ZZezuasvreis o. H.—22. ®e»f. iu Sarlsruve: in unserer Geschäftsstelle und in unseren Ausgabestelle» ab- aeliolt .11 2300000, frei Haus aelicfert .// 2 500 000; auswärts: durch un sere Agenturen bezogen .U 2 300 000. EinzelverkimfSvreis: 400000.1 Km stalle böberer Gewalt bat der Bezieber keine An- svrüche Sei verwätetem oder Nichterscheinen der Leitung. Abbestellungen können nur jeweils biszum 2S. auf den solaenden Monatslebten an- genommen werden. SSRtaM'»«,*? Karlsruher Tmblatt jTmelficnficrodiitiiiifl nach Gr«nd»s«unigen und Schlüsselzahl: die Oaesv. Nonpareillezeile oder deren Raum 15 A, auswärts 20 «s: ftamilien- anzeigen und Stellengesuche 8 j: Reklame, etlc 43 Z. an erster Stelle 50 Jt. tchlüsselzabl beute 4 000 000. ' abatt nach TartI. nzeia.-Annabme bis 8 Nhr mittags! kleinere Antigen spätestens bis ö Ubr nachm. ^criilvieckanschl^nsc ' G-schättSftc«- Nr. 18. Berta« Nr. 21 und 297. Schriktlcituu« 3fr. 20 »auvtkchristlcitcr Nr 19. Poktscheckkonto Nr. 9347 Karlsruh«. Vadische Morgenzeitung Mit der Wochenschrift »Die Pyramide" Badische Morgenpost „Wirtschafts- und Handelszeitung- / «Turn- und Sport-geitung" ^ »Anterhalwngsbeilage"X «Literaturbeilage- ^ »Für die Frauen- ^»Wandern und Reisen- ^„Die Scholle" Chefredakteur: Hermann n Laer. Verantwortlich für Politik: Fritz Ehrhard : für den wirtschaftlichen, badischen und lokalen Teil: Heini ich Gerhardt: sür das Feuilleton: Hermann Wetck: kür die .Pyramide" Karl I o 6 o ; sür Inserate: Heinrich. Schriet »r, sämtliche in Karlsruhe Druck und Verlag C- Li. Müller. Karlsruhe, Ritterftr. L Berlin.r Redaktion Dr. Richard Iüglei, Berlin-Lankn>itz. Mozartsir. 87. Telephon-Zentrum 42». Für unverlangte Manuskripte «der Drucksachen übernimmt die Redaktion keine Verantwortung. Rücksendung ersolgt, wenn Porto beigefügt ist. Sprechstunde der Redaktion: 11—12 Ubr vormittags. 120. Jahrg. Sonntag, den 16. September 1938 Ar. 255 Wehrpflicht. Maßgebend für Währungs- und Preispolitik, um die wir heilte kämpfen, sind Produktion und Handel. Jene mit allen Mitteln- W fördern und zu heben, Siefen in seiner Bilanz möglichst aktiv zu gestalten, ist «die Aufgabe der Staatspolitik im Innern, auf sie stützt sich die große Politik der Kabinette nach außen. Nun ist es eine eigenartige Erscheinung in der Politik der letzten Seit, daß man sich zwar eiu- gehend und dauernb mit Währung und Preisen sowie mit der Produktion befaßte, soweit sie den Bergbau in jeder Gestalt betraf, deutsche Urerzeugnisse, wie Kohle und Kali, hatten sich der besonderen Fürsorge der Regierung zu er- freuen. Anbers war es mit dem mindestens ebenso wichtigen Produktionszweig Her Land- Wirtschaft, der man zwar täglich Wucher und Neberteuerung glaubte vorwerfen äu können, die alber in vieler Hinsicht einer recht stiefmüt- terlichen Behanbluna von leiten «der Regierung ausgesetzt war. Die unausbleibliche Folge, die fast latent gewordene Spannung zwi- scheu Stadt und Land, die an vielen Orten zu offenen Feindseligkeiten führte, Hat nun auch in neuester Zeit dazu geführt, daß die Landwirt- ichaft, in dem berechtigten Bewußtsein ihrer Goldwerte erzeugenden Tätigkeit, die Mark als Zahlungsmittel verweigerte und im Aastausch ihrer Erzeugnisse den Grundsatz «des „Ware ge- gen Ware" ausstellte. Das ist erklärlich, wenn auch nicht überall und immer entschuldbar, aber wie in jedem Bevul und Stand, so gibt es auch in der Landwirtschaft, je nach Ort und Einstellung, nicht nur grundverschiedene Verhältnisse, Interessen und Not- wendigkeiten, sondern es finden sich auch da »er- schiedene Elemente und- mißbräuchliche Nutzau- Wendungen der Konjunkturverhältnisse unserer Zeit zusammen. Ein Grundsatz, der bei ihr aber üets Geltung gehabt hat, ist bie Wehrpflicht der Arbeit, die weder Tages- noch Jahres- zeit, weder politische noch -kirchliche Feiertage kennt, wenn es gilt, die Ernte zu bergen oder den Boden zu bestellen und neu zu befruchten, Wehrpflicht der Arbeit ist bei der Landwirtschaft von jeher eine Selbstverständlichkeit gewesen und sie -ist im K«mpf an Rhein und Ruhr in der glück- lichsten Weise durch die Wehrpflicht des Besitzes ergänzt worden. Allerdings waren es, wie im Weltkrieg so auch hier, in erster Linie die grüße- ren Betriebe, die dafür in Frage kamen. Was in dem derzeitigen Existenzkampf des deutschen Bolzes die Landwirtschaft -durch M o b i l i s i e - rung ihres Besitzes, durch freiwillige und in größtem Stile geübte unentgeltliche Hergabe von Borräten für den Abwohrkampf geleistet hat, wirb nicht vergessen werden dürfen, wenn man dereinst zu einer Bilanz schreiten sollte. Die »ollbeladenen Eisenbahnzüge, die monatelang dem Ruhr- und Rheingebiet zurollten, waren der äußere Beweis, daß hinter der Abwehrfront ein schassendes Volk stand, das gewillt war, seine »aterlänbischen Pflichten auch hier zu erfüllen. Das waren die Resultate des Schaffens, während an anderer Stelle weite Kreise nicht -immer diese Arbeitsfreudigkeit und solchen Opfersinn erkennen ließen. Bon dieser Gebefreudigkeit der Landwirte wis- fett aber nicht nur die ein Lied zu singen, die heute itoch in vorderster Linie des Kampfes stehen, sondern auch die zahllosen Ruhrkinder und Flüchtlingssamilien, die an so manchem gast- lichen .Herde Aufnahme fanden unb dort in jeder Beziehung »eue Kräfte sammeln dürfen. Wenn so in weiten Kreisen der Landwirtschaft alles ge- schah, was geschehen konnte, und vieles, was auch modernen Hetzreden und demagogischen Schlag- Worten Stand halten könnte, so haben es doch bis heute die berufenen Vertreter des Staates in Reich und Ländern an einer nachdrücklichen und erfolgreichen Aufklärung fehlen lassen. Wäre diese Aufklärung beizeiten, wiederholt und mit dem erforderlichen Nachdruck erfolgt, so hätte viel böses Blut auf beiden Seiten vermieden werden können und der Staatsgewalt wäre der Borwurf erspart gehlieben, daß, wie a-n so wie- len Stellen, auch da mit zweierlei Maß gemes- seu wird. Wir stehen in der Spanne zwischen altem und neuem Erntejahr, eine Jahreszeit, bie, wie die Erfahrungen der letzten Jahre gezeigt haben, besonders dazu neigt, die Gegensätze zwischen Stadt und Land zu verschärfen. Es wäre des- halb eine dringende Aufgabe, nach beiden Sei- ten hin burch sachgemäße Aufklärung Verftänd- nis für die Lage und Bedürfnisse der Gegenseite M wecken und da-durch Verschärfungen zu verhin- ^evn, die wir in -dieser Stunde nicht ertragen können. Mögen Vorwürfe, die man dem Lande macht, hie und da berechtigt sein, so geht es doch nicht -an, in einer Verallgemeinerung einseitig Verstimmungen und peinliche Empfindungen auszulösen. Es geht nicht an. daß in einer Äunde, die man- wohl mit Recht als eine kritische i« der Krantheitsperiode unseres Vaterlan- des bezeichnen kann, ungestraft immer weiter gehetzt wird, daß man Anschuldigungen und Vor- würfe erhebt, die -die Arbeits- und Lieferfreu- digkeit des Landes beeinträchtigen. Hier scheint itns eine besondere Ausgabe der Regierung zu liegen. Systematische Steuersabotage, Wucher und Ueberteuerung sind nicht die Worte, die man heute auf das Land hinausrufen sollte. Mau vergesse nicht, daß, wenn sich der Landwirtschaft infolge der erhöhten Nachfrage an Jnlandspro- bukten in der Nachkriegs-zeit günstige Konjunk- turverhältnisse boten, diese ./Errungenschaften einer neueren Zeit" doch fast durchweg in er- höhte Produktivität umgesetzt wurden und daß nicht nur eine, gerade in -den großen Betrieben, verschärft einsetzende Arbeitsintensität durch Ergänzung und Verbesserung -des lebenden und toten Inventars erreicht wurde. Wie im Weltkrieg mit seinen Entbehrungen, so find es aber Erst Roggen-, dann Holögelö. Eine Aebergangswährnng. b. Berlin. 13. Sept. lEig. Drahtber.) Wie wir erfahren, wird nach Kabinettsbefchluß eine Roggenwährung geschaffen werden unter An- legung an den Plan Helfferichs, die als Uever- gangswährung mit Gültigkeit bis zum Schluß des Erntejahres gedacht ist. Alsdann soll diese Währung gegen die Zahlungsmittel der Gold- Notenbank eingetauscht werden. Die Roggen- Währung ist in der Hauptsache als Zahlungsmit- tel zum Kauf landwirtschaftlicher Produkte ge- dacht. Reichsbankdiskont 90 Prozent. Berlin, 13. Sept. Die Reichsbank hat den Wechseldiskont ans SV Proz. und den Lombardzinsfuß auf 1« Prozent festgesetzt. Nach dem Wortlaut des 8 18 des Bnnkgesetzes kommt für -den Lombardverkehr der Reichsbank nur ein Lombardzinsfuß in Betracht. ES war daher nicht angängig, für Papiermark Darlehen und wertbeständige Darlehen je eine besondere Rate festzusetzen. Da die Reichsbau-k Lombard- kredite mit verschwindenden Ausnahmen nur noch auf wertbeständiger Basis gibt, hat sie auch ihren Lombarbzinssatz auf die Erforder- triste des wertbeständigen Darlehens abgestellt und demgemäß aus 10 Prozent jährlich normiert. In der heutigen Sitzung des Zentralausschus- ses der Reichsbank berichtete der Vorsitzende der Präsident des Reichsbankdirektoriums Dr. Ha- venstein über die Lage der Bank. Der Zentral- ausschuß stimmte einer Festsetzung des Reichs- banklombardzinsfußes auf 10 Prozent pro Jahr und des Reichsbankdiskonts auf 7^ Prozent pro Monat zu. Der Zinsfuß der Darlehensfparkassen beträgt von heute ab allgemein 1. für Darlehen ohne Entwertungsklausel jährlich 108 Prozent, 2. für Darlehen mit Entwertungsklausel jährlich 10 Prozent. Die bisher gewährte Ermäßigung der Zinssätze für sogenannte Vorschuß barlchen fällt künftig fort. Stenerdrückeberger. Berlin, 18. Sept. Da in Hamburg ein -großer Teil von Besitzern von Kraftwagen die Rhein- itttb Ruhrabgabc an bie Steuerstelle nicht entrichtet hatte, wurden au verschiedenen ver- kehrsreichen Stellen der Stadt die Kraftwagen von einem großen Polizeiaufgebot festgehalten. In 8ö Fällen wurde festgestellt, baß die Inhaber ihrer Abgabepflicht nicht nachgekommen waren. Der kohlenpreis. b. Berlin, 15. Sept. lEig. Drahtber.) Die Verhandlungen in der Kohlenpreisfrage mit dem Reichswirtschaftsministerium haben nunmehr zu eiuer Einigung geführt. In ber Preisberech- n-ungsart des Reichskohlenverbandes ist eine Aendernng eingetreten infofern, als auf den Entwertungszuschlag von 13 Proz. der Golbmarkpreise verzichtet wird. Ferner wirb verzichtet auf die Verzugszinsen für die ersten sieben Tage nach Absenbnng des Wagens von der Zeche bis zum Eingang der Zafllrntg. Diese beiden Punkte hatten das Veto des Reichs- wirtschaftsministeriums hervorgerufen. Die G-olbmarkkohlenpreise werden in der Weise errechnet, daß allwöchentlich am Freitag der Kohlenpreis in Papiermark aus Grund der Lohn- und Materialkosten ermittelt und dieser Papiermarkpreis zu Sem Durchschnittsdollarknrs von Freitag, Donnerstag und Mittwoch in Gofd- mark umgerechnet wirb. Die Verbraucher haben den ermittelten Goldmarkpreis in Papiermark nach bem Dollarkurs vom Tage nach dem Ein- gang -der Zahlung zu entrichtet: unb zwar späte- stens am siebenten Tage nach Abgang des Wa- gens von der Zeche. Das Ergebnis der Goldanleihe. Berlin, 13. Sept. (Drahtber.) Wie den Zei- tungen von zuständiger Seite mitgeteilt wird, steht der Schluß der Zeichnung der wertbestän- digen Goldanleihe in zwei Tagen bevor. Hier- nach wird der reguläre Handel an der Börse für defe Anleihe in die Wege geleitet werden. Bei den Girozentralen und Sparkassen find Gold- konten zur Erleichterung der Zeichuugen errich- tet. Das vorläufige Resultat der Goldauleihc, das sich noch erhöhen dürste, wird mit 7 3 Mil- liouen Goldmark genannt und wird von amtlicher Stelle als befriedigend bezeichnet. Die Anleihe wird künftig an allen Wochentagen außer Samstags gehandelt werden. Die Sicherung der Ernährung. Berlin, IS. Sept. Im Reichswirtschastsrat gab auf Anfrage Rcichsfinamminiiter Hilfer- ding Auskunft. Er sagte u. ä.: Ich will erwi- dern, daß i# in bczug auf die Lebensmittelver- sorgung wohl erklären kann, daß bis zum 13^ Oktob.er der Getrcidebcldarf tefp. Mehl- und Brotbebarf sichergestellt ist. Ferner arbeitet bie Reichsgetreidestelle daran. Getreide zunächst aus der inländischen Ernte heranzubringen. Die Reichsgetreidestelle bezahlt mit Gold an- leihe. Die Goldanleihestücke werden abge- stempelt und können von den Landwirten, die Getreide anbieten, als Steuerzahlung für die Lanbabgabe benutzt werden. Es ist also hier ein wertbeständiges Zahlungsmittel neu ein- gerichtet. Die Reichsgetreidestelle bat gewisse Bestände für die Zeit nach dem 13. Oktober be- reits herangebracht. Uebrigens ist ein Gesetz- entwurf vom Ernährungsministerium ausgearbeitet. der, falls notwendig, auch darüber hin- aus noch für die Bewegung der Ernte Vorsorge treffen wird. Was die Versorgung mit Fett und Margarie anlangt, so wird aus den De- viseubeständen, die durch die Devisenabgabe zur Verfügung stehen, in erster Reibe hierfür De- visen zur Verfügung gestellt werden. Ich hoffe, daß es gelingen wird, auch die notwendige Fettzufuhr sicherzustellen. Der Minister für die befetzten Gebiete. Berlin, 16. Sept. Der Reichsmitrister für die besetzten Göbiete, Fuchs, erklärte einem Mit- arbeiter des „Tagblattes" zu der letzten Verord- nung der Rheinlanbs-kommiffion über -die Be- setzung freier Beamtenstellen durch die Koinmis- sion, daß angeblich bie Rheiulanbkommtssion diese Verordnung erlassen habe, weil sie damit die Möglichkeit einer geordneten Verwaltung ge- währleisten wolle. Wenn es der Rheiulandkom- Mission um die Wieder-Herstelkung einer geotd- neten Verwaltung zu tun sei, so hätte sie nichts anderes Nötig, als die ausge-wiefenen Beamten wieber einzusetzen. Aber alle Vertriebenen sind ja nur deshalb ausgeiviesen worbeu, weil sie sich dem Machtwillett der Rheinland-kommission nicht fügen wollten. Die Verordnung der Rheinland- kommission kommt lediglich den Bestre-- Hungen der Separatisten entgegen. Hinsichtlich des passiven Widerstandes sa-gte der Mi- nister, Rheinland unb Ruhr hätten überhaupt keinen passiven Widerstand geleistet, um zu der Reparationsfrage selbst Stellung zu nehmen, sondern lediglich um sich der allgemeinen Z e r - stücke lun g Deutschland's zu widersetzen. Goldrand und Ausweisungen. Elberfeld, 13. Sept. Die Franzosen fahren fort, Gelder für die Eisenvahnbediensteten weg- zunehmen. In Koblenz wurden 73 Milliarden Mark sortgenommen unb bei dieser Gelegenheit zwei Bedienstete verhaftet. Auch die Auswei- sungen gehen weiter. Aus MüMeim (Mit) nnb Mühlheitn-Styrum wurden am 13. Sept. sechs Familien mit zusammen 16 Personen, aus Düsseldorf und Umgebung weitere 13 Eiseuba-H- ner mit Familien, zusammen 48 Personen, aus- gewiesen. auch jetzt wieber die größeren Betriebe, bie den Rückhalt für die Ernährung des Volkes bilden, deshalb wirkt es um so eigentümlicher, wenn gerade an ihnen, bie sich am meisten um -die All- gemeinheit verdient machen, ber Wurm ber Hetz- propagandg -nagt. Bestehen aber wirklich Auswüchse auch da, so fiele ber Regierung neben der Aufklärung un-d der Anbahnung eines Ausglei- chcs zwischen Stabt unb Land bie weitere Auf- gäbe zu, mit fester Hand -durchzugreifen und durch nachdrücklichste Ve-rso-lgung bi-e Vampire am Volkskörper unschädlich zu machen. Die Stunde, in der wir stehen, ist so ungeheuer ernst, daß die Folgen unterlassener Zwtwcndigkeiten und Versäumnisse nicht abzu^schen sind. _ Nun unterliegt es keinem Zweifel, baß auch in der Land -Wirtschaft dunkle und faule Stellen zu finden sind. Der Grundsatz, daß jedes geeig- nete Stückchen Erbe heute auf das Intensivste der Vobksernährung nutzbar zu machen ist, wird noch keineswegK in allen Teilen unseres Vater- l-anbes befolgt. Es wäre deshalb eine weitere Aufgabe unserer Regierung, überall, «-» eine landwi-rtschastliche Ausnutzung bes Bodens in Frage kommt, sei es im Kleinen, wie im Großen, durch lokale unparteiische aber sachverständige Kommissionen die sachgemäße Ausnutzung -d-es Bodens prüfen zu lassen. Wo Mißstände und Verfehlungen gefunben werben, würde mit rücksichtsloser Gewalt durchzugreifen und ber jeweilige Nutznießer zu intensivster Bearbeitung- anzuhalten sein. Wo das nicht wirkt oder -durch- zuführen ist, hätte an-deriveitige Vergebung zu erfolgen. Entsprechende Gesetzes maßnahmen wären vorzubereiten. Eine besondere Beachtung dürste der Steuer- po-litik des Reiches zuzuwenden sein, die im In- te-resse unserer Ernährung -den Nagel nicht auf den Kopf trifft. Selbstverständlich, daß der Be- sitz nach Maßgabe seiner Kräfte für die Steuer- erhebnng des Reiches heranzuziehen ist, das schließt aber nicht -aus, baß man durch ein gefun- des Prämiensy-stem Anreize schafft, durch das Höchsternten, intensiver Fleiß, trcne Arbeit unb sachgemäße Anordnungen- im Interesse des Völksganzen belohnt werden. Der Gr-unbsatz, daß der Höchsterzeugende auch ber Höchstbesteuerte ist, muß, wie auf anderen Gebieten, zu einem Nachlassen ber Arbeitsfre-ubigkeit führen, es wird -das unbedingt der Fall sein, wenn der Landwirt sieht, wie das mit seiner Hänbe Ar- bell «beschaffene den Weg des Wuchers geht unb -das in schwerem Ringen dem Bvben Äbgcwmt- nene als leichter und müheloser Verdienst bem Schieber in den Schoß fällt. Andererseits aber müßten bort Strafen und Abschreckungsmittel einsetzen, wo der rechtmäßige Verwalter vaterländischer Kraftquellen versagt, ja, es dürfte auch vor Zwangsmaßnahmen -nicht zurückgeschreckt werden. Eine bcs-ouber-e Aufmer-ksa.urie-it aber ist der Sicherstellung des landwirtschaftlichen^ Besitzes und seiner Erzeugnisse zuzuwenden, die beide heute unschätzbare nationale Werte darstellen. Diese Sicherstellung in Verbindung mit einer unbediu-gten. Klarstellung ber EigeutunrSbcgrisse muß in einer Weise erfolgen, bie dem zunehmen- beki Verfall der Moral unb ber öffentlichen Orb-' unngmti allen verfügbaren Mitteln Rechnung trägt. Bekanntlich hat ber Erzeugerstand über sie gam besonders scharse Ansichten, was mit dem Umstand zusammenhängt, daß sein Besitz und seiner Hänbe Werk meist offen bem Zugriff des Nächsten ausgesetzt ist. Es will nicht recht einleuchten, wenn ber Staat erklärt, er sei.allen außergewöhnlichen Ereignis- seu im Innern gewachsen, wenn der Kanzler Hin- zufügt, daß bie Sicherheit für ben Bürger für Ruhe und Ordnung, für Slusrcchterhaltung der Verhältnisse itn Innern und -des wirtschaftlichen Lebens bie Gg&c sei, bie der Staat für die Wehr- Pflicht des Besitzes und ber Arbeit seiner- seits zu geben habe, unb wenn gleichzeitig unter den Augen ber Regierung in Feld und Wald in einer Weise gestohlen und geräubert wirb, baß man nur schwer an die Wirkung eines solchen staatlichen Wehr- beitragö glauben kann. Soll der lanbwirt- schaftlichc Besitz auch weiterhin an ber Nutzbar- inach-ung seines Bodens interessiert bleiben, und dies allein g>ivt die Möglichkeit, „die Pr-obtrktion zu heben und uns vom Ausland unabhängig zu machen", so muß e-r bie Gewähr haben, daß ihm nicht in der Stunde der Ernte der Wolf über die Hürde bricht unb sich das Beste holt. Die Bilder, bie sich jetzt täglich bei der Ernte abspie- leu, spotten ie&er Beschreibung. In ganzen Scharen bevölkern bie ,/wilben Erntcarbeiter", mit Kiub und Kegel, mit Säcken und Wagen bie Felder unb Landstraßen, man gräbt die Kartos- feltt in nicht mehr wie Walnußgroße, man bricht die Nehren vom Halm wie -wertlose Blumen unb die Zahl der „Aehrenleserinnen". bie den Schnit- kern aus bem Fuße folgen, ist Legion. „Not" ist das Wort der Erklärung, oft -berechtigt, meist unberechtigt, aber Verständnis- und machtlos stehen Besitzer und Arbeiter diesem frevelhaften Treiben gegenüber. Was soll der Lanbwirt sagen, dem von acht Erntewagen fünf -völlig -der Nr. 255. Seite 2 Karlsruher Tagblatt. Sonntag, den IS. September 1V2Z Erstes Dlatt Nehren beraubte auf Heu Hof gefahren werden, was der Besitzer, Heu gewerkschaftliche Mo»- nun gen mit ÄZrem Besuche beehren, um von ihm die Hergabe eines feisten Hammels zu erpressen, andernfalls . . was jener, der mW einmal eines solchen Besuches gewürdigt wird, sou- der« den man telephonisch vor die Alternative stellt, Schlachtvieh »u liefern, oder die Kvuse- ffuengen in Haus unÄ Hof auf sich M nehmen. Das ist organisierter Raub, dus ist Plünderung, der gegenüber der Staat machtlos ist, weil er Wichtiges versäumte. Angesichts solcher dem Bolksgwar die Wehrpflicht des Besitzes und der Arbeit fordert, ihre Durchführung aber «nicht ,-vu schützen weih. Daß das Wort vom Wucher der Landwirte längst zu einem Schlag- und Pro- vagan da mittel wurde, ist bekannt, und doch ist häufig nichts irreUhrender als das. Wir haben erst kürzlich ein Beispiel gebracht, das den Wu- cher mit Fleisch charakterisierte. Die hier gemilderten BerHÄltnisse betreffe» weniger das landwirtschaftlich bedeutungslose Baden, als wie die auch für uns hier unten in Frage kommenden Ueberschußgebiete des Nor- in Zustände au gewinnen, die unsere Nahrungszu- fuhr nachhaltig beeinflussen. Nicht anders liegt es auch auf sonstigen Ge- bieten. Ein SHeiuproduzent hat festgestellt, daß ein großer Posten Wein, den er ab Keller ver- Lauste, 87 mal den Besitzer wechselte (5er feine Ware nie gesehen), bis er schließlich mit entsprechenden Preiserhöhungen abgeholt wurde. Ein Landwirt, der auf den Boden eines Sackes mit Getreide einen Zettel legte, mit der Bitte, der endgültige Verbraucher möge ihm, dem Produ- zenten, den von ihm erlegten Preis mitteilen, mußte feststellen, daß die Ware, die er mit sei- ner Hände Arbeit erzeugte, sich um viele tausend Prozent verteuert hatte, die spielend dem Mncher zugefallen waren. Nicht anders liegt es mit Milch und Kartoffeln. Der Rückgang der Milcherzeugung, deren Geschäft für den Produzenten oft nicht mehr die Selbstkosten deckt, hat einen Zustand gezeitigt, dem lange nicht die erforderliche Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Durchwandert man heute die Kuhställe der großen Überschußgebiete des Nordens, so findet , man sie leer, weil die Milchviehhaltung mit ihren Nebenkosten keinen geschäftlichen Anreiz mehr bietet. Bon den Marktpreisen, die für Milch gezahlt werden, steht der Landwirt oft nur einen Bruchteil, >öas heute Wertvollste, seine Ar- SottSkraft, wird dabei nur gering eingeschätzt. Aehnlich ist es mit den Kartoffeln, deren Anbaufläche ebenfalls zurückgegangen ist. Wir erleben ja jetzt wieder das „Anstehen" wie in der Kriegszeit, die so verbitternd auf die Stim- mung wirkte. Was tut die Regierung, um hier helfend und aufklärend einzugreifen? Deutsch- land hatte im vergangenen Jahre eine Rekord- ernte in Kartoffeln, wie seit langem nicht. Wu- cher, Valutaschiebungen und Breunkessel verrich- teten hier ganze Arbeit. Warum hat die Re- gierung in den auhergcwöhnlichen Zeiten, in denen wir leben, nicht «wich rechtzeitig außergewöhnliche Maßnahmen getroffen? Schon lange hätten aus staatlichen Mitteln Kartoffeldarren errichtet und die alten Getreidespeicher, aus längst entschwundenen Tagen, sowie die Proviantämter der ehemaligen Militärverwaltung wieder in Betrieb gesetzt werden müssen. Be- kanntlich büßt die Kartoffel nichts an ihrem Stärkegehalt ein, wenn sie gedörrt wird, sie bil» det dann neben dem Getreide die große, wirk- liche Geldreserve, über die der Staat in Zeiten des Krieges und der Not, wie wir sie heute durch- leben, verfügen kann. So aber rollen die Bor- räte durch die Hand des Wuchers und über die Balutagrenzen, um dann, wie wir sehen, für Billionenbeträge aus anderen Ländern wieder eingeführt zu werden. Di« „Pyramide" Wochenschrift zum Karlsruher Tagblalt enthält in ihrer Scutlgen Nummer (87) folgende Beiträge: Weltgeschichtliche EntwicklungSlinien. Von Dr. Max Dennis in Karlsruhe. — Die Bekämpfung der Pest in ZUdivcltdentschland im 17. und 18. Jahrhundert. Von Geh. Hofrat Dr. Karl Doll in Karlsruhe. Wochenplauderei vom Jnkundns Bruttler. Jedermann hat es seit dem Krieg schon oft erfahren, daß nach sorgenlosen Urlaubstagen bei der Heimkunft die Widrigkeiten des Alltags in einer häßlichen, fast vernichtenden Fülle sich überstürzen und die Ferienerinnerungen brutal erdrücken. Das liegt nicht im eigenen Ich, im eigenen Familienkreis oder im eigenen Beruf an sich: dort ft«d lediglich die natürlichen Ans- strahlungen und Auswirkungen zu finden, es beruht auf unserer niemals in unserem Leben so stark gewesenen Einbeziehung in das Volks- ganze. Wir sind durch die Keulenhiebe der Wirtschaftsnot schon längst keine Judi- viduen mehr, wir treiben hilflos wie Holzstücke im Hochwasserfluß irgendwohin in ein unbekann- tes Meer. Wir leben überhaupt nicht mehr: wir werden gelebt. Das wäre dann eine stolze, große Sache, wenn wir etwa unter einem unge- Heuren geistigen Zwang, unter der Macht einer überwältigenden Idee, unter der unentrinn- baren Wucht einer Persönlichkeit wie Jesus Christus oder meinetwegen wie Friedrich des Großen oder selbst eines Napoleon stünden und getragen würden. Aber davon ist ja gar keine Rede. Air werden von irgendeinem unfaß- bereit, unsichtbaren, namenlosen Höllenuntier mit tznm«r stärkerer Umschlingung gedrosselt Wir sehen, daß der derzeitigen Regierung eine Füll« von Aufgaben zufällt, die auf das engste mit dem Ernährungsproblem verbunden sind, Aufgaben, die auch weit über das hinausgehen, was der Reichfinan*rnikist tr in diesen Tagen im Reichswirtschaftsrat verkündete, als er u. a. die Brot- und Mehlversorgung bis 15. Otto- t> e r für gesichert erklärte und einen nachdrück- lichen Appell an die Kreise der Landwirtschaft zur Ablieferung ihrer Erzeugnisse richtete. Vertrauen ist nur gegen Vertrauen möglich Dieses gegenseitige Vertrauen zu schassen, wird Auf- gäbe der Regierung wie aller beteiligten Kreise. Organisationen usw. sein. Der Landwirt lebt heute in einer airdereu Welt, als sie sich dem Städter bietet. Es gab eine Zeit, da man das Wort von der Landflucht prägte, weil dort nichts zu holen war, und der notleidende Agrarier, der belastete Landbesitz waren allgemein verständliche Worte. Anders heute. In die Ideenwelt der beiden großen Bolks-komplexe drängt sich mit erschreckender Ans- dringlichkeit der Materialismus, der hier wie dort Sinne und Gedanken in Anspruch nimmt und geeignet ist, in jeder Beziehung trennen!» zu wirken, wenn nicht 'bald und rechtzeitig Aufklä- rung und gegenseitiges Verständnis Platz grei- sen. Wird in der bisherigen Weise mit Hetz- und Schlagworten, mit Raub und Plünderung aus der einen -Seite fortgefahren, so kann nmn sich nicht wundern, wenn die Zunahme solcher Zu- stände zu steigender Erbitterung und einem Zu- stand führt, der den Landwirt, wie wir es in Rußland sahen, schließlich nur den Eigenbedarf, erzeugen läßt. Auf dem Lande aber habe man Verständnis für die Lage des Volkes in der Stadt. Auch hier kann Arbeit nur gedeihen, wenn der Körper die nötige Nahrung erhält und durch sie auch die geistigen und kulturellen Werte neue Krast und frischen Antrieb erhalten. Nur durch Ergänzung und Zusammengehen, durch Austausch und Verständnis für die Lage des an- deren kann uns in dieser Stunde das Bitterste erspart bleiben, nur durch eine solche Auffassung von der Wehrpflicht des Besitzes und der Arbeit können Staat, Stadt und Land die Krisis der Krankcheit überwinden. --- Die Ordnung der öffentlichen Finanzen. Die Pläne des Reichsfinanzministers. Berlin, 15. Sept. Reichsfinanzminister Hil- f e r d i n g hat am Mittwoch abend in den ver- einigten wirtschasts- und finanzpolitischen Aus- schürfen des Reichswirtschastsrates gesprochen. Seine Ausführungen sind erst gestern abend der Oefsenilichkeit übergeben worden. Er führte u. a. aus: Die Finanzlage des Reiches ist so, daß wir andere Ausgaben als die, die zur unmittelbaren Erhaltung des Reiches notwendig sind, nicht werden leisten können. Die bedeutsamsten Aus- gaben find die für die Ruhr. Die Dinge haben sich im Ruhrgebiet folgendermaßen entwickelt: Wir haben von Anfang an der Ruhraktion so verhältnismäßig große Summen für Lohnsiche- rungen und für die Erwerbslosenfürsorge zu zahlen gehabt. Heute könnte man sagen, daß saft die gesamte Bevölkerung der besetzten Gebiete zum Teil durch Reichsmittel ernährt wird. Wir haben auch noch in steigendem Matze das Betriebskapital für dieses Gebiet aufbriu- gen müssen. Die Werke haben keine Einnahmen und fordern, daß die Löhne und auch die Kosten für die Beschäftigung der Arbeiter schließlich vom Reiche getragen werden. Darüber hinaus beziehen in immer größerem Maße auch z. B. Angehörige der freien Berufe (Rechtsau- walte, Aerzte, Künstler usw.) bei ihrer sicher sehr prekären Lage, Unterstützungen aus Reichsmit- lein. Es kommt hinzu, daß auch der Handel in Form von Krediten Betriebskapital vom Reiche erhalten hat. Ich erinnere daran, daß und unsere Atemzüge werden immer keuchender und pfeifender. Das Untier hat wie Proteus die Berwanblungsfähigkeit und wie die Hydra sieben, immer wieder nachwachsende Köpfe: sie heißen Haß, Gier, Wucher, Blutrausch, Vernich- tungswahn, Raubsucht und — grandiose Dumm- heit. Das Schlimmste ist aber der in dieser furchtbaren Gefahr immer widerstandsloser bei uns Deutschen sich auftuende Fatalismus. Wir werden gelebt, weil wir nns dergestalt leben lassen. Es ist genau derselbe lähmende Fatalismus, der in den Oktobertagen des Iah- res 1318 alle Dinge totmüde treiben ließ. Die Folgen wirken sich im Quadrat der zeitlichen Entfernung nun immer weiter aus« Und das nur deshalb so heftig, weil jeder dem andern die Schuld gibt und sich sagt: ich kann's allein nicht ändern. Nicht nur das: ieder und jede Partei sucht — geioiß allzu häufig aus nacktester Not- und Lebenswehr — f ü r s i ch zu retten, was aus dem Wrack noch zu raffen ist Dabei quirlen schon die Wirbel um die Planken und das Riff ragt iu greifbarer Nähe . . . Solcherlei zermürbende uud schlastnordende Gedanken suchen in dieser Heftigkeit indessen nur uns angeblich intellektuelle Städter heim. Auf dem Land draußen schimpft man jetzt über die Landabgabe, in der zum erstenmal fühlbar ans Herz, also an den Geldbeutel, der biedern Nah- ruugsmittelschaffer gegriffen wird. Von den Schicksals-- und Zukunftssorgen des Deutschen Reiches läßt man sich dort nicht allzusehr beun- ruhigen und liest höchstens die aus der Haupt- städtischen Presse ausgeschnittenen Leitartikel mit einem gelinden Unbehagen. Man lebt eben die grobe Lebsucht, also was Esseu und Trinken anbelangt, gesund, sehr auskömmlich und besser wie je. Das gibt eben leider oder gottlob see- lische Ruhe und apolitische Gelassenheit. Wir Städter stecken erbittert, weil von dem Unwert überzeugt, die Tasche mit den Millionenscheinen voll, um wieder nichts zu haben und um das Jahr 1317 zum Dauerzustand zu erheben. Auf meinen vielen Fahrten im Breisgau und im Markgräflerland habe ich bei diesen wirklich vornehmen Bauern und häufig geradezu ade- ligen Menschen, bei klugen und im echten Sinn „gebtlde wo man, um das Denkmal zu schänden, 100 Mor- gen unreifen Bestand ringsherum abgetrieben hat — aus reiner Niedertracht. Und wie es mit dem Wald getrieben wird, bei dessen Ausbeutung ohne Rücksicht auf spätere Windwürfe usw. Kahlschlüge geführt werden, die unbekümmert um Jnsektengefahr in un- sauberer Weise liegen gelassen werden, so treibt man es auch mit der Jagd. Die wird von den Kulturträgern mit einer Gemeinheit und Grau- samkeit geführt, zu der nur romanische Völker imstande sind. Erschossen. Münster, 15. Sept. Am 12. September wurde d>er Hafenarbeiter Simon auf dem Nachhause- wvge bei einer von den Franzosen besetzten Bahnunterführung von einem französischen Po- sten erschossen. Simon» der eine zahlreiche Familie besitzt, war sofort tot. Die Leiche blieb bis zum nächsten Tage am Tatort liegen. Verräter an der Arbeit. Esse«, IS. Sept. In Witten besetzten die Fran- zosen heute in ganz überraschender Weise, wahr- scheinlich infolge von Verrat, die Eisewbahnwerk- statten, wo den Eisenbahnern gerade die Löhne ausbezahlt wurden. Sie besetzten die Ausgänge der Werkstätten und nahmen den Arbeiterin die gesamte Löhnung weg. Sechs ViMonen tägliche Erwerbslosenunterstützung. Berlin, 13. Sept. Aus den Ausschußberatuu- gen des Reichstages über die Frage der Er- werbslosensürsorge geht hervor, daß die Zahl der Erwerbslosen von ISS 000 am 1. Juli 1923 auf 300 000 am 1. September gestiegen ist, und daß eine gewaltige weitere Steige- ruug»in Aussicht steht. In Sachsen soll stellen- weise die Hälfte aller Betriebe stillgelegt wer- den. Die Gesamtausgaben des Reiches für die Erwerbslosenfürsorge sind in dieser Woche be- reits auf sechs Billionen täglich gestie- gen. Nach längerer Beratung betreffenden Aus- fchusses wurden mehrere Entschließungen ange- nommen, in denen die Regierung ersucht wird, eine produktive Arbeitslosenfürsorge schnell und nachdrücklich zu fördern, und der Stillegung von Betrieben entgegenzuwirken. Zurück zu 1S0S. In der Zeitschrift „Foreign AfsairS" schreibt Austin Harrison über die europäische Lage: Nach einem dreimonatlichen Aufenthalt auf dem Kontinent habe ich nirgends über Reparationen debattieren hören. Es handelt sich nur um das Problem des Kredits und ich bin zu der Ueberzeugung gekommen, daß, wenn Deutsch- land 300 000 Mann unter Waffen gehabt hätte, es überhaupt keine Reparationsfrage gegeben hätte, noch gäbe. Frankreich hat den Napoleonischen Plan wie» der aufgenommen, Europa zu beherrschen. Es bewaffnete seine Trabanten und betreibt nun die Politik, die die Generäle in Versailles empfahlen: Deutschland zu zersplittern, solange es zur Verteidigung unfähig sei, und es wirt- schaftlich so zu schwächen, daß es politisch aus- einandersallen werde. In Deutschland herrscht vollständiger Zynis- mus. Man erwartet diesen Winter französische Soldaten in Berlin: man sieht den Zusammen- bruch des auswärtigen Kredits voraus, der den Krach beschleunigen wird und darüber hinaus vermag niemand zu sehen. Und doch will Deutschland sich nicht ergeben, es will lieber zugrunde gehen, als sich unterwerfen und die westfälischen Bergleute spielen heute die Rolle, wie vor hundert Jahren die s p a n i - krasterfüllter Thematik sich ausbauenden lebhaf- ten Einsätzen dieses Konzertes ergeht sich das Klavier, begleitet von Flöte und Geige, in reiz- vollem Wechselspiel zwischen Solo und Tutti, «vährend in dem langsamen Mittelsatz Flöte und Geige nur vom Klavier söhne Orchesters harmo- nisch gestützt, einen von edelster Melodik erfüll- ten Zwiegesang ausführen. Die drei Solisten: Kapellmeister Bürgel (Klavier), Konzertmei- ster Voigt (Violine) und Kammervirtuos Spittel (Flöte) ließen in der Durchführung ihres Partes sowohl in Bezug auf rhythmische Gestaltung, wie auf Klarheit, Wärme und Ans- drucks reichtum des Tones keine Wünsche offen. — Die Musik zu dem seiner Zeit häusig aufge- führten Ballett „Don Juan" von Gluck, hat durch die Gluck-Renaissance ihren Weg in den Konzert- saal gesunden. Aus teilweise hübschen Einfällen hervorgvwachsen, ist sie, soweit sie sich in den knappen, alten Tanzformen bewegt, gefällig und liebenswürdig, ohne einen stärkeren Eindruck zu machen. Erst als sie breit ausladend und zu dramatischer Wucht gesteigert, das Ende „Don Ivans" illustriert, rüttelt sie das Empfinöungs- leben des Hörers auf. — Die Einstellung von Gluck zu Busoni gelingt nicht leicht. Dort das Tonbild scharf gemeißelt und in hellem Licht stehend, hier in den Konturen verschwommen und in das Halbdunkel gleitend. Der aus- und nie- derschwebende „Reigen Her Geister" aus dem „Indianischen Tagebuch" Busonis ist ein eintöniges musikalisches Stimmungsbild, wenn es auch einiger klanglichen Reize nicht entbehrt. Hind» miths Kammermusik Nr. 1, fit Donaueschingen im Juli 1922 urausgesührt. ist eine aus über- mütiger Musikantenlaune herausgeboren«, nicht ohne Geist und Witz gemachte musikalische Groteske. Sie ist leicht geeignet, von ihrem Urheber, da wo man ihn noch nicht kennt, einen falschen Begriff zu geben. Es wäre deshalb sehr M wünschen, daß wir des wahrscheinlich bedeuten» sten Vertreters der jüngsten Komponistengene- ration reine Kammermusikwerke, die „Lieder der jungen Magd" und die „Marienlieder" zu hören bekommen. t s ch e n Bauern, die durch ihren hartnäckigen Widerstand den Grund zu Napoleons Sturz legten. Die brutale Wahrheit ist: es gab zu viele Sieger für ihre Beute. — Die gegenwärtige Haltung der Mächte ist nichts als Bosheit. Frankreichs Politik ist Krieg. Krieg gegen einen ohnmächtigen Feind, der sich ehrenhaft entwaffnete. Wir sind wieder in den Zeiten Napoleons nach Tilsit. Frankreich weiß, daß kein Volk kämpfen wird und es glaubt in zwanzig Jahren seine physisch« Hegemonie so befestigt zn haben, daß Deutschland wieder in Einzelstaaten zer- fallen sein wird. Und wenn Rußland Kredit und nationalen Ehrgeiz wiedererlangt hat. wird Frankreich die alte Alliance mit ihm erneuern und ein Jahrhundert lang Europa beherrschen. Darüber macht sich niemand irgend welche Illusionen. Die neugebildeten Staaten der kleinen Entente sind Frankreichs Trabanten, die sich Weißbluten an ihren großen Armeen, um als Landsknechte für Frankreich zu kämpfen. So sieht es in Europa aus. Wie wird nun unsere Politik sein? Diplomatische No- ten erreichen nichts, wenn nicht Macht hinter ihnen steht. Tun wir nichts, dann folgt daS Chaos. Niemand glaubt, daß wir Frankreich Einhalt gebieten können. Ich glaube, daß nur Krieg die Lage zu ändern vermag. Rußland ist tot, Amerika mault. Großbritan- u i e n hat abgerüstet und sich in seinen eigenen Unaufrichtigkeiten ^gefangen. Frankreichs ungeheure Luftflotte wird uns zwingen: ent- weder seine Herrschaft anzuerkennen oder uns vorzubereiten, ihr zu begegnen. Das Wort Diplomatie ist bedeutungslos ge- worden. Europa ist Frankreich und wird es bleiben, bis das tote Rußland wieder auf der Karte erscheint. Nirgends hegt man Hoffnung auf Besserung. Niemand glaubt an den Völkerbund, an Frie- den und Gerechtigkeit. Man frage einen Po- len, Tschechen, Rumänen, einen Jugoslaven — sie alle geben dieselbe Antwort: „Wir werden darum kämpfen müssen." Die Wahrheit über Europa verschleiern, ist nicht Politik, sondern Negation. Es wird ein Krach im Zentrum erfolgen, vielleicht ein bol- schewistisches Interregnum, eine Zeit der Stag- nation, die sich allmählich zu bewaffneten Grup- pen in ganz Europa krystalliert, gegen den Tyrannen. Man erwartet atemlos Englands Eingreifen. Die kleine Entente wird mit Herz und Seele mit uns gehen, wenn wir die Leitung in die Hand nehmen. Sonst folgt sie den Bajonetten Frankreichs. Wir könnten Frankreich Ein- halt gebieten, wenn wir unsere Stellung als Führer anstatt die eines Lakaien wieder- erlangen. Schule unS Kirche Aus der evang. Landeskirche. Einberufung der Landesfyuodc. Nachdem vielfach und in den verschiedensten Kreisen des evang. Kirchenvolks der Wunsch laut geworden ist, es möchte einmal die kirch- liche Volksvertretung sich über die gegenwärti- gen großen wirtschaftlichen Notstände der Lan- deskirche und des Pfarrstandes aussprechen und dazu Stellung nehmen, hat sich die Evang. Kirchenregierung entschlossen, die Landessynode auf Montag, den 24. September einzuberufen. Die Tagung soll möglichst kurz sein, höchstens 3 Tage dauern. Bisher wurde die Einberufung unterlassen mit Rücksicht auf die großen Ausgaben, welche die Abhaltung einer Synode verursacht. Nun hat sich ein Weg zur Verringerung des Aufwandes gefunden. In der Erwartuug, daß sich hier Gemeindeglieder bereit finden lassen, welche die etwa 50 aus- Kunft und Wissenschaft Freiherr Othmar von Stotzingen f. Zu Steißlingen, unweit Stockach. auf dem Stammgut seiner Väter, starb am 2. Juni der Major a. D. Othmar von Stotzingen, ein Bru- der des Geueralabtes des Benediktinerordens und des bekannten früheren badischen Parla- mentariers. Sein Name ist eng verknüpft mit der Tätigkeit der Badischen Historischen Kom- Mission. Geboren zu Donzdorf, im Schlosse seines Oheims, des Grasen von Rechberg, am 15. April 1867, durchlief er die Gymnasien zu Feldkirch und Sigmaringen, um dann, zur mili- tärischen Lausbahn übergehend, als Offizier bei den Stuttgarter Ulanen einzutreten und später bei den Gardes du Corps Dienst zu tun. Er- erbte rege geschichtliche Interessen führten den juugeu Offizier früh schon zu archivalifchen Ar- beiten und Studien und zur Beschäftigung mit der Vergangenheit. So erwarb er sich im Laufe der Jahre vor allem auf dem Gebiete der ober- rheinischen Familienkunde umfassende und gründliche Kenntnisse und wurde Vielen, die ihn um Rat angingen, ein allezeit bereitwilliger Helfer. Nack dem Tode Julius Kindler's von Knobloch konnte daher die Badische Hi- storische Kommission die Fortführung des von diesem unter ihren Auspicien begonnenen Ober- badischen Geschlechterbuchs in keine besseren HänÄe legen, als in die seinigen. Seit 1911 — er hatte inzwischen seinen militärischen Ab- schied genommen — widmet er sich der neuen Aufgabe mit vollster Hingabe. Sein Werk fast ausschließlich ist der dritte Band der vielbegehr- tcm und vielbenützten Publikation, dessen Schlußlieferung im Juni 1919 erschien, in seiner Art eine muftergiltige Leistung, durch die er sich ein bleibendes Verdienst um die oberrheinische Geschichtsforschung erworben hat. Nur wer mit dem Stoffe einigermaßen vertraut ist. wird die mühe- und entsagungsvolle Arbeit, die zugrunde liegt, und die Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit, mit der er sich ihr unterzog, in vollem Umfange zu würdigen wissen. Der Weltkrieg hat auch diese Arbeit unterbrochen: Stotzingen trat wie» Nr. 255. Seite 3 wältigen Abgeordneten als ihre Gäste betrach- ten und ihnen Kost und Wohnung gewähren wollen, hat der Evang. Kirchengemeinderat einen Aufruf an die Kirchengemeinde erlassen. Sunte Lkronik SS» Milliarde» gestohlen. Aus Hamburg wird gemeldet^ Der am 31. August 1891 in Wien ge- borene Anton Hammer entwendete gestern einem hiesigen Bankgeschäft ausländische Zins- scheine, Schecks und Banknoten im Werte von 850 Milliarden Mark. Es Handelt sich um Zins- scheine chinesischer, argentinischer, amerikanischer, spanischer und anderer Wertpapiere. Er dürfte nach auswärts geflüchtet «fein. Di« Bank hat aus die Ergreifung des Angestellten und aus die Herbeischaffung der Wertpapiere eine Belohnung in Höhe mehrerer Milliarden ausgesetzt. Der Professor aus allen Vieren. Auf dem Kabelwege erreicht Europa die ' erschütternde Nachricht, daß ein Professor der Literatur an der Universität Omaha im Staat Nebraska — House heißt der Mann — seinen Entschluß be- kanntgegeben hat, im nächsten Juni eine Reife von ISO Kilometern zu unternehmen, die er auf allen Vieren auszuführen gedenkt. Seinen Le- bensunterhalt will er sich unterwegs selbst er- werben, indem er alles futtert, was er fangen und kochen kann, auch Hunde und Mäuse, wenn sie ihm zu uahe kommen. Sein hoher Zweck, den er sich sür das ungewöhnliche Unternehmen gesetzt hat, besteht darin, „einmal zu zeigen, daß es gemacht werden kann". Ob das sein einziger Zweck ist, darf bezweifelt werden, wenn man liest, daß der Literaturprofessor voraussichtlich von Filmleuten begleitet sein wird, und daß'er es verstehen wird, seinem Beruf Ehre zu machen und feine Reife für eine Zeitschrift zu befchrei- ben. Der zweibeinige Vierfüßler mit dem rein transzendentalen Zweck scheint demnach ein Aanz gerissener Geschäftsmann zu fein, der sich den Begriff der„Rovalties", auf gut Deutsch Tantie- men, nicht nur im Wörterbuch angesehen hat, und daneben auch etwas von Zeilenhonorar versteht. Außerdem scheint ihm ein Licht darüber aufge- gangen zu sein, daß in Omaha im Staat Nebras- ka mit der Literatur weniger Zugkraft zu üben ist als zum Beispiel weiter östlich, in der Stadt der reinen Vernunft, Boston. Auch ein Lite- raturprofessor hat ein Recht, von der in der Ver- fasfUNg gewährleisteten Pursuance of Happiness Gebrauch zu machen >md sein Glück dort zu su- cheu, wo es sich ihm bietet. Und wenn er s auf zwei Beinen allein nicht erjagen kann, warum soll er's dann nicht auf allen Vieren versuchen? Der Wege, auf denen man ins Konverfations- lexikon gelangt, sind mancherlei: man besehe sich nur einmal den Fall Herostrat oder den Fall Kieselack. Wir bezweifeln deshalb nicht, baß auch der Omahaer Literaturprofessor sich auf allen Vieren rascher zu einer Berühmtheit hinaufkrab- belt, als wenn er sich auch fernerhin darauf be- schränkt hätte, die Beine zum Gehen und die Hände zum Schreiben zu benutzen. Vom nächsten Juni an werden wir wissen, „daß es gemacht werden kann". (Köln. Ztg.) Eisenbahnunglück bei Iöhlingen Wie man uns mitteilt, ist Samstag abend bei Iöhlingen ein Wagen des Zuges, der um 9 Uhr in Karlsruhe eintreffen soll, entgleist. Es sollen T o t e zu beklagen sein. Nähere Ein- zelheiten konnten wir Samstag abend nicht mehr feststellen. Sriefkasten A. Ou. Man braucht sich wegen der Richtigkeit des Ausdruck« »werdender Lehrer" für Seminarist ivrach- lich-arammattkalilch gar nicht »u streiten. Er ist ». Cr. ein Unsinn inhaltlich. Man svreche etwa von Schülern der Lehrerbildungsanstalt, wenn man vor dem Fremd- ivort Angst hat. der in das Heer ein, stand erst im Weste« und nahm später an den Kämpfen und Operationen in Palästina und Arabien teil. 1920 entschloß er sich dann nach Aufgabe seines Pachtgutes in Holstein nach Brasilien auszuwandern, um sich dort als Landwirt niederzulassen: der Eni- schluß, sich von seinem Werke zu trennen und es anderen Händen zu überlassen, ist ihm recht schwer gefallen. Nur eine kurze Frist war ihm noch vergönnt. Ein totkranker Mann, kehrte er im Dezember 1922 übers Meer zurück, um in der Heimat Heilung zu suchen. Nach monate- langem qualvollem Leiden ging er dort ein zur ewigen Ruhe. Die Badische Historisch« Kommif- fion, wie viele Geschichtsfreunde im Lande wer, den ihm ein dankbares Andenken b«wahren. K. O. 70. Geburtstag von Albrccht Kassel. Einer der hervorragendsten unter ben Naturforschern, Geh. Hofrat Professor Dr. Arbrecht Kossel in Heidelberg, kann heute seinen 70. Geburts- tag begehen. Ein Klassiker der Naturwissenschaf- ten. hat er mit der Verleihung des Nobelpreises von 1910 und mancher anderen Auszeichnung im In- und Auslände die Anerkennung für eine Leistung gefunden, deren Bedeutung in ihrem wissenschaftlichen Werte der Öffentlichkeit sich nur schwer erschließt. Rostocker von Geburt und in Straßburg Schüler besonders von Hoppe!» Seyler, dessen nun schon lange von ihm redi- gierte Zeitschrift für physiologische Chmie fast alle seine Hauptschriften enthält, ist Koffel einige Zeit Abteilungsvorsteher unter Dnbois-Rey- mond gewesen, gehört aber schon seit 1901 zu den Zierden der Heidelberger Hochschule. Als ihn in diesem Jahre das Altersgesetz zur Emeri- tierung zwang, ermöglichte eine Stiftung Fritz Behringers, daß Kossel als Leiter des Jnfti- tuts für Eiweiß-Forschung im Zusammenhang seiner Laboratoriums - Untersuchungen bleiben kann. Den Hauptteil seiner Arbeiten bildet die Erkenntnis der chemischen (Krundnatur des Zell-- kernes. Diese Forschungen, um die sich die ganze reiche Arbeit des Kosselschen Instituts grup- pierte, haben als würbiges Gegenstück zu den Unterfuchungn Emil Fischers unseren Einblick in die biologischen Grundprobleme in ungcahn- ter Weise gefördert. Nr. 255, Seite 4 Karlsruher Tagblatt. Sonntag, den 16. September 1928 Erstes Blatt Die Gebühren der Kaminseaer werden mit Wir- ku«s vom g. ös. Mts. ab aus das 2 0W0Miache der Grundgebühren erhöht. O.Z. 104. Karlsruhe, den ]ö. September 19-23. Badisches Bezirksamt Abt». III. Mgerausschußversammlung. Ich berufe die Mitqlieder des Bürgerausschusfes zu einer össentUchen Versammlung aus Montag, den 24. Zevtember ds. IS., na^imittags 4 Uhr, in den großen Ratbaussaal. Tagesordnung: a) In öffentlicher Sitzung: 1. Einführung fremdsprachlichen Unterrichts an der Volksschule (45). 2. Aenderuugder Vergnüaungssteuerordnunglßk» 3. Ausnahme von Darlehen (61). 4. Verlängerung der Wirksamkeit des Gemeinde- . bescklussesüber dieFestsetzung der Gebühren (62) 5. Erhöhung der Stammeinlagc und des Dar- lehens der Stadt an die Karlsruher Banstoss- industrie G. m. b. H. (SS). 6. Erhebung einer Wohnungsluxusstcuer (S6>. 7. Erwerbung von Gelitndc in den Gewannen ."ritschlach, Buckeläcker und Reuths der sritheren Gemarkung Daxlanden (53). 8. Geländeerwerb zur Herstellung des Straßen- Hammes der Zepvelinftrahe in der Nlbnie- derung (54). g. Berkaus von Baugelände im Weiheräcker- gebiet (5-2). 10. Ersatz von Straßenkoften für Herstellung der Enzstraße zwischen Mainstraße und Straße „Links der Zllb" (57). 11. Antrag des Stadtverordnetenvorftandes ge- mäh z 56 der Gemeindeordnung. b) In nichtöffentlicher Sitzung: Grundstückserwerbung. Karlsruhe, den 15. September 1S2S. Der Oberbürgermeister. MWüg m für iflEfenutot. Die Reichsgetreidestelle hat die Mehlpreise ans das lOfadte des bisherigen Betrages erhöht. Da auch die Betriebskosten sowie Löhne usw. ums mehrsache gestiegen sind, müssen ab Montag den 17. September solgende Preise in Krast treten: ein 1S00 Gramm-Brot . . Ji 2600 000- ein 750 Gramm-Brot . . .itf 1800 000.— Karlsruhe, 15. September 1328. Der Oberbtirgwmeister. MM SjMsle MIMe Der ZinSsu» wurde für Svareinlagen mit Wirkung «um 1. Oktober 1i)23 und für Girogut- haben mit Wirkung vom 16. September 1923 ab wie folgt sestgesetzt: ». mr täglich siillige Gelder ... auf 30 % b. bei Vereinbarung längerer Kiindigungs- fristen: bei monatlicher Kündigung .... auf 36 % . vierteljährlicher Kündigung . . aus 4» % „ halbjährlicher Kündigung . . . auf 44 X „ jährlicher Kündigung aus 50 ",» Ferner wurde der Zinsmß für die Darlehen aus KahrniSpsändsr vom 16. September 1923 an auf monatlich 10 % und für wertvollere Gold Viänder, bei denen die leweiliae Genehmigung des Berwaltung^rates erforderlich ist, aus 20 % monatlich erhöht. Gemäß § 65 der Satzungen bringen wir das hiermit zur ösfentlichen Kenntnis. Kaftsruhe. den 13. September 1923. Der BerwaltungSrat. Die unter dem 13. Sevtemder angekündigte Er- böhung der Tarifiäge um 50°/o, gegenüber den mit Wirkung vom 15. September festgesetzten, tritt nicht am 19. «sevtember, sondern bereits am Dienstag, den 18. September in Kraft. Im Tarif der Karlsruher Lokalbahnen tritt am 18. September ebenfalls eine Erhöhung ein. Weitere Auskunft erteilen die Stationen. ^ Karlsruhe, den IS. September 1923. __ Städtisches Bahnamt. Gaskoks. Wir berechnen unseren ständigen Abnehmern ab 17. September ds.Js. bis auf weiteres: Nuß- und Stückkoks den Ztn. zu 4V OOOOOO Mk. ab Werk „ „ „ Mk. frei Keller Die Zufuhr von Koks an unsere ständigen Abnehmer (Abonnenten) erfolgt nur auf je- weilige besondere Bestellung. Karlsruhe, den 15. September 1923. StA. ms-, NM- niii) ElelWtiiksM. Allkemewe Lrtskranleukasse Karlsruhe. Nach Maßgabe der Reichsteuerungs-Jndexzahl beträgt der Höchstsatz des Grundlohnes in der Krankenversicherung von» 17. September d. I. ab 3« Millionen Mark täglich. Dementsprechend werden von diesem-Zeitpunkt ab die Grundlöhne und Beitragssätze der Beitrags- und (xinstufunas- tabelle vom 1. d. Bits, aus das tisache erhöht. Die Kafsenleiftunzen werden sich im gleichen Maße er- höhen, jedoch srüheftens vom 1. Oktober d. I. ab. Die Lohnklassen und Beiträge in der Invaliden- Versicherung bleiben bestehen. Karlsruhe, den IS. September 1023. Der Vorstand: BerwaltungSdirettiont W. Hos. I.V. Maier. Samstag, den 15. September 1923 Neu-Eröffnung Galerie km! 5 Sein Ständige Ausstellung von Gemälden erster Meister Akademiestraße 26 — Telephon 321 Abendkurs für Englisch (AnfängerKurs) beginnt am Dienstag, 18. Sept. 1923 8 Uhr abends Anmeldung bitte rechtzeitig Kaiserp^ 0, Stenographie! Neue Anfänger-Fortbildungs- u. Debattenkurse beginnen am Dienstag, den 18. September 1923, abends 1 / 2 8 Uhr. System Gabelsberger: Leopoldschule, 1. Stock, — Stenographenverein Gabelsberger — System Stolze-Schrey: a) Gartenstraße-Schule, — Stenographenverein Stolze-Schrey Karlsruhe u.Damen-Stenographen- verein, b) Leopoldschule, 3. Stock — Kurzschriftverein 05 Karlsruhe —. Honorar 10 Millionen Mark bei Beginn zu entrichten, Nachzahlungen vorbehalten. Die Arbeitsgemeinschaft. Berlitz School Lammstr.1, Ecke Zirkel Restaurant Prinz Carl I. Größtes und ältestes Sprachenlehr. Institut Englisch Spanisch. Für unsere Anfängerkurse 2 Mal wöchentlich, abends 7—9 Uhr, erbitten wir sofortige Anmeldungen?. Zurück Dr.Dreßler Westendstraße 76. leer von der Reise zurütk Massage Frieda Dörr — Friedrichsplatz 11. — Von der Reise zurück Dr. med. E. Hayerle, Facharzt für Magen-, Darm- und Stoffwechsel - Krankheiten KaiserstraBe 227, I von 9—11 und 3—5 Uhr. UMKS OBMir*SA/*eM OltNST M/T oe* UHireBAMSRKAM M»ES 8&£ Nach WORD-, ZENTRAL- UND SOD- AMERIKA AFRIKA, OSTASIEN USW. Billige Beförderung Ober deutsch« und ausländische Häfen. — Hervorragende III. 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Kurt Neufeldt, Waidstr. 39. lw M Donnerst., 20.Sept. 8 Uhr Eintracht dBr Lustiges Durcheinander zur Laute Agnes Delsarto Völlig neues Programm Bg » Kart, z. 2.-, 1.50 u. 50 N Index-Mark b?\ Jtttf Kurt Neufeldt, Waidstr. 39. MT Freitag, 21, Sept., 8 Uhr t fär Lieder- u. Klavierabend^^ S I! Liedergruppen von Schubert, Hugo Wolf, Welsmann. Klavierstücke (4 Traumspiele) v. Weismann. Karten zu 2.-, 1.50,1.- u -.50 Index-Mark bei Kurt Neufeldt, Waldstraße 39 I 1. Oktober Konzerthaus Klavier-Abend % Eugen d'Albert Begi Beginn des Vorverkaufs 24. Sept. bei Kurt Neufeldt. bei jm mW Trotz steigender Gas- und Kohlenpreise stabilisieren Sie Sen Haushalt nur durch den völlig staub- und geruchircien Jmmerbrand Patent- W die hö ^ Stets Vorf ttn der allein die höchsten Leistungen erzielt. Stets Vorführung im Brand. ^ Allelnvertr.: Karl Fr. Alex. Müller gegr. 1890 An»alienstr. 7 Tel. 1284. Etagengeschäft Ernst Junge, KaiserstraBe 79, zwischen Kronen- u. 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Eintritt: 3.—, 2.—, 1.50, 1.—, 0.50 Mk.; Multiplikator: Schlüsselzahl des Landestheaters. Kartenvorverkauf ab 17. September in der Musikalienhandlung Neufeldt, Waldstraße 39, Fernruf 2577. Abendkassen : Kleiderablagen östlich und westlich der Festhalle ab 7 Uhr. Programm mit Erläuterungen u .Texten am Saaleingang. Ende 10 Uhr. Karlsruher Iferbstuoche 21. September bis 15. Oktober 1923. Aufführungen im Bad. Landestheater — Oper (deutsche Romantik), Schauspiel, Ur- und Erstaufführungen. — Drei große Konzerte (Bach, Händel, Mozart, Mendelssohn, Reger, Pfitzner, Philipp, Grabow). — Kammermusikabende. — Kunst-, Industrie- und gewerbliche Ausstellungen. — Technische Woche mit wissenschaftlichen Vorträgen und Exkursionen. — Schaufensterschmückung. — Sport, Spiel, Turnen. — Kongresse. Auskunft und Programm: Geschäftsstelle Rathaus Karlsruhe. i!5 Schone volle Korperformen durch unsere orientalischen Kraftpillen. (Für Damen hervorragend schöne Büste). Preisgekrönt mit goldenen Medaillen u. 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In der Stadt herrschte die Epidemie. Auch Frau Pescatom war am Typhus erkrankt. Man hatte sie ins Krankenhaus gebraäit. Da der Landrat setzt sehr ruhig schlief, ging Maria auf Wunsch der Ländrätin und des Dok- tors täglich spazieren. Zauberhaft schön war zuweilen der Strand. Feiner Rauhreif hing an den Bäumen und Slräuchern der Anlagen. Jeder Halm des langen Dünengrafes schimmerte wie gesponnenes Glas. Es wurd>e früh dunkel um diese Zeit, aber die in Schneelicht getauchten Weiten des Strandes leuchteten hell genug, um alles zu erkennen. Maria erging sich oft nach der Kaffeestunde in dieser schweigenden Schnee- einsamkeit. Die Luft war so still und klar, daß das Läuten der Abcndglocken hell herübertönte. Sie hatte den Steg aufgesucht, an dem die Schifferboote anzulegen pflegten. Er war breit und ziemlich lang, und von hier aus konnte man das Spiel des Mondes auf dem Wasser befon- ders schön beobachten. In immer neuen For- men wogte die See und das Mondlicht lief hin- durch, selber wie ein flüssiges Element. Es schmiegte sich an jede Kräuselung der nimmer- müden Flut rmd tauchte die rings so weiß ver- schleierte Welt in ein märchenhaftes Licht. Aus ihrem tiefen Sinnen erwachte ste erst, als ihr Hund anschlug. Der Steg erzitterte unter einem Tritt? jemand wußte von der an- deren Seite des Strandes, die nach dem Hafen zu lag, gekommen fein. Unangenehm berührt erkannte sie jetzt den Major, der ohne weiteres herzutrat. „Sie starren in den kalten Btond nnd denken an das glühende Italien, nicht wahr?" Sein Gesicht schimmerte bleich in der gespensterhaften Beleuchtung. „Ich will wissen, wie Sie zu dem jungen Mann stehen, der hier alle Welt be- geistert, der meine Nichte aus dem Gewissen hat — und sich auch wohl tu Ihr Herz und Haus hineinmusizierte . . „Nicht weiter," sagte sie und richtete sich auf. „Es ist schlimm genug, daß ich Sie darauf auf- merksam machen muß. Sie haben nichts zn wollen, kein Recht, irgend etwas zu wissen. Aber Beleidigungen gegen einen Abweseuden weise ich zurück^ da er es selbst nicht kann." Glühend verschlang sie sein Blick. Er kannte sie nur furcht» sam und kraftlos — diese Nnerschrockenheit lähmte für Augenblicke seinen Zorn. Als sie sich anschickte, den Steg zu verlassen, vertrat er ihr den Weg. „Halt," rief er dröh- nend. „noch sind wir nicht fertig!" Ein rasender Gedanke kam ihm plötzlich, er stürzte sich auf sie, riß sie in seine Arme und drückte sie an sich Auf dem glatten Steg rangen sie miteinander. „Du sollst mein werden," keuchte er, „oder sterben mit mir." Sekunden vergingen und noch immer blieb der Kampf unentschieden . . . Beide hatten nicht gemerkt, daß Hella am Anfang des Stegi^i stand. Gierig verschlangen ihre Äugen dieses Bild. Der Hund kam heran und beschnupperte : sie. Nun spitzte er die Ohren, ein Angstruf Marias ließ ihn aufhorchen. „Allons, faß an!" hetzte ihn Hella, von einer bösen Lust an dem ganzen leidenschaftlichen Schauspiel getrieben. Der Hund jagte dahin, heulend umsprang er die ringenden Aienfchen, dacn fuhr er wie rasend auf den Major. Erst als dieser einen scharfen Biß am Bein fühlte, so daß er aufschreien mußte. ließ er von Maria ab. Sie stolperte, taumelte kopfüber in das kalte Wasser. Auch der Hund sprang hinein und schwamm aufgeregt bellend um ihre hilflose Gestalt. Hella betrat nun lang- sam den Steg. Neugier und Mitleid kämpften bei ihr miteinander. Mit einer kaltblütigen Ruhe beobachtete sie und sagte sich, daß hier noch immer Zeit fei, helfend einzuspringen- „Du bist wirklich ein nobler Mensch, das muß man sagen," fuhr sie ihren Onkel an. „Ich be- greife, weshalb man dir so früh den Abschied gab." Er stierte ins Wasser, wo Maria vergebliche Schwimmversuche zu machen schien. „So spring ihr doch nach," höhnte Hella. „Du liebst sie ja so sehr, so sehr, daß du vor einem Gewaltstreich nicht erschrickst . . . Pfui!" sagte sie und spuckte vor ihm aus — „und da sollen wir die Männer achten!" Sie hatte ihre Pelzjacke abgeworfen und prüfte das Wasser. Die See zog. und Marias Körper wurde vom Steg abgetrieben. Nur einen Au- genblick kam ihr da der verbrecherische Gedanke: „Laß sie untergehen, laß sie sterben, niemand er- fährt wie es kam — sie steht trennend zwischen dir und einem andern, vielleicht, daß. . ." aber schon breitete sie die Arme aus, wie um einen flüsternden Dämon zu verscheuchen. Im nächsten Augenblick stürzte sie sich in die Flut und schwamm Maria nach. Diese war be- sinuungslos und ließ sich willenlos fortziehen. Mit Aufbietung aller Kräfte kam Hella endlich mit der Geretteten an Land. Als Mam nach einer Weile zur Besinnung kam, blickte sie in Hellas Gesicht, erkannte sie zuerst aber nicht. „Sie müssen nach Hause." herrschte Hella sie endlich an. „Allein können Sie nicht gehen, dann und wann werde ich Sie tragen. Es ist doch gut. wenn man männliche Kraft in dem abscheulichen weiblichen Körper hat." Langsam kamen sie vorwärts. Maria versuchte, ihre Hand zu drücken, aber Hella entzog sie ihr. „Nur keine Gefühlsäuße- rangen," sagte Hella bitter, „die haben gar keinen Zweck." „O, wenn ich Ihnen doch einmal helfen könnte," sagte Maria leise, Me sind im Grund« ein so guter Mensch — wie soll ich Ihnen nur dank««!" Mittlerweile kamen sie in die Dünen. Maria war sehr schwach geworden, Hella mutzte sie mehr tragen als stützen. Mühsam arbeiteten sie sich vorwärts. An der Gitterpforte glitt ihr Maria aus den ermüdeten Armen. Jetzt erschienen die Bedienten zu weiterer Hilfe. Maria sah, wie Hella ihnen flüsternd ei- nige Anweisungen gab. Bevor ihre noch immer halb verschleierten Sinne sich dessen bewußt wur- den, war das Mädchen verschwunden. Auf den hartgefrorenen Wegen hörte man ihren schnellen, trotzigen Schritt verhallen. * In dev allgemeinen Aufregung hatte niemand daran gedacht, die Ländrätin zu benachrichtigen. Sie fing an, sich um Marias langes Ausbleiben zu ängstigen. Der Doktor war gerade erschienen und erbot sich, Nachforschungen nach Marias Verbleib anzustellen. Als er später an das La- ger Marias trat und von Line die nötigen Auf- klärungen erhielt, lag sie an allen Gliedern be- bend im Bett. Ihre Augen richteten sich sieber- glänzend auf den Arzt. Der beschwerliche Heim- weg in den nassen Kleidern hatte ihr sicherlich mehr geschadet, als das eisiae Rad. Sie drückte ihm krampfhaft die Hand und murmelte: „Der Steg war glatt, und ich glitt aus — ohne Hella Peseatore wäre ich ertrunken." (Fortsetzung folgt.) Zweites Blatt Karlsruher Tagblatt. Sonntag, den 1k. September 1823 Dr. 255. Seite 5 Zum Sonntag. »Höher empor, o Pilgrim. Höher schwinge den sehnenden Blick, Höher wage den pilgernden Schritt. Kennst du sie, die heiligen Berge, Die Berge Gottes, Bon dannen Hilse kommt InS irdische Tal?" (Gerock.) Große, erschütternde Ereignisse sind im Osten, in Japan, vor sich gegangen und haben gewiß viele tief bewegt. Wenn anch durch die große Teuerung unsere Aufmerksamkeit sehr in An- spruch genommen wird, so hat doch das unerwar. tete große Erdbeben mit seinen vielen Opfern und feinen untergegangenen Inseln eines Jeden herzliche TeilaHnie hervorgerufen. Was uns au den großen Katastrophen so sehr bewegt, ist nicht ,ium mindesten Teil die. Gemeinsamkeit des Schicksals so vieler an demselben Ort und zu der- selben Zeit. Daß bei jedem unserer Pulsschläge ein Mensch auf Erden stirbt, beunruhigt uns nicht. Aber wenn von den etwa 30 Millionen Menschen, die alljährlich an Krankheit. Alters- schwäche, durch Unglücksfälle sterben, eines Ta- ges IM WO durch einen plötzlichen Tod z u s a m - me n abgerufen werden, so sind wir entsetzt und zweifeln leicht an des Höchsten Regierungsweis- freit, während uns der Tod der in Raum und Zeit verteilten 30 Millionen keine schweren Ge- danken brachte. In Wirklichkeit lösen sich aber alle Massenschicksale von selber aus in lauter Ein- zelschicksale. Und es ist mit vollem Recht gefragt worden, ob nicht das gemeinsame Hinweggerafft- werden ans vollem Leben heraus ein leichteres Schicksal ist, als das einzelne Hinsiechen und Sterben unter Schmerzen und Sorgen, wie es so oft geschieht. Auch find in Japan Erdbeben etwas Gewöhn- liches. Ofsenbnr ist die Erdrinde, die uns trägt und uns von der Glut im Innern trennt und im Verhältnis zum Ganzen noch nicht einmal so dick ist, wie die dünne Haut, die irnter der Eierschale sich um das Ei legt, dort noch viel dünner, sodaß die Bewohner eigentlich jeden Tag auf ein Vcr- derben bringendes Ereignis gefaßt sein mußten und oft genug gewarnt waren. Abc. trotzdem werden nun viele, wie schon oft. fragen, spöttisch oder mitleidig: „Wo ist nun dein Gott?" IPsalm 42.) Aber der Glaube an eine höhere Regierung kann nicht durch derartige Bor komm- nifse erschüttert werden. Und wem der Anblick der Naturkrämpfe das Herz zerreißt, der muß die Heilung tiefer suchen, in den innersten See- lenerlebnissen. Wenn einer nichts erlebt hat von besonderen Führungen, so wird nichts ihn über- zeugen, daß der, der die Blitze zucken läßt und im Orkan daherfährt, ein Gott der Liebe ist. des- sen Weg in den Bahnen einer ewigen sittlichen Weltordnung geht. Wer ihn aber kennen ge- lernt hat, in Aufmerken und Einprägung. an seinem Walten in Leid und Freud und an seinem Herzpunkt, dem werden alle unterirdischen Feuer und die Wasser aller Fluten seinen Glauben schwerlich zerstören, und er vertraut: „Es sollen wohl Berge weichen und Hügel untersinken, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen". Aber machtvoll tritt auch ein anderes hervor: »Wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben," wie unbeschreiblich klein und ge- ring gegenüber dem Aufruhr und dem Toben der Naturkräfte, wie unbedeutend trotz aller Kunst und Kultur. Und immer wieder steigt jene uralte Erfahrung aus dem Innersten empor: „Was ist der Mensch, daß du seiner ge- denkest und das Menfchn-kind. daß du dich seiner annimmst?" Aber liebt der Meister in seinem Gemälde nur die hellen Linien und Flächen? Liebt er nicht im Blick auf das Ganze auch die dunklen, die mit- helfen müssen, den Sinn zn offenbaren? Es gibt eine Tagesansicht und eine Nachtansicht des Da-, seins. Diese sinstere Seite darf niemand leug- nen, denn sie ist da. Aber unser ganzes Wesen ist doch für die Tagesansicht vorgesehen, so wahr uns das Licht im allgemeinen und im religi- \ ösen Sinn geschenkt ist. Aus diesem Geschenke .Dieser unaussprechlich großen Gabe", nehmen wir das Recht zu sagen: „Auch Finsternis ist nicht finster bei dir und die Nachr leuchtet wie der Tag, Finsternis ist wie das Licht," denn. sagt ein Großer: „Das Dunkel liegt nicht auf Gottes Welten, sondern auf unfern Augen" „So schauet mit bescheidnem Blick Der ewigen Weberin Meisterstück, Wie ein Tritt tausend Fäden regt, Die Schisslein hinüber, herüber schießen, Die Fäden sich begegnend fließe», Ein Schlag tausend Verbindungen schlägt. Das hat sich nicht zusammengebettelt, Sie hats von Ewigkeit angezettelt, Damit der ewige Meistermann Getrost den Einschlag werfen kann." (Gothe). L .M. Die Bezüge der Geistlichen. In verschiedenen Tageszeitungen wird über die verspäteten Gehaltszahlungen an die Geist- lichen geklagt und die Schuld an der Verspätung in gewissem Umfang der badischen Regierung zu- geschoben. Hierzu wird uns durch die Presse- abteilung der badischen Regierung mitgeteilt: Die Zahlung der Bezüge der Geistlichen obliegt nach den badischen Verhältnissen in erster Linie nicht dem Staate, sondern der betreffenden Religionsgemeinschaft. Da sich diese Letzteren bis jetzt infolge des verspäteten Eingangs der allge- meinen Kirchensteuer nicht in der Lage befanden, diese Bezüge in vollem Umfang aus töten Einkünften zu bezahlen, Hat der badische Landtag auf Antrag des Staatsministeriums genehmigt, daß den Religionsgesellschaften für das Rech- nungsjahr 1923 entsprechend ihrem Bedarf V o r- schüsse gewährt werden für die ihren Geist- lichen und Beamten nach dem Vorbild der staat- lichen Besoldungsordnung zu bewilligenden weiteren Teuerungszuschläge. Diese Vorschüsse sind vom Tag der Zahlungsleistung an bis zum Tag der Rückzahlung zum jeweiligen Diskontsatz der Reichsbank zu verzinsen. Mangels verfügbarer eigener Mittel muß das Finanzministerium zur Leistung dieser Vorschüsse jedesmal die entspre- chenden Beträge beim Reich als Darlehen er- höben. Die Auszahlungen an die Religionsgemeinschaften können deshalb vom badischen Fi» nanzministerium erst geleistet werden, wenn das Reichsfinanzministerium das augefor- derte Geld bei der Reichsbank zur Verfügung ge- stellt hat. Die Anforderung beim Reichsfinanz- Ministerium erfolgte bis jetzt jedesmal mit der größten Beschleunigung^ sobald der Regierung die in Betracht kommenden Zahlen von den obe- ren Kirchenbehörden mitgeteilt waren. Auch die Ueberweisung der vom Reich zur Verfügung ge- stellten Beträge wurde immer so beschleunigt, daß die Beträge sofort nach Einkunft der Mit- teilung des Reichsfinanzministeriums über die Zuweisung des Geldes an die Kirchenbehörden zur Abhebung bereitgestellt wurden. Daß auch das Reichsfinanzministerium für die Erledigung der ihm von allen Seiten zugehenden umfang- reichen Anforderungen entsprechend Zeit benötigt, ist selbstverständlich. Das badische Finanz- Ministerium hat aber das Reichsfinanzministerium stets teils unmittelbar, teils auch durch Vermittlung der badischen Reichsratsbevollmächtig- ten in Berlin, an die Beschleunigung der Ueber- weifungen erinnert, wenn die angeforderten Be- träge wirklich einige Zeit ausblieben. Bei den drei letzten Zahlungen hat sich der Finanz- minister persönlich beim Reichsfinanzministerium um die sofortige Zuteilung des be- nötigten Geldes bemüht mit dem Erfolg, daß ihm die Anweisungen für zwei noch ausstehende Dar- lehenssorderungen ausgehändigt wurden und die sofortige Erledigung des Tags zuvor eingereich- ten Darlehensantrags zugesagt wurde. Diese Zusage ist auch durchaus gehalten worden und am letzten Samstag sind alle von den Kirchenbe- Hörden bis dahin angeforderten Vorschüsse auch an dies« überwiesen worden. Es sei ohne weiteres zugegeben, daß das jetzige System gewisse Verzögerungsmomente in sich trägt. Aber bei der gegebenen Sachlage wird daran von seilen des Staates kaum etioas zu ändern sein. Was vom Finanzministerium zur Beschleunigung geschehen kann, ist und wird auch fernerhin geschehen. Die badischen Staatsbe- Hörden kann bei etwaigen Verzögerungen in der Auszahlung keinerlei Vorwurf treffen. SaöistkePoUtik Minister Engler über den Ruhrkampf. In einer Versammlung in Freiburg äußerte Minister Dr. Engler über den Ruhrkampf nach einem Bericht der „Volksmacht" folgendes: Es drängt sich manchem die Frage aus: War dieser Kamps nicht zu vermeiden? Die Frage muß in erster Linie politisch gewertet werden, und da stoßen wir zunächst aus die Tatsache, daß in Frankreich unter der Führung von PoincarS eine Richtung besteht, die weniger auf das Geld als auf die Abtrennung der Rheinlande und des Ruhrgebietes abzielt. Selbst Ausländer, die uns wohl gesinnt sind, vertreten die Meinung, daß der Kampf not- w e n d i g w a r. um den Franzosen und der Welt zu zeigen, daß es in Deutschland keine Gebiete gibt, die von Deutschland los wollen. Auch viele Ausländer sind der Meinung, daß Poincarö und sein Anhang sich auf alle Fälle, früher oder später, einen Vorwand für den Vor- marsch geschaffen hätten, so daß wir den Kampf nur verschieben, aber nicht verhindern hätten können. Statt aber das Volk auf einen schweren, langwierigen und opfervollen Kampf vorzuberei- ten,-wurde genau wie im Kriege von einem kur- zen und sicher erfolgreichen Kampf geredet. Eng- land möchte uns wieder als sein Festlandsschwert benützen, nachdem es uns die Kriegs- und Han- delsmarine und die Kolonien genommen hat. Bei den gegebenen Machtverhältnissen hätte unser Ziel sein müssen, mit Frankreich zur Einigung zu kommen. Eine kontinentale Eini- gungspolitik hätte die Engländer mehr in Be- wegung gebracht, als das Buhlen um englische Gunst, weil England nichts so sehr fürchtet als eine Einigung zwischen Deutschland und Frank- reich. Ueber die Finanzierung des Kampfes machte man sich keine Gedanken. Man ließ Papiergeld drucken, statt Steuern zu erheben. Die „Freihckt". In manchen badischen Blättern wird sehr viel von der Unterdrückung der Meinungsfreiheit in Bayern geredet. Aber es scheint, daß wir Ur- fache haben, zunächst vor der eigenen Tür zu kehren. Ans Villingen wird ein Fall von wüstem, politischem Terror gemeldet, der aufs schärfste zu verurteilen ist, nicht aus Sympathien für diese oder jene Partei, sondern im Interesse der Meinungsfreiheit, die versassungs- rechtlich jedem Deutschen zusteht. Am 8. und 9. September fand in Villingen der diesjährige Landesverbandstag des Landes- Verbandes Südmark des Deutschnationalen Ju- gendbundes e. V. statt. Eingeleitet wurde die Tagung mit einem Bcgrüßnngsabend in der Tonhalle. Gegen 11 Uhr war die Veranstaltung zu Ende. Ungestört kamen die Besucher auS Villingen aus dem Saal heraus. Als aber die Mitglieder des Deutschnationalen Jugendbundes herauskamen und sich geschlossen in die Massen- guartiere begeben wollten, da ging ein wüstes Schreien, Heulen und Pfeifen los. Mit dem Rufe „Nieder mit dem Faschismus" stürzten sich zahlreiche Kommunisten, wohl bewaffnet mit Totschlägern, Gummiknütteln und sonstigen Mordinstrumenten auf die kleine wehrlose Schar. Die ungefähr hundertköpfige Schar des Jugendbundes bestand zumeist aus Jungens zwischen 16 und 19 Jahren und auch aus Mäd- chen. In den Straßen prasselte ein Steinregen aus den Zug herab. Steinhaufen, die in der Stadt lagen, wurden ganz abgetragen. Minuten- lang dauerte das Steinbombardement. Am Stadtende endlich gelang es dem entschlossenen Eingreifen der Gendarmerie, den Zug von den Verfolgern zu befreien. Fast alle Mitglie- der waren, zumeist durch Steinwürfe, verletzt. An die zehn Leute trugen schwerere Kopf- Verletzungen davon. Ein junger Mann aus Villingen wurde durch mehrere Messerstiche schwer verletzt. Außerdem war auch eine Menge Fensterscheiben eingeworfen. Am Sonntag durchzogen kommunistische Patrouillen die Stadt und die ganze Umgegend. Selbst der Bahnhof war von den Rotgardisten besetzt. Die Vorgänge werden voraussichtlich den Landtag bei seinem Wiederzusammentritt im Herbst befassen, da von deutschnationaler Seite im Landtag eine entsprechende Anfrage ein- gegangen ist. Zu den Lohndemonstrationen in Lörrach. Lörrach, 18. Sept. Die Arbeitgeber im ganzen Amtsbezirk werden jedem Arbeiter, gleich wel- chen Alters und Standes, 59 Schweizer Franken, das sind 1 Milliarde Mark, als Wirtschastsbeihilse auszahlen. Soweit die Fir- men schweizerisches Geld haben oder sich solches verschaffen können, erfolgt die Auszahlung in schweizer Währung, andernfalls in deut- scher Währung zum jeweiligen Tageskurs. Fer- ner sollen ab Montag in allen Berufszweigen die Löhne wertbeständig gemacht werben, d. h. sie setzen sich zusammen aus dem Grundlohn des Friedens multipliziert mit dem jeweiligen Ent- wertungssaktor nach dem Kleinhandelsindex, der von Woche zu Woche festgesetzt wird. Die Frie- denslöhne entsprechen den in den einzelnen In- dustrien üblichen Grundlöhnen. Aller Voraus- ficht nach wirb sich das Abkommen auch auf die Angestellten ausdehnen. Der neue ZZoftlarif. Es wird erhoben: Für Postanweisungen: bis 2 Mill. Mk. 190900 Mi Wer 2 „ 5 Mill. Mk. 150 009 MI 5 10 Mill. Mk. 200 000 Mk„ „ 10 „ 30 Mill Mk, 250000 Mk, „ 30 „ 50 Mill. Mk. 300000 Ml , „ 50 „ 100 Mill. Mk. 409000 Mk, „ 100 „ 200 Mill. Mk. 550000 Mk„ „ 200 „ 300 Mill. Mk. 700 000 Mk,, „ 300 „ 400 Mill. Mk. 850 000 Mk,, „ 400 „ 500 Mill. Mk. 1 Mill. Mk, vom Tausend des Scheckbetrags, für Baranszahlungen mit Postscheck 2 vom Tausend des Scheckbetrags, Mindestgebühr 100 Mk. Meist- betrag eines Postschecks 2 Milliarden Mk. Iis Bilm £# nilM Die neue Preisbildung. Der Hausfrauenbund teilt uns mit: Als vor einigen Wochen das Schlagwort von den Goldlöhnen und den mit einem Schlüssel zu vervielfältigenden Goldpreisen im Chaos unse- res Wirtschaftslebens auftauchte, erwarteten leichtgläubige Optimisten von dieser neuen Maß- nähme eine heilsame Umwälzung der Preisver- Hältnisse, zum mindesten aber ein befriedigendes Verhältnis von Einnahmen und Ausgaben. Kritisch Veranlagte erkannten zwar sofort, daß die auskömmliche Bezahlung, die jetzt auch seit- her gering Entlohnten gewährt werden sollte, zunächst eine allgemeine weitere Preissteigerung zur Folge haben müsse. Aber auch sie erwar- teten von der neuen Berechnung eine größere Sicherheit und Ruhe. Sie nahmen an, daß all- gemein der Friedenspreis den Grundpreis bil- den würde, der dann mit einem von Sachver- ständigen (Erzeugern, Vertretern des Handels usw.) bestimmten Schlüssel vervielfältigt würde. Tie bitter sind alle diese Hoffnungen getäuscht worden. Der Multiplikator erscheint zwar regelmäßig, in den letzten Tagen täglich — viel- leicht dürfen wir ihn bald stündlich erwarten. Aber der Grundpreis ist nicht etwa wie bisher im Buchhandel der Friedenspreis, sondern irgend ein Preis, der das 10—15 fache des Friedenspreises beträgt. Wir lesen an den Schan- senstern Gerste Grundpreis 2.10 (Friedenspreis 25-30 Psg., Reis 2.50 (25—40 Psg.), Knaben- anzüge 750 Jl (20—80 Jl), Ueberzieher 1100 Jl (Friedenspreis 50—70 Jl, allerhöchstens für Maßarbeit 100 .«). ©liefet 160-180.4 )10—20, 'ür allerfeinste Maßarbeit vielleicht 24 JL), Mac- l 'Rrottt, offen, 5 Jl, in Paketen 5.75 .4 (30—50 Pfennig». Wir könnten die Liste beliebig ver- längern. Was sollen nun diese Grundpreise? Glaubt man, wir hätten die Friedenspreise ver- Jessen? Wie können wir zu geordneten Verhält- uissen kommen, wenn jeder eine beliebige Zahl vervielfältigen darf? Die Preise, die auf diese Weise verlangt werden, übersteigen den Index um ein mehrfaches und müssen natürlich ein weiteres enormes Steigen aller Löhne und Ge- hälter zur Folge haben. Stadkgarten. , Dem Kopenhagen besuchenden Fremden dürste sein Bürgergarten eine der liebsten Erinnerun- gen bleiben. Die mit Anmut gepaarte Lebens- lust der Jugend erfreut sich dort oft gegen Abend wie die ruhige Würde des Alters an einem Kon- zert in dem dazu bestimmten Teil des Gartens. Es war ein schönes Bild: alle Gesellschafts- klaffen vereinigte es in seiner Harmonie. Im übrigen bildete der Garten mit seinen lauschigen Winkeln und seiner wunderbaren nordischen Flora und Fauna eine Quelle der Kraft und Erholung- — Der während des Weltkrieges unternommene Versuch, ihn über das Konzert- haus hinaus zu einem Vergnügungspark um- zugestalten, begegnete dem einmütigen Wider- stand der Bürgerschaft. Was der reichen Stadt am Meer unmöglich war, war meiner armen Vaterstadt Karlsruhe möglich: ich fand bei mei- ner Rückkehr die historische Stadtgarteneintei- luug insofern verändert, als außer in feinem vorderen nun auch in feinem mittleren Teil Musikausführungen stattfanden. Warum? Wer unbefangen die Veränderung prüft, muß in sei- ner Antwort der Ansicht des Artikelschreibers in Nr. 244 des Tagblattes beitreten. Zur städtischen Wohnungsabgabe. Von zuständiger Seite wird uns mitgeteilt: Zwischen der Städtischen Sparkasse und der Stadthauptkasse besteht eine Vereinbarung, wo- nach sämtliche roten Überweisungsscheine und Zahlungsaufträge, die znr Begleichung städti- scher Steuerschulden und sonstiger (Gemeinde- abgaben dienen, vor Verbuchung bei der Spar- lasse mit dem Eingangsstempel dieser Stelle ver- sehen, an die Stadthauptkasse täglich abgeliefert werden. Dadurch soll vermieden werden, daß durch eine etwa eintretende Verzögerung in der Verbuchung bei der außerordentlich großen Zahl solcher Aufträge eine Ueberfchreitung der festge- setzten Zahlungsfristen für den Schuldner ein- tritt. Danach ist ausgeschlossen, daß der Artikel- schreiber, der am 29. Juni bereits bei der Spar- lasse seinen roten Ueberweifungsschein abge- geben haben will, eine Schädigung dnrch die Verbuchung am 17» Juli erleidet. Sämtliche auf dem oben angegebenen Weg bei der Stadthaupt- kaffe eingereichten Ueberweisungsscheine werden oft erst 10—14 Tage später an die Sparkasse znr endgültigen Verbuchung zurückgegeben. Der Ein- sendet sagt nicht, ob die Stadthauptkasse mit einer Nachforderung von Wohnabgabc an ihn herangetreten ist. Wenn dies tatsächlich der Fall war, so hätte eine Beschwerde bei der Stadt- hairptkasse oder der Sparkasse Erfolg gehabt. Da durch obiges Verfahren bis jetzt keine Be- anftandungen entstanden sind, besteht für die Stadtverwaltung kein Grund, festgesetzte Zah- lnngstermine aus Gründen der bargeldlosen Ueberweisung zu verlängern. Was einen andern Artikel anlangt, erübrigt es sich mit Rücksicht auf das Obengesagte darauf näher einzugehen. Infolge der außerordent- lichen Ueberhäufung im bargeldlosen Zahlungs- verkehr war die Sparkasse genötigt, sich dem Vorgehen der Banken anzuschließen und die Verantwortung für rechtzeitige Erledigung der Aufträge abzulehnen. Das geschieht jedoch nicht aus Mangel an Verantwortlichkeitsgesühl, son- dern in erster Linie, um die von privater Seite an sie gerichteten, und wie eine Notiz neulich ganz richtig feststellt, meistens unberechtigten Geldentwertungssorderungen auszuschließen. Hausbesitz und Geldentwertung. Ich habe einen Laden im Zentrum der Stadt vermietet mit zwei großen Magazinen, zwei Rie- senkellern, einer Zwei-Zimmeriwohnung mit Küche an eine größere Firma. Dieselbe hat selbstverständlich einen Berechner, der mir jede Differenz, die sich durch meine Berechnung er- gibt, und wenn es nur 200 Mk. sind, aufs Messer bestreitet. Die letzte Monatsmiete wollte be- treffende Firma allein berechne» und ließ zu diesem Zweck Formulare drucken, die sie an ihre Vermieter entsandte. Da die Firma meine Un- terlagen durch mehrfache Streitereien bereits im Monat Juli erhalten hatte, sah und sehe ich nun bereits Wochen meiner Miete entgegen. Durch mehrfache Besuche meines Architekten auf dem Büro der Firma, durch mehrfaches Tele- phonieren an diese bin ich heute in der glücklichen Lage, 200000 Mk. AbschlagSzaHlung versprochen bekommen zu haben (meine Forderung macht 218006 Mf„ ohne die angelaufenen Zinsen), diese 200 000 Mk. dürften gestern einibezahlt wor- den sein, sind aber noch nicht auf mich uberw-ie- sen. Gestern morgen kommt die Wasserrechnung mit 4 Millionen Mk., die ich innerhalb 8 Tagen zu entrichten habe. Ich frage mich, wer hilft den unterdrückten Hausbesitzern? fr. Der Ilolgeldschwindel. Sie haben ganz recht, daß auf diesen Schwindel sowie Falschmünzerei die Todesstrafe gehört. Aber bei uns in Deutschland ist bald alles er- laubt. Demokratie ist bei uns gleichbedeutend mit: Jede Gaunerei ist erlaubt. Man lese da- gegen die Banknoten der kepublique Francis«: „Quiconque contrefait des billets de banque. sera, puni de travaux force ä perpetuite. Also lebenslängliche Zwangsarbeit für solche Gauner. Und bei uns, Zuchthaus nicht unter zwei Jahren. Jedes weitere Wort überflüssig. S. Ileberstundenvergutung der Beamten. Der Schreiber dieser Zeilen erhielt am 5. Sep- tember von der Landeshauptkasse sür 1« im Mo- nat Juli erteilte Gesangstunden an einer Höbe- ren Lehranstalt den Betrag von 270 000 Mk. üiberwiesen. Also für 16 Stunden einen Wasser- weck. In einem Fabrikbetrieb erhielt kürzlich die Arbeiterschaft ihren Wochenlohn K Stunde zu spät, w6il die Millionen nicht aufzubringen waren. Der Betriebsrat erklärte darauf der Firma, wenn die Verzögerung wieder vorkomme, werde eine Ueberstunde berechnet. Im ganzen Lande beklagt man das Elend der Ueberstundengeber schon monate-, fast jahrelang. Wenn der Arbeitgeber Staat so skrupellos ist, den Beamten nach einer riesigen Entwertung mit kalter Miene das zu geben, was sie vor zwei Monaten zu bekommen hätten, so darf man wohl von übertriebenen Forderungen dieser Beam- ten (und das sind taufende) *icht mehr sprechen, sondern von großer Geduld und Langmut, ja fast von einem Dauerschlaf. Man bezahle die Ueberau den überhaupt nicht mehr, dann erspart uns der Arbeitgeber vielen Verdruß. Für 16 Arbeitsstunden mit 60 Kin- dery am 5. September 270 000 Mk. Ar. 255. Seite 0 Karlsruher Tagdlatt. Sonntag, den 18. September 1923 Zweites Dlatt Schlüsselzahlen des IS. Sept. Badisch«r Einzelhandel: 3 700 Ott) lBortag ■2 700 000). Karlsruher Teuernugszahl (mit Bekleidung): Stichtag 10. Sept. 5288 879 (Sßorro. 1888 130). Badische Teuernngszahl söhne Bekleidung): Stichtag 10. Sept. 4*014 444,49 (Bormoche 1 548 659,4). Reichen dexzisscr: Stichtag 10. Sept.: 5061 046 Vorwoche 1845 261). Grotzhandels-TcuerungSzahl: 4.-11. September 11513 231 lBorwoche 2 981 532). Goldzollaufgeld: 15.-18. Scpt. 1389 999 900 Pro- zent lBovwoche 245 359900 Prozent). Schlüsselzahl des badischen Gastwirteverbandes: Iahreschetrivbc- 7 500 000. Saisonbetriebe: 8 000 000. % Liter Weihwein mit Getränke- steuer 3 000 000, Rotwein 4 000 000. Eisenbahn. Personenmris: 1,5 Mill. sab 18. Sept. 9 Mill.), (Mtertarife: 4,5 Mill. sab 18. Sept. 18 Mill.). Badisches Landestheater: 2000000. Aus Gaden Wiesloch, 15. Siept. Im Bürger aus- schuh wurde der Gemeindezuschlag zur Grund, erwerbsstener von 2 auf 4 Prozent erhöht. Die Gemeinde übernimmt die Bürgschaft für eine Anleihe der Ortskrankenkasse von 150 Mill. Einstimmig wurde eine Erhöhung der Vergnüg,unssteuer beschlossen. Die städt. Klein- kinderschule soll von der cvang. Kirchengemeinde übernommen werden. = Mannheim, 15. Sept. In einer der letzten Nächte wurden bei einem Einbruchdiebstahl aus einem Lager Süßigkeiten und Schokolade im Wert von Über 6 Milliarden gestohlen. — Die Mannheimer Straßenbahn hat den Fahrpreis für die kürzeste Strecke ans V/» Millionen festgesetzt. = Baden-Baden, 15. Sept. In Mannheim wurde kürzlich ein Dollarschwindler verhaftet, der auch in Baden-Baden aufgetreten ist. Er nannte sich hin v. Röstli und hatte mit ge- fälschten Schecks Kuustgegenstä»rdc im Wert von über 1 Milliarde Mark erschwtdelt. Die Münch- ner Polizeidirektion erhielt eine Personenbe- schreibung des Betrügers, aus Grund deren ein Münchner Kriminalbeamter den jungen Mann erkannte und ihn in einem Hotel festnehmen konnte. Dort hatte er sich unter dem Namen v. Renonard angemeldet und bezeichnete sich »Sekretär der Deutschen Botschaft in Washing- ton." Der Verhaftete ist ein Wjährlger Kauf- mann aus Baden und war vor 5 Monaten unter Hinterlassung einer größeren Schuld aus dem Elternhaus geflüchtet. Seitdem verübte er Scheckbetrugcreien großen Stils in verschiebe- nen Städten. Er hat gefälschte Schecks tu der Höhe von 1400 Dollar uwd 1000 französischen Franken ausgestellt und dafür Waren. Haupt- sachlich Edelmetalle, bezogen, die er wieder ver- äußerte. - Kehl, 15. Sept. Wegen Butterschmug- g e l s wurde eine hier wohnhafte Frau Bau- mann, geb. Strehle, zu einer Geldstrafe von einer Milliarde verurteilt. = Lahr, 15. Sept. Das neue Gymna- s i n m s g e b ä n d e ist nunmehr bezogen u. der Unterricht in den neuen Räumen bereits auf- genommen. X St. Georgen i. Schivarzw., 15. Sept. Auch hier soll in den Maschinen- uwd Schrauben- sabriken sowie in den kleineren Betrieben ver- kürzte Arbeitszeit eingeführt werden. Freitag und Samstag ist jeweils Ruhetag. Die Uhren- sabriken sind noch voll beschäftigt. X Freiburgj i. Br., 15. Sept. Mit Wirkung vom 14. September ab kostet die Etnzelfahrt auf der Straßenbahn 500 000 Mark, Fahr» sch«inhefte für 10 Fahrten 3 300 000 Mark und für 5 Fahrkarten 1700000 Mark. X Vom HAlental, 15. Sept. Beim Abstieg von Albersbach nach Posthalde find am Sonn- tag abend ein Tourist u. eine Touristin a bge» stürzt. Sie verfehlten in der Dunkelheit den Wog und stürzten über eine Felswand mehrere Meter tief hinab. Die Dame erlitt nur unbe- deutende, ihr Begleiter dagegen sehr schwere Verletzungen. Vorbeigehende Touristen brach- ten die beiden nach Posthalde. Der junge Mann, der ohnmächtig war, mußte mittels Tragbare dothin geschafft und mit einem Auto nach Frei- bürg überführt werden. X Geislingen sA. Donaueschingen). 15. Sept. Die hiesige Stadt läßt znrzeit KanalisationS- arbeiten ausführen. Hierbei hat man fünf alte Grabstätten sowie bedeutend« alemannische Reste gefunden, bei welch letzteren eS sich allem Anschein nach um eine uralte alemannische Sie» delung handelt. Bei den Gräbern wurde außer zahlreichen zumteil noch gut erhaltenen Knochen auch ein stählernes Schwert gefunden. Verschiedene Sachverständige sind damit beschäftigt, näheres über die für die Frühgeschichte der Baar bedeutsamen Funde festzustellen. X Villingen, 15. Sept. In der letzten Bürger- aus-schußsitzung kam die Frage der Anstellung einer Hilfskraft für den Bürgermeister als S. Bürgermeister zur Sprache, da der Bürger- meister mit Arbeiten überaus stark belastet ist. Während die Sozialdemokraten und die Demo- traten der Frage grundsätzlich sympathisch ge- gen überstehen, lehnte die Zentrumsfraktion die Angelegenheit ab, die nunmehr einer Kommis- sion zur Weiterbearbeitung unterbreitet werben soll. - Stockach. IS. Sept. In Nenzingen ist der 12jährige Volksschüler Alfred Walther vom Heuboden abge stürzt. Er hat beide Arme gebrochen und eine starke Gehincrschgtterung erlitten. X Singen a. H., 15. Sept. Am Donnerstag abend gegen 11 Uhr brach in einem Lagerschup- pen der Baufirma Simon 5c Co. Feuer aus, das sich sehr schnell ausbreitete und in dem vorhandenen Baumaterial wie Holz, Dach- pappe usw. reiche Nahrung fand. An eine Bergung der wertvollen Materialien konnte nicht mehr gedacht werben, der Schuppen ist vollständig niedergebrannt. Die Ursache des Brandes steht noch nicht einwandssrei fest, doch vermutet man Brandstiftung. Klus üemStaöttteise Au» der Stadtratssitzung vom 13. Sept. 1323. Spenden. Generaldirektor Dr Gustav Dö- d e r l e i n hat aus Anlaß seines 60. Geburtstages dem Oberbürgermeister zur Unterstützung hilfs- bedürftiger Angehöriger der freien Berufe eine Spende im Werte von 5 Milliarden Mark über- reicht. Ter Stadtrat dankt ihm für dieses hoch- herzige Geschenk herzlich. — Von einer seit kur- zem in Amerika weilenden früheren Karls- ruherin sind dem Oberbürgermeister 20 Dollars zur Unterstützung Hilfsbedürftiger zugegangen. Gutscheine zum Voranskaus von Gas und Ztrom. Um den Gas- und Stromabnehmern die Möglichkeit zu geben, sich vor den Preis- erhöhungen für Gas und Strom infolge der Geldentwertung zu schützen, wird das G.W.E.A. Gutscheine, lautend aus eine bestimmte Menge Gas und Strom ausgeben. Als Preis dieser Gutscheine gilt der zurzeit des Kaufs gültige Gas- und Strompreis. Sie werden bei Zah- lung der Gas- und Stromrechnungen sür die Gas- und Strommenge, auf die sie lauten, in Zahlung genommen, gleichgültig welcher Preis der Rechnung zugrunde gelegt ist. Der Voraus- kauf von Gas und Strom, der auf diese Weise möglich gemacht wird, bietet sür die Abnehmer die Gelegenheit zu wertbeständiger Anlage. Das Nähere wird noch bekannt gegeben. Tariferhöhungen bei der städtischen Straßen- bahn nnd der Karlernher Lokalbahn. Zur Dek- kung der durch die sortschreitende Geldentwer- tung dauernd steigenden Betriebskosten werden die Tarifsätze der städtischen Straßenbahn mit Wirkung vom 15. September 1923 durchschnitt- lich um 665-! Prozent nnd mit Wirkung vom 18. September 1923 um weitere 50 Prozent er- höht. Bei der Karlsruher Lokaloahn werden aus den gleichen Gründen die Tarife mit Wir- kung vom 15. September 1928 an verdoppelt. Zugleich wird der Betrieb derart eingeschränkt, daß nur noch je zwei Züge am Vormittag und Nachmittag gefahren werden, die den Arbeiter- verkehr von nnd nach Durmersheim vermitteln. Kindererholnngsfiirsorge. Dem Verein „Iu- gendhilse" wird ein Vorschuß von zusammen 1680 Millionen Mark zur Deckung der Verpsle- guugskosten für in den Ferienheimen Langen- brand und F^iedeniveiler unterzubringende wei- tere 66 erholungsbedürftige Schulkinder gewährt. Karlsruher Herbstwoche. Orgelkonzert in der städtischen Festhalle. Die Stadtverwaltung veranstaltet am Freitag, den 21. September d. I., anläßlich der Eröffnung der Karlsruher Herb st woche in der Festhalle ein Orgel- und Chorkonzert, bei dem u. a. der weitbekannte Orgelmetster und Kom- ponist Franz Philipp aus Freiburg i. Br. mitwirken wird. Neben Werken von Bach. Hän- del, Mozart. Reger — in zweien hat Frau Kam- mersängerin Hedi Jraeema Brügelmann Sopran-Solopartien übernommen — werden Philippsche Kompositionen zum Bortrag gebracht werden. Besonderes Interesse wird auch die Ausführung der sieben A-capella-Chöre erwek- ken. die Philipp im letzten Jahre geschaffen hat, und die überall begeisterte Aufnahme gefunden haben. Die Chöre, die im Kammermusikstil ge- schrieben sind und sich durch wundersame Ton- särbung, Natürlichkeit und Wärme auszeichnen, gehören zweifellos zu den bedeutendsten Schöp- snngen auf dem Gebiet des gemischten Chor- gesangeS. Der Vortrag der Chöre erfolgt wie- der durch den K i r ch e n ch o r St. B o n i f a z. Das Konzert verspricht sonach in jeder Richtung einen hohen künstlerischen Genuß. Der Karten- Vorverkauf bei der Musikalienhandlung Kurt Neufeldt beginnt am Montag. Unsere Bilder im Schaufenster: Das Wal- chensee-Kraftwrrk, das größte Kraftwerk Deutsch. landS. — Der jüngste Segelflieger der Welt. — Der größte deutsche Passagierdampfer. — Aus dem Lande der Märchen. — Von der Leipziger Herbstmesse. — Schwimmende Häuser. — Das erste Turmbarometer — Die Beisetzung des Präsidenten Harding. Politische Bazillenträger. Wie immer in Zei- ten vaterländischer Not und persönlicher Be- drängnis schwirren auch jetzt wieder Gerüchte durch die Straßen, die entweder von solchen, die bewußt verwirren wollen, ausgesprengt werden oder von Kritiklosen, die ihre Weisheit aus Straßen- und Straßenbahngesprächeu schöpfen, wo sie irgend etwas aufgeschnappt haben, weiter- getragen werden. Die erbärmlichen Hetzer und die unvernünftigen Klatschbasen gehören an den Oranger. da beide verdienen, daß sie sür ihr reiben zur Verantwortung gezogen werden. Jeder hat heute die Pflicht, irrsinnigen Gerüch. ten. von wo sie auch kommen, entgegen zu treten. Tragen, die Gerüchte deutlich erkennbar den Stempel der Lüge und einer bestimmten Ten- denz an der Stirn, so scheue man sich nicht, den Verbreitern rücksichtslos zu Leibe zu gehen und die politischen Bazillenträger zur Anzeige zu bringen. Ein Polizeierlaß hat bereits vor einiger Zeit mit 'klaren Worten gesagt, wie die Behörden sich zur Verbreitung solcher Gerüchte stellen. Nnr schnelles und energisches Durch- greifen kann helfend wirken,- falsche Rücksicht- nähme auf den Einzelnen würde zur Rücksichts- losiakeit gegenüber der Gesamtheit werden. Erhöhung der Schlüsselzahl i„, Eisenbahn- Personenverkehr. Vom 13. September 1923 an wird die Schlüsselzahl für den Personenverkehr der deutschen Reichsbahn von 1,5 auf 9 Millionen erhöht. Die bei den Stationen ausgehängten Umrechnungstafeln sind für eine Schlüsselzahl von 4,5 Million?» berechnet. Die diesen Tafeln entnommenen Fahrpreise sind daher zu verdoppeln. Mit Fahrkarten, die in der Zeit vom 15. bis 17. September gelöst sind, kann die Fahrt au einem beliebigen Tag innerhalb der Mtägigen Geltungsdauer, also gegebenenfalls auch noch nach dem IS. September angetreten werden. Das gleich gilt für Doppelkarten un-d Fahrkarten zur Fahrt in umgekehrter Richtung, anch für Be- förderungSscheine, für Schulsahrkarten usw. Eine Verlängerung der 4tägigen Geltungsdauer dieser Fahrausweise tritt durch diese Maß- nähme nicht ein. Zur Entlastung der Schalter am 17 September werden alle vom 15. bis 17. September gelösten Fahrkarten mit dem 17. September abgestempelt. Sie gelten also ansnahms- loS bis 20. September nachts 12 Uhr. Für den Schalterdienst und die Reisenden selbst ist dt ba= her vorteilhaft, wenn diese mit der Vorlösung der Fahrkaten nicht bis zum 17. September zu- warten sondern die Karten schon ab 15. Septem- ber lösen. Fahrkarten zum jetzigen Preis wer- den nur bis zum Schluß der Schalter am 17. Sep- tember, also spätestens bis nachts 12 Uhr dieses Tages ansgegegeben. Nene Ermäßignngsätze für den Lohnabzug. Die ab 1. September in Kraft gesetzten Ermähi- gungssätze für den Lohnabzug sind durch die Geldentwertung bereits wieder überholt. Das Reichsfinanzministerinm hat sich deshalb ent- schlössen, zum 15. September eine weitere Er- höhung der Ermäßigung eintreten zu lassen. Es ist beabsichtigt, die bisherigen steuerfreien Beträge zu verdoppeln, so daß künftig ein Ein- kommen von rund 170 Millionen Mark im Mo- nat auf einen verheirateten Steuerpflichtigen mit zwei Kindern steuerfrei bleibt. Badischer Iugeudtag der Volkspartei. Die Jugendgruppc der Deutschen Volksvartei ver- anstaltet am heutigen Sonntag im Saale des evang. Vereinshauses Blücherstr. einen Badi- scheu Jugendtag. Der Anlaß zu dieser Veran- staltung ist die Bildung eines Arbeitsaus- schusies, serner soll sie die enge Fühlungnahme der einzelnen z. Zt. bestehenden Gruppen und die Gründung neuer Jugendgruppen herbei- führen. Die Festrede hält Landtagsabg. Prof. Weber. Zur Berfchönerung der Feier wer- den Lieder- und Musikvorträge, Rezitationen, ein Theaterschwank etc. beitragen. sSiehe An- zeige in der Samstagausgabe^. Opfer der Zeit sind die gewaltigen Eichen, die im Laufe der letzten Wochen im Sallen- Wäldchen gefällt worden sind. Ein volles Dnt- zend dieser uralten Baumriesen hat man in dem kleinen Wäldchen, der Lunge der Südstadt, umgelegt und damit dem Staat, dem das Sallen- Wäldchen gehört, einige Milliarden zugeführt, die Stadt Karlsruhe aber um eine Sehens- Würdigkeit ärmer gemacht. Diese Eichen, deren gewaltige Stämme mit Donnerkrachen zur Erde stürzten, gehören zu den letzten Ueberbleib- sein einer Zeit, in der es noch keine Stadt Karlsruhe gab und das Sallenwäldchen noch einen Teil des Hardtwaldes bildete, in dem die Markgrafen von Baden-Durlach ihre ergiebigen Jagden abhielten. Mit besonderem Stolz haben unsere Lehrer bei Behandlung des Stos- ses Heimatkunde ihr« Schüler aus diese uralte Bäume hingewiesen, als eine Sehenswürdig- keit, an der auch die vom Bahnhof kommenden Fremden nicht achtlos vorübergegangen sind. ES ist ja nicht zu bestreiten, daß einige dieser alten Eichen morsch und hohl waren: andere dagegen waren noch kerngesund, bis zu den Wurzelstöcken, die von fleißigen Bewohnern der Südstadt jetzt abends mit vieler Mühe stück- weise aus 'dem Boden gehackt werden, da das Sprengen der Wurzelstöcke im Sallenwäldchen verboten ist. Die Not der Zeit brachte es mit sich, daß sich beim Vollzug des Todesurteils an den dem Tode geweihten Elchen zahlreiches Publkium sich ansammelte, aber nicht nur als müßige Zuschauer, sondern in der Absicht, mög- lichst viel von den Spävnen. Splittern. Aesten nnd Zweigen zu Brennmaterial zu erhaschen. Mit Hammer und Stemmeisen wurden sogar jedes Stückchen Rinde abgetrent, so daß die alten Eichen setzt nackt und bloß daliegen und das Sallenwäldchen mit dem herben Dnft ihrer Gerbsäure durchfluten. Das Bad. Gesetz, und Verordnungsblatt Nr. 57 vom 14. September hat folgenden In- halt: Verordnungen und Bekanntmachung des Staatsministeriums: den Vollzug des Gesetzes gegen die Kapitalflucht: die Führung akademi- scher Würden: Erhöhung des TeuerungSzu- schlages vom 1. und 17. August 1923 an: deS Finanzministers: Dienstreisekosten: des Mini- steriums des Innern: die Arzneitaxe: staatliche Prüfung von Krankeupflegepersonen. Das ReichsgefeAdlatt Nr. 82 vom 11. September hat folgenden Inhalt: Gesetz über Abände- ruug des Gesetzes über die Ausprägung von Er- satzmünzen vom 2. Februar 1923. Fünfte Er- gänzung der BefoldnngSvorschriften. Bekanntmachung über die Berechnung des Jahres- arbeitsverdienstes in der Invalidenversicherung. Znm Mord in der Durlacherstraße. Die seiner- zeitige Aufhellung des Mordfalles in der Dur- lacherstraße wurde mitgeteilt, ist aber in ihren Einzelheiten bis heute nicht bekannt geworden. Der Arbeiter R e i t h e r, der hier in der Grenz- st raste wohnte, hat bekanntlich »m 4. Juli die Frau des Kaufmanns Fuchs durch einen Stich iu die Schlagader so schwer verletzt, daß die Frau baldd arauf gestorben ist. Nach der Tat wurde Reither von einem Bewohner der Durlacherstraße einige Augenblicke festgehalten, konnte aber dann doch entwischen, weil er glaubhaft machte, daß nicht er. sondern ein anderer die Tat begangen habe. Die Polizei nahm darauf in umfangreicher Weise die Zeitungen in Anspruch, ließ sofort Bilder herstellen und avisierte die Po- lizeibeliörden in der Umgegend. Diesem Eifer, aber auch einem glückliche» Zufall ist es zu dan- ken. daß Reither sehr rasch gesaßt wurde. Er hatte sich eine Fahrkarte nach Frankfurt gelöst, wlcher Weg der Polizei bald bekannt wurde. Einer Frau, die in Hanau wohnt, und hier in dmfelben Hause, in dem Reicher bei seinem Groß- vater wohnte, ein Kind untergebracht hatte, gebührt das Verdienst, daß der Verbrecher so schnell gefaßt wurde- Reither war dieser Frau bekannt und er begab sich, nachdem ihm die Met- tel ausgegangen waren, nach Hanau in der Meinung. daß die Frau noch nichts von der An- gelegenheit wisse. Deren Mann hatte aber für- sorglich zu seiner Frau gesagt, wenn Reither ja sich einfallen lasse» sollte, nach Hanau zu kommen, so solle sie sofort die Polizei verständige». Plötz- lich nachts tauchte Reither tatsächlich bei dieser Frau auf und glaubte hier Unterkunft finden zu können. Die Frau tat. was ihr Mann, ein Elfenbahnbeamter. geraten hatte: sie empfahl Reither, sich der Polizei zu stellen, da sie schon durch die Zeitungen erfahren hatte, welchen Ver- brechens er sich schuldig gemacht hatte. Reither versprach bann auch, sich freiwillig stellen zu wollen. Andern Tags nach diesem Vorfall in der Frühe begab sich die Frau auf ein Polizei- revier und machte Anzeige von dem Vorfall, ja» dem sie mitteilte, daß Reither sich in Hanau aus- halte. Beim Hinausgehen aus dem Polizeirevier sah sie zufällig Reither mit einem Mäd- chen in der Näh« des Polizeireviers stehen, wor- auf sie zurückging und ihre Wahrnehmung mit- teilte. Die Polizei konnte daraufhin den Ber- brecher festnehmen, der nun setner Bestrafung vor dem Karlsruher Schwurgericht entgegen- sieht. Ueber die Motive, die Reither zu der Tat veranlagten, gibt er an, daß er sich bei Frau Fuchs ein Paar Stiefel hätte kaufen wollen, und dast er, als die Frau ihm einen Preis von 80 000 Mark nannte, in äußerste Erregung ge-- raten sei. Er habe daraus die Fau mit einem Messer gestochen, was deren Tod herbeiführte. Die Wncherpolizei brachte zur Anzeige: zwei Ladeninhaber wegen Vergehens gegeu die Preisaushangverordnung und einen Landwirt wegen übermäßiger Preissteigerung mit Kar- tosfcln, ferner wurde am 11. d. Mts. die Händ- lerin Rosa Weltin. geb. Huber, Karlstr. 2b, vom hiesigen Marktgericht mit 30 Millionen Marl bestraft, weil sie Zwetschgen für 250 000 .K pro Pfund verkauft hat, obwohl der angemessene Preis hierfür nur 220 000 Jl betragen hat. Festgenommen wnrdea: Ein Packer von Wal- schenberg, weil er Handel mit Gold ohne Er- laudnis, ein Schlosser von Gengenbach, ein Mechaniker von Gernsbach, ein Färber und ein Schlosser von hier wegen Widerstands gegen die Staats.iuTOmU. Veranstaltungen. Dr. Lomer. der bekannte Okkultist, hält Montag, den 17. September, feinen Vortrag über das Thema „Tote, die wiederkehren". Seine Vorträge erregen überall be- rcchtigtes Auffehen nnd ungeheuren Andrang- Au» bei uns gibt sich lebhaftes Interesse kund. Karten Im Borvcrkaui bei Kurt Nenseldt und an der Abendkasse im Eintrachtsaal. Elisabeth Moritz. deren Abschiedsklavierabeud vor der Abreise nach Amerika kommenden Dienstag. 18. Sev» tember, abends 8 Uhr, im Eintrachtlaale stattfindet, hat eine interessante Novität tu ihr Programm aufgenom- men: die Toccata tn D-Dur Ov. 2 von Kranz Philipp, dem Kreiburger Komponisten, dessen Orgelvorträge die Karlsruher Herbstiowoche erössuen werden. Ariuletn Moritz bat diese Toccata am Ii. Dezember 1921 in Srei- bura zur Uraussührung gebracht. Karten bei Kurt Neufeldt und an der Abendkasse. Lustiges Durcheinander zur Laute wird nächsten Don- nerstag, den 20. September. Agnes Delsarto wteder nach Karlsruhe bringen. Zweimal hat sie bereits mit beispiellosem Erfolg ihr erstes Programm zum Bortrag gebracht, nun wird sie ans ihrem große» Liederschatz eine völlig neue Vortragskolge darbieten. Jeder, der dies einzigartige Menschenkind gehört und gesehen bat. wird Donnerstag wieder kommen und alle Freunde und Bekannte mitbringen. Kurt Nenfeldt besorgt den Bor- verkauf. Konzert «erena—WeiSman». Freitag, 21. September, wird im Eintrachtsaale «ine jugendliche Sopranistin »u kören sein, der glockenhelle Reinheit und Weichheit der Stimme, untadelige Koloraturen und Mühelosigkeit der Tongebung nachgerühmt werden. Wir scheinen es mit einer bedeutenden Sängerin zu tun zu habe», da kein weringerer als Julius W e i s m a n n . der be. rühmte Sreibnrger Tonktinftler, den Klavierpart über- nehmen wird. Karten bei Kurt Neufeldt. Kntlichtkviele in Ettling«». Rei der heutigen Auf» führung deS Peter Sauenz wirkt neben den in bester Erinnerung stehenden Darstellern des ..Henno" auch da« Künttlerpaar Kögel- durch heitere Lautend»«»« mit. Standeevuch-Auvzüge. Todesfälle. 14. Sept.: Luise Sies. alt 78 Jahre. Witwe »es Zimmermanns Jakob SieS: Sigmund Hausmann, Käufmann, ledig, alt 86 Jahre! LIlli, alt IS Jahre. Pater Fr,. Einig, Kaufmann: Sn- fanna Kuhn, alt 74 Jahr«. Witwe des Schneiders Wilhelm Kuhn. — Charlotte v. Ehr, alt 64 Jahre, Witwe des MintfterialsekretärS Adolf v. Ehr. \ VomWettrr Wetternachrichtendienst der Badischen Landes» Wetterwarte Karlsruhe. Samstag, de» 15. September 1921. Während das Hochdruckgebiet nach Osteuropa zurückweicht, hat sich das westliche Tiefdruck- f biet weiter über Mitteleuropa ausgebreitet, aher ist auch im westlichen und südlichen eutschland Trübung eingetreten, und es wer- den bald Niederschläge fallen. Unter dem Ein- fluß stärkerer westlicher Luftströme ist nun küh. leres, meist regnerisches Wetter zu erwarten. Wetterauosichten sür S»n»tag, 1«. September: Meist trüb, zunehmende Niederschläge, kühler, ausfrischende westliche Winde. Nhein-WasserstLnde morgens ß 116t: 15- September Z4. September StliuNerinsel . 1,05 m Kehl ä.W "i Maxau .... 8.60 m W .... — m mittag« II Uhr 3,«5 m Tagssanzeigev Gonutv. ten 16. »evtember 1(28. Bad. Landestheater: .Die Meistersinger von Sltirnberg". abend« S bis 1V Uhr. Städt. Konzertbaus: „Die verlorene Tochter", abends 7 VIS nach Mg Uhr. Kunstausstellung: Wtorgenseier, vorm. 11 Uhr. Stadtgarten: Konzerte, vorm. 11 Uhr im siid- ltchen Teil: nachm. '44 Ubr Streichkonzert im südlichen Teil: abend« *8 Uhr im südlichen Teil. Ev. Südstadtkirchcnchori Konzert in der e». Stadtkirchc, nachm. 4 Ubr. Deutsche BolkSvartei: LandeSjugendtag im ev. ÄereinShauS Blücherftraße, nachm. Uhr. Wiener Hof: Konzert der 1. Karlsruher Stim- mnngSkavelle. Sreilichtsptele in Ettlingen: »Peter Sauen»", nachm. VA Ubr. Sreilichtspielc in Durlach: „Der Spiel« mann", nachm. 3 Uhr. S C. Mtihlburg: 1. Mannschaft gegen Sv Cl. Stutt» gart, nachm. W Uhr auf dem Miihlburger Platz. S.B. Beiertheim: Pokalspiel gegen Srankonia, nachm. 3 Ubr hinter dem Hauptbahnhos. K.K.B.: 1. Mannschaft gegen F.E. Baden 1. Mann- schast, oorm. },11 Uhr im Sasanengarten. M.T.B.: Hand- und »anstballtnrnier. vorm. 8 6t# 12 Uhr und nachm. 2 bis 7 Uhr auf dem Verein«- platz: abends 8 Uhr Bunter Abend im BereinShau«. B. s. B.: 1. Mannschaft gegen Südstern KarlSruv« l> nachm. Ii5 Uhr, Beweg.-Platz, 3,15 m 3,67 m •Intf waltteriHimt »ntf un«rr«l«M J«d»rW»j«n trügt dl* F»brikm«rka; fr»—*' Ueberau «rbWtiich ■ ' ' ■- Zweites Blatt Karttruher Tagblatt, Sonntag de» 16. September 1923 Nr. 855. Seite 7 Mrtschafts-unö H anö els-Mtung Wirtschaftliche Rundschau. Goldwährung. — Außenpolitik. — Ruhrkampf. — WSHrungsziele. Man ist in der Öffentlichkeit vielfach ent- täuscht darüber, daß die Verhandlungen über die Schaffung der netzen Goldwährung nur recht langsam vorwärts schreiten. Wenn man die zahlreichen Berichte über die Debatten in den zahlreichen Ausschüssen liest und von den verschiedenartigen Vorschlägen und Pro- jekten hört, die immer wieder neu in die De- batte geworfen werden, gewinnt man leicht den Eindruck, daß die Währungsfrage noch immer aus dem Stadium der Erwägungen nicht hin- ausgelangt sei. Das ist umso beunruhigender, al» der Zusammenbruch der Papiermark von Tag zu Tag ungeheuerlichere Formen annimmt, die phantastischen Devisenkurse zeigen, daß die Mark eben überhaupt ihre Kaufkraft so gut wie völlig eingebüßt hat. Die Wirtschaft kann aber ohne einen brauchbaren Wertmesser eben- sowenig längere Zeit hindurch existieren wie ofjrae Zahlungsmittel. Das Goldwährung'sprob I em erfordert daher dringend eine sofortige Lösung, und die Eni- fcheldung über das zu leistende Aufbauwerk darf nicht mehr hinausgeschoben werden, Auf der anderen Seite kann man eine Goldwährung nicht über Nacht aus dem Boden stampfen. Die Regierung Ätresemann hat nickt nur in der Außenpolitik eine hoffnungslos verfahrene Situation vorgefunden, sondern auch aus wirt- fchiaftlichem und finanziellem Gebiet ein Chaos, in dem jeder feste Kern fehlte, um den sich eine vernünftige Lösung der Probleme hätte bilden können. Wr den notwendigen Uebergang zu einer neuen Goldwährung waren alle theoreti- ich«, und praktischen Vorbereitungen unter- lassen worden. Auf diesem Gebiete hat die jetzige Reichßregierung inzwischen bereits außerordentlich schwierige, aber auch fruchtbare Borarbeit geleistet. Aber ihre Tätigkeit wird erschwert und ihre Verantwortung erhöht, weil jetzt alles überhastet werden muß und die folgenschwersten Entscheidungen innerhalb we- Niger Tage, ja oft weniger Stunden, getroffen werden müssen. Man kann heute bereits deutlich erkennen, wohin nach dem Willen der ReichSregierung auf dem Gebiete der Währungspolitik die Reife gehen soll. Die Goldnotenbank wird in aller- nächster Zeit ins Leben treten. Die Garantien sür die Wertbeständigwit der auszugebenden Gvldnoten werden aber voraussichtlich nicht auf dem Wege freiwiller Devisenhingabe allein herbeizuschaffen sein. Ein Abgabezwang wird «MW zu umgehen sein. Der neue Kommissar für Devisenerfassung hat durch seine Berorö- nung iber die Anmeldepflicht für Edelmetalle bewiesen, daß er mit der nötigen Energie und Rücksichtslosigkeit an seine verantwortnngSreiche Aufgabe heranzugehen entschlossen ist. Die Reichsbank scheint sich in neuerer Zeit der von der Regierung verfolgten Währungspolitik eifriger als bisher anzuschließen. Wenigstens läßt die Ankündigung, daß die Eröffnung von Girokonten, die auf Kontomark im Be- trage von einem Zehntel Dollar lauten, in Aussicht genommen sei, auf den Willen zu schnellen praktischen Währungsreformmaßnah- men schließen. Bei alledem darf man nicht vergessen, daß daS Aäbrungsproblem in erster Linie ein außen- politisches Problem ist. Der unge» heure Sturz der Papiermark ist letzten Endes auf die Unlösbarkeit der Ausgabe zurückzu» führen, den R u h r k a m v f zu finanziereu. Ohne diese Finanzierung, die man unbegreif- licherweise monatelang allein der Notenpresse überließ, hätte die Papiermark sich wohl noch einige Zeit am Leben erhalten können. Die Schwierigkeit liegt jetzt darin, die neu zu schafsende Goldmark vor dem Schicksal der Pa- piermark unbedingt zu bewahren. Die Reichs- regierung hat freilich erklärt, daß es auch fernerhin in ihrer Abficht liege, die Papiermark zu stützen und daß sie weit davon entfernt sei, die Papiermark als Zahlungsmittel fallen zu lassen. Man wird abwarten müssen, wie die Regierung dies« Aufgabe lösen wird. Dabei kau man heute wohl schon sicher sein, daß die für die Schaffung der neuen Goldwährung be- stimmten Mittel für die Stützung der Papier» mark nicht verwendet werden, da man damit der neuen Goldwährung nur schaden könnte. Sicher ist jedenfalls, daß eine durchgreifende Reform der Währung, d. b. im Grunde genommen auch eine wirksame Stützung der Papiermark, nur dann möglich ist, wenn die Notenpreffe still- gelegt werden kann. Das aber ist erst nach einer Beendigung des Ruhrkampses möglich. Daher konzentriert sich auf dieses politische Ziel auch das Interesse der Kreise., die eine Lö- sung des Währungsproblemes verfolgen. Bis daS Ziel erreicht ist. wird man sich wohl, um die Mark zu stützen, nicht so sehr auf finanztechnische Mittel stützen müssen, die sich leicht als ein ge- ftthrliches Experiment erweisen können. Rich- tiger ist jedenfalls eine Einschränkung des No- tendrucks durch einen Ausgleich unseres Etats und durch äußerste Sparsamkeit in den öffent- lichen Ausgaben zu erreichen. Wenn damit auch nicht alles erzielt werden kann, so ist doch kaum noch vor der endgültigen Lösung des Ruhr- konflikteS ein anderes Mittel denkbar, durch das man die Papiermark nocht ausrecht erhalten könnte. Die VSrsenwoche. Die nun schon feit langer Zeit anhaltende Haussebewegung an den Effektenmärkten hat in ber abgelaufenen Woche in einem Ausmaß ihren Fortgang genommen, die. alle Rekordperioden früherer Zeiten weit hinter sich ließ. Typisch für die Entwicklung mar besonders, dah gegen Ende der Woche die AnfiväriKbewegung der Kurf« ein so stürmisches Tempo annahm, daß sie »licht nur mit der Devise »steig er ung Schritt hielt, -sondern diese sogar noch überholte. Kurs- Verdoppelungen, ja Berdrei- und Vervierfachun- gen waren keine Seltenheit. Verschärft wurde die Ausbesserung des Kursniveaus durch einen immer schärfere Form annehmender Material- Mangel, so daß >besonders in den schweren Werten verhältnismäßig geringfügige Umsätze genügten, nm ganz exorbitante Kurssteigerungen hervor- zurufen. Bedingt war die große Haussebewegung der letzten Woche durch die starken Käufe des Privatpublikums, das unentwegt an seinem Effekte nbefitz festhält und in denkbar größtem Ausmaß eine Hörsenmäßige Anlage für die ihm zur Verfügung stehenden Papiermarkheirüge sucht. Das Privatpnbliknm ließ sich durch die zeitweilig unsichere Gestaltung 'des Devisenmark- tes in seiner Tendenz -keineswegs bestimmen, läßt sich vielmehr im wesentlichen von der Er- wägung leiten, daß Hei der nunmehr erfolgen- den Einführung einer neuen Goldwährung sich auch <öie Effektenkurse dem Goldkurs anpassen werden. Diese Auffassung »st aber, und das mutz man demgegenüber doch betonen, nicht in vollem Umfange zutreffend. Dk Angleichnng des Es- fektenniveans an die Goldbasis hat durch die in letzter Zeit eingetretene fprnng>hafte Lierviel- sachung der Kurse einen so starken Fortschritt gemacht, daß man wohl annehmen muß, daß in einer ganzen Reihe von Werten unter Berück- sichtignng des in ihnen liegenden Snbstanzwer- tes und der inzwischen eingetretenen Verwäsfe- rnug des Aktienkapitals die Anpassung bereits erreicht und binnen -kurzem überholt sein dürfte. Diesen Ueberlegungen hat zweifelsohne auch in gewissem Ginne die berufsmäßige Speku- l a t sv n Raum gegeben, die im übrigen auch im Laufe der Woche mehrfach eine von der des Privatpnblifnms abweichende Haltung erkennen ließ. Die Börsenspekulation steht nach wie vor stark unter dem Einfluß der Bewegung am Devisenmarkt und die von der Regierung beab- sichtigten währnngspolitischen Maßnahmen und auch die fraglos inzwischen eingetretene leichte Entspannung in der außenpolitischen Lage mahn- ten um so mehr »u einer gewissen Zurückhaltung, als man hieraus eine Rückbitdung des Kurs- Niveaus am Devisenmarkt immerhin nicht für unmöglich hielt: Ansätze hierzu lagen inso- fern anch vor. als von einer Regierungsstelle 'mcchrsnch. ivenn auch nicht von nachhaltigem Er- folg begleitete INterventionsVersuche gemacht wurden. Da aber der Devisenmarkt trotz alle- dem einen festen Grundton heivahrte und die inzwischen erlassene Verordnung über die De- visencrfassung hinsichtlich ihres Erfolges eine sehr geteilte Beurteilung fand, so schritt die be- rufsmäßige Spekulation, angeregt durch die un- entwegt feste Haltung des Privatpiiblikums, jedoch immer wieder zu umfangreichen Rückkäu- fen. Zu berücksichtigen bleibt aber für die Ent- Wicklung an der Effektenbörse, daß sich die ganze Auswärtsbewegung im wesentlichen auf die außerordentliche UÄsstgkeit 'des Geldmarktes stützen konnte. Hier und da zeigten sich aller, dings Anzeichen einer Verknappung. Besonders trat dies in den letzten Tagen stärker in Erschei- nung und man darf daher bei -der Beurteilung der voraussichtlichen Entwicklung 'die weitere Gestaltung des Geldmarktes nicht außer Acht las- sen. Tritt 'eine nachhaltige Anspannung am Geldmarkt ein, so wird sie sicherlich ihre Rück- Wirkung auf die Geschäftstätigkeit und schließ- lich auch auf die Kursbewegung nicht verfehlen. —r— Zur Frankfurter Herbstmesse. Weite Kreise unserer Industrie setzen auf die bevorstehende Frankfurter Messe vom 23. bis 29. September große Hoffnungen. Vom AuS- fall des Geschäfte auf der letzten ber deutschen Herbstmessen diess Jahres wird für manchen Betrieb die Beantwortung der Frage, ob Arbeit oder Stillstand die Losung für den Winter fein wird, abhängen. Unsere Leser wird deshalb ein Plan der Frankfurter Messeeinrichtungen interessieren. 1. Festhalle: Textilien. 2. Ostballe A: Textilien. 3. Osthalle B: Textilien. 4. Osthalle C: Spsrt. Gnmmiwaren. Chemie, Kunstgewerbe. 5. Haus Schuh und Leder mit de?neuerrichte- ten Schuhmaschinenhalle: Schuhe. Leder, Zubehör, Schuhmaschinen. 6. Haus Offenbach: Lederwaren, Reiseartikel, Farbleder, Bijouterie-, Parfümerie- und Toiletteartikel, Galanteriewaren. 7. Haus der Bücher. 8. Haus Werkbund. 9. Südhalle: Textilien. 10. Westhalle D; (Wiener Werkstättej. 11. Nordhalle: Spielwaren, Musikinstrumente. 12. Westhalle A: Fahrzeuge und Zubehör. 18 und 14. Hauswirtschaftlichc Hallen: Stahlwaren, Solinger Waren, Haus- und Küchen- geräte, Glas, Porzellan, Steingut, Bürsten, Besen, Pinsel, Korbwaren. 15. Westhalle C: Bürobedarf, Papierwaren, Verpackungsmittel. IS. Haus der Technik: Maschinenbau. Elektro- technik, Bauwesen, Heizung, Beleuchtung. 17. und 18: Geplante Erweiterung des „Haus der Technik. 19. und 20.: Stände im Freien: Bauwesen, land- wirtschaftliche Maschinen. 21. Hauptrestaurant. 22. Gewerbe-Meßhans: Möbel und Zubehör. 23. Messe-Güterbahnhof. 24. Wiener Halle: Sluösteller aus Oesterreich der im „Hans Offenbach" untergebrachten Braucken» Die in Frankfurt vorhandenen Messeeinrich- Hingen, die im Messewesen mustergültig sind, bieten erwiesenermaßen die Handhabe, dem Markt die letzte Kaufkraft zu entlocken und sie in Form von Aufträgen der Wirtschaft zuzu- führen. _ Die Lage an den Waren- n. Produktenmärkten. (Eigener Wochenbericht.) K. Mannheim, 14. Sept. Getreide. Auf dem Weltmarkt für Getreide war die Stimmung im allgemeinen ruhiger, wozu günstigere Erntenachrichten, besonders in bezug auf Brotgetreide, den Anlall gaben. Die Preise für Roggen und Weizen zeigen gegenüber der Vorwoche eine Einbuße von VA — 2% c. Für Hafer dagegen war die Stimmung fester und besonders September-Lieferung erfuhr in Chicago eine Preis» besserung von l 3 /s c., wogegen Dezember-Termin sich nur um */» c. besserte. Weizen blieb von unseren deutschen Mühlen gesucht, und es kamen einige Abschlüsse in Manitoba I, September-Lieferung, zu 12,75 hfl. die 100 kg, Cif Rotterdam und per Oktober-Lieferung zu 4.53J4 Doli, die 100 kg, Cif Antwerpen zustande. Offeriert war Manitoba I per September-Oktober-Lieferung zu 11,70, erste Hälfte November zu 11,85, November 11,60 und Dezember-Abladung 11,55 hfl. die 100 kg, Cif Bremen. Ferner war angeboten: Manitoba II, September-Lieferung, zu 12,25 hfl., Cif Hamburg oder Rotterdam, desgl. September-Oktober-Verschiffung zu 11,47, November 11,30, Dezember 11,25 hfl. die 100 kg, Cif Bremen. Hardwinter II, letete Hälfte September, erste Hälfte Oktober- Verschiffung zu 11,7256, desgl. Oktober 11,5754, Redwinter II, seeschwimmend, zu 11,20, Mixed- Durum II Oktober 11,20 und Plata-Weizen, 78 kg, Barusso, seeschwimmend, zu 11 hfl. die 100 kg, Cif Rotterdam. In Roggen lagen Angebote vor in Western Rye II September 8,92 14, Oktober 8,95 hfl. die 100 kg, Cif Rotterdam. In Hafer war Canada- Western III, seeschwimmend, zu 10,10 hfl., Cif Rotterdam angeboten. Gerste war besser gefragt. Für 62/63 kg schwere Donaugerste, seeschwimmend, wurden 8,25 hfl. für die 100 kg, Cif Rotterdam bezahlt. Offeriert war 60/61 kg schwere Donaugerste zu 8,25, 62/63 kg schwere Ware, seeschwimmend, zu 8,30 und Canada-Western II, seeschwimmend, zu 8,35 hfl. die 100 kg, Cif Rotterdam. Tunis-Gerste, seeschwimmend, war zu 53,25 franz. Franken die 100 kg, Cif Hamburg offeriert. Mais lag recht ruhig. Für Donau-Mais, see- jehwimmend, verlangte man 9, für Bessarabian- Mais, seeschwimmend, 9, für Galfox, ladend, 9 und für Platamai», seeschwimmend, ebenfalls 9 hfl. für je 100 kg, Cif Rotterdam. An unseren süddeutschen Märkten war das Geschäft an 2 Tagen durch die hohen, jüdischen Feiertage unterbrochen. Die Tendenz war in Anpassung an die ganz außergewöhnliche Devisenhausse sehr fest, und die Preise erfuhren in Anlehnung an die Steigerung der fremden Zahlungsmittel, im Vergleich zur Vorwoche, eine gewaltige Erhöhung, Der Handel blieb auf einen kleinen Umfang beschränkt, weil sowohl die Erzeuger, wie auch die Händler mit ihren Angeboten zurückhielten. Die Nachfrage war lebhaft, doch scheiterten größere Abschlüsse auch an der sich immer stärker geltend machenden Geldknappheit. Für Weizen werden heute 285—300 Mill. Mark (in der Vorwoche 120—150 Mill,), Roggen 200—220 Mill. (105—110), alfe Gerste 220—235 (75—85), neue Gerste 250—260 (90—100), Hafer, alte Ernte 200 bis 210 (75—80), neue Ernte 230—240 (85—90) und für Raps 290—320 (120-^-140), alles in Milionen Mark für je 100 kg, bahnfrei Mannheim, verlangt und auch teilweise bezahlt. Auch Futtermittel standen im Zeichen der Hausse, bei guter Nachfrage. Die Forderungen stellten sich in Millionen Mark, bahnfrei Mannheim, für Kleie auf 130—140 Mill. Mark (40—60), Biertreber 120—330 (36), gebundenes Stroh 28 bis 30(11,5—12,5) und für drahtgepreßtes Stroh auf 33—36 (13—14) per 100 kg. Mehl hatte in Uebereinstimmung mit Brotgetreide und der Mark-Entwertung sehr festen Markt, bei stark steigenden Preisen. Der Richtpreis für Weizenmehl, Basis 0, stellt sich auf 640 Mill. Mark, doch Hegen Angebote aus zweiter Hand zu 550 bis 600 Mill. Mark (200—250) und in Roggenmehl zu 420 (150) Mill. Mark per 100 kg, ab südd. Mühlenstationen vor. Hülsenfrüchte. In der abgelaufenen Woche trat lebhaftere Nachfrage nach Hülsenfrüchten hervor. Donaubohnen per Oktober-November-Verschiffung waren zu 111 franz. Franken, per 100 kg, Cif Rotterdam, angeboten. Hopfen lagen sehr fest und die Preise gingen in den letzten acht Tagen sprunghaft in die Höhe. In Nürnberg wurden bereits Preise von 3 Milliarden für prima Hopfen iür den Zentner verlangt. Auch in unseren Gegenden werden bereits Preise von 2Yt Milliarden genannt. Der Einkauf in Hopfen geht nur langsam von statten. Was die Qualität des diesjährigen Hopfen betrifft, so ist dieselbe sowohl in Farbe, als auch in Lu- polingehalt recht befriedigend. Tabak. Die Grümpen und Sandblätter der neuen Ernte werden jetzt eingebracht. Die günstige Witterung der letzten Woche hat das Wachstum der Pflanzen sehr gefördert, und die diesjährige Ernte dürfte sowohl in Qualität, als auch in Quantität, befriedigend ausfallen. Von alten Tabaken wurde in der Berichtswoche im badischen Oberlande und an verschiedenen Gundiplätzen kleinere Posten abgesetzt und zwar zu den Preisen von 200—500 Millionen Mark, je nach Qualität, per Zentner. Die Nachfrage von Seiten der Schneide- gut-Fabrikation ist noch immer eine lebhafte. Häute und Leder. In der abgelaufenen Woche haben keine Häuteauktionen stattgefunden. Die Stimmung für Roh-Häute ist fest, und man rechnet damit, daß die Erlöse auf der nächsten Auktion wieder weit höhere Preise zeigen werden, als auf den vorangegangenen Versteigerungen. Für Leder ist die Stimmung sehr fest. Das Verkaufsgeschäft ist aber nicht mehr so lebhaft, da viele Firmen nicht in der Lage sind, größere Posten zu erwerben, infolge der Kapitalknappheit. In vielen Schuhfabriken wurden nur 2 bis 4 Tage in der Woche gearbeitet. Die Preise für Wild-Vacheleder stellen sich auf 75—80 c., Zahm-Vacheleder 90 c., Wild-Fahlleder 80—1,10 c. per kg, für Rindbox auf 25—30 c. und für Roß-Chevreaux auf 19 22 c. per Quadratfuß. Berliner Prodnktenbericbt. Berlin, 15. Sept. Am Produktenmarkt kamen durch die weitere Steigerung der Devisen wiederum höhere Notierungen heraus. Trotzdem war das Inland mit dem Angebot wieder zurückhaltend, auch ist das Geschäft infolge der durch die enormen Preise immer schwieriger werdenden Kapitalsfrage, besonders so weit dies die direkten Käufe betrifft, außerordentlich erschwert. Für Weizen blieben die Müller wieder als Käufer am Markte. Amtliche Notierungen: Weizen, märkischer, 145 bis 155 Mill., Tendenz steigend. Roggen, märkischer, 125—132 Mill., Tendenz steigend. Sommergerste 148—153 Mill., Tendenz steigend. Märkischer Hafer 128—135 Mill., Tendenz steigend. Weizenmehl 520—560 Mill., Tendenz steigend. Weizenkleie 80 Mill., Tendenz fest. Roggenkleie 80 Mill., Tendenz fest. Raps 185—200 Mill., Tendenz steigend. Abladestationen: Viktoriaerbsen 250 Mill., Rapskuchen 125 Mill., Trockenschnitzel, prompt, 70 Mill. Weizen- und Roggenmehl, 100 kg; alles übrige 50 kg. Allgemeine Wirlschaflsfragen. Die Devisenerfassung. Die Frist für die Ablieferung ausländischer Vermögensgegenstände ist nicht verlängert wor- den. Der Rest der Abgabe ist somit am 15. Sep- tember zu erledigen. Dagegen ist die Frist zur Abgabe der nach der Verordnung des Reichs- Präsidenten vorgeschlagenen eidesstattlichen Ber- sicherung bis 30. September verlängert worden. Nach einer Verordnung des Kommissars für die Devisenerfassung unterliegen der Anmelde- Pflicht bis auf weiteres nicht Gold und Platin und deren Legierungen, sofern der gesamte Be- trag «0 Goldmark nicht übersteigt. Silber und deren Legierungen, sofern der gesamte Betrag 100 Goldmark nicht übersteigt. Ferner Gold- und Silbermünzen die aus besonderem Anlaß geprägt worden sind (Denkmünzen sowie ,sinnst- gegenstände). Die der Anmeldepflicht unter- liegenden Edelmetalle brauchen nicht angemeldet zu werden, sofern sie bis zum 20. September bei den Reichsbanknebenstellen abgeliefert worden find. Devisenkurse Im Freiverkehr Mitgeteilt durch du Bankhaus Straus Li Co. Karlsruhe, a) vorbCrtlleh Holland Schwel» Paris ••«... Belgien London Newyork Italien )—52 BP Auswärtige Devisenmärkte, Mark in Zürich am 15. September: 0.00004K Cts. - 1 Fr. 21 052 631 Mark. Ein englische* Pfund in Pari» am 15. September: 77)4—78)4 Frcs. gegen 78 Frcs, am 14. Sept. Unnotierte Werte: AII a R 111 Mlllinnan U».i. Alles in Millionen Mark. Ver- Kauf. kauf. 5000|6000 Knorr Krttgershall . . Moning. Brauerei Melliand Chem. Offbrg. Spinnerei Pax, Industr.- u. Hand.Qesellsch. Rastatter Wage. Eodl h Wienenb. S chuvag . . . -labakhand .-A .G. Teiohgraber . . Turbo-Motoren . Uft. Zucker». Speek Ver. Jiauf. kauf. 1200 Wir waren vor- bflrelioh Api Bad. Motorlokomotivwerke . . . Baidur Booker Steinkohle . Becker Stahl , , Ben z Brown Bovcri fg. Deutsche Lastauto. DeutschePetroleum Urindler Oigarren , GroUkraftwerke Württemberg . Hansa Lloyd . . Itterkraftwo rke . Kabel Rheydt . . KarstadtÄitien . Wertbeständige Anlagen In Millionen Mark dasStttok 5% Badische Kohfenwert-lnleihe ... 6 °/o Mannheimer Kohlenwert-AnleHie . , C % Sachsische Braunkohlenwert-Anleihe 6°/o Khein-Main-Donau-Gold-Anlelhe . . 7°/o Ni ' 600 ■""/o Neoknrwerke-Ooldanleihe 8°/o Preuliische Kali-Anloihe pro 100 lür , 0 o/o Sachsische Roggen-Anleihe pro Ztr. 5 o/ 0 Süddeutsch« 1 estwertbank-Oblig. ... 0 u ou in sonstigen annotierten Werten eini wir stets coulsiit Kfl'ifer und Verkäufer. Baer & Elend, , Karlsruhe, KarJ -FriertrlsbstrnBe 20, Telephon 223, 235, 4A s StelMfiesuclie MeHfcsuche Kapitalien Zweites Blatt Karlsruher Tagblatt. Sonntag, den 1ö. September 1923 Nr. KS. O. DeSler. 1. Uli Ta2 2. b3+ x-z 3. Dc5t 1. ... Ti» 2. Tal+ TaS 3. TxT* 1. ... Sc7 2. b4 Sa6+ 3. vxSch- 1. ... Sd5 2. b4 Sc4 3. DxL#= Nr. 433. Neukomm, Budapest. 1. Ddl KxT 2. d2-d44= 1. ... Ke5 2. d2-d44= 1. ... Kd3 2. Txd5+= Nr. 34. M. Dischler. Tribcrg. 1. Tg4 eö 2. Le3 Leu g. Lxc6# Richtig gelöst: Ad. Schaas s, Villingen, alle«. Dischler, Triberg, Nr. 4SI, 4S2 und 433. 1. Preis für 2-Züger im ProblemturnierFrankfurt a. M. Juli 1923. Schachzeitung des Karlsruher Tagblattes Geleitet vom Karlsruher Schachklub. Aufgabe Nr. 502. Kranz ®.a A mann, Kaiserslautern, dem Oberrheinischen Schachbund zu seinem diesjährigen Kongresse gewidmet. Partie Nr. 265 Svanisch. Aus dem Meisterturnier des Deutschen Schachbundes in Frankfurt a. M. 1S23. W ege mu nd, Berlin. Becker, Wien. 1. e2—e4 e7—-5 15. Tal—dl Dd8—e7 2. Sgl—f7 Sb8-c8 16. Tfl-el Lc8-e6 3. Ltl—b5 a7-a6 17. a2—a8 Sg4*e3 4. Lb5-a4 Sg8-fß 18. DeL>xe:[ f7—ffi 5. 0-0 Lf8-e7 19. d4-df> Ld6*e5 6. c2—c3 Sf6xe.J 20. Sf3xe5 f6xe5 7. Ddl-e2 Se4—f 6 21. dZxefi De7xe6 8. La4xc§ d7xc6 22. f2—f 4 eg—e4 g. Sf3xeö 0-0 23. Td'l-d4 Ta8-d8 10. d2—d4 c6—c5 24. Td4xe4 Deßxe4 11. Lei—e3 L-7-dg 25. De3-b3+ Kg8-hS 12. Sbl-d2 c5xd4 26. Tel*e4 Te8xe4 13. c3xd4 Tf8—e8 27. Db3xb7 Te4^f4 14. Sd2-f3 Sfö-g4 28. h2-h3 Remis. Auflösungen Nr. 491. vr. L. Lazarus, Halle. 1. Td4—f 4 LxT 2. 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