Bezugspreis srcibleibenb: jn Karlsrube: in UN» ivrer Gcschciftsstcllc und in unseren Ausgabestellen ab- geholt Jl 838 ixio, frei geliefert Jl 895000; , auswärts: durch un- lere Agenturen bezogen M 895000. Ewzclv-rk-mfsvrcis: 100000.# , Im Kalle böberer Gewalt hat der Bezieber keine An Ixrüche bei verwäietem ober scheinen der Zeituna. !lbbestellunaen können nur wrüche bei versvätetem oder Richters' ' . Abbes. jeweils bis zum 25. auf den iolgenden Monatslebten an- Karlsruher Tagblatt Anzeiaeuvrcise: die Saesv. Nonvareillezeile oder deren Raum Jl 12000Ö; auSwärtS Jl 140 000; fta» nlilicnanzeiaen und Stellengesuche Jl 60 000; {Reklame« seile Jl 800 000, an erster Stelle 4 400 000. Rab a t t na ch Tarif. Anzeig.-Annabme biS « Uhr mittaas: kleinere Anzeigen spätestens bis ö Ulir nachm. stcrnlvrcchanschlüfse: Geschäftsstelle Nr. 18. Verla« Nr. ZI und 297. benommen werden. KfäSfenSTBÄ«.*? Vadische Morgenzeitung Ztr. 20 Hauvtschriktlciter Nr. II. voftscheckkonw^^r. 9547 Mit der Wochenschrist «Die Pyramide" Badische Morgenpost Wirtschafts- und Handelszeitung-^ »Turn- und Sport-Zeitung" ^ „3lnterhalwngsbeilage"X „Literaturbeilage" ^ »Für die Frauen" ^«Wandern und Reisen" ^«Die Scholle Chefredakteur: Hermann ? i!o«r.- Verantwortlich für Politik: Frib Ebrhard; für den wirtschaftlichen, badifchen und lokalen Teil: Heinrich Gerdarbt: sür das Feuilleton: Hermann Weick! für die »Pyramide' Karl Joho: sür Inserate: Heinrich Schrie» 'r. sämtliche tn Karlsruh-. Druck und Verla» C K. Müller,Karlsruhe, Ritterstr. 1. Berlin.r Redaktion Dr. RichardIügIei, Berlin-Lankwitz. Moiartstr. 87. Tclephon-Zentrum 42». Für unverlangte Manuskripte «der Drucksachen übernimmt die Redaktion keine Verantwortung. Rücksendung erfolgt, wenn Porto beigefügt ist. Sprechstunde der Redaktion: 11—12 Uhr vormittag». 120. Jahrg. Dienstag, den &8. August 19&3 Mr. 236 Der kanzlerbesuch in Bayern. I. Bon unserer Berliner Redaktion wird uns ge- drahtet: Man gewinnt den Eindruck, daß der Besuch «des Reichskanzlers bei der bayrischen Regierung klärend auf die Beziehungen Mischen dem Reich und Bayern -aeniirkt hat. Besonders begrüßt Wird es, daß die Aussprache zu dem Entschluß geführt hat, eine engere und häufigere persönliche Fühlungnahme zwischen den leitenden Man- nern der Reichsregierung und der Länderregierungen aufzunshmen. Es ist daher wahrscheinlich, daß die unter der Aera Lerchenfeld geübte Praxis der ständigen persönlichen Fühlungnahme wieder zur Geltung kommt. Diese Praxis soll nach dem Wunsche des Kanzlers auch auf das Verhältnis der Reichsregierung zu den ande- ttn Länderregierungen ausgedehnt werden. Bei dem Essen in der Re ichsgesand tschaft zu München, das der Reichsgesandte von Hauiel am Sonntag zu Ehren des Kanzlers gegeben hat, war Stressmann Gelegenheit geboten, mit meh- Deren bayrischen Ministern, sowie mit Führern der Landtagsfraktionen in Berührung zu kam- wen. Nach seiner Rückkehr nach Berlin hat sich Stresemann über die Eindrücke seiner Reise sehr zufriedenstellend geäußert. Am Montag abend hat er den Reichsministern über seine Aussprache wit dem bayrischen Ministerprasident en Bericht erstattet. Im München hat der Kanzler den Münchener Vertreter des Berliner „8 Uhr Abendblatte" zu einer Unterredung empfangen. Dabei versicherte der Kanzler auif das Bestimmteste, daß keinerlei Ursache vorläge für die von Bayern «geäußerten Besorgnisse bezüglich einer eventuellen weiteren Zentralisierung unter dem Einfluß der sozial- demokratischen Regie rat ngsmi tgl iedern oder be- züglich eines Angriffs auf die Selbständigkeit öer Länder. Niemand im Reiche denke an der» bleichen. Gegenüber der Bedenken über die Steuergesetze erklärte Stresemann, die Steuer- sesetze seien ja noch unter Cuno gemacht wor- öen, die jetzige Regierung habe sie ja nur ans- Arführe«. Allerdings seien die Fälligkeitstermine sehr dicht beisammen. Ueber die Möglich- Seit, hier Erleichterungen zu schaffen, müsse noch beraten werden. Zu dem durch die „Münch. Neuesten Nachr." bekannt gewordenen Verlangen der bayerischen Regierung, daß leine direkten Verhandlungen wit F r a n k r e i ch aufgenommen werden sollen, berief sich der Kanzler auf seine Erklärungen, öie er am letzten Freitag vor Vertretern des Handels und der Industrie abgegeben hat. Es ist daraus zu schließen, daß die Aussprache mit dem bayerischen Ministerpräsidenten.den Stand- vunkt des Kanzlers in dieser Hinsicht nicht ge-- »ndert hat. In einer Unterredung, die öer Kanzler mit dem Chefredakteur der „Münch. Neuesten Nachr." hatte, bekräftigte Dr. Strese- wann gleichfalls seine Aenßerungen in der ^reitagsrede. Zu dem jetzt besonders aktuellen Reichsbankkonflikt erklärte der Reichskanzler, öie Wirtschafts- und Finanzpolitik öer Reichs- Regierung müsse von der Reichsbank unterstützt und getragen werben, eine Durchkreuzung der Reichspolitik durch Maßnahmen der Reichsbank würde zu unmöglichen Situationen führen u F> würde die verfassungsgemäß in den Händen der Reichsregierung liegende Gewalt in eine Ab- Engigkeit bringen, die verfassungswidrig wäre. Die Reichsregierung werde also neuerdings auf den Grundsätzen bestehen, die von der Reichs- regierung bezüglich der Reichsbaukvolitik zum Ausdruck gebracht worden sind. Die Zusammearbeit zwischen Reichsregierung und Reichsbank sei von der Lösung der Per- konensrage abhängig, die gegenwärtig vielfach er- vrtert wird. Zur Frage der großen Koalition äußerte der Kanzler, die jetzige Koalition sei die ^ärkste Zusammenfassung aller Kräfte, die Deutschland bis jetzt gehabt habe, die große Koalition habe den Vorteil, daß die Reichsregie- rung stts auf ein große Mehrheit im Parlament Rechnen und deshalb sicher arbeiten könne, siche- rer als eine Regierung. die gezwuugen sei, sich ihre Mehrheit von Fall zu Fall zu suchen. Eine Reihe von Maßnahmen, die zur Erledigung kommen müßten, werden, so sagte der Kanzler, nur auf dem Wege diktatorischer Anordnung durch» zuführen sein. Alle Maßnahmen der großen Koalition müßten darauf eingestellt sein, die Volkseinheit zu stärken, die Einigkeit dürste nicht durch Parteikämpfe gestört werden. Aeber WeKmarkkpreis. Berlin, 27. Aug. Wie die „Deutsche Allgem. Ztg." aus Hamburg meldet, sind die Preise, ins- besondere für Lebensmittel so hoch, daß sie den Weltmarkt überschreiten. Infolgedessen bitten die Kapitäne der Seedampfer, ihren Proviant anstatt in Brunsbüttelkoog schon im Auslande an Bord nehmen zu dürfen. Schnell steigende Arbeitslosigkeit. Berlin, 27. Aug. Nach dem „Berliner Lokalanzeiger" steigt die Zahl der Arbeitslosen in Sachsen täglich. In Dresden hat sie bereits 200 000 überschritten und damit die Höchstzahl der Arbeitslosigkeit während der Demobil- machung erreicht. Mehr als tausend Anzeigen von Betribssttllegungen sind bereits in diesem Monat beim Arbeitsministerium angemeldet. Poincars und Valdwin. London, 27. Aug. lDrachtber.) Ministerpräsi- dent Baldwin ist heute zur Erholung in einen Badeort nach Frankreich abgereist. IM« eine Zusammenkunft Baldivins mit Poinearö ver-' lautet noch nichts bestimmtes. Der Londoner Korrespondent des „Petit Parisien" will jedoch wissen, daß bestimmt eine Zusammenkunft der beiden Ministerpräsidenten stattfindet, und daß man sich von dieser Zusammenkunft eine gute Wirkung füU die Entwicklung der europäischen Lage verspricht. Die neueste Sonntagsrede PoicarSs habe in London einem guten Eindruck gemacht. In maßgebenden Londoner Kreisen sei der Optimismus wieder stärker geworden, zu- mal auch die Rede des deutschen Reichskanzlers tn London günstig beurteilt werde. * Paris. 27. Aug. lDrahtber.) Zur Rebe Poin- carös schreibt die „Republique Franvaise", PoinearS habe dadurch bewiesen, daß sich seine Politik nicht geändert habe. Dieses Programm könne auf folgende Formel gebracht werden: Achtung vor den geschlossenen Verträgen, die Verpflichtung Deutschlands, das zurückzuzahlen, wozu es durch den Plan vom Mai 1921 ver- urteilt worden sei, Festhaltung an dem. was Frankreich besetzt habe und Ablehnung des Sach- verständigen-Ausschnffes. Das Blatt meint, daß das ein ausgezeichnetes Programm sei und man müsse nur daran festhalten, möge es nun zu Konferenzen oder zu einem Wechsel schrift- licher Noten kommen. Französische Unmenschlichkeit. Köln, 27. Aug. Trotz der Verordnung des General Degoutte, nach welcher Kranke, über 60 Jahre alte Personen und Hossende Frauen über den 7. Monat ihrer Schwangerschaft hin- aus nicht mehr ausgewiesen werden sollen, be- fanden sich unter den am 14. August aus der Umgebung von Landau ausgewiesenen 200 Per- sonen ine große Anzahl Kranke, Kinder, außer- dem zwei hochschwangere Frauen und mehrere über 00 Jahre alte Eisenbahner. Für zwei Kinder, von deven das eine mit 41 Grad Fieber in einem Gipsverband lag und das andere schwere Brandwunden an beiden Ober- scheukeln hatte, war eine Frtstverlängeruuq für die Ausweisung beantragt worden, die jedoch von den Franzosen rücksichtslos abgelehnt wurde. Die Schützlinge der Franzosen. MiinchenGlndbach, 27. Aug. Gestern kam es bei einer Versammlung von Souderbündleru zwischen auswärtigen Sonderbüudlern und hiesi- gen Einwohnern zu Zusammenstößen, wobei mehrere Personen verletzt wurden. Paris, 27. Aug. Nach einer Havasmelduug aus Düsseldorf hat der belgische Oberkommissar wegen der Zusammenstöße in München-Gladbach eine Untersuchung eingeleitet. Gegen die deutschen Behörden sollen, weil sie an- geblich nicht die notwendigen Maßnahmen ge° troffen haben, um die Ordnung aufrecht zu er- hafte«, Sanktionen verhängt werden. Die gefährlichen Nachtwächtersäbel. Frankfurt, 27. Aug. Wie aus den Zeitungs- berichten über die Sitzung des französischen Kriegsgerichts in Wiesbaden hervorgeht, wurde der Inhaber der Wach- und Schließgesellschast Ganzert zu einem Jahre Gefängnis ver- urteilt, weil er es versäumt hatte, nach Auflösung der Gesellschaft die 85 Säbel abzuliefern, die die Nachtwächter der Gesellschaft getragen hatten. kohlenpreise und Eisenbahn- weife. Berlin. 27. Aug. lEig. Drahtber.) Die am Samstag erfolgte Erhöhung der Kohlenpreise um 85 Prozent Hat in allen Wirtschaftskreisen lebhafte Unruhe hervorgerufen, zumal diese Preiserhöhungen- sich zunächst in bedeutenden Erhöhungen der Eisenbahntartfe aus- tragen werden. Im Laufe des heutigen Abends werden im Reichsverkehrsministerium die Beratungen über die neuen vom 1. September ab geltenden Tarife abgeschlossen werden. Die Grundzissern für den Personenverkehr werden, wie der „Tag" mitteilt die folgenden sein: 4. Klasse 2,2 Goldpfennig. Z. Kl. 3.3 Goldvfennig 2. Kl. 9,9 Goldpfennig und 1. Kl. 19.8 Gold- Pfennig. In diese Ziffern ist bereits die während des Krieges erhöhte Ivprozentige Ver- kchrssteuer eingerechnet. Daraus ergibt sich die lOproz. Erhöhung der Grundziffer gegenüber den Friedenssätzen sür die 3. und 4. Klasse. Zur PÄiiik der Reichsbank. Berlin, 27. Aug. In der Zentralausschuß- sitzung der Reichsbank erklärte nach der Rede des Reichsbankpräsidenten Havenstein der „Voss. Ztg." zufolge der dienstälteste Direktor der Reichsbank. Dr. Grimm, Havenstein habe die Reichsbankpolitik immer im Einvernehmen mit dem Gesamtdirektorium geführt. Er gab dem Präsidenten gegenüber die Erklärung vollster Solidarität namens des G es am tdi r ekto rtum s ab. Anschließend daran betonte Dr. Salomonsohn, der Geschäftsinhaber der Diskontogfellschaft, die Reichsbank treffe an dem Ernährungselend und an der Jnflationswirtschast kein Verschulden. Er beantragte, dem Reichsbankpräsidenten namens des Zentralausschusses das vollste Vertrauen auszusprechen. Der Antrag fand einstimmige Annahme durch sämtliche Mitglieder. Verstopfung der BÄmhöfe. Köln, 27. Aug. Schon seit längerer Zeit lassen die Franzosen leere Eisenbahnwaggons nicht mehr aus dem Einbruchsgebiet heraus. Da eine Ausfuhr aus dem Ruhrgebtet gegenwärtig über- Haupt nicht in Frage kommt, müssen alle ent- ladenen Lebensmittelwagen hier liegen bleiben. Das sind weit mehr, als die Franzosen bei der Winzigkeit des Regiebetriebes überhaupt ge- brauchen können, und die Folge ist, daß die Bahnhöfe mehr und mehr verstopft werden, eine Entwicklung, die jetzt kritisch zu werden beginnt. Ueberdies mutz sich die französische Maßnahme mit der Zeit auch im unbesetzten Deutschland empfindlich im Wagenmangel bemerkbar machen. Wenn also das Vorgehen der Franzosen über- Haupt einen Sinn hat, bann den, die deutsche Wirtschaft im allgemeinen zu stören und im be- sonderen die Lebensmittelversorgung des Ruhr- gebiets zu sabotieren, wie dies ja die Franzosen überhaupt mit allerhand indirekten Mitteln tun, da die direkte Unterbindung der Lebensmittel- Versorgung doch zu ungünstig auf die übrige Welt wirken müßte. Die reiche Ernke in Bayem. München, 27. Aug. Laut einer Veröffent- lichung des Statistischen Landesamts ist' die diesjährige Getreideernte in Bayern der vor- jährigen fast um die Hälfte überlegen, so daß wir also mit einhalbmal soviel einheimischem Getreide zu rechnen haben als voriges Jahr verfügbar war. Daraufhin erläßt der Ober- bayerische Kreisbauernverband einen eiudring lichen Mahnruf an die bayerische Landwirtschaft, daß sie sich bei den jetzigen katastrophalen Er- nährungsschwicrigkeiten ihrer Verantwortlichkeit bewußt sein möge. Halten wir unsere Pro dnkte nicht mehr zurück, heißt es in dem Mahn- ruf, als eß die Erhaltung uusrer wirtschaftlichen Existenz erfordert. Eine merkwÄrdiqe Entscheidung des Vatikans. Frankfurt, 27. Aug. Die „F. Z." meldet aus Paris: Die Blätter melden, der französische Bot- schafter habe in einer persönlichen Demarche beim Vatikan durchgesetzt, daß die Aufsicht über die von französischen geistlichen Orden im Saar- gebiet gegründeten Schulen dem der f r a n z ö. fischen Rheinarmee zugeteilten Msgr. Ney- mond übertragen werden soll. Die Ohnmacht der Internationale. Bern. 27. Aug. Gestern trat hier das Zentral- komitee der Metallarbeiter-internationale zu einer dreitägigen Sitzung zusammen. Divmann- Deutschland, der über die Ruhrbesetzuug sprach, forderte die Delegation auf, nach ihrer Rückkehr in die. Heimat auf schleunige Ausnahme von Ver- Handlungen hinzuwirken. Die Haltung des in- ternationa'len GewerLschaftsbundes in der Ruhr- frage tonnte nicht befriedigen. Armzösische Znsiiz. Unter dem viele« Mitteln, deren sich die frauzö- fische Ruhr- und Rheinpolitik zur Erreichung ihres Zieles, der Brechmig des paisswen Wider- standes, bedient, nimmt die französische Be- satzun,gHjustiz, nehmen die franzölsifchen Kriegs- gerichte eine hervorragende Stelle ein. Das gleiche gilt selbsrverstänidtich auch von der Rechtspflege" der belgischen Besatzungsbehörden. Bei der Besatzung,sjustiz der Hra-nzosen und Belgier ist die Justiz zum reinen willen- losen Werkzeug der Werwaltting, sie ist, um das bekannte Wort zu gebrauchen, zur Dirne der Politik geworden. Die franzMchen Kriegs- gerichte schaffen — die ganze Erfahrung lehrt es — nicht Recht, sie schaffen Rechtsunsicherheit, ja völlige RechtSlosig'ke'it. Schon die Grundlage diefer Justiz Mtbehrt fast ganz des Rechts, denn die sranzösisch-be'lgi- schen Kriegsgericht« im Einbruchögebiet sind, da der Einbruch sefibft eine Verletzung des in- ternationalen Rechtes darstellt, schon an sich rechtswidrig und was die Kriegsgerichte im alt- besetzten Gebiet betrifft, so ist der Kreis ihrer Zuständigkeit vertraglich bestimmt, wird aber von ihnen fast durchweg überschritten. In allen von öen Kriegsgerichten des ailtbesetzten Gebie- tes zur Verhandlung kommenden Fällen, die mit dem passiven Miiderstanh gegen den rechts- widrigen Ruhreinbruch und die diesen Ruhr- einbruch unterstWendeu rechtswidrigen Maß- nahmen der Rhsi-nlands?ommiffi>on in Zusammenhang stehen, findet die Zuständigkeit der Kriegsgerichte weder im Versailler Vertrag nvch im Rheinland abkommen ihre rechtliche Begrün- dung. Ueberaus charakteristisch ist das Verfahren der BesatzungAjustts. So ist in allen politischen Pro- zessen — und es handelt sich fast iarmrer um solche — das Urteil schon vor dem Ver- fahren bereits beschlossene Sache. Wenn, wie z. B. in einer Reihe von Fällen, es nicht möglich ist, die Ange?lvgten deS Deliktes, dessen man sie beschuldigt hat und auf Grund dessen das Urteil schon feststeht, während des Ver- fahrens zu überführen, so wird die ursprüngliche Anklage zwar fallen gelassen, die Deliguenten jedoch wegen irgendwelcher Nebensächlichkeiten oder dehnbarer Begrisfe, wie unfreundliches Ver- HMen gegenüber den Besatzungstruppen oder sonstiges, zu der gleichen Strafe verurteilt, die bereits für das nicht nachgewiesene Delikt be- schloffen feststand. Die französische BesaMngs- justiz kennt keine Voruntersuchung und in den meisten Fällen erfährt der Angeklagte erst 24 Stunden vor der Hauvtverha>nölung das Vergehen, dessen er beschuldigt wird und um deswillen er schon so und so viele Monate im Gefängnis gesessen hat. Wird dann endlich „ver- handelt", so muß er die Erfahrung machen, daß im Richterkollegium, das über ihn den Spruch fällt, meist kein einziger Jurist sitzt, ja, daß nicht einmal der Vertreter der Anklage Juristische Eigenschaft hat. Dies gilt für alle französischen Kriegsgerichte und fiir die belgischen insoweit, als auch dort die Richter nicht Juristen sein Müs- sen, während zun: Vertreter der Anklage aller- öings ein juristischer Beamter bestimmt wird. Unerhört ist in vielen Fällen das Verhalten der zu Gericht sitzenden Offiziere, die meist m i t Reitpeitschen bewaffnet im Gerichts- saal erscheinen und die Peitschen auch gewöhnlich während der Sitzung beibehalten. Von einem geordneten Verhandlungsgang nach deutscher Gepflogenheit ist natürlich ebenso- wenig die Rede wie von emer gerechten Be- wertung der Zeugenaussagen. Daß ein sranzö- sischer Belastungszeuge genügt, um die Aussagen von sechs deutschen Entlastungszeuge« wieder aufzuheben, ist kein Ausnahmefall, sondern die Regel. Eine furchtbare Qual für die deutschen Opfer bildet die Länge der Gerichtsverhanidlun» gen. So danerie zum Beispiel beim Schlageter- Prozeß die Haupisitzung von morgens 8 Uhr bis abends O'A Uhr. Kein Wunder, daß die Ner- ven des einem stundenlangen Kreuzverhör ausgesetzten Angeklagten diese Qual nicht aushiel- teu. In Zweifelssällen. d. h. in solchen Fällen, wo die Unschuld des Angeklagten die Wahr schein- lichkeit für sich hat. erfolgt niemals, wie bei deut- schen Gerichten, Freisprach, sondern immer Bestrafung mit anschließender Ausweisung. Ge- radezu unerhört sind die Verhältnisse, was die Rechtsmittel des Angeklagten betrifft, bei den belgischen Kri>e>gsgerichten des Einbruchsgebiets. Diese sonderbare Justiz kennt nämlich überhaupt keine B e r u s n n g s i n st a n z. Alle rdings bringt es idas System der Besatzungsjustiz mit sich, daß schließlich auch bei den französischen Gerichten, bei denen eine Berufung gestattet ist, die Revision nur zu einer Farce wird, da das Re- visionsgericht erfahrungsgemäß noch in keinem Falle die Strafe aufgehoben, ja sie im Gegenteil recht häufig «och verschärft hat. Sogar über die Bestimmungen ihrer eigenen Rechtsordnung setzt sich -die Besatzungssustiz. wenn es sich um Deut- iche handelt, zeitweilig hinweg. So enthalt die französische Kriegsgerichtsordnung seit dem l Dreyfutz-Prozeß den ausdrücklichen Vermerk, Nr. 236. Seit« 2 Karlsruher Tagblatt, Dienstag, den 28. August 1923 GrsteS Blatt auf Grund von GeHeimdokunrenten Ver- urteilenden nicht erfolgen dürfen. Trotzdem sin» zwei Fälle festgestellt, in denen französische Kriegsgerichte 1m Ruhrgebiet dieser Bestimmung zuwidergohandelt haben. Allvelmint ist die ganze exorbitante Höhe der Strafen, über die »cCj! kaum Höheres gesagt M werben braucht. Der Anschaulichkeit halber sei hier nur auf -den Fall des Eisenbahn- oberinspcktors Schäfer hingeiviescn, der W 12 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, einiAtfl und allein nur -deshalb, weil er Leute auf- geschrieben hatte, die mit den französischen Reale- tilgen gefahren find. Was das Schicksal der von französisches! Gerichten Verurteilten betrifft, so übertrifft hier meist die Wirklichkeit die schlimm- sten Erwartungen. Auch ihre Ankündigung, alle Alt länger als 5 Jahren Freiheitsstrafe verurteilten Deutschen in s ran Mische oder belgische Gefängnisse zu überführen, hat die Besgtzungs- iustiz wahr gemacht. In Belgien -st es das Ge- fänguis von Verviers, in Frankreich das von St. Martin, das zur Aufnahme Her Unglücklichen dient. Selbst vor Deportation nach den französischen Strafkolonien schreckt man nicht zurück. So sollen der w Tode Verurteilte und dann zur Deportation „begnadigte" Lnndwirtschafts- lehrer Goergcs. sowie cin gewisser anderer ..Saboteur" namens Stach bereits auf dem Wege nach Cayenne sein. In den Gefängnissen des besetzten Gebietes fteht die Behandlung der Gefangenen fast durchweg auf einem Niveau, wie es in keinem deutschen Gefängnis möglich ist. Am schlimmsten find die VerhAtnisse im Gefängnis zu Mainz, wo es den Gefangenen nicht einmal gestattet ist zu ran- chen, ihre Wäsche zu wechseln und täglich sich eine halbe Stunde im Freien zu bewegen. In dieser „modernen" Gefangenenanstalt ist es auch erwiesenermaßen Sitte, alle Gefangenen bei ihrer Ein liefe rung aufs schwerste zu mißhandeln. Alle die Zustünde, die hier geschildert wurden, sind durch hunderte von Beispielen belegt. Bei- spiele, die nicht zusetzt anch an dieser Stelle der Oefsentlichkeit übergeben wurden. Die französisch-belgische Besatzungsjustiz gehört — und daran kann kein Zweifel bestehen — mit zu den schwersten Bedrückungen, denen die Bevölkerung des besetzten Gebietes ausgesetzt ist. Mit „Recht" hat diese Justiz nichts zu tun und ebenso- wenig haben jene Offiziere, aus denen sich die französisch-belgischen Kriegsgerichte zusammen- setzen, den Anspruch auf den Namen „Richter". Sie Schergen und Mittel zu heißen, wäre bei- nahe noch Schmeichelei. Ausweisungen im badischen Besetzungsgebiet. t. Offenbura, 27. Aug. In Appenweier wur- den Eisenbahninspektor Kinzig und Eisen- bahnbetriebsaffiftent Mater angewiesen. Während der letztere seine Möbel nntnehmen konnte, wurden dem erstgenannten die Mit- nähme seiner Möbel verweigert. Der Erwerbslose Schad von LegelShurft, der zur Bahnbewachung bestimmt war, wurde vom Militärpolizetgericht in Kehl zu vier Wochen Gefängnis verurteilt, weil kürzlich ein Kraft- wagen der Badischen Kraftwagengesellschaft auf der Legelshurster Landstraße bei geöffneter Schranke von einem Regiezug angefahren und beschädigt wurde. * Verurteilung eines Redakteurs. Pirmasens. 27. Aua. lDrahtber.) Das fran- zösische Militärgericht in Kaiserslautern hat den verantwortlichen Schriftleiter der „Pirmasenser Zeitung", Berlagsdirektor Zobel, wegen Ver- öffentlichung eines die Besatzungstruppen an- geblich beleidigenden Artikels zu acht Tagen Ge- fän«mis und S Millionen Mark Geldstrafe ver- urteilt. Der Auslausch an der Sperre. Mannheim, 27. Aug. Bei dem von der pfäl- zischen Flüchtlingsfürsorge in Mannheim ver- mittclten Austanfch derjenigen deutschen Staats- angehörigen, die durch die Verkehrssperre zwi- Der Mensch ohne Draht. kleine Angst bitte! Ich will nicht über die Wirtschaftslage jammern. Mit „Draht" ist dies- mal ausnahmsweise nicht der ncrvus rerum gemeint. sondern der Telegraphendraht. Dieser Telegraphendraht nähert sich mit Nie- senschritten dem alten Eisen. Mit drahtlosen Morfedepeschen lockt man schon lange keinen Hund mehr hinter dem Ofen vor, und die Gegenwart ist im Begriffe, sich der draht- losen Telephon! e zu bemächtigen: die Welt als Welle ist bereits mehr als eine Borstellung. Englische Funkstationen haben heute ihr festes tägliches Programm, auf das man abonnieren kann. Neben Kursen. Tagesnachrichten und Konzerten bringen alle diese Stationen neuer- dings auch K i n d e r m ä r ch e n. Abends um sieben Uhr setzt sich die drahtlose Märchentante an den Fernsprecher und beginnt zu erzählen, und überall in England liegen um diese Zeit die kleinen Bobs oder Freds oder Willies in ihrem Bettchen, bekommen von der Nurse ein halbes Pfund Schokolade in das beträchtliche Gehege ihrer Zähne gesteckt, den Hörer ans Ohr geklemmt, und schon geht es los: „Es war einmal . . Das ist höchst bequem: das Jahrhundert des drahtlosen Kindes marschiert. Besonders be- auem ist es natürlich für „Mama". Mama braucht sich nicht mehr um ihren Augapfel zu kümmern, sie braucht sich nicht mehr mit so dummem Zeug, wie Märchen es sind, zu befas- sen. und Bobbn beansprucht nicht mehr die Zeit, die Mama mit Shimmytanzcn in großer daß der Steige- rungssatz zur Vorwoche von 72.5 Prozent im Vergleich zu den Ergebnissen in einzelnen Städ- ten verhältnismäßig hoch ist. Dies beruht dar- auf, daß der Steigerurrgssatz nicht rein mecha- nisth aus Grund von Meldungen einer begrenz- len das Zehnfache. Man bedenke: wer sich daran gewöhnt hat, in Dresden zwei Hundert- taufender für eine kleine Trambahnfahrt hinzu- legen, kann um das Doppelte in München die Elite der deutschen Opernsänger in einer Mo- zart-Oper bewundern. Früher hatten wir im Prinzregententheater den Zwanzig-Mark-Ein- heitspreis. Wieviel gibt nun heut ein Aus- läuder, der wirklich die sechs Millionen erlegt? Die vorjährigen Schauspielvorstellungen, die so erfolgreich im „Künstlertheater" veranstaltet wurden, werden heute an der gleichen Stelle wiederholt. Als neue Gabe sahen wir gestern die von Erich Engel inszenierte Vorstellung von „Maß für Maß" von Shakespeare. Das Stück interessierte jetzt ganz besonders, weil die Ur- aufsührung von Richard Wagners Iugendoper „Liebesverbot" noch in guter' Erinnerung ist. „Maß für Maß" ist ja das Vorbild für den Wagnerschen Text gewesen. Freilich, Shake- speare geht mehr in die Tiefe als der Librettist. Sein Stück, das dem Tragischen bedenklich nahe kommt, ist ein hohes Lied auf das in einem edlen, gerechten, von großer Ethik beseelten Für- sten verkörperte Prinzip der Sittlichkeit, die fordert, daß der. welcher die Gerechtigkeit — gegen die Welt — vertritt, auch die Gerechtigkeit selber fei. Wer, wie Graf Angele, sein Statt- Halter, unbeugsam streng ist, muß es auch gegen sich selber sein. Da Angele, der aus Gründen der Moral den jungen Claudio zum Tode ver- urteilte, selber der Versuchung erlag, durste er das Verdammungsurteil nimmer aufrecht er- halten. Und wenn er es — sogar gegen Treu und Glauben — dennoch ist, so tat er es, um den Folgen seiner schimpflichen Handlung zu entgehen und wurde so zehnmal schuldig. Die- seö Stück, das Shakespeare nach Wien verlegt, ist eigentlich an die Adresse des ein Tartüfftum züchtenden PnritauertumS gerichtet. ES ist im übrigen in feiner Handlung und Idee so fest umrissen und geschlossen aufgebaut, wie nur wenige Komödien des Dichters. Die Auffüh- rung stellte die sozusagen bürgerlichen Szenen durch absichtsvolle Dämpfungen den patetischen gegenüber, die große, leidenschaftliche Momente brachten. Das Publikum, das die Ringe des ten Zahl von Wochenindexgemeinde n errechnet ist: vielmehr ist die Steigerung aus diesen Gemeinden in Beziehung gesetzt zu dem zuletzt für einen erweiterten Kreis von 71 EiMenstgemein- den festgestellten Teuerungsniveau, das höher lag, als bei der einschlägigen Vorläufigen Wo- chendienstmeldnng festgestellt war. Dt« s>o errech- net« Indexziffer ergibt gegenüber der zuletzt veröffentlichten eine Steigerung von 72,5 Prozent, während die Steigerun« für die Städte, für die Wocheudienstimeldungen vorlagen, nur 54 Proz. beträgt. Infolge der bereits im Gange befind- lichen Erweiterung der Wochenindexgemeinden auf einen größeren KreiS der bisherigen Eil- dienftgemeinden wird eS künftig möglich fein, die Indexberechnungen lediglich auf Wochen- dienstmeldnngen aufzubauen. Die Sommunistentagung im waldesdusler. Berlin, 27. Aug. Die „Rote Fahne", die heute früh wieder erschienen ist, meldet aus Stutt« gart, daß der von der württembergischen Re- gierung verbotene kommunistische Bezirkspartet- tag unter starkem Schutz von proletarischen Hundertschaften in der Gegend von Gmünd in einem entlegenen WaldeSgrund tagte. Nach Veen- diguug der Tagung zogen die Teilnehmer unter Vorantragen von roten Fahnen in geschlossenem Zuge nach Göppingen uud veranstalteten eine Demonstration durch die Stadt. Das neue Gesetz über die Verteilung der Wohnräume. i. Die gesetzliche Grundlage für die Tätigkeit der Wohnungsämter bildet auch hente noch die von dem Bundesrat erlassene Bekanntmachung über Maßnahmen gegen Wohnnngsmangel vom 23. September 1318. Die Bekanntmachung ist in der Nachkriegszeit durch verschiedene Gesetze geändert, ihre Geltungsdauer ist wiederholt ver- läugert worden.*) Durch das „Gesetz zur Aenderuug der Be- kauntmachnng über Maßnahmen gegen Woh- nuugsmangel" vom 26. Juli 1923 sReichsgesetz- Blatt I S. 751) ist die Bekanntmachung erneut in wesentlichen Punkten geändert und ergänzt. Gleichzeitig hat der Reichsarbeitsminister die Ermächtigung erhalten, den Wortlaut der Be- kanntmachung unter der Überschrift „Woh- nuugsmangelgesetz" neu zu veröffentlichen. Das Gesetz verlängert zunächst die Geltungs- dauer der Bekanntmachung über Maßnahmen gegen Wohnungsmangel. die am 81. Dezember d. I. enden sollte, über diesen Zeitpunkt hinaus. Im Gegensatz zu dem Reichsmietengesetz und dem Mieterschutzgesetz. die beide am 1. Juli 1926 endigen sollen, ist hier ein Endtermin nicht b e st i m m t. Ein entsprechender Antrag wurde abgelehnt. Die bereits in der ursprünglichen Fassung enthaltene Borschrift, daß der Reichs- kanzler den Zeitpunkt des Außerkrafttretens be- stimmen dürfe, ist gestrichen worden. Der Reichstag hat damit zum Ausdruck gebracht, daß er nicht mit der Möglichkeit rechnet, die zwangs- weise Bewirtschaftung des vorhandenen Wohn- raums schon am 1. Juli 1926 aufzuheben. Die Außerkraftsetzung der Bekanntmachung muß jetzt durch ein besondere» Gesetz erfolgen. Bisher war eS in verschiedenen Ländern zwei- felhaft. in welchem Umfange die Gemeindebe- Hörden (Wohnungsämter) bei der Durchführung der WohnungszwangSwirtschaft der Aufsicht der Landesbehörden unterliegen. Es wird jetzt ausdrücklich bestimmt, daß die oberste Landesbehörde die Aufsicht über die Durchfüb- rung der Anordnungen oder Maßnahmen hat und die erforderlichen Anweisungen erteilen darf. Nach der neuen Fassung des 8 2 dürfen ohne vorherige Zustimmung der Gemeindebehörde *) So durch die Verordnung »um Schub« der Mieter vom 22. Juni ISIS lReichSgesetzbl. S. 591) und insbesondere durch da« Gesetz über Maßnahmen gegen WohnungSmangel vom 11. Mai 1020 lReichsgeletzblatt S. 049), vgl. ferner Gesetz vom 11. Juli 1021 (Reichs- aesetzbl. 6. 988), 20. Mär, 1922 lReichSgesetzbl. ®. 279). 28. Juni 1922 lReichSgesetzbl. I S. 520». 2S. Mär, 1923 lReichSgesetzbl. I ®. 217) und 26. Juni 1928 lReichSgesetzbl. I S. 419). Künstlertheaters bis auf den letzten Platz füllte, bereitete der Aufführung eine herzliche Auf- uahme. Das gleiche Schicksal war dem Kayßlerscken „Jan der Wunderbare" beschicken, der im Residenztheater zur Aufführung gelangte. Der Bier-Akter ist sozusagen ein „Schwank auS Schwänken". Dreimal wird Jan. der über dem Glauben an. das Wunderbare die Erde und ihre Gewohnheiten vergißt, von seinen Nachbarn ge- foppt und schließlich deutlich ad absurdum geführt. In drei Schwänken vollzieht sich die durchaus episch aufgebaute Handlung, der es an schleppenden Längen nicht fehlt. Zusammenge- halten wurde das ganze durch die darstellerische Leistung Wernickes. der als Jan Bäuerlich- Phantastisches charaktersam verkörperte. In den Kammerspielen gastiert zurzeit Albert Stein rück in „Frau Warres Gewerbe". DaS Neben-Theater dieser Bühne, die in ein „Klei- nes Theater" umgetaufte „Schaubühne", be- herrscht Karl Valentin, der große Komiker, der eine sketchartige „Valentiniade" ausführt, einen Mischmasch aus all seinen früheren Pro» grammen. Richard Rieß. Dr. Theodor Kroyer, außerordentlicher Pro- fessor für Musikwissenschaft au der Heidelber* ger Universität, hat einen Ruf nach Leipzig angenommen, wo er Ordinarius und Nachfolger des nach Berlin gehenden Pros. Abert wirö. Prof. Kroyer gehört zu den hervorragendsten deutschen Musikhistorikern, und er ist obendrein ein glänzender Musitschriststeller. was man von den wenigsten seiner Kollegen behaupten kann. Er hat seine öffentliche Arbeit a>lS Konzertkriti- ker in München begonnen. An der Rupert»« Carola wurde er dann der Nachfolger Philipp Wolfrums. Salzwrger Festspiele. Auf Veranlassung de/ Stadt Salzburg hat die Salzburger Festspiel« gemeinde beschlossen, vom 21. bis 2-1. August im Salzburg» Stadttheater Musteroufführuugen von Moliires .Eingebildeten Kran' ken" unter der Regie Max Reinhardts »» veranstalten. Erste« Blatt Karlsruher Tagblatt, Dienstag, den 28. Angust 1923 Nr. 236. Seite 8 Gebäude oder Teile von Gebäuden nicht abge- krochen, mehrere Wohnungen m einer nicht vereintat. sowie Räume, die bis zum 1. Oktober 1018 zu Wohnzwecken bestimmt oder benutzt waren, zu anderen Zwecken nicht verwendet wer- oen. Nur in besonderen Fällen kann die Ge- «eindebehörde Ausnahmen zulassen, wenn für den beanspruchten Raum neuer Wohnraum er- stellt wird. Nach der bisherigen Hassung des 8 3 Abs. 2 aalten Wohnungen u. a. dann als unbenutzt, wenn der Verfügungsberechtigte seinen Wohn- ntz dauernd oder zeitweilig in das feindliche Ausland verlegt hat. Durch die Streichung des Wortes „feindliche" ist zum Ausdruck gebracht, ööf? in Zukunft Überhaupt eine Verlegung des Wohnsitzes in das Ausland genügen soll. Der- artige Wohnungen können als unbenutzt be- lchlagnahmt werben. Kommt zwischen dem von dem Wohnungsamt zugewiesenen Wohnungsuchenden und dem Hauseigentümer ein Mietvertrag nicht zustande, !o setzt nach 8 4 das Mieteinigungsamt auf An- trag der Gemeindebehörde einen Zwangsmiet- vertrag fest. In dem ersten Satz des 8 4 ist setzt noch ausdrücklich zum Ausdruck' gebracht, dah die Gemeindebehörde von dem Versügungsbe- rechtigten den Abschluh eines Mietvertrages verlangen kann. Zur Beseitigung juristischer Zweifel ist ferner bestimmt, das! der Inhalt eines Zwangsmietvertrages den Parteien gegenüber alS vereinbart gilt. Besonders wichtige Aenderungen enthalten die neu hinzugefügten Absätze 3 und 4 des § 4. Die Vermietung von einzelnen Zimmern ober größeren Teilen einer Woh- nung ist biSher vielfach deshalb unterblieben, weil eine Beschlagnahme dieser Räume durch das Wohnungsamt Und die Zuweisung nicht ge- wünschter Mieter befürchtet wurde. Um nun einen Anreiz zur freiwilligen Ver- mietung zu schassen, wirb bestimmt, bah der- ienige, der einzelne Räume — also vor allem «öblierte Zimmer —, die eine abgeschlossene Wohnung nicht barstellen, oder auch eine abge- kchlossene Wohnung, die durch Teilung od.er AuS- bau einer Wohnung gewonnen ist, dem Woh- nungsamt freiwillig zur Verfügung stellt, das Recht hat, sich seinen Mieter aus den auf der Wohnungsliste der Gemeindebehörde eingezeich- neten Wohnungsuchenden auszuwählen, der Mieter darf jedoch kein Ausländer sein. Die Gemeindebehörde ist verpflichtet, ihm Ein- blick in die Wohnungsliste zu gewähren. Das Wohnungsamt hat also in diesen Fällen nicht das Recht, einen Mieter zuzuweisen. Auch wenn der Mietvertrag wieder aufgehoben wird, darf der Verfügungsberechtigte sich erneut einen Nieter aus der Wohnungsliste selbst auswählen. Die Zwangswirtschaft wird insoweit sür die freiwillig zur Verfügung gestellten Räume be- Zeitigt. Die Vorschriften des Reichsmieten- kefetzeS und des Mieterschutzgesetzes gelten jedoch auch weiterhin für diese freiwillig abgeschlos- senen Mietverträge. Besonders hervorgehoben sei noch, dah das Recht des Verfügungsberech- tigten nur bei einzelnen Wohnräumen oder bei Wohnungen, die durch Teilung oder Ausbau einer Wohnung gewonnen find .besteht. Es ist also dann nicht gegeben« wenn ein Vermieter eine freiwerdende Wohnung, bevor eine Be» schlagnabme erfolgt ist, dem Wohnungsamt an- zeigt. Auch bei den soeben erwähnten Räumen besteht daS Recht nur. falls die Räume nicht be- reits von dem Wohnungsamt beschlagnahmt sind. Schon nach den bisher geltenden Vorschriften hatte die Gemeindebehörde das Recht, unbenutzte Räume jeder Art für Wohnzwecke in Anspruch zu nehmen. Es werden jetzt noch ausdrücklich Dachgeschosse hervorgehoben, deren Ausbau zu Wohnräumen eine wachsende Be- deutung erlangt hat. Die erforderlichen Um- bauten sind von der Gemeinde auszuführen, sie solle» nur nach Anhörung des Verfügungsbe- rechtigten erfolgen und nach Möglichkeit die Schaffung eines dauernd verwertbaren Zustan- des anstreben. Wesentlich erleichtert ist der Wohnung 8- tausch. Dieser bedarf nach der bestehenden Re- «elung der Zustimmung des Wohnungsamtes. Diese ist auch weiterhin noch erforderlich. Haben die Tauschparteien jedoch selbständige benutzte Wohnungen und sind die Vermieter mit dem Tausch einverstanden,»») so ist das Wohnnugs- amt verpflichtet, die Zustimmung zu erteilen, und zwar innerhalb einer Frist von 14 Tagen. Erfolgt innerhalb der Frist keine Antwort des Wohnungsamtes, so gilt die Genehmigung kraft Gesetzes als erteilt. Das Wohnungsamt ist also auch jetzt npch in der Lage, nachzuprüfen, ob die Tauschparteien tatsächlich selbständige benutzte Wohnungen haben oder ob es sich um einen Schein tausch, eine Schiebung, handelt, bei welcher der eine Teil überhaupt keine selbstän- dige Wohnung besitzt, sondern auf diesem Wege sich eine Wohnung verschossen will. Die Woh- nungsämter dürfen andererseits die Genehmi- gung nicht mehr deshalb versagen, weil eine der Wohnungen mit Rücksicht auf die Familienzahl der einen Tauschpartei als zu groh anzusehen ist. Es ist selbstverständlich und wird im Gesetz noch besonders zum Ausdruck gebracht, dah die allgemeinen Vorschriften über die zulässige Be- legung und Besetzung der Wohnung in Gültig- keit bleiben. Das Wohnungsamt darf also nach wie vor', wenn eine Tanschvartei in eine mit Rücksicht auf ihre Kopfzahl übergrohe Wohnung gezogen ist, die entbehrlichen Räume b e s ch l a g» nahmen, soweit dies nach der in der Ge- meinde geltenden Anordnung zulässig ist, es darf iedoch den Tausch selbst nicht untersagen. Auch diese Erleichterung des Wohnungstausches gilt nicht bei einem Tausch mit Ausländern. Deutsche Flüchtlinge und Vertrie- bene aus dem Ausland oder aus einem be- setzten oder infolge des Friedensschlusses aus- geschiedenen Landesteil sind nach wie vor vor- zugsweise unterzubringen. Als vertrieben gelten sollen iedoch nur 1. diejenigen, welche in- folge Ausweisungsbefehls einer fremden Macht das Gebiet verlassen muhten. 2. diejenigen, denen der Aufenthalt durch sonstige Mahnah- men der Behörde oder sonstige gleichzwingende Gründe unmöglich gemacht worden ist, 3. die- ienigen. welche bei Ausbruch oder während des Krieges in den Gebieten gewohnt, sie alsdann verlassen haben'und infolge von Mahnahmen der dortigen Behörden nicht zurückkehren konn- ten. Die Eigenschaft als Vertriebenet ist durch eine amtliche Bescheinigung festzustellen. Bon der Beibringung dieser Bescheinigung sind alle Deutschen befreit, die bei Inkrafttreten des Gesetzes im Besitze von amtlichen Flüchtlings- papieren waren. (Schilift folgt.) **) Verweigert der Vermieter die Zustimmung, so entscheidet das' Mieteinigungsamt. Rettung oder Katastrophe. Dieses Thema bildete den Untergrund einer Rede, die der sozialdemokratische Reichs- tagsabgeordnete und frühere Reichskanzler Dr. Hermann Müller am Montag abend vor mehreren tausend Personen in der Festhalle hielt. Er schilderte die Gründe, die zum Ab- gang des Kabinetts Cuno führten und bemerkte dazu, dah das Schlagwort „Fachminister" jetzt ein für allemal wohl abgetan sei. Eine andere Möglichkeit als die der grohen Koalition habe es nach Lage der Dinge nicht geben können. Ueber Havenstein sei das letzte Wort noch nicht gesprochen. Der Redner erinnerte bann an die Pflicht der Besitzenden. Opfer zu bringen, um der Welt zu zeigen, dah der Leistungswille des deutschen Volkes tatsächlich vorhanden ist. Er hob in diesem Zusammenhang aus die allerdings harte steuerliche Mahnahmen ab, die getroffen werden muhten und denen sicherlich weitere folgen werden. Für Experimente sei jetzt keine Zeit. Man müsse vielmehr alles daran setzen, damit das Chaos verhütet und die Reichseinheit nicht zertrümmert wird. Es gelte die Erfassung der Sachwerte vorzu- bereiten, um den Boden zu gewinnen, auf dem allein die Freiheit von Rhein und Ruhr er» kämpft werden könne, nämlich die Sanierung der Finanzen. Man werde zu besseren Verhältnissen nicht kommen, wenn es dem Reiche nicht gelingt, sich in den Besitz von Devisen zu setzen und sei es auch nur zu einem kleinen Teil. Der deutsche Arbeiter wünsche nichts sehnlicher als' die Ordnung, wie sie die Stabilisierung der Verhältnisse in Oesterreich mit Hilfe der internationalen An- leihe gebracht hat. In diesem Sinn müsse Deutschland versuchen, an die Gesamtheit der Reparationskommission heranzukommen. Alles habe zu geschehen, mit dem einen Ziel im Auge, die deutsche Republik zu erhalten. (Lebhafter Beifall.) Zur Diskussion sprach nur der kom- munistische Stadtrat Bauer. Aus SaSen = Mannheim, 27. Aug. Die französischen Besatzungsbehörden haben die im Mann- heimer Hafengebiet lagernden Vorräte in Stahl- und Eisenwaren der Firma Klöckner 5- Co. be- schlagnahmt. — Der in Mnrnau am Staffel- see wohnende Deutschamerikaner James Loeb überwies der hiesigen Gallenberg-Stiftuug einen Scheck von über 100 Dollars zur Pflege der Gräber seiner Groheltern und zur Unterstützung bedürftiger Musiklehrer- und -Lehrerinnen. — Der Strahenbahntarif würde für die jetzt be- ginnende Woche auf 200 000 .Ä für die kleinste Strecke erhöht. — Heidelberg. 27. Aug. Die Gummiwerke in Heidelberg-Wieblingeu muhten mangels an Aufträgen ihren Betrieb stillegen. Allen Ar- vettern wurde gekündigt. Man hofft, bah der Betrieb wenigstens zu einem Teil bald wieder aufgenommen werden kann. = Heidelberg, 27. Aug. Der beabsichtigte U m- bau des Stadttheaters kann infolge der heute in die Milliarden gehenden Kosten nicht durchgeführt werden. — Gaggenau, 27. Aug. Das neunjährige Töch- terchen des Kaufmanns M ö r m a n n sprang aus dem fahrenden Personenzug und erlitj eine schwere Gehirnerschütterung, — Baden-Baden, 27. Aug. Der brasilianische Konsul C. Renaux Dat der Stulz-Schrieverfchen Waisenanstalt in Lichtental und den Herrschaft- lichen Bezirksspitalvn (PfrüuSnevhauS) auf dem Schafberg erneut die Summe von 800 Millionen Mark zugewendet. Eine gleiche Summe hat Konsul Renaux auch den herrschaftlichen Be- ziokzipitalen für Weühnachtem idS. Is. überwiesen, nachdem er frtther schon wiederholt durch namhafte eigene Spenden und durch erfolgreiche Sammlungen von Gaben in Brasilien die ge- nannten Anstalten unterstützt hat. = Freibnrg, 27. Aug. Die Tätigkeit der Wu- cherabteilung des Bezirksamts hat sich infolge des Währungsverfalls in den letzten drei Wo- chen auherordeutlich gesteigert, dah die Beamten- zahl verdoppelt werden mußte. In den letzten drei Wochen wurden 95 neue Wucherfälle aufgegriffen. X Kollnau b. Waldkirch, 27. Aug. Die Arbeiterschaft der hiesigen Baumwollspinnerei leistete zugunsten der Sozialrentner und Orts- armen der Stadt zwei Ueber stunden. Die Direktion hatte zu dem sich ergebenden Betrag noch einen solchen in gleicher Höhe hinzugefügt, so dah insgesamt ca. 700 Millionen Mark ver- teilt werden konnten. Die geringste Summe, die auf den Einzelnen entfiel, betrug 4 Millio- nen. » Lörrach, 27. Aug. Die bei Wei'l-LeoPvldshöihe von der Eisenbahnverwaltung erstellten neuen Beamtenwohnhäuser gehen jetzt ihrer Bollen- öung entgegen. In diesen Wohnungen findet ein Teiil der jetzt noch in Basel wohneuden badischen Eisenbahner Unterkunft. Die Versetzung dieser Eisenbahner von Basel auf basisches Ge- «biet bringt dem Fiskus ganz bedeutende Eut- ilastungen, da bekanntlich die badischen Eisen- Bahner in Basel in Fvankemvähvung entlohnt wurden. Sunte Q»roni? Der Tod i« den Bergen. Aus St. Moritz wird gemeldet: Am Freitag abend gegen 6 Uhr stürzten an der Südseite des Pjz Swsatsch die IMHrige Tochter des Konsuls Dr. Heinrich Friedrich aus Düsseldorf mit ihrer Gouver- nante, dem in den.Wer Jahren stehvnben Fräu- lein Schenke ab. Die beiden verliehen am Frei- tag bei zweifelhaftem Wetter morgens St. Mo- ritz, stiegen an der steilen, von hohen Fvlsaimn- den durchzogenen Südseite ab, die nur durch gvn^ geÄbte Bergsteiger begangen werden kann. Hier wurden sie vom Unwetter überrascht und stürz- ten ab. Die ausgesandten Rettungskolonnen. die die ganze Nacht hindurch suchten, kamen lei- der ergebnislos zurück. Weitere Kolonnen such- ten dann am Samstag und Sonntag, wobei schließlich die beiden Leichen in einem Bach aus- gesunden und noch am gleichen Tage nach St. Moritz gebracht wurden. Raubmord in Berlin. Sonntag mittag wurde die 50jährige Besitzerin eines Porzellanladens in der Fürstenberger Strahe zu Berlin mit durchschnittener Kehle aufgefunden. Es wird angenommen, dah sie einem Raubmord zum Opfer gefallen ist. da das Zimmer durchwühlt war und Geld fehlte. Eine,» wertvollen Fund machte ein Londoner, der bei einem Antiquar eine alte Bibel kaufte. Beim Blättern fand er zehn einzelne Pfund- noten in der Bibel versteckt, was ungefähr einem Werte von 2000 Goldmark entspricht. Die Londoner Blätter meinen, bah dieser Mann offenbar von der Wahrheit des Spruches durch- drungen sei: ..Suchet in der Heiligen Schrift." Die armen Rothäute. In der Geschichte der Vereinigten Staaten von Nordamerika ist be- kanntlich die Behandlung der Indianer eines der trübsten Kapitel. Die braven Rothäute sind Jahrhunderte lang um Hre Habe und ihr Gut betrogen, in Raubzügen und Kriegen ver- folgt durch Kämpfe und Krankheiten aufgerieben worden — alles zum höheren Ruhme der west- lichen Zivilisation. Für die Wegnahme der ihnen feierlich zugesprochenen Ländereien hat man immer wieder den Borwand gefunden, dah sie unfähig seien, ihr Vermögen selbst zu ver- walten. Selbst heuzutage müssen solche Vor- wände herhalten, um ihnen den letzten Rest des verbliebenen Landes abzunehmen. So hat das BnndeSdistrtktgericht in Washington entschieden, dah die noch am Leben befindlichen Mitglieder des Osagestammes in Oklahoma nicht fähig seien, ihr Eigentum zweckmäßig zu verwalten und dah daher die ihnen zu zahlende Unterstützung der Regierung auf 4000 Dollar pro Kopf und Jahr zu beschränken sei. Bisher galten die Osageindianer alS die begütertsten der noch lebenden Rothäute, da sie vor wenigen Iahren das ihnen vorbehaltene Land in Okla- homa gegen eine hohe jährlich zu zahlende Summe der Regierung verpfändet hatten. Nun werden auch sie auf diese Weise betrogen. Das geschieht im Lande, das sich rühmt, für das Selbstbestimmungsrccht der Völker gekämpft zu haben. Vom Wetter Wetternachrichtcndienst der Badische» Landes- Wetterwarte Karlsruhe. Montag, den 27. Angust 1928. Ein grohes atlantisches Tiefdruckgebiet ist bis Schottland herangezogen und schiebt eine lange von Schweden bis Südfrankreich reichende Re- genfront vor sich her. Vorderhand hält in Süd- Westdeutschland unter dem Einsluh eines langsam nach Osteuropa zurückweichenden Hochdruck- gebietes das heitere, warme und trockene Wet- ter an. Es ist aber morgen auch bei uns mit dem Eintritt von Regen zu rechnen, Wetteraussichten sür Dienstag, den 28. August: Zunehmende Bewölkung und Regen, etwas küh- ler. Rbein-Wasserttiind» m»rg«»ö 6 llbr: 27. August Mira« . 3,88 m „ .... — m 1,42 m 2,47 m Mannheim 2,79 w mittags Ii Nbr abeudS 6 Nor 26. August 1,45 m •2 ,45 m 3 ,91 m 3 ,59 m .3,92 m 2,81 m Fr. Gundolfs „Deutscher Shakespeare"*). Bon Arthur Böhtlinak. ^ Da ich an dieser Stelle — in »Ein Shakespeare' vUbiläurn" — dahin geurteilt habe, dah Professor Ls- Friedrich Gundolf in seiner libertragung Shakespeares in die deutsche Sprache sowohl die Lichtungen des englischen Dichterkönigs wie unsere «ebe deutsche Muttersprache verballhornt habe wie Uoch keiner, erachte ich mich verpflichtet, dies Urteil wenigstens kurz zu begründen, r. Die bedeutsamste und ergreifendste Szene Im ^oriolan ist die, da der Verbannte an der Spitze ?es VolskerheereS vor den Toren Roms erscheint, Begriffe steht, seine Vaterstadt gewaltsam ein- SUnehmen und seine Mutter mit ferner Gattin und 'einem Söhnlein herbeikommen und in ihn dringen, davon abzustehen. Ihnen zugewendet ruft er: Mein Weib voran, dann die verehrte Form. Drin dieser Leib erwuchs, an ihrer Hand den Enkel ihres BlutS. Gundolf setzt hierfür: , »Mein Weib zuerst? dann die verehrte Form, ^ worin mein Rumpf gewirkt (I) ward —" Anstatt : Ich schmelz dahin — nicht Härtren Stoffs a als $tnb£ß« ^ Gundolf: — Ich schmelze und bin nicht von stärkrein Lehm < I) als Anstatt : Mein Zunge dringt mit einem Blicke als riefe die Natur mir selbst: »Versag' nicht!" Gundolf: Und mein junger Knabe bat ein Gesicht des Einspruchs tl), draus M die große Natur ruft „Weigre nicht 1" .Dies dret Proben auS der einen Rede, die sich 'eicht noch vervollständigen liehen. Und Gundolfs M.riolan" gehört zu den beftempfohlenen und i Wrichlich ho et) einwandfreiesten der in Frage Uehenden Stücke. _ , _ „ Weit fataler sind die Entgleisungen im »Othello . z^uch hier bandelt eS sich um Hauptstellen, den Kern «er Tragödie. *) Vgl, Litcraturbeilage zum „Karlsruher Tagblatt" "«m 24. Mai 6. I. Othello tritt an die schlummernde DeSdemona heran, nicht in wilder Leidenschaft, sondern als Richter, um die vermeintliche Sünderin zur Rechenschaft zu ziehen und ein Gottesurteil an ihr zu vollstrecken. Dies betont Shakespeare auf das denkbar nachdrücklichste, indem er ihn anheben läht: »Die Sache (cause) will'S, die Sache will's, mein >verz! Laht sie mich euch nicht nennen, keusche Sterne! Die Sache will's.— Demnach nicht das persönliche Vergeben Des- demonaS gegen um, sondern deren Versündigung gegen die Menschheit als solche. Obgleich dies bei Tieck-Baudissin ganz richtig zu lesen steht, setzt Gundolf dafür: »DaS ist d>e Tat, das ist die Tat, mein Herz! Laht sie mich euch nicht nennen, keusche Sterne! Die Tat " Demnach geradezu das Gegenteil von dem, was Shakespeare null und so hervorhebt. Seit wann heiht „cause" zu deutlet) „Tat?" Da der Senatoraus Beuedig den Othello, nach der grauenhaften Mordtat, verhaftet und ihm fein Schwert abgenommen bat, ruft der Entwaffnete, indem er vorbrechen will: Or, naked as I am, I will assault thee. Zu deutsch: Obgleich entwaffnet, fall ich über Dich her. Gundolf hat gemeint wörtlicher zu sein, indem er „naked" mit „nackend" übersetzt. Und so steht bei ihm zu lesen: „Sonst, nackend, wie ich bin, fall' ich Dich an." Danach wäre «vthello auch noch entkleidet wor- den, stünde er nackend da! NieS ist um so «Üblicher. als Othellos Rolle noch nicht zu Ende ist, er ein m seiner Kleidung verstecktes Schwert hervorholt, um sich zu entleiben. Er geht dahin, indem er, gebeugt über die Leiche seiner Desdemona, die er in ihrer ganzen Reinheit und unentwegten Liebe erkannt hat, sich den tot- lichen Stahl in die Nruit itoht uno, Lippe aus- Lippe gedrücktem Kusse seine Heldenseele aushaucht. Seine letzten Wo^ie sind: „Ich kühle Dich, bevor ich Dich getötet, und muh, auf einem Kuh zu sterben, mich selbst nun töten! Gundolf: Erst küht' ich Dich, dann würgt (!) ich Dich, ich muh Mich selber würgen (!) und ich sterb, im Kuh. Wie der arme Othello dies Kunststück fertig- gebracht hat, ist Gundolfs Geheimnis. Kann man Sinn und Sprache toller verrenken? Gundolf läht Othello auch, anstatt dah er Tränen so reichlich vergieht ivie Arabiens Bäume ihre heilkräftigen Safte, Tränen träufeln — «stark ivie Arabiens Bäume!" — Schlegels Übertragung des „Kaufmanns von Venedig" findet Gundolf, wie er ausdrücklich bemerkt, fo einwandfrei, dah er an derselben kaum zu bessern gesunden habe. Dies hindert ihn nicht, beispielsweise, ivenn Kraziano, den leichtlebigen Narren spielend, lieber als den Kopf vor Schwermut hängen zu lassen, seine Leber mit Wein glühen machen ivill, anstatt die Leber glühen zu machen, sich den „Bauch (!) erwärmen". Danach weih Gundolf iiicht einmal, dah ein übermah von Wein die Leber angreift und nicht nur den Bauch er- wärmt, was ihm doch schon Falstaff und dessen Sausgenossen hätten bewringen sollen. Ein non plus ultra leistet sich der Heidelberger Professor der schönen Literatur in der Verhunzung des Liedes, das 1 ortia anstimmt, da Bawanio an die Kästchen herantritt, deren Wahl über ihr Schick- sal entscheiden soll: in der Angst, dah auch er, der über alles Geliebte, wie Marokko und Ärragon, nach dem Scheine gehend, nach dem Golde oder Silber greifen dürfte, statt nach dem ehrlichen, gewichtigen Blei. I.Stimme: Der die Sinne berückende Schein, kam er zum Hirne, zum Herzen herein? Wovon nährt sich sein rätselhaft Sein? Chor: Antwort, gebt.Antwort! 2. Stimme: Er kommt im strahlenden Auge zur Welt, nährt sich von Blicken, bis er zerfällt, in der Wiege, die zur Stunde ihn hält. Scheines Totenglock' erschalle, laut und lustig widerhalle! Ich beginne: Ding, Dang, Dong — Alle: Ding, Dang, Dong! Gundolf: I.Stimme: Sagt, woher die Liebelei, Aus dem Hirn oder Herzen Ter? Oder kroch sie aus dem El? Chor: Sagt an, sagt an! L.Stimme: Augen sind's, drin sie entsteht. Schaum nährt sie, und sie vergebt In der Wieg', wo Ihr sie seht. Läutet all' zum letzten Gang: Ich fang an mit Kling, kling, klang. Chor: Kling, klixg, klang. Über tiefe schier beispiellose Berballhornung eines der berückendsten Shakespeare-Lieder und dies an so bedeutsamer Stelle ist Landauer, dessen Vor- lesungen über Sbakespeare zu den lesenswertesten gehören, so aufgebracht gewesen, dah er bei dieser Gelegenheit bemerkt: Wo immer er Gundolfs „Shakespeare in deutscher Sprache" nachgeschlagen, dieser m ähnlicher Weise versagt habe. In der Tat macht keines der von Gundolf verdeutschten Dra- men hiervon eine Ausnahme. Die unterlaufenden sprachlichen Ungeheuerlichkeiten erklären sich offen- bar mit daraus, dah Stefan George für Gundolf vorbildlich ist. Ohne dessen Vorgang in Handhabung der Sprache hätte er, wie er im Vorwort bemerkt, sich gar nicht an sein Unternehmen gewagt. Wann aber wäre unser liebe? Deutsch sinn- und geschmack- loser verrenkt worden, als durch den (wegen seiner sprachlichen Meisterschaft!) so gefeierten Stifter des geheimnisvollen Dichterbunbes, der ihn selbst auf de» Schild gehoben hat. Für Friedrich Gun- dolf aber ist Stefan George nicht nur der muster- gültige Ubersetzer, sondern auch noch der Dichter der Dichter. »— — — — nach der Heitren. Der Starken Leichten unerreichten thronen Wo bestes blut uns sog die sucht der ferne ... Da kamst du sproh aus unircm eignen stamm Schön wie kein bild und greifbar wie kein träum Im nackten glänz des gotteS uns entgegen: Da troff erfüllung aus geweihten Händen Da ward es licht und alles sehnen schwieg." Kann es etwas Erhabeneres und Abgeklärteres geben, als diesen Sang Stefan Georges auf den »Stern des Bundes", den »Herrn der Wende?" Vermerk der Schriftleitung. Die mehrfach ausgesprochene Kritik unseres Mitarbeiters an Gundolf wird in ihrer starken Subjektivität nicht voll allen Lesern geteilt werden. Der Heidelberger Literarhistoriker ur. Gundolf hat mit seiner Shakespeare -Übersetzung und seinen entsprechenden Bü- chern eine ganz seltene Anerkennung gefunden und aenieht als Gelehrter einen hervorragenden Ruf. Weitdr ist auch Stefan Geo^e, ohne dah man in Verzückung geraten muh, eine Dichtererscheinung von ganz ungewöhnlichem Ausmah und die hohe Schätzung seiner Werke nicht etwa pretiöse Mode- sache oder kritiklose Verhimmelung. Nr. M6. Seit« 4 Städtische A»>Sfiihr„»,gsoorschrlf«,«m Bollzug Mit Sirfuna »Äl« W r W : 1. der Zuschlag iür lausende Jnstanösetzungs' arbeiten 1800 000 v> ?>. der Grundmiete, 2. der Zuschlag für große Jnftandsetzungsarbeiten 1200 000 o. H. der Grundmiete, S. der Sonderzuschlac, iür gewerbliche Räume a) für Werkstätten mit wentger als 20 Arbeitern 40 00 (1 v. H> der Grundmiete, d) für alle übrigen gewerblichen Räume im Sinne des § 10 Absatz 2 R.M.G. 60 000 t>. H. der Grundmiete. Hauskonten dürlen außer bei den bereits be- kanntgegebeuen Kassen und Geldinstituten auch bei dem Bankdaus Baer L- Elend in Karlsruhe errichtet werden. Karlsruhe, den 24. August 1928. D?r Oberbürgermeister. Karlsruh« Tagblatt, Dienstag, den 28. August 1S28 Erstes Dlatt Die gesetzliche Miete des MonaSs August 1923. Berichtigung. Der Durchschnittssat; beträgt nicht wie in der Verölieutiichun > vom 26. d. Mts. versehentlich an- gegeben, das i?8Ssache, sondern das SS8Sfache der Jahrcsgrundmiete. Mieteinig,ingsamt der Stadt «arlSruli« . SMlische Sparkasse Surlach mündelsichere Anstalt. Wir vergüten vom l September 1923 folgende Zinsen: ab für Giroguthaben 1»°/°. 15°/., .... Svareintaaen allgemein . für Einlage» von M 50000.— ab: bei vierteljährlicher Kündigung 20°/«. bei hallijährlirtier Kündigung . 25%. Kassenstunden jeden Werktag, vormittags von 8—V2I Uhr, jiac bmiltttflg bleib t geschlossen. Karlsruhe? AuMonshaUe. Jnb.: Sasse & Marzluff, Lammstr. 7 a. Ä ort VÄ gwtze Versteigerung von Möbeln und Saushaltungsstücken sowie Klei- der, Wäsche und Schuhe. - Auszahlungen jeweils iHtllM und Samstag^iS 12 Uhr. Missions-Präsident Prof. Fred Tadje spricht über: Das von L»tt wieder gesMndNte evsngelium Donnerstag, den 31. August. Jedermann willkommen. Eintritt frei. Lokal - Sophienstr. 73, Eingang Lessingstr. IWnti gibt 12jähr Schüler «Kl der Oberrealscl'ule «Quinta» NaÄzllilse- stunden i. d. Hauvtsach. Ang u. Nr.öOSS t. 'Tngbl Rbonnenfen kaust bei Inserenten des Karlsruher Tagblatts in jeder Preislage stets vorrätig jfc eschw . Gutmannü Aodnungstsmch. Vorhanden ist: 4 *" u Zustand inttl Erker und Kürlieubalkon, in tadel- Zimmerwobnuug ... lt Bad. Mansarde. 2 Keller, ^»..^nbalkon, elektr Licht. 2. St. Ostüadt, und wird zu tauschen gesucht gegen: arohe ? 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August, abends 7 1 i 2 Uhr Verliebte Leute Operette in 3 Akten von Künneke. In Szene gesetzt von Direktor Steffter. Schluß der Spielzeit: Sonntag, den 2. September. Ich finde den Meg. Roman von Hans v. Hekcthusen. (22) «Nachdruck verboten! Anton trat auf ihn zu und berichtete aufgeregt: „Die ersten Häuser da unten am Hafen sind alle futsch — bei die Dunkelheit sind sie einfach köpf- über gegangen. Keiner hat was von gemerkt. Bei bat heillose Wetter hatte jeder mit sich zu tun. Immer höher steigt bat Wasser, der kleine Bach hat schon alles vollgelaufen. Nu kriegen wir auch eine See auf dat Land. In die Keller läuft et all, nächstens fahren sie nicht bloß da unten, sondern auch oben mit die Kähne . . . Ja, ja, dat sag ich man, da unten dat Hafenland bat is so ne Gegend, da dürft gar kein Mensch nich wohnen! Da kommt einem dat Wasser über den Kopp, ehe man noch Amen gesagt hat!" Er war so aufgeregt, daß er nur stoßweise sprechen konnte. „Der Herr Landrat sind schon dabei und der Bürgermeister auch — dat is noch doller wie Krieg, da kann man wenigstens den Feind anpacken, aber dat Wasser läßt sich nir- gends anfassen." Kirdorfs ließ den Alten erzählen. Er wußte tragische Einzelheiten zu berichten. Kleine Kin- der seien in den Betten ertrunken, das durch- brechende Wasser habe alles überrascht. Ehe man in dor oberen Stadt davon erfahren, sei schon unglaublich viel Unglück geschehen. An diese Möglichkeit habe niemand gedacht, denn die Dünen hätten nun schon hundert Jahre und länger standgehalten. « Als Hans sich anschickte, die Unglücksstätte auf- zusuchen, sck'loß sich ihm der Alte an. Wie sie an Kirdorffs Wohnung vorbeischritten, löste sich eine Gestalt aus einer Mauernische, Hella war es. Sie trat vermummt wie ein Eskimo heraus und vertrat ihm den Weg. „Ich warte auf Sic," sagte sie in ihrer kurzen Art. „Seitdem es hell ward, stehe ich hier. Wo waren Sie? Sie können doch bei dem Hunde- weiter nicht draußen kampiert haben? Schlafen konnte man ja freilich nicht — aber um sich draußen zn verluftieren, war es doch zu arg." „Die gnädige Frau Tünte sind auch schon da unten, berichtet^ Anton, der im geheimen die Erscheinung des „wilden Fräuleins" kritisierte. „Die Fran Landrat hat ihr von sich alte Sachen angezogen. So kurz und so knapp wie bei dem Fräulein ist das nun zwar nich — aber um naß zu werden, immer gut genug." ,L!hre Stiefel sind ja bis obenhin durchweicht!" sagte Hella und musterte Kirdorfs wieder. „Ich dachte, Sie wären nicht neugierig," sagte er. „Im übrigen ist ein solches Fragen nnweib- lich. Sie sind doch kein Student, der teil an meinem Junggesellenleben haben könnte." Sie sah ihn düster an. Wieder betonte er, daß sie ohne jeden weiblichen Reiz für ihn sei, ge- rade er — durch den ihre Sehnsucht, ein Weib zu werden und als solches genommen zu wer- den — zum erstenmal erwacht war. Daß er ihr Bestes, das gleich einem heiß von innen heraus- flutenden Triebe jäh erwacht war, und das sie ihm gern rückhaltlos gegeben hätte — so gar nicht verstand und achtlos beiseite schob, machte sie krank und toll zugleich. Immer tiefer ver- strickte sie sich in den Reiz, der von ihm ausging, lind je heißer sie empfand, um so abstoßender wirkte ihr ganzes Wesen auf ihn. Mit wach- fender Angst erkannte sie das, Viele Männer hatten sich ihr genähert, gierig nnd frech — auch teilnehmende waren darunter gewesen. Sie hatte iiber alle gelacht. Und dieser eine, der sie, wenn sie wollte, zu seinen Füßen hätte zwingen können als willenloses Geschöpf — dem sie alles, alles geben — nichts versagen würde — der sah kalt und fremd über sie hin- weg — ja, was das Härteste war, sie war ihm lästig! Sie merkte das an der Art, wie er da- hinschritt und nur sprach, wenn sie fragte. Arme Frauen, die gerettete Habe auf ihren Armen, zogen an ihnen vorbei. Größere Kin- der schleppten die Kleinen. Die Männer waren wohl' alle beschäftigt, dem drohender werdenden Element zu wehren. Zum Glück hatte es auf- gehört zu schneien und zu regnen. Aber in den engen Gassen lag die weiße, zerfließende Masse fußhoch und wurde von dem noch immer rasen- den Winde getürmt, zusammengeballt und wie- der zerrissen, als ob alle Teufel geschäftig wären, Jich auszurasen und den Menschen das Dasein zwischen all dem wüsten Dräuen recht sauer zu machen. Jetzt bogen sie um eine Straßenecke nnd ge- langten auf einen tiefer gelegenen Platz. Er war nngevflastert und diente in der Frühjahrs- und Herbstzeit zu Spielen der Jugend nnd Volksbelustigungen aller Art. Ein unheimlicher Anblick bot sich ihnen. Ans dem Platz bewegte sich eine dunkle, schaukelnde Wasserfläche, der niemand ansah, daß sie langsam stieg. Mitten in dem schlammigen Gewässer ragte ein Karussel hervor, worin man in den letzten Tagen sröh- lichen Lärm gemacht hatte. Nicht weit davon mühten sich zwei abgetriebene Pferde einen jener herumziehenden Wagen, in dem das Gauk- lervölklein ißt, schläft und wohnt, aus dem seich- ter werdenden Wasser herauszuziehen. Männer wateten, daneben und schlugen auf die Pferde, die vor Angst nicht hin noch her konnten. Einige Gebäude umstanden diesen Platz. Aus den Fenstern der oberen Stockwerke schrien nnd lamentierten die Bewohner nnd wehrten sich gegen Einsichtige, die ihnen rieten, die schon im Wasser stehenden Häuser zu verlassen, ' Das weiterschweifende Auge sah nach dem kleinen Hafen zu nur eine unheimlich glitzernde Flut. Wo kleine Gärten mit Fifchereigerätschaf- ten aller Art gestanden haben mochten, rauschte es in der gurgelnden Tiefe, alle Spuren von Wegen und Gängen verwischend. Kleine Fach- werkhänser hingen, aus ihren Fundamenten ge» rissen, schief zur Seite. Ihre Dächer, zerbrochen und vom Sturm zerpflückt, starrten in die Lust wie klagende Wahrzeichen. Und das alles war in wenigen Stunden ge- schehen! Gestern noch das Bild des friedvoll- sten Behagens und heute ein Trümmerfeld, dessen Größe noch gar nicht zu übersehen war. Anton lamentierte laut. Die beiden ander» schwiegen erschüttert. Seitwärts auf -einer An- höhe, wo einige Stangen hervorragten, an denen noch verschiedene Fetzen zerrissener Lachsnetze hingen, sahen sie Menschen stehen nnd erkannten unter ihnen den Landrat. Er traf Anordnungen und instruierte die Leute, die, mittels kleiner Kähne Anstrengungen machten, hier und da z^ retten, was noch zu retten war. Der Bürger- mcister, ein jüngerer, riesiger Mann, stand m>t hohen Stulpstiefeln mitten im Wasser und faßte überall mit an. Hans sah Tante Hulda kaum, nickte ihr «u* zu, watete ohne weiteres ins Wasser und hall, wo er helfen konnte. Er merkte es gar niai>' daß Hella an seiner Seite blieb, Betten »no Hausgerät schleppte, schreiende Kinder aus den schon schwimmenden Wohnnngen holte und ar- beitete, als gelte es, den Tod zu besiegen. Als er einmal in einem Raum nach Mithilfe rief, weil es sich darum handelte, eine Wöchnerin ihrem Bett herauszutransportieren, bemerkte er mit Erstaunen, daß Hella vor ihm austanwle und bei seinem sekundenlangen Zögern k«r» kommandierte: „Vorwärts!" iLortsevung folgt.) Zweites Blatt Karlsruher Tagblatt. DienStag, den 28. August 1923 Mr. 236. Seite 5 klus üemStaMrei/e Die neuen Post- und Eisenb-«?ngebühren. Tie Reichspostverwaltling hat, wie verschiedene satter berichten, aus Anlaß der 'letzten Tarif- ^hühung, für die besondere Postwertzeichen nur ^ beschränktem Umfang 'geschaffen werden können, Ueber-dru<±&ricfmarken herausgegeben, die nur währen-d einer beschränkten Zeitdauer Ausgegeben werden sollen, da idie bis zum 1. Sep- Durber bevorstehende neue Tariferhöhung wie- ganz andere Frankierungs'sätze vsesieht. Es »chcht die Absicht, den neuen Tarif auf Her In- ^kzgyl 7S00M aufzubauen, so daß der einfache ^rief innerhalb Teutschlands 7ö000 Mark kosten bürde. -der Ortsbrief entsprechend 37 500 oder Reicht auch abgerundet 40000 Mark. Die Mtkorte im Fernverkehr würde, dann einer iaxe von 30 009 Mark unterliegen. Um den ^zuträgKchkeiten, vie sich infolge der knappen ^stände beim Weiterverkauf herausgestellt ^ben, abzuhelfen, soll die Barfraukierung wie- in vermehrtem Umfange zugelassen werden. c, te ist bekanntlich für Pakete seit einigen Ta- fett wieder eingeführt und soll jetzt auch bei ^riefs-enidungen schon bei Mengen von 10 bis 20 °tiick zugelassen werden. ÄNKivischen sind auch die Grundziffern bekannt ^worden, a>uf denen d« Reichseisenbahn ihre Mftigen wertbeständigen Tarife ausbauen will. Mindestpreise für den Kilometer sollen be- ^agen: in Klasse I 1,8 Mk., in Klasse II 0,9 Mk., Klasse III 0,3 Mk. und in Klasse IV 0,2 ME. Die Schnellzugszufchläge werden nach folgen- Grundzahlen bemessen: bis 76 lim bis ISO Km über ISO km !, Klasse 3,0 6,0 9,0 II. Klasse 1,5 3,0 4,5 III. Klasse 0,5 1,0 1,5 Mit einer Bekanntgabe der Schlüsselzahl, mit ie |Ktt diese Grundtarife multipliziert wenden, ist 'rst kurz vor Inkrafttreten 'der wertbeständigen Tarife zu rechnen. Der Steuerabzug vom Lohn ab 1. September. Vom 1. September 1923 ab werden die Er- Mäßigungen beim Steuerabzug vom Arbeitslohn wiederum erhöht, und zwar auf das Fünfzehn- ^che der für August geltenden Sätze. Sie be- ^agen von diesem Zeitpunkt ab 2) für den steuerpflichtigen und seine Ehefrau monatlich ' e 360 000 .Ii (bisher 24 000 M), wöchentlich je 1 5 400 Ji (bisher 5760 Ji); b) für jedes auf dem Steuerbuch vermerkte minderjährige Kind mo- !>atlich 2 400 000 M (bisher 160 000 Ji), wöchentlich fü 000 Ji (bisher 48 400 JI)-, c) für Werbungs- f ?iten und sonstige Abzüge monatlich 3 000 000 Ji bisher 200 000 Ji), wöchentlich 720 000 Ji (bisher 18 000 JI). , Die einzuschaltenden Steuerbeträge sind in >edem Fall auf volle taksend Mark nach unten Abzurunden. Die Fristen für die Verwendung : e t einbehaltenen Beträge, das heißt beim Mar- ^»verfahren für das Einkleben und Entwerten i^teuermarken in den Einlagebogen der Heuerbücher, beim Ueberweisungsverfahren für Abführung der einbehaltenen Beträge an Finanzkasse, sind vom 1- September 1923 ab Nkürzt worden. In den Fällen, in denen das Finanzamt bisher auf Antrag genehmigt hatte, die Verwendung monatlich einmal (bis zum eines Monats) bezw. zweimal (bis zum 10. Mb 25. eines Monatsi erfolgte, sind künftig die ^eträge, die in der Zeit vom 1. bis 10. eines -Monats einbehalten worden sind, spätestens bis SJöt 15., die Beträge, die in der Zeit vom 11. bis eines Monats einbehalten worden sind, bis 25. dieses Monats und die Beträge, die in .er Zeit vom 21. bis zum Schluß eines Monats Anbehalten worden sind, bis zum 5. des folgen- Monats zu entrichten. Dies gilt also in gleicher Weise für das Markenverfahren wie für das Ueberweisungsverfahren. Bei Friftver- fäumnis sind Zuschläge in Höhe des Vierfachen des Rückstandes für jeden angefangenen halben Monat verwirkt. Postschalter bis 7 Uhr abends geöffnet. Kn- folge der Erhöhung der Postgebühren herrscht zurzeit bei den Postämtern starker Mangel an Briefmarken. Die Briefe müssen deshalb auf die Postämter zur Barfreimachung gebracht wer- den. Um keine einschneidende Schädigung im Wirtschaftsleben zu verursachen, hat die ^ Ober- postdirektion auf Veranlassung der Sandels- ka«imer Karlsruhe angeordnet, daß die Post- schalter für Barfrankiernng bis 7 Uhr abends geöffnet bleiben. Die verlängerten Dienststun- den werden solange durchgeführt, bis der Man- gel an Briefmarken behoben ist. Der Goldfrankengegenwcrt im Postverkehr. Für die Woche vom 27. August bis 2. September ist der deutsche Gegenwert für den Goldfranken im Paket-, Wertbrief- und Telegrammverkehr mit dem Auslande auf 1200 000 JI, bisher 700 000 Ji festgesetzt worden. Die Arbeitsmarktlage in Baden verschlechtert sich auch weiterhin, und die Folgen sind mehr und mehr Kurzarbeit, Betriebsstillegungen, Ar- beiterentlassungen, die sich auf fast alle Arbeits- Marktgebiete erstrecken. Betriebseinschränkun- gen mußten bei ungefähr 35 Betrieben vorge- nommen werden. Die polizeiliche Wucherbekämpfung. Durch dieses umfangreiche Gebiet führte uns ein Licht- bildervortrag, den vor einigen Tagen der Lei- ter des Wucherdienstes beim Landespolizeiamt, Amtmann Schneider, im Hörsal des chem.- technischen Instituts der Technischen Hochschule hielt. Er besprach vor allem die'kürzlich er- folgte umfassende Neuregelung der gesamten Wuchergesetzgebung und der entsprechenden Ver- Ordnungen, die in den Preis der Wucherversol- gung auch den sog. Leistungswucher und, was noch nicht allgemein bekannt, den sog. Miet- und Verpflegungswucher einbeziehen. Die Wucher- dienststelle beim Landespolizeiamt hat in erster Linie die Aufgabe, die einzelne» polizeilichen Dienststellen zu überwachen und anzuleiten, ein einheitliches Vorgehen zu veranlassen, Material zu/sammeln, Feststellungen zu machen und Aktiv- nen zu unternehmen, die über die lokale Bedcu- tung hinausgehen (u. a. erforderlich werdende Streifen in den einzelnen Ernährungsgebieten für Vieh, Frühgemüse, Kartoffeln, Obst) in der Preisprüfungskommission mitzuarbeiten, Bezie- hung zu den Reichsbehörden, wie Reichswirt- fchaftsministerinm, Reichsfinanzamt und zu den zuständigen Landesbehörden, Statistisches Lan- desamt, Landespreisprüsuugsstelle usw. zu un- terhalten. Die erteilten und versagten Han- delsgenehmigungen zu sammeln usw« Zu letz- terem Punkt wies der Vortragende auf die große, die Waren verteuernde Schädlichkeit des Anwachsens des unberechtigten Zwischenhandels hin und teilte mit, daß, während 1922 nur durch- schnittlich 14 Prozent der Gesuche abschlägig be- schieden worden seien, im letzten Halbjahr rund 2000 Personen = 45 Prozent zurückgewiesen wurden. Bei der Bekämpfung des Wuchers sei jedoch sehr wichtig die Mitarbeit und Unter- stützung der Polizei durch jeden Einzelnen, der nicht glauben dürfe, daß es mit dem Erlaß eines Gesetzes getan sei, auch nicht nur damit, daß er in dem oder jenem Fall die Polizei in Be- wegung zu setzen und sich nicht weiter dann zu kümmern brauche. Eine Anzahl der vorgesühr- ten Lichtbilder zeigten außer der Tätigkeit der Wucherpolizei u. a. auch die Instruktionen, die die Polizeibeamten erhalten, ferner die Teue- rungskurven des letzten Halbjahres. Verhaftet wurde ein Hausmeister von Singen wegen Diebstahls von Setzerblei und ein Dienst- mädchcn von Küstringen wegen Diebstahls. Wegen nnterlaffeuen Preisanshanges gelang- ten mehrere Bäckermeister sowie die Witwe eines Metzgermeisters zur Anzeige. Chronik der Vereine. Der t. Athletik-Svort-Klub Germania Sport- freunde e. V. feierte am letzten Samstag sein 36. Stiftungsfest. Der Verein hatte alles aus- geboten, um die zahlreich erschienenen Besucher zu befriedigen. An einem lebenden Bilde wurde gezeigt, welche Sportarten innerhalb des Ver- eins getrieben werden. Anschließend führte Mitglied Schaumburg einen Universalakt vor, dem die Musterriege des Vereins mit ihren Darbietungen folgte. Die Festrede hielt Ehren- Mitglied H. Bennewitz. Nach der Pause gaben die bekannten Parterreakrobaten des Vereins, Volk und Deutsch, ihr ganzes Können zum Besten. Der 1. Vorsitzende Liebhauser nahm die Ehrung verdienter Mitglieder vor. Herr Hein- rich Ditter wurde in Anbetracht seiner großen Verdienste um den Verein zum Ehrenmitglied ernannt. Herr Luger führte unter großem Bei- fall des Publikums die Kunst des Bauchredens vor. Den Schluß des Programms bildete der mit Spannung erwartete Städteringkampf Heilbronn — Karlsruhe. Im Bantamgewicht standen sich der württemberaische Mei- st er Lörcher-Heilbronn und Gaumeister Gug- gols-Karlsruhe gegenüber. Km ersten Gang siegte Gnggolz über Lörcher überraschend nach 2 Minuten. Im zweiten Gang siegte dann Lör- cher auch nach 2 Minuten. Im Federgewicht wurde im ersten Gang Kübler-Heilbronn nach 5 Minuten durch Punktwertung Sieger über Schäfer-Karlsruhe. Der zweite Gang blieb un- entschieden. Im Leichtgewicht wurde Hasenaug- Karlsruhe über den viel stärkeren Heilbronner Aichele in beiden Gängen Sieger. Im Mittel- gewicht lieferten sich Reichert-Heilbronn und Wiedmaier-Karlsruhe in beiden Gängen ein unentschiedenes Resultat. Das gleiche Resultat wurde im schweren Mittelgewicht von Zipp- Heilbronn nnd Reis-Karlsruhe geliefert. Im Schwergewicht siegte Rostock-Karlsruhe in bei- den Köngen überlegen nach je ^Minuten. Der Städteringkampf war somit von Karlsruhe mit 15 :9 Punkten gewonnen. Veranstaliungen. Stadt. Konzerthaus- Infolge des großen Er- folges bleibt die Operette „Katja, die Tänzerin" bis inkl. Mittwoch auf dem Spielplan. Die Erst- aufführung der Operettenneuheit „Verliebte Leute" von Künneke findet daher erst Don- nerstag, den 30. August statt. Diese Operette wird dann bis zum Schluß der Spielzeit (Sonn- tag, den 2. September) gegeben. Stadtgartenkonzerte. Heute abend konzertiert im Stadtgarten beim Schwarzwaldhaus von 8 bis 10K Uhr die Harmoniekapelle mit einem ausgesuchten Programm. Der Abend wird unter dem Motto „Sommernacht im Schwarz- wald" vor sich gehen. Die reizvollen Anlagen beim Schwarzwaldhaus erhalten bei einbrechen- der Dunkelheit einen vielfarbigen Lampion- schmuck. — Am Mittwoch abend von 8 bis 10M Uhr wird gleichfalls beim Schwarzwaldhaus die Kapelle der Vereinigung basischer Polizeimusiker ein' Konzert geben. Die Konzerte dieser Kavelle haben sich stets eines besonderen Zuspruchs er- freut und es dürften die Konzertbesucher auch an diesem Abend voll auf ihre Rechnung kommen. Standesbuch-Auszüge. Todesfälle. 25. August: Johanna D e w e r t h, ledig, ohne Beruf, alt 63 Jahre: Albert Hett- l e r. Sattler, ledig, all 21 Jahre. — 26. August: Emma K ü r n e r, alt 38 Jahre, Ehefrau des Wirts Adolf Kürner. — 27. August: Kath. Stet- n e r, alt 46 Jahre, Ehefrau des Steinhauers Max Steiner. Fußball. Weitere Resultate vom Sonntag. Ligaspiel. V. f. R. Heilbronn — Svortfr. Stuttgart 5:4 (3:2). Iubiläumsspiel. F.V. Zuffenhausen — Stutt- garter Kickers 1:5 (0:3). Städtespiel. Rotterdam — Hamburg 3 :1. Werbespiel. Germania-Brötzingen — Ger- mania-Durlach 1:0. Sonstige Spiele. 1. FC. Pforzheim — Sp.V. Spandau 3:1; 1. F.C. Pforzheim — Sp.V. Berlin 1:2; Sp.Vg. Fürth — Sp.V. Hamburg 3:1 (2 : (1); Sv.Cl. Stuttgart — F.V. Nürnberg 2:1; Germania Durlach — Sp.V. Dortmund 3:3 (1:2) Jffezheimer Rennen« Zweiter Tag. Herrliches Nennwetter, Massenbesuch aus Ba- den-Baden und der ganzen näheren und weite- ren Umgebung des Rennplatzes. Ueberraschun- gen gab es nnr an »weiter Stelle. Wichtigste Ereignisse des zweiten Renntages „August Bat- schari-Erinnernngsrennen", Sieger: Arnims „Pelide"", imd „Altes Badener Jagdrennen", Sieger-' D. R. Lindeickergs „Orne" (Seibert), der allein durchs Ziel ging. 1. Preis vom Rhein. Es liefen drei Pferde. 1. Herrn R. Haniels „Träumer" (Bäsch). 2. Herrn A. und C. von Weinbergs „Auslese" (O. Schmidt. 3. Herrn M. Nussenows „Nalog" (Grabfch). K. Tot. 16 : 10. 2. Chamant-Re«nen. Es liefen sechs Pferde. 1. Gestüt HarzburjgS „Blaue Grotte" (Olejnik). 2. Herrn A. und C. von Weinbergs „Oder" (O. Schmidt). 3. Herrn A. Si^lzbergers „Tra- jan" (H. Schmid). Ferner liefen „Miramar", „Fescher Teufel", „Therme" 1 — 1—2. L. Tot. 74 : 10; 18, 13 : 10. 3. Eberftein-Ausgleich. Es liefenneun Pferde. 1. Herrn H. von Opels „E-nver" (Ientzsch). 2. Herrn W. Hemsvths „Anitra" (Kraft). 3. D. R. Lindenbergs ,Mildenmeii!ster" (O. Schmidt). Fer- ner liefen „Priorin", „Baldung", „Faun", „Naive", ,)Taxnot", „Sambur". 1 —1H. L. Tot. 46 : 10. 16, 36, 14 : 10. 4. Angnst-Batfchari-Erinnerungsrennen. Es liefen drei Pferde. 1. Graf von Arnims „Pe- iltte" (Bäsch). 2. Herrn W. HansothS „Notung" (Olejwik). 3. Stall Halmas „ManRus" (Rasten- berger). 1 — 1%. £. Tot. 17 : 10. 5. Ulrich v. Oerhenrennen. Es liefen sechs Pferde. 1. Herrn M. Ätussenows „Kasbek" (O. Schmidt). 2. Major G. Krautes ,L3lau und Weiß" (Pfeifer). 3. Herrn A. Snlzbergers „Magister" (Olejnik). Ferner liefen „Eistreiber", „Mäuseturm", „Trapper". 3—2. L. Tot. 21 : 10; 14, 30 : 10. 6. Altes Badener Jagdrennen. Es liefen vier Pferde. 1. D. R. Lindenbergs ,/Orne" (Seibert). Major G. Krauses „Tiszaviva< trennte sich am Tribünensprung von seinem Reiter (Pfeifer). Der Sturz verlief glücklich. An der Ginsterhecke machte Herrn S. Schmitts .Konsul" Kehrt und schied aus dem Rennen aus. Herren Ruepprechts und Heinzingers „Pippin" verweigerte die Gin- sterhecke, später auch die Nuschhecke, wird aber bewogen, dieses Hindernis zu nehmen. Dann scheidet auch der Wallach aus dem Rennen aus. Orne -bestreitet konkurrenzlos den Rest des Rennens. Tagesanzeigee Dienstag, de» 28. August 1923. Städt. KonzerthauS: ,^tatja die Tänze- rin", abends *£8 Uhr. Stadtgarten: „Sommernacht im Schwarz- wald", Konzert beim Schwarzwaldhaus, abends 8 Uhr. W e l t - K i n 0 : Neues Programm, ^atvrin gegen Nervenschwäche, Erschöpiungs- wtilj 1111 zustände, sex. Neurasthenie ein anregendes und kräftigendes Yohimbin-Horraon-Präparat der Akt.-Ges. Horraona, Düsseldorf-Grafenberg. 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Flöh» 24. 8. 25"00 4500 13500 6550 50000 6500 3000 18500 14000 19800 5500 1035 11000 2700 3000 40000 23000 1000 3000 21000 30000 2000 700 3500 5600 60000 1300 14000 1000 3C00 4300 57000 2300 15000 1GÖÖ0 7500 35000 5000 40C00 74(T 3800 6100 1700 5000 4900 11000 1200 9000 27. 8. 28000 7500 17000 9900 75000 7500 5000 29500 15000 30000 10000 17250 5200 2500 45000 25000 150C 4000 29000 30000 44000 2500 8700 3000 7500 70000 1700 20000 11400 3700 7000 >78000 3000 13000 8800 55000 6100 51000 900 4500 3250 7000 6500 13000 1300 12500 Union Chem.St. Ünionw. Masch. (Jntorh. Spinn. Varziner Pap. Ver.Bl.Fkf.Gum Ver. Ch. Charlb. „ Dtsch.Nickel „ Glanzst. Elb. » Schi. Gotha . „ Met. Haller. » Pinsel , . . „ Schmirgelfb V.BerneisWessela Ver. Ultramar. ,, Stahl Zypen Viktoria -Werke Vogel Draht . . Vogt. Masch. St. „ Tüllfabrik Vorw.Bielef.Sp. Wand.-Werke. Warst. Grube . Wass. Gelsenk. Weg. & Habner Wernsh. Kamg. Weser Wft. . . Wesleregeln . . Westfelia Eisen Wfl. Dr. Hamm Wfl. Eis Lgdr. Westf. Kupfer. Wiek. Zement. Wieler & Hdtm. Wiesloch Ton . Wilhelmsh. E. Wissener Metal! WittenerGuöst. Wittkop Tiefb. •Vo!f Magdeburg-B Meitzer Masch. Zellstoff-Verein bellst. Waldhot <^immermswk. . Zwickau Masch. 24. 8. 6600 2900 2000 20000 15000 28000 1600 15000 6000 6000 1600 9000 2100 2000 1600 1300 27. 8. 7600 2900 3000 30000 15000 28000 '15000 >7750 |ö800 1500 114000 2000 1900 2000 lGOO W 2000 13500 9000 7000 20000 1400 4100 28000 9000 10500 4800 12000 14000 5800 2900 6300 15000 8U00 6750 m >10750 10000 15000 1700 2000 5200 9JC0 2000 1800 1500 l 2 000 Kolonialwertc. 0. Ostafr. Ges. 112000 I15C00 Veu -Guinea. . ,41.00 65C0 South West . I 250 490 3tavi-Minen ^alltrera . . sloman Balpet. ]75ÖÖ SttdseePhoephat 10000 Pomona _ Dtsch. Petrol.. 11250 Dtsch.Kolonial- an teile .... 750 H(hlem.ADl.B>d«ti«. Kshlcnw. inl. GroBkr. W. Haanken . 49250 68000 ■ I5000CC 326000 12000 12000 40000 17500 1200 Nr. 286. Seite 6 Karlsruher Tagblatt. Dienstag, den 28. August 1V2Z Zweites Blatt Die Goldmark am 27. August berechnet nach dem amtlichen Berliner Dollarbriefkurs, 1 Dollar — 4.20 Mk. Vorkriegswert, 133© 667 Papiermark. Voll den Börsenplätzen. Mannheimer Effektenbörse. K. Mannheim, 27. Aug. (Drahtbar.) Die Börse bekundete äußerst feste Haltung. Auch waren die Umsätze sehr lebhaft. Es notierten von Banken RKein. Creditbank 1650, Rhein. Hypoth. 450 b. u. G. rat. ex. Bez., Südd. Disk. 5000, 7000. Von ehem. Werten gingen um Anilin 16 500 b. u. G. r., Rhe- nania 18 750, Verein. Deutsche Oelfabriken 7000 b. u. G., Westeregeln 37 000 b. u. G. Von sonstigen Industrieaktien gingen um Benz 6000, Rodberg 1800 r., Fahr 1300, Waggon Fuchs 2450, Karlsruher Maschinen 4000, Knorr 4125, Braun-Cons. 1500 r., Mannheimer Gummi 1650, Neckarsulmer 5000, Pfalz. Mühlenw. 2000, Zement Heidelberg 5500, Rhein-Elektra 2500, Salzw. Heilbronn 50 000, Freiburger Ziegel 1500, Wayß & Freytag 3100 r., Zellstoff Waldhof 9200, 10 500, Zuckerf. Frankenthal 6000 r. und Waghäusel 6400 r. Ferner sind Brauerei Sinner 3500 b. und Mannheimer Vers.- Aktien 75C0 b. u. G, Hoffmanns-Söhne 1300 b. u. G., Melliand 2500. (Alles in 1000 Prozent). Frackel ter Bör&e. Tendenz fest, w. Frankfurt a. M., 27. Aug. Der Dollar eröffnete heute morgen etwa 6 bis 6,2 Mill. Wie be-eits in der vergangenen Woche, so war auch heilte wieder eine gewisse Bevorzugung einzelner Werte zu beobachten. Am Mgntanmarkte lagen allerdings die etwas stärker gestiegenen Papiere, wie Bochumer und Braunkohlenwerte, etwas ruhiger, aber fest. Oberschlesische Werte und Gelsenkirchen eröffneten ebenfalls fest. Maschinenfabrikaktien unterlagen einer ruhigen Tendenz. Kaufir.teresse bestand für Kleyer, Heiligenstedt, Karlsruher, Hydrometer und Oelfabriken. In chemischen Werten beobachtete man heute wieder Käufe für ausländische Rechnung. Dieser Markt war aber nicht frei von Schwankungen. Badische Anilin erfuhren bei erster Notiz eine ansehnliche Steigerung. Auch Elberfelder, Griesheimer lebhaft. * Am Markte der Elektrizitätsaktien sind es nur einzelne Werte, die bevorzugt erscheinet. A.E.G., Bergmann, Voigt und Häffner stärker begehrt. Für die Aktien der Zuckerindustrie- machte sich Kauflust geltend. Zellstoff Waldhof und Aschaffenburg sehr fest. Kaliwerte mäßig anziehend. Schantungbahn angeboten. Hapag traten höher in den Verkehr. Auch Nordd. Lloyd stiegen. Bankenwerte ruhiger. Metallbank steigend. Ausländische Anleihen hatten eine feste Tendenz zu verzeichnen. Zu etwas regeren Umsätzen kam es im Frei- verkehr in den Aktien der Kraichgauer Maschinen, 13C0 bis 1400. Man nannte Frankfurter Handelsbank 180, Growag 460, Hansa Lloyd 12 500, Kabelwerke Rheydt 12 000, Entreprise begehrter, Api 8000, Tiag 800, Krügershall 12 500, Mez-Söhne 3000, Ufa 1900, Deutsche Petroleum 12 000, Elektrische Unterfranken 600 000, Mannheimer Kohlenanleihe 40, Badische Kohlen 43 Millionen. * Frankfurter Börse. Die Zulassung der M. 51.80 Mill. neuen Stammaktien, St. 51 800 (Nr. 41 201 bis 93 000) der Konservenfabrik Joh. Braun A.-G, in Pfeddersheim und der M. 40 Mill. Stammaktien der Badischen Elektrizitäfs-A.-G. (Serie IV Nr. 11 50t bis 26 500, Serie V Nr. 26 501 bis 51 500), wurde genehmigt. Berliner Börse. Erhebliche Steigerungen der Montanwerte. w. Berlin, 27. Aug. Die Geldflüssigkeit u. die starke erhebliche Steigerung der Devisenkurse am Vormittagsverkehr haben wiederum eine erhebliche Kauflust hervorgerufen. Vielfach werden auch große Gehaltszahlungen an Beamte zu Anlagezweckcn benützt. Infolgedessen setzte eine scharfe Aufwärtsbewegung ein, die namentlich am Montanmarkte ganz gewaltige Kurssteigerungen bedingte. Einzelne Papiere, namentlich Werte der Rhein-Elbe-Union, wie Deutsch-Luxemburg, Gel- s^nkirchener, Phönix und auch Harpener gewannen zum Teil 20—30 Mill. und gingen gleichmäßig auf 95 Mill. Prozent. 8 Von Maschine n aktien waren Orenstein & Koppel bei einer Steigerung um 9Vi Mill. bevorzugt. Auch Schiffahrtsaktien erfuhren eine erhebliche Besserung. Valutapapiere waren entsprechend der Devisensteigerung teurer bezahlt. Das Geschäft war anfangs sehr lebhaft, später machten sich unter gewissen Realisationen der Spekulation Abschwächungen bemerkbar. Nachbörse. Berlin, 27. Aug. (Drahtber.) An der Nachbörse trat ein Nachlassen in der Geschäftstätigkeit ein, ohne daß die Kurse wesentliche Aenderungen erfuhren. Auf defl^Montanaktienmarkt kam das Geschäft ganz zum Stillstand; es wurden genannt Phönix mit 57, Gelsenkirchen mit 95, Oberbedarf mit 37, Caro mit 52 Mill. Von Schiffahrtsaktien wurden Lloyd zu 10 000, Hapag zu 4 6'A, von Bank- v/erten Deutsche Bank zu 9% Mill. gehandelt. Oesterreich. Creditb. stiegen bis 12 250 000, Wiener Bankverein bis 925 0C0. Bollar 5 600 000. Variable Kurse. Aufträge werden um 6000 M. nominal oder dem Vielfachen davon gehandelt. Außer den festverzinslichen Werten, alles in 1000 Prozent). Berlin, 27. Aug. (Drahtber.) Dollarschatzanweisungen 5600, 6000, Türkenzoll 15 500, 16 500, Hapag 42 000, 43 000. Hansa-Bank 18 000, 19 000, Nordd. Lloyd 9400, 9750. 10 750, 10 250, Darmst. Bank 7000. 6500, Deutsche Bank 8950, 9250, 8500, Mitteid, Creditb. 1600, 1650, 1625; Oesterreich. Credit 1100, 1175, 1150, Adlerwerke 2450, 2600, A.E.G. für Anilin 15000, 15 500, A.E.G. 8500, 8250, Berl. Anh. Maschinen 4500, 5600, Buderus 35 000, 34 000, 36 000, Chem. Griesheim 15 000, 14 000, 15 000, Daimler 1760, 1950, Dynamit 7100, 6800, Elberf. Farben 16 200, 17 000, 16 000, Gelsenkirchen 97 000, 98 000, % 000, Harpener 95 000, 91 000, Köln-Rottweil 90 000, 88 000, Linke-Hoffmann 50 000, 51 000, 50 000, Mannesmann 53 000, 52 000, Mansfelder 20 000, 19 0C0, Oberbedarf 40 00, 38 000, Oberkaro 6000, 5000, Phönix-Bergb. 58 000, 57 000, Rhein. Braunkohle 56 000, 71 000, Rheinsthal 51 000, 53 000, Rombacher Hütte 29 000, 31 000, Rütgers- Werke 17 500, 16 500, Westeregeln 36 000, 34 000, Deutsch-Petroleum 16 250, 17 750. Mannheimer Produktenbörse. Amtliche Notierungen: Weizen, loco 24— 28 Mill ausl. 28,5—29,5, Roggen, loco 16—17, ausl. 18—18,5, Hafer 15^-17, Preßstroh 2,8—3 gebundenes Stroh 2,8, Weizenkleie 8—10, Weizenmehl, Richtpreis 40 bis 46, Roggenmehl 70 Proz. gemahlen 30, Rohmelasse 8, Gerste, alte 16—1.7, neue 18—20, Raps 28—29. Tendenz; fest, Industrien / Handel / Verkehr Banken. Mannheimer Gewerbebank e. G. m. b. H. Umsatz M. 8460 (i. V. 739) Mill., Reingewinn M. 7.98 (0.29) Mill., Dividende 30 (8) Prozent, Mitglieder- zahl 975 (876). Industrien. Bako-Werke A.-G. in Karlsruhe. Unter der Firma wurde in Karlsruhe i. B. eine A.-G. errichtet. Gegenstand des Unternehmens ist die Ausbeutung der Erfindungen des Herrn A. F. Schwarz, insbesondere des Bako-Herdes. Das Grundkapital der Gesellschaft ist M. 5 000 000 von den Gründern voll übernommen und einbezahlt. Das Kapital wird um M. 295 000 000 erhöht Zum Vorstand wurde bestellt Herr Oberingenieur J. Braun, Mannheim. In den Aufsichtsrat wurden gewählt die Herren Kommerzienrat Gsell Handelskammerpräsident, Bankdirektor Seligmann (Mitteldeutsche Creditbank in Karlsruhe), Generaldirektor J. Weißenfels Mannheim und Verwalter Schwarz Freiburg. Dampfkesselfabrik Baden A.-G„ Mannheim- Rheinau. Die G.-V> beschloß, das Grundkapital um M. 22.30 Mill. Vorzugs- und M. 175 Mill. Stammaktien auf M. 245 Mill. zu erhöhen. Die Stammaktien werden von der Handelsvereinigung für Industriewerte A.-G, in Berlin übernommen und den Aktionären 3 zu 1 zu 23 Prozent angeboten. Der Rest wird im Interesse der Gesellschaft verwertet. Klein, Schanzlin und Becker A.-G. in Franken- thal. In der hier abgehaltenen a. o. G.-V. wurde beschlossen, das Stammaktienkapital von M. 20 auf 35 Mill. zu erhöhen. Den alten Aktionären wird ein Bezugsrecht in der Weise eingeräumt, daß auf drei alte Stammaktien und auf drei Vorzugsaktien Lit, A. zwei junge Aktien angeboten werden. Die Festsetzung des Bezugspreises wurde der Verwaltung im Einvernehmen mit dem Bankenkonsortium überlassen. Ferner wurde beschlossen, das Stimmrecht der Vorzugsaktien Lit. B entsprechend der Kapitalserhöhung auf das 28fache zu erhöhen und verschiedene Statutenänderungen eintreten zu lassen. V örsicherungswesen. Badische Versicherungsgesellschaft gegen Feuerschäden, Basel. Für 1922 ergaben sich einschl. Fr. 49 233'GewinnVortrag Fr. 11301 Ueberschuß. Aus der Bilanzaufstellung läßt sich nicht entnehmen, wie dieser Ueberschuß verwendet werden soll. Das Aktienkapital beträgt bei 20 Prozent Einzahlung Fr. 10 Mill. Messen. Wiener Herbstmesse in der Neuen Hofburg. Die Räume der Neuen Burg, in denen Textilerzeugnisse, Bekleidung und Pelze, ferner Schuhe und Leder untergebracht sind, sind auch diesmal wieder bis auf das letzte Plätzchen besetzt. Unter den Tex- tilfirmen befinden sich zahlreiche Franzosen. Die Gruppe der Schuhfabriken im Parterre der Hofburg mit ihren zahlreichen geschmackvollen Pavillons ist derart stark besetzt, daß ein neuer Saal zur Verfügung gestellt werden mußte. Ein besonders wirkungsvolles Bild wird der Saal „O" im ersten Stockwerk zeigen, wo in einer langen Flucht von Kojen die erstklassigen Firmen der in letzter Zeit zu so großer Blüte gelangten Strickwarenbranche vertreten sind. Verschiedenes. Die deutschen Guthaben und Depots in der Schweiz. Die schweizerische Bankiervereinigung legt in ihrem Jahresbericht 1922/23 schärfste Verwahrung ein gegen die unbegründete Behauptung der allierten Gläubigerstaaten, wonach sich bei den Geldinstituten der Schweiz gewaltige Summen deutscher Guthaben und Depots ansammelten, und die Banken der Schweiz mit allen Mitteln bestrebt seien, Vermögenswerte Deutscher arf sich zu locken. Die schweizerische Bankiervereinigung bezeichnet diese Behauptungen als böswillige Erfindungen und stellt in ihrem Bericht weiter fest, daß die Kapitalbewegung nach der Schweiz einen rückläufigen Kurs eingeschlagen habe. Die im Auslande wiederholt aufgetauchte Anregung, die schweizerischen Behörden zur Sperrung und Kontrolle der deutschen Guthaben zu veranlassen, wird von der Bankiervereinigung abgelehnt und die Erwartung ausgesprochen, daß der Bundesrat derartige Zumutungen zurückweisen werde. Von den Märkten. Berliner Metallmarkt, 27. Aug. Elektrolytkupfer 18 730, Raffinadekupfer 1825, 1875, Originalhütten- weichblei 700, 750, Originalhüttenrohzink 950 1000, Remelted-Plattenzink 725, 775, Banka-Zinn 5300, 5600, Hüttenzinn 5000, 5200, Reinickel 3300, 3500, Antimon-Regulus 700, 750, Silber-Barren 115, 120. Hamburger Metallmarkt, 27. Aug. Silber 118 000, 115 000, Zinkhütten 1070, 1000, Weichblei, ab Lager 825, 750, ab Hütte 825, 750. raffiniert 800, 750, 700/750, Banka-Zinn 5600, 5300, prompt 5600 5300, Kupfer 2000, 1800, raffiniert 1850, 1650, Elektrolytkupfer 4 000, 4500, Gold 15—20 Mill. Hamburger Altmetallmarkt. 27. Aug. Kupfer 59, 61, Rotguß 51, 53, Messing, leicht 34, 36, Messingspäne 37, 38.50, Messingguß 43, 44.50, Blei 18.50, Zink 19, 20.50. Erhöhung der Zementpreise. Die Höchstpreise für Zement innerhalb des Gebietes des Deutschen Reiches für 10 000 Kilo ohne Fracht und Verpackung wurden ab 24. August auf 550 Millionen festgesetzt. Im Kleinhandel unter 10 000 Kilo dürfen die üblichen Aufschläge von 15 bezw. 20 Prozent erhoben werden. Karlsruher Schlachtviehmarkt am 27. August. Es waren aufgetrieben; 39 Ochsen, 33 Bullen, 20 Kühe, 58 Färsen, 41 Kälber und 29 Schweine. Deutsche Stnatspnpiere Frankfurter Kursnotierungen: 5 »/o I Blick. Sthitzuw. , 6 " n II . •'%III .. ' 4 'la %rv-V * i'h °io VI-IX 4'/,1924er .' 6 °/o Dtecli. Eelcbea.nl. A«,°." ;; 8 % Deutsche Frimlenanl. öO/oPr.Schatzan.l!>2.i 3°'o ,, 19iä 4 °to PreuiJ. Consols . " : 4 o /o Baden von ISO! „ von 1908.1909-14 „ von 1919 .... S'/a °/o abgest 8»/» °/o von 1902, 1904 Badenwerk 4 % Bayern 3'/ ? % Bayern .... 3 % Hävern 4 % Pfalz. E.B. Prior. 3% % ■■ „ Conv. 3 Öf() ,i ,« ,, 4 o /o Hessische v. 1899 4 o/o Reihe 15 3>/sj o/o abgest 2 Ii» 8 o/o 8 o/o Wllrttemberger. 4'/ä°/o von 13*1-85 . . 81' , % von 1903 u. ff. 4 o/o SSchs. Staatsaul. 8 o/o S4ch3. Rente . . 4°/o D.Schntzgobanl. 24. 8 2200. 700 - 3200. 13CO00 65000. 60000. 40000. 4C000. 25000 58000 25000 86000. 6C0Ö0- 27. 8. 2500. 800.- 3900. 115000 72000. 850000 61000. 60000. 4000G. m 25000. 106000 60000. 35000. 150i- 62000 62000 50000 12500 50000- 160-—r Zwangs anleihe Fremde Werte Diese Kurse verstehen sich fttr 1000 P rez 5 0/0 SU'oormeiiUanor ß 0/0 Goldiuexikaner . 4'/a »/olrrigationsanl. 8 0/0 Mexikaner.... 5 % ., Tamaupilas 6 0/„ Tehnantepec . . . 4Va°/o „ ... 4 o/q Missouri Pacific . Türken unifiziert . . . 5 0/0 Rumänen v. 1503 6 o^^iosn.u. Herzogw. 80000 58000 60000 Diskonto Commaniit Dresdener Bank . . . Metallbank Mitteld. Creditbank . Oeaterr. Landerbank Pfalzisohe Bank . . . Rhein. Creditbank . . Slldd. Diskonto-Ges.. Wiener Bankverein . ■\Yttrttbg. Kotenbank Industrien Diese Kurse verstehen sich für 1COO Proz. Adler &Op 24. 8. 9C00 4600 17000 1300 1450 3500 6C0 4500 27 8. 14500 5300r 21000 1515 1700 4500 800 Adler ftOppenh^Imer Alumin. Neuhiusen . Armatur. Kloin.... Aschttff. Zellstoff. . . Bad. Anilin Bad. Uhrenfabrik . . B. Masch. Badenia. . Baltimore and Ohio . Baug. Ph. Holtmann. Bang. Way3 SiFrcitag Benz Motoron .... Blei- nnd Silberhatte Braubach Bochum er Gußstahl . Brauerei Wnlle .... Braun Pfeddersheim. Bohrlng !. Ldsb.. . . Chem. Albertwerlru „ G. & Silbersch. . Griesheim . . . „ Höchst „ Weiler ter Mer Paimler Deutsche Petroleum. Dyckerhoff & Widm., Eisenwerke Kaiserei. Elberfelder Farben . Hektr. Lichtu. Kraft Elsässer Baumwolle. Emag Frankfurt . . . 3900 4000r 9500 ,17500 12750 17500 6C00rj - 1150 I 1450 2100 I 2700 27C0 3000 4600 12000 90000 800 1600r 27000 40000 14000, 24000 10600 10000 9500 1600 9500 5000 12500 4100 2800 750 15900 5000 I 6600 4000 Banken Diese Kurse vers leben sich für 1000 Pros. Paber Ss Schleicher . ! 1400 Feinmechanik Jetter 20000r Badisen e Bank . Berg. Mark. Indusi. Bank Dmnetiidter Bank. Deutsche Bank ,,, 19000 600 6000 8000 650 7250 9500 Gebr. Junghans . . « Gebr. Adt. Gebr. Fahr Gelsenkirohen . . .. Grün & Bilfinger . . . Gummifabrik Peter . Haid Js Neu Hanfwerke Füssen , Harpener Heddernheim. Kupfer Hoch nnd Tief . , ,, Holzverkohlucj 4500 2975 65000 2450 1400 4000 6000 75500 4000 1600 7300 15000 14000 2200 150C0 5400r 1800r m 1000r 1850 14000 4950 95500 3000r 1500 6500r 100C00 4000 . 2000r 110500 Julius Sichel, Mainz Kammg. Kaiscralaut. liaurahßttd ...... Lechwerke Lederfabrik Spicharz Lokomotiven Krauß . Ludwigsh.Walzirtalile Mansfelder Kuxe . . Mainkraffc Masch/ab. Karleruhe IVIaschfabrik Dur lach Maschfabr. Gritzner . Masch. Eßlingen . . . „ Pokorny & Wtttek. Moenus Maschinen. . Obernrsel Oleawerke Pfälz. Nahm. Kayser Pinselfabr. Nüxnberj Jrinseifabr. Nürnberg Porz.-Steingut Wessel Rhein Elektra .... Rodberg Btttgers-Werke .... Salzwerk Heilbronn Schlinck & Co f chnellpt. Frankent. chranim Lackfabrik Schuhfabrik Herz . . Seilindustrie Wolff . ßinalco gtoeckicht Gummi. . SQdd. Metall-Aktien . Spinnerei Ettlingen . Tellus Bergbau . . . Trikotweb. Besigheim Verlagsanst.Deutsche Voigt & Häffner . . . Voltohm Kabelwerk . Uhrenfab .Furtwängl. FaggL \V ürfct. elek. Gesellsch. Zellstoff Waldhof . . Zement Karlstadt . . Zementw. Heidelberg Zuck erfahr. Wagh« . Frankenth. _ Heilbronn . OÖ'stein. . . „ Stuttgart. . » ßhelngau . 24. 8. 5400 ! 27. 8. M 7000 9200r 5500 5800 6000 1 2200 ' 7500 6700 12500 4500 2800 7000 14000 3250 1390 1700 20000 5200t 4000 8000r 4500 1400 r 2000 10000 9000 7000 7000 Ä 2000 1300 9600 2250 1700 16000 6000r 3500 1500 7000T 5000 1600 3800 800 1410 5000 4500r 950 1500r 800 2700 3600 7000 2100 2800r 2500 3600 4500 4500 1700 1800 2700 5500 8000 4000 4000 W 4000 4000 3600 5500r 5500 5000r 5000 5000 5200 6000 Allgemeine Mrkschastsfrageb Die kohlenpreise. Die mit Wirkung vom 20. August ab nach ^ LebenSnnttelinöex vorgenommene Erhöh»« öer .Bergarbeiterlöhne machte in Verbind^ mit ber^ fortschreitenden Steigerung öer rialpreise eine abermalige Erhöhung der lenpreise mit Wirkung ab 27. August nötig. ? Preisfestsetzung erfolgte wieder auf Grund fl ; durch den Beschluß des Reichskohlenverba«°f vom 9. August festgelegten Berechnungswe''^ Dem Wunsche des Reichswirtschaftsministers beschleunigten Abbau des im Preise enthalten^ Geldentwertungszuschlags wurde dadurch W' nung getragen, daß dieser zunächst um ein F>>^ tel herabgesetzt und weiterer Ausbau in ficht genommen wird- Zum Ausgleich fjierii): wird ab 27. August eine auf den Kohlenpr?'' abgestellte Wertbeständigkeit der Zahlung geführt, die einerseits für geforderte Vora»^ Zahlungen und andererseits auch für verspät/ Zahlungen gilt. Die hiernach verbleibende höhung gegenüber den bish«rigen Preisen 61 trägt: Rheinisch-westfälisches Kohlensyndikat Prozent, Aachener Steinkohlensyndikat 86,2 P^' zent. Niedersächsisches Kohlensyndikat, Preußi!^ Berginspektion Ibbenbüren 97,6, übriges Rev>^ 98,ö, Sächsisches Steinkohlensyndikat 104,2, ^ derschlesisches Steinkohlensyndikat 96,2, £>&«'' schlestsches Steinkohlensyndikat 95,2, Mittelbe«' sches Braunkohlensyndikat 97,9, Ostelbisch^ Braunkohlensyndikat 97,9. Rheinisches Brau"! kohlensyndikat 80,7, Kohlensyndikat für rechtsrheinische Bayern, Steinkohlen 112,5, bayer. Zechkohlen 97,1 und Braunkohlen Prozent einschließlich der Kohlenfteuer, Uwsa^ fteuer und der Beträge fttr den Bergarbeiter Heimstättenbau. Es beträgt hiernach ab 27. M der Preis je Tonne für Oberschles. Flammstül> kohlen 58 040 Millionen, mitteldeutsche Brau» kohlenbriketts 37 430 Millionen und Ruhrfet>' förderkohle 70 707 Millionen. Hierzu wird vom Reichswirtschastsmini!^ rium mitgeteilt: Die auf Grund der Beschlüß' des Reichskohlenverbandes sich ergebende" Preise übersteigen auch diesmal die auf t> e " Weltmarkt geltenden Kohlenpreise wieder ^ drohlich. Der Reichswirtschaftsminister wird W den am 31. August fortzusetzenden Erörtert gen des Reichskohlenrats erneut auf den rest' losen Fortfall des Entwertungszuschlages dri« gen, ferner kann damit gerechnet werden, da der Reichskohlenrat in öer nächsten Sitzuna cn»' gültig zu öer auf Wunsch des Finanzministe' rrums zunächst zurückgestellten BeseitiguN' der Kohlen st euer 'Stellung nimmt. Devisennotierungen: W. Frankfurt, 27. August BrOswl. . . Holland . . London.. . Paris . . . Schweiz . Spanien . Italien . . Lissabon . Dänemark Norwegen Schweden Heising for.- Newyork. , Wien (altesi Dtsch. Oest. Budapest. . Prag .... Sofia .... Agram . . . Amsterdam BiOfUcl. . . Chrl stiania Kopenhag. Stockholm. Heising fors Italien . . . London. . . Newyork. . Paris .... Schweiz . . Spanien . . Wien (altes) Dtsch. Oest. Prag .... Budapest. . Lissabon . . Bulgarien 34. August Geld 256S55 25 822937.50 61196875 194512.50 '867825!- 763075.- 11226925. 131670.- 4638375^ 6735'- 25435.- «°-° Brief 213031.25 1S74675. 21303125 258143.75 827062.50 614034 25 195487.50 »- 4661625_ 6765'- 25565.- 141352.50 38095.- 27. Aagiut Geld '543625:- !8428750. 36408250 1047375 - 847875.- 271820.- 1157100!- 1020442.50 9050 - 180547.5Öi 66828.50. 62842.50! 1052625- 852125 278180-; 102555?^ 6465125-; 910a- 32830-' 181452-5 67167-5 63157'- w.Berlin, 27. August 24. Augnst Geld Brief 1844600 15 1835400. "09475.- 758100.- 872812.50 1236900. 128677-- 199500. - 21196875. 4688250. 261345. 137655.- 27032.- 199500.- 39900.- Buen.-Aires; 1506275. Japan. . . . 2284275. Rio de Jan. i 428925 — T ii»-08lavieo! 47880. — . 61900. °° 877187. °° 1243100.«» 200500'"" 21303125'° 473.1750 » 262655. " 847112.5» 621550.- 67171— 138345. >» 27168.- 200500.- 40100.- 1513" 27. Geld 2194500. -:55"<63.- .13710.- 1041390. 1496250. 149625.- 2413S5- — 25436250. 558S000. 319200-- 1013460. 758100-- 7930!- 164587.— 31920.- 51870.— "95500. _J775. 1795500. 11804! 95725 2733150. ! 2746; 431075-- 493750.- | 501L 48120.- 58352.- I 591 Die kleine Ziffer bedoutet die Zuteilung in Prozent Augnsfc Brief 2205500- zo 91H98 1503^5. „ 150375-1, 242605 25563750-, 5614000-, 32or~ 1011 7619'_ 8020-- 1 3208^-; Devisenkurse im Freiverkehr Mitgeteilt durch das Bankhaus Straus 81 Co. Karlsruhe. a) vorbOrslich b) nachbörslich 2160 - 2425 995-1110 Holland. , , , Schweiz. . . . Paris Belgien London . . . . Newyork . . . Italien 310-352 255-235 25000-28000 55 S-Ui° Tendenz: unsicher. 2425-2680 1110-1230 352-399 285-315 2 S-il8ä° 265-294 T endenz: fest. Unnotierte Werte. „ s Mitgeteilt von Laer & Elend, Karlsruh«, Karl-Frledrlchstr- 3 Alles circa In Tausend 1 14000 Adler Kali > . . Api Bad. Lokomotivwerke Baidur Becker Kohle . . . Becker Stahl . . . Benz Brown Boverl . . . Deutsche Lastauto Deutsche Petroleum Germania Linoleum . Grindler Zigarren Hansa Lloyd . . . Heldburg Vorzugs-Akt. Inag Itterkraftwerke Kabel Kheydt . . . Karstadt Knorr Krugershall .... Lanaeswirtsehaftsstellej für das Badtschc Han werk 50 Melliand Chem 2200 Menrer 3pritzmetall . 111Q0 Moninger Brauerei 2000 Offen burger Spinnerei j 8000 1300 300 I 12uJ3 I 12000 2ÖÖ0 2000 13000 10000 350 1600 36000 1800 12000 900 4500 1300 0 Petersbgr. Int. . . Bastatter Waggon Rodi & Wienenberger Russenbank .... Sichel Sloman Tabak-Handels-A.-G. „JK Telchgraber .... I2ZÄ Textil Meyer ... 5yX Turbo : Motoren. . . „.»! Ufa 210» ?J?, ck £ rwaren Speck . .-rtio 6® 11 ßad Kohlenw.-Anl. | (0 Mannh. Kohlenw.- ,^oO Anleihe 401 7% 8achsische Braun- kohlen-AjiIelhe . . ^ ä°/o Rhein-Main-Donau „*n Dollar-Anleihe . . ■ 5 IJ ,o Neckarwerke Gold- 5% Preußische Kail- .,n0 Anleihe pro 10« kg 39 "»°/o Sächsische Roggen ,0/) wert-Anleihe p. 7,U 4!> 5 % Sttdd. Festwert- iNUik-Obligatloncn [***