Dienstag, 2. Mai 1933 178. Jahrgang Nr. 120 Karlsruher T feren Gelchäftsstell« n oScr äaentoren ab Bei Nichtersch, " " ' ' ' ' v „flentoren absebott 1.80 JH. Nichte rsch^wcn der Seltung iniolse höherer «A«. wcrlt b-rt der Bez«her kei«e Ansprüche. Abbeftellun«» können nur bis zirm 2S. eines Monats angenomTnen werden. — Einzelverkaussvreis: Werktaas 10 A. So-nn- imi> Feiertags IS A. — Anzeige»» preise: in« »ebn^espabdene Non^vareilleseilic 3g A, Rcklamezeile 1.25 M, an erster Stell« I.SO M. ©t» legenheitS- und Kamtli«nan»eia«i ermäbister Preis. Bei Wiederholung Rabatt noch Tarif, der bei Nicht- rtn^allumg ix« Zablunss»i«les oufocr Kraft tritt. Gerlchtsstan» irnii ErAillungSort: KarlSrube in Bade»' Badische Morgenzeitung Industrie- und Handelszeitung «e*. was und der Wochenschrift *Z)te Pyramide" «-M. 17V6 und für ... Feuilleton, für Inserat«^ ... ruhe, Karl-Sried Redaktion oon II ^ W. Pfeiffer. Berlin Tel. B 4. Bavaria 62fiB. übernimmt i»e Redaktion & Verlag »Coneordia" Zcitiin m. b H„ Karlsruhe. Karl^riedri« „ - . ... ftelltn: «aifcrsiraße 208 und »atWSrrttb.-A-Strafif 6. ewtafDt. 18, IS, 30, 2L PoMcheckbonto: »arlSrube 954/ Seeg; arl Foho, in Karl» »stunde bat Redaltiont cnilrag« » i . 9i.arutifrw>K tun«. Drua i°Gcsells«as« GefchäftS- Der Festtag deutscher Arbe it. Überall eindrucksvolle Riesenkundgebungen / Hindenburg an die Lugend / Millionenkundgebung aus dem Tempelhofer Feld c? S«tlht. 1. Mai. Der Feiertag der nationalen Arbeit, £>er von der Reichsregierung an die Stelle der marxistischen Maifeier gesetzt worden ist. gestaltete sich m Kundgebnnge». wie sie in solchen Ausmaßen weder in Deutschland noch in der aan.zen Welt jemals a eschen worden sind. Noch nie hat sich die Verbundenheit des gesamten deutschen Volkes in einer so Andrucks- vollen Weise gezeigt, wie an diesem TaEhret die Arbeit und ochtet den Arbeiter." Am ganzen Reich, in Stadt und Land wehten die Bahnen, waren die Straßen und Häuser mit frischem Grün be- kränzt, marschierte die Arbeiterschaft mit den uniformierten Verbänden, um die Wieder- erstehung deutschen Volkstums zu bekunden. Vom Reichspräsidenten und Reichskanzler bis Mm letzten Arbeiter, bis jitu jüngsten Schulkind nahm das ganze deutsche Volk an diesem Festtag teil. Der Vormittag des Feiertags gehörte der Auaend, die sich zu einer Knndgebnng im Lustgarten versammelte. Bereits um 6 Uhr früh wimmelte es in den Straßen von Jugendlichen. die zu den vorgesehenen Aufmarschplätzen eilten. Auf den Gesichtern zeigte sich Freude und Begeisterung, Lustig flatterten die Bahnen und Wimpel im Winde, hell klangen die frohen Lieder am frühen Morgen. Zehntausende von Zuschauern standen in den Straußen. Der historische Lustgarten, der in den letzten Jahren so viele Aufmärsche von Parteien gesehen hat. zeigte ein ganz an- deres Aussehen. Vom Alten Kaiserschloß, von Museen und Zeughaus flatterten die schwarz- weiß-roten und HakenkrenzfaHnen, vom Dom die Kirchensahnen. Tannengrün und Girlan- den an allen Fronten. Eröffnet wurde die Kundgebung mit dem Wortraa «iner Hymne durch 1200 Sänger des Berliner Sängerbundes. Herlrufe kündigten die Ankunft von Reichsminister Dr. Göbbels an. Nachdem sich die minutenlangen Beifalls- kundgebungen gelegt hatten, nahm Reichsmini- ster Dr. Göbbels das Wort zu einer Ansprache, in der er die Jugend auf die Bedeutung der nationalen Revolution hinwies und der Hosf- nung Ausdruck gab, daß wir der Jugend einst einen besseren Staat in die Hände legen können, als er uns in die Hände gelegt wurde. Der Ansprache des Reichsministers Göbbels, die mit einem begeistert aufgenommenen Seilruf auf den Reichskanzler schloß, solgte der gemeinsame Gesang des Horst-Wessels-Liedes. Als der letzte Vers des Horst-Wessel-Liedes verklungen war. erhob sich ein neuer Sturm der Bs- geisterung. Von den Linden her fuhren Reichspräsident von Hindenburg »nd Reichskanzler Adolf Hitler zum Lustgarten. Die beiden höchsten Repräsentanten des Reiches begaben sich unter dem nicht enden-wollen'den Jubel der Massen auf die Rampe des Schlosses und begrüßten hier die Ehrengäste. In dem Augenblick, als Reichspräsident von Hin- denburg an die Brüstung der Rampe trat, ertönte, von den 200 000 Kindern gesungen, das Lied „Ich Hab' mich ergeben". Immer wieder mußte der greise Reichspräsident für die begeisterten Zurufe danken. Dann nahm er das Wort zu seiner Mahnung an die deutsche Jugend: „Herzlich begrüße ich die deutsche Jugend aus Schule und Hochschule, aus Werkstatt und Lchrerb- stube. die heute hier versammelt ist, um sich zum gemeinsamen Vaterland, zur pflichttreuen Hingabe an die Nation und zur Achtung vor der schaffen- den Arbeit zu bekennen. Ihr seid unsere Zukunft! Ihr müßt einst das Erbe der Väter auf Eure Schultern nehmen, um es zu erhalten, zu festigen und auszubauen. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, muß die Jugend Ein- und Unterordnung und hierauf gründend Verantwortungsfreudigst lernen. Nur aus Manneszucht und Opfergeist, wie solche sich stets im deutschen Heere bewährt haben, kann ein Geschlecht erstehen, das den großen Auf- gaben, vor welche die Geschichte das deutsche Volk stellen wird, gewachsen ist. Nur wer gehorchen gelernt hat. kann später auch befehlen! Und nur wer Ehrfurcht vor der Vergangenheit unseres Volkes hat, kann dessen Zukunft meistern. Wenn ?hr in Eurem täglichen Wirkungskreis rückblickend wieder einmal des heutigen Tages gedenkt, erin- nert Euch dieser meiner Mahnung! Dieser Tag soll dem Bekenntnis der Verbundenheit aller schaffenden Kräfte des deutschen Vol- res mit dem Vaterlande und den großen Auf- gaben der Nation dienen und zugleich ein Denk- stein des hohen sittlichen Wertes jeder Arbeit — der der Faust wie der des Kopfes — ^ein. Aus treuem Herzen gedenke ich daher in dieser Stunde der deutschen Frauen und Männer, die in fleißiger Tagesarbeit ihr Brot verdienen, und in tiefem Mitempfinden der großen Zahl all derer, die durch die Wirtschaftsnot unserer Zeit von der Arbeit und ihrem Segen noch ferngehalten sind. Daß Mittel und Wege gefunden werden, um dem Heer der Arbeitslosen wieder Arbeit und Brot zu schas- fen, ist mein sehnlichster Wunsch und eine der vor- nehmsten Aufgaben, die ich der Reichsregierung gestellt habe. Die Zeit, in der wir leben, ist ernst und schwer. Aber wenn wir alle zusammenhalten und in Eingikeit mit festem Mut und unbeirrbarem Glauben zusammenstehen, dann wird Gott uns auch Weiterhelsen! In diesem Willen laßt uns zusammen rufen: Deutschland, unser geliebtes Vaterland, Hurra!" Das dreifache Hurrah auf Deutschland wurde begeistert aufgenommen. Es solgte der gemein- same Gesang des Deutschlandliedes. Die studen- tischen Schläger schlugen den Takt. Die Hände reckten sich beim Gesang des Liedes zum Himmel. Wieder setzte nicht endenwollendcr Jubel ein. Schließlich trat Reichskanzler Hitler selbst an die Brüstung der Rampe. Minutenlang füllten die Heilrufe die Luft, bis der Reichskanzler sich Gehör verschaffen konnte. Er rief der Jugend zu: „Deutsche Jungen! Deutsche Mädchen! Unser Reichspräsident Generalfeldmarschall v. Hinden- bürg hoch, hoch, hoch!" Unter immer neuen Knnd- gebüngen verabschiedeten sich Reichspräsident und Reichskanzler. Die Jugend umdrängte ihre Wagen so stark, daß die Abfahrt nur im Schritt erfolgen konnte. Der Aufmarsch der zehn Heeressäulen. Um die Mittagsstunden wurde das Straßen- bild immer lebendiger, immer festlicher. Zu den abmarschierenden Jugendlichen kam die Menge der Erwachsenen hinzu, die sich schon seit den Morgenstunden zu den 13 Sammelplätzen be- gaben, um von dort aus in zehn Heeressäulen den Marsch zum Tempelhofer Feld anzutreten. Strahlenförmig ziehen die Kolonnen zum Tempelhofer Feld. Tausende umsäumen grüßend und jubelnd die Straßen. Ueber den Marschie- renden kreist ein Flugzeug der Verkehrszentrale, um die Züge zu beobachten. Sobald Verkehrs- störungen und große Stauungen vom Flugzeug aus beobachtet werden, geht eine Funkdepesche von Vord des Flugzeuges an die Funküber- wachungsstelle des Tempelhofer Flugplatzesund von dort telephonisch an die Zentralstelle der NSBO. Kuriere auf Motorrädern leiten die Weisungen an die Führer der Kolonnen weiter. Das Rote Kreuz begleitet jede Kolonne mit 50 Sanitätern. Unaufhörlich ertönen Musik und Gesang, schallen die Heilrufe, strecken sich die Hände zum Gruß. Gegen 14 Uhr kreist das deutsche Luftschiff, auch ein stolzes Werk deutscher Arbeit, in majestätischen Schleifen über der Stadt. Taufende, Millionen grüßen den deutschen Zeppelin. Gegen 18 Uhr wurde die Zahl der auf dem Felde stehenden Menschenmenge aus etwa 1,8 Millionen geschätzt. Sämtliche Fahnen der SA., SS., des Stahl- Helms, des Dentschnationalen Kampfringes und der zahllosen übrigen Verbände. Vereine und Innungen wurden aus den Fahnenberg gebracht, den erhöhten Hintergrund der Regierungs- tribüne. Hier standen dann Kopf an Kopf etwa 3000 Fahnenträger. In einem riesigen Quadrat von etwa 2000 Me- kern Breite und 1000 Metern Tiefe standen jetzt Reichswehr, Polizei, SA., SS., Stahlhelm und Technische Nothilfe. Die Fanfarenmärsche der Reichswehrkapellen ermunterten die Massen, die nun zum Teil seit fünf bis sechs Stunden auf dem Platze standen und zumeist seit 12 Stunden auf den Beinen waren. Die Dunkelheit sank allmählich herab. In der Ferne um das Fest- feld herum wurden die Lichter angezündet. Die Spannung stieg immer mehr. 20 Uhr: Die Kundgebung beginnt: Durch Lautsprecher wird verkündet, daß die Kund- gebung der Reichsregierung zum Feste der deut- scheu Arbeit eröffnet ist. Die Menge nimmt das mit jubelndem Heil auf. Das Programm be- giwnt mit dem Fanfarenmarsch, ausgeführt durch sieben Kapellen und zwei Spielmannszüge der Reichswehr. Schlagartig treten die vielen huu- dert Scheinwerfer rings um das Feld in Tätig- fett, das in magischem Glänze erstrahlt. Aufbau statt Zersetzung. Hitlers große Rede zum Tag der nationalen Arbeit. Aus dem Wirtschaftsprogramm des Lahres: Arbeitsdienstpflicht, große Gtraßenbanpläne des Meiches, Förderung der privaten Arbeitsbeschaffung, Ermäßigung der Zinssätze. Während die Menge gemeinsam das Lied „Der Gott, der Eisen wachsen ließ" sinat. trifft der Kanzler Adolf Hitler und mit ihm der Reichs- minister Dr. Göbbels ein, mit brausenden Heilrufen von der Menge begrüßt. Der jdanz- ler nimmt den für ihn vorgesehenen Platz ein und begrüßt die SA und SS mit kräftigem Heil, das vom ganzen Felde erwidert wird. Nach einer kurzen Beorüßungsanfprache des Reichsministers Dr. Göbbels. nach einer Minute andachtvollen iSchweigens zu Ehren von sieben Bergleuten, die am Sonntag einem Unglück zum Opfer gefallen sind und zu Ehren von zwei SA-Leuten, die am Sonntag erschossen wurden, ergriff Reichskanzler Adolf Hitler unter minutenlangen, nicht endenwollenden Heilrufe« und dem Beifall der 1K Millionen das Wort: „Der Mai war viele Jahrhunderte lang der symbolische Tag des Einzugs des Frühlings iu die Lande, der Tag der Freude, der festlichen Stimmung und Gesinnung. Dann kam eine Zeit, die diesen Tag verwandelte in einen Tag der Proklamation der Fehde, des Streites und inneren Kampfes. Eine Lehre versuchte, den Tag der erwachenden Natur in einen Tag des Haffes, des Zankes, des Bruderkamvfes und (Sonderaufnalime vom 1. Mai. Photoatelier Bauer.) Der Festzug des 1. Mai in Karlsruhe. (Blick auf die Tribüne am Marktplatz mit der badischen Regierung während des Totengedenkens.) Brudermordes zn verwandeln. Jahrzehnte sind über die deutschen Lande gegangen. Und dann kam nun wieder eine Zeit der Besinnung und des Jnsichkehrens und damit wieder eine Zeit des neuen Zusammenfindens der deutschen Menschen. Und heute könen wir mit dem alten Lieder wieder singen: Der Mai ist gekommen. unseres Volkes Erwachen i st nun g e k o m m e n. (Stürmische Heilrufe.j Das Symbol des Klassenkampfes wird sich nun verwandeln wieder zum Symbol der Erhebung, zum Symbol der großeu Einigung unseres Vol- kes, Und deshalb haben wir diesen Tag der er- wachenden Natur gewählt, für alle kommenden Zeiten als Tag der schaffenden Arbeit, jener schaffenden Arbeit, die keine engen Grenzen kennt, die wir überall anerkennen wollen, wo sie in gutem Sinne für Sein und Leben unseres Volkes geleistet wird. Das deutsche Volk hat eine schwere Zeit hinter sich. Millionen Menschen unseres Volkes siud tätig wie früher und andere Millionen wollen tätig sein, können es aber nicht. Alles scheint vergeblich zn sein. Not, Elend und Jammer »nd Verzagtheit, Zehntausende finden den leichtesten Weg zum bittersten Entschluß — sie beenden lieber ein Dasein, das !>ir sie nur Kummer und Elend zu bergen scheint. Und wenn wir uns sragen: weshalb? Es ist eine politische Not, das deutsche Volk ist in sich zer- fallen. Seine ganze Lebenskraft wird im inneren Kampf verbraucht. Wir sehen nun die Ergebnisse dieses Klassenkampfes bei uns. Wir wollen aus diesen Ergebnissen lernen, und wir haben eines als erste Aufgabe zur Wiedergewinnung unseres Volkes erkannt: o o Das deutsche Volk muß sich wieder gegen- seitjg kennen lernen, die Millionen Men- schen, die in künstlichen Klassen auseinander- gehalten sind, die vom Standesdünkel und Klassenwahnsinn befallen, einander nicht mehr verstehen lernten, müssen den Weg wieder zueinander finden. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Eine ungeheure, wir wissen es, gewaltige Auf- gäbe, wenn 70 Jahre hindurch der Wahnsinn als politische Idee vertreten und gepredigt wurde, wenn 70 Jahre lang die Zerstörung der Volks- gemeinschaft politisches Gebot war. dann ist es nicht leicht, mit einem Schlage den Sinn der Menschen wieder zu wenden. Und trotzdem dürfen wir daran nicht verzagen und nicht vcr- zweifeln. Wir haben den unerschütterlichen Entschluß, diese große Aufgabe vor der deutschen Geschichte zu erfüllen, haben den Entschluß, die Seite S Karlsruher Tagblatt, Dienstag, den 2. Mai 1933 Jfc. 120 deutschen Menschen wieder zueinanderznführen, und. wenn sie nicht wollen, sie zueinander zn MNngen. Das ist der Sinn des 1. Mai. daß an ihm alle die Menschen, die im orvnen Räderwerk unserer nationalen Arbeit tätia sind, zueinan- der finden und aeaenseitia sich einmal int Jahve wieder die Hände reichen in der Erkenntnis, daß nichts geschehen könne, wenn nicht alle ihren Teil der Leistung und der Arbeit dabei vollbringen. Und so haben wir als Motto dieses Tages gewählt den Satz: Ehrt die Arbeit und achtet den Arbeiter. (Händeklatschen und Bravo- rufe.) Es mag einer tätig sein, wo immer er will, er darf nie vergessen, datz die Nation n«r lebt durch die Arbeit Atter. Es gibt vielleicht unter uns viele Zehntausend?, die den Respekt vor dem Einzelnen abhängig machen wollen vtvjt der Arbeit, die er verrichtet. Nein, man kann den Respekt nur abhängig machen von dem Wie, wie er seine Arbeit ver- richtet. (Bravo.) Daß Millionen unter uns jahraus, jahrein tätig sind, ohne jemals hossen zu können, Reichtümer zu erwerben, ja, vielleicht nur ein sorg- loses Leben zn gewinnen, das soll alle verpslich- ten, sich erst recht zu diesen Millionen zu beten- nen. Denn der Idealismus allein ermöglicht Sein und Leben Aller. Wenn einmal des Men- schen Wert nur mehr gemessen werden sollte an den äußeren Gütern des Lebens, dann würde der Wert unseres Volkes kein -^otzer sein. Wir müssen einen anderen Maßstab gewinnen. Die Arbeit ist der Maßstab, der ihn macht zum vol- len Mitglied unserer Gemeinschaft, und es ist notwendig, daß dabei Hie Klassen unseres Volkes sich nahe kennen lernen, indem man die Schranken einreißt und über das ganze Volk hinweg ohne Rücksicht auf Stand und Beruf eine Idee verkündet. Es ist notwendig, daß man jedem Stand die Bedeutung des anderen Standes lehrt. Und so wollen wir dann in die Städte gehen, um ihnen das Wesen und die Notwendigkeit des deutschen Bauern zu erklären, und gehen aus das Land und in unsere Intelligenz, um ihnen die Bedeutung des deutschen Ar- beiters beizubringen, und gehen zum Arbeiter und zum Bauern, um sie zu belehren, daß es ohne deutschen Geist auch kein deutsches Leben gibt, datz sie alle zusammen eine Gemeinschaft bil- den müssen. Geist, Stirn nnd Fcrnft, Arbeiter, Banern n«d Bürger. Und dann soll dieser 1 Mai zugleich eines dem deutschen Volke zum Bewußtsein bringen: der «^leiß, die Arbeit, sie allein schafft nicht das Leben, wenn sie sich nicht vermählen mit der Kraft und dem Willen eines Volkes. Fleiß und Kraft, Arbeit und Wille, sie gehören zusammen. Nur dann, wenn hinter dem Worte der Arbeit die starke Faust der Nation sich er- hebt zum Schutz der Arbeit, kann aus Fleiß und Arbeit wirklicher Segen erwachsen. Deutsches Volk, du bist stark, wenn du eins wirst: du bist gewaltig, wenn du den Geist deines Klassen- kampfes und deiner Zwietracht ans dem Herzen reißt. Wir träumen von einem Staat deutscher Nation, der unserem Volk wieder das tägliche Brot auf Erden zn sichern vermag. Und mir wissen, daß dazu die geballte Kraft der ganzen Nation gehört und nötig ist. Freilich geben die Millionen zur Antwort, die heute uns als Gegner gegenüberstehen: das sind Ideale, nie könnt Ihr sie verwirklichen. Meine Freunde, in diesem Augenblick hören mehr als S0 Millionen Menschen diese Ideale. Und wenn wir einst, kaum ein halbes Dutzend, für sie ein- getreten sind — heute hören diese Ideale Mil- lionen und aber Millionen in Deutschland un- ter diesem sternenklaren Himmel und lassen sie Zeugnis ablegen für die Kraft dieser Ideale. (Stürmischer Beifall.) Auch die Erhebung eines Volkes, sie mutz innerlich errungen werden. Wir wissen es, wir werden diese Erhebung verdienen, werden die Freiheit unseres Volkes erringen und werden dann so recht erweisen, wie sehr der Marxismus nur Theorie gewesen ist. Es ist kein Znfall, datz es unseren Gegnern, die den Tag seit 70 Jahren feiern wollen und die 14 Jahre lang in Deutschland die Macht besaßen, nicht ge- lnngen ist, das deutsche Volk an diesem Tag so zu erfassen, wie wir am ersten Tage es fertig brachten. Heute fühlt es. dem 1. Mai ist fein innerer Sinn wieder gegeben worden. Dann wollen wir ganz >knrz vor Augen führen, was nun nnsere Ziele sind. Unverrückbar wollen wir kämpfen, datz die Macht, die der neue Gedanke, die der neue politische Glaube in unserem Volk erobert hat, ihm nimmer ent- schwindet, sondern datz sie sich im Gegenteil immer mehr festigt Wir wollen kämpfen dafür, daß die neue Idee sich sieghaft über ganz Deutschland erhebt (Heilrufe) und datz sie all- mählich dieses ganze deutsche Volk in die Gewalt ihres Bannes zieht. Wir haben vor, das Selbstgefühl und das Selbstbewußtsein in diesem Jahre in miserem Volk zu er- wecken nnd dauernd zu steigern. Sie haben mit Absicht unserem Volke die An- ficht eingeimpft, als wäre es insgesamt minder- wertig in der Welt. Man hat Minderwertig- keitskomplexe künstlich hineingeziichtet, weil es der Minderwertigkeit der Parteien entsprochen hat. die dieses Volk in diesen langen Jahren verführten. Wir wollen nunmehr unser Volk aus diesem Bann erlösen, wollen unserem Volke uneniwegt die Ueberzeugung einimpfen, ja ein- drängen, deutsches Volk, du bist nicht zweit- ilassig. Diese Millionen, die heute in Deutsch- land demonstrieren, sie werden zurückgehen mit dem Gefühl einer neugewonnenen Einheit und daraus wieder mit dem Gefühl einer nen ge- wonnenen inneren Kraft. Ich weiß es. Käme- raden, euer Tritt wird morgen wieder stärker sein, als er gestern war, denn ihr alle fühlt es, die Nation, die kann man heute vielleicht ver- gewaltigen, kann sie vielleicht in Ketten schlagen, beugen,, demütigen kann man uns nicht mehr. Wir wollen das Vertrauen aber damit auch stär- ken an diesem Tage nicht nur zu dir selbst, deut- sches Volk, nein, auch das Vertrauen zu deiner Regierung, die sich mit dir ver- bunden fühlte die zu dir gehört, mit dir ficht, mit dir für dein Leben kämpft (Heilruse), die kein anderes Ziel besitzt als dich, deutsches Volk, dich wieder frei und glücklich zu machen lBravorujeH. Das Vorurteil, daß Handarbeit schänden könnte, dieses Vorurteil wollen wir in Deutsch- land ausrotten. Wir wollen, daß dieses deutsche Volk durch die Arbeitsdienstpslicht erzöge» wird zur Erkenntnis, datz Handarbeit nicht schändet, daß Handarbeit nicht entehrt, sondern daß Hand- arbeit genau wie jede andere Tätigkeit dem zur Ehre gereicht, der sie treu und redlichen Sinnes erfüllt (Bravo). Und deshalb ist es unser un- verrückbarer Entschluß, jedem einzelnen Deut- schen, er mag sein, wer er will, ob hoch geboren und reich, ob arm oder Sohn von Gelehrten oder Sohn von Fabrikarbeitern, einmal in seinem Leben zur Handarbeit zn füh- ren, damit er sie kennen lernt, damit er auch leichter befehlen ckann, weil er selbst auch hier schon gehorchen gelernt hat. Wir werden in diesem Jahre zum ersten Mal diesen großen ethischen Gedanken in die Wirklichkeit übersüh- reu und wir wissen, datz, wenn erst einmal vier Jahre vergangen sind, das Wort Arbeit und Handarbeit dann für die Millionen Ate»- schen genau dieselbe Sinneswandlung hervor- gerufen haben wird, wie einst Millionen Men- schen den Landsknecht vergessen haben nnd den deutschen Soldaten an seine Stelle setzen (Bei- fall). Wir werden auch in diesem Jahre als weitere große Aufgabe der Befreiung der schöpferischen Initiative von den verhängnisvollen Einwirkungen majoratitiver Beschlüsse durchführen und sicherstellen. Nicht nur im Parlament, nein auch in der Wirtschaft. Wir wissen, daß unsere Wirtschaft nicht emporkommt, wenn nicht eine Synthese gefunden wird zwischen der Freiheit des schöpferischen Geistes und der Verpflichtung dem Volksganzen gegenüber (Stürmischer Bei- fall). Und daher wird es auch unsere Aufgabe sein, den Verträgen die Bedeutung zn geben, die ihnen zukommt. Der Mensch lebt nicht für Verträge, sonder« die Verträge sind da, das Leben des Menschen zu ermöglichen (Bravo). Und eudlich werben wir in diesem Jahre uns bemühen, die erste Etappe auf dem Wege einer organischen Wirtschaftsführung zurückzulegen und werden dabei von einer fundamentalen Er- kenntnis ausgehen: Es gibt keinen Aufstieg, der nicht beginnt bei der Wurzel des nationalen, völkischen und wirtschaftlichen Lebens, beim Bauern, und von ihm führt der Weg zum Ar- beiter und weiter endlich zur Intelligenz. Und damit kommt eine weitere Aufgabe: Die B>e- feitigung der Arbeitslosigkeit durch eine Ar- beitsbeschasfnng. die wir in zwei grohe Gruppen einteilen: die privat« Arbeitsbeschaf- fnng. Hier wird eiu großes gewaltiges Werk in diesem Jahr« in Angriff genommen, eiu Werk, das die deutschen Bauten, die Häuser wieder in Ordnung bringen und damit für Hun- derte und Hunderttausende Arbeit schaffen wird, ^lnd ziveitens: Wir wolle» nunmehr in diesem Augenblick und an dieser Stelle zum ersten Male den Appell an das ganze deutsche Volk richten: Deutsches Volk, glaube nicht, daß das Problem der Arbeitsbeschaffung in den Sternen gelöst wird. Du selbst mutzt mithelfen, es zu lösen. Du mutzt alles tun. was Arbeit schaffen kann. Jeder Einzeln« hat die Pflicht, von sich aus mit- zupilgern und nicht zn warten mit seinen An- schaffuugeu. lind vor allem, jeder hat die. Pflicht, sich der deutschen Arbeit zu erinnern. Wenn heute die Welt die deutsche Arbeit ver- semt, dann müssen wir erwarten, datz der Deut- sche selbst sich seiner Arbeit annimmt. Und zweitens: Wir werden große öffentliche Probleme noch in diesem Jahre zu verwirk- lichen uns bestreben, in erster Linie das Riesen- Programm, das wir nicht der Nachwelt überlas- sen wollen, sondern das wir verwirklichen müssen: ein Programm, das Milliarden erfordert; das Programm unseres Straßenbaues. Damit wird eine Serie öffentlicher Arbeiten eingeleitet, die zusammen mithelfen, die Arbeits- losenzahl immer mehr herunterzudrücken. Und endlich wird stattfinden ein Angriff gegen die Uuerträglichkeit der heu- tigen Zinssätze. Wir werden anch hier dem Entschluß ftiua Wafr ren, der uns Nationalsozialisten seit vielen Iah» ren eine Selbstverständlichkeit ist und damit in Verbindung eine Handelspolitik durchführen, die uns die Stetigkeit der Produktion sichert, ohne die deutsche Landwirtschaft zu vernichten. Es wird uns nichts geschenkt. Die Welt, sie verfolgt uns. Wir wollen den Frieden. Sie wendet sich gegen uns. Sie wolle« nicht unser Recht zum Leben anerkennen, wollen nicht un- ser Recht zum Schutze der Heimat anerkennen. Mein deutsches Volk, wenn so die Welt gegen uns steht, dann müssen wir um so mehr zu einer Einheit werden. Wir wollen mis den Wiederaufstieg unseres Volkes durch un- sereu Fleitz, unsere Beharrlichkeit, unseren Wil- len ehrlich verdienen. Wir bitten nicht den All- mächtigen: Herr, mach du uns frei! Wir wol- len tätig sein, arbeiten, uns brüderlich vertragen, miteinander ringen, auf datz einmal die Stunde kommt, da wir vor ihn hintreten können und ihn bitten dürfen: Herr, du siehst, wir haben nns geändert: das deutsche Volk ist nicht mehr das Volk der Ehrlosigkeit, der Schande, der Zer- fleischung, der Kleinmütigkeit und Kleinglau- bigkeit: nein, das deutsche Volk ist wieder stark geworden in seinem Geist, stark in seinem Wil len, stark in seiner Beharrlichkeit, stark im Ertragen aller Opfer. Herr, wir lassen nicht von dir. Nun segne unseren Kampf um unsere Frei heit uud damit um unser deutsches Volk und Baterland." Das große Feuerwerk. Die Rede des Kanzlers wurde von Millionen mit andächtigem Schweigen aufgenommen. Kein lautes Wort unterbrach die einzelnen Sätze und Programmpunkte, so datz die Rede überall tadel- los zu verstehen war. Doch rissen die Ausführungen des Kanzlers immer wieder die Menge zu spontanem Beifall hin, der sich zu brausen- dem Jubel steigerte, als der Kanzler seine Rede geschlossen hatte. Das Deutschlandlied wurde von den Millionen begeistert mitgesungen. Wäh- rend des Gesanges des Deutschlandliedes er- folgte in unmittelbarer Nähe die Pflanzung einer jungen Eiche zur Ehre des Reichs- Präsidenten von Hindenburg. Auf das Pflanzen der Hindenburg-Eiche folgte der Zapfenstreich und das bei gesenkten Fahnen von der Riesenmenge mitgesungene „Wir treten zum Veten". Dann erlosch Scheinwerfer um Eine eindrucksvolle Ehrung. Arbeiter aus allen deutschen Gauen bei Hindenburg und Hitler Aus dem fonneüberfluteteu, mit unzähligen Flaggen geschmückten Feld des Berliner Zen- tralflughasens in Tempelhof, nm den sich eine freudig erregte Menschenmaffe Kopf an Kopf drängt, landeten in der Mittagsstunde zehn Großflugzeuge der Lufthansa, die die Ehrengäste der Feier der nationalen Arbeit i« der Reichshauptstadt heranbrachten: 71 Arbeiter aus allen Gauen Deutschlands, aus dem Saargebiet, aus Danzig, Deutschösterreich, ans Ostpreußen, Oberschlesien, von der Wasserkaute, aus Nord und Süd, aus Ost und West kamen die riesigen mit den Fahnen der nationalen Revolution ge- schmückten Maschinen herangebraust. Ihnen ent- stiegen die Männer, so wie sie der Alltag sieht, in ihren Arbeitskleidern. Jeder einzelne der 71 Abgeordneten wurde von Reichsminister Göb- bels und dem Leiter der NSBO., Staatskommis- sar Engel, durch Handschlag begrüßt. Stolz und mit leuchtenden Augen berichten sie in der Sprache ihres Heimatlandes von den Erleb- nissen, die ihnen ihr erster Flug über das feiernde Deutschland brachte. Um 17.30 Uhr fanden sich die Arbeiteradord- nungen aus allen deutschen Gauen, 80 aus dem Reichs- und Saargebiet, acht Arbeiter aus Oester- reich in dem historischen Kongreßsaal der Reichs- kanzlei ein. um dem Reichspräsidenten von Hin- d e n b u r g und dem Volkskanzler Adolf Hitler vorgestellt zu werden. Bergwerksknappen in ihren Uniformen und mit Grubenlampen. Zimmerlsute in ihrer malerischen Tracht, technische Arbeiter, Hafenarbeiter, Fischer, Männer des österreichischen Heimatschutzes, der steirischen Heimwehr. Arbeiter aus Wien. Niederösterreich. Oberösterreich, Salz- bürg, Kärnten sind es. die dem Reichspräsi- denken und dem Reichskanzler die Grüße ihrer Belegschaften und Arbeitsgenossen, Eruße chrer Heimatländer überbringen. Zuerst tritt Reichsminister Eöbbels in den Saal, der Man», dem dieser große Tag zu oerdan- ken ist. Harte Arbeiterfäuste drücken freudig seine Hand. Dann ein Raunen, ein hörbares Zusammenrücken: Reichspräsident von Hindenburg und Reichskanzler Adolf Hitler betreten den Saal. Einige kurze Begrüßungsworte richtet Hin- denburg an die Versammelten. Dann spricht zu ihnen Reichskanzler Adolf Hitler: ,Jch 'glaube, es ist für Sie alle, die Sie hier in diesem ehrwürdigen Saal versammelt sind, um den Herrn Reichspräsidenten zn begrüßen, vielleicht der größte Tag Ihres L e b e n S. Sie werde» sich diese paar Minuten für Ihr Leben inerten, und Sie werden daraus in Ihre Heimat zurücktragen die Ueberzeugung, daß die deutsche Arbeit und der deutsche Ar- beiter hier in des Reiches Hauptstadt von dem Herrn Reichspräsidenten selbst die Ehrung uud die Würdigung erfahren, die die deutsche Arbeit und der deutsche Arbeiter beanspruchen können. Sie werden daraus auch ersehen, wie unwahr und unrichtig die Behauptung ist. daß etiva die Umwälzung, die sich in Deutschland vollzogen hat. sich gegen den deutschen Arbeiter richtet. Im Gegenteil, ihr erster und innerster Zweck ist. die Millionen unserer deutschen Arbeiter einzugliedern in die deutsche Volksgemeinschaft und damit wirklich innerlich einzubauen in unser heiliges Deutsches Reich." Eine feierliche Stille folgt den Worten. Still ergriffen stehen diese Männer der Arbeit. Dann begrüßen Reichspräsident nnd Reichskanzler toben Einzelnen: Statzfurter Bergleute in ihren schwarzen Grubentschakos, steirischer -Heimat- schütz im grünen Jägerrock, Leute von der Was- serkante in schweren Oelmänteln und mit langen Seestiefeln. Danziger Fischer, die an langer Stange ein Fischnetz tragen, darin, einen zwölf- pfüudigen Silberlachs, den einer von ihnen heute früh um 6 Uhr aus dem Wasser gezogen hat, osipreutzische Arbeiter, Gruben- und Berg- arbeiter aus dem Saargebiet, die Hindenburg einen riesigen Strautz weißen Flieders über- reichen, Weinbauern aus dem Moselgebiet. die dem Reichspräsidenten in kleinen Fläschchen ihren Moselwein darbringen, dann eine Gruppe Bergarbeiter aus dem Siegerland, bayerische Holzhacker von der böhmischen Grenze. Ein Arbeiter aus dem Saargebiet richtet die besten Wünsche aus mit der Hoffnung, daß das Saar- gebiet bald wieder zum Baterland zurückkehren möge. „Wir werden alles tuu. was wir köu- nen," antwortet der Reichspräsident. Jeder spricht, wie er denkt. Jeder drückt Hinden- bürg die Hand, jeder schaut auf M dem Führer Adolf Hitler in starkem gläubigen Vertrauen. Diese Männer werden, wenn sie in ihre Heimat zurückkehren, Ecksteine des deutschen Glaubens seiu, der nie erschüttert wird. Scheinwerfer, bis das Riesenfeld in nächtlichem Dunkel lag. Nun begann als eindrucksvoller ge- waltiger Abschluß dieser einzigartig dastehenden Veranstaltung ein Feuerwerk, wie es in solchem Ausmaß noch nirgendwo gezeigt worden ist. In einer Front von 400 Meter waren auf dem west- lichen Teil des Flugfeldes die Aufbauten für die- ses große Schauspiel errichtet worden. Die An- lagen waren so ausgedehnt, daß die Feuerwerker- trupps zur gegenseitigen Verständigung durch Feldtelephone miteinander verbunden werden mußten. Zunächst raste eine aus hundert der größten Raketen gebildete, sich fortgesetzt bewegende und in allen Farben schillernde Feuerwand in den dunklen Nachthimmel. In riesiger roter Flammenschrift leuchteten dann zwei sich »er- einigende Hände auf. unter denen in riesigen Let- tern „Tag der deutschen Arbeit" zn lesen war. Tausende und abertausende von Feuerblumen um- rahmten dieses symbolische Bild. In allen Regen- bogenfarben schössen die Garben vom Himmel her- unter. Ein silberner Wasserfall in der Länge der ganzen Front ließ für eine Minute das Feld in hellem Licht erstrahlen und Kreuzräder. Gold- und Silberkometen, Blumenkörbe und Sonnen zischten herum — ein Farbenwunder von märchenhafter Pracht, das immer wieder den Beifall der Massen hervorrief. Ein gewaltiges Trommelfeuer mit Bomben und Granaten erschütterte die Luft, ein Bombardement aus Hunderten von Feuerköpfen. Bengalische Beleuchtung schloß das Riesenfeuer- werk ab. Währenddessen hatten sich unter Führung einer Reichswehrkapelle und des Polizeikommandos Wecke die uniformierten Verbände vom Platz ge- löst und für den Fackelzug zum Lastgarten in Be- wegung gesetzt. Bald darauf verließen der Reichs- kanzler und die übrigen Mitglieder der Reichs- regierung, sowie das diplomatische Korps und die Ehrengäste der Arbeiterabordnungen durch ein Spa- lier von Fahnen das Feld, wobei der Reichskanz- ler und der preußische Ministerpräsident Eönng wieder stürmisch umjubelt werden. Nach Abschluß des Feuerwerks wurden die Scheinwerferanlagen wieder in Betrieb gesetzt. Das Horst-Wessel-Lied, von den Hunderttausenden mitgesungen, brauste zum nächtlichen Himmel her- auf. Der ungeheure Menschenaufmarsch zum Feiertag der nationalen Arbeit hatte sein Ende gefunden. Staatskommissar Engel schloß die in der Welt einzig dastehende Veranstaltung mit einem dreifachen Sieg-Heil auf die sieghafteste Be- wegung der Welt, auf das deutsche Vaterland nnd auf den Reichskanzler Adolf Hitler. (Siehe auch Seite 10.) Bad. Etaatscheater. Was ihr wollt. Lustspiel von Shakespeare. Die Neueinstudierung von Was Ihr wollt schenkte ein wirkliches uud wahrhaftiges Lust- Spiel. Spielerische Lust atmet die bunte Mär- chenhandluug, lustiges Spiel verschwenderischer Fabulierfreube bringt sie zu einer holden Schein- Wirklichkeit. „Was sich nie und nirgends hat be- geben, das allein veraltet nie!" Obwohl die Zeit- beziehuugen fehlen — selbst der Anlaß, nämlich die Vorführung heiterer Stücke am Dreikönigs- tag des alten England, ist vergessen nnd ver- schwunden — wirkt das Lustspiel Was Ihr wollt in sich und durch sich lebendig und in Spannung unterhaltend. Den Puritaner, den „gezierten Esel" Malvolio, z. B. braucht mau nur auf die Gegenwart zu üb-"-tragen, und die Satire stimmt noch heute. Voraussetzung für ein heutiges Mit- gehen im Spiel allerdings, datz dem heutigen Theater durch Beschwingtheit die Rückzauberung gelingt. Bühne und Menschen, Haltung und Stil Kostüme und Ton müssen zusammengehen. Die derbe Rüpelkomik wird dann erträglich und tritt im Rausch der Liebesseligkeit des Zwillings- paares zurück. In Was Ihr wollt ist das zu- dem leichter als in anderen Stücken Shakespeares, weil hier die komischen Szenen nicht wie sonst nebenher gehen , sondern mit den Haupthandlun"sreihen kunstvoll verschmolzen sind. Solche hier erwähnten Voraussetzungen hat Felix Baumbach mit den Seinen ganz vor- züglich erfüllt, so datz ein erquickender und er- hcitcrnder Abend zustande kam. Im Gegensatz zur letzten Aufführung im Jahr l925, wo die Rvthesche Neu-Uebersetzung benutzt wurde, kehrte der Spielleiter mit Recht zu der von Schlegel zurück, denn sie ist nun mal volks- tümlich geworden und in die deutsche Literatur eingegangen. Weiterhin lietz er in den Zwischen- akten zeitgenössische sparsame, aber darum erst recht duftige Musik spielen. Torsten Hecht hat nicht nur sehr praktikable, sondern auch dem Spiel gemätze Szenenbilder geschaffen, die von Rudolf Walut schnell und sicher bewegt wurden. Margarete Schelleubergs Kostümieruug leuchtete und prangte. So liefen die zweieinhalb Stunden in jeder Hinsicht hochbefriedigend ab. Der Bei- fall, der nach den vier statt ursprünglichen fünf Aufzügen und besonders am Schlutz die Künstler mit dem Spielleiter ries, war warm und herzlich. Auch im Einzelnen war es wohlbestellt. Es will was besagen, datz Elisabeth Bertram mit ihrer lieblichen, innigen, in Scherz und Ernst rührenden und packenden Darstellung der Viola vor der Erinnerung mit der Midi Scheiupflug vor sieben Jahren durchaus bestehen konnte. Vornehm, gelassen und doch voll jugendlichen Liebreizes gab Lola Erwig die Gräsin Olivia: den Jüngling und Prinzen aus dem Märchenbuch: Joachim Ernst. Wie ehedem fiel Nelly Rade- inacher die derbkomische Kammerkatze Maria zu. Gleichfalls von früher her bewährt der trunk- selige Tobias von Fritz Herz, der überwältigende Bleichenwang von Paul Müller, der sanges- kundige Narr von Alfons ttloeble, der Fabio von Hugo Höcker. Neu besetzt ivar die kostbare Gestalt des Maloolio, und zwar init Ulrich von der Treuck. Er stattete diese begehrte Schau- spielerpraderolle mit originellen Zügen komi- schen Ernstes und ernster Komik aus, so datz uach seiner großen Szene Beifall auf die offene Bühne prasselte. Recht gnt fand sich Werner Ehret mit der Rolle des Sebastian ab. Noch hängt er. wie bei einem Anfänger begreiflich, mehr am Wort als am Spiel und Gehaben, aber dieses Wort kommt klangvoll und innerlich durchgedacht. Friedrich Prüter als Schissshauptmann uud noch einige audere-Herren ergänzten ausqezeichnet die Rollenbesetzung des unvergänglichen Lustspiels. Seine Neueinstudierung bedeutet eine Bereiche- rung des Karlsruher Spielplanes. Es scheint an der Zeit, daß die Oper in entsprechender Weise es dem Schauspiel des Staatstheaters gleich tut. Nr. 120 Karlsruher Tagblatt. Dienstag, den 2. Mai 1933 Seite Z Karlsruhe feiert den !♦ Mai. Die Landeshauptstadt im Festkleid. Wenn wir heute rückschauen auf diesen gestri- gen ersten Tag der nationalen Arbeit, auf diesen denkwürdigen ersten Mai, sv können wir wohl sagen und mit Freude feststellen, baß die badische Landeshauptstadt ihn würdig begangen hat. Noch nie hatte Kartsruhe sich iu solchem Festkleid präsentiert wie an diesem wundersamen Mai- morgen, der aus regenfeuchter Nacht leuchtend emporstieg. Der Wald war in die Stadt gekom- men, der grüne deutsche Birken- und Maien- wald und hatte ihr den Zauber einer festlich ge- schmückten Braut verliehen. Wohin das Auge blickte, überall leuchtete frisches Grün von allen Häuserfronten, vor allen Pforten, und dazwischen wehten tausend leuchtende Fahnen freudig dem Festtag entgegen. Es ist vielleicht das schönste an diesem schmuck- reichen Stadtbild gewesen, daß nicht nur dte prunkhafte Kaiserstraße allein sich in ein wahres Festgewand gehüllt hatte, sondern daß auch in den kleinsten und entlegensten Straßen überall willige Hnäde sich gefunden hatten und ein wah- res Maienwunder vollbracht hatten. Nicht das Zentrum der Stadt allein und nicht nur der Westen, nein, auch der Osten _bi» nach Dur lach hinaus, der ganze volkreiche Süden und selbst die tiefste Altstadt — und gerade sie — hatten sich zu diesem Tag der deutschen Arbeit ge- schmückt. Ein einziges Band der Festesfreude schlang sich durch die ganze Stadt Der Tag der Arbeit wurde geweckt durch Böl- lerschüsse und Choralblasen der Posaunenchöre von den Kirchtürmen und durch die Märsche der Kapellen der nationalen Verbände, die in den frühen Morgenstunden durch die Straßen mar- schierten. Von 8—9 Uhr schlössen sich die Gottes- dienst« in den evangelischen und katholischen Kir- chen an, die außergewöhnlich stark besucht waren. Dem Gottesdienst in der evangelischen Christus- kirche wohnte Reichsbeanstragter Robert Wagner an, bei dem Gottesdienst btt St. Stephanskirche war Kultusminister Dr. Wacker zugegen. Als- bald nach dem Gottesdienst wurde in sämtlichen Arbeitsdienstlagern von dem Lagerleiter ein Aufruf des Kommissars für Arbeitsdienst ver- lesen, worin zum Ausdruck gebracht wurde, daß Volk und Regierung auf die Arbeitsdienstwilli- gen mit Stolz blicke, da sie die Soldaten der Ar- beit seien. Auch alle Belegschaften versammelten sich in ihren Arbeitsstätten, wo der Betriebs- zellenobmann auf die Bedeutung des Tages hin- wies. Auch die Belegschaft des „Karlsruher Tag- blattes" hatte sich zu einer solchen schlichten Feier der Zusammengehörigkeit zusammengesun- den. Dann wnrde überall die Hakenkreuzfahne gehißt. Die Hitlerjugend hielt mit sämtlichen Schulen der Stadt im Stadtgarten eine besondere Feier ab. Der Raum vor der zur Festhalle führenden Frei- treppe war kaum ausreichend, die herbeigeströmte Jugend zu sassen. Gesolgsbannführer Haßmann sprach Begrüßungsworte. Nach ihm sprach der Sonderkommifsar für Jugendpflege und Jugend- bewegung, Kemper, anfeuernde und beherzigens- werte Worte an die Knaben und Mädchen und an die Lehrerschaft. Auf den Schultern der Jugend, so sagte er, ruht die Hoffnung Deutsch- lands. Die Jugend hat die Aufgabe, dafür zu sorgen, daß der Klassenkampf verschwindet. Für diese Aufgabe ist in erster Linie die Hitlerjugend ausersehen, in deren Reihen alle Stände ver- treten sind. Das Deutschlandlied und das Horst- Wesfel-Lied erklangen. Nach ihren Feiern in ihren Betrieben rückten um die 10. Vormittagsstunde unter klingendem Spiel und Gesang die geschlossenen Betriebszellen- organisationen aus Industrie, aus Gewerbe und Handel, die Beamtenschaften, die nationalen poli- tischen und wirtschaftlichen Organisationen und Verbände zum Schloßplatz vor, wo sie sich im in- neren Teil des Schloßhofes anreihten. Die mitl- lere Zufahrtsstraße zum Schloß war umsäumt von zwei dichten Fahnenreihen, unmittelbar vor dem Schloßportal stellten sich die studentischen Fahnen- abordnungen auf. gruppiert um die Hauptfachnen der SS., der SA. und des Stahlhelms. Längs des westlichen Flügels des Schlosses stand in Rech und Glied die Ehrenkompagnie der Schutzpolizei mit Stahlhelmen, an ihrer Spitze die Polizeimusik- kapelle. Den weiten Platz vor dem Schloß aber füllte eine tausendköpfige Sängerschar und in wei- tem Bogen über den ganzen Schloßplatz hinweg eine nach vielen Zehntausenden zählende Zu- schauermenge. vi« festliche Illumination des Karlsruher Schlosses am gestrigen Abend. Oer Staatsakt vor dem Schloß. Michstommissar Bovert Wagner spricht zu Zehntausend. Kurz vor 11 Uhr erschienen im Schlosse die Ad- ordnungen aus dem ganzen Lande, aus allen Berufsständen gegliedert, die gesamte Dozentenschaft der Karlsruher Technischen Hoch- schule und des Staatstechnikums, die Geistlichkeit beider Konfessionen, die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden, das Offizierskorps von Poli- zei und Gendarmerie. Vertreter der Wirtschaft, der Kunst und Wissenschaft, die zum Teil auch vor dein Portal Aufstellung genommen hatten. Als die ge- samt« badische Regierung das Schloß betrat, mit einem dreifachen Sieg-Heil begrüßt, kündeten drei Völlerschüsse den Beginn des Festaktes an. Im In- nern des Schlosses empfing Reichskommissar Ro- bert Wagner die Abordnungen, um sich dann mit den übrigen Mitgliedern der Regierung auf den Balkon des Schlosses zu begeben. Nach einem Musikstück und Begrüßungsworten trat Reichskommissar Robert Wagner an das Mikrophon und hielt eine oft von Beifalls- kundgebungen unterbrochene Ansprache. Er führte u. a. folgendes aus: „Ein Volk ist eine Gemeinschaft in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht. Eine solche Art von Gemeinschaft hat aber die geistig« Einheit zur un- erläßlichen Voraussetzung, wie überhaupt das Schicksal der Völker und ihrer Staaten immer und ewig nur auf dem Geistigen oder auf dem Welt- anschaulichen aufgebaut werden muß. Die geistige Grundlage des letzten Jahrhunderts, auf dem unser Volksschicksal und unser Staat aufgebaut war, ist das, was wir Marxismus nennen. Dieser hat die geistige Einheit aufgelockert, aufgelöst und unser Schicksal der Zerstörung ausgeliefert. Meine Freunde! Wenn wir einen glücklrcheren und auch gerechteren Staat aufrichten wollen, dann müssen wir in Ueberwindung alles dessen, was die Ge- zu- meinschaft auflösen oder zerstören konnte, uns fammenfinden zur willensmäßigen, zur geistigen, weltanschaulichen Einheit. Was sich in diesen Ta- gen in Deutschland ereignet hat, ist die Erhebung der KS Millionen Deutscher, ist die Erhebung aller schaffenden Stände und Berufe zur geistigen und willensmäßigen Einheit, zur politischen und wirt- schaftlichen Schicksals- und Kampfgemeinschaft, zur Nation! Und wenn unser Volk in den letzten 14 Jahren, ja in Jahrzehnten, in der Entfaltung seiner Kräfte gehemmt war, so sind heute die Ar- beiter der Stirne und der Faust einig und ihre sen Tagen noch nicht möglich war. das Einzelschick- sal zu verbessern und dem einzelnen das zugute kommen zu lassen, was er auf Grund seiner Ar- beit zu beanspruchen hätte, so sind doch die Voraus- setzungen dafür geschaffen. Denn das Einzelschick- sal ist abhängig von dem Schicksal der Gesamtheit. Stadt und Land und Stand und Beruf und jedsi einzelne vermögen nur zu bestehen, wenn das Ganze besteht und wenn das Ganze einig ist in dem Willen, sich hinzugeben an die Schicksals- gemeinschaft, an die Nation, wenn alle beseelt sind von dem echt deutschen Grundsatz: Einer für alle und alle für einen. Die Einigkeit der politischen Willensrichtung unseres Volkes, die in den Tagen der nationalen Erhebung zustande kam. sie hat trotz der Kürze der Zeit schon eine gewaltige Be- lebung unseres Wirtschaftslebens mit sich gebracht. Daraus merken wir. wie notwendig es ist. daß wir uns zusammenschließen zu einer einzigen großen deutschen Schicksalsgemeinschaft, und daß -vir Aulmarsch der Fahnenabordnungen beim Staatsakt. Augen sind auf ein gemeinsames Ziel gerichtet. Wenn je einmal die Voraussetzungen für eine glückhaste Zukunft unseres Volkes geschaffen waren, dann sind sie es in dieser gewaltigen Erhebung der nationalen Revolution. Und wenn es in die- uns durch nichts und niemand auf der Welt mehr trennen lassen. Was in diesen Tagen in Deutsch- land erstanden ist. ist nicht mehr das Deutschland der Vorrechte einzelner Klassen und Stände und Kasten, es ist das Deutschland aller schaffenden I. Di« Chargierten der Studentenschaft beim Staatsakt. — 2. Reich sfcoimmissar Wagner spricht vom Balkon des Schlosses. — 3. Die Polizei marschiert auf. — 4. Einmarsch des Festzuges in die SajaeMtraEte, _. ... ., CLeice-Photo' Albert Glock.) Die Vereidigung der neuen S.A.-Leute- Am Sonntag vormittag land auf dem Turnplatz hinter dem Scbützenhaus die feierliche Vereidigung von 400 neuen SA-Leuten statt, wobei Pfarrer Voges einen Feldgottesdienst albhielt und die neuen lj' 'K A ■% ^ * Fahnen segnete. Seite 4 Karlsruher Tagblatt, Dienstag, den 2. Mai 1933 Nr. 120 deutschen Menschen. Und die nationale Revolu- tion wird nicht eher aufhören zu kämpfen, bis das stanze 65 Millionenvolk von diesem Geiste der Einigkeit, von diesem Geiste des Dritten Reiches ergriffen ist. Wir gauben an unser Volk, wir glauben an den deutschen Idealismus der Ardeiter der Stirne und der Faust, und -das? aus diesem Glauben und aus gegenseitigem Verstehen und Vertrauen das Deutschland erstehen wird, das wir das Dritte Reich nennen. Der deutsche Arbeiter ist heute nicht mehr ein geduldetes Glied, er ist gleichberechtigt neben den Berufen der Arbeiter der Stirne, er ist unser Bruder un>d wir wollen seine Brüder sein und wollen zusammenstehen, weil das Schicksal es will und weil der Herrgott es will, daß wir ein Volk find, daß wir einem Staate dienen und einem Vaterland unsere Kräfte weihen. Wir wollen es am heutigen Tag, an dem die Wiedergeburt unseres Volkes so deutlich zum Ausdruck kommt wie nie zuvor, uns geloben, daß wir einig sein wollen in der Liebe zu unserem Volksganz^n, einig in unserem Kampfe für die Nation, in inse- rer Arbeit mud unseren Sorgen, in unserem Füh- len, Denken und Handeln. Wir wollen gelobin, daß wir herausheben wollen aus der Not und den, schweren Schicksal der letzten vierzehn Jahre das deutsche Volk, das deutsche Vaterland und den deutschen Staat. Zum Zeichen solchen Eelöbnlss'-s fordern wir Sie auf, mit mir einzustimmen in den Ruf: Das deutsche Vaterland als politische Kampf- gemeinschaft, als wirtschaftliche Arbeitsgemein- schaft, der Führer des deutschen Volkes ins Dritte Reich Adolf Hitler und der greise Präsident und Schirmherr Deutschlands Sieg-Heil!" Feierlich erklang aus taufenden und abertaufen- den von Kehlen das Deutschlandlied. Mit dem Horst-Wessel-Lied uyd drei Böllerschüssen fand der Staatsakt seinen Abschluß, die Hunderte von Be- triebsorganisationen marschierten mit ihren Fah- nen ab und während von allen Kirchtürmen der Stadt feierlich die Glocken erklangen, strömten all die Tausende, die den Schloßplatz und die Straßen rings umsäumt hatten, zurück in die von mittäg- licher Sonne strahlend erhellte, fahnengeschmückte Stadt. Oer Iestzug der Iünfzigtausend. Und wahrlich, es ist ein festliches Bild, das die Stadt an diesem Nachmittaa bietet. Die drohen- den s^ewitterwolken, die sich um die Mittagszeit zusammenzuziehen drohten, sind nun völlig verschwunden und haben einem sanften azurblauen Himmel Platz gemacht und strahlend schönem Frühlingssonnenschein. Erwartungsfroh drän- gen die Menschen Massen sich schon zu Beginn der vierten RachmittagSstundc, schon klingen die ersten flotten Marschweiset, auf. die Bataillone der Arbeit formieren sich. In ihren Betrieben, vor ihren Klubhäusern und Stammquartieren sammeln sie sich, bilden Kolonnen nnd Züge und iu strammem Marsch geht es durch die Straßen der Stadt. gen Westen, zum großen Sammel- platz am Mühlburger Tor. Dort stehen um diese Zeit schon Tausende von brauen und Müt- tern und Kindern, die ihre Männer. Väter und Sohne sehen wollen, wie sie festlich geschmückt in Reih und Glied sich einordnen zum größten und festlichsten Zug. den Karlsruhe ie gesehen. Polizei und HilsSpolizei haben alle Hände voll zu tun, um den drängenden Verkehr zu ordnen, um die einander überkrcuzendcn Trupps zu ihren Sammelplätzen zu weisen, um Bahn zu schassen für immer neu ankommende Scharen. Trommelwirbel: eine Truppe SA. Frohes Lied aus frohen Kehlen, das sind die Turner, die in weiften Hemden dahermarschiert kommen, mit nackten Armen und fruhlignsfrohen Gesichtern. In buntem Fahnenwald treten die Abordnungen der Studentenschaft an. Deutschlands Geistes- jngend. die nicht fehlen darf am Festtag ihrer Arbeitsbrüder. Alte Krieger treten auf, in strammem Marsch, die ernsten Mienen verklärt vom Strahl der Freude an neucrwachtcm solda- tis^em Geist. Und dann brandet es an. das Heer der Arbeit, in endlosen Kolonnen kommt es heran, füllt die weite Fläche der Kaiserallce, füllt die Plätze und Straßen ringsum mit Marschtritt und Gesang. Bis fast nach Mühl- bürg hinein und bis «n die Grenzen des stillen Hardtwaldes stehen sie und harren des Zeichens zum Abmarsch. Da! Drei Böllerschüsse dröhnen in die zitternde Luft. Mit einem Schlag be- ginnen die Kapellen zu spielen. Der Festzug der Arbeit marschiert! Wir stehen am Marktplatz, stehen auf dem festlich geschmückten Balkon der Dresdener Bank und der Blick reicht weit nach Westen und nach Osten,' aber so weit er auch reicht, er reicht nicht weit genug, um all die Tausende zu erfassen, die eng aneinandergepretzt ein wogendes Spa- lier bilden. Noch wimmelt es aufgeregt hin und her, doch jetzt, ganz von ferne ertönt Marsch- musik, das gibt einen Ruck in die Reihen der Wartenden, aller Köpfe wenden sich gespannt gen Westen nnd dann bricht der Jubel los. tan- send und abertausend Arme beben sich empor, aus tausend und abertausend Kehlen schallt den Marschierenden der Heil-Grus; entgegen. Keine Feder vermag die unerhörte Wucht und Größe, die äußere Buntheit und innere Geschlos- senheit dieses Ztiges auch nur annähernd *u schildern. Sie kamen in Sechserreihen und sie marschierten mehr denn zwei Stunden an uns vorbei. Sie kamen in Braun und Schwarz und Blau und Weiß, sie kamen in FesttagSgewändern und im schlichten Arbeitskittel, in buntem Dreß und in grauer Uniform, sie kamen in strammem Marsch und in schwebendem Schritt, sie kamen mit Trommeln und Pauken und mit frohem Sang, nnd kaum, daß unser Auge sie «m&t und gegrüßt, da waren sie schon unseren Blicken entschwunden und neue waren an ihre Stelle ge- treten und immer wieber neue, und es war kein Ende und doch konnte unser Auge sich nicht satt- sehen an ihnen und in Gedanken marschierten wir mit. Und wenn sie au der Tribüne vorbei- kamen, die eilfertige Hände im Schatten -der Pnramide errichtet hatten, dann faxten sie feste- ren Tritt und ihre Augen blitzten heller und freudig boten Mund und Hände den Hcil-Gruß. Denn dort stand Robert Wagner, jetzt nicht mehr Reichskommissar nur und nicht mehr nur Par- teimanu, sondern Volksgenosse und Arbeits- kamerad und Sinnbild jenes tatenfrohen. kam"f- freudigen Führertums, nach dem die Massen sich so lange gesehnt. Und dieser Vorbeimarsch war keineswegs nur eine eitle Parade, es war ein Gelöbnis: so wie an diesem festlich-schönen Maientag. so auch in den kommenden Tagen und Monaten und Jahren dem Führer zu vcr- trauen und in Einigkeit und (beschlössenheit vor- wärts zu marschieren in eine bessere glückhaftere Zukunft. Dein Chronisten obliegt es n-un, diese Einheit aufzulösen und zu gliedern in ihre einzelnen Bestandteile, um auch jenen, die nicht dabcr waren, ein Bild von diesem Karlsruher Festzug des 1. Mai zu vermitteln: ach. es waren ihrer allzuviel? und leicht könnte das eine oder andere dein Gedächtnis entschwunden sein, aber wenn ihr nun vielleicht auch uicht alle hier schwarz auf weiß fein säuberlich benamst seid, gesehen haben wir euch alle und zumal jene, aus die es euch ankommt, die haben enchsicherlich gesehen und erkannt, und das ist ja die Hauptsache. Also: Ein Trommlerkorps eröffnet den Reigen. Es solgeu geschmückte Wagen mit Kriegsbeschädig- ten, die Ehrenpflicht der Dankbarkeit hat ihnen einen Ehrenplatz gesichert. Auf stolzen Nossen berittene Polizei. Polizeikapelle, eine Ehren- kompaguie, sodann, stürmisch begrüßt, die Re- gierung mit Reichskommissar Robert Wagner nnd den Ministern Köhler nnd Dr. Wacker an der Spitze: sie verlassen am Marktplatz den Zug und begeben sich auf die Tribüne, an der die Kolonnen jetzt vorbeidefUiereu. Än ihrem Gefolge die Ehrengäste. Kaum haben sie aus der Tribüne Platz genommen, da marschiert ein Sturm SA an, eine Polizeikompagnie folgt. Die Reitervereine von Karlsruhe, Daxlauden und Knielingen bilden den festlichen Beschluß dieses ersten Zugteils. Jetzt kommt der Zug der Arbeit: die NSBO und die Abordnungen der Betriebe. Eisenbahn- ausbesserungswerk, Badenwerk mit einem hüb- sche Werbewagen, Karlsruher Lebensversicherung, Berka. Junker u. Ruh, Steffelin und das Transportgewerbe, Schrempp-Printz, Fach- gruppe Kleingewerbe, das Staatstbeater mit einem Gaftsptelwagen, Hochbauamt. Münzstätte. Schloßgarten-Verwaltuug, Elektrizitätswerk, Straßenbahner, Schlacht- und Viehhof. Tief- bauamt, Sparkasse, die Betriebszelle Hochschule, die Firmen Schneyer, Pfannkuch, Knopf, Wolfs it. Sohn. Wasser- und Straßenbau. Arbeitsamt, Gartenamt. „Badische Presse", .Karlsruher Tag- blatt", Telegraphenbauamt, Kraftwerk, zum Schluß, ein bunter und festlicher Abschluß, die Meinschiffahrt mit den Dahnen der Karlsruher Schiffahrtsfirmeu. Jubelnd empfangen leitet die gesamte SA. den dritten Zugteil ein. Der Arbeitsdienst des Stahlhelm folgt, dann mit ihren Fahnen die Ab- ordnuugeu der studeutischeil Korporationen und des Staatstechi'.ikums. Die Schülerkapelle. Die Hitlerjugend. Die Amtswalter der NSDAP. Die Stahlhelmkapelle. Der Stahlhelm. Der Reichsbund der Kriegsopfer, NS-Äerzte. Sani- täter, BDA., Baumeisterbund, NS.-Bcamteu- schaffen, die Postbeamten, Zoll nnd Steuer, Reichsbahn mit ihren Unterabteilungen, der Reichsbahnschutz, die Fcuerwehrkapelle, die Forstbeamten mit einem wunderschönen Wa- gen . . . Da, als eben das Landesgewerbeamt am Marktplatz erscheinen will, steigt dröhnend eine Rakete gen Himmel. Es ist 7 Uhr: d i e Minute des Tvteugedenkens. Und jetzt geschieht das schier unfaßbare, das Wunder dcut- scher Disziplin: Sekunden sind kaum vergangen, noch schwebt der Raketenrauch über dem Rat- haus, da steht schon der eben noch jubelnd mar- schierende Zug wie angewurzelt still, da schweigt die eben noch tobende Menschenmasse wie das Grab. Die Helme, Mützen und Hüte senken sich, die Hände heben sich zum Gruß. In einer feier- lichen Minute gedenkt das arbeitende Deutsch- land seiner Toten. Tann aber, wie nach eis- starrem Winterschlaf der Frühling jubelnd sich Bahn bricht, so bricht jetzt aus Tausend und Abertausend Kehlen ein tosendes hoffnuugS- frohes Heil! zum Himmel empor. Der Marsch geht weiter! Die Versicherungen, das Rathaus, die Stra- ßenbahn, DHB., GDA., Christliche Gewerkschaf- ten, Bund reifender Kauflcute. Katholische Ge- sellenschast, evangelische Jugend. Dann die Sportvcrbände, die Schwerathleten und Boxer, die Fnßballer, Kegler, Radler:, Schwimmer und Ruderer, die Luftfahrtvereine, die Turner, die katholische Sportjugend. Die Feuerwehr mit alten Geräten, die Schützen. Krieger- und Kyff- Häuserbund. TOB.. VDA., Trachtenvereiue. Die Sänger mit ihren Fahnen. Und dann das Hand- werk und Gewerbe, mit all seinen Organisatio- nen und Innungen, mit den alten Zunftfymbo- len und mit einer Unzahl prächtiger Wagen, die jedem einzelnen die unschätzbare Bedeutung des edlen deutschen Handwerks sinnfällig vor Augen führten. Schon über zwei Stunden dauert der Vorbei- marsch. Es ist schon acht Uhr geworden. Die Regierung verläßt ihren Platz und begibt sich zum Schloßplatz. Von allen Seiten fluten die Massen herbei, um Zeuge der Uebertragung der großen Berliner Kundgebung zu sein. Noch marschieren die Technische Nothilfe und die SS, in strammen Marsch über den Marktplatz, da erdröhnen schon die drei Böllerschüsse, die den Beginn der abendlichen Kundgebung aus dem Schloßplatz ankündigen. Der größte und feier- lichste Festzug, den Karlsruhe je gesehen, ist be- endet. Auf dem Schloßplatz hatten um die achte Abendstunde nicht nur die Fünfzigtausend des Festzuges Ausstellung genommen, nein, noch Tausende und Abertausende waren hingeeilt u. füllten den großen Platz bis weit in seine Zufahrtsstraßen. Unter atemloser Spannung erfolgte die Uebertragung der großen Kun&gobutg auf dem Tempelhofer Feld in Berlin. Dann brachte Reichskommissar Wagner ein dreifaches Sieg-Heil auf Deutschlands Führe aus, in oas die Menge jubelnd einstimmte. Das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied erschollen zum nachtdunklen Himmel empor, dann flammten hunderte von Glühbirnen im weiten Schloßplatzgelände auf. Scheinwerfer glitten über die Menge, mächtige Hakenkreuze strahlten aus der Finsternis bervor. Es war ein zauberhaftes Bild, ein würdiger Ab- schluß des großen Tages. Noch bis in üie spate Nacht hinein marschierten die Kolonnen der Ar- beit durch die Straßen der Stadt, zurück aus oem Festtag zum Alltag deutscher Arbeit. Akademische Festakte. Die Technische Hochschule Die Technische Hochschule feierte den Tag der nationalen Arbeit durch einen Akademi- schen Festakt. Nach feierlichem Einzug des Lehr- körpers in Amtstracht und der Chargierten der Verbindungen in Wichs unter den Klängen des vom Akademischen Orchester gespielten Hohenfried- berger Marsches hielt der neu gewählte N e k- tor Prof. H. Kluge eine reichgegliederte. ge- dankenhaltige u. bekenntnishafte Ansprache. Er versichert die infolge der Neuordnung zurückge- tretenen Herren von Rektorat und Senat des Dan- kes der Hochschule für ihr Wirken, insbesondere dem ausscheidenden Professor Dr. Karl Holl, der durch die Schöpfung des Studentenhauses und durch seine Leitung des Studentendienstes sich große u. dauernde Verdienste erworben hat. Das «nach völkischem Programm u. dem Führerprin- zip aufgebaute Studentenrecht und die neue Hoch- schulverfassung erfuhr mit ihrer Aufgabenerweite- rung, die der nationalen Erneuerung gemäße Ausdeutung. Professor Kluge wandte sich dann den Aus- gaben des Akademikers im neuen Staate zu und bat, da nunmehr die Gleichschaltung durchgeführt worden sei, von Einzelaktionen Abstand zu nehmen. „Lassen Sie uns", so schloß S. Magnifizenz, „in einer starken Front zusammenstehen. Es gibt keine andere Parole als: Mit Hindenburg und Hitler." Dem Hoch auf den Reichspräsidenten von Hinden- bürg und den Reichskanzler Hitler folgte die ge- meinsam gesungene erste Strophe des Deutschland- liedeS. Der Führer der Karlsruher Studenten- schaft in brauner Uniform mit Friesenband da- rüber. stud. Masson, wiederholte das Bekenntnis der Magnificenz und betonte die Tatbereitschaft der Studierenden. Wiederum erscholl ein Hoch auf die beiden Führer des Vaterlandes, woran sich das Horst-Wessellied schloß. Die Regierung war durch Oberregierungsrat Professor Dr Asal, die Stadt durch Oberbürgermeister Dr. Finter und Bürgermeister Schneider vertreten, die Reichspost durch Oberpostpräsident Schlegel. Auch das Gtaatsiechnikum veranstaltete am Montag vormittag einen schlich- ten Festakt, in dessen Mittelpunkt eine Ansprache des Direktors Dr. Jng. Krauth stand, der vor allem auf die innige Verbindung zwischen Hand- I. Asaikeier 6er Belegschaft der Daimler-Benz A.-G. Gaßgenau. f. Der Tag der deutschen Arbeit wurde hier durch das Antreten der Belegschaften vor den Betrieben um 7.20 Uhr begonnen. In beiden Werken wurden Ansprachen gehalten, in dem der Benzwerke durch Direktor Jungen- f e l d und Ortsgruppenführer der N.S.B.O. Machowfki, im Eisenwerk durch Direktor Dr. v. B l a n g u a t, sowie durch den Borsitzen- den des Betriebsrates Müller. Auf beiden Werken wurde die Hakenkreuzfahne gehißt. Nachmittags fand ein großer Umzug statt, an welchem sich sämtliche Vereine beteiligten. Der Festzug bewegte sich durch die festlich geschmück- ten Straßen der Stadt, sowie durch Ottenau und Rotenfels mit dem Endziele „Jahnhalle". Dortselbst fand abends Uebertragung der Rede des Reichskanzlers, sowie großer Zapfen- st r e i ch statt. Nach dem Festspiele „Heil Hitler" unter Mitwirkung des Orchestervereins verteilten sich die Festteilnehmer in die ver- fchiedenen Säle der Stadt zum Festausklang. arbeit und Geistesarbeit hinwies, die gerade im Staatstechnikum erfolge,' gerade aus dieser Kennt- nis der Bedeutung auch des geringsten Arbeiters für die Gesamtheit erwachse das Verbundenheit?- gefühl des Technikers mit dem Arbeiter. Nicht die Technik sei schuld an der heutigen Not, sondern nur die falsche Anwendung der Technik. Der 1. Mai solle und werde der Tag fein, an dem wir aus den Fehlern der Vergangenheit lernten; man dürfe das Vertrauen zu den Führern des Volkes haben, daß sie es wieder aus der Not herausführen. Auch diese Feier war umrahmt von musikalischen Darbietungen und schloß mit dem Deutschland- und dem Horst-Wessel-Lied. Oer Kurzstrecken-Fahrschein bei der Karlsruher Straßenbahn den wir schon lange gefordert, dessen Einführung wir seinerzeit sehr begrüßt und dessen Abschaf- fung wir dann lebhaft bedauert haben, erfreut sich seit Freitag wieder allgemeiner Beliebtheit. Viele Fahrgäste waren angenehm überrascht, als sie statt 20 nur noch 15 Pfennig bezahlen muß- 7. onon wegen Verteilen? von kommunistischen Handzetteln, ferner eine Person wegen Diebstahls. Wetternachnchiendienst der Badischen Landeswetterwarte Karlsruhe. WettcrauSsichte« für Mittwoch, de« 8. Mai: Meister heiter und vorwiegend trocken, mäßig warm bei östlichen Winden. Rheinwasserstände, morgens 6 Uhr. WaldSlwt, 2. Mai: 256 cm: 1. Mai: 232 cm. Rbcinfcldcn, 2. Mai: SR cm; 1. Mai: 216 cm. Ureilach, 2. Mai: 120 cm; 1. Mai: 122 cm. «cfil, 2. Mai: 283 cm: 1. Mai: 223 cm. Maxau. 2. Mai: 885 cm: 1. Mai: »74 cm; mittag» 12 Ubr: 377 cm; abends 6 Uhr: 881 cm. Mannheim, 2. Mai: 240 cm; 1. Mai: 234 cm. Cvaub, 2. Mai: 140 cm; 1. Mai: 135 cm. Kein andrer Malzkaffe e hat eben das feineiroma des Kathreiner!