. fi«n«3i>rei8 ÄVÄttV. ©«A,."ÄÄ abaeholt .^825 000 =>00 ^«Kloetf o«»S«irel835 000000 feine An- verwätetem ober stalle höherer Gewalt SiW'fti: iS'^jtlieineti der .Heitunq. se»;iiV*l? ttn <* en können nur Elf bis »um 25. aus den SSX ®' n SWonotSleMen an» «enommen werden. Karlsruher Tmlilatt »r»»d»«bl für die Sgelvalt. i->nvareille»eile oder deren 200, anSwärts 240, S«l>ltifs«IzahI 2000 000. Rabatt nach Tarif. «««"Vi . s «laa. Sir. 21 und 287. ' Badifche Morgenzeitung A-PyramN Badische Morgenpost ' Wirtsch afts, und Handelszeiwng" ^ „Turn- und Sport-Zeitung" ^ «Anterhaltungsbeilage" X «Literawrbeilage" ^ .Für die Frauen" ^.Wandern und Reisen" ^.Die Scholle" ^iredakteur: Hermann ? Saft. Verantwortlich für Politik: &rib Ehrhard: fßt den wirtschaftliche», badischen und lokalen Teil: Heinrich Gerhardt: lür das Feuilleton: Hermann 83 ei d: für die .Poramide' «arl ! wr Inserate: Heinrich Schrie, -r. sämtliche in Karlsruh Druck und Verla« C S. Müller. Karlsruhe, Ritterstr. 1 Bcrlinr Redaktion Dr. Richard Jügle», Berlin-Lankwid. Mozartftr. »7. Televbou.Zeutrum 42, ^ vür unverlangte Manuskripte «.der Drucklachen übernimmt die Redaktion keine Verantwortung. Rücksendung erfolgt, wenn Porto beiaesügt ist. Sprechstunde der Redaktwn: 11—13 Uhr vormittag». 120. Jahrg. Montag, den 22. Oktober 1928 Mr. 291 ©in Aufruf der Zleichsregierung. Für Einheit und Einigkeit. ®»n Befehl an die Reichswehr Berlin. 20. Okt. Die Reichsregierung erlätzt 'Agenden Aufruf: . An j, em 0« dem die deutschen Vertreter '® Auslande den sämtlichen Mächten eine Er- ^rung über die innenpolitische Lage abgeben, u»> die Aufmerksamkeit der Welt auf die durch '^ankreichs Verhalten geschaffene unerträgliche im Rheinland und Ruhrgebiet zu lenken u,l & in der die Zusammenfassung aller Kräfte als notwendig ist, um gegenüber den äußern Gegnern fest zu stehen, hat es die bayerische Ttaatsregierung richtig erachtet, einen offenen Berfas- ^Ngsbruch und eine innere Krise im Reiche ^beiz »führen. Der Ausgangspunkt dieser ^pfx jtwr die Entscheidung darüber, ob die ^^itSrische Disziplin, auf der jede Armee auf- ^b»ut sein müsse, auch im heutigen Deutschland °Uung haben solle oder nicht. Der Chef der Heeresleitung konnte nicht dul- baß klare Befehle, die von ihm gegeben ^üren. von einem Untergebenen aus politischen Sünden mißachtet wurden. Eine Armee, in et die Ausführung eines Befehls abhängig ge- ^acht wird von politischen Erwägungen, ist kein "Nstrument zur Ausrechterbaltung der Macht ^nes Staates nach außen und innen. Gerade , e bayerische Staatsregierung, die den Gedan- ^ der Wehrhaftmachung des Volkes wiederholt ?^rtreten hat, hätte sich klar darüber sein Müs- ' tn - daß die Aufrechterhaltung der Disziplin in ^ Armee die Grundlage jeder Wehrhaft- Satzung ist und sein muß. Gerade die bayerische .^)aotsregierung, die wiederholt in den Aus- Hungen des Generalstaatskommissars von . ihr die Gewährung des nationalen Gedankens ^ch speziell in Anspruch nimmt, müßte sich at darüber sein, daß sein vor alle« Dinge« heißt, i« Zeiten Rot Geschlossenheit im Anner« z« b«nvahre« ^d Sonderwünsche und Sonderinteressen dahin- tr zurückzustellen. Mit dem von dem General- ^tskommissar v. Kahr in die Oesfentlichkeit ^worfenen Gedanken des Kampfes gegen den Marxismus hat die in Rede stehende Frage gar- ^ts zu tun. Der Chef der Heeresleitung und , et Reichswehrminister haben bei ihren Kämp- für die Autorität in der Reichswehr lediglich j Ut dies« Idee, nicht für irgendwelche parteipoli- '^en Einstellungen gekämpft, und dasselbe gilt •.° n der Reichsregierung, die sich bis zum bersten bemüht hat. durch weitgehendste AuS- '^ung von Berständigungsmöglichkeiten jeden zu vermeiden. Mit Entschiedenheit und . "Rüstung weist die Reichsregierung den Ber- ^ des Generalstaatskommissars zurück, die ^"tscheidung der bayerischen Staatsregierung dem Kampfe einer nationalen und chrift- iwt Weltanschauung gegen eine marxistisch- ^natinale Einstellung hinzustellen. Es ist t e tf)ött, wenn in der Zeit, in der die Reichs- Gerung die Kräfte des ganzen Volkes braucht. Erhaltung des Deutschtums gegen den fran- /"kchen Vernichtnngswillen der GeneralstaatS- ^viwik -Emissär glaubt, die Brandfackel der Zwietracht f , das deutsche Volk dadurch hineinwerfen zu j daß er davon spricht, es handle sich letz- !" Endes um die Frage: Hie deutsch oder nicht Es gibt innerhalb ber Reichsregierung C '^nerhalb ber Millionen von Volksgeno- 5) ' die hinter ihr stehen, niemanden, ber den um den es sich hier handelt, anders alS $£ ei deutschen Gesichtspunkten ansihet. Im ^"'vs um die Erhaltung der Reichseinheit f o r - *it wir alle Deutschen auf, den Er- der Zwietracht entgegenzu- nj'®» im Kampfe für das einzige. waS uns &em" ÜB€r &er uns angedrohten Vernichtung des en ^°lkcs geblieben ist: für das Deutsche $ und für die deutsche Einheit. Berlin, 21. Okt. Der Chef der Heeresleitung, General der Infanterie von Seeckt, erläßt fol- genden Befehl: An das Reichsheer! Die bayerische Regierung nimmt die Truppen der VII. (bayerischen) Divi- sion in Pflicht und ernennt den vom Reichswehr- minister seiner Dienststelle enthobenen Divisions- kommandenr ihrerseits zum Landeskommandan- ten und Divisionskommandeur. Der Schritt der bayerischen Regierung ist ein gegen die Ver- fassung gerichteter Eingriff in die militärische Kommandogewalt. Wer dieser Anordnung der bayerischen Regierung entspricht, bricht seinen dem Reich geleisteten Eid und macht sich des mili- tärischen Ungehorsams schuldig. Ich fordere die VII. lbayerische) Division des Reichsheeres hier- durch feierlichst auf, ihrem dem Reich geleisteten Eid treu zu bleiben und sich dem Befehl ihres höchsten Militärbefehlshabers bedingungslos zu fügen. Der Reichstreue aller anderen Teile des Hee» res halte ich mich gesichert und stets für ver- sichert. Bayerns Rechtfertigungsversuch. München, 21, Okt. Das bayerische Gesamt- Ministerium und der Generalstaatskommissar haben Aufrufe erlassen, in denen sie ihre Haltung gegenüber der Reichsregierung rechtfertigen. In dem Aufruf des Ministeriums heißt es u. a.: Reichswehrminister Gehler hat als Inhaber der vollziehenden Gewalt für Bayern einen militä- rischen Befehlshaber aber keinen Zivilkommissar ernannt und dadurch das bereits vorher be- stehende Generalstaatskommissariat für Bayern anerkannt. Gleichwohl hat der Reichswehrmini- ster in einer Angelegenheit, die zweifelsohne der Zuständigkeit des Generalstaatskvmmissariats unterliegt, einen Befehl erteilt und dadurch in die politische Hoheit eingegriffen. Die bayerische Regierung hat die Weiterbehandlung der Angelegenheit nach der politischen Sete für geboten erachtet und die Reichsregierung nach- drücklichst auf die schweren Folgen einer etwai- gen Maßregelung von Lossow hingewiesen. Gleichwohl hat der Reichswehrminister die An- gelegenheit rein militärisch betrachtet und Ge- neral von Lossow entlassen. Der Aufruf des Generalstaatskommissariats sagt u. a.: Die baye- rische Regierung und das Generalstaats- kommissariat sind sich eins mit allen deutsch Ge- sinnten, wenn sie die Maßnahmen der Reichs- regiernng ablehnen. Bayern betrachtet es als seine heilige Pflicht, in dieser Stunde eine Bor- bürg des bedrängten Deutschtums zu sein. Konferenz der südwestdeutschen Staaten. Darmstadt. 21. Okt. sWolff.) Die hessische Re- giernng hat auf Grund der letzten Nachrichten über die innerpolitischen Ereignisse sofort mit Württemberg und Baden Fühlung ge- nommen. Morgen findet deshalb in Stutt- gart eine Besprechung statt. Die Heffische Re- gierung HM entschlossen an der Einheit des Reiches fest und wird alle Kräfte hierfür einsetzen. Sachsen. Dresden, 21. Okt. Wehrkreiskommandant Müller hat an die sächsische Bevölkerung eine Be- kanntmachung gerichtet, in der er ankündigt, daß. wer der Durchführung der für notwendig er- achteten Maßnahmen mit Waffengewalt ent- gegentritt oder mit Waffen plündert, Gefahr läuft, erschossen zu werden. Er vertraue im übrigen auf die Mitwirkung aller verfassungs- treuen und besonnenen Kreise der Bevölkerung. - Mannheim. 21. Okt. In den beiden letzten Tagen wurden 59 Personen verhaftet, davon 31 wegen Lanbsriedensbrnchs bezw. Teilnahme an Plünderungen. Ferner wurde ein Postaushelfer wegen Unterschlagung von PoßpaEeten und Brie- fen verhaftet. Die Radikalisierung der Sozialdemokratie. Berlin. 21. Okt. Auf dem Parteitag des Be- zirks Berlin der V.S.P.D. wurde der bisherige Vorstand nicht wieder gewählt, sondern durch neue Mitglieder ersetzt, die sämtliche Gegner einer Koalitionspolitik mit bürgerlichen Par- teien sind. Mit außerordentlich großer Mehr- heit wurde eine Resolution Crispien-Aushäuser angenommen, in welcher die Aufhebung des proletarischen Ausnahmegesetzes gefordert und im Ablehnungsfalle der Austritt der sozial- demokratischen Minister aus dem Kabinett verlangt wird. Ferner verlangt der Bezirkstag die Ersetzung des bayerischen Chefredakteurs des „Vorwärts". Stampfer, durch eine andere Persönlichkeit. Ausrufung der rheinischen Republik. Köln. 21. Okt. W.T.B, meldet: Nach hier eingegangenen Meldungen ist in Aachen von de« Sondlerbündlern die Rheinische Repnblik ausgerufen worden. Die öffentlichen Ge- bände sollen in ihrer Hand sein. Die Ver bin- d n n g e « mit Aachen sind unterbrochen. Köln, 21. Okt. In Aachen ist von den Sonder- bündlern die Rheinische Republik ausgerufen- worden. Heute nacht haben bewaffnete Sonder- bündler, deren Zahl auf 2000 geschätzt wird, über- raschend die öffentlichen Gebäude Aachens, vor allem Rathaus. Post und Regierungsgebäude be- setzt. Die Sondcrbündler versuchen, mit den Behörden in Verhandlungen einzutreten. Die Verhandlungen finden heute mittag zwischen 12 und 1 Uhr statt. 1 Uhr mittags. Nach den bisherigen aus dem übrigen Rheinland vorliegenden Nachrichten, so aus Bonn, Trier, Koblenz, Düsseldorf, Esch- weiler, Jülich, Stolberg. Düren und Neuß han- delt es sich bei dem Aachener Putsch um ein rein örtliches Unternehmen. Brüssel, 21. Okt. Die erste Meldung über die bevorstehende Ausrufung der Rheinischen Revu- blik findet sich in der gestrigen Ausgabe des „Peuple", in der zu lesen steht, sonst gut unter- richtete Kreise kündigten für den morgigen Sonn- tag die Ausrufung der Rheinischen Republik in Aachen an. Eine Meldung der belgischen Telegraphen- agentur besagt, daß heute früh 4 Uhr alle öffent- lichen Gebäude der Stadt Aachen von den Se- paratisten besetzt wurden, ohne daß die Schupo Widerstand geleistet hätte. Weiter wird gemel- det, daß eine Kundgebung der sogenannten Bor- läufigen Regierung der Bevölkerung Lebens- mittel und Arbeit zusichere. Man nehme an, daß die Separatisten sich zunächst nach Norden in die belgische Zone wenden würden, sodann wahr- scheinlich in die englische und französische Zone. Wirtschaftsräte für das besehte Gebiet. Paris, 21. Okt. Havas berichtet aus Düffel- dors, General Degoutte habe beschlossen, in den besetzten Gebieten Wirtschaftsräte zu schaffen, die die durch die augenblickliche Lage aufgeworfenen Probleme prüfen sollen. In diesen Räten sollen die Handelskammern und die Gewerkschaften vertreten sein. Der Wirtschaftsrat in Düsseldorf setzt sich zusammen aus 17 Mitgliedern, von denen 12 Deutsche und 5 Franzosen sind. Letzte Mahnungen. Berlin, 21. Okt. Mehrere Zeitungen berichte- ten, die deutschen diplomatischen Vertreter in den europäischen Haupt st ädten und in Washington seien »angewiese worden, den frem- den Regierungen eine Notx zu überreichen, in der mit aller Deutlichkeit die Gefahren der fran- zösischen Politik erörtert würden und dem Mini- sterprästdenten Poincarö Hie Verantwor- tung für die Zukunft überlassen wird. Diese Meldung beruht, wie uns von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, auf einem Mißverständ- nis. Eine Note zur Überreichung an die frem- den Regierungen ist an die deutschen Missionen im Ausland nicht gesandt worden, wohl aber sind diese beauftragt worden, auf den Ernst der Lage «hinzuweisen. Zur Wiederaufnahme des Postverkehrs. Köln, 21. Okt. Bei den Abmachungen über die Dienstanfnabme der Post verlangten die Franzosen und Belgier, wie die „Kölnische Zeitung" meldet, die Anerkennung der Ordonnanz 20 dr Rhein landkomnnnion. In dieser Ordon- nanz eignen sich die Besatzungsmächte das Recht an, deutsche Beamte, die i h n en n i ch t p a s s e n, abzusetzen. Vorläufig ist der Fernsprechverkehr im Ruhrgebiet noch nicht im Hange. Die Be- setznngsmächte behalten sich nicht nur sehr viele Leitungen für ihre eigenen Zwecke vor, sondern machen überhaupt die Inbetriebnahme jeder Fernsprechleitung von ihrer Genehmigung ab- hängig. Zeitungsverbol in Offenburg. Offenbnrg, 21. Okt. Das „Offenburger Tag- blatt" ist vom Montag bis Mittwoch verboten worden, weil der in dem Blatt enthaltene Ar- tikel über die Borgänge in Düsseldorf mit der Unterschrift des Kommandanten deS Gebietes Offenburg und mit der Aufschrist des Stabs ver- sehen war, die auf dem Artikel nicht gestanden haben. Die geplanten Einschränkungen im Personenverkehr. Berlin, 21. Okt. Der Vertreter deS Wolff- büros befragte den Reichsverkehrsminister, wie es mit den angekündigten Einschränkungen im Personenverkehr stehe. Der ReichSverkehrö- minister Oeser führte dazu auS: Die Verschärfung der allgemeinen Wirtschaft- läge zwingt die Reichsbahn, alSbald einschnei- dende Einschränkungen im Personenverkehr vor- znnehmen. In einer Zeit, in der vom Reich schärfste Maßnahmen zwecks Gesundung der Wirtschaft eingeleitet werden, wird sich niemand der Notwendigkeit einer solchen Maßnahme ver- schließen können. Mit den bisher üblichen Ein- schränkungen ist dabei nicht auszukommen, Wenn erfolgreiche Arbeit geleistet, höchste Wirtschaft- lichkeit bei geringstem Aufwand und größtmög- licher Befriedigung der wichtigsten Verkehrs- belange erreicht werden soll, wird der Personen- zugsahrplan der Reichsbahn nach kaufmänni- schen Grundsätzen, keine Leistungen unter Selbstkosten, von Grund auf ueu aufgebaut wer- den müssen. Ich beabsichtige folgendermaßen vorzugehen: Schlecht besetzte Schnell-, Etl- und Personen- züge müssen wegfallen. Nur solche Züge dürfen gefahren werden, deren Selbstkosten durch die Einnahmen einigermaßen gedeckt werden. AuS- nahmen werden natürlich zur Aufrechterhaltung des wirtschaftlichen Lebens nicht immer zu um- gehen sein. Auch im Auslandsverkehr ist die Beseitigung unwirtschaftlicher Zugläufe erforderlich. Da ihm jedoch für die Wiederbelebung der deutschen Wirtschaft besondere Bedeutung zufällt, werden wir vermeiden, irgendwelche Verbindungen mit dem Ausland ganz abznfchnei- den. Die beschleunigten Personenzüge, denen bei der wirtschaftlichen Notlage weiter Volks- kreise in Zukunft erhöhte Bedeutung zufällt, werden möglichst beizubehalten sein. Besonders die Vor-, Nach- und Bedarfszüge verursachen oft in hohem Grade unwirtschaftliche Leistungen. Hier wird die Notwendigkeit besonders sorg- fältig geprüft werden. Auch die Möglichkeit, den Personenverkehr auf bestehende Güterzüge oder Güterbeförderung auf Personenzüge zu ver- weifen und dadurch Zugleistungen zu ersparen, wird ernstlich geprüft. Nicht unbeträchtliche Ersparnisse werden sich erzielen lassen, wenn der Fahrplan mehr als bisher den an Sonn- und Werktagen verschieden gestalteten Bedürfnissen angepaßt wird. Da der Berufsverkehr an Sonntagen großenteils ruht, oder doch wesentlich geringer ist, als an Werktagen, muß es gelingen, die s o n n t ä g - lichen Leistungen besonders im Winter weiter herabzumindern. Es muß Vorsorge ge- troffen werden, daß die für den Ausflugsver- kehr bestimmten Züge nur an solchen Tagen abgelassen werben, an denen eS der Verkehrs- umfang wirtschaftlich rechtfertigt, so daß sie bei schwachem Verkehr infolge schlechter Wetterlage ausfallen können. Wenn Ersprießliches erreicht und die Zugstärke schnell nach dem tatsächlichen Bedürfnis bemessen werden soll, ist eine unablässige Beobachtung der Platzausnutzung aller Züge und Klaffen natür- lich nicht zu entbehren. Die Stärke der Züge mnß so festgelegt werden, daß ein Vorspann nicht erforderlich ist. Auch in der Beistellung von Schlaf- und Speisewagen können und müssen Ersparnisse erzielt werden bei den D-Zügen, die nachmittags beginnen, oder die ihr Ziel im Laufe des Nachmittags erreichen, können Speise- wagen am ersten entbehrt werden. Eine Her- absetzung der Fahrgeschwindigkeit der Züge wird in Frage kommen, wenn hierdurch berechtigte Berkehrsinteressen nicht wesentlich geschädigt, aber Ersparnisse an den Zugförde- rnttgskosten erzielt werben können. Durch die Einschränkung der Zahl der Aufenthalte können erhebliche Kosten im Kohlenverbranch erspart werden. In dieser Richtung wurden in mehre- ren Bezirken schon beachtliche Erfolge erzielt. Es ist nicht mehr zu rechtfertigen, wenn Schnell- und Eilzüge an Orten mit geringem Verkehr halten, oder wenn an Stationen von geringer Verkehrsbedentnng sämtliche oder die Mehrzahl der Personenzüge anhalten. Die Betriebsführung auf den Nebenbah- nen gestaltet sich vielfach besonders unwirtschaft- lich,- sie wird deshalb ebenfalls einer eingehen- den Nachprüfung bedürfen, ui» auch hier zu grö- ßerer Wirtschaftlichkeit zu gelangen. Hier müs- sen gegebenenfalls die Züge auf ein oder zwei Paare eingeschränkt werden; bei stärkerem Ver- kehr kann der Pendelverkehr mit nur einer Lok- motive und einer Begleitmannschaft eingerichtet werden. Die Vorarbeiten für diese Betriebsumstellun- gen sind im Gange. Ich hoffe, baß Ersparnisse sich dann zum besten unserer Wirtschaft bald be- merkbar machen. Seite 2 Karlsruher Tagblatt. Montag, den 22. Oktober 1S2S Ar. 2S1 Eine Entspannung. B e r l t«, 21. Okt. W. T. B. meldet: Di- durch das gestrige bayrische Vorgehen geschaffene Lage hat eine entscheidende Entspannung erfahren. Eine neue Vereidigung der Truppe« der 7. sbayerischeus Division hat nicht stattgefunden und ist nicht geplant. Dem Vernehmen nach wird beabsichtigt, die verschiede- nen, in den letzten Tagen zutage getretenen gc- gensätzlichen Anfsassuugc» »mischen dem Reiche und Bayern »um Gegenstand von Erörtcrnngen in einer Sitzung des ReichSrates zu machen, um einen den Interessen des Reiches, Bayerns nnd der übrigen Länder gerecht werdenden Ausgleich zu ermöglichen. Die Auffassung der Berliner Stellen. Berlin. 21. Okt. Zu der in den späten Abend- stunden aus München eingegangenen Nachricht über die Einsetzung des Generals v. Lossow als bayrischen Landeskommandanten durch die bayrt- sche Landesregierung erfahren wir folgendes: Die neueste Maßnahme der bayrischen Regie- rung stellt zweifellos einen glatten Bruch der Reichsverfaffung dar. Es ist tief bedauerlich, Sah eine verantwortliche deutsche Landes- regierung in Zeit schwerster außenpolitischer Not bei Baterlandes Sonderwünsche und Sonder- interessen gegenüber tei Gesamtheit des Reiches durchsetzen zu sollen glaubt und 'damit dem Reich und der Reichsregierung die Zusammenfassung aller Kräfte gegen den von außen kommenden Zerstörungswillen außerordentlich erschwert. Die Haltung Englands. London, 21. Okt. Der Londoner Berichterstatter des W. T. B. erführt aus englischen politischen Kreisen, daß die augenblickliche Entwicklung der Ruhrfrage hier mit großer Besorgnis verfolgt werde. Wenn sich auch die bisher von Groß- britannien eingenommene Haltung keineswegs in eine positive Stellungnahme zugunsten Deutschlands umgewandelt habe, so sei Hoch nicht zu verkennen, daß zahlreiche besorgte Fragen bezüglich der Absicht nnd Ziele der sranzösi- schen Regierung laut würden. Die Stellung« nähme auf britischer Seite sei noch keineswegs endgültig, denn es liege auf der Hand, daß Poin- car« die britischen Zweifel zu beheben verstände. Eines sei jedoch sicher: Es könne nicht so weiter- gehen. Es müsse und werde etwas geschehen, um den Brand, der den für Großbritannien leben»- wichtigen Handel völlig zu zerstören drohe, zu löschen. Daß Problem der Stunde sei jedoch die tägliche Ernährung und Beschäftigung der un» geheuren Massen der englischen Arbeitslosen. Dieses Problem könne nur gelöst werden durch die Wiederherstellung der normalen Verhältnisse auf dem Kontingent und damit der Märkte für den englischen Handel. Großbritannien könne daher einer Fortsetzung der augenblicklichen Ver- hältnisse nicht weiterhin ruhig zusehen und werde nicht beiseite stehen. Zu den von verschiedenen Seiten kommenden Mitteilungen über angebliche Absichten der briti- ichen Mitglieder der Rhetnlandkommisston, der britischen Regierung anzuraten, mit den Fran- zosen bei der Ausbeutung ihrer Pfänder mitzu- wirken und die im britischen Sektor befindlichen Bahnen der Regiebahn anzugliedern, erfährt der Berichterstatter, es bestehe keinerlei Veranlassung zu der Annahme, daß die bisherige Haltung der britischen Regierung in dieser Frage in den Hanptltnten eine wesentliche Aenderung ersah» ren werde. Die Besorgnisse wegen derartiger Maßnahmen, dit nur als Teil der allgemeinen und endgültigen ReparationSregelun« mit Deutschland in Betracht kommen könnten, schte» nen daher unbegründet zu sein. Zur Ausrufung der rheinischen Republik. Paris, 21. Okt. Ueber den Handstreich der Sondcrbündler in Aachen lagen bis zum spä» ten Nachmittag in Paris außer der ersten Meldung keine weiteren ^Nachrichten vor. Nach Nachrichten, die offenbar im Auswärtigen Amt eingetroffen sind, steht au der Spitze der Kauf- mann D e ck e r s aus Aachen, der der Gruppe Dorten und nachher der Gruppe Smeets ange- hört hatte. Bon der Elfteren bat er sich ge- trenn, aus der zweiten sei er ausgeschlossen worden. Man weiß nicht, ob er mit Matthe? zusammenarbeitet, ^>der getrennt vorgeht. Frauksnrt a. M., 2i. Okt. Aus Aachen wird gemeldet: Im ganzen Berzirk herrscht seit einigen Tagen eine gesteigerte Nervosität. Im« mor hartnäckiger verhielten sich die Gerüchie, daß die Ausrufung der rheinischen Republik unmittelbar bevorstehe. Den Sonderbündlern, die über 30 000 Feuerwaffen verfügen, haben die Belgier ihren Schutz zugesichert. Das Verhalten der Belgier hat auch sonst den umlaufenden Gc- rüchten Nahrung gegeben, insbesondere die Aus- weisnng sämtlicher Führer der Gewerkschaften und Gewerkschaftssekretäre. Die belgische Gar- nison liegt schon seit einigen Tagen in Alarm- bereitschast. Gestern nachmittag durchfuhren Tanks die Straßen von Aachen. Ernüchterung in England. Der Traum der Abrüstung verflogen. London, 20. Okt. Der frühere Finanzminister Robert Horn« erklärte in einer Rede iu Hill- head lGlasgow) Großbritannien habe den Völkerbund unterstützt und fein Heer herabgesetzt, bis es tatsächlich nicht mehr sei als eine Polizei- truppe für das britische Reich. England habe einer Verminderung seiner Flotte auf Grund der Bestimmungen des Washingtoner Abkom- mens zugestimmt und habe seine Luftstreitkräfte auf ein Mindestmaß herabgesetzt. Wie er- nüchtert sei man dagegen heute! Andere Nationen seien dem britischen Bei- spiel nicht gefolgt. Sie hätten weniger an ihre Versprechungen gedacht als England. Heute finde man ein Europa, in dem die Gewalt wei« terhin das Mittel der starken Mächte bilde. Horn« erklärte: Wir werden umkehren und wieder die Möglichkeit erwägen müssen, ein stehendes Heer zu schaffen, das für unsere Bedürfnisse genügt. Wir müssen den Tatsachen gegenübertreten. Wir können nicht zulassen, das; wir in eine Lage kommen, wo Großbritan- nie» als nicht beachtenswert angesehen wird. Daher bin ich sehr froh, daß der Staatssekretär für das Luftfahrtwesen ein Programm für den Bau von Flugzeugen verkündet hat. das die augenblicklichen Luftstreitkräfte beträchtlich ver- mehren wird. Mir geht das Programm nicht weit genug. Der Veamtenabbau. Berlin, 20. Okt. Heute nachmittag fand im ReichSministerium des Innern eine Besprechung der Vertreter der Regierung mit den Beamten- spitzenorganisationcn über eine Neuregelung der Arbeitszeit der Beamten statt. Hierbei nahm der Vorsitzende, Ministerialdirektor Dr. Falck, Gelegenheit, den in Veamtenkreisen umlaufen- den Gerüchten über den Inhalt der Beamten- avbanverordnung entgegenzutreten, Er wies darauf hin, daß diese Verordnung vom Reichs- finanzministcrium ausgearbeitet und am kommenden Mittwoch mit den Beamtenorganisatio- nen besprochen werden würde. Wenn der In- halt des Entwurfes zurzeit auch noch geheim «ei, so halt? er sich doch für verpflichtet, der Behaup- tung, als sollten 50 Proz. der Beamten abgebaut werden, entgegenzutreten. Eine Verringerung des Beamtenkörpers aus die Hälfte haÄe in kei- ncm Abschnitt der Verhandlungen in Frage ge- standen. Der Abbau könne nicht entfernt diese Höhe erreichen, Auch sei das Gerücht, daß die zum Abbau gelangenden planmäßigen Beamten »Sne Wartegeld und ohne Ruhegehalt entlassen würden, unzutreffend. Ein solcher Gedanke sei zu keiner Zeit erwogen worden. * Berlin, 21. Okt. Im Reichssinanzministerium wurde der Entwurf einer Verordnung über den Beamtenabbau fertiggestellt, aus dem eine Kor- respondenz verschiedene Einzelheiten mitteilt. Danach dürfen Beamte oder Anwärter nicht mehr eingestellt werden. Von der Gesamtzahl der am 1. Oktober 1923 im Dienst befindlichen planmäßigen oder außerplanmäßigen Reichsbe- amten sollen mindestens 2ö Prozent ansschei- den. Die durch das Ausscheiden freiwerdenden Stellen sollen nicht wieder besetzt werben. Deutsches Reith Endgültige Gründung der Deutschen Rentenbank. w. Berlin 21. Okt. Gestern nachmittag vollzog sich im Reichösinanzministerium der Gründungs- akt der D eu t s ch e n R e n t e n b a n k. Hn einer Begrüßungsansprache wies Reichssinanzmimster Dr. Luther besonders darauf hm. daß durch die Emission der Rentenbankscheine als wertbe- ständiges Zahlungsmittel eine wichtige Cnt- lastung der Ncichsbank eintrete, die iniolge der Ablösung der schwebenden Schuld des Reick,es Banknoten in entsprechendem Umfange aus dem Vrkelir ziehen könnte. Der VerwaltungSrat der Deutschen Röntenbank umsaßt 14 namhafte Ver- treter aus Landwirtschaft. Gewerbe Handel, In- dustrie und Bankwesen, Zum Präsidenten wurde der ehemalige preußische Finanzminister Dr. L e n tz e gewählt. Die Lage in Württemberg. Stnttgart, 20. Okt. Aus Gründen der ösfent- licheu Sicherheit sah sich das Wehrkreis- kommando veranlaßt, eiue größere Anzahl kommunistischer Agitatoren im Ver- laufe der letzten Nacht in Schutzhaft zu ueh- men. Dazu wird mitgeteilt: In der kommu- uiftischen Partei war in den letzten Tagen eine besondere Regsamkeit zu beobachten. Die ein- gehenden Nachrichten ließen erkennen, daß die Kommunisten einen Generalstreik zu inSfzenie- ren und Sabotageakte aller Art vorzubereiten suchten. t. Stuttgart. 20. Okt. Ueber die deutsch- feindliche Propaganda, die in den letz- ten Tagen von Stuttgart aus betrieben wurde, wirb von zuständiger Seite mitgeteilt, daß als Verteilungsstelle in einigen Fällen das fran- zöfische Generalkonsulat in Stuttgart ermit- telt worden ist. Die Angelegenheit sei den Be- Hörden schon seit einiger Zeit bekannt gewesen und die wiirttembergische Regierung habe alö- bald bei der ReichSregiernng entsprechende Schritte eingeleitet. Ausfuhrverboke für Sartoffeln aufgehoben. Berlin. 18. Okt. DaS von den MilitärbefehlS- habern in Königsberg und Breslau erlassene Ausfuhrverbot für Kartoffel auS Ostpreußen und Schlesien nach anderen Teilen de» Reichs» gvbietes ist aufgehoben worden. Ein Bild der Not. Berlin, 18, Okt. Nach einer Meldung der B. Z. a. M. soll fast die Hälfte der ganzen Bevölkerung von Frankfurt a. M. Unterstütz»«- gen aus der Siadtkasse beziehen. — Der Berl liner Magistrat hat in anbetracht der schweren wirtschaftlichen Nöte der Arbeitslosen IS Bil- lionen Mark fiir die Notstandsarbeiten bewilligt. Bayerns Aartoffelversorgung. München, 20. Okt. Generalstaatskommissar v. Kahr ordnete mit sofortiger Wirkung für daS rechtsrheinische Bayern an, daß jeder Land- wirt, der Herbstkartoffeln angebaut hat, ver- pflichtet ist, bis zum 17. November 30 Proz. der gesamten Kartoffelernte an Verbraucher nnd zum Kartosfelhandel zugelassene Personen in Bayern abzuliefern, widrigenfalls Enteignung erfolgt. Zuwiderhandlungen werden' mit Ge- sängnis und Geldbuße bestrast. München, 18. Okt. Die Poftverwaltuug bat auf Anordnung de» GeneralstaatSkommissars das Postpersonal angewiesen, sich an der Bt' kämvsung de» Wuchers, GchiebertumS und Ket' tenhanbelS und der Warenzurückhaltung, d» Schleichhandels und der verbotenen Ausfuhr usw. durch dauernde Ueberwachung beS Telegra> phen- und Telephonverkehrs zu beteiligen. KusVa6en = Oftersheim b. Schwetzingen. 22. Okt. Bei» zweiten Wahlgang der Bürgermetsterwahl wurde Oberverwaltungsinspektor Severin Bernel aus Mannheim mit den Stimmen der Bürger- Partei und der Zentrumspartei gewählt. Die Sozialdemokraten hatten weißc Zettel abge> geben. z. Worndorf (Amt Meßkirchj, 21. Okt. Do* Schöffengericht Meßkirch verhandelte am 17. d§> Mts. in der Sache gegen den Bürgermeister Schwarz, der als Vorstand de? Viehversiche- rungSnereinS unter der Anklage stand, den To» des Landwirts Boos fahrlässig verschuldet 3» haben. Boos war, wie erinnerlich sein dürfte* infolge Genusses von verdorbenem FleW gestorben. Da durch die Untersuchung im Ba>' teriologischen Institut in Freiburg festgestellt war. daß der Tob des BooS durch ParstyphnA bazillen herbeigeführt wurde, kam das Geriw' zur Freisprache des Angeklagten. Trotzdem da»' Bezirksamt die Amtsniederlegung deS Bürger- meisterS Schwarz nicht genehmigt hatte, wW dieser darauf bestehen, daß ihm sein Ehrenav« abgenommen wird. z. Staufen, 22. Okt. Die Gründung deS Zweck' verbände» des Münstertalkraftwerks ha> nunmehr stattgefunden und das Elektrizität^' werk kann in nächster Zeit in Angriff genommen werben, sobald die Satzungen vom Ministerium genehmigt sind. Durch das Unternehmen wir« für viele Arbeitslose eine ArbettSmögltchke» geschaffen. Ottenburg. 21. Okt. Auf Grund von Ver' Handlungen mit der französischen Besatzung»' behörbe ist dem Stadtrat genehmigt worden, die Kartoffellieferungen auf dem Schi«' n e n w e g e von Ortenberg nach dem Bahnho' Offenburg einzubringen. Um die Gleise a«f zuprobiere«, suhr daher am Freitag «rstmaliS wieder eine Lokomotive mit deutschem Beamte»' personal vom Bahnhof Ortenberg nach bei» Hauptbahnhof und zurück. Nach dieser Probe' fahrt sollen nun die Kartoffeltransporte am' genommen werden. Mit der Wiederaufnahme des allgemeinen Eisenbahnverkehrs haben diese Fahrten aber nicht? zu tun. Freivurg i. B., 21. Okt. Als Gabe der I"' Haber ber Freiburger Lederhandlungen ist de? städtischen Fürsorgeamt für die not' leidende Bevölkerung der Stadt eine Haut um vier Kerntafeln Bodenleder zur Verfügung gestellt worden. Die Schuhmacheriunung ist be> reit, das Leder mit Preisnachlässen oder unent' zeitlich zu verarbeiten. — An Aufenthaltsstelle/ wurden im Monat September 31205 884 637 «*' an Vergnügungssteuer 42 047 490 800 M verein' nahmt. = Schopfhei«, 22 .Ok. Im Oberland ist da? Herbsten beendet. Gutedelmoste hatte" im Markgräflerland 75—95 Grad, Silvaner ^ bis 90 Grad. Verkäufe fanden bisher nur t" geringem Umfange statt. In den meisten Lag«>> wurden 70 Goldmark pro Hektoliter gefordert 192'Jer wird billiger abgegeben. z. Konstanz, 21. Okt. Das Konstanzer I ä g « v bataillon, das schon einige Tage in Marse»' bereitschast war, ist gestern vormittag mit u»' bekanntem Ziel abtransportiert worden Eine Kompagnie ist am Standort zurückgebltt' ben. X Allmannsdorf. Amt Konstanz, 21. Okt. N hiesigen Ort tritt ber K e n ch h u st e n «pidemi!^ auf. Bisher sind etwa »0 Krankheitsfälle fest' gestellt worden, und zwar hauptsächlich bei Ki»' dern im Alter von 1 bis S Jahren. Ans dem Karlsruher Kunst- leben. Badischer Kunstverein. I. Die derzeitige Ausstellung des Kniistvereins bringt zwei ungemein interessante und wichtige graphische Sammlungen. Die H a n d z e t ch n u n g s a u s st e l l u n g von Hans Thoma tst wohl eine nachträgliche Ge- burtstagsveranstaltung. Sie ist als ein erst- maliger Ueberblick weiteren Umsangs von größter Bedeutung? denn sie zeigt die Kunstwetse Thomas au ihren Wurzeln und klärt wesent- liche Seiten seiner Kunst auf. Zunächst erhellt, daß die Zeichnungen ThomaS nicht um ihrer selbst willen gemacht wurden, sondern als Na- turstudien, also stenogrammartige Niederschriften, Materialsammluug, als Sehübungen und Gestaltungsversuche zu gelten haben. Dann aber auch, Thomas Sehen ist der Natnr gegenüber völlig unbefangen. Keine Stilvorschrift, keine Sehweise, keine Technik trübt sein Sehen, biegt seine Darstellung ab in irgend ein Stilprinzip. Ferner: Thoma sieht unbewußt vom ersten bis letzten Studienblatt völlig bildmäßig, nicht etwa zeichnerisch oder graphisch, sondern gleich male- risch. Seine Hand gehorcht den feinsten AuS- schlügen seiner Empfindung und jedem Darstel- lungSmittel, sei eö Feder, Pinsel, Bleistift oder Kohle. Von der ersten Zeichnung der Kunstschulzeit an: Schluchsee. 1859, biS in die letzten Jahre der Karlsruher Schaffenszeit hinein hat Thoma durch fleißiges Zeichnen seinen Vorstellungsschatz und seine Formausfassung geübt. Nichts ist ihm unbedeutend. Einfache Blattgruppen- Verzweigungen, Gebäude. LandschaftSräume, Figuren, Köpfe, Gliedmaßen, Stoffe, Instrumente, Früchte. Tiere, Pflanzen, Felsen, alles sieht er auf Form und Farbe an — eS ist ein unendliches, ein eindringliches Schauen und absolute Klarheit in Form nnd Raum! Klarheit. Be- stimmtheit. Einfachheit — man könnte mit seinen eigenen Worten sagen, ein „geborener Realist", Stil und Haltung innerhalb der AuSdruckSmög- wenn nicht alles doch durch die Wärme des Schauens und BildenS in eine unsagbare lünst- lerische Weichheit bei aller Bestimmtheit getaucht wäre. Darin offenbart sich schon etwas von dem ganz Persönlichen und Unnachahmlichen, das die Thomasche Kunst hat. Keine gewollte Rhythmik und Dynamik, aber eine vollendete künstlerische Ordnung und Harmonie. Setzt man diese Hand- zeichnnngen in Vergleich mit den Oelbildern oder Radierungen und Lithographien, so sieht man die phänomenale Begabung Thomas, mit den Elementen der Form uud des Raumes in unerschöpflicher Weise zu schalten und immer neue Gestaltungen hervorzubringen,. Thomas Kunst ist auch in der Zeichnung eine ausgesprochen deutsche Sache, Nur Dürer kann mit seiner Universalität zum Vergleich heran- gezogen werden. Thoma individualisiert und charakterisiert ganz ähnlich wie Dürer: nirgends die leiseste Neigung zum Idealisieren, zum Schönzeichnen, vom Ansang biS zum spätesten Blatt die völlige Unbefangenheit und Unvor- eingenommenheit der Natur gegenüber, eben die Herbigkeit des geborenen Künstlers, der sich gibt und nicht irgend eine Kunsttheori«. Diese Erkenntnisse sind natürlich nur aus den Origi- nalien selbst und vielleicht auch nur aus einer größeren Gesamtheit der Zeichnungen zu er- langen. Es sind Neuentdeckungen, die mit den Thoma sonst unterstellten Eigenschaften von Poesie. Heimatknnst usw. nichts zu tun haben, die aber seine.höchste Künstlerschaft ebenso bar» tun wie seine Abbilder und sein großes gra- phisches Werk. Und nun nebenan die Holzschnittkunst Ernst Würtenberger» — eine gewaltige Schwarz- weißleistung von unvergeßlichen und höchstwertt- gen künstlerischen Eindrücken, Was hat Würtkn- berger nicht alles dem Holzschnitt abgewonnen. Da ist Illustrative». Legendäres, Mythologische?, Dekoratives, Originales und Reproduktives, rein Künstlerisches und Künstle werbliches, Bild- nis und Erzäkleriiches usf. Da ist der Linien- schnitt und die FlächenbearVeltung in Helldun- kel — unerschöpflich in der Ausdrucksweise, die der jeweiligen Bildform angepaßt ist. AlleS voll lichkeiten des Holzschnittes, nie ein Ueberschrei- teil seiner Grenzen — eine wahrhaft gesunde und gesegnete Fülle künstlerischer Hausmannskost, wie sie eben der geraden und unverstiegenen kraftvollen Natur Würtenbergers gemäß ist. Was an geistiger und künstlerischer Bildung und an technischem Geschick mitspricht, das ist deutlich aus den reproduktiven Blättern zu er- sehen. Man gehe nur einmal die stilvollen Um- setzungen der Bö ckl in schen Bilder daraufhin durch und setze sie in Vergleich mit den Bilderfindun- gen zu „Romeo und Julia" oder zu den „Drei gerechte« Kammachern. DaS ist deutsch bis in den letzten Strich hinein, in Humor nnd Ernst, in Sinnigkeit und Tiefe, in Bildhaftigkeit und Schönheit der Welt, in Unmittelbarkeit der fünft- lerischen Empfindung und stilvoller Gestaltung.. Würtenberger bringt für jeden Geschmack etwas und kann rein geistige und künstlerische Bedürf- nisse ebenso gut befriedigen, wie er dem volks- mäßigen, erzählerischen Verlangen gerecht wird. Er beherrscht den balladeSken Ton, wie den deS Volksliedes und hat für alle LebensstSnde und religiösen Stimmungen ein klar und anmutig klingendes Register. Man geht durch diese Aus- stellung mit dem Gewinn einer Bereicherung an Leben und Kunst, an Geist und Gemüt. Di« Porträtgalerie allein schon ist der höchsten Be- achtung wert und weist in Homer, Grünewald, Keller, Thoma u. a. wahre Perlen des Bildnis- schnittes auf, Eine feine Ausgleichung und Brücke von dem rein sachlich vorgehenden Zeich- ner Thoma und dem stilvoll schöpferischen Wür- tenberger ist in der kleinen RadierungSkollek- tion von H. O. Beter gegeben. Beter tst ein glücklicher Gestalter phantasievoller, oft phan- tastischer Welten und ein feinsinniger Zeitdeuter von hohem Können, dem der satirisch« Unterton ebenso li«gt, wie die spielerisch frei schwebend« Phantasiegestaltung allgemeiner Ideen. Seine Nadel ist von äußerster Zartheit und Kraft und erreicht die malerischen, wie rein zeichnerischen Wirkungen gleich gut — kurz, Beier steht bereits aus der Höhe deS Können». Bgr. Am Mindelsee. Von Otto Weiner. Der Bodanrück. ber sich wuchtig und steil zwi- schen Radolfzell«!- und Ueberlinger See zwängt, wird bei Güttingen und Möggingen durch eine breite, tiefe Mulde west-ostwärtö gespalten, in deren Tiefe der einsame Mindelsee von vergangenen Tagen träumt. Wenn auch bis Heute keine Reste von Pfahlbauten dort selbst wj. gedeckt, so zeugen doch Funde im Torfmoorjr seinen Rändern von alter Besiedlung. Im 9" sengartenmuseum zu Konstanz wird «in St«»' beil ausbeivahrt, das am Mindelsee gesund^ wurde, Speerspitzen, Nadeln und Ringe sind aU' der Bronze.,eit erhalten. Gegen Westen ist besagte Mulde zu breiter Wiesenfläche verlande' Bon dort her wanderte ich auf weichen Wege'' dem See zu. Mittaglänteu tönte von Möga'k gen herüber, überall auf den Wiesenslächen str^ ten die Heuer dem Dorfe zu. Ich brach d«vj seltsames Gemisch von Sumpfwald und Geb»', ohne Weg und Steg hindurch und stand am tf"., des Sees, Eine mooMedeckte Dorshütte leb»t Hang, MittagSsttlle lag über dem Wasser. in leichten Mellen kräuselte. Im nahen feld, wo trübe Tümpel blinkten, setzten , Knaben Torfsteine zum Trocknen auf und ten ob meines plötzlichen Erscheinens mißtrau'^ inne. Mit wetten Schwingen kreiste ein M, in der Höhe, dürres Schilfrohr rauschte. Ente, flatterten auf, Frösche quakten fernher im Pf*™',' Bodenlos tief ist der See, erzählten die ben, und in seinem Grunde wühlen die zentn». schweren Weller im Schlamm, mit den lanl>^ Bartfäden die Beute lockend. Manchmal fab^', die .Knaben über den See nach dem Markeli^, ger Wald Hinüber, ber südwärt« bis unmit'.^ bar an das Ufer vorstößt. Ostwärts weitet die Fläche, einsam« Hütten, zerfallene HäuScbe kauern am Strand. Ketne Straße führt ««r,, See, nur Feldweg«, dt« sich in Aeckern und y .< i s«n verlieren. Saumpfabe und Torfsträßcve Bewaldete Höhenzüge begrenzen den HorU?'» einsam und weltabgeschieden. Zuweilen ein Fischer die Angel aus, Netze trocknen, gehängt an Weiden und Birken, Seerosen l/u ten zart und schön, Rohrdommel und SumpwU° brüten in BuschgraS und Binsen. ^ So schläft der Mindelsee in verlorener wenig gekannt, schier vergessen, unbeachtet dem großen Strom« der Wandernden, die, " durch Wald und BergeSscheide von ihm getr«? i an ben Usern de» Schwäbischen Meere», de» '' fll j lichen Untersees, die Straße gen Konstanz " zu den alten Kirchen der Reichenau wallen. Nr. 291 Karlsruher Tagblatt. Montag, den 22. Oktober 1928 Seite S An unsere Leser! Die vorherige Festlegung des Bezugspreises mr eine nachfolgende Woche mußte bei den jetzt- »en, sich überstürzenden Verhältnissen zu den »rößten Nachteilen für die Verleger führen, «eit der Einführung des wöchentlichen Bezugs- vreises hatten sich bei der jeweiligen Erhebung »es Betrages die Gestehungskosten so verändert, oah sie in gar keinem Einklang mehr mit der erhaltenen Summe standen. Besonders kraß t>t aber der Fall bei dem jetzt zum Einzug ge- Engenden Bezugspreis von 850 Millionen. Dieser Bezugspreis muhte schon am Mittwoch, den 17. Oktober, festgelegt werden und kommt »st in diesen Tagen zum Einzug. Damals no- nerte der Dollar 4,7ö Milliarden und ist in- Zwischen auf lg, also das 4sache gestiegen. Mit dieser Steigerung ist selbstverständlich auch der Aufwand für die Herstellung der Zeitungen in einem solch ungeheuren Matze gewachsen, daß »er Betrag von 380 Millionen nur einen kleinen «ruchteil der notwendigsten Ausgaben deckt. Der Zusammenbruch der deutschen -viark zwingt auch die Zeitungen, Matz- nahmen zu treffen, die die A u fr e ch t e r h a l - tung ihrer Betriebe ermöglichen, wobei die Verleger wie bisher bereit sind, die grötzt- u>ö glich st en Opfer zu bringen. Eine neuerliche Berechnung hat ergeben, dah °er setzt zum Einzug gelangende Wochenbezngs- vreis von 850 Millionen kaum für drei Tage, also eine halbe Woche ausreicht. Die Vereint- swng Karlsruher Zeitungsverleger war daher w ihrer äußersten Not gezwungen, diese 350 Millionen nur bis einschließlich Mittwoch, den «*. Oktober, als Bezugspreis gelten zu lassen Und wirb vom Donnerstag, den 25. Oktober ab wr die Woche vom 25. bis 31. Oktober einen neuen Bezugspreis festlegen und in den einzelnen Zeitungen bekannt geben. Die Verleger rechnen dabei mit der Einsicht Und dem Verständnis ihrer Leserschaft, daS sich >n diesen schwierigen Zeiten schon so oft bewährt hat. Karlsruhe, den 22. Oktober 1S2S. Bereiniauna Karlsruher ZeitungSverleger: Verlag des „Badischen Beobachter". Verlag der „Badischen Presse". Verlag deS Karlsruher Tagblatt". Verlag der „Karlsruher Zeitung". Verlag des „Residenz-Anzeiger". Verlag deS „BolkSfreund". Mis öem Stadtkreise Konzert de» Sängerbundes „Vorwärts" Karlsruhe. Der Sängerbund „Vorwärts" Karlsruhe, gab Ar Feier feines 33 jährigen Stiftungsfestes am «amstag ein Konzert, das eine so starke An- öiehungLkraft ausübte, daß dir Festhalle bis zum letzten Platz besetzt war. Eröffnet wurde die Veranstaltung mit dem F-Moll-Präludium für Orgel von Bach, da? in breitem Zeitmaß ge- nommen, eine Stimmung der Weite aufschloß. Auf das Orgelstück folgte der Männerchor „Wcl- Unfriede". Das heiße Sehnsucht nach Weltsriede Und Völkerverbrüderung atmende Gedicht von E. Hartleben hat in der zügigen musikalischen Formung durch Hermann Sonnet beredten Aus- druck gefunden. Entsprechend der klaren Linien- mhrung der Komposition war auch der Vortrag: Mlicht, aber eindrucksvoll. Die frischen, kräftigen Männerstimmen ballten sich in ihm zu einem Klangkörper, der mit Fülle Weichheit und Run- dung vereinte. Unter der sicheren Führung deS Konzertleiter» F. FuchS kamen auch die übri- Ken Chöre zu einwandfreier Darstellung. Dem «ebendig empfundenen Chorsatz Bergmanns Auffahrt" von Ludw. Baumann wurden alle Aarakteristischen Züge abgewonnen. Nicht min- der dem reiche Stimmungen bergenden „Der Gottesdienst deS Wäldes" von Angerer. Hier nel besonders die Mannigfaltigkeit der Färbnn- Ken auf, die durch geschickte Anwendung des dynamischen Elementes hervorgerufen wurde. Aber auch in den »olkslioderartigen Gesängen Zte „Ein Wörtchen nur" von Neumann, „Der «vielmann" von Ullrich und „Rheinglaube" von «onnet wußte die Chorvereinigung durch die gesunde, natürliche, auf billige Effekte verzich- -ende Ausdeutung des Empfindungsgehaltes "arke Eindrücke zu erzielen, die in begeisterten Beifallskundgebungen ihren Widerhall fanden. Neben den Männcrchören riefen besonderes Interesse die „LiebeSliederwalzer" für gemifch- teS Quartett und Klavier von BrahmS hervor. In ihnen hat sich der ernste, verschlossene Nord- deutsche unter dem Einfluß der Wiener Luft zu dem „poetischen Hafisglauben Haydns, Mozarts und Schuberts" gewandelt. Sinnenfrohe, aber auch zartmelancholische, leidenschastlich-erregie Weisen auf Gedichte, in deren Gehalt fremd- ländisches, russisches, polnisches, ungarisches Ge- fühlSwesen mit verwoben ist, strömten ihren melodischen Zauber aus. DaS stimmlich ausgeglichene und trefflich auf- einander eingesungene Quartett, bestehend aus den Damen Lust und Braun sowie den Her- ren Vögele und Jungmann ließ 15 der LiebeSliederwalzer in künstlerisch vornehmer Art erstehen. Frau Lust sang außerdem noch die „Allmacht" von Schubert. Ihr tonsähiger, für diesen hymnenartigen Gesang aber etwas zu leicht beweglicher Sopran kam namentlich in der Höhe zur Geltung. Zwei Sätze eines Jnstrumentalkonzerts für Flöte, Violine und Klavier mit kleinem Or- chester von Bach fesselten durch die lebendurch- flutete Darstellung. Das geschah auch durch den schönen Gesang der Klarinette in dem „Larg- hetto" aus dem Klarinetten-Ouintett von Mo- zart, das an Stelle des auf dem Programm ver- zeichneten Sextetts für Streichquartett und zwei Hörner von Mozart trat. Im Verlaufe des AbendS spielte Organist Rinderknecht noch ein von ihm mit Ge- schmack registriertes Trio von Merkel und in flüssiger Weife eine Fuge von Mendelssohn, mit der daS Konzert einen festlichen Abschluß fand. t. Goldanleihe als Zahlungsmittel. Wir hören von zuständiger Stelle, daß der Druck der kleinen Stücke der wertbeständigen Anleihe deS Deutschen Reiches (1—5 Dollar) so beschleunigt worden ist, daß den Zeichnern zum allergrößten Teil ihre Stücke zur Verfügung gestellt werden können. Der verbleibende ver- hältniSmäßig geringe Rest dürft« in wenigen Tagen geliefert werden. Etwa von Mitte näch- ster Woche ab werden soviel weitere Stücke der Anleihe druckfertig fein, daß mit dem beabsichtig- ten Verkauf der Stücke der Anfang gemacht wer- den kann. Die Reichsbank hat hierfür bereits die nötigen Vorkehrungen getroffen. Die Ver- Handlungen mit den Banken nach der gleichen Richtung schweben noch. Es ist anzunehmen, daß das Publikum von der Möglichkeit, auf diese Weise Stücke zu erwerben, um sie als ein der Entwertung nicht ausgesetztes Zahlungsmittel zu verwenden, in weitestem Umfange Gebrauch machen wird, umso mehr, als der Kauf und Ver- kauf der Goldanleihe im Gegensatz zu dem Han- del mit sonstigen Wertpapieren von der Kapi- talverkehrsteuer befreit ist. Was kommt nach der Billion und Trillion? Im täglichen Leben rechnen wir mit Millionen und Milliarden, schon tauchen Billionen auf, und von ganz weit her nähert sich gar die Trilliw. Zahlenvegriffe, um «die man sich früher nicht küm- merte, müssen uns geläufig werden. Man weiß schließlich, daß eine Milliarde 1000 Millionen sind und bei einer Trillion gar sitzen viele schon ganz fest. Da wollen wir ein bißchen aufhelfen, Zah- len zeigen, die nnS vielleicht nicht mehr fern sind, wenn nicht ein Wunder kommt. Zunächst vor- weg, daß die Franzosen. Spanier und Portugie- sen schon unsere deutsche Milliarde, d. h. 100» Millionen, mit „Billion" bezeichnen, also auch bei den weiteren Zahlenbegriffen immer um einen Punkt früher einspringen. Eine deutsche Bil- l i o n ist eine Million Millionen, sie wird mit zwölf Nullen geschrieben. Eine Million Billio> nen (mit 18 Nullen) ist eine Trillion, eine Mil- lion Trillionen ist eine Ouadrillion lmit 24 Nul- len), eine Million Quadrillionen ist eine Quin- guillion lmit 30 Nullen), eine Million Quin- (Millionen ist eine Dextillion (mit 30 Nullen), eine Million Sextillionen ist eine Septillion lmit 42 Nullen), eine Million Septillionen ist eine Oktillion lmit 48 Nullen). Das dürfte hoffentlich vorläufig für den Hausgebrauch genügen. Der Ankauf von RcichSsilbermiinze« durch die Neichöbank erfolgt vom 22. Oktober ab bis auf weiteres zum 1 Milliardenfachen des Nenn- wertes. Reichsbahn und Volksernährung. Wir erhalten folgende Zuschrift: In der Oeffentlichkeit wird die Teuerung von O b st und Gemüse sowie Lebensmitteln überhaupt häufig der Höhe der Eisenbahn- t a r i f e zugeschrieben. Dies ist durchaus irrig, denn in ihrer Tarifpolitik hat die Reichsbahn gerade auf diese lebenswichtigen Güter besondere Rücksicht genommen. So wurde Obst und Ge- müse in immer niedrigere Tarifklassen versetzt. Obst, früher in der höchsten Wagenladungs- klaffe A, wird jetzt zu den Sätzen der Klasse D, alle übrigen Feld- und Gartensrüchte nach der niedrigsten Klasse F befördert. Kartoffeln werben sogar nur zu ein Fünftel der Sätze dieser Klasse gefahren, wodurch natürlich nur ein ganz geringer Teil der Selbstkosten der Eisenbahn gedeckt wird. Für Obststückgutsen- düngen ist seit dem 16. Oktober eine neuerliche Ermäßigung von Sü% Prozent gewährt worden Gegenüber der Vorkriegszeit ist daS Goldnineiu der Frachten für Gemüse stark gefallen, für O.''sl um die Hälfte und mehr, für Kartoffeln sogar bis auf etwa 15 Prozent. Ebenfalls im Interesse der Volksernährung wird der Reichsverkehrs- minister vorübegehend einen Ausnahme- taris für Düngemittel einführen. Durch den Frachtnachlaß, der bei Stickstoff 30 Prozent, bei Kali und Thomasschlacke 20 Prozent, für Kalk und Mergel 10 Prozent beträgt, soll einer- seits künftig eine Steigerung des Ernteertrags ermöglicht.andererseits heute ein Anreiz für die Landwirtschaft geschaffen werden, Düngemittel gegen ihre Erzeugnisse auszutauschen und damit die Versorgung der Bevölkerung mit Lebens- Mitteln zu erleichtern. Reisepässe fürs besetzte Gebiet. Die Jnter- alliierte Rheinlandkommisston hat beschlossen, daß die Reisepässe, die den in dem unbesetzten Gebiete wohnenden deutschen Staatsangehörigen zwecks Einreise in die besetzten Gebiete vor dem 1. Oktober d. I. ausgestellt wurden, und deren Kosten in Mark entrichtet worden sind, ab 31. d. M. ohne Rücksicht auf die seinerzeit bewilligte Gültigkeitsdauer als abgelaufen anzusehen find. Für die Reisepässe, die nunmehr aus- gestellt werden, ist ein Betrag in Höhe von 5 Goldmark zu entrichten, zahlbar in franzö- fischen Franken, und zwar nach dem von der Finanzstelle der Rheinlandkommission festgesetz- ten Wochenkurs. Ernennung. Zum Vorsitzenden deS Verwal- tungSratL der Furforgekasse für Gemeinde- und Körperschaftsbeamte wurde Verbandsgeschäfts- führer Christian Grampp in Karlsruhe er- nannt. Schießerei. Gestern abend gab ein Schiffer in angetrunkenem Zustande ohne jeden Grund am Eingang einer Wirtschaft in Daxlanden auf die im Saale befindlichen Gäste aus einer Pistole etwa 12 scharfe Schüsse ab ttttfc flüchtete in den von den Franzosen besetzten RheinHafen. Ein lediger Kesselschmied aus Daxlanden erhielt einen Steckschutz in den rechten Oberarm. Unfug. Gestern nachmittag wurde von einem Kaufmannslehrling und einem Bolksschüler der Feuermelder am Hause Kaiser-Allee 5g mut- willigerweise eingeschlagen, worauf ein Unbe- kannter die Feuerwache unnötig alarmierte. Schwere Ausschreitung. Als am SamStag abend der Polizeiposten an der Bildergalerie in der Hans Thomastraße einen ledigen Kaufmann von hier von der Begehung eineS groben Unfugs abhalten wollte, versetzte ihm dieser mit einem Messer einen Stich in das linke Äuge und ver- letzte ihn schwer. Der Täter ist verhaftet. Mitteilungen de« vad. Landesthealers. Am Tonntag. den 28. b. M.. findet ein autzergtwöbn- licki interessantes Gastspiel statt, und zwar wird der bcriibmtc Baritonist der Berliner Staateover, Heinrich D ch l » S n u s , in einer seiner Glanzvartien, nämlich alS „Rigoletto" gastieren. Schweiuemarkt iu Durlach vom 20. Oktober. Der Markt war befahren mit ISO Läuferschweinen und 378 Ferkelschweinen. Davon wurden 100 bezw. 300 verkauft. Der Preis betrug für Läufer 15—24, für Ferkel 10—15 Milliarden per Paar. Schlüsselzahlen des 22. Otlober. Bad. Einzelhandel: Montag vornrittaa 540 Mill. Vortag 380 Mill.). Karlsruher TenerungSzahl lmit Bekleidung): Stichtag 15. Oktober: 7S3S18 895,07 lBorwoche 120 449 647,83). Badische Teueruugszahl lohne Bekleidung): Stichtag 15. Oktober: 583 628 648,12 (Vorwoche 101 634 562,81). Reichsindexziffer: Stichtag 15. Okt.: 6S1L Mill. lVorwoche 10g,i Mill.) Großhandels-Teuerungszahl: Stichtag 16. Okt.:- 1008 Mill. lVorwoche 307.4 Mill.). Goldzollaufgeld: 20.—28. Okt. 93 399 990 900 Prozent lVorwoche 107 999 999 900 Prozent). Schlüsselzahl deS Badischen Gastwirteverbandes: 1800 Mill. % Liter neuer Weitzwein 400 Mill., Rotwein 500 Mill.: Essen in Kleinbetrieben 600 Mill., in Mittelbetrieben «00 Mill. Badische Hotelindustrie: 2000 Mill. Eisenbahn: Personentarif 600 Mill.: Gütertarif 1000 Mill. Amtliche Gttterbestätterei Karlsruhe: ab 20. Oktober 8200 Mill. Bad. Landestheater: 800 Millionen. Volksbühne: Gutscheinpreis für 23.—2g. Oktober 1700 Millionen. Schlüsselzahl des Vereins deutscher Zeitungs- verlcger für Anzeigenanfträge: 2 Mill. Buchhäudlerschlüsselzahl: 8000 Millionen. Die Schlüsselzahl für Arzneitaxe: für Waren und Gefätze 13,1 Mill., für die ArbeitSver- gütuug 7 Millionen. Vom Wetter. Voraussichtliche Witterung: Wolkig, bis trüb, weiter« Regenfälle, etwas kühler aber noch yriw. Tagesanzeigev Montag, de« 22. Oktober 1928. Bad. Landesthcater: .Hamlet, Prinz von Dänemark", abends 7 bis gegen VA1 Ubr. Lteberhalle Karlsruhe: Mitglieieroersamm- lung, abends g Ubr im VereiSbeim. Residenz-Lichtspiele: Neues Program«. Badisches Landestheater Montag, den 22. Oktober, 7 bi» gegen l l 2 tl Uhr Sp. I 3 50. Volksbühne 1. 2 Hamlet, Prinz von Dänemark. iele RBSI-Lichtsj, Samstag bis einschl. Freitag Der niesende Holländer nach dem Roman des Kapitäns Marryat in zwei feilen, elf Akten. „Die kleine Freundin" Die Jagd nach der Braut ■ Fulag-Groteske in zwei Akten. Chaplin als Pseudograf. Tüchtige selbständige teure auch verlekt im Schweißen für dauernde Beschäftigung flciutlit. Angebote mitZengntsablchrtttenu. Lebenslauf an ffirma Gebr. «rend, Zentral- Heizungen, Saarbrücken 5- Tapeten! Neuheiten 1923—25. R»i»daltiqst»Au«wabl »on der «Iniackistcn BtS hoehwert. lichtbeständ. H. Durand DoualaSjtr. 20. Tel. 2«85 Vinter der Hauvtvvit. UcbrrnaCime von Iave,i«rarbe>t. La«er in Matten und Leisten. Ich kante Brillanten, ganze Perlsciinüre Gold, Silber, Platin-Gegenstande zu höchstem Tageskurs B. Kamphues, Karriere . . . Ein Dreiminutenroman. Von Frltz Hermann. . In der Nolle der Käthi in „Alt-Heidelberg" >rot gestern eine erst siebzehnjährige Schauspie- jfrin Luise Müller zum erstenmal vor das fest- "ch bewegte Publikum. Fräulein Müller mutzte ihrem frischen Spiele wahre Beifallsstürme »u entfesseln. Und wirb sie sicher eine Zukunft (Bericht aus Frankfurt-Oder.) * _5>te junge hübsche Schauspielerin Luise stiller gastierte gestern als Lulu im hiesigen ^urtheater. Die entstammt einer Beamten» Emilie in Frankfurt am Main und ein guter ffftjfl ihr hierher voraus. So sehr uns die ^rebsame Künstlerin in Einzelheiten gefiel, so Glissen wir doch sagen, daß sie sich der Rolle der ^»lu noch nicht gewachsen zeigt. Sie wird noch an sich arbeiten müssei,. (Neueste Nachrichten, Friedrichroda.) ch Die bekannte Schauspielerin Luise Müller Frankfurt errang auf der SchönheitSkon- ^rrenz im Edensaale den 1. Preis. (Der Frühmorgen, Berlin.) * .Die erst fünfzehnjährige bildschöne Schau- !^lerin Lou Müller aus Frankfurt am Main M von Sascha MonS, dem bekannten Manager Ar U. S A., zu einer Tanztournee durch die ^reinigten Staaten verpflichtet worden sein. wird eine tägliche (vage von 500 Dollar? Ehalten. Fräulein Müller wird bereits am vi,?- MtS. von Bremen aus nach Neuyork ab- x *Vtn. Mitteilung deS Pressebüros^ Die vor einigen Wochen üher Lou Myller, die schönste Fr^u Deutschlands, veröffentlichten Mitteilungen entbehren jeder ernsthaften Grundlage. Wie uns die Direktion der Espa- silmgesellschaft soeben telephonisch mitteilt, ist Lou Myller von der Espa für eine Serie neuer Gesellschaftsdramen, in denen sie die Haupt- rollen spielen soll, verpflichtet worden. In dem neuesten (siebenten) Film der Espa feierte Lou Myl als „Tochter des Wonwoden" wahre Triumphe. Der Monumentalsilm wird seinen Si«geSzug von Berlin durch die ganze Welt antreten. An dem internationalen Tanztournier in Nizza beteiligte sich auch der berühmte Berliner Filmstar Lou Myl und errang mit ihrem P<^rt» uer den zweiten Preis. Die entzückende Tänzerin und Asilmkünstlertn Lou Myl, die eine der höchstbezahlten Film- größen, ist in ihrer Villa in Garmisch ... mit ihrem Seidenzwergpinscher Sasa auf der Kur- Promenade in Baden-Baden . . .im Familien- bad in HeringSdorf idaS Bnd>'kostUm ist eineS der neuesten Modelle der berühmten Berliner Firma X. ?).). Die siebzehnjährige Künstlerin besucht das Kinderheim in Neuruvpin und ver- teilt Schokolade . . . (Diverse Bilder nach eige- nen Aufnahmen in den grohen Zeitschriften.) Lon Myl, der Star der Zezady. hat sich mit dem Grasen Nimmern-Kuxendorf auf Schlob Seide verlobt. Die Vermählung findet bereits in zwei Wochen statt. Das junge Paar wird im Anschluß eine Indienreise antreten» Graf Nimmern-Kuxendorf. der sich vor eini- gen Jahren mit Lou Mol, dem bekannten usw. . . . vermählte, soll, wie uns ein Wiener Privattelegramm meldet, sich von seiner Gat- tin scheiden lassen. ch lDrahtberichi). Zur Ergänzung unserer letz- ten Mitteilung über Graf und Gräfin Nim- mern-Kuxcn>dorf auf Schlosi Seide in der Wachau können wir heute berichten, daki die erst siebzehnjährige junge Gräfin, die Tochter eines bekannten Großindustriellen auß Frankfurt a. M, Scheidung der Ehe beantraat hat. Die Ehe blieb bekannlich kinderlo». Gras Nimmern- Kuxendorf ist in den internationalen Bädern und aus der Nennbahn viel gesehen. ch Graf Nimmern-Kuxendorf hat sich gestern abend, wie es heißt, in geistiger Umnachtung, in einem kleinen Kurort bei Bozen erschossen. Spielverluste sollen der Grund zur geistigen Umnachtung gewesen sein. ch (Nach 84 Jahren.) Gestern starb tn der Chansseestratze tn ärmlichsten Verhältnissen eine Frau Nimmern aus Kuxendorf. Unser« älteren Abonnenten werben sich noch erinnern, daß diese arme, unglückliche Frau, einst eine gefeierte Schönheit und berühmte Künstlerin, ein intcr- essantes Schicksal hinter sich hat. Unter dem Namen Luise Müller als Schauspielerin begin- nend, vermochte sie einst unerhörte Triumphe zu feiern. Schönheit und Ehrgeiz beflügelten ihren Ausstieg. Sie war Star der großen Film- gcsellschasten und später mit dem Grasen Nim- mern verheiratet, der bei der Nettnna eine? er- trinkenden Kindes im Po tödlich verunglückte. Unverschuldet geriet sie später in Elend. UnS wird sie eine unvergessene Käthi bleiben. (Beobachter zur Mitternacht.) Theater unöMust? Die neue Tanzsuite sllr Orchester von Richard Strauh ist soeben erschienen. Richard Strauß hat die Uraufführung in Deutschland Fritz Busch übertragen, der die Neuheit noch in die- fem Winter in einem Konzert der Dresdener S t a a t s k a p e l l e herausbringen wird. Professor von Waltcrshansen, Direktor der Akademie der Tonkunst iu München, hat den Auftrag übernommen, zu einer Originalüber- setzung von Goldonis Komödie „Das KasseehauS" die Schauspislmusik zu schreiben. Deutsche Lieder in Rußland. Die vom preuhi- schen Kultusministerium eingesetzte vhouogravbische Kommission hat die Mundarten und Lieder aus- nehmen und studieren lassen, als der Weltkrieg unsere-.» Gefangenenlagern viele Nachkommen der bessischen und pfälzischen Bauern zuführte, die 1762 Kaiserin Katharina an der Wolga und in Süd- ruhland ansiedelte. Die Lieder gibt jetzt der Berliner Musikgelehrte Professor Or. Schünemann in einem Bande heraus. Obwohl das Volkslied bei den Kolonisten keine geregelte Pflege erfuhr, sondern nur mündlich im abendlichen Gesang der Burschen auf den Gassen und bei Hochzeiten gesungen wurde, bildete es unbeeintlunt von der Grohstadtkultur einen starken Damm gegen die Russisizierung. Die 434 Lieder des Werkeö umfassen alle Gattungen. Die Wacht am Rhein hat Zusatzstrophen erhatten, am meisten gesungen wird „Ich lebte einst im beut- schen Baterland" nach russischer Melodie. Russischer hervor, daß der Vortrag durch Verzierungen und Verschleierungsmanieren gedehnt wird, die be- reits m der Kunktmufik des 16. Jahrhunderts auf- traten, eine Tatsache, die das Verhältnis dieser ältesten einstimmigen Kunst »um Bolkögesange neu beleuchtet. Seite 4 Karlsruher Tagblatt. Monrag, den 22. Oktober 1923 Nr. 291 Leitung 5. Schülerwettkämpfe des Karlsruher Turnvereins 1S46. Die am vergangenen Samstag durchgeführten Schiilerwettkämpse wiesen trotz der ungünstigen Witterung eine recht gute Beteiligung auf. Der Fortichritt in den Leistungen war gegenüber den früheren Iahren unverkennbar. Das Haupt' interesse der Teilnehmer, die itt zwei Altersklassen (1900/10 und 1911/18) eingeteilt waren, drehte sich um den Wanderpreis der Stadt Karlsruh«, den sich die Mannschaft des Gym- na sin ms für die beste Gesamtleistung im Dreikampf mit 551 Punkten gegenüber der Mannschaft der Humboldtschule mit 501 Punkten (Verteidiger des Wanderpreises) erringen konnte. Auch die Einzelleistungen standen auf erfreulicher Höhe. Eck. Walter (Jt. T. B. 46) und Threraarten Franz (Gmnnasium) erreichten 4.80 Meter und Lang Bertold (Gymnasium) 4,40 Meter im Weitsprung, im Ballweitwerfen waren die Besten Lang Bertold (Gymnasium) mit 60,5 Meter. Trapp Waldemar mit 57 Meter, Eck Wal- ter (St. T. B. 46) und Wölfle Karl (Humboldt- schule) mit je 56 Meter, die beste Zeit im 50-Me- ter-Lauf (7 Sek.) erzielten: Eck Walter (K. T. V. 46), Maisch Georg iHumboldtschule) und Thiergarten Franz (Gnmnasium). In der 10 mal 50 Metersw^el siegte die Mannschaft des Gym- nasiums in 1 Min. 14% Sek. vor jener der Hum- boldtschule in 1 Min. 17 Sek. Nachstehend die Einzelresultate im Dreikampf: Jahrgang 1909/10. 1. Eck (K. T. B. 46), 2. Lana, 3. Thiergarten. 4. Trapp, 5. Pfisterer (sämtliche Gymnasium), 6. WSlfle (Humboldtsch.), 7. Baumert (Gymnasium), 8. Brendt, 9. Bam- berger (beide K. T. V. 46), 9. Seitz (Kani-Ober- Rsch.), 10. Langendem (O6er-Rsch.) und Daub (Humboldtschule), 11. Schrodt lTullaschule), 12. Lang (Kant-Ober-Rsch.) und Heck (Humboldt- schule), 18. Maisch (Humboldtschule), 14. Esmann (Humboldtschule) und Frey (Gnmnasium). 15. Lo- renz (Humboldtschule), 16. Kölmel (Kant-Ober- Rsch.), 17. Wölfle (Humboldtschule), 18. Holzen- thaler (Gnmnasium) und Vöaele (Kani-Ober- Rsch.), 19. Ehrmann (Humboldtschule), 20. Hocker (K. T. V. 46), 21. Lang und Oreans (Gymna- sium), 22. Rahäuser (Humboldtschule), Schwarz (Humboldtschule). Sttbane (Kant-Ober-Rsch.) und Mayer (Humboldtschule), 23. Stumpp (Kant- Ober-Rsch.) und Schweizer (Gymnasium). Jahrgang 1911/13. 1. Schütz (Gumma- sium), 2. Rheinhold und Krumm (Gymnasium). 3. Viehle (K. T. V. 46), 4. Scharf (Gymnasium). 5. Thiergarten (Gymnasium) und Koch (Kant- Ober-Rich.), 6. Walter (Gymnasium), 7. Baisch (Gymnasium). Herriegel (Gymnasium) und Göbel (K. T. B. 46), 8. Johs (Gymnasium), 9. Schrodt (Ka-nt-Ober-Rsch.), 10. Wenzel (Kant-Ober-Rsch.), 11. Grimm (Gnmnasium), 12. Schöpflin (Gymna- sium) und Oppler (Gnmnasium), 13. Socker (Kant- Ober-Rich) und Wieland (Gnmnasium). DerfustbaUöes Sonntags Kreisligaspiele. Karlsruher Fußballverein — Germania Durlach 5 :3, Halbzeit 1:8. Fußball ist ein Sport, der wie kein anderer die Massen interessiert, weil er das Moment der Ungewißheit des Kampfaus^,arges bis zur letz- ten Sekunde offen läßt. Tritt nun bei einem Kampf, bei dem der eine Gegner auch vom letzten Zuschauer der Lage der Sache nach als reiwngs- los verloren angesehen wird, die völlig umge- kehrte Tatsache ein, so kann auch der kühlste Betrachter, dem das Fußballspiel nur als ideale Art gilt, seiner freien Zeit eine angenehme Be- stimmung zu geben, zum Enthusiasten werden. Der Klubanhänger, der unentwegte Fußballer aber wird in einem solchen Falle zum Fanatiker. Nicht ein einziger der vielen Zuschauer verließ gestern das Spielfeld, ohne mehr oder minder starker, teilweise sogar hochgradiger innerer Er- regung unterworfen gewesen zu sein. Damit aber erleidet auch der vorurteilslose Mensch eine gewisse Einbuße von Urteilskraft, er kann mi- nutenlang aus der Rolle fallen, ohne sich dessen selbst bewußt zu werden. Menschen, die noch wenige Minuten zuvor dem Unterlegenen mit der letzten Herzensfaser diese Niederlage ge- gönnt und ihrer Ansicht lauten Ausdruck ver- liehen — verfallen ins entgegengesetzte Extrem — sie bejubeln und feuern schließlich den zuvor Preisgegebenen noch an. Spiele, die eine der- artige hochgradige psychische Auswirkung auf die Zuschauermassen ausüben, sind rar. Treffen, wie das gestrige, dürfte K.F.V. nur wenige in seiner Vereinsgeschichte zu verzeichnen haben. Die Mannschaft hat sich damit einen moralischen Sieg erfochten, der Ansporn zu weiterer Tatkraft geben wirb. Das Spiel, zu dem beide Gegner ihre beste Garnitur gestellt hatten, litt unter der unsicheren Leitung des Schiedsrichters große Not. K.F.V. lag zu Spielbeginn im Angriff, so daß Durlachs Torwart öfter eingreifen mutzte. Bald aber trug Durlach seine Gegenangriffe vor, schon nach zehn Minuten kam der erste Treffer, drei Minuten später folgte das zweite Tor, weitere Vorstöße führen kurz darauf zum ersten Eckball, der vom Karlsruher Torwart nur knapp zur zweiten Ecke abgelenkt wurde, diese bringt aber der Germaniamannschaft das dritte Tor ein. Durlach führt mit einem Vorsprung von 3:0 Toren. In der Folge kommt nun die Mann- schaft des PlatzinHabers gut auf und erzielt hin- tereinander fünf Eckbälle, ohne zählbaren Erfolg, erst fünf Minuten vor der Pause kommt endlich — und zwar sehr zaghaft, der erste Treffer durch den Halblinken Stürmer, nachdem schon beste Torgelegenheiten vorher verpaßt wurden. Wenige Sekunden vor Paufepfiff erhält K.F.V. hart an der Elfmetergrenze einen Strafstoß, der vom Durlacher Torwart abgewehrt wurde. Halbzeit 1:3. Nach Feldwechsel drückte K.F.V. aus das Tempo und lag auch im Angriff, der nach süns Mimil-'N clli'falls wieder durch den li.ilblinlen Stürmer, das zweite Tor brachte. Dieser Erfolg wirkte beim Gegner anfeuernd, die Gäste bringen geraume Weile dem Vereinstor große Gefahr. Nach etwa viertelstündigem Spielver- lauf fiel vom Schiedsrichter ein offensichtlich falscher Entscheid — ein Verteidiger von K F V. stößt den Ball aus Verärgerung darüber von den vom Schiedsrichter für Durlach bestimmten Straf- stotzplatz weg, der Schiedsrichter ahndet dieses an und für sich keineswegs zu billigende Vergehen mit Platzverweis des K.F.V. - Verteidigers. Eine viel zu schroffe Maßnahme, der gleich dar- auf noch eine schärfere folgt — aus einem nicht ersichtlichen Grunde wird ein weiterer Spieler von K.F.V-, der Halbrechte Stürmer, ebenfalls vom SpielfeA» verwiesen. Dieser Entscheid brachte in die Zuschauermassen hochgradige Er- regnng und Verstimmung. Germania zieht nun alle Register, und großer Jubel seiner Anhänger begleiten die jeweiligen gefährlichen Vorstöße. K.F.V. wird überall, selbst von seinen Anhän- gern, mit seinen neun Mann als erledigt be- trachtet. In der letzten Viertelstunde zeigt aber der rechte Flügelstürmer von K.F.V eine verblüffende Enerige und Tatkraft, er reißt seinen Nebenmann mit und endlich bequemt sich auch der dritte Stürmer, der Linksaußen, zur letzten Anstrengung. So erfolgen dann wuchtige Vorstöße vors Germania Tor, sieben Minuten vor Schluß kommt durch Einköpfen des Balles durch den Mittelläufer K-F-V. zum Ausgleich. Nun entbrannte ein heftiger Schlußkampf, bei dem die Vereinsmannschaft eine zähe Energie entwickelt. Nicht Unentschieden, sondern Steg oder Verlieren ist die Losung der Neun) auf Sieg wird das Spiel denn eingestellt. Der zähe Siegeswille bringt auch den Erfolg. Angrtff auf Angriff rollt aufs Durlacher Tor, zwei Mi- nuten nach dem Ausgleich hat K.F.V. wiederum durch Finneisen, das vierte Tor erzielt und die die Führung. Die Gästemannschaft wird, da K.F.V. feinen Angriffsgeist verstärkt, zusehends nervöser, die Verteidigung immer unsicherer und verliert somit zusehends an Sympathie der eigenen Anhänger. Als zwei Minuten vor Schluß ein fünftes Tor der K.F.B.-Mannschaft die Krönung ihrer Aufopferung und ihres Sie- geswilleus bringt, kennt der Beifall und Ent- husiasmus keine Grenzen mehr. Freund und Gegner bejubeln den Heißerstrittenen und ver- dienten Sieg. Besser als die erste Mannnschaft schnitt die zweite von Durlach ab: sie blieb gegen K.F.B, zweite mit 2 :0 Toren Sieger. —l. Frankoma Karlsruhe — Beiertheim 6 :0. Mit einer seltenen Ruhe setzen beide Mann- schasten ein. Frankonia findet sich schnell zusam- men, zieht vor das Beiertheimer Tor und kann auch sofort einen Treffer erzielen. Beiertheim ist überrascht durch diesen Schnelligkeitserfolg, kann es aber nicht verhindern, daß in der fünften Minute das zweite und in der siebten Minute durch schönen Kopfball das dritte Tor von feiten der Frankonia fällt. Bei neuem Anstoß kom- men die Beiertheimer schön vor, der Angriff wird von der Frankoniaverteidigung abgefchla- gen, der Ball wandert von der Läuferreihe zum Sturm, von dessen Mitte nach Rechtsaußen und eine Flanke von dort wird zum vierten Treffer verwandelt. Alle Versuche Beiertheims, zu einem Erfolg zu gelangen, scheiterte an der Wachsamkeit des Gegners, der noch zweimal er- folgreich sein kann. Nach der Pause ließen aber die Feinheiten etwas nach, und es wurden beiderseits einige Strafstöße verwirkt, die nach dem vorausgegan- geen schönen Spiel und nach dem hohen und nicht mehr auszuholenden Resultat unnötig ge- wesen wären. ol. Die weiteren Kreisligaspiele erbrachten fol- folgende Ergebnisse: Gaggenau gewann gegen Verein sür Be- megungsfpiele Karlsruhe mit 3:1 Toren. Grötzingen lieferte gegen Rastatt ein unent- fchiedenes Resultat mit 1:1 Toren. Kreisligatavelle. Frankonia 5 Spiele 10 Punkte 19 : 4 Tore K.F.V. 5 Spiele 10 Punkte 17: 7 Tore Durlach 5 Spiele 6 Punkte 18: 8 Tore Gaggenau 5 Spiele 5 Punkte 15 :16 Tore B- f. B. 5 Spiele 4 Punkte 8 :14 Tore Beiertheim 5 Spiele 2 Punkte 10 :20 Tore Grötzingen 5 Spiele 2 Punkte 6 :17 Tore Rastatt 5 Spiele 1 Punkt 5 :13 Tore Vezirksligaspiele. Die gestrigen Treffen brachten folgende gebnisse: F.C. Pforzheim — F.C. Freiburg 1:1. Sportkl. Stuttgart — F.C. Phönix 1:0. Er- Kickers Pforzheim Freiburg. Stuttgart Mühlburg Phönix Heilbronn Feuerbach Staikd tfet Bezirksliga: 5 Spiele 10 Punkte 15 ; 5 Spiele 9 Punkte 16 : Sp. 6 Spiele 5 Spiele 5 Spiele 6 Spiele 5 Spiele 5 Spiele 7 Punkte 13 6 Punkte 9 4 Punkte 6 4 Punkte 6 2 Punkte 7 0 Punkte 1 3 Tore 2 Tore 11 Tore 6 Tore 10 Tore 8 Tore 17 Tore 16 Tore Karlsruher Turngau. Handball. Spielergevnifle. Liga: Turnerbund Beiert- heim - M.T.B. 3:3 (1:2). Tgd. Teutschneu- reut — K.T.B. 46 1: g. ^-Klasse: Turner- bund Beiertheim — Turnerbund Durlach 6:3 (4:1). Jugend: Turnerbund Beiertheim — MTV. 1:12. M.T.B. — Beiertheim 3 :3. Die beiden Mann- schasten standen sich gestern vormittag auf dew Platze des Turnerbundes Beiertheim gegenüber. Trotz der schlechten Bodenverhältnisse kam ein forsches abwechslungsreiches Spie l zustande. Beiertheim, das mit sehr verstärkter Mannschaft antritt, zwingt der M.T.V.-Mannschast ein schar- ses Tempo auf, das diese gut durchhält und zeit- weise sogar noch verschärft. M.T.V. kann bis Halbzeit zweimal. Beiertheim einmal erfolgreich sein. Kurz nach Halbzeit gleicht Beiertheim abermals aus, worauf M.T.V. 10 Minuten vor Schluß nochmals die Führung übernimmt. Durch Strafstoß kann dann Beiertheim in der letzte» Minute wiederum den Ausgleich erzwingen. Der Schiedsrichter Schmuck K.T.B, leitete das Spiel gut und sicher. K.T.V. 4« — Tgd. Te«tschneure»t 9:1. Vom Anstoß weg übernimmt in diesem Spiel K.T.V. die Führung. Teutschneureut, das heute mit einer im Verhältnis zum Vorjahre ziemlich geschwächten Mannschaft antritt, und dazu nur mit 9 Mann, kann der gut arbeitenden K.T.V.- Elf nichts anhaben. In gleichmäßigen Abstän- den fallen die 9 Tore, denen Teutschneureut nur das wohlverdiente Ehrentor entgegenzusetzen vermag. Die Neureuter Mannschaft spielte sehr aufopfernd, außergewöhnlich unsicher sind Ver- teidigung und Torwart, sonst die Stützen der Mannschaft. Die K.T.V.-Mannschast arbeitet gut und sicher. Schiedsrichter befriedigend. A. Sandballwettspiel. V. f. K.F.V. 2:3. Mannheim — Allgemeines. Deutsche Hochschule für Leibesübungen. Das Wintersemester 1923/1924 beginnt am Donners- tag, den 1. November, im Berliner Stadion. Die Einschreibungen haben bereits begonnen: sie werden am 15. November abgeschlossen. Die Studierenden der Hochschule können, soweit sie den besonderen Bedingungen entsprechen, aw staatlichen Ausbildungslehrgaug. der mit dem preußischen Turnlehrerexamen abschließt, teil- nehmen. Das Semester dauert bis zum 29. Fe- bruar. Schneesport wird in der Zeit vom 28. Dezember 1923 bis 12. Januar 1924 in Rein- erz, vom 1. bis 18. März im Riesengebirge, vom 6. bis 21. April im Allgäu getrieben. Für de« Eislauf hat die Hochschule in Berlin eine besondere Kunsteisbahn ihrer Studierenden geschaffen. Das Borlesungsverzeichnis der Deutsche« Hochschule für Leibesübungen für das Winter- semester 1923/24 ist erschienen und im Sekretariat (Stadion, Charlottenburg 91 erhältlich. Es umfaßt den staatlichen Kurs in Gemeinschaft mit der preußischen Hochschule, das BollstudiuM mit 20 praktischen Uebuugen und 35 Borlefun- gen, den Uebuugsplau für die Studierenden aller Berliner Hochschulen und die Bode-Kurse. Als Gastlehrer ist der Leiter der Miersdorfer Schulgemeinde Dr. Luferke geladen. Das Semester dauert vom 1. November bis 29. Fe- bruar. Deutsches Turn- und Sportabzeichen. Der Deutsche Reichsausschuß für Leibesübungen gibt noch einmal bekannt, daß Prüfungen nur dann gültig sind, wenn sie in Gegenwart von zwei Zeugen abgenommen werden. Die Zeugen haben die Identität des Bewerbers durch Vergleich der im Prüfuugsheft eingeklebten Photographie und der vor ihren Augen zu vollziehenden Unter- schrift nachzuprüfen. Die Durchsicht der Hefte und Verleihung der Abzeichen durch das Gene- ralsekretariat kann nicht immer unmittelbar er- folgen. Bei allzu starkem Andränge läßt sich die Prüfung nicht durch Ueberarbeit bewältigen Da die Mehrzahl der Bewerber die Einsendung der Hefte ihren Angaben nach kurz vor einer Auslandsreise vollzieht, so bittet der Deutsche Reichsausschuß für Leibesübungen, die Hefte mindestens 14 Tage vor solchem Reisetermin, vor Stiftungsfesten und dergleichen, zu denen das Abzeichen zur Stelle sein soll, einzusenden. Der MUionengarten. Roman von Reinhold Ortmanu. (80> «Nachdruck verboten» „Ich glaubte, daß es dir, meine liebste Tante, ein Leichtes sein würde, mir ein kleines Kapital zur Verfügung zu stellen. Wäre es auch nur, damit ich nicht mit ganz -leeren Händen vor meinen künftigen Schwiegervater hinzutreten brauchte", entgegnete Troskau. „Ein kleines Kapital — was verstehst du dar- unter?" „Seine Bemessung bleibt natürlich ganz deiner Großmut überlassen — es wäre denn, daß du mich ausdrücklich aufforderst, einen Borschlag zu machen/ „Laß hören!" „Ich dachte an eine Summe von — von viel- leicht sechzigtausend Mark." Die faltigen Wangen der Fran von Rippler zitterten ein wenig: in Haltung und Rede aber blieb sie ganz ruhig. .Wenn ich dich richtig versteh, wolltest du dich nur auf den Besitz dieser sechzigtanieud Mark berufen können. Es würde also genügen, wenn sie irgendwo für dich hinterlegt werden. Ver- ausgaben willst du sie nicht?" Troskau ränfverte sich, um über eine kurze Unentschlossenheit hinweg zu kommen. Aber die kaum erhoffte Gelassenheit der Tante machte ihm Mut. „Nun, ein gewisses Berfügunasrecht über das Geld müßte mir immerhin zustehen. Es ist klar, daß ich als der Verlobte einer reichen und etwas verwöhnten jungen Dame gewisse Aufwen- düngen nicht vermeiden könnte, für die die von dir so gütig gewährte Unterstützung kaum aus- reichen würde." „Auch nicht, wenn ich sie durch einen äuge- messenen monatlichen Zuschuß erhöhte?" „Findest du nicht verehrtest? Tante, daß der andere Weg etwas weniger beschämend für mich sein würde?" „Nein, das finde ich nicht. Und es wäre jeden- falls das einzige, auf das ich mich vielleicht — wohlgemerkt: vielleicht — einließe. Wozu du eine so große Summe auf einmal bedarfst, sehe ich nicht ein." Er hatte sich darauf gefaßt gemacht, daß ihre Haltung zunächst eine viel schroffer ablehnende sein würde. Die Aussicht auf seine reiche-Heirat schien also in einem sehr günstigen Sinne gewirkt zu haben. Darum durfte er nun wohl mit seinem schweren Geständnis herausrücken. .L?ch sagte schon, daß ich wegen meiner Zu- k>.»it ohne eile Sorgen sein darf. Lisclotics Mitgift und meine eigenen Einkünfte werden groß genug sein, sie zu sichern. Dr. Madelung weiß ohne Zweifel schon jetzt, daß ich nicht über große Schätze verfüge, und er wird mich nicht abweisen, wenn ich es ihm bei meiner Werbung offen bekenne. Aber er wird mich wahrschein- lich fragen, ob ich — ob ich — nun es muß eben gesagt sein — ob ich keine Schulden habe- Und diese Frage möchte ich guten Gewissens be- jähen können." ,,D« hast also welche?" „Na, es ist nicht gerade schlimm. Und ich ver- pfände dir mein Ehrenwort, Tante, daß sie mich nicht drücken. Der Mann, mit dem ich's zu tun habe, ist ein sehr anständiger Mensch, der auch wohl noch länger warten würde. Aber ich habe doch den sehnlichen Wunsch, von ihm los zu kom- men. Und dann sind ia noch allerlei Bagatellen, die in ihrer Gesamtheit auch schon einen recht hübschen Betrag ergeben. ES ist gut angelegtes Geld, das ich vi» dir erbitte. Und es wirb sich hundertfach bezaHlt machen." Daß sie ihn noch immer so luhig anhörte, machte ihn vollends sicher. Und er meinte zuletzt, jenen liebenswürdigen Plairderton anschlagen zu dürfen, der ihn anderswo so unwiderstehlich machte. .Du wirst mir keine Strafpredigt halten, weil ich mein Versprechen nicht ganz buchstäblich ge- halten. Nicht wahr, du wirst es nicht tun? Jy deiner beneidenswerten Zurückgezogenheit kannst du unmöglich einen richtigen Begriff von den Anforderungen haben, die das Leben an einen jungen Mann in meiner gesellschaftlichen Stellung erhebt. Ich habe es nicht zu arg ge- trieben — wirklich nicht. Ein anderer an meiner Stelle würde ohne Zweifel viel tiefer in der Tinte sitzen. Und zugleich mit meinem Jung- gesellendasein werden selbstverständlich auch alle dummen Streiche ihr Ende erreicht haben." „Bist du jetzt fertig?" „IN der Hauptsache — ja. Die Beichte ist mir schwer gefallen, Tantchen! Aber ich wußte von vornherein, daß ich mich an ein gütiges Herz wende. Mein Glück und meine Zukunft liegen jetzt ganz und gar in deiner Hand." „Kannst du mir eine Liste deiner Berpslich- tungeu geben — mit genauer Bezeichnung der Gläubiger und der Summen, die du ihnen schuldest?" Das Verlangen kam ihm offenbar höchst nn- gelegen. „Du willst dich doch nicht herbeilassen, selbst mit den Leuten zu verhandeln?" „Persönlich gewiß nicht. Man kann sich ja auch eines Vermittlers bedienen." „Aber es würde mir, offen gestanden, recht un- angenehm sein. Es müßte ein schlechtes Licht auf mich werfen. Und wenn es Dr. Madelung > einfiele, sich nach mir zu erkundigen —" „Kann man denn das? Gibt es Leute, die über jedermanns Privatverhältnisse so gut un- terichtet sind?" „Leider — ja. Es wimmelt jetzt geradezu von Auskunfteien und Detektivinstituten. Innerhalb einer Woche kannst du dir gegen entsprechende Bezahlung das Sündenregister jedes beliebige» Nebenmenschen verschaffen. Die Kerle wisse» ihre Nasen in die heimlichsten Winkel zu stecke» und bis in die graueste Vergangenheit hinein alles Bedenkliche aufzustöbern. Es ist ein schau« derhaftes Gefühl, ihnen auf Gnade oder Un- gnade ausgeliefert zu sein. Denn man ist wehr- los, weil man nichts davon erfährt." „Nun. ich glaube nicht, daß der Dr. Madelung sich nach dir erkundigen wird. Er mag wohl der Meinung sein, daß es dessen nicht mehr bewürfe- Und jedenfalls bleibt es bei dem, was ich gesagt habe. Schicke mir das Verzeichnis deiner Schul- den. Dann will ich mir's überlegen, inwieweit ich deine Wünsche erfüllen kann." Es war eine Enttäuschung,- aber ihr in stei' neruer Unbeweglichkeit erstarrtes Antlitz mahnte ihn zur Vorsicht. Wenn er mit der nötige» Schlauheit zu Werke ging, ließ sich ja vielleicht auch auf diesem We^e das gewünschte Ziel er- richeu, und auf keinen Fall durste er es mit ihr verderben. „Dann muß ich mich wohl zu der saueren 9l*' beit entschließen," sagte er mit einem Seufzer- ..Die Gewißheit, daß ich nicht umsonst auf deine» Edelsinn vertraute, wird sie mir versüßen." „Rechne nicht so fest damit. Ich habe now nichts versprochen. Und du wirst entschuldige»- daß ich dich nicht bitten kann, länger zu bleibe»- Es ist die Stunde, in der ich mir von meiner Gesellschafterin vorlese lasse. Bon meinen wohnheiten aber weiche ich nicht «reine ab." (Fortsetzung