Moniag, 27. Luni ^927. 122. Jahrgang Ar. 175. ht- [es I ien on Karlsruher T im ett Litt» Zz »»s«»re>«! wonaMch Sil.MO frei Sa«. 3« unftret «efthäst«. Jede ober in unseren Aaenwren abgeholt IN. 1.90. »urch die Post bezog«» 3»notli$ 3JH.2.10 ouafdst. Zustellgeld. Zm Falle höberer Gewalt Hai oer M>°hcr kein« Ansprüche bei versPÄ-Icm oder Nichterscheinen der Zeitung ^dbestcllunaen verde» n»r bis 25. auf den folgenden Monat«Ietz«en ange» Mnm-n. u°gHi-I-«,I | . «erichiqiandu. Srs0Nnng«ort:Karl«riiheI.B. ZSeilagen. Unterhaltunz, vvort. Technil,brauen. Wandern Mllsil. tandwirtschast U .Garten Literatur. Badische Morgenzeitung mit Industrie- und Handelszeitung Gegr. 175b und der Wochenschrift „Die Pyramide" Gegr. I75K Rippeli Gerhardt? ftir' Musil: Anton C. 3tmmecmann; KarXruhe. Oru» u. »erlag: ' berliner Redaliion: Dr. :K. Telephon Amt Siegich III». ^ die Redaltion leine Derantworiung. t« bis 12 Uhr vorm. Neriag, Ivchristlei Ritterflraße l. Zernsprechanschltisse:"?!r. i. vomchecklonto ksarlSrube ?!r. 954V Handel: Heinrich «pon: S«i»rii» ' art Zoh«! str ge: Zräulein Dr. oer; iämilich in che, Ritterstraß- l. |t), Sedanstraßc II, uslripte übernimmt )cr Redaktion »on «stelle: Karlsruhe. 2a. 21. 29T. 192* Zweierlei Maß. Eine peinliche Krage an Paul-Voncour. >^?S. Paris, 26. Juni. In ber heutigen Sitzung des NationalratS Ct sozialistischen Partei wurde die Diskussion '»er das von Paul-Boncour befürwortete ^setz über die allgemeine Organisation er Nation in Kriegszeiten fortge- Von Interesse ist, daß der frühere General- ^kretär beS französischen Gewerkschaftsbmrdes, ^umoulinS, u. a. erklärte: Man hat be- muptet, baß dieses Gesetz einen Fortschritt für ^Demokratie und für den Frieden darstelle, ^dererseits hat man die Politik der Schieds- Gerichtsbarkeit und Entwaffnung und die Poli- von Locarno gebilligt. Ich stelle die Frage: Wurden Sie es wagen, es gut zu finden, daß Deutschland ein derartiges Gesetz seine nationale Verteidigung '»nimmt? ,,^aul-Boncour versuchte in längeren Ausführungen sich gegen die Angriffe, die gegen M erhoben worden waren, zu rechtfertigen. frühere Abgeordnete Bracke stellte dar- z?> fest, haß Paul-Boncour auf die Frage j U inottItitS, ob Deutschland, ohne den Protest Sozialisten der ganzen Welt einschließlich j C * deutschen, hervorzurufen, ein ähnliches Gc- hätte annehmen können, nicht beantwortet Verzögerung der Besichtigung der zerstörten Unterstände. ,.Berlin, 27. Juni. Die für diese Woche in Aussicht genommene Besichtigung der an der Mischen Ostgrenze zerstörten Unterstände durch Militärsachverständigen der Alliierten in ^lin, wird laut „Montag", wahrscheinlich 3 t kurze Berzögerung erfahren, da die i s ch a f t e r k o n f e r e n z es bisher v e r - I^Nint hat, die Militärsa chverst ändigen in Ber- von den Genfer Abmachungen- in Kenntnis au ^ ^ letzen. ^ie deutsch-französischen Handels- Vertragsverhandlungen. Eine französische Verlautbarung. WTB. Paris, 26. Juni, imeinem Bericht des französischen Handels- j'MteriumS über die deutsch-französischen Hau- ^.^vertragSverhandlungen haben die deutsche inui ^' e französische Delegation gestern nach- ,^'ag ihre B e s p r e ch u n g e n fortgesetzt. Anschluß an einen Schriftwechsel zwischen ak" beiden Delegationen hätten die deutschen ^ertreter bei ihrer Regierung Instruktiv^ v I i vuv uiuu iiu; uuuj um utu w Äöstfchctt Handelsvertragsverhandlungen r, e "Bt finfip habe Abreise Dr. Stresemanns nach Oslo. Berlin. 26. Juni, k.'^eichsaußenminister Dr. Stresemann trat sMe vormittag 0.40 Uhr. in Begleitung seiner d?"in soivie Geheimrat von Baligan d und ^ Legatiousrat Redlhammer seine ange- Reise nach Oslo an. um an den Feter- Seiten anläßlich der Verleihung des Frte- ^^nobelvreises teilzunehmen. Zur Verabredung hatteit sich der hiesige norwegische Ge- ,^»ie (Scheel mit den Herren der Gesandt- v.*", vom Auswärtigen Amt Staatssekretär OPHa vtt M,uu O ul ^ ^ v v s^^nobelvreises teilzunehmen. Zur Vi Cli Uw £ Batten sich der hiesige norwegische '-hl " " I) r\ m «iUVIVUtliybU — ' """"" hif" Schubert und der Reichspreyechef Mi- ^'erialdirektor Dr. Zechlin aus dem Bahn- ^ eingefunden. brotesi des ^oten Kreuzes gegen russischen Massenhinrichiungen. WTB. Genf, 26. Juni. .$Ser Präsident des Internationalen Roten K ^S-KlmtiteeS. Gustav Ado r, hat an die 'Metregierung folgende Erklärung gesandt: j.^ef bewegt nimmt das Internationale Komi- Roten Kreuzes Kenntnis von den Siach- »^en ans Rußland über die Massenhinrichtuu- i*,;. Das Komitee nimmt Bezug auf die Be- >' u iic der Internationalen Rote-Kreuz-Konfe- fijS, welche die Jtepressalien verurteilen und l ai4? * n eintreten, nnd appelliert an das mo- b^^che Verantwortungsgefühl der _ Sowjet 5ö ^öett gegenüber der ganzen Menschheit. gegciinvcr vci ouiiani öfi Komitee ersucht die Sowjctbehö^den ein- ^ "glich, Maßnahmen zu unterlassen, die 1,8*» die Gerechtigkeit und die Ber- "ft verstoßen. Die pariser Oaudet-Komödie. sEigener Dienst des „Karlsruher TagblatteS."j 8. PariS, 27. Juni. Lange hat Paris nicht so gelaäit, wie in diesen Tagen. Auf den Boulevards, in den Kaffee- hänsern, auf den Straßenbahnen und Auto- bnssen. überall Schmunzeln und Heiterkeit. Der neueste Streich der Royalisten. die durch zwei einfache Telephongespräche ihen Abgott Daudet aus dem Gefängnis befreiten, ist allerdings nicht ganz originell, denn schon im Jahre 1S21 war ihnen ein ähnlicher Streich geglückt. Auch damals war Poincare Ministerpräsident, anch damals machten es einige Royalisten ähnlich so, um ihren Freund de Bal eilte aus dem Gc- sängnis entwischen zu lassen. Der eilte von ihnen gab sich damals als PoinearS selbst am Telephon dem Kabinettschef des damaligen Ju- stizutittisterS Briand gegenüber aus und be- wirkte die Freilassung. Dem Ministerpräsiden- tett P o ineare spielten die Royalisten jetzt also zum zweiten Male denselben Streich, der noch sehr ernste politische Folgen für die Re- giernug haben wird. Erst nachmittags um 5 Uhr kam der ganze Schwindel heraus. Der Innenminister Sarrant erfuhr von ihm durch einen reinen Zufall, als er uachmittags bei einer Denkmalseinweihung die Regierung vertrat. Als er sofort eine Un- tersuchuug anordnet, war eS natürlich zu spät. Die drei sind verschwunden und alles Nach- forschen nach ihnen blieb vergebens. Eine entzückende Köpenickiade. Nur in der französischen Regierung herrscht heute eine Katerstimmung. Die Sozialisten haben bereits eine Interpellation für die morgige Kammer- fitzung angekündigt, denn wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Die drei Verschwundenen sind aber auch heute morgen noch völlig unauffindbar. 'In oppositionellen Kreisen macht man die Regierung für den neuen Streich der Roya- liste» verantwortlich. Selbst in gemäßig- ten Kreisen stellt man fest, daß die neue Affäre keinesfalls zur Erhöhung der Autorität der Re- giernng beigetragen habe. Der „Matin" richtet scharfe Angriffe gegen das Innenministerium, in dem anscheinend die Feinde der Republik, Royalisten und Kommu- nisten, ihr Unwesen trieben. lieber den gegenwärtigen Aufenthaltsort Daudets und feines Mitarbeiters weiß man noch immer nichts. Mau vermutet, daß sich Daudet nach Perpignan begeben hat, wo heute eine große royalistifche Versammlung statt- findet. Ein neuer Hastbefehl gegen Daudet. PariS, 27. Juni. Justizminister Barthou hat gegen den flüchtigen D a n d e t und seinen Mit- arbeiter D e l e st Hastbefehl erlassen. Der Kom- munist Semart, der seinen Aufenthalt nach sei- ner Befreinne aus dem Pariser Gefängnis nicht verheimlichte, hat sich innerhalb 10 Tagen er- neut am Gefängnistor zn stellen. Tschangtsolin fordert Waffenstillstand. TU. Schanghai, 26. Juni. Ein Aufruf Tfchaugtfolins fordert zum Was- fenstillstand auf, um weiterem Blutver- gießen im Bürgerkrieg ein Ende zu bereiten. In maßgebenden Kreisen Schanghais bezweifelt man den Erfolg dieser Kundgebung, zumal sich sowohl die Nankingregierung als auch die Hankauer Machthaber ablehnend ver- halten. Das chinesische Bündnis gegen den Bolschewismus. vis. Paris. 27. Juni. Ueber das Bündnis T s cha n g k ai s che kS nnd F e n g y u h s i a n g s zur Bekämpfung des Bolschewismus teilt die Havasateniur aus Schanghai mit: „Die zwischen den beiden Gene- ralen zustande gekommene Vereinbarung bildet ein Kompromiß zwischen der Auffassung Fettg- ynhsiangs, der wegen seiner persönlichen Bezie- Hunten zu Rußland Hankatt gegenüber neutral bleiben wollte, und derjenigen Tschangkaischeks, der gegenüber Tschangtsolin Neutralität bewah- ren wollte. Fengyuhsiang hat sich bereit erklärt, öffentlich mit den Hankauer Kommunisten zu brechen uud auch mit Borodin. Tschauekaischek werde auf der Linie Peking—Pnkan uud Fengyuhsiang von Sankau aus gegen Peking vor- rücken. Dr die Nenordnitng Mitteleuropas aufgestellt. Un- ter keinen Umständen konnte daher eine :Uem- fion dieses oder eines anderen Vertrages in einer wie auch immer gearteten Form gebilligt werden. Trotzki und Sinowjew aus dem Zentral- komitee der Komintern ausgeschlossen. Warschau, 26. Juni. Wie ans Moskau ge- meldet wird hat das Plenum des Zenttalkomi- tees der Komintern beschlossen, T r otz k, uno Sinowjew ans dem Zentralkomitee ans- zuschließen. Freispruch im Oattenmordprozeß Grosavescu. TU. Wien, 26. Juni. Gegen %12 Uhr teilte am Samstag abend der Öbtnann der Geschworenen mit. daß dte r a (i c aus Mord ei u st t ut m t g ver- Ii eint die Frage auf Totschlag ein- st i ttt m'i g bei a h t nnd die Znsatzfrage auf S i n n e s v e r w i r r it it Altr 3cit btx ^ at mit acht Stimmen bejaht und vier Stimmen ver- neint wurde. Der Vorsitzende verkündete hier- auf den Freisprnch der Angeklagten. Das Urteil wurde im Zuhörerraum mit Bei- fall aufgenommen, in den sich auch Pfui- Rufe mischten. Vor den Toren des Schwur- gerichts hatte sich inzwischen eine große Men- schenmenge angesammelt, welche, als der Ver- leidiger das Gerichtsgebände verließ, in lebhafte Pfui-Rufe gegeu die Geschworenen ausbrach. Die Wache hatte Muhe, die Ordnung wieder- hrznstellen. Unter dem Eindruck dieser Deinon- stration wurde verfügt, daß Frau Grosavescu nicht sofort entlassen werde, sondern noch die heutige Nacht im Gefängnis zn verbleiben habe. Die Rote Armee. Der preußische General Hoff mann hat sich vor kurzem im „Neuen Wiener Journal" sehr skeptisch über die Kampfkraft des heutigen rufst- scheu Heeres geäußert. Seine Vermutungen werden jetzt durch Mitteilungen, die das ehe- malige Mitglied der Reichsduma, Baron Hamil- kar Fölckerfam, im Jnniheft der „Preußischen Jahrbücher" macht, bestätigt. Herr von Fölcker- sam führt n. a. über den gegenwärtigen Zustand der Roten Armee folgendes aus: „Dic Armee besteht zn 83,7 Prozent aus Bauern, 11 Prozent sind Arbeiter, und unter 5,8 Prozent Angehörige anderer Klassen. Im Offizierskorps ist das Verhältnis der Arbeiter gegenüber den Bauern ein höheres, aber auch hier find die bürgerlichen Kategorien nur mit etwa 5 Prozent vertreten, und nur in der Flotte liegt es anders. Hier beträgt das bürgerliche Offizierselement etwa 58 Prozent. Die Regierungsgewalt ist ernstlich bemüht, die Armee nach Möglichkeit zu proletarisicren, und was noch an Offizieren der alten kaiser- lichen Zeit übriggeblieben und in die rote Armee übergegangen war, wird systematisch verdrängt und durch das neue Element, das ans den kommunistischen Lehranstalten hervorgegau- gen ist, ersetzt. Die Zahl der Parteimitglieder, das heißt der Kommunisten, in Konimandostellen betrug i,n Jahre 1021 in deu höchsten Stellungen 26v. H., jetzt 45,- iu deu obereu Kommando- stellen 26 v. H., jetzt 33 v. H., und in den nnte- ren 85 v. H., jetzt bereits 51 v. H. Diese Zahlen nehmen mit jedem Jahre zu, und nur in der Flotte ist das Verhältnis ein anderes. Hier beträgt die Zahl der Kommunisten in Kom- mandostellen nur 20 Prozent, und trotz aller Bemühungen will es nicht gelingen, dieses Ver- hältnis erwünschter zu gestalten, ja in letzter Zeit ist sogar ein Rückgang der kommunistischen Offiziere festzustellen. Was die militärische und allgemeine Bildung der Offiziere anbelangt, so ist das Niveau der- selben ein sehr niedriges. Etwa ein Drittel der Offiziere hat noch den Kursus der alten Mili- täranstalten beendet, aber bezüglich der Allge- meinbildiing steht es so, daß die überwiegende Mehrzahl nur eine untere, also Elementarbil- duug, und nur ein Drittel eine Mittelschnlbil- dnug erworben hat. An der Militärakademie wirken zurzeit noch zwöls Lehrer, die dem alten Generalstab der kaiserlichen Zeit angehörten, aber bei der Aus- nähme in die Akademie wird fortgesetzt grö- ßeres Gewicht gelegt aus die Zugehörigkeit zur Kommunistischen Partei als auf Bildung und militärische Fachkenntnisse. Völlig ausgebaut ist das Netz der Militär- kriegsschulen, die den geringen Anforderungen entsprechen,' und im allgemeinen nicht schlecht organisiert sind. Im ganzen sind etwa 60 sol- chcr Normalschulen vorhanden,- davon 16 für dic Infanterie, je 7 für die Kavallerie und Artillerie, 3 Marineschulen, 4 Spezialschulen, S Ingenieurschulen, 10 für die Luftflotte und 10 „All- gemeine". Im engsten Zusammenwirken mit den Schulen sollen die Truvvenkörper dazu dienen, zwischen der örtlichen Bevölkerung und dem Heere ein festes Band zu knüpfen. Daher werden diejenigen Truppenzentren, iu denen sich Schulen befinden, mit ganz besonder? zuverlässigen Garnisonen belegt, was zugleich die Möglichkeit bietet, etwaige Unruhen jeder- zeit schnell bewältigen zn können. Bei der Ausnahme in die Militärschnlcn wird gleichfalls das größte Gewicht darauf gelegt, daß nur völlig zuverlässige Elemente herange- zogen werden. Der politischen Propaganda unter den Trnp- pen wird die größte Bedeutung beigelegt, und es sind iu der Armee 80 000 Personen tätig, die direkt von der Kommunistischen Partei ab- h ä n g i g sind. Die Position des Kommandobestandes ist eine überaus schwierige, da alle Kommandenre unter politischer Kontrolle stehen. Jedem Befehls- Haber war außer dem revolutionären „Leiter" noch ein politischer Kommissar beigegeben. Dic- ses System hatte eine solche Unzufriedenheit nervorgernfen und deu Begriff der militärischen Kommaudogewalt derartig diskreditiert, daß die Regierung schließlich einlenken mußte. Die Macht der Kominissare wurde daher kürzlich bc- schränkt, nnd sie sind jetzt wesentlich nur die politischen Leiter der Trtippenausbildnng. Die Tscheka. . . Besondere Erwähnung verdient die Truppe der Tscheka. Sic besteht aus 13 Infanterie-, 3 Kavallcrie-Rcgimeutern. der Grenzwache und den Abteilungen mit besonderer Bestimmung. Im i gnzen sind das 250 000 Mann, die direkt dem Zentralkomitee der Kommunistischen Partei zur Verfügung stehen, eigentlich das Heer der III. Jntcrnationalen bilden und hauptsächlich zum Kampfe mit dem inneren Feind — das heißt also dem russischen Volke — bestimmt sind. Daher sind viele dieser Regimenter, vor allem aber ihr Offizierskorps, hauptsächlich auS \1 X ______ Seite 2 Karlsruher Tagblatt, Montag, den 27. Juni IS27 Rr. l?S Fremdstämmigen zusammengesetzt: namentlich Chinesen, Letten, Deutschen, Polen, Kirgisen und anderen. Diese Truppe bildet eigentlich ein besonderes Heer, in dem alle Waffengattungen vertreten sind, sogar 2 Lustschiffgeschwader. Panzerwagen- Abteilung««, Tanks und Gaskampf-Formatio- nen. . . . Für einen Offensivkrieg kommt die Rote Armee nicht in Frage, in einem solchen würde sie sicherlich versagen. Sie ist wesentlich als ein Instrument zu werten, dessen sich die bolschewistische Regierung zur Unterdrückung innerer Aufstände und zur Knechtung der nichtkommunistischen Teile der Bevölkerung bedienen kann. Aber selbst in dieser Hinsicht bildet das Heer durchaus nicht eine unbedingt zuverlässige Stütze der Sowjets, weil sich immer deutlicher zeigt, daß der dem Kommunismus feindliche Geist, der die Bauernschaft beseelt, aus dieser mehr und mehr in die Armee eindringt. Im Laufe der letzten Jahre ist es in verfchie- denen Gebieten der Sowjetunion unter den Truppen und namentlich in der Flotte wieder- holt zu kleinen Putschen und Erhebungen ge- kommen, die allerdings durch drakonische Matz- nahmen liquidiert werden konnten, die aber doch beweisen, wie groß die Unzufriedenheit im Heere ist. Die zunehmende Gärung in der Armee und im Kommando wird von den Bolschewisten selbst nicht geleugnet. Die zweimalige Massenentlassung von Offi- zieren, die angeblich aus rein finanziellen Er- wägungen erfolgte, war tatsächlich ein aus parteipolitischen Gründen vorgenommener „Reinigungsprozeß" der Armee. Diese Maßnahme hatte eine solche Erregung hervorgerufen, daß vor wenigen Monaten IM Offiziere der höheren Kommandostellen nach Moskau berufen wurden, um ihre Meinungen und Wünsche zu hören und dann durch sie beruhigend auf die Armee ein- zuwirken. In seinen Verhandlungen mit diesen Armee- Vertretern hat der Chef der Roten Armee, Worofchilofs, zugegeben, „daß die Armee als politischer Körper an ihrem Werte viel verloren hätte", und er mußte sich von den Kommandeuren sagen lassen: „daß die Kommairdogewalt jode Autorität eingebüßt habe". Sehr beachtenswert ist ferner, daß eine zahl- reiche Gruppe der einberufenen Offiziere bei dieser Gelegenheit einen Bericht einreichte, in welchem zur Hebung der Disziplin kategorisch die «Wiedereinführung der militärischen Rang- sknsen in der Armee" gefordert wurde. Auch das Offizierskorps in seiner Gesamtheit ist nicht unbedingt „sicher", denn es sind in sei- nen Reihen zahlreiche Elemente vorhanden, die noch der alten zaristischen Armee angehören und keine wirkliche innere politische Wandlung durchgemacht haben, daher auch heute keines- ivegs als eine feste Stütze der Sowjetmacht gel- ten können." Herr von Fölckersam schließt seine Ausfüh- rungen mit den Worten: „. . . Die Sowjets werden sich wohl nur im äußersten Notfalle zum Kriege entschließen, das heißt nur dann, wenn ein solcher der verzweifelte Versuch wäre, sich in der Machtstellung zu erhalten." Mit dieser Fest- stellung rührt der Verfasser an den Angelpunkt der jetzigen Politik der Sowjets. Alles Kriegs- geschrei und Säbelrasseln, aller Terror und alles Morden in Moskau hat allein den inner- politischen Hintergrund: Die Opposition der Sinvwjew und Trotzki gegen den herrschenden Kurs im Boschewis- inns gewinnt von Tag zu Tag an Anhänger- schaft. Die Opposition verlangt radikale Maß- nahmen gegen das Ausland und gegen die kümmerlichen Reste des Zarismus im Innern. Stalin und Rykow geben, um sich der Opposi- iion zu erwehren, der Tscheka freien Lanf und lassen ihre ofsizösen Blätter Kriegsrufe aus- Unpolitische Nachrichten München. Bei den Pferderennen von Rien ere ignete sich ein Todessturz. Der Jockey Ger- h a r t i n g e r stürzte so unglücklich, daß er einen W i r b e l s ä u l e n b r n ch erlitt, dem er so- fort erlag. * Hannover. Sonntag früh 5.8V Uhr fuhr beim Bahnhos Wunstorf sHannover) «ine Rangier- abteilung dem aus Richtung Bremen einfahren- den Güterzug in die Flanke. Dabei entglei- sten 13 Wagen, beide Hauptgeleise sind auf mehrere Stunden gesperrt gewesen. Personen wurden nicht verletzt. * Berlin. In der Nähe der Draziger Brücke bei Kreuz in der Ostmark kenterte beim Wechseln der Plätze ein mit drei Personen besetztes Rn- derboot auf der Netze. Alle drei Insassen er- tranken. * Berlin. In der Nacht zum Montag stießen in Zehlendorf auf der Potsdamer Chaussee eine Kraftdroschke und ein Personenkraftwagen zu- sammelt. Dabei wurden 11 Personen t ei ls schwer, teils leicht verletzt. * Saarbrücken. Sonntag nachmittag explodierte in bisher nnanfgeplärter Weise im Feuer- werksla^er einer Kostümverleihanstalt ein Feuerwerkskörper. Das ganze feuergefährliche Lager stand im Augenblick im Brand. Ein Mäd- chen konnte nur noch als verkohlte Leiche geborgen werden. Das Feuer, das mit rasender Schnelligkeit nm sich griff, wurde schließlich von der Feuerwehr gelöscht. Trier. Ein Winzer aus Enkirch wurde im Walde, als er mit dem Aufbinden von Reisern beschäftigt war, von einem aus dem Dickicht her- vorbrechenden angeschossenen Keiler ange- fallen und derart zerfleischt, baß der Tod so- fort eintrat. Brüssel. Ter Flieger Seebrechts, der an dem internationalen Flugtag in Brüssel, bei dem der deutsche Flieger L u s s e r den Königs- preis erlangte, teilnahm, ist bei Sturzflugvor- führungen tödlich a b g e st ü r z t. London. In der Nähe von Catford wurden acht Personen, die vor einem Gewitter unter einem Baum Schutz gesucht hatten, vom Blitz getroffen und sielen ohnmächtig zu Bodeu. Der Zustand mehrerer von ihnen ist ernst. stoßen. Bei allem handelt es sich dem jetzigen Regime darum, „sich in der Machtstellung zu erhalten". Veutstbss Reith Zweibrücken in schwerster wirtschaftlicher Notlage. : Ludwigshafcn, 26. Juni. Die Schulbenlast der Stadt Zweibrücken wird, wie in der Stadt- ratssitzuug bei der Etatsberatung mitgeteilt wurde, VA Millionen R m. erreichen. Da keine Möglichkeit vorhanden ist, die Schulden aus eigener Kraft zu decken, sieht sich, wenn keine Hilfe von anderer Seite kommt, Zweibrückeu gezwungen, sämtliche Zahlungen einzustellen. Zum Autounglück bei Lübeck. Lübeck, 26. Juni. Nach den letzten Festste!- lungen haben sich in dem vom Zuge erfaßten Automobil doch n u r fünf Personen be- funden. Die Namen der Toten sind: Oberzoll- sekretär Ferdinand Debald, seine Gattin so- wie sein Sohn Hans Debald und dessen Frau und schließlich der 21 Jahre alte Chauffeur Krieger, sämtlich aus Hamburg. Der Schran- kenwärter Brüggemann ist verhaftet wor- den. Es haben sich verschiedene Zeugen ge- meldet, die behaupten, daß die Schranke an der betreffenden Straßenweichc in letzter Zeit wiederholt nicht oder doch nicht rechtzeitig geschloffen worden sei. Berufung im Kasseler Stra^enbahnprozeh. Berlin, 26. Juni. Gegen das freisprechende Urteil im Kasseler Straßenbahnprazeß hat der Oberstaatsanwalt von Kassel Berufung ein- gelegt. Massencrkrankungen an Typhus in Merseburg. Merseburg, 26. Juni. Wie der .Merseburger Korrespondent" aus Schafstädt meldet, sind dort plötzlich etwa 20 Personen, meist Kinder, an Typhus erkrankt. Ein Knabe schwebt in Lebensgefahr. Die Erkrankungen sollen auf den Genuß vou S p e i s ee i s zurückzuführen fein. Alle Typhus-Erkrankten wurden zur Isolierung nach Halle und Merseburg gebracht. Ein blutigerZwischenfall. : Berlin, 26. Juni. Ein mit Reichsbanner- leuten besetztes Auto wurde laut „Berl. Tage- Matt" hiuter Müncheberg vou bisher noch un- bekannten Personen überfallen und beschossen. Ein Reichsbannermann wurde durch Bauchschuß getötet, mehrere andere zum Teil schwer, zum Teil leichter verletzt. WTB. Frankfurt (Oder), 26. Juni. Der Lieber» fall auf die Reichsbannerleute in Ahrensdorf hat sich nach den Bekundungen der im hiesigen Städt. Krankenhaus liegenden, zum Teil recht schwer verletzten Reichsbannerleuten so abge- spielt, daß die Reichsbannerangehörigen beim Durchfahren des Dorfes Ahrensdorf von Dorf- bewohnern belästigt und mit Steinen beworfen wurden. AlS sie sich am Ausgang des Dorfes befanden, fielen plötzlich eine Anzahl Schüsse, wodurch ein Reichöbaunerangehöriger getötet und zehn weitere verletzt wurden. Nach den Er- Mittelungen der Polizei kommt als Haupttäter der Besitzer John August Schmelzer aus Ahrensdorf in Frage, der in Hast genommen wurde. Mussolini empfängt den südslawischen Gesandten. Rom, 27. Juni. Mussolini empfing gestern den südslawischen Gesandten in Rom zum Spannung zwischen Rom i A« JTTitAt »miiT Schnee und Kälte im Schwarzwald. dz. Freibnrg, 27. Juni. Im Verfolg der küh- len Witterung und der reichen Niederschläge der letzten Tage kam es gestern abend im südlichen Schwarzwald zu starken Regen säl- len bei erheblichem Temperatur- rückgang. Auf dem Feldberg stand das Thermometer auf minus 0,4 Grad, heute mor- gen gegen 8 Uhr zeigte das Thermometer minus 0,1 Krad. In den Nachtstunden ist auf dem Feldberg Schnee gefallen. Die Schneehöhe beträgt zwei Zentimeter. Lew Sandelsmuhrtchwi Stockholmer internationale .Handelskammer konferenz. Die Teilnehmer der vierten internationalen H»> dclSkammerkonfercuz sind am gestrigen Sonntag ft vollzählig in Stockholm angekommen. Als Delegier! sind etwa 800 Teilnehmer angemeldet. Die stärkst Zahl von Delegierten stellen mit 1S8 die Bereinigte Staaten, an zweiter Stelle Deutschland mit 161 Dell gierten. Alsdann folgen mit 90 Teilnehmern i" gastgebende Landesgruppe Schweden mit 79, Engl«» mit 33, Frankreich und Italien mit R, Hollos mit 28. Insgesamt haben von den 43 Staaten ' Vertreter entsandt. Unter ihnen befinden sich & hervorragendsten Wirtschastsvertreter, so aus d< Vereinigten Staaten Owen D. Zonng, Julius, j Barnes, der Ehrenpräsident Willis H. Bath, D. " Bnchanan, der bekannte Automobilindnstrielle de Chapin, John Elliot, Julius Klein: aus Krav reich Minister Clementel, der 3. Präsident der intl^ nationalen Handelskammer Albert Buiffon, Gcnek' du Val von der internationalen Lustfahrtgesellscha/ Iaudin, Etienne Aougere, der Präsident der Parisl Handelskammer P. Kempf, der Vizepräsident dc Comite des Jorges Theobor Laurent! aus Englo» der jetzige Präsident der Internationalen Handel* kaminer Anderson, Sir Arthur Balfonr, I. S. Allc> Henry Bell, Arthour Colegate, I. E. Me Gitflej George Mitchell, Thomas Morlay, George Patsh, * L. Rnneiman,' aus Belgien Maurice Despret, il Präsident der Bank von Brüssel Adolphe de Bov' quere,- aus Italien Minister Pirelli, Bankdirekt« Alberti Borriello, Mylius, Olivetty; aus CcsK : reich Präsident Tilgner, Gesandter Riedl, der frühe' Finanzminister Reisch: aus Norwegen Morien Li»! aus Schweden der Vorsitzende des Kongresses SPW st er K. A. Wallenberg, Jvar Kreuger, Direktor ® ström, Baron Manncrveim, Oskar Rvdbeck, Gencr^ konsul Sachs: aus der Schweiz Bankier Hebt!» Die Namen der prominentesten deutschen Vertrctl sind bereits bekannt. Das Arbeitsprogramm des Stockholmer Kongreß wird — wie es sich von selbst versteht — eng au ^ Arbeiten der Weltwirtfchaftskonferenz anknüpft' Eine ihrer Hauptausgaben sieht die JnternatioN«' Handclskammcrkonferenz in der Beseitig»^ der Handelshemmnrsse. Die E r i> f! nungssitzung am Montag vormittag um 11 1" wird durch die Gegenwart des Königs von >schwe^ eine besonders seierliche Note erhalten. Agriv«i Gesamte Prämieneinnahme 5 833 542 Rm., Reingelvi^ 75 150 Rm.. Tiviidende 8 Prozent. Während die übrigen Ge scllischästen, ebenso wie / Agrivvina See von einer Besserung des Geschah ganges berichten, sind beim Düsseudorfer Lloyd die? gänge an Versicherungen hinter den Erwartungen ' rückoeblieben. was von der Verwaltung im befoitd'- 1 f auf i>ic Mitte v. J>>, einsetzende Konkurrenz der lichen Anstalten zurückgefWri wird. In den Gene^ Versammlungen wurden sämtliche Anträge genchni^ Hcrabseftnnq des Wechseldiskonts in „Giornale d'Jtalia" teilt mit, daß die Banea mereiale Credit» Italiano, die Banea Nazionalc Credito und die Banea di Roma beschlossen fl^ 1 fielt Diskontsatz für Wech^l auf Italien und auf ^ Ausland herabzusetzen. Der Diskontsatz sür i st Lire a»s Italien bis zu vier Monate» ist l 5 8 auf 7 Prozent, über vier Monate von S'/Z auf '' Prozent herabgesetzt worden, während der Satz ' Wechsel in Lire auf das Ausland und Wertpap^ aus Argentinien, Nrnguay, Brasilien, Vereins Staaten und Canada von 8Ü aus 7^ Prozent (i*** vier Monaten) bezw. von !> auf 8 Prozent ( vier und sechs Monaten) ermäßigt wurde. Gebrauchsgraphik in der Landes- gewerbehatte. Die Gebrauchsgraphik, wie sie zurzeit in der Landesgewerbehalle zu Karlsruhe ausgestellt ist, hat eine etwa Einvierteljahrhundert laiige Ge- schichte hinter sich. Mitte der Wer Jahre hat sich soear die großartigst ausgestattete deutsche Kunst- und Kulturzeitschrift des lgrostens Pan dieses seinerzeit bei uns noch vernachlässigten Gebietes angenommen. Der Aiistof! hierzu ging von En g- land lmit Tapeten) und von Frankreich imit Plakaten), und von allen Seiten und Zei- ten her mit der sog. Buchkunst «Vorsatz- und Umschlatpapiere, Illustration und Satzbild) aus. Der in Karlsruhe eben neu begründete Künstlerbund mit feiner Druckerei ging mit Pla- kat- und Kleingraphikdruck führend voran und hat sich damit in der ganzen Welt Anerkennung erworben. Sein Ziel und Wollen war zunächst ein k ü n st l e r i s ch e s. Im Lause unserer wirtschaftlichen Entwicklung hat sich dieses Ziel auf einen anderen Boden ae- schoben. Die Wirtschaft hat sich der Kunst be- mächtigt. Die veranstaltete Ausstellung zeigt deutlich und unwiderleglich, daß die Gebrauchs- graphik eine G e s ch ä f t s s a ch e geworden ist — für den Kaufmann, deu Künstler und die Kunst- schule, ein? Geschäftssache, die allen Geld ein- bringen soll durch die mehr oder minder künst- lerische Haltune der Drucke. Das Künstlerische, Schmuckhaste für Straße, Jnnenräume, Bücher, Packungen usf. tritt jetzt mehr zurück gegenüber dem in die Augen fallenden Wirkungsvollen. Nur im Buchschmuck lBorsatzpaptere, Jllustra- lion, Schrift und Exlibris) lebt noch der feinere reinkünstlerischc Geist. Außer den zahlreichen Namen der Landes- knnstschule-Fachklassen habe ich wohl ebenso viele Namen von Gebrauchsgraphikern aus dem gan- zeit Land notiert, so daß ein Eingehen auf Ein- zelne sich als unmöglich erweist. Im allgemeinen kann man sagen, daß hier viel Verständnis für die gebranchsgraphifchen Zwecke und Absichten, viel Können, viel Fleiß und viel Gelingen sich ossenbart. und zwar durch das ganze Land und in Geschäfts- wie in Luxus- und Kulturstädten. die iu älterer und neuerer Zeit aus ihrem Be- trieb heraus jeweils einzelne gebrauchsara- phische formen besonders herausbilden, z. B. Mannheim mit Theater- und Geschäftsplakaten und Packungen: Baden-Baden mit Konzert-, Marionettentheater-, Tanz-Anzeigen, Buchkunst! Karlsruhe mit seinen für allerhand Zwecke ge- dachten Entwürfen und Drucken. Erfreulich ist in dieser Sache, daß die Geschäftswelt nach und nach doch mehr Verständnis für die gebranchs- graphischen Belange bekommen zu haben scheint, nnd man möchte wünschen, daß auch diese alten und neuen Zwecknotwendigkeiten bis in die Re- gierungskreise hinauf verstanden, aufgenommen und befolgt würden. Was an Stillofigikeit und llngefchmack in amtlichen Schristköpfen usw. noch sein Dasein fristet, soll hier nur andeutend be- rührt werden. Auch die amtliche Graphik bedürfte also einer Nenbelebung. Oder kommt es im „führenden" Staatsleben nur aus nüchterne Sachlichkeit an? Dieser im Geschästsleben erfreulichen küuft- lerifchen Lebendigkeit des Gebranchsgraphifchen iin Schriftsätzen sür Reklame, Geschäftsanzeigen, Etiketten, Packungen, Plakaten usf.) folgt ein graphischer Geschäftszweig noch nicht ganz frei: die Buchkunst. Ich will ganz absehen vom Satz- spiegel badischer Bücher, obgleich mit jeder Type eine schöne Wirkung erzielt werden kann, wenn sie ihrem Charakter nach richtig gesetzt wird. Aber die zierhaste Buchausstattung in Umschlage- und Titelblättern, Vorsatzpapieren, Initialen, Illustrationen, in Bucheiguerzeicheu (Exlibris) scheint doch uuter großer Unsicherheit und Zöge- runa zu leiden. Ganz befvnders die Exlibris knnst, die durch eine große, über die ganze Welt verbreitete Organisation betreut wird, liegt nach meinen Erfahrungen in Baden noch ziemlich im Winterschlaf, trotzdem einige hervorragende Ex- libriskünftler — Ebner, Pnhonny, Schück, Thoma, v. Volkmann feien genannt — im Lande tätig waren nnd sind, und obgleich einer der sein- sten Buchkünstler — E. R. Weitz-Berlin — ein Badener ist. Wenn die Ausstelluuc neben gebrauchsgraphi- schen Beispielen älterer Herkunft anch solche neuer und neuester Seit zeigt, so kann mit Ge- nugtnung doch festgestellt werden, daß — mit ganz wenig Ausnahmen — Geschmacklosigkeiten in Farbeu und Linien vermieden sind nnd daß diese Seite der künstlerischen Tätigkeit unter dem mäßigenden Einfluß der Auftraggeber aus- geübt wird und uuter Ausschluß grober Eni- gleifimgen sich auswirkt, obgleich gerade auf die- fem Gebiete Ausdruck und Sachlichkeit die Angeln sind, um die sich die Gebrauchskunst drebt. Wenn dann der im Mittelalter so herrlich sprechende und verstandene Humor zu noch reichlicherer An- wendung käme, so würde das dem Ganzen zugute kommen. Ein freundlich Wort findet guten Ort. I. A. B. Theater und Musik. Abschiedsvorstellung im Landestheater. Mit einem sehr eindrucksvollen und aufschluß- reichen Gastspiel als Henriette in Strindbergs „Rausch" stellte sich vor fünf Jahren Fräulein Herma Clement dem Karlsruher Publi- kum vor und wurde daraufhin von der Intendanz Volkner sofort verpflichtet. Mit jener Rolle war das erfolgreichste, weil das ihr ge- mäßeste Gebiet der Schauspielerin klar bezeich- »et. Die moderuen. differenzierten uud kom- vlizierteii, die uuter oder über der Normal- liuie sich bewegenden Frauengestalten bildeten die Domäue^in Herma Clements Schaffen. Das „Fach" der Talonschlange ist im Lanf der Jahre gewaltig erweitert worden, wie man sofort er- kennt, wenn man einige der wirkungsvollsten Rollen der nach Weimar übersiedelnden Künstlerin sich ins Gedächtnis zurückruft uud damit von selbst auch eine zusammenfassende beweis- kräftige Wertung ausspricht. Mau deuke air die Sacher-Masöchische Kathja iu Wedekiuds „Liebestrauk", au die Ilona im „Blaufuchs", an die Sylvette im „Brand im Opernhaus": im klassischen Stück an ihre meisterliche „Jüdin von Toledo", im Gesellschaststheaterstück an die Marlife im „Dieb", an die Helene im „Taifun", an die Pauline Wiesel im „Prinz Louis Ferdi- uand", an die Ladn Windermere: eine besondere Seite ihrer weitgespannten Verwendbarkeit bildeten die auf Humor und Mnnterkeit gestellten Rolle» einer Seampolo, einer Beatr im „Kobold", oder die radebrechenden ex^rtrL Courtifaueu und Tänzerinneu wie die Bfl*', rina, bei Goldoni nnd zuletzt im »Volpo» Gerade in diesem Kleinhumor soust rntroef* licher Stücke bewährte sich die Liebenswiir', fett; das echte Theaterblut nnd die scharma'.. Persönlichkeit, als welche sie sich auch außer»^ der Theatervorhänge einen großen Verc(?k\ kreis gewann, der ihr denn in i-hrer AbsäN^ Vorstellung am Samstag eine für die j rnher gemäßigte Temperatur ungemein Huldigung brachte. Man hatte der Scheide»», zu Ehreu das früher im K ünstlerhauf K Kammerspiel gegebene Trauerspiel „Frä^., Julie" uud „Auatols Hochzeitsmorgeu" setzt. Solchermaßen konnte Herma Clement rade die beiden Hauptweseuheiten ihres vortrefflich herausstelle». Dort die Skala ^ psychopathologischeu Außeuseitersrau, hier „ sprühende Liebhaberin int süßen Mädels, Als Julie sowohl wie als Ilona zeigten j; : blnmen- und Geschenke überfchiittete Künst^^l vor unzähligen „Vorhängen" noch einmal hervorragendes Können und die ihre herzliche Anerkennung und sichtliche barkeit. Wir zweifeln nicht daran, daß Clement am Nationaltheater der klasfiMi« Stätte Teutschlands auch weiterhin allen tf 1 ' haben wird. " Musikalisch-liturgische Abendfeier. 8«' Evangelischen Stadtkirche abermals eine kalisch-liturgische Abeudseier statt, leituug spielte Organist Hans Boge Vergaugeueu Samstag 8 Uhr fand «n eine K f Zur f e it rciiung ipierie .yaup «Dpi iw ^>i> maß beschleuuigt und wuchtig ein Prälu^ ^ in G-Dnr von I. S. Bach- Mit bekannt ® tragendem und umfangreichem Sopran > Opern- und Äonzertfäugeriu Hete Stecy ,■>, die Arie vou Händel „O hätt' ich Jubals ^,i> Ebenso hervorragend war sie in Schuberts » m Abendrot": in „Hofnung" vou Reichardt n ^ sie vortraglich geradezu dramatisch. meister Pank T r a u t v et t e r entlockte a (l< Cello — ein Instrument, das an sich mit begleitung vou besonders nachhaltiger Karlsruher Tagblatt, Montag, den 27. Juni 1927 Seite 3 teil i H-» ag t« eflie# stärk? inigtl Dill cn i» ngla« iollak ten ' ich ^ & d> IIS, D. t Zl° grau inW kntt 1 llsch-! |?atif ! t >' ngla« inftcl' All-' iuUot W. ,, !t, $0f ircfl' Ceftc rüh-' «in 1 MW >t e' ■nct» iebtli rtrcf Tagung der deutschen Tierschutzvereine. In Darmstadt hielt am g. und 10. Juni «er Verband der Tierschutzvereiue des Deutschen Reiches eine Sitzung ab. Auf Antrag von Düsseldorf, Hilchenbach, Lübeck unö München wurde über Sie allgemeine Durch- lührnng des B e t ä u b u n g s z ro a it ß & bei Vornahme der Schlachtungen gesprochen. Ins- besondere beauftragte der Autrag Hilchenbach den Verbaudsvorstaud, alle Maßnahmen zu er- greifen, um im Deutschen Reiche die Betäubung aller Schlachttiere zu erreichen. Diese Anträge wurden angenommen. Veterinärrat Dr. Bützler, Direktor des Kölner Schlachthofes, hatte einen Bericht über die Tätigkeit des von ihm geleiteten Ausschusses für humane Schlachtung erstattet. Besonders hob er die glänzenden Fortschritte der Tötuugs- Werkzeuge hervor, die durch feine und feiner Mitarbeiter Bemühungen gemacht find. Der Tchernerfche Bolzenschußapparat, den die meisten Schlachthöfe für Großvieh benützen, ist letzt so verbessert worden, daß es nach seiner Ansicht zurzeit keine bessere, humanere Tötung, auch der stärksten Tiere, gibt, als die. mit diesem vorzüglichen Apparat. Es mutz angestrebt wer- ben, daß anch in kleineren, z. B. Landgemein- den, diese Werkzeuge angeschafft und benutzt werden, zumal der Preis durch die Verhand- lungen des Berichterstatters mit dem Inhaber öer Fabrik stark herabgesetzt worden ist. Zur Betäubung der Kälber und Schafe dienen die bekannten Eisenkeulen, doch sind Verhandlungen angeknüpft, um anch für die Betäubung dieser Tiere einen kleineren Schlagbolzenapparat her- »»stellen. Ferner erläutert er eine Schweine- falle, mit der es leicht gelingt, die Tiere auf einen bestimmten Platz zu fixieren und sie schnell Und schmerzlos zu betäuben, ohne sie anzubinden. Wie viele Anzeichen lehren, find die Tier- Ichntzbestrebnngen nicht mehr weit von dem Oiel, £mjj die Tötung mit vorheriger Betäubung infolge des Borhandenseins guter Betäubungs- Wittel immer weitere Verbreitung findet. Am Freitag (10. Juni) hielt der UniversitätS- vrofesior für Tierzucht an der Lanöeöuniver- Mät Gießen Dr. H. Kraemer einen Vortrag >>ber „Tierpsychologie und Tierschutz". Er ging von der Anschauung der Alten aus, die bis zn Ariechen und Römern dem Tiere eine gleiche oder ähnliche Psyche wie dem Menschen zn- Ichriebeir, eine Auffassung, die Nachwirkungen vis ins Mittelalter hatte. Die Abstämmlings- lehre von Darwin stellt sich auf den Stand- vunkt, daß alle geistigen Leistungen von der Höhe der Organisation des Nervensystems abhängig sind. In Deutschland schieben sich dann °le Geister. Haeckel, Semon, Wundt und einige Soziologen erklären die Instinkte ans vererbter Gewohnheit oder vererbter Berstaudstätigreiten. Weismann dagegen bestritt, gemäß seiner allge- weinen biologischen Einstellung, datz sich Ber- Änderungen vererben, die unter dem Einfluß von äußeren Einwirkungen entstehen. Wir er- kennen auch Heute noch in den Kreisen der Laien "ese Gegensätze in einfachsten Formen: aber wir sind doch wohl zu vernünftige Menschen, um vhne weiteres fanatisch zu werden unö deit Standpunkt anderer als lächerlich zu empfinden. Tie einen vermenschlichen die ganze Tierwelt sehr und schreiben selbst den Geschöpfen Niedrigster Stufe überlegte Handlungen zn: die anderen glauben nur an eine niedrige Stnfe «Mischer Tätigkeit selbst bei hochstehenden «ieren. Instinkt beim Tier, Vernunft beim Menschen! Das würde den Vorzug großer Ein- 'achheit haben. Wir müsse» aber die feinere Stufenleiter des Geschehens erkennen, die von °ein Gesamtuerveusystem bzw. dem Gehirn ab- haugig ist. Als Hanptleitsatz ist zu betrachten, °aß alles Tun und Treiben der Tiere vom Bau Und Leistung des Nervensystems bedingt ist. In Mem Sinne unterscheiden wir: Reaktionen, Reflexe, Instinkte, Assoziationen. Praxie und üblich erst, als höchste Stufe der geistigen - Leistung, Ueberlegung, Verstand und Vernunft. All dies steht im Einklang mit dem Aufbau der tierischen Systematik, der gewaltigen Entwick- lung vom Protoplasma-Klümpchen in der Ur- weltwoge bis zum Menschen herauf. Der Redner verfolgte nun unter Zuhilfe- nähme von Tafeln den Werdegang des Nervensystems von der niederen bis zu immer höheren Tierklassen und der Gehirnentwicklung und wies ans die immer stärker werdenden geistigen Fähigkeiten im einzelnen hin. Weniger kommt es, wie der Vortragende hervorhob, ans das Gewicht der Hirnmasse an, als luf die Innen- struktur des Gehirns bei der Entwicklung von geistigen Fähigkeiten. In bezug auf den Tier- schütz stellte der Redner u. a. die nachstehenden Betrachtungen an: Aber wer je in die dumpf erschrockenen Augen eines angstvoll leidenden, eines sterbenden Tieres geblickt hat, fühlt das Verwandtschaftliche aller Qual, spürt das un- zerreißbare Band, das alles Lebendige um- schlingt. Und eines mutz der Mensch, so er in Wahrheit edel, hilfreich und gut heißen will, lernen und begreifen: Er darf ästhetische Er- wägungen nicht hineinreden lassen in sein Ver- hältnis zur unterjochten Kreatur. Keine An- mut der Form, die wir oft bevorzugen, hat ans das Maß des Schmerzes Einfluß. Wir sind die 21. Hauptversammlung des Bad. Berkebrsverbandes. I. men der ganzen Einwohnerschaft spreche er die Glückwünsche aus und wünsche der Versamm- lung einen guten Verlaus. Im Verlaufe der verschiedenen Begrühungs- ansprachen ergriff Ministerialrat Dr. Schef- fel meier das Wort und dankte im Namen des Ministeriums des Innern, des Finanz- und Justizministeriums für die Einladung zu der Hauptversammlung. Er dürfe auch hier wieder aussprechen, daß die Staatsverwaltung von der ideellen wie volkswirtschaftlichen Notwendigkeit des Fremdenverkehrs überzeugt sei. Es sei hier eine Tradition zu wahren von dem alten „Mu- sterländle". Die Behörden seien bestrebt, nach ihren Kräften das Fremdenverkehrswesen in Baden zu fördern. Ein Land von der Lage Deutschlands habe das Bedürfnis, den Frem- denverkehr anzuziehen. Wir liegen zwischen zwei Kulturen und Welten. Daher seien an unser Land der Mitte besondere Anforderungen gestellt. Wie vor dem Kriege, sei auch jetzt wie- der die Frage aufgetaucht, ob wir uns dem Osten oder dem Westen anschließen sollen. Die Aufgabe Deutschlands liegt aber in der Ver- mittluug zwischen diesen beiden Welten. Neben der ideellen Seite werbe anch die finanzielle und wirtschaftliche Seite von der badischen Staats- regieruug gebührend gewürdigt. Regierung und Badischer Verkehrsverbaud seien auf engste Zu- sammenarbeit und gegenseitiges Vertrauen in Verfolg der Gemeinsamen Ziele angewiesen. Generalkonsul Meuzinger gibt anfchlie- ßend dem Wunsche Ausdruck, daß die badische Regierung es an der notwendigen finanziellen Unterstützung nicht fehlen lassen möge. Nach weiteren Begrüßungsansprachen wurde sodann der Tätigkeitsbericht, der den Teilneh- mern gedruckt vorlag, zur Debatte gestellt. Ter Syndikus des Verbandes, Eisenbahn- oberinspektor R i e g e r, ergänzte die schrift- lichen Ausführungen durch einige Bemerkun- gen. Bürgermeister Keil- Triberg verspricht im Namen der Dreierkommission und der badischen Hotelindustrie auch weiterhin tatkräftige Unter- stützung und Fortführung der einmal begönne- nen Unterstützungsaktion. Für den Ausbau des Kraftwagenverkehrs, Verbesserung der Straß en v e rh äl tn ifs e, Milderung bei Straßen- sperren, Abschaffung der Bifumgebühren, Ein- richtung eines kleinen Grenzverkehrs mit Elsaß tritt Direktor W o l s - Baden-Baden ein, ebenso Direktor L a ch e r - Karlsruhe. Auf das Pro- Zekt der Autostraßen kommt Bürgermeister A m b e r ge r - Heidelberg zn sprechen. Eine außerordentlich umfangreiche Werbetätigkeit wurde im letzten Jahre entfaltet. — Professor W a l t e r - Mannheim regte an, bei der Pro- paganda für den Schwarzwald die kulturellen Einrichtungen der badischen Städte nicht zu ver- nachlässigen. Auch der Flugverkehr müsse küns- tig mehr berücksichtigt werden. Ein Propaganda- ausschuß könnte hier die Tätigkeit der Geschäfts- stelle fördern. Anschließend brachten die ver- schiedeuen Derkehrsvereinen und Gemeinden ihre Wünsche vor. Md. Badcn-Bsdcu, 26. Juni. Für feine dies- jährige Hauptversammlung hatte sich der Badische Verkehrsverband die Metropole des Verkehrs, Baden-Baden, gewählt. Ueberaus zahlreich wurde der Einladung Folge geleistet. Bereits auf der am Samstag stattfindendeli Sit- zung des Lan d e s a u s fch u fse s konnte Ge- neralkonsul Menzinger lKarlsruhe) eine stattliche Anzahl Vertreter aus dem ganzen Lande begrüßen. Diese hatte sich verstärkt, als am Sonntag vormittag im Rathaus die Mit- Glieder zu einer eingehenden Aussprache über die badischcn Verkehrs- frage« sich eingefunden hatten. Um 10 Uhr eröffnete der Präsident des Badischen Verkehrsverbandes. Ge- neralkonsul Menzinger. die Versammlung und konnte folgende Persönlichkeiten besonders begrützen: Als Vertreter des Ministeriums des Innern: Ministerialrat Dr. Sch effe lm e i e r. der Reichsbahndircktion Karlsruhe: Oberreg.- Rat Schifferdecker, der Oberpostdirektion Karlsruhe: Oberpoftrat L o e f f l e r. der Post- direktiou Konstanz: Oberpostdirektor Mal- zacher, als Vertreter der politischen Parteien die Abl-g. Behringer lVürg. Vag.), W i l s e r ID. Vp.) Amtsgerichtsdirektor Wolfhard (D.) des Industrie- und SaudelStages Dr. Lind- n e r. der Handelskammer Heidelberg, Hvtel- besitzer Gabler, des Landesverbandes für das Hotelgewerbe Privatier Bieringer. als Vertreter des Vereins Schwarzwälder Gasthof- besitzer, Hotelier Gries haber, Badedirektor Dr. Bauer von Baden-Baden und als Vertreter der baöischen Reisebüros Thomas Karlsruhe. Generalkonsul Menzinger verwies in sei- ner Begrüßungsansprache auf das arbeitsreiche Jahr, das der Badische Verkehrsverband zurückgelegt habe. Die Entwicklung eines Landes sei abhängig von Industrie und Handel, Landwirt- schast und Verkehr. Tie Belange von Industrie und Handel werden in den Handelskammern, die der Landwirtschaft in den Landwirtschafts- kammern wahrgenommen. Nur der Verkehr sei noch auf seine kleinen Verbände angewiesen. Wir müssen die Interessen s"r die vcrkehrspoli- tische und verkehrswirtschastliche Entwicklung unserer badischen Heimat wahrnehmen. Mögen die hohen Aufgaben auch an den maßgebenden Stellen richtig erkannt werden. Im Namen der Stadtverwaltung Badcn-Ba- den übermittelte Stadtrat Pfeiffer den Will- kommgruß der Stadt. Er entschuldigte die ver- hinderten Bürgermeister und betonte, daß die ganze Einwohnerschaft Baden-Baden mit den Interessen des Badischen VerkehrSverbandes einig gehe. Zweck, Ziele und Aufgaben des Verbandes feien durch verschiedene Artikel in den letzten Tagen eingehend begründet worden. Die wirtschaftliche Bedeutung dieser wichtigen Fragen scheine aber noch nicht an allen Stellen richtig erkannt worden zn sein. Welch ungeheu- res Bolksvermögen in unserer Landschaft liege, scheine auch noch nicht überall erfaßt zu sein. Wir haben ein Vermöge von der Natur bekom- men, dessen Sachverwalter wir sind. Im Na- Herren? um es zu bleiben, müssen und dürfen wir töten, was uns im Wege steht. Aber schon das Kind lerne, mitleidsvoll zu töten. Der Tod ist nie das Schreckliche, sondern der TodeS- kämpf. • SaÄsths UhromL bld. Weinheim, 25. Juni. In einzelnen Lage« der Bergstraße hat die T r a u b e n b l ü t e. durch die warme Witterung der letzten Tage begün-- stigt, eingesetzt. bld. Offenvnrg, 25. Juni. Auf der Straße von Gengenbach nach Pfaffenbach kam gestern das Lastauto des Tiefbauunternehmers Armbru- fter auf dem abschüssigen Weg in rasende Fahrt, da die Bremse versagte. Der Chauffeur ver- anlaßte feinen Begleiter Karl Uibel abzu-- springen. Uibel sprang zu spät ab, und zwar gegen eine Mauer. Er wurde zurückgeschlagen, kam unter das Anto und wurde totgedrückt. bld, Breitnau b. Staufen, 26. Juni. Der Land- wirtsfohn Albert Wangler wurde von einem jungen Pferd, das beschlagen werden sollte, zur Seite geschleudert. Dabei fiel er so unglücklich, daß er sich schwere Schädclverletzungen zuzog. dz. Miillheim, 27. Juni. Beim Abladen von Hokzstämmen wurde der Holzfuhrmann A. Ortlieb aus Feldberg von einem abrollenden Stamm so schwer am Kopfe getroffen, daß er so- fort lautlos zu Boden sank und nach wenigen Minuten verschied. dz, Bamlach (Amt Müllheim), 27. Juni. Die dieser Tage vom Heuwagen abgestürzte Frau Gilgen von hier, Mutter mehrerer Kin- der, ist an den erlittenen schweren Verletzungen g e st o r b e n. m. Schutterwald, 27. Juni. Ein angesehener Bürger unserer Gemeinde, Herr Joses A d l off, wurde unter großer Anteilnahme der Einwoh- nerschaft zur letzten Ruche gebettet. Der Der- blichen«, der im 70. Lebensjahre stand, war Ehrenpräsident des Gesangvereins „Lieder- kränz", den er von 1803 bis 1910 mÄ großer Umsicht und seltenem Geschick leitete. Auch im kommunalpolitischen Leben hatte sein Name einen guten Klang. Manch ehrender Nachruf wurde ihm ani Grabe gewidmet, wo zahlreiche Kranz- und Vlumenspenden seine letzte Ruhe- stätte zieren. KwsNachbarlitnbern Herrenalb. 28. Juni. Die Zahl der hier ge- meldeten Kursremden betrug bis zum 23. d. Mts. 3740. Zu längerem Kuraufenthalt sind eingetroffen Lord und Lady Chaplin, Viseouut aus London und im Hotel Mövenberg abgestiegen. Weiiernachrichtendienst der Badischen Landeswetterwarte Karlsruhe. Voraussichtliche Witterung für Dienstag, den 28. Juni: Nieist bewölkt und sehr kühl, strich- weise Regen bei zeitweise böigen Westwinden. MaldS»«« S«h»-sterinsel Kcftl . . Maxau. . . 'JWor.nUcim . Rheinwasserstand. 27 Juni 2«. Iuut . 3 .64 m 3.69 m . 2.56 in 2.60 m » o.68 m 3.75 m . 5 47 m 5.55 m . — m mittags 12 Ubr 5.36 m — m abends 6 Uhr 5.48 m 4.61 m . 4.67 m Mtgesmyeigev Nur tat Aufanbc von Aniciqc» gratis. Montan, de» Z7. Juni. Bo^ischcs Ka«d«Äheater. IM—10!i Uhr: „SSnfotonc". Stäi'tischc Slusstellunashalte. 10—9 Uhr Deutsch- Turn- miß Bportaus'stcll'Mtg: 7, 8 un» 9 Uhr abenSS: Bovfüihmms«». Attantik-Licktwiele: „Dic Wolgoscknsscr". Rejitxuz-LiÄtsvicle: .Prinz Louis Jerj>:naud". i't — angenehm schmelzenden Wohllaut. („Sara- ^ande" von Händel und „Air" vou Pergolese.) ^os „Adagio eantabile" von P. Nardini war ^rb durchdringend und im Ton groß. Sanft gebend und anmutig in der Wiedergabe anf der ^rgel wirkte die „Romanze" von G. Mer, und mit warnrer Empfindung vorgetragen, auch in der Abstufung sein stilisiert waren „Abendlied" und die „Träumerei" von Mnmann. Mit einem Satz „Nun ruhen alle Wälder" von Bach endigte die schöne Feier. R. St. Das Etilinger Festspiel. Mit dem „Schultheißen von Ettlin- 1 c n" hat Wilhelm Fladt seiner Heimatstadt }' lt überaus gutes und wohlgelungenes dichteri- 'ves Volksstück geschenkt. Der Sinn des Stadt- Appens wird an einer Episode aus der Gc- ?>ichte der alten, heuer jubilierenden Stadt in x'Nbrucksstarken und ununterbrochen fesselnden Ionischen Bildern von natürlich blühendem ^°bcn dargelegt. Neben dem Humor, der von ^ttz prächtigen witzigen Typen getragen wird, galtet der blntigste Ernst, der im historischen ^>chtschwert sogar gegenständliches Wahvheits- ^wicht gewinnt: es fehlt nichts die im^ Volks- /ama unbedingt notwendige Selbstverspottung "Nd nicht die „Moral" der Geschichte. Die Viel- ^Italtigkeit und Buntheit bildet einen weiteren °Men Bestandteil des Volksstückes. Insgesamt hat Wilhelm Fladt sich mit seinem „Schult- Eitzen" als ganz hervorragender Volksdichter 'wiesen. Der durchschlagende Erfolg wurde Mchert durch die glänzende Aufführung, die .'ans Blum auf der immer schöner werden- „^..Freilichtbühne im ZSatthalder Park mit .."säglichem Fleiß und rühmenswertestem Ge- »«aen ausgerichtet hat. In Einzeldarstellung ^''o.Zilsammcnspicl, in zahllosen ianscheinenSen) Einigkeiten hat dieser Regisseur mit ausschließ- chen Liebhabern ans der Stadt Ettlingen eine ^radezu mnstergiltige Vvlksvorstellnng im ,^ten und höchsten Sinn geschaffen. So geschickt , * Vorsprnch Blums war, so wohlverdient darum die Huldigung, die er gleich dem Dichter in brausendem Beifall erfahren durfte. Die Bühne, in steigendem Maß sich als glück- liche Schöpfung Dr. Potykas herausstellende Festgelegenheit, bildete einen strahlenden geisti- gen Mittelpunkt der Siebenhnndertjahrfeier der in Freude und blau-weißen Wimpeln lieblich wogenden Nachbarstadt. Es ist anzunehmen, daß das Festspiel den Sommer über mehrfach gegeben wird. Schon jetzt empfehle» wir ehr- lichen Herzens den Besuch. ' —o. aO Jahre Bayreuth. Unter diesem Titel gibt soeben im Schliefsen-Verlag lBerlin) Albert v. Puttkamer, langjähriger begeisterter Ber- ehrer des Wagnerfchen Kunstwerkes, seine Er- innerunten an Bayreuth u. Bayreuthcr Künst- ler heraus. Die Erinnerungen reichen bis in die Gründungsjahre der Festspiele zurück und geben ein anschauliches Bild vom Wachsen und Werden Bayreuths, seiner Glanzzeit zu Ende des vorigen und Beginn des neuen Jahrhun- derts und seiner Wiedcrerstehung nach Kriegs- und Jnflationsjahren. Ter Berfassc?r beschränkt sich im wesentlichen auf Wiedergabe persönlicher Erlebnisse und Erinneruugen, wobei mauche interessante und amüsante Einzelheiten aus dem Leben bekannter Wagnerdirigenten und Säneer wie Felix Mottl, Hermann Levi, Albert Nie- mann u. a. teils zum erstenmal an die Seffent- lichkeit gelange». Das mit reichem Bilder^"nuck versehene und auch äußerlich prächtig ausoestat- tete Buch bildet einen wertvollen ^''itraa zur Geschichte Bayreuths und erscheint *it deu diesjährigen Jubiläumsfestspielen gerade im rechten Augenblick. Dr. z. N. Alban Bergs „Wozzeck" in Leningrad. Das Akademische Theater hatte mit Alban Bergs „Wozzeck" einen sensationellen Erfolg. Das Werk, in einer überaus charakteristischen In- szenierung, musikalisch anss intensivste vorberei- tet, bedeutete ein wichtiges Ereignis im Musik- leben Leningrads. Der anwesende Komponist war schon auf der Generalprobe und in erhöh- tem Maße bei der Premiere Gegenstand stür- Mischer Ovationen. Der Bau von Siudenien- Häusern. Eine der wichtigsten Aufgaben für die studentische Wirtschaftsarbeit ist zweifellos die Errichtung eines allgemeinen StudcntenhauscS. Auf der diesjährigen Tagung der Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft tu .Stiel wurde deshalb eingehend über diese Frage «'esprochcn. ±.er HauptgeschäftSführer der Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft wies darauf hin, daß der Bau von Studenteuhäusern in Deutichland schon vor dem Kriege begonnen, ttt der Nachkriegszeit fortgeführt worden sei. An einzelnen Hochschulen, besonders des bedrohten (irenz- gebietes, sind die Bauten schon vollendet, an an- deren Orten find StuSentenhäuser im Bau. oder die Vorarbeiten sehr weit gediehen, ^or allem breche sich die Erkenntnis immer mehr Bahn, datz in jeder Hochschule ein allen Studenten offen stehendes Studentenhaus geschaffen werden mune. Dieses Studentenhaus soll zunächst den wiit- schaftlichen Einrichtungen der studentl,che'l Selbsthilfe dienen, vor allem den Studenten, pei. fungen. Von dem Umfang Meier (jtnrtchtnngcii gibt die Tatsache eine Vorstellung, daß tael.ch,n den Stndentenküchen 27 0W Stubenten gespeist werden Des weiteren >oll das «tudentenhaus Räume enthalten, die als Treff- und Sammel- punkt der Studenten in größeren und kleineren Griwpen dienen können, um die Studenten e -ner Hochschule unter sich in Verbindung zu bringen. In erfreulicher Weise haben die Länder und Städte sich durch Bereitstellung von Bauplätzen und Geldmitteln des Planes angenommen, des weiteren hat das Reich wie anf den anderen Ge- bieten der studentischen Wirtschastsarbcit so auch die Studentenhaiisplanc nachdrücklichst gefördert. Bei den Verhandlungen des Etats des Reichs- Ministeriums des Innern habeu alle Parteien ohne Ausnahme sich in stärkster Weise und einhellig hinter den Plan gestellt, und eS wurde eine Entschließung angenommen, die die Reichs- regieruug ersucht, in einem Nachtragsetat die erforderlichen Geldinmmen zu bewilligen. Im Anschlntz daran berichteten die Vertreter der Hochschulen München. Karlsruhe. Gie- tzen, Danzig, Darmstadt über die vou ihneu in Angriff genommenen bezw. geplanten Stuben- tenhausbauten. Die meisten Hochschulen haben einen Teil der Mittel bereits ausgebracht, kön- nen aber mit dem Bau noch nicht beginnen, da sie erst durch die erhoffte Bewilligung der Reichs- mittel instand gesetzt werden, die von anderer Seite zur Verfügung gestellten Gelder so zu er- höhen, daß mit dem Bau begonnen werden kann. lieber die Gestaltung der Studentenhäuser sprach der Münchner Kuitstgewerbeschuldirektor Dr. Sattler. Er empfahl dringend bei dem Bau sowohl mit Rücksicht auf die Not der Zeit, e,is auf den wechselnden Zeitstil beim Bau derSiu- dentenhäuser äußerste Einfachheit und Natürlich- keit walten zu lassen. Alle Einzelheiten müssen so gestaltet werden, datz die Stndcnten sich in den Räumen von selbst behaglich und heimisch siihlen. Er begrützte warm den Gedanken der studeutischeu Selbsthilfe und wies darauf hin daß in weiten Kreisen des Volkes man stolz da''- auf sei. daß die studentische Jugend aus echtem Idealismus diese Bewegung geschaffen habe, die sich letzt in deu studenteuhäusern ihr endgültiges Heim sichern wolle. f-3 c ,. 3 Ä tadlc zeitigte folgende Entschiie- ««h vi Ötc Parteien des Reichstages und üle Relchsregierung die dringende Bitte ge- I l wie möglich im Weqe ciiics .ikachtragetalS die von der Wirtschaftshilfe ^er ^.euticheu Studentenschaft beim ReichSmini- nerlum des Innern beantragte,» Mittel für den , u . ®. 0n Studentenhäuser» einzustellen und z>i bewilligen. Sie ist der festen Ueberzeugung, daß damit eine der brennendsten Lebensfragen un^e- res akademischen Nachwuchses eiiie Lösung findet, die in ihren Auswirkungen für die Bolksgesamt- heit von größter Bedeutung sein wird." Bekanntlich ist auch für Karlsruhe ein Studentenhaus geplant. Wenn die Reichsregic- rung die von der Wirtschastsbilfe beantragten Mittel genehmigt und auch die Freunde der Hoch- schule in Wirtschaft und Industrie den Plan finanziell unterstützen, dann kann der Karlsruher Stliöentendienst in absehbarer Zeit an die Verwirklichung herangehen. Seite 4 Karlsruher Tagblatt, Montag, den 27. Juni 1927 Nr. 175 Amtliche Anzeigen Karlsruhe. Haudelsrcaistereinträge. 1. Ch. Schäfer. Karlsruhe. Die Gesellschaft ist ausaelöst. Der bisherige Gesellschafter Oscar Schäfer, Kaufmann. Karlsruhe, ist alleiniger Inhaber der Firma. Die Prokura des Josef ^jeis bleibt bestehen. 20. 6. 1927. 2. Richard Kunkel, Karlsruhe, Einzelkaufmann: Richard Kunkel, Kaufmann. Karlsruhe. "einiam mit einem Prokuristen ver- trete». Der Anffichtsrat kann aber einzelnen Vorstandsmitgliedern die Alleinvertretung übertragen. Als nicht eingetragen wird noch veröffentlicht: Die öffentlichen Bekanntmach»«- gen der Gesellschaft erfolgen durch einmalige Veröffentlichung im Deutschen Reichsanzeiger. Die Berufung der Generalversammlung erfolgt durch den Vorstand oder durch den Aussichtsrat durch öffentliche Bekanntmachung (§ 3). 22. 6. 1927. 8. Allianz. Verficherungs - Aktien - Gefellschaft, Zweigniederlassung Karlsruhe, vormals Ba- dische FeuerversicheruugS - Bank, Hauptsitz Berlin. Dem Bersichernngsbeamten Dr. PHl- livv v. Nastvogel in Karlsruhe, ist Gesamt- vrokura unter Beschränkung auf den Betrieb . en Vorstandsmitglied mit einem anderen Prokuristen zur Vertretung der Gelellschaft befngt ist. 23. 6. 1927. BadischeS Amtsgericht. Karlsruhe. Giiterrechisregisterewtraae. 1. Band Xl Seite 427: Weber Albert Wilhelm, Geschäftsführer. Karlsruhe und Meta geb. Knhnle. Vertrag vom 10. Juni 1927. Gütertrennung. 14. 6. 1927. 2. Seite 428: Cohn Bruno, Avotheker, Karlsruhe und Dr. Helene, geb. Heidingsfeld. Vertrag vom 17. Juni 1927. Ausschlief,»»« des Mannes an der Verwaltung und Nubnietzung des Vermögens der Frau. 22. 6. 1927. 8. Seite 429: Kellermann Emil Fensterwiniaer. Karlsruhe und Rosina geb. Niedermaier. Bertrag vom 18. Juni 1927. Gütertrennung. 23. 6. 1927. 4. Seite 430: Cahn Gustav Gottfried, Kaufmann, Karlsruhe und Berta geb. Kaufmann. Bertrag vom 21. Juni 1927. Errungenschaftsgemein- fchaft mit Borbehaltsgnt der Frau. 24. t>. 1927. Badisches Amtsgericht. Konkurs-Versteigerung. Dienstag, 28. uud Mittwoch, 29. Juni 1927. je- «eilet 9 Uhr uud 2» Uhr beginnend, versteigere ich in Karlsruhe im Auftrage des Konkursverwalters Herrn Otto Marx, hier, aus einer Kon- kursmasie Markgrafeustraße 21/23 im Laden: Fisch- «. Schlagkessel. Frittnrcnkörbe. Fleisch- bleche. Spring- nud Backformen. Reioränder, Tortenringe. Kuchenbleche, Kartosselkocher. Bouilioukeffel. Bestecke, senerseltes n. weisies Porzellan. Haar- u. Drahtliche, Hackbretter, Knpser- n. Nein-Nickel-Servierkasserollen, Eis irkleiner ' ' ~ iandelre und Krastbetrieb und verschiedenes. Die Maren sind nen. Günstige Gelegenheit für Hotels. Wirtschafte», >!»»- ditoreieu. Sanatorien. Kasinos. Koftgebereien usw. Besichtigung jeweils Vi Stunde vor Beginn. 6 l> f (fl beeidigter öffentlicher Versteigerer, JJ t I UJr Goethestrane 18. Telephon 2725. St. Jakobs-BaBsarn „Echter" zu Mk. Z. ▼.Apotb. C. Trautmann, Basel. - Hausmittel erst. Ranges für alle wunden Stellen — Krampfadern — offene Beine — Brand — Hautleiden — Flechten — Wolt — Sonnenstiche. Nachahmung; zurückweisen. In den Apotheken zu haben. GelegenbeHsltäBle zu außergewöhnlich billigen Preisen Neu einaetfroffen, nur soweit der Vorrat reicht: 1 Posten ücrren-Anzngsfofie Serie I . , . Mk. 5.50 per Meter Serie II . , . Mk. 9.80 per Meter Serie III . . . Mk 11.80 per Meter ferner 1 Posten Herrenanzüge Mk. 29.-, 34.-, 42.- Hpezialgeschflft für Gelegenheitskäufe C. HEIN, KaiserpnssBäe 3 Lebensbedürsnisveretn Karlsruhe eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht Bilanz auf 31. Dezember 1926. Aktiva Passiva Warenvorräte . R.-M. 614 719.80 Einrichtung., 5 Konten Grundstücke. . . Angelegte Werte 4 Konten . . Kassenbestand und Postscheckguthaben Bankguthaben und sonst. Foideruugen 5.— 450 001.— 36 227.02 93 558.22 464334.25 R.-M. 1658 845.29 Geschäftsguthaben R.-M. 452 006.08 Reserven.... „ 382639.76 Grundstücksschulden „ 239 606.33 Spareinlagen . . » 186 761.89 Sonstige Verpflichtungen . . . . „ 56 765.07 Erübrigung . . . „ 341046.16 R.-M. 1 658 845.29 Die Geschästsguthabeu der Milglieder betragen mit 31. Dezember 1926 R.-M. 452 OO'i.08 gegeu R.-M. 388 497.50 am 3l. Dezember 1925, mithin mehr R.-M. 113 510.58. Die Haftsumme sämtlicher Mitglieder beträgt am 31. De- zember 1926 R.-M. 674250.— gegeu R.-M. 644490.—, mithin mehr R.-M. 29 760.—. Die Zahl der Mitglieder betrug am 31. Dezember 1925 : 21483. Eingetreten sind im Laufe des Jahres 1926: 1480, ausgeschieden: £88, so daß die Mitgliederzahl am 31. Dezember 1926 : 22 475 beträgt. Ner Vorstand des LtdeMMrfnisvereins Karlsruhe eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht, »r. Mancher R. Timomann H. Prüll L. Breinina Berlegung des ltiidt. Msorgeamts Das städt. Fürsorge- amt wird ab 1. Juli nach Sem neuen Dienft- gebände Amalienstr. 35 verlegt. Es bleiben da- her geschlossen: am 1. und 2. Juli das Fürforgeamt K (bisher Zirkel 40—42), am 4. und 5. Juli das Fttrsorgeamt A (6i86et Ratbans. Zimmer 108—118 und Gar- tenstratzc LS a) , die Kleiurcntnerfiirsorge und die Zentral-Slus- kunftsstelle (bisher Rat- haus. Zimmer 122 und 127) die Wohlfahrtskasse (bisher Ratbans Zim- nter 3—7). Die Fürsorgeempfänger, die an de» vorgeuann- ten Tagen ibre regel- ma&ifle Unterstützung erbalten sollten, werden ersucht, entweder schon vorher oder erst nachher beim Fürsorgeamt vor- zusprechen. Der Oberbürgermeister. Mfefmin# zmiiSmbm. Die auf 27. Juni 1327. nachm- 2 Ubr veröffent- lichte Freiwillige Ber- steigernng findet Ml statt. Karlsruhe, 27. Juni 27. Noe Obergerichtsvollzieher.. ■4BI1IU3 Mieter- und Bau- verein Karlsrulje «. G. m. b. H. Wir haben auf 1. Ok- tober bezw. 1. Novem- ber d. I. zu vermieten: GervinnSstr. Nr. 3, IV. Stock, eine Zwei- »immerwobunng, obue Mansarde: S-ibelstr. Nr. 14. IV. Stock, eine Zweizimm.- Wohnung, ohne Maus., Svbelstr. Nr. 18. I. Stock, eine Zweizimm.- Wohnung, mit Maus.: Wilhelmstrafte Nr. 77. III. Stock, eine Zwei- zimmerwohnung. ohne Mansarde: Frühlingsstr. Nr. 1, Hinterhaus IV. Stock, eine Zweizimmerwohng. ohne Mansarde. Bewerbungen v. Mit- gliedern »vollen im Büro. Ettlingerstr. 3, bis spätestens iviittwoch, den 28. Jun« b. I., er- folgen. Die Verlosung der Wohnungen findet am Donnerstag, den 30. d. Mts., abends 6 Ubr im Büro statt. Karlsr., 25. Juni 27. Der Vorstand. 2 sehr gute, fei» möbl. (Wohn-, Schlaf-)Zimm. m. Küchenbenübung in best. Lage d. Stefanien- strafte. Nähe d. 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Ks läuft also noch heute und moigen „Der Wolgasdiiffer mit Gesangseinlagen Da auch an diesen beiden Tagen ein ungewöhnlicher Andrang zu erwarten ist, möchten wir noch ganz besonders bitten, die Nachmittagsvorstellungen berücksichtigen zu wollen Wir beginnen mit dem Beiprogramm um 4, und 8.50, mit „Wolgaschiffer" um V'j5, 7 und 9 10 Uhr. Z I 1 I 1 Die Ereignisse in China ! BMe aufbewahren / 1. Fortsetzung folgt > Ich, Tsdiin-Sin-Lün, Mandarin vierter Klasse, habe mir vorge- nommen, den Lesern dieser Zeitung verschiedene Sitten, Gebräuche und Einrichtungen meines Vaterlandes in Wort und Bild zu schildern, wie sie sich seit dem Ausbruch des großen europäischen Friedens gestaltet haben. Seit Jahrzehnten serbrechen sich unsere uneigennützigen Freunde, die Engländer. — unsere edelen Wohltäter, die Amerikaner. — dte ritterlichen Franzosen - und unsere lieben Nachbarn, die Russen, - unsere Kopfe darüber, was zu unserem Wohle noch geschehen könnte, lieber die Erfolge dieser Bestrebungen später mehr Deutschland zurzeit die machtloseste Großmacht, hat uns kein Ultimatum und keinen Panzerkreuzer geschickt, sondern nur die freundliche Aufforderung t Kukirolen Sie! Von allen Errungenschaften der westlichen Kultur schätzen wir iwrdas Kukirol. - Beispielsweise ist das muskel- und nervenstärkende Kukirol-Fußbad für Alle, die viel gehen und stehen müssen, eine owAre Wohltat, denn es erfrischt und kräftigt die Füße, wodurch das schnelle Ermüden der Füße verhindert wird. Es verhütet auch das Schwitzen. Brennen und Wundlaufen der Füße. Pf* vielmillionenfach bewShrte Kukirol-Hühneraugen-Pflasler entfernt schmerz- und gefahrlos in wenigen Tagen selbst das dickste Hühnerauge. 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Tscherning, Amalien- sti&Be 19; Adolf Vetter, Zirkel 15; Westend-Drogerie, Kaiser -AUee 65 Nr. 175 Karlsruher Tagblatt, Montag, den 27. Juni 1927 Seite 5 Aus dem Stadtkreise Sommerfrische. Er ist £>iefer Tage aus seiner Sommerfrische zurückgekommen. Es mar scheinbar wirklich frisch genug. Sie haben nachts unter den leich- ten Decken gefroren. Am Tag« vertrieben sie sich durch gallige SPässe die Zeit, denn der Nebel lag in den Tälern. Tas Gras war feucht. Große dunkle Wolken schrieben eine drohende Spur an den Himmel. Auf Schritt und Tritt fühlten sie, was „Sommerfrische" bedeutet. Wo ist der Mai geblieben, wo ist der Juni hin?! Wieviel Sonnentage haben wir eigentlich gehabt? Man könnte ein großes Klagelied sin gen. Man ist wehrlos und hilflos, hat sich ge freut und lange die Wochen gezählt, und dann ist es kühl, regnerisch und unsreundlich. Man freut sich auf die Heimatseitung, die in die Som Merfrische kommt, gut, daß man wenigstens die nicht vergessen hat: sie bringt etwas Wärme. Man lechzt nach den kleinen Einzelheiten, nach bekannten Namen und ist stolz wie ein Kind, daß man noch nicht von aller Welt «^geschnitten und vergessen ist in Berg und Wald, wo man sich erholen will. Und darauf hatte man sich nun gefreut! Som- vlerfrischen sind doch etwas, wozu Laune und gutes Wetter gehört. Mißrät das Wetter, dann fällt auch die Laune weg: stumpffinnig sitzt mau am Fenster, schreibt ursidele Postkarten, studiert den Reiseführer, lie't den mitgebrachten Roman öu Ende und holt sich dann höchst eigenhändig aus der Bibliothek irgend ein Buch, das man sich für die Abendstunden aushebt, wenn man nicht -dem Kartenspiel ausgeliefert sein will. — Laßt euch nicht die Laune verderben, freut euch auf eure Sommerfrische, vielleicht ist das Wetter schöner, und ihr kommt wirklich erfrischt zurück. Die Vorfreude ist ja immer das schönste an der Freude. Gründungsfeier des A.H.-Waffenring Karlsruhe. Im großen Festhallesaal der Stadt Karlsruhe >and am Samstag die Feier des am 10. April gegründeten A.H.-Waffenrings Karlsruhe unter Beteiligung der aktiven Wafsenstudentenschast der vier Hochschulen des Landes statt. Der Fest- Ummers wurde eröffnet mit dem Einzug der pahuen der verschiedenen Korporationen. An- fließend sprach der Vorsitzende Rechtsanwalt Richard Schneider herzliche Begnihnngs- Worte. Im weiteren Verlauf des Abends er- griff der Reichstagsabgeordnete Minister a. D. Dietrich das Wort. Zum Schluß seiuer Ans- whrungen brachte der Redner ein Hoch auf das putsche Vaterland aus, worauf die Bersammel- '«n stehend das Deutschlandlied sangen. Weiter sprachen noch Professor Dr. Ehret- Heidelberg über die Ideale des Waffenstudcn- Mums „Ehre, Freiheit, Vaterland". Für die Tridericiana-Karlsruhe sprach Prof. Amann und als Vertreter der Aktiven stud. elektr. Heinz- Karlsruhe. .An Reichspräsident von Hindenburg wurde ^in Begrüßungstelegramm gesandt, ebenso an den ^H.-Waffenrinq Freiburg, der ebenfalls am Mmstagabend seine Gründungsfeier abhielt. Wir kommen auf die Veranstaltung zurück. u SeibfttötilngSvcrsuch. Durch Einnahme gif- Pillen versuchte ein verheirateter AZ Jahre ?uer Krankenträger in Durlach sich zu vergif- ^n. Er wurde im Abort seiner Wohnung bewußtlos aufgefunden, und in das Siädt. Kran- Ahaus Durlach eingeliefert. Hänsli^- Zer- "'urfnisse dürften die Ursache zur Tat sein. — ^Grvbc Ausschreitungen. Als in verflossener //acht ein Polizeiwachtmeister in der Marien- Uaßx einen ledigen Schlosser von hier wegen !?uhostörunf festnehmen wollte, leistete er hef- J8en Widerstand und verlebte den Beamten ?urch ^-austschläge so erheblich am Unterkiefer. Nß er mehrere Monate dienstunfähig sein wird, per Täter wurde in das Amtsgefängnis einge- Weit. — Ferner schlugen in der Nacht vom Samstag auf Sonntag in der Augartenstraße Mehrere Personen bei der Namensfeststellung ??ten Ruhestörung auf den einschreitenden Polt- Mbeamten ein und verlebten ifin am Kopf. Ein Jahre alter Gärtner, ein 21 Jahre alter Metz- ?*r und ein 24 Jahre alter Kaufmann, die an Widerstand beteiligt waren, wurden ver- "astet. »Verkehrsunfall. Samstag nachmittag lief Ecke N'ser- und Karlstraße eine Verkäuferin einem Motorradfahrer in das Motorrad, wodurch der Motorradfahrer zu Fall kam und sich eine Fuß- ^rletzung zuzog. — In der Kriegsstraße fuhr "Ne Fahrschtilerin mit einem Personenkraft- ^tten auf den Gehwef an einen Banm, wodurch °°r Wagen so schwer beschädigt wurde, daß er ^"schleppt werden mnßte. z. Kaminbrand. Am Sonntag entstand im Hanse ?errenstraße 45 l frühe res Palais) ein Kamin- l «»d, der von alarmierter Feuerwehr gelöscht ^«rde. Bei xiner Autokontrolle wurden Samstag Uei Personenkrastwagenführer. die mit einer ^undengefchwindigkeit von 45 bezw. 51 Km. und Motorradfahrer, die mit der gleichen Ge- ^windil-keit durch die östliche Kaiferstraße ge- ^rcn sind, festgestellt und angezeigt. > festgenommen wurden: ein Metallschleiser von Achbach wegen Erregung öffentlichen Aerger- ei» Schlosser von Rintheim wegen Wider- k,^uds, eine Näherin von Dieburg weoen Dieb- Ldls. xj» Arbeiter von Welschnenrent. der znm ^rgfpollzug gesucht wurde, eine angebliche Kin- ^^vslegerin von Colbiz, die von mehreren ^'avtsanwaltschaften wegen Betrugs steckbrieflich f.,'Tolgt wurde, ferner 4 Personen wegen sonder strafbarer Handlungen. WWrlge Zubelfeier des Stakontssenhauseö Bethlehem Das Diakonissenhaus Bethlehem, früher Mutterhaus für Kinderschwestern. kann in die- sen Tagen auf ein SKtjähriges Bestehen zurückblicken. Seine Gründung reicht ans das Jahr 1837 zurück, in dem Frau Frommel, die Mutter Emil Frommels, mit der Unterstützung des Vikars Gustav Frommel, des Pfarrers Heu- höfer uiif» des Seminardirektors Stern, den Begründern und Trägern des badischen Ge- meinschaftslebens, in der Markgrafenstraße 50 (damals Spitalstraße 48) die erste Karlsruher Kleinkinderbewahranstalt ins Leben rief. Aus dieser Kleinkinberbewahranstalt ist im Laufe der Jahre das Mutterhaus für Kinderschwestern hervorgegangen. Aus kleinen Anfängen heraus hat sich die Anstalt zu ihrer heutigen Größe und Bedeutung entwickelt, deren segensreiches Wir- ken weit in das Land gedrungen ist und einen beachtlichen Ruf genießt. Etwa 70 Jahre lang hatte das Institut interkonfessionellen Charak- ter, aus dem es sich in de» letzten zwei Jahr- zehnten zu einer rein evangelischen Anstalt auf dem Boden des Kaiserswerther Verbandes um- gestaltete. Lang ist die Reihe der Persönlich- ketten von Namen mit Klang, die in den neun Jahrzehnten des Bestehens dieses der christlichen Liebestätigkeit gewidmeten Werkes in uneigennütziger Weise zur Verfügung gestellt, es unterstützt und gefördert haben: sie alle auf- zuführe» verbietet hier der Raum, aber ihr Wirke» wird auch i» spätere» Geschlechter',t fortleben. Vo» bedeutenden Frauen stehen an erster Stelle die jahrzehntelange Protektorin des Mutterhauses, Großherzogin Luise, die b:3 zu ihrem Lebensende eisrige Förderin war: 45 Jahre laug widmete Freifrau von Hardeu- berg ihre Fürsorge den Schwestern, von 1893 ab Frau Oberbürgermeister Lauter bis zu ihrem Tode im vergangenen Jahre. Aus der Entwicklung der Anstalt, die besonders in deu letzten Jahren einen bedeutenden Aufschwung genommen hat. seien einige Daten genannt. Seit 1852 bietet sie Schwestern die Ausbildung für den Beruf der Kinöerlehrerin- neu. Im Jahre 1920 wurde die Handarbeitsschule eröffnet, ihr folgte 1923 die Einrichtung einer Säuglingskrippe: 1925 wurde das Kinder- gärtnerinncnseminar mit einer Kinderpflege- rinnenschule und im darauffolgenden Jahre eine Erzieherinnenschule gegründet. Die AuSbil- dungsmöglichkeiteu im Mutterhaus find sehr umfangreich. Sie erstrecken sich auf die Ansbil- dnng der Schwestern als Kinderschwester, Kran- kenfchivester, Säuglingsschwester, Handarbeits- schwester, Haushaltungsschwester, ferner in ver- schieden.cn Zweigen der inneren Mission. In den Schulen erfolgt die Ausbildung zu Kindergärtnerinnen, Kinderpflegerinnen: weiter be- steht ein Vorseminar für die wissenschaftliche Vorprüfung und eine Erzieherinnenschnle für Gehilfinnen und Erzieherinnen für Anstalten der Inneren Mission. Sichtbarer Segen ruhte auf den gesamten Einrichtungen des Mutterhauses, der auch in Zukunft über dem Wirken der BcthlehemSleute walten möge. Festesfreude brachte der gestrige Sonntaa dem Mutterhaus in der Erbvrinzenstraße. Unter der Teilnahme vieler Gäste aus nah und fern feierte es sein Jubelfest. Kein Fest rauschender Freude uiv") Wohllebens sollte es sein, sondern ein Fest inniger Dankbarkeit für göttliche Gnade und Segen. Geschäftige Hände fleißiger Schwestern waren schon in den Vortagen bestrebt dem .Nanse ein festliches Gewand zu geben. Ha»s. Sof und Räume prangten in herrlickiem Blumen- und Girlandenfch/nnck und ein Blnmenaewinde mit der Jubiläumszahl leuchtete d>>m Eintretenden entgegen. Von der Köhe des Hanfes herab grüßte die Flaaae des Kaiserswerther V^r- bandes der deutschen Diakonissenhäuser. Auf den Gesichtern der Schwestern laa die innere Freud'' glücklichen Erlebens So war ein wür- diger Rahmen für das Jubelfest vorhanden. Unzählig sind die Glückwünsche, die im Muti-r- bause einliefen: von weil her kamen die Segenswünsche zu den Bet^lebemsleuten und rührende Beweise alter Anhänglichkeit und Liebe wurden dargebracht. Großh^rzog Friedrich, GroMerzogin Hilda nnd die Königin von Schweden hatten ebenfalls ihre Glückwünsche übermittelt, des weiteren Prinz Max und Frau Prinzessin Mar nnd viele andere. Am Sonntag vormittag % 10 Uhr versammelte sich kine ansehnliche Gemeinde aus allen Schich- ten der Bevölkerung zum Festaottesdienst in der Stadtki^che. mit dem die Einsegnung von sieben Schwestern verbunden war. Vom Mutterhanse her bewegte sich ein feierlicher Zug von über 300 Schwestern zum Gotteshause. Der Altar der Kirche war mit Lorbeer. Palmen und weißen Lilien sinnig geschmückt. Vor ihm nah- men die Einfegnuugs- sowie die Jubiläums- schwestern Platz: an der Längsseire des Altars entlang gruppierten sich die Geladenen. Nach einem eindrucksvoll zu Gehör gebrachten Schwesternchor „Jauchzet dem Herrn alle Welt" richtete Geheimer Oberkirchenrat D. Mayer nach Verlesung des 45. Psalms herzliche Worte der Begrüßung an die Schwesternschaft und die übrigen Teilnehmer unter besonderer Hervor- Hebung der Bedeutung der Feier. Hierauf gab der Hansgeistliche des Mutter- Hanfes, Pfarrer Schmidt, den 90. Jahresbe- richt von der Kanzel herab bekannt, der ein lebendiges Bild von den weitverzweigten Tätig- keitsgebieten des Mutterhauses und seines segensreichen Wirkens gab. 320 Schwestern und 2 HilsSschwestern sind zurzeit in dem Verband. Bon diesen üben 160 Schwestern ihre Tätigkeit in Kinderschulen und Kindergärten aus, iu deueir sie täglich rund 12 000 Kinder be- treue» und zum christlichen Glaube» erziehen. 12 Kinder zählte die erste Kleinkinderbewahr- auffeilt im Jahre 1837. Kirchenpräsident D. Wnrt h überbrachte den Gruß der Kirchcnbehörde. Seiner Ansprache legte er die Worte Matthäus 20, V. 26 zugrunde. Das Jubelfest des Mutterhauses sei auch ein Kirchenfest geworden. Die Kirchenbehörde be- grüße mit Freuden das Wirken des Verbandes, und die evangelische Landeskirche könne stolz darans sein, daß hier Dienst an den Kindern und Schwachen, Dienst am Heiland geschähe, ein Dienst, der nichts begehre, sondern das Leben Jesu berühre uud ihm nacheifere. Die Kirchen behörde wünsche darum dem Mutterhause und den. Schwestern ein weiteres Wachsen und Ge deiheu. Die Fe st predigt hielt Stadtpfarrer Die- m e r - Gernsbach. Es waren Worte tiefsten religiösen Empfindens, in die er feine Ans- legung des Evangeliums Markus, Kap. 4, klet- dete und denen die andächtig lauschende Ge- meiude aufmerksam folgte. 90 Jahre Sämanns- arbeit sei geleistet worden. Gleich dem Sämann, der den Samen der Erde anvertraut, so legten auch die Schwestern Samenkörner christlichen Glaubens in die Herzen der Kinder, im Ver- trauen auf Gottes Hilfe, daß er den Samen zur Frucht reifen lassen möge. Aber Erfolg dürfe nicht mit Frucht verwechselt werden. Nach einem Gesang der Gemeinde erfolgte in feierlicher Weife die Einsegnung der sieben Schwestern, nachdem vorher Pfarrer Schmidt in seiner Ein- segnungsanfprache diesen das Schwere und Ver- antwortuugsvolle ihres Berufes vor Augen führte und Gottes Segen für sie erbat. Schluß- gebet uud ein gemeinsames Lied beendigten die erhebende Feier. Nachmittags ^3 Uhr vereinten sich die Fest- teilnehme! zur Fcstfeicr in der Festhalle. Neben Kircheilvertretern uud einer Reihe von Vertretern der staatlichen und städtischen Behör- den hatten Staatspräsident Dr. Trunk mit Gattin der Einladung Folge geleistet, ferner Kirchenpräsideilt D. Wnrt h. Außerdem nah- men daran teil als Vertreter des Bezirksamtes Landrat Geh. Rat B a n r, Stadtfchnlrat Hei- d i n g e r als Vertreter des Stadtschulamtes, Dr. Ficht! als Vertreter des Städt. Fürsorge- amteö, ferner waren Abordnungen einer Anzahl auswärtiger Mutterhäuser erschienen. Das Podium, auf dem zu beiden Seiten dje Schüle- rinnen des Kinderseminars und der Kinder- pflegeriiiueufchule Platz nahmen, trug reichen Pflanzeiifchmuck. Ein großer Teil des Saales war allein von der Schwesternschaft gefüllt. Mit dem Choral „Die Himmel rühmen", ge- spielt vom Posaunenchor Rüppurr, wurde die Feier eingeleitet. Allerliebst gestaltete sich der Einzug einer großen Schar weißgekleideter uud mit Kränzchen geschmückter Kinder der Kinder- schule», die auf dem Podium.Ausstellung nah- men uud deren Gesänge mit freudigem Beifall aufgenommen wurden. Der Borsitzende deS Verwaltungsrates. Pfarrer Stein, mann, richtete herzliche Worte der Bearüßnng an die den großen Festhallesaal diclit füllende Menge, und gab einen kurzen Rückblick über die Ge- schichte des Mutterhauses. Nach dem Vortrag des Chorwerkes des 91. Psalmes, gesungen von den Schwestern und Schülerinnen, überbrachte Staatspräsident Dr. Trunk die Grüße und Glückwünsche der badischen Ttaatsregierung und des badischen Landes. Ich freue mich, so führte er u. a. aus, daß sich das Werk aus Keinen Ansängen heraus zu einer stattlichen Or- ganisation entwickelt hat, die ihre Aufgabe im Dienste der Wohltätigkeit erblickt, deren Ziel ist. wohl'utun an den Kleinen und Schwachen unseres V'^kes. Die Schwestern erfüllen einen Teil der Erziehung, der auch Staatsaufgabe sein könnte und müßte, sie helfen fürsorgen und sie helfen denen, die allein nicht können und helfen gerade dort, wo es am meisten not t>/, wo nichts anderes zu suche» ist. als dankbare Augen nnd dankbare Herzen. Das ist dopvelt zu begrüßen. Haben Sie vielen Dank für daS, was Sie aetan. haben Sie Anerkennung für Ihre Arbeit vom Staat: haben Sie Anerkennung iwr der ganzen Oefsentlichkeit und haben Sie Glückwünsche zu dem heutigen Taa verbunden mit dem Wunsche, daß der liebe Gott Ihnen Segen a?be und Jbr Werk fördere. Schwache Franenkände sind es, die das Werk unterneh- men. Ab-'r in diesen an sich vielleicht fchwachen 55raueng estalten wohnt Stärke, in ihnen lebt Glaube und Hoffnung und diese zusammen ge- ben eine EwiakeMbestimmnng. Diese hoffen ans die ewige Glückseligkeit, die schafft, die hilft in der Not den Schwachen gegenüber, lediglich eingestellt, Anerkennung zu siudeu von dem. der unser Herr und Schövser ist. — Stürmischer Beifall folgte diesen Ausführungen. Kirchennräfidcnt D. Wurth bezeichnete hierauf das Werk als eine Lebsnsnotwendmkeit für die evangelische Kirche und Volk, eine Notwendigkeit religiöser und sozialer Art. Wir könn- ten heute nicht mehr darauf verzichten. Er wünsche, daß das Werk wachse und die Arbeit Überall dort getan würde, wo Kinder sind, darum stehe die Landeskirche heute srcudia und dankbar denen gegenüber, deren Namen Wohl- klang habe seit vielen Jahrzehnten und ihn be- halte. Möchte der Jubeltag ein Ansporn sein, daß unsere Kinderfcharen erzogen werden zu Franen und Männern, zum Wohle der Kirche und des Staates. Pfarrer Stein mann beteuerte, daß da? Mutterhaus es als selbstverständliche Pslicht ansehe, unserem Volke im ganzen und den evangelischen VolkS.'eilen zu dienen, wo es nur könne und verband damit den Wunsch, daß es anch bei Kirche und Staat weitere Hilfe finde. Hieraauf gab Pfarrer Schmidt, den Fest- Bericht, in k>em er die Entwicklung der versctiie- denen Abteilungen des Mutterhauses darlegte. Das Mutterhaus wolle der Kirche.'Handlan.iff sein und Ewiakcitssrückte schaffen. Bei der Ausdehnung, die das Werk genommen habe, seien die jetzigen Räume zu eng und es stehe vor der Notwendigkeit eines Nenbaus, um uicht iu seinem weiteren Wachstum gehemmt zu sein Staat und Stadt haben ihre Unterstützung zu- gesagt, möchten weite Kreise durch Spenden von Bausteinen dazil beitragen^ den Plan des Neu- baues bald zu verwirklichen. ' Zahlreich war noch die Reihe der Redner, die ihre Glückwünsche darbrachten. Es snracheu noch als Vertreter des Ministers für Kultus nnd Unterricht Geheimrat Fuß, namens der Stadt- Verwaltung Karlsruhe Bürgermeister Sauer, an Stelle des Justizministers, des Vorstandes des Landes-Jngendamtes Regierungsrat C u r d a z, Kirchenrat Dekan Werner- Bruchsal als^Ber- treter des Kirchenbezirks Karlsruhe-Stadt, außerdem noch mehrere Vertreter von Mutter- Häusern, Stationen und Freunden. Aus allen Ansprachen klangen dankbare Anerkennung des Wirkens der Anstalt, Wünsche für weitere Er- folge und das Versprechen wohlwollender Unter- stützuug und Förderung. Zwischen den Anspra- chen erklangen gemeinsame Lieder und Chöre der Schwestern und Jungfrauen. Die Feier zog sich bis gegen Abend hin und hinterließ bei den Teilnehmern nachhaltigsten Eindruck. Mit Stolz und freudiger Genugtuung kann das Mutterhaus, feine Leiter und die Schwestern- schaft auf den gestrigen Tag zurückblicken. Genossenschaftlicher Wohnungsbau. Als Abschluß eines Geschäftsjahres bildet den Höhepunkt im Genossenschaftsleben: die Generalversammlung. Die Gemeinnützige A! i e t e r- und H a n d w e r k e r - B a u - g e II o s s e ll s ch a f t Karlsruhe e. G. m. b. H. hatte auf Mittwoch, 22. Juni, abends, in den großen Rathansfaal ihre Genossen einberufen, um die satzuilgsgeuläßen uud sonstigen Ob- liegeuheiten zu erfüllen. Außerordentlich zahl- reich waren die Mitglieder vertreten. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Altstadtrat Br a u », leitete in geschickter Weise die Ver- sammlnng mit einem kurzen Ueberblick über das verflossene Jahr ^in. Der Vorsitzende des Vor- standes, Stadtbaurat Kollosrath, erstattete sodann in übersichtlicher und interessanter Weise den Tätigkeitsbericht für das verflossene Jahr. Es ist daraus zu entnehmen, daß die Genossen- schaft 32 Wohnungen erstellt hat, so daß die Ge- samtzahl der Wohnungen Ende 1926 sich auf 372 belief. Davoil sind ruud 89 Prozent Einsami- lienhäufer. Im Jahre 1927 sind 71 Wohnungen im Bau, davon ebenfalls 80 Prozent Einfami- lienhäufer. Keine Wohnung wird mehr ohne Bad erstellt. Sämtliche Einfamilienhäuser, auch die kleinsten, erhalten sogenannte Zentral- kachelofenanlagen, z. T. in Verbindung mit einem sogenannten Kachelherd, der von der Wohnküche anS geheizt wird. Die Mieter sind dadurch in der Lage, auf dem Herds kochen zu können und gleichzeitig die Zimmer zu heizdie sahlreichen Schwierigkeiten, -ü • ergeben werden, »u überwinden. werden noch dadurch vergröhert. cm!? d^e -Maschinen mcht mit Seitenwagen versehen sind uns daher die Fahrer nur ein Minimum Ersatzteile, vel- und Ben,invorrat mitnehmen können. Wir möch. len beiläufig bemerken, dak »er geringe Vevbrauch der -Motorräder, >oora.us die unerschrockene» Kahrer sich verlassen (2ii Äter pro 100 Kilometer) einen Vor- teil darstellt, dessen grobe Bedeutung jedem einleuchten wird. Diese Sohrt wird gewih das arötzte Interesse der ganzen Sportwelt erregen, da tiefe nicht tiur eine anszerordeutliche rbnsische und moralische Widerstands» säbigleit seitens der Wahrer, sondern auch groke Quali. täten der Maschinen erwrdert (geringer Vevbvauch. kräftige Organe usw.). Kurz vor Redaktionsschluß erhalten imr von der K.N.-Motoren G. m. b. H. in BerN» die Mitteilung, daß die drei Fuhrer bereits aus Adrar depeschiert haben: 5. Etappe Adrar—Bmircm 1100 Kilometer zu- ruckgelegt. Dank geringem Berbrnnch und ausge»eich- neter Haltuna Maschinen unglaubliche Schwierigkeiten besiegt. Beglückwünschen technische Abteilung N. Total zurückgelegte Strecke: 8W0 Kilometer. Seite 6 Karlsruher Tagblatt, Montag, den 27. Juni 1927 Nr. 175 700 Jahre Stadt Ettlingen. Oer Hauptfesttag. Ettlingen hatte am Sonntag für das feierliche Begehen seines 700jährigen Bestehens als Stadt wieder ein Programm gewählt, das kunst- sinnige Führung und geläuterten Geschmack bewies. Der Zustrom von nah und fern war lebhaft) doch die unsichere Witterung hat sicher- lich den Besuch namentlich von auswärts etwas beeinträchtigt. Das Bild der Stadt mar trotz des fehlenden lachenden Sonnenscheins lebendig, farbenfreudig und stimmungerweckend. Die reichgezierten Häuser, die blauweißen Wappen mit dem umgekehrten Turin, die Postamente mit dem Flor des Sommers und der Flaggen- scfmturf im Verein mit der natürlichen histori- scheu Schönheit seiner Bauwerke machten ans den Besucher einen traulichen Eindruck. Auch hier war eine glücklich gestaltende Hand zu spüren, die an der heimatbewußten Auffassung der Bürgerschaft eine Stütze fand. Das zeigte sich auch in der Bereitwilligkeit der Bevölkerung, bei der Aufführung der dichterisch sein empfundenen lebenden Bilder mit ihrem poe- tisch scharf geprägten Profil und jener des Fest- spiels, das Aufopferung und Hingabe der Be- teiligten verriet. Ueberau spürte man den stolzen Geist der Bewohner, die die Stadt lie- ben und wissen, daß- sie mit ihren landschaftlichen Reizen teuer werden kann. Der Sonntag brachte nach' den Gottes- dien st e n einen Begrüßungsakt der Vertreter der Behörden. Die Vereine der Stadt, die Feuerwehr mit Musik- und Trommlerkorps, die Freiw. Sani- tätskoloune und die Schulkinder zogen zum Marktplatze, um sich dort in weitem Bogen aufzustellen — mit der dahinter stehenden freu- dig gestimmten. Menge eine dichte Menschen- mauer. Als Staatspräsident Dr. Trunk eintraf, wurde er von einem Schülerchor begrüßt. Am Eingänge zum Rathaus überreichten ihm zwei herzige kleine Mädels unter sinnigen Versen Blumensträuße. Im Bürgerausschußsaale, dessen neues ge- schmackvolles Gewand viel bewundert ivnrde, erfolgte die Begrüßung der Behörden. Hierzu hatten sich außer den städtischen Körperschaften u. a. eingefunden mit dem Staatspräsidenten auch Innenminister Dr. Rem m e le, Ober- Bürgermeister Dr. Fint e r. von Karlsruhe und die Oberbürgermeister und Bürgermeister zahlreicher basischer Städte und Gemeinden, der Präsident des ev. OberkirchenrateS D. Wurt h, Land rat Popp und Generalvikar Dr. Sc st er aus Freiburg, mehrere Abgeordnete des Land- tages, sowie Vertreter aller Stände und Berufe. Der Bürgermeister der F^ststadt, Dr. Po- tyka hielt folgende Ansprache: I der Unruhe des Staats* und Wirtschaftslebens. einer Folgeerscheinung des Weltkrieges, erleben wir znr.'.c einen Gärungs- uud Reini- guugsprozeß, der sich an der Oberfläche in zahl- losen politischen und wirtschaftlichen Auseinandersetzungen in nnferen deutschen Parlamenten und deu verschiedenen Organisationen zeigt. Ans der anderen Seite müsse« wir gegenwärtig eine Welle überreicher unterhaltender, vielfach geist- loser Veranstaltungen in Deutschland über uns ergehen lassen, die dem Ernst der Zeit und un- serer Sendung Hohn sprechen. Unser Ettlinger Stadtjubilänm uud insbesondere dieser gegenwärtige Festakt, wird von anderen geistigen und Gefühlskräften getragen. Sie liegen außer der Zeit und sind bestimmt für alle Zeiten. Wir empfinden deshalb in vollkommenem Maße die hohe Ehre, die uns durch die Anwesenheit des Herrn Staatspräsidenten Dr. Trunk und des Ministers des Innern Dr. Remmele, der Ver- treter der kirchlichen Behörden, ferner verschic- dener Reichs-, Landes- uud Gemeindebehörden und sonstiger zahlreicher Gäste aus nah uud fern zuteil wird. Gemeinderat und Bürgerausschuß spreche» durch mich den herzlichsten Willkom- mensgruß aus. Wir fühle» uns mit allen hohen Gästen einig in dem stolzen Bekenntnis, daß gerade unsere gegenwärtige Generation das Recht und die Pflicht hat, die alte, schicksalsreiche Vergangenheit unserer Gemeinden lebendig zu gestalten. Für uns, die wir in einer Zeit größ- ter Umwälzung des staatlichen und Wirtschaft- licheu Organismus' leben, wird die Geschichte unser bester Lehrmeister für die Zukunft sein. Ettlingen blickt heute auf eine 700jährige Vergangenheit als Stadt zurück. Seine Siedelung dagegen ist ca. 2000 Fahre alt, uud als Markt- flecken ist Ettlingen uus seit rund 1000 Iahreu bekannt. In dem Auf und Ab unserer Stadt- geschickte spiegelt sich das einheitliche Schicksal des deutschen Volkes wider. Weltliche und geistliche Fürsten hatten Jahrhunderte lang die Verfügung über Leben und Eigentum der Bürger. Wir hören viel von Frondienst, Leibeigenschaft, Kontributionen, Ver- Pfändungen und Zerstörungen, und so ist Ett- lingens Geschichte eiu Stück deutscher Geschichte, in der durch Zerrissenheit der politische» Mächte und durch »rieg das, was Bürgersinn mühsam ausgebaut hatte, immer wieder niedergerissen und verschlungen wurde. Wir wissen alle, wie jung unser badischer Staat ist, und der nnter der letzten Generation von Bismarck geschaffene deutsche Fttrsteubundesstaat hat sich erst nachdem Weltkrieg zn einem vom Volkswillen getragenen ftaatspolitischeu Eiuheitsbegrisf umgestaltet. Wir wissen auch alle, welche furchtbare Erfchütterun- gen der Religionsstreit einst über unsere dent- schen Gaue gebracht hat und wieviel mühseliger, gednldiger, einfühlender Arbeit es bedurfte, um die Freiheit uud deu Frieden zwischen geistlicher und weltlicher Macht zu garantieren. Wir begrüßen in dieser Feierstunde dieses Er- gebnis unserer geschichtlichen Entwicklung. Erst im geordneten Hanse von Reich, Staat und Kirche war es auch unserer Stadt möglich, organisch zu wachsen, an dem wirtschaftlichen und geistigen Aufschwung teilzunehmen und mit allen Kesten zur Blüte deutscher Wirtschast beizutragen. Die Selbstverwaltung der Gemeinden, dieses kost- bare und nach schweren Rückschlägen immer wie- der erprobte Gut deutscher Regsamkeit und Man- nigfaltigkeit hat auch in unserer Stadt reiche Früchte gezeitigt und eiu verantwortnngs- bewußtes Bürgertum hervorgebracht, das von tiefem Heimatbewnßtfein beseelt, seinen Blick für die großen Aufgaben in Staat uud Reich geweitet hat. Die mittleren badischen Städte, die in großer Zahl auf eine gefchichts- und kulturreiche Vergangenheit zurückblicken können und in ihren Mauern reiche Kunstschätze in Stein und Bild und Pergament bergen, sind durch die rasche Entwicklung neuer Wirtschafts- wege, die zu neuen Städten führten, vielfach überflügelt worden. Doch wer die Geschichte des einstigen Markgrafentums oder Großherzog- tums Baden durchdringen will,' der wird in erfter Linie auf die alten badischen Gemeinden sein Augenmerk zu richten haben. Verwachsen mit dem Badnerland, von seinem Fleisch und Blut, glauben wir deshalb auch in dieser Feier- stnnde unsere Stimme erheben zn dürfen für die Bewahrung nnd den Ausbau der Selbstverwal- tung. In den letzten Jahrzehnten haben wir, falls es nötig war, unser Reifezeugnis abgelegt. Was unsere mittleren badischen Städte und auch Ettlingen im Anschluß an die Organisation der Kriegs für sorge auf sozialem Gebiet, in der Er- fassuug des Wohnbauproblems, zur Förderung des so wichtigen Schulwesens, in der Vervoll- kommnung der Verkehrswege und in praktischer Lösung moderner Wirtschaftsprobleme geleistet haben und noch leiste»t wollen, das verdient Ver- trauen nnd Unterstützung. Das geflügelte Wort: Reich und Länder können vergehen, Gemeinden aber werden immer bestehen, hat zwar im heutigen Gesellschaftsleben nur insoweit feine Geltung, als die Gemeinden die primäre Gemeinschaftsform, nicht das Primat gegenüber Reich nnd Ländern für sich in An- fprnch zu nehmen haben. Doch auch die Ge- schichte unserer Stadt lehrt nnS, daß die Liebe zur angeborenen Scholle, das Pflichtbewußtsein, als opferwilliger Gemeindebürger dem Nächsten zu dienen, die Grundpfeiler eines starken Staats- und Volksbeivnßtseins sind und bleiben. Möge das Reich und Land deu finanziellen Atem uns nicht zn sehr hemmen. Selbstverwaltung heißt: dem Staat selbstverantwortlich zu dienen. Dies Versprechen wollen wir heute feierlich er- neuern. Wir sind deshalb aber noch keine Freunde aufgezwungener Bezirksverbände, weil sie den Schwerpunkt der Entscheidung ans den Gemeindekörperschajten heraustragen in büro- kratische Organisationeu mit zu vielen Häuptern und zu verschiedenartigen Gliedern. Wenn wir ferner der Staatsregierung auch die Bitte um ein Iahrhundertgescheuk unterbreiten dür- fen, so wünschen wir eine feste Verankerung des uns nach § 20 der badifchen Verfassung zustehenden Anhörungsrechts, wobei die kürzlich ver- öffentlichten Richtlinien nur den Anfang, nicht das Ende für eine Lösung dieser wichtigen Frage fein mögen! Lassen Sie mich schließen mit dem Gelöbnis: Unsere Stadt will, treu ihrer Ueberlieferung und einig in ihren Stände» und Klassen, ge- meinsam mit den starken Kulturkräften unserer Kirchen der sittlichen und wirtschaftlichen Wohl- fahrt dienen. Der Geist der Väter foll uns zur Einigkeit mahnen, und so wollen wir mutig in ein neues Jahrhundert schreiten. Einig im Stolz auf die Heimat, einig im Streben nach einem großen deutscheu Vaterland! Darauf sprach Staatspräsident Dr. Trunk. Nachdem man am Morgen Gott die Ehre ge- geben habe, sei man jetzt zusammengekommen, um dem Gcbnrtstagskinde zu gratulieren, seilte Freude zu verdoppeln und zn verallgemeinern. Das badische Land uud seiue Regierung wollen es begrüßen uud beglückwünsche». Ein herzliches Glückauf für die Zukuuft! Ettlingen habe in der Vergangenheit an Schicksalsschlägen viel uud Schweres zu ertragen gehabt. Man denke nur daran, wie die Stadt einst wildem Kriegs- gebaren zum Opfer gefallen ist. Wir müssen, darum dankbar uud ehrfürchtig der Vorfahren gedenken uud die Mahnung in uns aufnehmen, in Selbstzucht mit uus selbst einig zu werden und die Einigkeit in der Familie, in der Ge- meinde und im Staate zu schaffen, auf daß wir ein einiges, starkes Deutsches Reich unser eigen ueuueu können. Dieser Bode» sei geheiligt durch die Asche von Vater und Mutter seit einem Jahrtausend. Wir wissen, daß manches zu wüu- scheu wäre in Gegenwart uud Zukunft, auch in de« Beziehungen zwischen Staat und Stadt. Wir im demokratischen Staat sind nicht in der Lage, Ettlingen ein Jubiläumsgeschenk durch Privilegien zu geben. Wir sind ein Volk der Gleichgestellten, Gleichberechtigten und Gleich- verpflichteten, verpflichtet im Sinne des Ge- meinfchaftsgeistes. Möge die Stadt Ettlingen auch in Zukunft glücklich feiu durch die Tugen- den uud den Fleiß ihrtr Bürger. Wir wollen vom Staate uud vom Laude her der Stadt Ett- liugen versprechen, in dem Bestreben einig zu gehen,_ das Wohl des Staates und auch das der Jubelstadt zu fördern. Möge sie teilnehmen am Aufblühen der Landeshauptstadt und möge es ihr nnd uns befchiedn fein, daß wir beide teil- haftig seien eines wirklichen Friedens nach innen uud auße». So wie die Gefallenen das Vaterland geliebt haben, so wie sie eingestanden sind für Familie. Staat uud Reich, so wollen wir es zusammen tun in alle Zukuuft hinein! (Lebhafter Beifall.) ^Damit war der Begrüß»»gsakt bee»det. Der Staatspräsident uud die sonstigen 'Ehrengäste trugen sich in das goldene Buch der Stadt ein. Während einer kurzen Pause wurd ein Imbiß gereicht. Dabei erhob der Staatspäfident sein Glas auf die Feststadt. Enthüllung des Kriegerdenkmals am Rathausturm. Die Feier ging auf dem altertümlich reizvollen Marktplatz vor sich, der in seinem Girlanden- und Fahnenschmuck eiu prächtiges Gemälde ab- gab. In weitem Bogen bildeten Feuerwehr und Sanität Spalier, nnd die Ettlinger Vereine hatten sämtlich Fahneuabordnungen aufgestellt. Die genannten Ehrengäste hatten an den Fen- stern des ebenfalls geschmückten Rathauses Platz genommen. Der Städt. Mnsikvercin spielte unter ge- wandter Leitung seines Dirigenten Krause einen Festmarsch von Braun,, woraus eiu Ge- samtchor der Ettlinger Gesangvereine sehr aus- drucksvoll unter dem Dirigenten B r n d e r (Karlsruhe) das „Sanktns" aus der Schubert- scheu Deutschen Messe vortrug. Vom Balkon des Rathauses hielt sodann Bürgermeister Dr. Potyka folgende Gedenkrede: Im Angesichte der ältesten Türme unserer Stadt, unseres Martinsturmes und des Rat- Hausturmes, die seit Jahrhunderten der Men- schen Blick zum Himmel lenken, mitten im Her- zen der Stadt aus dem Marktplatz, wo se^ alters her der Werktag mit seinem ftreud und Leid unseren Schritten folgt nnd uns zu den Kleinlich- leiten des Lebens herabzieht, haben wir uns am Jubiläumstage in Anwesenheit hoher Gäste ver- sammelt, um in gemeinsamer Weihestunde ein Stück jüngster Ettlinger Geschichte feierlich her- auszuheben. Doch es ist mehr: Es ist ein Stück deutscher, ja Weltgeschichte, die uus durchbebt und durchzittert. Tausende sind hier versammelt in heiliger Stimmung, uud doch sehe ich! wo mein Blick sich hinrichtet. Lücken und Gräber. 274 Bürger von Ettlingen fehlen nnter uns. ES waren mit die Besten und sie sind zu Helden geworden. Sie hätten ein Anrecht, lebend unter uns zu weilen. Der Tod hat sie in der Feldschlacht ereilt: ihre Gräber liegen zerstreut wie ein blutiger Krauz um uu- sere geliebte Stadt uud unser Vaterland, weit in der Ferne, znm Teil i» namenloser Landschaft. Sie wollen in dieser Feierstunde zum Leben erweckt sein: wir wollen sie unter uns rufen und jeder erfasse die Hand des Nachbarn: und er stütze die Brüder, die Frauen, Mütter und Väter der Toten, damit wir alle aufrecht ihre Stimme hören können. Sic rnfen: Vergesset uns nicht, wir wollen in Euch wach bleiben nnd heute unter Euch stehen. Ihr sollt nicht das Tränenmeer, das Männer, Frauen und Kiuder über uns ergossen haben, von neuem auspeit- scheu, Ihr sollt nicht Rache schwören, denn sie hat vier Jahre die Welt ans ihre» Fugen ge- rissen.. Sie hat Berge von Leichen erzengt und der Bodün konnte uns nicht mehr bergen. Zu Ende sei die Zeit, in der Bruder gegen Bruder Mit der K»gel kämpfte, bis 12 Millionen Men- schen im Blute ertranken. Nicht Rache ist unsere Erbschaft. Die Sprache des Todes ist mild und versöhnlich, sie kennt keine Sieger und keine Be- siegten. Armselig erscheint im Tode die Erde und ihre Güter, für die wir in die Schlacht ge- sandt wurde«. Ihr sollt nicht raffen und rennen nach dem Mammon Geld, der dieses unsägliche Unheil über die Welt gebracht hat. Ihr sollt den Menschen erleichtern vou deu Gewichte» der Welt, die ihn her»»terziehe»: Ihr sollt sei» ein Volk von Menscheubrüdern, das feine Grenzen kennt. Mut und Tapferkeit und Selbstanfopfc- rnng, vergessend alle süßen Bande in der Hei- mat, jawohl, sie haben in diesem Kriege Triumphe gefeiert ohnegleichen, sie alle aber waren ge- schrieben ans dem Gesetze der Vernichtung, das gegen Menschenrecht und Menschenwürde ver- stößt. Wir Tote wollen lieber sprechen von der Brüderlichkeit. Wir haben im Angesichte des Todes Freunde in Menschen aewonnen, die uus früher frcmd waren. Wie leicht wog der Unter- schied, den Geist und Geld im wohligen Frieden vergiftend und- Zwietracht säend unter uns streute. Wir waren nur Menschen und Brüder, ungeachtet um Stand und Religio«. .Wir waren nuter uns eiu Heer des Friedens uud stritten Nicht um Lebensgüter, wo uns der Tod mit sei- ner Sense cntgegenlugte! Und weiter reden die Toten zu uns: Ihr müßt nns sprechen lassen zu unserer teuern Hei- mat, die wir gerettet haben: und Ihr habt gut getan, daß Ihr für uns in das Herz der Stadt, am Tnrm des Rathaufes einen neuen Stein ein- gefügt habt, der uns geweiht ist. Der Mann, der aus dem großen, toten Steinblock mit Mei- ßel uud Hammer und mit seines Herzens tiefster Erkenntnis Zeichen und Figuren geschlagen hat, er hat uus^ aus dem Tode geweckt, damit wir aus dem Stein zu Euch sprechen. Wir wollen nicht an einer stillen Stätte unserer Stadt mit Euch Zwiesprache halten, wir wollen keine Ka- pelle am Waldessaum, um wieder vergessen zu werden und zu erlöschen in Eurem Denken. Wir wollen jede Stunde und jeden Tag unter Euch fein, und das Gedächtnis schärfen allen Wanderern, die diesen Bogen durchschreiten. Unsere Namen sollen int Engpaß des Rathausturmes aus steinerneu Platten entgegenleuchten, »»d Jahrhunderte laug verlösche das Lichtlein nicht, das Ihr in der Gedächtnishalle Tag und Nacht wollt brennen lassen! Und wir rufen Euch zu: Tod dem Tode, der durch Menschen- Hand das Atenschengeschlecht befleckt! Gott weiß, wann er dem Leben, das er uns gefchenkt, das Ziel fetzt! Ihr seid keine Götter und dürft Euch Gottesrechte nicht anmaßen. Ihr müßt Eure Händel schlichten wie wir, die wir im ge- meinsamen Schützengraben dem Tod entgegen- schauten. Ein offenes Wort, ein klarer Blick von Mann zn Mann segnet die Menschenwürde uud schafft Frieden: wer tötet, dem flucht die Menschheit. Drum laßt uns schaffen an dein Ausbau uu- seres Vaterlandes und Menschengeschlechts, laßt uns kämpfen mit friedlichen Mitteln des Geistes uud Verstandes für eine neue Menschheit, da- mit Segen fließe aus dein Blute unserer Toten. Und du, mit der Geschichte unserer Stadt ver- wachsener Turm, du Zeuge vieler Stürme, trage leicht die Last des Steins, den wir dir ein»er« leibt haben. Er soll uns Gold und Kleinod sei« für -alle Zeiten und alle Geschlechter, die ihu> ins Antlitz schauen. Seine Sprache ist zwar hart, aber erhaben: des Steines Starrheit ist in die unheimliche Lebendigkeit des Todes um- gewandelt, aber wir erkennen, wo dieses Todes Stachel ist! Und wir werden keine treffenderen Worte über den Eingang zu der Gedächtnis Halle meißeln können, als die ein Kreuz auf der Lorettohöhe trägt: „Ihr, die ihr als Pilger an ihren Gräber« vorbeigeht, Ersteigend ihr Golgatha und ihre blutgetränk- ten Wege. Höret den Schrei, der aus ihren Grüften cm- porsteigt: Völkcr seid einig! Menschen seid menschlich!" Und so rufe ich zu unserem Stein am Turme: Hülle falle! Halle, fülle dich mit unserer Herze» gläubiger Liebe! Als die Hülle siel, erklang die große Glocke der Herz Jesukirche, und die Fahnen senkten fid) zu Ehren der Toten. Nun sah man auch das Denkmal in Gestalt eiues Hochreliefs am Rat- Hausturm, das den Tod als Reiter über das Schlachtfeld zeigt nnd den Bildhauer Oskar Kiefer in Ettlingen zum Schöpfer hat. Das Werk darf in seiner küustlerisch-realistischen Wirkung als originale Arbeit gewertet werden Staatspräsident Dr. T r u u k richtete hieraus an die Gäste uud Bürger von Ettlingen ein- dringliche Mahnworte, im Hinblick auf das er- habeue Beispiel der Vorfahren in treuer Pflicht- erfülluug zusammenzustehen und deu Nächste» zu lieben wie sich selbst, um so unseren Lebenszweck zu erfüllen und dem Wohle des Ganze» zu dienen. Die Rede klang aus in ein begeistert aufgenommenes Hoch der Gäste auf die gute badische Stadt Ettlingen, ihre vortreffliche Stadtverwaltung und ihe tüchtige Bevölkerung. Nach dem Chor „Ich hatt' einen Kameraden" »- einem Schlußmarsch leerte sich langsam der Platz. Um 1 Uhr vereinigten sich die Festgäste, unter denen man auch den Rektor der Technische» Hochschule Karlsruhe, Prof. Probst, bemerkte, mit de» städtischen Kollegien Ettlingens zu einem Mittagsmahle in der Festhalle, wobei ein Streichorchester für gute musikalische Unterhaltung sorgte und auÄ der Rede Fluß seinen Lauf nahm. Gemeinde- rat K i e f e r drückte Genugtuung aus, daß viele hohe Gäste zn Ehren der Stadt Ettlinge» gekommen seien. Generalvikar Dr. S e st e r - Freiburg über- brachte die Grütze und Glückwünsche des Er^ bischofs uud der kath. Kircheubehörde. Oberbürgermeister Dr. Gugelmeier -Lörrach sprach im Nameit des Bad. Städtebnnde^ Er betonte, datz die'Erhaltung der Eigenart Zie> eines jeden Gemeinwesens sein müsse, u»° toastete auf die Stadt Ettlingen n. den Staats- Präsidenten. Der stellv. Gemeinderat Störe» gab eine große Zahl von Glückwunschschreiben badischer Städte uud Kreise, vou früheren Achl- männern nnd in der Ferne weilenden Ettlings Bürgern bekannt. Auch der Präsident des Land' tages, Dr. Baumgartner, uud verschiedene Äb- geordnete hatten schriftlich gratuliert.. Der 2. Bürgermeister von Freiburg, Dl- H o f u e r, der zuletzt iu Ettlingen Biirge^ meister war, überbrachte die besten Wünsche der Breisgaustadt und des Landesverbandes V«' bische Heimat und brachte ein Hoch auf Dr. tyka aus, das lebhaften Widerhall faud. A»® Oberbürgermeister Hügel vou Weinheii»- gleichfalls früherer Ettliuger Bürgermeister- würdigte die Verdienste des jetzigen Gemeinde' Vorstandes. Der Karlsruher Oberbürgermeister Dr. Fiuter gedachte in humorvoller Wei>> der Damen. Handwerkskammerpräfideut I s e»' mann- Bruchsal feierte das Handwerk als beste Stütze der Städte. . Ilm Nachmittag wurde im hübschen SSfl' 1 ' haldenpark zum ersten Male „Der Schul»' heiß vou Ettlingen" mit großem EfoU aufgeführt. Die Darsteller wurden mit reiches Beifall bedacht uud der anwesende Dichter Direktor Blum erhielten einen Lorbeerkra»^ und Blumeuaugebiude überreicht. Die I'' rarifche Wertung erfolgt an anderer Stelle. In den übrigen Nachmittagsstunden herrsa» itt der Stadt und den Gastlokalen ein re$e Berkehr. Der Abend brachte einen F a ck e l z».. und festliche Beleuchtung der Stadt, st'»" Veranstaltungen in der Festhalle u. im Son»^ saal. Am Montag-Nachmittag soll die Jupe» schulfrei uud ihre Freude am 700. Geburts^ ihrer Vaterstadt durch eiu eigens aufgestellt^. Programm haben. Dem kommeudeu GeschO, aber werden eherne Lettern im Buche der 3 C 'J geschichte vom 700jährigeu Jubiläum Ettlinge» Geschäftliche Mitteilungen. Die Ereignisse in Ehina zu »e sie int i>ej äig Oft »ei Ze Ar f eti friß Sil Fe 5 frei fei; Ii? Net ftll, ?" »eii t»a Stii «it, SRf 5er en fiih >n lief §; «St, I? hex itit Hie] Utt; Jitt «ic |?0| 006 Jet, m öte L e « Ol 5 $ s c tf) % ttett «Dt % % S crefc beschäftigen beute die ganze Welt. Besonderes 3»tU;, )t dürfte deshalb der im Inseratenteil der vorliegen^ Nummer tum Abdruck gebrachte Bericht ü>b«r jetzigen Ereignisse in China sinden^ Diese ® ctl u ®£ werden von Woche zu Woche svannendcr werden sind desHalb der besonderen Beachtung der geschah Leser enivsohlen. In KönigsfelS im -Tchivar»>valH ist ein Heile»^, hnngsherm für nervöse, schwer erziechbare Kinder i richtet worden. Es ist entstanden 'durch Ausbau Halbtagskindcrgartens der Krauenschule M*»W*e. j, beim, die wiederum aufgebaut ist auf der f«"'" inngsschulc Margaretenheim, fiic im achten 3 i ®6 K UI t> steht und vom badischen Ministerium des Kultus * . Unterrichts staatlich zugelassen worden ist zur ® r ' c l!Ll' des befreiende» Ersatzunterrichts sür sortlbildungs^^ Pflichtige Schülerinnen. Kür Rinder, die sich vor nach der Ostereinschulung als ungeeignet für ><". jjii malen Unterricht erweisen, dürfte ein Au^enthaN ' „Heimkindcrgarten der Frauenschule Marg >aretenV•.(, besonders geeignet sein. Grundschulbefuch nnd P*',,,« Unterricht sind gleicherweise möglich, ebenso Förde^» « durch Borklasseuuuterricht. Sorgfältige KörperM^, mit allen entsprechenden hygienischen MaknaM»» "nft-, Diät-, Ruhekuren, ärztliche Behandlung bei mäßigem Pensionspreis geboten- fftt ""en /ch °>v V Ni e tc S yni K s V °-li «et