Bemgsvrcis «,«TM»V luä. In unserer Gc- inzelverkausspreis Im knalle böberer Gewalt iit der Beztekier keine An- irücke bei vcrwätctcm oder lichterscheinen der Zeitung. Abbestellungen können nur :wcils bis zum Sri. au> den 'laenden Monatslebten an« enommen werden, erlag. Schriktleituug »ul eickattsstellc Ritierltrabe 1 A»ze?ge»bereK«»na «a» Grund- und Schlttlselzabl: Gr»«dza« für die Sgewalt. Nonvaretllcqeile ooer deren Raum SM. auSwärtS 240, namlllenanzeigen und Stellengesuche 100, Reklame,eUe 600, an erster Stelle 850. Schlüsselzahl 50 000. Rabatt nach Tarif, ^erntoreckianschlüfse - Geschäftsstelle Nr. 18. Verla« Nr. 21 und 297. Schristlciwn« Nr. 20 Hauvttckriitlciter Nr. 19. Postscheckkonto Nr. 9547 «arlsr»be. Vadische Morgenzeitung Mit der Wochenschrist «Die Pyramide" Vadische Morgenpost Wirtschaft^ und HandelSzeitung"^ .Turn, und Sport.Ieitung' X.Unterhaltungsbeilage-^ .Literaturbeilage- ^ .Für die Frauen- ^.Wandern und Reisen- ^«Die Scholle" bcfrcdakteur: Hermann ? Laer. Verantwortlich für Politik: Kritz E hrb arb: für den wirtschaftlichen, badischen und lokalen Teil: Heinrich G erb a r bt : für daS Keuill^ou: Hermann W ei ck: für die .Pyramide'' Karl !ob°! für Inserate: Heinrich Schrie, -r. sämtliche in Karlsruhe Druck und Verlag C S- Müller. Karlsrube. Ritterstr. L Verlier Redaktion vi. Richard I ü gl e, . verlin.Lankwib. MozaMT. S7. Telephou-Zentrum 428. Für uvverlangte Manuskrivte «der Druckfachen übernimmt die Redaktion keine Verantwortung. Rücksendung erfolgt, wenu Porto beigefügt ist. Sprechstunde der Redaktion: 11—12 Uhr vormittags. 120. Jahrg. Montag, den !♦ Oktober 193B Mr. 270 Der Kampf gegen die Französlinge. 1 Der Sonderbündlertag in Düsseldorf. dorf, S0. Sept. Nach einem bis ia ttagsstunden ruhig verlaufenen Sonn- hier an Zusammenstöben, alsschwer ete Sonderbündlergrnppen die Poli- m. Es gelang der Polizei, die Son- - anseinanderzntreiben. bis die ken ans Verlange« der Sonberbünd- trabincrn und Panzerautos eiugrifsen, izei umzingelten und entwassneten. .öerbündler überfielen die entwaffneten eamten, mißhandelten sie und schos- in Polizeibeamten nieder. Die Schutz- m Polizeigebändc wurde von den Fran- ensalls entwaffnet n»U> von den Sonder- a mißhandelt. Die genaue Zahl der uud Verwundeten läßt sich noch nicht fest- Vier Polizeibeamte und 12 . erbüudler sollen getötet worden . Eine große Zahl schwer und leicht Ber- ndeter wurden in die Krankenhänscr eingelie- t. Die Franzosen verhafteten den Polizei- -zernenten. Französische PatroniUen dnrch- iehen die Stadt. Die blutigen Zusammenstöhe. Düsseldorf, 30. Sept. Vor dem bereits gemel- beten blutigen Zuscnnmenstoß zwischen demon- strierenden Souderbündleru und Schutzpolizei hatten sich bereits mehrere andere, ebenfalls von Separatisten provozierte Zwischenfälle zugetra- gen. Die Sonderbündler, die in verschiedenen Sonderzügen der französisch-belgischen Regie aus Aachen, München-Gladbach und Köln eingetrof- fen waren, formierten nach einer Ansprache einen aus etwa 10 000 Köpfen bestehenden Zug, darun- ter bewaffnete Stoßtrupps von etwa 2000 Mann. In der Königsalle wurden von Teilnehmern des Zuges fechs Beamten der blauen Polizei die Säbel abgenommen und zerbrochen. Am Hin- denburgwall wurden zwei weitere Polizeibeamte angehalten und zu Boden geschlagen. Zum Schutze der blauen Polizisten rückte grüne Schutz- polizei an, auf welche, wie von Augenzeugen fest- gestellt ist, von Sonderbündlern g e f ch o f f e n wurde. Die Schutzpolizei, die das Feuer er- widerte, schoß zunächst in die Luft. Als jedoch ^iner der ihrigen von einer Kugel getroffen nie- öerstllrzte feuerte sie gegen die augreifende Menge und räumte den Hindenburgwall in we- nigeu Minuten. Auf Veranlassung der Sonder- bündler kam es nunmehr zu dem bereits gemel- deten Eingreifen der Franzosen. Die Düssn- dorfer Bürger haben sich an den ganzen Vor- i gängen nicht beteiligt, sondern waren ihnen ent- sprechend den Parolen der Parteien und Ge- werkschaften restlos ferngeblieben. Gastwirtschaf- ten, Theater und Kinos waren geschlossen, die Straßen schon von vormittags 10 Uhr ab still. Kundgebungen der Treue. Köln. 30. Sept. lieber 100 000 Angehörige aller politischen Parteien und aller gewerkschaftlichen Richtungen schlössen sich heute vormittag auf dem Kölner Meßgelände zum Schwur der Treue des Rheinlandes zum Reiche zusammen. Ein- stimmig wurde eine Entschließung angenommen, in der es u. a. heißt: Das Rheinland fühlt sich unlöslich mit dem deutschen Vaterlande verbunden. Es wird allen Versuchen, seiner staatlichen Zugehörigkeit zum Reiche entgegenzuarbeiten. leidenschaftlichen Widerstand bis zum letzten entgegensetzen. Die Sonderbiindler haben kein Recht, im Namen des rheinischen Volkes zu handeln. Bor aller Welt berufen wir uns auf das Selb st best im- mungsrecht der Völker. In feierlicher Form verwahren wir uns gegen jeden Versuch, unser Recht und unsere Freiheit mit Füßen zu treten nnd das feste Band zu zerschneiden, das uns mit dem ganzen Deutschland verknüpft. Essen, 80. Sept. In politischen Kreisen ist keinerlei Stimmung für die Gründung einer rheinischen Republik vorhanden. Insbesondere stößt dieser Gedanke in den gewerkschast- l i ch e n Kreisen aller Richtungen, aber nicht weniger in den Kreisen der Zentruwspartei auf die heftigste Ablehnung. In Hamborn endete eine Separatisteuver- sammluug mit einer Niederlage der Sonder- bündler. Vor dem Versammlungslokal kam es zu Ansammlungen. Von belgischen Soldaten wurde in die Menge geschossen, so daß eine An- zahl Verwundeter und 3—4 Tote auf dem Platze blieben. Duisburg, 30. Sept. Die Duisburger Stadt- Verwaltung hat zusammen mit dem Stadt'"'rord- netenkollegium eine Erklärung beschlossen, in k« sie sich einmütig auf den Boden des Auf, rufes der Reichsregierung stellen und sich nach- drücklichst gegen die Treibereien uuverantwort- licher Kreise wenden, die das Rheinland vom Reich und von Preußen abtrennen wollen. Sie fordern die Bürgerschaft auf, sich durch nichts in der kommenden schweren Zeit in ihrer Treue zum Reich wankend machen zu lassen. Der Protest der Bevölkerung. Düsseldorf, 30. Sept. Zu der Kundgebung der Separatisten haben die Verbände und Gewerk- schaften der Angestellten- und Beamtenorgani- sationen eine von sämtlichen Parteien mit Aus- nähme der Kommunisten unterschriebene Kund- gebung an die Bevölkerung gerichtet, worin sie auffordern, von 1 Uhr mittags an die Straßen zu meiden. Straßenbahnen, Autos, Droschken, Fahrräder usw. sollten nicht verkehren, alle Wirt- schaften, Theater und Kinos sollten bis 7 Uhr abends geschlossen bleiben. Der „Tote Sonn- t a g" solle der Ausdruck für die Ablehnung der separatistischen Bestrebungen sein. — Die Kom- munisten haben bekannt gemacht, daß sie für die aktive Abwehr eintreten, und sie haben sich ihre Maßnahmen vorbehalten. Die Franzosen haben die Bevölkerung aufgefordert, von 10 Uhr vormittags an die Hauptstraßen freizuhalten, da von dieser Zeit an wahrscheinlich die Sonder- bündler aufmarschieren. Poincarss Antwort auf den Aufruf der Reichsregierung. Paris, 30. Sept. Ministerpräsident PoincarS hat heute aus Anlaß der Enthüllung eines Krie- gerdenkmals im Walde von Ailly eine Rede ge- halten, in der er erklärte, Frankreich werde nicht aufhören, seine Reparationsforderungen zu wie- derholen. Deutfchlgud habe jetzt erklärt, daß es gezwungen gewesen sei, den passiven Widerstand im Ruhrgebiet einzustellen. Wenn die deutsche Regierung erkläre, daß die belgischen und fran- zösischen Truppen gegen Recht und Ver- träge in das Ruhrgebiet eingedrungen seien, wenn sie ihnen vorwerfe, die Bevölkerung unter- drückt, die individuelle Freiheit beseitigt und Akte der Gewalt begangen zu haben, dann unter- schiebe sie Frankreich und Belgien Taten, die auf Befehl - des vorausgegangenen Reichsministe- riums seit acht Monaten gegen Frankreich und Belgien in den loyal besetzten Gebieten begangen worden seien. Poincarö erklärte zum Schluß: Die deutsche Regierung habe mit ein wenig Lärm der Welt angekündigt, daß sie dem passiven Widerstand im Ruhrgebiet ein Ende bereiten werde. Sie konnte nicht anders, denn sie wußte, daß sie nicht mehr imstande war, den passiven Widerstand zu finanzieren. Aber die verdrieß- liche Erklärung eines unvermeidlichen Waffen- stillstandes bedeute nichts. Wir beurteilen Deutschland nach seinen Taten. Es habe darauf verzichtet, Bedingungen zu stellen. Das ist gut. Aber es muß uns zeigen, daß es wirklich geneigt ist, in dem besetzten Gebiet die Ausbeutung der beschlagnahmten Pfänber zu erleichtern, Wenn es verlangt, daß wir dtegetroffenenMaß- nahmen zurücknehmen, die wir — sei es zur Sicherheit, sei es für unsere Reparations- Zahlungen — für unerläßlich betrachten, wenn es den Hintergedanken hat, von uns Vorteile ein- zutauscheu gegen das einfache Wort der Unter- werfung, dann würden wir keinen Schritt zur Entspannung getan haben. Der Augenblick ist also noch nicht gekommen, um unsere Arbeit für beendet anzusehen. Die Arbeit von morgen ist vielleicht schwieriger als die Arbeit, die wir voll- bracht haben. Dorkeus Pläne. Paris. 80, Sept. Dorten erklärte in Wies- baden einem Vertreter des „Gaulois", er werde die rheinische Republik auf alle Fälle gründen. Er fürchte keinen Widerstand vom Auslande, auch von England nicht. Eine gerade Linie von Esfen nach Frankfurt a. M, in die die beiden Orte einbezogen werden sol- len, werde die Grenze bilden. Bochum und Dortmund im Norden und Mannheim im Süden sollen ausgeschlossen bleiben, während die Pfalz, Birkenfeld. Nassau und das ehemalige Großherzogtum Hessen zur rheinischen Repu- blik kommen sollen, die damit 11 Millionen Meu- schen umfassen wird. Frankreich könne am Rheine bleiben so lange es wolle. Die zu grün- dende rheinische Miliz werde unter das Kom- mando französischer und belgischer Offlzlere gestellt werben. Regie und Gewerkschaften. Paris, 30. Sept. Havas wirb aus Koblenz berichtet, ein Vertreter der deutschen Eisen- bahnergewerkschast habe gestern bei der Rhein- landkommifsion vorgesprochen und ihr einen Brief der Allgemeinen Deutschen Eisenbahner- gewerkschast, deren Sitz in Berlin sei, vor- gelegt, um Verhandlungen einzuleiten. Die rheinische Oberkommission habe zur Kenntnis gebracht, daß sie nicht zu Organisationen in Be« ziehuugen treten könne, deren Sitz sich im un- besetzten Deutschland befindet. Berlin. 1. Ott. Wie der „Verl. Lok.-Anz." aus dem Ruhrgebiet meldet, fanden am Freitag, Samstag und Sonntag unter dem Vorsitz des Regieleiters zwischen den Spitzenorganisationen und der Eisenbahnergewerkschaften und der alli- ierten Eifenbahnregie Verhandlungen über die Frage der Wiederaufnahme des Verkehrs in dem besetzten Gebiete statt. Von deutscher Seite dürfen nur Fragen gestellt werden. Die Re- gie will die Eisenbahner nur unter folgenden Bedingungen zum Betrieb zulassen: 1. Die deutschen Beamten werden auf die alli- ierte Regie vereidigt. 2. Es werden nur solche Beamte eingestellt, die am Orte ihrer Tätigkeit geboren sind. 3. Aeltere Leute sind von der Wiebereinstellung überhaupt ausgeschlossen und kommen nur jüngere Leute in Frage. 4. Die ausgewiesenen Beamten werden nicht wieder eingestellt, sondern die Ausweisung wird aufrechterhalten. 5. Insgesamt wird nur ein Drittel des bisherigen deutschen Beamten,bestanbes wieder eingestellt werden. 6. Die Leute haben unter alliierter Leitung zu arbeiten. Anwerbung von Eisenbahnern. Paris, 29. Sept. Havas berichtet aus Mainz, die französisch-belgische Regie habe im Hinblick auf die Wiederaufnahme der Arbeit durch die deutschen Beamten und Eisenbahner alle not- weniiigen Dispositionen getroffen, um 80 000 Eisenbahner anzuwerben. Seit heute funktio- nieren die Ein-stellungsbüros. Alle Eisen- bahner, die eingestellt werden, müßten einen Eid ablegen, den alliierten Zivil- und Militär- behörten Gehorsam zu leisten. Der Verkehr mit den Behörden des unbesetzten Gebietes verboten. Paris, 30. Sept. Havas berichtet aus Koblenz: Die Rheinlandskommiffion hat ben Beamten ber verschiedenen Verwaltungen im besetzten Gebiete verboten, mit Militärs oder anderen Behörden m nichtbe'setzten Deutschland, nenn ent lich in Bayern, die bie Machtbefugnis während des Ausnahmezustandes ausüben, in Verbin dung zu treten oder von ihnen Instruktionen entgegenzunehmen. Ans den Veratungen der Reichs- reglernng. Berlin, 30. Sept. Das Reichskabinett trat heute nachmittag zu einer Sitzung zusammen, um zur politischen Lage Stellung zu nehmen. Die Beratungen galten, wie von unterrichteter Seite verlautet, der Vorbereitung ber in der nächsten Reichstagssitzuug vom Reichskanzler für die Regierung abzugebenden Erklärungen, Sie werden sich in erster Linie auf die außen- politische Haltung der Reichsregierung beziehen. Ferner wird über die durch öie Verhängung des Reichsausnahmezustandes entstandene Lage und das dadurch geschaffene Verhältnis des Reiches zu den Ländern berichtet werden. Endlich wer- ben bie vom Reichskabinett in Aussicht genommen nen Maßnahmen auf wirtschaftlichem, finanziel- lem und sozialem Gebiet zum Gegenstand der Erklärungen der Reichsregierung gemacht wer- den. Man nimmt in Regierungskreisen an. daß bis zur Reichstagssitzung die offiziellen Erklärungen Frankreichs und Bel- g i e n s über die nach Ausgabe des passiven Wi- derstandes von diesen Ländern einzunehmende Haltung vorliegen werden. Die Aufhebung der Verordnungen. Berlin, 30. Sept. Zu der Havasmeldung, die es für ungenügend erklärt, baß öie Reichsregie rung lediglich fünf Verordnungen »ur Organi fierung des passiven Widerstandes außer Kraft gesetzt hat, während über hundert erlassen wur den, wird von zuständiger Seite festgestellt, daß tatsächlich nur fünf Verordnungen mit Gesetzes- kraft im Reichsgesetzblatt veröffentlich worden waren. Diese sind nunmehr ebenfalls im Reichsgesetzblatt als ausgehoben erklärt nwr den. Uebrigens bestanden ausschließlich Vermal- tungsanweisungen ohne Gesetzeskraft, die nie mals im Reichsgesetzblatt verkündet worden waren, deren Aufhebung demgemäß jetzt auch nicht im Reichsgesetzblatt erfolgen kann. . AMMklWMWWlen. Vom Geheimen Regierungsrat Dr. A. Mansfeld. Die Auskunft-Abteilungen der gemeinnützigen Gesellschaften werden zurzeit wieder mit Briefen Auswanderungslustiger überflutet. Der Inhalt der Briefe ist fast immer der gleiche: „Ich gehe in jedes Land, ich übernehme jede Arbeit, ich habe kein Geld zur Überreise/ — Die gemeinnützigen Gesell- 'chaften befassen sich demgemäß mit zwei Haupt, ragen: 1. welches Land kommt für deutsche Aus- Wanderer überhaupt in Frage, 2. welche Berufe haben in den einzelnen Ändern Aussicht auf ein Fortkommen. Viele Wirtschaftspolitiker erklären, daß solche Be> ratnngsstellen schädlich seien, daß man Auswande- rungsmöglichkeiten gar nicht bekanntgeben solle, weil ede Auswanderung nachteilige Folgen für die Heimat habe. Sie sagen: da nur tüchtige und ge- unde Menschen inS Ausland gehen, wird erstens >ie wirtschaftliche Lage der fremden Staaten ge- tärkt, zweitens aber wird in der Heimat das Ver- hältnis des arbeitsfähigen Teiles unseres Volkes zum arbeitsunfähigen Teile verschlechtert. Diese Schlußfolgerungen sind ganz richtig, aber damit kann man keinen Auswanderungslustigen über- zeugen. Würden die gemeinnützigen Auskunftsstellen nur warnen, also passive Arbeit leisten, so würden die Auswanderer gewerbsmäßigen Auswanderer- Agenten in die Hände fallen. Zur allgemeinen Be- ruhigung kann man von vornherein sagen, daß eine Massenauswanderung nicht in Frage kommt, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil freie Fahrt nach überseeischen Ländern (Südamerika, Nord- amerika usw.) von keinem ftemden Staate gewährt wird und die allerwenigsten Auswanderer aus eigener Tasche die Überfahrt bezahlen können; beispielsweise kostet die Überreife für eine Person im Zwischendeck nach Südamerika 12 englische Psund (zirka 600 Millionen Mark), nach Newyork 125 Dollar (575 Millionen Mark). Welche Länder kommen überhaupt sür die Aus- Wanderung in Frage? Was zunächst Astika anlangt, so scheiden vorläufig unsere ehemaligen deutschen Kolonien ganz aus; bisher ist es nur sehr wenigen Deutschen gelungen, nach den Teilen zurückzukehren, die unter englischer Mandatherrschaft stehen; nach den unter französischer Mandatherrschaft stehenden deutschen Kolonien ist eine Auswanderung ganz unmöglich. In den portu- giesischen Kolonien West- und Ostafrikas können sich Deutsche als Tropenpflanzer oder Kausleute niederlassen. Seit einem Jahr sitzen ungefähr dreißig Kolonisten in Angola. Nach den letzten von dort eingetroffenen Nachrichten geht es den Deutschen' im allgemeinen nicht gut, denn es fehlt am wichtigsten, an Arbitern. Diese wenigen Leute konnten im vorigen Jahre noch auswandern, beim heutigen tiefen Stand unserer Mark ist daran überhaupt nicht mehr zu denken, denn das Mindestkapital, das für eine Auswanderung nötig ist, beträgt 50000 Eskndos, das sind zirka 10 Milliarden Mark. In der Neger- republik Liberia sind einige wenige deutsche Kauf- leute wieder tätig. Nordamerika: Nur wer dort gute persönliche Beziehungen hat, kann damit rechnen, eine einiger- maßen erträgliche Stellung zu bekommen. Aller- dings mehren sich in letzter Zeit die Wünsche deutscher und amerikanischer Großfarmbesitzer nach deutschen Landarbeitern. Daß die Vereinigten Staaten im Laufe der nächsten Jahre wieder Landarbeiter in Massen aufnehmen werden, darüber ist kein Zweifel; der Krieg hat die Industrie enorm gehoben, so daß sogar die Neger aus den Südstaaten teilweise nach den Industriezentren abgewandert sind; infolge- dessen macht sich auf dem Lande ein Arbeitermangel geltend; wenn aber die landwirtschaftliche Produktion auf gleicher Höhe wie ftüher gehalten werden soll, so muß Amerika europäische Landarbeiter aufnehmen. Um die Industrie dieser Länder nicht zu stärken, müßten wir im Interesse unserer Industrie unseren heimischen Landarbeitern die Auswauderlmg nach den Vereinigten Staaten erschweren und nicht begünstigen. Ahnlich liegen die Verhältnisse in Kanada. Hier ist man in den letzten Jahren von der Viehzucht zum Ackerbau übergegangen und braucht daher zahlreiche Arbeitskräfte aus Europa. - Das Land, das relativ die meisten Aussichten den Auswanderern bietet, ist Südamerika, besonders die Staaten Brasilien und Argentinien; aber auch hier ist vor übeririebenen Hofsnungen zu warnen. . Wer die Arbeit und die UntertunftsverhÄtnijse auf Karlsruher Tagblatt. Montag, den 1. Oktober 1S2Z Veite 2 den Plantagen kennt, muß Deutsche drinaend Warnen, dort als Arbeiter hinzugehen; für diese Arbeiten, für diese mangelhaften Wohnungen und für die eintönige Kost (früh, mittags, abends schwarze Bohnen, bisweilen etwas getrocknetes Fleisch) eignen sich die Italiener und Portugiesen viel mehr. Für Kolonisten ist zwar noch genug Land vorhanden, aber ein Kolonielos von 25 Hektar (100 Morgen) kostet in der Nähe der Verkehrsstraßen 15000 Milreis, das sind heute 5 Milliarden Mark, und in weiter ab vom Berkehr gelegenen Teilen 200 Milreis, das sind heute 700 Millionen Mark. Sehr viele Auswanderer haben ihr Augenmerk aus Paraguay gerichtet, und tatsächlich haben sich dort vor zwei Jahren dreihundert Deutsche ange> siedelt; von diesen sind aber heute nur noch fünfzig dort; alle übrigen haben sich nach Argentinien zurückbegeben, um dort ihr Leben als Tag- löhner zu fristen. Ähnlich wie in Südamerika liegen die Verhältnisse in Mexiko; dort könnten geschlossene deutsche Aus- wandercrvereine von etwa dreihundert Familien eine Kolonie gründen und im Laufe der Zeit, wie die fünshunderttausend Deutschen im Staate Rio Grande do Sul, zu einem gewissen Wohlstande ge- langen; aber auch die Siedlungsgesellschaften schei- tern an der Frage der Überfahrtskosten; diese be< tragen pro Kopf 24 englische Pfund, also 500 Millio- nen Mark. In allen Ländern Südamerikas sind in verein- zelten Fällen Deutsche untergekommen, es handelt sich aber immer um Angestellte deutscher Firmen, die ihren Bedarf jederzeit unter den Angestellten des Mutterhauses in der Heimat decken könnten. In Ostafrika leben zwar heute ebenso viele Deutsche wie vor dem Kriege; sie sind aber auch hier fast immer als Angestellte deutscher Firmen und wenige als Angestellte der dortigen Regierung hinübergegangen. In Niederländisch Indien gelang es vor drei Jahren einer großen Zahl Deutscher, als Ärzte, Krankenschwestern, vor allem als Pflanzungs- angestellte unterzukommen; außerdem hat die Poli- zeiverwaltung zirka 250 Deutsche angestellt. Die wirtschaftlichen Verhältnisse in den holländischen Kolonien haben aber dazu geführt, daß eine große Anzahl dieser Deutschen wieder entlassen worden ist. Australien scheidet noch ganz aus. Was schließlich das europäische Ausland anlangt, so sind die Möglichkeiten der Auswanderung noch schlechtere als nach Ubersee. Die nordischen Länder,, Holland, Schweiz, Spanien, Italien haben keinen Bedarf; Rumänien hat einige SHlosser und Tech- niker unterbringen können, in Kärnten in Osterreich können erfahrene deutsche Landarbeiter auf Gütern unterkommen; aber die Aussichten, daß diese sich in einiger Zeit als selbständige Bauern ansiedeln können, sind sehr gering. In Kärnten werden auch öfters kleinere Gutshöfe angeboten, da wir aber zurzeit für eine österreichische Krone 50 Mark zahlen müssen, so sind die geforderten Preise für einen deutschen Landwirt unerschwinglich; man verlangt für einen Bauernhof von 75 Morgen 150—200 Millionen österreichische Kronen, also 10 Milliarden Mark. Viele Augen sind natürlich aus Rußland gerichtet; hier liegen aber noch sehr unklare Verhältnisse vor; vor allem muß den Landwirten erklärt werden, daß heute in Rußland auch ein vielfacher Milliardär kein Land kaufen kann; die Sowjetregierung gibt einem Einwanderer heute nur so viel Land, als er selbst bearbeiten kann. Theater unSMlM Im Badischen Landestheater wurde nach neun- sähriger Paus« die Tragödie „Herodes und Mariamne" von Hebbel wieder ausge- nommen. Bei der im Mimenreich doppelt rasch- lebigen Zeit scheint es angebracht, auf jene Vor- stellung im IM. Hebbeljahr, die Kronacher, der heutige Schauspieldirektor von Leipzig, leitete, in dankbarer Anerkennung zurückzublicken. Wenn- gleich die Hauptrollen am Samstag neu besetzt waren, konnte doch ein gewisser szenischer und dramaturgischer Fundus fraglos in die Neuein- studierung übernommen werden. Sie war in- dessen unter der Leitung von Felix B a u m b a ch durchaus einbeitlich und auf einen, bei diesem Re- gisscur gewohnt starken und eindringlichen Ge- neralnenner gebracht. Einigen Beleuchtungs- anvrdnuligen mag man vielleicht widersprechen. Die tanzenden Mädchen in der vierten Szene des 4. Aktes sahen aus wie die mit Recht so un- beliebten Wasserleichen, in Szene fünf Akt 3 sahen Herodes und Titus im Zwielicht, das Ge- richtskollegium dagegen in der Helle der vor- deren Szene. Dieser mehrfach beobachtete Nach- teil der sonst so fruchtbaren Zweietagenanord- nuna kann sicherlich ohne weiteres beseitigt wer- den. Daß in der Besetzung die allgemeine und an- erkannte Bewährung einzelner Künstler nicht immer Stich hält, bewies die Uebertragnng der Mariamne an Melanie E r m a r t h. früher hatte sie übrigens die Heroine gespielt und fiele in natürlicher Auswirkung dieser Gepflogenheit Marta Möller zu. Wir glauben die Gründe der gegenteiligen Wahl vermuten zu können. Aber gleichviel: die in psychologischen Darstel- lungen hochbesähigte und in ihren spezifischen Rollen immer auch hier anerkannte Künstlerin ivar als Mariamne fast nur ein larmoyantes, hyperhysterisches Weib, das vor lauter Nerven- gezerr kaum einen königlich gelassenen, hoheits- vollen Zug spüren lieh. Frau Er""»rth ver- scherzte sich durch das Uebermaß hierin auch schließlich jede Tteigerungsmöglichkeit, so daß sie auf den Höhenausbriichen die ästhetischen Maße eben nicht mehr einzuhalten vermochte. Wenn man das Aeußere des bisherigen Herodes (Herz> Robert Bürkners Verkörperung die- ier übermenschlichen Liebesdefpotennatur ein. Die Lage in Bayern. Sahr setz» das Reichsgesetz zum Schutz der Republik außer Kraft. Mü«che«, SO, Sept. Hitler macht w einem Aufruf die Vorsitzenden der Ortsgruppen der nationalsozialistischen Arbeiterpartei verantwort- lich für die Durchführung seiner Anweisung eineS rücksichtslosen Anschlusses aller Mitglieder, sofern fic trtcht binnen 10 Tagen aus -dem nicht zum Kampfbund gehörenden Verbänden ausschei- den. Im „Völkischen Beobachter" wird zum Ein- tritt in die nationalsozialistische Bewegung auf- gefordert. Auch der Stoßtrupp Hitlers ruft all« ehemaligen Frontsoldaten zum Eintritt auf. • Die sog. Schutzabteilungen der sozialdemo- kratischen Partei sind aus Befehl des Gene- ralftaatskommissars verboten worden. Wie bekannt wird, sind vom Generalstaatskommissa- riat die Vollzugsverordnungen für das Repnbltk-Schntzgefetz für Vayern außer Kraft gesetzt worden. Nach der Münchner Post haben die Arbeiter einiger Münchener Be- triebe zu den Vorgängen der letzten Tage und zu den Durchsuchungen auf der Münchener Post Stellung genommen. Das Blatt mahnt die Ar- beiter, kaltes Blut zu bewahren: wenn es aber sein müsse, so müsse die ganze organisiert« Arbeiterschaft entschlossen handeln. In einer Kundgebung des Vorsitzenden der Demokratischen Partei Bayerns Abg. Hammerschmidt wird betont, daß die Regierung Strefemann das Ziel habe, das Reich in der Stunde höchster Not zu retten. Alle Bestrebun- gen, die darauf hinausgehen, jetzt der Reichs- regierung Schwierigkeiten zu bereiten, müssen unbedingt verhindert werden. Wenn die Lan- desregierung und der Staatskommissar nicht die Kraft haben sollten, Lostrennungsbestrebungen wenn nöttg mit Gewalt zu vereiteln, so stehe Bayern auch in Süddeutschland in schmählicher Verlassenheit,- denn weder Württemberg noch Baden, noch Hessen werden mit Bayern den Weg gehen, auf dem Frankreich sie gern sehen würde. * Berlin, 1. Okt. Nach Blättermeldungen aus München weihte gestern das Leibregiment eine Gedenktafel für seine Kriegsgefallenen ein. Im Hofe der türkische« Kaserne waren etwa 20 000 Angehörige des Regiments ausgestellt. Der frühere bayerische Kronprinz, viel« Prinzen und Prinzessinnen, Ministerpräsident v. Knilttng und die Generäle v. Lossow und Bothmer waren anwesend. Nach einer Ansprache des Generals Epp enthüllt der ehemalige KronprinzRup- precht die über dem Eingang der Kas«rne an- gebrachte Gedenktafel. Dann folgte der Vorbei- marsch des Regiments vor dem Kronprinzen Rupprecht, wobei das Publikum ihn mit dem Rufe: „ES lebe der König!" begrüßt«. Darauf begab sich der ehemalige'Kronprinz zum Armee- museum, wo die Münchner Schutzmannschaft zur Feier ihres 25 jährigen Bestehens aufgestellt war. Die Festrede hielt Minister Schweyer, der die Verbrechen der Novemberrevolution geißelt«. Eine Kundgebung der katholischen Bischöfe Deutschlands. Die am Grabe des hl. Bonifatius in Fulda versammelten Bischöfe Deutschlands haben an die Gläubigen einen gemeinsamen Hir- tenbrief gerichtet, der für die Erzdiözese Frei- bürg vom Erzbisch os Earl unterzeichnet ist. In dem Hirtenschreiben wird zunächst auf den un- haltbaren sogenannten „Friedenszustand" hin- gewiesen, der das Volk in immer größeres Elend gebracht hat. Der Friede sei nur in den Urkun- den niedergelegt, aber nicht eingedrungen und eingeschrieben in die Herzen, weil die Geister des Krieges noch immer in den Herzen leben und Unheil stiften. Der tiefste Grund all dieses Elendes sei »der der Slbsall von Gott nnd Ehrt- stns, die Ausschaltung der Religion, des Gottes- glaubens, der christlichen Grundsätze aus dem schmelzen könnte, käme wohl ein vollkommener König Herodes zustande. Dem geschmeidig- glänzenden Hamletdarsteller Biirkner fehlt das Kolossalische, das massive Format des tollen Ge- walt- und „Ueber"menschen. Figural war er eher asketischer Grübler als hemmungsloser Tyrann. Geistig betrachtet jedoch war Bürk- ners Leistung prachtvoll, bei aller da und dort ausbrechenden Nervosität und Ueberschttssigkeit des Temperamentes auch sprachlich beherrscht, wie überhaupt die Versbehandlung bei samt- lichen Darstellern von erfreulicher Gewandtheit war. Trotz der nicht sehr ausladenden Rolle stellte Stefan Dahlen einen ehern stehenden Titus auf die Bühne. Es war ein ästhetisches Labsal und ließ den Gedanken auftauchen, ob nicht am Ende auch dieser Künstler den Herodes meistern würde. Heutiges Theater will ia keine Fachinhaber mehr, sondern geistige Individua- liiäten. Aon früher her bekannt ist Marie Frauendorfer als Alexandra, die böse Schwiegermutter des Wütrichs. Neu dagegen war wiederum die Salome von Herma Cle - mint. Gewisse körperlichformal« Mindermittel bekämpfte sie mit heißem Willen und gutem Erfolg. Alfons K l o e b l e als Bizekönig, v. d. Trenck als Soemus, Fritz Herz als Sameas (dieser auch der Wenigen einer, der in seiner Maske betonte, baß man es mit einer in Jerusalem spielenden Tragödie zu tun hatte) waren mit den wichtigeren Nebenrollen betraut. Der Beifall war ehrlich und voll Anerken- nung, aber von der achtungsvollen Kühle, die in Hebbels ausgeklügelten Tragödien von Haus aus liegt. Das dem Ibs«n'scheu Norathema vor- weggenommene Problem überzeugt wohl, doch von der ungeheuerlichen Uebersteigerung der Grausamkeit und Despotie des Herodes und von der gewaltsamen, fast unbegreiflichen Forde- rung der Mariamne wird man mehr betäubt als erhoben. Unterm 19. April 1849 machte Hebbel diesen Eintrag in sein Tagebuch: „HerodeS und Mariamne wurde gegeben. Das Spiel war vor- trefflich, die Inszenierung glänzend, die Auf- nähme im höchsten Grade kühl. Das Publikum war sichtlich nicht imstande, der Komposition zu folgen, auch spielte das Stück zu lange, bis % auf 11 Uhr. Das Verwirrende lag für die Masse der Zuschauer in dem zweiten Moment des DramaS, in dem historischen, dessen Notwendig- keit bei der großen Gleichgültigkeit der meisten gegen alle und jede tiefere Motivierung sie nicht Staatswesen, den Gesetzen, der Familie, der Schule, dem BSlkerleben. Ganz besonders wird an die Landwirte appelliert, in Anbetracht d«r unzureichenden LebenSmitteleinfuHr aus dem Auslände mit ihre« Erträgnissen nicht zu- rückzuhalten und dieselben zu annehmbare» Preise» auf die Märkte der Städte und Indu- strieorte zu bringen. Das Leitmotiv jedes Glau- bigen müsse fortan sein: nicht zu vernichten, fon- Sern zu versöhnen: nicht zu entzweien, sondern zu -verbrüdern, den Frieden nicht zu stören, sondern zu fördern. Zu diesem Zweck soll im Mo- nat Oktober von allen gläiMgen Katholiken ein Kreuzzug des Gebetes unternommen werden. Me Deutschland betrogen wurde Poincars hält immer noch patriotisch fromme Sonntagspredigten und zetert über den bösen deutschen Michel, der keinen guten Ersülluugs- willen zeigen wolle. In Wirklichkeit werden die deutschen Leistungen von der Entente stets enorm unterbewertet, ebenso wie ihre Forderun- gen übertrieben wurden. (S. darüber „Deutschland bezahlt alles!" von Dr. Georg E. Kunzes Sonderabdruck aus „Deutschlands Erneuerung", Verlag Lehmann, München. Ein unparteiisches Urteil hierüber bietet die Denkschrift des In- stituts of Eeonomics in Washington, die das Bei- spiel der abgelieferten deutschen Handelsflotte behandelt. Dort heißt es S. 845/46: „Wahrscheinlich ist der strittigste Posten, über den ein« ab- weichende Schätzung besteht, die Handelsmarine, Die deutsche Ziffer von 5753 Millionen gründet sich auf die Preise von ISIS und 1920, während die Ziffer der Reparationskommission (749 Mil- lionen) auf Liquidationspreisen zu einer Zeit schweren Darniederliegens der Schiffahrt fußt. Als die alliierten Regierungen ihre Kriegskosten überschlugen, rechneten sie den Gesamtwert der zerstörten Schiffe zu Spitzenpreisen «in. Gleichwohl weigert sich die ReparationSkommis- sion- für die internierten oder die von der Re- gierung der Vereinigten Staaten beschlagnahm- ten Schiffe irgend ein Guthaben zu verrechnen, während andererseits für Ausbesserungs- und ErhaltungSkosten Abzüge gemacht werden. (Schöne doppelte Moral. D. Red.) Wir haben uns entschlossen, eine Schätzung von 3,5 Milliarden (also das Fünffache der Entente-„Schätzung". D. Red.) als den allerniedrigsten Wert sestzu- setzen, den diese Schiffe für Deutschland zur Zeit der Ablieferung gehabt haben können." Damit ist zugleich die deutsche Schätzung ziem- lich gerechtfertigt, während ruhig sachlich die dop- pelte Moral der Entente-Handlungsweise ge- brandmarkt ist. Aus dem vffenburger Gebiet. Offenburg. 30. Sept.. Die französische Be- satzungsbehörde hat allen Personen verboten, die Grenze des besetzten Gebietes zwischen Dun- denheim—Schutterwald und der Landstraße Hos- weier—^Elgersweier zu überschreiten, ohne den französischen Posten in Altcnheim oder Elgers- weier zu passieren. Infolge dieses Verbotes ver- kehren die Züge von Freiburg— Lahr nicht mehr bis Marienhof—Schutterwald, sondern «ndtg«n rn Niederschopfheim. Zu den Verhandlungen über den Vertehr mil Offenburg. Karlsruhe. 1. Okt. Zu der Mitteilung, daß die badische Regierung sich an zuständiger fran- zösischer Stelle erkundigt habe, welche Voraus- setzungen für die Wiederaufnahme des Eisen- bahnverkehrs Appenweier—Offenburg—Kehl in Frage kommen, wird weiter bekannt, daß die badische Erkundigung in Kehl bezw. in Paris im Einverständnis mit den zustän- digen Reichs st eilen erfolgt ist. Das Aus- wärtige Amt in Berlin war mit der Sache be- faßt. Es ist von der badischen Regierung aus in dieser Sache nichts geschehen, vor dem zuvor die zuständige Berliner Stelle nicht ihre Zu- stimmung gegeben hätte. begriffen." Der Schlußsatz trifft auf heutige Hörer wohl kaum mehr zu. Eher können wir gerade im historischen Moment uns Hilfe holen gegen die psychologischen Kolosse, die der un- crbittliche Dithmarse ausgebrütet hat. —o. * Ferrnccio Busoni: Von der EinHeit der Musik, von DritteltSnen und junger Klassizi- tat, von Bühnen, Bauten und anschließenden Be- zirkelt. 384 Seite» mit vier Originalzeichnun- gen und einem Verzeichnis seiner Werke. Max Hesses Verlag, Berlin W. IS. Preis gebunden 7 Mk. Grundpreis. In diesem interessanten Band« eint Ferruecio Busoni musikalische, ästhetische und literarische Aufsätze und Dichtungen, Gedrucktes und Unge- Ärucktes zu etrter stattlichen Sammlung. Sie um- faßt die Jahre 1887—1922, beginnt mit einer Studie des 21jährigen (!) über Momarts Don Juan und schließt mit einer Abhandl-unq Wer „Proportionsgesetz«", „Melodie" und „Polypho- nie". Wir erfahr«», daß einig« der populärsten Schlagworts unserer Tage, wie z. B. die „Junge Klassizität", „Theorie der Dritteltöne", die „Ver- wandlung der Oper" als notwendige Konsequenz der „Wesenseinheit der Musik"' zum erst«» Male von Busoni ausgesprochen, geprägt und als For- de rung aufgestellt worden sind. Unmöglich auf kurzem Raum« die farbenreiche Fülle des Buches erschöpfend zu erörtern. Da ist z. B.: Die löst- liehe Faschingspersiflage mit dem ernsten Unter- ion: „Aus der klassischen Walpurgisnacht", der prophetische Aprilscherz: „Eine märchenhafte Er- finidung" (die im Lichte der neuesten physikali- schen Forschungen heute milder phantastisch an- mutet als vor 12 Jahren), der bedeutsame Beet- Hoven-Artikel usw. Als formvollendeter Uebersetzer zeigt sich B>u- soni in der Uebertragnng von Petrareas 73. Sonett und von BaudelaireS Vorwort zu Edgar Allan Poe, das in einer monumentalen Anklage gegen die menschliche Gesellschaft gipfelt. Die sogenannte Champagnerarie erscheint hier zum ersten Male in einer wort- und sinngetreuen Uebersetzuug, die der Melodie streng angepaßt ist. Die Sprache des Buches ist durchaus klar und schön, immer lebendig, nirgends ist sachmän- nische Langweile zu -verspüren. B—r. Str. 268 Deutsches Reich Sür wertbeständige Gehälter. Die Hauptverwaltung des Deutschnattonale Handlungsgehilfenvervandes saßte zur Fr ». der wertbeständige» Gehälter folgende < tri fchließung: Der Verband begrüßt de» Versuch, durch T & «inbarung zwischen den Spitzenverbändeu ix Arbeitgeber und Atbeiincymei lohn- und g< haltspolitische Richtlinien zu finden. Um Anerkennung der Notwendigkeit, unsere voll wirtschaftlich« Leistungsfähigkeit zu erhalten muß Zielsetzung jeder Gehaltspolitik sein ö deutschen Kaufmannsgehilsen entsprechend de* Wert ihrer Arbeitsleistung und nach den B» dürfnissen einer auskömmlichen Lebenshaltun, zu bezahle«, sowie die Wertbestäudiakeit de Gehalts zu sichern. Als Grundlage solcher Ver einbarungen betrachtet der Deutschnational Handlungsg eh ilfenoerband, unter ausdrück licher Ablehnung des Vorschlages d e k a d e n weifer Berechnung, volle Freiheit d? Tarifparteien in der Vereinbarung des Grun gehalts, sowie des Berechnungs- und Ausz' lungsverfahrens. Die Abgeltung der Teuer erfolgt zweckmäßig wöchentlich. Als gegen' tig geeignet« Meßziffer betrachtet der 7 den amtlich ermittelten Lebenshaltung' der z»r Bemessung des Mindeftbedar^ Verbrauchszeit angemessen zu ergän der Festsetzung des Grundgehalts lange», daß das von führenden P* Vereinigung deutscher Arbeitgvberve drücklich anerkannte Zurückbleiben ftelltengehälter ausgeglichen wird. D nationale HandlungAgehilfeuverbau getreu seiner bisherige» Haltung , gehender Würdigung der Qualität! auf Aufrechterhaltung des Charakte lohnung als Monatsgehalt: er emp, Zahlung eines Teiles des Gehalts beständigen Zahlungsmitteln. E die deutschen KaufmännAgehilfen auf, a zur Gesundung, aber auch zur Erhaltu Stellung als Mitträger der deutschen Ä einzusetzen. Die Wähnmgsbank. w. Berli«, 30. Sept. Der Finanz,' sche Ausschuß des Reichs-wirtschafts schäftigte sich mit dem Gesetz Wer dt« rungsbank. Di« Vorlage wurd« angc me» und ein« Entschließung gefaßt, welche sagt: Der Ausschuß stimmt dem Gesetzentwurf trotz der Bedenken, die sich gegen die vorgesch. gene Zwischenlösung vom Standpunkt rein- währungspo-litischer Grundsätze aus vorbringe^ lassen. Es wird indessen nötig sein, daß die L« bensdauer der Währungsbank beschränkt und sa schnell wie möglich durch dt« Wiedereinführung einer wirklich«» Goldwährung abgelöst wird. Der Finanzpolittsche Ausschuß möchte auch bei dieser Gelegenheit noch einmal auf das ein -j dringlich st« darauf hinweisen, daß sich weder in Goldwährung, noch irgendeine anderel Währung wertbeständig erhalten läßt, wenn es nicht gelingt, das außerordentliche MinuS uns«» rer Volkswirtschaft durch eine stark erhöhte Pro duktionsleistung und die Beseittgung des Leer laufs in unserer Arbeit aus der Welt schaffen. 1 Auskunftei Bürgel * Einzel- u. Abonnernentsausktiofte für jedermann. ® Wendtstraße 3, III, Telephon 455. ( Kunft und Wissenschaft Zeichen der Zeit. Der nachfolgend mitgeteilte B r i e f an die „Frkf. Ztg." ist ein charakteristi- sches Beispiel für die Ent-Nervung, die sich vie-, ler geistiger Arbeiter Deutschlands bemächtigt hat. Uns Deutschen sagt er nichts Neues, abc>! dem Ausland kann er sagen, wie sehr der! Kampf um den täglichen Brocken Brot im Leben unsrer Geistigen zu einer alles überragenden! Hauptsach« geworden ist und ihre besten Kräfte stumpf macht- „Vor kurzem erhielt ich ein Schreiben der! Redaktion, in dem ich gebeten werde, der Zei? tung einen Artikel über ei» von Ihnen ge-> nanntes Thema zur Verfügung zu stellen. Inj meiner Arbeitsmappe führe ich nun seit Mo-i naten einen anderen Brief Ihrer Redaktion mit mir herum, der sich auf einen Artikel be-> zieht, den ich Ihnen früher schon versprochen hatte. Vor diesem neuen Briefe hätte ich mich ain liebsten verkriechen mögen, vielleicht we* Niger, um nicht gesehen zu werden, als um nichts zu sehen. Ein Versprechen nicht er« füllt zu haben, ist ja schließlich nicht so gesähr- lich, wenn man überzeugt sein kann, daß die Nichterfüllung keinen erklecklichen Schaben ver- ursacht hat. Aber schmerzlich ist es. in einer so liebenswürdigen Weise daran erinnert zu wer- den, was man konnte und gern konnte und sich sagen zu müssen, daß man es nicht mehr kann. Der Kampf um die wirtfchast- liche Existenz i» seiner verabscheuungs- würdigen — weil unproduktiven — jetzigen Form (er erinnert an den Tanz um das goldene Kalb und bat doch keine Spur von der Freudig» keit des Tanz«s) hat mich ganz und gar gefan- gen genommen, hat mir die Möglichkeit zum Denk«» unS zum Schauen abgeschnitten und nur etwas, wie eine ferne Erinnerung daran ist mir geblieben. Ich fühle mich wie ein aus dem Leben Verstoßener, und jeder Wider- schein des „Lebens" tut wir weh. Jenseits de? Getriebes, da8 mich gefangen hält und das ich treibe, ersehne ich nur eines: absolute Stille. Das ist eine etwas ausführliche Antwort ai i eine einfache Frage. Entschuldigen Tie di^ Ausführlichkeit. Den gewünschten Artikel z» schreiben bin ich außerstande." Ar. 270 Karlsruher Tagblatt, Montag, den 1. Oktober 1928 Seit« 8 I / Aus Batelt Au? der badischeu Textil-Induftrle. -- Freiburg. 1, Okt. Eine am 27. September . hier abgehaltene Mitgliederversammlung des ,, Landesverbandes der badischen Textilindustrie fr# beschäftigte sich eingehend mit den durch die Vor- gänge der letzten Wochen im Wiesental und an anderen Orten geschaffene Lage und gelangte zu folgender Entschließung, welche der Sadi- schen Regierung, dem Reichswirtschaftsministe- rium und der Oeffentlichkeit übermittelt werden soll: Die durch Absatzstockung und Kapitalmangel bereits in schwerer Krisis stehende badische Tex- tilindustrie ist durch die Borgänge in Oberbaden, insbesondere durch den nach Bewilligung der wirtschaftlichen Forderungen fortdauernden polivischen Streik einer Erschütterung ausgesetzt worden, deren Folgen noch nicht abzusehen sind. In Anbetracht der Teuerung der letzten Zeit und unter der Nachwirkung blutiger Terrorakte und Unruhen sind die Industrien in Baden zu Zu- gestärdmssen gezwungen worden- welche jeden- falls für zahlreiche Betriebe der Textilindustrie über das hinausgehen, was tragbar ist, zumal diese Zugeständnisse mit außerordentlich starken Belastungen der Betriebe durch den Staat zu- sammentreffen. Die Folge wird für viele Be- triebe eine Lahmlegung der Arbeitsfähigkeit und eine Unterbindung der Konkurrenzfähigkeit mit den Industrien der Nachbarländer sein, unter der auch die Arbeiterschaft zu leiden haben wird. Die Industrie erwartet von dem Verständnis der erfahrenen und besonnenen Arbeiterschaft und ihren rechtmäßigen Führern in den Gewerk- schaften, daß sie der Notlage der eigenen Jndu- strie Rechnung tragen und nicht die Grundlagen zerstören lassen, auf denen ihr Erwerb beruht. Die Industrie erwartet von Her Regierung, daß sie künftig sorgfältig und vorausschauend gegen Versuche der Störung der Avbeitsfreiheit durch landfremde und unverantwortliche Ele. mente mit rücksichtsloser Energie eingreift und die Vertrags- und Entfchlteßnngsfreiheit der öfentlichen Organe, sowie der Organisation der Arbeitgeber und Arbeitnehmer vor dem Druck der Straße schützt. Sie erwartet, daß die Re» gierung sich dafür einsetzt, daß unter den gegen- wältigen schwierigen Verhältnissen — unbeschadet des Rechts deS Arbeiters aus angemessene Arbeitsbedingungen und Arbeitseutloh- nung — alle ju unserer Wirtschaft!. Lag« nicht paffenden Hemmungen und Belastungen fallen, damit die Produktion in dem besiegten Deutsch- land wenigstens unter den gleichen Bedin» Mttgen vor sich gehen tont, wie in den Sieger, und Konkurreuzstaaten. Die badische Textil- industrie erwartet insbesondere, daß zur Wie- bergewwnung eines Gleichgewichts unserer Ausgaben und Mittel die Ausfahr von allen bürokratischen Hemmungen befreit wird. Sie verlangt dazai erneut, wie schon unzählige Male, die Herstellung des hawdelsvertragsmäßigen AustandeS auf dem Gebiet des Veredelungs- Verkehrs mit der Schweiz, welcher bisher, wenn auch etwas erleichtert, doch noch der gewähr- leisteteten Bewegungsfreiheit entbehrt und da- dnrch innner wieder Ausfälle an ArbeitSmög« lichkeiten erleidet, auf denen große Teile der badischen Textilindustrie aufgebaut sind. Zur Sicherung der Ernährung. - Neustadt, 30. Sept. I-m Amtsbezirk Neustadt ist aus Veranlassung des Kommunalverbands- ausschusses und der Gemeindevertretungen ein Zweckverband zur Sicherstellung der Bevölke- rung mit Brotgetreide gegründet worden. Der Amtsbezirk hat nur ein Sechstel -Selbstversorger, die selbständigen Bäcker sind andererseits nicht in der Lage, die für die freie Versorgung not- wendigen Milliardenbeträge auszubringen. Der neue Zweckverband wird Mehlschulbschein« aus- geben und fordert in eindringlicher Weise auf, bis zum 7. Oktober entsprechende Summen be- reitzustellen, damit vor allen Dingen eine Not- rücklage von SM Doppelzentnern Mehl 'beschafft werden kann. Bekanntlich hat auch Bonndorf einen ähnlichen Zweckverband gegründet. X Freidnrg. 80. Sept. Die diesjährige Land- und Hauswirtschaftlich« AuSstel- lung findet von Mittwoch, den 17. Oktober bis Sonntag, den 21. Oktober in der Kunst- und Festhalle statt. Damit verbunden wird ein gro- ßer Herbstpferdemarkt am Donnerstag, den 18.. Oktober, dem ein Vormarkt am Mittwoch, den 17. Oktober vorangehen wird. - St. George» iSchwarzwald), 30. Sept. Ein Angestellter der Firma Heinemann hat, wie jetzt festgestellt werden konnte, mehrere Schecks im Betrage von 44 Milliarden Mk. unterschlagen. - Furtwangen, 30. Sept. Der 64 Jahre alte Taglöhner Friedrich Winterhalter wurde kürzlich tot aufgesundeu. Der Tod scheint vor einigen Tagen eingetreten zu sein. Die Ur- fache ist noch nicht festgestellt, wahrscheinlich aber auf Unterernährung zurückzuführen. X Lörrach. 30. Sept. Vom 1. Oktober ab wird im kleinen Grenzverkehr die Passierzeit für Fn- haber von roten Dauerpassierscheinen allgemein wieder auf die Zeit vom morgens 0 Uhr bis abends 7 Uhr beschränkt. - Graben bei Bruchsal, 1. Okt. Durch Groß- feuer sind hier vier Scheuern des Bäckers Z i m - m e r m a n n, der Landwirte Sigmund Metz- g e r, Ludwig Zimmermann und Heil völ- lig eingeäschert worden. Große Mengen Futter- Vorräte und viel Holz ist dem Brand zum Opfer gefallen. Der Viehbestand konnte gerettet wer- den. Man vermutet Brandstiftung. Kus öemGtaötkreise Der Ottober. Der zweite Herbstmonat beißt Oktober, vom lateinischen octodri, mensis, weil er im alten Rom der achte Monat des Jahres war. Jetzt ist er der zehnte, so daß der Oktober wie auch der September, der November und der Dezem- ber seinen Namen zu unrecht führt. Recht an- schaulich sind die deutschen Monatsnamen für den Oktober: der heißt Weinmonat, weil in ihm die Weinernte vorgenommen wird, Welkmonat, weil das Lanb der Bäume in großem Umfang welk wird. Die deutschen Namen zeigen also, daß der Oktober ein echter Herbstmonat ist, in dem die Natur den Menschen Früchte spendet und das Vergehen in Feld und Wald weiter fortschreitet. Um die späten Feldfrüchte, namentlich die Kar.» toffeln und den Wein ernten zu können, hat der Landmann gerne einen heiter-warmen Oktober. .Nach einer alten Wetterregel soll man aus einem warmen und trockenen Oktober schließen können, daß vor Weihnachten wenig Kälte zu erwarten ist. Dagegen soll auf einen warmen Oktober ein kalter Fe- bruar folgen. Biel Schnee soll aber bevor- stehen, wenn im Herbst viÄ Nebel sind, ein langer, anhaltender Winter, wenn eS im Ok- tober viel Hornissen und Wespen gibt. „Wenn der Eichbaum noch sein Laub behält." heißt es in der Wetterregel, „so folgt im Winter strenge Kalt." Zu den bekanntesten LoStagen des Okto- ber gehören ber Gallustag (16.) und der Tag Simon und Jädä (28.); beide gelten als Bor- boten für den Winter. Der Oktober hat 31 Tage, von denen 4 Sonntage sind. Hohe Feier- tage werden im Oktober nickt begangen. Ein Ortsgespräch 4 Millionen Mark. Die bisher im Fernsprechverkehr geltende Schlüsselzahl ist mit Wirkung vom 1. Oktober von 5 Millionen auf 40 Millionen erhöht worden. Es wird also vom 1. Oktober ab ein Orts- gespräch nicht mehr 500 000 Mk., sondern 4 Mill. Mk. kosten. Für einen Hauptanschluß werden mindestens angerechnet in Ortsnetzen mit nicht mehr als öv Hauptanschlüssen 20 Ortsgespräche, mit mehr als 80 bis einschließlich 1000 Anschlüsse 30 Ortsgespräche, mit mehr als 1000 bis 10 000 Anschlüsse 40 Ortsgespräche, mit mehr als 10 000 Anschlüssen 50 Ortsgespräche. Dementsprechend werden auch die Gebühren für Ferngespräche er- höht. Am Telegrammverkehr beträgt die Grund- gebühr 6 Mill. Mk. und außerdem für jedes Wort S Mill. Mk. Für Zustellung bei trag«nü- gender Anschrift eineS Telegramms werden 9 Millionen berechnet. Eine Auskunstsge'bühr kostet 4 Millionen, eine StreichungSgebiihr für Gespräche ebenfalls 4 Mill. Mk. Verzugszuschläge bei der Vetriebssleuer. Wie wir aus zahlreichen Anfragen ersehen, be- steht über den Zeitpunkt, bis zu dem die Be- triebssteuer unter Vermeidung eines Verzugs- Zuschlags zu entrichten ist, in weiten Kreisen noch Unklarheit. Nach den Durchsührungsbestimmun- gen des Reichsfinanzministers ist die Betriebs- steuer am 5., 15, und 25. eines jeden Monats ab- zuführen. Die Abführung hat jeweils für die dem Fälligkeitstage vorausgehende Monats- dekade zu erfolgen. Am 25. September ist also beispielsweise das Doppelte der in der Zeit vom 11. bis 20. September einbehaltenen Lohnsteuer zu entrichten. Da die Vetriebssteuer die Ver- günstigung der Ausführungsverordnung vom Steuerzinsgesetz vom 15 August 1923, wonach bei bestimmten Steuern die Termine um eine Woche überschritten werden dürfen, ohne daß Zuschläge gemäß Geldentwertungs- und Steuerzinsgesetz in Höhe von 400 % des Rückstandes für jeden angefangenen halben Monat nach dem Zeit- Mnkte der Fälligkeit erhoben werden, nicht ge- nießt, tritt der vierfache Zuschlag bereits ein, wenn die Steuerpflichtigen erst am 6., 16. bezw. 26. des Monats zahlen: fällt jedoch der letzte Tag der Zahlungsfrist, also der 5., 15. bezw. 25. des Monats aus einen Sonntag oder staatlich aner- kannten Feiertag, so ist die Zahlung als recht- zeitig geleistet anzusehen, sofern sie am nächsten Tage erfolgt. Bei Zahlung mit Scheck gilt als Zahlungstag ber Tag des Eingangs des Schecks bei der Kasse, #' Das Reichsgesetzblatt Nr. 88 vom 28. Septem- ber 1923 hat folgenden Inhalt: Verordnung über Telegraphen- und Fernsprechgebühren, Post- und Postscheckgebühren. — Deviseumakler- Verordnung. — Verbot des Markverkaufs ins Ausland. — Anlegung von Mündelgeld« — Ver- sicherungspflicht in der Angestelltenversicherung. — Das Reichsgesetzblatt Nr. 89 vom 27. Septem- ber 1923 hat folgenden Inhalt: Verordnung des Reichspräsidenten auf Grund des Ar- tikels 48 Abs. 2 der Reichsverfassung, betreffend die zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicher- heit und Ordnung für das Reichsgebiet nötigen Maßnahmen. Der Ankauf von Reichssisbcrmitnzen durch die Reichsbankanstalten findet vom 1. Oktober 1928 ab bis auf weiteres zum 15 000 000 fachen Betrag des Nennwertes statt. Erdbeben registriert. Am Sonntag vormittag registrierte der Seismograph des Geodät. In- stituts der Technischen Hochschule ein mittelstar- kes Fernbeben. Der Einsatz erfolgte 2 Uhr 26 Min 35 Sek. M .E .Z.: zwischen 2 Uhr 35 Min. und 2 Uhr 39 Min. erfolgten die Maxima, um 3 Uhr 40 Min. das Ende der Bewegung. Der Herd des Bebens liegt in einer Entfernung von 2900 Kilometer. PreiS der Schweine auf dem Schweinemarkt in Durlach am 29. September: Befahren war der Markt mit 202 Läuser. und 613 Ferkel- fchweinen. Davon wurden 180 bezw. 520 ver- kaust. Der Preis war für Läufer 500—1600, für Ferkel 220—600 Millionen Mark per Paar. Ab 1. Oktober findet der Markt vomittags 8 Uhr statt. Die Zufuhr darf erst um 7 Uhr er- folgen. Falsch« Pfifferlinge. In diesem Herbst gibt es in den Waldungen viele falsche Pfiffer- linge. Es sind zwar keine Vergiftungen durch sie bekannt, aber sie gelten als verdächtig. Bon den echten Pfifferlingen lEierfchwämmenl unter- scheiden sie sich durch ihren dünneren Bau, vor allem durch die dünneren, längeren Stiele. Der Hut ist flacher und am Rand nicht so kraus und lappig als bei den echten. Der falsche fühlt sich oben waschlederartig an und riecht schwächer. In der Farbe sind beide sehr ähnlich. Die echten Pfifferlinge sind fleischiger, namentlich am Stiel dicker und gedrungener. Die Lamellen sind länger herablanfend, Deruch «nd Geschmack ist schärfer. Scheues Pferd. GamStag mittag scheute in- folge Fliegenplag« das Merd eines Landwirtes, das dieser, ohne Vorsichtsmaßregeln getroffen zu Haben, mit einem Wagen auf dem Werderplatz längere Zeit stehen ließ. DaS Pferd sprang über den Platz, und der IVjKhrige Neffe deS Landwirts geriet mit den Beinen nnter daS Vorderrad, ohne jedoch erheblichen Schaden davon zu tragen. Messerstecherei. In verflossener Nacht wurden ein in Beiertheim wohnhafter Schuhmacher und ein in Bulach wohnender Dreher an der Alb- brücke zwischen Bulach und Beiertheim von einem Blechner aus Bulach nach kurzem Wort- Wechsel durch Messerstiche in die recht« Schulter und in den Hinterkopf erheblich verletzt. Die Wncherpolizei brachte zur Anzeige einen Kaufmann und einen Händler wegen übermäßi- ' gtr Preissteigerung mit Käse, «inen Kaufmann, weil er für Wolle Ueberpreise verlangte, einen Schreinermeister wegen Leistungswucher, zwei Kausleute, weil sie mit Futtermitteln und zwei Kaufleute, weil sie mit Brennholz Handel ohne Erlaubnis trieben. Ferner jpvei Agenten, veil sie bei der Vermittlung von Zimmer« ihre Ver- mittlungsgebühr zu hoch berechneten. Veranstaltungen. Badlsibe Lichtspiele im Konzertbaus. Am SamStag und Sonntag wurde der Südamerikafilm unter star- kem Andrang wiederholt. Die AuSsührungen des Ka- pitänS Herbert und die schönen Bilder hatten grobe Wirkung. ES ist erfreulich, daß weite Kreist sich für den Ausbau unserer Handelsflotte interessieren. Sie bringen, waS wir brauchen: Fremde Noten und De- visen. Vadifches Landeskheater. In Vorbereitung befindet sich daS fünfaktige Schau- fviel „Der MarauiS von Kcitb" von Krank Wedekind, dessen hiesige Erstausführung für SamStag, den 18. Ok- tober, in Aussicht genommen ist und womit nach dem „Kammersänger", „So ist daS Leben" f.König Nicola") und „Eulgeift" ein viertes Werk des Dichters im Sviel- vlan des LandeStheaterS erscheint. — AlS nächste Klas- fiker-Neucinstudieruna ist für Ende de» Oktober Shakespeare» Komödie „Der Widerspenstigen Zähmung" geplant, die hier vor aerabe ,wan,ig Jahren »um lebten- mal in Szene ging. Schlüsselzahlen des 1. Oktober. Bad. Einzelhandel: 4 800000 (28. Sept. 4 260 000) Karlsruher Tenernngszahl fmit Bekleidung): Stichtag 24. September: 29 917 801 Vorwoche 16 011797). Badische Tcuerungözahl (ohne Bekleidung): Stichtags. Sept.: 25 938 477,73 (Vorwoche 12 938 848,77). Reichsinderziffer: Stichtag: 24. Sept. 28 000 000 sBorwoche 14 244 900). G«obhandels-Tenernn>gLzahl: 18.—25. September: 86 200 000 (Vorwoche <86 000 000). Goldzollaufgeld: 29. Sept. b. 2. Okt. 8189 999 900 Prozent (Vorwoche 8 479 999 900 Prozent). Schlüsselzahl des Badischen Gastwirteverbandes: 40 Mill. Mk.: XLtr. neuer Weißwein 12 Mill. Mark,Rotwein 15 Mill. Mk: Essen in Klein- betrieben 45 Mill. Mark, in Mittelbetrieben 60 Mill. Mark. Eisenbahn. Personentarif 20 Mill. lab 2. Oktbr. 30 Mill.), Gütertarife 86 Mill. Badisches Landestheater: 12 000 000 Schlüsselzahl des Vereins dentscher Zeitungs- verlege» für Anzeigenanfträge: 50 000. Buchhändlerschlüsselzahl: »5 000 000. Tagesanzeiger. Montag, de« 1. Oktober 1928. Bad. LandeStheater: „Hamlet, Prinz von Dänemark", abends 7 bis gegen 11 Uhr. Stiibt. KonzerthanS: Klavierabend Eugen d'Albert. abends 8 Uhr. Privat-Svargesellschaft: Außerordentliche Generalversammlung, nachm. 6 Uhr, Karlstr. 40. Vom Wetter. Voraussichtliche Witterung: Zunächst noch hei- ter, trocken, am Tage mild, lokale Herbstnebel. tebensbeSiirsals-Verein Karlsruhe. Singetr. Genossenschait m. deiche. Haftpflicht. Di« veredrlicken Mitglieder werden zu der am Dienstag. 2. Ottober 1S2», abends Ubr im gr. Saale der Gesellsch. Eintracht hier staltsind. hiermit freundlichst eingeladen. Tagesordnung: 1. Erhöhung der Geschäftsanteile. • 2. Aenderung ber Gelamtsadung unter Berück- sichtigung der neuen Bestimmungen des Ge- Der MmrittÄ^en Saal ist »ur den BereinS- Mitgliedern (männlich und weiblich! und nur gegen Vorzeigen der 1923er roten ÄuSweiSkarte gestattet. Karlsruhe, den 24. September 1928. Der Aufsichtsrat deS Ledensddiirinisvseeinü KarlSrnb« e. G. tn. b. S. Man,. Poriivender, Methode Ritter Spr&chlehr-Institut kür Erwachsene (Damen n. Herren) Inh. u. Leiter : H. K. Ritter (in Deutschland gcpr. Sprachlehrer) Badisches Landestheater Montag, 1. Oktober, 7 bis gegen U Dhr Sp. I 2.50 Jt, Volksbühne L X Hamlet, Prinz von DänemarK. !l am 1. Oktober Spanisch am 3. Oktober Englisch am 4. Okt. Französisch Preise einschließlich Lehrmittel. Teilzahlungen gestattet. Anmeldungen erbitten wir stets rechtzeitig in der Zeit von 9 Uhr morgens bis 9 Uhr abends. Leopoldstraße 1 (am Kaiserplatz) Das grüne Kursbuch (Ausgabe: 1. Oktober 1923) einzige, amtlich Weitete M. Umgäbe ist soeben erschienen und bei allen Bachhandlungen, an dten Bahnhosen, bei den sonstigen Vcrtriebsstellen und bei uns er- hSltlich. Umlang etwa 240 Seiten. Preist Grundzahl 1.— X Buch- handelsschlQsselzahl. C. F. Müller, Uerlags-Buifthandliing Karlsruhe, Ritterstraße 1. ftflflifpfnnmtp'*« Ne«an?er»ia«ng sowie Re- vtiUIsrtvUUUÜ-W« paraturen-sotidu vreiöwert Liwan.Matratzen 2« ervÄ/Äc In der Nähe dcS alten Bahnhofs ein möbliertes Zimmer gesucht. Angebote erbittet £jjy0{| M SteffeÜQ. Hochbauarbeite» sür'daS neueKesielbauS im Eiken- babnauSdesserunaöwerk Karlsruhe »u veraeben!: Blechner- n. Dachdecker- arbeiten. Pläne und Be- dingniSbest auf demBan- büro im Hose des Ber- waltunaSaebäudes de« EisenbahiiauSbesserung» wertes Wielandtsir. von 8—1? Uhr vormittags zur Einsicht. Dort auch Äb- gäbe derAngebotSsormu- lare aegen Vergütung. Kein Bersand nach aus- wärtS Angebote ver- Ichlossen und mit der nötigen Aujschriit bis S Oktober 1028 vormittags 0 Uhr aus.demBaubüro es EilenbahnauSbesse- rungswerkes einzureichen. ZuichlaaSsrist drei Wochen. Karlsruhe, 24.Sevt.1g23. ReiihSbahndireMon. Hochbaudiiro. Versteigerung DonacrStaa. 4. Oktbr.. 9 Uhr. «! Vertiko, Waschkommode, § osa, Schränke, Tische, tühle, Bett, Wäsche, Kleider. Herd, Hausrat, . .... . -r . 8el< 1 llj Ät erhalten!, Back?isteiÜ Handwagen »sw. Heich, Auktionator, Gocthestr. 18. Tel. 272». HMkl erhalten Sie sofort. > Raiiföi 5 Fetter Photogravh. Atelier vrbprinzenstr.». Kaiiläesuche Möbel Hier Art sowie ganze Sa«Sk>»ltg. kaust zu reellem Tages- vreis I. Glotzer. Zäh- ringerltr. SS -> Tel. SjSS. Oifene Stollen MWS MMN für alle Hausarbeiten u. Kochen sofort gesucht. Dlaxauftrabe 1, Rtnck. Ankauf von Sv!S. Silder. Via- tingesenffM, VlennMu.SM unö Mennünm Gebisse mit echte» Stiften z. Höchstpreisen Rieh. 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Verlag C F. Müller, Karlsruhe L B. Fernsprecher 297 Ritterstraße t. Seite 4 Karlsruher Tagblatt. Montag, den 1. Oktober 1923 Ar. 270 um? «hui Karlsruher Herbststaffellauf« Der Auftakt der sportlichen Veranstaltungen im Rahmen der Karlsruher Herb st woche bildete der Herbststasfellauf der Karlsruher Sportvereine am Sonntag vormittag im Sta- dion im Wildpark. Eine zahlreiche Zuschauer- menge hatte sich eingefunden, darunter Vertre- ter staatlicher und städtischer Behörden. Der Stadtausschuß für Leibesübungen und Jugend- pflege hatte die Ausführung dieser Veranstaltung übernommen und mit gutem Gelingen durchgeführt. Die einzelnen Kämpfe waren sehr spannend und naHmen folgenden Verlauf: Jngenbstafsel, 1» mal Ivo Meter, Wanderpreis der Firma Dinner: a) Schulen: 1. Humboldtschul«, 2 Min. 5 Sek.? 2. Helmlwltzschule, 2 Min. 8 Sek.: 3. Seminar 2 Min. 9 Sek.: 4. Gymnasium 2 Min. 11 Sek. b) Verein«: 1. Phönix, 2 Min. 1 Sek., beste Seit, daher Gewinner des Sinner-Wanderprei- ses,° 2. Karlsruher Turnverein 1846 mit 50 Meter Vorgabe, 2 Min. 6 Sek.: 3. Karlsruher Schwimmverein, mit 50 Meter Vorgabe, 2 Min. 12 Sek. Semorenstaffel, 10 mal 200 Meter, Wanderpreis des Karlsruher Verkehrsvereius. 1. Karlsruher Männerturiwerein, mit 120 Me- ter Borgabe. 3 Min. 56 Sek., Gewinner des Wanderpreises: 2. Phönix, 8,56,4: 3. Karlsruher Futz- ballverein, 3,57, harter Kampf um den zweiten Platz, beide Norma lb ahn; 4. Karlsruher Turn- verein 1346 mit 100 Meter Vorgabe, 4,02: 5. Karlsruher Schwimmverein, mit 150 Meter Vorgabe: 6. Deutsche Jugendkraft, mit 200 Me- ter Vorgabe. . Nach den Staffelläufen dankte Direktor L a - der im Auftrage des Karlsruher Verkehrs- Vereins dem Stadtausfchutz für Leibesübungen und Jugendpflege, ferner den Sportvereinen für die wohlgelungene Vorbereitung und Durch- führung dieser Veranstaltung. Das vom Ver- kehrsverein gesteckte Ziel, Abhaltung eines großen Turn- und Sporttages konnte infolge der mißlichen Verhältnisse nicht durchgeführt werden: verschoben sei aber nicht aufgehoben. Kein Land, keine Stadt hätten es nötiger als wir, alles einzusetzen, deutsche Arbeit, deutsche Sitte und Kraftentfaltung zu heben und zu pflegen: dem Niedergang müsse der Ausstieg folgen. Der Sport sei eines der Mittel, deutsche Zucht, deutsche Ordnung und deutschen Geist in die Massen der Jugend zu bringen. Karlsruhe an der Grenzmark soll auch hier an der Spitze stehen: zum zweitenmal sei dieser Kamps aus- getragen worden: mit großer Freude überreiche er dem Karlsruher Männerturnverein für seine prächtige Leistung den Wanderpokal. Falls es die Verhältnisse dem Verkehrsverein gestatteten, solle ein zweiter Preis im nächsten Jahre fol- gen. Mit einem Hinweis auf Zweck und Ziele des Karlsruher Verkehrsvereins und mit dem Ruf an die Karlsruher Sportvereine: „Frisch auf zu neuen Taten!" schloß Direktor Lacher seine Ausführungen. Der Leiter des Stadt- ausschusses für Leibesübungen und Jugend- pflege, Prof. B a l l w e g, dankte dem Verkehrs- verein für die tatkräftige Förderung der Sport- fache: die Leibesübungen treibenden Vereine wollen trotz der schweren Zeitlage nicht ver- zagen, sie fahren fort in dem Streben nach dem Ziele: Ertüchtigung der deutschen Jugend. Tur- nen und Sport überbrücken die große Kluft, die zwischen den einzelnen Berussständen und In- teressengegensätzen klafft. Nach einer Mahnung an die Sportvereine, das gesteckte Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, erfolgte die Uebergabe der Urkunden an die Sieger. Nach den Staffelläufen veranstaltete der Karlsruher Boxsportverein Schau- kämpfe im Boxen, die mit lebhaftem Interesse verfolgt wurden: 1. Paar, Papiergewicht: Her- mann, Julius — Maier, Karl: 2. Paar, Feder- gewicht: Weiß, Emil. 3. Bad. Meister 1922 — Kohler, Harry, Baumeister 1922: 3. Paar, Leicht- gewicht: Manländer, Willi — 2. Bad. Meister 1922 — Galler, Hellmuth: 4. Paar, Welter- gewicht: Fuhr, Albert, Gaumeister 1922 — Hill, Josef: 5. Paar, Mittelgewicht: Karl Rieth, Deutscher Meister 1923 — Klebsattel, Karlsruhe, Gaumeister 1923. l. Derfustdallöes Sonntags Kreisliga. Irankonia Karlsruhe — Gaggenau ö : 2. Begünstigt -von der schönen Witterung hatte sich zu diesem Kreisligaspiel eine stattliche Sport- gemeinde eingefunden. Gaggenau setzt gleich zu Beginn ein schnelles Tempo ein und erzielt schon in der fünften Minute ein Tor. Bald darauf zieht Frankonia durch ihren Mittelstürmer gleich. Schon ist aber Gaggenau wieder im Angriff und der Erfolg ist ein weiterer Treffer. 20 Minuten vor Halbzeit gelingt es den Karlsruhern aber- mtfls, durch einen gut plazierten Ball den Aus- gleich herzustellen. So geht es in die Pause. Bei Wiederbeginn sind «s nun die Einheimischen, die das Tempo angeben und Zug um Zug geht es vors Gaggenauer Tor. Der Sturm Fran- konias spielt, unterstützt von der Läuferreihe, schöne Chancen heraus und bald steht das Resultat auf 4 : 2. dem sich kurz vor Schluß noch zwei weitere Tore anschließen. lo. Fußballverein Beiertheim — Verein für Bewe- gungöfpiele Karlsruhe 3 :4, Halbzeit 2 :0. Dieses Treffen bot wieder einmal ein sehr lehrreiches Beispiel, wie unverantwortlich Eigen- dünkel und Eigensinn eines Spielers nicht nur blamable Folgen hat für seine Mannschaft, fon- dern darüber hinaus auch das Ansehen des Ver- eins zu schädigen imstande ist. — Beide Vereine schickten ihre besten Mannschaften ins Treffen, und diese boten in der ersten Halbzeit ein schönes Spiel» Beiertheim mit seinem flinken Spiel führte bei Halbzeit mit einem Vorsprung von 2 :0 Toren. V. f. B. machte einen etwas er- müdenden Eindruck, auch der Erfolg des Geg- uers vermochte die Mannschaft nicht aus dem Gleichmut zu bringen. Nach Feldwechsel trat bei V. f. B. ein Umschwung ein, die Mannschaft trat mehr aus ihrer verhaltenen Reserve heraus. Bei Beiertheim machte sich eine Mißstimmung bemerkbar, es klappte nicht mehr wie zuvor. Nach etwa 20 Minuten erzielte V. f. B. durch seinen Linksaußen das erste Tor. Statt daß nun Beiertheim sein Gegengewicht einsetzte durch entschlossenen Gegendruck, vergrößerte sich die Mißstimmung und plötzlich verließ ein Beiert- heimer Stürmer ohne jeden ersichtlichen Grund und ohne sich beim Schiedsrichter zu melden, das Spielfeld. Als dieser Spieler, seine Unüberlegt- heit einsehend, sich beim Schiedsrichter zum Wei- terspielen anmeldete, verbot ihm dieser, und zwar mit vollem Recht, das Weiterspielen. V. f. B, dem schon der erste Treffer neuen Mut gegeben hatte, und der schon bei verschiedenen Gelegenheiten durch seine Energie in den letzten Minuten sich den Sieg erstritten, setzte, diesen Umstand ausnützend, auch diesmal sein Bestes ein, um den Sieg an sich zu reißen. Eine kleine Umstellung klärte schnell die Lage B. f. B. wurde aus dem Angegriffenen zum Angreifer; der Mit- telstürmer erzielte bald den Ausgleich: noch in derselben Minute lag dann B. f. B. mit dem drit- ten Tor in Führung, vier Minuten später fiel das vierte Tor, V. f. B. führte mit 4:2 Toren. Fünf Minuten vor Schluß kam Beiertheim durch den Linksaußen zum dritten Treffer, aber V. f. B. ließ sich dank seiner Entschlossenheit und sei- ner Taktik den Sieg nicht mehr entreißen, den Beiertheims Mannschaft so leichtfertig preisge- geben hatte —l. Außballverein Rastatt — Karlsruher Fußball- verein t : 2. Rastatt fand sich gleich zusammen und brachte dem K. F. V.-Tor oft Gesahr. Nach einer Vier- telstunde erzielte K. F. V. den ersten Tresser, dem Rastatt durch einen Eckball «ine Minute vor Halbzeit den Ausgleich entgegenstellte. Nach Feldwechsel drängte K. F. V. den Gegner in seine Platzhälste und stellte 20 Minuten vor Schluß das Resultat auf 2 : 1, mit dem auch das Spiel seinen Abschluß fand. —I. Resultate der Bezirksliga. 1. F. C. Pforzheim — Mühlburg 4 : 0. Kickers Stuttgart — Heilbronn 3 : 0. Feuerbach — Sportklub Stuttgart 0 : 3. Stand der Bezirksliga: Pforzheim 3 Spiele 6 Punkte IS : 1 Tore Freiburg 3 Spiele 6 Punkte 9 : 3 Tore Kickers 3 Spiele 6 Punkte 5 : 0 Tore PHönix 3 Spiele 3 Punkte 4 : 8 Tore Stuttgart Sp. 4 Spiele 4 Punkte 8 : 6 Tore Mühlburg 4 Spiele 2 Punkte 5:10 Tore Heilbronn 4 Spiele 1 Punkt 5 :15 Tore Feuerbach 4 Spiele 0 Punkt 1 : 12 Tore Die Ergebnisse der kreisligo: Beiertheim—V.fB. 3:4: Rastatt—K.F.V. 1:2; V.f.R. Pforzheim—Bruchsal 3:1; Grötzingen— Durlach 1:5; T.B. Heilbronn—Brötzingen 0 :5; Böckingen—Birkenfeld 1:1: Konstanz—Schernberg 6:2; F.C. Frankonia—V.f.B. Gaggenan 0:2 Kport^Spiel Schwimmen. Karlsruher Schwimmverein von 1839. Bei dem 15. Nationalen Schwimmfeft des Schwim- m erb und „Schwaben" Stuttgart, bei dem alle größeren süddeutschen Schwimmvereine ver- treten waren, konnte der Karlsruher Schwimm- verein von 1899 bei schärfster Konkurrenz her- vorragende Erfolge erzielen. In der Junior- lagenstaffel (4 mal 88 Meter) wurde mit der Mannschaft Blattner. Dailb. Falk und Häfele in der Zeit von 4 Min. 55. Sek. der 1. Platz be- legt. Außerdem landete Falk in der kurzen Strecke unter 20 Teilnehmer knapp 1 U Sekunde auf d«m 2. Platz. Hiegler belegte den 3. Platz. Letzterer wurde im Inniorstreckentauchen nach totem Nennen in der Nntscheidung Zweiter. Nachdem Holtze im Kuabenrücken seinen Lauf überlegen gewonnen hatte, wurde er mty 44'/» Sekund«n (44 Meter) knapp Zweiter. Nach die- sen Erfolgen darf man dem Klubzweikampf des Karlsr. Schwimmvereins gegen den 1. Frank- furter Schwimmklub (Süddeutscher Wasserball- Meister 1923) am 14. Oktober mit Spannung entgegensehen. Schlagball. Bei herrlichem Wetter fand gestern aus dem Waldspielplatz des Männerturnvereins zwischen einer kombinierten Mannschaft des Männer- tuernvereins und hiesigen Schulen ein Schlag- b a l l t u r n i e r statt. Die Ergebnisse sind folgend«: M.TLZ.—Helmholtzschule 48 : 30; Seminar n—Humboldtschule 69:32; M.T.B, — Seminar II 37:36 (abgekürzte Spielzeit). Das Kölner Stadion. Bon Carl Diem. Deutschland ist um ein neues Stadion von ge- waltigen Ausmaßen reicher. Auf dem Kontinent dürfte keine zweite Anlage ähnlicher Art vor- Händen sein, aus England ist mir auch kein Platz mit diesen Ausmaßen und Einrichtungen be- kannt, nur die größten amerikanischen Universt- tätsplätze und die Chicagoer Volksparks können diesem soeben eröffneten Kölner Stadion an die Seite gestellt werden. Oberbürgermeister Dr. Adenauer hat mit seinen Getreuen in kaum mehr als zweijähriger Arbeit das Werk geschas- sen, dem auch der hossnungssroheste Sports- mann das Zeugnis „undurchführbar" noch vor einem Jahre gegeben hätte. Kürzlich wurde es aus der Taufe gehoben und lag in seinen sporttechnischen und gärtnerischen Anlagen vollendet vor den hunderttausend Besuchern. Die Anlage besteht nicht wie die meisten Sta- dionbauten aus einer einzigen Großkampfanlage, andererseits ist sie nicht nur, etwa wie der Trep- tower Park in Berlin, eine riesige Rasenfläche, sondern sie stellt ein gewaltiges Areal vor, das in viele Sportplatzeinheiten gegliedert ist. DaS 55 Hektar große Feld weift zunächst die Haupt- kampsbahn auf, den Fußballplatz und die Lauf- bahn enthaltend, um die herum ein Erdwall für die Zuschauer aufsteigt. Vierzig- bis fünfzig- tausend Menschen dürfte der Platz fassen. Zu beiden Seiten der Hauptkampfbahn liegen als vollkommen selbständige Glieder des Ganzen zwei weitere ebenfalls mit Fußballselb und Laufbahn versehene Anlagen, die bescheidenere An- schüttuug für die Zuschauermengen besitzen. Auch hier können immer mehr als 20 000 Menschen die Wettkämpfe verfolgen. Nach Westen schließt sich an diese Dreiheit der Kampfbahnen — wie- der gegliedert für sich, mit eigenen Einrichtungen und Zuschauerräumen versehen — die Schwimm- bahn und die Reitbahn, dazu, ohne Zuschauer- anlagen, das Lichtluftbad. Die Südhälfte des ganzen Platzes wird von 20 Tennisplätzen und einem großen Tennisturnierplatz, dem Hockey- platz mit eigenen Zuschaueranlagen, zwei großen Spielfeldern, die ihrerseits wieder Raum für sechs Fußballfelder 'bieten, einer Radrennbahn und einem Schwerathletikkampfplatz ausgefüllt. Alle Anlagen sind so verteilt und eingefriedigt, daß sie ihre eigenen Zuschauer aufnehmen kön- nen und sich so gegenseitig nicht stören. Als Leiter des Sportplatzes ist de^ bisherige Wanderlehrer an der Deutschen Hochschule für Leibesübungen. Herr Busch, angestellt. Eine solche Anlage ins Leben zu rufen ist wirklich eine Tat. Dies prägte sich allen Teil- nehmern der außerordentlich würdigen Einwei- hnngsfeier ein. Adenauer hat die Anlage durch Heranziehung der Arbeitslosen ermöglicht und damit der Erwerbslosensürsorge, die alle deut- schen Städte in diesem Winter beschäftigen wird, einen wichtigen Fingerzeig gegeben. Die reichs- gesetzliche Regelung des Spielplatzbaues läßt ja noch auf sich warten. Zurzeit kann die Spiel- platzfrage nur durch örtliche Initiative befriedi- gend gelöst werden. Es gilt also, ebenso wie in Köln, so schnell wie möglich eine großzügige Lö- fung im Plan zu entwerfen und sich unter Hin- weis auf das Kölner Beispiel durch persönliche Fühlungnahme mit den Oberbürgermeistern und Bürgermeistern deren Unterstützung zu beschaf- fen. Nur wo der Leiter einer Stadtverwaltung so, wie es in Köln und Berlin der Fall ist, die Lösung der Spielvlatzsrage zu seinen besonderen Aufgaben zählt, ist bei den bergehohen Schwie- rigkeiten der heutigen Notzeit Erfolg zu erwar- ten. Wird eine solche Anlage erst einmal in Angriff genommen, und kommt sie aus dem Sta- dium de? Papierplanes zur Wirklichkeit — und sei es auch in allereinfachster Form durch Be- endigung der Erdarbeiten — dann kommt alles andere von selbst. Die Zurückhaltenden und Widerstrebenden der Stadtverordneten, die im allgemeinen unter einem Stadion sich zunächst garnichts vorstellen können, gewinnen plötzlich Interesse für „ihr" Stadion und bewilligen nach, was fehlt. In Köln will man sich nach dieser Großtat durchaus nicht auf die Bärenhaut legen, sondern hat schon — getragen von der Begeiste- rung an dem soeben beendeten Werk — einen ganzen Spielplatzgürtel in Angriff genommen, der u. a. 16 Fußballplätze enthalten wird. So kann man mit dem berechtigten Stolz auf das Geschaffene und dem herzlichen Dank und Glück- wünsch für die Schöpfer die höchste Bedeutung der Kölner Anlage darin erblicken, baß sie „fort- zeugend — Gutes wird gebären." Ver MUionengarten. Roman von Remhold Ortmann. (9) «Nachdruck verboten! Herr Belau stand rauchend am Fenster des einfachen, nur unvollkommen erleuchteten Ge- maches. Als er sich nach dem Eintretenden um- wandte, blickte er nicht mehr in das freundliche Antlitz des liebevollen Gatten, sondern in das herbe, faltige Gesicht, vor dem sich tagsüber in Dr. Madelungs Kanzlei alle Welt fürchtete. Er selber sah allerdings nicht gerade aus, als ob er sich fürchtete. Er war ein angehender Vierziger in sehr sorgfältiger Kleidung und von recht vor- teilhafter äußerer Erscheinung. Das wohlge- pflegte Spitzbärtchen, in dessen Schwarz sich im- merhin schon einige graue Fäden mischten, um- gab ein fast glattes, nichtssagendes Gesicht. Nur eine gewisse Unruhe des Blickes und ein allzu häufiges Zwinkern der schweren Augenlider mochten bei längerer Betrachtung den angeneh- men Eindruck abschwächen. „Guten Abend!" grüßte Kaska ohne übertrie- beue Höflichkeit. „Warum kamen Sie so früh? Ich sagte Ihnen doch am Telephon, daß ich Sie gegen neun Uhr erwarte" „Vielleicht hat mich die Neugier hergetrieben," lachte Herr Belau, der es offenbar liebte, seinem Wesen einen Anstrich liebenwürdiger Heiterkeit zu geben. „Und nun habe ich die allzu große Pünktlichkeit durch das lange Warten ja auch hinlänglich gebüßt." Kaska deutete auf die Sofaecke und ließ sich selber in den Rohrsessel vor dem aus Tannenholz gefertigten Schreibtisch nieder. „Ich habe mit Ihnen zu reden, Belau! Es handelt sich um den Rechtsanwalt. Die Dinge können nicht mehr lange so weiter gehen. Er treibt unaufhaltsam einer Katastrophe zu." „Habe ich Ihnen das nicht schon vor Monaten gesagt? Ich verstehe nicht, daß es Ihnen nicht längst Heidenangst geworden ist um Ihr schönes Geld." Der Bureauvorsteher machte eine unmutige Kopfbewegung. „Es ist mir nicht deshalb, auch jetzt nicht. Da- für, daß ich mein Geld nicht verliere, will ich schon sorgen. Jetzt handelt sich's darum, den Mann nicht ganz und gar in den Abgrund ren- nen zu lassen. Er mutz dahin gebracht werden, die Anwaltschaft niederzulegen, ehe er gegen sei- nen Willen aus der Liste gestrichen wird." „Und dann? Was soll dann aus ihm werden? Alle Welt wird doch wissen, was es mit dem frei- willigen Verzicht auf sich hat. Und da er kein Vermögen besitzt " „Zerbrechen Sie sich über das, was aus ihm werden soll, nicht den Kopf. Daß ich ihn nicht fallen lasse, können Sie sich wohl denken. Nicht aus Liebe zu ihm, sondern in meinem eigenen Interesse," Der freundliche Herr Belau verzog den Mund zu einem belustigenden Lächeln, daß seine beiden künstlichen Augenzähne goldig aufblinkten. „Nein, aus reiner Nächstenliebe werden Sie ihn wohl nicht halten. Das sähe Herrn Paul Kaska doch gar zu wenig ähnlich. Ich kann mir auch recht gut denken, was Sie mit ihm im Sinne haben Aber ich möchte Ihnen doch empfehlen, keine übergroßen Erwartungen auf ihn zu setzen. Der Mann mag ein glänzender Redner sein, der geborene Verteidiger; für den findigen Kopf aber, den wir in kniffligen Fällen brauchen wür- den, kann ich ihn nicht halten — trotz seines großen Rufes." Geringschätzig hob Kaska die Schultern. ,Mem wollen Sie das erzählen! Glauben Sie etwa, baß irgendein Mensch ihn besser kennt als ich? Ein Blender ist er — sonst nichts. Aber wenn Sie kein Einfaltspinsel sind, wissen Sie auch, daß den Blendern heutzutage die Welt ge- hört. Man muß sich ihrer nur richtig zu bedie- nen wissen. Und was den Dr. Madelung betrifft, so habe ich das, wie ich denke, bis heute nach dem Maße meiner bescheidenen Kräfte getan." „Mit dem Erfolg, daß Sie ein hübsches Ver- mögen hinter sich gebracht haben, während Ihr Doktor bis über die Ohren verschuldet ist." „Weil er zeitlebens ein Spieler und Ver- schwender war. Aber es hat keinen Zweck, dar- über zu reden. Sie verstehen, was ich von Ihnen will." „Sie wollen ihn zwingen, sich aus der Praxis zurückzuziehen. Aber weshalb? Was können Sie davon haben?" „Ich bin der Maske überdrüssig. Und ich will mich nicht länger mit Kleinigkeiten abgeben Den Doktor aber möchte ich auch künftig in der Hand behalten. Darum darf er nicht ganz und gar zugrunde gehen. Er sieht die Gefahr wohl, die ihn jetzt bedroht, aber er unterschätzt sie. Weil es ihm so oft gelungen ist, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, rechnet er auch diesmal darauf. Zu seinem eigenen Besten muß man ihn durch die Drohung mit dem wirtschaftlichen Zu- sammenbruch nötigen, das Feld zu räumen, auf dem für rhu nichts mehr zu holen ist." besorgen Sie das nicht selbst? Schließlich handelt es sich doch um Ihr Geld, mcht um meines. Und seine unbezahlten Wech- sel gehören Ihnen." Seitpunkt, ihn darüber aufzuklären, ist noch nicht gekommen. Vorläufig müssen Sie den Strohmann machen wie bisher« Sie tun es ja nicht zu Ihrem Schaden." „Ich soll Mich also entschieden weigern, zu pro- longieren und soll ihm wegen der verfallenen Akzepte die Hölle heiß machen?" „Ja. Berufen Sie sich auf seinen heutigen Mißerfolg und verlangen Sie Sicherheiten, die er nicht aeben kann. Wie ich ihn kenne, wird er sich zunächst aufs hohe Pferd setzen und ver- suchen,, das Geld irgendwie zu beschaffen. Wir dürfen ihm getrost ein paar Wochen Zeit zu fol- chen Versuchen lassen. Denn ich weiß, daß sie vergeblich sind. Die Zerrüttung seiner Ver- mögensverhältnsse ist zu offenkundig. Und ich gebe Ihnen schon einen Wink, wenn eS an der Zeit ist, mit dem schwersten Geschütz anzurücken." .„Und wenn er sich vorher eine Kugel durch den Kopf schießt? Temperamentvollen Leuten seines Schlages ist am Ende jede Dummheit zu- zutrauen." „Daran glaube ich nicht. Vorläufig hängt er noch viel zu sehr an den Genüssen des Lebens. Außerdem behalte ich ihn im Auge. Er ist ja gewöhnt, sich in allen kritischen Augenblicken bei mir Rat zu holen." Belau lächelte. „Wahrscheinlich, weil er d«r Meinung ist, daß Sie ihm zu einiger Dankbarkeit verpflichtet sind." „Unsinn! — Ich verdanke ihm gar nichts. Ohne meine Hilfe würde er keinen einzigen seiner großen Sensationsprozesse gewonnen haben. Außerdem ist das vollständig Nebensache. In Geschäften gibt es für mich weder Liebe noch Haß. Ich verfolge meine Ziele, und was sich mir entgegenstellt, muß aus dem Wege. Uebrigens fitzen wir nicht hier, um solche Betrachtungen anzustellen. Da ist noch eine andere Sache, über die ich mit Ihnen reden mutz. Sie betrifft Ihre Geldgeschäfte mit dem Assessor von Troskau. Wie unangenehm es mir ist, datz Sie sich noch immer auf solche anrüchige Sachen einlassen, habe ich Ihnen schon gesagt Aber das mag für jetzt aus sich beruhen. Das Wichtigere ist. datz Sie die Troskauschen Wechsel nicht einklagen dürfen, wenigstens nicht in diesem Augenblick." „Warum nicht? Sie werden nicht sicherer da- durch, datz ich sie in meinem Geldschrank liegen lasse." (Fortsetzung lolgt-t