/ WwtUfvvU\ esr len, die die Lügenpropaganda bind gemacht hat, die Augen zu ösftiei*. Dieses Dokument iifrbet sich bei den deutschen Akten und ist eine Er- *tä u g von Evakuierten aus der Cambraier Gegend an die Regierung der Schw.iz über die Zerstörung von Cambrai. Wir lassen dieses Dokument hier im Wort- laut folgen: a) „Die Zerstörung von Städten und Dörfern ist — Urzeit — n cht d^s Welk der Deutschen, sondern der E gläi der. Die E>,glärder sind es, weiche schon seit Mehreren Monaten die Slädte Dono', Can brai, Valen- ciennes mit Bomben überschüttet heben, und die ganz dar kurzem erst Eaudry, Le Cateau, Solesmes, Ors, ^andrecies. Ei,glcsontaine, Le Oue-roy ohne die Nerinaste Rücksichtnahme auf Heb urd Gut und Leben der E i w.'hner dieser Städte und Dörfer beschossen '"beti; zu Hunderten zählen d>e To'en unter der E n- ^>chnerschast dieser Gegend. Dia Evaluation der von Engländern beschossenen Städte und Dörfer durch d>e Derschen ist die Tat eines zivilisierten Volkes; sie !lt ein Akt der Mensch'ichkeit. Die E1 wohner von ^ttinbioi heben ihre Evakuierung als eine Erlösung ^Mpsunden. Die letzten E i wchner Cambrais flohen der Stadt vor ätzenden chnt hatten; das Bombardement von Caudry wir derart heftig, des; Eil rvohner te ; weife vor Schrecken Mtcr.ben sind. — In den Stichen von Le Cateau lauerten englische Fngzeuge mit Maschinengewehren Unter d : e erschreckt flüchtenden E , wehner: n, d die Wen F ttchtlinge sahen mit Entsetzen Brö, de in der aufflammen, die durch die englische Beschießung Mit Brandgranaten hervorgerufen rn ieit. . Man muß dem deutschen Heere Gerechtigkeit w'der- Mhren lassen, das !n selbstentsagender Weise der Be- Merung zum Abtransport der Alten, Kraben und Windei und ihres Gepäcks Wagen zur Verfügung stellte, . *) Süddeutsche Monatshefte, München. Dezember- veft. den geistigen Arbeiter. Daß es Arbeit in tau- senderlei Gestalten gibt, die jede gleich wichtig für das Ganze ist, das weiß nur das Bienenvolk. Wie konnte das kommen, wie durfte das sein? Wird der gemeinsame Gedanke, der über allem steht, die Vernunft der Biene, nicht mehr in uns leben? Und was geschieht dann? — Wir werden auseinanderfallen. Jeder Feind wird die Ober- Hand über uns haben: der innere und äußere; jede Raubbiene, jede Motte, jede Maus, jeder Totenkopfschwärmer. Kein Segen wird mehr auf unserer Arbeit sein. Denn sie ist eigen- nützig. Es gibt noch einen Retter. Aber sein Trank ist Lauge, und seine Arznei ist bitter wie Wer- mut. Der Hunger klopft an unsere Tür. Hun- derttausende wertvoller deutscher Menschen wer- den diesen Winter nicht überleben, wenn wir nicht zu der kleinen Weisheit der Biene zurück- kehren. Die Not muß uns zusammenschweißen, zu diesem großen Volk, das wir sein könnten, wenn wir wollten. Wenn der Mittelstand stirbt, so können die anderen Schichten nicht leben. Reißt aus dem Bienenstock die Arbeiter, oder die Drohnen, oder die Wehrbienen, die Kitterinnen, oder die Königin — einen einzigen Teil —, so geht der ganze Stock zugrunde! Nur in der Ein- heit lebt der Bien, das deutsche Volk. Hört, ihr Männer der Arbeit, deS Geistes und der Hand! Eine Notgemeinschnft des Volkes rettet uns. Lernet euch verstehen, wachset zu einander, habet Achtung einer vor dem anderen. — Wer dies erkennt, der gebe einen Teil seiner Kraft — seines Geldes, seiner Zeit, seiner Ar- beit dem anderen, der am Untergehen ist. Dann werden wir alle leben und reifen zn dem georö- neten Volksstaat, der in sich selber gefestigr und stark ist. ohne fremde Hilfe. Em Sensakwnsprozetz. Von Peter Scher. Die Einwohnerschaft von Snarrbugqe war in heller Aufregung. So hatte Frau Oberzollamtsassifteut Klabbe also wirklich die Beleidigungsklage gegen Kapi- tän Södstrup angestrengt! Gewiß, es war in der letzten Zeit manches gemunkelt worden und Kapitän Södstrup verdiente für sein unbotmäßi- ges Gebaren vielleicht einen kleinen Dämpfer Es konnte aber doch andererseits auch nicht ge- leugnet werden, daß Södstrup — als ehemaliger Kapitän eines Lloyddampfers — ein Mann der Reputation war, der sich bei einem großen Teil der Bürgerschaft aufrichtiger Sympathien er- freute. Indessen: mochte er immerhin zusehen, wie er sich aus der Patsche half, in die er sich durch sein ungestümes Wesen selber gebracht hatte! Er war ja schließlich MannS genug. Ueber die Vorgeschichte des Ereignisses war durch hinreichende Bekundung der Beteiligten so viel an die Oeffentlichkeit gedrungen, daß die Intelligenz von Snarrbugge in der Lage war, sich während der unangenehmen Wartezeit bis zum ersten Termin genügend mit dem Vorfall zu befassen. Wie war der Tatbestand gewesen? Kapitän Södstrup, der. wie man wußte, aus Mangel an Beschäftigung gern krakehlte. war schon einmal mit Oberzollamtsassistent Klabbe im Stadtrat aneinander geraten, weil Södstrup, der natürlich der äußersten Linken angehörte, die Kiesbeschotterung der Gänsestiege durch- drücken wollte, wogegen Klabbe, der auf dem rechten Flügel saß, erregt opponiert hatte. Von die selbst w'ederum ihrer militärischen Bestimmung entzogen worden w ren: man mrß außerdem den deutschen Behörden Gerechtigkeit m verfahren lassen, die in den Grenzen des Möglichen Lebensmittel unter die Evakuierten verteilt und sich der Kranken sorgend angenommen haben." b) „Wir, die E i wohner der evakuierten Gebiete, verlangen, deß die Zerstörung aufhört und daß das Unglück, das uns betroffen hat, nicht auch noch weiteren E,> rozhnern zustößt; m'r bitten darum, dc ß die neu- tralen Staaten sich mitleidig der besetzten Gebiete an- nehmen und sich gemeinsam darum bemühen, daß dem Zerstörung!w'?k in unserem Land, das von den Folgen des deutschen E'nfalls b'xher verschont geblieben mar, E „halt geboten wird. Es kann nicht oft genug w cder- holt w den i Unsere Städte röhren vorher zum größten Tnl m b'schöd'gt geblieben, und die durch den deutschen Einmarsch >n Carnlnai, Douai. Valenciennes iisw verursachten Schäden besagen nichts im Vergleich zu den Zerstörungen, die durch die englischen Beschießungen angerichtet worden sind. Den 19. Oktober 191S. Evakuierte aus der Cambraier Gegend." ..Die eben angeführten Tatsachen sind von den meisten Evakuierten aus den Städten Cainbrai, Caudry, Le Cateau usw. ausgesprochen worden. Eine genaue Untersuchung durch eine streng neutrale Kommission roinde ihre unbedingte R'chligkeit dartun und die sehn- lichstcn Wünsche der EI, wohnerschast der evakuierten ryrd besetzten Gebiete ans Tageslicht bringen. Diese Denkschrift ist aus freien Stücken verfaßt wo:den im Anschluß an die Lektüre der Note des Präsi- denten 3B ! 'jon und unter dem gleichzeitigen Eindruck häufiger Rücksprachen mit zahlreichen Evakuierten. gez. Unterschrift." So die Einwohner ans der Cambraier Gegend über das Vorgehen der alliierten Truppen! Mir wollen dieser flammenden Anklage der französischen Einwohner- schast gegen ihre eigenen und verbündeten Truppen die amtlichen, in den Kriegsakten enthaltenen deutschen Feststellungen riber die Beschießung von Cambrai folgen lassen. Die planmäßige Besehießung der Stadt setzte, nachdem zahlreiche Fliegerangriffe vorangegangen wiren, im Herbst 1918 ein. 8.9. morgens Fernfener und Bornben; 9.9. morgens Einzelfeuer schwerer Ka- I ber; 10.9. morgens Einzelfeuer schwerer Kaliber; 11.9. morgens einzelne Schüsse, in der Nacht vom diesem Vorkommnis datierte die stadtbekannte Verstimmung zwischen den beiden angesehenen Männern. Da geschah es eines Tages, daß Kapitän Söd- ftrup. auf einem Spaziergang begriffen, um eine Wegbiegung schwenkte und plötzlich hinter einer weiblichen Person stand, die sich eben bückte, um ciu aufgegangenes Schuhband festzuknüpfen. In dieser Stellung präsentierte sich de untere Rük- kenpartie der Dame so herausfordernd, daß der Kapitän seine Hand plötzlich wie von magischen Gewalten ergriffen und mit kräftiger Bewegung gegen die zutage tretende Rundung hingeschwnn- gen fühlte. Das heißt: so schilderte es Södstrup, ohne jedoch selbst bei seinen treuesten Anhängern un- eingeschränkten Glauben zn finden! Genug: die Dame fuhr mit einem Schrei empor und wer beschreibt Södstrups Verblüffung — immer nach der Schilderung des Kapitäns! — als er in der Dame die Gattin seines Widersachers Klabbe erkannte! Nach der Darstellung der beleidigten Dame erschien der Vorgang iedc«! wesentlich anders und für Södstrup nicht unerheblich belastend. Denn wie Frau Klabbe bezeugte, war Södstrup bei seiner Biegung um die Ecke so weit seitlich geschwenkt, daß er sie unbedingt erkennen mußte, und sie wollte es auf ihren Eid nehmen, daß der Kapitän zunächst ein kurzes höhnisches Auf- lachen von sich gegeben und dann erst die Sand zur Attacke erhoben hatte. Es läßt sich denken, daß die Verschiedenheit die- ser Darstellung alsbald Anlaß zu Parteispal- tungen gab. Um Södstrup scharte sich die ge- samte Linke des Stadtkollegiums und die Mehr- heit jener aufsässigen Elemente, deren es in jedem Gemeinwesen nur zu viele gibt. Für das Ehepaar Klabbe agitierte daacgen die Rechte und das Zentrum unter werktätiger Hilfe des Donnerstagskränzchens. iwm sogar einige Da- men der Linken angehörten. So lagen die Dinge, als es bekannt wurde, daß die Klage allen Ernstes anhängig gemacht nnd ein Termin bereits festgesetzt sei. Immer- hin hatte diese Zuspitzung des Konfliktes ein Gutes für sich: die Aussicht auf den gemeinsamen Genuß des bevorstehenden Sensationsprozesses wirkte besänftigend und überbrückte die Kluft zwischen den Parteien —. so weit die Leidenschaft es irgend zuließ. . . . Am Tage des Gerichts war der Zuhörerraum des Saales bis zum letzten Platz mit erhitzten Anhängern beider Parteien gefüllt. Links vor der Schranke saß Frau Klabbe mit dem Oberzollamtsassistenten, der als Nebenklä- ger zugelassen war. Rechts von ihnen — in ge- nügender Entfernung — thronte Kapitän Södstrup feierlich anf seinem Stuhl. Beide Parteien maßen einander von Zeit zu Zeit mit empfindfam-überlegenen Blicken, wobei es gleichwohl geschah, daß Frau Klabbe einmal vernehmlich ansschnnpfte und von ihrem Gatten, mit einem Seitenblick nach den Zuhörern, zu angemessener Haltung ermahnt werden mußte. Als der Gerichtsbeschluß verlesen und die Per- sonalien festgestellt wurden, erlitten die Anhän- ger Södstrups einen peinlichen Denkzettel, in- dem sich herausstellte, daß der Kapitän vor fünf- undzwanzig Jahren bereits einmal wegen tät- licher Beleidigung eines Untergebenen mit zwanzig Mark Geldstrafe belegt worden war. Herr und Frau Klabbe sahen sich bei dieser Fest- stellung bedeutungsvoll an und ihre Anhänger im Publikum warfen hämische Blicke auf die Södstrnpianer. Der Vorsitzende regte nun pflichtgemäß einen Vergleich an. aber das Ehepaar Klabbe lehnte eine gütliche Einigung schroff ab, und Södstrup, durch diesen Ton gereizt, gebürdete sich so ver- 11./12. Fernfeuer; 12. 9. Fernfeuer schwerer Kaliber; 13.9. vormittags ewige Schüsse, ebenso am Vormittag des 16.; 16.9. abends 10 Schuß; 17.9. morgens 25 Schuß und 10 Fliegerbomben; 17.9. abends 16 Schuß mittleren Kalibers; 18. 9. morgens 40 Schuß mittleren Kalibers; 19. 9. morgens 60 Schuß mittleren Kal'bers; 20.9. Fernfeuer und am Abend desselben Tages 23 Schuß mittleren Kalibers; 21.9. morgens 44 Schuß mittleren Kalibers und sechs Bomben; abends 41 Schuß mittleren Kalibers auf den westlichen und Nordwest- lichen Stadtteil; 22.9. 36 Schnß mittleren Kalibers, abends 29 Schuß; 23.9. früh 48 Schnß mittleren Kalibers, abends 13; 24.9. 45 Schuß, fünf Bomben, abends 12 Schuß; 25. 9. 24 Schuß, abends 15; 26. 9. Fernfener und zahlreiche Bomben, außerdem 14 Schuß mittleren Kalibers; 27.9. 24 Schuß; 28-9. morgens Störungsfeuer; 29. 9. Fernfeuer mit Gas und Bomben; 30. 9. stärkstes Feuer; 1. und 3.10. weder starkes Feuer, das am 4.10. zu Dauerfeuer winde, wobei die Stadt in Brand geriet und der Marktplatz mit Brandgranaten beschossen wurde; 6.10. starker Beschuß, mittags und abends, ebenso 7. und 8.10. mittags Beschuß schwerer Artillerie und Minen, wobei der Turm der Kathedrale einen Volltreffer erhielt. Mittags Dauerfeuer, auch Brandgranaten. An diesem Tage wurde auch das Renaissancerathans durch Volltreffer zerstört. 8.10. wurde die Stadt von den Deutschen geräumt. Diese aktenmäßigen Auszeichnungen der deutschen Kommandobehörden bestätigen also ebenso wie die Aussagen der Einwohner einwandfrei, daß Cämbrai durch die feindliche Artillerie zerstört wurde. Trotzdem wurde und wird auch heute noch aus propagi^'stischen nnd politischen Gründen die Schuld an der Z«rstörung der Stadt stets den Deutschen in die Schuhe geschoben. Se'bst amtliche Stellen und Persönlichkeiten der Alli- ierteii haben sich zu diesem Zwecke nicht gescheut, be- wüßt das Gegenteil der Tatsachen zu behaupten. * Moderne französische Gerechtigkeit. Durch die Presse ging vor kurzem die Naä)richt, daß der kommandierende General des I. französischen Armeekorps in Lille Haftbefehl gegen den deutschen General- major Gloß erlassen habe. General Gloß steht auf der Anslieferungsliste und ist angeschuldigt, als Komman- dant in Cambrai und an anderen Orten des besetzten Gebietes unmenschliche Barbareien gegen die franzö- sische Bevölkerung begangen zu haben. Es ist selbststockt, daß zur Freude des Publikums in die Verhandlung eingetreten werden mußte. Die beiden Schöffen, Schneidermeister Rübe- zahl und Buchhalter Löffler, hielten grüblerisch nnd verlegen den bewundern^» Blicken ihrer Mitbürger stand: aber es war ihnen anzumer- ken, daß sie hinsichtlich etwaiger Voreingeuom- menheit für die eine oder andere Partei mit ihrem Gewissen peinliche Abrechnung hielten. Auf Ersuchen des Vorsitzenden schilderte Frau Klabbe den Vorgang. Bei den Worten: „Herr Södstrnp muß mich unbedingt erkannt haben!" fuhr der Kapitän auf und rief hitzig: „Keine Ah- nung, meine Beste!" was bei den Södstrupia- nern ein Murmeln der Bewunderung auslöste. Sogleich erhob sich der Oberzollamtsassistent und sagte, vor Erregung bebend: „Herr Vor- sitzender, ich bitte, meine Gattin in Schutz zu nehmen!" „Ruhe!" rief der Vorsitzende in den Saal, „ich bitte doch um Ruhe!" Nachdem Frau Klabbe sich erschöpft gefetzt hatte und von ihrem Gatten beschwichtigt worden war, kam der Kapitän an die Reihe. Er schilderte den Vorgang auf seine Art und schloß mit den Worten: „Ich habe die Dame keines- wegs erkannt und behaupte, daß ich unter einem unwiderstehlichen Zwang gehandelt habe! Ja- wohl: un—wi—der—steh—lichen Zwang," wiederholte er mit zärtlicher Betonung teder Silbe. Sein Auftreten war hierbei so männlich und geradezu, daß seine Anhänger Beifall murmel- ten und die Gegenpartei mit höhnischen Blicken nicht verschonten. Der Vorsitzende kaute an seinem Schnurrbart. „Hm," sagte er grübelnd und wendete sich zu Frau Klabbe: „Bitte, Frau Klabbe, wollen Sie dem Gerichtshof einmal die Stellung vormachen, in der Sic vor Herrn Södstrnp standen." Herr Klabbe rnnzelte"die Stirn. Frau Klabbe erhob sich errötend und beugte, mit dem Gesicht gegen den Gerichtshof, ihren üppigen Körper leicht vorüber. ^ „Nein, bitte umgekehrt," sagte der Vorsitzende freundlich, — „so, danke schön. Frau Klabbe. . . . war es so, Herr Södstrup?" „Tiefer," sagte Södstrup ingrimmig, „viel tiefer!" Frau Klabbe beugte sich fast bis zur Erde. „Hm," sagte der Vorsitzende wieder und sah die Schöffen an. Schneidermeister Rübezahl hatte sich etwas vom Stuhl erhoben und Buchhalter LiMler reckte ebenfalls den Hals —, beiden aber war instinktiv die rechte Hand, wie zum Schlag bereit, emporgekahren. „Es ist gut. ich danke sehr, Frau Klabbe." sagte der Vorsitzende befriedigt, und zu den Schöffen gewendet: „Ich denke, wir sind uns jetzt im Klaren, meine Herren!" Die Schöffen sahen sich betroffen an. Es folgten nun noch einige belanglose Fragen und da auch der Amtsanwalt keinen wesentlichen Einwand erhob, zog sich das Gericht zur Bera- tuug zurück. Unter atemloser Spannung der Parteien ver- gingen zwanzig Minuten. Endlich trat der Ge- richtshof wieder ein und der Vorsitzende verlas das Urteil. Kapitän Södstrup wurde unter Zubilligung mildernder Umstände zu zweihundert Mark Geldstrafe, im Nichtbeitreibungsfalle einem Tag Haft verurteilt. Das Gericht gab einesteils die Möglichkeit zu, daß Södstrup unter einem un- widerstehlichen Zwange gehandelt haben könnte, machte aber andererseits doch geltend, daß, wenn auch nicht die Absicht der Beleidigung vorgelegen habe, dennoch zweifellos eine Kränkung vor- liege, die indessen milde Beurteilung verdiene und durch die erwähnte Strafe als hinreichend gesühnt zu erachten sei. verständlich, daß die Gerichtshoheit eines französischen Kriegsgerichtes über einen deutschen General nicht an- erkannt werden kann. Auf Grund zuverlässigen Materials kann ferner gesagt werden, daß es sich hier um eine jener unerhörten französischen Justizkomödien handelt, die sich würdig den bisherigen Coniumacial-Prozessen anreiht. In der richtigen Erkenntnis, daß schnelles Handeln geboten ist, wenn es sich um die Abwehr von Angriffen gegen unseren guten deutschen Namen nnd gegen die Soldatenehre handelt, hatte General Gloß schon im Jahre 1919, sofort nach Bekanntwerden der Ausliefe- rungsliste eine eingehe, de Untersuchung des Falles in die Wege geleitet. Zahlreiche Zeugen' wurden eidlich vor Gericht vernommen, und alle stellten fest, daß die gegen den General erhobenen Anschnld'igungen oifen- sichtlich anf rachsüchtigen Verleumdungen beruhten. Bezeichnend für die Qualität der Anklagen sind die Funksprüche, die aus Lyon am 15. Oktober Und 4. De- zeinber 1918 „an alle" abgesandt wnrden. Es heißt in ihnen: „ die deutschen Vandalen haben Cambrai ohne militärische Notwendigkeit unterminiert, in Brand gesteckt und zerstört Die Stadt hat schwer ge- litten, infolge des teutonischen Gedankengang es, Schlechtes zn tun aus reiner Freude am Schlach- ten. Die E', wchner winden ans der Stadt gejagt,'damit sie nicht |eheii sollten, wie die deutschen Soldaten und Offiziere plünderten (!)" Wie schon so oft, hat die französische Anklage hier einen Mann getroffen, der sich durch sein ritterliches Verhalten den Dank der französischen Zivilbevölkerring in besonderem Maße verdient hatte. Mit größter Energie hat er die Brände bekämpft, die infolge der andauernden Be- schießung durch englische Artillerie und Flieger in Cambrai wüteten, und er hat alle nur erdenklichen Maß- nahmen getroffen, um den Abtransport der Einwohner die auf höheren Befehl zu ihrer eigenen Rettung die Stadt verlassen sollten, durchzuführen. Während der Evakuierung wurden Truppen unter verschiedenen, selbständigen Ko,„Mandanten nach Cambrai verlegt mii dem besonderen Austrage, die Stadt- und Militärpolizei zur Ansrechterhaltung der Ordnung mit allen Mitteln zu unterstützen. Die Kommandantur des Generals Glos hat dann Calnbra' ani 28. September 191? — etwa < ch Tage vor der E nnahme der Stadt durch die Eng- läi.der — verlassen. Wie der französische Bürger,„eiste, Demolon in einer Niederschrift vom 10. Oktober 1916 ausd;ück>'ch bestätigt, hat sich d'e deutsche Militäibehörd« in Can brai durchaus korrekt benommen und alles zu, Rettung der Bewohner Nötige getan. Nr. 16. Seite 8 Karlsruher Tagblatt. Mittwoch, den 17. Januar 1928 Zweites Blatt Di« 5eitftt,nna des d„r6>s«bn!ttllchen Jahres- ar^eitsve-dienstes land- und !orstwt»ti«l,af«» liche» «rueiter betr. Mit Entschlievuna Seö bad. Obcrvcrficherunas amts Karlsruhe vom 22. Dezember Rr 1384 wird ' 'WMWl 1 WWW» land Set ... .. .»>. MW stchcrungsumts KarlSrubc mitWirknns vomt.Mcirz 192a wie folar neu bestimmt: a) liir in S nn li che Personen: über LI Jahre ,40 am.« von ,«-21 Jahren 110 000 M von 14-10 Jahren 76 tino -« Kiuöcr unter 14 Jahren 12000 J b) für weibliche Personen: über 21 Jahcc von Iii-21 Jahren 72i>»0^ von >4—10 Jahren 48000 M Kinder unter M Jahren 12 000 Jl Karlbruhe, den 10 Januar 1928 O.-Z. 5. Vad. «e.irtsamt. — Äersickorunasantt. Zagdverpachtiing. SBnd. Forstamt Bforöveim verpachtet am Montag, de» ii Jan. 1923. nachmitt'gs 2 Uhr, auf dem Seeltaitic im K> a a s n i d) i ? » bei -Jiforjticim das Jaadrechr ans der «^cmarkunci vaaenschleh in 3 Jagd» disirikten und zwar Distrikt: l. nördlich der xrurmt>ergerstrahe mit etwa 140b» ftclb und 696 ha Waid, zusammen s86 hi. U. zwischen Wurmbcrgcr« nndalten Tiesenbronner- straiic mit rund 1142 ha Wala, m. südlich der alte» Tieienbronnerstrabe u. Würm- tallandstratze mit «04 da. Pachtbedingungen liegen aus dem Forstamte »ur Einsicht offen. r Kollektiv - Russteilung Maler Karl Brutzer und Albert Schneller zurzeit Ausstellung im Kunstvereini Waldstraße Z. »««WM» Karlsruhe Wir bitten, die noch nicht nbaeholten Markenbücher sofort an unserer Kliffe Noonstrahe S8 in Emvsana nehmen bezw, genen die alten umtausten zu lassen. Wir bcme.ken ansdriickiich, daß der in den nächsten Tagen zur Verteilung kommende Januar-Zucker nur gegen Vorzeigung der neuen Markenbücher abgegeben werden kann. Der Vorstand. G RA r»M/JS WJE R K^rATTJE^V ■ M.JB.H. VORM. L. GLOCKJVER LITHOP" A P "zcHE DR WCKER£I ^T AN3talt KUPFEBAUt0 7V f' EN STR | «H« T2Un Xofcfi» uni fotgrfnlltge ^uefufjtunfl fcimllicijcr Arfectbn. furßchöticn.J/tiiiuotriiijtianoclj (ÖctDcrtc un& private AünfUcrifclje Ü'nitoürfi! au« eigener EDctkftälhj rRuebratteiiin und f^o|b?riarv J (cfjtägo co er Aon auf Ounfcl) beceiin>illiq©t Dorgclegt Wäschestoffe Cretonne, Renforc6, Mahko-Baftist etc. zu vorteilhaften Preisen. A. 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Sie haben nun mal nicht das Äeua zu einem Detektiv, was ja sicherlich keinen mora- lischen Mansiei bedeutet." „Und weiter? Sie fanden I>hre Vermutung bestätigt?" . ,^>a. Mit jedem meiner Besuche festigte sich »n mir ö-e Ne-berzcnaung, daß da irgendwelche Zu- sammenhänge beständet!, Wer deren i)iatitr ich natürlich zunächst noch nicht ins Klare kommen konnte. Denn ich muhte sehr liehntsam vorgehen, um nicht durch meine Wißbegierde den Argwohn des Aliannes M erregen. Daß er eines Tages reden würde, wuHte ich. Ich fciS, datz er etwas mit sich herumtrug, was ihn schwer bedrückte, und daß er keinen Menschen hatte, mit dem er sich darüber aussprechen konnte. Bei solchen Leu- teu bedarf es meist nur eines geschickten Anstohes zur rechten Zeit, um sie überfließen zu lassen. Ich bemühte mich also lediglich, sein Vertrauen AU gewinnen, und heute erhielt ich den Beweis, öuß es mir gelang. Wir hatten ganz allgemein von Frauen unS Zranenkiebe gesprochen, da begann er plötzlich von seinen eigenen Erfahrungen mit dem weiblichen Geschlechte zu erzählen. Was er sagte, war ein begeisterter Hymnus, nicht ans Krau Hala Stablewska, sondern — wenir ich mich so ausdrücke» darf — auf ihre Vorgängerin. Ties Mädchen scheint sich in Wahrheit bis zur böMen Telbstverleugnnng für ihn geopfert zu haben. Sic teilte nicht nur ihm zuliebe seine revolutionären Ideen, sondern sie zerschnitt um seinetwillen alle Bande, die fte mit dem Elternhanse und mit der anständigen Gesellschaft ver- knüpften. Er batte ihr angeboten, sie zu Heira- ten, aber fte lehnte es ab, weil er. wie sie meinte, einzig seiner großen Sache angehören solle. Das war natürlich eine Ue>bcrspanntheit! aber sie ge- reicht ihr z.ur Ehr. denn dieser Dr. Basar off ist ein Millionär, und er war klug genug, das von seinem Vater ererbte Vermögen nicl>t in Ruß- land zu belassen, sondern rechtzeitig bei deutschen Banken anzulegen." «Sehr schön — aber das Mädchen, von dem Sie da reden, hat für uns doch nicht >daS mindeste Interesse." „Meinen Sie? Ich bin darüber anderer Ansicht. Tenn eS war dasselbe, daS unter dem Na- inen Hilde Worncr vor so und so viel Wichen dem Dolch eines Meuchelmörders zum Opfer fiel." „AH — rsl es möglich? Und auch das Hat Dr. Basaroff Ihnen gesagt?" „Nicht so ohne weiteres. Er erzählte mir nnr, daß er die selbstlose Freundin, deren Namen er nicht nannte, eines Tages, als dringende Gründe ihn zu dem Wagnis einer Rückkehr nach Rußland zwangen, in der Schweiz zurücklassen mußte. Sie durfte iHn nicht begleiten, weil sie längst geächtet war und beim lieberschreiten der Grenze sofort ins Gefängnis geworfen worden ,viire. Nun traf dies Schicksal wenigstens ihn allein. Er wurde trotz eines falschen Passes er- könnt, verhaftet und ahne Prozeß nach Sibirien verschickt. Seinen Freunden gelang es, eine Aiachricht davon an das Mädchen gelangen zu lassen, und ihre hingebende Liebe zeigte sich nun iui glänzendsten Lichte. Sie beschloß, den Mann, an dem iie offenbar mit allen Stofeni ihres Herzens hing, um jeden Preis zu befreien, wäre es auch um den Preis ihres eigenen Lebens. Aber sie mußte sich gefälschte oder fremde Legitimationspapiere uerschaslfen, um die Grenze über- schreiten zu können, und es gelang ihr, eine Freundin zur Hergäbe iHreS NamenS zu bewegen. Fangen Sie nun endlich an, die Zusam- menhänge zn verstehen?" „Ja. Diese törichte Freundin war Hilde." Dr. Meußi nickte. „Und nicht nnr um eine Hergäbe von Papie- ren handelte es sich, sondern die beiden Mädchen hielten es znr Erreichung ihres Ameckes für notwendig, einen richtigen NamenStausch vorzu- nehmen. Um die Täuschung ungefährdet durch- führen AU können, mußte Hilde WSrner natürlich ihren bisherigen Aufenthaltsort verlassen und sich irgcndwcÄin flüchten, wo eine Entdeckung nicht so leicht .zu befürchten war. Basar vis selbst weiß nicht, was aus ihr geworden ist. Er hörte nur, daß sie eine Stellung als Gesellschafterin auf einem österreichischen Landsitz angenommen habe. Selbstverständlich unter dem eingetauich- ten Nanien, den wir ja nun glücklicherweise kennen." „Es ist der, den Sie vorhin genannt? Chry sander, wenn ich nicht irre?" „Snlvander — Elm ine Sylvander. Ich hatte ihn in Zürich als den der Freundin erfahren, von der sie angeblich ganz unzertrennlich ge- wesen war. Und da ich unbedingt l^ewißheit haben mußte, ließ ich ihn im Verlauf meiner Unterredung mit Basaroff fallen. Der erste Eindruck ans ihn war natürlich der einer gewaltigen Bestürzung: aber ich hatte mich im stillen bereits auf eine plausible Erklärung vorbereitet, und er war in seinen vertraulichen Mitteilungen auch schon zu weit gegangen, als daß es anf die Preisgabe dieses letzten Geheimnisses noch son- derlich angekommen wäre. Er bestätigte also, daß diese Elwine Snlvander seine Freundin i?e- wesen sei. die Tochter eines kurländischen Geistlichen, die ihrem Vater entflohen war, um tf:» 1 zu folgen. Unter dem falschen Namen Hilde Wörner kam sie unangefochten nach Rußland' und mit Hilfe der reichen Geldmittel, über die er ihr freie Verfügung eingeräumt hatte, wußte sie das Befreiungswerk durchzusetzen." 'Aber jene Hilde Wörner war erst rwr Ia>'ireZ° srist aus BtoSkau nach Deutschland gekommen- Und Vasavofs lebt seit Jahren in Wien. Hatte sie ihn denn nicht begleitet?" ./Sie haben eben den Roman des Dr. Bas«' roff noch nicht zu Ende geyört. Seine Befreien" mußte aus Gründen, über die er mich nicht anN geklärt -hat, zunächst in Rußland zurückblelÄe»- Und als sie ihm hätte folgen können, weigerte sie sich, es zu luu. Denn sie hatte erfahren, da? sich ihr Freund inzwischen in den Netze» eiyes anderen Weibes verstrickt hatte." ,^n den Netzen der Krau Stablewska?" Der Tetektiv nickte. „Er war dem Zauber ihrer schönen Augen er' legen, und sie ließ ihn nicht mehr loS. Als die tödlich gekränkte Elwine Syioander ihm um die' seS schnöden Undanks willen die Freurdsch^ aufkündigte, mag er gar nicht ernstlich versu«' haben, sie zn versöhnen. Die reizende Polin.' 1 ; eben e>ine von jenen Frauen, die sich nicht leial» wieder entreißen lassen, was sie einmal in de» Händen halten." . „Und doch liebt sie ihn gar nicht," entfuhr ^ dem Sänger halb gegen seinen Willen. „2 tC empfindet die Fesseln, mit denen sie an den kran^ ken Adann geschmiedet ist. wie eine drückende Last." . „Di« Millionen aber, mit denen sie rechn.^ wird sie schwerlich als solche Last empfinden, llw die n«ar es ihr mvhl von Anfang an allein tun." tFortsetznilg folgt.1