Karlsruher Leitung. Nr. 264. Montag, den 24. September 1Y3S. Baden. * Karlsruhe, 23. September. Die Berichtigung des Artikels in der Karlsruher Zeitung Nr. 258 über die Industrieausstellung in Karlsruhe, welchen diese Zeitung in Nr. 26 t ausgenommen hat, ist unvollständig. Nicht nur von Frauenalb und Karlsruhe, sondern auch auS der Fabrik Finkenstem u. Komp, in Pforzheim fanden sich Tücher vor von schwarzer, blauer und rother Farbe. Dieselben waren bei der Ausstellung zwischen jene von Frau- enald und Karlsruhe gereiht; weil aber der Zettel dabet feblte, mit dem Namen des Fabrikaten — wenigstens mangelte solcher, alS Einsender dieses die tausend Gegenstände besichtigte, deren Zahl und Trefflichkeit ein rühmlicher Beweis des Aufschwungs der vaterländischen Industrie ist — so mochte man, bei oberflächlicher Anschauung, das pforzheimer Fabrikat dem von Frauenalb beizählen. Und nähere Besichtigung war in derThat nickt möglich, da eine Barriere den Zuschauer um mehrere Fuß entfernt hielt, die Stücke auf einander ge- sckichtet waren und das Fabrikzeichen nicht gesehen werden konnte. Immerhin mußte jedoch selbst der Nichtkenner von einer großen Verschiedenartigkeit sich überzeugen, denn daS Filikenstein'sche Fabrikat ließ nach Stoff, Gewebe, Farbe und letzter Zubereitung nichts zu wünschen übrig; eS zeugte von der Trefflichkeit dieser Fabrik, in welcher Maschinen der neuesten Erfindung ausgestellt sind, und von den umfassenden Gesckäftskenntnissen des Gründers und Besitzers und dessen stets regem Eifer, seine Anstalt auf ihrer Höhe zu erhalten. Stellen wir nun noch die gemachten Preise — wenn wir recht unterrichtet sind für daS schwarze und blaue 5 fl. die neue Elle und 6 fl. für das rothe — mit der Güte der Waare nach Gehalt, Feinheit und Vollendung zusammen, so müssen wir gestehen, daß die PreiSwmdigkeit allgemeine Aneikennnung verdient, und nur zu wünschen gewesen wäre, daß ein besserer Platz diesem Fabrikat angewiesen worden wäre und daS Preisgericht jene Anerkennung förmlich ausgesprochen hätte. Baden, 22. Sept. Unter den neuerdings angekommenen Fremden bemerkt man: Graf de l'Aubespine, auS PariS; Hirzel-Usteri, auS Zürich; Allouard, aus Paris; Bechaegen, Advokat auS Brüssel; Marquis v. Dauvet, aus Paris; v. Aylies, aus Paris; Gräfin v. Hatzfeld, auS Düsseldorf; Graf Fredro, auS Galizien; Graf Jgel- ström, aus St. Petersburg; Bischof und Oswald, auS Basel; Hr. Baron v. Schwalm'erg mir Familie und Gefolge f Se. Durch!, der regierende Fürst zu Lippe, inzwischen wieder abgereist j, auS Detmold; Freiherr v. Wevekind, aus Darmstadt; Didier, aus Paris; Appersley, auS England; Trütschler v. Falkenstein, aus Gotha; v. Basileffsky, aus Rußland; k. preuß. Major Frhr. ,v. Radvwitz, aus Frankfurt a. M.; Urqu- hart, auS London; Graf Wiellessky, auS St. Petersburg ; Dr. Med. KoSloffsly, auS Rußland; Höier, Maler, aus Kovenhagen; Krüger, Maler, auS Bremen; de Luc, aus Genf; k. großbr. Generalmajor Trench, aus England; Baron v. Rosen, aus St. Petersburg; k. preuß. Generalsuperintendeut Sartorius, aus Königsberg; Müller und A. Hellbach, aus Philadelphia; k. großbr. Obrist H. P. Davidson, aus England; Sack, Prof, aus Bonn; Dr. Mev. Guyette, aus Moskau; Rustem Bey, aus Konstantinopel. Die Liste zählt bis heute 17,58k Personen. Freiburg, 20sSept. Es ist längst beschlossen, wie insbesondere den Studirenden schon vorläufig bekannt gemacht wurde, bestimmte Tage und Stunden inSkünftige zu völlig freiem Eintritte in doS Naturalienkabinet festzusetzen. Daß dieses in solcher Weise nicht schon früher geschah, hat seinen Grund in der, erst vor wenigen Wochen vollendeten, Baueinrichtung im Naturolienkabinete, und der davon abhängig gewesenen, kaum noch zum Zeitpunkte der Naiurforscherversammlung völlig zu Stande gebrachten systematischen, Aufstellung der Naturalien. Die akademischen Behörden dahier haben und werden sich stets angelegen seyn lassen, für den allgemeinen Nutzen olles das zu tbun, was ibnen ihre Aufgabe und ihre Mittel zu thun »erstatten. Es kann denselben auch nur erfreulich seyn, wenn das Interesse für ihre Anstalten und die Nützlichkeit derselben sich in weitere Kreise verbreitet; letztere wird aber immer davon abhängig seyn, daß elfteres sich mit Diskretion und Anstand kund gebe, worüber nun die Erfahrungen dieser Woche wahrscheinlich eine gute Probe liefern werden. (F. Z ) Frei bürg, 20. Sept. (Versammlung der Naturforscher.) BotawSektion. Sitzung am 19 Sept. Präsident: Hofrath v. MartiuS; Sekretär: Prof. Perleb. Nachdem die Einschreibung der Namen der Mitglieder statt gefunden, stellte der Präsident den Antrag, besonders solche Vorträge, worüber etwa mit andern Sektionen zu konfe« riren seyn dürste, zeitig anzuzeigcn. Hierauf wurden zwei von C. H. Echnltz eingcsendeie Abhandlungen vorgelc'en: 1 - über die Sästecyklose in den Haare» der Pflanzen; 2683 2) über die Wasser absondernden Drüsen von Roxsn- rksr ässtillswris. Beide, besonders erster«, gaben zu längeren Diskussionen Anlaß. Hierauf zeigte Professor Treviranus eine Probe eines Holzes aus Brasilien von noch unbekanntem Ursprünge und unerklärter Bildung vor, und mehrere Mitglieder äußerten ihre Ansichtenüber die Entstehung desselben. In der morgigen Sitzung soll vorgetragen werden: 1) von Professor TreviranuS über natürliche Papiere; 2) von demselben über Bau und Entwicklung der Farnkräuter; 3) von W. Schimper über die Bedeutung des MoosperistomS rc.; 4) von Professor Wyd- ler über die Genesis des Eies und des Embryo der 8ro- Lulsrinse. Von nun an wird täglich um die Mittagszeit an dem Bersammlungssaale der botanischen Sektion angekündigt seyn, was in der Sitzung des folgenden Tages zum Vortrage kommen soll. Medizinische Sektion. Sitzung vom19.Sept. Präsident: Hofrath Dr. Baumgärtner; Sekretär: Dr. Hecker. Dr. JobSt berichtet über die Resultate, welche man mit dem Huaco bei der Cholera erzielt hat, und zeigt in einem aus Amerika erhaltenen Briefe, daß die Eingeboren dasselbe besonders gegen den Schlangenbiß nnd die Hydrophobie mit Nutzen in Anwendung bringen. Im Allgemeinen scheint der aus der frischen Pflanze ausgepreßte und mit Weingeist versetzte Saft die größte Wirksamkeit zu besitzen, weshalb Jobst zu Versuchen damit auffordert. b'Outrepont lenkte die Aufmerksamkeit der Anwesenden auf zwei, bisher noch nicht gehörig bekannte, ursächliche Momente des Absterbens der Frucht in der Gebärmutter, nämlich die bei sehr langer Nabelschnur vorkommende Verdrehung derselben und die Desorganisationen des Mutterkuchens, und erweist durch ein Präparat, daß elfteres als die primitive Ursache des Todes der Leibesfrucht statt haben kann. Prof. Jäger sprach über das Heimweh, welches Mädchen von 15 — 16 Jahren ohne anderweitige Gründe zum Kindesmord antreibt, und viele Aehnlichkeir mit dem Brandstistungstrieb erkennen läßt. Hierauf theilte Generalstabsarzt Meier die Zufälle und Erscheinungen, welche bei einem Nachtwandler beobachtet wurden, mit; er beleuchtete die karakteristischen Zufälle und Erscheinungen des gemeinen Nachtwandlers, und schloß mit Betrachtungen über die so interessante und noch nicht gebührend erforschte Periodizität der Krankheiten, besonders der teb, ris internrittens. Hofr. Baumgärtner fesselte durch einen Vortrag über die Bedeutung der Kranken-Phystogno- mik die Aufmerksamkeit der Versammlung, und nachdem er sich über den Begriff, die Gränzen und den Werth dieser Lehre in den verschiedensten allgemeinen und örtlichen Krankheitszuständen geäußert hatte, bestätigte er das Gesagte durch die seinem Werke über Kcanken-Physiognomik in einem besonder» Atlas beigegebenen, nach der Natur gezeichneten, Krankheitsbilder. Zum Schluffe folgten Erörterungen vom Medizinalrath Müller über die organischen nnd geistigen Veränderungen bei Blödsinnigen. (Tf.d.N.V.) Freiburg, 22. Sept. (Versammlung der Naturforscher.) Vorträge in der geologischen. Sektion. Nachdem am 18. Sept. die allgemeine Versammlung der Naturforscher eröffnet war, hat die Sektion der Geologen und Mineralogen (tm Seminarium) noch an demselben Tage den Bergrath Walchner aus Karlsruhe zu ihrem Präsidenten, so wie den AmtSassessor Römer aus Hildesheim zu ihrem Sekretär erwählt, und zugleich beschlossen, am 19. d. eine geologische Exkursion nach dem nahen Schün- berg zu unternehmen. Dieser Ausflug ist dann auch von einer zahlreichen Gesellschaft ausgeführt, und sind dabei durch den Präsidenten, so wie durch den Prof. Fromherz, die interessantesten Verhältnisse jenes BergeS gezeigt worden. Am 20. Sept. hat die geologische Sektion von 7—S und von 11 — 1 Uhr Sitzungen gehalten, in welchen der Kammerherr Leopold v. Buch über den allgemeinen Ka- rakter des deutschen JuragebirgeS, der Prof. Stüber aus Bern über die geologischen Verhältnisse der westlichen Alpen, der Baron v. Rosthorn aus Jllyrien über die Zusammensetzung der östlichen Alpenkette Vorträge hielten; sodann wurden noch aus verschiedenen Gegenden Deutschlands die interessantesten Versteinerungen vorgezeigt, welche zu lebhaften Diskussionen Anlaß gaben. Vorträge in der Sektion für Zoologie» Anatomie und Physiologie. Sitzung vom 19. Sept. Die Sektion konstituier sich am 19. September (in dem Konsi- storialsaale des neuen Universitätsgebäudes) und beschließt, ihre Sitzungen Morgens von 7 Uhr an zu halten. Das Präsidium, bestimmt sie ferner, soll täglich wechseln. Zum beständigen Sekretär wird Professor Leuckart gewählt; zum Präsidenten für die erste Sitzung aber Hofr. Münz von Würzburg. Dann folgen nachstehende Vorträge: 1) Hofr. Münz: über das Verhältniß der Linse zu ihrer Kapsel. 21 Hofr. Schultze von Greifswalde: über eine muthmaßlich neue Cypric-Art, im Wasser von Baden-Baden gefunden. 3) Strauß-Türkheim von Paris: über JujektionS- und Sektions-Apparate für Jnsektenanatomie. Dr. Zkm- mermann von Krombach: über eine Zwillingsmißgeburt, von welcher mehrere Abbildungen ausgetheilt werden. — Sitzung vom 20. Sept. Präsident: Hofrath Oken von Zürich. Verhandlungen: 1) Prof. Eschericht von Kopenhagen theilt seine anatomischen Untersuchungen über die Lotlii-iooeplialiis latur mit und spricht über den Standpunkt der Vothrtoeephalen in dem Thierreiche. Diskussionen darüber erregen Hofrath Schultze und Prof. Leuckart. 2) Prof. Perthy von Bern zeigt, im Auftrag Brunner's, afrikanische Ameisen vor, ähnlich der k'örwioa Korculsns. Derselbe theilt ferner Notizen über einige Infusorien mit und spricht zuletzt über einige neue Oener» von Insekten und über einige Milben, welche parasitisch aus Insekten leben. 3) Der Prinz von Musignano, Charles Banaparte aus Rom, trägt französisch sein System der Fische vor, worüber sich darauf auch Prof. Agassi; ausspricht und feiner Klassifikation der Fische das Wort redet. Auch Strauß- Türkheim nimmt an dieser Diskussion Theil. Sitzung der botanischen Sektion am 20. Sept. von 9 — 11,' Uhr. Präsident: Hofrath v. MartiuS; Sekretär : Professor Perleb. Von den gestern angekündigten Borträgen konnten heute nur zwei stattfinden, nämlich: 1) 2688 von Professor Treviranusüber einige Besonderheiten in dem Bau und der Entwickelungen der Farngewächse; und 2) von Professor Wydler: über Ei-- und Embryo-Bildung der Skrophularicn. Beide Vorträge führten zu vielseitigen Verhandlungen über die, in denselben zur Sprache gebrachten, neuen Ansichten und Thatsachen. Insbesondere legte Hofrath v. Martius eine Reihe von Zeichnungen vor zur Erläuterung seiner Ansicht über daS Verhältniß deS Embryo zum Eikerne. Morgen kann keine Sitzung seyn wegen der gemeinschaftlichen Fahrt nach Badenweiler. B a t e r n. München, IR Sept. DaS Aussehen Sr. H. deS Herzogs Mar ist überaus gesund und lebenskräftig; gleich gut befinden sich seine Reisegefährten. Leider sind von letzteren nicht alle wiedergekehrt. Der treffliche Arzt Dr. Bayer ist bekanntlich ein Opfer der Pest geworden; auch von den Domestiken ist einer, der Mulatte Wellington, im Orient gestorben. Die beiden HH. v. Busek sind in Rom zurückgeblieben, wo der eine, Baron Karl, krank darnieder liegt. Hauptmann Hügler, der in Malta mit dem Pferde stürzte und das Schlüsselbein brach, ist zwar hergestellt und befindet sich wohl, doch läßt die Art seiner Heilung auf keine sonderliche Geschicklichkeit der Malteser Chirurgen schließen. Der Herzog hat bedeutende Einkäufe gemacht, und bringt eine merkwürdige Sammlung von Seltenheiten aller Art mit, unter andern mehrere Mumien, einige schöne Eremplare von Krokodilen, Schakals re., eine Menge seltener Vögel, Reptilien rc. Alle diese Dinge sind noch auf dem Wege, von fünf Negern geleitet, die der Prinz in seinen Dienste genommen hat. — Dem Vernehmen nach wird Se. D. der Herzog Mar von Leuchtenberg sich Anfangs des nächsten Monats nach Petersburg begeben. — Die Königin von Griechenland wird, dem Vernehmen nach, nicht nach München kommen. Sie ist bereits in Bern eingetroffen, wird dort ihren Vater erwarten, und bis Mitte Oktober dort verweilen, dann gegen Ende Okober auf dem in Ancona bereitstehenden Dampfschiffe nach Athen zurückkehren, in der Zwischenzeit aber mit unserer Königin Therese Mas. an ernem dritten Orte Zusammentreffen. (A. Z.) Würzburg, 21. Sept. Professor Fuchs verläßt Baiern wirklich und geht nach Hannover über. Er war nach München gereist, als ihn seine neue Anstellung in baierischen Dienst getroffen; allein er hat sich dort entschieden , sein Wort gegen Hannover zu erfüllen und seine Professur in Göttingen anzutreten. Hosrath Marcus war zu gle cher Zeit mit Prof. Fuchs in München. Vielleicht entscheidet sich Ersterer noch, nach München sich überzusiedeln. — Ein abscheuliches Mord - und Raubattentat gegen einen hiesigen Bierführer berichtet die gesunkene Moralität und fordert die möglichste Strenge der Gerichte. Nürnberg, 19 Sept. Ganz unerwartet traf gestern Abend 6j Uhr, kaum eine Stunde zuvor im Gasthofe angesagt, ein Theil des Gefolges Se. k. H. des Großfürsten Thronfolgers von Rußland, und mit demselben» obwohl im strengsten Inkognito und von seiner Umgebung verläugnet, dieser Fürst selbst von Weimar hier ein, um übermorgen die Reise nach Como, wo der Großfürst angeblich längere Zeit verweilen wird, über München fortzusetzen. Das übrige Gefolge Sr. kaiserl. Hoh. wird heute oder morgen hier erwartet. (F. Z.) Freie Stadt Frankfurt Frankfurt, 17. Sept. Die hohe deutsche Bundesversammlung hat auf die bei derselben eingereichte Vorstellung und Bitte des Magistrats und der Alterleute der Stadt Osnabrück, das Verfassungsgrundgesetz des Königreichs Hannover vom Jahre 1833 betreffend, am 6. d. M. beschlossen: „Dem Magistrate und den Alterleuten der Stadt Osnabrück ist durch ihren Bevollmächtigten, Dr. Hessenberg Hierselbst, zu bedeuten, daß die Bundesversammlung in dem vorliegenden Falle ihre Legitimation zur Beschwerdeführung in den Bestimmungen der deutschen Bundes- und deren Schluß-Akte nicht begründet finde." Ei» gleichlautender Beschluß ist von der Bundesversammlung an demselben Tage auf ähnliche Vorstellungen einiger os- nabrücker Landgemeinden, sowie des Magistrats, der Bürgervorsteher und der Wahlmänner der Stadt Hildesheim, gefaßt worden. (Hann. Ztg. vom 20. Sept.) Freie Stadt Hamburg. Hamburg, 11. Sept. Für die Separatisten, die noch in Barnbeck verweilen, wird jetzt in öffentlichen Blättern zu einer Kollekte aufgefordert, da mehrrre unter ihnen ganz ohne Mittel sind, die Reisekosten nach Australien zu bezahlen. (A. Z.) Oesterreich. Wien, 15. Sept. Der Armeebefehl, wodurch die Aufbesserung der Gage der Subalternosfiziere der k. k. Armee vom Kapitänlieutenant abwärts und die Verwandlung der Fähnrichscharge in die eines 2ten Unterlieutenants angeordnet wird, ist nunmehr erschienen. Man sicht hieraus, daß die Gage des Kapitänlieutenants in den deutschen Provinzen von 37^ auf 50 fl., die des Oberlieutenants von 25 fl. aus 32fl., die deS Isten UnterlieutenantS von 20 auf28 fl. und die des 2ten Unterlieutenants (statt des Fähnrichs von 19 fl.) auf 24 fl. pr. Monat festgesetzt, und dabei bestimmt worden ist, daß wie bisher der Stationsort in Rücksicht der Preise der Lebensmittel eine entsprechende firirte Erhöhung oder Ermäßigung dieser Gagen bedingt. Demselben Befehle gemäß wird bet der gelammten Kavallerie die Gage der Oberlieutenants mit Z fl. und die der UnterlieutenantS mit monatlichen 5 fl. erhöht. Diese sämmtlichen Verfügungen haben mit Beginn deS neuen Militärjahrs, d. i. den 1. Nov. 1838, in Wirksamkeit zu treten. (A. Z.) Preußen. Berlin, 19. Sept. Gestern wurden von den Direktoren und Repräsentanten der berlin-potSdamer Eisenbahngesellschaft um 11 und dann um 3 Uhr zwei Hauptprobefahrten von Potsdam nach Zehlendorf und zurück unternommen ; die Strecke wurde vom „Pegasus" in 26 Minuten hin, und zurück in 24 Minuten, vom „Adler" in 24 2690 Minuten und in 22 Minuten zurück gefahren. Der Zug bestand aus 11 Personenwagen und einem belasteten Güterwagen. Die Fahrt ging in größter Regelmäßigkeit und „Ordnung vor sich und gab ein höchst erfreuliches Resultat. Mehr als 300 Personen befanden sich in den Wagen und nahmen an beiden Fahrten Theil. Die Bahn wird am 21. d. M. eingeweiht und am 22. für daS P iblikum eröffnet. Die Preise werden vordrrhano von Potsdam nach, Zehlendorf 15, 10 und 5 Sgr. und späier von Berlin nach Potsdam 20, 15 und 7; Sgr. betragen. (Pc. St. Z.) Potsdam, 18. Sept. Gestern ist Se. königl. Hoheit der Kronprinz von Baiern hier angekommen, und hatte die Höchstdemselben bestimmten Zimmer im Neuen Palais bezogen. (P. St. Z.1 Stettin, 16. Sept. Heute Abend kurz vor 8 Uhr hatten wir hier die schöne Erscheinung eines Nordlichtes, welches sich in seinem purpurfarbenen, mit weißen Streifen durchwebten, Glanze in der Richung oon Westen nach Osten auSdehnte. Stettin, 18. Sept. Se. kön. Hoheit der Kronprinz, Statthalter von Pommern, ist so eben, 2 Uhr Nachmittags, hier eingetroffen. (Pr. St. Z.) Koblenz, 19. Sept. Ein neuer Beweis, wie sehr sich die Industrie der Obsthändler unserer Umgegend aus- breitct, bietet die den Obsthändlern zu Güls von London aus zuqekommene Bestellung auf 2 Millionen Wallnüsse dar. Dieselben werden gegenwärtig sammr den Hülsen in Körben je zu 1.000 Stücken verpackt und mit dem Dampfschiff direkt nach London versendet. Würremderg. Tübingen, 19. Sept. Die Universttätsbibliothek hat von Hrn. Presbyter Heberlen, Missionär in Kalkutta, einem gebornen Tuttlinger. ein sehr dankenswerthes Geschenk an werthvollen indischen Handschriften und Drucken erhalten. (S. M.) Großbrttannier. London, 18. Sept. Gestern, Morgens 8 Uhr, ging die höchst feierliche Eröffnung der nun vollständig hergestellten london-birminghamer Eisenbahn, unter Teilnahme des Herzogs v. Süsser und anderer Notabili- täten, und unter dem Zudrange einer großen Volksmenge, welche sich vom Ausgangspunkte, Euston-Sqnare, bis Primrose Hill hin zu beiden Seiten der Bahn ausgestellt hatte, vor sich Drei Wagenzüge, wovon der 2te, mit 16 Wagen, bald nach 8 Uhr, und der 3te, ebenfalls mit 16 Wagen, um 9 Uhr abging, waren erforderlich, die Menge der Eingeladenen und Fahrlustigen unterzubringen. Die ganze Cisenbahnstrecke von London bis Birmingham beträgt einhundert und zwölf und ein viertel engl. Meilen, und mag auf den Dampfwagen in weniger als drei Stunden zurückgelegt werden. Der Fahrpreis von London bis Birmingham, oder umgekehrt, für 1 Person im Innern eines Wagens erster Klasse ist aus 1 Pf. St. 12 Sh. 6P. sl9fl. 30kr.j festgesetzt, bei einem Wagen zweiter Klasse auf 1 Pf. St. s12 fl.j (Globe.) — Die Blätter streiten sich über die Zahl der Theilneh- mer ander Volksversammlung am letzten Montag. Der „Ledger" sagt, die Angaben variirten zwischen 3,000 bis zu 17,000 Personen; letztere Zahlsey jedoch unstreitig sehr weit übertrieben. — Dem „Globe" zufolge wird der gegenwärtig auf Urlaub befindliche brit. Gesandte am madrider Hofe, Skr G VillierS, in Kurzem von London auf seinen Posten zurück reisen. — Der „Globe« sagt, Sir G. Smart habe bisher für seine Direktion des Orchesters des Drurylane-TheaterS ein Salaic von 1,009 Pf. St. s12,000 fl.j erhalten gehabt; der jetzige, neue, Direktor, Hr. Cooke, bekomme nur die Hälfte dieser Summe, allein auch dies sey genug. lBe- kanntlich ist, da die londoner großen Theater nicht das ganze Jahr hindurch geöffnet sind, der Orchesterdirigent auch nur während der Saison oder Spielzeit beschäftigt.j Frankreich. Paris, 18. Sept. Das Journal des Debats be- harrt, dem Deutschen Courier gegenüber, auf seiner Angabe, daß Ludwig Napoleon auch ein: Audienz von Kaiser Nikolaus erbeten habe. Es ist dies ein untergeordneter Punkt, denn in der Hauptsache haben wir vollkommene Bestätigung für daS Ansuchen des Prinzen um russichs Dienste gegeben, und erst in den letzten Tagen wieder auS den zuverlässigsten Quellen erhalten Doch haben wir auch in rem untergeordneten Punkte der Autuenz allen Grund, unsere Angabe für die genauere zu kalten. Dieser Theil der Angabe des Journal des Debats bcruht — wie wir bere rs früher angedeutet haben — auf einer bloßen Verwechslung. (D C ) — Das liberale Oppositionsblatt „leStecle" rechnet dem legitimistlschen Oppositionsblatt „G izette de France" vor, daß die Restauration während der 16 Jahre ihrer Herrschaft nicht weniger als 2731 Millionen „unnütz" verschleudert habe. In dieser Rechnung sigunren unter Andere» auch 342 Millionen 349,000 Fr., welche die vorige Dynastie an Ztvilliste und Apanagen mehr erhielt, als die jetzige in dem gleichen Zeitraum erhalten haben wird; ferner 57 Millionen 200,000 Fr. Mehr - Besoldung der Kardinäle, Erzbischöfe, Bischöfe und anderen hohen Geistlichen. Paris, 20. Sept. AuS Rouen melden dortige Blätter, daß daselbst auf heute eine öffentliche Versammlung aller Schiffsrheder, Kaufleute, Fabrikanten und anderer bei'm Kolonieen-Zucker-Handel Betheiligter angesetzt sey, um einen Ausschuß zur Abfassung einer Denkschrift an daS Ministerium wegen des Nothstandes des fraglichen Handelszweiges zu ernennen. — Einem Schreiben aus Pont-ä-Pitre auf Guadeloupe vom 30. v. M. im „Journal de Havre" zufolge hatte der sinkende Preis des Zuckers die größte Bestürzung in dieser Kolonie erregt, welche am Rande des Verderbens stehe; die Zuckerproduktion dürfte dort zuletzt ganz aufhören, da der Ertrag der Verkäufe dieses Erzeugnisses die Baukosten und Abgaben zu decken bald nicht mehr hinreiche, und die Pflanzer würden dann ihre Aufmerksam- 269l keit ausschliessend dem Landbaue oder der Erzeugung von Melassen für die Bereinigten Staaten zuwenden. — Auf der Mairie des lOten pariser Arrondissements hat kürzlich das öffentliche Aufgebot wegen der Heirath des Marquis Delangle mit dem Fräulein v. Bourmont, der Tochter deS Grafen Bourmont (Marschalls von Frank» reich unter Karl X.) stattgefunden. — Hr. LocrontS, Präsident des Handelsgericht-zu Al» gier, hat von der franz. Regierung sein Erequatur als Konsul der Vereinigten Staaten von Nordamerika erhalten. — Fortschritt der Zivilisation! Die Bretagne, die vor wenig Jahren noch kaum ein paar Zeitungen zählte, ist so glücklich, jetzt deren über zwanzig zu besitzen. Pontivry und Lorient sind die beiden einzigen bedeutenderen Orte dieser Provinz, in welchen noch keine öffentlichen Blätter erscheinen. — Am 16. d. M. bat zu Cateau (Norddepartement) die Einweihung der kolossalen ehernen Bildsäule des (von Cateau gebürtigen) Marschalls Monier, Herzogs von Tre- viso, der so schändlich an des Königs Seite zu Paris getötet wurde, uuter großen Feierlichkeiten und in Gegenwart zahlreicher Zuschauer statt gefunden. Die Bild- iäule des Marschalls, ein Werk des Hrn. Bra, ist vollkommen ähnlich und sehr schön auSgeführt. DaS Fußge- stelt ist aus zwei übereinander gelegten Marmorblöcken zusammengesetzt. Es trägt folgende Inschriften, und zwar aus der vordem Seite: „Dem Marschall Mortier, geboren zu Cateau im Jahr 1768, an des Königs Seite ermordet den 28. Juli 1835"; auf der hinlern Seite: „Mul- tenthal, Hannover, Dürnstein, Ocanna, Moskau, Lützen, die Haupischauplätze seines Ruhmes". Der jetzige Herzog von Treviso hat 1,000 Fr. den Armen der Stadt geschenkt. Paris, 20. September. ES liegen sich die Op- positionsstnnmführer nun ebenfalls in den Haaren, und zwar über die, in Umlauf gesetzte und bereits mit Taufen» len von Namenöunlerschriften angefüllte, Bittschrift hinsichtlich der Wablresorm. Schon bemerkt man unter jenen Blättern eine Kraftzersplitlerung: Der „National" und der „Bon Sens" büden die äusserste Linke, daS „Siöcle" und der "Temps" die linke, und der „Courrier jranaals" und bas "Journal de Paris" das Zentrum; die „Gazette de France" schwirrt um die Parteien herum und such! das Feuer anzuschüren. — Einstweilen wünscht sich die Staatsverwaltung Glück zu der ihr von der Bevölkerung von ganz Frankreich gewordenen Theilnahme. Der Augenblick der Zusammenberufung der Departementalräthe ist immer ein Moment der Prüfung. Dieses Jahr war sie noch entscheidender durch die vermehrte Wirksamkeit, welche daS, in letzter Sitzung angenommene, Gesetz ihnen zuer» theilt. Es hat dieser Versuch ganz den Wünschen entsprochen. Die Präfekten haben von Seiten dieser Departementalkammern eine Zustimmung voll Vertrauens erhallen. Alle Ansichten der Staatsverwaltung sind gutgeheißen Worten. Bedeutende Budgets sind fast ohne Verhandlung angenommen worden, v. Montalivet, nach dem Beispiele Deutschlands, Englands und der Vereinigten Staaten verfahrend, hatte die Aufmerksamkeit der Departementalräthe auf gewisse wichtige Fragen hingeleitet, wie z. B: das Gefäng- nißsystcm, die Findelkinder, das Straßenbauwesen u. s. f.; alle diese Fragen haben eine Lösung erhalten, welche ganz mit der DenkungSart und den Absichten deS Ministeriums zusammenstimmen. — Selten haben fremde Unruhen hier so viel Stoff zu Glossen gegeben, als die stockholmer. Selbst die deutschen Blätter widmen ihnen keine solche Aufmerksamkeit. Jedoch bemerkt man, daß der König von Schweden viele Freunde bei der pariser Presse hat; das "Journal gönöral de France", das Hauptorgan der DoklrMä-e, wirft sich selbst zu seinem Verteidiger „gnanckmömv" auf. — AuS England vernimmt man seit einiger Zeit durchaus nichts von Belang. Die Volksversammlungen gehen ihren geregelten Gang und flößen durchaus keine Unruhe ein — Von Eröffnung der Kammersitzungen verlautet weiter nichts, man ist aber der Meinung, daß sie früher als im Dezember statt finden wird. — Der letzte Roman der Frau v. Mole, „Love" betitelt, macht großes Aussehen. In der Literatur fängt es wieder an reger zu weiden. Toulon, 16. Sept. Der Kutter „le Furet"hat dem Geschwader des Admirals Lalande denBefehl überbracht, künftigen Monat Tunis zu verlassen und im Hasen von Toulon zu überwintern. Mehrere Schiffe dieser Flotille sollen abgetackelt werden; nur der „Jena" und der „Triton" b>e den m der offenen See. Die andern bleiben zwar zum Tdeil armirt,ruhen aber auf derRhede aus. Da imOrient kein unmittelbarer Ausbruch eines Krieges droht, so dürfte bas Ministerium wohl die letzten kostspieligen Anordnungen zurücknehmen, ohne jedoch ganz unvorbereitet bei einer etwaigen Wendung der Dinge dazustehen. — Seit der Abfahrt der zwei Bombarden „Cyclope". und „Vul- cain" sind die eingestellten Hafenarbeiten wieder begonnen worben; selbst Sonntags wird keine Rast gehalten. Der Telegraph ist in beständiger Bewegung. Vom 1. Oktober an wird die Quarantäne der, aus Afrika kommenden, Fahrzeuge von 14 Tagen auf 8 reduzirt. — Aus Afrika lauten die Berichte sehr befriedigend. Achmed scheint zwischen Guelma und Tunis zu sehn; er hofft immer auf ein gutes Uebereinkommen; sein Vertreter Ben-Aiffa sucht den Marschall Valöe dazu zu bewegen. Selbst von einer kurzen Eisenbahn zum leichteren Transport der Baumaterialien ist in Algier bereits die Rede. — Den Prinzen Friedrich von Oesterreich haben die Araber für einen Sohn Napoleons gehalten. — Abd-el-Kader ist noch immer vor Arn- Madi, welches ihm widersteht. Dieses Mißgeschick hat ihm bereits mehrere Stämme abtrünnig gemacht; ein vollständiges Fehlschlagen dürfte seinem Einflüsse ein Ende machen. Schweiz. Arenenberg, 16. Sept. Es ist durchaus falsch, daß Prinz Napoleon bei dem Kaiser von Rußland Dienste gesucht habe. An das Journal des Debats ward deßhalb folgende Widerlegung gesandt. (Wir bemerken, daß der Verfasser des Schreibens vergaß, diese Widerlegung beizuschließen.) (A. Z.) 2692 Arenenberg, 18. Sept. Der Artikel auS dem „Deutschen Courier", welchen die Mg. Ztg. vom 17. d. enthält, nöthigt den Prinzen Napoleon, von Neuen auf die förmlichste Weise der Nachricht zu widersprechen, daß er bet Sr. Mas. dem Kaiser von Rußland in Dienste zu treten gebeten habe. Der Prinz will übrigens in dieser Beziehung in keine Diskussion eingehen; eS genügt ihm, diese erfundene Angabe Lügen zu strafen. (A. Z.) Staatspapiere. Paris, 21. Sept. Sprozent. konsol. 109 Fr. 25 Et.; ^Prozent. — Fr. — Cent.; Prozent. 102 Fr. 35 Et.; Zprozent. 80 Fr. 75 Et. Bankaktien 2610. —. Kanalaktien 1265. —. Röm. Anleihe 102; belg. —; Piemont. —; neap. R. 99. SO. Span. Akt. 20; Paff. —. St. Germaineisenbahnaktten 735 Fr. — Et.; Vers. Eisenbahnaktien, rechtes Ufer, 620 Fr. — Et.; linkes Ufer; 160 Fr. — Et.; Cetter do. 490 Fr. — Et.;'Havrer do. 955 Fr. — Et.; Mülhausener do. 470 Fr. — Et.;GaS- erlenchtungsgesellschaft —. Dampfschifffahrtaktien (Pecq) —- Fr. — Et. Kurs der Staatspapler« kt» Frankfurt a. M. Den 22. Sept, Schluß 1 Uhr, j pZt.j Pap. > Geld. Oesterreich Metall. Obligation»» 5 — 106tt «i do. do. 4 — 100/2 do. do. 3 — 79t « Bankaktien — 1723 fl. 100 Loose bei Roths. — 275 > Partialloose do. 4 151t — «> fl. 500 d». d«. — 127z Bechm. Obligationen 4 — 99z do. do. 44 101S Preußen StaatSschuldscheire 4 — 104Z » Nrämtenscheive — 66z Baker« Obligationen 4 ioiz — Frankjurt Obligationen 4 101t 274 » Eiseubahnaktien 4250 fl. — Baden Renteuscheine 3t — IMt Darmstadt flLOLooseb.Goll«.S. Obligationen 3j IMt 96t fl. 50 Loos« 62 — fl. 25 Loose 3t 23j — Nassau Obligationen b. Roths. 98j — fl. 2s Loose — 22§ Holland Integral« 2t — 52/s Spanten Aktivschuld b. — 8 Polen Lotterieloose Rtl. o«0 — 66 z do. 4 fl. 500 — 77t Redigirt unter Verantwortlichkeit von PH. Macklot. * Karlsruhe, den 23. Sevt. Nachfolgender Aufsatz wurde der Karlsruher Zeitung ron achtbarer Hand aus dem Ober- lande mit dem angelegentlichen Wunsche einzesendek, demselben, dessen Verfasser ein Norddeutscher und ein früherer Univer- sltätssreund des Einsenders sey, Aufnahme in diesen Blättern zu gewähren: „Verf. dieses, ein Theilnehmer des schönen Festes in Karlsruhe vom 10 . bis 16 . Sept-, fühlt sich in freudiger Rückerinnerung gedrungen, ein Wort von Herzen zu sprechen. Wo auch in Zukunft die deutschen Landwirthe sich vereinigen mögen — sie mögen vielleicht noch glänzender empfangen werden, herzlicher sicher nicht. Namentlich hat die süddeutsche Gemüthlichkeit einen tiefen Eindruck in den Norddeutschen zurückgelaffen, die nie die Gastfreundschaft vergessen werden, welche sie von dem erhabenen Fürstenhause an durch alle Klaffen der Gesellschaft gefunden haben. Einen besonders günstigen Eindruck bat das gesellige Leben von Karlsruhe gemacht, welches dort in einem Grade sich entwickelt, wie wohl in wenigen Städten Deutschlands. Das prächtige "Museum", die gemüthliche »Eintracht" mit ihren weiten Räumen und ihrem herrlichen Garten, die freundliche »Lesegesell- schast« und da« geschmackvolle Lokal des -'Bürgervereins» b eten allen Bildungsgraden einen weiten Spielraum. Einsender glaubt, die Gastfreundschaft, die er in Karlsruhe gefunden, nicht besser ehren zu können, als durch ein offenes Geständniß, das, wen» es richtig gewürdigt wird, vielleicht schöne, die edlere Geselligkeit noch mehr fördernde, Früchte trägt. Auf die Gefahr hin. für indiskret und aufdringlich zu gelten, erlaubt sich Einsender die beschiedene Frage: Sollten nicht für eine Bevölkerung, wie Karlsruhe sie hat, z w ei Mittelgesellschaften ein Mißverhältniß sevn? Sollten nicht Museum, Bürgerverein und eine Mittelges-ll- schrft hinreichen, alle geselligen Bedüifnisse zu befriedigen? Beide Mittelzesellschaften leisten schon so viel Schönes, was würden sie erst leisten, wenn sie ihre finanziellen und sozialen Kräfte vereinigen wollten! Eine große Anzahl von Mitgliedern leistet gegenwärtig ihre Beiträge in beide Gesellschaften, und hat für dm doppelten Aufwand doch nur den halben Genuß von dem. was eine Vereinigung bieten würde. Ebenso giebt's vielleicht eine nicht geringe Anzahl derer, die gern die Annehmlichkeiten der andern Gesellschaft sich verschaffen motten, wenn nicht ökonomische Rücksichten sie zurückhielten; — Mit einer Vereinigung beider Gesellschaften wäre allen diesen Uebelständen abgeholfe». Verf. dieses kennt die Verhältnisse nicht, welche hier vielleicht obwalten, indessen dünkt ihm so viel gewiß, daß es eine natürliche Scheidewand zwischen be>den Mittelgesellschasten nicht geben könne, und daß bei dem gesunden Sinne beider Gesellschaften und bei der anerkannten Gediegenheit der Männer, die an der Spitze stehen, es nur einer Anregung bedürfe, um die Vorthsile einzusehen, Me aus einer Vereinigung beider Gesellschaften sich ergeben mütte, zumal da noch obendrein die prvjektirte Eisenbahn eine günstig« Perspektive zeigt s?j, ein aufgegebenes Lokal vvr- tbeilhaft zu veräuffern. Es gehört, um die hier angedeuteten Vortdei'le richtig zu würdigen, nichts dazu, als ein unbefangener Sinn, ein« ruhige, l-idenscha'kSlvse Beurtheilung der ro, liegenden Verhältnisse, und eine rein humane Gesinnung, die, alle engherzigen Peisönlichkeiten zind klemlich.n Rücksichten bei Seite werfend, es mit den Fortschritten einer veredelten Geselligkeit ehrlich me nt. Denn das höchste Ziel des Menschen ist Humanität, und ein jedes menschliche, also auch gesellige Institut erhält seinen Werth von dem Grade, in welchem es j-nen höchste» Menschenzweck fördert. Möge, wer etwa des hier angeregten Gegenstandes sich bemächtigt, nur von diesen Rücksichten sich leiten und beseelen lassen!» Auszug aus den Karlsruher WttterungS« beobachtungeu. 22. Sept. Barometer. Thermome- ter. Wind. Witterung überhaupt. M. 7 U. M. 3 U. N. 11 U. 27Z.10.0L. 27Z40.8L. 27Z.11.2L. 11.0Kr.üb.0 13,8Gr.üb.0 10.5Gr.üb.0 O NO O trüb bewölkt ebenso 2693 SroßberzoglicheS Hoftheater. Montag, den 24. Sept. (mit allgemein aufgehobenem Abonnement): Große Kunstvorstellung aus dem Gebiete der natürlichen Zauberei, gegeben von Hm. Professor Döbler. Todesanzeigen. Donnerstag, den 20. September, früh gegen 6 Uhr, starb der großherzogliche Hofmusikus Andre Gervais Haquet dahier, welchen Todesfall wir mit der Bitte um stille Theilnahme zur öffentlichen Kenntniß bringen. Karlsruhe, den 23. September 1838. Katharina Gervais, großherzogliche Kammersängerin und Hofschauspielerin. Mar und Christian Gervais. Am 9. dieses Monats starb, nach 3 tägigem Leiden, ilN einem Lungenschlag, meine innig geliebte Mutter, geborene Wolfs, Wittwe des dahier verstorbenen Garteninspektors van Wynder, in ihrem 76ten Lebensjahr. Mit tief verwundetem Herzen theile ich diese Anzeige unseren Freunden und Bekannten mit. Schwetzingen, den 20. September 1838. Josepine van Wynder. Heute starb unser ältester Knabe, Friedrich, nach mehr als zwölfjährigen schweren Leiden, an Erschöpfung. Wir bitten unsere Freunde um stille Theilnahme an diesem schmerzlichen Verlust. Mannheim, den 21. September 1838. Dah men, geh. Rath und Regie- rungödirektor. Amalie Dahmen, geb.Kopp. Nr. 17,852. Bühl. (Schuldenltquidation.) Paul HLrth «on Neuweier will mit seiner Ehefrau, Veronika, gebe- reuen Keller, und seinen großjährigen Söhnen, Martin und Jakob Hörth, in'« Elsaß wegziehen. Ihre Gläubiger werden aufgesordert, ihre Ansprüche an dieselben Freitag, den 12. Okt. d. I., Vormittags 8 Uhr, dahier geltend zu machen, andernsalls mau ihnen hier nicht mehr zu ihrer Befriedigung behülflich sey» kann. , Bühl, den 1. Sept. 1838. Großh. bad. Bezirksamt. Kuenzer. vät. E. Günther. Karlsruhe. (Eckafweide- verpacht» ya.) Die Schafweide ' ^__ Ve—"im AleinsteiuSach mit dem Uedertrieb- auf di« Gemarkungen Söllin- Wn»Sdst>öUuWlMWmzen, Stupfrich und Durlach, ist uns durch anderweitige Einrichtungen entbehrlich geworden. Wir beabsichtigen. sie daher auf die Periode von Martini d. I. bis Micha, elis künftigen Jahres mit den vorhandenen Gebäulichkeiten —einer Schäferwohnnng mit Garten ic. und den nöthigen Echafstallun- S«n — zu verpachten, wozu die Liebhaber auf Montag, den 1. Oktober d. I. mit dem Bemerken «ingeladen werden, daß die Pachtverhandlung in der Post zu Wilferdingen an gedachtem Tage, Nachmittags 2 Uhr, vvrgenommen werden wirb, und daß sich auswärtige Pachtliebha- der mit Zeugnissen über Prädikat und Vermögen zu versehen haben. Karlsruhe, den 19. September 1838. Zentralstelle des lanbwirthschaftl. Vereins. Frhr. v. Ellrichshaußen. väk. C. Zeller. _ H.B.N.4. B. Rr.1326. Karlsruhe. (Ge- Ein Frauenzimmer von Mittlern Jahren, das in allen häuslichen Geschäften wohl «efahren ist, und sich hierüber Lurch schöne Zeugnisse genügend auswei- sen kann, sucht eine Stelle als Haushälterin. Näheres auf de» KommilsionSbureau von W. Ko elle in Karlsruhe. Karlsruhe. (Empfehlung von holländischen Blumenzwiebeln.) Alle Arten barle- mer Blumenzwiebel find angekommen uns billigst zu haben bei Rr. 15,075. Karlsruhe. (Aufforderung und Fahndung.) Der Soldat Gottlieb Barth bo« Büchig hat sich am 7. d. M. heimlich aus der Garnison Durlach entfernt, und wird andurch aufgefordert, sich Linnen 4 Wochen bei dem großh. Kommando des II. Infanterieregiments oder der Unterzeichneten Stelle über sein Entweichen zu verantworten, widrigenfalls -egen ihn als Deserteur das weitere Rechtliche ergehen wird. Zugleich ersuchen wir stimmliche Polizeibehörden, auf dies«» Menschen» dessen Person und muthmaßlich« Kleidung unten beschriebe» ist, zu fahnden und ihn im Belreiungsfall« hierher oder an sein Kommando abzuliesern. Signalement. Mer, 21 Jahre; Größe, S' 6" 3"'; Körperbau, stark; Gesichtsfarbe, blaß; Augen, blau; Haare, blond; Nase klein; Profession, Müller. Derselbe trug bei seiner Entweichung: 1) Sine Aermelweste. 2) Ein Paar blaue PantalonS. 3) Eine Holzmütze. Karlsruhe, den 15. Sept. 1838. Großh. badisches Lanbamt. W. Br auer. Karlsruhe. (Bauakkord.) Behuf« der i« SumissionSwege in Akkord zu begebenden Schreib nsr-, Schlosser- und Glaser-Arbeit für die Wohnhäuser der Direktoren und das Laboranlenhaus der Spinnerei u. Weberei in Ettlingen ladet man hierzu alle lust- tragenden Meister ein; das Nähere dieser Arbeiten und die Bedingungen, unter welchen sie in Akkord gegeben werden, ^ist Mittwoch» den 26. d. M., Bor- oder Nachmittags, in dem Spinnereigebäude bei Ettlingen zu vernehmen, woselbst auch gleichzeitig die Sumissioaszettel ausgegeben werden. Karlsruhe, den 21. Sept. 1838. Vaihingen an der Enz. (Schafeversteigerung.) Der Unterzeichnete wird bis künftigen Dienstag, dm 2k- d. M., zur öffentlichen Versteigerung bringen: ca. 200 Mutterschafe, » 150 Lämmer, - 150 Jährlinge und Zettdinger, von schöner veredelter Zucht. Die Versteigerung geht tu Sershesm, eine Stunde von hier, wo die Waare laust, vor sich, und wer- den die Liedbader höflicbst eingeladen. Baihinge» an der Enz, dm 20. Sept. 1833. Schnauffer, zur Krone. 2694 Holzsch zu i l l e r's nit 1 e erk Taschenausgabe in zwölf Banden. e rr, Der außerordentliche Beifall, dessen sich unsere neueste Ausgabe von Sehiller's sanuntlrchen Werken in Mölf Sänken kl. Oktav zu cr'reue» hat, veranlaßt uns, dem seit mehrerenHJahren vorbereiteten und demnächst zur Publikation reifen Uizter- nehmc» einer Ausgabe fämmtlicher Werke Schiller s, Llluftrirt mit Holzschnitten nach Zeichnungen -er ersten Künstler Deutschlands, eine kleinere Reihenfolge von 24 Holzschnitten im Format NeV I»V,»08tvM 1»8vI»«L»Ul8K»I»V, IINN I»v8«iaN«;r8 ieii Nit rit xr t« > < , vo»ausgrhrn zu lassen. Sämmtkche Zeichnungen und ein The» der Stocke liegen bereits fertig vor; di« Ausgabe wird in 4 Lieferungen vor Schluß dieses JahrcS noch vollständig erfolgen. Zn Wohlfeilheit des Preises wird sich die Illustration der Ausgabe 'selbst vollkommen anschließen. Die Lieferung von sechs ausgezeichnet schönen Holzschnitten, durch die ersten französischen Holzschneider gefertigt, wird 18 kr. nicht ubersteigen. Stuttgart, den 15. September 1838. . G. Cotta'sche Suchhan-lnng. Sudskription hieraus wird angenommen in der G. Braun scheu .dofbuchhandlung Ln Karlsruhe. Konskription für 18LN. Die Loosziehung der Konskriptionspstichrigea für 18Zd findet, nach Anordnung grvßh, wohlldbUchea TtadtaM«, Mittwoch, den , 26. diese« Monar«, dadier statt. . . Alle Eltern und «omünder, derer. Söhne oder Pflegebefohlene in diese Konskription fallen, setz« ich daher in «enntniß, daß Ausnahmen in den allgemeinen Milrtarstellvertretungsverew noch bis nächsten Mittwoch, den Ä6. dieses Monats, Morgens 8 Uhr, bet mir geschehen, lpj. r«re Anmeldungen aber nickt mehr derücksichttgt werden können. Statuten der Anstalt werden uneotqeldlich verabfolgt. Karlsruhe, den 23. September 1838. .- ^ ^ . Karlsruhe. 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