einesteils die sonst unvermeidlichen Nacherhebungen für den Verlag sowohl wie für die Leser unangenehm sind, andererseits aber heute keine Möglichkeit besteht, auf eine längere Zeitspanne als höch- stens eine Woche die Preise annähernd richtig festzusetzen. Zu den vielen schweren Sorgen der Zeitnngsverlage um die Wetterführung der Be- triebe gesellt sich als neue die Sorge, ob die Leser das nötige Verständnis für die um ihre Existenz ringende Presse haben und es durch treues Fest- halten an dem gewohnten Blatte beweisen wer- den. Wir bitten daher unsere Leser dringend um verständnisvolles Verhalten gegenüber den notwendigen Forderungen der Zeitungen. Karlsruhe, den 23. August 1923. Vereinigung Karlsruher Zeitungsverleger. * Die Leser des „Karlsricher Tagblattes" setzen wir hiermit unter VezugnrHme aus obigen Beschlutz d^avon in Kenntnis, baß vom 1. September ab die BeMgsgebühren wöchentlich er» hoben werden. Die Erhebung geschieht jeweils in der der LiefernngSwoche vorausgehenden Woche, so daß also in der Woche vom 26. August bis 1. September die BeMgsgebühren für die Lieferung der Zeitung in der Woche vom 1. bis einschließlich 8. September und in der Woche vom 2. bis 9. September die Bezugsgebühren für die Lieferung in der Woche vom 10. bis 17. Septem- ber usw. erhoben werden. Für die Woche vom 1. bis 8. September beträgt die BeMgSgebühr für unser Blatt laut Beschlutz der Bereinigung der Karlsruher Zeitun>gsverl«>ger 750 000 Mark. In diesem Betrage ist eine ab 26. August im ver- meWiche Erhöhung der Augustbez>ugspre!se ent- halten. Leser, welche ab 1. September unser Blatt nicht mehr beziehen, sind verpflichtet, die wettere August,Preiserhöhung zu bezahlen. Wir richten an unsere verehrlichen Leser die Bitte, die BeMgSgebühr, welche jeden Samstag für die nächste Woche veröffentlicht wird, jeweils Montags oder Dienstags bereit zu halten. Verlag des Karlsruher Tagblattcs. Aus bem Stadtkreise Warnung. Anfang August hatte sich ein 14 Jahre alter Volksschülcr aus Berghausen beim Barfußlaufen eine Verletzung> an der linken Ferse zugezogen. Es trat Wundstarr- kramps hinzu, infolgedessen der Knabe in einem hiesigen Krankenhause gestorben ist. Brand. Ju einer Schuhmacherwerkstätte der Schützenstratze brach gestern nachmittag 1.30 Uhr auf bis jetzt noch ungeklärte Weise Feuer aus, das durch die herbeigerufene Feuerwache gelöscht werden konnte. Es ist nur unbedeutender Schaden entstanden. Veranstaltungen. Stadt. Konzerthans. Heute Montag und morgen Dienstag finden die zwei letzten Auf- sührungen der Operette „Katja, die Tän- zerin" statt. Mittwoch abend geht als letzte Operettenneuheit der diesjährigen Spielzeit „Verliebte Leute" von Küunecke in Szene, dem Komponisten der hier sehr erfolgreicheit Operette „Wenn Liebe erwacht". Auch von „Ver- liebte Leute" finden nur wenige Aufführungen statt, da am kommenden Sonntag, den 2. September die diesjährige Spielzeit ihr Ende er- reicht. — Infolge der erhöhten städtischen Ab- geben für Kleiderablage und Einlatzgebühr ist die Direktion veranlaßt, die Preise zu erhöhen. Kaninchenzuchtvercin. Im Gartensaal der Schremppschen Brauerei fand am Samstag und Sonntag eine Jnngtierfchau von Kanin- chen aller Rassen statt, die sehr gut beschickt war: gegen 300 Tiere waren zur Stelle, die heutigen, fast unerschwinglichen Fleischpreise müssen alle diejenigen, welche über den nötigen Platz ver- fügen, auf die Haltung und Zucht der Kaninchen hinweisen. Es ist nicht nötig, daß nur große Nassen, Belgier, franz. Widder, Riesen usw. gc- halten werden, die an die Fntterbeschaffung grotze Anforderungen stellen: auch kleinere Ras- sen erfüllen ihren Zweck, und gerade die Jung- tierfchau hat dem Laien gezeigt, datz auch klei- yere, im Futter weniger anspruchsvoll sich zei- gende Tiere zum Halten nicht unrentabel sind. Kleinsilber, Grausilber, Gelbsilber, Hermelin, Japaner, Russen, Holländer, Schwarz-und Blau- loh, lauter Tiere, die an Futter, Stallraum usw. nicht zu große Anforderungen stellen, waren ausgestellt, so daß sich auch der Laie genügend überzeugen konnte. Aber auch die großen Ras- sen waren zur Stelle, so daß gtr- Belehrung genügend Material vorhanden wor. Die Anord- nulig war gefällig nnd es gcbvhrt dem Vor- stände, Herrn M e h n e, sowie den Kommission?- Mitgliedern Dank und Anerkennung. Auch Fell- proben waren ausgestellt, und genossen allge- meine Beachtung. Finden die Kaninchenhaltung und die Kaninchenzucht neue Anhänger und Freunde, so hat die Veranstaltung ihren Zweck erfüllt. —n— Amtliche Nachrichten Ernennungen. VcrsebuiMn usw. der vlamnähigen Beamten. Ministerium deö Innern. Ernannt: die Polizeiwachtmeister Christian t?e?a in Karlsruhe und Karl Schupp in Pforzheim zu Polizeioberwachtmeistern. — Amtmann Oskar W o l z in Karlsruhe zum Negierungsrat. — Kanzleiassistentin Berta F l e n ch a u s beim Landeökommiffär in Mann- heim zur Kanzleifekretärin daselbst. Berlebt: Verwaltungsobersekretär Melchior Mohr in Billingen als Oberrevisor zum BeizrkSamt Wetn- heim. — Polizeiwachtmeister Karl Trank in KarlS- ruhe zum Bezirksamt Baden. Entlasten ans Aruuchru: Polizeiwachtmeister MarkuS Müller in Freiburg: Polizeiwachtmeister Heinrich A x t in Mannheim Kultus- und Untcrrich.'sMinisterium. Ernannt: den Prtvatdozenten Dr. Heinrich Stall an der Universität Heidelberg mit Wirkung vom 1. Ok- tober 1823 unter Entlassung aus dem Dienst der badi- schen Justizverwaltung zum planmabigen ansicrordent- lichen Professor in der rechts- nnd staatsivissenschastllchen Fakultät der Universität ffreiburg. Ans dem Bereich des Rechnungshofes. Ernannt: Nevisionsinspektor Ana. ?lndree beim katbol. OberstistnngSrat zum ReviNonsinspektor beim Rechnungshof. Vom Wetter. Voraussichtliche Witterung. Meist bedeckt, zeit- weise Regen uud warm. Aus Bädern und Kurorten. Herrenalb. Die Zahl der Fremden betrug bis zum 23. August 6406. Tagesanzeiger Montag, de« 27. August 1928: Stadt. KouzerthauS: „Katja, die Tän- zerin". Abend? 7.K0 Uhr. Stadtgarten: Konzert beim Schwarzwaldi- Haus. Abends 8 Uhr. Statt jecker besonderen Anzeige. Todes-Anzeige. Nach 14tädigem schweren Leiden ist heute früh 9 Uhr meine liebe Frau und treue Gattin, unsere heizensgute Mutter, Schwester, Schwägerin und Tante Emma Kürner geb. Berger im Alter von 38 Jahren sanft entschlafen. Karlsruhe, den 26. August 1923. In tiefer Trauer: Adolf Ifürner u. Kinder „Zum Grünwald' 4 . Die Beerdigung findet am Dienstag, den 28. August, nachmittags 3 Uhr, von der Friedhofkapelt e aus statt Trauerhaus: Riipporrerstraße 2. Trauerbriefe j^der Art liefert rasch und in »»Miosei Antfükrung die Tafblatt-Druckerei, Rttirstr. 1, Firtipr. 297 Karlsruhe Marie Baum Fred Stoll, Architekt Verlobte August 1923 Leipzig ©5? iflÖSJS Posttarif mit den Telephon- u. Telegraphengebühren ab 20. Aug. 1923 und den übrigen Gebühren ab 24. Aug. 1923 Sonderabdruck aus dem Karlsruher Tagblatt ist erschienen und in unserer Geschäftsstelle, Ritterstraße 1, zu haben. Preis 5 Pfd. X Buchhandelsschlüsselzahl (z. Zt. 'l 000000 — Sv 000 Mk.) Stielt. Korezertteaus. Leitung: Direktor Adalbert Steffter. Heute Montag u. morgen Dienstag, abends 7^2 Uhr Letzte Aufführungen Katja, di e T änzerin Ab Mittwoch, 29. August, tSglich »bends TUhr Verliebte Leute Operette in 3 Akten von Künneke. Schiaß der Spielzeit: Sonntag, den 2. September. Donnerstag, Auauft ViSmar-tstrafte 1« >> (»u3 HerrscimttSSausN f Uidetfrtirfinfe «darunter «an, yt. Dopvcttchrank». Kommoden. Bell. Diwan. CSatlelonane. Schreib-, »viel-, Rauch- und .äu'itlfch. Polster-, «lavier- u. Zimmcrstttdle. Küchenichrank. serd. EmaUnmrm« und Gasbadosen. Eisschrank, (^onsol mit Mar- IN0I Soieael, Bild.'r, Hauöra' :c.. s«,war«er Zka.«an lStllier- und Bitcherlchrauk>, Tisch, 2 Sessel, Bt. Svieael. Pariser Pendule uno 2 Leuchterl, Besichtig«",! ko« 'M* U»,r ab. Th. Hesch, K5öeS°"i»^'W^. Noch rllstise ober Kleinrentner peus. Beamte alk Sinkalst«»«r bei guter Bezahluna kür so- fort gesucht. Zu erfragen im Tagblattbüro. Hi» ii. Mmttoi Karlsruhe «. In der am 22. dS. MtS stattgehabten aufteror» denilicken Generalv lammlung wurde d?r frilSfliont. aus 500000 eryöbt. Die Mitglieder werden ersucht, dem Be- schlnfc b«Idi«st nachkommen zu wollen. _ Mob/. Zimmer oderWohnunffoa vermittelt schnell u. sicher eine kleine Anzeiee im ,, Karlsruher Tagblatt". l A; ' . 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Am frühen Mrogen versammleten sich die Wagen und Motorräder in Herrenalb. in langer Auffahrt zu einer Korsofahrt, die an Stelle der nicht genehmigten Bergprüfungsfahrt auf den Dobel von der Turnierleitung in um- sichtiger Weise eingelegt wurde. Durch den herrlichen Morgen ging die Fahrt über Frauen- alb, Marxzell. Bergschmiede, Neusatz zurück nach Herrenalb. Mit der Fahrt wurde auch zugleich eine kleine Prüfung für Krafträder und Wagen über eine Strecke von 6 Kilometer verbunden, deren Ergebnisse weiter unten folgen. Die Straße war zum größten Teil in tadellosem Zu- stände, da infolge des am Vormittag nieder- gegangenen Regens kaum eine Staubentwick- lung sich zeigte. Mehrere Kurven, die an die Geistesgegenwart und Geschicklichkeit der Fahrer große Anforderungen stellten, aber auch beträcht- liche Steigungen, bei deren Ueberwindung die Motore ihre Leistungsfähigkeit beweisen konnten, fehlten nicht. Zu erwähnen ist bei Be- trachtung der Ergebnisse, daß nur ganz wenige Fährer die Strecke kannten. Von Unfälle« schwererer Natur blieb der Tag glücklicherweise verschont. Der Nachmittag brachte die Geschicklichkeits» fahrt im Kurorten, die zahlreiche Zuschauer herbeigelockt hatte. Manche Überraschungen und spannende Momente gab es hier. Auch der Humor kam zu seinem Rechte, indem ein Motor- rädsahrer es sich nicht nehmen ließ, mit seinem Fahrrad eine Fahrt durch den See zu verbuchen. Der Abend versammelte die ■ eilnehmer im Saal des Kurhauses zur Preisrerkiindung und Preisverteilung. Der Vorsitzende Herr Hart- mann, Mannheim, begrüßte 5i" Erschienenen und dankte vor allem dem Herrn Stadtschult- heiß Grüb für die Förderung, die die Stadt Herrenalb dem Turnier hatte angedeihen lassen, ferner den Stiftern der Ehren- und Man- dervreise, sowie allen Svortssreunden, die durch ihre Teilnahme das Interesse für die Sport- fache bekundeten. Der Gausportleiter, Herr A. Thomas, Mannheim, nahm alsdann die Preisverkündnng vor. In humorvoller, tref- fcnder Weise schilderte er die Schwierigkeiten, die sich teilweise der Abhaltung des Turniers entgegengestellt hatten und erwähnte, daß die Ergebnisse manche Ueberraschung brachten. Kur- direktor Lange hatte sich um die während des Turniers stattgefundenen gesellschaftlichen Ver- anstaltungen besonders bemüht. Zum Schlüsse sei noch erwähnt, daß Herr Wagner. Stutt- gart, in dankenswerter Weise den Vertretern der Presse seinen Stoewerwagen ((12/80 PS.) zur Verfügung gestellt hatte. Klasse I, Leichtkrafträder bis einschl. 173 ccm. 1. Auto Ell. E. Gehrung-Stuttgart. «,31.6, 2. D.K.W. A. Hausmann-Heidelberg, 7,04, 3. D.K.W. H. Hausmann-Heidelberg, 7,11,5, 4. Giro. ©.Müller* Karlsruhe 7,58. Klasse n, Leichtkraftkräder bis einschl. 250 ccm. 1. Velo Jörg-Karlsruhe 6,38,5, 2. N.S.U. Weiß-Pforzheim 6,48,5, 3. N.S.U. P. Reichert- Bad Mergentheim 7,05, 4. Luwe. L. Weber- Freiburg. Klasse Ol, Krafträder bis einschl. 350 ccm. 1. AH.S. König v. Fachsenfeld-Stuttgart 5,10,5, 2. Giro, R. Findling - Karlsruhe. 6,09, 8. Ardie, ©. Oberle-Singen, 6,48,5. Klasse IV. Krafträder bis einschl. SM ccm. 1. Victoria, P. Mahlenbrei- Stuttgart, 5,03,5, 2. Triumph, A. Motz-Kvn stanz, 5.21, 3. N.S.U., W. Geis -Psorzheim, 5,26,5, 4. Victoria, E. Fuß-Baden-Baden, 5,41.5, 5. K.G., R. Hertel- Stuttgart, 6,16,5, 6. N.S.U., K. Wein-Herrenalb, 6,20, 7. K.G., I. Henrichs-St. Wendel. 6,22, 8. Victoria, F. Kindler-Baden-Baden. 6.25. Klasse V. Krafträder bis einschließlich 730 ccm. 1. Megola, Fr. Schmidt-Ludwigsburg, 5,57,5, 2. Wanderer, Mürle-Pforzheim. 6,14. Klasse V a, Krafträder über 750 ccm. 1. N.S.U., G. Kaiser- Karlsruhe. 5,45, 2. N.S.U.. E. Be- senmayer-Gaggenau, 5,54, 3. Karleyda. F. B a - stian-Karlsruhe. 6.06. Klasse VI. Krafträder mit Beiwagen. 1. Wan- derer, A. Kornmann, Karlsruhe, 6.08, 2. Vir- toria, K. Mahlenbrei, Stuttgart. 6.11,5, 3. N.S.U., W. Blicker, Karlsruhe, 6.40,5. Wagenklasse VI! bis einschließlich 3 St. PS.: 1. N.S.U. H. Gerstel. Pforzheim. 5.57;5, 2. Grade. Beck, Karlsruhe. 6.23, 3. N.S.U.. W. Leicher. Heilbronn, 6.24. Wagenklasse VW bis einschließlich 6 St. PS.: 1. Benz. K. Kapyler. Gernsbach, 5.21, 2. Ley, F. Seine. Böblingen. 6.25. Wagenklasse IX bis einschließlich 8 St. PS.: 1. Selve, W. Rösch. Pforzheim. 5.37. 2. N.S.U.. M. Weiß, Pforzheim, 5.37,5. Wagenklasse X bis einschließlich 10 St. PS.: 1. Mercedes, A. Rosenberger, Pforzheim. 4.52. iBeste aller Zeiten. Ehren-Wanderpreis für Wagen, gestiftet von der Stadt Herrenalb.) 2. Presto, F. Schröder, Mannheim, 5.21. 3. Steiger, H. Vehr, Ludwigsburg. 5.26. Ergebnisse der Geschicklichkeitsfahrt. Motorräder. Viktoria Hausmann-Heidelberg 52 Punkte, NSU. P. Reichert-Bad Mergentheim 53,5, Victoria, H. Hirsch-Karlsruhe 56,5, Ardie, E. Oberle-Singen 58, Luwe, L, Weber- Freiburg 67,5, Akrema, K. Vollbrecht-Mann- heim 76 Züudapp, E. Messerschmidt-Mannh. 78. Krafträder mit Beiwagen. Victoria. E. Rei- ser-Stuttgart 79, N.S.U. P. Kohlschein-Pforzheim 81, Wanderer, A. Kornmann -Karls- ruhe 88. Wagen. Benz, K. Kappler-Gernsbach 86, Merzedes^ A. Rosenberger-Pforzheim 105, Freya, A. Diesenbach-Mannheim 122, Steiger, H. Äehr-Ludwigsburg 123,5, Selve. W. Rösch- Pforzheim 180, Phänomen. N. Deutsch-Pforzheim, Ley, E. Heine-Böblingen 139. DerfustbaUöes Sonntags Futzballturnier im «knen Phönix-Stadion im Wildpark. Reichhaltiger Sport wurde am Sonntag nach- mittag auf dem neuen Phönixsportplatz geboten: 4 Fußballspiele und während den Pausen noch interessante Staffelläufe. Zuerst stand sich F.C. Mühlbnrg und Sportverein Mannheim- Waldhof gegenüber. Trotzdem Mühlburg zahlreichen Ersatz eingestellt hatte, kam ein ganz gutes Spiel zustande, da jeder Spieler sich große Mühe gab. Immer wieder wurden beiderseits Angriffe ab- gewehrt, bis 10 Minuten vor der Pause die Gäste ihr erstes Tor erzielten, dem kurz darauf das zweite folgte. Allerdings hätte das erste Tor nicht gegeben werden dürfen, da der Schiedsrichter im Moment des Schusses schon „Abseits" gepfiffen hatte. Mit 2:0 zugunsten der Waldhofer wurden die Plätze gewechselt. In der zweiten Spielhälfte heizten die Mühlburger ihrem Gegner tüchtig ein, doch der famose Tor- Wächter war ans seinem Posten und erst 15 Mi- nuten vor Schluß erzielten die Mühlburger ihr einziges Tor, so daß das Spiel mit 2:1 Toren zugunsten der Waldhofer endete. Das zweite Spiel, F.C. Phönix—Arminia Hannooer begann vielversprechend. Die ebenfalls mit Er- satz antretende Phönixmannschaft führte ein tadelloses, äußerst flinkes Spiel vor und war anfänglich ihrem Gegner überlegen, erzwang auch einige Ecken, aber keine Tore. Nach und nach wurde das Bild umgekehrt und nach 15 Mi- nuten Spieldauer erzielte» die Gäste ihr erstes Tor. Häufig war nun zu beobachten, daß inner- halb der Phönixmannschaft das nötige Ver- ständnis fehlte, in welcher Beziehung die Gäste- Mannschaft entschieden besser war. Nachdem mit 1:0 Toren zugunsten der Hannoveraner die Plätze gewechselt waren, raffte sich Phönix wie- der für einige Zeit auf, ohne jedoch erfolgreich zu sein, während die Gäste in der letzten Vier- telstunde noch zweimal erfolgreich waren und sich mit einem 3:0-Siege für die an Pfingsten aus eigenem Platze erlittene 1:4-Niederlage revanchiert hatten. Das vorausgegangene Spiel der beiderseitigen Juuioren-Mannschasten von Phönix und Germania Durlach endete mit 1:0 zugun- sten von Phönix. Auch das zu gleicher Zeit auf dem Reservespielplatz ausgetragene Spiel zwi- schen Phönix II und Blankenloch I endete mit 3:0 Toren zugunsten von Phönix. K, Frankonia Beiertheim 1:1. Das fällige auf dem neuhergerichteten Fran- koniaplatz ausgetragene Pokalspiel endigte mit obenangeführtem Resultat und einem Eckball- Verhältnis mit 12 :2. Schon in dem Eckballver- hältnis kommt das überlegene Spiel Franko- nias zum Ausdruck, welche heute mit sichtlichem Pech verfolgt ist. Beiertheim heute bedeutend besser wie beim Pokalspiel gegen K.F.B., unternimmt ab und zu gefährliche Vorstöße gegen das Frankoniator. Doch steht ihre Sturmmitte ständig abseits. Der Torwächter Beiertheims, war allen Situationen gewachsen und hat Beiertheim den mit nach nach Hause genommenen Punkt ihm zu verdan- ken. vi. Im Ganpokalspiel F.V. Daxlauden — F.V. Weingarten gewann F.B. Daxlanden mit 6:2 Toren. Die Jubiläumswoche des F.C. Mühlbnrg sah als Endsieger Konkordia Karlsruhe, die gegen Südstern Karlsruhe mit 1:0 Toren, einem Elfmetertor gewann und damit den Ehrenpokal erhielt. Den zweiten Pokal erhielt Südstern Karlsruhe, den dritten Weingarten. l. Leichtathletik. Die Zwischenpausen des FuWallturniers im Phönixstabion wurdeu durch leichtathletische Wertkämpfe ausgefüllt, die vom 1. F .C. Pforz- heim, Phönix I und Phönir II bestritten wurden. Die 4 mal 100 Meter-Staffel gewann Phönix II mit 50 Meter Vorgabe, zweiter wurde Phönix I, Brustbreite zurück!, dritter Piforzeim. Die 400 Meter wurden in der sehr guten Zeit von 45,2 Sek. gelaufen. Die 4 mal 100 Meter-Siaffel, gemischt mit Damen, gewann Phönix I in 54 Se- künden, zweiter wuvde Phönix II. Die Olym- pische Staffel gewann Phönix I in 3,44 Minuten, zweiter wurde Phönix II. 10 Meter zurück, dritter Pforzheim. Die Schwedenstaffel 400, 300, 200, 100 Meter sah Phönix I als Sieger in 2,06 Minuten, zweiter war Phönix II, dritter Pforzheim. Vereinsfchwimmkampf 1. Bad. Schwimmklub Pforzheim — Karlsruher Schwimmverein. Genußreiche Stunden erlebten gestern nach- mirtag die Fnunde und Anhänger d>'S Wasser- fports im ttnlltfchen Vereinsbad des KaUsruher SchwimmvereinZ am Köhlen Krug. Für den sportlichen Teil war der 1. Bad. Schwimmklub Pforzheim zu einem Vereiuswettkmpf gewon- leb finde den Meg. Roman v»n H««» ». H»k«tk»sen. lNachdrnck v««l,ten> „Der Besuch Ihrer vortrefflichen Tante hat mir viel zu denken gegeben. Ich beneide sie um ihren Fleiß, um ihre Tatkraft und um ihre rei- nen, sonnigen Erinnerungen an das Einst! Er- zählen Sie mir von Ihrer Kindheit!" bat sie plötzlich und lehnte sich in die Kissen zurück. Wie im Traum streifte ihn ihr Blick. Mitternacht war längstens vorüber, ehe sie es merkten. Draußen toste und brauste es in glei- cher Stärke. Immer unheimlicher brandete die See, und die Windstöße waren zeitweise so stark, daß sie den Luftdruck zu spüren meinten. „Wenn nur die Dünen standhalten!" sagte er besorgt „Unterhalb, da wo der Eichenbestand aufhört, sind sie sehr flach, und wenn die See dort an der schmälsten Stelle des Strandes durchbricht, ergießt sie sich in die Stadt." Ein lautes Dröhnen ließ sie jetzt emporfahren. Klatschend stürzten Ziegel vom Dach der Villa, und die grünen Fensterläden wurden so dicht an die Scheiben gepreßt, daß man fürchten konnte sie möchten springen. Danach folgte für Sekun- den eine ebenso beklemmende Windstille. Bald aber setzte der Sturm mit aller Kraft ein und raste um das kleine, einsame Haus, als wolle er es aufheben und zerschmettern. Langsam und schleichend verrannen die Stun- den. Das Irdische, Persönliche, trat zwischen den zwei einsamen Menschen ganz zurück. Sie lauschten beklommen auf eine große himmlische Gewalt, die über sie dahinging und sie jeden Augenblick zertrümmern konnte. „Wie seltsam, daß wir das gemeinsam erleben müsse«," sagte sie u«ö sab auu „Lassen Sie es ein gutes Fundament sein für später," erwiderte er ernst. Er hatte sich neben sie aus den Diwan gesetzt und blickte vor sich nie- der. „Ich bin ein schlechter Kamerad," sagte sie und versuchte zu scherzen. Nun hielt er ihr die Hand hin und bat: „Wenn auch, schlagen Sie ein! Das Geschick hat irgend etwas mit uns vor, wir kommen doch immer wie- der zusammen, wenn Ungewöhnliches passiert!" Sie überlegte eine Weile, dann legte sie leise ihre Hand in die seine, ünd er behielt sie stumm zwischen den Fingern. Nun sagte sie, tief aufatmend: „Seit ich Sie kenne, weiß ich, was ich unbewußt gesucht habe all die langen Jahre." „Nun?" fragte er, und sein Blick hing schim- mernd an ihrem blassen Gesicht, aus dem daS verglimmende KokSfeuer nur einen schwachen, rosigen Schein verbreitete. „Ich habe eben mein Glück dadurch verfehlt, daß ich das Wesentliche meiner Natur zu spät entdeckte," sagte sie ausweichend und löste ihre Hand aus der seinen. „Und das wäre?" fragte er mit verhaltenem Atem. „Ich glaube, es läßt sich nicht sagen — wenig- stens heute noch nicht. — Gott sei Dank, daß Sie da sind," fuhr sie fort uud stand auf. Sie schob die Vorhänge zurück und lugte hinaus. Drau- ßen dämmerte das Morgengrauen, aber un- erbittlich tobte der Orkan. Haushohe Wellen rollten gegen den Strand, den man schon un- deutlich erkennen konnte, „Ein grausiges Schauspiel," sagte sie, als er t »che« sie trat. „Aber schön ist es doch!" meinte er. „Man wird so mit einem Ruck in eine Welt der Natur- gewalten versetzt, an der man meist mit ge- schloffenen Augen und unempfindlichen Ohren vorbeieilt." „Ja, ja, Hella Peseatore hat ganz recht, man arbeitet nicht genug. Man lebt viel zu viel sich selbst, ohne andern zu nützen." „Versuchen Sie es einmal mit mir," klang es scherzend von seinen Lippen. „An mir bekommen Sie was zu tun! Wenn Sie es richtig anfangen, werde ich wohl noch ein brauchbarer Mensch . ." Ein guter Geist mußte ihm diese Worte ein- gegeben haben, denn nichts Klügeres hätte er herausfinden können, als in ihr den Wunsch zu erwecken, ihn zu fördern und ihm nützlich zu sein — wo doch in Wahrheit er der Gebende und Hel- sende war. „Ich will," sagte sie und hob den Kopf. „Ich will Ihnen danken für all das Gute, das Sie in meine Einöde gebracht haben. Für das warme Leben, das wieder nm mich aufblüht. Wie öde es war, mein Gott, daß weiß ich erst jetzt. Es wird mir gut tun, zu denken, daß ich jemand nützlich bin." Als es heller wurde, löschten sie die Lampen aus und zogen die Jalousie des Eckfensters, das der Wetterseite weniger ausgesetzt war, in die Höhe. Ein trostloser Anblick bot sich ihnen. Mitten in dem kleinen, so wohlgepflegten Garten lag die riesige Eiche. Das Gitter war zertrüm- mert. Wohin das Auge durch den noch immer fallenden Schnee und Eisstaub bringen konnte, sah man traurige Verwüstungen. Mancher der alten Riesen hatte dran glauben müssen. Wie ein gewaltiges Schlachtfeld war d»es Bild. „Ich glaube, die Glocken läuten!" sagte sie und horchte. neu worden, für den unterhaltenden Teil setzte sich ebenfalls mit vollem Gelingen die Kapelle Bad. Polizeimusiker unter Musikmeister H e i s i g ein. Die einzelenen Wettkämpfe verliefen teil- weise sehr spannend,, trotz des etwas kühlen Ele- mentes hielten sich die Schwimmer wacker und waren mit voller Hingabe bei ihrem edle« Sporte. Die Schwimmkämpfe nahmen folgenden Ver« lauf: Jugndlagenftaffel l4 mal 50 Meter): 1. Karlsruhe, 2,47 Min.,' 2. Pforzheim, 2,57 Min. — Seniorbruststaffel l5 mal 50 Meter): 1. Karlsruhe (Welcker, Falk, Blattner, Kerber, Dr. Nagel). 3,44 Min.,' 2. Pforzheim 3,44,1 Min. Unter tosen- dem Beifall konnte der Karlsruher Schlußmann Prof. Dr. Nagel um V« Sekunde Vorsprung für seine Farbe« den Sieg an sich reißen. — Jugendbruststaffel (4 mal 50 Meter): 1. Karlsruhe, 2,50 Min.; 2. Pforzheim. — Große Staffel (50, 50, 100,100, 200 Meter): 1. Karlsruhe, 7 Min- 6 Sek.,- 2. Pforzheim. 7,14 Min. — Seniorlageu- stasfel (4 mal 50 Meter): 1. Karlsruhe (Kerber (Brust), Hiegler (Seite), Richter (Rücken), Bier- halter (Handüberhand) 2,36 Min.,- 2. Pforzheim, 2,38 Min. — Damenbruststasfel (4 mal 50 Meter): 1. Karlsruhe (Frl. Sayer, Schwänzer, Kirchen« bauer, Elfner) 3,12 Min.,- 2. Pforzheim. 4,07 Min. — Senior - Beliebig>-Stafsel (4 mal 50 Meter): 1. Karlsruhe (Falk, Hiegler. Richter, Bierhalter) 2,29 Min.,- 2. Pforzheim 2,32 Min. Ein Wasser- ballspiel gab der wohlgelungenen unterhaltsamen Veranstaltung den Abschluß. Karlsruhe ver- ließ als Sieger mit 4 :1 Toren die kühle Flut. Sport-Literakur. Deutsche Gymnastik. Leibesübungen von Hans Surön, Leuer von Lehrgängen zur Ausbilduna von Lehrern rn den Leibesübungen. Dritte verbesserte und erweiterte Auflage. Verlar von Gerhard Stal- linq, Oldenburg. lGrundzahl 1.50 Mk.) Der Sveg zur Wiedererlangung der deutschen Bo-lkskrast fuhrt Wer die Leibesübungen. Jedem Einsichtigen ist das heute völlig klar. Die Tat- jache, daß gewisse Zweige der Leibesübungen auf Abwege geraten sind, kann deren Werte nicht herabmindern: es liegt an den Führern aus dem Gebiete des Turnens, Spiels und Sports, den rechten Weg ivieder zu zeigen. Zu diesen Führern zählt auch Hans Surön. Sein Büchlein „Leibesübungen", das den Vorläufer des oben genannten Werkes bisöet. ist in zwei AuUagen rn zehntausenden von Exemplaren in die Welt hinausgvwandert und ist nun in neuer Auflage als „Deutsche Gymnastik" erschienen. Die „Deutsche Gmnnastik" will uns den Weg zu wahrer Körperkultur zeigen, wurzelnd in engster Harmonie von Körper und Geist nach griechischem Vorbilde. Der Verfasser bekennt sich des- halb auch voll und ganz zu dem Gedanken der sportlichen Nacktheit. Mit aller Krast und Ethik letzt er sich sür den Nacktsport und die Nacktaym- nastik ein. Was Suren in seiner deutschen Gmnnastik als lanMahriger Praktiker uns gibt, ist das Ergeb- nrs ernsten Schaffens und aufrichtigen Suchens nmh dem Wege, der das deutsche Volk zu körperlicher und sittlicher Wiedergesundung führen soll, nach dem Wege zur „Kraft", wie der Verfasser sich ausdruckt. Seine ernsten, tieffittlichen An- 'schauungen haben sich schon allerorts die nötige Beachtung erzwungen. Seine Gymnastik, phpsio- logisch wohl durchdacht, seine unter strengster Be- achtung der neuesten wissenschaftlichen Ergebnisse abgebaute Atemschulung, seine wertvollen Mit- teilnngen über Massage usw. zeigen wahrhaft den Weg zur Kraft. Möge ihn das ganze deutsche Volk gehen. * ^Der Leichtathletik ° Länderkampf ^chwe iz —Den tschl a nd. der am 2 Sep- tember vor sich gehen sollte, ist von der deutschen Sportbehörde infolge Fehlens der erforderlichen Mittel abgesagt worden. —a—. Das brachte Leben in sein eben noch so verträumtes Wesen. Sie hasteten beide in den Flur und er schlüpfte in seine leidlich getrockne- ten Sachen. Es machte sich ganz von selbst, daß sie ihm dabei hilfreich zur Hand ging, wofür er ihr mit einem warmen Blick dankte. Sie drückten sich stumm die Hand- Als er ge- gangen war und sie seine große, biegsame Gestalt gegen das Unwetter noch einen Moment an- kämpfen sah, fühlte sie, daß ihr etwas von ihm verblieben sei: etwas Großes, Reines — das Allerbeste. Der Sturm jagte ihn im wahren Sinne des Wortes über die Dünen. Erst in ihrem Schutze konnte er die Augen öffnen. Schaurig und er- schütternd drangen die mahnenden Töne der Kirchenglocken durch die erregte Luft, in dieser frühen Stunde doppelt eindrucksvoll. Als er in den Anlagen weiter eilte, versank sein Fuß im ausgeweichten Boden, je mehr er vordrang. Er sah sich genötigt, umzukehren, um einen höher gelegenen Weg zu benutzen. Nach einem halb- stündigen Umherirren hatte er das Städtchen endlich erreicht. Laufende und hastende Men- schen. Alte und junge Männer in wasserdichten Anzügen stürmten mit Säcken un-d allerhand Gegenständen beladen dahin. Er hatte also rich- tig gefürchtet — die See mußte die Dünen durch- brochen haben! Man eilte, die aufgerissene Düne mit Sandsäcken zu verstopfen, so weit dazu Men- schenkräste imstande waren. Und wenn der Or- kan auch schwächer wurde: ehe die tosende See sich beruhigte, konnten Stunden vergehen! Vor einer Schenke und Ausspannung in der Nähe seiner Wohnung gewährte er den Kutscher An- ton, der im Kreise mit viele« andern stand. Alle lamentierten laut. (Fortsetzung folgt.)