Moniag, 24. Dezember -1956 -1S4. Jahrgang Rr. 353 Karlsruher Tagblatt Bezugsbedingungen, Bezugspreis: monatlich durch Träger 2.— RM. einschließlich Trägerlohn, durch die Post L.— RM. (einschl. LS Rpf. Postbeförderungsgebühren) zuzüglich 42 Rpf. Be» stellgeld. In der Geschäftsstelle oder den Zweigstellen ab» geholt 1.70 RM. Bei Nichterscheinen der Zeitung infolge höherer Gewalt hat der Bezieher keinen Anspruch auf Nachlieferung der Zeitung oder Rückerstattung deS Bezugspreises. Abbestellungen können nur bis zum 25. eine» ieden Monat» erfolgen. Karlsruher Zeitung für Kultur und Wirtschaft Badische Morgenzeitung Amtsblatt für die Bezirke Karlsruhe Stadt und Land, sowie für den Bezirk Bruchsal Gegründet 1756 Einze lverkaufSpreiS: Merktags 10 Rpf.» Sonn» und Feiertags IS Rpf. — Anzeigenpreise: lt. Preis- liste Nr. S: die 22 mm breite Millimeterzeile 6 Rpf.» die 68 mm breite Textzeile 3g Rpf. Nachlaß nach Staffel B. Ermäßigungen lt. Preisliste. Für die Ausführung von Anzeigen-Aufträgen gelten die vom Werberat erlassenen „Allgemeinen Geschäftsbedingungen". Gerichtsstand und Erfüllungsort: Karlsruhe. Geschäftsstelle: Karl-Friedrich- Straße 14. Fernsprecher Nr. 26, Postscheckkonto Nr. 8818 Krise in der spanischen Ziotsront Azana von seinen „Freunden" verhastet? / X Salomonen, 21. Dezember Der nationale Rundfunksender teilt mit, daß der Oberhäuptling der sogen, spanischen Sowjetrepublik, Azana, in einer Unter- rednng mit dem katalanischen „Regierungschef" den Wunsch geändert habe, sich wegen seines „zunehmend schlechten Gesundheitszustandes" für »einige Monate" von allen poetischen Geschäften zurückzuziehen. Im Sender von Sevilla teilte General Llano mit, daß nach einer ihm aus Barcelona zn- gegangenen Mitteilung Azana gefangen gesetzt worden sei. Nach hier vorliegenden Berichten aus Ma- laga und Jaen sind dort sämtliche Lebens- mittelvorräte erschöpft? Fisch bildet die ein- zige Nahrung der Bevölkerung. Die verzwei- felte Lage, in der sich die kommunistisch- anarchistischen Steigbügelhalter befinden, geht u. a. aus der Weigerung der roten Milizen hervor, an die Front zn gehen, wenn nicht vorher LebensmitteltranSporte zusammen- gestellt sein würden, die sie begleiteten. Da das Sowjetkomitee diesen Forderungen nicht zu entsprechen vermag und die Lebensmittel- Versorgung aus Sowjetrnßland seit einiger Zeit ins Stocken geraten zu sein scheint, be- steht die Möglichkeit blutiger Auseinander- fetzungen im Bolschewistenlager. Durch einen scharfen Erlaß hat die „Regie- rung" in Santander die Zugehörigkeit zu nichtsantanderischen Milizen verboten, um die Flucht wehrfähiger Männer unter dem bisher viel angewendeten Vorwand, sich in baskischen Milizen einreihen zu wollen, zu vereiteln. Die Verlautbarung des sogen. Madrider „T5erteidign«gskomitees", das infolge der Nie- derlagen der Roten an der Front von Madrid mehrere Aen-derungen in den Kommandostellen hätten vorgenommen werden müssen, hat nach Mitteilung des nationalen Senders Sola- manea Anlaß zu Schießereien zwischen An- gehörigen der roten Milizen gegeben. Ueber den kommunistischen Sender Union Radio in Madrid sprach der Sekretär der „marxistischen Einheitspartei" über die Lage der Landwirtschaft, die er als täglich kritischer werdend bezeichnete. Der Redner brandmarkte unter Hinweis auf das „Ansehen der legalen Regierung" das schädigende Verhalten disziplinloser Gruppen, die den Bauern die «aat, die Ernte nnd nicht zuletzt die Ersparnisse raubten. Dadurch würde unter der Agrarbevölkc- rung ein „aufständischer Geist" hervorgerufen werden. Der Redner forderte schließlich von der „Regierung" energische Maßnahmen, um diesem zügellosen Treiben ein Ende zu be- reiten. In der mit ziemlichem Pathos vor- getragenen Rede wurden die Plünderer „Diebe, Ausbeuter und ehrlose Kanaillen" ge- nannt. In einer vom gleichen Sender bekannt- gegebenen Mitteilung des Anarcho-Syndika- Erdbebenkatastrophe in Mittelamerika Bisher über 1000 Tote geborgen O Nenyork, 21. Dezember Wie die Morgenblätter melden, wnrde in der letzte« Nacht die Stadt San Vincente i» der Republik Sa« Salvador in Mittel- amerika vo« einem schweren Erdbeben heimgesucht. Gleichzeitig machte der Vulkan Santarita einen Ansbruch. Die «tadtSan Vincente, die SO 000 Einwohner hat, wnrde fast gänzlich zerstört. Ueber 1000 Tote fl«d »ach de« Berichten der Morgenblätter be- reits geborgen. Die Zahl der Verletzten soll in die Tausende gehen. Auch die Städte und Ortschaften Tepetion, Apastpeqne, Verapaz, «an Sebastian, «an Cayetano und Tecoluca wurden von dein Erd- beben betroffen und teilweise zerstört. Da die Katastrophe sich nachts ereignete und die Licht- leitungen bei den ersten Stößen bereits rissen, entstand in den Unglücksgebieten eine große Verwirrung. Die Flüchtlinge fielen teilweise in Erdrisse oder wurden von einstürzenden Häusern begraben. Berstende Wasserrohre er- höhten das Durcheinander. Man befürchtet den Ausbruch von Seuchen, da das Wasser sehr knapp ist. listischen Ärbeiterverbandes wird festgestellt, daß bei der Verbandsleitung ständig An- zeigen wegen des mit den Gesetzen nicht in Einklang zu bringenden Verhaltens der Ver- bandsmitglieder einliefen, die unter dem Vor- wand wohltätiger Zwecke Gelder von der Bevölkerung erpreßten. Die Lebensmittelversorgungsstelle i» Bar- celona ist von der „katalanischen Regierung" angewiesen worden, in Anbetracht der zuneh- menden Ernährungsschwierigkeiten die auf den Lebensmittelkarten festgesetzten Rationen zn kürzen. Die anarchistischen Machthaber haben ferner beschlossen, die Konzentrationslager in Kata- lonien ansznbanen und neue anzulegen, da die bisher zur Verfügung stehenden Gefäng- «issc nicht mehr ausreichen, nm die vielen täglich von den Volksgerichten Verurteilten aufzunehmen. Die neuekommunaleGesetzgebung Reichswanderergeseh, Zweckverbandsgesetz, Kreisordnung kommen ):( Berlin, 20. Dezember Reichsminister Dr. Frick erklärte zur Real- stenerreform, daß sie das gesamte Steuer- system klar und übersichtlich gliedere. In der Ueberlassung der Gewerbesteuer an die Ge- meinden kommt die enge Verbundenheit der Gemeinden mit der örtlichen Wirtschaft zum Ausdruck. Das Interesse, das die Gemeinden an der Erhaltung dieser Wirtschaft haben müssen, soll sie zu einer sparsamen und ge- snnden Anfgabenpolitik veranlassen. Die Re- formgesetzgebung wird zwangsläufig zu eiuer Vereinheitlichung des Aufgabenkreises der Gemeinden, der in den einzelnen Ländern noch sehr verschiedenartig abgegrenzt ist, führen. Die finanzielle Gesundung der Gemeinden habe auch 1!M weitere erfreuliche Fortschritte gemacht. Nach wie vor besteht der Zwang zur Sparsamkeit ans allen Gebieten. Alle Auf- gaben, deren Leistung sich nicht als wirklich lebenswichtig für das deutsche Volk erweist, müssen zurückgestellt werden. Mittel, die durch Mehreinnahmen verfügbar werden, sind in erster Linie zur Auffüllung der Rücklagen und zur verstärkten Schuldentilgung zu verwen- den. Außerordentliche Aufgaben müssen, soweit sie nicht überhaupt zurückgestellt werden kön- nen, grundsätzlich aus eigenen Mitteln der Gemeinde bestritten werden. Auf den Hinweis, daß die Besserung der Finanzlage der Gemeinden doch wohl iveit- gehend damit zusammenhänge, daß die Wohl- fahrtslasten mehr und mehr gesunken seien, stellte Reichsminister Dr. Frick fest, daß seit der Machtübernahme von den Gemeinden auf dem Gebiet der öffentlichen Fürsorge mehr als rund VA Milliarden eingespart worden seien. Die nationalsozialistische öffentliche Für- sorge habe sich weit schärfer als früher gegenüber arbeitsscheuen nnd gcmcinfchaftsschäd- lichcn Elementen verhalten. In diesem Sinne wird wohl in absehbarer Zeit ein Reichs- wanderergefetz ergehen, durch das eine grüud- lichc Säuberung der Landstraßen von Land- streichern erreicht wird. In organischer Fortentwicklung der deut- scheu Gemeindeordnuna werde zunächst das Zweckverbandsgefetz folgen müssen, das den Zusammenschluß der Gemeinden zur Durchführung gemeinsamer Aufgaben regele. Als weiterer Baustein komme eine deutsche Kreis- ordnnng, für die gleichfalls schon vorbereitende Arbeiten . eingeleitet seien. Nach der Rücklagenverordnung solle das Haushalts-, Kassen- und Rechnnngsrecht und später das Prüfungswesen näher geordnet werden. Frankreichs ».Moskaus Nichteinmischung' Oas modernste französische Kanonenflugzeug für Sie spanischen Roten X Paris, 21. Dezember Das „Echo de Paris" teilt an anffälliger Stelle ans der ersten Seite mit, daß Luftfahrt- minister Pierre Eot das neueste franzö- kifche KanoncnslnWfteug „D 310" an di» spanische« Bolfchewiften geliefert habe. Der Apparat sei am vergangenen Sams- tag von einem französischen Flieger, dessen Namen das Blatt ebenfalls bekanntgibt, nach Barcelona gebracht worden. Es handele sich um das «eneste Modell von Devoitine, das mit einer 20-mm-Kanone nnd vier Ma- fchinengewehren ausgerüstet sei. Bis heute habe es noch nicht einmal in der fron- zösifchen Armee Verwendung gefunden. (!) Es gebe überhaupt erst zwei Apparate deS gleichen Modells,' der zurückgebliebene werde zur Zeit in der Technischen Abteilung des Luft- fahrtministeriums geprüft. Das „Echo de Paris" fordert den französischen Luftfahrt- minister auf, die Meldung zu dementieren, wenn er dazu in der Lage sei. # London, 21. Dezember. Englische Bolschcwistensrennde haben, ivie in dem Labour-Party-Blatt „Daily Herald" ohne irgendwelche Beschönigung zn le'en ist, den Fischdampfer „Mino" gechartert. Er soll am Mittwoch mit sechs Lastkraftwagen und 100 Tonnen Nahrungsmitteln an Bord von Southampton nach Valencia abgehen. Sowjetrussische Kriegsschiffe ins Mittelmeer # London, 21. Dezember. Wie der „Daily Expreß" ans Warschau mel- det. sind am Sonntag von Odessa ans acht sowjetrnfsische Unterseeboote, drei Torpedo- boote und zwei Zerstörer nach dem Mittelmeer in See gegangen. Sie sollen den Befehl erhal- te« haben, das Feuer zu eröffnen, falls irgend- ein fowjetrnssifches Schiff im Mittelmeer von Kriegsschiffe« der spanische« Nationalregierung angehalten oder durchsucht werde. Kronpriuz Umberto von Italien traf in Kassel ein, wo er dem Oberpräsidenten Prinz Philipp von Hessen nnd feiner Gemahlin, Prinzessin Mafalda, einer Schwester des Krön- Prinzen, einen Besuch abstattet. Der Krön- prinz bleibt einige Tage in Kassel. * König Georg VI. hat den Rang eines Groß- admirals, eines Generalfeldmarfchalls nnd eines Marschalls der Luftwaffe angenommen. * Der englische Schatzkanzler Neville Cham- berlain ist infolge einer Zahnoperatio« ans Bett gefesselt. Er wollte bekanntlich noch vor Weihnachten etwa zwei Wochen nack Frankreich gehen, nm Befnche französischer Politiker in England zu erwiedcr«. * Der französische Außenminister Delbos wird am »1. Dezember, anläßlich der Einweihung eines Gefallenendenkmals in Chsteanroux, eine außenpolitische Ansprache halten, die von allen Rundfunksender« verbreitet werden wird. * Als Ergebnis der polnifch-französische« An- leiheverhandlnngen wnrde der polnische Fi«anzniinister znr Anfnahme langfristiger Anleihe« i« Frankreich bis zur Höhe von 1,330 Milliarden Franken jalso etwa 310 Mill. Zloty) ermächtigt. Alle Eingänge aus den An- leihen find für die Verteidigungszwecke des Staates bestimmt. * Der englische Außenminister Eden wirb seinen Weihnachtsnrlaub in Borkfhire verbrin- gen. Er ist jedoch jederzeit erreichbar. Der türkische Außen«,inister Rüfchtü Aras ist aus Genf in Monte Carlo eingetroffen, wo er eine Unterredung mit Tituleseu hatte. Er begibt sich von dort nach Paris und wird hier einen Meinungsaustausch mit der französische« Regierung wegen des Sandfchaks von Alxan- drette pfleg?«. * Die Interamerikanische Friedensficherungs- konferenz in Buenos Aires beschloß den Zu- fammenfchluß z« eine«, amerikanische« Staatenverband zu empfehlen. Die Gründung eines solche« Verbandes soll a«s die Tagesordnung der achten Konferenz i« Lima gesetzt werden. Auch-„Freiwillige" Moskau schickt weißgardistifche Rückkehrer auf die spanischen Schlachtfelder In den russischen En-igrantenkreisen in Frankreich wird seit Jahren von bolscheivisti- fchen Agenten eine lebhafte Werbeaktion für „Rückkehr nach Rußland" betrieben. Mehr als einmal war die Rede von einer umfassenden Amnestie für ehemalige „Weißgardisten", 'alls diese ihren „Irrtum" bekennen und sich dem Sowjetstaat bedingungslos zur Verfügung stellen würden. Viele, die auf solche Verspre- chnngen hereinfielen, haben ihre Vertrauens- seligkeit mit dem Tode gebüßt. Trotzdem wird die Möglichkeit einer Rückkehr nach Rußland von den russischen Emigranten nach wie vor lebhaft diskutiert. Die verzweifelte Lage vieler dieser Emi- granten macht sich neuerdings Moskau zu- nutze, indem es Transporte von Rückkehrern Geborene studierte in München, Freiburg und Berlin. 1836 über- nahm er die Leitung der Ausgrabungen in Priene, ein Jahr später wurde er der deut- schen Botschaft als wissenschaftlicher Beirat attachiert. Er übernahm dann die Leitung der Ausgrabungen von Milet (1899) und Samos (1910) »nd wurde 1912 als 1. Direktor der Staatliche» Museen nach Berlin berufen. Im Juni 1928 nahm er die deutschen Ausgrabun- gen in Pcrgamon wieder aus, mit denen sein Name immer verknüpft bleiben wird. Im Ok- tober 1930 konnte er noch das von ihm geschaf- fene antike Architektur-Museum in dem neuen Pergamon-Museum der Oessentlichkeit über- geben. 1932 wurde er zum Präsidenten des Archäologischen Neichsiustituts ernannt. In der Badischen Gesellschaft für Münzkunde zu Karlsruhe sprach Dr. Wielandt über „Biblische Medaillen des 16. Jahrhunderts aus Deutschland" und legte dabei eine Reihe schöner Stücke aus den« Badischen Münz- kabinett vor, die alle der sächsisch-böhmische» Medaillengruppe angehören. Besonders er- freute dabei neben den ansprechenden Arbeiten eines Ulrich Gebhart, Conz Welz und der na- menlosen Meister — des mit der ausgeschweif- ten Cartouche und des Meisters der Abend- mahlmedaillen — und der Besichtigung ihrer graphischen Vorlagen «Holzschnitte H. S. Behams, und H. Holbeins d. I.) ein geprägtes Original von Hieronymus Magdeburgers ^Kveuzigungsmedaill«. Nr. 353 Karlsruher Tagblatt, Montag, ben 21. Dezember 1938 Seite 3 Ltm den Michsbundpokal Baden schlägt Westfalen 3:2 (1:1) In der Dortmunder Kampfbahn „Rote Erde" hatten sich zum Pokaltreffen zwischen Westfalen und Baden nur 6000 Zuschauer eingefunden. was wohl in erster Linie aus das Fehlen der bekannten Schalker Spieler in Westfalens Elf zurückzuführen war. Bei gutem Wetter sah man ein schönes Spiel, das von der badischen Elf erst nach hartem Kampf mit 3:2 Treffern gewonnen wurde. Während die Westfalen in der angekündigten Aufstellung an- traten, hatte Baden in letzter Stunde noch die beiden Waldhofspieler Siffling und Schwender durch Lutz lVfR Mannheim! und Rau (1. FC Pforzheim) ersetzen müssen, so daß sich dem Schiedsrichter Rühle Merseburg), der übrigens ganz ausgezeichnet leitete, folgende Spieler stellten: Westfalen: Stein,' Timpert 1, Schweißfurth,' Matzmeier. Przetak, Andreas? Timpert 2, Wal- den 1, Socha, Sylla, Gockel. Bade«: Drayß: Konrad, Rau,' Leupold, Kamenzin, Heermann: Langenbein, Fischer, Lutz, Schneider, Striebinger. Die Westfalen fanden sich zuerst und lagen ständig im Angriff, wobei sich vor allem die beiden Flügelstürmer durch schnelle und ge- fährliche Vorstöße hervortaten. In der badi- schen Els klappte das Zusammenspiel noch nicht recht und so hatte Westfalen bis zur Pause immer etwas mehr vom Spiel. Badens Ab- wehr mutzte schwer arbeiten, um naheliegende westfälische Erfolge zu verhindern. Von seiner besten Seite zeigte sich vor allem Torhüter Drayß, dem allerdings auch wiederholt das Glück lächelte. Zehn Minuten vor der Pause siel dann Westfalens Führungstor. Den Flan- kenball Gockels ließ Drayß fallen und Mittel- stürmer Socha schoß blitzschnell ein. Kurz vor dem Seitenwechsel gab es dann einige gefähr- liche Angriffe des Badner Sturmes und Mit- telstürmer Lutz brachte auch den Ausgleichs- treffer an. Vier Minuten nach der Pause lag Baden wieder mit einem Treffer im Rückstand, nach- dem Drayß abermals einen Flankenball Gockels nicht festgehalten hatte. Wieder war der Mit- telstürmer Socha der Torschütze. Nun hatte aber Westfalen sein Pulver verschossen und Baden gestaltet das Spiel immer überlegener. Langenbeins Flankenläufe waren stets eine große Gefahr für Westfalens Tor und nach viertelstündigem Spiel konnte auch Fischer nach guter Zusammenarbeit auf der rechten Seite den Ausgleich herstellen. Eine Viertelstunde vor Schluß schoß dann Lutz eine feine Kom- bination mit dem dritten Treffer ab, der den Sieg bedeutete. Baden war bis zum Schluß klar überlegen und hatte wiederholt Gelegen- heit das Ergebnis noch deutlicher zu gestalten. Der Sieg Badens war auf Grund der in der zweiten Halbzeit gebotenen Leistungen nicht unverdient. Die Hintermannschaft war in der ersten Halbzeit reichlich unsicher, später spielte sie aber ganz hervorragend. In der Läuferreihe entsprach Kamenzin nicht ganz den Erwartungen, dagegen war Leupold ganz ausgezeichnet. Der Sturm kam auch erst spät auf Touren, stellte dann aber sein Können recht nachdrücklich unter Beweis. Lutz war ein guter Sturmsührer, ebenso verdienen seine Nebenleute ein Lob. Bei den Westfalen waren ebenfalls die hin- teren Reihen recht stark, lediglich Torhüter Stein war etwas neroös. Sehr gut war der Innenstürmer Sylla, aber auch Mittelstürmer Socha machte seine Sache ausgezeichnet. Niederrhein schlägt Mitte 3:1 In der Mitteldeutschen Kampfbahn zu Er- furt wohnten gegen 15 000 Zuschauer dem Reichsbundpokalspiel zwischen Mitte und Nie- derrhein bei. Die Rheinländer, die ebenso wie di« Einheimischen in der angekündigten Aufstellung spielten, siegten mit 3:1 Treffern zwar durchaus verdient, aber der Sieg kam doch auf wenig überzeugende Art zustande. Die Gastgeber hatten das Pech, ihren vorzüg- lichen Halblinken Reinmann, der sich einen Nasenbeinbruch zuzog, schon nach viertelstüu- digem Spiel zu verlieren. Sie mußren also den Rest der Spielzeit mit zehn Spielern durchstehen. Die Mitte-Els begann recht vielversprechend und setzte die Niederrhein-Hintcrmanuschaft mit Abromeit, Ianes und Busch gleich unter schärfsten Druck, wobei der Niederrhein-Hüter recht unsicher wirkte. Erst als Reinmann bei Mitte ausschied, kamen die Gäste besser auf. aber erst eine Minute vor der Pause glückte ihnen durch Günther im Nachschuß das Füh- rnngstor. Nach Wiederbeginn wurden die Rheinländer klar überlegen, aber der Sturm war sehr schwach und konnte eine ganze Reihe von gu- ten Torgelegenheiten nicht auswerten. In der 25. Minute fiel bann endlich durch einen Bombenschuß Mehls das zweite Tor. aber als der Verteidiger Busch wieder einmal allzu hart dazwifchenfuhr und «inen Freistoß ver- ursachte, holte Mitte durch Kopfball Werners ein Tor auf und die Gäste mußten erneut um den Sieg bangen. Erst zwei Minuten vor Schluß ging Albrecht an der aufgerückten Mitte-Deckung vorbei und schoß das dritte Tor. Mittelrhein - Brandenburg 1:3 Auch im Kölner Stadion blieb der Beluch — 7000 Zuschauer — weit hinter den Erwar- tungen zurück. Die Berliner lieferte» das erwartete gute Spiel und ihr 3:1-Sieg über die favorisierte Mittelrheinelf. die ihre An- Hänger bös enttäuschte, war gar nicht unver- dient, wenn auch das Glück den Gästen oft wertvollen Beistand leistete. Die Rheinländer spielten keineswegs ausgesprochen schlecht, aber sie hatten einen schwarzen Tag. an dem einfach gar nichts gelingen wollte. Viel Pech und auch Unvermögen war vor allem bei den rheinischen Stürmern festzustellen, die oft aus nächster Nähe den Ball nicht im Berliner Tor unterbringen konnten. Brandenburgs Elf wirkte geschlossener und die Stürmer wußten mit den herausgespielten Torgelegenheiten auch etwas anzufangen. In dieser Mannschaft gab es keinen schwachen Punkt! Die erste Halbzeit verlief ziemlich farblos, immerhin waren die Berliner im Angriff wesentlich gefährlicher als die Einheimischen nnd die 1:0-Halbzeitführnna ging in Ordnung. Fischer hatte in der 28. Minute wunderschön eingeköpft. Wenige Minuten nach Wieder- beginn erhöhte Sobeck mit prachtvollem 16-Meter-Schnß auf 2:0 und wenig später hieß es durch Fischer sogar 3:0. Erst fünf Minuten vor Schluß konnte endlich Gauchel den einzi- gen Gegentreffer anbringen, nachdem vorher von den Mittelrhein-Stürmern unzählig« Torgelegenheiten verpaßt worden waren. Schiedsrichter war Best tFrankfurt-Höchst). Niedersachsen - Hannover 1:0 Vor 15 000 Zuschauern erkämpfte sich der Verteidiger des Reichsbundpokals, die Elf des Gaues Sachsen, mit dem mageren Ergebnis von 1:0 (1:0) gegen den Gau Niedersachseu die Teilnahme an der Vorschlußrunde, Beide Mannschaften übertrafen sich geradezu im Verpaffen der sogenannten guten Gelegen- heiten. Sachsen konnte dabei den kleinen Vor- teil in der Feldüberlegenheit nicht zu Er- folgen auswerten, da es einmal bei allen Stürmern mit dem Torschuß haperte und zum anderen Flotow als Schlußmann der Niedersachsen eine sehr gute Partie lieferte und sich dabei mehr auszeichnete als der we- niger beschäftigte Kreß. Im Angriff der Sach- fen war Helmchen wieder der Motor, wäh- rend der zurückgezogene Munkelt sich mehr dem Aufbau widmete. Die Hauptstütze der Sachsen war der Mittelläufer Seltmann, der zu einem unserer besten Spieler aus diesem schweren und verantwortungsvollen Posten herangereift ist. In der Verteidigung standen mit Kreisch und Krauß zwei große und kräs- tige Spieler, die durch ihr gutes Kopfballspiel den körperlich kleineren Niedersachsenstürmern überlegen waren. Das «einzige T?r des Spiels fiel bereits in der 11. Minute der ersten Halbzeit. Ein An- griff der Sachsen brachte den Rechtsaußen Than in aussichtsreiche Schußstellung, nachdem vorher Niedersachsens Mittelläufer Sievert überspielt worden war. Than legte sich den Ball ohng Hasten schußgerecht vor und schoß über- legt ein. Spiele der Gauliga SpVg Sandhofen - FV Rastatt 2:1 (1:0) Das für die Abstiegssrage in der badischen Fußballgauliga wichtige Zusammentreffen zwi- schen den beiden Neulingen, SpVg Sandhosen und FV 04 Rastatt, in Sandhofen, brachte den Einheimischen vor etwa 1000 Zuschauern einen verdienten 2:1 (1: O^Sieg, obwohl sie ohne ihre besten Spieler Streib und Schenkel anzu» treten gezwungen waren. Nach seinem Siege kann Sandhofen wieder hoffen, der Gauliga erhalten zu bleiben. Die Gäste hatten im Ver- teidiger Huber sowie Dienert ihre besten Leute. Sehr gut gefallen konnten weiterhin die Seitenläufer und im Sturm Neurohr. Sand- Hofens Sturm war äußerst schwach, die Mann- schaft als Gesamtes bot aber mit Ausnahme der letzten Halbzeit ein etwas bessers Spiel, als die Rastatter. Schiedsrichter Seltzam (Heidelberg) leitete gut. Sandhofen ging in der 16. Minute durch Mittelstürmer Dörr in Führung. Kurz nach der Pause erhöhte Vogel nach einer mangel- hasten Abwehr des Rastatter Torhüters auf 2:0. Als Neurohr für Rastatt auf 2:1 ver- ringert hatte, kamen die Gäste mehr auf, zu- mal sie eine sich ausgezeichnet bewährende Umstellung vorgenommen hatten — Huber ging aus der Verteidigung als Mittelläufer vor —, ohne aber den Ausgleichstreffer er- zielen zu können. Weitere süddeutsche Punktekämpse Bon den drei Tabellenführern, die am Sonntag auf den Plan traten, konnte nicht ein einziger einen Sieg landen. Die Kickers Osfenbach und VfB Stuttgart holten sich aber wenigstens einen Punkt und blieben weiter- hin Tabellenführer, dagegen mußte Fürth nach der 1:2-Niederlage gegen den ASV Nürirberg die Führung wieder an den 1. FC Nürnberg abtreten, der in Schweinfurt einen gewaltigen Sieg feierte! — Im Gau Südwest beanspruchte das erste Zusammentreffen der beiden führenden Mannschaften Kickers Offen- bach und Wormatia Worms das Hauptinter- esse. Die Wormser hatten wieder Fath und Busam zur Stelle und lieferten ein vorzügliches Spiel, ohne allerdings zeitweise eine leichte Ueberlegenheit der Kickers verhindern zu können. Die Hintermannschaften waren so gut. daß auf keiner Seite ein Tor siel, das ■Spul also 0:0 ausging, was als ein Erfolg für die Wormatia gewertot werden muß. — Der FK Pirmasens siegte erwartungsgemäß über Union Niederrad (3:1) und behauptete sich damit im Vordertreffen. Der Saarbrücker Lokalkampf zwischen Fußballverein und Sportfreunde endete 1:1, womit beiden Mannschaften gedient war. zumal nach dem Verlustspiel der Niederräder in Pirmasens! Die Abstiegsfrage ist jedenfalls noch lange nicht geklärt. — In Württemberg büßte der führende VfB Stuttgart im Lokalkampf gegen die SVg Cannstatt, die bekanntlich am Schluß der Tabelle steht, in einem 1:1-Spiel einen wertvollen Punkt ein. Cannstatt legte sich auch diesmal ganz besonders stark ins Zeug und gewann durchaus verdient einen Punkt. Der VfB kann andererseits den Punktverlust er- tragen, verlor doch gleichzeitig die Union Böckingen in Ulm mit 0 :4. Die Stuttgarter Sportfreunde behielten dagegen Tuchfühlung mit dem Spitzenreiter, denn sie holten sich in Göppingen <1:0) beide Punkte. Die Stutt- garter Kickers endlich boten auch wieber ein- mal eine befriedigende Leistung und schlugen den FV Zuffenhausen mit 4:0. — In Bayer« wurde, wie schon eingangs erwähnt, die SpVg Fürth vom ASV Nürnberg mit 2:1 besiegt, was den Fürthern die Führung kostete. Nun liegt wieder der deutsche Meister, 1. FC Nürn- berg, vorn, der in Schweinfurt die 05er un- erwartet klar mit 5:2 bezwang. Schweinfurts Sturm war schwach, während die Clubstürmer diesmal wieder die Schietzstiefel anhatten. Daß den Münchner Bayern ein glatter Sieg über Kobur« gelingen würde, stand außer Zweifel. Das Ergebnis fiel dann auch mit 6:0 recht deutlich aus. Gauliga-Tabelle». Spiele VfR Mannheim g SV Waldhof g 1. FC Pforzheim 8 Germ. Brötzingen 9 Freiburger FC 9 Spvgg. Sandhofen 9 VfL Neckarau 9 VfB Mühlburg 8 Karlsruher FV 9 FV 04 Rastatt 9 VfB Stuttgart Sportfr. Stuttgart Union Böckingen Stuttg. Kickers 1. SSV Ulm SC Stuttgart FV Zuffenhausen Spsr. Eßlingen SV Göppingen Spvgg. Cannstatt Württemberg. Spiele 11 I. FC Nürnberg Spvgg. Fürth Bayern München ASV Nürnberg VfB Ingolstadt 1860 München BC Augsburg FC Schweinfurt Wacker München VfB Coburg 11 12 11 12 11 11 10 12 11 Bayer«. Spiele 10 12 11 11 11 10 12 8 10 11 Tore Punkte 21:7 14 24:10 14 12:4 12 14:15 9 15:17 9 13:14 8 10:15 8 11:18 7 8:13 4 7:22 3 Tore Punkte 30:19 17 19:15 15 21:18 15 20:19 12 33:26 11 21:22 10 15:19 10 12:15 9 15:20 7 12:25 6 Tore Punkte 28:12 15 22:17 15 30:19 13 18:16 11 19:24 11 17:21 Hl 13:18 9 21:15 8 11:15 8 12:34 6 2:1 (1:1) In diesem flotten und interessanten Spiel, dem bei starkem Nebel nur wenige Züsch luer beiwohnten, boten die Karlsruher Gäste eine angenehme Enttäuschung. Waldhof erschien mit vollkommen neuer Mannschaft. Nur drei Spie- ler vom letzten Sonntag wirkten mit. Die Elf spielte technisch gut und erwies sich als recht durchschlagskräftig. Lehmann überraschte durch gute Ballbehandlung und energische Schüsse, auch Weidinger und Gtinderoth auf den Flü- geln gefielen. Nach dem Wechsel trat Walz als Linksaußen ein, während Pennig in die Läu- serreihe zurückging, wo er besser gefallen konnte. Bei Karlsruhe war Stadler im Tor überragend hervorzuheben sind neben ihm noch Verteidiger Jmmel. Mittelläufer Wünsch, sowie die Stürmer Eschle und Damminger. Die Tore schössen vor der Pause Lehmann für Waldhof und Hohlsiegel sür Karlsruhe, Gün- deroth brachte in der 24. Minute der zweiten Hälfte Waldhofs Siegestreffer an. Eitel iWeinheim) amtierte gut. VfB Mühlburg - Sportklub Stuttgart 7:3 (3:0) Dieser Freundschaftskampf, der am goldenen Sonntag auf der Platzanlage des VfB Mühl- bürg zum Austrag kam. hat kein allzu großes Interesse bei den Anhängern des Fußball- sportes gesunden. Knapp 1000 Zuschauer dürsten es gewesen sein, die dem Tressen bei- wohnten. Sie erlebten einen eindeutigen Sieg der Platzelf, die deu errungenen Erfolg auch vollauf verdient hat. Die Elf des VfB Mühl- bürg hatte lediglich, solange Batschauer 2 als Sturmführer sungierte, in ihm den schwächsten Mann, der auf diesem Posten zu keiner- lei Leistungen sich aufschwingen konnte. Als Neuerscheinung war auf dem Rechtsaußen- posten der Spieler Sntter zu verzeichnen, der sich gut in den Nahmen der VfB-Mannschaft einfügte. Die Stürmerreihe zeigte ein ver- ständnisvolles Zufammenspiel und sparte nicht mit Schüssen. Von der Läuferreihe wurde sie gut assistiert, wobei Gruber durch sein genaues Zuspiel ausfiel. In der Hintermannschaft ließ lediglich Becker in der zweiten Hälfte ein Nachlassen verspüren, das auch Tore kostete. Die Gäste aus der Metropole Schwabens haben eigentlich sehr enttäuscht. Ihr Spiel konnte nicht befriedigen. Lediglich die linke Angriffsfeite, sowie auch der linke Verteidi- ger konnte gefallen. Das Spiel, das von Schiri Maier lBeiertheim) geleitet wurde, ivar jederzeit fair, so daß der Verantwortliche des Treffens keinen schweren Stand hatte. Mit dem Anspiel der Platzherren beginnen diese sofort das gegnerische Tor zu bedrängen und gelangen bereits nach vier Minuten Spielzeit durch Schwörers wuchtigen Freistoß zum Führungstreffer I:0. Auch für die Folge haben die Einheimischen mehr vom Spiel, sitzen sehr viel vor dem Gästetor, aber das all- zulange Spielen gibt der Gästeverteidigung die Möglichkeit, erfolgreich dazwischen zu sah- ren, so daß mancher Erfolg von der gegnerischen Verteidigung schon im Keim erstickt wurde. Nach einem schönen Zuspiel der rech- ten Angriffsfeite von Mühlburg kann Sutter in der 15. Minute den zweiten Erfolg sür Mühlburg erzielen. Gegen Ende der ersten Hälfte übernehmen die Einheimischen wieder erneut das Kommando, und Schwörer und Rastätter lassen einige herzhafte Schüsse auf das Gästetor los, die aber Zayer hält. Einen unverhofften Schuß von Schwörer muß er jedoch in der 38. Minute passieren lassen, der zum Halbzeitresultat von 3:0 führte. Die zweite Hälfte, in der Batschauer II wieder auf seinem Verteidigerposten steht, sieht Rink im Sturm, der auch bereits nach einer Spielminute nach vorausgegangenem guten Zusammenspiel mit Rastätter die Torzahl auf 4:0 erhöht. Die Stuttgarter, die sich auch bei diesem Resultat noch nicht besiegt bekennen, kommen durch Langjahr in der 50. Minute zu 4 :1, dem nach weiteren zehn Minuten Spiel- zeit jedoch das 5:1 durch Grubers Schuß folgte. Erneut liegen die Gäste im Angriff und sind durch Ensele zum zweiten Male er- solgreich, und ihren dritten Erfolg verzeichne- ten sie in der 66. Minute. Die Platzherren, die bis zum Spielende das Spiel wieder dik- tierten, verschießen durch Schwörer einen Händeelsmeter, können aber durch Schwörer und Sutter kurz vor Spielende den sechsten und siebten Erfolg verzeichnen. Brasilianischer Rekord auf deutscher Maschine Auf dem Militärflugplatz in Rio de Janeiro fand am SamStag eine Flugveranstaltung statt, in deren Mittelpunkt Vorführungen des deut- scheu Segelfliegers Hans Ott standen, der mit dem Luftschiff „Hindenburg" aus Deutschlaird auch ein von Wolf Hirth konstruiertes Segel- flugzeug Typ Minimoa mitgebracht hatte. Die von HanS Ott gezeigten Leistungen waren dazu angetan, dem brasilianischen Segelflug- sport starken neuen Auftrieb zu geben. Gro- Ken Erfolg hatte auch der deutsche Kunstflieger Wolfgang Leander mit seiner Bücker-Iuug- mann-Maschine, der auch Schleppslüge durch- führte. Mit dem von Leander hochgeichlepvten Minimoa-Flugzeug unternahm der brasilia- nische Militärflieger Hauptmann Auino, einen Angriff auf den Landesrekord im Dauerklug, der auch von Erfolg war. Hauptmann Auino blieb mit dem deutschen Segelflugzeug drei Stunden und 20 Minuten in der Luft, womit er den brasilianischen Dauerrekord ganz er- heblich verbesserte. Olympia-Ehrenzeichen verliehen Der deutsche Gesandte von Mackensen über- reichte in diesen Tagen persönlich dem Innen- minister von Kozma, dem Finanzminister Fa- binyi und dem früheren Oberkommandierenden der Honved, General Shvoy. das ihnen vom Führer und Reichskanzler verliehene deutsche Olympia-Ehreuzeicheu. Gleichzeitig erhielten mehrere führende Persönlichkeiten des unga- rischen öffentlichen Lebens, die sich ebenfalls um die Beteiligung Ungarns an den Olym- pischen Spielen 1936 in Berlin besondere Ver- dienste erworben hatten, diese Auszeichnung. Seite 4 Karlsruher Tagblatt» Montag, de« 21. Dezember 193k Nr. 353 Rund um die Bezirksklasse Neureut — Enzberg 5:0 Auch am gestrigen Sonntag haben die Neu- reuter wieder klar bewiesen, daß sie mit Recht als der Favorit in der Abteilung 3 aiigespro- chen werden. Die Enzberger Mannschaft, der ein guter Nnf über ihr Können vorausgeht, und der gute Tabellenstand, den die Minu- schast einnimmt, hatte wiederum eine gute Be- sucherzahl gebracht. Ueber den ganzen Spiel- verlaus konnten aber die Gäste nie richtig zu Wort kommen, die wenigen Angriffe, die sie vortragen konnten, wurden immer mit Sicher- heit abgewiesen. Kaum war der Ball richtig angespielt, konnte der Neureuter Mittelstiir- mer den ersten Treffer schießen. Im weiteren Spielverlauf wird das Heiligtum der Gäste stark unter Druck gesetzt, doch die Erfolge bleiben trotz eifriger Beschießung aus. Jnmit- ten der ersten Spielzeit kann Neureut noch einmal erfolgreich fein. Mit 2:0 werden die Seiten gewechselt. In der zweiten Hälfte ist Neureut noch dreimal erfolgreich. So wurde im Anschluß an einen Elfmeter der dritte und durch Strafstoß der vierte Erfolg erzielt. Mit einem fünften Tor wurde das Spiel beendet. Taxlanden — Tillweihenstein 2:1 Der Neuling aus Dillweißenstein hatte sich aus den Kamps gegen die spielstarken Dax- lander nicht nnr gut vorbereitet gehabt, er hatte dazu auch noch das Glück, den Gegner in seiner nicht gerade besten Verfassung an- zutreffen. Die Daxlander Mannschaft zeigte besonders in der ersten Hälfte nichts von ihrer sonst gewohnten Gefährlichkeit und mußte den Gästen, die einen großen Eifer an den Tag legten, den Führungstreffer überlassen. Wohl mehrten sich nach diesem Erfolg die Angriffe des Platzbesitzers, aber der Ausgleich wollte und wollte nicht kommen. Immer wieder war der Torwächter der Dillweißensteiner das nicht zu nehmende Hindernis. Pause, 1:0 für die Gäste. Bald falle» dann aber die Dillweißen- steiner dem Tempo zum Opfer, sie kommen nicht mehr so richtig mit, und nun dirigieren die Daxlander das Spiel. Der Ausgleich wird erzielt und auch das Siegestor wird von Sei- ten der Daxlander noch in das gegnerische Ge- häufe gejagt. Die Punkte verblieben in dem Kleinstadion. Turlach-Aue — Bretten 3 : V Die Auer Mannschaft sammelt weiter Punkte zusammen. Mit den Erfolgen wächst die Zuschauerzahl, was am gestrigen Sonntag deutlich zu sehen war. Das Sp'el hatte zu Anbeginn einen gleichwertigen Charakter, die Torbesuche hielten sich die Waage, jedoch wurden durch die aufmerksame Arbeit der Hüter Erfolge vereitelt. Bretten war in stärk- ster Aufstellung erschienen und machte dem Platzbesitzer schwer zu schaffen. Dürch ein zu scharfes Angehen eines Brettener Berteidi- gers an einen Stürmer des Gastgebers konnte Aue mit einem Elfmeter die Führung holen. Tie Gäste drücken auf den Ausgleich, der je- Anordnung des Reichsjugendsührers Wrer-Zehnkampf der HZ Der Jugendführer des Deutschen Reiches. Reichsleiter Baldur von Schirach, hat nach- stehende Anordnung erlassen: „1. Tie Führerschaft der Hitlerjugend ist das Borbild der deutschen Jugend. Alle An- sorderungen, die wir an unsere Gefolgschaften stellen, verlangen wir in erhöhtem Maße von unseren Führern. Um der HI-Führerschaft die Gelegenheit zu geben, auch auf sportlichem Gebiet ihre Leistungsfähigkeit unter Beiveis zu stellen, und um diese Leistungsfähigkeit zu erhalten, ordne ich an, daß alle HF- und TJ- Führer vom Fähnlein- und Gefolgschastsfüh- rer aufwärts einschließlich der Mitglieder der Stäbe der Banne, Jungbanne. Gebiete und der Reichsjngendführung in jedem Fahr die Bedingungen des Führer-Zehnkampfes der Hitler-Jugend zu erfüllen haben. Gleichzeitig dient der Führer-Zehnkampf der sportlichen Auslese und der einheitlichen sportlichen Aus- richtnng der HI-Führerschaft. 2. Der Führer-Zehnkampf stellt an die Teil- nehmer die vielseitigsten Anforderungen und umfaßt folgende Nebungen der Grundschule: 1. lov-Metcr-Lanf. 2, 1000-Meter-Lauf. 3. Hoch- fprnng, 4. Weitsprung, 5. Keulenweitwnrf, 6. Kenlenzielwurf, 7. 300-Meter-Brustschwim- men, 8. Kleinkaliber-Schießen fliegend ausge- legtj, g. Kleinkaliber-Schießen fliegend frei- händigj, 10. Orientierungs-Gepäckmarsch. 3. Ich erwarte, daß sich alle Führer der Hit- lerjugend und des Deutschen Jungvolkes mit Ernst und Eifer für diesen Wettkampf vor- bereiten, der erstmalig im Hahre 1937 ausgetragen wird. Die Sieger in diesem Wett- kämpf werde ich alljährlich dem Führer auf dem Reichsparteitag vorstelle». 4. Ausführungsbestimmungen zum Führer- Zehnkampf der Hitler-Jugend erläßt das Amt für körperliche Schulung." * In zweifacher Hinsicht bedeutet das verkün- dete Programni eines Führer-Zehnkampfes der Hitler-Jugeud einen Schluß- nnd Krö- nungspunkt in der Richtung der darin erfaß- ten körperlichen Schulungsdisziplinen, da hier zum erstenmal alle sportlichen Uebnngen. die in der Grundschule der HI betrieben werden, in einem Wettkampfprogramm zusammenge- faßt sind, und zweitens in der Richtung des erfaßten Personenkreises, der zum erstenmal nicht in der Masse der geführten und körper- lich zu erziehenden Jugend, sondern vielmehr in der kleineren Zahl der mittleren und obe- ren Führerschicht besteht, wodurch auch in die- ser Hinsicht die bis jetzt nach obenhin offen gebliebene Lücke geschlossen ist. doch nicht gelingen sollte. Im Anschluß an einen Strafstoß erhöht Aue seine Torziffer auf 2:0. Bretten wird etwas geschwächt, da es durch Hinausstelluug einen Mann verliert. Trotzdem kämpfen die zehn Mann mit Ber- biffenheit weiter. Kurz vor Schluß wird aber dann durch einen dritten Treffer ihre Schicksal besiegelt, Tnrlach -Ane kann als Sieger nach hartem Kamps den Platz verlassen. Turmersheim — Phönix Karlsruhe 0:4 Trotzdem der Karlsruher Phönix zu seinem Namensbruder mit Ersatz antreten mußte, konnten sie einen klaren Sieg über ihren Geg- »er landen. Es war wohl die größte Zu- schauerzahl, die bislang aus diesem Platze war. die sich gestern eingestellt hatte. Es dauerte aber immerhin eine schöne Zeit, bis die Karls- ruher gegen die sich hartnäckig wehrenden Durmersheim« zur Torehre kamen. Wohl spielte der Spitzenreiter den iveitaus besseren Fußball, aber der Gegner ließ sich nicht so leicht überrumpeln. Erst einige Minuten vor der Pause wird mit einem Strafstoß der Füh- rnngstreffer erzielt. In ber Folgezeit machte sich dann aber das Können des Karlsruher Phönix noch deutlicher bemerkbar. Die An- griffe mehren sich, und aus diesen heraus mußten Tore kommen, und sie kamen auch. In taktisch guter Spielweise wird die ver- stärkte Verteidigung der Durmersheimer durchbrochen, schöne Schüssen werden auf das Tor des Gastgebers abgegeben, der Torwäch- ter kann manchen Erfolg vereiteln, mutz aber noch dreimal den Ball passieren lassen. Kuppenheim — Frankonia Karlsruhe 0 : 1 Die Kupvenheimer haben gegen die Karls- rnher Frankonen in diesem Jahre wenig Glück, mutzten sie doch alle vier Punkte an den alten Verein abtreten. Im «Vorspiel war es mit 3 :4 nur der Unterschied mit einem Tor und beim gestrigen Rückspiel auf eigenem Platze mutzten sie dem Gegner mit nur 0:1 die Punkte überlassen. Die Frankonen haben es verstanden, nachdem sie in der ersten Spiel- Hälfte den Führungstreffer geschossen hatten, den Erfolg so auszuwerten, baß es bei dem Ergebnis blieb und sie damit zwei wichtige Punkte entführen konnten, mit denen sie die Zahl 11 erreichten und damit Anschluß an die Mittelgruppe in der Tabelle gesunden haben. VsR Pforzheim — Beiertheim 4:0 Man hatte geglaubt, daß die Beiertheimer mindestens einen Punkt von Pforzheim mit nach Haufe bringen, doch haben sie den Gea die l^oldstädtler ihre komplette Mannschaft wie- der zur Stelle haben. Die Läuferreihe des VfR verstand es, den gegnerischen Sturm bei seinen Aktionen immer wieder zu trennen und nicht richtig in Fluß kommen zu lassen. Sorg- ten aber gleichzeitig für den Aufbau der eigenen Stürmerreihe und konnten so den «Gegner nicht nnr in Schach halten, sondern sich auch gut durchsetzen, und als der Pausen- pfiff ertöute lag die VsR-Mannschast mit 2:0 in Führung. Auch die zweite Spielzeit, in der Beiertheim allerdings etwas besser wurde, konnten die Pforzheimer mit zwei weiteren Toren beschließen. Weitere Resultate der Bezirksklasse: Frankonia Rastatt — Birkenseld 1:1. Söllingen — Weingarten 2:0. Karlsdorf — Gerniania Durlach 0:2. Hochstetten — Forst 2:0. Eutingen — Niefern 4:3. Unterreichenbach — Ettlingen 0 : 2. Tabelle der Abteil»«« 3. Spiele Tore Punkte Neureut 12 36:11 21 Germania Durlach 11 29:17 16 Söllingen 13 37:28 15 Turlach-Aue 13 35:23 14 Eutingen 12 25:26 13 Enzberg 12 20:82 12 Niefern 12 33:28 10 Weingarten 12 17:24 10 Bretten 12 24:38 9 Karlsdorf 12 20:29 7 Forst 12 11:88 5 Hochstetten 2 2:7 2 Tabelle der Abteilung 4. Spiele Tore Punkte Phönix Karlsruhe 14 62:11 26 Daxlanden 14 48:19 24 Ettlingen 14 40:27 18 Durmersheim 14 39:35 15 VfR Pforzheim 14 31:23 15 Beiertheim 13 24:28 14 Frankonia Karlsruhe 14 19:45 11 Birkenfeld 14 15:21 II Knppenheim 14 28:32 10 Dillweißenstein 14 15:35 10 Unterreichenbach 14 17:43 6 Frankonia Rastatt 18 22:46 6 In Kürze Verachtungen aus dem Turnerlager Breitenarbeit und Spitzenleistung / Badens großer Fortschritt im Jahre 1936 Die einzigartigen Erfolge unserer Turner und Turnerinnen bei den Olympischen "Spielen, haben stärker denn je die Aufmerksamkeit un- seres Volkes auf die tnrnerische Arbeit gelenkt. Das auf umfassender Breiteuarbeit aufgebaute deutsche Turnen ist in jeder Beziehung vor- bildlich. Ruhig und still wurde die Arbeit in den Gauen. Kreisen und Vereinen wieder ausgenomuien. Unsere Besten bereiten sich aus die Deutschen Gerätmeisterschasten 1937 in Stuttgart vor, die einen interessanten Ver- gleich bringen können. Und dann hat Deutsch- land bei den Weltmeisterschaften 1938 in Prag eine neue, schwere Aufgabe vor sich. * Das Jahr 1936 war für den Gau Baden b eso nders erfolgreich. Mit Stolz kann er auf seine beiden Turner Beckert (Neustadt i. Zchiv.) und Willi Stadel sKonstanz» blicken, die bekanntlich in der Olympiariege standen. Eine unverkennbare Leistungssteigerung an den Geräten ist festzustellen: der Knnstturnernach- wuchs ist gut. Die im letzten Jahre eingeführ- ten Rundenkämpfe tragen dazu nicht un- wesentlich bei. Eine Reihe von Jubilaren weist der Gau Baden im Olympiajahr aus. Die Gründungs- zahl „184»" steht vor nicht weniger als zwölf Turnvereine». Reichssachamtsleitcr Steding hat die Verdienste der Jubilare in einer eindrucksvollen Ge»,einschaftsehrnng gewürdigt. ES waren dies die Vereine Brette». Bruchsal, Durlach. Ebcrbach, Heidelberg, Karlsruhe, Lahr, Mannheim, Mosbach, Offenburg, Rastatt und Schopfheim. Neben diesen „Ncunzigjäh- rige»" stände» die Vereine mit 75jährigem Be- stehe»: Sinsheim, Miihlburg, Acher» u»d Oberkirch. Nach dem Gauvergleichskampf in Lahr stehen jetzt die Gaumeisterfchaftcn im Gerätturnen im Vordergr»»d, die i» Offenburg ausgetragen werden. Man darf gerade in diesem Jahre auf den Ausgang dieser Meisterschaftskämpfe gespannt fein, denn neben unseren beiden Olympiakämpfer» stehen Kräfte bereit, die sich sicherlich einen harten Kamps liefern werden. Wer wird Baden bei den Deutschen Meister- schasten vertreten? Die Pflege des Turnens an den Geräten soll durch Bestellung eines Lehrwartes für das Kunstturnen iveiter gefördert werden. Die Kuuftturuervereiniguugen, die in den Kreisen pflichtgemäß durchgeführt werden sollen, sind künstig die Zellen, aus denen die befähigten Kräfte hervorgehen sollen. Der Gau Baden im „Fachanit Turnen" hat einen großen Schritt nach vorwärts getan. * Tie Arbeit im Turnkreis Karlsruhe ist ge- tragen von enger und herzlicher Zusammen- arbeit aller im Kreis zusammengeschlossenen Bereine. Auch hier hat die Einführung der Gerätrundenkämpfe einen begrützenswerten Aufschwung gebracht. In Unter-, Mittel- uud Oberstufe wurden die Kämpfe vor jeweils gutem Besuch ausgetragen. Der Anfang war auf jeden Fall recht gut. Eine Heerschau der Turner war das 31. Kreis- turnsest, das anläßlich seines Jubiläums dem To Rintheim übertragen wurde. Einen schönen Verlauf nahm das Kreiskindertreffen, und schließlich stellten sich unsre ewig jungen „Altersturner" in Linkenheim zu „ihrem" traditionellen Treffen in großer Zahl ein. Jubiläumsveranstaltungen wechselten ab mit großen Schauturnen. Ein weiterer Schritt zur Breitenarbeit wurde damit getan, daß jetzt zu den Rundenkämpfen noch die Vereinsmann- fchafts-Mehrkämpfe (Bolksturuen) kommen. Diese Kämpfe gelten nach dem Wortlaut der Verfügung in erster Linie „der Pflege des Mannschaftsgeistes und einer vielseitigen, gleichmäßige» Durchbildung eines jeden Mannschaftsangehörigen". Wenn beide Ein- richtnngen, die Gerätrundenkämpfe und die Bereinsmannfchafts-Mehrkämpfe, zum dauern- den und wesentlichen Bestandteil der Vereins- arbeit werden, bann ist für die körperliche Ausbildung unserer Turner und für die voll- kommene Ertüchtigung unserer Jugend bestens gesorgt. E. Die Olympiasieger Heroer/Baier wurden beim zweitägigen Eisscst in Krefeld wieder stark gefeiert. Im Eishockeyspiel siegten die German Eanadians über die schwache Mann- schaft der Universität Oxford mit 13:0 Tref- fern. * Meister Albert Richter belegte bei den Rad- rennen in Brüssel de« zweite« Platz hinter Weltmeister Jeff Schereus. Rausch Schön wnr- den bei einem 100-Kilometer-Mannschasts- renne» i« Antwerpen gar nur Siebte. * (gine Olympische Feier fand am Samstag im Amsterdamer Olympiastadion statt. Tie i« Berlin siegreichen Olympiakämpfer pflanzten hier eigenhändig die Olympiaeichen ein. Ein Boxklubkamps zwischen Saar 05 Saarbrücken »»d Eintracht Frankfurt endete in Saarbrücken mit einem 11: S-Sieg der Frank- fnrter. * Die Hockey-Hochfchnlkämpse um die siib- deutsche Meisterschaft, die am Wochenende in Heidelberg stattfinden sollten, wurde» abgesagt und auf Januar verlegt. * Die Gewichtheberkreismeisterschafte» im Ga» Baden sähe» im Kreis Mauaheim die ASBg 84 Mannheim und im Kreis Freiburg Alemau- aia Kuhbach siegreich. Beide Ma»»schaste» sta»be» anch im Vorjahr an der Spitze ihrer Kreise. * Max Schmeliug hat nach seinem erfolgreichen Eingreifen in die Verhandlungen der Neu- yorker Boxkommission in der Nacht z»m Donnerstag aus der „Bremen" die Heimreise an- getreten. 4- 70 Turner uud Sportler Müucheus, die bei de« deutsche« Meisterschaften im Olympiajahr zu Siegen kamen, würbe» vo» Bürgermeister Dr. Tempel in Würdigung ihrer Erfolge mit dem Ehrenbrief der Hauptftadt der Bewegung ausgezeichnet. * Auf der Genfer Auto-Ausstellung (12. bis 21. März) werden insgesamt SS Werke ihre Erzengnisse ausstellen. Dcntschland ist mit elf Firmen recht stark vertreten, aber die höchste Beteiligung weisen England <20) und USA (17) aus. Im übrigen werden noch Frankreich. Italien, die Tschechoslowakei und die Schweiz vertreten sein. * Das Ergebnis der vom Fachamt Handball am 8. November in allen deutsche» Gaue« veranstaltete« Winterhilfsspiele liegt vor. Insgesamt gingen 27 188,81 RM. ei«, im Gau 14 lBade«) 1013,17 RM. ♦ I« Miami in Florida stellte Major Des«- versky eine« ncnen Geschwindigkeitsweltrekord sür Wasserflugzeuge auf. In einem 7000 eng» tische Pfund schweren Sikorfky-Wasserflugzeug. das mit einem 1000 PS starken Motor aus- gestattet ist, erreichte Major Deseversky a«f der 100 Kilometer lanpe« Strecke eine Ge- fchwindigkeit von 209,40 Stundenmeileu. n»as einem Durchschnitt von 338,998 km/st ent- spricht. * Der italienische Olympiasieger Luigi Beceali tritt an den ersten Tagen des Monats Jannar mit dem Schnelldampfer „Rex" die Ueberfahrt nach Amerika an. Beceali wird dort sei« Sta- dinm fortsetze«. Mit Erlaubnis des Jtalie»i- schen Leichtathletikverbandes nimmt Bccrali mit seinem Landsmann, dem Hürdenläufer L. Facclli, an mehrere« Hallensportfeste» teil. Oer Handball am Sonntag Ketsch und Ettlingen enttäuschen abermals Tie Ueberrafchungen des gestrigen Sonntags brachten die neuerlichen Niederlagen der Tgde Ketsch und des Tv 1847 Ettlingen. Ketsch, das wegen Platzsperre muh im Rückspiel in Nußloch spielen mußte, verlor mit 4:8 ziemlich klar. Ettlingen hatte wieder einmal Pech, das Spiel, das erst in Ettlingen stattfinden sollte, wurde in letzter Stunde nach Weinheim um- gelegt. Dadurch waren die Weinheimer sichtlich im Vorteil, daß aber deren Sieg mit 10:4 so eindeutig ausfiel, widersprach den Erwartungen. Der erwartete Sieg der Mannheimer Rasenspieler über Sportklub Fxeiburg fiel mit 12:8 ebenfalls reichlich hoch aus. Waldhofs 1:8- Sieg in Seckenheim konnte nicht überraschen, dagegen bewies Oftersheim, das Rot nur einen knappen 4:S-!Sieg überließ, daß es auf hei- niischem Boden auch starken Gegnern gewach- fen fein kann. Nach diesen Spielen steht die Rangliste der Gauklasse wie folgt: Spiele Tore Pkte. SpV Waldhof 10 103:39 19 Tv Rot 10 73:52 17 VfR Mannheim 9 69:42 18 Tgde Ketsch 9 66:47 10 Tv Seckenheim 10 52:55 7 TuSpV Nußloch 8 55:65 6 Tv 47 Ettlingen 8 44:59 6 TSB Oftersheim 10 47:92 6 SC Freiburg 9 49:68 4 Tv 62 Weinheim 9 49:82 4 Tie Gruppe Nord der Leistungsklasse war spielfrei. Kreis Karlsruhe Kreisklasse I: Postsportverein — Tv Rüppurr 15:3 Tv Rintheim — FV Blankenloch 8:8 Tv Grötzingen — Tv 46 Karlsruhe 8:5 Die Ueberlegeuheit der Postsportler wirkte sich erst in der zweiten Spielhälfte aus. Riut- heim vermochte nach klarer Halbzeitführung das Treffen bei starkem Druck der Gäste- Mannschaft nur noch unentschieden zu halten. Grötzingens Sieg fiel auf eigenem Platze ge- gen Tv 46 nicht so überzeugend aus. Tv 46 war gleichwertig, hatte außerdem den Nachteil, daß das Spiel wegen Nichterscheinen des Schiedsrichters von einem Grötzinger geleitet wurde, der bereits in der ersten Spielhälste einen Spieler des Tv 46 des Feldes verwies, so daß dieser das Spiel zun: größte» Teil mit 10 Mann durchstehen mußte. Kreisklasse II: Tv Mörsch — FC Phönix 6:2 Mörsch hielt sich für die im Vorspiel erlit- tene Niederlage durch diesen klaren Sieg schad- los und beendete damit seine Spielrunde als nicht mehr einzuholender Tabellenführer. U-Klasse: Postsportverein 2 — Ettlingenweier 2 6:6. — Jugend I: Tv. 47 Ettlingen — Tv. Mörsch 19:1. — Jugend II: Tv. Grötzin- gen — Tv. 46 Karlsruhe 8:9. — Tv. Rintheim — FB. Blankenloch 11:7. Frauen: FE. Phönix — KFB. I 1:9. — Tv. 46 Karlsruhe — MTV. Karlsruhe 5:0. Tie beiden Neulinge Phönix und MTB. konnten die wettspielerfahrenen Gegenmann- schaften nie gefährden. Die Rangliste der Frauenklasse weist nun folgenden Stand auf: Spiele Tore Pkte. Tv. 46 Karlsruh« 6 36:6 12 Tv. 47 Ettlingen 4 22:3 « KFV. I 6 28:2 8 Nordstern Rintheim 4 18:3 7 Tv. 46 Bruchsal 5 15:18 3 MTV. Karlsruhe 3 7:14 -> FC. Phönix 4 18:23 2 Reichsbahn 4 5:26 •2 KFV. II 5 6:28 2 Tschst. Beiertheim 6 1:28 0 Tr. Nr. 353 Karlsruher Tagblatt, Montag, den 21. Dezember 1936 Seite 5 Aus der Landeshauptstadt 2|l Kleiner Stadtspiegel Am goldenen Sonntag Man sah keinen, öer nicht ein Paketchen trug, wenn es auch nur ein kleines gewesen ist, viele aber mühten sich mit vielen Paketen Packen unö Päckchen, — es war eben öer golö'ne Sonntag, öer Höhepunkt des vorweihnachtlichen Betriebs. Ganz besonders stark war auch der Anteil der Auswärtigen, denn die Landes- Hauptstadt erfreut sich als Einkaufsort eines guten Rufes in der näheren und weiteren Umgebung, die denn auch im Bild der Stadt bestens vertreten war. Fast reichten die Bürgersteige nicht ans, um die Menschenströme zu fassen, die da auf und ad fluteten, die Geschäfte füllten, hie und da ein lebensgefährliches Gedränge bildeten — kurzum, es wurde gekauft! Und nicht zu knapp, man kann zufrieden sein. Auch die Natur und das Wetter taten öas ihrige zum goldenen Sonntag, den ganzen Tag schien uns vom klarblauen Himmel herab eine herrliche Wintersonne, und wenn auch die Temperatur wieder merklich kälter wurde, man hat zur Weihnachtszeit eben doch ein rechtes Winterwetter gern. Der goldene Sonn- tag war zugleich der letzte Tag der großen Sammelaktion der HI, überall hörte man eifriges Büchsenklappern, und es wurde gern gegeben, und so hatte auch das Winterhilfs- werk seinen goldenen Sonntag! Idyll im Sallenwäldchen Ein Dezembermorgen, dessen grauer, kalter Dunst über den Baumwipfeln des Stadtgar- tens sitzt! Er ist nicht zäh genug, um nicht doch ein paar flimmernde Sonnenstrahlen durchzulassen. Sie begleiten begrüßend den Be- sucher der Stadt vom Bahnhof her durch ein- same Rasenwege. Ein feines, leises Knacken an den Stämmen im Sallenwäldchen. Hüpfende Schatten zwi- schen dünnen Gräsern. Eichhörnchen. Eins. Noch eines. Ein drittes. Unbekümmert, sorg- los nähern sie sich. Es geht zu ihrem, wohl regelmäßigen täglichen Rendezvous mit einem weißhaarigen Manu, einer älteren Frau. Spaziergänger. Nicht weit voneinander weg, bringen sie ihren Schützlingen ihr Frühstück, mit Grazie in Empfang genommen. Sie lächeln. Und die braunen Tierchen beschäf- tigen sich ausgiebig mit ihrer Mahlzeit. Es ist so still zwischen Baum und Rasen, Mensch und Tier, daß man auf Zehenspitzen gehen möchte. Nur das Geräusch der Straßenbahn aus der nahen Ettlinger Straße erinnert daran, daß wir ja im Bereich der großen Stadt find. Rosenkavalier" von Richard Strauß eine rechte Festvorstellung, nachdem die beiden Abendvorstellungen am 22. und 23. Dezember dem „Rumpelstilzchen" eingeräumt sind. Denn dieses reizende Stück wird den Großen die gleiche Freude bereiten wie den Kleinen. Das ist ja überhaupt die Eigenart des wirklichen deutschen Märchens. Am zweiten Weihnachtstag kann das Staats- theater mit einer Neueinstudierung aufwarten. Anläßlich des 80. Geburtstages des Komponisten wird «Der Evangelimann" von Wil- Helm Kienzl an diosem Tage zur Aufführung gelangen nnö damit ein langgehegter Wunsch des Publikums in Erfüllung gehen. Die Wie- deraufnahme dieser berühmten, in ihrer packen- den Wirkung nie versagenden Volksoper besten Sinnes bebeutet unbedingt für Publikum und Theater einen großen Gewinn, um so mehr, als hierfür geradezu ideale Rollenbesetzung zur Verfügung steht. Am dritten Weihnachtstag, dem Sonntag, kommt Lortzings komische Meisteroper „Aar und Zimmermann" zur Wiederholung, auch dieses Werk ist geeignet, so rechte Weihnachts- srenöe zu verbreiten mit seiner harmlosen, liebenswürdigen Fröhlichkeit und seiner Herr- lichen Musik. „Rumpelstilzchen" beherrscht bis zum Jahresende den Spielplan, unterbrochen von einer Aufführung des „Freischütz" für die NSG.Lraft durch Freude" und einer öffent- lichen Ausführung des erfolgreichen Lustspiels „Gastmahl der Götter" von Cremers. Der Silvesterabend ist der leichten Muse vorbehalten. Johann Strauß' „Wiener Blut" läßt das alte Jahr mit Humor und Fröhlich- keit ausklingen und eine Reihe witzige und lustige Ueberraschungen werden die Stim- muug noch erhöhen. Am 31. Dezember 1936 soll der fallende Vorhang alle Sorgen und Nöte des verflossenen Jahres zudecken und am I. Januar 1937 wirb >er sich wieder heben zum deutschesten Werk aller Zeiten, Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg". Kleine Ltmschau Der Gesangverein „Liederkranz" hielt am Samstagabend im Vereinslokal seiueu alljährlichen Nikolaus-Weihnachtsstall ab. aus dem ein unterhaltsames, buntes Programm geboten wurde, in dem auch Staatsschauspieler Paul Müller mitwirkte. Der Verein der Elsaß-Lothringer hatte zu einem Abend ins Studentenhaus eingeladen, der gut besucht war und ein reichhaltiges Pro- gramm bracht«. Die Katzenfeuche. Die Katzenseuche verbrei- tet sich in Karlsruh« wie an anderen Orten immer mehr. Tie Krankheitserscheinungen sind in der Regel Erbrechen. Schluckbeschwer- den. Trauern des Tieres. Jüngere Tiere er- liegen der Seuche meistens, gut gepflegte ältere Tiere überstehen sie. Wo Katzen der Seuche erlegen find, muß gründlich desinfiziert werden, und es soll nicht gleich wieder eine Katze genommen werden. Di« meisten der Katzenseuche erliegenden Katzen sind die Katzen, die in den Schrebergärten in nassen Schweine- ställen oder in zugigen, kalten Lagerräum«« gehalten werden. Auch die Katze muß ihr regelmäßiges Futter. Milch allein genügt nicht, ihr« trockene, warme Lagerstätte und eine freundliche Behandlung haben. „Deutschland muß ewig sein" Morgenfeier der Hitlerjugend / Ein Bekenntnis zu Volk und Reich Gebietsführer Kemper sprach Nebelmeer überm Murgtal Wer am gestrigen Sonntag dem emporgestie- genen Barometer glaubte und es geradeso machte, hatte es nicht zu bereuen. Ueber un- seren nahen Schwarzwaldhöhen schien von etwa 4M Meter Meereshöhe ab die Sonne, und wunderschöne Ausblicke aab's. Den schön- sten wohl von unserem Mahlberg. Dort schaute man, den Blick nach Süden gewendet, in ei« grandioses Nebelmeer! Die weißen Massen füllten, nicht wogend, sondern in star- rer Ruhe, als seien es gewaltige Eisschollen unter blendend hellem Schnee, das dort so breite Murgtal wie eine riesige Meeresbucht aus. Unwirklich die Vorstellung, daß darun- ter die gewerbesleißigeu Städte Gaggenau und Gernsbach und all die lieben Dörfer liegen und leben sollten. Drüben sah man den Bruder des Mahlbergs, den Merkur und daneben noch den Battert, diesen gerade noch mit seinem Rücken aus den weißen Fluten herausragen, natürlich östlich davon dann die höheren Schwarzwaldberge mit der Badener Höhe. Nach Westen und Nordwesten zu ging alles in schwärzlichgraue Nebelmassen über, die jedoch etwa über Karlsruhe die Pfälzer Berge freigaben. Die Sonne, die sich freilich zeitweise auch durch Hochnebetschleier hindurch- zuarbeiten hatte, brachte bei ihrem Scheiden, etwa nach 4 Uhr. eine besondere Ueberraschung, einen einzigartigen Sonnenuntergang von einer alles vergoldenden Pracht. Wer abends in das kalte und nebelersüllte Karlsruhe zu- rückkam, konnte fast nicht mehr glauben, daß er so Schönes gesehen. sd. Weihnachten im Staatstheater Das Badische Staatstheater hat auch in die- fem Jahre das Fest der Freude würöig vor- bereitet und zunächst steht im Zeichen der Spannung und Ueberraschung für die Jugenö, wie es sich für dieses Fest der Kinder gehört. „Rumpelstilzchen", eines der schönsten deut- scheu Märchen ist das Festgeschenk des Staats- theaters, das mit dem Weihnachtsmann außer- dem noch ein Abkommen getroffen hat, die besten Kinöerarboiten, die in Wort ober Bild die Eindrücke des Kindes aus dem Weih- nachtsmärchen wiedergeben, mit schönen Prei- fen zu belohnen. Biel Schönes gibt es aber auch für die Großen. Da ist z. B. am ersten Feiertag „Der In einer gut besuchten kulturellen Morgen- feier in der Festhalle trat am gestrigen Sonn- tag die Hitlerjugend, Standort Karlsruhe, vor die Oeffentlichkeit. Zahlreiche führende Persönlichkeiten nahmen an der Veranstal- tnng als Zuschauer teil und gaben ihr damit ein besonderes Gepräge. So waren u. a. an- wesend von der Wehrmacht die Obersten Jahn und Knoerzer, Pressereferent Voßler von der Landesstelle des Ministeriums für Volksauf- klärung und Propaganda, Oberstarbeitsführer Helff und Bürgermeister Dr. Fribolin, Ver- treter der SS und SA. außerdem zahlreiche Gau- und Kreisamtsleiter. Tie Festhalle trug das Gepräge eines beson- deren Ereignisses, uud von einem solchen kann man bei der eindrucksvollen Veranstaltung auch sprechen. Auf den erhöhten Plätzen im Vordergründe des Saales waren die 400 Mit- wirkenden, Sänger und Sängerinnen der HI, des BDM und des Jungvolkes, und das ver- stärkte Bannorchester untergebracht. Die Morgenfeier begann mit einem Orgel- Vorspiel, dem Präludium und der Fuge in C-Dur von Johann Sebastian Bach, zu Gehör gebracht von einem vielversprechenden Talent, Helmut Weh, und brachte dann eines jener neuen Lieder, die aufhorchen lassen: „Nichts kann uns rauben" für Chor und Orchester, von Heinrich Spitt«. Das Zusammenwirken von Singstimmen und Blasinstrumenten ist besonders geglückt, und das ist auch ein Ver- dienst des Bannkulturstellenleiters H. S. Wöhrlin, der mit großer Umsicht den mnsika- lischen Teil der Morgenfeier leitete. Nach weiteren Musikstücken sprach nun Ge- bietssührer Kemper. Vom heiligen Deutsch- land sprach er, für dessen Ehre die Jugend in den Schlachten des Weltkrieges kämpfte und starb, vom Begriff dieses heiligen Deutsch- land, der in den jungen Kämpfern für den Nationalsozialismus lebte. Deutschland muß ewig sein, Deutschland ist heilig, diesen Be- griff hat der Führer geschmiedet. Wenn ei« Volk «ur den Wille« hat, feine Freiheit zu erkämpfe«, da«« wachse« ihm die Waffe« aus der Hand. Wir jungen Menschen kennen keine Tren- nuug von Körper, Seele und Geist und wir sagen mit Ernst Moritz Arndt: „Ein Volk zu sein, das ist die Religion unserer Zeit." Und unter der jubelnden Zustimmung seiner Jungen und Mädel schloß der Gebietsführer seine mit tiefer Ueberzeugung und großem Ernst vorgetragene Ansprache: Es soll aus unserem Dritten Reich wieder werden ein tan sendjähriges Reich, ein Reich der Größe und der Herrlichkeit. Deutschland heute. Deutsch- land morge«, Deutschland in alle Ewigkeit.' Bei den letzten Worten erhoben sich die Teil nehmer der Veranstaltung und sangen mit den Angehörigen der Hitlerjugend gemeinsam die Hymne „Heilig Vaterland." Der Reinerlös der wohlgelungenen Feier, die unter der Gesamtleitung von Bannführer Eschle stand, wurde dem Winterhilfswerk zu- geführt. r—s. Ministerialdirektor Or. Erwin Gittert Mit Dr. Erwin Ritter ist ein Badener da hingegangen, der in der Innen- und Außen- Politik des Reichs eiue bedeutsame Rolle spielte. Aus der Richterlaufbahn hervorgegan- gen, wurde er 1920 in das Reichsarbeitsmini- sterium als Ministerialdirektor berufen, wo er die Abteilung für Soziale Fürfora» sowie Wohnungs- und Sicdluugswesen leitete. Später trat «r ins Reichsaußenministerium über, wo er eine Reihe wichtiger Aufträge im Ausland ausübte. U. a. errichtete im Ol- tober 1928 die vierte Kommission der Völker bundsversammlung den neuen Posten eines Divisionschess im Internationalen Arbeitsamt, das bisher aus 97 Franzosen. 76 Eng- ländern und 14 Deutschen bestand. Für dieses von einem Deutschen zu besetzende Amt wurde R. vorgeschlagen. Dr. Ritter, der auch publizistisch vielfach hervortrat, wurde am 17. März 1876 in Müllheim in Baden als Sohn eines Medi- zinalrates geboren. Er studierte auf den Universitäten Basel, Heidelberg, München und Freiburg i. Br. Rechtswissenschaften, wurde 1898 Referendar, 1901 Assessor und 1903 Amts- richter. Gleichzeitig wurde er in das badische Ministerium der Justiz, des Kultus und Un- terrichts berufen. Er arbeitete zur weiteren Ausbildung von 1905 bis 1906 bei der Direk- tion der Rheinischen Hypothekenbank in Mann- heim und kam dann an das Amtsgericht Karlsruhe als Strafrichter, (^efängnisvor- steher und Jugendrichter. Als Regierungsrat kehrte er 1914 in das badische Ministerium der Justiz zurück, wurde 1914 Vortragender Rat im Ministerium des Großberzoglichen Hauses, später der Justiz und des Auswärtigen. Er bekleidete dann von 1915 bis 1919 das Amt des Geschäftsführers nnd stellvertretenden Vor- sitzenden des badischen LandesausschnsseS der Kriegsbcschädigtcnsürsorge. war Mitglied der Prüfungskommission für die juristischen Staatsprüfungen und Dozent für deutsches Staatsrecht an der Technischen Hochschule Karlsruhe. Furchtbare Mordtat eines Karlsruhers Die Geliebte und ihre Großmutter erstochen / Dreimaliger Selbstmordversuch / Der Täter gefaßt I« der Nacht zum Sonntag sind in Ebhaufen sKreis Nagold) i« ihre»» Wohnhaus die 7« Jahre alte Witwe Katharina Guhl und 'hre Enkelin, die 26 Jahre alte ledige Wilma Guhl. durch Ersteche« ermordet worden. Der Verdacht richtete sich vo« Ansang an aus den bisherige« Geliebte» der ermordete» Wilma Gnhl. de« ledige» 24 Jahre alte» Helmnt Kuch aus Karlsruhe, der dann anch am So«ntag»achmittag i« Karlsruhe festge- » o m m e » werde» konnte. Zu der entsetzlichen Bluttat erfahren wir folgende Einzelheiten: Die ermordete Wilma Guhl, die ein zwei Monate altes Kind von Kuch besitzt, hatte sich in letzter Zeit von dem Mann zurückgezogen. Daraufhin hatte-Kuch sie wiederholt bedroht und ihr auch angekün- digt, er werde sich das Leben nehmen. Um eine Aussprache herbeizuführen, begab sich Kuch am Samstag nach Ebhaufen. Da er seine frühere Braut nicht antraf, verschaffte er sich Eingang in die Wohnung und versteckte sich. Er verließ sein Versteck solange nicht, bis die bei- den Frauen izurttckkehrten und sich schlafen legten. Er begab sich nun in das Schlafzimmer der Braut und brachte ihr nach einem Wort- Wechsel die tödliche« Stiche bei. Auf die Hilfe- rufe der Ueberfallenen eilte die Großmutter hinzu, die der Rasende ebenfalls niederstach. Nach einem mißglückten Versuch, sich die Puls- ädern uud die Kehle zu durchschneiden, begab er sich nach Nagold und fuhr mit dem Znge «ach Karlsruhe. Hier hatte er zuerst die Ab- sicht, sich im Rbeinhasen zu ertränke«. Der Mörder legte sich dann aber aus die Schienen der Eisenbahnstrecke Karlsruhe—Graben, in der Nähe der Station Miihlburg. Der Lokomotivführer des gegen 14.30 Uhr heranknm- Menden Zuges bemerkte ihn jedoch rechtzeitig, brachte den Zug zum Stehen und transpor- tierte den Mörder im Packwagen nach Karls- ruhe. Vom Bahnhof wurde der zweifache Mörder von der Polizei abgeholt und ins Gefängnis eingeliefert. Er hat die entsetzliche Bluttat eiugestaude». Auch aus Briefen geht 45 Jahre Karlsruher Fußballverein Der Karlsruher Fußballverein, der vor einigen Wochen auf feine 45jährige Lebenszeit zurückblicken konnte, beging nun fein Stif- tungsfest, das mit der Weihe der Vereinsfahne verbunden war. Die Veranstaltung, die vom Vereinssührer Künkel eröffnet wurde, sah un- ter den Karlsruher Mitgliedern auch solche, die von weither gekommen waren. Dr. Ivo Tchricker scheute die weite Reise von Zürich nicht, um zusammen mit Wetzler und den alten Bekannten aus der großen Zeit des KFV einige Stunden öer Erinnerung zu verbringen. Nach einer Ansprache konnte der Vereinssüh- rer zu den Ehrungen verdienter Mitglieder schreiten. Amtsgerichtsrat Albiez übergab mit einer kernigen Ansprache die Fahne dem Vereinsführer in treue Obhut. An den offiziellen Teil des ProgrammeS, der von Musikstücken und Gesangsvorträgen um- rahmt war, schloß sich ein bunter, unterhal- tender Teil an. Wievielepilzeverzehrenwirjährlich? Eine Rundfrage Das Mykologifche Institut der Deutschen Ge- sellschast für Pilzkunde, das unter der Leitung von Franz Kallenbach in Darmstadt steht, sam- melt seit Jahren Material über die Verkaufs- menge von Pilzen auf den Märkten der Städte, über die vorkommenden Vergiftungen usw. Das Institut sucht aber auch statistische Unterlagen über den Eigenverbranch selbstge- sammelter Pilze. Es bittet deshalb jeden Pilz- freund, um Angaben, seit wieviel Jahren er Pilze sammelt, wieviel er jährlich ungefähr nach Haufe trägt, wieviel Personen seine Fa- milie als Pilzverbraucher zählt, ob die Pilze frisch verzehrt oder in getrocknetem Zustand oder sonstwie konserviert werden, ob zum Verkauf gesammelt wird usw. Antworten an Franz Kallenbach, Deutsche Gesellschaft für Pilzfreunde, Darmstadt. Helft Frostschäden verhüten Auch das ist „Kamps dem Verderb" GSD. Der bevorstehende Eintritt von Frost- weiter läßt es angezeigt erscheinen, die bereits in früheren Jahren gegebenen Fingerzeige zur Verhütung von Frostschäden in Erinnerung zu rufen. Wer sich vor Nachteilen und Ver- mögensschäöigungen schützen will, beachte recht- zeitig die folgenden Hinweise, die ganz be- sonders auch die Mieter von Räumen beher- zigen möchten, da sie ja das größte Interesse hervor, daß er aus verschmähter Liebe gehan- an öer Betriebsfähigkeit der Einrichtungen delt hat. I haben nnö sich obendrein bei Außerachtlassung Karlsruhs p ^ ^ 'etwas wirklich Gutes für wenig GelD, das ift em „Noland - lierrenläiui? Kaisersirahe in* Seite 6 Karlsruher Tagblatt, Montag, den 21. Dezember 133k Nr. 353 der gebotenen Sorgfalt bzw. unsachgemäßer Behandlung Schadenersatzansprüchen aussetzen. 1. Jedes unnötige Offenhalten der Haus- und Hoftüren ist zu vermeiden. 2. Alle Badezimmer- und Kcllerfenster wer- den zweckmäßig durch eine Einlage aus Holz- wolle, Lappen oder dergleichen luftdicht ab- geschlossen. 3. In Gebäuden mit Zentralheizung empfiehlt es sich, bei geöffneten Fenstern die Heizung nicht abzustellen, da durch Eingesrie- ren der Heizkörper nicht nur in den betreffen- den Räumen, sondern auch in den darunter- oder darnberliegenden Räumen großer Scha- den angerichtet und die Heizung außer Be- trieb gesetzt werden kann. 4. Zu- und Ableitungsrohre, insbesondere in unhcizbaren Räumen, sind durch Einpacken zu schützen, gegebenenfalls durch brennende Lampen, Petroleumösen oder Gasslämmcheu zu wärmen. 5. Für Badeöfen und -wannen find bei Ein- gefriergefahr ebenfalls die unter Punkt vier erwähnten Vorkehrungen zu treffen. 6. Bei Wasserklosetten ist bei Einsriergefahr die Zuleitung abzustellen, der Spülkasten zu entleeren und das Becken durch mehrfaches Einstreuen von Salz vor Eisbildung zu schützen. Gewöhnliche Aborte werden ebenfalls durch wiederholtes Einstreuen von Salz vor dem Einfrieren geschützt. Unter allen Umstän- den ist das Eingießen von heißem Wasser zu unterlassen, da dadurch Becken und Rohre platzen und die Aborte unbenutzbar werden. 7. In der Waschküche ist besonders daraus zu achten, daß der Kessel restlos vom Wasser ge- säubert und der Ausguß rein gehalten wird. 8. Des weiteren gilt unsere Sorge auch all den Nahrnngsm'tteln, die unter plötzlichem Eintritt von Kälte leiden könnten: Obst, Ge- müse, Kon'erven, gleich ob in Tosen oder Gläsern, sie dürfen nur in Räumen aufbewahrt werden, die vor Frost geschützt sind. Ist das nicht möglich, so muß das Obst mit Stroh, Holzwolle oder Torfmull abgedeckt werden. Für Gläser und Doken muß unbedingt ein trockener, srostsreier Raum gefunden werden. Auch Weine sind kälteempfindlich, ebenso Kar- tosfeln. Letztere schützt man dadurch vor Frost, daß man sie mit Säcken oder Zeitungspapier abdeckt. Verbesserungen in der Versorgung der alten Wehrmacht Mit Gesetz vom 1. Dezember 1936 hat die Reichsregierung Milderung der Ruhensvor- schritten des Reichsversorgungsgesetzes beschlossen, die am l. Januar 1937 in Krast tre- ten. Die im Gesetz vorgesehenen Verbesserun-- gen erfüllen einige wesentliche Wünsche der Kriegsbeschädigten und zeigen erneut, daß die Reichsregierung bemüht bleibt, bestehende Härten der Versorgung auszugleichen. Hiernach finden künftig die RuhenSvor- schriften des Paragraphen 02 des Reichsversorgungsgesetzes nur noch Anwendung beim Bezüge eines Einkommens aus einer Beschäf- tignng im eigentlichen öffentlichen Tienst. Eine Beschäftigung bei gcmischtwirtschasllichcn Betrieben, bei denen sich also mehr als die Hälfte des Kapitals im Besitz der öffentlichen Hand befindet, sowie bei solchen Unterneh- mnngen und Einrichtungen, deren Einkünfte aus Grund gesetzlichen Zwanges aufgebracht werden, gilt nicht mehr als Verwendung im öffentlichen Dienst. Als Mindestbetrag blieben bisher den im öffentlichen Dienst Beschäftig- ten mindestens drei Zehntel oder vier Zehntel der Versorgungsgebührniffe. Künftig erhält jeder Verforgungsberechtigte mindestens die Hälfte seiner Bezüge. Tie erwerbsnnsähigen Beschädigten werden, was bisher nur für die Empfänger einer Pflegezulage galt, von der Anwendung der RuhenSvorschristen völlig befreit und erhalten daher ihre Rente ungekürzt. Im Laufe des Monats Dezember wird ferner die Ehrengabe für solche versorgungsberechtigten Front- kämpser ausgeschüttet werden, die nach den geltenden Vorschriften die Frontznlage nicht erhalten können und sich in besonders bedürf- tiger Lage befinden. Diese Ehrengabe war, wie bekannt, zum 2. August als dem Erinne- rnngstage des Kriegsbeginns 1314 dem Füh- rer durch freiwillige Spenden zur Verfügung gestellt worden. Dank den Bemühungen des Rcichsarbeitsministers konnte die Spende noch über den Betrag von einer halben Mil- lion RM. hinaus erhöht werden. Kaubeanftragte des ReichsstudentensührerS. Reichsstudeutenführer Dr. Scheel ernannte mit Wirkung vom 9. November 1336 Gebietsbeauf- tragte der Neichsstudentenführung. Für den Bereich der Gaue Baden, Württemberg-Hohen- zollern und Zaarpfalz wurde der SS-Ober- sturmführer Assessor Dr. Martin Sandberger, Stuttgart, zum Gebietsbeaustragten Südwest ernannt. WetternaA" Die Fernverkehrsstraße Württemberg—Bade« —Pfalz—Saarland er. Bekanntlich wird in der Gegend von Pirmasens zur Hebung der Verkehrssicherheit bzw. zum Ausbau der zwischen Württemberg— Baden—Pfalz—Saarland auf der Strecke Heil- broun — Karlsruhe — Landau — Zweibrücken — Pirmasens—Saarbrücken projektierten neuen Fernverbindnngsstraße eine Umgehungsstraße gebaut. Diese Straße nähert sich nun ihrer Fertigstellung und wird in Zukunft für den öffentlichen Grenzverkehr nach dem Westen eine wesentliche Rolle spielen. Sie stellt nach ihrer Vollendung eine wichtige Verkehrs- Verbindung zwischen Ost und West dar. Um ihr Zustandekommen hat sich bekanntlich Gau- leiter Bürckel recht nachdrücklich bemüht. Wie verlautet, ist beabsichtigt, diese neue Fernver- bindungsstraße in Würbigung ber Verdienste ber SA, „Straße der SA" zu benennen. 5b. 353 SfatTftttiStt TaMatt, Montag, Ken 21. Dezember 1936 Seite 7 »l « Pl£ IM55L 8£KAND£ IACK LONDON Copyright 1927 by Universitu Deutsch« Verlags-Aktiengeselfschaft, Berlin. (12. Fortsetzung) Ihm blieb eben nur übrig, sich mit ihrem knabenhaften Wesen abzufinden und nicht den Fehler zu begehen, sie als Frau zu behandeln. Er fragt« sich, ob er die Frau, zu der sie sich entwickeln würde, und ob er sie geradeso, wie sie war, lieben könnte. Wie dem auch immer sein mochte, so nahm sie doch jedenfalls einen ziemlich großen Raum in seinem Leben ein. das hatte er an diesem Nachmittag empfunden, als er die See zwischen den Böen nach ihr ab- suchte. Dann siel ihm wieder die finanziell« Lage von Berande und der unvermeidliche Zusammenbruch ein, unb er runzelte die Stirn. Jetzt erst wurde er gewahr, daß sie sprach. „Verzeihen Sie", sagte «r. „Was meinten Sie?" „Sie haben auch nicht ein einziges Wort ge- hört, ich wußte es", schalt sie. „Ich sagte, daß die Flibberty-Gibbet sich in einer traurige» Verfassung befindet, und daß ich morgen, so- bald Sie es dem Kapitän gesagt haben, und wenn er es nicht übel nimmt, mit meinen Leuten an Bord gehen und das Schiff über- holen werde. Wir werden auch den Boden ab- schrapen, denn der Kupferbeschlag ist fast vier Zoll dick bewachsen. Ich sah es. als sie rollte. Vergessen Sie nicht, daß ich eines Tages mit der Flibberty-Gibbet fahren werde, und wenn ich mit ihr durchbrennen müßte." Als sie auf der Veranda Kaffee tranken, hörten sie Satan in der Nähe der Pforte an- schlagen, und Scheldon mußte schließlich einen zerzausten, verängstigten Schwarzen befreien, den er zum Verhör auf die Veranda brachte. „Was fella Herr du gehören?" fragte er. „Was Name dn kommen dies fella Platz, Sonne er gehen unter?" „Mich gehören Bon- cher. Zuviel Jungen gehören. Port Adams bleiben bei mein fella Herrn. Zuviel machen Lärm." Der Schwarze zog ein Stück Papier aus dem Gürtel und reichte es ihm. Scheldon überflog iß hastig. „Es ist von Boucher". erklärte er, „dem Mann, der Packarös Stelle übernommen hat. Packard wurde, wie ich Ihnen erzählte, von seiner Bootsmannschaft getötet. Boucher schreibt, daß fünfzig Port-Adams-Leute in großen Kanus an seinem Strand gelandet sind und sich häuslich niedergelassen haben. Tie haben schon ein halbes Dutzend Schweine ge. tötet und scheinen Streit zu suchen. Er fürchtet, daß sie sich mit ben fünfzehn Ausreißern aus Lunga vereinigen könnten." „Und öann?" fragte sie. „Dann würde Billy Pape genötigt sein, einen Nachfolger für Boucher zu senden. Es ist Pa- pes Station. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich möchte Sie nicht allein hier lassen." „Nehmen Sie mich mit." Er schüttelte lächelnd den Kopf. „Dann nehmen Sie wenigstens meine Leute mit", riet sie. „Es sind brave Iungens, die nichts fürchten — außer Utami. der sich vor Geistern fürchtet." Die große Glocke wurde geläutet, unö fünf- zig Schwarze trugen das Boot zum Wasser hinunter. Die Bootsbesatzung nahm ihre Plätze ein. Matauare und drei andere Tahi- tianer setzten sich mit Patronengürteln und Ge- wehren bewaffnet ans Heck, unb Scheldon selbst übernahm das Runder. „Ach. ich wollte, ich könnte mit Ihnen fahren", sagte Ioan sehnsüchtig, als das Boot absetzte. Scheldon schüttelte den Kopf. „Ich bin so gut wie ein Mann", drängte sie. „Sie sind wirklich jetzt hier nötig", erwiderte «r. „Diese Lunga-Bande könnte gerade, wenn wir beide abwesend sind, hier landen und die Pflanzung überfallen. Leben Sie wohl! Wir werden morgen früh zurückkommen. Es sind nur zwölf Meilen." Als Ioan ins Haus zurückkehrte, mußte sie zwischen den Bootsträgern hindurchgehen, die sich am Strande herumtrieben und in wunder- licher, affenartiger Weise über die Ereignisse des Tages schwatzten. Sie machten ihr Platz. Als sie aber mitten zwischen ihnen war, über- kam sie ein Gefühl ihrer eigenen Hilflosigkeit. Es waren ihter so viele, was hinderte sie, sie niederzumachen, wenn sie wollten? Dann fiel ihr ein, daß ein Schrei von ihr Noah-Noah und ihr« andern Leute herbeirufen würde, und daß jeder von ihnen im Kampfe gut ein Dutzend der Schwarzen aufwog. Als sie das Tor öffnete, trat ein Schwarzer auf sie zu. In der Dunkelheit konnte sie ihn nicht erkennen. „Was Name?" fragte sie scharf. „Was Name gehören dir?" „Mich Aroa", sagte «r. Sie erkannte in ihm einen der beiden Kran- ken, die sie im Hospital gepflegt hatte: der an- dere war gestorben. „Mich nehmen Mass« fella Medizin zuviel", sagte Aroa. „Ja. und du all right jetzt", anwortete sie. „Mich wollen Tabak, viel sella Tabaks mich wollen Kaliko: mich wollen Schweinsfischzähne: mich wollen ein fella Gürtel." Sic bickte ihn belustigt an, an der Erwar- tnng, ein Lächeln oder wenigstens ein Grinsen auf seinem Gesicht zu sehen. Aber das blieb völlig ausdruckslos. Mit Ausnahme eines Schurzes um die Lenden, zweier Ohrcnpflöcke und eines Kranzes aus weißen Kaurimuscheln in seinem wolligen Haar war er nackt. Sein Körper war frisch geölt und glänzend, seine Augen leuchteten im Sternenlicht wie die eines Raubtieres. Die andern Leute hatten sich hin- ter ihm zu einer richtigen Mauer zusammen- gedrängt. Tie einen kicherten, aber die andern beobachteten sie mit mürrischem, gespannten Schweigen. „Schön", sagte sie, „wozu brauchen diese vie- len fella Sachen?" „Mich nehmen Medizin", sagte Aroa. ..Du bezahlen mich dafür." „Das ist der Dank", dachte sie — Scheldon schien schließlich doch recht zu haben. Aroa wartete stumpfsinnig. Ein springender Fisch klatschte draußen aufs Wasser. Eine kleine Welle murmelte schläfrig am Strande. Der Schatten eines fliegenden Hundes huschte schweigend über sie hinweg. Ein leichter Wind fächelte kühlend ihre Wangen. Es war die Landbrise, die zu wehen begann. „Ihr gehen in die Baracken", sagte sie. im Begriff die Pforte zu durchschreiten. „Du bezahlen mich", sagte der Schwarze. „Aroa, du sein ein großer Narr. Ich nicht bezahlen dich. jetzt du gehen." Aber der Schwarze blieb stehen. Sie fühlte, daß er sie fast unverschämt ansah, als er wieder- holte: „Ich nehmen Medizin. Du bezahlen mich Du bezahlen mich jetzt." Da verlor sie die Geöuld und gab ihm «ine so kräftige Ohrfeige, daß er zwischen feine Ge- nossen taumelt«. Aber die ließen sich nicht ver- treiben. Ein anderer trat vor. „Tu bezahlen mich", sagte er. Seine Augen hatten einen mürrischen, unruhigen Blick, wie sie ihn bei Affen gesehen hatte. Aber er hielt ihrem unbehaglich prüfenden Blick geduldig stand, und seine dicken Lippen preßten sich in mürrischer Entschlossenheit zusammen. „Wofür?" fragte sie. „Mich Gogoomy", sagte er. „Bawo Bruder gehören mir." Sie entsann sich, daß Bawo der Name des Kranken war, der gestorben war. „Geh weg", befahl sie. „Bawo nehmen Medizin. Bawo fertig. Balve mein Bruder. Du bezahlen mich. Vater gehören wir «in groß fella Häuptling auf Port Adams. Du bezahlen mich." Ioan lachte. „Gogoomy, du gerade wie Aroa, ein großer Narr. Mein Wort, wer bezahlen mir Medi- zin?" Oer iolle Hans / Von Kurt Hartrampf Christian Klaus war kein Geizhals. Sein Hof stand in einem großen Dorf in der Kur- mark, in der Niederlausitz. Um auf den Geiz zurückzukommen, so hatte er diese Eigenschaft gewiß nicht mitgeerbt, aber er hatte doch die gleichen Ansichten über Geldausgeben, wie sie auch der alte Christian Klaus gehabt hatte. Zwar ging der junge Christian Klaus nicht mehr mit der Laterne in den Stall, denn der elektrische Strom hatte das Dorf längst er- reicht, auch war Christian jun. kein Feind elektrischer Hilfskraft. Und doch war es der „neumodische Kram", wie ihn Christian sen. genannt hatte, der ihm eines Tages einen schrecken einjagen sollte, denn mit seinem Schecken, dem Hans, war plötzlich der Teufel los. Christian kam vom Felde, spannte seinen Hans vom Wagen, aber er wunderte sich schon, daß Hans nicht schon längst im Stall ver- schwnnden war. wie er es seit Jahren gemacht hatte. Nein, das Tier schlich, wie es ihm schien, mit wilden Augen um den Stall herum und schüttelte wiederholt mit seinem Kops, daß die Mähne flog. „Was hat er denn?" fragte sich Christian. Dann rief er: „Dummes Tier, geh in den Stall." Hans, gehorsam, wie er immer war, trottete zur Stalltür, aber, wie Christian feststellen mußte, nicht so freudig, wie es sonst seine Art war. Die Ohren spielten und vorsichtig setzte er eiuen Fuß vor den anderen und näherte sich dem Eingang wie ein Indianer auf dem Kriegspfade. Kaum war Hans einen Meter von der Tür entfernt, machte er einen tollen Sprung vom Stall weg und schüttelte sich, als ob ein Schwärm Hornissen ihn umkreisten. Christian war starr. „Was hat er denn?" Er ging zu seinem Hans, klopfte ihn auf sei- nen schweißigen Hals und führte ihn selbst zum Stall. Hans ging auch ruhig mit, aber — kaum war er einen Meter vor dem Ort seiner Bestimmung angelangt —, ein erneuter Satz, der den Bauern fast umriß — und Hans galoppierte in dem Hof herum. Nun war es mit der Ruhe Christians vor- bei. Sein Pferd ist toll, das steht fest. Aber was nun? In den Stall mußte es zunächst. Dann mußte der Tierarzt her — oder? — Sollte man nicht doch noch vorher den Nach- barn rufen, den Jochen Steinke? Jochen Steinke kam, die Hände in seiner Joppe, die Pfeife im Munde und erkundigte sich in Ruhe, was es denn gebe. Christian er- zählte ihm mit hastigen Worten sein Erlebnis mit Hans, der in einiger Entfernung an einer Wagendeichsel knabberte. Jochen hörte kopfschüttelnd die Geschichte an und war am Schluß der gleichen Meinung: Hans ist toll geworben. — Aber vom Tierarzt wollten beide auch zunächst nichts wissen. Beide, Christian und Jochen, gingen also langsam auf Hans zu, der sich immer noch mit der Deichsel amüsierte, dann aber, als die Männer immer näher kamen, sich in Positur stellte und so den Eindruck bewußten Wider- standes auf die beiden Gegner machte, die sich zögernd näherten. Aber Hans blieb friedlich, obwohl unruhiger als vorher, denn er ahnte, was sie von ihm wollten. Doch kam es ihm anscheinend selbst darauf an, noch einmal zu probieren, ob es ihm nicht doch gelingen würde, in den Stall zu kommen, in dem es verlockend nach Futter roch. Also ließ er sich auch ein zweitesmal willig führen, aber blind, denn auf Jochens Rat hatte man ihm ein Tuch über den Kopf gelgt, damit er nicht sehen könne, wohin man ihn bringe. Aber auch dieses Mittel und die vereinten Kräfte der Männer konnten das Tier nicht in den Stall bringen. Wieder setzte Hans kurz vor dem Stallemgang allen Widerstand dagegen und riß sich los mit lautem Gewieher. Jetzt war auch Jochen davon überzeugt, daß mit dem Tier etwas los sei. Aber Joche» ivar im Handeln genau so bedächtig wie mit dem Sprechen und so wurde erst einmal zur Stärkung ein Korn genommen und beraten, was wohl noch versucht werden mußte. Beim dritten Korn war man sich einig. Ter Nach- bar Jakob Horn wurde geholt. Auch er schüt- telte den Kops über die Geschichte. Der fünfte Korn half. Man führte Hans auf die Wiese, um zu sehen, wie er sich dort benehmen würde, und zu allseitiger Befriedigung zeigte sich Hans als ein normales Pferd, denn es graste schweifwedelnd und schien mit sich, den Men- schen und der Welt zufrieden. Nun kam Jakob Horn ein phänomenaler Gedanke. Man solle, schlug er vor, so viel Streifen Gras von der Wiese abstechen, wie man brauche, um einen Grasweg zu legen von der Wiese bis znm Stall. Hans würde dann ganz allein in den Stall gehen. Christian und Jochen wackelten über diesen Vorschlag mit den Köpfen, als von der Wiese ein langanhaltendes Gewieher erscholl, als wollte sich Hans über diesen genialen Einfall vor Lachen ausschütten. Mag es nun dieses Gelächter gewesen sein, sie ließen die Wiese ganz, aber sie beschlossen, mit dreifacher Kraft und jeder Gewalt den Hans in den Stall zu bringen. Christian. Jochen, Jakob und das Pferd Hans zogen wieder in den Hof. Hier wnrde zur Vorsicht dem Tier wieder der Lappen vor die Augen gebunden und im Gleichschritt, den Hans vor sich herschiebend, wie einst die Bür- ger von Schilda vereint auf den Hasen mit dem Spieß loszogen, so näherte sich das Quartett der Stalltür. Christian sprang nach vorn, um Hans am Kops zu fassen nnd zu ziehen, Jochen und Jakob schoben von hinten. Schon faßte Christian die Stalltürklinke, da — Hilf, Himmel! Christian verspürte durch seinen Körper einen elektrischen Schlag und er sprang, genau wie vorher der tolle Hans, fort vom Stall, so daß die beiden Nachbarn sich fast überkugelten. Aber auch Hans hatte wie- der seinen tollen Sprung gemacht. Jetzt war das Rätsel gelöst, wie Christian Klaus den Nachbarn berichten konnte. Er wußte zwar schon lange, daß im Stall in der Nähe der Steckdose die elektrische Leitung schadhaft geworden war, aber er hatte dieser Kleinigkeit wenig Beachtung geschenkt. Nun ging die elektrische Zuleitung kurz vor der Stalltür unter der Erde entlang und diese hatte Erdschluß bekommen, so daß das mit Eisen beschlagene Tier, wenn es auf diese Erdschicht trat, einen Schlag bekam, erschrak und zurücksprang. Kaum hatte Christian die Leitung abgestellt, ging Hans auch friedlich, allerdings mit einem mitleidigen Blick auf seine drei Kamps- genossen, in den Stall und an die gewohnte Krippe. Christian, Jochen und Jakob aber sprachen nie mehr vom tollen Hans. Sie wollte die Sache beenden, indem sie durch die Pforte schritt und sie hinter sich verschloß. Aber Gogoomy drängte sich dagegen und sagt« in unverschämtem Tone: „Vater gehören mir «in groß fella Häuptling. Du nicht schlagen Kopf gehören mir. Mein Wort, du bange zuviel." „Mich bange?" fragte sie. während der Zorn sie übermannte. „Du zuviel bange, schlagen Kopf gehören mir", sagte Gogoomy überlegen. Da langte sie über die Pforte hinüber und versetzte ihm einen so kräftigen Schlag, daß er zur Seite taumelte und beinahe hingestürzt wäre. Er sprang auf die Pforte zu, als wollte er sie mit Gewalt öffnen, während sich die Menge gegen den Zaun drängte. Ioan über- legte blitzschnell. Ihr Revolver hing an der Wand im Grashause, doch ein Schrei von ihr mußte ihre Leute herbeirufen, und sie wußte, daß sie dann in Sicherheit war. Aber sie rief nicht um Hilfe. Statt dessen pfiff sie Satan und rief seinen Namen. Sie wnßte, daß er im Schlafzimmer eingesperrt war. aber die Schwar- zen warteten gar nicht erst, sondern flohen unter wildem Geschrei in die Nacht hinaus, während Gogoomy nur zögernd solgte. Als sie bas Bungalow betrat, lachte sie. dann aber traten ihr vor Aerger Tränen in die Augeu. Eine ganze Nacht hatte sie bei dem Verstorbenen gewacht, und jetzt verlangte sein Bruder Bezahlung für sein Leben. „Ohl Diese undankbaren Geschöpfe!" murmelte sie, während sie überlegte, ob sie den Vorfall Scheldon berichten sollte oder nicht. Die Port-Adams-Bande Unb so ging die Geschichte ganz einfach, sag« Scheldon. Er saß aus der Veranda und trank Kaffee, während das Boot in den Schuppen gebracht wurde. „Boucher war zuerst etwas zaghast und wollte nicht mit starker Hand ein- greisen, als aber einmal der Anfang gemacht war, machte er sich sehr gut. Wir hielten znm Schein ein« Gerichtssitzung ab, und Telepasse, der alte Schuft, nahm das Urteil an. Er ist ein Port-Adams-Häuptling, ein schmieriger Halunke. Er mußte den zehnfachen Wert der Schwein« erlegen und mit feiner Bande ab- ziehen. Oh. ich sage Ihnen, das ist eine feine Gesellschaft. Mindestens sechzig Mann in fünf Kanus, die Streit suchen. Sie haben sich auch ein Dutzend Gewehr« verschafft, die man ihnen wegnehmen müßte." „Warum haben Sie es denn nicht getan?" fragte Ioan. „Soll ich mich mit dem Kommissar einlassen? Er ist schrecklich empfindlich in bezng aus seine schwarzen .Mündel', wie er sie nennt. Na. also, wir schoben sie ab, aber einige Meilen weiter am Strande landeten sie doch wieder, um abzukochen. Sie müßten eigentlich heute hier vorbeikommen." Zwei Stunden später waren die Kanus da. Niemand hatte sie kommen sehen. Die Haus- boys waren in der Küche, die Plantagenarbei- ter in ihren Baracken: alle atzen. Satan schlief fest, auf dem Rücken liegend, unter dem Bil- lard und schüttelte im Schlaf die lästigen Flie- gen ab. Ioan kramte im Lager umher, und Scheldon hielt seine» Mittagsschlaf in der Hängematte auf der Veranda. Da wachte er auf. Eine Warnung, daß etwas nicht in Ord- nung sei, hatte seine» Schlaf auf geheimnis- volle, unerklärliche Weise unterbrochen. Ohne sich zu rege«, sah er hinunter. Der Platz wim- melte von bewaffneten Wilden. Es waren dieselben, mit denen er am Morgen zu tun ge- habt, aber er bemerkte, daß sich ihre Zahl ver- mehrt hatte. Es waren Männer darunter, die er vorher nicht gesehen. Er ließ sich aus der Hängematte gleiten und schlenderte mit absicht- licher Langsamkeit ans Geländer, wo er, ver- schlafen gähnend, auf sie hinabsah. Er hatte das eigentümliche Gefühl, daß es seine Bestim- mung fei, immer auf diesem erhöhten Platz zu stehen und hinabznschau«» auis endlose Horden von aufrührerischen Schwarzen, die Aufsicht. Einschüchterung und Beruhig»»g brauchten. Während er aber scheinbar sorglos über sie hin- blickte, ging er ernsthaft mit sich zu Rate. Die neu Hinzugekommenen waren nämlich mit mo- dernen Gewehren bewaffnet. Aha! Er hatte es sich gedacht. Es waren fünfzehn, zweifellos di» Ausreißer aus Lunga. Außerdem befand sich «in Dutzend alter Gewehre in den Händen der ihm schon bekannten Leute. Die übrigen waren mit Speeren, Keulen. Bogen und Pfei- len und langstieligen Aexten bewaffnet. Am Strande konnte er die an Land gezogenen großen Kriegskanus mit phantastisch geschnitz- tem Bug und Heck sehen, die mit Schnörkeln und Schnüren aus weißen Kaurimuscheln ver- ziert waren. Es waren die Leute, die seinen Händler Oskar in Ugi ermordet hatten. „Was Name ihr gehen auf diesen Platz?" fragte er. Gleichzeitig warf er einen verstohlenen Blick auf das Meer, wo die Flibberty-Gibbet sich auf der spiegelglatten See wiegte. Nicht eine Seele zeigte sich unter ihrem Sonnensegel. und er sah, daß das Boot an ihrer Seite fehlte. Die Tahitianer waren vermutlich den Balesuna hinauf zum Fischfang gefahren. Er stand ganz allein dieser großen Gefahr gegenüber, wäh- rend seine Welt an diesem windstillen, tropi- schen Mittag friedlich schlummerte. lFortsetzung folgt) Gerte 8 Karlsruher Tagblatt, Montag, Seit 21. Dezember tNAß Nr. 355 Skandal am Qual d'Orsay Verhaftung im französischen Außen» ministerinm x Paris, 20. Dezember Die „Action fran?aise" machte sich vor emi- aen Tagen zum Sprachrohr gewisser Gerücht«, die über einen angeblichen Skandal im sran- zöstsche» Außenministerinm in Umlauf seien. Hiernach sollte am 12. Dezember eine laug- jährige Sekretärin des Außenministeriums verhaftet woröen sein. Gleichzeitig habe man einen Helfershelfer, einen — wie das Blatt sich ausdrückt — „russischen IuÄen" R.. in einem großen Pariser Hotel verhaftet. Wie jetzt aus weiteren Veröffentlichungen der Pariser Sonntagsblätter hervorgeht, stehen diese aufsehenerregenden Verhaftungen im Zusammenhanl, mit Waffengeschäften mit den spanischen Bolschewisten. Es handelt sich um die 41 Jahre alte Stenotypistin Susanne Lin- der. Sie in der Archivabteilung des Quai d'Orsay beschäftigt war, und den seit drei Iah- ren in Paris in einem großen Hotel wohnen- den 35 Jahre alten ..tschechoslowakischen Staatsangehörigen russischer Herkunft" na- mens Rosenfeld. „Action francaise" behauptet, daß Rosenfeld sich gerühmt habe, auf ausdrück- liches Verlangen der französischen Regierung regelrechte Waffengeschäfte mit den spanischen Bolschewisten geführt zu haben. Deshalb habe man höheren Orts es für notwendig erachtet, „ihn aus dem Verkehr zu nehmen". Noch unaufgeklärte vierfacheNluttat Ten Mitarbeiter «nd seine drei Kinder getötet Selbstmord des Täters ):( Siege«, St. Dezember Am Sonntagabend wurde in Wilnsdorf (Kreis Siegen! eine entsetzliche Bluttat ver- übt. Der prakt. Arzt Dr. Graes hat durch Nevolverschnsse seine« Mitarbeiter, den gtjäh- rige« Arzt Dr. Schneider, seine elfjährige Tochter Inge und seine im Alter von fünf nnd acht Iahren stehenden Söhne Joachim und Jürgen getötet und dann sich selbst durch eine» Schuß in de« Kops «ms Lebe» gebracht. Dr. Graes war um 21 Uhr von einem Kran- kenbesuch zurückgekehrt und bat kurz daraus seinen Mitarbeiter Dr. Schneider, der sich mit mehreren Bekannten und Frau Graes im benachbarten Rüdersdorf befand, zu sich. Beide hatten eine längere Unterredung. Als nach 23 Uhr Dr. Schneider heimkehren und gerade seinen Wagen besteigen wollte, gab Dr. Graes plötzlich zwei Revolverschüsse auf ihn ab. Schwerverletzt brach Dr. Schneider zusammen. Dr. Graes begab sich dann ins Haus zurück und gab hier auf seine schlafende« drei Kinder mehrere Schüsse ab, um darauf die Waffe gegen sich selbst zu richten. Beim Eintreffen der herbeigerufenen Beamten gaben Dr. Schneider, das Mädchen und der Sohn Iva- chim noch Lebenszeichen. Das Mädchen starb aber kurz darauf. Die beiden Schwerverletz- ten wurden dem Krankenhaus in Siegen zu- geführt, wo sie noch im Laufe der Nacht star- ben. Das Motiv der Bluttat konnte noch nicht einwandfrei geklärt werden. Schlechter Gesundheitsstand in England und Wales Ueber eine halbe Million Schnlkinder unterernährt # London, 21. Dezember Nach öem Jahresbericht der Gesundheits- abteilung des englischen Erziehungsministe- riums sind in England und Wales mehr als eine halbe Million Schulkinder, das heißt je- des nente Kinb, unterernährt. Trotzdem er- hielten in dem Berichtsjahr nur 143 000 Kna- ben und Mädchen Freitische. Insgesamt wurden rund 1,8 Millionen Schulkinder, das ist ein Drittel aller Schul- kinder, ärztlich untersucht. Davon war der Ernährungszustand nur bei 246 000 ausgezeichnet. 1,2 Millionen Kinder waren normal er- nährt. Bei 178 000 war der Ernährungszustand unter normal und bei 12 000 schlecht. Die Sta- t-istik zeigt, daß am traurigsten die Notstands- gebiete von Novdengland und Südwales ab- schneiden. In der Grafschaft Durham müsfen fast 20 v. H. aller Kinder als leicht unter- ernährt bezeichnet werden. Der in Lancafhire drohende große Streik ist in letzter Minute vermieden woröen. In den Baumwollspinnereien und -Webereien wurde eine Verständigung erzielt, die eine Lohnerhöhung von 5/4 bzw. in Sonderfällen bis zu 9K v. H. vorsieht. Im Schalterraum der Franmnusterpost in Zürich wurde ein bedeutender Gelddiebstahl verübt, bei dem dem noch unbekannten Täter 37 vllg ffr. in Noten in die Hände fielen. Verleger und Herausgeber: Dt 21. ftntttiL Hauxtfchristlelter und verantwortlich für den politischen und wirtschastiichen Teil: Karl Aug. S e v s r t e d: lür geutlle- ton, Theater und Musil: Hans Schorn: für Nach- richten, Handel und Bilder: Adalbert H o l e t s e n ; für Lokales und Sport: Hanns Reich: ,ür Baden und Unterhaltung: Bert Raeg-Ie: sllr die Wochenschrift „Pyramide": Karl Joho: fllr Anzeigen: Heinrich S ch r t e v e r : sämtlich in Karlsruhe, Karl-Friedrich- Straße Nr. 14. — Sprechstunde der Echristleitung von 11—12 Uhr. Berliner Siliristleitung: W. Bfetsfer, Berlin-Wilmersdorf, Uhlandstrabe 134, Fernsprecher H 7, Wilmersdorf 5561. — S5üt unverlangte Beiträge übernimmt die Schriftleitung keine Verantwortung. — D.A. XI. 36: 9245. Druck bei (51. Braun, GmbH^ Karlsruhe (Baden), Karl-Friedrich-Strabe Nr. 14. Zur £ett ist Preisliste Nr. 6 vom 1. 7. 35 gültig. ts eine Skimrt ? Nein und )a: erstes Erfordernis bleibt Imitier die Zweckmäßigkeit. Aber Im Rahmen dieser kleinen Einschränkung gibt es vor allem für die Dame eine große Menge hübscher modischer Variationen und Skianzug- Kombinationen. Eine Dame will eben mehr sein als lediglich angezogen. Damen-Skianzug OQ 85 aus blauem Skimelton . Damen-Skianzug QQ50 aus blauem Skitrikot . Dim.-]acken-Sk!kostüm A7 . aus grünem Skitrikot ■ ■ ■ Damen-Skikostüm Eft 50 aus blauem Garbardin . 130 Damen-Skikoste haben wir für Sie am Lager Karlsruhe, Kaiserstr.221 /, fiuci» 85 Malaga rot ?>. 1.10 Malaga { oid fi. 1.35 Malaga 1.55 Muskat-Gold ^ 1.15 Edler Dessertwein Adria Gold /, fi . 1.55 Süßer adriatischer Küstenwein Deutscher Lltr.FI. Wermutwein Deutscher Wermutwein Evlu Vi Fl. Inhalt 1.20 u. 85 1.15 Die Preise sind ohne Flasche Flaschenpf. für */i Fl. 5, Ltr.-Fl. 15 Rpf. Italien. Orangen 500 Gramm JU Warum den Kopf zerbrechen ! SchenkenSie eine gute, moderne flrmbaiid- u. Sie werd. bestimmt Freude bereiten. Uhren- Fachgeschäft O.Hiller Waldstr. 24 b. Co'osseum ktaatstWer Montag, de» 21. Dezember 1936 NS-Kulturgemeinde Hlinsel und Ml Märchenoper von Humperdinck Hieraus: Die Puppensee Ballett von Bayer Ansang 20 Uhr Ende 22.45 Uhr Preis«: 0,50—1,00 RM. Der i. Rang ist sllr den allgemein nen Verlaus freigehalten. Di.. 22. 12.: Nachm. u. abendS: Rumpelstilzchen Wenn Sie auch unter Ihren näheren Bekannten Ihre Verlobung durch eine Karte anzeigen, so sollten Sie auf die Verlobungsanzeige in der Welhnachts- r noch so man- ausgäbe des "^1711710 *Wini(2f chen lieben Be- KarlsruherTag. Sommer blattes doch Sie beim Ver- nicht verzieh- * rä ß en aU Verlobte sand der Karten. Sie errej» Weihnachten 1936 ten doch nicht chen hierdurch p r *i« rm . 4 .1# gedacht haben. Ve r Iob u ngsan ze Ige n fü r die We i h n ach tsau sgabe werden bis Donnerstag 10 Uhr entgegengenommen Das schönste Weihnachtsgeschenk ist ein Schmuckstück IV Uhr gute Qualitäten in jeder Preislage Juwelier VST ld. III 3. II II Kaiserstraße 114. Werkstätte für Schmuck und Uhren Schloss-Hotel Karlsruhe Freitag, 25. 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