BemasvreiS . abgeholt Jl 43 000000 anfgpteiä 15 OOOOOO fttn ftolle höherer Gewalt Abbestellungen können nur leweils bis"»um LS. auf den wlaenden MonatSlebten genommen werden. Tchrtstlcitunn «tnl stelle Ritterstrabe 1 Karlsruher Tagblatt Änzeiaeuberechnun« «ach Grund- und Schlüsselzahl: kondzabl für die " ' " Badische Morgenzeitung Mit der Wochenschrift „Die Pyramide" Nonvareillezeile oder deren Raum 200, auSwärtS 240, yamilienameigen und Stel- lengesuche 10V, Neklamezeile 600, an erster Stelle OSO. SchlNsselzahl 200 IM». Rabatt nach Tarif. Zernlvrecbanschlaffe: Geschäftsstelle Nr. 18. Berlaa Nr. 21 nnd 297. Schristleitnu« Nr. 20 Hauvtschristleit-r Nr. 19. Postscheckkonto Nr. 9547 Karlsruhe. Vadische Morgenpost »Wirtschafts- und HandelSzeitung"^ «Turn-- und Sport--Zeitung" / „Unterhaltungsbeilage"^ «Literaturbeilage" X „Für die Frauen" ^«Wandern und Reifen" ^«Die Scholle" ^hesredakteur: Hermann 9. Laer. Verantwortlich für Politik: Fritz E h r h a r b : für den wirtschaftlichen, badischen und lokalen Teil: Heinrich Gerhardt: für das Feuilleton: Hermann W e i ck : für die .Pyramide' Karl «oho; für Inserate: Heinrich Schrie» -t, sämtliche in Karlsruh-. Druck und Berlaa C. 8. Müller. Karlsruhe, Ritterstr. t Berlin.r Redaktion Dr. Richard Jügle», Berlin-Lankwitz. Mozartftr. »7. Televbon-Zentrum «2». Für unverlangte Manuskrivie ^ber Drucksachen übernimmt die Redaktion keine Verantwortung. Rücksendung erfolgt, wenn Porto beigefügt ist. Sprechstunde der Redaktion: 11—12 Uhr vormittags. 120. Jahrg. Donnerstag, den !!♦ Oktober 1938 Ar. 280 AeArbeilerversicherungln Frankreich und Deutschland Der „Rheinische Beobachter", eine ausgezeichnete politisch-literarische Wo- chenschrift und ein unermüdlicher temperamentvoller Mitstreiter im Kampfe um den deutschen Rhein, bringt in seiner letzten Nummer' eine verglei- chende Studie über die Arbeiterversiche- rung in Deutschland und in Frankreich. Der Vergleich dürfte gerade jetzt in der deutschen Oessentlichkeit Beachtung be-- ausvruchen. Das deutsche Versicherungssystem hat im ^aufe der Zeit wohl ziemlich allgemeine An- Erkennung, aber doch nur in einigen Ländern und nur für engbegrenzte Teile des Ganzen Nachahmung gefunden. Zum Teil vielleicht, n>eil es im eigentlichsten Sinne „made in Ger- ■fiany" war: andererseits darf als sicher ange- kommen werben, daß auch in Deutschland, wenn NM gerade ein Bismarck die Arbeitergesetz- Hebung unter Dach gebracht hätte. Generationen Natten kommen und gehen könen, ehe so Gro- Kes vollendet worden wäre. „Parlaments- '»fche Verfassungen mit ihrer starken Züchtung von Partei- und Klasseninteressen sind •"eist zur großen Sozialreform unfähig." Dies fast paradox klingende Urteil eines der ersten Mitarbeiter an den schnell, nach Vieler Urteil zu schnell gereiften deutschen Arbeiter- Gesetzen findet eine beachtenswerte Bestätigung IJt der Geschichte der Sozialversicherung in Frankreich. Die sozialpolitische Erkenntnis, der Lohnarbeiterstand einer besonderen, ge- 'etzlich geregelten Fürsorge bedarf, ist in Frank- *°ich unter der traditionellen Nachwirkung der v°n der großen Revolution überkommenen '.'deen ausgedehntester individueller Freiheit 'u>r langsam durchgedrungen und hat erst in Neuester Zeit zu gesetzgeberischen Vorstößen ge- 'Uhrt, die einer modernen Sozialpolitik Rech- Nung tragen. Bis dahin überließ man nach M starren Grundsätzen der Selbstverantwort- Uwkeit alles der persönlichen Fürsorge des ein- ^lnen und. soweit dessen Kräfte nicht auszu- Zeichen schienen, der kollektiven Fürsorge frei- ""lliger Assoziationen, denen die Gesetzgebung krst nach und nach freie Bahn und endlich '^atliche Unterstützung gewährte. Bei diesem Entwicklungsgänge konnte aber die Erfahrung N'cht ausbleiben, daß nur ein verschwindend kleiner Teil der Arbeiterschaft — in der Regel kaum ^ehn Prozent — sich derartigen, dauernde Bei- 'kagszahlung erfordernden Organisationen an- Uchließen pflegt, und daß gerade die breite ?iasse j> er gewöhnlichen Lohnarbeiter, die der Fürsorge am meisten bedarf, für die Notfälle °es Erwerbs- und Familienlebens ungedeckt bleibt oder der Armenpflege anheim fällt. An- Juchts dieser Erfahrung einerseits und der "Nrdjgietfenbett Erfolge der deutschen Arbeiter- Versicherung andererseits hat. man dann auch in Frankreich hie und da erkannt, daß die durch Krankheit. Unfall. Invalidität, Alter und Tod geschaffenen Notfälle der heutigen Lohnarbeiter typische Begleiterscheinungen des modernen ,^werbelebens, also als soziale Schäden aus- Massen sind, deren Bekämpfung nicht im Wege ^»williger Versicherung, sondern lediglich durch System der Zwangsversicherung zu erreichen Von dieser, übrigens auch beute noch ^sneswegs allgemeinen Erkenntnis aber bis zu ^rksamer Reform trabitioneller Anschauungen Einrichtungen ist es gerade in Frankreich n^Mer noch ein weiter Weg. - Erst im Jahre 1894 kam nach vierzehn- rigen Verhandlungen zwischen Kammer Mb Senat ein Gesetz betreffend die Hilfs- und ^knsionskassen der Bergarbeiter zustande, mit ein dxx xrste Schritt auf dem Wege der lAangsversicherung getan wurde. Im Jahre ,° 18 folgte die ebenso obligatorische Versicherung er Seeleute, sodann auch ein Unsallversiche- ^ngsgesetz, dessen Vorbereitungen nicht weni- u»>. zwanzig Jahre in Anspruch genommen ^no Kammer und Senat während vier Legis- »lurperioden beschäftigt hatten. Die Anhänger . ner gründlichen Reform, darunter die Regie- n?ng, vertraten dabei die öffentlich-rechtliche ^rsicherung mit allgemeinem Verficherungs- wie sie sich in dem deutschen System iw i ® er t e , mit dem sich aber die Arbeitgeber ."Frankreich nicht einverstanden erklären woll- n. Das Resultat der parlamentarischen Kämpfe fw* I^ließlich eine eigenartige Mifrfum« von jO'toflitJjt und Versicherung, ein Kompromiß, u: dem man an der Zwangsversichernng der Unternehmer zwar vorbeikam, andererseits aber den Versicherungszwana auferlegte, mit tut daß die sämtlichen Verslcherungsinsti- bei denen die einzelnen Unternehmer ihrer- "s die notwendige Deckung suchten, einer ge- tttiti 6 * 1 staatlichen Aufsicht unterworfen werben „ u«ten, um die Staatsgarantie in angemessenen grenzen zu halten. An die Stelle des unmit- opf, Zwanges trat also für die Arbeit- t „f? r der mittelbare und an die Stelle der be- xi ^enossenfchaftlichen freien Selbstverwaltung e wbtile Staatskontrolle. Auf dem Gebiet der französischen Krankenver- sicherung entfalten die sehr beliebten Hilssver- eine auf Gegenseitigkeit (8oci4tös 6e secourz mutuels) dank immer steigender Subventionen von Staat .Departement und Genkeinbe eine erfreulich rege Tätigkeit. Da aber diese Hilfs- lassen allen Schichten der Bevölkerung offen stehen, so durfte man von den im Jahre 1888 festgestellten 1,9 Millionen Mitgliedern wenig mehr als 1 Million dem eigentlichen Lohnarbei- terstande zurechnen, zumal die Statistik der Ar- beiterberufsvereine auch nur rund 1 Million aufwies. Danach würde damals die Kranken- Versicherung in Frankreich kaum mehr als ein Zehntel der auf je 5 Millionen für Industrie und Landwirtschaft veranschlagten Lohnarbeiter- schaft und von den gewerblichen Arbeitern knapp ein Fünftel umfaßt haben, wogegen die Vor wichtigen Entscheidungen. Die Düsseldorfer Verhandlungen und die Reichspolitik. I. Von unserer Berliner Redaktion wird uns ge- drahtet: In den letzten Tagen waren die Düsseldorfer Verhandlungen zwischen Industriellen und Franzosen teilweise einer lebhaften Kritik unter- worfen. Demgegenüber wird von unterrichteter Seite der Sachverhalt klargestellt, soweit er bis jetzt bekannt geworden ist. Durch die Einfiel- lung des passiven Widerstandes ist für die Ar- beitgeber und Arbeitnehmer im Ruhrgebiet gleichmäßig eine neue Lage geschaffen worden. Es kommt heute darauf an, die Produktion wie- der in Gang zu bringen und der ganzen Be- völkerung, insbesondere den Bergarbeitern. Lohn und Brot zu verschaffen. Da die Unterstützungen des Reiches für das Ruhrgebiet schon in allernächster Zeit aufhören werden, so ist es ganz klar, daß die Unterneh- mer sich darüber entschließen müssen, wie aus- reichend produziert werben kann, damit Löhne und Gehälter und andere Ausgaben bezahlt werden können. Es ist unseres Erachtens mit der Möglichkeit zu rechnen, daß die Unternehmer im Ruhrgebiet nicht imstande sind, die Löhne in ihrer vollen tariflichen Höhe in der nächsten Zeit zu bezahlen. Schon in der vorigen Woche mar von Unternehmerseite aus dem Ruhrgebiet darauf hingewiesen worden, daß diese Möglich- keit Wirklichkeit werden könne, wenn nicht sofort eine Vermehrung der Produktion erreicht werde. Nun lehnten die Einbruchsmächte bisher jede Verhandlung mit der Reichsregierung ab. Es blieb also auch nichts anderes übrig, als daß die Arbeitgeber an Rhein und Ruhr sich über irgend einen Mittelweg zu verständigen suchten. Der Vorwurf, daß sie dabei der Reichsregierung in den Rücken gefallen seien, ist gänzlich unbe- rechtigt. Die Vertreter des Bergbaulichen Ver- eins haben am vorigen Mittwoch, dem Tage der Demission des ersten Kabinetts Stresemann den Reichskanzler von ihrem Vorhaben in Kenntnis gesetzt. Damals war aber die Krise auf dem Höhepunkt. Der Reichskanzler hatte damals die Parteiführer darauf aufmerksam gemacht, wie schädlich es sei. daß das Kabinett durch die Kri- sis aktionsunfähig gemacht werde, gerade jetzt, wo die wichtigsten Entscheidungen und Verord- nungen über das Verhalten im Ruhrgebiet ge- troffen werden sollten. Es sei selbstverständlich, daß er keine Befehle in diesem Augenblick erlas- sen könue, wo er selbst nicht wisse, ob er am nächsten Tage noch Kanzler sei. Der bergbauliche Verein hat also gegenüber der Regierung loyal gehandelt. Es haben bann wettere Besprechungen zwischen seinen Ver- tretern und dem Reichskanzler stattgefunden, und auf bessen Wunsch hat der bergbauliche Ver- ein am Sonntag eine schriftliche Darstellung von ber Ausfassung der Lage und von dem, was nach seiner Ansicht nötig ist, dem Reichskanzler als Unterlagen der Beratungen der entscheidenden Regierungsstelle übergeben. Forderungen sind nicht gestellt worden. Das Kabinett hätte solche auch nicht entgegengenommen. Was von den Wünschen des bergbaulichen Vereins für die Re- giernng erfüllbar ist. kann heute noch nicht gesagt werben. Die finanzielle Lage des Reiches muß dabei eine große Rolle spielen. Entscheidend aber ist, was bei den Anfragen in Paris und Brüssel herauskommt Die Antwort PoincarSs liegt ber Reichsregie- rung in diesem Augenblick bereits vor. Sie bildet den Gegenstand einer Kabinettsberatung, die in später Abendstunde noch andauert. Es wird amtlich über den Inhalt des Berichts deS Bot fchaftsrats v. Hösch noch nichts verlautbart. Nach ben offiziösen Pariser Anbeutungen, die dem Be suche des Herrn v. Hösch bei PoinearS voraus- gingen, kann jedoch kein Zweifel darüber be- stehen, daß eine glatte ZV sage die Antwort ist Das Reichskabinett steht also vor der Notwen- bigkeit wichtiger außenpolitischer Entscheidungen. Stinnes dementiert. Berlin, 10. Okt. lDrahtber.) Eine Erklärung an der Spitze ber „Deutschen Allg. Ztg." besagt: Gegenüber den aufregenden Berichten über die jüngsten Verhandlungen fei festzustellen, daß alle bisherigen Darstellungen falsch seien und zum größten Teil aus Berichten der feindlichen Auslandspresse beruhten. Seit Sonn- tag befinde sich das gesamte Material, d. h. alle Berichte und Verhandlungsprotokolle, in den Händen ber Regierung. w. Berlin, 10. Okt. lDrahtber.) Entgegen ber von der Telegraphen-Union verbreiteten Nachricht, daß eine Abschrift bes von Stinnes nach seiner Unterredung mit General De- goutte an den Reichskanzler gerichteten Schreibens „nach Lage ber Sache nur aus der Reichskanzlei in unberufene Hände gelangt sein könne" wird vou zuständiger Seite sestgestellt, daß eine Indiskretion der Reichskanzlei nicht in Frage kommt, und daß die in der Reichskanz- leu gefertigten wenigen Abschriften des Schreibens restlos in diejenigen Hände gelangt sind, für bie sie bestimmt waren. Der deutsche Geschäftsträger bei poincarö. w. Paris, 10. Okt. Ministerpräsident Poin» earS hat heute den deutschen Geschäftsträger, Botschaftsrat v. Hösch. empfangen, der bie gleiche Demarche wie vorgestern ber deutsche Geschäfts- träger in Brüssel bei der belgischen Regierung unternommen hat. Die Unterredung dauerte etwa eine halbe Stunde. w. Paris, 10. Okt. Zu der deutschen Demarche Hei der belgischen und französischen Regierung über bie Einsetzung einer sranzösisch-belgisch- deutschen Kommission schreibt das „Petit Iour- nal": Sollen wir einer Regierung bie Türe öffnen, bie uns keine Hilfe bringen kann, da sie weder Autorität noch Gelb besitzt, einer Regie- rung, die den Widerstand organisiert hat und die fortfährt, uns als Feinb zu betrachten? Wenn wir Gründe nötig hätten, die neue Demarche des Reichskanzlers abzulehnen, dann hat er sie selbst gegeben. Welche Autorität zeigt er gegen- über ber Stinnesgruppe, bie fortfährt, ihn zu zwingen und die behauptet, mehr denn je hinter den Kulissen ber Hanptbiktator zu sein und die Rolle eines Staates im Staate zu spielen? Wel- ches ist andererseits das Programm dieser Re- gierung. Stresemann hat sehr klar in seiner Rebe am Montag auf bie Aufforderung Lord Curzons, Verhandlungen mit den Alliierten einzuleiten, geantwortet. Er will gewisse Un- Vollkommenheiten bes Versailler Vertrages aus beuten, und da bie Gewalt im Ruhrgebiet nicht zum Ziele führt, mit List vorgehen. Wir danken ihm für diese Warnung. Wir haben sie nicht nötig, aber wir werden uns gerne zu erinnern suchen, um unsere Aktion bis zu Ende zu führen, beren Wirksamkeit wir jeden Tag mehr und mehr zu spüren beginnen. Eine deutsche Auslandsanleihe? b. Berlin, Ig. Okt. (Etg. Drahtber.) Wie wir hören, ist bem Reiche ein ausländischer Kredit gewährt worden, ber zwar nicht übermäßig hoch, jedoch sehr beträchtlich ist. Wie uns mitgeteilt wird, ist von hervorragender amerikanischer Seite an bie bentsche Regierung die Anregung gegeben worden, von beutscher Seite müsse die Entsendung von Sachverständigen in die Wege geleitet werden, die mit amerikanischen Vertre- tern über bie finanziellen Fraget verhandeln könnten. In politischen Kreisen glaubt man, diese Tatsache mit der Frage der Währungs- bank in Verbindung bringen zu können, bei der bekanntlich die Beschaffung ausländischen Kapi- tals eine Rolle spielt. (Wir geben diese Meldung mit allem Vorbe- halt wieber. Red.) Die Landwirtschaft zur Verpflegungslage. Berlin, 10. Okt. lDrahtber.) In einer in den Blättern veröffentlichten Entschließung der gesamten im Reichsausschuß der deutschen Land- Wirtschaft zusammengefaßten Körperschaften wer- öen dringende Vorstellungen gegen die Be schlüsse des Reichsrates in Sachen der Sicher- stelluug der Brotversorgung erhoben. Es wird erklärt, daß bie organisierten deutschen Landwirte nicht mehr in der Lage seien, eine Verantwortung für die Sicherftellung der deut- schen Volkserxährung zu übernehmen, wenn von der Entschließung der Reichstagsmehrheit vom 12. April 1923 abgewichen werde. Die Regie- rung wird ersucht, mit allem Nachdruck für die Wiederherstellung ihres ursprünglichen Gesetzentwurfes zur Sicherung der Brotversor- gung im Wirtschaftsjahr 1923/24 einzutreten Der gekennzeichnete Beschluß soll heute den zu- ständigen Reichsbehörden unterbreitet werden. deutsche Krankenversicherung, obschon sie damals den gesetzlichen Versicherungszwang auf bie ge- werbliche Arbeiterschaft beschränkte, diese ganz und von den gesamten Lohnarbeitern (14 Mill.) fast sieben Zehntel umschloß. Für die Alters- und Invaliditätsversicherung legte die „Commission dÄssurauce et de Prs- voyanee" im Jahre 1902 einen umfassenden Gesetzentwurf vor. der auf der ehrlichen Ueberzeu- gung beruhte, daß eine wirksame Lösung bes Problems nur durch Einführung des Versiche- rungszwanges zu erreichen sei. Trotz unleugbar intensiver Verhanblungsarbeit brachte aber auch biese Legislaturperiode das übrigens schon 20 Jahre vorher begonnene Werk nicht zu Ende, und erst durch Gesetz vom ö. April 1910 hat Frankreich eine obligatorische Alters- und In- validenversicherung. ziemlich genau nach dem Muster des deutschen Gesetzes erhalten. In der so geschaffenen Form bestand das bunte und niemanden ganz befriedigende Werk der französischen Sozialversicherung als ein Ge- misch des freiwilligen und des Zwangssystems vielumstritten fort, bis bie Einverleibung Elsaß- Lothringens mit seiner deutschen Arbeiterver- sicherung neue Anregungen zu Reformversuchen auf diesem Gebiete gab. Auch bie enragiertesten Anhänger einer möglichst sofortigen Asfimilie- rung der gewonnenen Provinzen an Frankreich konnten sich der Erkenntnis nicht entziehen, daß die Elsäß-Lothringer, die sich so viele, teilweise durchaus veraltete Gesetze als Ersatz für ihre neuzeitlichen wohl oder übel gefallen lassen mußten, gerade im Punkte ihrer bewährten Ar- beitergesetzgebnng unwandelbar sein würben. Sie widersetzten sich benn auch wirklich sehr energisch deren Aufhebung oder Verhunzung, und es ist wohl kaum ein Zufall, daß der Vater eines neuen, aus dem Jahre 1921 stammenden Sozialgesetzentwurfs ein Elfäffer, der Devu- tierte und spätere Arbeitsminister Iourdain war. wenn der Entwurf auch erst unter seinem Nachfolger David Vincent an die Kammer ge- langte. Sofort haben bie Elsässer nnd Lothrin- ger, Arbeitgeber wie Arbeitnehmer, in dringen- den Eingaben an den Minister ihrer Genug- tuung darüber Ausdruck gegeben, daß nun end- lich einmal etwas Gutes, das man in den ein- stigen Reichslanben vorgefunden, für Frankreich akzeptiert und dienstbar gemacht werden solle. Aber diese Anlehnung an die deutsche Sozial- Versicherung ist heute mehr denn je ein Stein des Anstoßes für eine Reform, der allerdings der offene Beifall vieler vernünftiger Franzosen aller Parteien nicht fehlt. Diese deutsche Grundlage des Gesetzentwurfs gibt seinen Gegnern, die auch diesmal wieder besonders in öen Reihen der Großindustriellen zu finden sind, die wirksamste Waffe in die Hand. Schon scheint man in Paris öen Geschmack an dem liebevoll ausgearbeiteten Regieru'"''«entwurf verloren »u haben. Die Kammer bes National- blocks schweigt seit mehr benn einem Jahr dar- über, unb wenn nicht alles trügt, werben wieder Jahre, vie" ''' Jahrzehnte vergehen, bis der Gesetzesvorschlag einmal — vielleicht seines omi- nösen deutschen Charakters unb damit seiner Wirkungskraft entkleidet — zur Annahme kommt. Inzwischen aber bleibt Frankreich für unabsehbare Zeit ohne den Segen einer einheit- lichen modernen Arbeiterversicherung, unb das bürste sich bereinst bitter rächen. Deutscher Michstag Berlin. 10. Okt. Am Reg.-Tisch Innenminister Sollmann. Präsident Löbe eröffnet bie Sitzung 2.20 Uhr. Auf ber Tagesordnung steht zunächst bie 2. Lesung des i. Nachtrags zum Reichshanshalt- plan. Urfpünglich würben 30 000 Billionen neu tfn* gefordert. Die Summe soll aber, wie Abg. Schmidt-Stettin lD. Ntl.) als Berichterstatter feststellt, dem Steigen bes Dollars entsprechend weiter erhöht werden. Es handelt sich um Mit- tel zur Beschaffung vou Getreide und Ausgaben für Ruhrfchäben, sowie not- wendiges Gelb für B e a m t e n g eh ä l t e r unb Betriebsmittel zur Weiterführung ber Reichsbetriebe. — Der Ausschuß schlägt eine Entschließung vor. welche bie Länder ersucht, die Zahlungen für bie k u l t u r e l l e n - f o z i a- len Belange und bie Zahlungen an bie Revi- fionsgesellschaften mit Beschleunigung erfolgen zu lassen. Ferner wirb eine Denk- schritt gefordert über die durch die Ruhrbeset- zuug entstandenen Beschlagnahmeschäben unb bie Reparationsleistungen während dieser Zeit. Der 4. Nachtragsetat will burch Anleihen und Reichsschatzanweisungen 387 416 Billionen slüs- sig machen, wovon 30 000 Billionen zum Erwerb ber notwendigen Brotgetreibevorräte bestimmt sind. Abg. Höllein (Komm.) kommt auf die gestrige Aussprache beim Ermächtigungsgesetz zurück und richtet heftige Angriffe gegen den Abg. Andrö, den er Renommierungsvertreter bes Zen- trums nennt. Alle Parteien einschl. der Sozial- bemokraten stünden im Dienst ber Schwerindu- strie. Abg. Bartz (Komm.) wirft dem Rcichsminister vor, er ginge kamit um, bie „Rote Fghn^" auf Mr. 280. Seite 2 Karlsruher Tagblatt. Donnerstag, den 11. Oktober 1928 Erstes Blatt 5 stimmung insbesondere der Bildung einer sozialdemokratisch-kommunistischen Regierung' Die Verhandlungen werden am Montag fort' gefetzt Verbot der „Roten Fahne". Berlin, 10. Okt. sDrahtber. ) Der Reichswehr' minister «hat bis auf weiteres die Haltung und den Vertrieb der „Roten Fahne verboten, da sie zur Vorbereitung des poU' tischen Generalstreiks aufruft und die Reichs' wehrsoldaten zur politischen Betätigung und zu>» Theater unöMustk Sinfoniekonzerte des Bad. tandeslheaters. Vom Bad. Landestheater wird uns geschrie- ben: Seit einigen Tagen sind die Programm^ der für die Spielzeit 1923/24 vom Landestheater- Orchester vorgesehenen S-infoniekonzerte ver- öffentlicht, deren Zahl auf zehn erhöht wird' Breitesten Raum nehmen die Klassiker ein: f? ist der erste Abend Bach, Mozart, Händel u»^ Beethoven gewidmet, reinklassisch sind auch die Vortragssolgeu des 6. nnd 7. Konzerts, vo» denen jedes mit Werken von Beethoven u. Hand» ausgefüllt wird. Der älteren und neuere» Romantik bleibt das dritte Programm vorbeha> ten, wo zum ersten Mal Pfitzners Klavierko»' zert durch den berühmten Pianisten W. G i e s c ' fing aufgeführt wird. Bruckner ist mit del dritten nnd ersten Sinfonie «diese als örtlich^ Erstaufführung) vertreten, Brahms mit de* zweiten Sinfonie. Von G. Mahler wird m<*» zum ersten Mal die sechste Sinsonie hören, vo" Straub die Sinfonia domestica Lauter Rov>' täten verspricht das sünste Konzert, so von R?- bert Heger die erste Sinfonie, von R. Stefan die „Musik für Orchester" nnd von M. Reger die Beethoven-Variationen. Eines der letzten Ao»" zerte bringt die Matthäus-Passion. Neben dem ständigen Leiter der Konzerte st»^ auch Gastdirigenten verpflichtet und zwar ä»' nächst Prof. Dr. Hans Pfitzner und Röbel' Heger (1. Kapellmeister am Nationaltheatc» München). Als Solisten für verschiedene Ko»' zerte sind vorgemerkt: W. Gieseliug vier), Ottomar Voigt (Violine), P. Trau'' vetter lCello). Die Matthäus-Passion leite' Prof. H. K. Sch m id. Bemerkt sei, daß Abo»' nenten aller zehn Konzerte auf die jeweilige" Kassenpreise eine Ermäßigung von 20 Proze» erhalten. Das erste Sinfoniekonzert finde' Montag, den IS. Oktober, statt. In enger Verbindung bezw. Ergänzung den Sin foniekonzerten stehk eine Anzahl m u v'. kalischer Morgenfeiern, von denen zwe' gm die, interessante Zeit vor Bach zurückgreife" Erstes Blatt Karlsruher Tagblatt. Donnerstag, den 11. Oktober 1928 Slr. 280. Seite 8 Ungehorsam auffordert. DaS Verbot gilt auch mr jede andere Zeitung, die als Ersatz für die »Rote Fahne" neu herausgegeben oder ihren Wonnenten zugestellt wird. w. Berlin, 10. Okt. Im preußischen Landtag erklärte der Abg. Lenbert (Soz.): Mit der Auf- gäbe des passiven Widerstandes müssen wir uns abfinden, läuten Vorstoß gegen die soziale Fürsorge und gegen den Achtstundentag verur- teilen wir auf das schärfste. Der Sturm gegen die Gesetze zum Schutze der Arbeiterschaft wird von der gesamten Arbeiterschaft auf das hef- ngste abgewiesen. Nachdem der Abgeordnete uoch auf die Notwendigkeit eines wertbeftän- oigen Geldes und einer wertbeständigen Steuer «ingewiesen hatte, betonte der Abg. Lönartz (8 ) Wati habe, wenn auch nicht materiell, so doch mo- ralisch einen Erfolg gehabt. Auch Lönartz be- zeichnet die Schaffung einer i.veribeständigen Währung als dringend notwendig Redner sprach sich für den Beamtenabbau aus, der täg- 'ich dringender werde. w. Berlin, 13 Okt. Der wirtschaftspolttifchc Ausschuß de? GewcrkfchaftsringeS der deutschen Arbeiter-, Beamten- und Angestellt^nverbänoe iaßte den einstimmigen Beschluß, an den Vorsitzenden des Ringes ein Ersuchen zu richten, aus Zenrra!a'.l.eitsgemeinschaft '-uSzn'rr»»?. Maßgebed für diesen Entschluß waren die Maß- Gahmen des schwerindustriellen Unternehmer- wms, die gegen die Interessen der gesainten deutschen Nation verstoßen' und sich willkürlich und einseitig über die Verträge und Gesetze hiu- wegsetzten. Wie verlautet, wird der Vorstand °es Gewerkschaftsringes alsbald den großen Ausschuß zur endgültigen Beschlußfassung zu- mmmenberufen. Grohhandelsindexzisser. w. Berlin. 10. Okt. (Drahtber.) Infolge der fortgeschrittenen Geldentwertung hat sich der «tand der Großhandelspreise nach der Berech- uung des Statistischen Reichsamtes in der Zeit >orn 2. bis 9. Oktober um 264 Prozent auf das ^"^-Millionenfache des Friedensstandes ge- «oben. Der Dollar war am 2. Oktober mit 320 Millionen und am 9. Oktober mit 1,2 Milliarden Mark notiert. Die Steigerung beträgt 275 Pro- Zent. so daß sich der Goldstand der Großhan- oelsindexzisser (1913 = 100) von 110,8 auf 107,6 senkte. ReichsindexMer. Berlin, 10. Okt. (Eig. Drahtber.) Die Reichs- Indexziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung und Be- kleidung) beläuft sich nach den Feststellungen des statistischen Reichsamtes für freit 8. Oktober auf «öS 109,1 Millionenfache der Vorkriegszeit. Die Steigerung gegenüber der Vorwoche (40,4 Mill.) beträgt somit 170 Prozent. Aus dem deutschen Zeikungs- wesen. Die Cincinnatier „Freie Presse" schreibt: Große Anerkennung ist Georg Bernhard, dem Schriftleiter und Mitherausgeber der „Bossischen Leitung" zuteil geworden — in einer offiziösen pariser Verlautbarung wird er wegen der Lenste, die er Frankreich geleistet, als „Le courageur Journaliste" bezeichnet. Wir gratulieren. Die deutschen Zeitungen und Zeitschriften, die wehr oder weniger offen auf Frankreichs Seite >tehen und den Franzosen immer neues Mate- rial gegen Deutschland und das deutsche Volk «esern, sind die Bossische Zeitung, die Kelt am Montag, die Rote Fahne, die Düsseldorfer Volkszeitung. der Aorwärts. die Menschheit und die eltbül, ne. Es ist ratsam, sich die Namen »teser Publikationen zu merken, damit man, wenn sie irgendwo als Ouelle angeführt wer- den, weiß, wie man daran ist. Aus VaSen Badischer handwerkstag. — Karlsruhe, 10. Okt. Der BabischeHand- werkstag, die in den Handwerkskammern und Landesfachverbänden geeinte Spitzenorgani- fation des badifchen Handwerks, hatte dieser Tage zu einer Ausschußsitzung nach Karlsruhe ein- geladen, in der die wirtschaftliche Lage und ver- schiedene Tagesfragen des Handwerks besprochen wurden. Der Währungsverfall, der sich wie eine Enteignung auswirkt, hat das Handwerk schwerer getroffen, als es die neuen Steuern vermögen. Eine Besserung kann nur durch Schaffung einer neuen Währung erzielt werden. Für das Handwerk kann es sich zum Schutz ge- gen die Nachteile des Währungsverfalls nicht darum handeln, neue Kalkulationsmethoden zu finden, sondern die Wertbeständigkeit der Rech- nungen und Zahlungen zu erreichen. Dringend nötig ist der Schutz des Handwerks gegen die Handhabung der Wuchergesetzgebungen, die ge- rade beim Handwerk, dem letzten Gliede des Güterumsatzes einsetzt. Es bestand Ueberein- stimmung darüber, daß das Handwerk über die Maßnahmen ausgeklärt werden muß, die gegen die Geldentwertung Schutz gewähren. Der im Reichswirtschaftsministerium ausge- arbeitete Referentenentwurf eines Reichsrah- mengefetzes über die Berufsvertretung des Handwerks und Gewerbes, der besprochen wurde, wurde bezüglich der Bestimmungen über das bei den Kammern zu errichtende Gemein- schaftsorgan als unannehmbar bezeichnet. Die Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit den Ar- beitnehmern wurde zwar grundsätzlich aner- kannt, es wurde jedoch gefordert, daß die Selb- ständigkeit der Organisation des Handwerks, der Innungen und der Handwerkskammern gewahrt wird. Dagegen wurde der Referenteilentwurf des Reichswirtschaftsministeriums eines Gesetzes über die berufliche Ausbildung Jugendlicher als brauchbare Grundlage für die weiteren Ver- Handlungen bezeichnet. Bei der Besprechung des Lehrlingswesens wurde ferner besprochen, zur rascheren Anpassung der Lehrlingsvergütungs- sätze an die Geldentwertung Grundzahlen fest- zusetzen, die mit der jeweiligen Lebenshaltungs- indexzisfer für Baden vervielfältigt werden. Nach einem Bericht über die Tätigkeit des Steuerausschusses des Badischen Handwerks- tages wurde eine Entschließung angenommen, die sich gegen die Betriebssteuer wendet, da deren Lasten für den Handwerker unerträglich seien. Ferner wird darin gefordert, daß, soweit eine Gefährdung einzelner Berufskreise nach- weisbar gegeben ist, eine entsprechende Aende- rung und Verminderung dieser Steuer herbei- geführt wird. * = Heidelberg, 10. Okt. Die seinerzeit durch die Presse gegangene Nachricht von dem Ableben des Wanderapostels Louis H ä u h e r be- stätigt sich nicht. Häuher lebt, ist aber krank. Die gegen Häußer von einem oldenburgischen Gericht verhängte Gefängnisstrafe von einem Jahr wegen Vergehens gegen das Gesetz zum Schutze der Republik verbüßt Häußer zurzeit in Moa- bit. - Laus bei Bühl, 10. Okt. Durch F e u e r ist ein großer Teil des Doppelhauses der Land- wirte Schmidt und Flink eingeäschert wor- den. Der Schaden ist sehr hoch. X Kippenheimweiler (91. Ettenheim), 10. Okt. Am Sonntag abend durchfuhren drei junge Burschen aus Nonnenweier den hiesigen Ort. Als sie an einer Gruppe hiesiger junger Männer vorbeikamen, schoflen die Radfahrer plötzlich. Durch eine Kugel wurde der etwa 25 jährige Andreas Heck in die Stirne getroffen und fiel tot zu Boden. Die Radfahrer fuhren weiter, die Untersuchung ist eingeleitet. X Gntach (A. Waldkirch). 10. Okt. Durch den bereits gemeldeten Brand, der auf Selbstent- zttndnng der Heuvorräte zurückzuführen ist. sind 7000 Zentner Heu und Futtervorräte, die im westlichen Flügel des Gutshofes untürge- bracht waren, vernichtet worden. Die Feuer- wehren der ganzen Umgebung waren zur Hilfe- leistung herbeigeeilt, der Mittelbau und der östliche Flügel konnten gerettet werden, desglei- chen der Viehbestand. Der Schaden geht in die Billionen- Da die gesamte Milchversorgung der Arbeiterschaft und Angestellten von Gutach und Oberkollnau durch den Gütermannschen Gutshof erfolgte, werden die Landwirte auf- gefordert, möglichst sofort Heuvorräte zu über- lassen, damit die Milchversorgug weitergeführt werden kann. X Ucberlingen, 10. Okt. Hier hatten sich die Bürgermeister des Bezirks versammelt, um mit den Finanzbehörden über die jetzigen Verhält- nifse zu sprechen. Nach eingehender Aussprache itmrde eine Resolution angenommen, in der die Bürgermeister des Bezirks Ueberlingen ener- gischen Einspruch gegen die die Kleinlandwirt- schaft und das Kleingewerbe zugrunderichtende Steuerpolitik des Reiches erheben. Die Ver- treter der Gemeinden, die am besten Einblick in die Verhältnisse der Steuerzahler haben, sind überzeugt, daß bei Fortführung dieser Politik ein großer Teil der Steuerzahler in kurzer Zeit wirtschaftlich ruiniert sein wird, was aber un- bedingt im Interesse der Volksernährung ver- hütet werden muß- Es wird daher eine grund- legende Steuereform gefordert. Kus Machbarlänöern Edenkobeu, 10. Okt. Ein schwerer Eisen- b a h n u n f a l l hat sich am Bahnübergang bei Edenkoben in der Pfalz ereignet. ?llS der Land- wirt Michael Rohr aus Fenningen mit seinem Wagen den Bahnübergang bei geöffneter Schranke passierte, wurde das Fuhrwerk von einem heranbrausenden Zug erfaßt und die Böschung hinabgeschleudert. Der Landwirt Rohr wurde sofort getötet und eine zweite auf dem Wagen sitzende Person schwer verletzt. Schule unö Kirche Caritaskollckte. Das Erzbischösl. Ordinariat hat angeordnet, daß am Erntedankfest in allen Pfarreien eine Kollekte für den Earitasverband stattfinden soll, deren Ergebnis insbesondere auch zur Ausrechterhaltung einer Hilfs- und Be- ratungsstelle für die Notleidenden dienen soll, Schlüsselzahlen des 11. Oktober. Bad. Einzelhandel: 100 Mill. Mark (Bortag SS Mill. Mark). Karlsruher Teuerungszahl (mit Bekleidung): Stichtag 8. Oktober: 120 449 647,88 (Vorwoche 46.310801). Badische Tenernngözahl lohne Bekleidung): Stichtag 8. Oktober: 101 634 562,81 (Vorwoche 41 189 035,62). Großhandels-Teuernngszahl: Stichtag 9. Okt.: 307,4 Mill. (Vorwoche 84.5 Mill.). Reich«sinöexziffer: Stichtag 8. Okt.: 109,1 Mill. Mk. (Borwoche 40,4 Mill. Mi.). Goldzollanfgeld: 10.—12. Oktober: 18 699 999 990 Proz. (18.—16. Okt. 24 299 990 900 Proz.). Goldmark: 701 104 167. Schlüsselzahl des Badifchen Gaftwirteverbanbcs: 150 Mill. Mark Vi Liter neuer Weißwein 60 Mill. Mark, Rotwein 75 Mill. Mark: Essen in Kleinbetrieben 100 Mill. Mark, in Mittel- betrieben 125 Mill. Mark. Eisenbahn: Perionentarif 60 Mill. (ab 13. Okt. 120 Mill), Gütertarife 72 Mill. (ab 13. Okt. 350 Mill.). Badisches Landestheater: 40 000 000 (für Josefs- legende 100 Mill.). Schlüsselzahl des Vereins deutscher Zeitnngs- Verleger für Auzeigenausträge: 200 000. Buchhändl-rschliisselzahl: 170 Millionen. Die Schlüsselzahl für Arzueitaxe: für Waren und Gefäße 1430 000: für die ArbeitSver- gütung 400 000. Bunte Chronic Der Apostel Häuser gestorben. Nach du „B. Z." ist der bekannte Wanderapostel Louis Häußer im Gefängnis von Vechta in Oldenburg, wo er die im Frühjahr dieses Jahres über ihn ver- hängte Strafe von einem Jahr und einem Mo- nat Gefängnis verbüßte, gestorben. Eine furchtbare Bluttat. Ans Hirschberg in Schlesien wird gemeldet: Der Arbeiter Fischer ermordete in der Nacht zum Sonntag aus bis- her noch unbekannten Gründen seine Frau und vier Kinder von drei bis zu vierzehn Jahren. Ein Kind von 1 Jahr ließ er am Leben. Fischer stellte sich selbst der Polizei- Ein bestialisches Weib. Aus Tittmonning (Bayern) wird berichtet, daß dort die weit und breit wegen ihres Reichtums bekannte Pieracher Bäuerin verhaftet wurde. Sie hat eingestanden, am 9. September ihren Mann, Ferdinand Schwengler, vergiftet zu haben. Der Mit- täter, der Taglöhner Sebastian Horner in Tet- Lenhausen wurde ebenfalls verhaftet. Zur Tat selbst meldet das „Trostberger Wochenblatt": Der Bauer Schwengler, wurde am Sonntag, den 9. September, abends beim Nachhauseweg ermo» det und seine Leiche in den Wegingersee gewor- fen. Die Schwengler hatte bereits voriges Jahr einen Wilderer veranlaßt, ihren Mann zu beseitigen. Die Frau hat ihren Mann aufge- fordert, sie nach Hause zu bringen. Als der Weg durch Wald führte, wurden ihm drei Ku- geln durch den Kopf gejagt. Da er nicht sofort tot war, erhielt er noch mehrere Hiebe auf den Kopf. Als auch dann noch nicht der Tod ein- trat, nahm die Bestie den Schwerverletzten auf ihr Rad und fuhr den Halbtoten an den Wegin- gerfee und stieß ihn samt dem Rad in den See, wo er hilflos ertrinken mußte. Die Polizei hatte Mühe, die wütende Bevölkerung vor der Lynchjustiz zurückzuhalten. Der bekannte Philantrop und Nordlandsahrer Nansen beraubt. Fridtjof Nansen wurde auf seiner Reise durch Deutschland im Auto am 3. Oktober abends bei Bitterfeld bestohlen. Wäh- rend einer Autoreparatur wurde ein grauer Koffer mit Kleidern, Wäsche, Schuhen usw. ent- wendet. Im Gepäck befand sich auch eine flache goldene Taschenuhr mit zwei Glücksymbolen (Hufeisen mit Perlen und einem Würfel in Gold gefaßt, mit kleinen Insekten, Kleeblatt usw.) und einem Streichholzbehälter. Die Uhr mit Kette sind Andenken. Für die Wiederbeschaffung wird von Nansens Hilfsaktion für Rußland, Berlin W. 10, Tiergartenstr. 4, eine hohe Beloh- nung gewährt. Die Verwandlung einer Henne in eine» Hahn. Auf der Sitzung einer englischen Wissenschaft- lichen Gesellschaft berichtete der Edinburger Zoologe Dr. Creme über den seltenen Fall, wie eine Henne, nachdem sie dreieinhalb Jahre lang ein friedliches Familienleben geführt und brav Eier gelegt hatte, sich in einen Hahn verwandelte und Vater wurde. Im Alter von dreieinhalb Jahren verlor die Henne plötzlich ihre Federn und legte das Gefieder eines Hahnes an mit allen dazu gehörigen Atributionen, wie Hahnen- kämm usw. Man sperrte das Tier nunmehr mit einer Henne zusammen. Diese legte wäh- rend der ersten drei Monate Eier, die man ihr vergebens zum Brüten gab. Erst nach Verlauf von drei Monaten zeigten sich mehrere Eier, die sie legte, befruchtet, aus denen sich dann Küken entwickelten. Der neugebackene Hahn erkrankte kurz daraus und starb. Eine Sektion des Tieres ergab, daß es an Unterleibstuberkulose gelitten hatte, und daß sich im Verlaufe der Krankheit durch Zerstörung von Bindegeweben und Neu- wuchs das Geschlecht des Tieres geändert hatte. Der Fall erregte in der wissenschaftlichen Gefell- schaft großes Aussehen. Es wurde aber daran erinnert, daß Aehnliches schon früher vorgekom- men ist, und daß man namentlich bei Fasanen schon wiederholt den Fall beobachtet hat, daß eine alte Henne das Gefieder eines Hahnes anlegt. und seltene Kainmermnsikwerke von Schein, Te- ^mann, Corelli, Haßler, Stölzel u Stamitz zur Aufführung bringen. Für die bedeutendsten Klassiker und Romantiker ist je eine ganze Ver- ^staltug vorgesehen. Von modernen Kompo- uisten erscheinen Strauß (Bläser-Serenade), ^-andberger (Trio) und in der letzten Morgen- Aer Krenek (Musik für 9 Soloinstrumente), Andemith (Martenlieder) und Banßnern (4. Sinfonie für kleines Orchester). Auch diese Pro- »ramme sind geeignet, die Aufmerksamkeit aller wusikliebenden Kreise auf sich zu lenken. Aus dem Karlsruher Kunstleben. Galerie Hirsch. Unter dem Titel „E r ste b a>difche M e ist e r" W die Galerie Hirsch zurzeit eine nach Namen Zahl beachtliche Auswahl von Gemälden zu- winmengebracht, die sehr interessante Stücke und ^uiatnmenhänge bietet. Bon verstorbenen Met- ist von H. B a i s ch ein Keines köstliches j »ck „Heimkehr" zu beachten. Ferdinand K e l - r, der heute noch seltener zu sehen ist, als zu 7-evzeiten, ist durch einen flott und sicher gemal- U" »Studienköpf" vertreten, der auch in seiner ^ltzzenhastigkeit das virtuose Können des Künst- ers erweist. Ihm schließen sich ein halbes putzend Studien von G. Schön leber an, die oae vielseitige koloristische und intime Können °le,es Führers in der Landschaftskunst von ciSt West» und Südeuropa erkennen lassen. "Dahlheim", „Wassertor von Besigheim" und die ^anzburger Brücke" zeigen den schwäbischen stetster, die „Terrasse von Paroggi" und der » geformt. H. Förys „Nymphe" macht durch ihre forgsäl- tige und feinempfundene Marmorarbeit wie- derum den schon oft hier festgestellten Eindruck einer gediegenen Kunstleistung. Galerie Moos. Geht man zu Ok tobe ran fang durch die Karlsruher Kunstdarbietungen, so begegnet man seit Jahren einer bezeichnenden Erscheinung: H. Thoma ist da und dort durch irgendeinen Ausschnitt seines Schafsens vertreten. Karls- ruhe gedenkt so jedesmal des Altmeisters deut- scher Kunst, dessen Geburtstag in den Oktober- ansang fällt. Diesesmal sind gar drei derartige Ausschnitte geboten: die graphische Ausstellung der Großen Deutschen Kunstausstellung hat allein noch das Thomakabinett offen gehalten, das Uebrige ist abgebaut. Der Knnstverein hat eine Wand mit Werken des Altmeisters ausgestattet. Die Gale- rie Moos hat ein ganzes Züraner für Werk« Thomas bereitgestellt. Meist bieten sich üier dem Beschauer Werke ältere» Datums dar. Merkwürdigerweise sind auch sür Thomakenner völlig neue Dinge vorhanden: zwei Dekorativ- nen für ein Puppentheater aus dem Jahre 1870, die genügend zeigen, wie sehr Tihoma aitch für derartige Gelegenheitsarbeiten den Ton zu tref- fen wußte. Daß daneben eine „Landschaft" von 1867 schon den ganzen späteren Thoma zeigt, wie er Raum. Form uni> Farbe in eins bildet, daß er in „Hinter dem Laden" ein köstliches Malstück in feinster Beobachtung und Technik gibt, um in den „Alpen" (1870) und im „Bernaubächlein" (1916) seine ganz große Landschaftskunst und im Porträt „Agathe" (1880) seine volle Bildniskunst zu erweisen, kann hier nur berührt werden. Daneben stehen dann die von seiner Gattin Eella Thoma gemalten Stilleben („Apfel und Pfir- sich" und „Ente") und das Bildnis der „Mutter" als Vollreife Kunstleistungen Grer hohen Be- gabung. Bon den Zeichnungen ist Äas Blatt bei „Mutterslehn" als Motiv einer Radierung glei- chen Namens von größtem Interesse: ebenso wie die Bleistiftstudie „Hund" das hervorragende Können des Meisters in der Darstellung von Bewegung und Form aufweist. An diesen KernMNkt der malerischen Darbie- tung schließt sich in bunter Reihe manches interessante Werk. Bor allem möchte ich die drei Bild- nisse von E. Würtenberger herausheben, von denen der „Männerkopf" (1904) noch die ältere Art mit der mehr malerischen Haltung zeigt, während das „Selbstbildnis" unb das „Knabenköpschen" mit der roten Mütze die Wen- dung ins Stilistische und formal Einfache erken- nen' lassen. Alle drei Stücke von beachtlicher Eigenart und künstlerischer Geschlossenheit. Bon großem Interesse sind wohl auch die Ta- sein von H. St rom e y e r , die in der „Ma- donna", dem sehr guten „Hof in Venedig" und in „Berchtesgaden" sich noch ganz auf dem Wege ihres Lehrers Schönleber bewegt, den sie späterhin ganz aufgegeben hat. Sonst ist W. Bolz jr. mit einer größeren Zahl von Bil- dern („Hochofen". „Thomaswerk", „.Herbstwald". „Tannenwald") vertreten, in denen er seine sichere und großzügige Pinselführung dartut. Mit zwei sarbig und formal gut aufgebauten „Stilleben" unb einem noch nicht ganz ausgereif' ten „Bildnis" gibt sich ein mir neuer Name in K. Vogel-Gutmann bekannt, wie auch W. Lilie mit einem großen, rassigen CHaral- terstück dreier friesischer „Bäurinnen" sich mit seiner beweglichen Kunst von einer neuen Seite zeigt. Außer E. Ritters „Bildnis", H. v. Volk- manns Landschaften sind wohl die meisten anderen ausgestellten Werke schon einmal er- wähnt worden, sofern sie in den Bereich des Karlsruher Kunstschaffens gehören. Bgr. Nr. 280. Seite 4 Karlsruher Tagblatt. Donnerstag, den lt. Oktober 1V2Z Erstes Blatt Serirktslaal Karlsruher Schwurgericht. Die Bluttat in der Durlacherslraße. -- Karlsruhe. 10. Okt. Der Taglöhner Frie- brich R e i t h e r aus Beiertheim hat bekanntlich am 4. Juli i>. I. die Ehefrau des Kaufmanns Fuchs in öer Durlacherstraße durch einen Stich in den Hals so schwer verletzt, daß sie bald dar- auf starb. Wegen dieses Verbrechens hatte sich öer Angeklagte heute vor dem Schwurgericht zu verantworten. Der Gerichtssaal war dicht be- setzt,' vor dem Gebäude hatten sich Hunderte von Menschen angesammelt, die keinen Einlaß finden konnten. Schließlich mußte die Polizei sie zer- streuen. Bei der Vernehmung bes Angeklagten erklärte dieser mit Emphase, daß er bei der Tat keinerlei Vorsatz gehabt habe. Er machte seine Ausführungen mit großer Bestimmtheit, will aber von Einzelheiten nichts mehr wissen. Mit- unter geriet er in eine derartige Erregung, daß er mit geballten Fäusten auf die Anklagebank schlug und wiederholt ermahnt werben mußte. Noch heute frage er sich, habe er es getan oder nicht. Der Angeklagte ist am 4. April 1901 zu Beiertheim geboren, sein Vater starb, als er noch ein kleines Kind war, Er kam in ein Waisenhaus und dann in die Volksschule. Nach öer Schulentlassung kam er zu verschiedenen Bäckermeistern in die Lehre. 1910 arbeitete er in der Maschinenbaugesellschaft. Eine Zeitlang beim Militär, ging er 1921 weg, um seine Pflege- eltern zu unterstützen. Er war in verschiedenen Geschäften tätig, zuletzt bei der Jvus, Holzin- dustrie in der Durlacher Allee. Hier war er zwei Wochen vor der Tat eingetreten. Er gibt an, daß er einen guten Lohn hatte und in der Grenzstraße bei seinem Großvater wohnte« Mit seiner Kleidung stand er schlecht, er habe keine Schuhe mehr gehabt. Dem Alkohol sei er abhold, habe das Bier sogar in Kaffee einge- tauscht. Ueber die Tat befragt, sagt er aus, baß er die Durlacherstraße kenne, weil er schon dort gewohnt habe. Am Tag vorher habe er eine Wette gewonnen, indem er schwere Bohlen ge- hoben habe? die gewonnenen 20 Flaschen Bier seien getrunken worden. Er habe etwa 3—4 Flaschen getrunken. An Geld hatte er 160 000 Jl bei sich, als er am Tag öer Tat mit verschiedenen Kollegen nach der Durlacherstraße ging, um ein Paar Schuhe zu kaufen. Seine Absicht sei ge- wesen, nach Kanöel ober Frankfurt zu gehen. Es sei nicht richtig, daß er „Shimmyschlappen" kaufen wollte. Nachdem verschiedene Läden be- sichtigt und die andern weggegangen waren, be- gaib er sich zu Frau Fuchs in den Laden, Dur- lacherstraße 93. Diese hätte 180 000 Ji für ein fiaar Schuhe verlangt, was er als unverschämt ezeichnen müsse. Der Angeklagte geriet in Er- regung, sprach von „Polackegeschmeis" und brachte sich in einen Zustand der Raserei, daß er nichts mehr vorbringen konnte und sich mit der Hand ans Herz griff. Nachdem erging er sich in Verwünschungen gegen die Israeliten, so daß man wohl in einer Art unklarem Fanatismus den Beweggrund zur Tat vermuten darf. Auf die Forderung der Frau Fuchs will er gesagt haben, sie sei verrückt. Darauf habe sie erwidert, er soll barfuß laufen. Sie müsse aber noch mehr gesagt haben. Das sei alles wie ein Traum. Näheres wisse er nicht. Die Tat ist mit einem Taschenmesser verübt worden. Frau Fuchs sprang mit den Worten ,^Jch bin ge- stachen" über die Straße in das Haus ihrer Mutter, wo sie an Verblutung starb. Der Tä- ter war von einem Bewohner der Gegend an- gehalten worden, wurde aber laufen gelassen, weil er angab, er sei unbeteiligt. Nach der Tat ging Reither zu seinem Groß- vater, zog sich um und besuchte noch mehrere Wirtschaften. Planlos sei er zum Bahnhof gegangen und abends nach Frankfurt gefahren. Von dort aus fuhr er nach Limburg, wo er einige Tage war und in Ermangelung im Freien nächtigte. Sodann fuhr er zu einer Tante nach Hanau, die ihm sagte, es stände schon in den Zeitungen. Er habe die Absicht gehabt, sich zu stellen und er habe es als Erleichterung empfunden, daß man ihn verhaftete. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er auf antisemitische Schriften abonniert sei, erklärt der Angeklagte mit theatralischer Gebärde: Mein Herz war abonniert. Damit war die Vernehmung be- endet. Aus der Beweisaufnahme ist die Aus- sage bes Vaters der Getöteten, des Althändlers Mangel hervorzuheben, der kurz vor der Tat im Fuchsschen Laden war und seine Tochter bei der Arbeit an der Waschmaschine getroffen habe. Kaum hatte ich, so sagte er, den Laden verlassen, so hörte ich den Ruf: Vater! Vater hilf mir. Ein Mann hat mich abgeschlachtet! Ich nahm meine Tochter in meinen gegenüberliegenden Laden, wo sie alsbald verstarb- Sie konnte nur noch sagen, daß der Mann direkt auf sie zustürzte, als sie an der Nähmaschine saß und auf sie einge- stachen habe. Im Geschäft war sonst alles in Ordnung. Während Reither von einer Reihe von Zeugen als leicht erregbar und aufbrausend geschildert wird, erhält Frau Fuchs das Zeugnis einer ruhigen Person, der zänkisches Wesen durchaus fern lag. Das Gutachten des ersten Sachver- st ä n d i g e n, des Bezirksarztes Dr. B a t h - lehn er, sagt aus, daß der Tod der Verletzten durch einen starken Stich, der die Halsschlagader durchschnitt und damit Verbluten herbeiführte, verursacht worden sei. Der zweite Sachver st ändige, Dr. Warth, bezeichnet öen Angeklagten Reither als sittlich minderwertig. Er ist über das nor- male Maß hinaus leicht erregbar, doch trifft der § 61 auf den Angeklagten nicht zu. Das Gericht legte den Geschworenen zwei Schuldfragen vor, eine nach Totschlag und nach mildernden Umständen, die Verteidigung beantragte eine dritte nach Körperverletzung mit Todesfolge. Die Anklage, vertreten durch Oberstaatsan- walt Dr. R u d m a n n, plädierte auf Bejahung der Schuldfrage nach Totschlag und Verneinung der übrigen Fragen. Die Verteidigung, Rechtsanwalt Dr. Kreut- zer bittet um Bejahung der Frage nach Kör- perverletzung mit Todesfolge. Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage nach Totschlag, ebenso die Frage nach mildern- den Umständen. Das Gericht verurteilte darauf den Angeklag- ten Reither zu öer H ö ch st st r a f e v o n ö Iah- ren Gefängnis und Aberkennung der bür- gerlichen Ehrenrechte. Vom Wetter Wetternachrichtcndienst der Badischen Landes- Wetterwarte Karlsruhe. Mittwoch, den 10. Oktober 1923. Der nordeuropäische Sturmwirbel hat sich bis Skandinavien verlagert und bei seinem Vor- Übergang im Nord- und Ostseegebiet schweren Sturm verursacht: in Süddeutschland brachten Tiesdruckausläufer wieder Regenfälle bei starken südwestlichen Winden, die infolge ihrer subtropischen Herkunft am Abend die Temperaturen bis 17 Grad erhöhten. Die Ausbreitung eines Hochdruckgebietes von Südfrankreich ist nur vor- übergehend, da westlich von Irland eine neue kräftige Druckstörung vorbringt. Wetteranssichten für Donnerstag, 11. Oktober: Nach vorübergehender leichter Besserung wieder neuerdings Trübung und Negenfällc, bei stark ausfrischenden südwestlichen bis westlichen Win- den mild. Rdein-WaNerltände morgen» 6 Üb«: 10. Oktober Tch«ft«rinsel . 1 ,60 m aettl 2,63 m Mar»« . . . . 4,04 » •» .... 111 Mannheim ! 2,76 m 9. mittags Ii Ul abends 6 Ut Oktober 1,27 m 2,45 m 3,92 m r 3,93 m r 3,96 m 2,72 m Sriefkasten H. L. Hier. Es ist unmöglich, daß wir im Briefkasten Ihre Miete unter Berücksichtigung der gerade bei Ihnen besonders komplizierten Verhältnisse sür nachträglich gelegtes elektrisches Licht usw. berechnen können. Sie müssen sich selbst sagen, daß hierzu eine viele Stunden lange Arbeit und Prüfung aller Belege, Unter- lagen und Rechnungen nötig ist. Sie müssen sich an einen der verschiedenen Sachverstän- digen, die sich ausschließlich mit Mietangelegen- heiten beschäftigen, wenden. Frankfurter Kursnotierungen: Deutsche Staatspapiere Alle Kurse in Millionen Prozent (Zwangsanleihen in %) 5 % I Dtscb. Schatiaaw. 6 »/oll 5°/° III s- w o/o IV-V 4/»«/.VMX .. 4'/s 1924er 6 "I o Dtach. Reichsanl. 4% .. .. L °/o ,, Deutschs Prlmlenanl. 6 o/o Pr. Schatzan. 1922 S0/,j .. 1923 4 o/o PreuS. Consols . IV 0 :: :: : 4 o/o Baden Ton 1901 „ von 1908,1909-14 „ von 1919 . . . . 3 J /a °/o abgeat Si/ä o/ 0 von 1902, 1904 Badenwerk 4 o/o Bayern 3>/ a o/o Bayeru .... 5 0/ o Bayern 4 o; 0 Pfalz. E.B. Prior. % .. „ Conv. 4 o/2 Hessische V. 1899 4 o/ 0 Eeihe 16 i'tt,*' 66 "" " ' ' 8 o/o 5 o/o Württemberger. 4'/j o/o von 1881-85 . . 3'i» °/o von 1903 u. ff. 4 o/o Sachs. Staatsani. 3 o/ 0 Sich». Rente . . 40/0 D.Schutzgebanl. Zwangsanleihe . . . . Dollars chatzanweisg 8. 10. 200 43 26 16 160 5 18 10 22 35 838 10.10 100 400 500 26 16 250 10 18 12 30 24 it 5 5_ 40 40 lÖr lOr 10 r 10000 3000 Fremde Werte S % Silbermexikaner IS 0/0 Goldmexikaner . 4'/j 0/0 IrrigationBanl. 8 o/j Mexikaner.... ISO/o „ Tamaupilas 3000 5 0/0 Tehnantepoc.. , 4 Vi 0 /o „ ... 4 o/q Missouri Paclflo. Türken unifiziert. , . 5 0/0 Rumänen v. 1903 5 o/pÄosu.u. Herzegw. 3475 700 17500 2300 Diskonto Commandit Dresdener Bank . . . Metallbank Mitteid. Creditbank . Oesterr. Länderbank Pfälzische Bank . . . Rhein. Creditbank .. Rtldd. Diskonto-Ges.. ■Wiener Bankverein . ■\Ytlrttbg. Notenbank 8. 10. 10.10. 2000 7000 3000 360 12.. 1051 280 6000 120 1500 900r 1500 450 Industrien Kail ken BaSiscJie Bank .... Berg. Märk. Industrie. Bank Dannstädter Bank. . Deutsche Bank. . . ; 1000 120 1000 1500 1200 230 3250 5500 Adler &0p_ Alumin. Neuhausen Armatur. Klein.... Aschäff. Zellstoff.. . Bad. Anilin . . . i. Bad. Uhrenfabrik .. B. Masch. Badem«. . Baltimore and Ohio . Baug. Ph. Holzmann. Baug. WayB & Freitag Benz Motoren .... Blei- und Silberhatte Braubach Bochumer Gußstahl. Brauerei Wolle.... Braun Pfeddersheim. Buhring i. Ldsb. . , , Chem. Albertwerke „ G. & Silbersch. , Griesheim . . . " Höchst „ Weiler ter Mer Daimler Deutsche Petroleum , Dyckerhoff & Widm.. Eisenwerke Kaiserei. Elberfelder Farben . Elektr. Lichtu. Kraft Elsässer Baumwolle, Emag Frankfurt . .. Faber & Schleicher • Feinmechanik Jetter Oebr. Junghans . , . Gebr. Adt ....... Gebr. Fahr Gelsenkirchen .... Grlln Sc Bilflnger . . . Gummifabrik Peter . Haid & Neu...... Hanfwerke Füssen . Harpener Heddernheim. Kupfer Hoch und Tief .... 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"eztrk ' zu. 80 OM 000 m 84 000 000 M 84000 000 M 5200 000 M 48000000 Jl 1 Kwst Strom für Licht biS zu 30(10 Kwst 1 Kwst Strom sür Kraft biS 3000 Kwst Tr«»venl»a«Sdele«»t«nai «schaltubrmiete monatlich die IS kerzige Glühlampe monatlich Baustlialaliihlampen inKellern und Dachkammern sür die Glühlampe u. Kerzen- stärke Kleintransformatoren f. Läute- werke u. Türösiner sür 1 Watt Eigenverbrauch. Karlsruhe, den S. Oktober 1S2S. «tiidt. Gas-. WaNer- nub Ele«tri,ltiitSamt. Der für Gas ««d Strom ist wegen rapider Steige- rung der Goldmark bis aus weiteres eingestellt. "WU Karlsruhe. 10. Oktober 1923. MWes Gas-. Mer- u. Elelttizitglsamk. Nach unserer Bekanntmachung vom 80. September 19-23 in den hiesigen Tageszeitungen hatten die Boraus,ahtunaen aus die gemeindliche Grund- und Gewerbesteuer fiir j«I2:i-24 folort, spätestens aber bis 10. Oktober zu erfolgen. Die- jeniaen Pslichtiaen nun. die mit der Zahlung noch im Rückstände sind, werden auf Grund Stadtrats- belchlusfes hiermit mit Frist von einer Woche öffentlich gemahnt. Die säumige« Schuldner haben die Folgen der ZavlnngssänmniS au tragen. Stadthanvtkafse A. Alpenverein — Skiklub. Freitag, 12. Okt., abends 8 Uhr, ehem. Hörsaal der teehn Hochschule, Herr Münch: i Vom höh. Dachstein. Lichtbild er vort rag Freitag, 19. Okt, abends im Bärenzwinger (Colosseum) Hauptversammlung der ° r ® pe Karlsruhe Gute Speiseöle erhalten Sie in der Eisten Karlsruher Oelzentrale Lulsenstraße 29. Beachten Sie Preis und Qualität! Größere Margarinesabrik sucht kühlen Lagerraum teventl. Kellerl. ca, 80 qm, m:t Büro, womöglich im Stadtinnern, zu mieten. Angebote unter Nr. 6423 ins Tagblattbüro erbeten. Zu aroBUnlernehmen, unbes. Gebiet, 2 Minuten zur Straßenbahn-Haltestelle. Bau- und Lagerplatz mit Oeleisan> Schluß vorhanden, stille oder tätige Teilhaber, Aktionäre etc. gesucht Vermittler verbeten. 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In den Hauptrollen: Mara Markhoff und Otto Ernst Lundt. ER im Filmatelier Lustspiel mit Harold Lloyd in der Hauptrolle. Eintrachtsaal, Karlsruhe. Motto : Wie auch das Los des Schicksals fällt, Dank' denen, die dich heiter machen, Denn das Oesündeste auf dieser Welt Ist, ab und zu sich krank zu lachen! Heute Donnerstag, II. OKt., abends 8 Uhr "" ä "" Gastspiel des erfolgreichsten Onkel - Bräsig - Darstellers Anton Heizer, Wiesbaden, Mitglied der Gesellschaft für Volksbildung Berlin, Inhaber der Golden. Fritz-Reuter-Medaille. Fritz Reater- Abend Die Perle goldenen Humors I Charakterstudie im Kostüm I Onkel Bräsig Der Schutzmann Bankier Boxbacher Der Kellner Der Polizeipräsident Der Referendarias Der Gefängniswärter Der Photograph Tübinger Chronik > Melzer bereitete gestern den Tübingern einen seltenen Oenuß, er bot etwas noch nicht Erltbtes. Schwöb. Volkszeitung, Ulm t Melzers Meisterleistung „Onkel Brisig" wird dem Publikum unvergeßlich bleiben. Regensburger Neueste Nachrichten ■ Man hatte das Oefflnl, etwas Außerordentliches, Einzigartiges erlebt zu haben. Melzer ist eine köstliche Spezialität usw. K £, en Musikalienhandlung Kurt Neufeldt. Preise: 1.50, 1.— 0.75, 0.50 Mk., Schüler 0.25 Mk. Badisches Landestheater Donnerstag, den 11. Oktober 1923. 71/2 bis Uhr Sp. I 5 — Öastspiel von Ami Schwaninger und Jril Gadescow Die Josephslegende. vorher: Tod u. Verklärung« Karlsruher Tagblatt. Donnerstag, den 11. Oktober 1S28 Zweites Dlatt Der Generalbebauungsplan der Stadt Karlsruhe. . Der von einer zahlreichen Zuhörerschaft be- suchte Vortrag von Architekt Dipl.-Jng. R ö - 'ig er über die künftigen Ziele und Pläne der Karlsruher Stadtbaukunst, ohne Zweifel eine willkommene Ergänzung zu den in der Oran- Serie ausgestellten Stadtplänen des Bundes Deutscher Architekten der hiesigen Ortsgruppe, «ehört sicherlich zum Anregendsten, was die Tech- »Ische Woche gebracht hat. ! To unzeitgemäß bei den jetzigen Verhältnissen Unterfangen erscheinen mag, über umfang- ! seiche Baufragen der Zukuuft zu sprechen, so ist i ®°dj, angesichts der Unzulänglichkeiten des Karlsruher Städtebaus in den letzten Jahr- Zehnten, die Erörterung dieses Problems un- gedingt eine Notwendigkeit. Denn die Landes- Hauptstadt Karlsruhe steht kulturell heute an °inem Wendepunkt. Was ihr früher. Sinn, Form , Uw& Inhalt gab. das höfische Leben und die ! Funktionen als Residenz, ist dahin. Will sie da- Der lebensfähig bleiben, so ist eine Umstellung W Industrie, Handel und Verkehr erforder- Die Lage in der Nähe der Grenze, des ^chwarzwaldes und Rheins, zwischen Schwaben ! unö der Pfalz, macht sie außerdem zu einem Ver- lehrsmittelpunkt von besonderer Bedeutung. ! Drei Dinge machen heute die Physiognomie ! und die Anlage einer Stadt aus: die Stätten «es Verkehrs, der Arbeit und des Wohnens. : Aar Karlsruhe früher nur eine Wohn- und Re- wenzftadt. zentral wie ein Krystall entwickelt Und ausgebaut, so wurde später der Vollendung »es ursprünglichen Baugedankens durch die !^>>enbahn ein Ende gemacht, welche der Stadt 'w Süden ein für allemal einen Riegel vor- "hob. Sonst hätte der noch auf der Grundlage ^r alten Verkehrsbedingungen stehende Plan ^ullas, eine der vortrefflichsten Leistungen auf Gebiet des Städtebaus, durchgeführt wer- °kn können. Da der an die Stadt herange- »langte Eisenbahngürtel eine Längsentwicklung von Osten nach Westen bewirkte, ist die Durch- Ehrung von Ringstraßen und Ringbahnen sehr unvollkommen entwickelt und steht noch ganz in Anfängen. Der Vortragende führte dann an Hand des Karlsruher Stadtplanes eingehend die Anlagen Ausfallstraßen ins offene Land, der Haupt- ^rkehrsadern und der Diagvnalstraßen im In- »ern des Stadtgerüstes vor und zeigte, daß so- wohl in der Durchführung alter Baugebanken auch im Entwurf neuer Verbindungen ein 'iares, zielstrebiges Gestalten nicht zu erkennen Ideen, in ihrer ersten Fassung vortrefflich, werden von der nachfolgenden Generation über Haufen geworfen, überarbeitet, um dann wieder von neuen Plänen überzogen und ver- uummelt zu werden. Unvollkommenheiten, ^sufch und Halbheiten. Mangel an einfachem, "arem räumlichem Gestaltungsvermögen, eine «ufs Wissenschaftliche pochende künstlerische Im- Vvtenz — dies sind im Gegensatz zu der vollen- °eten Stadtbaukunst Alt-Karlsruhes allzuoft die ^nnzeichen unserer neuzeitlichen Baukultur. — ^as den Einfluß durch die Industrie angeht, so ihr Bezirk im Großen und Ganzen auf die ^heinniederung, die Verbindung mit dem Rhein- ?^!en und dem Westbahnhof angewiesen, wählend das Problem des Wohnbaues sich auf den Ausbau des Kerns wie auch des Umkreises von Karlsruhe erstreckt. Dringliche Aufgaben sind 'U dieser Richtung in erster Linie heute die Überprüfung und Berichtigung der Bauord- >.u»g und Bauklassenordnung, sowie der Bau- nuchtenpläne, die init den Siedlungsplänen in Zusammenhang und Einklang zu bringen sind, >erner stetig auszufeilende Vorschläge für den 'Uneren Ausbau un>d die äußere Stadterweite- ^ung, des alten und neuen Bahnhofsgeländes, °es Ettlingertorplatzes, der Sportanlagen im ^rdtwald. des Weiheräckergebietes ». a. auch 'fe Entscheidung über Karlsruhe-Süd. des ^ammerstockgeländeS, für welches im Jahr 1918 ?^oiessor Säuger einen Plan ausgearbeitet f®.'.' der trotz seiner vortrefflichen Gedanken und ^dtebaulicher Schönheiten bis jetzt unbeachtet Ablieben ist, wäre wohl an der Zeit. Zur Durchführung all dieser nach großen Gesichts- punkten gestellten Ausgaben unseres Gemein- Uesens bedarf es mehr als bisher der Mitarbeit et ganzen Bürgerschaft. Hätten wir nur mehr jener Liebe und Sorgfalt, welche Fürst und Oer Mllionengarten. Roman von Remhold Lrtmanu. ' l9 > «Nachdruck verboten) , Daitn kam der Tag, an dem eine große Her- »enssreude die Sorge um Pauls Behagen ein „^uig in den Hintergrund treten ließ. Nach -.Uer durch dienstliche Verhältnisse bedingten 'einen Verzögerung traf der Regierungsbau- feister Oswald Kaska endlich wieder in der ^terstadt ein, die er nun aller Voraussicht nach Je 1 Jahre nicht mehr zu verlassen brauchte, er war einer Behörde zugeteilt worden, ihren Sitz in der Hauptstadt hatte. Und enn auch sein Arbeitsfeld zunächst ein eng be- tL^ätes war, das ihm keine Gelegenheit bot, irgendwie schöpferisch zu betätigen, so bedeu- die Versetzung immerhin den ersten sicheren ^writt auf einer langsam ansteigenden Bahn, .e nach einer Reihe von Jahren unbedingt zu . uer recht angesehenen Stellung in der Beam- --Hierarchie und in der bürgerlichen Gesellschaft fuhren mußte. Oswald Kaskas Ehrgeiz daran volles 'Uugen fand, und daß er mit seinem Schicksal &r. ? ug Zufrieden war, gab sich zur innigen 'ieude der gelähmten Frau in seinem Aussehen k^.in seinem Wesen auf das Unzweideutigste ael «. ® r u>ar noch männlicher und stattlicher N-f°?°en, seitdem er zum letzten Mal von ihr di.'t > ö genommen,- die zielbewußte Sicherheit, ^i aller äußeren Schlichtheit sein Benehmen »»zeichnete, machte ihn nach ihrem Empfinden „ ««« geradezu imponierenden Erscheinung, iedesmal, wenn sie ihm in das angenehm getmaßige, fast immer von seelenruhiger HeiBürgersmann vor IM Jahren der Ausgestal- tung ihres schönen, modern angelegten Karls- ruhes entgegengebracht haben, hätten wir nur etwas von dem Fenereiser, mit welchem heut- zutage junge amerikanische Städte in edlem Wettbewerb um den Sieg der Schönheit ihrer Startanlagen streiten, uns könnte es um den Erfolg nicht bang sein. Denn an Künstlern sehlt es hier nicht, die städtebauliche Probleme zu lösen imstande sind, und es wird Gutes geleistet, wenn man ihr Können und ihre Arbeit nicht ignoriert. Die überzeugenden und klar überdachten Ausführungen des Redners, der das Thema mit umfassendem Verständnis eingehend be- handelt hat, wurden mit viel Beifall aufgenom- men. V- Zahlungsbedingungen und Geldentwertung. Wir haben kürzlich darauf hingewiesen, baß im modernen Zahlungsverkehr, u. a. beim Kohlenhandel Gepflogenheiten eingebür- gert haben, die hinsichtlich der Zahlungsbe- dingungen und der Lieferung für den Ab- nehmer besondere Härten infolge des Geld- entwertungsprozefses entstehen lassen. Nun hat in dieser außerordentlich wichtigen Frage das Landgericht III Berlin ein weiteres wichtiges-Urteil gefällt. In diesem Urteil wird der Eifenbahnfiskus zum Ersatz des vollen Geldentwertungsschadens verurteilt, der einer Firma dadurch entstanden ist, daß die Bahn einen im Oktober ISA) entstandenen Schaden von etwa 30 000 Mark im Februar 1323 mit dem gleichen Betrage in Papiermark regulierte. Das Gericht hat der Klägerin den Betrag von 6 700 000 Mark zugesprochen und außerdem festgestellt, daß der Fiskus verpflichtet ist, ihr auch noch deu weiteren Geldentwertungsfchaden seit Februar 1923 b i s zum Tage der endgültigen Zahlung zu ersetzen. In der Begründung des Urteils wird ausge- führt, daß die Eisenbahn zwar nicht verpflichtet fei, eine feit der Annahme des Gutes eingetre- tene Erhöhung seines Verkehrswertes zu er- setzen, es könne aber kine Rde davon sein, daß der Fiskus seiner Verpflichtung zum Ersatz des gemeinen Wertes zurzeit der Annahme, d. h- im Oktober 1920, dadurch nachkomme, daß er Fe- bruar 1923 einen Papierbetrag zahle, der zif- fermäßig dem Werte der Ware vom Oktober 1920 entspreche. DieMarksei keinWert- messcr mehr, sondern nur no ch ein Zahlungsmittel. Wertmesser könne nur noch eine feststehende Größe sein. Die Mark sei aber eine variable Größe geworden. Danach habe sich nicht der Wert des Gutes, sondern der Wertmesser geändert, es sei keine Erhöhung des Wertes sondern nur eine ziffernmäßige Erhöhung in der Bennung des Wertes eingetreten. AuS diesem Grund sei die Eisenbahn verpflichtet, einen der allgemeinen Geldentwertung entsprv- chenden Mehrbetrag in Papiermark zu zahlen. Es ist sehr erfreulich, daß hierdurch einmal der St a a t selbst zur Verantwortung gezogen wird, der heute durch sein Geschäftsgebahren keines- wegs überall beispielgebend wirkt. Denjenigen Stellen» die in erster Linie berufen sind, reini- gend und begriffklärend zu wirken, fei auch das vorstehende Urteil zur Nachahmung und zu energischem Durchgreifen empfholen. Aus üemGtaötkreile wettere Erhöhung der Eiftnbahnfcrise am 13. Oktober. Der gestern in Kraft getretenen Verdoppelung ber Eifenbahnperfonen- und Gütertarife folgt bereits am Samstag, den 13. Oktober, eine wei- tere beträchtliche Erhöhung dieser Tarife. Es wird betragen die Schlüsselzahl für die Reichs- bahntarife im Personenverkehr 120 Millionen und im Güterverkehr 350 Millionen. Bei dieser Erhöhung ist die letzte außerordentliche Geld- entwertung noch nicht berücksichtigt. * Die Landesmdexziffer für die Lebenshaltungs- kosten (mit Bekleidung) stellt sich nach den Be- rechnungen des Statistischen Landesamtes für den 8. Oktober auf 120 573 426.35 (1913/14 gleich 1). terkeit durchleuchtete Antlitz sah, regte sich die halb verwundert und halb mütterlich stolze Frage in ihrem Herzen, wie es wohl möglich sei, daß Vater und Sohn in Gestalt und Art einander so wenig glichen. Da er seinen neuen Dienst sofort antreten mußte, und da seine Arbeitsstätte in einem ziem- lich entfernten Stadtviertel lag, hatte der Bau- meister den sehnlichen Wunsch seiner Mutter, ein Zimmer in der elterlichen Wohnung zu beziehen, nicht erfüllen können. Aber er war in diesen beiden ersten Wochen seines Hierseins so oft ge- kommen, als die Anforderungen seines Berufes es ihm nur immer gestatteten. Dabei war es schon am dritten Tage nach seiner Ankunft ge- schehen, daß er am Rollstuhl seiner Mutter mit Fräulein Liselotte Madelung zusammentraf, die der Gelähmten endlich den schon seit langem in Aussicht gestellten Besuch abstattete. Und es war auf beiden Seiten ein recht freudiges und herz- liches Wiedersehen gewesen. Oswald sprach es unumwunden aus, daß er nicht darauf gefaßt gewesen sei, die magere, eckige Liselotte seiner Erinnerung, die niemals zu wissen schien, wo sie mit ihren langen Gliedern bleiben sollte, als eine so wohlgebaute und vornehme junge Dame wiederzusehen. Und sie gab ihm die neckende Schmeichelei mit einer scherzhaften Bemerkung über seinen inzwischen gewachsenen Vollbart zurück, der sie mit Ehrfurcht erfüllte, weil er ihm das Aussehen eines würdevollen Vierzigers gebe. Ein ungetrübt lustiges halbes Stündchen war es, das sie zum stillen Ergötzen der glücklich dreinschauenden Frau Kaska in dem einfachen Stübchen verbrachten. Und als sie ihm zum Ab- schied die Hand reichte, sagte Liselotte: „Sie wer- den uns doch besuchen? Und recht bald — nicht wahr? Aber Sie müssen sich durch Ihren Vater vorher ankündigen lassen. Ich bin nämlich sel- ten zu Haus." Die Steigerung gegenüber der Vorwoche (46 537 200.05) beträgt somit 159,4 Prozent. Ohne die Bekleidungskosten stellt sich die Indexziffer auf 101634 562.81. Die Steigerung beträgt 146,8 Prozent. Die Teuerungszahl für Karls- ruhe beträgt 12 850 772 928 (mit Bekleidung), (1913/14 gleich 106,63) 10033 080 620 (ohne Be- kleidung. Die Steigerung gegenüber der Bor- woche ist 160,1 Prozent bezw. 133,3 Prozent. Protest des badischen Einzelhandels gegen die verschärften Bankbedingungen. Man schreibt uns: Der in der Landeszentrale des badischen Einzelhandels organisierte badische Einzelhan- del hat im Verfolg einer gestern vormittag ab- gehaltenen stark besuchten Mitgliederversammlung der Karlsruher Banken-Vereinigung ein Schreiben zugestellt, in dem auf die durch die Verschärfung der Bankbedingungen geschaffene unhaltbare Lage hingewiesen und mit allem Nachdruck eine Abänderung dieser rigorosen Be- dingungen verlangt wird. Es Hängt von der Stellungnahme der Banken-Vereinigung ab, ob der Einzelhandel für die Zukunft in der Lage ist. sich der Vermittlung der Banken auch weiter- hin zu bedienen und Schecks in Zahlung zu neh- men. Mit der Beamtenbank ist ein Abkommen wegen Annahme der Schecks dieser Bank bereits getroffen. Preiserhöhung für markenfreie Backwaren. Wie die Bäcker-Innung uns mitteilt, erhöhen sich die markenfreien Backwaren infolge der außerordentlich gestiegenen Mehlpreise auf das Doppelte. (Siehe die Anzeige.) Der Umrechnungssatz für die Landabgabe be- trägt für die Zeit vom 13 bis 16. Oktober ein- schließlich 243 Millionen Papiermark für die Goldmark. Unfälle. Am 8. Oktober 1923, vormittags 8 Uhr, erlitt eine Hilfsavbeiterin aus Hagsfeld an ihrer Arbeitsstelle dadurch einen Unfall, daß sie ihre linke Hand in eine Teigmaschine brachte, wodurch die Hand stark gequetscht wurde. Die eVrletzte fand Aufnahme im Städt Krankenhaus. — Am 9. Oktober, vormittags 8M Uhr, geriet ein Arbeiter beim Rangieren am Westbahnhof zwi- schen die Puffer, wobei ihm die Brust erheblich gequetscht wurde. Der lebensgefährlich Ver- Verletzte fand Aufnahme im Städt. Krankenhaus. Messerstecherei. Nach vorausgegangenem Wortstreit brachte vorgestern abend K9 Uhr ein hier wohnender Kaufmann einem Schriftsetzer Ecke Krieg- und Kapellenstraße 9 Messerstiche im Gesicht und einen Luugenstich in die linke Rük- kenseite bei und verletzte ihn schwer, so daß er mittels Krankenautos nach dem Städt. Kran- kenhaus verbracht werben mußte. Der Täter ist verhaftet. Betrüger. Anläßlich eines Unfalles auf der Kaiserstraße am 2. Oktober, nachmittags 5X Uhr, hat ein Unbekannter die Bestürzung des Ehe- mannes der verunglückten Frau ausgenützt und ihn zur Herausgabe seines Fahrrades unter dem Versprechen veranlaßt, das Rad nach dessen Woh- nung verbringen zu wollen. Seither ist der Be- trüger mit dem Rad verschwunden. Er gab sich fälschlich als Buchhalter Heinrich Kapserer aus, ist 1,65 Meter groß, etwa 38 Jahre alt. kräftig, starker Schnupfer, hat schwarzes Haar und Schnurrbärtchen, trägt hellgrauen Anzug und Hut. Beschreibung des Rades: Marke Opel, ^hwarzer Rahmenbau und schwarze Felgen. Morroro Freilauf mit Rücktrittbremse, rote Sätteldecke. Aus die Ermittelung des Täters sind 500 Millionen, auf Beibringung des Rades eine Milliarde Mark Belohnung ausgesetzt. Festgenommen wurden: Zwei aus Anstalten entwichene Fürsorgezöglinge, ein Lehrling wegen Diebstahls einer Taschenuhr, ein Taglöhner von Heidelberg, der im Besitze von Zinkblech war, das er offenbar kurz vorher von einer Einsrie- digungsmauer entwendet hat und ein Händler von Unterteufstetten wegen Handels mit Alt- metall ohne Erlaubnis. Mitteilung des Bad. Landeslheaters. Das Schauspiel „Der Marquis von K e i t h", das am Samstag, den 13. Oktober zur hiesigen Erstausführung kommt, gehört zu den- jenigen Dramen Frank Wedekinds, in denen dieser „Ethiker der Amoral", dieser Verstands- kalte Hasser der Sünde wider das Fleisch und die urtümlichen Lebenstriebe die groteske Einseitig- keit und wahnhafte Verzerrtheit feiner Welt- und Lebensanschauung in all ihrer fratzenhaften „Haben Sie denn eine Beschäftigung, die Sie so unhäuslich macht?" begehrte er zu wissen. Aber sie schüttelte lachend den Kopf. „Eine Beschäftigung — ich? Wenn Sie dar- unter so etwas wie eine Lohnarbeit verstehen — als Tippfräulein etwa — oder als Empfangs- dame bei einem Zahnarzt, so muß ich leider be- kennen, daß ich noch immer ein ganz unnützes und überflüssiges Mitglied der Gesellschaft bin." „Nun, es gibt doch am Ende auch noch andere weibliche Berufsarten als die von Ihnen auf- gezählten. Ihre Schwester zum Beispiel " Wie in Entsetzen hob Liselotte die Hände. „Eine Aerztin?! — der Himmel soll mich be- wahren. Ich kann keinen Kanarienvogel sterben sehen. Und außerdem verfüge ich nicht über Hertas glänzende Geistesgaben. Für sie war das Studium ein Kinderspiel: meine Fähigkeiten aber sind mehr nach der Seite deS Körperlichen bin entwickelt. Wenn ich einmal genötigt sein sollte, mir mein Brot selbst zu verdienen, wirb es wohl als Tennislchrerin sein müssen, wenn nicht gar als Gnmnastikerin oder Kunstreiterin." „Wovor Sie in Gnaden zu bewahren ich nun meinerseits den Himmel bitten möchte. Aber die Notwendigkeit steht ja auch wohl glücklicher- weise noch nicht vor der Tür." „Ich hoffe — nein. Wenigstens bemühen sich einige junge Herren unserer Bekanntschaft so angelegentlich, mir nicht zu mißfallen, daß ich daraus die günstigsten Schlüsse auf ihren Glau- ben an meine Mitgift ziehen darf." Wie sie es mit ihrer süßen zwitschernden Stimme sagte, klang das alles sehr anmutig und liebenswürdig- Dem Regierungsbaumeister aber schien es doch nicht ganz zu gefallen. Sein Gesicht war ernster geworden, als er erwiderte: „Haben Sic die Gewohnheit, alle Artigkeiten, die Ihnen von jungen Herren erwiesen werden, unter solchem Gesichtspunkt zu betrachten?" Nr. 280. Seite 5 Kraßheit darbietet. Die besondere Stellung, durch die er als eine der markantesten Erschei- nungen aus der modernen Literaturentwicklung herausragt, wird auch hier mit demonstrativer Deutlichkeit erkennbar. Dem Wesen des Werks entsprechend, wird die Jnfzenierug durch Felix B a u m b a ch weder durch das Bühnenbild noch durch die Darstellung etwa dem Stil des natu- ratlistischen Milieustücks angepaßt sein, sondern eine andere, vom künstlerischen Charakter des Stücks geforderte bühnenmäßige Ausdrucksform wählen Die Titelrolle spielt Stcsau Dahlen. Am Sonntag, den 14. Oktober gelangt Pnc- cinis dreiaktige Oper „Tosea" neueinstudiert zur Aufführung. Das Werk wurde hier seit 13 Jahren nicht mehr gegeben und wird insze- niert von Oberregisseur Stang. Die musika- lisch« Leitung hat Kapellmeister Schweppe. Die Titelpartie singt Frau Brügelmann. In den übrigen Hauptpartien sind beschäftigt die Herren Balve. Glaß, Loichinger, Warth, Wahle und Weyrauch. Beginn der Vorstellung um OH Uhr. Wie bereits bekannt gegeben, hat das Bad. Laudestheater Hans Pfitzners dreiaktige musi- kalische Legende „P a l e st r i n a", die bereits an einer Reihe der ersten Bühnen Deutschlands den stärksten und nachhaltigsten Erfolg der letzten Jahre gezeigt hat, zur Aufführung erworben. Die Erstauführung ist für den 25. Dezember vorgesehen. Das Werk stellt an alle Ausführen- den die größten Anforderungen. Demzufolge ist die musikalische Vorbereitung bereits seit län- gerer Zeit im Gange, die szenischen Proben neh- men demnächst ihren Anfang. Veranstaltungen. Onkel Bräsig in Karlsruhe. Am Donnerstag, den 11. Oktober, abends 8 Uhr, ftndet im Ein- trachtsaale ein einmaliges Gastspiel des ersolg- reichsten Onkel-Bräiig-Dorstellers. A. Melzer- Wiesbaden statt. Onkel Bräsig, ein Jungbrun» nen alles dessen, was Empfindung und Leven in uns ist. Einen Charakter wie diesen, wahrhaft bewundernswert, hat vor Reuter noch kein Dich- ter geschaffen. Eine wundersame Wirklichkeit, unmerklich doch mit Künstlerhand idealisiert: rührend und Lachtränen hervorrufend, oft in derselben Sekunde, die Menschen alle leibhaftig, daß man sie nicht mehr vergißt. Anton Melzer wird uns mit diesem Bräsig aufwarten und zwar im historisch gewordenen Kostüme. Diesem selte- nen Gastspiel dürfte demnach großes Interesse entgegengebracht werden. Die Konzertdirektoin Neufeldt besorgt den Vorverkauf. Chaos oder Aufbau. Ueber dieses Thema spricht heute, Donnerstag, abends 8 Uhr, im Friedrichshofsaal Generalmajor a. D. Dr. Frhr. v. Sch oenaich, der sich durch seine klare Be- urteilung der Zeitverhältnisse Beachtung als Redner und Schriftsteller in der politischen Welt errungen hat. Man beachte die Anzeige in der gestrigen Nummer und die Plakate. Standesbuch-Auszüge. Todesfälle. 8. Oktober: Christian Heim, Waffenhändler, Ehemann, alt 30 Jahre: Arnold Dehmke, Proviantamtsdirektor a. D., Ehem., alt 53 Jahre; Alfred, alt 5 Monate, 17 Tage, Vater Max Friedrich S i e g r i st, Bahnarbeiter. — 9. Oktober: Ida Leopold, alt 36 Jahre, Ehefrau des Postsekr. Viktor Leopold? Christine Schölch, alt 76 Jahre, Witwe des Bahnar- beiters Heinrich Schölch. - 10. Oktober: Regine Krebs, alt 77 Jahre, Witwe des Kassendteners Bernh. Friedrich Krebs. Dagesanzeigev Donnerstag, 11. Oktober 1S2S. Bad. Landes theater: „Die Josefslegende". Abends TA—Oy, Uhr. Städt. Konzerthaus: Badische Lichtspiele. „In Schnee und Eis von Südamerika". Abends 8 Uhr. Onkel Bräsig in Berlin. Fritz-Reuter- Abend Abends 8 Uhr im Eintrachtsaal. Deutsche F r i e d e n s g e se l ls'ch a f t:„Chaos oder Aufbau". Vortrag von Freiherrn v. Sch oen eich. Abends 8 Uhr im Friedrichshof. Jugend-Versammlung: Bortrag von Franz Höhnel. Homburg. Abends 8 Uhr im großen Rathaussaal. Palast lichtspiel e: Neues Programm. Wenn es hatte ein Verweis sein sollen, so war die Absicht verfehlt,- denn sie nahm es jedenfalls nicht dafür. Mit einem Achselzucken meinte sie leichthin: „Nun, am Ende läuft es doch immer darauf hinaus. Oder können Sie mir mit gutem Gewissen versichern, daß Sie sich noch nie ein reiches Mädchen zur Frau gewünscht haben?" „Ich habe mir noch nie ein anderes Mädchen zur Frau gewünscht als eines, das ich um seiner selbst willen von Herzen lieb haben kann." „Und das Sie um Ihrer selbst willen anbetet. Natürlich, so steht eS in allen schönen und erbau- lichen Büchern zu lesen. Aber ich glaube, so schön und erbaulich wie in den Büchern sieht die Wirklichkeit nicht immer aus." Nun zuckte es doch wieder wie ein gutmütiger Spott um seine Mundwinkel. „Ich sehe. Fräulein Liselotte, daß Sie seit un- serem letzten Beisammensein nicht nur körperlich noch gewachsen sind, sondern daß Sie auch an Weisheit und Lebenserfahrung beträchtlich zu- genommen haben. Mit den Anschauungen, die ich mir draußen in der Provinz zu eigen gemacht habe, komme ich mir schon ganz klein und ein- fältig neben Ihnen vor. Sie werden mich ein wenig in die Schule nehmen müssen, um einen halbwegs gesellschaftlichen Menschen aus mir zu machen." Auch das nahm sie ihm nicht übel. Während sie sich von ihm zur Ausgangstür begleiten ließ, sagte sie mit drolliger Schelmerei: „Nur, wenn Sie mir versprechen, ein sehr artiger und folg- famer Schüler zu sein. Man hat mich nämlich inzwischen etwas verwöhnt. Und das ahnuugs- lose kleine Mädchen, für das Sie mich gehalten haben mögen, bin ich wirklich nicht mehr. Nun, wir werden ja sehen, wie wir miteinander aus- kommen." (Fortsetzung folgt.) Nr. 280. Seite 0 Karlsruher Dagblatt, Donnerstag, den 11. Oktober 1923 Zweites Vlatt Letzte Kurse im Devisen- FreiverKehr. Frankfurt a. M., 10. Okt. Belgien — Mill. Holland 2400 Mill. London 25000Mill. Paris 33000 Mill. Schweiz 1000 Mill. Italien — Mill. Neuyork 5500Mill. Prag — Mill. Tendenz: fest. Die Goldmark am 10. Okt. berechnet nach dem amtlichen Berliner Dollarbriefkurs, 1 Dollar = 4.20 Mk. Vorkriegswert, 710104167 Papiermark. Mannheimer Effektenbörse. K. Mannheim, 10. Okt. (Drahtber.) Die Tendenz an der heutigen Börse war außerordentlich fest. Es wurden umgesetzt Badische Anilin zu 12 500, Rhenania 8250 ä 8500 b. u. G„ Seilindustrie Wolff 6C0, Benz 1300, Dampfkessel Rodberg 350, Gebr. Fahr 1700, Waggon Fuchs 4C0, Karlsruher Maschinenbau 2000, Knorr Heilbronn 1C00 ä 1500, Cons. Braun 700, Mannheimer Gummi 325. Maschinen Badenia 400, N.S.U. 1375, Pfalz. Mühlenwerke 250, Nähmaschinen 1600, Zement Heidelberg 3500, Rhein Elektra 1500, Freiburger Ziegel 400, Wayß & Freytag 2200, Zellstoff Waldhof 3700, Zuckerf. Frankenthal 4000 und Waghäusel 3000. Von Banken Rhein. Creditb. 600. Bad. Bank 1200, Südd. Diskonto 1200, Pfalz. Hypoth. 200, Rhein. Hypoth. 190. Von Brauereien waren Sinner Grünwinkel 1200 genannt. Allgemeine Versicherungsaktien 4500 Bad. Assekuranz 1500, Continental 1500, Fran- kona 4500, Oberrh. Versicherung 1500, Mannheimer Versicherung 4000. Fiankfnrler Bör&e. Allgemeine Hausse. — Dollar bis 3700. w. Frankfurt a. M., 10. Okt. Der Devisenmarkt verfolgt weiter steigende Richtung. Man nannte den Dollarkurs von 2250—2500, bei Beginn der Börse 3000. Viel bemerkt wurde die lebhafte Nachfrage nach Dollarschatzanweisungen. Im Anschluß an die Haltung des Devisenmarktes waren Valutawerte stark gesteigert. Große Nachfrage stellte sich für Türkenwerte, Rumänen, Anatolier, Schantungbahn ein. Sehr fest auch 3 Prozent Preußische Konsols. Am Markte der Industriewerte bewirkte die Lage des Devisenmarktes eine erneute Kauflust seitens der Börsenspekulation. Die Tendenz war daher ausgesprochen fest. Für den Verkehr in Montanwerten waren die heute vorliegenden Kaufaufträge für rheinische Rechnung ausschlaggebend, durch die die Tendenz einen neuen scharfen Auftrieb erhielt. An der Spitze der Bewegung standen Harpener, Riebeck-Montan, Bu- derus, Gelsenkirchen, Deutsch-Luxemburg, Ober- schlesiche Werte. Sehr beachtet waren chemische Werte. Scheideanstalt, Holzverkohlung lagen sehr fest. Anilinwerte setzten durchweg höher ein. Rütgers-Werke, Albertwerke lebhaft. Licht und Kraft wurden erheblich gesteigert. A.E.G., Lahmeyer, Schuckert stark erhöht. Auto- und Fahrradindustrie konnten bei lebhaften Umsätzen anziehen. Sehr begehrt waren ferner Badenia, Krauß Lokomotiven und Eßlinger. Zementaktien fest. Das Interesse für Zuckeraktien hielt an. Frankenthaler stiegen über das Doppelte. Zellstoff Waldhof bei großem Geschäft höher. Am Markte der Einheitswerte nahm der Geschäftsverkehr einen lebhaften Charakter an. Bankaktien und Schiffahrtswerte verfolgten eine steigende Richtung. In amtlich nicht notierten Werten herrschte bei sehr lebhaftem Geschäftsverkehr überwiegend feste Tendenz, besonders bestand Nachfrage für Becker-Stahl 6,50—7. Becker- Kohle 6, Growag 190—180, Karstadt 550, Mayer- Textil 150, Hansa Lloyd 500, Frankfurter Handelsbank 35, Estemo 105, Wald und Holz 275 Mill, Proz., Ufa 1,6—1,8 Milliarden Proz. Kursverdoppelungen waren vorherrschend, vielfach darüber. Berliner Börse. Anpassung der Effekten. — Dollar amtlich 2982 Millionen. w. Berlin, 10. Okt. Da die Entwertung der Mark täglich weitere Fortschritte macht und in Rückwirkung hiervon der Devisenmarkt einen sprunghaften Hochstand erreicht, hat auch die Anpassung der EffeKtenkurse an die Geldentwertung einen neuen außerordentlich großen Fortschritt gemacht. Während bisher die Steigerung der Effektenkurse weit hinter der der Devisenkurse zurückgeblieben ist, war dies heute nicht der Fall. Es erfolgte für die Mehrzahl der Dividenden- und festverzinslichen Papiere Verdoppelung des Kursstandes, für die führenden Werte an Montan- und Industriemarkt in der Regel Verdreifachungen und vereinzelt Vervierfachungen und Verfünffachungen. Letzteres trifft auch auf einzelne Schiffswerte zu. Das Geschäft nahm wegen der Höhe des nunmehr erreichten Kursstandes keinen besonders großen Umfang an» Das Publikum und die berufsmäßige Spekulation halten ihren Effektenbesitz fest. Für Valutapapiere vollzog sich die Anpassung des Kursstandes in ähnlicher Weise, ebenso wie dies im Freiverkehr bei Kolonial-, und Valutawerten der Fall war. Am Markte der unnotierten Werte kam es gleichfalls zu Kursverdoppelungen. Doch waren hier die Kurssprünge nicht so allgemein wie anderwärts. Heimische Anleihen behaupteten ihren Kursstand, 3proz. Reichsanleihe verdoppelte ihn. Weiterhin traten wesentliche Veränderungen in der Kursbewegung nicht ein. Die Devisenpreise wuilden amtlich nur wenig unter dem Frühverkehr genannt. Die Zuteilung war ungefähr die gleiche wie bisher. Die Umsätze sind sehr klein, und die Kurssprünge sind mehr die Folge dea mangelnden Angebotes. Verkäufe werden nur in ganz geringem Umfange vorgenommen. Nachbörse. Berlin, 10. Okt. Die Tendenz blieb allgemein fest, jedoch setzten sich die Steigerungen meist nicht weiter fort. Am Montanaktienmarkt wurden Phönix sehr fest zu 44 Milliarden genannt, Oberbedarf stellten sich auf 19,5, Caro auf 18 Milliarden, Von Schiffahrtswerte wurden Lloyd zu 6750 und Hapag zu 27 000 gehandelt. Von Elektro- werken A.E.G. zu 5000. Dollar 5 Milliarden, Variable Kurse. Berlin, 10. Okt. (Drahtber.) Aufträge werden um 6000 M. nominal oder dem Vielfachen davon gehandelt. (Alles in Millionen Prozent). Goldanleihe 2000, 2425, 2600, Dollarschatzanw. 2300, 2650, 2800, 3200, Mitteid. Creditb. 1100, 1170, 1130, Oesterr. Creditb. 520, 535, 600, 620, Adler-Werke 925, 975, 1050, A.G. f. Anilin 6000, 5500, 6000. A.E.G. 4500, 4250, 4500, 4450, Chem. Griesheim 6000, 7000, 6500, 7500, Chem. Heyden 1700, 2400, 2700, 2600, Deutsch-Luxemburg 40 000, 39 000, 44 000, Gelsenkirchen 45 000, 43 500. 45 000, Höchster Farben 7100, 8500, 7500, Köln-Neuessen 35 000, 38 000, 40 000, Laurahütte 19 000, 18 500, 19 500, Linke-Hofm. 10 000, 15 000, 14 000, Mannesmann 28 000, 27 000, 28 500, Oberbed. 13 500, 13 750, 13 500, 15 000, Phönix 33 000, 32 000, 36 000, Rhein. Braunkohle 24 000, 28 000, 30 500, Rheinstahl 38 000, 39 000, 36 000, Rütgerswerke 7300, 7000, 7500, Zellstoff Waldhof 34 000, 33 000, 34 000. Karlsruher Börse. Getreide und Mehl. Die augenblickliche Lage ist dazu angetan, jedes Geschäft zu verhindern. Verkäufer halten, weil keinerlei Basis zur Wie- derbeschaffung aufzustellen ist, vollständig zurück. Die wenigen Offerten können mangels entsprechendem Kapital nicht aufgenommen werden. Die äußerst seltenen Forderungen differieren so stark, daß die Nennung von Preisen eine Unmöglichkeit bedeutet. Wein und Spirituosen. Die rapid verschlechterte Mark brachte ungeheuerliche Preise die bei äußerst geringem Angebot Geschäfte kaum ermöglichten. Kolonialwaren. Tee, mittel 8—8,60 Goldmark, gut 8.80—9.80, fein 10—12.80 per kg verzollt". Zollsatz vom 10.—12. 10. 301400 000 M. per Kilo. Kaffee, roh, 2,90—4,60 Goldmark, gebrannt 3,80 bis 5 Goldmark per Kilo verzollt. Kakao 4 Goldmark, Burmareis 0,45, Linsen 1—1,10, Perlbohnen 0,65—0,70, Schweineschmalz 1,80, Salatöl 1,40 per Kilo. Berliner Produktenbericht. Berlin, 10. Okt. Amtliche Notierungen: Märkischer Weizen ohne Angebot. Märkischer Roggen 3600—3800, Tendenz steigend. Sommergerste 3800—4000, Tendenz steigend. Märkischer Hafer 3200—3300, Tendenz steigend. Weizenmehl 12 000—13 000, Tendenz steigend. Roggenmehl 11 000—12 000, Tendenz steigend. Weizenkleie 1200—1300, Tendenz steigend. Roggenkleie' 1200—1300, Tendenz steigend. Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt 96—100, Haferstroh, drahtgepreßt 70—80, Roggen- und Weizenstroh, bindfadengepreßt 42—48, gebündeltes Roggenlangstroh 90—100, Heu, gutes 70—80, Berliner Metallmarkt. 10. Okt. Raffinadekupfer 1100, 1150, Originalhüttenweichblei 440, 470, Originalhüttenrohzink 580, 610. Remelted- Plattenzink 460, 480, Originalhüttenaluminium 2000, 2200, Banka-Zinn 3800, 4000, Hüttenzinn 3600, 3300, Reinnickel 2000, 2200, Antimon-Regu- lus 460, 480, Silber-Barren 79 000, 81 000. Hamburger Metallmarkt, 10. Okt. Silber 78, 72, Zinkhütten 600, 535, Banka-Zinn 4100, 3600, Gold 2,6, 3, Platin 13, 15. Hamburger Altmetallmarkt. 10, Okt. Kupfer 55—57.10, Rotguß 47—51, Messing, leicht 32 bis 33.10, Messingspäne 31—33, Messingguß 34.10—37, Blei 18—20, Zink 19—21. Goldzollauigeld. Für die Zeit vom 13./16. Okt. einschließlich, beträgt das Goldzollaufgeld 24 299 999 900 v. H. (Die Goldmark gleich 243 Millionen Papiermark). Devisenkurse Im Freiverkehr Mitgeteilt durch das Bankhaus Straus ft Co. Karlsruhe. al v orbOrsllch 1035000 -J600090 4|jjj00- lit«° 118500 -1830C0 Tendenz: sehr fest. Auswärtige Devisenmärkte. Mark in Zürich am 10. Oktober: 0,0000002 Cts. = 1 Fr. 500 000 000 Mark. Ein englisches Pfund in Paris am 10. Oktober: 74 Frcs. gegen 75,25—75,75 Frcs. am 9. Okt. Holland. . Schweiz. . Paris . . . Belgien . , London . . Newyork . Italien . . b) nachbörslich 1425000 - 3020000 fii8o8 —IflooS M- 3 »8o° 162000-3450000 Tendenz: ruhig. Devisennotierungen: W. Frankfurt, 10. Oktober. ßrOssel.. . Holland . . Iiondoa.. . Paris . . . . Schweiz . . Spanien . , Italien . . . Lissabon. . Dänemark . Norwegen . Schweden . Helsingfors Newyork. . Wien (altes) Btseb. Oest. Budapest. . Prag .... Sofia . . .. Agram . . 9. Oktober. Geld 84787500. 643387500. 7182000000. 100747500. 283275000. 199500000. 69825000. 274313500. 254362V!3. 423937500. 40875000. 1696000000. 21945'- 95760 - 4887750. Brief 85212500 646612500. 7218000000. 101250500. 230725000. 20050M0O. 70175000 275687500. 25563750Ü. 426062500. 41125000. 1604000000. 22055.- 96240 - 4912250. 10. Oktober. Geld Brief 185535000. 186465000. 16357Ö0W 0. 1704250000. 14463750000. 224936250. 558600000 528675000. 179550000 723187500 670318750- 578550000. 917700000- 94762500. 3S90750000. 54363 75 194512 50 114612500, 28927500. 31920000. 14536250000. 226063750. 180450000. 726812500. 674181250. 581450000. 9^300030. 95237500. 3709250000. 5463625 19548750 115387500. 29072500. 32080000. w. Berlin, 10, Oktober. 9. Oktober. Amsterdam Bifinsel. . . Ohrlstiania Kopenhag. Stockholm. Helsingfors Italien .. . London. . . Newyork. . Paris . . , . Schweiz . . t anien . , ien (altes) Dtsch. Oest. Prag .... Budapest.. Lissabon . . Bulgarien . Bucn.-Airee Japan. . . . Rio de Jan. 'ncoalavien Geld 473812500. 63840000. 180525000. 211497000. 319230000. 32718000. 54463500. 5486250000. 1197000000. 72817500. 215460000. 162592500. 17157-- Brief 476187500. & 64160000 s 190475000 io 212&03D00 10 320800000. W 32882000. 547365C01« 5613750000. s 1203000000. 6 73132500.° 216540000 io 163407500. 2° 17243 - 36290500» 65163-— 11770500. 11829500°° 394012500. i 395987500. * 593512500. | 5S84S7500.— 115710000. I 116290000- 14463750.114536250" 10. Oktober. Geld 1162087500. 154612500. 458850000. 520695090. 773037500. 79800000. 134662500 1346625000. 2967562500. 181545030. 52EB75000. 402990000. 41895.'- 89775000. 159600.- 119700000. 28927500. 969570000. 1471312500. 284237500. 35511000. Brief 1167912500' 1553875S0.S 461150000■" 523305000•" 7869625001» 30200000- 135337500 "> 135337=090. 2982437300« 182455000. 3 5313250001° 405010000'° 4210^'™ 90225000. » 160400.- 1203000M. 29073500- | 974430000. 1478GS7503. i 285712500. I 35689000. Die kleine Ziffer bedeutet die Zuteilung in Prozent. Berlin, 10. Okt. Der fiir die Durchführung der Devisenordnung maßgebende amtliche Mittelkurs des Dollars beträgt heute 2975 Millionen. Unnotierte Werte: Wir waren vor- börslich Adler Kali , . Api Bad. Motorlokomo-I tivwerke . . . iZaldur ; Becker Steinkohle . Becker Stahl . . Benz Brown Boveri ig. Deutsche Lastauto. Deutsche Petroleum Germania Linoleum Grindler Cigarren . Grofikraftwerk Württemberg . . Hansa Lloyd . . . HeldburgVora.-Akt. Inag Itterkraftwerke. , Kabel Ehevdt . . Karstadt-Aktien . Knorr Krttgershall . . . Alles in Millionen Mark. Ver- Känf. käuf. Verkauf. kauf. 30000135000 30000 — 2000 00000 80000 <70000 90300 1140001 - 4000 - 7000 9000 35000 40000 1200 1500 zs 4000 4500 •'0000 — 00 - Landeswlrtschafts- 1 stelle für das Badische Handwerk Melliand Chem. Meurer Spritzmetall Moninger Brauerei Offenbrg. Spinnerei Pax, Industrie- und Handels-A.-G. Petersbgr. Int. . Rastatter Waggon. Redl & Wienenberg. Russenbank . . . Schuvag . . . . Sichel Sloman i abakhan dels - A.G. Teichgriber . . . Textil Meyer . , . Turbo-Motoren . . Ufa ...... Zuckerwaren Speck 3600 4000 250 30000 24000 ■ 40 300 60 70001 - Wertbeständige Anlagen In Millionen, Mark das Stück igM 5°/o Badische Kohlenwert-Anleihe . . . 8% Mannheimer Kohlenwert-Anleihe . . 5 % Sächsische Braunkohienwert-Anleihe 5°/<> Bhein-Main-Donao-Gold-Anleihe , , 7°/o Neckarwerke-Goldanleihe 5°/n Preußische Kali-Anleihe pro 100 kg . 6 °/ 0 Sicheische Roggen-Anleihe pro Ztr. S°/o Süddeutsche Festwertbank-Oblig. . 250C 2000 unnotierten Werten sind wir stete 5800 coul&nt In sonstigen unn< Käufer und \ erklufer, Baer & Elend, Bankgeschäft Karlsruhe, Karl-Frledrlchstra3e 26, Telephon 223, 2S5, 429. Berliner Kursbericht Alle Kurse in Millionen Prozent. Versch. festverzinsliche Werte. VI, Oest.Soh.14 ' .Gold-R Kron.R. . . Türk.adm.. Bagd. 8.1. . Bagd. S. II. . Türk. untf. . , Zoll 1911 . . Lose , Ung.Gold-B. Kron.-R. ., Mex. An!.. , 4 4 5 4V»do.Bwgsanl. 5° 0 Teh.N.RaUw. 41'jAnatol. S. I . 41/, . 8. II 4V, . S.III 8. 10. 250 525 3900 4100 3400 3200 5250 825 1000 13000 10.10. 800 2000 275 14500 16250 16000 ;20C0 4000 7700 22000 5600 !20000 4000 20000 4600 116000 r.lsenbalin-Aktien. Allg t.okalb. . Hochbahn . . Lübeck-Büch. Südd.Elsenb.. Baltimore. . , Schantung . , Lombarden, . 500 5000 20000 12000 30000 1600 8000 Schiffahrts-Werte. Argo-Akfc. .. . D. Anstral.-Akt. Hapag-Akt.. . . H. Südam.-Akt. Hansa-Akt.. . . Nord-LloydAkt. Ver. Elbe -Akt 5000 4300 25000 6000 33500 2000 ; 7500 1160 i 6500 840 3600 Bank-Aktien. Bk. f. el. Werte Barmer B.-Ver. Berl. Hand. Ges. Brasil. Bank . . Commerabank . Danz. Priv. Bk. Darmstdt. Bk. . D. Asiat. Bank Deutsche Bank D. Ueberaee-Bk. Disc.-Komm.. . Dresdener Bank. Ess. Cred.-Anst. Goth.Crcd. G.Bk.! Leipz. Cred.-A.. Lux. Intern. B. Mitteld.Creditb.i 2600 800 5050 600 5000 1640 16000 2400 740 550 110 210 375 i 7500 I 2600 16600 ; 2000 lIB8o 4800 50000 8000 3000 300 560 1400 Oest. Credit .. Ostbank Reichsbank. . . Khein.Creditbk. Wiener Bankv.. 8. 10. 200 160 1800 400 1255 8naerol Engelhardt „Schltn.-Patz „Dortm. Akt. „Dortm. Unbr. „ Riebeck LsIpL Relchelbrau . Tuchersclie . Hrauerelen. 800 1500 Industrie-Aktien. §00 180 2810 350' A&chenerLedei AachenerSpinn. Accumulator. . Adler & Oppenh. Adlerhütte Glas Adlerw.Kleyer. A.-G. für Anilin A.-G. für Verk. Alexanderwerk Alfeld Delligsen Alfeld-Gron. . . Allg. Eick.-Ges. Alsen Zement . Alumln. Ind. . . Ammendf. Pap. Angl. Cont. Gu. Anhalt Kohl.. . Annab. Steingut Annener Gußst. Apierbeoker B.. Archimedes .. Arenberg Bgb.. AschalT. bellst.. Augsb. Nrb.M.. Bachra.fcLadow Bad. Anilin. . . Baloke Masch. . Barop. Walzw.. Bartz&Co. Sped Basalt A.-G. . . Bayr. Spiegelei. BendixHoIzbC. Berg Eveking . Berger Tiefbau. BergmannE.W. Bl. Anh. Masch. Bl.-Gub. Hutf. . » Holz-Kont. . » Hoteigesch.. v K'nibar Intimi. « Maschlnb „ Neur Kunstt. Berthold Schrif. Berdel! us Qew 475 5000 3900 2300 3100 2ÖÖ0 6000 2000 3800 700 4000 800 3800 1500 260 4000 410 1500 700 2600 800 12000 1500 133 1500 2000 14000 10000 7000 8000 5200 11000 5000 100UÜ JOOO 3200 16000 4000 1000 16000 1200 7500 2500 7500 1250 10000 30000 5000 275 2700 5000 Bet.u. Monierb. Bielef. mech.W Bing Nürnberg Bismarckhütt»,. Bochumcr Gull BOhler Stahl. . Braunk. Brlk.. Brschw. Kohle. Brschw. Jntesp. Breitenb. Zern. Brem.-Beslgh. . Bremer Linol.. » Vulkan . . . * Wolikämm.. Buderus Busch Optisch. Busch Lüdsch. Busch Wagg. Byk-Guldenw. Calm- Asbest. Capito & Klein Cart.-LOsohw. . Charlb. Wasser Charlottenh. Chem. Griesh.. n Heyden . Weiler i> Ind.Gelsenk. » Werk Albert Chili ingworth . Concord. Spinn. CrOllwitz Papp. Daimler .... Delmenh. Linol. Dessauer Gas Dtsch. Atl.Tel.. « Lux. Bgw. Dsch.Eb.Sig.Br » Erdöl . , » Gußstahl .. » Kabolw. L.. „ Kaliwerke » Kunstleder » Masch. . . „ Schachtbao. » Spiegelglas . » Steinzeug . . . Ton n. Stein Dtsch. Wollw.. „ Klsenhdlg.. Dittmann Nhs. 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