t fforaaSotciS? ntlich 75 ©olSef«. frei ün unterer mc?eile OOOOfl. WÄ'«-8. «auvtschriltleiter Nr. V»ftsckeckl-nt- Nr. « Karlsruhe. l». »547 Äadifche Morgenzeitung Mit der Wochenschrist „Die Pyramide" Vadische Morgenpost ^irtschafts- und Handelszeitung" ^ «Turn- und Sport-Zeitung" ^ .Mnterhaltungsbeilage"^ «Literaturbeilage- ^ «Für die Frauen" ^«Wandern und M eisen" ^«Die Scholle" I^Mrebaftcur: Hermann v. Laer. Verantwortlich für Politik: Srib Ehrhardt: für ben wirtschaftlichen, babischen und lokalen Teil: Heiiirich Gerhardt: fftv baS Feuilleton: Hermann Weick: für die ..Pyramide Karl ^ho; für Inserate: Heinrich Schriever, sämtliche in Karlsruhe. Druck und Verlag C. fr. Müller, Karlsruhe, Nitterstr. 1. Berliner Redaktion 0r. Richard I ü g l e r. Berlin-Lankwitz. Wiozartstr. 87. Telephon-Zentrum 4*8. Für unverlangte Manuskripte oder Drucksachen übernimmt die Redaktton keine Verantwortung. Rücksendung erfolgt, wenn Porto beigefügt ist. Sprechstunde der Redaktion: 11—12 Uhr. 120. Jahrg. Dienstag, den 4. Dezember ***23 Mr. 334 Das neue Ermächtigungsgesetz. Berlin. 8. De,. lDrahtbericht.) Nach dem vorwärts" hat das neue Ermächtiguugsgesetz. die NcichLregiernng dem Reichstag unter- •feite« wird, folgenden Wortlaut: 11. Die Reichsregicrung wird ermächtigt, die Abnahmen 5» treffen, die sie im Hinblick auf * Rot von Volk und Reich für erforderlich nnd ^infteud erachtet. Ein Abweichen von den ,.°rschrifteu der Reichsverfasiung ist nicht zn- Die erlassenen Verordnungen sind dem ^ichstaa und dem Reichsrat unverzüglich znr ^'«ntnis zu bringen. Sie find anfznheben, wenn Reichstag dies in zwei Abstimmungen. ,wi- denen ei« Zeitraum von mindestens einer *Wtc liegen muh, verlangt. • 2. Dieses Gesetz tritt am Tage der Bcr- ^»dnng in Kraft. ES tritt am IS. Februar 1924 ">ber Kraft. * .Berlin, 8. Dez. sDrahtbericht.i Wie der „So- .^»n^ciger" wissen will, sollen darüber Be- Hungen stattgefunden haben, ob die in Aus- .j 1 " genommeAen Maßnahmen auf Grund eine? ..fachen, nicht verfassungsändernden Gesetze? fassen werden können. Der Reichsrat wird, ? le die Blätter hören, heute abend 8 Uhr zu- ^wentreten, um sich mit dem ErmächtigungS- '"ey zu beschäftigen. Auflösung des Reichstags? lA von unterer Berliner Redaktion wird uns ge- °btet: .Die Regierungserklärung, die der neue Kanz- ,' 1 Dienstag nachmittag um 3 Uhr im RcichS- abgeben wird, kann vielleicht schon wieder l' n « inncrpolitische Krise ljerbeifüfircn. Man bis gestern in parlamentarischen Kreisen Acmein angenommen, daß sich die Regierung mit einem Vertrauensvotum des ReichS- und mit der Annahme eines sog. kleinen ^kiächtigungsgesetzes, für das einfache Majori- ^.genügt, zufrieden geben wolle. In diesem ?°lcg sollte ursprünglich der neuen Regierung 1" 1 Vollmacht zur Regelung wirtschaftlich'! und .iialer Aufgaben in einer Form gegeben wer- A die eine Aendernng der Verfassung oder nur negativ die Aushebung von erlassenen iJ[! c t5en und Verordnungen verhindert. An- Wichen ist aber am Sonntag im Kabinett der ?°Nlaut des Ermächtigungsgesetzes festgesetzt j°/drn, und die verfassungsrechtliche Frage, ob Ermächtigungsgesetz einen verfassungs- ^°ernden Charakter trägt, und der Zweidriitel- Ortzeit "" " " ,ns - stündigen Arbeitszeit sind gescheitert, da die Ver° treter der Metallarbeiterverbände erklärten, am Achtstundentag festhalten zu müssen. Auch die Verhandlungen der Arbeitnehmervertreter mit der Firma Krupp sind aus dem gleichen Gründe abgebrochen worden. bedarf, ist geprüft worden. (Der ?°rtlaut deS Gesetzes findet sich an anderer Ue dieser Seite.» . , ^ j.Jich der zweite Paragraph deS Gesetze? wird tzAt! daran ändern, daß es sich bei Einbringung k.° Annahme des Gesetzes um eine Aenderung Versaüung handelt, deswegen, weil die t,"chsverfassung in keinem Artikel vorsieht, daß ^ Reichsregicrung außerordentliche Maßnah- »'N treffen kann. Diese Ermächtigung gibt die K^chsverfassung nur dem Reichspräsidenten. !? er diesen Umständen hat die Regierung sich i.1>chlossen, am TienStag im Reichstag die ver- ^ngsandernde Mehrheit, also die Zweidrittel- Arbeit für das Ermächtigungsgesetz zu kor- f.,. 11 - Das bedeutet: es muß mit der Möglich- Ii' gerechnet werden, daß der Reichstag die Zu- ^Mung zu dem Ermächtigungsgesetz versagt, b%ich die Auflösung deS Reichstags unmittel- 8 l vor der Türe stände. Der Reichskanzler riat bei der Bildung seines Kabinetts z>?driicklich die Ermächtigung erhalten, den z/!chstag aufzulösen, wenn das ErmächtigungS- A nicht angenommen würde. ».?ci der Abstimmung kommt es auf die Deutsch- banalen und die Sozialdemokraten an. Die ^Uung der Deutschnationalen ist ungewiß, aber Mrscheiulich ablehnend. Die Stellungnahme I.^Tozialdemokraten ist noch zweifelhaft. Viel- kann man auS dem Kommentar, den der °rwärts" dem Ermächtigungsgesetz hinzufügt. ^.Geneigtheit lesen, das Gesetz zu schlucken - Mt aus Neigung, sich einem event. Diktat einer i^erlichen Regierung unterwerfen zu müssen. Ijj^crn aus Abneigung gegen RcichstagZauf- ^Ng nnd Neuwahlen. Die Parteiführer beim Reichskanzler, hj: Berlin. S. Dez. lEig. DraStbcr.) Der >'chskanzler empsing heute die «sührer der d/Utschnationalen. der T»-?aldemokra!en und «^.Parteien der bürgerlichen ArbeitSgemein- N>t. Es ist naheliegend, daß die Besprechung ijt c Klärung der La«e vor der Abstimmung die NogierungSerklärung zum Gegenstand Die Arbeitszeit. i}- ®ITen, 8. Dez. lEig. DrahtSer.) Di« v-r- Ölungen zwischen den Gewerkschaften und "•'HVU V'Wl V'V.WVt.|W)M|.vi, - kie rociK« der Wiedereinführung der Mn- Poincar6s Anlerfuchuugs- ausfchüffe. London, 8. Dez. (Drahtber.i Auf Anregung PoinearSS hat, wie bereits bekannt, die Repa- rationSkommtssion zwei Ausschüsse ge- bildet mit dem besonderen Auftrag, die deutsche Kahlungfähigkeit und die Möglichkeiten einer finanziellen Sanierung Deutschtands zu unter- suchen. Poincarö will durch Bildung dieser Un- tersuchungSausschüsfe den ungünstigen Eindruck mildern, der in Amerika und in England ent- standen ist, als die englischen Vorschläge zur Bildung von Untersuchungsausschüssen an dem Widerstand Frankreichs gescheitert sind. Die ZImerikaner haben seinerzeit den Eintritt in die Untersuchungsausschüsse abgelehnt, mit der offe- nen Erklärung, daß sie keine Lust haben, sich irgendwie durch Vorschriften der franzöfischen Ministerpräsidenten beengen zu lassen. Trotz dieser Absage hat Poinearö die Courage, die Amerikaner zum Eintritt in die neuen Unter- fuchungsauSschüsse einzuladen, trotzdem es fest- steht, daß Poincarö auch den neuen Ausschüssen keine selbständige Entscheidung zubilligt. WaS bis jetzt über die Antwort Amerikas au PoincarS bekannt geworden ist, bedeutet eine neue Ablehnung der offizielle? Teilnahme. Ob nun die Ausschüsse doch ihre Tätigkeit ohne die Amerikaner beginnen, oder ob nun nach Ab- lehnung Amerika? auch die Engländer die Lnst verloren haben, ist noch nicht bekannt. In Eug- land hat man zu den neuen Untersuchungsaus- schüssen die Zustimmung gegeben, offenbar in der stillen Hoffnung, daß die Amerikaner doch bei- kommen. Der Pariser Berichterstatter der „Time S" schreibt, eine hohe Autorität habe ihm mitgeteilt, daß, wenn nicht Sicherheit über Amerikas Mir- Wirkung bestehe. eS zweifelhaft fei, ob die von ber ReparationSkommiffion beschlossenen Ausschüsse ernannt werden. Es würde nur Zeit- Verschwendung sein, wenn die Ergebnisse nicht entscheidend wären. ES heiße nun, daß Anstrengungen gemacht würden, um die Mit- Wirkung Amerikas zu erreichen, bevor die An- gclegenhett weiter getrieben würde. Der Washingtoner' Berichterstatter der „Ti- mes" schreibt, die amerikanische Regierung habe die informelle Einladung der ReparationSkom- Mission. Mitglieder für die von ihr ernannten Ausschüsse zu ernennen, weder angenommen noch verworfen. Der TimeSberichterftatter nennt es im voraus sicher, daß die Bereinigten Staaten heute nicht geneigter sein dürften, als vor einem Jahr, sich einer Reparationsuntersuchung anzuschließen, die keinerlei wesentliche Ergeb» uisse verspreche. Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" hält eö für wünschenswert, gewisse Irrtümer über die Reichweite der Sachverstän- digeuausschüsse richtig zu stellen. Die diesen AuS- schüssen zugestandenen Funktionen seien offenbar verwechselt worden mit denen der von den Ber- einigten Staaten, Großbritannien und auch ben anderen Alliierten, ausgenommen Frank- reich, vorgeschlagenen Kommission. Die jetzt in Aussicht genommenen Ausschüsse hätten keine derartig umfassenden Ziele. Die Hauptfrage, die der Legalität der Ruhrbefetzung, sei durch gemeinsame Zustimmung für den Augenblick beiseitegestellt worden, obgleich sie doch von neuem ausgeworfen werden müßte, nnd zwar ziemlich bald angesichts des von der deutschen Regierung bei der Kommission erHobe- nen Protestes. Der Ausschuß, der die geeigneten Mittel für den Ausgleich deS deutschen Budgets und die Stabilisierung der deutschen Währung festzustellen habe, werde Vorschläge machen: 1. über die Dauer und di: Vorbedingungen des M 0 r a t 0 r i u m S, das der deutschen Regie- rung gewährt werden solle: 2. über die etwaige Notwendigkeit und die etwaigen Bedingungen für eine Stabilisierungs- anleihe; 8. Uber die Gestalt der Ueberwachung ber deut- schen Finanzen durch daS Ausland. Dlm Berichterstatter zufolge ist einerseits ein großer Teil der Vorarbeiten bereit? von den britischen und neutralen Sachverständigen ge- leistet, die Berlin auf Einladung der deutschen Regierung 19 -22 besucht haben. Andererseits aber hat sich seitdem die Finanzlage Deutschlands derart verschlimmert, daß einige vollkommen neue Faktoren berücksichtigt werden müßten. Der Berichterstatter schreibt weiter über die Auswahl der Sa rfw er ständigen, Paris habe auf dem Aus schuh sowohl deutscher al? neutraler Sachverständiger bestanden. England sei der Ansicht, daß der Ausschluß der letzteren die schwierige Aufgabe des Komitees zur Untersuchung der deutschen Ka p i t a l f l u cht vermehre. Die neutralen Regierungen und Teutschland würden sich sicherlich nicht bereit er- klären, den alliierten Untersuchungen irgendwelche Erleichterungen zu gewähren. Dasselbe gelte von Amerika. E? sei nicht ganz klar, ob die Ansichten der verschiedenen Alliierten be» züglich des Charakter? der Sachverständigen augenblicklich übereinstimmten. In England sei man für die Ernennung von Männern de? öffentlichen Leben? und Bankiers von her« vorragender Bedeutung. In Frankreich scheine man jedoch zu glauben, daß die Ernennung der- artiger Männer dem Ausschuß übertriebene Bedeutung und Autorität verleihen würde. PariS und London stimmten andererseits darin über- ein, daß die aktive Mitwirkung Amerikas in beiden Ausschüssen eine fast wesentliche Bedingung für den Erfolg ihrer Arbeiten fein werde. Leider sei die Haltung Washingtons auf die Vorschläge keineswegs günstig. In einigen amerikanischen Kreisen sei sogar Ueber» raschung und Bedauern darüber ausgedrückt worden, daß die Alliierten sich mit einem Herum- gehen um die Frage begnügten. Amerika würde sich für eine wirkliche Lösung interessieren und bereit sein, dabei mitzuwirken, habe jedoch kei- nerlei Wunsch, sich nur mit zeitweiligen und technischen Notbehelfen zu befassen. Ohne Ame- rika aber würde der geplanten Untersuchung die Autorität deS unparteilichen Vorsitzenden Nehlen. EwMachkmitzbrauch schlimmster Art. Berlin, 8. Dez. Am 20. November hat der Vertreter der belgischen Regierung in DuiS- bürg rollendes Eisenbahnmaterial beschlag- nahmt, das zur Ablieferung an die deutsche Reichsbahnverwaltung bereit stand. Die Be- schlagnahme geschah mit der Begründung, daß Belgien sich aus diese Weise die Buße verschaffen müsse, die Deutschland für die Ermordung des belgischen Leutnant? Graff zahlen sollte, abe: nicht bezahlt habe. Die deutsche Regierung hat in Brüssel ein Schreiben übergeben lassen, in welchem gegen die Liquidierung deS in DuiS- bürg beschlagnahmten EiscnbahnmaterialS pro- testiert wird. Tic deutsche Regierung bedauert feststellen zu müssen, daß die belgische Regierung ihre Macht im besetzten Gebiet mißbrauche, anstatt diese reine Rechtsfrage entsprechend dem Borschlage der deutschen Regierung dem inr er- nationalen Schiedsgericht im Haag zu unterbreiten, der die berufenste Instanz für die unparteiische und gerechte Erledigung der Angelegenheit gewesen wäre. Die Note stellt ferner sest, daß die belgische Regierung für die Erschießung des deutschen Pollzeibeamien ChmielewSki, die mit dem Fall Grafs aufö engste zusammenhängt, noch nicht die g e r i n g st e Entschädigung gezahlt habe. „Der französische Sriegsgefangene im Mannheimer Schloß". Mannheim, 8. Dez. In einer anscheinend halbamtlichen Note, die dieser Tage durch die französische Presse verbreitet wurde, wurde die Behauptung aufgestellt, die französischen Trup- pen hätten bei de* Besetzung des Schlosses Mannheim einen französischen Kriegsgefangenen befreit, der feit mehr als 6 Fahren in „geheimer Haft" gehalten worden fei. Auf die tieSbezüg- liche Anfrage eines französischen Deputierten an den Ministerpräsidenten Poinearä erklärte die- ser, daß im Mannheimer Gefängnis bei der Be- setzung durch die französischen Truppen am 20. September sich kein französischer Gefangener be- fnnden habe. Ermäßigung der Grundpreise? b. Berlin. 8. Dez. lEig. Drahtber.) Heute vormittag sond in der Berliner PreiLprüfungS- stelle eine Besprechung »wischen dem Vertreter deS Polizeipräsidium? einerseits und Vertre- tern deS Groß- und Einzelhandels andererseits statt. Gegenstand der Besprechung war die Frage der Wert>beständigleitSrabatte und deS allgemeinen Preisabbaues. Im Saufe der AuS- spräche wurde ein allgemeiner Abbau der Gold-' grundvreife im Handel zugesagt. Dabei werden die Rabatte bei wertbeständigen Zahlungen in Fortfall kommen. Im LebenSmittelchandel soll morgen eine allgemeine Ermäßigung der Grund- preis« eintreten und zwar znnächst um etwa 1» bis 12 Prozent. Baien und das Reich. Nicht PartikulariSmuL hat mich bei Abfassung der Denkschrift geleitet, sondern die Liebe zur b a d i s ch e n Heimat, aber auch die Sorge um die Aufrechterhaltung der Freiheit des „Reiches". Mit diesen Worten begründet der Präsident des badischen Landtags, Abg. Dr. Baumgartner die Abfassung einer Schrift, die sich mit üem so viel umstrittenen Verhältnis zwischen dem Reich und den einzelnen deutschen Staaten beschäftigt. In der Tat, sagt Herr Baumgartner mit Recht, daß die Sorge um die Einheit des Reiches dazu zwingt, dem Verhält- niS zwischen Reich und Ländern die größte Auf- merksamkeit zu widmen. Wir haben an dieser Stelle schon seit langem und gar oft darauf hin- gewiesen daß wir unS von Berlin ans nicht das Recht nehmen lassen dürfen, hier im badische» Land nach unserer Art gute Deutsche $u fein. Wir haben schon immer mit größter t-sorge die Versuche der Berliner Zentralreg>ic« rung verfolgt, die Sonderrechte der Einzel- staatcn mehr und mehr einzuengen, und die un- glücklichen parteipolitischen Machtverhältnisse des Reichstags aus das ganze Reich auSzu- dehnen. Das mußte ein schlechtes Ende nehmen. Die Haltung Berlins, die besonder? tn den süK-^ deutschen Staaten schwer« Sorgen bereitet hat und noch bereitet, ist auch an der Entwicklung im besetzten Gebiet nicht unschuldig. Wenn Ber lin den Tatsachen am Rhein zur rechten Zeit Rechnung getragen hätte, so müßte heute nicht unter Zwang und im unglücklichsten Augenblick das Unvermeidliche getan werden. Die letzten fünf Jahre, die uns ja um so manche Erfahrung bereichert haben, haben uns auch den Beweis er- bracht, daß die jetzige Regelung der Rechte zwi^ schen Reich und Länder für keinen Teil zum Vorteil ist. Daß Unglücksjahr 1919. das so zahl^ reich an Irrtümern ist, hat auch zu der irrigen Meinung verführt, daß es am besten sei. für Deutschlands Zukunft, wenn alle Macht und Herrlichkeit in Berlin vereinigt ist. Es hat zwar nicht an warnenden Stimmen gerade auS Süddeutschland gefehlt. — Die Denlschrist des Abg. Baumgartner gibt Beweise dafür — aber in der allgemeinen Geistesverwirrung fanden die Warner kein Gehör nnd das Schicksal nahm seinen Lauf. Schon nach einem Fahr, im Fahr lvW als Bayern offen von der Berliner Parole abwich, zeigte es sich, daß die Weimarer Ber- saffung mit ihren Bestimmungen über dir Rechte von Reich unS von Ländern un? nicht auf den Weg geführt hat. Die Gegensätze zwi- schen Berlin und den Ländern haben sich seit- dem immer mehr verschärst und sie haben sich jetzt so zugespitzt, daß eine Aenderung baldigst eintreten muß. und wenn die Berliner ReichZregierung über Versprechungen nicht hin- aus kommt, dann werden eben die einzelnen Länder in irgend einer Form selbst vorgehen müssen. Nie war eS deutlicher alS in diesen Tagen de? elendesten ParteiwirrwarrS in Ber- lin, wie notwendig eS ist, daß die Einzelländer die Möslichketten haben, die ruhige Entwicklung und die besonnene Haltung ihrer Bevölkerung von dem Einfluß der Unzuverlässigkeit und Un- stetigkeit der Berliner Politik freizuhalten. Für unS hier in Baden ist der Berliner Wirrwarr, gelinde gesagt, aufs höchste unfympatifch und daS Badisch? Volk wird eS billigen, wenn feine Regierung ihre erste Pflicht darin sieht, ihren Weg, den sie für richtig hält, weiter S« geben. DaS badtsche Land hat die Wünsche auf Re- spcktierung seiner Eigenart nie nach Art des bayerischen Volkes zum Ausdruck gebracht. Jeder nach seiner Fasson. Die Wünsche sind bei un? trotzdem sehr lebendig und die Denkschrift, die Herr Baumgartner nun dem Landtag vorgelegt hat. zeigt, daß wir hier in Baden auch sehr genau wissen, was wir wollen. Es ist alte Tradition des Zentrums, daß es für dir Erhaltung der Rechte des Lande? eintritt. In den letzten fünf Jahren schien eS manchmal, als ob es einer anderen Politik zuneige. Die Denk, schrist de? Präsidenten Baumgartner, der zu den Führern des badischen Zentrum? zählt, läßt jedoch den erfreulichen Schluß zu, daß die Zen trumspartet an ihre? alten Tradition festhalte» will. Wir glauben, daß da?, was in dieser ' Denkschrift Baumgartners zum Ausdru>t kommt, der bestimmte Wunsch nach Rückgabe alter Rechte, die unS zum Nutzen waren, auch der Auffafsng der andern Parteien in, Lande entspricht, mit Ausnahme vielleicht der Sozialdemokratie. Aber auch dort scheint die Syympathie für Berlin stark abgeschwächt zu sein. Der Karlsrulrer Bolkssreuird sprach vor ki'rzer Zeit sogar von einer ReichSmüdigkeit in Baden, ein Ausdruck, der zu viel an P-ef.imis mus enthält Aber e? wäre falsch zu verschwei- gen, daß die Hoffnung auf Gesundung durch die Politik Berlins fast nirgends mehr zu finden ist. ES ist bedauerlich das feststellen müssen, aber eS ist besser, die Dinge beim richtigen Na- 'wen zu nennen. Die Auffassung gewinnt an Raum, daß die Länder selbst den Hauptteil an der Widerher- stellnug geordneter Verhältnisse übernehmen müssen, um zu verhindern, daß das Mißtrauen 3tr. 334. Seite 2 Karlsruher Tagblatt. Dienstag, den 4. Dezember 1923 Erstes Blatt gegen Berlin schließlich zur offenen Abkehr führt. Und die Zeit drängt. Was die Länder heute brauchen, und sehr bald brauchen, ist eine . größere Unabhängigkeit gegenüber Berlin, ist ; eine Bewegungsfreiheit, die es den Regierungen . der einzelnen Länder ermöglicht, alle Maß- nahmen zur Wiedergesundung der besonderen Art von Land und Leuten anzupassen, um so den bestmöglichsten Erfolg zu erzielen. Was vom ba-dischen Standpunkt aus unter dieser Bewegungsfreiheit zu verstehen ist, damit beschäf- tigr sich die Denkschrift des Präsidenten Baum- gartner. Wir werden noch auf Einzelheiten zu sprechen kommen. Die Lösung der Frage des Rechtsverhältnisses muß nun schon deswegen in raschen Fluß kommen, weil die Entwicklung im Westen, im Rhein-Ruhrgebiet, wo ein nenes staatliches Gebilde im Entstehen ist. auch die Stellung der anderen deutschen Länder stark be- einslußt. X Stresemann als Diktator empfohlen. Wir lesen in der „Deutschen Bergwerksztg": „Wir wissen, daß wir keinen Bismarck haben? es ist in den fünf vergangenen Jahren auch feiner aus der Menge aufgetaucht, der halbwegs dieses Kalibers wäre. Karrikaturen wie Herr v. Kahr in München sind doch bloß ein Hohn auf die Diktatur. Wir müssen vorlieb nebmen. Es läßt sich nicht leugnen, daß Stresemann Poin- care gegenüber Erfolge gehabt hat. Es wäre töricht, sie auszupusten oder in das Horn zu blasen. Aber die beiden letzten Noten, mit denen wir von Paris aus bedacht worden sind, die Kronprinzennote und die über die mili- tärische Unterwerfung sind zweifellos Fort- schritte. Die Sprache, die jetzt in England ge- führt wird, ist ebenfalls ein Fortschritt. In der nächsten Woche treten in England vielleicht Er- eignisse ein, die einen weiteren Fortschritt be- deuten. Biel ist allerdings nicht mehr zu ret- teu. Allzu viel ist verloren, zum größten Teil durch unsere Fehler. Da sehen wir keinen ande- ren Weg, als einen Mann, am besten vielleicht Stresemann, mit jenen Vollmachten aus- zustatten, und ihn zusammen mit dem Reichs- Präsidenten verantwortlich handeln zu lassen. Wir müssen ihn für eine Zeitlang vom Reichs- tag und dem entsetzlichen Parteiklüngel freimachen. Auch die „Führer", der Aus- wärtige oder sonstige Ausschuß sollen ihm nicht hineinzureden haben. Wir müssen alle unsere in normalen Zeiten wohlbegründeten Bedenken gegen den Mann oder gegen dieses System zu- rückstellen. Jetzt ist die Zeit des S. O. S, des Safe Our Souls, des Signals, das das Schiff noch hinaussendet über die Wogen des OzeanS, wenn das Wasser dem Telegraphisten hoch oben in seiner Kajüte schon an der Kehle steht. Es hat auch keinen Zweck, zu streiten, ob ein Bes- serer da wäre. Es gibt keinen. Während wir diesen Streit ausfechten. sind die Wogen schon über uns zusammengeschlagen. Das ist unser Vorschlag in letzter Stunde. Wer einen besseren weiß, möge ihn sagen — che es zu spät ist. Das neue Kabinett Marx ist doch offenbar keine Lösung. sondern bedeutet das Fortwursteln wie bisher." Die GoldgehMter der Beamten. Die Verhandlungen der Finanzverwaltung mit den Beamtenorganisationen über die neue Regelung der Gehälter aus Goldbasis sind noch nicht beendet. Nach dem von der Negierung vor- gelegten Entwurf sollen die Jahresgehälter in den einzelnen Besoldungsgruppen betragen: l 540—762 Goldmark, II 630—840 Goldmark, III 096—030 Goldmark, IV 804—1074 Goldmarc, V 942—1254 Goldmark, VI 1122—1494 Goldmark, VII 1380—1860 Goldmark. VIII 1620-2160 Goldmark, IX 1890—2550 Goldmark. X 2250-3000 Goldmark. XI 2160—3486 Goldmark. XII 8060 bis 4080 Goldmark, XIII 3750—4950 Goldmark. Hier zu kommen an jährlichen OrtSzuschlägen: OrtS- klaffe A 120-300 Goldmark. Ortsklasse B 120 bis 252 Goldmark. Ortsklasse C 84—216 Goltz- mark, Ortsklasse i) 72—186 Goldmark, Ortsklasse E 60—150 Goldmark. Die jährlichen Frauenzulagen sollen 84 Gold- mark betragen, die Kinderzulagen je nach dem Alter der Kinder 132, 150 oder 168 Goldmark jährlich. Ueber die Absichten der Finanzverwaltung hat sich der Finanzminister auf eine Anfrage im Reichstag hin wie folgt ^geäußert: „Die Verhandlungen über die Festsetzung der Goldlöhne für die Arbeiter sind abgeschlossen. Im Anschluß hieran sind die Vorarbeiten für die Festsetzung von Goldgehältern für die Beamten im Gange. Es ist beabsichtigt, den Beamten, Pensionären und ihren Hinterbliebenen die Be- ziige in voller Höhe in wertbeständigen Zah- lungsmitteln zu zahlen, sobald solche dem Reich in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen. Die vierteljährliche Vorauszahlung der Beam- tengehälter soll sobald wie möglich wieder durch- geführt werden, wenn die Währung- und finanz- politischen Verhältnisse im Reich derart befestigt sein werden, daß die Gründe, die zu der Auf- Hebung dieser Vorauszahlungen geführt hatten, nicht mehr vorliegen. Bei der derzeitigen Fi- Nanzlage des Reiches war es bisher nicht mög- lich, die Bezüge der Beamten, Pensionäre und Hinterbliebenen in einem bestimmten gleich- bleibenden Verhältnis zu den Lebenshaltungs- kosten festzusetzen. Nach der bevorstehenden Fest- setzuug dieser Beträge in Gold wird jedoch ein im wesentlichen unveränderliches Verhältnis zwischen ihnen und den Kosten der Lebenshal- tnng entstehen." * Bo bleibt der Abbau der Parlamente? Im Reichstag scheint man endlich eingesehen zu haben, daß die Sparsamkeit nicht bei dem Reichstage Halt machen kann, wenn alle ande- ren Institutionen, die auf Staatskosten ihr Da- sein fristen, dem Abbau unterworfen werden. Das gilt selbstverständlich auch für alle anderen deutschen Parlamente, an denen wir ja reichlich Uebersluß haben. Die Einsicht liat aber 'bisher noch keine Taten im Gefolge gehabt, sondern man hat beschlossen, den guten Vorsatz fürs Erste wieder einmal ad acta zu legen. Hier wird er aber nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Der Reichstag und die übrigen deutschen Parlamente haben im Vergleich zu früheren Zeiten sehr viel an Bedeutung verloren, trotzdem wir heute das parlamentarische System haben. Denn in sehr vielen Fällen haben nicht die Parlamente die Entscheidung, sondern, leider Gottes, die E n - tente, oder aber der Zwang der Verhältnisse gibt den Ausschlag. Unter diesen Umstünden müssen die Parlamente unbedingt dazu über- geben, persönliche Ausgaben zu ersparen. Dazu gehört in erster Linie die Ausgabe an Tages- geldern, die ganz erheblich gekürzt werden kann, wenn man die Zahl der Abgeordneten vermin- dert. Ferner sollte man endlich damit aufhören, den zuweilen unendlich seichten Redefluß in den stenographischen Protokollen aufzusammeln. Wenn etwas nicht verdient der Nachwelt er- halten zu bleiben, so sind es die parlamentari- scheu Dnrchschnittsreden. Man mache also end- lich ernst mit dem Abbau der Parlament«. Schieberverlehr nach dem Westen. Alle Fraktionen des Reichstages haben wegen der unerträglichen Zustände in den Schnellzügen der nach Westen führenden Eisenbahnlinien eine Anfrage an die Regierung gerichtet und um Ab- Hilfe ersucht. In der Anfrage heißt es unter andern:: Infolge der verschiedenen Bewertung des Dol- lars hat sich wieder ein lebhafter Schieberver- kehr, namentlich von Ausländern, entwickelt. Diese nehmen mit ihrem weiblichen Awhang namentlich die Abteile erster Klasse in Anspruch, zum Teil, wie festgestellt ist, auch mit Fahrkar- ten niederer Wagenklassen, und es kommt vor, daß solche Ausländerabteile, auch wenn noch Plätze frei sind, vom Zugpersonal als besetzt be- zeichnet und deutsche Fahrgäste so zum Stehen in den Gängen genötigt werden. Auch die bahn- polizeilichen Bestimmungen über das Rauchver- bot werden Ausländern gegenüber vielfach nicht durchgeführt. Beschwerden des deutschen Reise- Publikums über diese Zustände fanden häufig beim Bahnpersonal keine Unterstützung, sondern stießen aus Ablehnung, ja auf drohende ^Haltung. Wer fährt außer Abgeordneten und Schiebern heute noch erster Klasse? Unter dem Zwang zum Sparen. Berlin, 3. Dez. Der preußische Staatsrat hat einen Antrag angenommen, in dem das Staats- Ministerium ersucht wird, unverzüglich die staat- liche Gesetzgebung soweit abzubauen, als die durch sie herbeigeführten Ausgaben durch die Einnahmen des Staates und der Selbstverwal- tungskörper nicht mehr gedeckt werden können und zwar in den dringendsten Fällen durch eine Notverordnung. Durch eine Notverordnung müsse insbesondere die Kündigung des im Staat und den Selbstverwaltungskörperu überzähligen Personals mit monatlicher Frist ermög- licht werden. In gleicher Weise sei auf den Ab- bau der Reichsgesetzgebung Hinzuwirken. Der Dankrott der Slaalselriede. Dresden. 3. Dez. (Drahtbericht.j Die Regie- rung beabsichtigt, die staatlichen Kohlen- be r g w e r k e und Elektrizitätswerke in eine Aktiengesellschaft unter der Bezeichnung „Aktien- gesellschast Sächsische Werke" umzuwandeln. Die Zustimmung des Landtags hier-u wird durch ein besonderes Gesetz sofort eingeholt werden. Dagegen sollen die übrigen werbenden Staats- betriebe, die Hüttenwerke, das Blaufarbenwerk, die Porzellanmanufaktur und das Kalkwerk als reine Staatsbetriebe erhalten bleiben und wie bisher weiter bewirtschaftet werden. Die Folgen einer Demonstration. Frankfnrt, 23. Nut». Am 23. Juli fand hier eine Demonstration statt, die gemeinsam von Sozialisten und Kommunisten veranstaltet wurde. Es kam zu Zusammenstößen, dabei wurde der völlig unbeteiligte Staatsanwalt- schaftsrat Dr. Haas getötet. Die Täter und Mittäter konnten festgenommen werden. Sie standen gestern vor Gericht. Wegen Landsrie- densbruches bezw. Totschlags wurden der Bauarbeiter Hermann Konrad zu 8 Jahren Zuchthaus, der Hausmeister Julius Bor» zu 4 Jahren Zuchthaus, der Fahrbursche Heinrich Fritz ebenfalls zu 4 Jahren Zuchthaus und her Hausmeister Karl Bröuning zu 6 Jahren Ge- fängnis verurteilt. Die übrigen Angeklagten erhielten Gefängnisstrafen von 2 bis 4 Jahren. NersMeösne DmUmMungen Abbau be! den Sonderbüudiern. w. Bonn, 3. Dez. sDrahtber.) Auf Anordnung der Besatzungsbehörde wurde heute die Fahne der Souderbündler vom Rathaus heruntergeholt. Die Sonderbündler verlegten darauf ihre Geschäftsräume in das Haus eines ihrer Mitglieder. Auch in Kölligswinter, Go- desberg und anderen Orten wurden die Son- derbündler vom Rathause entfernt und ihre Fahnen eingezogen. Aaszismus und Antisemitismus. Rom, 3. Dez. Nach der „Agenzia Stefani" hat Mussolini den Oberrabbiner von Rom, Saeartoti, empfangen. Mussolini betonte ihm gegenüber, die italienische Regierung und der italienische Faszismus hätte niemals beabsichtigt, eine antisemitische Politik zu verfolgen und verfolge auch heute keine solche Politik. Er be- dauere, daß antisemitische Parteien im Auslande für ihre Zwecke das Ansehen auszunützen ver- suchten, das der Faszismus in der Welt genieße. Die Einwanderung nach Amerika. Paris, 3. Dez. (Drahtbericht.) Wie der „Neu- york Herald" aus Neuyork meldet, sind vor- gestern in neun Dampfern 6572 Passagiere a* gekommen, wovon achtzig Prozent Einwände^ waren. Weitere Deutsche, Italiener H. Polen sind gestern morgen mit der „AquitauH und der „Hansa" eingetroffen. Voraussicht^ wird im Laufe dieser Woche die italienische M wanderungsguote vollständig sein werden. die polnische ist nahezu vollzählig. Dage>p wird angenommen, daß die zulässigen DeuiM und Schweden für das bis zum 1. Juli reiche»« Verwaltungsjahr ihre Quote nicht vo> Mitte Juni erreichen werden. Die Mederaufbsukosten in Japan. Paris, 3. Dez. lDrahtbr.) Havas meldet & Tokio: 25 Feuerversicherungsgesellschaften ( '-' klären sich bereit, mit Unterstützung der Re# rung 10 Prozent der Beträge zu zahlen, die im» dem Erdbeben verlangt wurden. Im Laufe ^ nächsten parlamentarischen Sondertagnng f c " die Regierung einen Gesetzentwurf einbringt in dem den Versicherungsgesellschaften 100 2P lionen Den zur Verfügung gestellt werd^ Nach den offiziellen Schätzungen werden A Gesamtkosten für den Wideraufbau sich auf Millionn Jen belaufen, davon 400 Million!' für Tokio und 46 für Dokohama Bruch einer Talspesremauer. 600 Menschen in den Fluten umgekommen- Bergamo. 3. Dez. Infolge der starken Reg^ güsse der letzten Tage war der Spiegel ?' sich an den Ort der Katastrophe begeben, tär beteiligt sich an der Rettungsarbeit. Minister für die öffentlichen Arbeiten und Unterstaatssekretär im Kriegsmtnistcrium \}\ gleichfalls an Ort und Stelle eingetroffen, M der König hat sich in Begleitung des Untc staatssekretärs Finzi nach dem Ort der Uebe> schwemmungskatastrophe begeben. Schweden gegen DerfaMes Die bekannte schwedische Zeitung „Göteborg Handels-och Sjoefarts-Tidning" veröffentl'^ am 7. November einen Leitartikel unter y, Ueberschrift „Das Zeitalter der Volkssreibei^ Hierin wird das große Unrecht, das Deut!« land durch die neuen Grenzen angetan ist. dl> gestellt. Es wird gesagt, daß Millionen V Deutschen der „Segnungen" der polnischen K» tur teilhaftig geworden seien und daß auch die deutsche Bevölkerung - Elsaß-Lotbringe? keine Rücksicht genommen sei. Dort werde I der Verwaltung und bei den Gerichtsverha^ lnngen die deutsche Sprache von der franM fchen verdrängt. Die Kinder müßten ihre de"* sche Mundart verleugnen und in den Schalfranzösisch sprechen, In Südtirol roüri>? 180 000 Deutsche durch Italien unterdrückt, "■ gleich der italienische König das heilige VersPt chen gegeben habe, daß die Sprache und die k» turellen Einrichtungen den Südtirolern erl^ ten bleiben sollten. 400 deutsche Volksschule seien dort jetzt zum Untergang verurteilt. »»., das Volk. Andreas Hofers müsse eine freu 1 * Zunge reden. Aber trotzdem werde der Barbarossa noch einmal aus seinem vielhunde^ jährigen Schlummer erwachen. Er werde v durch geweckt werden, daß deutsche Kird fremde Sprachen reden müßten. Trotz all' französischen, polnischen und tschechischen Ka?" nen, tro« Hunger und Armut werde doch mal der Tag kommen, da deutsche Kriegsgelä^ wieder klingen vom Rhein zur Weichsel u" von der Ostsee bis zu den Alpen. Akeater unöWustK Badisches Landestheater. „Die Boheme". Neueinstudiert ging am Sonntag bei nur schwach besetztem Hause „Die Boheme" in Szene. Man hatte dem immer wirkungsvollen, die Sänger vor dankbare Auf- gaben stellenden Puecini-Werk viel Sorgfalt an- gedeihen lassen und eine musikalisch wie dar- stellerisch geschlossene, gehaltvolle Wiedergabe erzielt. Diesesmal dirigierte Operndirektor Fritz E o r t o l e z i s die Oper. Er verstand es, die vielen malerischen Feinheiten der klang- gesättigten Musik herauszustellen, erfreulicher- weise ohne daß badurch deren leidenschaftlicher Rhythmus gemindert wurde. Dieser war auch auf bt( Bühne festzustellen, wo OberreMeur Carl Stang bei den Darstellern ein sehr ein- dringliches, von starker Stimmung getragenes Spiel erreicht hatte. Die Mimi gehört zu den besten Rollen von Hete S t e ch e r t. Ihre edle, zu Herzen dringende Stimme kommt dieser Par- tie aufs Beste entgegen,' das anmutvolle. innige Spiel war in der Sterbeszene von erschütternder Ausdruckskraft, Ein Wagnis mochte es zuerst erscheinen, die nicht leichte Rolle der Musette der noch jugendlichen Senta Zoebisch anzuver- trauen. Doch löste die zweifellos sehr talen- tierte Sängerin die Angabe mit überraschen- der Sicherheit und Bühnengewandlheit. Das bewegliche, kapriziöse Spiel und der klangsrische Gesang verbanden sich zu einer ausgezeichneten Leistung, die der weiteren Entwicklung der jun- gen Künstlerin mit Interesse entgegensehen läßt. Den sentimentalen Poeten Rudolf zeich- nete Wilhelm Nentwig mit seinen Strichen. Er war stimmlich sehr gut disponiert und brachte die schmelzenden Weisen dank seines eindring- lichen Vortrags zu packender Wirkung. In temperamentvoller Darstellung verkörperte Ru- öolph Weyrauch den Maler Marcell. dem er auch gesanglich eine vortreffliche Note zu geben wußte. Mit der ihm eigenen tiefschürfenden Charakterisierungögabc schuf Dr. Hermann Wncherpfennig eine einprägsame Gestalt des Philosophen Eollin. Seine hübsche Stimme lieh Fritz L o i ch i n g e r dem Musiker Schaunard; er hatte auch darstellerisch gute Momente, muß aber in seinen Bewegungen noch ruhiger, ausgeglichener werden. Als Hausherr bewährte sich Rudolph Watzke, die Rolle des geprellten alten Liebhabers Aleindor war bei Alfred G l a ß in guten Händen. Die Vorstellung wurde mit großem Beifall aufgenommen. H. Wck. # Vom V «d. Landestheater schreibt man unS: Durch die am Freitag, den 7. Dezember, im Saale des Künstlerhauses mit dem Schauspiel „H i n k e m a n n" von Ernst Toller beginnen- den „Kaimnerspiele" sollen außerhalb des Spiel- Plans des Landestheaters solche Werke zur Aufführung kommen, die nach Stoff und Aus- druckssorm als Niederschlag der vielfach noch unentschiedenen Kämpfe unserer Tage um neue künstlerische und ethische Inhalte anzusehen sind. Doch wird der Nahmen der hierfür in Betracht kommenden Gegenwartsepoche nicht zu eng gespannt sein und — wenn die Durchfuhr- barkeit des Planes nach dem ersten Versuch möglich erscheint — später auch ältere Dramen ausnehmen, deren GegenwartScharakter da- durch gegeben ist, daß sie Probleme behandeln, die heute noch als solche empfunden werden und ihrer endgültigen Lösung noch harren. Dem- gemäß wenden sich die „Kammerspiele" im Künstlerhaus nicht au die breiteren Publikums- schichten und noch weniger an Theaterbesucher, von denen nach Lebensalter, Erfahrung u- Ein- ficht eine völlig unbefangene uud überlegene Stellungnahme gegenüber dieser Gattung von Stücken noch nicht erwartet werden kann. Die „Kammerspiele" setzen vielmehr einen Kreis von Theaterfreunden voraus, die durch Reife und Freiheit ihrer Urteils- und Geschmacksbildung die notwendige Gewähr bieten, daß sie in jedem Falle den Ernst und die oft leidenschast- liche Inbrunst von Kunstschöpfungen zu wür- digen wissen, die abseits der gebahnten Pfade eigenwillig, wohl anch mitunter allzu hem- mungSlos auf wenig betretenen Wegen zu un- gewohnten Zielen vorzubringen suchen. * Thomas Mann hat ein Filmmanuskript „T r i- st a n und Isolde" fertiggestellt. Kunft unö IBifFenfdraft In der Gesellschaft für deutsche Bildung sprach Professor Dr. Bernays über „Die soziolo- gischen Grundlagen von Goethes Wahlver- wandtschaften und Stifters „Nachsommer", ein Thema, das besondere Bedeutung gewann durch die Beziehungen, die der Redner zwischen der Lebensersassung der in jenen Romanen sich spie- gelnden und unserer heutigen Zeit herstellte. Aus der unruhvollen, von Hasten und Jagen nach Erwerb und Erfolg durchpulsten Gegen- wart führte er uns in einen Kreis von Men- schen, deren Lebensrhythmus ruhig und stetig ist, deren Bildung noch in wirtlicher, harmo- nischer Ausbildung aller Fähigkeiten und Kräfte, in der Heranbildung zur „volle» Ganzheit des Menschen" besteht, die noch Zeit haben! Zeit zur Selbstbesinnung und sinnvollen Gestaltung ihres Lebens, zur Freude am Schönen und zu geruhsamer Arbeit. An den wichtigsten mensch- lichen und gesellschaftlichen Fragen zeigte Prof. Bernays nun eingehender den Uinerschied zwi- schen damals und heute: die Arbeit, heute im kantisch harten, „preußisch - protestantischen" Sinne erfaßt als Arbeit um der Arbeit willen, dient damals höheren Zwecken, ebenfalls der Heranbildnng des Menschen zur völligen G)anz- heit. Ebenso wird auch das Berufsproblem sin Stifters Nachsommer besonders liebevoll behandelt) weniger im Sinne einer fachlichen Vorbereitung für den Broterwerb, als viel- mehr einer allgemeine«, möglichst vielseitigen Bildung gelöst. Die Kunst, in unserer mate- rialistischen Zeit fast nur noch Luxus oder Ge- schäst und Massenbctrieb. ist damals auch die hohe Trägerin und Künderin alles Schönen und Guten, der man sich in Ruhe, Demut und Ehr- furcht naht. Die soziale Frage, heute von weit- , gehender Bedeutung, existierte für jene Men- schen noch nicht, dafür ein patriarchalisches Ver- hältnis zur Dienerschaft, persönliche Fürsorge uud großartige Gastfreundschaft der auf ihren Landgütern sorglos und gesichert Lebenden. Es würde zu weit führen, all den mannigfachen An- regungen nachzugehen, die der Vortragende einführend, vertiefend und vergleichend gab, die Stellung des Einzelne» in der Gesellschaft, das Wesen von Roman und Novelle, die Ent«^ lung der Musik als Beispiel für das schaftlich werden der Kunst überhaupt bele«^ tend, Beziehungen der beiden besprochenen mane zu einander, zum „Wilhelm Meister" ^ „Tusso", zu Freytags „Soll und Haben" so^ zu neueren Kunstwerken aufdeckend. So f" Prof. Bernays in engem Rahmen, in gedrä^, ter, übersichtlich klarer Darstellung w'it v»t» als eine literar^geschichtlich kritische Unten', chung und erntete mit Recht- lebhaften und da" baren Beifall. W-^ Nietzjche -Borl-sung durch Ulrich von L Trettck -Ulrlci. lieber das Lebenswerk des K, nius Friedrich Nietzsche, der nach kurzem Eri?' dasein im Uebermaß seiner Schöpferkraft Hülle zerbrach, braucht au dieser Stelle nichts \ sagt zu werden. Was aber aus dem unergrii"' lich tiefen Brunnen dieses Lebenswerkes ll^' von der Trenck mit sicherer Sand schöpfte ^ dichterisch nachempfindend und durch Bort^ nach schaffend seinen Hörern bot, öaö sei L dankbarer Bewunderung vermerkt. Das 2*,. des großen Dichterphiloiopchen, hossnungstr'', kene Jugend, einsamer Lebensmittag und eindämmernde Nacht, erstand ans tresslicS % wählten, charakteristischen Prosastücken aus „Jarathustra") und im Wechsel damit ^ den in überwältigender Schönheit einher ^ schenden Gedichten, von denen besonders ein samt", „Aus hohen Bergen" und „Die sinkt" in ihrer von tiefstein Seelenleid bluteten, gedankenschweren Pracht durch die ^ sterhafte, von sprachlich wie seelisch gleich i Kultur geadelte Vortragskunst zu erschüttert^ Wirkung gelangten. In den Zeiten der f-, drängnis, der Büchernot und des gleichjei^.f Hungers nach geistigem Erlebe» brachte die % anstaltung unseres ausgezeichneten Landes^ termitgliedes Trenck eine Erfüllung eines o>>^ bar vorhandenen Bedürfnisses. Das zeigt auch äußerlich dadurch, daß vor dem sich klein erweisenden, daher überfüllten R.auv? '< Prinz Mar-Hauses an die hundert Besucher % kehren mußten. Ganz abgesehen von der ^ ,j liegenden persönlichen Anerkennung des "Ä tators gibt diese Erscheinung der geistigen/^ teilnähme unserer Stadt einen s»hr erfreu^ Ausdruck. Erstes Blatt Karlsruher Tagblatt, DienStag, den Dezember 1923 Nr. 834. Seite 3 GaSistkeIolltik Degen Vergehens gegen das Gesetz zum Schuh der Republik angeklazt. Freihnrg i. Br.. 3. Dez. Unter Anklage des Ergehens gegen ^ 14/11 des Gesetzes zum Schutze «r Republik hatten sich vor der hiesigen Straf- kammer insgesamt 13 Personen aus Freiburg, ««Hönau i. W., Alfhausen usw. zu verantworten. Sie hatten am 14. April ds. IS. in St. Geigen eine Versammlung abgehalten, um eine Ortsgruppe der in Baten verbotenen nationalsozialistischen Arbeiterpartei zu Münden. Die Angeklagten aeben zu, sich zu itner zwanglosen Aussprache über uaiioualsozia- Mische Probleme, auf Grund von vorlieseuven Druckschriften, zusammengefunden, sich aber keineswegs nach außen politisch betätigt zu haben. Das Gericht erkannte nach längeren Ansfüh- Ningen des Verteidigers. Rechtsanwalt Straub- Freiburg, auf Freispruch sämtlicher Angeklagten, wobei maßgebend war, das, mit der Verordnung ver badischen Regierung die Ortsgruppe der Nationalsozialisten aufgelöst, nicht aber als solche grundsätzlich verboten und. Die Vorbereitung zur Gründung einer Ortsgruppe hielt das Ge- richt nicht für strafbar. * = Mannheim, 3. Dez. Der Lohnkampf in der Metallindustrie ist dadurch beendet, daß bei der heutigen Urabstimmung über den Bergleichsvorschlag der Arbeitnehmer sich die Überwältigende Mehrheit der Arbeiter für die Annahme entschieden hat. Damit ist ein Streik, >ür den eine Dreiviertelmajorität n otwendig wäre, vermieden worden. Klus NachbarlSnöern St. Ingbert, 1. Dez. Der Bergmann I. Aelleuthal war in der Nachtschicht mit i-chießarbciteu beschäftigt. Ein zu früh losgc- Kangener Schuß riß dem Bedauernswerten, wel- cher Familienvater ist, die beiden Hände weg. — Landau, 1. Dez. Der Landwirt Becker aus Mörzheim lieferte vor einigen Tagen eine krößere Menge Kartoffeln an bedürftige hiesige Einwohner, deren Namen er sich vorher verschafft hatte, ab. Die Ernte des Becker war krößer ausgefallen, als er erwartete. Aus die- 'ein Anlaß wollte er Bedürftigen eine Freude Machen und gab noch jedem Empfänger eine Flasche Wein dazu. Klus KemÄtaötkreije Einmalige badische Staatsbeihilfe für Erwerbs- lose. Der Reichsfinanzmiuifter hat bestimmt, daß die Erwerbslosenunterstützungssätze für die Woche vom 26. November bis 1. Dezember nicht erhöht werden. Es ist zu erwarten, daß eine Erhöhung auch für die lausende und künftige Woche wicht bewilligt werden kann mit Rücksicht »uf die trostlose finanzielle Lage des Reiches und der Länder. Für den Uebergang hat das badi- 'che Arbeitsministerium beschlossen, eine ein- Malige Bethilfe an die verheirateten und die ihnen gleichgestellten Erwerbslosen in Städten Und den ihnen vorgelagerten Orten mit großer Erwerbslosigkeit ausnahmsweise zu bewilligen. Die Überweisung der erforderlichen Geldmittel an die öffentlichen Arbeitsnachweise Badens ist bereits angeordnet. Die wertbeständigen Tarife im postverkehr. Seit 1. Dezember lunten die Postwertzeichen auf Beträge der Gold- oder Rentenmarkwäh- rung? sie sind beim Verkauf und Verbrauch je Nach dem Währungsstand mit einer Schlüsselzahl Zu vervielfältigen. Wenn auch anzunehmen ist, daß mit Einführung dieser Neuerung der Schal- ierverkehr dadurch eine gewisse Entlastung er- fährt, daß die Geschäftswelt in weiterem Um- fange dazu übergehen wird, größere Wertzeichen- bestände sich zuzulegen und vorrätig zu halten, w wird dadurch die mit der Umrechnung der Werte verbundene Mehrarbeit doch keineswegs aufgewogen. Verschärst werden die Betriebs- Mwierigkeiten noch durch die immer mehr fort- schreitende Durchsetzung des Zahlungsverkehrs wit wertbeständigen Zahlungsmitteln. Eine Entspannung wird erst mit der fortschreitenden Einziehung der Papiermark eintreten. Die im Fluß befindliche Umstellung der Wirtschaft in währungstechnifcher Hinsicht wird für die nächste Zeit an den Postbetrieb, besonders an den Schalterverkehr, besonders erhöhte Anforderungen stellen. Zwar hat die Poftoerwaltung bereits Anordnungen getroffen, um Stockungen mög- lichst fernzuhalten. Sie kann aber den Verkehr nur dann meistern, wenn auch die Geschäftswelt ihren Teil dazu beiträgt, namentlich indem sie die verkehrsschwachen Stunden znm Einkauf größerer Mengen von Wertzeichen und tunlichst auch zur Auflieferung der Postsendungen benutzt. Die Postverwaltung ist bereit, mit den größeren Geschäften besondere Zeiten zu vereinbaren, in denen die Einkäufe von Postwertzeichen usw. vorgenommen werden können. Eine solche Re- gelung dürfte sowohl den Belangen der Post als auch denen der Geschäftswelt entsprechen. Die Handelskammer unterstützt die von der Ober- postdirektion gegebenen Anregungen. Winkernothilfe. Der Gesangverein „Coucordia"-Karlsruhe hat sich dankenswerter Weise bereit erklärt, das von ihm am letzten Samstag mit so großem Erso.g veranstaltete Konzert am Sonntag, den g. De- zember, nachmittags 3 Uhr, im großen Festhalle- saal zu Gunsten der Winternothilfe zu wieder- holen. Frl. Hete Stechert, Opernsängerin am LandeStheater und das Streichquartett des Laudestheaters haben sich liebenswürdiger- weise ebenfalls in den Dienst der guten Sache gestellt. Der Vorverkauf der Eintrittskarten, für die schon jetzt starke Nachfrage herrscht, ist breits eröffnet und findet in der Aiufikalien- Handlung Fritz Müller. Kaiserstraße 124, und im Zigarrenhaus Hermann Meyle, Marktplatz, statt. ch Herzliche Bitte an die Bevölkerung in Stadt nnd Land. In einem Anfruf in der heutigen Ausgabe unserer Zeitung richtet die Stadtver- waltung an die Bevölkerung in Stadt nnd Land die herzliche wie dringende Bitte, nach Kräften dazu beizutragen, die Not der Erwerbslosen, deren Zahl zurzeit über 5000 beträgt, durch Spenden von Geld oder Lebensmitteln zu lin- den». (Siehe auch Anz.s Spende für die Erwerbslosen. Die Finna Carl August Nieten & Co., Karlsruhe, hat für die Erwerbslosen 500 Zentner Braunkohlenbriketts gespendet. Zahnärzte und Krankenkasse«. Die zahnärzt- liche Versorgung der Kassenmitglieder wird durch den am 1. Dezember eingetretenen ver- tragSlosen Zustand zwischen Aerzten und Kran- kenkassen vorläufig nicht betroffen. Im Telegramm- und Fernsprechverkehr wer- den die Grundbeträge der Gebühre» vom 1. Dezember an um rund 50 Prozent erhöht. Die Erhöhung ist unumgänglich nötig geworden, weil der Telegraphenverwaltnng am 15. Novem- ber alle Kredite des Reiches gesperrt worden sind und sie jetzt lediglich auf ihre eigenen Ein- nahmen angewiesen ist. Die neuen Telegraphen- gebühren gehen über die Friedenssätze hinaus, die Telegraphie erforderte vor dem Kriege er- hebliche Zuschüsse, die aus den Überschüssen des Postbetriebs geleistet werden konnten, jetzt aber wegfallen. Die neuen Fernsprechgebühren für den Ortsverkehr sind für mäßig benutzte An- schlösse immer noch geringer als vor dem Kriege. Sie stellen sich in den großen Ortsnetzen auf drei Viertel der Friedensfätze und in der Mehrzahl der kleineren Ortsnetze noch niedriger. Die Ferngesprnchsgebühren sind allerdings höher als die Friedensgebühreu, sie bleiben aber noch hinter den Jnlandssätzen mancher anderen Län- der zurück. Die wichtigsten Grnndbeträge sind u. a. im Telegrammverkehr für Ferntelegramme eine Wortgebühr von 15 Pfg., wobei für ein Telegramm mindestens 8 Wörter berechnet wer- den. Im Fernsprechverkehr kostet ein Orts- gefpräch 15 Pfg. Für Ferngespräche werden je nach der Entfernung zwischen 5 Km. und 100 Km. 15 Pfg. bis 1.35 Jt berechnet, darüber hinaus für jede angefangenen 100 Km. 45 Pfg. mehr. Für dringende Gespräche ivird das dreifache, für Blitzgespräche das hundertfache der Gesprächs- gebühr erhoben. Fracht. Der Reichsverkehrsminister hat zu- gelassen, daß die Frachstuudeunehmer jederzeit auf ihr Stundungskonto Bareinzahlungen lei- sten können bis zur Höhe der Frachtbeträge, die innerhalb eineS Zahlungszeitraumes aufkommen. Einzahlungen in Papiermark werden zum Kurs des Einzahlungstages abgenommen und in Goldmark gutgeschrieben. Warnung vor Holzankänscn. Man schreibt uns: Schon seit Wochen wird der Wald rechts und links der Alb beim Rheinhafen von Diebes- gesindel, das sich dort eingenistet hat, nieder- gehauen. Das Waldstück rechts der Alb ist bei- nahe gänzlich verschwunden. Das Holz wird an die Karlsruher Bevölkerung verkaust. Durch die französische Besetzung des Rheinhasens ist es der Polizei zurzeit nicht möglich, der Diebes- bände beizukommen, es muß aber mit aller Deutlichkeit darauf hingewiesen werden, daß der Erwerb dieses gestohlenen Holzes st r a f b a r ist. Die Polizei wird die Personen, die solches Holz erwerben und damit das verbrecherische Treiben der Waldfrevler unterstützen, feststellen und der Staatsanwaltschaft mitteilen, die zugesagt hat, unnachsichtlich die Beschuldigten einer empfind- lichen Bestrafung zuzuführen. Es muß daher jedermann nachdrücklich gewarnt werden, von Leuten Holz abzunehmen, gegen die irgendwel- cher Verdacht bestehen kann, daß sie es nicht recht- mäßig erworben haben. Reisende Dollarsälscher. In Verbindung mit der Festnahme einer Falschmünzerbande, die gefälschte Dollarschatzanweisungen über 10 Dol- lars Nennwert angefertigt und vertrieben hat, wurde von ber Kriminalpolizei noch der Koch Wilhelm Saarholz aus Neueuhain verhaftet. Saarholz hatte in der letzten Zeit in Vögisheim bei Müllheim (Baden) seinen Aufenthalt, wo er vergangenen Freitag auf Veranlassung der Frankfurter Kriminalpolizei festgenommen wurde, aber wieder entlassen werden mußte, da ihm dort nichts nachgewiesen werden konnte. Aus der Rückkehr nach Frankfurt wurde er von dem Falschgeldkommissariat einem eingehenden Verhör unterzogen, das dazu führte, daß er sich in Widersprüche verwickelte, worauf er dann unter dem Druck des vom Kommissariat zusam- mengetragenen Materials- ein umfassendes Ge- ständnis ablegte. S. ist der, der in einem Ge- schäft in Sachsenhausen ein gefälschtes Stück der Dollarschatzanweisungen in Zahlung gegeben hat. Er hatte sich aus die Reise nach Süddeutschland begeben, ausschließlich zu dem Zweck, um die Falschstücke abzusetzen. So gibt er zu, innerhalb der letzten 14 Tage sieben solcher Scheine in Frei- bürg und Müllheim untergebracht zu haben. Festgenommen wurden: Eine Dienstmagd von Wall, die vom Landgericht Berlin wegen Dieb- stahls gesucht wurde, eine Köchin von Mühl- acker wegen Betrugs, ein Schlosser von Metz wegen Fabrradöiebstahls, der Inhaber eines hiesigen Schuhgeschäfts, dessen Ehefrau, Sohu und Tochter wegen Betrugs und Wuchers, ein Dienstknecht von Triberg. der von der Staats- auwaltschaft Gengenbach wegen Diebstahls ge- sucht wurde, ein Arbeiter von Meisen, ein Hans- bursche von Großlissa und ein Taglöhner von Neunkirchen, wegen Diebstahls und Begünstigung, ein Techniker von Steinsfurt wegen nn- erlaubten Waffenbesitzes, ein Schlosser von hier, eine Dienstmagd aus Metz, ein Mechaniker von Vieliglzeim. sämtliche wegen Diebstahls, ein Schreiner von hier, der in einem Sanatorium bei Schöneberg Kleider von erheblichem Werte entwendete, die wieder beigebracht wurden, ein St ei Mauer aus Durlach, der vom Amtsgericht Bruchsal zur Erstehung einer Gefängnisstrafe von 3 Wochen wegen Sachbeschädigung verfolgt wird, ein Taglöhner aus Aalen, ein Kaufmann von Obervolkingen wegen Betrugs, ein Kauf- mann aus Michelbach, dessen Ehesran und Schwagen wegen Urkundenfälschung und Be- trug?, ein Techniker von hier wegen betrügen- scheu Bankerotts, ein Zimmermann aus In- heim, ein Bautechmker aus Landau, ein Kauf- mann aus Lüdenscheid, ein Kellner aus Cle- bronn, eine Kellnerin aus Schloßbera sowie ein Kaufmann aus Heidelberg sämtliche wegen Ver- gehens gegen die Devisenverordnnng. Chronik der vereine. Der Casino Liederlrauz Möhlburg hielt am 24. November im Saale des »Goldenen Hirschen" in Mühl- bürg sein 80. Stistungskonzert ab. Der verdiente Chvrmeister des Vereins Mufiklehrcr Mann hatte zu diesem Anlah mit ausgeprägtem Musikgeschmack ein gediegenes Programm zusammengestellt. Wuchtig und stimmungsvoll erklang der Kreuber-Ehor: Schäfers Sountagslied zur Eröffnung des Abends: es folgte fein abgetönt Abschied hat der Tag genommen von Nehler. weiterhin Chöre von Storch, Handel und Sil- cher. die gleichfalls in musikalischer Reinheit und guter Deklamation zum Bortrag kamen, wofür Sänger nnd Dirigent lebhafter Beifall gezollt wurde. Frau Stadt- vfarrer Schulz fang als Solistin mit vrächiigcr Altstimme Lieder von Schubert und Händel. Herr S t e ? e l- b e r g e r, ein junger begabter Geiger, halte sich kurze dankbare Stücke von Mozart. Gossel, Toselli erwählt, die er technisch vortrefflich und mit grober Hingabe zu Gehör brachte. Beide Solisten — am Flügel dezent von Herrn Mann begleitet, ernteten langanhaltenden berechtigen Beifall. Zwei verdiente Bercinsmitglieder, die Herren Keller und Köhl, iiberraschten an» genehm durch ein Duett. Für zwölfjährige treue Mitgliedschaft wurden geehrt die SangeSbrüder: Brehmer, Decker, Erhard. Gunther, Haamaun Ir„ Karl Hossäk, JaNson und Rauschkoib. Außerdem wnrden in An- betracht grofzer Verdienste zu Ehrenmitgliedern die Her- ren Karl Eichelhardt und Jakob Eisen ernannt. Slandesbuch-Auszüge. Todesfälle. 1. Dez.: Anna Rühle, alt 07 Jahre, Witwe deS Obermusikmeisters a. D. Albert Rühle: Kurt, alt 1 Mouat 24 Tage, Bater Stefan Kühl» meyer, Handelsmann: Josesine Bahr, alt B7 Jahre, Ehefrau des Eifenbahn-Oberschaffners Oswald Bahr: Josefa Schrein, alt 68 Jahre, Witwe des Stadttaglöhners Reinhard Schrein: Panlina S ch ä» s e r, alt 54 Jahre, Ehefrau des Eilenbahn-Oberschaff- ners Joses Schäfer; Karl Huber, Kellner, Ehemann, alt 52 Jahre. — 2. Dez.: Luise T r a u b . alt SS Jahre, Ehefrau des SteinhauerS Alois Traub: Rudolf Hoff» mann, Oberst a. D., ledig, alt 76 Jahre: Frieda, alt 1 Monat 27 Tage, Vater Eugen K o h in . Kaufmann: Aug. Peters, Lademeister a. D., Ehemann, alt 74 Jahre. = Karlsruhe, 8. Dez. Das Wuchergericht beschäftigte sich mit einer Anklage gegen den Kaufmann E. H. P. Franke, zuletzt wohnhaft in Söllingen bei Durlach wegen Untreue und unerlaubten Handels. Der Angeklagte war Leiter der Süddeutschen Nagel-, Nieten- und Drahtindustrie in Söllingen und hatte ohne Hin- Zuziehung des Aufsichtsrates eine Handelsgesell- schaft für Industriebedarf gegründet, obgleich er keine Handelserlaubnis besaß. Der Angeklagte, der im Alter von 62 Jahren steht, Hai früher in München und Freiburg Handel mit Motoren, Draht, Nägeln usw. betrieben, obwohl er auch damals keine Handelserlaubnis besessen haben soll. Das Urteil lautete gegen Franke auf drei Monate Gefängnis und 10 Villionen Mark Geld- strafe. Der Mitangeklagte Oberingenieur Karl Wilhelm Henrichfen wurde freigesprochen. Bor der Strafkammer hatte sich der in Baden-'s itental wohnende Architekt Georg Ritter aus Mannheim wegen mehrfachen vol- lendeten Betrugs zu verantworten. Der Ange- klagte hatte in Mannheim und Ludwigshafen sich dadurch Mittel zu verschaffen gewußt, daß er an Firmen größere Holzmengen zum Berkauf an- bot, obwohl er gar nicht in der Lage war, das Holz zu liefern, da er keines befaß. Das Urteil lautete auf acht Monate Gefängnis abzüglich fünf Monate Untersuchungshaft. - Konstanz, 30. Nov. Einen unangenehmen Ausgang nahm für den Landwirt Anton Restle von Wa.k» der von ihm erhobene Einspruch ge- gen die Strafe des Amtsgerichts Pfnllendorf wegen Preistreiberei. Weil er Ferkel, die nur 200 Millionen Mark wert waren, zu 300 Millio- ncn zu verkaufen suchte, hatte ihm das Amts- gericht Psullendo'f 90 Millionen Mark Geld- strafe auferlegt. Sein Einspruch auf gerichtliche Entscheidung beantwortete das Wucheraericht mit der Verurteilung zu zwei Monaten Gefängnis und 10 Billionen Geldstrafe, außerdem hat er die Kosten zu tragen und das Urteil wird ver- öffentliche VomWettrr Wetternachrichtendienst der Badischen Landes- Wetterwarte Karlsruhe. Montag, den 3. Dezember 1928. Im Bereiche eines von der Nordsee vor- stoßenden Tiefdruckausläufers herrschte gestern in Süddeutschland meist trübes, nebliges Wetter ohne erhebliche Niederschläge. Die Tempera- turen liegen in der Ebene in der Nähe des Ge- srierpunktes, im Gebirge herrscht leichter Frost. Trotz der Verstärkung des osteuropäischen Hochdruckgebietes ist stärkere Kälte nicht zu er- warten, da vom Ozean eine neue kräftige Stö- ruug herannaht, deren wärmere Lustströme gegen das Festland vordringen. Wettcrausfichten für DienStag, 4. Dezember: Meist trüb, mäßige Niederschläge (Ebene Re- gen, Hochschwarzwald Schnee), etwas milder, westliche Winde. Rl,ein-Wass«rstiinde morgcns 6 Übt: 8 Dezember ?ifcuftcvinfel Kehl . . . . Mar»» . . . Mannheim 2. Dezember 1,88 m 2,05 m 8.20 m 8.SS ni 5.21 m 4-85 m — m mittag? 12 Uhr 4.^5 m — m abends ti Uhr 4.21 m 4.08 m 4,90 w Dagesanzeigev Dienstag, de« 4. Dezember 1SZ8. Bad. LandeStheater: „Hamlet, Prinz von Dänemark", abends 7 bis nach '/»II Uhr. Stadt. KonzertbauS: Bad. Lichtspiele: Afrika- Jagdsilm, abendS 8 Uhr. Lebensbedürfnis-Verein: BezirkSverfamm- lnngen: Bezirk Siidftadt abends 714 Uhr im Saal des ArbettcrbildungevereinS, Wilhelmsrrabe 14: Bezirk Mühlburg-Grünwinkel abends 7Vt Uhr >m Gasthos zum „Hirsch", Hardtstrabc 84. Sriefkasten £>. S. R Dollar am 28. Januar 1022 in Berlin 204,04 Brief. 204,4« Geld. Mr. 834. Seite 4 Karlsruher Tagvlatt, VlenStag, den 4. Dezember 1V28 Erste« Blatt Herzliche Bitte au Ate SevöUemng in Stadl u. Land! f ®eit Vkalnn Je8 laufend?» Jahres bat tlch dl« abl der tri b-r ««»dt Karlsruhe nnffifuattt Ar- eltc-lofett ununterbrochen vermehrt. Zur Zeit sind mcbr als üfll«! voarriverdSsiifti^e 'JR'iinttev. darunter me r als 2NII!» oerbeirnt«te ftamiliett* viite? mit Rron »,»d Kindern arbeitslos. Tie Unterltiibitii'en. die aus der Erwerbs- losenllirlo ie ne,al>lt werden könne», lind lo aerin Sab sie auch lorm von >'!aturaii«n aller Art »u gewahren Tie kinn>'ereinlttmmuqa mit den Wewerk« sSalten aller Ni»tuna-n richtet die Stadtverwal- tun« an dt- Vevvlkeruu» in Stadt uni l'and die ebrnlv der„l»«l,e. wie dingend« B'«'cn Ebenso können Me dbeträae aus da» Konto d-s »rbei-bamirK bei der Badis»e« «an», hier, uverw csen w?rden. ««enden in i5»rn» von «ebenSmitt-ln n«d sonst»««'- LedenSbedürsn ffen sind besonder» f rn l ü n& werden >m BersoraunaSkranken- baus. KrieiSstrake «OB. wo sich eine Volksküche sür die k^rwerbSlolen b'Iindet. entaea'n.'enomme». » verständigen. ?Li>em wir b n S-ewobner» in Stadt und Land, die sich blffi.-r schon in arob,«Niger Weise an der Unterutivung der CrwcrdSlvien beteiligt haben, herzlich danken, hau n wir das '"ertrauen, das, auch diel r erneuten Glitte nach Kräften Rechnung ge- tragen wird- Heber die S'erteilnna der einie- gangen'n «»enden entscheidet ein vom Stadtrat eing letzter AnSIchuk, der sich par-titisch auj Ar- beitaebern und Arliettnebmern zusammenlevt. «n Vi« Ernicrdslosen s-lbst » ed die «„!- sorderuni, oerlä>tet, daraus ,u achten, t.ai; onr^> «n!,?sonnene Elemente da» von der «tadwo n>alt»-na in S?rrd:>»d'>n<, mit den me- w-rlichaNen etnseleite s Hilfswerk nicht ae- «Sri wird. Der Oberb»ra«rn»eist«r: ?s A.: Sauer Ek,ri»l?che» Gewertschastokartell: Sahbendcr. Gesam'verband Deutsch, «nq-stelli«,. a-werkichiist-n! Karl Dresahl. ttiesamtverband Deutscher Q«awl«iM gsw-rt,chatten. iH Ii m in e l e. ociatarua deS BciKschcit Beam.enbnndeS: I, A. Äöhrtn « e r. Der BerwaltunaSanSschÄh d«S Sff-ntiichen Arbeits lachweisrs siir d-e Si-n«sde»Irte Karls- rnde. Durlach nnd Otlingen: 5- Denninger. Allgemener Deutscher «ew-rklchaitSdund t S >b u l e n b u r g. Mkigen,e'«er ireier Angritell snbund: H ä i i n e r. Allgemeiner Deutscher Äeamtendiind: Koch. «en»crischastS?ina Deutsch«« «rbeiter- Angestellten- und B-amtenverd-inde: Stier. Karlsruher AuMonshalZe, Lammltrabe 7» im Kaiice Bauer. Telephon f040 .. Mittwoch, den 5. Dezember. 'i- t 10 Übt. verlt.iaere ich im Eintrag: n Etebvulte, Renale, i ^»d^ntheke. 9 Oell'cb-ilt-r mit Mar,. T.Ich. Stlihle. Bettstellen. 10 Z'änie, 1 gr. Oval-Goldsvicgel. 1 Op^ratioiii«- stuhl. 1 ftnuteuil mit Ciiirichtulig, 1 DovveUciter. Bilder. Nahmen und sonstiges Mar -Zasse. Nu'tionator. Gelder für versteig rte Sachen bitte ich Don- ner»tag nachmit'ag abholen zu wollen. 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Novem- °er 1923 an die Landesregierungen zu dieser »rage Stellung genommen. Ebenso hat der Unterausschuß des ReichSwirtschastsrates für i-andwirtschaft und Ernährung einstimmig in k>n?r Entschließung für schleunigen Abbau der vielfach zu hoch angesetzten Goldpreise Stellung Stemmen. Schon dieses „Sichdagegenwenden '>t für viele wie ein Lichtschimmer an unserem dunklen WirtschaftShorizont. Ja wirklich, es Aare ein Lichtschimmer auf unser zerrüttetes Wirtschaftsleben und nicht zuletzt auf die große Arbeitslosigkeit, die wesentlich von den hohen "reifen, insbesondere den Baustoffpreisen, be- ilnflußt wird, wenn endlich regierungsseitig mit °Uer Energie und Strenge daS Uebel der viel- jüch wucherischen Preispolitik an der Wurzel er- Ml würde. Nicht dadurch wird dieses wirt« Mftsverheerende, volkSverelenbenöe Uebel be- ^itigt, bah man an der PreiSstellung kleiner gewerbetreibender (Handwerker und Einzelhäud- 'M herumprüft, diesen oft mit einer geradezu rigorosen, vor keiner Existenzvernichtung zurück» treckenden „Wucherverfolgung" zusetzt, während ^>an den großen zu Syndikaten und Kartellen Zusammengeschlossenen Erzeugern und Weiter- Verkäufern jede Freiheit ließ, sondern dadurch, an der Urquelle der Produktion und des Kandels die Preise auf ihre Richtigkeit und An- Gemessenheit geprüft werden. Gewiß ist das 'chwieriger als die Kalkulation und Buchführung ilnes kleineren und mittleren Geschäftsmannes übersehen und zu kontrollieren. Es gehören Azu Persönlichkeiten, die die nötigen Fachten»!- Me, die Tatkraft und den Mut zum energischen ^«schreiten ausbringen. Bei den in Kartellen Zusammengeschlossenen Erzeugern darf nicht wie ^sher die Junehaltung der ihnen von ihrem "artell oder Wirtschaftsverband vorgeschriebe- »en Preise von vornherein den Berdacht eines Übermäßigen" Gewinnes ausschließen. Be- Mntlich wurde von keinem geretngeren alS dem Ministerialdirektor Dr. C. Falk während seiner Amtszeit bei der Berliner Wucherpolizei die Auffassung vertreten, daß die Einhaltung deS Kartellpreises rechtlich unter allen Umständen £»e Wucherverfolgung ausschließe. Diesem Standpunkt können wir uns auf kehten Fall ^schließen. . Wollen wir wieder auf eine gerechte PreiSstel- Uing gelangen, die unser armeS Deutschland und jUisere Wirtschaft ertragen und uns auf dem «eltmarkt konkurrenzfähig erhalten kann. mttf* jttt wir unsere Goldgrundpreise in fast allen «Parten auf der Friedensgrundlage oder vom oahre 1915 annehmen und hierbei, wenn eS Jjtch von anderen Schichten des Volkes verlangt wird, noch einen Prozentsatz als sog. Entbeh- ?UngSfaktor abrechnen. Voraussetzung hierfür m, daß alle Erzeugerschichten, oben angefangen M dem ersten Erzeuger, Rohstoff und Halb» ^brikaten-Lteferanten und »Händler, herunter bis zum letzten Endglied und Letztverteiler Uu Produktionsprozeß und Warenumlauf, dem Handwerker und Kleinhändler, sich auf diesen Standpunkt einstellten. Dabei können die seit- ^r in Anwendung gebrachten Unkostensätze und '»genannten Risikoprämien nicht ohne weiteres U> der bisherigen Höhe beibehalten werden. Mrch die Geldentwertung haben sich die Grund- ^standteile der Kalkulation, nämlich Material, H>Ön und Unkosten dauernd verschoben. Er- Mrungstatsachen. die sich auS der Papiermark- Berechnung ergeben, treffen nicht voll auf die «vldmarkberechnung zu, Schwankungsmomente j°Mmen allmählich in Wegfall. Selbstverständ- '' dürfen bei einem Abbau alle Abgaben und Gebühren an Staat und Kommunen, wie Güter- iJUd Personentarife, Gas- und Strompreise usw. ^kine Ausnahme machen, da in erster Linie ^taat und Kommunen die Pflicht haben, mit ^Utem Beispiel voranzugehen. Kommt nun neben der weiteren VerauS- »Übung der Goldanweisungsstücke schnellstens "och eine genügende Menge von Rentenmarken in den Verkehr, so sind damit die VorauSsetzun- gen für eine einfachere und klare Preisberech- uung gegeben. Für Begründungen verlangter höherer Preise, besonders sür irgendwelche will- kürliche und nicht stichhaltige VerteuerungS- Momente darf kein Raum mehr fein. Es ist für die Kleingewerbetreibenden und andere Schich- ten der Bevölkerung einfach nicht erträglich und zerfetzend, wenn einzelne Gruppen Friedens- gewinne, ja vielfach höhere Gewinne aufrecht- zuerhalten suchen und eS somit'ablehnen, teilzu- nehmen an der allgemeinen Not. Ist es auf diese Weise möglich, die vielfach unbegründet hohe Preisstellung abzubauen und wieder Rohstoffe, besonders Baustoffe, Halbfabrikate und alle Ge- genstände deS täglichen Bedarfs zu erschwing- lichen Preisen zu erhalten, so muß andererseits dadurch die Möglichkeit werden, allgemein das Räderwerk deS Geschäftslebens, nicht zuletzt das der Bautätigkeit wieder in Gang zu bringen. Mit der Regierung richten wir daher an alle ErwerbSkreise die ernste Mahnung, diesen Ge- sichtspnnkten sorgfältige Aufmerksamkeit zu schenken. Insbesondere mögen sich die Organi- sationen und Verbände aller Berufsgruppen mit der nunmehr allgemein gesetzlich zulässigen Gold- markberechnung auf eine für unsere Wirtschaft erträgliche Preispolitik einstellen. Preisberechnung des Handwerfs auf Goldmark- grundlage. An die Besprechungen über di« Preisberech- nung auf Goldmarkgrundlage, die Donnerstag und Freitag mit den Vertretern deS Einzel- und Großhandels sowie der Industrie im Landes- preisamt .abgehalten worden waren, schloß sich am Samstag eine Aussprache mit den Vertre- tern deS Handwerks, das in seinen wichtigsten Zweigen vertreten war. Ter Sitzung wohnte mit den Vertretern des GeneralstaatSanwalts und des Landespolizeiamts auch der Direktor des LandeSgewerbeamts en Verbrau- cher herbeifiMjren. Zweifellos verlieren sie aber jede Berechtigung, wenn die Zahlung nicht in Papiermark, sondern in wertbeständigen Zahlungsmitteln iGoldanleiHe, Rcntenmark u. a.) erfolgt, und damit die Gefahr eines Verlustes durch Geldentwertung nicht mehr gegeben ist. In diesem Fall muß auf den durch den Siche- rungSzuschlag erhöhten Grundpreis ein diesem Zuschlag entsprechender Nachlaß gewährt wer- den. da sonst ein übermäßiger Gewinn gemacht wird. Das ist eine Selbstverständlichkeit, die auch bei den in den letzten Tagen im Landes- preiSamt abgehaltenen Besprechungen mit den Vertretern deS Einzelhandels, der Industrie nnd deS Großhandels grundsätzlich anerkannt worden ist. Man hat jedoch daraus nicht die Folgerung gezogen, daß nunmehr ein sofortiger Abbau der Nisikoprämie bei wertbeständiger Zahlung ein- treten müsse, sondern eine Preissenkung nur in Aussicht gestellt, sobald eine genügende „Sätti- gung" der Bevölkerung mit wertbeständigem Geld und «ine Stabilisierung der Währung ein- getreten sei, die eine genaue Kalkulation «r- mögliche. Dieser Wechsel auf die Zukunft kann nicht akzeptiert werden. Mit solchen Vertröstungen wird dem notleidenden Volke nicht geholfen? es will mit Fug und Recht jetzt schon Taten sehen. Wenn man für eine gewisse Uebergangszeit zu- lassen wollte, daß die erhöhten Grundpreise auch für wertbeständige Zahlungsmittel gelten, dann würden diese neuen Zahlungsmittel von vorn- herein in ihrer Kaufkraft entwertet und auf die abschüssige Bahn der Papiermark gedrängt wer- den. Im günstigsten Falle würde man an Stelle einer Stabilisierung der Währung zu einer Stabilisierung der unerträglichen Grundpreise kom- men. Wer also die Mitarbeit au der Gesundung unsere? schwererschütterten wirtschaftlichen Le- benS ernst nimmt, darf nicht einen Gewinn beanspruchen, der jeglicher Berechtigung entbehrt. Er darf sich auch nicht daraus berufen, daß eine genaue Kalkulation deS Preisnachlasses zurzeit noch nicht möglich sei. Hat man eS fertig ge- bracht, die Gefahr der Geldentwertung in die Preise hineinzukalkulieren. so kann eS nicht auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen, sie im einzelnen Fall auch wieder herauszukalkulieren und in Abzug zu bringen. DaS ist bei einigem guten Willen gewiß möglich. Wo dieser gute Wille nicht vorhanden ist oder «in entsprechender Abzug aus Bequemlichkeit unterbleibt, muß Be- strafung wegen Preiswuchers erfolgen. Die Preistreiberei bei Gegenständen des täglichen Bedarfs Ist mit empfindlichen FreiheitS- und Geldstrafen auch dann bedroht, wenn sie nicht vorsätzlich, soner, fahrlässig begangen wird. Das gilt allgemein — auch für die Landwirtichast. Die Staatsanwaltschaft wird übrigens auch da- für Sorge tragen, daß den Bevölkerungskreisen, die noch nicht oder nicht genügend über wertbe- 'ändige Zahlungsmittel verfügen können, der inkauf nicht durch unangemessen hohe Grund- preise unmöglich gemacht wird. * - Di« Einzelhandelsgemeinschaft Groß-Berlin hat zur F»age der Rabattgewährung auf wert- beständiges Geld einstimmig nachstehende Ent- schließung gefaßt: „Der Einzelhandel ist genötigt und berechtigt, bei ivertbeständigen Zahlungs- Mitteln einen Rabatt zu gewähren. Er braucht wertbeständige Zahlungsmittel, da er von feinen Lieferanten fast ausschließlich nur dann Ware erhält, wenn er selbst wertbeständig Zahlung lei- stet, oder aber ihm sehr hohe Preisaufschläge für Papierzahlungen berechnet werden. Der Wert- beständigkeitSraibatt ist ferner da? einzige Mit- tel, um diejenigen Verbraucher, die Teile ihres , Einkommens in wertbeständigen ZahlungSmit- I teln erhalten, an deren Zurückhaltung zu verhindern und so wertbeständiges Geld reichlich in Umlauf zu bringen. Es bedeutet jedoch eine Schädigung der brei- ten Masse derjenigen Konsumenten, die lediglich auf Papiermark angewiesen sind, wenn diese durch eine überhohe RabattgewUrung unver- hältnismäßig schlechter gestellt werden. Anßer- dem ist in solchen Fällen die Gefahr «u hoher Goldmarkpreis« infolge Ueberspannung der Pa- piermarkrisikoprümie nicht von der Hand zu weisen. Die EinzelhandlSgemeinschaft Groß-Berlin hält daher bis auf weiteres einen Wertbeständig- keitsrabatt über 15 Prozent nicht für vereinbar mit den Interessen der Berbrancherschast und daher für unberechtigt. Mit dem weiteren Ein- dringen der Rentenmark in die Verbraucher- kreis« ist der Wertbeständigkeitsrabatt tunlichst schnell bis zu völliger Beseitigung abzubauen. Wir bitten das Käuserpublikum. der Einzel- handelsgemeinschaft Groß-Berlin als der fach- kundigen Beraterin der Berbraucherfchaft bei ihrer Stellungnahme zum Wertbcständigkeits- rabatt Vertrauen zu schenken, um dem Lockmit- tel eines überhöhen Wertbeständigkeitsrabattes begründetes M ißtrauen entg egenzubringen." Schlüsselzahlen des 4. Dezember. Vadlscher Einzelhandel: l»vS lBortag 1000) Milliarden. Karlsruher TeneruugSzahl lmit Bekleidung!: Sticht-« 26. November 1482 040114 012,88 (Vorwoche 5?0 788 901 958.94). vadische LandesindeittMcr (mit Bekleidung): (Stichtag Nov. 1 408 Milliarden <(Vorwoche 889,8). Badiiche La«desiiide«Mer (ohne Bekleidung): Stichtag ZN. Nov. 1 299,1 Milliarden '(Vorwoche 748.8). Rcichsindcrzlller: Stichtag 28. Nov. 1085 Milliarden (Vorwoche 881). Grohhandelsindexzilfer: Stichtag 27. Nov. 1422,9 Mil- liarden (Vorwoche 1418). «oldumrcchuungSfad kür die RciÄdftrner«: 1 Billion. Koldmark: 1 002 &(K) 000 000. Schlüsselzahl der Reichsbahn: 1 Billion (gültig von Mitternacht bis Mitternacht). Mlttclbadische Brauereien: Ab 1». Nov. Kabbier: le Hektoliter 28 Mk, (1.80) für Lagerbier: 85 Mark (1.80) für Ervortbier. AuSschankvreise: 0,8 Liter 15 vezw. 19 Pfg., mit Gemeindediersteuer 18 bezw. 20 Hsg. Flaschenbier für Private: 0.7 Liter Lagerbier 38 Psg. (1.28 Pf«.), Ervortbier 42 Pfg. Die Zahlen in Klammern bedeuten den Zuschlag für Gemeinde- bierftener. - Bad. Gaftwirteverband: Ab 15. Nov. Multiplikator wie Bad. Einzelhandel. 0,8 Liter Lagerbier 18 Pfg., 0,8 Liter Ervortbier 21 Psg., Vi Liter Weihwein 50, 'A Liter Notwein 60. Vi Liter 1928er Wein 70 Psg. Ellen in Kleinbetrieben 1.20 Mark. Essen in mittl. Betrieben 1.50 Mark. Badischeo LandeLiheater: 1 Dillion. Schlüsselzahl deö Verein? deutscher Äeit«»«s»erles»r sllr AnzeiaeuauftrSa«: 1,4 Milliarden. Schlüsselzahl für das Auckdruckgewerbe: SU Milliarden. BuchhSndlerfchl ülfel zahl: 1.1 Billion. Schlüsselzahl für den Bezugspreis der Karlsruher Zeitungen: 1 Villion. Geschäftliche Mitteilungen. Von der Lichtseite des Leben». Man fvrichi nicht umsonst von „strahlendem Glück", von .beller Freude". von de» .Lichtseiten dcs Leben»". Wohlergehen und Freude ist nun einmal untrennbar von Licht und Helligkeit: die Arbeitsfreude am Schreibtisch und in der Werkstatt, genau wie die gehobene ge- fellige Stimmung im Salon, der angeregte Jmvul? deS VerkehrSlebcnS usw. Die Waren des Gesch!istö- mannes müssen inS „rechte Licht" gerückt werden, im wörtlichsten Sinne, damit er guten Absab erzielt. Eine wirtschaftliche Arbeit welcher Art immer, ist rein tech. nisch nur möglich bei hellem Licht, ganz abgesehen von setner die Stimmung belebenden Wirkung. Also nicht nnr Freude und Wohlbehagen, auch Er- folg und Leistung sind untrennbar von strahlender Lichtfülle. Die strahlende Lichtfülle aber wiederum Ift untrennbar von — CSrain-Nitra-Lamvc. Diese wundervolle Errungenschaft unserer Lichttechnik stellt tatsächlich eine Liäitauelle dar, die mit Ihrcr glan- zend weilzen, gleichmähigen AuSstrahlz»ng dem Donnen- Uchte ganz nahe kommt: Ein reicher, dem Auge ge- nehmer Glanz, bei dem jede Arbeit wie bei Tageslicht verrichtet »Verden kann: der ied« feinste Nllanee der Farbe ufw. wie das Tageslicht znverlSffig zur Geltung bringt. Die aufjerordentliche Helligkeit der QSram-Nitra- Lamve fefct eine fehr hohe Temveratur des Fadeni! voraus, wie man ste einer gewöhnlichen Lamve nicht zumuten kann. Die geistreiche Konstruktion der OSram- Nitra — tfit zu einer engen Svirale gewickelter Draht in einem neutralen Gase glühend — bat diese sür unser gesamte» Wirtschaft«- und Kulturleben so bedeutsam« Lösung der Lichtfrage ermöglicht. Mit dem neuen Roman Lotte Lobeustreik von Erich Ebenslein. ^>t dessen Veröffentlichung wir heute beginnen, ^eten wir unseren Lesern und Leserinnen eine S->nz besonders fesselnde Erzählung. Dem tempe- 'wnenwoll und anschaulich geschriebenen Roman eine eigenartige, ungewöhnlich reizvolle Wandlung zugrunde, deren dramatischer Spann- ^aft sich niemand entziehen kann. Lotte Cobenftreit. Roman von Erich Ebenste!« *). —-— (Nachdruck verVoten) 1. Kapitel. . Wild fuhr der Herbststurm durch daS Gczwcig alten schöne» Linden, die wie Wächter vor Herrenhaus von WolfShag standen. ^Am nachtschwarzen Himmel jagten dunkle Kolken üb-r den Mond, dab eS manchmal auS- M. als läge draußen über der ganzen Welt ein ^warzes Bahrtuch. . Dann wieder auf Augenblicke ward es f«ft JfShctl, wenn die Wolken den Mond freigaben sein Licht in Strömen niederfloß über Wäl- und Berge im Norden von WolkShag. das >°rf St. Jakob mit dem schlanken spitzen Kirch- ^ Nn w estlich davon, und fern im ebenen Süden Urheberschutz durch Stuttgarter Romanzentrale Ackermgnn. Stuttgart. undeutlich verschwommen die Lichter, Dächer und Türme der steirischen Landeshauptstadt Graz. Dr. KlauS v. Wieckfeld, Kommissär bei der Bezirkshauptmannschaft und Besitzer von Wolfs- Hag. sah das alles und sah nichts, denn feine Seele war mit anderen Dingen beschäftigt, wäh- rend er regungslos am Fenster seines Arbeits- ztmmers stand nnd verstört in die Nacht hinaus- starrte. Ungehört verhallte das Rauschen des SturmeS in den Bäumen an seinem Ohr, ungesehen wir» belten die gelben Blätter der Linden vor seinen Augen nieder auf den weißen Kiesplatz, wo der Wind sie raschelnd weitertricb, bis der fahle feuchte Wiesengrund sie irgendwo aufnahm und zur Ruhe kommen ließ . . . Er dachte nur immer wieder: „Wäre eS vor- über . . . endlich vorüber und beide tot! . . Da wurde hinter ihm hastig, ohne Anklovfen, die Tür aufgerissen. Eine Dame in mittleren Jahren, das Gesicht bleich und verstört, trat ein. Eiuen Augenblick stand sie zögernd, wie nach Atem ringend, da, dann sagte sie. kurz und hart: «Herr Wieckfeld, es ist vorüber. Jella ist tot." Wieckfeld gab keine Antwort. Er hatte sich nur langsam umgewandt und sah die Sprecherin mit einem seltsamen Ausdruck von Erleichterung an. In ihren Augen blitzte eS zornig auf. „Haben Sie mich nicht verstanden, »>Lrr Wieck- feld? Ihre Frau ist totJ Sie verschied soeben in meinen Armen!" ' Wieckfeld nickte kalt. „Ich habe verstanden. Herr Kummer, mein Sekretär, wird das Wettere anordnen. Wün- schen Sie sonst noch etwa», Frau Lobenstreit?" „Jawohl! DaS Kind lebt. Es ist ein Mäd- chen. Aber eS ist sehr zart und schwach und es ist ja für nichts vorgesorgt, da doch alle? so un- erwartet rasch geschah . . . Der Arzt sagt, es müsse sofort für eine Amme gesorgt werden. Dann . . .^vas Kind kann nicht auf WolfShag bleiben," unterbrach sie Wieckfeld, der bei den ersten Wor- ten zusammengezuckt mar, barsch. „Ich werde dies auf keinen Fall dulden, verstanden? ES geht mich nichts an und ich werde daher nicht die geringste Notiz von seinem Dasein nehmen, weder jetzt, noch später, danach bitte ich Sie sich zu richten." Frau Lobeustrcit starrte ihn sprachlos an. Dann aber brach sie zornig loS: „Nein, daS geht zu weit! DaS ist wirklich unerhört! Sie mol- len ihr eigenes Kind verleugnen und eS schütz- loS in die Welt hinausstoßen? Sind Sie denn ganz und gar ein Unmensch. Herr Wieckfeld?" „Nein. Aber diese« Kind ist nicht mein Kind," erwiderte- er rauh mit gedämpfter Stimme. „Ihre Richte lmt mich betrogen. Ich habe die Beweise ihrer Untreue in Händen . . „Jella Sie betrogen? DaS kann nicht wahr sein! Das ist eine infame Lüge!" „Ich bitte, sich zu mäßigen, Frau Lobenstreit! Ich weiß genau, was ich sage — nur zu Ihnen sage, weil Sie die Tante der Verstorbenen sind und um deS KindeS willen klar sehen müssen. Sie werden nun wohl auch begreifen, daß ich die- seS fremde Kind durchaus nicht in meiner Nähe dulden kann und durch nichts au sein Dasein erinnert werden will!" „Aber mein t^oti. was soll denn dann mit dem armen Würmchen geschehen?" stammelte Frau Lobenstreit fassungslos. „Man kann eS doch nicht einfach verkommen lassen? Irgendwo muß es doch bleiben?" „Tun Sie damit, was Ihnen recht erscheint. Es gibt ja Findelhäuser und Waisenanstalten. Am wünschenswertesten wäre es mir. wenn Sie mit dem Kind noch heute Nacht abreisten. Man könnte dann der Welt gegenüber sagen, daß es tot zur Welt kam. Mit den Behörden das Nö tige zu ordnen, nehme ich auk mich. Wenn Sie so freundlich wären, auf diesen meinen Wunsch einzugehen, würde ich gern bereit sein, eine Ab findungSsumme sür die Erziehung des Kindes in Ihre Hände zu legen uuter der Bedingung selbstverständlich, daß ich in keiner Weise weiter durch Mitteilur^n darüber belästigt werde. Es ist mir ganz ft»'chgültig, wo Sie daS Kind unterbringen und was weiter aus ihm wird." Er trat an feinen Schreibtisch, zog ein Fach auf und schrieb einige Worte auf ein Blankett, daS er dem Fach entnommen hatte. Dann legte er das Blatt vor Frau Lobenstreit auf den Tisch. „Hier ist ein Scheck aus 50 000 Kr. Damit, gnädige Frau, ist meine Menschenpflicht an der Sache erledigt und ich habe Ihnen nur mehr eine glückliche Heimreise zu wünschen!" Frau Lobenstreit lachte bitter auf. ^hre Menschenpflicht!!" Dann dicht an ihn herantretend, fuhr sie zornsprühend fort: „Ich brauche Ihr Geld nicht. Herr v. Wieckfeld! Wenn ich auch nicht so reich bin. wie Sie. so würde es mir doch zeitlebens auf der Seele brennen wie «in Schandfleck, wenn ich aus Ihren Händen auch nur einen Heller angenommen hätte, nach dem, was ich soeben hären mußte! DaS ftlnb nehme ich mit mir. Sie sollen gewiß nie mehr damit belästigt werden. Aber das muß ich Ihnen noch sagen, ehe ich gehe: Wenn es einen Funken Gerechtigkeit in der Welt gibt, so wird da*, was Sie heute getan haben, Sie eines TageS bitter reuen! Ein Mann, der sein Kind verleugnet und eS bei Nacht und Nebel hinausstößt — denn es ist Ihr Kind, daran können mich all Ihre Behauptungen nicht irre machen — de» sein Weib tötet und eS bann am Totenbett noch be- schimpft . . (Fortsetzung folgt.) k 3lr. 334. Seite S Karlsruher Tagblatt, DienStag, den 4. Dezember 1923 Zweites Blatt Die Goldmark »ir> 3. Dez. berechnet nach dem amtlichen Berliner Dollarbriefkurs, 1 Dollar — 4.20 Mk. Vorkriegswert, 1 002 500 000 000 Papiermark. Goldanieihe (1 Dollar) — Milliarden Keine Umsätze. Dollarsc tatzanweisungen — Milliard. Fiaukfurler Bärs.e. — Frankfurt a. M., 3. Dez. (Dralitbcr. unseres Handelskorr.) Die Börse war bei Wochenbegtnn ungünstig disponiert. Das Geschäft eröffnete auf den meisten Gebieten in schwacher Haltung, wobei starke Unsicherheit dem Markt anhaftete. Die in Gang befindliche Umstellung der Währung gab wiederum Anlaß, daß die Berufsspekulation starke Zurückhaltung übte und neue Engagements zu vermeiden suchte. Entschiedenen Einfluß übte auch die Meldung aus, daß das neue Reichskabinett und der Reichstag ein neues Er- mäc" titfungsjiesetzt anzufordern beabsichtigen, um die Währungsreform zu fördern. Diese Maßnahme wird bei einer dauernden Besserung der Mark der bisherigen Inflationskonjunktur einen Stoß versetzen. Die Geldflüssigkeit hielt auch heute an, blieb aber bei der allgemein verbreiteten Geschäftsunlust ohne Einfluß. Die schwache Stimmung erfuhr auch im späteren Verlaufe keine Acnderung. Doch war die Tendenz-Neigung weiter nach unten gerichtet. Eine Ausnahme bildete die bemerkenswerte Festigkeit der heimischen Anleihen. Es stellte sich auf diese Weise eine starke Nachfrage ein in der Hoffnung, daß sie eine .Aufwertung bei der Einlösung erfahren. Am Aktienmarkt waren namentlich Mon- tanwrte bei Eröffnung teilweise stark gedrückt, vor allem Luxemburg und Gelsenkirch^n. Auch oberschlesische Werte waren ebenfalls stark nachgebend. Ziemlich widerstandsfähig waren Schlickert und Bergmann, sowie Tnag auf die Zulassung der Kurse an der Berliner Börse. Von chemischen Werten büßten die Aktien des Anilinkonzerns 8 Billionen Prozent ein. Autowerte eröffneten uneinheitlich. N.S.U. setzten höher ein, gingen aber später unter ihren letzten Stand zurück. Die übrigen Werte verloren bis 1.2 Billionen. Bei Zellstoffwerten waren gleichfalls Einbußen zu verzeichnen. Heute gelang die Einführung der hessischen Dollarschatzanweisungen. Der erste Kurs wurde 5 Billionen Mark pro Dollar. Gesucht waren 2000 Dollars, am Markte verfügbar nur 5—6 (am Freitag 10) Billionen Mark pro Einheit. Preußische Kuli- anleihe ebenfalls ohne Notiz Taxa 7 (minus 3) Billionen Mark pro Einheit; Sächsische Braunkohle Taxe 5 Billionen Mark. Dollarschätze und Goldanleihen wurden gestrichen. An der Nachbörse wurden noch notiert Phönix 41, Holzverkohlung 12,5, Chemische Mainz 9, Höchster 6,5—17, Berliner Börse. Tendenz: lustlos. Berlin, 3. Dez. (Drahtmeldung unseres Berliner Handelskorr.) Bei Beginn der heutigen Börse stellte sich in großem Umfange Verkaufsneigung ein, die ihren Umschwung namentlich im Auslande hatte. Die Abgaben, die das Kursniveau erheblich herabdrückten, erfolgten fast auf allen Gebieten. Trotz des leichten Geldstandes war das angebotene Material schwer unterzubringen, weil die Berufsspekulation infolge der noch immer unsicheren politischen Verhältnisse Zurückhaltung beobachtete. Günstig aufgenommen wurde der Zahlungsverkehr mit der Rentenmark, der gute Fortschritte zeigte, sodaß im Warenverkehr erhebliche Preisre- duktionen festgestellt werden konnten. In Börsenkreisen beurteilt man diese Vorgänge dahin, daß der jetzige Versuch der Währungsreform nicht resultatlos verlaufen wird. Infolge dieser Momente bot die Börse ein wenig einheitliches Bild. Kurserholungen waren nur in einzelnen Spekulationspapieren zu bemerken. Im Allgemeinen war die Tendenz schwach, das Geschäft schleppend. Die Kurse der ausländischen Zahlungsmitteln blieben im großen und ganzen unverändert. Unter Abgaben litten besonders Montanwerte, von denen die meisten niedriger eröffneten. Kali, chemische und Elektrizitätswerte waren ebenfalls zumeist niedriger. In \nilinwerten trat das Rheinland als Verkäufer auf. Am Einheitsmarkt waren die Umsätze gering, die Tendenz schwach. Der Freiverkehr lag gleichfalls scwächer, andererseits waren Anleihen allerjüngsten Datums zu höheren Kursen verlangt. Rhein-Main-Donau- Anleihe dagegen angeboten, umso mehr, als mit verstärkter Goldanleihezuteilung gerechnet wird. Infolge der Bekanntmachung des Börsenvorstandes, daß die festverzinslichen Werte Donnerstags notiert werden sollen, fiel heute die Notierung aus. Am Mittwocch und so weiter sollen die alten Notierungen wieder stattfinden. Nur hört man, daß vom Januar 1924 ab eine wöchentliche einmalige Notiz der festverzinslichen Werte stattfinde. Der Schluß der Börse war sehr still bei meist weiter gesunkenen Kursen. Erst nachbörslich sind infolge von Deckungskäufen der Spekulation geringfügige Erhöhungen zu verzeichnen: Gelsenkirchen 63,5—64,5, Phönix 43,5 .Höchster Farbe 19,3. Ncchbörse. Berlin, 3. Dez. (Drahtber.) Die Tendenz blieb bei stillem Geschäft unverändert, wenngleich einige Kurse eine geringe Erhöhung erfuhren. Am Montanaktienmarkt wurde Phönix zu 43—45, Harpener zu 88, Caro zu 25, Rombacher zu 22 und Oberbedarf zu 24 Billionen genannt. Von Bankaktien waren Deutsche zu 10.25, Darmstädter zu 7, Mitteldeutsche zu 2.5 zu hören. Von Schiffahrtswerten waren Hapag zu 45 und Lloyd zu 10.5 zu hören. Variable Kurse. Berlin, 3. Dez. (Drahtber.) Aufträge werden um 6CC0 M. nominal oder dem Vielfachen davon gehandelt. (Alles in Billionen Prozent.) Hapag 50, 48.5, 47.5, 47, Nordd. Lloyd 10.6, 10.75, 10.5, Bayerische Hypothekenbank 4L, 4.25, Commerzbank 5.5, 6, 5, Deutsche Bank 10.75, 10.37, 10.25, " .3, ?,8, 2.65, 2.5, Oesterr. Creditbank 0.93, 0.90, 0-937, 0.9, Adlerwerke 3.2, 3, 2.9, AG. f. Anilin 18, 17.5. 17, Bad. Anilin 26, 27,5, 27, Buderus 29, 28, 25.5, El. Licht 12.75, 12.5, 11.75, Gelsenkirchen 72.75. 71.70, 72, Goldschm. 19.5, 18.5, 18, Hammersen 12.5, 14.5. 15, Harpener 100, 97.5, 92.5, Hösch 55, 34, 35, Kattowitz 59, 55, 50, Köln-Rott- weil 11.75, 11, 10.5, 11.75, Ob-Bedarf 26.5, 25,5, 25, Phönix 46.75, 46.5, 42.5, Rombacher 24.25, 24. Mannheimer Effektenbörse. Mannheim, 3. Dez. (Drahtber.) Die Börse war uneinheitlich, das Geschäft ziemlich lebhaft. Es wurden notiert Bad. Anilin 26, Seilicdustrie Wolff 3.5, Rhenania 16, Dingler 8, Benz 6, -Dampfkessel Rodberg 1.9, Gebr. Fahr 5.5, Waggon Fuchs 2, Karlsruher Maschinenbau 4, Knorr Heilbronn 8, Braun-Cons 1.6, Mannheimer Gummi 2 r., Maschinen Badenia 1.2, N.S.U. 5.5, Pfalz. Mühlenwerke 4, Pfalz. Nähmaschinen 4.5, Rhein Elektra 3, Union-Werke 10, Freiburger Ziegel 1.5, Wayß & Freytag 3.5, Zellstoff Waldhof 8, Zuckerf. Frankenthal 5 und 5K, Waghäusel 5, Rhein. Creditbank 2.2, Badische Bank 6, Sinn er Grünwinkel 5 G. Von Versicherungsakiien waren Mannheimer Versicherung 18 G., 20 Br., Hoffmanns-Söhne 0.5 b. u. G„ Melliand 1.3 b. u. G. (Alles in Billionen Prozent). Von Mittwoch, den 5. Dezember ab gelangen 50 Millionen-Stammaktien der Rhein. Mühlenwerke und zwar 50 0C0 Stück zu 10CÜ M. zum Handel und zur Notierung. lannli^imer Produktenbörse. K. Mannheim, 3. Dez. Bei gutem Besuch und bei langsam abbröckelnden Preisen nahm die heutige Produktenbörse einen ruhigen Verlauf. Man nannte Weizen mit 24.5, Roggen mit 23—23.5, Gerste mit 21—22, Hafer mit 20—21 Goldmark die 100 kg, bahnfrei Mannheim. Auch Futtermittel lagen etwas ruhiger. Die Preise von pfälzischen Händlern sind zumeist in franz. Franken gestellt. So fordert man für Melasse 25 franz. Franken, für Trockenschnitzel 30 franz. Franken die 100 kg, ab pfälzischen Stationen, v""legen Trockenschn : t*el von rechtsrheinischen Firmen zu 13—14 Goldmark für die 100 kg, Frachtparität Mannheim, angeboten sind. Weizenkleie wird zu 8 Goldmark die 100 kg, ab süddeutschen Mühlenstationen, Haferschalen zu 6 Gcldmnrk und Rapskuchen zu 13 Goldmark die 100 kg, ab süddeutschen Verlcvdestptionen offeriert. Mehl, das reichlich angeboten ist, war zu ermäßigten Preisen am Markte. Für Weizenmehl, Spezisl 0, forderte man 33.5. und für R".ScHntz?ehanl, Zwangsani. (In MM) 30 11. 130 750 600 3500 6~00 320 500 400 400 1100 700 550 400 400 1100 500 3. 12 240 1200 1000 &250 1300 950 2250 M 1600 1300 1000 1000 1000 800 600 600 600 1000 1000 I Fremde Werte 5 o/o Snücrmexlkanpr r.o/„ (Joldmexikaner . 4'/j °/o Irrigationsani. 3 % Mexikaner.... 5 o, 0 Tamaupllas 5 0/0 Tehuantepec..'. 4i 9 o/n 4 0/0 Missouri Paclflo. Tanten unifiziert. . 5 0/0 Rumänen v. fOt &o/»Ho«n.u. Herzegw. 20 Hanken Radische Bank .... Berg. Mark. Industrio- Bank Darmstädter Bank. . Deutsche Bank. . .. 10 7 75 12-5 14 13 7-25 9-25 Diskonto Commondit Dresdener Bank . . . Metallbank ÜVIittcld. Creditbank . Oesterr. Llnderbank Pfälzische Bank . . . Rhein. Creditbank. . Südd. Diskonto-Ges.. Wiener Bankverein . Württbg. Notenbank 30 11. 3.12. 20 15 575 25 21 3 1.8 3 2.2 075 0.575 Industrien AdW SOppenhetmer | 45 Alumin. Neuhausen , — Armatur. Klein. Aachair. Zellstoff . . . Bad. Anilin Bad. Uhrenfabrik . . B. Masch. Badenia. . Baltimore and Ohio. Baug. Ph. Holzmann. Lang. WayB&Freitag Benz Motoren . . . . B ei- und Silberhatto Braubach Bochnmer Onßstahl . Brauerei Wolle . , . . Braun Pfeddersheim. Bahrlng i. Luab.. .. Chem. Albertwerk. ii O. k Silberech. » Griesheini . . . „ Höchst » Weiler ter Mer Paimler Peutsche Petroleum. Dyckerhoff 4c Widm.. Eisenwerke Kaiserei. Elberfelder Farben . Mektr. Llchtu. Kraft Elsäsaer Baumwolle. Emag Frankfurt . .. Faber & Schleicher . Feinmechanik Jetler Gebr. Junghaa» . . . Gebr. Adt Gebr. Fahr Gelsenki rohen . ... Grttn & Bilfingcr . .. Gummifabrik i'eter . Haid & Neu Hanfwerke Fassen . Harpaner Heddernheim. Kupfer Hoch und Tief . . . , Hoizverkohiang . .. Jnag . . Julius Sichel, Mainz 6 20 1.2 27 1 16 56 29 23 £35 30 4 5~ 4 30 14.5 8 17 1.6 42 9-5 6 80 18 15 1.02 4 15.25 4 10.8 26 12 1 ä 1.2 10.5 h 25 28 10 5 6 60 1-2 15 125 925 4.5 2 12 3.35 72 Xkammg. Kaiscr^iaut. üanrahatte ...... Lochwerke Lederfabrik Spichara Lokomotiven Krauß . Ludwigsh.Walzmahle JIEansfelder Kuxe . . Mainkraft Maschfab. Karlsruhe Maechfabrik Durlach Maschfabr. Grltzner . Hasch. Eßlingen . . . ^ Pokorny Sc Wittek. Moenus Maschinen. . Obernrsel Oleawerke Pfalz. Nahm. Kays t Pinselfabr. Nürnberg Porz.-Steingut Wessel Jtheln Elektra .... Rodberg Batgers-Werke .... Walzwerk Heilbronn .Pchiinck & Co ßchnellpr. Frankent. Schramm Lackfabrik Schuhfabrik Tf*n . . Peilindustrie Wolff . Binalco Stoeekicht Gummi. . ßüdd. Metall-Aktien . Spinnerei Ettlingen . Tellnn Bergbau . . . Trikotweb. Besigheim V erlagsanst .Deutsche Voigt & Häffner . . . Voltohm Kabelwerk . Uhrenfab.Furtwängl. Waggon-Fabr. Fuchs W Qrtt. elek. Gesellsch. Zellstoff Waldhof .. Zement Karlstadt . . Zementw. Heidelberg Zuck erfahr. Wagh» . „ Franken th. „ Heilbronn . „ Offstein. . . „ Stuttgart. . » Bheingau . 30. Ii. 16 31 5^ 19 6 17.75 I 1 Ä 20 3.8 13 4.5 21 23 13 2.3 16 38 40 25-5 2 675 3.2 8 11 19 875 9 11 10 11.5 10 3.12. 23 5 14.5 35 1475 3.9 4 2-3.5 2.5 212 11.2 3.9 13-5 3.25 2 175 10 21 1.8 65 1 3 1.5 6 48 & 14 5 5.8 8^ 8~ 7-625 (Dividendenpapiere und ausländische Anleihen in Billionen Prozent, ani Mark lautende festverzinsliche deutsche Anleihen in Milliarden Prozent.) «US. Säftis Tient >5 ' 3.2 Sä: Bullen, vollfleischige, ausgewachsene, höchste 11 Schlachtwertes 58—63, vollfleischige, jüngere 50 b'' b< 58, mäßig genährte junge u. genährte ältere 40— Kühe und Färsen, vollfleischige, ausgemästet® Kühe, höchsten Schlachtwertes, bis zu 7 Jahr«" °/oS.lchsische Roggen werf-Anloiho n. Ztr 3°/o Sfldd. est wert» bank-Obligationen 3 1 40 30 9 6 S 0«; 'tt C '» s » tcl s m, h. 1t *6i 'tili k Öi ff« N I S ,'tt l t(6 b u ( . h ! ie |?ti y», tt S: f, 's ° St I»