w . »MttflSwelfl: fc.5 arlsrulie: in tttt» g£ Geschastöstelle und in 5*fen Ausaabettellen ab- monatlich Jl 3800.—, Iis /?9 u8 «eliefert Monat' » ^4000.—; fct» 6 ü" ä r t 8 : durch UN ji Aaenturen fcewner f,Ä-; durch die Pott ?s.~ aaffi'-"" ^»Wactfattöfaoteiä: 150 Jl Schristleitnug nnd «T'-Kaiisktelle Ritierttrahe L »"hdicrffoiiio Rr. 9547 ttarlsrnhe. Karlsruher Tagbla »mew«»: die Bftefp. Nonvarelllezeile oder deren Raum Jl 350.—: auswärts , Jl 420.—: sta- millenan,einen und Stellen- ackuche .U 200.—; Reklame- seile ^1100.—: an erster Stelle Jl 1200.—. Rabati na ch Tarif. Anzeia.-Annakime b. 3 Ubr mittags: kleinere Anzeigen spätesten» bis S Ubr nachm. KernlmechanfKlüsse: Nr. SV«. erlag Nr. 21 nnd 297. Schrijtleiwn« Nr. 20 vauvtickrittlciter Nr. 19. Badische Morgenzeitung Mit der Wochenschrist „Die Pyramide" Vadische Morgenpost »Wirtschafts- und Handelszeitung" / .Turn- und Sp ort-Ieitung" «Anterhaltungsbeilage"^ »Literaturbeilage- ^ «Für die Frauen" ^«Wandern und Reifen" ^„Die Scholle" Hbelredakteur: Hermann ? Voer. Verantwortlich »ür Politik: Fritz E b r h a r d , ffli den wirtschaftlichen, badischen und lokalen Teil: Heiniich Verdarbt: für das Feuilleton: Hermann Nelck: kür die .Poramlde" Karl "°bo: sür Inserate: Heinrich Schriever, iämtliche in Karlsruh. Druck und Verlag C F. Miiller, Karlsruhe, Ritterstr. l Berlin r Redaktion vr, Richard I ti a l e i, Berlin-Lankwib. Mozarts»r. S7. Telephon-Zentrum 428. ^ Für unverlangte Manuskripte oder Drucksachen übernimmt die Redaktion keine Verantwortung. Rücksendung ersolgt, wenn Porto beigesügt ist. Sprechstunde der Redaktion: 11—12 Uhr vormittags. 120. Jahrg. Sonntag, den Jl* März 1923 Ott. 69. An neuer Schlag gegen öle Hergwerte geplant Der erste Vorstoß. Köl«, 10. März. lDrahtbericht.) Heute vor- Wittag haben die Franzosen in Gelsenkirchen en ersten Eingriff in ein Jnduftriewerk vor- ^Nommen. Mehrere Offiziere begaben sich in die Werkstätten der Gelsenkirchener Bergwerks- ^ktiengeselllchaft und nahmen dortselbst die Beende an Erzen und Eisen auf. Als die Ar- ^iterschaft in den Streik treten wollte, zogen die '^anzosen wieder ab. Seit heute früh ertönen vier auf sämtlichen Werken die Sirenen als Not- pönale für den Vormarsch der Franzosen. Die Franzosen beabsichtigen, sämtliche Zechen zu be- l°tzen. * Essen. 10. März. lEig. Drahtber.) Alle An- Alchen deuten darauf hin. daß die Franzosen ,' c Beschlagnahme aller Bergwerke vor- .Seiten. Nach glaubwürdigen Mitteilungen soll £ Aktion mit Hilfe von polnischen Arbeitern M 16. März beginnen. Die Franzosen wollen i. £? e Schächte eindringen, um selbst die Koh- Mkörderung zu übernehmen. Die Ingenieur- .Emission ist um 50 Personen verstärkt wor- Heute morgen haben die Franzosen einen ^ten Vorstoß aeaen die Bergwerke unternom- ? ttl - In der Frühe rückten Truppen in Auto- Mobilen gegen die Zeche Consolidation umstellten die Grubeneingänge und das Verwaltungsgebäude der Gelfenkirchener Berg- > ^.rks-A.-G. Die ganze Umgebung wurde ab- x'verrt. Auch Tanks wurden aufgefahren. N? Ingenieurkommission betrat unter dem der Soldaten das Verwaltungsgebäude Md verlangte die Vorlage der Geschäftsbücher M eine Besichtigung der Werke. Als ihnen °>es verweigert wurde, gingen sie hinaus, kehr- alsbald mit großem militärischen Aufgebot ?>eüer und nahmen vier leitende technische und AUfmännifche Beamte fest. Unter militärischer L^ecknna trat dann die Kommission einen ^»ndgang durch das Werk an. Ihre Aufmerk- 'uinkeit richtete sie vor allem auf die Kohlen- Errate. In der Arbeiterschaft war na- Irlich starke Erregung entstanden. Sie sammelten sich auf dem Werkvlatz. der Be- Mbsrat begab sich zu dem französischen Be- '°VIshaber und sei-te es durch, daß die Baionette den Gewehren abgenommen wurden. Als M» der Betriebsrat eine neue Forderung auf Räumung des Werkes mit der Drohung des so- >rtigen Streiks bringen wollte zogen die '"anzosen ab und ließen die Verhafteten frei. keine Rechte der Rheinlandskommission in den Einbruchsgebieten. . t. P a r i s. IN. März. Wie bet ..New Bork 5**010" sich aus London melden läßt, sei das Ergebnis des englischen Protestes gegenüber Frankreich, daß nunmehr die Interalliierte Me>nlandkommission keine Autorität v'et die Gebiete ausüben dürfe, die von t* Franzose» am rechten Rheinnfer be- Jkt seien. Man erfährt, daß die französische ''kgierunft diesem Protest stattgegeben habe, England dargelegt habe, daß diese Macht- /fttftttiffe am rechten Rheinufer eine Verlettnng Verlailler Vertrags seien. Ein weiteres p^n?ösjsches Zugeständnis besteht dar'n. daß "Mische Waren nur insoweit der zehnprazenti- s^, Abgabe unterliegen, als diese von den Bor- ^>sten der deutschen Regierung betroffen Dortmund und Bochum. Berlin, 10. März. Wie die Blätter aus Dort- Mwd melden, ist dort mitgeteilt worden, daß die Qm Samstag früh regelrecht besetzt . "den wird und zwar mit zwei Bataillonen des Züchtigten Jnf.-Reg. Nr. 31. Der Direktor der ^raßenbahn ist von den Franzosen verhaftet t?°rden. weil er sich weigerte, den Befatznngs- Uppen Freisahrtscheine auszustellen. ».Der Wirtschaftskrieg gegen Stadt 3v°ch»m nimmt seinen Fortgang. ahrungsmittelknapvheit in der s die durch die Absperrung des Stadtinnern n der Außenivelt hervorgerufen worden ist, li» j t. sich immer mehr fühlbar. Die Einwoh- lind gezwungen, ihre Lebensmittel in den k.,^orten, oder in den umliegenden Städten zu ^^/en. Die vor etwa 15 Tagen pon französischen bis zur Bewußtlosigkeit mißhandelten st,^nasiasten, sird erst jetzt wieder zu ihren zurückgekehrt. Man hat sie so lange zu- ^»gehalten bis die Spuren der Mißhandlungen ^chwunden waren. > ?^ie die Blätter weiter melden, find t>ie Frau- dort? auch in Gladbach und Witten gegen die "üe Schutzpolizei vorgegangen. Die Verhandlungsfrage. Berlin. 1». März. Zu der Meldung des Pariser „Journal", die Neichsregiernng sei mit der Ausarbeitung eines Reparationsprogramms beschäftigt, das sich im Wesentlichen ans den Borschlag stütze. den Staatssekretär Bergmann der Pariser Konferenz am 2. Januar vorlegen sollte, erfährt die Telegraphen-Union von z u- st ä n d i g er Stelle, daß diese Nachricht unzn- treffend ist. Der Reichskanzler habe in seiner Neichstagsrede deutlich genng erklärt, es sei nicht an Deutschland, im gegenwärtigen Angenblick Vorschläge zu machen. Die deutsche Regierung werde aber jede Gelegenheit zu freie» Verhandlungen, die sich biete, ergreifen. Es ist selbstverständlich, daß die Reparationssrage als solche von den zuständigen Stellen weiter be- arbeitet wird, damit wir im geeigneten Angeu- blick gerüstet dastehen. poincars gegen eine Vermittlung. Paris, 10. März. In der gestrigen Sitzung der Kammerkommission für auswärtige Ange- legenheiten erklärte PoinearS, die Regierung werde keinerlei Vermittlung und k e i- nerlei inöirelkte Verhandlungen an- nehmen. Sobald Deutschland sich über die Lage klar werde, wäre die Regierung bereit, es anzu- hören und alle amtlichen Vorschläge, die Deutsch- land ihr machen werde, prüfen. Frankreich werde die Sicherheiten und Pfänder, die es mit Beschlag belegt halbe, nicht aus der Hand geben. England weicht der Entscheidung aus. Von unser« Berliner Redaktion wird uns ae- drahtet: Nach wochenlangen Verhandlungen, die in London stattfanden, scheint der franzöfifch-eng- lische Kampf um die Benützung der großen Köl- ner Bahnlinie in das Ruhrgebiet durch die Franzosen seinem Ende entgegen zu gehen. Ein Abkommen ist getroffen worden, das in der nächsten Woche von den englischen Ministern beraten und angenommen werden soll. Bekannt- lich hat Frankreich beantragt, daß die in Frage kommende Linie für französische Truppen- und Lebensmitteltransporte freigegeben werden soll. Nach anfänglicher Ablehnung, die besonders von dem kommandierenden englischen General ausging, ließ sich die englische Regierung durch fortgesetztes Drängen von 'Paris her aus Ver- Handlungen ein. Die Dringlichkeit, mit der die Franzosen die Angelegenheit behandelten, ist Beweis dafür, wie sehr die Franzosen die Bahn brauchen, und nicht nur für die Ruhrkoble — darauf haben sie innerlich längst verzichtet —, sondern für die Verpflegung der Truppen. Die mangelhafte Trnppenverpflegung hat nach zuverlässigen Beobachtungen im Ruhrgebiet schon mehrfach zu lebhafter Unruhe unter den Soldaten geführt. Das jetzt erzielte Abkommen ist ein Kompromiß, die Franzosen haben nur einen Teil ihrer Forderungen durchsetzen kvn- nen. Es dürfen täglich zehn französische Militär- züge über die große Kölner Linie fahren. Die Mißstimmung, die sich unverhohlen in der Pa- riser Presse äußert, beweist, daß man mit die- sem Zugeständnis nicht zufrieden ist. Erschwe- rend kommt hinzu, daß nach dem Abkommen die Züge durch die englische Zone von deutschen Eisenbahnern gefahren werden sollen. Man weiß noch nicht, welche Mittel England anwenden will, um die deutschen Eisenbahner auf gütlichem Wege zum Dienst zu veranlassen. Von eng- lisckier Seite ist versichert worden, daß die eng- lischen Behörden keine Gewaltmittel an- wenden wollen, wenn die deutschen Beamten den Dienst anf den französischen Militärzügen ver- weigern. Man darf sehr gespannt sein, wie^sich das englisch-französische Abkommen in die Pra- ris umsetzen wird. Auch die Entwicklung dieser Angelegenheit zeigt, daß die jetzige englische Regierung das Ziel verfolgt, einer klaren Entscheidung nnd nn- zweideutigen Stellungnahme gegenüber der französisch-belaischen Ruhraktion auszuweichen. Man erinnert sich, daß seinerzeit die ersten sran- zösischen Forderungen nach Zugeständnissen in der Benutzung der Eisenbahn von der Lon- doner Presse unfreundlich aufgenommen, und daß die erste gutachtliche Aeußerung des englischen Generals gleichbedeutend mit Ableh- nung war. Bekanntlich wurde ansänglich nicht nur von liberalen, sondern auch von konser- vativen Blättern der Meinung Ausdruck ge- geben, daß die französischen Forderungen für England Anlaß sein könnten, seine Truppen vom Rhein zurückzuziehen. Wie es scheint, hat sich nun die englische Regierung ganz von die- ser Auffassung entfernt. Man ist zu eiuem Kompromiß mit den Franzosen gekommen, um die Entente zu retten. Der Länderraub. Das Thema der Brüsseler Besprechungen. Rom, 10. März. Gelegentlich des bvvorsteheu- den Besuches Poinvares in Brüssel führt die ,,Id«i Nazionale" aus, Frankreich wolle unter nichtigen Vorwänden, wie dem Verlangen nach unerfüllbaren ZaHlungen, das Rheinland und Westfalen endgültig von Deutschland trennen. Hiermit trete die Ruhrpropagauda offiziell in eine neue Phase ein. Da Frankreich und Bel- gien ihre Stellung geändert Hätten, seien Eng- land und Italien gez>wunoen, ebenfalls ihr vis- heriges Verhalten auszugeben, da das Ruhr- Problem keine sranzösisch-belgische Sache, sou- dern eine europäische Angelegenheit sei. Die Franzosen und Belgier sollen nicht glauben, in Brüssel das Rhein- und Rithrproblem eigen- mächtig lösen zu können, während die größten Verbündeten England und Italien abwesend seien. Das Blatt tadelt die zaudernde Haltung Bonar LmvS. Ein Krieg gegen Frankreich sei nicht unbedingt notwendig. Aber selbst einen Krieg brauche England nicht zu fürchten. Schließ- lich fordert das Blatt die eigene Landesregie- rung aus. gewissen Stellen die Illusion zu neh- men, als ob Italien von der Regelung einer sol- chen Frage ausgeschlossen werden könne. Frankfurt, 10. März. Nach einer Pariser De- pesche der „Frkft. Ztg." will das Blatt „Neunork Herald" wissen, daß die Konferenz in erster Linie der Absicht gelte, sich über die gemein- samen Ziele des gegen Deutschland unter- nommenen Wirtschaftskrieges zu einigen und ein M i n d e st p r o g r a m m für eventuelle Ver- Handlungen mit Deutschland auszuarbeiten. Nach dem „Petit Pausten" soll weiterhin ein neuer Plan der Herren Degontte und Eoste zur Verschärfung der Blockade im Ruhr- gebiet diskutiert werden. Nene Todesopfer. Bochum, 9. März. In Essen, Stadtteil Alt- Essen, wurden drei Bürger, die zum Schutze ihres Hauses anf der Straße patrouillierten, von vier französischen Soldaten mit dem ausgepflanzten Seitengewehr bedroht, so daß die Wache die Feuerwehr alarmierte. Als diese eintraf, schob einer der französischen Soldaten anf den ihm zunächst stehenden Feuerwehrmann und tötete ihn durch einen Schuß in die Brnst. Darauf verschwanden die Soldaten. B e r l i n, 10. März. In der Nacht vom 7. auf 8. März wurde nach einer Meldung des „Berl. Tageblatt ans Pirmasens der Kaufmann Eugen Run« mitten in der Nacht mit mehreren Messerstichen im Gesicht und am Kops nnd feiner Uhrkette und Brieftasche beraubt t o t ausgesu«- den. Die Ermittelungen ergaben, daß zwei Marokkaner als Täter in Betracht kommen. Bei einem der Marokkaner wurde die Uhrkette gefunden. Beide wnrden festgenommen nnd ins Amtsgerichtsgesängnis gebracht. Frankfurt. 10. März. Heute «acht gegen lt'A Uhr wurde der 22 Jahre alte Taglöhner Alexander Merz, der zn Fuß von Griesheim herkam, von einem marokkanischen Posten an der hiesigen Mainbrücke dnrch Kops- schnß getötet. Ein französischer Pfarrer als Helfer. Berlin, 10. März. tDrahtber.) Nach einer Essener Meldung wurde die dortige Andreas- kircl»e von einem französischen Feldgeist- l i ch en iu Begleitung eines Dolmetschers nnd eines Soldaten in höherem Auftrage nach Waffen durchsucht. Die Untersuchung »er- lies völlig ergebnislos. Der Geistliche ent- schuldigte sich. Aus feinen Aenßernngen ging hervor .daß zuerst beabsicht war, die Kirche durch ein großes Aufgebot von Soldaten durchsuchen zu lasse». Einer Blättermeldung aus Horst-Emsck>er zu- folge, haben die Franzosen in der dortigen Fort- bildungsschnle wie die Vandalen gehanst. Sie fönten sich sogar nicht, das Kruzifix von der Wand herunterzureißen und zu zertriim- mern. Ein Liter Vollmilch iäglich sür die Hunde der Offiziere. Köln. 10. März. Aus dem Ruhrgebiet wird berichtet, daß nicht nur für den französischen Ossizier drei Liter Vollmilch, sondern auch für jeden französischen Hund ein Liter Vollmilch für den Tag beansprucht wird. Für das deutsche Kind wird ein Liter Magermilch als ausreichend bezeichnet. Mtitt WllWWlII. Von Max Martell. Das französische Kriegsgericht in Mainz ver- urteilte jüngst den Kriminaloberwachtmeister Schönchen von Köln und den Kriminalassistenten Barthold in Essen wegen „Spionage" zu 2 bezw. 254 Iahren Gefängnis. Sie hatten ordnungs- mäßig und dienstlich Meldung solcher Vorgänge an die vorgesetzte Behörde erstattet, deren Be- kanntwerden den Franzosen allerdings nicht an- genehm sein kann. Das ist also während einer Zeitspanne von wenigen Wochen der zweite Fall, in dem deutsche Beamte in Ausübung ihrer Pflicht von den Franzosen verhaftet und ver- urteilt werden, denn die Affäre des Regieruugs- assessors Dr. Prange und des Kriminialkommis- sars Stein, die vor dem Kriegsgericht Wiesbaden verhandelt wurde und mit einer Verurteilung zu 6 und 3 Jahren Gefängnis endete, gehört in die nämliche Kategorie, da auch hier von „Spio- nage" nicht im entferntesten die Rede fein kann. Angesichts solcher Jurisdiktion unter Willkür- licher Dehnung und Ausbeutung des Begriffes „Spionage" dürfte es angezeigt sein, vor aller Ocsfentltchkeit auf Grund unantastbare« Mate- rials zu zeigen, in welchem Umfang und mit welchem Raffinement die Franzosen nicht nur im besetzten, sondern auch im unbesetzten Deutschland wirkliche Spionage treiben, und welche ausgedehnte Organisation sie sich dafür geschaffen haben. Daß sie dabei selbst Vergehen und Verbrechen nicht scheuen, bewies jüngst erst das 5Unostück „Hackenbruch — de Metz — Gellin", das in seinem Endziel nur durch die Wachsani- keit und furchtlose Energie deutscher Männer vereitelt wurde, die bei solcher Tätigkeit aller- dings immer mit einem Fuß schon im sranzösi- schen Kerker stehen, dem sie unrettbar versallen sind, wenn es den erbitterten Feinden gelingt, ihrer habhast zu werden. Und sür diesen Zweck lassen die Franzosen kein Mittel unversucht. Davon weiß jeder ein Lied zu singen, der iu Abwehr gallischer Spionage innerhalb des be- setzten Gebietes seine Haut zu Markte trägt, ohne dafür mehr zu haben als die innere Genugtuung und stolze Befriedigung, seinem deut schen Vaterlande gute Dienste zu leisten. Der französische Spionagedienst im besetzten nnd unbesetzten Teutschland zerfällt in sechs Hauptabteilungen: diplomatische, inner-politische, militärische, technisch-industrielle, wirtschaftliche und Abwehrspionage. Die Zentrale ist in Pa ris im Ministerium des Aeußern. Eine Epe zialabteiluug dieses Ministeriums führt den Na- men Servic? de renseignements (S. R.). In dem Zentralbüro werden alle Spionagcnachrichten gesammelt und an die zuständigen Abteilungen weitergeleitet. Die wichtigste Unterabteilung des S. R. ist der sogenannte See (Secticm Europe centrale). Dieser See hat osfiizell ein Büro iu der Rue de l'Univerfite, in Wirklichkeit jedoch in einem ansehnlichen Haus der Rue Bopaparte in Paris, das von Geheimpolizisten scharf be- wacht wird. Ter Chef ist General de Noel, ihm steht Oberstleutnant Lemonier zur Seite. Als durch die Besetzung der Rheinland« an den See besondere Ausgaben herantraten, wurde in Aachen unter der Bezeichnung C. L. F. (centre de liaison franpais) eine Unterabteilung eingerichtet, die ans einem hundertköpsigen Personal besteht. darunter allein acht sogenannte Adintan- ten für den unmittelbaren Kurierdienst mit Pa- ris. Um auch nach außen hin die Tätigkeit die- ser Beamten zu verschleiern, beziehen sie ihre Gehälter nicht direkt vom See, sondern von anderen Stellen, so z. B. alle Offiziere von der 128. Division in Düren. Der See selbst ist beim Ministerium des Aeußern in Paris etatisiert. Seine Gelder werden unter dem harmlosen Titel „trsis zSnSraux" oder „trat« de repr^Zentation" verrechnet. Dem C. L F. in Aachen stehen etatsmäßig monatlich 300 000 Frcs. zur Verfügung, die aber nach Bedarf auch schon auf 600 000 Frcs. erhöht wurden. Neichen diese Summen nicht aus. so erhält er Gelder aus anderen Fonds oder durch direkte Auftraggeber. Will z. B. eiu französischer Fabrikant deutsche technisck>-industriellc oder sonstige Geheimnisse erfahren, übergibt er den Auftrag dem E. L. F. und zahlt dafür eine bestimmte Summe in dessen Kasse. Alle au», dem besetzten und uubesetzten Deutschland ein- gehenden Nachrichten — seien sie von Spionen, Agenten, Konsulaten, Handels- und Militär- attaches oder von General Nollet in Berlin und seinen Kommissionen, von den verschiedenen Ge- sellschasten zur „friedlichen Durchdringung der besetzten Gebiete" — gehen an den E. L. F. in Aachen und von da an den See in Paris. Das unbesetzte deutsche Spionage- g ebiet ist in 0 norddeutsche und 4 süddeut- sche Bezirke eingeteilt. Die letzteren alie- dern sich in: Nordbayern mit Frankfurt a. M.< Südbayeru. Württemberg mit Hohenzolleru. Baden. Im besetzten Gebiet sind besondere regionale Einteilungen getroffen. Hier arbeitet neben und in Gemeinschaft mit dem C. L. F. noch das A. F. R. (AnnSe fran<;aise du Rhin), denn die Besatzungsarmee unterhält noch ihren eigenen Spionagedienst mit dem Hauptbüro in Mainz, das unmittelbar dem Generalstab zuge- teilt ist und sich in verschiedenen Gebänlichkeiten in Main» befindet. Diese Organisation führt Nr. 69. Seite 2 Karlsruher Tagblatt. Sonntag, den 11. März 1923 Erstes Blatt die Bezeichnung „veuxiöme bureau" mit der Unterabteilung „bureau de contre-espionage" und wird in seiner Tätigkeit unterstützt durch den „Service de »Grete", Sie Geheim- Und Kriminal- Polizei, welche in allen Städten des besetzten Gebietes ihre Zivilbeamten sitzen l>at. Dazu kommt noch ein gewaltiges Netz von Vertrauens- leuten, Spitzeln, Agenten aller Art, politischen Aufwieglern und berufsmäßigen Verbrechern. Sie sich zumeist auS deutschsprechenden Elsaß- Lothringern und aus solchen Elementen rckru- tieren, die sich ursprünglich zur Fremdenlegion anwerben lassen wollten, für diese aber als nicht brauchbar gefunden wurden. Die technische, in- öustrielle und wirtschaftliche Spionage wird durch die ..ceotres 6conomiques", die ihre Berichte ebenfalls an den C. L. in Aachen geben, von wo aus sie an das französische Handels- Ministerium weitergehen, betrieben. An der Spitze des C. L. F. in Aachen stehen die Majore Monges und Merson, Ressortchefs sind die Hauptleute Lorber, Boule und Jaquet. Referent für deutsche Fabrikationsgeheimnisse ist Ingenieur Laforge, Referent für die deutsche Schupo und die politische Polizei ist ein früherer Pariser Polizeibeamter mit Namen Lemie, Süddeutfchland bearbeitet Haupt- mann Marchand. Eine Nebenstelle dieser Abteilung befindet sich in Kehl. Der C. L. F. in Aachen verfügt weiterhin über eine große Zahl von Spezialdezernenten. z. R. für die ein- zelnen politischen Parteien Deutschlands, für Wafsentechnik. Flugzeugwesen. Kohlenförderung. Die Spionage und sonstigen Vorbereitnnqs- arbeiten für die Besetzung des Ruhrgebietes sind dem Major Merson übertragen, dem 600 000 Frcs. zur Beeinflussung der deut- fchen Kommunisten behufs Organi- sation von Putschen usw. zur Bei- fügung gestellt wurden. Er äußerte einmal, diese Summe brauche er bei weitem nicht, denn die K o m m u n i st e n arbeiteten sehr billig für ihn und Frankreich! Diese wenigen aktenmäßigen Angaben, die durch eine Fülle von Einzelheiten und Namen, die einwandfrei und unanfechtbar sind, nötigen- falls kränzt werden können, dürften als Be- weis dafür genügen, welch ein umfangreiches, dichtmaschiges Netz der Spionage Frankreich über das besetzte und unbesetzte Deutschland aus- geworfen hat, wie es weder Mittel noch Geld scheut, um unsere gesamte Tätigkeit des öffent- lichen und privaten Lebens zn überwachen, zu erschweren oder ganz zu unterbinden. Und die- fes selbe Frankreich stellt deutsche Beamte, die pflichtgemäß in Ausübung ihres Berufes diesem französischen Spionagesystem entgegenzutreten suchen, unter Anklage und vor ein Kriegsgericht. Daß die Franzosen sich bei der Spionage unter der deutschen Bevölkerung in der Haupt- sache e l s ä f s i s ch e r und lothringischer Elemente bedienen, dürfte bekannt sein. Sie sprechen deutsch, sind mit deutschen Gewohnheiten und Sitten aus früherer Zeit vertraut und ver- stehen trefflich, diese Kenntnis zum Schaden ihrer einstigen Reichsgenossen zu verwerten. Da viel von ihnen vor 1918 im deutschen Heer dien- ten. wissen sie meist auch dies und das über nn- ser« heutigen militärischen Formationen, wo nicht, pürschen sie sich an alte Regiments- heran u d /.orchen die Ahnungs- losen aus. Leider aber stellen Deutsche die gefährlichsten Spione und Spitzel, die fast allen Klassen und Schichten zuzuzählen sind und für Judaslohn ihr Vaterland und ihre Brüder verraten, verkaufen und ans französische Messer liefern. Nirgendwo im besetzten Gebiet ist man vor ihnen sicher. Besonders nicht in öffentlichen Lokalen, in den Eisenbahnabteilen. Darum Vor- ficht, äußerste Vorsicht bei Gesprächen! Wie diese Elemente gedrillt werden: In Sven er sitzt ein französischer Kriminalist na- mens Martin mit der Svezialaufgabe. Sviizel zu schulen. Einer seiner Instruktionstricks dem loilligen Zögling gegenüber lautet: „Du suchst dir in irgend einer Wirtschaft einen sogenann- ten „S t a m m t i s ch" aus und verkehrst dort regelmäßig. Nach ein paar Taaen fängst du an, über uns Franzosen abfällige Bemerkungen zu machen und gibst genau acht, wer dir zustimmt und mit welchen Worten. Wieder einige Tage später schimpfst du tüchtig auf uns. Von einem unserer Detektive, der sich in dem Lokal aufhält, lasse ich dich nun verhaften. Natürlich nur zum Schein. Nach zwei oder drei Tagen er- scheinst du wieder am Stammtisch und erzählst renommierend, wir hätten dir nichts anhaben können, dich wieder freilassen müssen. Damit hast du das Vertrauen der Leute gewonnen, sie werben dich für einen Mordskerl halten, dir alles sagen, was sie aus dem Herzen haben. Und das meldest du mir sofort. Weiteres findet sich dann. Kür jede „Affäre", die wir „brauchen", erhältst du 1000 Mark." Und der Lumo geht hin uud handelt nach die- ser Weisung. Einzelfall! mögen manche wohl sagen. Durchaus nicht! System, streng ausge- bildet und gleichmäßig überall angewandt. Die französische Spionage teilt nämlich ihre Spitzel und Agenten in folgende Spielarten: 1. Le dupeur; das ist ein Mann,.der eine be- stimmte politische Gesinnung zu heucheln hat. und mit dieser namentlich auf die Arbeiterschaft in der Rolle des Kommunisten, Sozialisten und christlichen Gewerkschaftlers losgelassen wird. •2. Le moirton; er nimmt Arbeit in einer Fa- brik. horcht die Genossen aus. spioniert nach in- dustriellen Geheimnissen, gebart sich aber äußer- lich möglichst einfältig und uninteressant. Oder er sucht in Stellung zu kommen bei einem mili- tärischen Büro, in einer Verwaltung, um Ge- heimbefehle und Verordnungen abzuschreiben, Stempel zu stehlen und dergleichen. Oder er laßt sich bei der Sipo und Reichswehr zum näm- lichen Zweck anwerben. Diesen Elementen ist streng verboten zu „provozieren". Hören, sehen, beobachten und stehlen ist ihre Aufgabe. Für „Schafe", die stumpfsinnig und ruhig mit der Herde laufen, sollen sie von den Kameraden und Vorgesetzten gehalten werden. Z. Leracoleur: dieser Lump ist dazu ausersehen, neue Lumpen auszukundschaften und für die französische Spionage zu „werben" durch Lock- mittel aller Art, unter denen natürlich auch das Weib eine Rolle spielt. 4. L agent baladeur: er „reist" auf Weisung nach örtlichen Bezirken und Städten — meist solchen, die er aus früherer anständigerer Tätigkeit ge- nau kennt —. um dies und das in Erfahrung zu bringen. 5. L'agent fixe: er hat im Gegensatz zum „baladeur" in einer bestimmten Stadt seinen Wohnsitz und zieht aus dieser das gewünschte Material. 6. Le trafiquant: das ist eiu Mann, der irgend- ein Geheimnis industrieller, chemischer oder anderer Art „verkauft", auch gestohlene Modelle von Maschinen und Waffen oder einzelne Teile dieser seinen französischen Auftraggebern bringt. Alle diese Leute werden natürlich gut bezahlt. Am besten die „dupeur»" und die „moutons 1 , die mitunter bis zn 1000 000 Mark monatlich be- ziehen. Sehr illustrativ für die französische Spionage- tätigkeit ist auch folgende Tatsache: in Aachen, in der früheren Villa Luttitz. ist eine Fabrik für Falsifikate. Geburtsscheine. Militär- und Reisepässe, Heimatpapiere. standesamtliche Bescheinigungen usw. werden hier von einem Lithographen und zwei .Kalligraphen „fabri- ziert", und wenn es dfe französische Behörde für zweckdienlich hält, kann in diesem Hanse auch ein deutscher Verräter mit dem Eisernen Kreuz er- fter und zweiter Klasse dekoriert werden unb das erforderliche Diplom erhalten. Alle nur denk- baren Stempel deutscher kommunaler, staatlicher und militärischer Behörden — zum Teil zusam- mengcstohlcn. zum Teil von einem Deutschen in Aachen angefertigt — finden je nach Bedarf Ver- Wendung. Alte aufgekaufte oder Fremdenlegio- nären abgenommene Personalausweise werden im Original oder in „umgearbeiteter" Form den Spionen zum Gebrauch ausgehändigt — kurz die Fälschung in jeglicher Art steht in der Villa Luttitz in voller Blüte. Das ist das Spionagesystem der „grande nation", mit dem Frankreich den passiven Wider- stand des deutschen Volkes zu unterwühlen und unsere Einheitsfront zu sprengen bestrebt ist. Es findet seine Ergänzung durch die weitver- zweigte französische Wirtschaftsspionage, durch die Briefzensur und die französischen Sprachkurse, die sich immer mehr zu Vorbereitungsschulen des Spitzeldienstes auswachsen: endlich durch die HHelfersdienste. welche die Separatisten um Smeets und Dorten den französischen Best«- bungen leisten. („Rhein. Beobachter") Eine Mutter von ihren drei kleinen Kindern weggerissen. Mainz, 10. März. Das französische Kriegs- gericht hat gestern den Landrat Schwebe! von Meisenheim wegen Nichtbesolgung der neuen Ruhrordonnanzen und wegen Beteiligung an einem Beamtenprotest zu 5 Jahren Gefängnis und 15 Millionen Geldstrafe verurteilt. Der Gattin des Landrats wurde, als sie den Ver- Handlungsraum betreten wollte, der Ausweisungsbefehl überreicht. Sie wurde sofort zum Gendarmeriekommando gebracht und von dort im Auto an die Grenze geschafft, ohne daß ihrer Bitte, ihre drei kleinen Kinder im AI- ter von zwei bis 6 Jahren abholen und mit- nehmen zu können, stattgegeben worden war. Wie Verbrecher behandelt, weil sie die Treue halten. Köln, 10. März. Der Direktor des Zucht- Hauses Werden an der Ruhr hat einen Protest an den General Degoutte gesandt dagegen, daß 90 Personen im Zuchthaus untergebracht wurden, die nach deutschem Gesetz nicht auf- genommen werden dürften. In das Zuchthaus dürfen nach deutschem Gesetz nur Leute gebracht werden, die wegen gemeiner Verbrechen rechtskräftig verurteilt morden waren. Aber die jetzt untergebrachten Personen haben nichts wei- ter getan, als ihrem eigenen Volke die Treue gehalten und ihrer Regierung Gehorsam unter den schwersten Verhältnissen entgegenzubringen versucht. Kriegsgerichisurlcile. Bochum. 10. März. Das Kriegsgericht in Wer- den verurteilte den preußischen Prinzen Wilhelm zu Lippe zu sieben Millio- nen Mark Geldstrafe, weil er einen Tot- schläger in seinem Besitz hatte. Oberhausen, 9. März. Der Beigeordnete Dr. Brinkmann wurde zu sechs Monaten Ge- fängnis^und sieben Millionen Mark Geld- strafe verurteilt, weil er sich gemäß den Anwei- suugen feiner vorgesetzten Behörde weigerte, Strom zu liefern. Aachen, 10. März. Der Generaldirektor des Eschweiler Bergwerkvereins Dr. Westermann wurde ausgewiesen. Die übrigen Direktoren der Gesellschaft, die gleichfalls vor einigen Tagen verhaftet worden sind, befinden sich noch im hie- sigen Gefängnis. Ein Eingeständnis des Generals Degoutte. Paris, 10. März. Auf einem Empfang fran- Mischer und ausländischer Journalisten ver- suchte General Degoutte zu beweisen, weshalb die Besetzung des Ruhrgebietes den Charakter eines Kampfes angenommen habe. Er machte dafür die deutsche Regierung verantwortlich und nannte die Angaben deutscher Propagandisten, die die Franzosen als eine Art Verbrecher und als Terroristen Hinstellen, als falsch. Von zuständiger Seite wird zu diesen Ausführungen erklärt, daß das einzige Bemerkens- werte bei diesen Ausführungen ist, daß sie mit der französischen Lesart der friedlichen Mission der Ingenieure aufräumt uu'd zu- gibt, daß die Besetzung des Rnhrgebietes den Charakter eines Kampfes angenommen hat. »Gegenüber den französischen Bebauptun- gen stehen zahllose unparteiische Zeugnisse deut- scher und ausländischer Journalisten, um der Welt klar zu machen, iaf, es im Ruhrgebiet keine Akte des Aufruhrs, sondern nur Akte des französischen Terrors gibt. weitere Ausdehnung der Besetzung. Münster, 10. März. Im Bergischen Lande ist außer Kronenberg auch das östlich gelegene Kro- nennfeld heute besetzt worden. Es handelt sich bei der Besetzung der beiden genannten Orte sür bie Franzosen augenscheinlich darum, die bisher noch freie Strecke Solingen-Elberfeld in die Hand zu bekommen. Weiter südlich ist im Laufe des Tages Cunersbach besetzt worden. Frankfurt. Paris, 10. März. Das „Echo de Paris" schreibt: „Daily Telegraph" hatte gestern angekündigt, der nächste Vormarsch.der Franzosen werde sich gegen Frankfurt a. M. richten. — Das Blatt glaubt Grund zu haben, diese Nachricht für falsch erklären zu dürfen. Ein Aufruf deutscher Bischöfe. Die drei Oberhirten, in deren Kirchenspren- geln die alt- und neubesetzten Gebiete liegen, Kardinal Schulte von Köln und die Bischöfe von Münster und Paderborn — der Bischof von Trier konnte wegen mangelnder Bahnverbin- dung nicht teilnehmen —, kamen am 3. März i» Paderborn zusammen, um über die im Ein- bruchsgebiet um sich greifende Not und Bedräng» nis zu beraten. Ihre Verhandlungen führten zu einem eindringlichen Aufruf an die gesamte Welt? der Kölnischen Volkszeitung" zufolge heißt es da unter anderm: Der unselige Krieg hat für unser Volk, das ihn nicht verschuldet und nicht gewollt, das ihn vielmehr wie ein unabwendbares Verhängnis unter Hingabe von Gut und Blut im Gehorsam gegen seine rechtmäßige Obrigkeit vier Jahre hindurch getragen Hat, unglücklich geendet. Zu einer grauenvollen Renolntwn, von deren Fol- gen sich unser Volk erst ganz allmählich wieder erholen kann, kam der erbarmungslose söge- nannte Friedensvertrag von Versailles, der mit seinen unerträglichen Härten und Lasten unser Volk vollends zu Boden schlug. Es ist gerade- zu himmelschreiende Not, die jener Vertrag über unser Volk gebracht hat, am schlimmsten über jene Kreise, die am Kriege selbst ganz unbeteiligt waren. Vor Gott und unferm Gewissen glauben wir auch bezeugen zu müssen, baß unser Volk, folgsam dem Willen seiner Regierung, ernst und ehrlich an die Arbeit gegangen ist, u>n die von den Siegern geforderten Lestungen, f»' weit es nur menschenmöglich war, zu erfülle«- Wenn dieser Erfüllungswille unseres Volkes durch Hingabe von Werten, die heute bereits lp° Milliarden Goldmark erreicht haben, unbestrert- bar feststeht, dann fragen wir mit Recht, wo ha» jemals, solange die Welt steht, irgendein Volk, um vor feinen Kriegsfeinden endlich Ruhe 3« bekommen und ein Leben des wahren Friedens wiederzugewinnen, Größeres und Gewaltigere» geleistet? Wir können, wie auch immer wir die völkerrechtlichen und tatsächlichen Verhältnisse überdenken, den Machthaber» in Frankreich un» Belgien nicht zugestehen, daß bei solcher Evident des deutschen Erfüllungswillens einige im Vefr° gleich zum Ganzen geringfügige Rückstände in den deutschen Monatsleistungen ihnen das Rech' geben, jene furchtbaren Maßnahmen zu ergrer- fett, unter denen wir mit unfern Diözesanev jetzt am unmittelbarsten zu leiden haben. Älk können nicht anerkennen, daß die feindlichen Okkupationsbehörden das Recht besitzen sollen, die Bewohner unserer Diözesen mitten im Frie- den gegen ihre rechtmäßige Obrigkeit zu Ungt' horsam und Untreue, zu Eidbruch und Landes- verrat zu zwingen und ehrenwerte Männer, die wir in vielen Fällen persönlich kennen und hon)* schätzen, wie gemeine Verbrecher zu behandeln ttttd mit Verbannung und Kerker und Fesselung in Ketten zu verurteilen. Empörend sind mitten im Frieden die exorbitanten Geldbußen und Freiheitsstrafen, die für die Bekundung vater- ländischer Pflichttreue verhängt werden, bar- barisch die Fesselungen, Fußtritte, Peitschenhieve und andere Mißhandlungen, die Schuldlosen und Wehrlosen zugefügt werden. Wir sind eru- setzt darüber, daß man sogar die völlig unbetei- ligten Familien jener pflichtgetreuen Männer- Frauen und Kinder, Säuglinge und Greisinnen, mitten im Winter brutal von Haus und Heim<" verjagt, wie das nicht etwa vereinzelt, sonder« in vielen Fällen vorgekommen ist. Wir Bischof erklären fchmerzbewegt und sorgenvoll, da« solche, im Namen einer Friedensaktion getrofl^ nen Maßnahmen eine neue ttefe Kluft zwischen den Völkern schaffen und unsere gequälte« Volksgenossen bis zum äußersten reizen, ja t» Verzweiflungstaten herausfordern. Wir nw* den trotz dieser Situation fortfahren, Im wußtsein unserer von Christus sich herleitende« bischöflichen Friedensmission unsere Pflicht ir tun. Aber anderseits wird auch nientattd vo« uns erwarten dürfen, daß wir zu den Ouäle^ reien und Leiden, denen unsere Volksgenosse« und Diözesanen ausgesetzt sind, einfach gen und mit solchem Sttllschweigen zugleich et«* Die „Pyramide- Wochenschrift zum Karlsruher Tagblatt enthält in ihrer heutigen Nummer (10) folgende Beiträge i Neue ZÄcffelbriefe zum Waltharilied. Bon Professor Dr. Karl Preisend«»» an der Landesbibliothek in Karlsruhe. — Die Relativitätstheorie in der Physik. lTckluh.) Bon Dr. M. v. Laue, ordentlicher Professor an der Universität zu Berlin — 81 me ainas, Novelle. (I.) Von Professor Dr. Konrad Arnold Bergmann in Karlsruhe. Erinnerungsblätter einer Hofopernsängerin a. D. Von Christine Friedlcin. Gegen Schluß meiner Studienzeit durste ich zu meiner großen Freude im Hoftheater eine der Walküren singen, — die Grimgerde. Man d»nke, ich durfte ueben den vielbeiumtderten Sänge- rinnen Vogl, Weckerlin, Basta auf der Bühne stehen, mit ihnen singe» und spielen. — Am Tag der Vorstellung ging ich von einer Straßenecke zur andern, immer wieder mit heimlichem Stolze lesend: „Grimgerde Frl. Friedlein". Ich glaube dieser erste Bühuenversuch ist gut verlaufen: wenigstens sang ich meinen Part sehr sicher und hatte keine Angst. Auch fang ich in den beiden Prüsungskouzerteu der Musik- schule und zwar mit recht schönem Erfolg. Die Kritik bezeichnete meine Stimme als außer- ordentlich schön und klangvoll, ja sogar als phä- uomeiral. Dank der Fürsorge einer befreundeten Dame war es in diesen Konzerten mit meiner äußeren Erscheinung besser bestellt als bei meinem ersten Auftreten in Regensburg, Ich kam mir in meinem funkelnagelneuen Kleide und mit einem Kopf voll gebrannter Locken ganz verwandelt vor, ordentlich hübsch, so hübsch, daß ich mich für die gütigen Spender meines Staa- tes, die lieben Eltern, photographieren ließ. — Sonst war ich nicht eitel, ich lief für gewöhnlich in einem glatt gebürsteten Bubenkopf herum. Aus purer Bequemlichkeit hatte ich mir, zum Entsetzen der Nieinen, meine Lwei stattlichen Zöpfe einfach abschneiden lassen. Einen schönen Abschluß fand meine Schulzeit erstens dadurch, daß ich mir einen Preis für dra- matifchen Gesang, bestehend aus einem Diplom und baren 250 Mark errang, und daß Hof- kapeUmeister L e v i mich engagierte um in B a y* reuth eine kleine Solostelle im Parsifal zu singen. Das erste Engagement, und noch dazu in Bayreuth! Ich kannte mich nicht mehr vor Freude. Einen glücklicheren Anfang meiner Bühnenlaufbahn hätte ich mir nicht träumen lassen. Wie schön war es auch, sich zum ersten Male selbständig zu fühlen und von selbstver- dient cm Gelde zu leben. — Glückselig wanderte ich täglich hinauf zu dem so herrlich gelegenen Festspielhaus. Ich fühlte, daß ich in den Proben und Vorstellungen von Parsifal, in denen ein heiliger Ernst waltete, Großes erlebte. Wie bewunderte ich die großen Künstler und Künsi- lerinnen, die Damen Malten und Materna, die Herren Gndehus, Winkelmann, Scaria, Plank! Scaria war von besonderer Freundlichkeit ge- gen mich. Es ermunterte und beruhigte mich sehr, als er zu mir sagte: „Nur koa Anflst ham, mit so oana schönen Stimm braucht ma koa Angst ham!" — Als ich es dann wagte, ihm zu sagen, daß mir seine Stimme so außerordentlich wohl gefiele, meinte er schmunzelnd: „Gell Deandl, die kolossale Weichheit drinn, die is fein!" — Le'der verließ den herrlichen Sänger schon damals das Gedächtnis. Seine Tochter mußte schon damals hinter dem Busch, vor wel- chem er in der ersten Szene des ersten Aktes saß, stehen und ihm soufflieren. Immer wieder fragte er, ehe sich der Vorhang hob: „Wie hoaßt's?" Und unermüdlich wiederholte sie ihm die Anfangsworte der Partte: „Ho! Ho! Wald- Hüter Ihr!" — Plank erschien mir, als ich ihn zuerst sah, so unförmlich, daß ich nicht begreifen konnte, wie eine solche Gestalt auf der Bühne möglich sei. Als ich ihn aber hörte, war ich ganz begeistert von seiner herrlichen Stimme, mit der er die gewaltigsten dramatischen Akzente bringen konnte, ohne daß die Stimme dadurch an Weichheit verloren hätte. Man vergaß, wenn er sang, wirklich feine unvorteilhafte Erschei- nung. — Als mir Hofopernsänger Mikorey, der einen der Knappen sang, einmal gestattete, ihn im letzten Aufzuge, in welchem er nicht mehr zu singen hatte, zu vertreten, als ich hinter dem Gral wandeln, die Vorgänge auf der Bühne bis zur Anbetung des Grales miterleben durfte, war ich überglücklich. Begeisterter, andachts- voller kniete wohl kaum einer der sonstigen Mit- wirkenden vor dem Gral. Tief habe ich es stets bedauert, daß es mir erst ein Jahr nach dem Hinscheiden des Meisters vergönnt war, nach Bayreuth zu kommen. Sein Geist schwebte aber noch über den Aufführungen, die bedeutenden Kapellmeister, Levi, Schuh, Richter hatten sein Vermächtnis treu bewahrt, und wirkten ganz in seinem Sinne. Eines Tages hatte ich Gelegenheit, Hofkapell- meister Lassen von Weimar vorzusingen. Diesem gefiel meine Stimme sehr gut, nur fand er sie zu mächtig für die Bühne in Weimar. Da sagte plötzlich der junge Mann, der mich begleitet hatte: „Aber zu uns können's kommen. Ich will m ei wem Intendanten schrei- ben, ich bin der Mottl von Karls- ruhe!" Was dieser Name bedeutete, wußte ich damals noch nicht, aber Karlsruhe war mir auch recht, und ich antwortete also: ,Za gerne, und, schauen's, da Hab' ich a Bild von mir, so schau i aus, wenn ich z'sammengricht bin!" Ich hatte halt das nicht unberechtigte Gefühl, daß mein Aeußeres nicht sehr anziehend sei und trug dar- um immer meine Münchener Photographie bei mir, mich durch sie zu empfehlen. Mottl amüsierte sich, wie er mir später selbst sagte, ri«1>^ über diese Worte. Er schrieb richtig gleich feinen Intendanten, Baron zu Putlitz, und &a lP darauf erhielt ich von diesem die Aufforderun» zum Probesingen zu kommen. Auch von Dre» den und Berlin hatte ich solche Aufforderungen bekommen und so trat ich nach Beendigung de Bayreuther Aufführungen eine Rundfahrt a«- Hofkapellmeister Schuh hätte mich gerne A Dresden festgehalten, der dortige Jntcndo« wollte mich aber als sechste Altistin nicht eng«^ gieren und das war recht gut für mich. In Be» lin gefiel meine Stimme auch sehr gut, so gu' daß ich die größte Angst hatte, ich müsse am En» dableiben. Es gefiel mir nämlich gar nicht dieser Stadt, ich kam mir wie verloren vor. daher der Intendant mir sagte, angenblickl' hätte er keine Stellung für mich offen, er mich aber für später im Auge behalten, war . ganz erleichtert und reiste frohen Herzens 0 ' Als die ersten süddeutschen Laute au mein schlugen, war mir's, als sei ich einer entronnen. Nun gings nach Karlsruhe. Schon die JlUll HUUJ OL U t l X» V H l) W. W ^ ! i/tttl 1 ' gleise dorthin, durch das gesegnete Würite berger Land mit seinen Weinbergen, f«*«,, altertümlichen Städtchen, seinen lieblichen.y' ^ tälern gefiel mir ausnehmend und als «uffi Bahnhof in Karlsruhe eine sehr gutmütig sehender Diener ansprach: „Sie müsse d Friedlein sei, so o große.Dam' is sonst > ausg'ftiege" war mirs gleich ganz behaglich. "U linger, so hieß der Theaterdiener, brachte ins Hotel Erbprinz und sorgte in jeder Hrn> väterlich für mich, so daß mirs ganz Herrn ^ wurde. Die Stadt gefiel mir überhaupt sehr. Als det Wagen über den Marktplatz dachte ich — ein schönes Theater haben 1% ich hatte aber, wie sich's hernach zeigte, die gelische Stadtkirche mit ihrer Säulenfrom , (l das Theater gehalten. Zum wirklichen TV« ^ führte mich mein neuer Beschützer Eßlingen fit , folgenden Tage. Der damalige Intendant, f Dichter Gustav zu Putlitz, ein Grets Erstes Blatt Karlsruhe? Tagblatt. Sonntag, den 11. Marz 1828 Mr. 69. Seite 3 übernehmen an den in ihrer Entsetz- kaum ausz:»denkenden Folgen, die wir Achten, und die mitten im Frieden und trotz »i n Abratens der Engländer von den fran- 'W-belgischen Machthaber» heraufbeschworen Wenn etwas, dann mutz die grauen- juT? Lage im Rhein- und Ruhrgebiet allen ein- ^ugen und friedenswilligen Menschen die öffnen, wie eilig die auherhalb Frank- n-5® u- Belgiens längst zugegebene Revisions- »»> ^?bigkeit des sogenannten Friedensvertrags iJ Versailles ist. soll nicht letzten Endes der zum Normalzustand auf Erden gemachr Auf uns machen Versuche, die Uner- ^Michkeit der von Frankreich und Belgien ge- « en Situation hinwegzuleugnen oder gar -öevölkerung selbst die Schuld an den schau- ( f P e tt Vorkommnissen zu geben, nur insofern l,. ruck, als uns dadurch die heilige Pflicht, vor Welt offen und laut für die Wahrheit Zeug- abzulegen, um so ernster vor die Seele tritt. dem bad. Ginbrnchsgebiet. Die Loge im Sarlsncher Rheinhafengebiel. städtischen Hasenarbeiter haben, nach Mel- des „Volkösreundes", am Samstag früh Wcki ^it im Rheinhafen niedergelegt, da sie Jj" Unter französischer Aufsicht arbeiten woll- • Neuerdings sind die Franzosen dazu über- (.""«Ben, die Arbeiter der im Hnfsnacbiet ge- ^en Jndus'riewerke nach Lohngeldern zu Mkuchen. Am Freitag wurden die Arbeiter freier Betriebe auf Lohngelder durchsucht. jr 15 Ergebnis war aber Null, da die Entloch- in einer Weise geschieht, die eine Beschlag- 3»e der Lohngelder durch die Franzosen un- Much macht. In der Gemeinde Knielingen die Franzosen angeordnet, daß nach 8 Uhr v, n "s und während der Nachtzeit niemand die betreten darf. Der Briefträger Bech- »j 01 d ist von den Franzosen verhaftet und W» Rhein abtransportiert worden. Der ist nicht genau bekannt, man nimmt an, der Belastete den Franzosen nicht ent- ^»kommend genug war. Aus dem Mannheimer Gebiet. Diannheim, 10. März. Die Franzosen haben ^ besetzten Mannheimer Hafengebiet mehrere Haftungen vorgenommen. Unter den hafteten befinden sich zehn K o m m u n i - |L*> die im besetzten Hafen gebiet Zettel in j. Msischer und deutscher Sprache anklebten, ijJ'tte« die französischen Soldaten aufgefordert sich vom französischen Kapitalismus .^ ausbeuten zu lassen, sondern nach Hause t(h Arbeit zurückzukehren. Bon den im besetz- Rheinauhasen lagernden städtischen Kar- >.,"e lv o rr äte n ist ein Teil von den ^ran- (J ei1 freigegeben worden. Die Franzosen verlasen an der Brücke Mannheim-Ludwigshafen Liedes Pferd, welches das besetzte Gebiet ver- «J 1 - eine Kaution von einer Million Mark, m £ kür ein Personenauto eine Million Mark ^iiir ein Lastauto 2 Millionen Mark. Lebensmittelversorgung von Manuheim i,. wfofern schwierig, da in Mannheim selbst be- und unbesetztes Gebiet besteht, so datz die und Ausfuhrbestimmungen eine große C spielen. In einer Besprechung mit Ver- Sucher- und Geschäftskreisen wurde festgestellt, bisher ein Mangel an Lebensmitteln t.;*t zu verspüren war. Der Mangel an Fet- tzi? auf Angstkäufe des Publikums zurückzu- Kritisch ist die Kohlenverfor- da über die Hälfte der hiesigen Kohlen- Mite im besetzten Hafenavbiet liegt und die ,s,^'uhr nicht gestattet ist. Die Sorge um Mehl «Ebenfalls nicht gering: anerkannt wurde, daß ^.Behörden trotz der plötzlichen Besetzung des WMbietes eine Stockung in der Brot- und i., ?Ilieferung zu vermeiden mutzten. Die Ver- wit Hausbrand und die Kohlenbeliefe- der Bäcker ist gesichert. In eine unange- t.?we Lage ist die städtische Gutsverwaltung ge- weil sie von der Friesenheimer Insel ab- Fitten ist. Dort lagern Rübenvorräte für üj ^^iehfütterung, die aber von den Franzoien fr?* durchgelassen werden. Auch die Mullab- klagen können in das städtische Absperrungs- - nicht ungefährdet gelangen. Aus dem Offenburger Gebiet. Offenbnrg, 10. März. Wie aus Rammers- weier gemeldet wird, haben die Franzofen am Mittwoch nachmitag das Rathaus und Schul- Haus nach Waffen durchsucht. Sie zogen ohne Erfolg wieder ab. Die Kriegsgerichtsverhandlung gegen Ober- bürgermeister H o l l e r findet am 15. März statt. Oberbürgermeister Holler befindet sich in Landau in Einzelhaft und erhält Gefängniskost. Das „Ofsenburger Tagblatt" muß im An- zeigenteil folgendes veröffentlichen: Der Oberst R. Altmayer kehrt nach Straßburg zurück. Das Kommando der Besatzungstruppen des Ge- bietes Offenburg wird vom 9. März an durch den Oberstleutnant Cazaur von dem Infanterie- regiment Nr. 170 ausgeübt. Hochkonjunktur für die SchmuMer an der Westgrenze. Berlin, 10. März. Im Haushaltsausschutz des Reichstags wurde beim Etat des Reichswirt- schastsministerinms der ungeheureSchmuggel von Waren in das besetzte Gebiet infolge der Aus- Weisung der deutschen Zollbeamten besprochen. Dieser Schmuggel bilde eine Gefahr für den reellen Handel des ganzen besetzten und in der Zukunft voraussichtlich auch des unbesetzten Ge- biets. Reichswirtschaftsmini st er Dr. Becker erklärte gegenüber dem Hinweis auf Schmuggel im besetzten Gebiet, datz dies die trau- rige Folge der Ausweisung der deutschen Zoll- beamten durch die Gewaltmatznahmen der Fran- zosen sei. Die Einrichtung eines Ausfang- gürtels für unverzollte Ware im unbesetzten Gebiet sei in Erwägung zu ziehen. Was die Ausfuhrfragen betreffe, so sei es selbstver- ständlich, datz die Reichsregierung die deutsche Ausfuhr in weitestgehendem Matze zu fördern das Bestreben habe, sofern es sich nicht um Wa- ren handle, die im Jnlande dringend nötig seien. Jetzt brauche die Wirtschaft mehr als je Devisen, die eben nur der Export in zureichender Weise verschaffen könne. Angenommen wu.de ein An- trag des Abg. Dr. Reichert (D.N.), datz die in den Ausfuhrabgaben für den Export liegenden Hemmungen sofort abzubauen seien. Ferner wurde ein Antrag des Abg. Dr. Hugo lD.B.1 angenommen, wonach zur Beschränkung weiterer Arbeitslosigkeit diejenigen Waren, deren Ge- stehungspreise die Weltmarktpreise erreicht ha- ben, und deren Jnlandsabsatz notleidet, auf die Ausfnhrfreiliste gesetzt werden sollen. Herr Hönisch unerwünscht. Frankfurt. 10. März. Die interalliierte Rhein- landskommission hat ihr seinerzeit eingelegtes Veto gegen die Ernennung Haenifchs zum Re- gieruuqspräsidenten in Wiesbaden in ein end- gültiges umgewandelt mit dem verschärfenden Zusatz, datz sich das Veto auf alle Aufträge (?), die Haenisch im besetzten Gebiet übertragen wer- den könnten, bezieht. Schsidematm für Fortsetzung des Widerstandes. In einem Artikel in der Mannheimer „Volks- stimme" wendet sich Philipp Scheidemann gegen die Versuche, die augenblickliche Lage zur Für- derung monarchistischer Ziele auszunützen. Da- bei sagt er u. a. „Um ben Verleumdern, die jeden aufrechten Republikaner beschimpfen, das Hand- werk mindestens zu erschweren, sei ausdrücklich noch einmal festgestellt, datz die E n t s ch l o s s e n - heit, mit der das gesamte deutsche Volk sich dem französischen Einbruch an der Ruhr wider- setzt, als eine Lebensnotwendigkeit für die Republik beibehalten werden muß." Ein amtlich engüscherveweis der französischen Rechtswidrigteit. Frankreich hat bekanntlich erklärt, daß alle unbesetzten Gebiete unter der Macht der Rheinlandkommission ständen und daß die deut- schen Beamten den Bestimmungen des von Deutschland anerkannten Rheinlandabkommens gehorchen müßten. Die deutsche Regierung hat wiederholt festgestellt, daß es keine Bestim- mung im Friedensvertrag gibt, die der Rhein- landkommission in Koblenz das Recht läßt, ihren Machtbereich willkürlich auf neue deutsche Gebiete auszudehnen. Die Rheinlandkommission ist eine Zivilbehörde, die nicht die Aufgabe hat. militärisch« Gewaltakte Frankreichs zu stützen. Datz sie sich trotzdem in den Dienst der französischen Militärpolitik stellt, und sich zum Instrument der Politik PoinearSs hergibt, be- weist, daß die Kommisston niemals das war, was sie hätte sein sollen. Die Amerikaner haben ein- gesehen, daß ihr Vertreter iu dieser Kommission eine sehr unwürdige Rolle spielt und haben ihn abberufen. Der Vertreter Englands ist noch in Koblenz. Wohl fühlt man in London, datz die Rolle Englands in dieser Kommission einen peinlichen Eindruck macht, und die sogenannte Ehrlichkeit der englischen Politik in ein recht merkwürdiges Licht rückt. Aber das Interesse geht dem Engländer nun mal über Recht, Ehr- lichkeit und Anständigkeit und das Juteresse ge- bietet, die Finger in der Pariser Omlette zu halten,. Der Engländer sucht dadurch den Schein zu retten, datz sein Vertreter die Schand- und Blutverordnungen der Rheinlandkommission nicht unterschreibt. So fühlt sich London brecht- fertigt und hat gleichzeitig die beruhigende Sicherheit, daß das deutsche Volk doch gequält und schikaniert wird. Die parteipolitischen Gegner der konservativen englischen Regierung nützen die peinlichen Si- tuationen aus und stellen im Parlament An- fragen, die den Zweck haben, das konservative Ministerinm in Verleaenheit zu setzen. Bei diesem Frage- und Antwortspiel ergibt sich manche für Deutschland sehr wertvolle Feststellung. So wurde dieser Taa* auch das rechtswidrige Verhalten der Rhein- landkomMission festgenagelt. Der Abg. Buxton frug die Regierung, ob die interallierte Rheinlandkommiffion in dem jüngst von den Franzosen besetzten Gebiet die Macht ausübe, und wenn dies der Fall sei. auf Grund welcher Bestimmungen des Meinland ab kom- mens dies geschehe. Mac Neill, der Vertreter der Regierung, antwortete: „Auf Anordnung der französischen und belgischen Regierung besetzten französische Truppen am 25. Februar die zwischen den Brückenköpfen Mainz. Koblenz und Köln liegenden Geländestreifen. Die Rhein- landkommission erklärte darauf, dies Gebiet stände unter ihre'r Autorität, aber der britische Kommissar hat an dieser Sitzung nicht teilgenommen und lehnte auch j e d e V e r a n tw o r tu na b i e rf ü r ab. Die britische Regierung ist der Meinung, daß a u f Grund keiner Bestimmung des Ver- sailler Vertrags oder des Rheinlandabkommens die Rheinlandkommission den Anspruch erheben kann, die Macht über diese Gebiete' auszuüben. Die Aufmerksamkeit der französischen Rogiierung ist auf diese Angelegenheit gelenkt worden. Ein Mitglied der Arbeiterpartei fragte, ob der britische Vertreter in der Kommission die An- Weisung bekommt, gegen das ungesetzliche Vor- gehen zu protestieren. Mac Neill ant- wartete: Ich kann nicht sa^en, ob er An- Weisung bekommen wird oder nicht. Deutsthes ZTeirk Der Reichskanzler über Lohn und Preis. Berlin, 10. März. In Besprechungen mit Vertretern der Industrie und der Spitzengewerk- schatten über die gegenwärtigen Preis- und Lohnfragen erklärte der Reichskanzler, datz die Reichsregierung alles tun werde, um neue Preissteigerungen zu vermeiden und Wirt- fchaftliche mäßige Preisermäßigungen herbeizu- führen. Gegenüber gewissen Besorgnissen der Arbeitnehmer, als ob die Reichsregierung jeg- licher wetteren Lohnerhöhung entgegenwirke, stellte Dr. Cuno fest, daß eine Erhöhung der Löhne da gerechtfertigt sei. wo sie zur Anpassung an das allgemeine Lohnniveau erforderlich sei, während eine durchgängige allgemeine Hebung der GesamtlShue den notwendigen Preisabbau unmöglich mache und zugleich die Stabilisierung der Mark gefährden würde. Nach dem ,LZor- wärts" ist im Reichsfinanzministerimtt seitens der Regierung bei erneuten Verhandlungen nochmals erklärt worden, datz eine allge- meine Erhöhung der Löhne ünd Gehälter der Beamten und Reichsarbeiter für den Monat März nicht eintreten bönne. Die Regierung fei bereit, mit entsprechenden Borschüssen zu Helsen. Weiterer Rückgang der Großhandelspreise. Berlin. 10. März. obesingens teilte mir der freundliche alte mit, datz ich nächstens im Troubadour zum !'^'Uch bie Aeuzena singen dürste: also gewon- c^:.frohlockke ich innerlich, in sanguinisch ju- Weise. Zunächst erhielt ich eine Probe t» Orchester.- der Tag meines Auftretens sollte 8;; Noch bestimmt werden. Eines schönen Ta- i>»'Loch ziemlich srüli am Morgen, ich lag noch *iiv klopfte es sehr energisch an meiner Ihr, Auf meine Frage, wer draußen sei, ertönte C^Sets Stimme: „Sie müsse heut Abends 's Schauspiel is abg'sagt worde. weil a >^, ^ie aufgeriegelt hawe. Wisse Sc. der t»i>J^töiener darf zu alle Dame rei komme, aa im Bett liege, Sie brauche sich net W. :i, iere!" So fügte ich mich denn dem üb- Brauche, wenn er mir auch merkwürdig Was einmal zum Theater gehörte, (.•»ii recht feilt. "•totz der Plötzlichkeit des Verfahrens freute sehr, daß die Zeit des Wartens auf mein nun zu Ende war, und verbrachte den ^ gemütlich und ohne eigentliche Aufregung. Ich war ganz überzeugt, datz es mir gut gehen müsse. Glückliche Naivität des Anfängertums. die nur zu bald entschwindet. Abends holte mich Etzlinger mit dem Theaterwagen ab und brachte mich in die Garderobe. Ja, da stand ich min. Daß man Schminke haben müsse, daran hatte ich nicht gedacht. Daß außer dem Singen und Spielen noch so viele andere Sachen nötig und nnchtig sind, wußte ich leider damals nicht (Bei mir bewahrheitete sich aber die in Theater- kreisen herrschende Meinung, datz nur aus den Anfängern etwas würde, die nicht mit vollstän- big eingerichteten Schminkkasten zum Theater kämen.) Zum Glück war die Sängerin der Leo- nore. Fräulein M a i l h a e, menschenfreundlich gesinnt und nahm sich meiner an. Sie lieh mir Schminke, und zeigte mir, wie ich sie gebrauchen müsse. Schließlich legte sie sogar noch selbst Hand an, um die Maske der alten Zigeunerin herzustellen. Ohne daß ich eigentlich Angst ge- habt hätte, klopfte mir doch das Herz stark vor Erregung, als ich auf meinem Zigeunerlager Platz genommen hatte. M o t t l kam noch selbst zn mir und sagte mir einige ermutigende Worte. ES war überhaupt sehr freundlich von ihm, und es zeigte von seinem Interesse für mich, daß er, der erste Kapellmeister, an diesem Abend den Troubadour selbst dirigierte. Als nach dem ersten Vers die Canzone: „Lodernde Flammen schlagen zum Himmel auf!" gleich starker Beifall einsetzte, war ich sehr glücklich und hatte jedes Angstgefühl verloren. Mit ganzer Hingebung führte ich meine Rolle, bei der mir mein starkes Temperament sehr zu statten kam, durch. Der lyrische Tenor R o s e n b e r g , der den Man- rico gab, sagte mir später, er hätte das Gefühl gehabt, als fei eine junge Pantherkatze auf ihn losgelassen worden. Ich ritz ihm bei einer stür- mischen Umarmung die Hälfte seines Schnurr- bartes ab, so datz ihm nichts anderes übrig blieb, als auck den Rest dieses männlichen Schmuckes in die Kulissen zu schleudern. Am Anfang des vierten Aktes, in der Kerkerszene tras ich beim Einsetzen die richtige Tonart nicht, weil ich das Orchester von meinem Lager aus nicht gut hörte. Dies hätte leicht die ganze Szene gefährden können. Mottl, der geniale Dirigent, mutzte sich in seiner bekannten, Schlagfertigkeit zu helfen. Er winkte dem Orchester ab, als ich falsch einsetzte und rief diesem dann leise immer die Tonart zu, in welcher ich unfreiwillig impro- visierte, bis ich den richtigen Faden wieder ge- fnnden hatte. Nicht einmm die Kritik hat dieses Vorkommnis gemerkt. Das Publikum blieb bis zum Schlutz der Vorstellung in beisallsfreu- diger Stimmung, was mich natürlich sehr be- glückte. Die Stimmen der Pressen lauteten auch günstig; eine derselben, die meine Leistung be- sonders treffend schildert, soll hier Platz finden: „Die Darbietung, welche Fräulein Friedlein uns gestern abend als Aeuzena gegeben hat, hat zunächst noch keinen Anspruch auf künstlerischen Wert, war aber insofern um so interessanter, als wir Gelegenheit hatten, eine Fülle von Ta- lent zu entdecken, dessen roheste Form, dessen unbegrenzte Zügellosigkeit trotzdem seine Wir- kung nicht vetfehlen konnte. Eben bekritelte man eine unschöne, unkünstlerische Bewegung, um sofort im nächsten Augenblick gepackt zu werden, vo^ der dramatischen Gewalt der Innerlichkeit der ganzen Darstellung. Die Stimmittel sind geradezu phänomenale, ganz entsprechend dem grotzen Zuge der Darstellung, aber auch hier noch kein künstlerisches Verwenden. Die allzu- großen Eigenschaften dieser Anfängerin sind es, welche ihre Leistungen sichtlich beeinträchtigen. Gelingt es Fräulein F. erst, Matz zu halten, sich zu beherrschen, so muh eine bedeutende Künst- lerin aus ihr werden. Hiezu bedarf üs noch der Zeit und der Schule." — Das war eine durchaus zutreffende Beurteilung meiner Leistung, die ich aber mit strömenden Tränen las, weil ich dachte — nun nehmen sie mich nicht. — Als ich Mottl andern Tages vor dem Theater traf, gab ich diesem Gedankt« weinend Aus- druck. Dieser tröstete mich und sagte, ich solle nur ruhig sein, er würde schon dafür sorgen, datz ich engagiert würde, ich müßte nur recht eifrig und fleißig sein. Intendant zu Putlitz sprach dann auch sehr freundlich mit mir und forderte mich auf, ihm irgend ein Gedicht, das ich auswendig wüßte, vorzusprechen: er wolle mich, wenn es möglich sei, auch jm Schauspiel auftreten lassen, damit ich mehr Gewandtheit bekäme als es durch die Beschäftigung in der Oper allein möglich sei. Dank meines vorzüg- lichen Sprechunterrichtes schnitt ich bei diesem Vorsprechen sehr gnt ab, so gut, datz Putlitz mir sogar bald eine grotze Schauspielrolle anver- traute. Mir war die Hauptsache, datz er mich behalten wollte. Hochbeglückt unterzeichnete ich den ersten Kontrakt. Zunächst war ich noch ein Jahr neben Fräulein Koppmeier, einer ausge- zeichneten Vertreterin des Altfaches, engagiert, die mir eine sehr liebe, neidlose Kollegin war und mir bereitwillig alle Partien abtrat, die ich bewältigen konnte. Da die Kritik die Mangel- haste Bildung meiner Stimme befonders betont hatte, so wollte ich gern noch Gesangsstudien treiben. Ich ging deshalb zu Putlitz, um seinen Rat wegen der Wahl eines Lehrers einzuholen. Dieser wollt?aber von (Kesangsstndien bei einem Lehrer nichts wissen. Er sagte zu mir: „Liebes Kind, mit Gesangslehrern habe ich schon trau- rige Erfahrungen gemacht, lassen St« das lieber sein. Schließlich kommen Sie an einen, der Ihnen die Stimme verdirbt, daun Hab ick keene Stimme und keeue Schule. Singen Sie nur frisch weiter und hören Sie, wie die andern singen, dann kommen Sie schon selbst darauf, wies gemacht wird. Mir gefällt Ihr Singen ganz gut!" — So ließ ich's denn mit den Ge- sangsstnnden sein, übte aber selbst fleißig und hörte voll Aufmerksamkeit meinen sangesknndt- gen Kollegen und Kolleginnen zu. Als der Re- gissenr der Oper, Harlach er, der sich in jeder Hinsicht um mein Vorwärtskommen bemühte, sich auch in diesem Punkte metner etwas an- nahm, und mir hin und wieder eine Gesangs- stunde gab, war ich aber doch recht glücklich. t (Fortsetzung in der nächsten Sonntagsnummer) Nr. 69, Seite 4 Karlsruher Tagblatt. Sonntag, den 11. Marz 1923 gweitcS Blatt Was unsere Leser mitteile« Stlmussn aus dsm Publikum. Die Entrechtung der hypoihekenglöubigcr. Rechtsanwalt Schneider erklürt in Nr. 64 des .LarlsrWer TaBlattes" irber Ber^ngSschaden und Hypotheken, datz nach den derzeitigen Bestimmungen der Hypothekenglänbiacr gesetzlich nicht mehr beanspruchen könne wie er bezahlt hat. ein Anteil an der Wertsteigeruna stehe ichm jedoch nicht zu. Das mag in normalen Zeiten vollständig recht sein, ob es jedoch unter den heu- tigen Zuständen moralisch richtig ist, bleibe dahingestellt. Ein Vergleich mit Sparkassengel- öern, ReiHöanleihe und dergleichen ist nicht stich- Halt ig, weil dort kein solcher Wertzuwachs be- steht. Ich will nun einen persönlichen Hall zur Sprache bringen, wie noch viele ähnliche be- stehen. Ich habe 35000 Goldmark auf einem •franse stehen: diese Summe ist das Ergebnis eines sparsamen, arbeitsreichen Menschenalters. Dem Besitzer des Hauses ist nun ein Millionen- angebot gemacht worden, und er beabsichtigt da- her, das Haus zu verkaufen. Die Folge davon ist, daß ich meine 25 000 Mk. zurückerhalte, wofür ich mir dann kaum ein Paar Stiefel sohlen lassen kann, während die Gegenseite Millionen erhält, womit sich auch heute noch manches an- fangen läßt- Mt es nun recht, daß man den einen Teil ganz seinem Schicksal überläßt, wäh- rend die andere Seite den hohen Gewinn voll- ständig allein einsackt? Gerade die Tatsa^e, daß ein solcher Gewinn besteht, böte doch die Möglichkeit, auch den Hypo- thekengläubiger vor großer Schädigung zu be- wahren. Selbst aber, wenn das Haus nicht ver- kaust würde und der Schuldner zahlt jetzt mit dem so stark entwerteten Geld zurück, läßt sich einwenden, daß der Sachwert des Hauses steigt, während der Hypothekengläubiger statt Gold- mark e^»n nur die stark entwertete Papiermark erhält. Bei Sparkasse«geldcrn und dergleichen ist dies anders, da man dort seiMGuthaben ruhig stehen lassen kann, bis sich die Verhältnisse even- tuell in """ifHier Weise ändern. Niesig sind schon die Opfer auf diesem Gebiet, daher sollte alles geschehen, um dieses Unglück durch entfpre- chende Maßnahmen einzudämmen, zumal die Kaufer d«r Häuser sehr oft valutastarke Anslän- i>er sind, die diese Sachwerte zum großen Schaden der ganzen Volksgemeinschaft oft um einen lächerlichen Preis erwerben. Die ColdhyMheken. Vor einer Reche von Iahren habe ich jemand auf ein Hausgrundstück AM Mk. geliehen zu 5 Proz. und, wie üblich, mit Halbjährlicher Kündigung. Am vorigen Jahr chat mir der Schuld- ner die Hypothek gekündigt und zu dem betres- senden Termin die Summe von 5000 Mk. in Papiermark zur Verfügung gestellt. Ich habe lei- der nutzlos protestiert, und nachdem ich krank war und die .Hypothek nicht sogleich löschen las- sen konnte, hat mich der Schuldner auf Löschung «erklagt und mir noch ganz erhebliche Unkosten verursacht. Im vorigen Monat hat nun der Schuldner das Hausamvesen zu 10 000 000 Mk. verkauft. Der Hausbesitzer konnte nur mit Hilfe meines Goldgelbes jenesmal das An- wesen kaufen. Ich bin um mein Guthaben so- zusagen betrogen worden, und heute hat der Mann ein solches Geld dafür erhalten, daß man damit noch immer allerhand anfangen könnte. Es ist das schreiendste Unrecht, was in der Neuzeit an deutschen Staatsbürgern begangen worden ist, und es ist nicht zu verstehen, daß von der Reichsregierung diesem Nebel nicht schon lange an die Wurzel gegangen worden ist. Lei- der sind es Hunderttausende, die so um ihr Hab und Gut gebracht werden, Tausende von Wit- wen und Waise« haben dadurch ihr Vermögen verloren, mit dem sie zur Not in Friedenszeiten noch leben konnten. An den Pranger. In den letzten Tagen wurde, anscheinend von amtlicher Stelle aus. über verschiedene Fälle von Wucher Mitteilung gemacht. So erfreulich das schärfere Vorgehen des Staates ist, so sollte man sich doch nicht mit der Feststellung und Be- strafung dieser Wucherer begnügen. Die Oes- fentlichkeit hat ein Recht darauf, zu erfahren, wer jene sind, die sich auf Kosten der Allgemein- heit bereichern. Es wird kaum jemand bei einem Kaufmann oder Händler, der wegen übermäßiger Preis- steigerung der öffentlichen Verachtung preisge- geben ist, etwas kaufen, weil man immer an- nehmen muß, auch übervorteilt zu werden. So könnte das staatliche Vorgehen durch anschließen- den Boykott der Konsumenten zweckmäßig unter- stützt werden, ja ich glaube, das letztere Mittel märe noch wirksamer als die schwerste Straf- androhung. Außerdem könnte »van sich bei Veröffent- lichung der Namen auch ein klares Bild dar- über machen, aus welchen Bevölkerungsschich- ten die Schieber und Wucherer sich zusammen- setzen. E. R. Zur Aufnahmeprüfung 1923. Mit Spannung sieht die Elternschaft der dies- jährigen Aufnahmeprüfung in die Mittelschulen entgegen. Die Erfahrungen des letzten Jahres geben zu denken. Eigentlich sind es alljährlich die gleichen Erkenntnisse, nur hat sich Ostern 1922 der Widerstand gegen Entscheidungen, die nicht einwandfrei sein können, merklich verstärkt. Und das mit Recht. Leistungen lassen sich nicht ziffernmäßig ausdrücken: das ist der Seufzer jeden Lehrers, der Zeugnisse schreiben soll. Und jedes Kollegium weiß, daß eS bei einer Aufnahmeprüfung am Schluß bei den Entfcheidun- gen auf gut Glück handelt: denn wo sollen denn bei L Minuten Prüsuugszeit im mündl. Rech- nen loder vielleicht nur 2?) zuverlässige Unter- lagen herkommen für Urteile, die das Schicksal des Prüflings für das ganze Leben entscheiden, nämlich endgültige Verweisung in den Bil- dungSgang der Mittel- oder Volksschule? Natürlich werden die gestrengen Herren Exa- minatoren (auch Damen können sich sehr un- gnädig zeigen) sofort erklären, daß der Einsender eben keinen Dunst vom Zustandekommen eines Prüfungsbescheides habe. Daß da auch schriftliche Arbeiten vorliegen, und das Jahreszeug- nis auch eine Rolle spielt! Dazu ließe sich fol- gendes sagen: Vielleicht täuschen die schriftlichen Arbeiten noch viel mehr, als die mündlichen. Denn es kommt vor, daß das Kind im schriftlichen Rechnen einfach an der Form strauchelt, während es die eigentlich zur Lösung notwendige Rechen- technik durchaus beherrscht. Ein Mnd dieses Alters ist eben sprachlich-formal nur wenig ge- bildet. Sehnlich liegt der Fall beim Diktat. Auch hier spricht das Formale ungeheuer mit. Aus- spräche, Sprechgeschwindigkeit, Ton, schließlich auch der Stoff sind doch in unserem Falle von ganz besonderem Schnitt und für den kleinen Prüfling ganz gewiß neu und ungewohnt. Wel- ches Hindernis das aber für Kinder bedeutet, weiß und schätzt nur ein erfahrener Lehrer. Noch andere Dinge wären in diesem Zusammenhang zu nennen. Wenn etwa eine „prüfungserregte" Lehrerin das Diktat mit den Worten eröffnete: „Ich sage keinen Satz zweimal, wer nicht mitkommt, erhält einen Fünfer," so ist zu vermuten, daß viele Fünfer herauskommen werden, an denen die unterrichtliche Kunst der angeführten Dame nicht ganz unbeteiligt zu sein scheint. Ein sehr be- deutsames Moment zur Förderung der Prü- fnngsergebnisse scheint mir auch folgendes zu sein: man werfe recht tüchtig mit lateinischen Bezeichnungen wie Genitiv. Futurum usw. um sich: das fördert auch gleich den Respekt vor der mystischen Größe der neuen Aufgabe und Schule. Nur hat eben der Volksschüler bisher „2. Fall" oder „Zukunft" für obiges Latein gesetzt und sich dabei was denken können. Dem Volksschizl- lehrer kann man aber nicht zumuten, daß er wegen der paar Schüler, die er später an die Mittelschulen abgibt, lateinische Bezeichnungen einführt. Ueberhaupt sollte die Sprachlehre bei der Aufnahmeprüfung einen möglichst breiten Raum einnehmen, denn nur. wer sie beherrscht, schreibt einen guten Aussatz oder spricht ein flie- ßendes Deutsch! Ich möchte zum Schlüsse nur noch eines sagen: Wir haben noch eine Aufnahmeprüfung für S- und 10jährige Kinder, obfchon wir so gerne der Vorkriegszeit Schematismus, Formalismus und ähnliche Dinge nachsagen, und obschon sich psy- chologisch vieles gegen diese Prüfung einwenden ließe. Also wenn schon geprüft sein muß, dann bitte aber zur Prüfung die reifsten Lehrer und Lehrerinnen, deren Blick und Gefühl tief in das Kind hineinreicht, deren menschliche Güte dem angstvollen Kleinen Mut einflößt und deren Ur- teil nicht au der Oberfläche haftet. So würden wenigstens manche Mängel des leidigen Auf- uahmeprüfungssystems etwas abgeschwächt. Denn mit kleinen Kindern umgehen und sie leh- ren, ist schwer; 10jährige aber prüfen ist eine große Kunst und dazu eine herzlich undankbare. Vielleicht erleben wir es noch, daß diese Prüfung einmal fällt, man die Kinder nach ihrem Schul- zeugnis aufnimmt oder nicht, Aufgenommene aber, die sich nicht bewähren, nach einiger Zeit wieder zurückschickt in die Volksschule. Dann hätten auch Eltern und Kinder sorgenlose Oster- ferien und die sollte man — besonders heute — beiden gönnen. mr. Schachzeitung des Karlsruher Tagblattes Geleitet vom Aarlsruher Schachklub. Aufgabe Nr. 490 P. Villaret. abc defjjh M M § m ab c U e fgta 2 * Partie Nr. 256 Meisterturnier. Wie« 1922. Da«sttba»er«spiel. Rubinstein. d2-d4 c-J—c4 e2—e3 Sbl—c8 Sgl—f3 Lfl-e2 0-0 c4*d5 ... Scgxdß 10. Ddl-b3! 11. Icl-d2 1. 2. 8. 4. 5. 6. 7. 8. 0. d7-d5 c7-c6 Sg8-ig g7—g6 Lt8-g7 „ 0-0 Sb8-d7 Sf6*d5 cßxds Sd7—f6 Sf0-e4 Dieses Svrinyermanöver «übt Rubinstein aeschickt aus, um die Turmverdov- velung aus der c-^mie zu erreichen. 12. > kl—dl Se4 > d2 13. Tdl < d2 Dd8—dß 14. Tal—cl b7—bfi 15. Td2—c2 Lc8-b7 Bogoljubow, 16. Db3-a4! 17. Tc-2-c7 18. Da4-a5 19. Tel—cö 20. - feö! Se5—c6 bS" TaS' TI8- iü« ! *7; (LXC6 "rc5 < c6 und gelv Me Dorne, ^ Tc8 22. g2—g3 23. Sc6*b8 24. Le2^bö! , Ein Keulenschlag > / a - bs gew. Ä5. durch 94 1-fO i- d8 5 U |8 " L»9- 24- . ... 25. Lb5-e8! 26. Tc7xb7ü 27. Ib7*b8 28. T6S-b7 I cö-cfi Dd0"; Le8xf7! Sufaefle# 8 ' Der Karlsruhe? Schacht!»'> hielt am Mo»ta«-,A 19. Februar leine diesjährige Mitglledcrversauiw^,- ab: er hat sür dieses J»hr wieder eine ünnuMt ..i 20 Mitgliedern zu verzeichnen, '.'in den Klubaüen^ in den Klubturnicren. SiSdtew-ttkämpien, TeilNM am Schachkonar.k und Veranstaltung von SimU' «,i spielen der Twachmeiuer Maoni und Selesniew öefV„ e : uets rege Beteiligung. Der Vorstand wurde in bisherigen Zusammenlegung w.ederqewählt. Die W pt : Oberrcchnungcrat (£. Schättgen und 3ahna«' »|f Manöba «, die dem Klub seit über 40 Jahren..,» treue Mitglieder angehören, wurden zu Ehrenmitglied ernannt. ' Aus der Schachwelt Der Deutsche Schachbund wird seinen diesiäbrE Bundestag mit Turnieren Ende Juli und Ansang gust in !5rant?«rt a. JW. abhalten und kommi seit y (Mannheim)zum erstenmale wieder nach SüddeutsoiM Ansang Sevt mver Ivorausiimtlich vom ö.—9'i dann der Oberrheinische «chachbnnd in Heide»»'.'- seinen Bundestag abbitten. Es ist vorgesehen.,,),! neben der Bundesmeikterichaft auch die «itdde«" Meisterschaft ausspielen zu lassen. Oalerie Jansen Karl-Friedrichstraße 32, neben Hotel Germania Telephon 2331 Neue Ausstellung bad. Künstler u a. Collektionen: Hans von Clossmann (Baden-Baden) Henrich Brenneisen Hans Drechsler. Rindfleisch io eigenen Saft in WeiBblechdosen von 900 gr netto Inhalt, hervorragendes Holsteiner Produkt, empfiehlt LtaMiirfitarein xoiMe ESagengeschäft Ernst Jüasssei Ka i s SS. ,?8 üpziaül: Anzussteffe —— finferligung nach Maß. ». Beste Quaiitätefi, Mäßige Preise. Umzüge aller Art werden bei billiger unv sachknndiger Bedienung ansgesührt. Kleine Tariipt'ei e. 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Wo ist ^7. Lamm, das er sich heute zur Beute ersehen Da plötzlich fährt er wie ein Pfeil her- Aer ans das Kind. Aber da kracht auch schon .'« Schuß und der gefährliche Vogel fällt ster- cna neben dem Kind zu Boden. Wie war das nnw men ? — Wer kennt nicht die geheimnis- oile Unrnhe, die plötzlich über einen kommt? ^>e trieb dei' Vater, ans Fenster zu treten .."0 nach dem Kinde zu sehen. Da erkennt er drohende Gefahr. Rasch reißt er das Ge- Mr von der Wand und kann gerade noch los- rucke«, als der Räuber einige Meter über dem wl schwebt. Das war ein Kunststück des Va- "v. aber auch noch etwas anderes. Großes. Vogel wurde ausgestopft, durchwanderte ^richiedene Museen und kam endlich durch '^eundeshand wieder in den Besitz der Familie. ^ Speisesaal der Zellerschen Anstalt in Männe- steht er als Denkmal der rettenden, bewahren Gottesliebe. -..Werden wir geführt? oder führen wir uns '"oft? oder beides? Gewiß, wer Bewahrung ,°er Errettung erlebt bat. wird gestärkt in Mem Gottvertrauen. Er merkt die eigene ^dwachheit. aber er wappnet sich in dem Ge- Miren: „Ist Gott für mich, wer mag wider mich •e'tt? Wenn er von Sorgen umgeben ist. so Mß er: «Befiehl dem Herrn deinen Weg:" er J' stärker, als er es meint, weil er von unsichtbarer Hand gehalten wird. Seine Stärke ist eine Mrliche. tief mit seiner Seele verwachsen, seine w tJe ist das Leben selber, das große Leben. uns erschaffen hat und erhält. Solches Sich- ?>tten an den Ewigen läßt nicht verzagt und Mlos werden, sondern gibt vielmehr eine ge- 7^we innere Freudigkeit. Die Erfahrung Got- 8 schafft ein festes, frohes Band zwischen ihnen. „ »ß aetare", d. h. „Freue dich", heißt der Heu- '«e Sonntag. Er wendet seine Aufmunterung jeden. denn wohl jeder hat Gottes Bewah- ung und Güte erleben dürfen, so er nachdenkt (►"o soll der inneren Freudigkeit Raum geben. 5* tut damit Wichtiges, denn Freudigkeit ist — !?? Goethe — die Mutter aller Tugenden. Die mne Sage der griechischen Mythologie, die er- fWt. daß auf der Insel Cypern in den Fuß- Msen einer Göttin stets Blumen emporspros- M. wird bei den Gottesfürchtige» und GotteS- .^udigen verwirklichD da blühen Blumen, da ^Aaltet sich Fruchtbarkeit. Pfarrer Oberlin im Steintal im Elsaß rief ,'Ues Tages die Gemeinde zusammen. „Bürger", '?«te er. „es ist nötig, daß wir durch unser Tal . ite Straße bauen bis zur Chaussee nach Straß- z?rg und vor allem eine Brücke über die Lausch." Die Bauern antworteten: Das ist ^'tens ganz unmöglich und zweitens haben wir ■J'l Wichtigeres zu tun. Oberlin sagte darauf ^>ter nichts, ging nach Hause, zog einen andern an, rief seinen Knecht, und beide gingen ?!'t ihrer Hacke ans Werk. Da schämten sich °>e andern, der eine kam mit seiner Hacke, der Andere mit seiner Schaufel, die Schar ber Mit- Mciter wurde immer größer und bald war der fertig und die Brücke über die Brausch auch, l tT tn Bau man zuerst für unmöglich erklärt ??>te. Getrostes Gottvertrauen mit seiner Freu* ,'?teit überwinden Gegensätze und Schwierig- Ä» und schaffen Hilfe. ,-Wohl gibt es dabei allerlei Hemmnisse. Prü- Mqen mannigfacher Art. Der Sonntag Lä- fi a r e ist an vielen Orten PrüsungStag der Kon- .Winanden, ein Borspiel der vielen Prüfungen J 8 Lebens. Nicht immer werden gute, richtige antworten gegeben, nicht in der Kirche, nicht Leben. Aber wer auf den Allgegenwärtigen schaut, behält Mut und siegt. So beim Einzelnen, so bei einem Volk. Denn „die Weltge- schichte," sagte Präsident Garsield von Nord- amerika in einer hochherzigen Zeit, „ist ein göttliches Gedicht, worin die Geschichte einer jeden Nation ein Gesang ist uud jeder Charakter ein Wort darin. Aber durch all ihr Gewirre, durch Gewalttat und Blutvergießen durchtönt den Ge- sang, vernehmbar dem Gottesfürchtige», eine Melodie, die von Hoffnungen spricht und von Friedenstagen. die kommen werden." denn der Allmächtige ist gerecht und barmherzig. „Das ist eben der Liebe Zaubermacht, daß sie veredelt, was ihr Hauch berührt. Der Sonne ähnlich, deren goldner Strahl Ge- witter selbst in Gold verwandelt." Grillvarzcr, Sapvho. L. M. / VaöisckeJoli«? Aus dem Landtag. Bekanntlich hat die Einführung der Frankenwährungauf denschweizerStrek- ken der ober badischen Eisenbahnen außerordentlich viel Erregung hervorgerufen. Auch der Landtag wird sich mit dieser Frage be- fassen müssen. Zwei Fraktionen haben ent- sprechende Eingaben gemacht und zwar liegt zu- nächst von der Zentrumsfraktion eine Anfrage vor, in der von der Regierung Auskunft er- wiinscht wird, was sie zu tun gedenkt, um die deutschen Reisende« vor der durch die Zahlung des Fahrgeldes in Frankenwährung hervorge- rufenen übergroßen Ausgabe zu schützen. Die Fraktion der Deutschnationalen Bolkspartei hat zu dieser Angelegenheit einen Antrag einge- bracht, wonach der Landtag beschließen soll, daß die Regierung in Berlin schärfsten Widerspruch gegen die Frankenwährung erhebt und die Wie- derherstellung der früheren Tarife für die im Gebiet der deutschen Reichsansässigen und das schweizer Gebiet nur durchfahrenden Bevölke- rung mit aller Kraft hinzuwirken. — Weiterhin haben die deutschnationalen Abgeordneten einen Antrag eingebracht, der Maßnahmen gegen Wucher- und Schiebertum zum Gegen- stand hat. In dem Antrag wird vor allem ge- wünscht, daß die Erlaubnis zum Handeln, dieser selbst der strengsten Prüfung unterzogen und daß für den Metallalthandel ein Konzessions- zwang eingeführt wird. •Parteitag der badischen Demschnalionalea. H. Pforzheim, 10. März. Der Landesparteitag der badischen Dcutschnationalen ist heute mit Sitzungen des Geschäftsführenden Ausschusses und des Landesvorstands eröffnet worden. Hier- bei wurde der bisherige 2. Landesvorsitzende Landtagsabg eo rd neter Geheimer Oberktrchenrat D. Mayer zum ersten Vorsitzenden der Partei gewählt. lDer frühere erste Vorsitzende Reichs- tagsabgeordneter Minister a. D. Dr. Düringer ist bekanntlich vor Monaten aus der Partei aus- getreten). Aus ganz Süddeutschland u. aus Nord- deutschend sind Vertreter zu der Tagung er» schienen. In seiner Begrüßungsansprache ge- dachte Vorsitzender D. Mayer aller Volksgenossen im alt und ueubesetzten Gebiet, besonders an der Ruhr und in Baden. Der Redner erklärte, die Deutschnationale Volkspartei könne der Hit t- lerschen Bewegung in München nicht bei- pflichten. Diese Partei sei weder für das deutsche Volk, noch für das deutsche Reich notwendig. Landesgieschäftsführer Major a. D. Freiherr von Schilling erstattete den Jahresbericht, wobei mit- geteilt wurde, daß in den Ortsgruppen Heidel- berg. Freiburg, Karlsruhe und Pforzheim die Verhältnisse für die Partei gut seien, daß sie aber weniger günstig in Konstanz und Lörrach lägen. Dem Frauenausschuß wurde für feine Arbeit besondere Anerkennung gezollt. Die weiteren Verhandlungen am Samstag waren vertrau- licher Natur. Die badifchen Iugendherbergen Der Zweigausschuß Baden für Deut- sche Jugendherbergen, gegründet im Jahr 1920, hat in der verhältnismäßig kurzen Zeit seines Bestehens schon eine anerkennens- wert große Arbeit geleistet und sich den Dank der gesamten Jugend in hohem Maß erworben. Aber nicht nur die Jugend ist es. die ihm Dank zollen muß. sondern viel mehr noch die Erwach- senen: Eltern, Lehrer und alle, die um das Wohl der Kugend besorgt sind. Doch kann der Wert der Schaffung von Herbergen für die wandernde Jugend nur von dem richtig gewürdigt werden, der zu ermessen vermag, welch große Notlage hierdurch behoben wurde und noch zu beheben ist. Denn das badische Jngendherbergswerk steht immer noch im Ansban: vieles ist noch zu tun, um dem Gedanken restlos zum Erfolg zu verhelfen. Diese Zeilen sollen dazu Helsen, das Verständnis für den Wert und die Not der badi- schen Jugendherbergen zu wecken. Dazu ist not- wendig, die Entwicklung des deutschen Jugend- Manderns in der Neuzeit aufzuzeigen. Als zu Ende des vorigen Jahrhunderts in der deutschen Jugend wieder der Drang zum Wandern erwachte, da waren es zuerst nur kleinste Gruppen von Jugendlichen, die hinaus- zogen, sich die deutsche Heimat wieder zu erwer- ben durch Vertiefung in die Schönheit der deut- schen Landschaft. Diese kleinen Scharen fanden gern Aufnahme bei verständigen Bauern, in Pfarreien und Gutshöfen. Doch immer weiter griff die Bewegung und riß immer größere Teile der deutschen Jugend mit sich. So war es denn im Lans der Jahrzehnte bis zum Aus- bruch des Krieges so weit gekommen, daß Zehn- tausende die Wanderstecken ihrer Väter aus den verstaubten Winkeln wieder hervorgeholt und zugleich wieder gelernt hatten, sich Gemüt und Geist zu erfrischen an den Wundern der Na« tur. Sie hatten da draußen all das gefunden, was die Großstadt mit ihrem Jagen nach Geld, mit ihrem hierdurch bedingten rücksichtslosen Aufbrauch von Menschengeschlechtern und ihrer Verarmung an wahrhaft Großem. Schönen, Reinen und Einfachen ihnen nimmer bieten konnte. 000 000 Metei' Leinenzeuq s> orc r- ..-Ali 2'-rr. daüird 2fr KinderteiKkhfn rnusste Deutschland vonierendes Werk. Nielsen Hat reiche Ersin- »Lnaskraft, seine von modernem Geiste erfüllte «Wik fesselt den Hörer unablässig. Ein starkes Lustlerikches Temperament durchpulst die Mu- (.*•„ Nielsen ist ein ausgezeichneter Beherrscher .^Orchesters: er weiß mit ihm frcrppante. pak- ende Wirkungen zu erzielen. Die nur hier und :® etwas zu breit geratene, als Ganzes aber un- ^wöhnlich eindringliche, machtvolle Steigerun- erzielende Sinfonie fand bei dem zahlreichen ^Aikum eine kerzliche Aufnahme. > M in der Sinfonie das nordische Kolorit nicht ausgeprägt, um so markanter trifft das für M Violinkonzert vp. 3-3 zu. Ein ungemein ^Umges. aedswolles Werk, in der Solostimme t,-;® der Begleitung gleich vortrefflich dnrchqe- »'Mt. Es bietet dem Solisten überreiche Ge- Einheit zur Entfaltung seine? Könnens. Kam- ^rmusiker Peder Möller- Kopenhagen bot r ;U. 5er Wiederaabe des Konzerts eine glänzende ,-^naa. Ex ist ein Geiser von ailßergvwShn- JSe» Graden. Seine Technik ist staunener- ^e»d. darüber hinaus ist sein Spiel getragen r Dft starker Musikalität. Souverän s«elte Möl- j * das schwierige Werk, die raschen Sätze blen- virtuos, den langsamen, in dem sein wei- ler tf.ir.. r. r.J. !.. Sa» Hü !a r ' blühender Geigenton sich in die Herzen der ^er sang, mit starker Jnner^chfeit. Der Gei> wie der Komponist wurden stürmisch ge- . "usflnttg des gehaltvollen Konzerts bildeten kleinere Orchesterstücke: „Pan und Syrinx", eine Naturszene für kleines Orchester, ein fein gearbeitetes, stini-mungsvolles Werk, und die witzige Ballettmusrk ,^>ahnentanz" aus Nilsens komischer Oxer „Maskerade". Nielsen, der seine Werke mit fortreißendem Schwünge dirigierte, wurde in hervorragender Weise von unserem Landestcheater-Orchester unterstützt, das an diesem Abend wieder seine Meisterschaft erwies. Man sah es Carl Nielsen an, welche Freude es ihu bereitete, auf diesem glänzenden Instrument zu spielen. H. Wck. * Die Museumsgefellschaft gab in den stimmungsfördernden Räumen ihres jetzigen Heims für ihre Mitglieder ein anmutiges Kon- zert, in dem sich ein buntfarbiges, doch sinnvoll ausgebautes Programm abwickelte. Die kürz- lich schon an dieser Stelle anläßlich ihres eigenen Konzertes besprochene junge Geigerin Hero Alexandra Daehn hinterließ auch diesmal den Eindruck eines nicht gewöhnlichen Talentes, ihr Ton ist groß und warm, ihre Kantilene seelen- voll. Sie spielte außer den üblichen kleineren Stücken das an die Gestaltungskraft hohe An- forderungen stellende A-Moll-Konzert von Bach. Eine fehr sympathische Stimme, die Zeugnis von ihrer guten Schulung ablegt, besitzt Sigrid R 0 t h e r m e l, ihre durchdachte und musikalisch empfundene Vortragsart kam den Brahms-Lie- dern und den Arien von Händel und Thomas sehr zu statten. In die Klavierbegleitungen teil- ten sich mit bestem Gelingen Fräulein Porita und Herr Lutgers, der auch mit einer fein gearbeiteten Konrposition auf dem Programm vertreten war. mt. * Dr. Hermann Wucherpsennig, der Bas- sist unseres LandestheaterS, gab unter Mitwir- kung namhafter hiesiger Künstler in den „Vier Jahreszeiten" ein Konzert, das außerordentlich stark besucht war und so Beweis von der gro- ßen Beliebtheit des Sängers erbrachte. Auch im Konzertsaal bewährte sich Dr. Wucherpsennig aufs Beste. Sein kultivierter, kraftvoller Baß. dem reiche Ausdrucksmöglichkeiten eignen, konnte sich in der Haydnichen „Teilung der Erde", mehr aber noch in den anßerordentlich eindringlich gesungenen, schwerblütigen Michel- angelo-Liedern von Hugo Wolf entfalten. Mit großer Hingabe und fesselndem Vortrag sang Wucherpsennig weiterhin — von der Kompo- nistin gewandt begleitet — drei Lieder von Margarete Schwei kert: „Nachtgedanken", eine empfindungsvolle Komposition, eine stim- mungsrciche Serenade und das köstlich^vitzige „Pendel", dessen feiner, geistreicher musikalischer Humor begeisterten Anklang fand. Dieses Lied mußte wiederholt werden. In Irma. Wucherpsennig, der Gattin des Konzertgebers, lernte man eine intelligente, stimmbegabte Sängerin kennen. Ihr schöner, duftiger Sopran kam der stilvoll gesungenen Arie aus „II rö ps-tore" von Mozart, wobei Margarete Schweikert tonschön und ein- dringlich die obligate Violine spielte, sehr zu statten. Mit nuancenreichem Ausdruck und drama- tischen Akzenten sang Frau Wucherpsennig fer- ner Zigeuncrlieder von Trahms. Duette aus Haydns „Schöpfung" und Donizettis ..Don PaS- guale" gaben Irma nnd Hermann Wucherpfen- nig Gelegenheit, ihre schönen Stimmen im Zwie- gesang zu zeigen. Auch diese Darbietungen fan- ben wärmsten Beifall ber Hörer. Hermann Knierers'oft gerühmte Begleitkunst hatte auch an diesem Abend reichen Anteil an dem vollen Gelingen der Veranstaltung. H. Wck. Vücherfchau. HanS Heinrich Ehrlers „Briefe aus meinem Klo st e r". Obwohl die tiefe- stille Art des schwäbischen Dichters nie einen großen Marktersolg erringen wird, liegt doch nun erfreulicherweise dieses Buch schon in drit- ter Auflage vor. lEhrlers Werke sind in den Verlag von Greiner & Pfeiffer in Stuttgart übergegangen.) Der versonnene Lyriker, dessen Prosabücher ebenfalls mit einer heimlich süßen Melodie überweist sind, dringt nun allmählich doch durch. Daß gerade solche Bücher wie die seinigen die dankbarsten und verbundensten Le- ser finden und zeitlebens als wahre Schätze ae- hegt werden, ist ganz natürlich. Die Briese des Maulbronner Laienbruders winden den Kranz der „Briefe vom Land" zu Ende. Nikolaus Köst- lin hat wie jener Mann im Jakoberbrief die Da kam der große Krieg und riß sie alle, die Führer, heraus aus ihrem romantischen Wan- derleben und zog sie hinein in Not und Tod. Die Jungen, die führerlos zurückgeblieben, ver- suchten das, was die Aelteren ihnen vorgelebt hatten, allein zu tun: doch nur mühselig gelang es ihnen. Eines Tages, nach Jahren des Schrek- kens. kamen sie wieder zurück, die der Krieg ver- schont hatte, mit ihnen kam wieder die Sehnsucht, die deutsche Jugend auf die Wanderschaft t«»Jj, Und nun wollte all das nachgeholt werden, was der Krieg zunichte gemacht hatte. Statt der Zehntausende zogen jetzt Hundert- tausende des Sonntags hinaus. Die Not und das Elend waren nicht gewichen, sondern stär- ker und drohender geworden. Was war da na- türlicher. als daß die Jugend den geraden und einfachen Weg zur Wiedergenefung fand, den Weg. der immer gegolten und zum Ziel geführt hatte: zur Natur. Doch war es jetzt ungleich schwieriger, zu wan- dern, als je zuvor. Denn wie leider so oft, so spielte auch hier die letzte ausschlaggebende Nolle: das Geld. Mit den paar Pfennigen, die früher ausgereicht hatten, die geringen Kosten für Nah- rung. Nächtigung und Fahrgeld zu bestreiten, war nichts mehr anzufangen. Was tun? Sollte wirklich auch jetzt wieder am schnöden Mammon das Glück, die Sehnsucht der Jugend scheitern? Sollten die blassen, schmalwangigen Kinder der Großstadt auch ihre Sonntage, ihre Ferien hin- ter grauen Mauern verbringen, licht-, lust- und sonnenlos? Sollte es wieder so werden, daß deutsche Buben und Mädchen nicht mehr wis- sen sollten, wie ein Kornfeld rauscht, wie ein Baum blüht, wie die Sonne untergeht und der Scknee über den Feldern liegt? Da waren es einige Männer, die. wissend um das. was der Jugend nottut. sich anschickten, ihnen ein Dach zu geben, unter dem sie schlafen konnten, wenn sie, müde gewandert, des Abends irgendwo im weiten Land draußen nächtigen wollten. Was diese Wenigen zuerst taten, fand Nachnahmung allerorts im weiten deutschen Ba- terland. So entstanden die ersten Jugendher- bergen wie Inseln aus dem Meer. Doch bald erkannte man, daß die vorhandenen Entrichtungen nicht ausreichten, baß zu wenig Platz da war. nicht genug Betten oder wenigstens Stroh- säcke vorhanden waren. ES blieb nichts übrig, als zu kaufen oder zu mieten. So ging es auch bei uns in Baden. Doch woher das Geld nehmen? Sollten die Herber- gen ihren Zweck erfüllen, dann mnßtne sie in erster Linie billig sein, denn andernfalls hätte man ja zusehen können, wie die jungen Wan« derer in den teuren Gasthöfen einkehrten, so weit sie Geld hatten tund das hatten wenige), und daß die andern, die vielen, zuhause blieben. Also die Herbergen konnten sich aus sich selbst nicht erhalten. Gewiß fanden sich da und dort Gemeinden und Private, die Gelb für diesen Zweck spen- deten. Aber es reichte nicht zu. Denn es galt, solange noch billig aus Heeresbestäuden Betten, Matratzen. Decken n. ä. zu haben war, diese ein- zukaufen. Un dda man nicht zusehen wollte, wie besser gestellte Kaufliebhaber nach und nach alles wegtrugen, kaufte man auch und blieb — schuldig. Aber Schulden sind dazu da. eines Tages be- zahlt zu werden. Dieser Tag ist für die badi- schen Jugendherbergen gekommen. Wenn es aber nicht so weit kommen soll, daß zngnterletzt gerade die Leute, die uneigennützig diese Schul- den für die Jugend gemacht haben, gepfändet oder gar noch eingesperrt werden sollen, muß ein jeder zur Tilgung spenden: denn da es um eine Sache der Jugend, der Zukunftshoffnung Deutschlands geht, ist jeder interessiert. Zur Werbung und Sammlung in diesem Sinne haben sich die Karlsruher Jugend- verbände aller Richtungen in seltener Ein- mütigkeit znsammengetan zur Veranstaltung einer Jugend herbergswoche. die vom 17. bis 25. März stattfinden wird. Eine öffent- liche Sammlung hat das badische Ministerium des Innern in Anerkennung des guten Zweckes bereits gestattet. Wenn in den nächsten Tagen Karlsruher Buben und Mädchen von Hans zu Prüfung bestanden und sieht sich die lächerliche Welt mit gütigen Augen an. Er ist aus der Enge des Herzenserlebnisses in die Welt getre- ten. denn „es ist Zeit zu bekennen"! In die Welt heißt hier nicht in den Lärm und Schwin- del der Schreier im Land. Der Evistelschreiber nimmt vielmehr aus anscheinend kleinsten An- lässen. die aber doch lediglich die ganze Welt atmen, gelassenen, heiteren oder anch zornmüti- gen Anteil, denn er steht in der Tat auf dem Berg und sieht daher alle Wege. Für die Einkehr der Karwoche und für die all- znvielen trüben Stunden unserer Gegenwart wüßte man kein schöneres und feineres Buch zu empfehlen. Hier zum Beschluß eine Leseprobe: „Ich werde hier in meinem Klosterhof, fern von dem, was Menschen Ereignis nennen. Zu- schauer des großen und kleinen Weltverlaufs. Mchts geht mir verloren, alles wird Augen- weide: ich sehe an allem noch etwas mehr, als es zeigt, aus meiner Einsamkeit, in der ich sitze wie nnter einem Baum inmitten der Welt, zwi- schen den zwei Welten, unter meinen Linden, unter Agdrasil. Meine Gehirnwände sind ein Gnadenraum, worin jegliches, was mir je Frohes und Trau- riges geschah oder nahte, zusammenwebt. Nim- mer Zerstreutes. Zufälliges, sondern ein Schleier geworden, also daß die Erlebnisse auch keine Summe mehr sind, sondern inwendig verwandt und wie ein Einziges. Ton und Form der Welt im Heiligtum vermählt. Gleichnisse. Ich sehe die Wolken, die Nebel, den Regen. Kinder der Erde und der Wünsche kommen und gehen. Aber über Regen, Nebel und Wolken erscheint die selbe Sonne, das selbe Blau, die selben Sterne. Und Gottes Luft fällt aus der Höbe in meine Brust. Ich sehe auch das Werdende in der Ruhe. Und. ja. tausend Jahre sind wie ein Tag. ein Taa wie tausend Jahre. Durch drei Stufen, drei Gemächer sind die Dinge des Lebens mit mir gegangen bis zn die- ser meiner Bank: Ereignis — Erlebnis — Gleichnis." Griffen wir zu hoch im Lobeswort? —0. Nr. 69. Seite 6 Karlsruher Tagblatt, Sonntag, den II. März 1823 Zweit? S Blatt ÖKUs gehen und auf die gekennzeichneten Listen sammeln für die basischen Jugendherbergen, dann mache man die Türen nicht wieder zu. die ein möglichst grober Geldschein gestiftet ist. Die Jugend wird es danken. Daneben werden in der genannten Woche abends Aufführungen stattfinden und auf den öffentlichen Plätzen wer- den alte Volkslieder gesungen werden. Und falls es erlaubt wird, soll am Abend deS 17. März als Auftakt der Woche ein grober Singnmzua der Jugend stattfinden, der auf dem Marktplatz endigen wird. W. E. Aus T-aben. Die Sorgen der Städte. - Karlsruhe, 10. März. A'm Donnerstag, 8. März ös. Is., hielt der Vorstand des B a d i - sehen StädteverHandes im Rathaus zu Karlsruhe eine Vorstandssitzung ab. Der Vor- sitzende gedachte zunächst mit warmen Worten des in französischer Gefangenschaft weilenden Oberbürgermeisters Holler von Offenburg und sprach ihm sowie dem zur Sitzung erschienenen, aus Offenburg ansgewiesnen Bürger» meister Dr. Bührer die Teilnahme und den Dank der Städte für ihre mannhafte Hal- t u n g aus. Den Hauptpunkt der umfangreichen Tages- ordnnng bildete die Frage der Durchführung Hes Beamten'besoldungssPerrgesetzes. worüber am gleichen Tage noch weitere Beratungen mit der Regierung im Ministerium des Annern stattfanden. Der Vorstand Hält ferner eine schnellere Ueberweisung der vom Reich den Gemeinden zu erstattenden Be so l d u ngsz u- fchüHe zu den BeamtengehAtern für dringend geboten, damit die Gemeindebewmten zu gleicher Zeit wie die Staatsbeamten in den Ve- sitz chrer Bezüge gelangen. Es wurde ferner die Notlage der Straßenbahnen erörtert und betont, dak, wenn schon das Reich weiterhin eine allgemeine Un- terstütznng der notleidenden Straßenbahnen ab- lehnt, auf alle Fälle he* rückwirkenden G e - Haltserhöhungen die entsprechenden Mehraufwendungen für die Strafjenbahnen, da -diese durch Gebührenevhöhungen nicht mehr ein- gebracht werden können, den Gemeinden vom Reich voll ersetzt werden müssen. Des weiteren beschäftigte sich der Vorstand mit Fragen der Durchführung des neuen Poli- zeige fetze s. Es wurde verlangt, daß, nach- dem die Städte sechs Zehntel von dem Personal- aufwand für die staatlichen Poltzeibeamten zu fragen haben, diese Beamten den Städten zu Erhebungen, Zählungen und dergleichen, sowie auch zur Erfüllung anderer Aufgaben ohne Ge- -wckhrung einer besonderen Vergütung zur Ver- fügung gestellt werden müssen. Eine entspre- chenöe Vorstellung wird beim Ministerium des Innern erhoben werden. Außerdem wurde die Festsetzung des Schul- geldes an den höheren Lehranstalten im nach- sten Schuljahr, die Erhöhung der Gemeinde- Verwaltungsgebühren, die Einführung standesamtliche? Gebühren, die Rege- lung der Ka fseneinbutzg e l de r, die Fremdensteuer, der Gemeindezuschlag zur Hnndesteuer nnd andere Fragen von mehr oder weniger großer Bedeutung beraten. - Oberöwiohcim, 10. März. Der Ajährige Sohn des Landwirtes Adam Bühle r machte sich mit einem Revolver zu schaffen. Die Waffe entlud sich und die Kugel verletzte den Landwirt B ühle r lebensgefährlich. * Mannheim, 10. März. In einer Fabrik wurde der 60jährige verheiratete Former Peter Hübner von Neckarau durch stürzende Ze- mentstiicke totgeschlagen. - Altdorf. 10. März. Zur Verteilung an Orts- arme hat der in Neuyork wohnhafte I. Meyer seiner Heimatgemeinde die Summe von einer Million Mk. überweisen lassen. - Schöne nbach, 10. März. Einen groben U n f u g leistete sich ein unverantwortliches In- dwiduum, indem es einer verwitweten Frau in den Holzstoß ein mit Pulver geladenes Scheit legte. Das Holz kam unbemerkt in die Küche, im Herd explodierte dann das Scheit zum .große« Schrecken der ahnungslosen Familie. Da niemand am .Herd tätig war, ging es ohne schlimmere Folgen <, Herr Späth (Tenor) und Herr Lang lBatz). Kaufmännischer Verein Karlsruhe E. B. Am Mitt- woch, den 14. März, abends 8 Uhr, im Eintrachtsaale, wird Herr Bruno S ch ö n s e l d das neueste Werk Hugo von Hosmaunsthals „Das Salzburg« grobe Welt- theater" zu Gehör bringen. Das Werk ist eine freie Nachdichtung des berühmten Calderonschen Mysteriums- spiels und bildet ein Seitenstück zu „Jedermann". Die begleitende Musik stammt von einem jungen Frank- furter Komponisten Richard Rosen b erg. der sie selbst am Flügel ausführen wird. Karlsruher Hausfranenbund, Kleiderhilfe. Vor cini- ger Zeit haben wir auf unsere Kleiderhilfe aufmerksam gemacht. Der Berkaus findet nnn am Samstag, den 17. und Sonntag, den 18. März, im Schlöble, Ritter- ftrahe, statt. Wir möchten hiermit alle Hausfrauen bit- tc, doch ja einmal die Schränke usw. einer gründlichen Durchsicht zu unterziehen, und wir sind überzeugt, datz sich manches sinden wird, das man selbst nicht mehr trägt und bei dieser Gelegenheit zu Geld gemacht wer- den kann. Wir nehmen Kleider, Mäntel, Hüte, Schuhe, Strümpfe, Wäsche, Schirme, alles, was zur Bekleidung gehört, zum Verkauf an. Wer in der glücklichen Lage ist. nicht aus materiellen Gründen verkaufen zu müs- sen, den möge mehr die ideelle Seite unserer Kleider- Hilfe bestimmen, soviel wie möglich abzugeben. W'l wollen der Not der Zeit steuern, und jedermann weiß, >n wie vielen Häusern es an den nötigsten Kleidungsstücken fehlt. Gerade in den kinderreichen Familien ist dtt Sorge jetzt unendlich groß. Wer möchte da nicht M»> helfen und die Hand bieten, den folgenden Eltern die Möglichkeit zu geben, getragene Kleider billiger «»' zukaufen. Unsere Vereine haben in anderen Städte» sehr schöne Erfolge mit der Kleiderhilfe gehabt und w» erwarten bestimmt, daß die Karlsruher Hausfrauen auch nicht zurückstehen wollen und uns tüchtig unter- stützen. Annahme der zu verkaufenden Sachen am Donnerstag, den IS. März, mittags von 2 bis 6 Ubr> und Freitag, den Iii. März, morgens von %10 bi° 12 Uhr und mittags von 2 bis ki Uhr, im Schlöble. R»- terstratze. Die Stücke müssen in geordnetem, reinlichen Zustande und festem Anhängezettel mit Namen versehen sein. Nur am Montag, den Ig. März, morgens von bis 12 Uhr und mittags von 2 bis 6 Uhr. Abboluna der nicht verkauften Sachen oder des erlösten Geldes. Bei denen, die bis Montag abend 8 Uhr die Sachen nicht abgeholt haben, wird angenommen, datz die Sa- chcn oder Gelder einem wohltätigen Zweck zufließen. Anzeigen folgen. Kaninchenansstellung. Die Kaninchenzucht und -b«^ tung tritt heute wieder mehr denn je in die Erscheinung! haben doch die Fleischvreise eine Höhe erreicht, durch die die Beschaffung fast unmöglich wird. Um nun der Kaninchenzucht wieder neue Freunde zuzuführen, ver- anstaltet am SamStag, den 1». und Sonntag, den II. d. M., der Kaninchenzuchtverein lStammverein! Karlsruhe im Gartenfaale der Brauerei Schreins' Beiertheim«: Allee, eine Lokalausstcllung von Kanin- chen aller Rassen? weit über IM Nummern sind da, un» wenn man in Betracht zieh» daß eine große AnzabI Häsinnen bereits mit Jungen zur Stelle ist, so ist die Anzahl der Tiere ganz ansehnlich. Von den gröb- ten bis zu den kleinsten Nassen wurden ganz fcfiönc Exemplare dem Auge geboten und die einzelnen Tic« wurden auch, besonders von Kennern, eingehend be- sichtigt. Aber auch der Laie betrachtete mit Wohlgefal- len die ausgestellten Tiere. Die Kaninchen repräsen- tieren heute ansehnliche Werte, denn auch sür die Felle werden sehr gute Preise bezahlt und die ausgestellten Gegenstände, die aus Fellen von Kaninchen hergestell» wurden, erregten allgemeine Bewunderung und be- wiesen die Nützlichkeit der Tiere. Die Ausstellung nahw am Samstag früh mit der Prämiierung der ansgestcu- ten Tiere ihren Anfang. Als Preisrichter war Herr A r h e i d t - Grötzingen gebeten, der mit Sachkenntnis seines nicht immer leichten Amtes waltete. Dab wiefit alle Tiere mit ersten und Ehr"nvreijen bedacht werden konnten, ist klar, doch soll der Aussteller seine Befrtc- diguug darin finden, daß feine Tiere weiteren Kre>' sen vorgeführt werden und Bewunderung erregen. Tic Ausstellung ist bis Sonntag abend geöffnet. Die tun» lag diesmal in den Händen des 2. Vorsitzenden des Vereins, Herrn E. Bruch, der sie mit eine» Stab von Mitarbeitern zum guten Gelingen führen wird. — u— Slandesluich-AuSzüge. Todesfälle. 8. März: Paulina Riether, alt 34 Jahre, Ehefrau des Kaufm. Karl Riether. — g. Mar»! Guft. Altenbach, Hilfsarbeiter, Ehemann, alt f Jahre: Marg. Beck, alt 57 Jahre. Ehefrau des Koro- machers Johann Beck: Anton Philipp. Schreiner, Ehemann, alt 51 Jahre. — IN. März: Anton AS*' mann, Landwirt. Witwer, alt 82 Jahre. Spenden für die neubefetzken Gebiete. Bei unserer Expedition sind weiter eingegangen! E. Ball, Turin. 2000 X Oberst Rochlitz 4000 Jl, Land' gerichtsrat Deimling (2. Spende) 5000 Ji, I. R. 5000 •*; durch Rhein. Kreditbank, Niederlassung MühlbUlO/ 4. Zahlung N. N. 162100 Jl. P. D. K. W. «3 000 > Ungenannt 5000 Jl-, I. und E. Beutler 5000 Jl. N. 5000 Jl, Ad. Bähr 5000 J!. Frau A. Sch. 1000 Jl, P. 2*-; 2. Gabe, 2000 Jl, Frau Rosa Maier l2. Spende) 10 00" Mark. Fran Len, 2000 .U, Unbekannt 1000 Jl, Ungenannt 1000 Jl, Ungenannt C. H. 2000 Jl, Ungenannt Nr. 92 1000 Jl, Rechtsanwalt Geier: Buhe aus eincn> Privatklagevergleich 15 000 Jl, Karl Reichenbach, Klau»- rechtstrake 5. weitere Spende 10 000 Jl, Frau Geh. Ober- finanzrat Becker statt Kranzspende 1000 Jl, E. K. 8000 *' R. K. 500 Jl, K. L. 2000 M, Frau E. R. 2000 M. Ungenannt L. und A. 3000 Jl, Rudolf Wunderle, Putlis- strahe 24. 10 000 Jl, Berta Emele Ww.. 2. Gabe, 1000 •*' Otto Koch 1000 Jl, Südeudschule 2. Kl. 6, 16 4100 •*' Frau E. Jonas, 2. Gabe, 1000 X Vergeht unsere Kol^ nien nicht 8000 Jl, Geschwister M. 2000 Jl, Volksschule Liedolsheim 6. Kl. 7850 Jl, Gemeinde Blankenloch 53 Off' Mark. Frau F. R. 2000 Jl, E. M. 5000 Jl. Prof. T>r- Baas, Augenarzt, 5000 Jl, Kunz Klövfer und Kollege» 1571 Jl., N. N.. 5. Zahlung. 143 300 .H, zusammen 556 921 Jl. Gesamtergebnis: 8 206 224.50 Jl. 87 französische und 10 belgische Franken. Wir danken den verehrlichen Spendern für die tat- kräftige Anteilnahme, die sie mit ihrer Opferwilligke'' bewiesen haben. Gilt es doch, der von einem Feind geknebelten Bevölkerung verschiedener Gebiet für ihr Aushalten unsere Dankbarkeit zu beweisen. Einigkeit macht stark! Weitere Spenden nimmt unsere Expedition Riiter strabe 1 entgegen. Einzahlungen können auch auf un!^ Postscheckkonto lKarlsrnhe 9547) vorgenommen werben- Mgesanzeigev Sonntag, den 11. März 1823. Bad. LandeStheater: 2. musikalische Mörsch seier, vormittags 11% bis gegen 1 Uhr. „Die Za» berstöte", abends 6 bis gegen 9 Uhr. r .^., Stadt. Konzerthaus: „Der Raub der Sab«^' rinnen", nachmittags 3 bis 5% Uhr. „Der kühn Schwimmer", abends 7 bis nach 9 Uhr. ,, Oeffentliche Vorträge: „Die Welt im Kawv' sich selbst zu retten", abends 8 Uhr im Vortrags saal Kriegstrahe 84. irtI Liederhalle Karlsruhe: Familienabend Eintrachtsaal, abends 7 Uhr. ^ ColofIeum : Varietö, nachmittags 4 Uhr und abeno 8 Uhr. , « F.C. Phönix: 1. Mannschaft gegen 1. Manmw" Phönix-Mannheim, vormittags 11 Uhr im Fasane garten. „ Karlsruher Fuü ballverein: Pokalspiel S gen Stuttgarter Kickers, nachmittags 2 Uhr. j Beiertheim er Fnhballverein: Rüppurr gegen Beiertheim 1.nachmittags 3 Uhr Bt , K. T. B.: Handballspiel gegen Tv. Mühlburg, mittags %11 Uhr. Jugend-Nachmittag, 4 Uhr Vereinsheim. m m alter bewahrter bleicht^n^desinfizferr: gVSLS»,«! fW S>IS ¥©II WÜSCll©. AllQlniqe Morsreller: HENKEL & CIE.. QUSSElOGiaF, auch der altbewährten „HEKKO" (Menkel's Wasch- und Bleich-Soda). Zweites Dlatt Karlsruher Tagblatt. Sonntag, den II. Marz 1928 Nr. «9. Seite 7 Mrtschafts-unö Hanöels-Mtuns ANrffchafMche Rundschau. ^°llelima durch die Besekuna. — Käuferstreik, ^benshaltuna. — Lähmung des Geschäfts. — ^reditbediirfnis. — Hinderliche Abnaben. ».^Mschlands Halsader sei durchschnitten, sagte Üni en Hlifcoc Ministerpräsident Bonar Law 'im ,,/erhause. olme darüber freilich Aufklärung zu wie diese wirtschaftliche A b w ü r - »I eines friedlichen und wehrlosen mit den Grundsätzen der Herstellung lu e $ dauernden Friedens und einer Völkerrecht- j, V Behandlung internationaler Streitfragen jj Einklang zu bringen ist. Solange die Welt ■.J iT systematischen Wirtschastszerstörung ruhig r' MUP das deutsche Volk sich wehren, so- " feine .«Iraste ausreichen. Erfreulicherweise ZjW? Reichskanzler Dr. Cuno in seiner großen ^uc»stagSrede feststellen, dafi es vorläufig zum tzMang der Wirtschaft im unbesetzten Gebiet Itö» 011 Kohlen noch an Rohstoffen und Auf- $i fehlt, obwohl der Kampf schon in die achte tea S ^eht. Die schweren folgen dieses Kamp- , »nd - "Tm "" -''»leben zu spuren. Die M a r k st ü tz n u g s- U ' t o n, die der Zieichskanzler als eine not- und erfolgreiche Masmas,me in unserem ti"'chaftlichen Abwehrkamps bezeichnete, und L oarum mit Nachdruck fortgefekt werden soll, starke Rückwirkungen auf den allgemei- tu." welchäftsaang gehabt. In Erwartung wei- ^." Preisrückgänge sind Verbraucher und San- t r ."lelfach in eine Art Käuferstreik einge- 6to» •' ^r durch den allgemeinen Geldmangel t."^flicherweise noch verschärft wird. Aber auf sj..."eipziger Messe, die diesmal in die Zeit Pi* ° scharfen Koniunkturumfchwungs fiel, hat °°ch aezeigt. daß die Zurückhaltung der Käu- j^ur solange andauert, als die Verkäufer an üu höchsten Preisniveau festhalten, daß aber I^^wäßigten Preisen immerhin genügend Ab- ' vorhanden ist. '^erbings ist — und das hat auch Dr. Cuno ^ Reichstag ausdrücklich festgestellt — eine all- ■^'-ue Herabsetzung der Lebenshal- qj n 9 ö tosten bisher nicht erreicht worden. wird abwarten müssen, ob durch die neue f Ur- re Markbesserung, durch die der Dollar- ij. . bis aus 20 000 herabgedrückt wurde, und h». öß mit vielleicht noch nicht ihr Ende erreicht iw*i«e Verbilligung der Preise durchgesetzt kann. Aber es muß auch schon als ein «.^voller Erfolg der Markstützungsaktion an- &tt werden, daß die gewaltige Teuerungs- die unsere Wirtschaft zurzeit der Ruhr- ly.^UNg in den Abgrund zu treiben drohte. "Ostens zum Stillstand gebracht worden ist. müssen freilich auch diesmal die Ersah- machen, daß in Zeiten wachsender In- ieder Stillstand auch eine Stockung allgemeinen Geschäftsganges ^vorbringt. Wir sehen, daß der Export erheb- Ii.?. Zurückgeht und daß die Arbeitslosenziffern k n - Arbeiterentlassungen größeren Umsangs jedoch bisher nicht stattgefunden, auch nicht °ul>rgebiet. wo Kohlenbergbau und Eisen- C ri e aus Vorrat arbeiten. Es wird auch d,? den dortigen Industriesührern versichert, «^vian dnrchznhalten in der Lage sein werde, C wenn die jetzigen Zustände noch Monate- Landauern. Allerdings muß die auf Lager Utende Industrie des Invasionsgebietes die w°dite der Reichsbank in erheblichem Um- 3» e in Ans, ' ' ^bringen. • «■ c uci */iciuj»vuut Anspruch nehmen, um die Lohnaeloer Zubringen. erklärt es sich auch, daß trotz der Mark- l,"°rung der Notenumlauf der Reichs- Ht » ö ? k in ungeheurem Ausmaß gesteigert werden e. 3Vr Notenumlauf ist inzwischen auf i»,^ als zz Billionen Mark gestiegen. Kredite d>, Zandelswechsel vertreten dabei immer mehr ^„Stelle des Bargeldes. Man darf an der !>,. Me, daß ein immer größerer Teil der Pro- (J, t0 « mit geborgtem Gelde zu arbeiten ge- lu^ken ist und zu arbeiten sich gewöhnt, ^5esfalls achtlos vorübergehen. Aber man wird ihrerseits mit dieser Sachlage als einer Folge w Gegenwärtigen Krise, bei der es um Leben unserer Produktion und damit aller t>!.°uzcnten geht, sich abfinden müssen. Die »i>! Besserung ist ia überhaupt nur künstlich »1,.,'tellt sich dar als eine Kampfmaßnahme, die ltz.r,/ ungeheuren Opfern herbeigeführt ist. Eine ti„, "düng der Wirtschaftslage kann nur durch ir.i dauernde Besserung unserer Währung ixWt werden. Mit Recht hat die Berliner San- Kammer die Forderung erhoben, daß beim ^/°abbau die öffentlichen Betriebe, in erster "iiif,* die Eisenbahnverwaltung, vorangehen k ; en - Wenn die innere Kaufkraft der Mark i» ?ebt, werden auch Arbeiter und Angestellte dj^Ulen Abbau ihrer Bezüge einwilligen. Ueber wo mit dem Abbau begonnen werden sollte man also nicht länger streiten, son- t«.? ohne Rücksicht auf widerstrebende Kräfte " Anfang machen wo der Staat direkten ^"Uuß besitzt. Das gilt nicht nur für die Ta- Seydel & Co. SnnKaesHiaH J%erstr. 59 60 Eerlin W 8 Tel.-Zentr. 2778, 13267 Wöchentliche Börsenberichte , Kolonial- u. unnotierte Werte, '°»ge Aktien — Vermögens - Verwaltung. rife der Güterbeförderung, sondern auch für den immer dringender verlangten Abbau der Koh- lensteuer, der Umsatzsteuer und beson- ders der A u s f u h r a b g a b e u. Der Reichswirtschaftsminister wird sich gegenüber der Res- sortpolitik in den einzelnen Ministerien weit stärker als bisher durchsetzen müssen. Es müssen bald energische Taten folgen, sonst besteht die Gefahr, däß die mit so großem Erfolge begon- nene Markstützung verpufft, weil sie eine iso- lierte Maßnahme inmitten von Gegenkräften bleibt, die unsere Währung weiter hinabreißen oder doch einer Aufwärtsbewegung nnüberwind- bare Hemmnisse bereiten! Die Lage an der Börse. (Eigener Wochenbericht.) wieder hat sich das alte, so banal klingende und doch auf der Erfahrung von Jahrzehnten beruhende Vörfenwort bewahrheitet, daß auch Zeiten folgen, in denen eine hochgradige Ab- neigung vor dem Effektenbesitz vorherrschend ist. Tie jahrelange „Katastrophenhausse", die allge- meine Flucht vor der Mark in die Sachwerte hinein, hatte diesen Börsenerfahrungssatz etwas diskreditiert. Eine neue Generation von Börsen- interessenten hatte schließlich das Schlagwort ge- prägt, man dürfe Wertpapiere überhaupt nicht mehr hergeben, weil sie — abgesehen von den Golddevisen — die einzigen Werte darstellen, die dem verarmten Teutschland geblieben seien. In der Tat kann man der Richtigkeit dieser An- schaumig beipflichten, aber nur. soweit es sich auf tatsächlich bezahlte Effekten bezieht. Es hat sich nun herausgestellt, daß noch recht große Esfek- tenmengen zu einem mehr oder weniger großen Teile auf Kredit gekauft worden waren. Die Sucht, ein Gegengewicht gegen die Geldcntwer- tung zu besitzen, hatte schließlich Kreise dem Bör- sengeschast zugeführt, die nicht Kapitalien an- legten, sondern für den Erwerb von Wertpapie- ren Betriebskapitalien oder gar Gelder verwen- deten, die sie in absehbarer Zeit für den Lebens- unterhalt benötigen mußten. Der Zerfall des hochgetürmten Kurs«ebäudes ging freilich vom Warenhandel aus. Seitdem durch die Devisen- abbäuaktion der Reichöbank die Kreditspannung, die schon durch die Bindung großer Summen im besetzten Gebiet einen gefährlichen Grad er- reicht hatte, durch die Waffe der Diskontverwei- gerung selbst großen Konzernen gefährlich ge- worden ist. sehen sich die Kreise des Waren- Handels genötigt, ihren Effektenbesitz aufzu- lösen, um ihre Warenbestände durchhalten zu können. Dieser Essektenliguidationsprozeß im Warenhandel schien nach der relativ glatten Er- ledigung des Ultimo vorerst beendet, die Börse begann wieder aufzuatmen und die Baiffevartei gina, da das Börsenterrain gereinigt erschien, mit Rückkäufen vor. Da fetzte plötzlich angesichts der Preisrückgänge auf der Leipziger Messe ein neuer Essektenliguidationsprozeß im Warenhan- del ein. Das Kursniveau senkte sich von neuem scharf, da die Kauflust angesichts der Schwächung der Börse minimal bleibt. Dazu kommt die lähmende Ungewißheit über die außen- und in- nenpolitische Situation und schwere Besorgnisse über die wirtschaftliche Entwicklung. Schon hat die Zahl der Arbeitslosen wesentlich zugenom- men. ohne daß bisher die Krage des Preisab- baus über die ersten Versuche hinausgegangen ist. Gegenüber diesen Sorgen fällt die Geld- erleichterung an der Börse, die sich übrigens auch nur auf das kurzfristige Geld erstreckt, wenig ins Gewicht, zumal Waren- und Diskont- kredit weiter unerträglich knapp bleibt, weil die Reichsbank bestrebt ist, durch Krediterschwerung die Lockerung von Devisen- und Wnrenbeständen zur Erleichterung der Rnhraktion durchzuführen. Es erübrigt sich, auf Einzelheiten des Börsen- Verkehrs ' einzugehen. Zu erwähnen wären höchstens vorübergehende größere Käufe in den Ruhrwerten im Zusammenhang mit Erörterun- gen über die Möglichkeit einer vernunftgemäßen Diskussion mit Frankreich. Relativ gut gehalten waren unter den Valutawerten türkische Renten im Zusammenhang mit Auslandskäufen. Die Schutznebietsanleihe giim ebenfalls nach unten, obwohl sich die Anschauung erhält, daß die deutsche Regierung angesichts des großen Aus- landsbesitzeS eine allgemeine Auslosung der An- leihen nicht werde durchführen können. Die wettere Entwicklung der Kurse hängt von der Krage ab. ob der Warenbandel weiter zur DurchHaltung von Warenbeständen Effekten auf die Märkte wird werfen müssen. Allzuaroß dürfte dieser Effektenbesitz nicht mehr sein. Mög- licherweise wird nach Erledigung der Gold- anleihe die Bankwelt eher geneigt sein, von neuem herauskommendes Effektenmaterial auf- zunehmen. Maßgebende Kreise der Börse und der Kinanzwelt vertreten den Standpunkt, daß bei einem Beginn von Verhandlungen die De- Visenbestände wieder nach Möglichkeit eine Aus- süllung erfahren werden, weil dann neue Re- parationszahlungen am Horizonte erscheinen. Da außerdem die Essektenkurse vorher der Dol- larsteigerung nicht im entferntesten gefolgt sind, so kann man daran festhalten, daß selbst die sein- sten Papiere in Goldmark weit unter den Krie- denSknrsen selbst in Krisenzeiten stehen. Das wird im Kalle einer Markstabilisierung erst so recht in Erscheinung treten. Unter diesen Um- ständen werden alle, die ihre Effekten bezahlt haben, gut daran tun. ihren Besitz zu behalten. Die DoUarschatzanweisungen des Deutschen Reichs werden in einem Augenblick zur Zeichnung auf- gelegt, der für Deutschlands Zukunft von höch- ster Bedeutung ist. Es gilt, die in der Privat- Wirtschaft vorhandenen, entbehrlichen fremden Zahlungsmittel zum Besten der Gesamtheit zu konzentrieren und die Grundlagen der Aktion, mit denen einem weiteren Steigen der auswar- tigeu Wechselkurse Einhalt geboten und eine nachhaltige Beeinflussung der gesamten Preise ausgeübt werden kann, zu kräftigen. Entsprechend dem Verwendungszweck der An- leihe werden als Einzahlung nur Devisen an- genommen, und zwar neben amerikanischen Dol- lars auch Pfund Sterling, holländische Gulden, schweizerische Kranken, nordische Kronen, fva- nische Peseten, • argentinische Pesos, japanische Den. Der Zeichnungspreis beträgt 100 Prozent, die Rückzahlung der Anleihe erfolgt nach 3 Iah- ren zu 120 Prozent. Das entspricht einer Ver- zinsung von über 6 Prozent. Die günstige Ver- zinsung im Verein mit der Beleihbarkeit der Schatzanweisungen bei den Darlehenskassen zu einem vergleichsweise günstigen Zinssatze gibt den Schatzanweisuugen einen erheblichen Vorzug gegenüber dem Besitz an Devisen, da diese un- verzinslich und unbeleihbar sind. Die Börsen- gängigkeit der Schatzanweisungen bürgt dafür, daß sie jederzeit verkanst werden können. Es verdient besonders - hervorgehoben zu werden, daß die Schabanweisnngen in derselben Wäh- rung, auf die sie lauten, auch zur Rückzahlung gelangen, nämlich in Scheck auf Neuyork oder aber nach Wahl des Reichs in Gold. Die Siche- rung ist im besonderen noch bewirkt durch die selbstschuldnerische Bürgschaft der Reichsbank. Die Zeichnung kann in der Zeit vom 12. bis 24. März erfolgen, und zwar bei der Reichsbank und allen ihren Zweiganstalten, sowie bei einer großen Anzahl von Banken und Bankiers, die an den einzelnen Orten noch besonders bekannt- gegeben werden. Bei der Zeichnung sind winde- stens 40 Prozent einzuzghlen, der Rest ist späte- stens bis zum 14. April zu erstatten. Kür ge- zeichnete Beträge, die vor dem 14. April gezahlt werden, wird eine besondere Vergütung von 1 vom Tausend in Mark für jede volle Woche ge- währt. Dies gilt auch für die bei der Zeichnung einzuzahlenden 40 Prozent. Alles Nähere ist aus der im Anzeigenteil enthaltenen Bekannt- machnng ersichtlich. Der Dreimouaksabzug bei Vermögenssteuer und Zwangsanleihe. Man schreibt uns: Bekanntlich können won dem am Stichtage, dem 31. Dezember, vorhandenen Vermögen, so- weit es sich nicht um Betriebs- und Gruudver- mögen handelt, die zur Bestreitung der laufen- den, d. h. der Möhr oder weniger regelmäßig wie- derkehrenden Ausgaben nicht geschäftlicher oder beruflicher Art für drei Monate erforderlichen und am Stichtage vorhandenen Beträge an Geld, Bank- oder son st igen Gut» haben in Abzug gebracht werden. Im allgemeinen wird der Steuerpflichtige die laufenden Ausgaben der auf den Stichtag folgenden drei Monate als Grundlage für die Ver- anschlagung des Dreimonatsabzugs annehmen, schon deshalb, weil die lausenden Ausgaben im 1. Vierteljahr des Jahres verhältnismäßig hoch zu sein pflegen, in der Regel nicht niedriger als der Vierteljahrsdurchschnitt des ganzen Jahres- bedarss, und die laufenden Ausgaben des ersten Kalendervierteljahrs, innerhalb dessen die Steuererklärungen abzugehen sind — diesmal wird die Abgabe der Steuererklärungen sich wohl ziemlich in den April hinein erstrecken — leicht abzuschätzen sind. Hat der Steuerpflichtige mit größeren laufenden.Ausgaben im weiteren Ia h r e s verlaufe zu rechnen, so gibt ihm das Gesetz einen gewissen Spielraum, da aus dem Wortlaute der Bestimmung, in der die Mzugs- fähigkeit eines Erfordernisses von drei Mona- ten ausgesprochen wird, die Auffassung abzulei- ten ist, daß nicht gerade die dem Stichtage fol- genden drei Monate gemeint sind, und daHer die da und dort vertretene Auffassung anzuer- kennen ist, daß der Steuerpflichtige den Drei- monatsabzug auch nack dem Vierteljahrsdurch- schnitt des voraussichtlichen Iahresbedarfs be- messen kann. Es ist, gleichviel ob das erste Vierteljahr oder der Vierteliahrsdurchschnitt des IahreS zu- gründe gelegt wird, gewiß zulässig, daß der Steuerpflichtige seinen laufenden Bedarf im Hin- blick auf die Zeitverhältnisse in nicht zu engen Grenzen veranschlagt. Mar- wird auch hier Rücksicht nehmen müssen auf die in ihrer Kort- entwickluug nicht abzusehende Geldentwertung, für die, nebenher bemerkt, der veränderliche De- visenbestand der Reichsbank gewiß nicht das alleinige und dauernde Heilmittel ist. und man denke an die noch keinen Halt machende Insla- , tion, an die mehr und mehr die Geldentwertung einholende und zum Teil überschreitende Teuerung. Ich möchte auf die offenbare und unter Um- ständen recht schwere Härte hinweisen, die ich darin sehe, daß die Anwendbarkeit des Drei- monatsahzugs von der Zusammensetzung des Vermögens abhängig ist. Hat das Vermögen bezw. Vermögensteile der Steuerpflichtigen nicht aus Geld, Bank- oder sonstigen Guthaben be- standen, hat er fem Vermögen in irgend anderen Werten angelegt, selbst auch in jederzeit ver- äußerlichen oder diskontfähigen Wertpapieren. Schatzwechseln usw., um diese je nach Bedarf flüssig zu machen, so ist ihm ohne allen stichhalti- «en Grund versagt, den Abzug des DreimonatS- bedarfs zu machen. Der hieraus entstehende Nachteil ist für ten Steuerpflichtigen um so empfindlicher, je höher sein Dreimonatsbedarf unier den heutigen Verhältnissen zu veranschla- gen ist und ie mehr dieser im Verhältnis zu sei- nem Vermögen oder seinem Einkommen her- vortritt. Nach den bisherigen Gesetzen konnte der Drei- monatsbedarf von b&a am Stichtage vorhandenen Geldern und Guthaben nur abgesetzt wer- den, ..soweit diese aus den lausenden .Jahres- einkünsten stammten", diese Beschränkung hat man wegen ben unverkennbaren SHwieriglei- ten, welche die Feststellung, was aus den laufen- den Iahreseinkünsten stammt, den Steuerpslich- tigen und den Veranlagungsbehörden bereitet hat, in den neuen gesetzlichen Bestimmungen fallen lassen, hat aber nicht berttcksich- tigt, welche Härte und Ungerechtigkeit nun in der unterschiedlichen Behandlung der Steuer- Pflichtigen je nach einer ost nur zufälligen und ganz vorübergehenden Zusammensetzung bcr Ve rmögensbc stand teile liegt. Die Beschränkung der AhMgssähigkeit auf Geld, Bank- oder son- stige Guthalben bat schließlich um so weniger Sinn, als das Vorhandensein solcher Beträge nur für den Stichtag in Betracht kommt und der unterrichtete Steuerpflichtige, namentlich in besserer Vermögenslage, seine Verfügungen darnach einrichten kann. Hecht. Devisennotierungen: w. Frankfurt, 10. März. Brüssel. > . Holland . London. . Paris . . . . Schweiz . , Spanien . . Italien > . . Lissabon . . D&neroark . Norwegen . Schweden Heising for: Newyork . . Wien (altes Dtseb.Oest. Btidapesl . . Prag Soda > . .. Agram . . . 9. März. Geld I Brief 106730 107270 g14?.10 8182. 97655 25 98144 1261.85 3852.85 3229 46 98255 3965 05 371570 551615 20748:- 2855 >7 645.50 615.50 22050 126811 387-15 3245.60 98745 3984.' 3734... 5543 85 20852.'^ 28.69*7 651.50 61850 22150 10. Märe. Geli! I Brief lQ72.30j 107770 3l29.35l 82/1) 65 97904 60 983V5 «0 124615; 1251.85 3847 20 3877-80 3241.85 3258.15 987-50 99250 397755 375060 3997 45 376940 5524.75 5550 85 57065 57345 20822 80 20927 20 28-73 698 - 620.50 28 87 702 - 62350 w. Berlin, 10. Amsterdam Bio sei. . . Chri stiania Koponhag. Stockholm. Heisingfor8 Italien ... . London. . . Newyork. . Paris .... Schweiz . . Spanien . . Wien (altes) Dtsch. Oest. Prag .... Budapest. . Lissabon . . Bulgarien . Bucn.-Aires Japan. . . . Rio de Jan. Jugoslavien Marz. Geld 3214-41 1067.32 372067 3930.15 549622 570.57 987-52 Brief ( 107II8 3739.33 394985 5523-78 57343 992-48 >7256.25 9770375 >0748.- 20852. 1246.87 3864-31 321696 28:42 61520 683.- 119:20 755581 9975.- 2291.25 21845 1253.13 38836? 3223.07 28:58 618.30 687. 119:30 769419 10025. - 230575 219-55 März. 10. März. Geld | Brief 8224 38: 8265 62 1077-30! 1082-70 3/5558 3774.42 3950 .10: 3969-90 55.S1.75 5558 85 579.51' 582.46 98752 992.48 97755 - 93245-- 20797.87 209^-13 1246.87, 125 i. 13 3880.27 3899-73 3221-92 3238 08 2882 28-98 618.45 621-55 633 - 637- 120^4 121.- 7735-61 7774.39 9975 -10025 - 2294-25! 2305-75 220-44! 221- Devisenkurse im Frei verkehr Mitgeteilt durch das Bankhaus Straus & Co. Karlsruhe, a) vorbörslich 8153-8250 3800-3900 1230-1270 1040-1090 Holland, . . . Schweiz. . . . Paris Belgien . . . . London . . . . Newyork . . . Italien . . . . 97000-99000 20500-21200 980-995 Tendenz : rahig. 100 Mark in Zürich: 2,58 Cts. 100 franz. Frks. in Zürich: 32.30 Frks. Engl. Piund in Paris: 78'4 Frks. Unnotierte Werte: Wir waren vorbörslich Bad. Motorlokorao- tivwerke . . . Brown Boveri jg. Becker Stahl . . Becker Steinkohle . Benz Deutsche Lastauto. Deutsche Petroleum Hansa Lloydfc Kabel Rheydt V'er- Käuf. k&uf. 6000 : - 65007550 10000 11JOO 10300 11000 111)00 - 4500 5000 24030 23000 16000! - >17000 18000 Käuf. Karstadt-Ak tien . 1 3000! Knorr 14500 Krügers hall . . .15000. Offenbrg. Spinnerei 13000 Rastatter Wage; n .7000 Rodi & Wienenberg. 14000. Schuvag . . . . 3500 Teichgräber . . . 18000i Ufa 7000 Walldorf Astoria .| — 1 Ver. käuf. 16000 8500 15000 4500 9000 8000 10°'o Mannheimer Stadt-Anleihe 8—16% Pfandbriefe der Gemeinschaftsgruppe deutscher Hypothekenbanken 12 % Ludwigshafener 8% Münchener 8% Leipziger 100 100 98 Sa In sonatigen annotierten Werten sind wir stete coulant K&i.fer und Verkäufer. Baer & Elend, Bankgeschäft Kerlsruhe, Karl-FriedrlchstraSe 26, Telephon 223 235, 429 ^ ^ a ^ mit 32 Dampfern Auskünfte erteilen als Vertreter der Seereedere : en: tlldampferdienst SÄ Menzinger -Fendel und vice versa mit Anschluß in Amsterdam nach und von den Haupthäfen in: Großbritannien, Spanien, Italien, Griechenland, Balkan, Levante, Nord-, Ost- Westindien, Niederl. Indien, Süd-Amerika, Ostasien etc. West-Afrika, Transport-Gesellschaft m. b. H Telefon 466S 4588 Karlsruhe 5. B. Tel.-Adr. TransitverKehr Nr. 69. Seite 8 Karlsruher Tagblatt, Sonntag, den II. Marz 1923 Zweites Blatt Von den Börsenplätzen. Frankfurter Börse* Leichte Befestigung, w. Frankluit a. M. f 10. März. Man spricht von leichterem Geldmarkt, w as wohl die Hauptsache der Befestigung verschiedener Werte gewesen sein mag. Dem Aufleben des Geschäftsstand allerdings die noch unsichere Haltung der ausländischen Zahlungsmittel im Wege. DieB6rsc war für den offiziellen Effektenhandel geschlossen. Der Devisenmarkt verkehrte bei geringer Preisveränderung. Dollarnoten erreichten vormittags einen Stand von 20 700—-20 900, später lautete er 20800, Im Effektenverkehr von Büro »u Büro w urden verschiedentlich bessere Kurse genannt. Es hatte den Anschein, als ob die berufsmäßige Spekulation einige Käufe vorgenommen habe. Einige Spezialpapiere schienen besondere Beachtung zu finden. Man horte vielfach Geldkurse. Ausländische Renten setzten zum Teil ihre Erholung fort. Zolltürken waren mit 26 250 gesucht. Schutzgebietsanleihe 14 OCO. Die genannten Kurse geben wir unter dem üblichen Vorbehalt wieder. Karstadt 27 500—28 000, Becker-Stahl 13 500, Becker=Kohle 11500, Benz 13 500, Entreprise 75 000, Hansa-Lloyd 7250, Inag 12 ICO—12 500, Krügershall 16 OCO, Lastauto 4000, Api 12 500, Stöckicht-Guoimi 4200—4300, Hanag und Norddeutscher Lloyd fanden zu besseren Kursen Aufnahme. Gehandelt sind ferner chemische Aktien, die etwas Befestigung aufwiesen. Höchster ca. 18 500, Diamond blieben stärker gesucht. Später trat wieder eine gewisse Zurückhaltung ein, und das Geschäft ließ nach. Berliner Börse. Devisen unverändert. — Effekten etwas höher. w. Berlin, 10. März. Am Devisenmarkt trat in den Kursen im Vergleich zu gerstern "wenig Veränderung ein. Die Umsätze hielten sich in sehr engen Grenzen. Die Effekten waren zumeist etwas höher. Kurse waren namentlich für Montan- und Schiffahrtswerte zu hören. Industrien / Handel / Verkehr Geldmarkt. Oproz. Kommunalschuldverschreibungen der Württembergischen Hypothekenbank in Stuttgart. Die Württembergische Hypothekenbank gibt auf Grund von Darlehen ,die sie deutschen öffentlichrechtlichen Verbänden und Gemeinden, insbesondere in Württemberg zwecks Finanzierung werbender Unternehmungen, besonders auf dem Gebiete der Elektrizitätsversorgung, gewährt, 9proz. Kommunalschuldverschreibungen zu 100 Prozent aus, die zum Nennwert rückzahlbar und bis 1928 unkündbar sind. Die Rückzahlung erfolgt ab 1928 in längstens 60 Jahren. Die Schuldverschreibungen sind nach den Bestimmungen des Hypothekenbankgesetzes gedeckt. Außerdem haften für die Kommunalschuldverschreibungen das Grundkapital und die Reserven der Bank, die zusammen demnächst mehr als M. 100 Mill, betragen würden. Die Einführung der Schuldverschreibungen an der Stuttgarter Börse sei in Aussicht genommen. Lübecker Staatsanleihe. Der Verkauf von 600 Millionen 9proz. mündelsicherer Anleihe der Freien und Hansestadt Lübeck (Lübecker Staatsanleihe) erfolgt freihändig von jetzt an zum Kurse von 99 Prozent. Für die Anleihe haftet der Lübeckische Staat mit seiner Stenerkraft und seinem gesamten Vermögen. Anmeldungen nimmt in Karlsruhe das Bankhaus Veit L. Homburger entgegen. Industrien. Keramische Werke Off stein und Worms A.-G., Worms. Nach dem Bericht für 1922 konnte die Produktion trotz der schlechten Belieferung mit Inlandskohlen durch Hereinnahme von Auslandskohlen gesteigert werden, und auch der Absatz war infolge der weiter ausgedehnten Auslandsbeziehungen höher. Nach M. 12.16 [L V. für 9 Monate: 0.19) Mill. Abschreibungen werden M. 28.31 (1.14) Mill. Reingewinn ausgewiesen, woraus 50 (20) Prozent p. r. t. Bonus verteilt werden. Eine Valutareserve erhält M. 10 Mill. Nach M. 4 Mill. Rückstellung für Wohlfahrtszwecke werden M. 3.37 Mill. vorgetragen. Aus der Bilanz (in Mill, Mark): Kreditoren einschl. einer nicht gesondert ausgewiesenen Steuerrückstellung 73.25 (2.41), Debitoren 103.40 (3.43), Bankguthaben 7.17 (1.17), Waren und Materialien 3.87 (2.71). (G.-V. 15. März.) Maschinenbaugesellschaft A.-G., Heilbronn. Eine a. o. G.-V. genehmigte die Erhöhung des Aktienkapitals von M. 55 auf 70 Mill. Von den neuen Aktien werden M 10 Mill. den bisherigen Aktionären im Verhältnis von 2 zu 1 zu 700 Prozent angeboten, die übrigen freihändig verkauft. Bei der Kapitalserhöhung der Meurerschen A.-G. für Spritzmetallveredelung in Berlin soll es sich um eine Erhöhung kleineren Umfanges handeln, die eine geplante Erweiterung des Fabrikationsprogramms „unter gleichzeitiger Uebernahme entsprechender Sachwerte" sichern soll. Die Aktien sollen an eine Gruppe begeben werden, die hierdurch ein dauerndes Interesse an der Meag übernehmen soll. Einzelheiten fehlen. (I. V. 20 Prozent Dividende, Freiverkehrskurs ca. 4C00 Prozent). Von den Märkten. Kaffee. Der Verbraucherpreis für gerösteten Kaffee wurde vom Verein der Kaffeegroßhändler, Sitz Hamburg, offiziell mit 11 500—14 0CU M. für das halbe Kilo je nach Qualität notiert. Eisen und StahL Das amerikanische Fachblatt Iron Trade Review, Cleveland, Ohio, kabelt über die Lage des amerikanischen Eisen- und Stahlmarktes: Die Werke werden mit Exportanfragen überschwemmt. Während Europa bisher Eisen und Stahl nach hier verkaufte, ist die Lage jetzt umgekehrt. England fragt 2000 t Gießereiroheisen für Glasgow und 20 000 t Röhrenstreifen an und kaufte 2000 t Spiegeleisen. Schweden, Japan und Südamerika fordern verschieden große Mengen; Holland kauft Koks, Frankreich und Italien Kohlen. Unter dem Einflüsse der ausländischen Nachfrage ziehen die Preise weiter an: Halbzeug kostet jetzt $ 45, Gießerei-Roheisen 30—40 $, südliches Roheisen 26 $. Die Lage ist äußerst fest. Die Walzwerke sind mit Aufträgen überhäuft Die Februar-Roheisenproduktion betrug 2 989 000 t. 278 Hochöfen stehen jetzt unter Feuer, nachdem im Februar 17 weitere angeblasen worden sind. Der Inlandspreis für Ferromangan stieg auf 110 $ für prompte Lieferung. Die Lage an den Waren- n. Prodnkten- märiten. (Eigener Wochenbericht.) K. Mannheim, 9. März. Getreide. Die Preisbewegungen auf dem Weltmarkte für Getreide hielten sich nach oben wie nach unten in engen Grenzen, und zwar nicht nur an den amerikanischen, sondern auch an den englischen Märkten. Die Beteiligung auf dem Weltmarkte durch deutsche Firmen war an den amerikanischen Märkten klein und zwar nicht nur in bezug auf Weizen, sondern auch auf Roggen, da die deutschen Firmen es vorziehen, den zu billigeren Preisen angebotenen Plata-Weizen, wie auch Roggen zu kaufen. Es ist festzustellen .daß die Verschiffung gen"^on den nordamerikanischen Häfen nach dem Kontinent eine Abnahme zeigen, wogegen die Abladungen im Getreide von den argentinischen Häfen eine wesentliche Zunahme erkennen lassen. In Weizen lagen Angebote von in Manitoba I, seeschwimmend, zu 4.98—5.—, desgl. Nr. II 4.83—4.85 Dollars, die 100 kg, Cif Antwerpen oder Rotterdam. Manitoba I, nach Bremen oder Hamburg unterwegs, wurde zu 12.70 hfl. per 100 kg gehandelt. In Plataweizen stellten sich die Offerten für 78 kg schweren Barusso auf 12—12.25 und in 79 kg schweren Rosafe zu 12.40—12.45 hfl. die 100 kg, Cif Rotterdam; zu diesen Preisen sollen auch einige Partien für deutsche Rechnung erworben worden sein. Roggen lag etwas lebhafter; man zahlte für Western Rye II 10, für Plata-Roggen, 74 kg schwer, prompte Verschiffung, 10.60 und für auf Abladung per März 10.20 hfl. die ICO kg, Cif kontinentaler Seehäfen. Hafer hatte schwächeren Markt. Die Offerten lauteten für White Clipped II, 38 Ibs. schwer 10.50, für Canada Western per März, erste Hälfe April-Verschiffung, 10.60 hfl. die 100 kg, Cif kontinentaler Seehäfen. Das Geschäft in Gerste war im allgemeinen etwas lebhafter. Donaugerste 63/66 kg schwere Ware, 56 französ. Franken, die 1C0 kg, Cif Hamburg. Auch für Mais zeigte sich etwas mehr Interesse. Mixed-Mais in Rotterdam eingetroffen, wurde zu 9.20 hfl. die 100 kg gehandelt und zwar zu 9.40 hfl., Cif Bremen offeriert; für März-April Abladung verlangte man zuletzt 9.5TA hfl. die 100 kg, Cif Rotterdam. In La Plata-Mais war Geschäft zu den Preisen von 9.70—9.80, je nach Qualität, die 100 kg, Cif Hamburg oder Rotterdam. Die süddeutschen Märkte standen vollauf unter der Einwirkung der weiteren Besetzungen deutschen Gebietes, da sich Störungen im Warenversand bemerkbar machen. In der Pfalz ist es unmöglich, auf dem Schienenstrang Waren zu befördern. Ebenso ist in Mannheim der Verkehr infolge der Besetzung der Hafenanlagen unterbunden. Auch die finanziellen Verhältnisse sind recht schwierig geworden, v zumal dann, wenn die betr. Firmen ihre .eingelagerten Waren nicht auf den Weg bringen können. An der Mannheimer Börse waren recht zahlreiche Waren-Versteigerungen in Mehl, wfe auch in Hafer und anderen Futterartikeln vorgenommen worden. Die Marktlage war bei abbröckelnden Preisen vollkommen geschäftslos. Weizen, der anfangs der Woche ab mitteldeutschen Stationen noch 94 000—96 000 M. kostete, wurde Ende der Woche zu 66 OCO M. die 100 kg, ab mitteldeutschen Stationen abgegeben; dies entspricht einem Preise von etwa 80 000 Mk. Frachtparität Mannheim. Roggen wurde vorgestern noch zu außerordentlich hohen Preisen in der besetzten Rheinpfalz aufgekauft, und die Preise, die angelegt wurden, waren zeitweise höher, als jene, die für Weizen bewilligt worden waren. Infolgedessen sind die Roggenpreise in der Pfalz noch sehr hoch, während man aus anderen Gegenden wesentlich billiger und zwar zu ungefähr 75 OCO M„ Frachtparität Mannheim, kaufen kann. Im Mannheimer Kursblatt der Produktenbörse hat man es unterlassen, gestern Roggen zu notieren. In Gerste blieb das Geschäft sehr still. Die Wareninhaber halten noch auf Preise, es ist jedoch nicht möglich, zu den heutigen Preisen, die sich auf 80—85 000 M. für die 100 kg stellen, etwas abzusetzen. Am heutigen Tage liegen einige Offerten, ab fränkischen Stationen, zu 68—72 000 M. die 100 kg, vor, doch halten sich die Interessenten auch zu diesen Preisen weiter reserviert. Hafer, liegt still und ist zu 55—57 OCO M., ab bayerischen Stationen, käuflich, doch sind zu diesen Preisen keine Abnehmer zu finden. Für in Mannheim disponiblen Hafer verlangt man heute 50—65 000 M, je nach Qualität, für die ICO kg, bahnfrei Mannheim. Zur Versteigerung kamen gestern an der Mannheimer Börse 280 Zentner württembergischer Landhafer, nach vorliegendem, unverbindlichen Muster, lose in Ludwigshafen lagernd, sofort zu übernehmen, zu 41 000 M. per 100 kg, ferner 300 Zentner, lose lagernd, feucht und mit stockbrandigem, verdorbenen Hafer durchsetzt, zu 40 000 M. die 100 kg. Mais hat sich entsprechend den Devisen, im Preise verschlechtert. Die Preise, die ab Hamburg verlangt werden, stellen sich auf etwa 76—77 0C0 M. für die 100 kg, wogegen in Mannheim greifbarer Mais, ab hiesiger Station, 93—95 C00 M. die 1C0 kg kostet. Futtermittel hatten ruhigen Markt. Die Forderungen für Weizen- und Roggenkleie bewegen sich zwischen 38—43 000 M. für die 100 kg, ab süddeutschen Verladestationen, doch konnten nur vereinzelt zu diesen Preisen Abschlüsse getätigt werden. Eine Partie Roggenkleie von 10 OCO kg, Fabrikat Grundhofer in Dudenhofen bei Speyer, die gestern an der hiesigen Börse zur Versteigerung kam, wurde zu einem Preise von 30 000 M. die 1C0 kg, ab Speyer zugeschlagen. Für eine Partie von ?980 kg vollwertige Zuckerrübenschnitzel, lose in Mannheim lagernd, erfolgte der Zuschlag zu 46 000 M. die 100 kg. Rauhfutter hatte, bei abbröckelnden Preisen schwächeren Markt. Mehl hatte sehr ruhigen Markt, und das Geschäft war klein. Die Mühlen verlangen heute 160 000 M., wogegen die zweite Hand, Mannheimer Fabrikate, zum Preise von bis zu 130 000 M. herunter als Verkäuferin im Markte ist. Mitteldeutsches Weizenmehl, 65/70proz. Ausmahlung war zu 110 C00 M.> mitteldeutschen Stationen käuflich. Zur Versteig ' rung kamen gestern 150 Sack Weizenmehl, Basis w Fabrikat Rheinmühlenwerke, alte Spannung. sämtlichen Zuschlägen bis 5. März und zwar S*? Mark und wurde bei einem Gebot von 119 500 • zugeschlagen. ., j. Tabak hatte in der abgelaufenen Woche sie« 1 ' ruhiges Geschäft, Die Abschnürung der Ii®" _ rheinischen Gebiete haben am Tabakmarkte eig?? artige Verhältnisse hervorgerufen. Die Pflanzer diesem Gebiet, die noch immer im Besitz »W Tabake sind, zeigen jetzt mehr Geneigtheit, l ". Tabake zu annehmbaren Preisen abzustoßen, _ rend die rechtsrheinische Pflanzer, trotz des V! Visenrückgangs, auf ihren alten, hohen Preisen verharren und wenig Verkaufslust zeigen. Nachfrage bei den Vergärern nach alten und ne „ a !, Tabaken war fortgesetzt eine rege, und VerkS" zu den bisherigen Preisen kamen sowohl mit Rs"Ä' tabak- als auch Zigarrenfabrikanten zustande. ^ vergorenen Frühtabake sind bereits Verarbeitung fähig und werden von den Fabrikanten stark afl* fordert. Die Rippenpreise stellten sich in der " richtwoche auf ungefähr 110 000—120 C00 M. ™ überseische, und auf 90 000 M. für Inlandsware. Häute und Leder. Die letzten Häuteauktiofl'j brachten Rückschläge gegenüber den im Vorm 011 ' statgefundenen Auktionen von ca. 40—50 ' r \ Das Geschäft auf der Leipziger Messe war zie»I ,c ruhig, und die Schuhfabrikanten konnten zu c mäßigten Preisen Käufe vornehmen. In der P' r ®'» senser Schuhindustrie ist durch die Ausfuhrsp ef T eine Stockung eingetreten. Der Ausfall in Schu" waren aus dem besetzten Gebiet dürfte sich mit o® Zeit im unbesetzten Deutschland bemerk« machen, da ca. 50 Prozent der deutschen Scd^ Industrie sich im besetzten Gebiet befindet. j£. Preise für Leder bewegen sich heute auf unge'*j" folgender Basis: Zahm-Vache- und Sohlenle" e 20COO M. Wild-Vache 15—18 000 M„ eichet^ gerbtes Bodenleder 22 0000 M. und RindU" 25—30 OCO M. per Kilo. Rindbox 5000 M., Bo* cä 6000 M und Roß-Chevreaux 4500 M. per Quadf ä ' fuß. Allgemeine Wirlschaflsfrageb Literatur. Übersichtskarte der Stein- und Braunkohls gruben im Teutschen Reiche. Dargestellt in iM Zugehörigkeit zu den amtlichen Verteilung stellen und den Oberbergämtern. Bearbeitet Her Abteilung Statistik des Reichskommis!" , für die Kohlenoerteilung nach den Angaben^' Oberbergämter und Bergbehörden der amtli«^ Verteilungsstellen und der Kohlensyndikate J® W., Friese. Berlin. Maßstab 1 :800 000 mit gister. Verlag Gea, G. m. b. H., Berlin W. 8®;« Das vorliegende Kartenmaterial Jv eine bisher von nicht nur an der Kohlennw' schast unmittelbar interessierten Stellen «fljL sundene Lücke schließen und eine kartographuA und tabellarische Darstellung der in Deutschs vorhandenen Stein- und Braunkohlengru«° geben. Die Neuerscheinung wird deshalb he»', da die gesamte Wirtschast unter dem Einfluß "J, alles beherrschenden Kohle steht, besonders kommen sein. Das Register ergänzt die durch tabellarische Darstellungen. Karte u» R e g i st e r geben «ine klare Uebersicht über in der Förderung begriffenen Kohlengruben Deutschen Reiches innerhalb der Grenzen Friedensvertrages vou Versailles, auch über des Saargebietes un>d der abgetretenen Gebie>' Sie stellen so ein wertvolles Nachschlagewer k Internationales Speditionshaus Alliier Hocijluser Co. 5 Tel 1047 u. 5693 Karlsruhe Kaiserstraße 172 Spedition, Schiffahrt, Lagerung, Vef Sicherung, Lastkraftwagen-Verkehr» 1 RoiSfuhrwerk. « Dollar-SchatzanueMen des Deutschen Reiches am 15. April 1926 mit 120% rückzahlbar. Auf Grund des Gesetzes vom 2. Marz 1S28 (R. G. Bl. Teil I, Seite 155) werden hiermit Dollar-Schatzanweisungen des Deutschen Reiches, rückzahlbar nach S Jahren zn 1%° ohne jeden Abzug, zur öffentlichen Zeichnung ausgelegt. Für diese Schatzanweisungen hat die Reichsbank die selbstschuldnerische Bürgschaft übernommen. Die aufkommenden Dsvisen fliehen der Reichsbank zn; diese hat unmittelbar daS Recht, die Leistung der Devisen von den geichnern zu fordern. Die Schatzanweisungen sind durch die Darlehenskassen des Reiches beleihbar. Die Zulassung zum Börsenhandel wird schnellstens in die Wege geleitetet werden. Bedingungen Zeichnungsstellen. Zeichnungen werben vom 12. bis 24. März bei der ZeichnungSabteilung des Kontors der Reichshauptbank für Wertpapiere in Berlin C2, Breite Strahe 8/9, bei allen Zweiganstalten ^ Reichsbank mit Kasseneinrichtung und bei den untenstehenden Mitgliedern des Aebernahmekonsortiums und deren Zweigniederlassungen entgegengenommen. Die Zeichnungen können auch bei den 11 besonders bekanntzugebenden Zeichnung»stellen und ihren sämtlichen Zweigniederlassungen erfolgen. Früherer Schluß der Zeichnung bleibt vorbehalten. ,it Ginteilung, Einlösung der Schatzanwsisungen. Die Schatzanweisungen sind ausgefertigt in Stücken zu 5, 10, 20, 50 und 100 Dollar. Die Rückzahlung der Schatzanweisungen erfolgt am 15. April 1 9 - 120"n ohne jeden Abzug nach Wahl des Reiches in Scheck auf Rew-Bork oder in Gold, den Dollar zu 1,5016g Feingold gerechnet. Ujn* ZeichnunqSpreis, Einzahlung. Der Zeichnungspreis beträgt 100 Die Einzahlung kann nur in Devisen (Roten. Schecks, Auszahlungen) erfolgen, und zwar in amerikanischen Dollar, Pfund Sterling. vP feC ii dischen Gulden, schweizerischen Franken, nordischen Kronen, spanischen Peseten, argentinischen Pesos, japanischen Pen. Die Kosten der Einziehung der Schecks sind von den Zeichnern zu tragen. 001 andere Währungen als Dollar in Zahlung gegeben werden, werden zurzeit berechnet: Engl. Pfund 2.2.7, Holland, fl. 25,3163, Schweiz. Frcs. 53,3303, Rorlv. Kronen 64,6402, Schweb. Kronen 37,7860, Dänische Kronen 52,0800, Spanische Pes. 64,2733, Argentin. Pes. 26,8849, Japan. Den 20.0036, — 10 Dollar. Sollten im Wertverhältnis der verschiedenen Währungen untereinander größere Verschiebungen eintreten, bleibt Aenderung der Tlmrechnungssätze vorbehalten. Spitzen werden zum Tagesmitlelkurse für »AuHzshlung" der eingereichten Devisen in Mark bar vergütet. Die Einzahlung hat bei der ZeichnungSstelle. die die Zeichnung entgegengenommen hat, für Rechnung der Reichsbank zu erfolgen. _ ^{> Won den gezeichneten Beträgen sind mindestens 40 °,o bei der Zeichnung, der Rest spätestens bis 14. April d. 3- zu zahlea. Für vor dem 14. April b. I. in Roten oder telegraphischen Zahlungen gezahlte Beträge wird eine Vergütung von l° ro in Mark für jede volle Woche der Vorauszahlung gewährt; bei Schecks und brieflichen Auszahlungen auf europäische Plätze wird ot $ Berechnung der Vergütung «ine volle Woche in Abzug gebracht Bei Bezahlung mit Schecks und brieflichen Auszahlungen auf überseeische Länder kommt die Vergütung für Vorauszahlungen w« Betracht. Die Berechnung der Vergütung erfolgt unter Zugrundelegung des Mittelkurses für Auszahlung Rew-Bork vom 10. März d. I. n gCj Der geichner erhält eine Mitteilung, in welcher Höhe seine Zeichnung angenommen worden ist. Zur Abnahme der zugeteilten Beträge ist er verpflichtet. Vor der Zuteilung vollbezahlte -x,rii° werden voll berücksichtigt. Wünsche wegen der Stückelung sind in dem dafür vorgesehenen Raum auf der Vorderseite des Zeichnungsscheins anzugeben. Werden derartige Wünsche nicht zum Alt» gebracht, so wird die Stückelung von den Zeichnungsstellen nach ihrem Ermessen vorgenommen. Späteren Anträgen auf Abänderung der Stückelung kann nicht stattgegeben werden. Ausgabe der Stücke. Die Ausgabe der Schatzanweisungen erfolgt mit möglichster Beschleunigung, voraussichtlich bis Ende April. Ist die Zahlung mit Scheck oder Auszahlung erfolgt, so werden die erst nach Werteingang geliefert. Meichsbank-Direktorium. Berliner Handels-Gesellschaft. S. Dleichröder. Commerz- und Privatbank. Darmstädter und Nationalbank, K. a. A. Delbrück Schickler ^ ^ Deutsche Dank. Direction der DiSconto-Gesellschaft. Dresdner Dank. I. Dreyfus & Eo. Hardy & Eo., ©. m. b. H. Mendelssohn & So. Mitteldeutsche Sreditva Gebrüder Arnhold. Bayerische BereinSbank. L. Behrens & Söhne. Simon Hirschland. A. Levh. Lincoln Mennh Oppenheimer. Sal. Oppenheim jr. $ Lazard Speher-Ellissen. Straus & Eo. M. M. Warburg & Co. w « So ° « 9-- «Ä> »W v 2t:ii* § %Jst 1 sr, "süss«»« £ 5'g ä®~£ gs» s g «* ««—*■* —» • M r,®';;'?!» ^ s^a n o^l ¥ ° wgOV^ ^7 £> o ' Bt«uSo^e , "2 6®o w o®-ö2SS3fl 3 o®5d c.s>T,°gjj o^e .sew Besses«® LGN 2>s« s-g^s;»«^« swaö «g®£5© »® B^ßsiGÄ S ££< ®i ^ s s «iS « ®°S«s«S ß 3 cJ.-*S «CÄO 3 «JL J « «ü.- * s ^#si£g~sgJ§i|S gSs g.. s_ *5 M,. rx **T> J-» J»I=0» Mjs *>"& w O 5 * S^cxrßfs s « p ß^rtSr .3 fri « ?r ^ ^-— _£ o>.~ r. «"■» " -— rr »— >»-, ;_, ^ J1 m w G *3 w ^ ^ 3 f»ft Oft *"* »c> a."i:^«!?«^:s c S? : '. x> <3 o ^ 5 '-S a -iS !W JaflS-gS §' e 3?» «§a." 0 t gS «-Äf^gSSS^stglig ^.S'S'c — w co L ^ g O Ja*® :" "wt«S?£«j B S : et ec 5»5isSS , :äPSsg 5^sfÜ^?g € ^ S £ S» 2 TS '• u ?^s— «-s, S s«s SS g S g?--S 5 52 C ••—-Sfi ^ S 3 53 .2- öS 5 --s?^s S5fl-s «* --' tuwrjs'w 13 vC^CT» 3 *3 3 •*- 3 CO .£ *FF HO „„„—«^-"««-aSMa asslssnj; .5- s:aÄ> -sliS|ias :^-«|.|-i^i®g 8 i ■§&*£ fs«gs|j?s * a * 1 a xllr« " «fl© S S «2.§ss £" g Ss Sg ü? S es S w « s *"* - üg| s 4iH.?Äa ^L«gZÄ.LVS«TSZS v ■Cj «5 Ä> s, Y «£«?-&&» 5 g?»si 2 o B Ve g.5 s Ä «- sst^^Sa-C® »2 8 S ®r<» „£is«o BS SS ß C H - Sr i> s x e « ;•£»? ■nKSsSsi* il-IIif^I-i o «> *-» o> +i^> w 5? S C ß »— '*f **~ 3 ^ >° ,o 5? *' |S*35 ss §j{Si £ .2Ä2 fiÄßSS"- <ß So B ag6n <55 a » *S> " « « «-» OsO f ö w ö)L 5i»- s g^ c w 2 ^ SÄ*-s|Äg B f , E ~S D Oi '•" w W-.•*•* <> rj e "•*-» TT a ..-e«- ßws gg?« -W^c-5 W S«C)B® 5®cc£ ^2 3 s ^55 wo-© .§ o V» 3 .^^Q 1 o aft -*- •« o &i w*r£.fO«y «■» a 5£al*tl«Ä«*I '*'=?ü-Ji w g5 : =sat l-I w c^e tfp'w c ö o «<5-5 § bR - - ®s|I d ««oJÄ S«its5 " £SS„» 'S o g n - öS.S<§ «6 M> S S 5 6®« « Ä 5 W Ba O 5* M oj^ o — igÄ3lSģģ«*S rt S ri « c "f> ^| a 5«."f S-£^2S«i§ « § Ä«f?S § « § .E (9 a=i9 ® S ®ft »- n s a» ö W -.S >a Ä J-» ,fl ° « s S (:y -6 "5 r-^^A iff a« s gw SÄ « s _>edf? HsE = 5 «Jo ä® so £ S NUZZB v s o. w Ck> Oft 0> " WsC) ; |5g c i s "° s« „ ti> Itj ÖsO g £ >e . s 5 » «■» C o H ^ Q 2"LLZ, ^ B ft S 5 5iS o> - « : «:C"2 S-2 v J-» 53 o v-* a> o <3 P « O Su- ti 'Jj'S'iw s w- Is f'I £s S-» ö w- cs I — " a 3 'S£ss Ist §]§# •g « g 3S§ SÄ-Ä. : o a S- ■S a " 5 1 5=e >-» Ä«« >0 ^ s V» s o o 3fö ÖP ß aa*o --ZB J,w : 2 2 s» « Ö . v©-» ^ S.S» C-» O g |b£ — « « g u 8 Ms f«S s « S.5b O-H V HO^° «s= ^ « ß a& CJ o o -*-» OS Q5; ö C 22^8' CS «>»--- -- 2 C <3 Olp V-» '— 2r s* •S og»f 2"° -a ü'-Ä 5 a«S o »-» c«*; «2 4J> 3 oft »:« V Ii w «|ä§ Ä ^-i2©« w I S I2 a s ^ggilglsB s-§5 ß Hs? a a-glgS^2|a®^ wr ^ Sü g=<§K - ? *jrt c: ^ 22 -s.v r? es « ©s» B s « ^ w Oft ®ls «o ZG B B gE ALZ «j äS|E o w fOß giu! e «Ss » B B «Egg O — risSj »-» «ft w •-*-► IXc TA : :«Z < _ tSw ty/5« ! ^ oft : n o Z «K a °. § S« ii«« GOgir-gl. _ Sw« « j-» « » » . ^ o fj ß /-» w Z Ii e ä ÜpöSoa g S |2^ V«?Z " oirrs© ^gs c Ä Ä «s :s 2S?I H Sa 5 s!? ^ ^J5gg 1« aÜ 5 o ^gEs § «^2 «S«rS8S «5-öäS« •£ c <= o :3 SN E- Bö- S «««'S **- ü d -«r -?Ä ä=gs5g S ^*2. ^ v 'S'S"* o « « s JZ « I 3 s» e n> : 2 "5 Z «Ss« C »-♦ «üSJ S^U'Z « H^S £ s« L B a«- c >e.^.S g-^^es o Ol W §£: BZ« £©5i «B S« « TS _ « f N ■S B^«d SS« »-t Swßwwujso aJ °S®? 3 c J?« B-e> B w w - *" S S 5 B^ S« 1 « ^Ä s ^Sst *ö « '? u oft Of-Oft W 5 W Ol ö O «-*>—»•♦— 3 •«- v fT •o 2 —o g «-Ojjv UT c> ^ a .x .b|S © SS SSs.« e o?, ^ s: o — a»*^- o «ig « •G .Si » "*5 «-> ^ :«S^ 'E^-Z a a"~ >-» s: t» ZZ N _ 3 . st» E >«>0iE S_@S«sS *■» %-* -w <0 u~ ^ ss e «> g, a *S SS ^ xs ^ n iso o £Ü ^ »N «-t!^ W ss w «-> rr ^ -i> «^5.3 •3 ä± Oft 0 O « w SS SS C5 ü ^ 3 M S ^ S SS $> ü> SS «a'gl «2TS>Z^Z 5-*£«~ S a *5 ^ ^ S. | o ^«©g 1 0 4 ,o* SS^> V -50 g-g « £ '3. oft a « w s «> Oft HO "Ä W w :3 I® s o» 3 " "öS ■ _ B-S I A _o w a a oj o£> «ia. l£® ,'f ü N i- V w o p ä B Ä -5« C -S Bit B«-2^TsF "3ß»u CÄ>S? — c °® » s « ,. Ä t; Sy £ s 5 5»J 2 ^ S ss ^ ^ 5 SS gto^-gjW Ä ®^I» -s a — a B „ „ leuiS^s c.sax- ° ^""a®? L «'5.? Ja -a «£ « g SM " »IS S c -o-°^."5 ^ — o •S® BS»-® «=•§■** »£'" S b - SC82-S" «•2 ®L^ a«SÄZ . t s o£ J»S W-JJ-Ox» W Z O?"" ■iii 5 -.J -o £L '.iL W E S « O « SS Ö 4» V t* o ete 1 «o v^aS «*« . « Isiit E s |l E c SJ v5-:Q ev-S »-» 5 o-U SS - »M«a e <® -u x>:~ ü .-«-• JO ■« O 5V/5-H O) Q ' MB B — »" °g Ss«g «&3£g *tr 0 ro <£*^gg — OB! " « S w 2 E .- - .w ^ . "C* 'O *fO £.© a wcO <-> v BäS a Kt s; © wa B2« a « s w hUI'-?. Ö «>IO ^ "l'cxT ' «« ^ c> o -i »- l ( 'cScü, c v »»-» f<3 a^_ ?-♦ M— B"S w K S >e? w 5SHoßft>t»Q LN s« S °Ä es >-♦ ?-» ^ ss^r* ö•*-■«> ö ^ O so M « v ^ S» w 5>-j CO sij 1 GR' ^ . C» 5 * — ^ »-» <3 O» ^ — ,ü »-* oft tt ^ ^ & * tÄ ^ « 35 ;<- »JD CS ^ ^ g _ J1 m"* - ° f aQ> g5«c S © ,S 55 " tt i a ••- ^ ^ *-<* (a) v-r-j- i>C3» 5 SS T> O ä _ _ g » o C is a ^ « SS o BrZ * 2Nn E t .SicS'g ^ ift äJ? 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Crt53 rt p ^ _ rt to Eass. e» § I 53 53 rt^-c rt rt _i»3sO rt- o «-•. a -, 3 2s--wSrt r?) ä&3~S"sta| ♦^-♦rtlt-rtirt p53 er 12, ^ 2* rt Hl er 2 Art rt ^^ rt rt. rt ey« toj rt 53 rt 3,^-rt.p P:P _ rt^rt^Sgrt rtrtert^p. ~ iL ' ^?a3«»23 33 ®3-fg 3 2 2™ ff 3> 2, 3 3.2 ® ja rt" rt rt rt rt — rt *-» rt. 2-3 ®§8©S3!oLo.-. -- a 3 ^-88^3g3Z3 s »Z23Z3 ggrt3 3 2 g2§S'™" 3 " W 3 er 3 3 3 § 2 — 3 er 5 2 2=5;® 23 J J 3 @ H S r 2 rt" P rt rt (S£rt 2^»' " 23 3-Z^ er er-rt'p rt rt rt* ^ R» P _ S g^ rt 3 8 p:-ö !©c3 ä 8 ff er £ er « 3- rt 3 „ _ S 3 « S sllsf 3Z2?Z " rt «»« « 3 22.2 «rjrt 5Ö2, 3 3 3 » —.« 2 ZT3 « 3 ff « 0 2^ ,33»? 3-8^ — ! 213 8 2 tr 3 ^8 Fs „ _ 3? —♦• es p cm co 3^2. — 3> rt _ 2fQrtSe,5 53rt rt.—" Co S! 13 t?^ 2.er Co _ ^. p » p e 3t Ss rtrtpp. cSS^frt CO rtrtprt- c 5 „ JTü 1 ????a?ss- Z-3ffS^- o »S?gSsg n |JSf S §ägi?:S 3 2 3 3 3er CS« ff 8 er 3 2 ff5>3 3 S }3« 2 — "2^ 2 rt rt'?3 5S 53 rt: 1 rt zü 3sp g.g 53 5« - s 2 er W rt - F2« rt s 2 — »3» 2 3 « Ap ss o . 3« rt g'rt«^ '« 3 o* 3S 3 W» O rt er =r ^2. » g ħ 3 »8 & 3 a rt P Z *** d* <+ « Drittes Blatt Karlsruher Tagblatt, Sonntag, den 1!. März 1928 Nr. 69. Seite 11 Amtliche Nachrichten Ernennungen, vcrsehunrien usw. Äsltuö- und NNierrfchfsminiftcrwm. Er«.inst: ^tadtschulrat Albert Arimmin Bruchsal zum KreiZ- sks, r ' u ' u,lcu «UVCH V2/ i I m Iii XU 30t«U;|UA flUJl! 3llCl£>s MIrat in Tanlerbischofsveim, Rektor Hugo Milden- ^kger in Ettlingen zum Schulinwcktor in Lahr, ^ocrlchrer Kaspar Zier» an der .«nabenfortbildnngs- in Mannbeim zum Oberregierungsrat im Mini- ""tum dcö Knltnö unö Unterrichts, der erste Proscktor, .^nmahigi auhcrordentlichc Professor Dr. N ö k e r an ei Universität Jena mit Wirkung vom 1. April 1!>2Z M vlcinmäßigen wissenschaftlichen Hilfsarbeiter an der ^»wersität Freibnrg mir der Dienstbezeichnung Prosek- °'• Tiplom-Ing. Kurt o Sauden an der Ger- «»niawerst in Kiel mit Wirkung vom 1. April 1023 ordentlichen Professor der Mechanik und angewand- .Mathematik in der Allgemeinen Abteilung der Tech- 'Wien Hochschule Karlsruhe, der Planmäßige außer- ??entlichc Professor an der Universität Wiirzburg Dr. " J °° Briefs mit Wirkung vom 1. April 1VZI zum ,,^ertlichen Professor für Nationalökonomie an der ^wersität Freiburg, Oberzollsekrctär Walter Kirch- ,! v n e r am Landesfinanzamt hier znm Fiuanzober- "ctär beim Ministerium des Kultus und Unterrichts. Znriickgenommeu: in^m Ernennung dcI Kreiss chulrats Dr. PK. Mückle /.Mannheim zum OberregierungSrat im Ministerium 8 Kultus und Unterrichts Zuruöezesevt auf Ansuchen: i ^kallehrer Ferdinand Z e l l e r an der Realschule ^riberg und Gewerbelehrer Dr. Otto K allen- ''a «n der Gewerbeschule in Karlsruhe. . Versebt: i "N gleicher Eigenschaft: Gewerbelehrer Dionys Lie n- 01 1 in Sichern nach Freiburg. ArbeitSministerium. . Eutlassc» auf Ansuchen: vberrevifor Peter Raule bei der Landesverfiche- ^ ^Ngsanftalt Baden. Wasser- und StraSenbaudirektio». Ernannt: der Regiernngöbanmeistcr Albert H a u g zum Bau- rat unter Versetzung als Borstand des Wasser- und Strabenbauamts nach Achern, Verwaltungsaffist. Josef .Karl beim Kulturbauamt in Karlsruhe zum Berwal- tuugsfckrctär, zum Kanzleifekretär: der Kanzleiassistent Nikolaus Schreiber bei der Wasser- und Straßen- baudirektion, zum Kanzleiassiftenten: der Kanzlist Adolf Kiefer bei der Wasser- und Strabenbandirektion. Planmähia angestellt: als Bcrwaltnngsassistcnt: die Berwaltungsgehilfen Heinrich Horch beim Wasser- und Sttahenbanamt Hei- delbera, Hugo Hotzfeld beim Waffer- und Straßen- bauamt Offenburg und Johann Sieg» er beim Kul- turbauamt Donaueschinaen, der Strahenwärter Bern- hard W I h l e r in Hofsgrund. Versetzt: der Borstand des Bauamts für das Murgwerk in Forbach, Baurat Leopold R o t h m u n d als Hilfs- rcserent zur Wasser- und Strahenbaudirektion: der Geo- meter Hermann M o t f ch in Müllheim nach Tauber- bischofsheim, Bermefsungsassistent Johann E l t g e n in SchZpfheim zur Wasser- und Straßenbandirektion, Ab- teilnng Landeövermeffnng, Heinrich B o r m u t h in Ra- statt nach Tauberbischossheim, Karl S t e n g e l e in Wiesloch nach Schovfheim. Entlaffen aus Ansuchen: Baurat Adolf S ch u l e r , z. Zt Oberregierungsbau- rat bei der Neckarbaudirektion in Stuttgart, Regie- rungsbaumcifter Julius Bank, z. Zt. Regierungs- baurat beim Neckarbauamt in Heidelberg. Zurubegesedt: Stratzenwärler Emil Hund in Scheuern, Straßen- Wärter Emil Wunsch in Scheuern. Finanzministerinm. Ernannt: Obersteucrsckretär Georg Michael Geier beim Fi- nanzamt I Aschassenburg zum Finanzobersekretär beim Finanzministerium. Foeftabteilung. In den Rnljestand versetzt: Forstmeister Adolf .König in Oberweiler und För- ster Karl Ludwig Essig in Obereggeru. Vport>Hplel Segeln. Ozcanfahrt eines Segelbootes. Bildhauer und Schifsskonstrukteur Franz P l u n d er ans Bregenz hat aus der Werft Hard am Bvdcnsee sein -Czean-'Sogclboot fertiggestellt Am Oster- sonntag erfolgt die Taufe des Boots auf den Namen „Sowitesgoth V", d h.: »So weit es geht". Nach der Taufe erfolgt der Stapellauf. Im April macht das Schiff Passagierfahrten aus dem Bodensee. Anfang Mai wird es nach Ham- bürg verladen, um nach einigen Trimmfahrten von dort aus unter dem Stander des Württem- bergischen Jachtklubs und der österreichischen Flagge die Reise über den Kanal. Golf von Bis- eaya, Madeira, Golf von Mexiko nach Neuyork anzutreten. Die Ozeanreise beansprucht vor- raussichtlich 6 bis 7 Wochen. Erst dreimal ist der Ozean mit kleinen Segelbooten durchquert worden: das erste Mal von dem Amerikaner Sloeum, das zweite Mal von dessen Lands- mann FlemmingS Days, das dritte Mal von zwei Engländern, die von Australien nach New- Aork segelten, aber seit ihrer Abreise aus New- Aork verschollen sind. Das Plundersche Fahr- zeug ist eine 14 Meter lange gaffellos getakelte Ketsch von 10 Meter Breite, 1,8 Meter Tiesgang und 12 Tonnen Wasserverdrängung Die drei Segel haben 90 Geviertmeter. Das Boot hat einen ö ?8-Motor sllr Notfälle und Hafenein- fahrten. Allgemeines. dra. Die Spielberatnngsstelle des Deutschen NeichSausschusses für Leibesübungen gibt Ge- meinden und Vereinen, die Sport- und Spiel- Plätze anlegen wollen, Auskunft. Anfragen richte man an das Generalsekretariat. Berlin W 85, Knrfttrstenstr. 48. — Die neuesten Ersahrungen im Bau und in der Unterhaltung von Kampfbahnen und Spielplätzen sind im Auftrage des DRA. im Band 2 der „Beiträge zur Turn- und Sportwissenschaft". Verlag Weidmann-Ber- litt, von Dr. Diem und Architekt Seifsert zusam- mengestellt worden. VomMews? Samstag, den 10. März 1928. Der Einfluß des nordeuropäischen Hochdruck- gebtetes beginnt zuzunehmen, doch bringen in Süddeutschland noch kleine Druckstörungen am Nordrand des' italienischen Tiefdruckgebietes Trübung und geringe Niederschläge, die im Hochschwarzwald ais Schnee fallen. Infolge der kalten nordöstlichen Luftströme bleibt das Wetter vorerst sehr kühl, im Gebirge herrscht ober- halb 600 Meter Frost. Unter dem zunehmenden Einfluß des Hochdruckgebietes ist in den nächsten Tagen Aufheiterung zu erwarten. W-tteraussichtn für Sonntag, den 11. Mär, 1928. Morgen noch meist trübes, sehr kühles Wetter mit nur geringen Niederschlägen lHoch- schwarzwald Schnee), später Aufheiterung, auch in der Ebene Nachtfrostgefahr. Rvcin-Masscrstiindc morgens G Uhr: ,0. März. . . «.März .-.rinnteriitfel . 1.57 m 1.B0 m Kehl 2,90 rn 2,94 m Marl»!« .... 4,91 m 4,96 ir Mittags 12 ttfil 4,04 «n abends li ltfir 4.05 m vlnttttfieitit 4ü» m 4.8 Stottern und andere iunktion. Stimm- störungen werd. beseitigt durch P. Paschen, jetzt Adlerftr. 33 Sprech» Samst um. Tel.lil4 General-Vertretung und Fabriklaser ftS ©nd©rtf & IMeiBerfi, &a »-B3r«'ae i» Feinruf 4993. ■I Bankhaus Straus Co. Karlsruhe Friodricbsplatz 1, Eingang UittarstraBa Fernspreohansctiluß fi/r- I Stadtqsspr3che: Nr. 30. 4595.4538.4537.4599 irngespiäohe: Nr. 4301. 4902.4993,4934.4905 | llilllllllllllllllllllllili Kietzinsberechirangen '® r Hausbesitzer bei O. Schwarz, Hcrrenstr. 3 III. aus der Zwiebackbäckerei Wilh. Krauth, Neureut. Baden. Fernruf Karlsruhe Nr. 4887. Er ist der beste und billigste Zwieback. Kraule!» in erstem Mckliäft liier am Platz tätig, sucht für 1. April gutmdöl. 31«. Zentrum bevorzugt, Angebvte u»t. *j)x- 4142 ins T agblattdiiro erbet. Neffrmiiiif. Slratttct t>om 15. 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Der E»-',!ana der Marken mnfi bescheinig! werden. an Kinder unter 14 IaSren werden Marken nickt aüsciebiindiat. ^ . „„ , Die Rnsaabe crfitqt liraftenweilc hi natöftcticn- 6er SHciScnfoInc den 12. Marz. tSr die -tränen: '».iilerftrape bis mit Ä«n»ivali>-Allec! Titnm*, den 13. Mär,: Bauineifter- bis, mit ^raisftrake: Mittzsock den lt. Mar,: TurCotb« Sitte* fttä mit Enanae liftennrake: Doiineiöta«, »e» 1Z. März: Fabrik- b!« mit Kerwiaitraste: Freitag. btn 1«. Mär,: 6i« mit rantcnf>ewftrp6e; SamZio-». den 17. März: «nfinet?» bis mit »nof«; ftrade: M«n«ao de# 19. Mär»: fnirnjolit« ms mit »"ifctftrit'ic; Dienst«,«, dem 26. Mar,: Sailer- ■iTUcr bis mit Jfräinrrffvofee: Mittirnib. den 2t. März: Kr,»,- bis mit Lerchenftra^e: Do»«ers- den 22. Mär,: Leliwg- bis mit Marienitrake: .^reitaa. de» !?. Mär,: Ma^raicn-bis mit Mur-?- ftrane: pamsta». den 21. März: NaMd- bis mit Otto-Kack>s-Strake: Montan, den 2«. Mar,: Bnrk- bis mit Riivnurrerstrakie: Dienst««, den Z7. Mär»: 3aeten. die »den anae- n->»e»e Zieibenfolae ?>>na« eiumbalten. -»amtliche Marken sind beim Emvfaua c»lf ibre Richtigkeit u rrüfen und eine etwaine Neklam"tinn sofort I>ei der Ansaabestelle anzn^rinaen. Soäter ein- laufende Beanstandnuaen können keinesfalls an- erkannt werben. ,, <">ür auf-erbalb der bekanntaeaebenen Reiben- folqe abnebolte Marken wird eine Gebühr von IM J! für leben Markenboaen erhoben.. Beränderunaen in der .'lab! der attf der Pus- meiskarie auqeaebenen Per-nne«. insbesondere S?errinaernnq der Zahl der Ner!orann-'sb''rechtio- tsn. !?„d vor der EmvfannnaSme der Marken dn der ?l»s<>abeftelle aumaeben. Es dürfen nur fo- lief Marken in Smpfana »enommen werden, als taNäcklick o»rlo?»nnaÄki-i?chtigte Persone» in de« Haushalt vorfanden lind. ?ie Nusaabe der Marken an Anstalten erfolat erst vom 2. Avril ab. und zwar in der früher üblichen Weile ebenfalls an den Schaltern des NabrunasmIttelainteS. An Kelbftverforaer werden Mnrken nur dann nerabkolat. wenn durck Befcheiniauna d?s üäd- tische» Statistischen Amtes oder des zuftändiaen Memelndcsckretariats nachaewiesen wird, daß ihre Borräte aufnebraiiiht. bezw.'dafi sie nicht mehr c?!elbstverforaer sind. SanZhaltunaen. die auf Grund nieiner Bekanntmacknna vom IN. Oktober 1022, „Ansscklufi der Remittclten vom Bezug von Marken-Brot" ausgeschieden sind, erhalten keine Marken. Jede verforgunasberecktiate Person erhält einen Markenbogen mit 60 Brotmarken (Nr. 1—60), dilti« für je 750 ffnomnt Brot oder 550 Gramm Brotmelil. IeweiiS fünf Marken find mit dem Datum einer 14täaigen Berforaunasveriode ver- seben: Ne dürfen weder vor noch nach der vor- gedruckten Gültigkeitsdauer zur Einlösung ge- lanqen. Jeder widerrechtliche Besik von Lebensmittel- ausweiskarten. auch der Belitz von solchen Aus» wciskarten. die mit den tatsächlichen Berh^ltnil- fen — Zahl der versargungsberechtiaten SauS- baltsangeböriaen — nicht mehr übereinstimmen, sind ebenso wie der unberechtigte Bezug von Le- bensmittelmarken mit Strose bedroht. Wer obne verloraunasberechtigt zu sein, die öf- feutliche Brotversorguna in Ansvrnch nimmt, wird nach ? 40 .^isf. ü des Rcichsaetreidegesetzes vom 4. Juli 1.022 mit Gekänanis bis zn einem Jahr und Geldstrafe bis zu 500 QOO M oder mit einer dic^r Strafen > bestraft, soweit nicht nach anderen Borschristen schwerere Strafe verwirk? ist. . Nichtversorgunasberechtigt find Personen, deren fteiiervslichtiacs Einkommen für das Kalenderiakr feden in dem gemeinsamen Haushalt vervflegten Hanshaltsangehörigen überstiegen bat , Bei der Neuausaabe der Marken wird in Zwei- selsfkillen eine Nachprüfung der Versorgung?- berechtiguna vorgenommen: zu diesem Zweck ist allgemein Sei Cinrommeasteuerbescheid für das Öabr 1921 ,n!t,»brin -zelr. Da die Gültigkeit der Marken sich wieder auf längere Zeit llg. September 102iN erstreckt, ver- lorene, gestohlene oder lonst abhandengekommene Marken keinesfalls ersetzt werden, ist im eiaensten Interesse eine sorgfältige Aufbewahrung dringend geboten. Karlsruhe, den 9. Mär, 1928 Der Oberbürgermeister. (Bitte anSickueiben und aenau beackten.1 Lernt Spr®CtS©nS AnfSngotrltEapso in Englisch, Franzosiscb und Spanisch nehmen noch Teilnehmer, Fortgeschrittenenkurse (Eintritt jederzeit) Spezialkurse für Korrespondenz in Englisch. -SS iKrtMefUtter Uhr 10 Uhr abenis. Leopo7dsfriiSle 1, am Kaiserplatz. 9°/ 0 iS® !tEMRdeüs§el?©r0 föfsBaihe dar iFraseirs u. flansesiaöt Lübeck (Lübcckiscbe Staat^nleihe) In CJesamtbetrage von jlk. ««OOflO »90.- unkttntlhar Iilw zum Jt. I. 10SS. Die unterzeichneten Banken stellen hiermit- Mk. 600 000 000 — 9«% mündelsichere Anleihe der Freien und Hansestadt Lübeck (Liibeckische Staatsanleihe) zum Verkauf. Für die Anleihe haftet der Liibeckische Staat mit seiner Steuerkraft und seinem gesamten Vermäseii, Die Anleihestücke lauten über Mk. 10 000.—, Mk. 20 000.— Mk 50 Ott).— und Mk. 100 000.— ; sie gelangen sofort nach Fertigstellnnff zur Ausgab;* und sind versehen mit am 1. 3, und 1. ». fälligen Zim3chei. cu bis zur endarülti >e» Tilgung. Der erste Zinsschein ist liülie am 1.9. 1923. Die Rückzahlung der Anleihe geschieht durch Aus- !o?ung zum Kurse von 100 % oder durch Rückkauf nb 1 1. 11)23 und zwar mit jShrl cn 3 % iura Nennwert der Anleihe zuzüglich der ersparten Zinsen Vom Jahre 1923 ab ist eine verstärkte Tilgung der Gesamt-Kfmdigung zulässig. , Die Ei. führ ng der Anleihe an den Börsen in Btrlm, Hamburg ttnd Hannovsr wird beantragt werden. Der Verkauf erfolgt freihändig und freibleibend zum Kurse von 99%, lozftgndi Stückzinsen vom I. 3. 1923 bis zum Zahlungstage des Gegenwertes. Berlin > |. Dreyfos 8f Co. Bremen: Girozentrale Bremen, Zweigan6talt der Girozentrale Hainovcr, Öffentliche Bankanstalt Frankfurt a. M.: Baruch Strauss Hamburg: L. Behrms 8t Söhne, Joh. Berenber ', Ooslü 'el. BoSentevv »chc (o. Sinyrnaj Gr 4x4 m. z.5yxz,2» M, l.svxz rn ca. beste Qualität, 1 weiher En »atlh «rd. zwei schwarze AiisÄenizerde, 1 Kllckensdirank. 1 Kümentiscki. 1 Spieltisch u. sonst. Möbel. div.Vettevvidic. 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I I Abendkasse: Stadtmesner Maier, Ständchausstr. Einführungs-Vortrag von Professor Dr. Weinmann Regensburg am Donnerstar, 15. März 1923, abends 8 Uhr im Saale des Konservatoriums, Sofienstr. 43- Karten zu 500 Mk. und 300 Mk. in der Heider- schen Buchhandlung und an der Abendkasse. Sonntag, den 11. März 1923 Landestheater vormittags 11 1 3 bis geg. I Unr Sperrsitz I. Abt. 900 M li.niusIkaliscMoigenfeler Mitglieder d. Theatergemeinde B. V. B. erhalten gegen Vorz igen -er Aus- weiskaten Preisermäß, an der Theaterkasse abends 6 bis geg. y Uhr Sperrsitz I. Abt. 7000 Ji Die Zauberflöte Konzerthaus nachmittags 3—5>/> Uhr Volksbühne N 9 Der Raub dar Sabinerinnen abends 7 bis nach 9 Uhr Parkett I. Abt 3000 JC Der kühne Schwimm^' Rovena Brkfeld* Roman von Joachim v. Dürow. (47> «Nachdruck verboten) Aber weiter In dem von Dir gewünschten Be- richt. Von Hohenberge willst Du hören und über den Eindruck, den dies erste Kennenlernen auf Großmama und mich gemacht. Ueber der Stunde unserer Ankunft hier lag es, in bezug auf Luft und Sonne, wie ein Glanz von Glück, der dem Kommenden vorausgehen sollte. — Stil- leS, feines Winterwetter,' über Nacht war der erste Schnee niedergegaugen. Da wir in Bre- inen übernachtet, fiel unser Eintreffen auf den Bormittag. Am Bahnhof erwartete uns der für Großmama bestimmte Landauer, — ein paar Schritte zurück aber, von mir förmlich angc- jubelt — ein Schimmel-Viererzug, famose Un- garn! Llls Kurt und ich den Selbstfahrer bestiegen borten, legte er die Zügel in meine Hand. Ich aber gab sie ihm zurück: „Heute nicht!" — Eine Strecke dann in schlankem Trab, und vor uns lag das Haus, als wolle es uns die Arme ent- gegenbreiten. Große, tiefe Räume? hohe Fen- ster, brette Treppen. Neberall Licht, Licht und Weite. — Der Höhepunkt war aber doch der Gang, den Kurt und ich durch die verschneiten Forsten gemacht. Die Rückkehr dann unter einem Abendhimmel, der in grüngoldenen Tin- ten förmlich leuchtete. Wir hatten uns des köstlichen Alleinseins gefreut; wir freuten uns auch der Wegwende, die uns plötzlich zwei alte Weiblein gegenüberführte. Das Handschütteln hatte einen Nachdruck. Ich ließ mir von den Weiblein erzählen, wo es ihnen überall reißt und von der „Hitz in den Augen". In dem ??ebenzimmer sitzen augenblicklich zwei Leute und schweigen, wie es der Ernst der Sachlage erfordert Großmama und Bater Förster. Ueber dem Schachbrett begegnen sich das kleine, welke Händchen Großmamas und die große, arbeitsgeivohnte, aber doch wohlgepflegte Hand Vater Forsters. Famoser alter Herr, mein Schwiegervater! Ohne jedes Pro- tzen, von einem robusten Selbstbewußtsein in gutem Sinne, mit dem er die Leute, ohne daß er sich darum bemüht, zu sich heranzieht. Was sie eint, Ist eine gewisse altmodische Grandeza, an der sie beide festhalten. Große Ehrfurcht vor dem Alter, wie vor den Banden der Familie wird von beiden ohne Worte gepredigt: „Mein Töchterchen, binde du deiner Frau Großmutter den Schuh zu!" waren mit die ersten Worte, die ich von dem alten Herrn vernommen. Und nun, Onkel, höre, was der Mann, der heute noch die Treue im kleinen zu dem Haupt- prinzip seiner Geschäftsführung macht, für eine großzügige Art des Gebens hat: Vor der Villa draußen vor dem Tore, die den Forsters gehört, wurde gesprochen: „Ja die Villa sagte Vater Förster so nebenbei, „die macht mir Gedanken. Seitdem Kurt Hohen- berge hat, zieht es mich Sonntags hierher, und da gibt es eben ein leerstehendes Haus. Leere Häuser sind verfallene Häuser: und das unbe- wohnte Ding heizen zu lassen, dazu bin ich nicht der Mann!" — Dann zu 6)roßmama: „Ich hatte noch nicht die Ehre, der Mutter Rovenas bis jetzt vorgestellt zu sein: aber wenn Exzellenz der Frau Gräfin den Vorschlag unterbreiten woll- ten, die Villa, die ich auf keinen Fall vermieten möchte, mit allem, was drum und dran ist, zu beziehen, geschähe mir entschieden ein Gefallen damit. Für Bedienung ist selbstredend gesorgt. Der gegenwärtige Hausmann sauft wie eine Haubitze: und das Jahr für Jahr erscheinende Kind wirkt hemmend auf die Tatkraft feines Weibes. Demgemäß habe ich beschlossen, den Leuten zu kündigen und anstatt ihrer jene zwei Toren, die aus die alten Tage sich in kien Ehestand begeben wollen, Friedrich und Dore, als Hüter der Villa einziehen zu lassen." Ich bin aufgesprungen und bin dem alten Herrn um den Hals gefallen. Den ganzen Last- wagen voll Sorge um Mama hat er mit einem Schlag ins Rollen gebracht. Natürlich wird Mama zunächst in eine ablehnende, ja sogar kampfbereite Stellung treten, aber so etwas flaut ab bei ihr, ohne baß sich die Motive än- dern. — Schon das Wiederfehen mit den aus Ulmenhof geretteten und bis auf bessere Zeiten untergestellten Möbeln, japanisches Kabinett usw. wird versöhnend wirken. Vor allem aber das Verschwinden des Schildes „Pension Erk- feld". Der Pinsel eines Malers ist verwischend darüber hingefahren. „Pension von Amalie Klein" heißt es jetzt. Tante Malchen hat die ganze Sache übernommen: und — ich frage nicht, wie weit auch hier Vater Forster die Hand im Spiele hat. Ich bin eben immer noch ein bisse! feige. — Weiter fragst Du, lieber Onkel, ob der Bruch zwischen Mama und mir noch seine Schatten wirft. Vorläufig ja. Jedoch auch hier wird sich mit der Zeit alles wenden. Dore ist eifrig im Phi- losophieren: ungefähr in der Art: „Trotzen 'schafft Stolzieren vor sich selbst", hat sie gesagt, — „so lange man jung und forsch". Wenn aber mal das Sterben unvermutet^ anklopfen will, dann sieht man sich doch nach der Kindeshand um zum Kissenschütteln. Feindschaft mit dem eignen Fleisch und Blut gibt keinen guten Ab- gang und ein sanftes Türzuschlagen auch nicht." — Wenn nun etwa bei Mama ein bisse! Langeweile dazu kommt, — wenn sie eine kleine Neu- gier spürt, die da wächst, so werden wir über kurz oder lang doch die Freude haben, Mama in Hohenberge begrüßen zu können. Für einen gutstimmenden Klimbim dabei wird V^ater For- ster schon sorgen. Auf so etwas hält er. Und schließlich: Wirkungen sind unberechenbar. Wer kann wissen, ob nicht mit der Zeit der lichtkräf- tige Abglanz der Forsterschen Tatkraft auch Mama eine Ahnung gibt, daß das Dasein Werte haben kann, die wir niemals gewohnt gewesen sind, als solche zu betrachten. „Ich schlage nichts heraus aus dem Leben", sagt der Jüngling? und darauf der weise Alte: „Du hast eben noch nichts hineingetan!" Sieh mal, Onkel, etwas in unser Leven Ö trt _ einzutun, das haben wir doch wohl versäumt, speziell wir Erkselds auf Ulmenhof. Sowov die Verstorbenen wie die Lebenden. Hier ist die Luft durchsetzt von auffrischend^ Plänen. Auf Grund der erfolgreichen Bez>°' Hungen zu Indien soll der Besitz von berge durch Ankäufe bedeutend vergrößert lve^ den. Vor Kurt und mir liegt ein weites beitsfeld. Wir betreten dasselbe frohgew^' aber ohne alle Illusionen. Wir wissen, S< "! Enttäuschungen und Fehlschläge uns nicht ' spart bleiben daß wir allezeit die Last des ^ dischen auf uuseru Häuptern fühlen werde Trotzdem sollen die Zuversicht und die Arbeti freüde, wie sie heute noch in den blauen Aug Vater Forsters blitzen, auch unserer Leben^ Wanderung leuchten. — Stab und Stecken > . uns der Treuspruch sein, den Kurt und ich Wanderung leuchten. — Stab und Stecken heute unter dem Rauschen der Tannen auscr sehen haben: Einer trage des andern Last. Gute Nacht, Onkel!" Morgen beginnee wir mit dem Abdruck ^ nCi neuen Romans: „Das goldene Netz" von Otto Lothar Riemafch. „Das goldene Netz" gibt in ungemein spann^ der, dramatisch gesteigerter Entwicklung ^ Zeitbild im besten Sinne des Wortes. e „ sicherster Technik und in glänzendem schrieben, kommen die feinen psvchologi^i j, Schattierungen niemals zu kurz. Wir >r uns, mit diesem Roman unseren Lesern ganz besonders interessante Gabe vieren können.