Nr. 315 Karlsruhe, Mittwoch, den 10. Mai 1916 54«. Jahrgang Badischer Beobachter Fernsprecher 535 Abendblatt Postscheck: Karlsruhe 48W Bezugspreis: In Karlsruh« durch Träger zugestellt vierteljährlich Mk. 3.20. Von dir ÄeschintSstelle oder den Ablagen abgeholt, monatlich 75 Pf. Auswärts (Deutschland) Bezugspreis durch die Post Mk. 3.65 vierteljährlich ohne Bestellgeld. Bestellungen in Oesterreich-Ungarn, Luxemburg, Belgien, Holland, Schweiz bei den Postanitalten. IlebrigeS Ausland (Weltpostverein) Mk. 10.— vierteljährlich durch die Geschäftsstelle. Erscheint an allen Werktagen in zwei Ausgaben Beilagen: Je einmal wöchentlich: das illustrierte achtseitige llnlerhaltungSblatt „Sterne und Blumen" daS vierseitige IluterlialiungSblatt „Blätter für den «ainilien- tisch" und „Blätter für Haus- und üandwirtschaft" Anzeigenpreis: Die hebenipalttge kleine Zeile oder deren Raum 25 Pf, Reklamen 60 Pf. Platz-, Kleine- und Stellen - Anzeigen 15 Pf. 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Südwestlich der Höhe 304 wurden feindliche Vor» truppeu weiter zurückgedrückt und eine Feldwache ausgehoben. Ilnsere neuen Stellungen aus der Höhe wurden weiter ausgebaut. Deutsche Flieger belegten die Fabrikanlagen von Dombasle und R a o n L'E t a p e ausgiebig mit Bomben. Gejtticher Kriegsschauplatz. Südlich von Garbunowka (westlich Düna- bürg) wurde ein rnssischer Vorstoß aus schmaler Frontbreite unter schweren Verlusten für den Geg- ner abgewiesen. valkankrlegeschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Oberste Heeresleitung. (©) Zur amerikanischen Antwortnote. Berlin, 10. Mai. (W^L.B.) Die Antwortnote des .Präsidenten Wilson auf unsere Note vom 4. Mai Ist, wie wir hören, heute morgen beim amerifani- schen Botschafter, Herrn Gerard, eingetroffen. Sie dürfte in den ersten Nachmittagsstunden im Auswärtigen Amt überreicht werden. (Meldung der V. Z.) Feststellungen zum Sustex-Zall. Berlin, 10. Mai. (W.T.B.) Die Norddeutsche AlLgemeine Zeitung schreibt: Wie wir an zuständiger Stelle erfahren, sind die bisher noch aus- stehenden Feststellungen zum Sussexfall in der Zwischenzeit erfolgt. Nach dem Ergebnis der da- mit abgeschlossenen Untersuchung hat sich die aus dem hier damals bekannten Tatsachenmaterial gewonnene Ansicht, daß die Beschädigung der ,/Sussex" ans eine andere Ursache als auf den Angriff eines deutschen Unterseebootes zurückzuführen sei. nicht aufrecht erhalten lassen. Es kann nicht wehr bezweifelt werden, daß das von einem deutschen Unterseeboot arn 24. März d. I. torpedierte vermeintliche Kriegsschiff in der Tat mit dem Dampfer „Sussex" identisch ist. Die deutsche Regierung hat die Regierung der Ver- einigten Staaten hiervon benachrichtigt und ihr mitgeteilt, daß sie hieraus die Folgerungen Mi vatnne der Note vorn 4. d. M. zieht. [Ol verschiedene Kriegsnachrichten. Ein Gegenstück zur Schlacht von Verdun. Im Maiheft der Preußischen Jahrbücher bespricht Professor Hans Delbrück die Schlacht von Ver- dun. Er greift Äabei auf eine sehr interessante Parallel« aus Julius Cäsars Gallischem Krieg zu- „In ehrlicher Bewunderung für den tapseren Widerstand, den die Franzosen bisher bei Verdun leisteten, holte ich mir mein Bellum Gallicum her- aus und las, aufgezeichnet von der Feder des Geg- ners, die heroische Verteidigung von Avarieum (Boiirges), das endlich doch Her überlegenen Kraft und Kunst der Römer unterliegen Mußte. Man darf wirklich nicht sagen, daß die heutigen Frau- vosen eine degenerierte Rasse seien! sie schlagen sich würdig ihrer tapferen Vorfahren. Aber iene Ver- teidigung von Avaricnm war überhaupt nur unter- Uommen worden gegen den Wunsch und Rat *>es Feldherrn, des Verein«etorix. Nun haben Schweizer Zeitungen berichtet, !daß auch die Verteidigung von Verdun gegen den Rat des lKriegsniinisters Gallieni unternommen worden sei; dies sei der wahre Grund seines Rücktrittes ge- Evesen. Als die ungeheuer» Znrüstungen der Deut- schen für den Angriff gemeldet wurden, sei er für die freiwillige Räumung des Platzes eingetreten, Und sogar Joffre babe ihm zugestimmt: der Mini- sterpräsident Briand aber habe ein solches Zurück- deichen für moralisch unmöglich erklärt und die An- "ahme des Kampfes durchgesetzt. Der Ausgang des Ka>npfes muß lehren, ob die Analogie zu Avarieum wich in diesem Punkt einmal angebracht erscheint." Der französische amtliche Bericht. Paris, Ii). Mai. (W-T.V.) Amtlicher Bericht von Aitern nachmittag 3 Uhr: Zwischen Oise und SltSne wiesen wir einen Handstreich auf eines unserer Werke sichöstlich von Outreches zurück. In den Ar- gönnen nahmen wir in der Gegend von B o laute zwei kleine Posten weg, dessen Verteidiger getötet wor- den waren, und besetzten einige Trichter von ihnen. Aus dem linken Maasuser hat der Feind die ganze Nacht hindurch unsere Gräben aus der Höhe 304 beschossen. Ein gegen ö Uhr morgens angesetzter deutscher Angriff wurde vollständig abgewiesen. Auf dem rechten Maas- ufer führten Gegenangriffe zur Vertreibung des Feindes aus einem Teil der ersten Linien nordöstlich der Fenne Thiaumont, welche er noch besetzt hielt. Heftige Beschießung unserer Linien zwischen Douaumout und Vaux und in einigen Abschnitten von Eix und Chattil- lon sous le Cüte. In der Woevre Handgranateukämpse im Walde von Aprömont, ebenso im Fechttal. An der übrigen Front war die Nacht verhältnismäßig ruhig. Paris, 10. Mai. lW.T.B.) Amtlicher Bericht von gestern abend 11 Uhr: In der Champagne beschoß unsere Artillerie deutsche Gräben und Batterien nördlich von Villes sur Tourbe und feindliche Verkehrsstraßen in der Gegend von Somme-Py. Auf dem linken Maas- ufer war das Bombardement weniger heftig. Im Laufe des Tages versuchte der Feind einen Angriff anf einen Graben westlich der Höhe 304, der aber durch unser Sperrfeuer glatt angehalten wurde und sich nicht ent- wickeln konnte. Auf £>en! rechten Ufer und in der Woevre zeitweilig aussetzender Kampf. Aus dem letzten Berichte geht hervor, daß die Deutschen in der Nacht vom 8. zum 9. Mai in der Gegend der Höhe 304 drei sehr heftige Angriffe mit starken Kräften ausgeführt haben. Einer davon fand auf unsere Stellungen bei der Höhe 287, ein anderer auf das Gehölz westlich dieser Höhe statt. Alle 'diese Angriffe brachen in unserem Feuer zu- sammen und kosteten dem Gegner sehr ernste Verluste. Unsere Batterien nahmen Verproviantierungsabteilungen und andere Abteilungen auf der Straße Essey nach Badonviller nordöstlich von Pont-s-Mousson unter Feuer. Belgischer Bericht: Artilleriekampf von ge- ringer Heftigkeit auf verschiedenen Punkten der Front der belgischen Armee. Die Fleischnot in Rußland. JNB. Petersburg, 9. Mai. (Indirekt.) Da der Viehbestand in geradezu beängstigender Weise abge- nommen hat, hat der russische Landwirtschastsmini- fter im ganzen Reiche die Schlachtung von Kälbern und trächtigen Kühen verboten, ebenfo von Schwei- nen unter vier Monaten. Zuwiderhandelnde werden mit Strafen bis 3000 Rubel oder drei Monaten Ge- fängnis belegt, (m.) Zum Notschrei der unterdrückten Völker Rußlands. Stockholm, 10. Mai. (W.T.B.) Zu dem Ausrus, den die unterdrückten fremden Völker Rußlands an den Präsideuten der Vereinigten Staaten richteten, schreibt A l l e h a n d a. daß die Adresse keine Spur von Parteinahme am Weltkrieg enthalte, sondern nur schreckliche Tatsachen, die das Gerede von Rußlands Völker befreiender Mission zu einem grausamen Hohn machten. — Afton - bladet betont, daß die in der Adresse vertretenen Nationen zusammen an Zahl nahezu die Hälfte von ganz Rußland mismachen, und meint, daß jetzt England als Beschützer der kleinen Na t i o n e n zeigen könne, wie ernst es ihm hiermit sei. Wenn diese Hilferufe ungehört verklingen, könne kein Europäer mehr an Englands edle Worte glauben. vom Solkau. Venizelos. Bern, 9. Mai. (W.T.B.) Laut einer Athener Meldung des Pe^it Journal ist Venizelos in My- tilene zum Abgeordneten gewählt worden. Ein Ge- genkandidat war nicht aufgestellt. Venizelos erklärte, daß er seinen Sitz im Parlament nicht einnehmen werde. m Der Krieg im Grient. Türkischer Kriegsbericht. Konstantinopcl, 10. Mai. ^(W.T.B.) Bericht des Hauptquartiers. An der I r a k s r o n t keine Ver- ändcrung. An der Kaukasussront machten wir in örtlichen Kämpfen, die sich anf dem rechten Flügel und im Zentrum abspielten, eine Anzahl Gefangene und Beute. Im Zentrum wurde der Angriff einer feindlichen Kompagnie mit für sie sehr großen Ver- lüften zurückgeschlagen. — Im Abschnitt von B i t l i s leine Veränderung. Infolge eines über- raschenden Angriffes, den wir im Abschnitt von Kirvaz, ungefähr 40 Kilometer nordwestlich von Mouche auf eine feindliche Abteilung unternahmen, wurde der Feind in Richtung Kirvaz zurückgeworfen, verlor dabei an 50 Mann und ließ auch einige Beute in unseren Händen. Im Zentrum mußte eine Streitmacht von zwei Koinpagnien, die auf den Ab- hängen des Berges B a t h l i, 5 Kilometer nordöst- lich des Berges Kope, bemerkt worden war, den Rückzug antreten, nachdem sie schwere Verluste er- litten hatte. Wir machten eine Anzahl Gefangene. Auf dem linken Flügel beschäftigte sich der Feind in der Küstengegend in einzelnen Abschnitten mit Befestigungsanlagen. Als Ver gelt ungs Maßregel gegenüber der russischen Flotte, die offene Städte und Dörfer an der anatolifchen Küste beschießt und harmlose Fischer- und Segelboote zerstört, vernichtete der Kreuzer „M illi" zwischen Sebastopol und E u p a t o r i a ein Schiff von -1000 Tonnen und eine Anzahl von Segelschiffen. Am 25. April begann ein feindlicher Monitor östlich der Insel I m b r o s die Umgebung von Sedd-ul-Bahr zu beschie- ßen, aber eines unserer Kampfflugzeuge zwang ihn, nachdem es die feindlichen Flugzeuge in die Flucht geschlagen hatte, das Feuer einzustellen, nachdem er zehn Geschosse ohne Ergebnis abgefeuert hatte. Ein feindliches Wachtschiff, das westlich von K o u ch e Ada in den Gewässern von S m V r n a erschien, wurde von unserer Artillerie unter Feuer genom- inen. Ein Geschoß traf, wie beobachtet wurde, das Schiff, explodierte und zerstörte dabei die Schisf-- brücke des Kommandanten. Es zog sich dann in Richtung auf S a m o s zurück. Zwei unserer Flug- zeuge warfen mit Erfolg Bomben auf das Lager, das Ausbesserungsdock, das feindliche Fluglager in Port Said und kehrten unbeschädigt zurück. * Russische Phantasieberichte. Konstantinopel, 9. Mai. (W.T.B.) Der russische Bericht vom 29. April 1916 meldet, daß die russi- schen Truppen in Richtung Erzindjan, nachdem sie unsere Angriffe zurückgeschlcigen hätten, die Offensive ergriffen und uns gegen Westen zurückgeworfen hätten, und daß sie in der Gegend von Diarbekir ebenfalls unsere Vortruppen zurücktrieben. Es ist vor allem zu bedenken, daß die Gegenden von Erzindjan und Diarbekir sehr weit entfernt von der Front der Operationen des gegenwärtigen Krieges liegen. Außerdem hat kein militärisches Ereignis, worauf sich ein russisches Vorrücken und Angriffe beziehen könnten, in diesen Gebieten stattgefunden. Wir bezeichnen Berichte dieser Art über Angriffe und die Durchführung von angeblichen Vormärschen, die auf einem eingebildeten Abschnitt stattgefunden haben, wie sie die russische Phantasie gewöhnlich in Umlauf fetzt, als unrichtig. In unseren Berichten haben wir immer Sorge getragen, sehr genau die Abschnitte zu bezeichnen, auf denen sich die Kampf- Handlungen abspielen. Infolgedessen werden wir eS künftig unterlassen, einen jeden Bericht zu wider- legen, den die Russen ohne nähere Ortsangabe er- finden sollten. * Kairo, 9. Mai. (W.T.B.) Reuter. Zwei feind- liche Flieger warfen gestern über Port Said B o m b e n a b Es wurde kein Schaden angerichtet. Drei Zivilpersonen wurden verletzt. Die ZugenS unseres Volkes. Deutschlands Zukunft ruht auf seiner Jugend. Mehr noch, ein gut Teil Gegenwart hat der Krieg anf ihre jungen Schultern gewälzt. In den Sturm- reihen stand sie lind steht sie mit an erster Stelle. Am heimatlichen Herd, in der Werkstatt, auf dem Feld ist sie mit einem Schlag um ein paar Jahre gealtert, ist vor die Ausgaben der Erwachsenen, Ge- reiften gestellt worden. Manch einer fragte erstaunt: Ist das"die deutsche Jngettd, an der wir schier ver- zweifeln wollten? Wer sie wirklich kannte, unsere deutsche Jugend, hat allen Zweiflern zum Trotz ihren Wert auch vor denk Kriege behauptet. Glänzend ist diese hohe Meinung heute gerechtfertigt. Und doch ballen sich wieder dunkle Wolken zusammen über dem Jugenland, das eben noch in hellem, reinen Sonnenlicht strahlte. Grellen Blitzen gleich schienen Veröffentlichungen üi>er die Kriminalität der In- gend im Kriege in nie geahnte Tlbgründe der Ver- Wahrlosung zu leuchten. Man rief nach Polizei, Gesetz und militärischer Zucht. Auf die erste stürmische Be- geisterung folgte in weiten Kreisen eine ebenso rasche Ernüchterung und Enttäuschung. Diesen verschiedenen Strömungen und Stim- mnngen gegenüber sucht Konstantin Noppd in den Stimmen der Zeit (Maiheft) das Urteil über unsere Jugend von heute und zwar besonders die schul- entlassene, erwerbstätige aus eine breitere Grund- läge zu stellen. Rückschauend wird die Frage ge- stellt: Ist der Rus der Jugend der Vorzeit besser gewesen? Es folgt eine Prüfung einiger Hanpt- vorwürfe gegen die Jugend von heute. Schließlich wird zur Frage Stellung genommen: Wie helfen wir unserer Jugend voran? Jugend N Zeit des Wachstums, der Reife. Sie ist Entwicklung, begrisssnotwendig noch nichts Fertiges, Ganzes, «ie ist daher belastet niit Mängeln uud Unvollkommenheiten. Das ailt auch noch von der heranwachsenden Jugend, der zwischen .Schule und Kaserne". Was man erlvarteu darf. ist nicht, daß die Jugend vollkommen sei, sondern daß sie nach der Vollendung strebe, den festen Sinn und frischen Mut hierzu besitze. Wer über die Ju- gend urteilen will, muß sich dessen klar sein. So wird es denn niemand überraschen, daß immer über die Jugend geklagt wurde. Ueberraschen wird eher, daß sich dieselben Klagen wie heute um Menschenalter zurückverfolgen lassen. Greifen wir zu. rück auf die Zeiten nach den Befreiungskriegen, die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ein Name wie K o l p i n g sagt uns genug. Er konnte sie nicht, wie sein Nachfolger und Biograph >schäffer schreibt, in dem Sumpfe „sittlicher Gemeinheit. UnWissen- heit und Genußsucht" untergehen sehen. Die physische und Moralische Verkommenheit des größten Teiles der heimatlosen, verkommenen Gesellschaft fiel Kolping vor allein in 'den Städten wie Köln auf (Dr. Franz). Gelegentlich einer Untersuchung sei- tens des preußischen Unterrichtsmini- steriu ni s über die Verhältnisse der Fabrik k i n - der ergab der Bericht der Arnsberger Regierung voni 28. April 1825 ans dem allerdings ungünstig- sten Kreise Iserlohn die Lebensweise dieser Kinder als ein „wahres Jammerbild". Die Haupttendenz ihrer Erholung richtete sich auf Spiel, Tabak, Branntwein, Unzucht und Rauferei. Dabei handelt es sich um Kinder vom sechsten Lebensjahre an! An der Hand zuverlässiger Quellen, wie: Günther, Geschichte der preußischen Fabrikgesetzgebung: Thun, Die Industrie am Niederrhein nnd ihre Arbeiter, der Erhebungen über „Die geschlechtlich-sittlichen Verhältnisse der evangelischen Landbewohner im Deutschen Reiche", der Kriininalstatistik der Jugendlichen, wird ein Einblick in dje sittliche Lebens- sührnng der Jugendlichen im Laufe des letzten Jahr- Hunderts geboten. Es liegt kein hinreichender Grund vor, von einem erheblichen oder gar er- schreckenden Fortschreiten der Verwahrlosung der Jugend in ihrer Gesamtheit innerhalb der letz- ten zwei Jahrzehnte zu sprechen, wennschon natürlich örtliche Schwankungen stattgesunde!! haben. Im wesentlichen werden weder neue Klagen erhoben, noch wird greifbares Material für den Gegenbeweis erbracht. Für die Zeit vor der weitgehenden In- dustrialisierung Deutschlands ist zu beachten, was über den Zusammenhang ländlicher und städtischer Sittlichkeit ausgeführt wird. Es findet sich also ein gut Teil alt Ererbtes unter dem, was man der Jugend von heute vorwirft. Wichtiger aber noch ist die Frage: Sind die Vor- w ü r s e alle als bare Münze vollinhaltlich Hinz u n e h ni e n? Es grenzt ans Menschen»»- mögliche, sittliche Zustände völlig gerecht. Licht und Schatten gleichmäßig berücksichtigend, darzustellen. Namentlich liegt 'die Gefahr vor, einzelne scharf aus- geprägte Fälle nicht als vereinzelte Endglieder einer langen Kette von Uebergangsfällen zu betrachten, sondern jedes Kettenglied diesen letzten gleich zn stellen: So sind sie „fast" alle. Merkwürdigerweise geschieht dies seltener beim Guten, da handelt es sich um „erfreuliche Ausnahmen, die es ja auch da gibt" oder aar „heroische Tugend". Das Schlußglied wird als solches erkannt. Der schwerste Vorwurf gegen 'die Jugend — be. sonders gilt er der Arbeiterjugend — ist, daß sie zu früh sich s e l b st ä n d i g mache. Er trifft ihr We- sen. Eine solche Jugend läßt sich nicht Mehr er- ziehen und bilden, kennt keinen Gehorsam, lebt nur den eigenen ungezügelten, jngendblinden Trieben. Die Familie ist dahin. Es wird deshalb dieser Vor- Wurf einer besonders eingehenden Prüfung unter- warfen. Es werden Belege ans der Großstadt- nnd Jndnstriebevölkerung gebracht, wonach die fo oft behauptete Auflösung des Familienverbandes auch heute als Ausnahme, keineswegs als Regel anzu- sprechen ist. Doch nicht nur das äußere Znsammenleben in einer Wirtschaftsgemeinschaft, auch der ethische Ge- halt, der Geist des vierten Gebotes blieb der Fami- liengemeinschast trotz des Eigenverdienstes gewahrt. Gerade die mannigfachen Ausschreitungen der Ju- gend infolge de'r Abwesenheit des Vaters im Felde zeigen am besten, welch große Bedeutung dem Vater als Erzieher mich heute noch in unserem Volke zu- kommt Freilich verliert das schlichte Volk hierüber nicht viele Worte, und die äußere Form ist oft rauh nnd unbeholfen. Tief ergreifend offenbart sich die Volksseele bei den schwersten seelischen Kämpfen. Wie schwer lastet manchmal der liederliche Wandel des Vaters oder der Mutter aus den Heranwachsen- den. Doch scharf wissen sie zu scheiden zwischen häß- lichern Laster und dessen Träger, der trotz allen? ihr „Valer" ist. Wie-Hoch steht unsere Jugend da, wenn man sich auch einmal die „Kehrseite" des hohen Ver- dienstes der jnngen Leute vergegenwärtigt. Sitt- liche Hochwerte ohne Zahl werden da Woche- um Woche und Tag um Tag von Hunderttausenden ju- gendlicher Lohnarbeiter geschaffen. Das Bild hebt sich noch schärfer heraus, wenn man die Jugendlichen, die weiter lernen oder gar studieren dürfen, in Ver- gleich zieht. Mit seinen 16 Jahren arbeitet der ju- geudlickze Arbeiter, der keine Ferien, oft kaum einen vollen Sonntag kennt, vielleicht schon in Tag- und Nachtschicht aus der Zeche und im Eisenwerk. Nicht bei tollkühnen» Sport, wohl aber bei ernster Arbeit Mischer Beobachter, Mittwoch, den !0. Mai 1916 Kette 2 lernt er schon der.Gefahr im !b- selbst beut 1 Tod ins Auge schauen. Und dann nach einer Woche harter Arbeit, wenn ihm der klingende Lohn für seine saure Mühe in die Hand gedrückt wird, dann lenkt ihn sein Kinderherz zuerst zur Mutter, ihr seinen Verdienst zu bringen. _ „Das muß man ja," ist seine schlichte Antwort ans die Frage warum. Er ist zufrieden, wenn er ein paar Groschen — wie oft find es 50 Pfennige — als Taschengeld erhält. Und kostet es auch einmal einen kleinen Kampf, wenn er nur mit dem Sieg endigt. Das ist der Kern unserer Arbeiter- fügend. Diese selbstlose Hingabe von ihrer Hände Lohn an die Eltern hat sie auch geschult zur selbst- losen Hingabe ihres Herzblutes ans Vaterland. Nach Erwähnung verschiedener weiterer Vorwürfe und Fehler, so besonders noch der Kriegsverwahrlosung und Abneigung gegen Religion, wenden sich die Ausführungen der Frage zu: Hat die Jugend unseres Volkes Hie Waffen im heiligen Kampfe sin- ken lassen, oder kämpft sie mit Mut, tapfer und treu? Und Gott fei Dank, unsere Jugend kämpft. Als durch die großen Umwälzungen des letzten Menschenalters das ganze Volksleben und mit ihn? auch das der Jugend in ein neues Bett gelenkt wurde, da fühlte es auch die deutsche Jugend aus eigenem Drang heraus, !daß eine neue Zeit auch für sie angebrochen war, eine Zeit, die mit neuen Auf- gaben und neuen Kämpfen an sie herantrat. Es wird aufgezeigt, wie die Jugend aus sich heraus starke, wenn anch nicht immer glücklich geleitete sittliche Strömungen zur Auslösung brachte, und mit berechtigter Freude auf die gewaltige geistige Bewegung hingewiesen, die sich in der Entwicklung der katholischen Jugendvereine Deutschlands offen- bart.^ Mit ihren 300 000 Mitgliedern stehen sie an der Spitze aller Jugendverbände: in Her Missions-, Kommunion- und namentlich der Exerzitien- Bewegung liegen Zeugnisse ihrer inneren Kraft. Welchen Weg hat nun die'Sorge nnd Pflege für unsere Jugend zu gehen? Die große Not vieler jungen Leute im Gefolge des Krieges hat weite Kreise völlig überrascht. Es man- gelte auch hier an der Vorbereitung für solche außer- gewöhnliche Zeitläufte. Es herrschte viel Bestürzung und Unklarheit. Heute sehen wir schon viel sicherer Manch welkes Blatt mußte unter dem Sturmwind .fallen und wird noch fallen. Doch die jugendfrische Krone unserer 'deutschen Eiche als Ganzes blieb un- versehrt, ist nicht geknickt. Die militärischen Erlasse und die Fragen der militärischen Jugendvorbereitung werden vom Er- zieherstandpunkt besprochen. Auf die Erziehung, und zwar nicht so durch Strafe und äußere Ein- Wirkung wie durch Entwicklung der sittlichen Einsicht und Kraft wird der Schwerpunkt gelegt. Man darf die Eigenart 'der neuen Zeit nicht vergessen: sie nimmt in weitem Ausmaß die äußeren Stützen und stellt einen jeden auf sich selbst. Diese Entwicklung wird man auch durch vermehrte äußere Schutzmaß- regeln nicht wesentlich zurückdämmen können. Daß der soldatische und kriegerische Geist allein noch kein sittenstarkes Volk schafft, lehrt noch jeder Krieg und dessen Folgen. Erfreulicherweise hatte man schon vor den? Krieg begonnen, sich von der Überschätzung der Leibespflege wieder etwas zurückzuziehen urfd der geistigen Jugendpflege mehr Berücksichtigung zu schenken. Man wird nach dem Kriege in dieser Rich- tnng noch fortzuschreiten haben. Es ist vor allen« anch zu fordern, daß die Religion als wertvollster Bildungs- und Erziehungsfaktor auch für die heran- wachsende Jugend zur öffentlichen Anerkennung kommt. Das Anschwellen der religiösen Bewegung in unserer Jugend, nicht zuletzt auch in fca° Kriegs- zeit, zeigt, wie berechtigt diese Forderung ist. Es ist gut, der Jugend die Gelegenheit zum Bö- sen zu nehmen. Besser aber noch, ihr die Gelegen- heit zum Guten zu bieten. Die Jugend unserer Volkes hat Schwächen, flhoT Fehler, ernste Fehler. Aber sie kennt sie, denn sie bekämvft sie. Die Jugend unseres Volkes will Füh- rer zum Kampfe Aber keine, die sie verloren nennen, sondern siegesgewifs«, die hört sie. Geben wir sie ihr! deutschlanö. Der Antrag auf Aussetzung öes Verfahrens gegen Liebknecht abgelehnt. Berlin, 10. Mai. (W.T.B.) Der Geschäfts- ordnungsau sschuß des Reichstags lehnte heute die schleunigen Anträge der sozial- demokratischen Fraktion und der sozialdemokratischen der ZelSkaplan. Roman aus der Zeit des Weltkrieges. Von Franz Wich mann. (Nachdruck verboten.) 8) (Fortsetzung.) Gundls Hand legte sich bittend auf Rehms Schulter. „Um Gottes willen, fangt's keinen Streit an." Aber schon hatte Blasi sie zur Seite gestoßen und stand drohend vor dem Jäger. „Einen Loder hast mich geheißen. Nimmst es zurück?" Die schlanke, geschmeidige Gestalt Rehms richtete sich auf. Grade und unbeweglich, doch mit trotzigem Ausdruck sah er seinem Feinde ins Antlitz. „Ich hab's alleweil mit der Wahrheit gehalten. Deinet- wegen lüg' ich nicht." Der Brandner Blast schäumte vor Wut. „Nimmst es zurück?" würgte er nochmals heraus. Dann, da die einzige Antwort ein finsteres Schweigen blieb, sprang er, den Krug schwingend, den andern tvie ein gereizter Tiger an. Der Jäger, auf den unvermuteten Angriff nicht efaßt, griff in der Notwehr zum Hirschfänger. Die lanke Waffe aus 'ber Scheide reißend, suchte er den Hieb mit dem schweren Maßkrug zu parieren. „Jesus, Maria, Hies, was hast getan!" schrie Gnndl mit schnierzerfüllter Stimme auf. Vor Rehms entsetzten Augen verschwanunen zwei Farben. An dem Weißen Mädchenarm sah er das rote Blut herunterrieseln. Totenbleich lehnte er sich gegen den Ofen. Arbeitsgemeinschaft auf Aussetzung des Ver- fahrens gegen den Abg. Dr. Liebknecht und Aufhebung der über ihn verhängten Haft gegen die beiden sozialdemokratischen und die eine polnische Stimme a b. Die bulgarischen /ibgeorönete» in Herlin. Berlin, 9. Mai. (W.T.B.) Der bulgarische Ge- sandte und Gemahlin empfingen heute die hier wei- lenden Mitglieder der bulgarischen Sobranje und die Deutsche Gesellschaft. Auch die anderen Herren der Gesandtschaft und die übrigeu Spitzen der bulgarischen Kolonie Berlins waren mit ihren Damen erschienen, darunter drei Töchter des Mini- sterpräsidenten Radoslawow. Vom Auswärtigen Amt waren u. a. Staatssekretär v. Jagow und Un- terstaatssekretär Ziimnermann erschienen. Ausland. Amsterdam, 9. Mai. (W.T.B.) Das Handelsblad meldet aus London: Aus Ottawa wird der Ti- mes berichtet, daß die Regierung eine Kommission von sechs hervorragenden Geschäftsleuten aufstellen wird, die Frankreich, England und Italien bereisen werden, um zu untersuchen, wie der kanadische Han- del gefördert werden könnte. Wahrscheinlich wird Handelsminister Sir George Forster die Kom- mission begleiten. Amsterdam, 9. Mai. (W.T.B.) Das Handelsblad meldet aus London: Der Morning Post wird aus T i e n t s i n berichtet, daß die L a g e i n S h a n g - Hai e r n st werde, und daß sich in T s i n a n f u viele Bombenexplosionen ereignet haben. In einem anderen Bericht wird behauptet, daß ein japanischer Zug bei Weihsten beschossen wor- den sei. Madrid, 10. Mai. (W.T.B.) Agence Havas. In einer parlamentarischen Versammlung der ^konservativen gab Dato eine historische Uebersicht über die Tätigkeit des letzten Kabinetts bis zur Krise. Was die äußere Politik der konser- vativen Partei anbetreffe, so ist Dato der Ansicht, daß Spanien sich allen Kriegführenden gegenüber neutral verhalten und sich nicht in den Krieg ver- wickeln lassen darf. Die Partei muß sich darin ein Beispiel an ihren? Herrscher nehmen, der die höchste Verkörperung des Landes darstelle. Dato kündigte an, daß die Konservativen des Kabinett Romanones unterstützen würden. Der Dank für den „Mitarbeiter". JNB. Genf, 9. Man- Der bekannte militärische Mitarbeiter des Journal de Geneve hat von der geo- graphischen Gesellschaft in Paris einen Preis und eine goldene Medaille für seine Artikel über den Weltkrieg erhalten, (m.) Beschlagnahme einer Zeitung. JNB. London, 9. Mai. (Indirekt.) Die Polizei hat das gesamte Material und alle Druckschriften der Zeitung Freedom (Freiheit) beschlagnahmt, (m.) Ausfuhrverbote. Kopenhagen, 10. Mai. (W.T.B.) Dänemark hat mit Wirkung vom heutigen Tage die Aus- fuhr von Zichorienwurzeln, Zichorien- m e h l und Zichorienfabrikaten ver- boten. — Norwegen hat die Ausfuhr von frisch gesalzenen oder geräucherten Makrelen, sowie Makrelenkonserven verboten. Zur griechischen Krise. JNB. Nach dem Muster der jungtürkischen Off!- ziersvereinigungen hat sich in Athen eine Offiziers- liga gebildet, die erklärt, zum Schutze des Königs und des Vaterlandes zu den äußersten Matzregeln entschlossen zu sein. Die Gründung wird als ein so außerordentlicher Akt bezeichnet, daß niemand vor- aussagen könne, was jetzt noch bevorstände. Wenn Offiziere, die ohnehin durch ihren Beruf zur Ver- teidigung des Thrones und Vaterlandes bestimmt sind, sich in einen besonderen Bund zur Erfüllung dieser Pflicht zusammentun, so ist damit schon, schreibt Danzers Armeezeitung, das Ungewöhn- liche der heutigen Lage in Griechenland gekennzeich- net. In den? vom Nennverbande tief gedeniütigten Griechenland regt sich offenbar verzweifelte Abwehr. Der Staat ist zur normalen Selbsthilfe nicht im- stände: seine geographische Lage, seine auf das Ausland angewiesene Volkswirtschaft behindern ihn in der Freiheit seither Entschließung, im Innern des Landes selbst haben sich die Feinde mit Geld und guten Worten eine Partei zu schaffen verstanden. „Ich hab's nicht gewollt," stotterte er, „warum hast Dich eingemischt!" „Um größeres Unglück zu verhüten," sagte das Mädchen unter dem Eindruck des Schreckens mit matter, unsicherer Stimme. Aus der Küche stürzte schreiend die „Lamm". Wirtin herbei und wickelte ein Tuch um das blu- tende Handgelenk ihrer Tochter. „Da hast Du's jetzt! Hab' ich Dir nicht immer gesagt, mit dem Menschen sollst Dich nicht einlassen, der ist kein Guter nicht!" „Ist ja nicht gefährlich, Mutter," beruhigte Gundl, „nur gestreist hat mich das Eisen, wie ich mich zwischen sie geworfen Hab'." „Grad so gut hätte er Dich totstechen können, der Tunichtgut!" zeterte die Wirtin weiter. „Aber so hat's kommen müssen — ganz recht ist's, 'denn jetzt ist's aus zwischen Euch beiden, alles aus. Das muß auch der Michel zugeben." „Frau Pentenrieder," wollte der Jäger sich ver- teidigen, aber er kam nicht zu Worte. Der Wildholzer Martl hatte die zu Boden ge- fallen? Waffe aufgehoben und rief mit spöttischem Blick auf die Gundl: „Da nehmt's Euer Käsemesser wieder. Schneiet's Wurst und Brot damit — ist gescheiter!" Das Gelächter, das seine Worte begleitete, klang wild un!d drohend. Die Kumpane des Brandner- Blasi, von denen die meisten selbst etwas auf dem Kerbholz hatten, benützten die Gelegenheit, sich an dem Jäger zu rächen nnd sein nur der Notwehr I entsprungenes Vorgehen als Verbuchen zu stempeln. die, von dem Kretenser Venizelos geführt, die ganze sprichwörtliche hinterhältige Verderblichkeit nnd Gewissenlosigkeit Kretas geerbt zu haben scheint, so daß heute Griechenland, zu so viel Hoffnungen aus- ersehen, wie ein besiegter und unterworfener Staat hilflos jeder Selbstbestimmung beraubt erscheint. Man kann es begreifen, wie dies auf die Gemüter von tüchtigen und ehrenhaften Offizieren wirkt, die täglich sehen müssen, wie ihr Land gebeugt, ihr König bedroht und geschmäht, ihre eigene Wehr- losigkeit verlacht wird. Nun droht die Athener Ossi- zietsliga mit der Selbsthilfe. Sie wird die Lente kennen, denen ihre geballte Faust gilt. Die Korrespondenten der Pariser Blätter drücken sich erschreckt und sorgenvoll über diesen Schritt der griechischen Offiziere aus. Jedenfalls muß der Neunverband erfahren, daß seine Gewalttaten durchaus kein zuverlässiges Mittel sind, die Dinge in Griechenland nach seinem Willen zu gestalten. Man kann heute nicht wie zu :den Zeiten Elisabeth der Blutigen ein neues Irland schassen, (in.) Die „Kriegskosten" der Neutralen. JNB. Anch den neutralen Staaten kostet der Krieg, den diese nicht führen, viel Geld. Nach Da- ten, die die Kopenhagener Studiengesellschaft für soziale Folgen des Krieges zusammengestellt hat, würden bereits am 1. Janncrr 1916 an Kriegs- anleihen aufgenommen haben: Holland 823 Millio- nen, Rumänien 240 Millionen, 'Schweden 133 Mil- lionen, Griechenland 147 Millionen, die Schweiz 146 Millionen, Dänemark 134 Millionen. Norwegen 81 Millionen Mark. Das wären zusammen 1% Milliarden, eine sehr achtbare Summe an „Kriegs- kosten" für sieben nicht kriegführende Staaten. Die Aufbringung der Summe ist, wie in kriegführenden Staaten, teils durch Steuern, teils durch Anleihen erfolgt. Zwei Dutzend Steuern hat Holland teils neu eingeführt, teils erhöht. Unter den Steuern verdient Interesse die Wehrsteuer mit vier Millionen Gulden und die Vornamen-Steuer für diejenigen, die mehr als einen Vornamen haben, mit einer hal- ben Million. In Schweden ist das Tabakmonopol zur Einführung gelangt, (m.) )X( Der flufftanö in Irlanü. Der Prozeß gegen Cafeinent. JNB. Paris, 9. Mai- (Indirekt.) Wie der Ma- tin bestätigt, wird Sir Roger Casement nicht vor ein Kriegsgericht gestellt werden, sondern sein Fall wird von einem Zivilgerichtshof verhandelt. Er ist wegen Hochverrats angeklagt. Begründet wird dies damit, 'daß er gefangen genommen wnrde, bevor der Kriegszustand in Irland proklamiert war. (m.) Lebensmittelversorgung. E. Wodurch ist die Aiehzucht in Deutschland wieder z» heben? Unter dieser UtbrrW-rtft »erBffrrnlWit bic Alwcmcwe ftlfi'dier Zeitung eine Reihe von Darlegungen, die ihr von Landwirten, Viehhändlern und Fleifchermeistern zugegangen sind und deren wichtigster Jnbalt wiedergegeben werden soll. Der Präsident des Preußischen Abgeordnetenhauses nnd des Deutschen Landwirtschastsrats, Dr. Grafv. Schwerin- Läwitz, schreibt: Eine allgemeine Hebung unserer Viehzucht wird während der Kricgsdauer — ohne Zufuhr von Futtermittel» — kaum möglich sein. Man wird sich auf die Erhaltung der Bestände bei einigermaßen ausreichender, wenn auch knapper Fleisch- Versorgung beschränken müssen. Wicktiaer al« reichliche Fleischernährung ist aber die Er- Haltung einer anSreichenden Milch- nnd Butterer-eugung. A cd bei den Schweinen ist die Fetterzengnng wichtiger als die Fleischer»»,iung. Dabcr empfiehlt der Verfasser die Er- mäßignng der Schl'cktpreise für weibliches Rindvieh und die Erhöhung der Preise für schwere Fettschweine. ReichZtagsmitglied Gutsbesitzer Mendorfs (Toitz) schreibt: Die Möglichkeit der Viehzucht steht und fällt mit der größere« oder geringeren Menge an versügb'ren Kraftfutter- mitte n.- Der Rückgang der Vielleicht währe d des Krieges ist die Miniitttibure Folge des Futtermangels. Der Ties- stand unseres Viehbestandes dürfte überschritten und eine allmähliche und beschränkte Hebung sehr wohl möglich nnd zn erwarten sein- Daher empfiehlt der Verfasser Ausnutzung aller Weidemöalichkeiten. Für die weitere Durchhält»«« de? Vieis ist dann aber eine möglichst große Z»f»«r vo» Futtermitteln für die nächste Winternitterung notwendig Infolgedessen empfiehlt sich rechtzeitige Organisation der Einfuhr und Rationierung der Futtermittel. ReichstagSabgeordneter Gutsbesitzer Arnstadt schreibt: D s wit'tigste ist die Beschaffung der Futtermittel. Di« bisherige Eilruhr von etwa 80 Millionen Doppel,entnern Getreide und Futterniiltelu fehlt, die nur mit sehr niedrigem Die Wirtin hatte Gundl in die-Küche gezogen, um ihr die Wunde auszuwaschen, und allein, ohne auf irgend eine Hilfe rechnen zu dürfen, sah sich Rehm dem erbitterten Haufen gegenüber. Lärmend nnd tobend drangen die Burschen auf ihn ein, Flüche und Verwünschungen wurden laut, kräftige Fäuste ballten sich vor seinem Gesichte. „Werft's ihn hinaus, schlagt's ihn nieder, den heimtückischen Stecherl" Der Brandner Vlasi hatte dem Martl den Hirsch- fänger weggerissen, noch ehe der Jäger die Waffe wieder an sich nehmen konnte, und schleuderte ihn rückwärts auf den Tisch. „Laßt's, Buben, mit dem da werd' ich allein fertig!" Und die Aermel seiner Lodenjoppe aufstreifend, stürzte er sich auf den Hies. Ein kurzes, grimmiges Ringen folgte, bei dem keiner zu Boden kam. Aber der Wildschütz war doch der stärkere. Wie sehr sich auch der Hies dagegen stemmte. Schritt für 'Schritt wurde er der Türe zu und auf den Hausgang hinaus gedrängt. Da bückte der Blasi sich plötzlich, packte seinen Gegner von unten und warf ihn mit kräftigem Schwünge durch den Eingang auf die dunkle Gasse hinaus. Oben auf den steinernen Stufen drängten sich die Burschen zusammen und sahen hohnlachend auf den Besiegten nieder. Von der Hand des Wildholzer Martl geschleudert, fiel der schwere Rucksack neben ihm nieder. „Da, trag' Deinem Herrn den Bock heim und laß uns unsere Ruh'." |lr. 215 Zoll belegt waren, um die Produktion billig zu gestalten. Infolgedessen hat die Selbsterzeugung von Futtermitteln nicht Schritt gehalten «it der sonstigen ProduktionSsteigerung. Dieser nicht einwandfreie Weg hat uns vom Auslände ad« hängig gemacht und äußert jetzt seine Wirkungen. In erster Linie muh aber die Milchviehhaliung geschont werden und daher Nr Kälberaufzucht vielleicht durch ein Schlachlverbot für weibliche Kälber, das dringtud erforderlich erscheint, gesorgt «erden. Da an eine lohnende Schweinemast zur Zeit nicht zn denken ist und die Verhältnisse ans dem Gebiete der Schweine- Produktion sehr ungünstig liegen, so wären Maßnahmen zu empfehlen, durch die die Schweinezucht gefördert wird- Eine gute Ernte, die nach dem bisherigen Saaienstand zu erwarten steht, dürfte auch dem Viehbestände zu gute kommen. * Geheimer Oekonomierat Dr. Dittweiler (Rostock) schreibt: 1. Am schwersten zu erfüllen ist die erste Bedingung: ausreichendes Futter. ES fehlt der Landwirtschaft in allen Ecken, und waS hereinkommt, reicht bei weitem nicht aus, um den ganzen Bedarf zn decken. Am schwersten Ivird eS empfunden, daß niemxnd sicher ist. daß das von ihm erzeugte »nd für den eigenen Bestand bestimmte Futter ihm gelassen wird. Es ist deshalb uniuöglick, sich für eine längere Zeit mit einem größeren Bestände einzurichten, und deshalb ist das Bestreben verständlich, nur so viele Tiere zu hallen, wie man mit an» nähernder Sicherheit durchdringen kann. Erst wenn wieder neues Butter gewachsen ist, kann eine Besscrnng eintreten. 2. Es ist ganz ausgeschlossen, daß in den nächsten Monaten der volle Bedari der Bevölkernng gedeckt werden kann. Erst wenn sich das Vieh auf der Weide gebessert, schwerer und fetter geworden ist, kann eine Aenderung eintreten. Wollie man sich darüber hinwegsetzen, die Praxis des Winters weiter befolgen und rU das unreife, leichte Vieh schlachten, dann würde das Elend hinterher mir noch größer werden. 3. Das einfachste und sicherste Mittel sind ausreichende Preise, wenn man die Erzeugung fördern will. Daß man mit der Festsetzung von Höchstpreisen, die nur Rücksicht aus den Verbraucher nehme», nur vorübergehend etwas erreicht und dann -zu sehr großen Erhöhungen gezwungen ist, hat man hoffentlich ans den Erfahrungen des Krieges inzwischen allgemein gelernt. Tie Preise für Rinder »nd Schafe lönne^i wohl a>s ausreichend bezeichnet werden, dagegen nicht die Schweiuepreiie. Diese decken nicht die hosten. Di« aus Viehhändler- und Fleischerkreisen gemachten Vorschläge erstrecken sich fast durchweg ebenfalls darauf, 1. Den Landwirten billige Kraftfuttermittel zur Verfügung zu stellen und 2. Da? Abschlachten von Kälber» zu verbieten. Die Eindelligeit dieser Auiilassnngen aus den verschiedenen Kreisen beweist, daß versiärtte ^»itermittelbeschaffung dringend notwendig ist und d-ß die Schonung der Viehbenäude im Interesse der besseren Fleisch-, Milch- nnd Fettversorg.ng durch Beschränkung der Adjchlachtungen durchgesetzt werden muß. Eine als vorübergehend anzusehende Einschränkung des Fleischverbrauchs ist die notwendige Folge. Die beim Verziehen der Zuckerrüben abfallenden Nüven- pflänzchen, — ein wertvolles Gemüse. Die Landwirtschaftskammer in Wiesbaden macht fol- genden beachtenswerten Vorschlag: Die beim Verziehen von Zuckerrüben sich ergebenden Rübenpslänzchen werden als ein uahr- und schmackhaftes Gemüse zur Er- nährung herangezogen werden können. ES handelt sich dabei um beträchtliche Mengen, und das Rüben-Verziehen erstreckt sich über einen mehrwöchentlichen Zeitraum, in dem anderes frisches Gemüse kaum zur Verfügung steht. Wesentlich ist, daß sowohl die Blätter als auch die Wur- zeln Verwendung finde». Um die Pflänzchen in großem Umfange nutzbar zu macheu, mühten sie beim Ausziehen sofort vermittelst ekneS 'angefeuchteten m kleine Handbüschel zusammengebunden, beschattet und angefeuchtet werden. Der Versand muß stets unmittelbar hinterher ersolgen. Insbesondere muß darauf geachtet werden, daß sich die Pflänzchen nicht erwärmen. So behandelt, dürfte das Material immerhin für einige Tage gut zu erhalten sein. Wer nahe am Verbrauchsorte wohnt, kann die Abfuhr 'dahin ganz lose in Körbe gefüllt be- Werkstelligen, in gleicher Weise wie Spinat befördert wird. Zweckmäßig wird es auch sein, gleichzeitig die Städte und Jndustrieorte darauf aufmerksam zn machen, daß sie gut daran tuu werden, selbst als Ab- nehmer aufzutreten, sich mit den zunächst gelegenen Rübenwirtschasten in Verbindung zu setzen und 'die an- gelieferten Mengen planmäßig an Markthallen oder andere Verkaufssiellen zur Verteilung zu bringen. JedeS längere Lagern der überaus zarten Rübenpflänzcheu muß durch einen geordneten Verteilungsplan an möglichst viele Einzelstellen vermieden werden. Der Ersolg des Unternehmens hängt ganz allein von der Sorgfalt in der Behandlung des zu versendenden Materials ab, und zwar vom Verziehen der Rübenpflänzcheu an- fangend bis zur Zubereitung des Gemüses. . iCxjfeX)- Chronik. X Karlsruhe, 10. Mai. Zur Beförderung der Garnisonsurlanber sind im Sominer- dienst auf den badischen Staatsbahnen besondere Urlauberzüge vorgesehen, die teils Sanis- tags, sowie am 31. Mai (Tag vor Himmelfahrt) und 21. Juni (Tag vor Fronleichnam) nnd solche, Der Jäger verbiß gewaltsam den Schmerz. In halber Betäubung sich aufrichtend, glaubte er neben dem Blasi das spöttische Gesicht des Italieners zu sehen. Hatte auch der sich an der Rauferei beteiligt und freute sich über seine Niederlage? Knirschend über die ihm angetane Schmach hob er mühsam den wunden Arm gegen den Brandner Blasi. „Wart' nur, Di, Hallodri," preßte er ingrimmig zwischen den Zähnen hervor. „Ist noch nicht aller Tage Abend. Wir treffen uns anderswo wieder. Und dann wird Dir's heimgezahlt!" Die Sinne schwanden ihm. Bewußtlos blieb er am Fuße der steinernen Treppe liegen. Als er nach einer Weile wieder erwachte, beugte sich eine dunkle Gestalt iiber ihn. Das Erschrecken schien gegenseitig. „Ihr seid es, Hies? — Und wieder in solchem Zu- stand?" ,^>err Kaplan," stotterte der Jäger, „diesmal —" „Schämt Euch, so an offener 'Straße zu liegen: steht doch wenigstens auf." „Ja, wenn ich könnte, Höchwürden." Der Hies versuchte sich aufzurichten, fiel aber mit einein Seufzer wieder zurück. Das gute, offene Gesicht des noch fugendlichen Geistlichen errötete leicht. Sollte er dem MannS llnrecht getan haben. „Ja, was habt Ihr denn, Hies? Ist Euch doch nichts geschehen?" „Nichts, als daß sie mich hinausgeworfen, um der Gunldl willen." (Fortsetzung folgt.) |t r. 215 Kndischer Seobachter, Mittwoch, den ll). Mai 1916 Seile 3 die Sonn- und Feiertags verkehren. Die Züge fahren aus den Strecken Freiburg-Appenweier- Straßburg-Karlsruhe-Mannheim und umgekehrt. Sie sind im Kursbuch mit den Nummern 5000 bis 5010 aufgenommen. Die Züge 5001, 5003, 5004, 5005 und 5006 dürfen auch von Zivilpersonen be- nützt werden. V» Ettlingen. 9. Mai. Auf Anregung der G r o ß- Herzogin Luise wird im hiesigen Lazarett ein» Kochkurs für Soldaten abgehalten. Der Unterricht wird von einer Kochlehrerin des Badischen Frauenvereins erteilt, die Lebensmittel stellt das hiesige Rote Kreuz und die Einrichtung wurde von der Invalidenfürsorge beschafft. Gelehrt wird die Zubereitung von verschiedenen Suppen. Gemüse. Kartoffel- und Fleischspeisen. :: Graben. 10. Mai. Am Samstag, den 13. Mal 1916, vorniittags 10 Uhr, veranstaltet die Badisckze Landwirtschaftskammer in Graben unter den be- kannten Bedingungen eine Versteigerung von ca. 30 noch verhältnismäßig sehr guten kriegsunbrauch- baren Pferden mittelschweren bis leichten Schlags, darunter einige Ponys, sowie 3 leichtere Mutter- stuten niit Saugsohlen. Ü" Mannheim. 9. Mai. Gestern abend sprang eine 20 Jahre alte Taglöh nersehesran von Pirmasens mit ihren beiden Kindern, Kna- den im Alter von 3M> nnd 2 Jahren, in den R h e i n- sporn in der Absicht, sich und ihre beiden Kinder zu ertränken. Von einem bis jetzt noch unbe- kannten Mann wurden alle drei Personen noch lebend aus dem Wasser gezogen und niit einer Droschke ins Allgemeine Krankenhaus verbracht. Beweggrund zur Tat ist zurzeit noch unbekannt. Der Ehemann der Lebensmüden befindet sich im Felde. — Am gleichen Abend versuchte eine 40 Jahre alte Fabrik m ei st ersehefrau in ihrer Wohnung sich und ihren fünf Kin- d e r n ini Alter von 14 bis 5 Jahren das Leben zu u e hm en, indem sie ihre Wohnung verschloß und den Gashahn öffnete. Auf das Geschrei der Kinder wurde sie jedoch durch das Dazwischentreten von Hausbewohnern in ihrem Vorhaben gehindert. Auch in diesem Falle ist der Mann zum Heere ein- gezogen. — Eine unbekannte Leiche, die im Neckar gelandet wurde, ist die der Magdalena S e e- I i n g, ledige 20jährige Verkäuferin von Mannheim, die seit 3 d. M. vermißt wird. X Mannheim, 10. Mai. An einer Krankheit, welc he er sich im Felde zugezogen hatte, ist Professor Heinrich D i e h l gestorben. Er stammte von hier und stand im 36. Lebensjahre. Im Jahre 1904 war er in den badischen Schuldienst eingetreten und 1909 zum Professor an der Realschule in Emmen- dingen ernannt worden. Den Feldzug hatte der Verstorbene als Unteroffizier im Landwehrregiment Nr. HO mitgeniackst. : '• '• Pforzheim. 9. Mai. Der Dieb, der in einem ^ ^sbaugeschäfte an der Tunnelstraße eins !11* c mit Edelsteinen und einer ocutschc^ Kriegsanleihe gestohlen hatte, Ut _ genern bereits oerhaftet worden. Als ein Kriminalbeamter ihn in einer hiesigen Wirtschaft festnehmen wollte, verstand es der Geselle, die geraubten Edelsteine einem Soldaten in die Tasche zu schmuggeln, sodaß man nach seiner Festnahme nichts bei ihm vorfand. Bald entdeckte jedoch der Beamte unter dem Stuhle, auf dem der des Diebstahls Ver- dächtige gesessen hatte, einen kleinen Saphyr, durch den dann die Täterschaft erwiesen werden konnte. Der Festgenommene leugnete nun nicht mehr, so- daß seine Verhaftung aufrecht erhalten wurde. Es handelt sich um den bereits schwer vorbestraften Möbelpacker und Schreiner Deis aus Flein bei Heilbronn. )( Lahr, 9. Mai. Von einem Unfall wurde Stadtrat Metzgermeister Friedrich H o l w e g be- troffen. Er deauffichtigte gestern nachmittag im stäot. Farrenstall ias Laden von Heu, tat dabei einen Fehltritt nnd stürzte so unglücklich, daß er drei Rippen brach und Quetschungen erlitt. W Bnchenbach bei Freibnrg, 10. Mai. Ein u n - erhofftes Wiedersehen feierten zwei kriegsgefangene Russen, Brüder, in der Kirck>e in Breitnau. Sie hatten sich seit 6 Jahren nicht mehr gesehen. Donaneschingen, 10. Mai. Hier fand kürzlich für die kriegsgefangenen Russen ein russischer Gottesdienst statt. Die Militärbehörde hatte gestattet, daß auch die in den umliegenden Ort- schaften beschäftigten Russen dem Gottesdienst an- wohnen durften. d 1 Badisch Rheinscldcn. 10. Mai. Ein kaum der Sc hule entlassener Bursche wollte aus einem F l o - bertgewehr auf Krähen schießen. Er traf dabei aber einen etwa 11jährigen Kna- b e n in das Gesicht und verletzte ihn derart, daß das linke Auge verloren ist. . !! Konstanz, 10. Mai. In Begleitung von Mutter, Bruder und Schwester traf nach dem Thurg. Volkssr. am letzten Freitag ein französischer Unteroffizier in Kreuzlingen ein. Seit 20 Monaten »vor er als Kriegsgefangener in einem deutschen Lager in Westfalen nnd hatte nun von der deutschen Militärbehörde Urlaub er- halten, um seinen in Montreux weilenden schwer- kranken Vater zu besuchen. Am Samstag stellte sich der französische Unteroffizier wieder den deutschen Militärbehörden. Kirchliche Nachrichten. c& Aus der Erzdiözese. Der Tod hält bis jetzt im Jahre 1916 unter der Geistlichkeit der Erzdiözese Frei- bürg reiche Ernte. Schon im ersten Vierteljahre starben 12 Geistliche, darunter ganz junge Herren. Seitdem sind weiter 2 mit Tod abgegangen. Es hat schon Jahrgang? gegeben, wo im Ganzen nicht mehr gestorben sind. Die- ses Sterben und die derzeitige zahlreiche Reubesetzung von Pfarreien veranlaßt gegenwärtig eine starke Perso- Naiveränderung in der Erzdiözese. cg, RuS dem Kapitel Linzgau. Der bisherige Herr Pfarrverwefer Pfister, schon ein^ Anzahl von Jahren «rbsenter Pfarrer von Schwenningen, ist als solcher von Hagnau nach Sipplingen versetzt, nachdem er aus die Pfarrei Waltersweier verzichtet hat. Er bleibt also vm Bodensee. Aus die Psarrei Hagnau wird Herr S farrer Belz von Emmingen ab Egg aufziehen. Der Achsel sii'.det am 18. Mai statt. * 4. Versammlung öer Bezirks- ausschule öer Kriegsfürsorge. X Karlsruhe. 10. Mai. Im großen Nalhaussaal fand gestern abend 6 Uhr die zahlreich besuchte 4. Versammlung der Bezirksausschüsse der Kriegsfürsorge der Stadt Karlsruhe statt, zu der sich auch Ihre Königl. Hoheiten die Großherzogin Hilda, die Grotzherzogin Luise und die Prinzessin Max und Oberbürgermeister Siegrist eingesunden hatten. Bürgermeister Dr. H o r st m a n n, der Vorsitzende der Kriegsuiuerjtützungsiommission, erstattete zunächst einen allgemeinen Bericht über die Tätigkeit der Be- z l r k s a u s s ch ü s s e. Bei der letzten Versammlung vor einem Jahr hofste man auf ein nahes Ende der Arbeit. Heute ist sie zu einem selbstverständlichen, un- entbehrlichen gewohnten Tagewerk geworden, die wir nicht missen möchten, da wir in dieser großen Zeit un- scre Arbeitskrast dem Wohle des Vaterlandes unter- ordnen wollen. Darum fragen wir heute kaum mehr darnach, wie lange es noch gehen wird mit dieser Arbeit. Mag sie noch Monate, mag sie noch Jahre dauern, nie- mals kann die Quelle versiegen, die uns Kraft zu dieser Arbeit gibt. Redner dankte sodann den Damen und Herren für die bisher geleistete Arbeit im Namen der Gesamtbürgerschast, welche die gebrachten Opfer wohl zu schätzen weiß. Diese Arbeit hat ein unsichtbares Band um die Frauen und Kinder geschlungen und werde hoffentlich auch nicht schwinden, wenn nach dem Kriege die sozialen Gegensätze wieder zurückkehren. Besonderen Dank zollte Redner noch den Leiterinnen der Arbeits- stätten, dem Roten Kreuz, dem nationalen Frauendienst und ganz besonders der Geistlichkeit aller Konfessionen, ohne deren Unterstützung die Kriegsjürsorge gar ost ver- sagen müßte. Die gele,,iete Fürsorge kann nicht zahlen- mäßig ausgedrückt werden. Doch geben die Zahlen einigermaßen Ausschluß über das umfangreiche Arbeits- gebiet. Seit Kriegsboginn wurden bis jetzt für Unter- stützungen an Familien Einberufener verausgabt 6 652 000 Mk., davon 354 000 Ml., die aus Mitteln des Reichs und des Staates ersetzt werden. 319 000 Mk. sind bisher durch freiwillige Spenden der Bürgerschaft gedeckt worden; endgültig bleiben demnach der Stadt zur Last 2 298 000 Mk. Die entsprechenden Zahlen für 1915 gerechnet lauten: Gesamtaufwand 3,9 Millionen, Ersatz durch Reich und Staat 2,17 Millionen, freiwillige Spen- den der Bürgerschaft 508 000 Mk., endgültige Belastung der Stadt 1,27 Millionen. Der Armenauswand beträgt in einem normalen Friedensjahr 380 000 Mk., bei deren Verteilung 160 Personen in der Armenpflege mitwirken. Dagegen stehen im Dienste der Kriegsfürsorge mit ihrem ums Zehnsache größeren Betrag 220 ehrenamtliche Mit- glieder. Ueber die verschiedenen Arbeitsgebiete geben solgende Zahlen Anhaltspunkte: Bon dem Gesamtauf- wand von 6 Millionen seit Kriegsbeginn entfallen anf Reichsunterstützungen rund 5 Millionen. Dieser Auf- wand verteilt sich auf rund 850 Kriegerfamilicii. An 2600 Familien wurden außerdem Mietbeihilfen im Be- trage von 862 000 Mk. gewährt. An beiden Weihnachten wurden 58 000 Mk., für die Beschaffung von Lebens- Mitteln 421382 Mk., für Volksspeisung 52 000 Mk., für Kinderfürsorge 38 000 Mk., für Kohlen 57 00V Mk., für Behandlung 57 000 Mk., für Heilmittel 72 300 Mk. ausge- geben. Von den verschiedenen Arbeitsstellen des Roten Kreuzes wurden seit Kriegsbeginn über 1 Mill. für Arbeitslöhne, vorliegend an Kriegerfrauen, bezahlt. Eine halbe Million wurde für Lebensmittel aufgewendet in Erkenntnis der Wichtigkeit der Ernährungssrage; am nächsten Donnerstag werden zum erstenmal die fahr» baren Feldküchen von 2 Zentralküchen aus ihre Tätig- keit aufnehmen und in Schulhöfen Mittagessen zu 25 Pfg. das Liter an die minderbemittelte Bevölkerung abgeben. Dabei ist vor allem an solche Familien ge- dacht, die wegen der Schwierigkeit .der Lebensmittel- beschassung ein richtiges Mittagessen zu Hause nicht be- reiten können, weil die Hanssrau tagsüber zur Arbeit gehen muß. Bereits 1000 Familien aus dem Bereich der Kriegsfür'orge haben sich für die Kriegsspeisung vor- merken lassen. Wir dürfen uns durch die vorgetragenen Zahlen nicht blenden lassen; wir vermessen uns nicht, zu sagen, daß die verausgabten Millionen ein gleiches Maß von Zufriedenheit gezeirigt haben. Alle Beschwerden und Wünsche konnten nicht befriedigt werden, wenn auch alle berechtigten berücksichtigt wurden. Dock, dürfen wir niit gutem Gewissen erklären, dag das Mensclien- mögliche geschebe» ist um das Los der in der Heimat am schwersten vom Kriege betroffenen Kriegerfamilien erträglich zu gestalten. Die Kriegsfürsorge" wird mit dem Kriege nicht zu Ende gehen; als Invaliden- und Hinterbliebenenfürsorge wird sie ihre Tätigkeit fort- setzen müssen. Herr Stadtrat Dr. Binz berichtete über die Er- fahrungen der Bezirksansschüsse, insbe- sondere im 11. Bezirk, dem 400 Familien zugeteilt sind. Davon gehören t>0 Prozent dem Arbeiterstand, 25 Prozent dem Stand der kaufmännischen Angestellten, Privatbeamten, Techniker, Architekten und sonstiger Un- selbständiger, die aus höherer sozialer Stufe stehen, 12 Pro- zent sind Handwerker, Kleinkaufleute. Von den Unter- stützten sind 90 Prozent Frauen und Kinder von Krie- gern, 10 Prozent Eltern, deren Söhne im Felde stehen. Die Feststellungen der Mitglieder erstrecken sich aus die Bedürftigkeit und Würdigkeit der Familien. Mit Worten der Anerkennung gedenkt Redner auch der Tätigkeit vieler Kriegersrauen, die für sich und die Ihrigen durch ihrer Hände Arbeit sorgen. Manche dieser Frauen haben sich einen oder zwei Aecker gepachtet und halten sich Gaißen und kommen so verhältnismäßig gut durch. Schwieriger gestalten sich die Verhältnisse der Haus- besitz«. Die Gläubiger sind vielfach auf die Zinsen,- nahmen angewiesen zu ihrer Lebensunterhaltung. Im großen und ganzen ist damit zu rechnen, daß die Krie- gerfamilien für den Sypothekenzins aufzukommen haben. Schwierig sind die Verhältnisse auch bei Handwerkern. In manchen .Handwerten greift die Frau tätig mit ein; bei anderen ist dies aber nicht möglich. Da müssen oft verhältnismäßig hohe Mieten bezahlt werden. Hier gilt es für die Kriegsfürsorge zu vermitteln, um Er- Mäßigungen zu erlangen, da die ganzen Beträge nicht auf die Fürsorge übernommen werden können. Ab und zu kommt es vor, daß über die Einkommensquellen un- wahre Angaben gemacht werden, daß sich Frauen als arbeitsunfähig bezeichnen, die gut arbeiten könnten. Mau begegnet auch der Auffassung, daß Kriegerfrauen in sozial gehobenen Ständen sich zu gut dünken, um eine Arbeit zu übernehmen. Wir stehen auf dem Stand» Punkt, daß man nicht nach einer Schablone versahren kann, daß man auf bisherige Lebeilsgewohnheiten der Frauen billige Rücksicht nehmen muß und nicht jeder Frau jede Arbeit zumuten kann. Manchmal sind Be- lehrungen und Vorhalte angebracht und manchmal ist es auch gelnngcn, die Vorurteile über die Arbeit zu be- seitigen. Mit umso größerer Befriedigung können wir feststellen, daß der Geist und die Auffassung unserer Kriegerfrauen im großen und ganzen ?em Ernste 'der Zeit durchaus entspricht, in der wir leben. Es ist zu- meist ichön und rührend, wie sich diese armen Frauen durcharbeiten, wie sie keinen Mißmut/ keine Bitterkeit erkennen lassen, sondern frisch und resolut an die Er- füllung ihrer doppelt schweren Pflichten herantreten. Einzelne Mitglieder sind berechtigt, Lebensmittel anzu- weisen. Daraus ergibt sich eine persönliche Fürsorge für die Kriegerfamilien, denen mit Rat und Belehrung an die Hand gegangen wird. Mit Recht ist schon auf die Arbeit hingewiesen worden, die von den Seelsorgern geleistet wird. Allwöchentlich kommen die Ausschüsse zu- kämmen, wobei die Unterstiitzungsgesuche zugeteilt wer- den. Wir Männer haben Ursache, bescheiden hinter den Damen zurückzutreten. Die gesteigerte Arbeit verlangt auch größere Opferwilligkeit. Wir wollen mit Freudig- keit ausharren und weiterarbeiten zur Linderung der Not der Kriegerfamilien und erfüllen damit in recht oe- fcheidenem Teil die Dankespflicht gegenüber den tapfren Kriegern, die draußen mit unerschütterlicher Hingebung Leben und Gesundheit einsetzen zum Schutze der Heimat, für Kaiser und Reich. Herr Geh. Hofrat Dreßler hielt einen Vortrag über Tuberkulosebekämpfung im Rahmen der Kriegsfürsorge. Mit ehrenden Worten gedachte Redner der hervorragenden Tätigkeit der Frauen aus verschiedenen Pebieten der Wohltätigkeit. Auch im Kampfe gegen die Tuberkulose könne man ihre Mitarbeit nicht entbehren. Der Krieg werde eine Vermehrung dieser Volkskrankheit verursachen. Das Kriegsministe- rium sei zwar bestrebt, den Lungenkranken im Heere Unterkunft in Genesungsheimen zu verschaffen, trotzdem werden sie in nicht geringer Zahl in die Familien kom- men. Wegen Uebersüllung der Heilanstalten wird erst nach einiger Zeit eine Ueberweisung in dieselben möglich sein. Wir wissen in Baden, was die Mitarbeit der Frau auf 'diesem Gebiete bedeutet. Sie leistet die Kleinarbeit. Jede Frau spielt in diesem Kampfe eine entscheidende Rolle. Eingehend zeigte sodann Redner, wie dies ge- schehen könne. Es wies darauf hin, daß Tuberkulose nicht angeboren werde, sondern nur eine besondere Disposition dazu, daß der Keim zur Krankheit vielfach schon in der Jugend gelegt werde. Durch vernünftige Er- ziehung und Ernährung könne viel Unheil verhindert werden. Die Tuberkulose ist eine Krankheit der Un- wissenheit. Sie ist heilbar. Im Sonnenlicht gehen die Bazillen fast unmittelbar zu Grunde, in feuchter Lust nach 6 Wochen, in trockenem Staub nach 6—10 Monaten. Daraus ergeben sich die wichtigsten Lehren 'der Bekämp- suug. Notwendig ist die Hebuug der Widerstandskraft und Vermeidung der Ansteckung. Der Auswurf enthält die gefährlichen Bazillen. Auch durch die Milch von kranken Tieren kann die Ansteckung erfolgen. Die große Quelle der Tuberkulose ist der tuberkulöse Mensch. Be- sonders empfänglich sind die Kinder. Sie sollen daher nicht auf dem Boden kriechen, wo ein Kranker ist. Der Kranke soll möglichst isoliert sein, Wäsche oft gewechselt nnd desinfiziert werden. Ein wichtiger Faktor in der Bekämpfung ist eine gesunde, sonnige Wohnung. Ge- sunde sollen mit dem Kranken nicht in demselben Zimmer schlafen. Ferner ging Redner auf die Berufswahl, auf Nahrung und Kleidung und die Wichtigkeit des Mutter- schutzes ein und gab einen kurzen Ueherblick über die zahlreichen Heilstätten. Nach einer kurzen Aussprache wurde die Versamm- lung, die wieder manche Anregung geboten, um 8 Uhr geschlossen. » * Lokales. Karlsruhe, 10. Mai 1910. # Hebelfeier. Wir machen nochmals auf die heute abend 7 Uhr im Ächloßgarten stattfindende Hebelfeier aufmerksam. Großh. Hostheater. In der Vorstellung von „Carmen" zum Besten der HostheaterpensionSanstalt am Donners- tag, den 11. d. M., tritt die junge Karlsruherin Frl. Lippe vom Hoftheater in Mannheim zum erstenmal in einer stücktragenden Aufgabe an der Stätte wieder auf, wo sie vor einigen Jahren ihren ersten Bühnenversuch als Erda mit Erfolg machte. Die Vorstellung gibt zu- gleich den Abonnenten, denen die auswärts bestehende Verpflichtung zum Besuch der Benefizvorstellung nicht auferlegt ist, Gelegenheit zu einem Beitrag zur Ver- sorgungskasse der Theatermitglieder. Y Die Geschäftsstelle des K-mm»nalverbandeS ist neuerdings vom Friedrichsplatz, wo sie in den betden Häusern Nr. 5 und Nr. 8 untergebracht war, in den kleinen Saal der Festhalle verlegt worden. Der Ein- gang befindet sich auf der Westseite der Festhalle gegen? über dem Eingang zum Stadtgarten. Betritt man den Saal, so steht man einem Schalter gegenüber, der die Aufschrift „Auskunft" trägt. Dort kann sich jeder Be- sucher, der sich nicht zurechtzufinden weiß, Rat holen, an welchem Schalter er seine Angelegenheit vorzubringen hat. Die meisten werden das auf den ersten Blick schon selbst sehen, denn große Schalter mit den Aufschristen: „Zusatzanträge", „Besuch" und „Umtausch", „Urlaub", „Neuzuziehende", weisen schon auf die Bestimmung hin. Unmittelbar hinter der Auskunftserteilung ist das Pult des stellvertretenden Geschäftsführers, dem die Beauf« sichtigung der Geschäftstelle obliegt und an den sich jeder Besucher zu wenden bat, wenn er Beschwerden vor- bringen oder Wünsche äußern will, die von den Angestell- ten nicht erledigt werden können. Der größte Teil der Besucher wird an den Schaltern bedient, die die Bäcker- nummern 1—230 tragen. Daraus folgt, daß jeder Be- sucher gut tut, sich seine Bäckern u mm er vor- her einzuprägen, damit durch Aufsuchen derselben keine Zeit verloren geht. Auf dem Podium des kleinen Festhallesaales werden die Geschäftsleute abgefertigt, soweit sie mit der Lebensmittelkartenverteilung zu tuu haben. Da ist einmal der Schalter für Wirtschaften und Anstalten, der für den Verkehr mit den Bäckern, ein dritter Schalter dient dem Verkehr mit den Metzgern, ein vierter betrifft die Zuckerverteilung und auch für weitere Aufgaben ist noch genug Raum vorhanden. DaS Publikum wit-d die Neuerung freudig begrüßen, ldenn die jekige Geschäftsstelle ermöglicht auch bei außergcwöhn- lichem Andrang eine rasche Abfertigung und bietet die Bequemlichkeit, daß Personen, die warten müssen, nicht mehr wie früher gedrängt zu stehen brauche». # Der kath. Jugendverein Karlsruhe-Südstadt trat am letzten Sonntag im Apollosaal wieder mit einer Theateraufführung vor die Oessentlichkeit. die ihrer gan- gen Art nach so recht i» diese ernste Kriegszeit paßte. Gespielt wurde das sünfaktige Schauspiel „Lucius" von Paul H u m p e r t, das in kunstgerechtem dramatischem Ausbau in die letzten Zeiten der Christenverfolgung ver- setzt und in äußerst wirksamer Weise die Gedanken des Soldaten deS Kaisers und deS Soldaten Jesu Christi vor den Augen der Zuschauer verkörpert. Unter bewährter Führung boten die Spieler ihr bestes Können, um das vorzügliche Stück in durchaus tadelloser Aufführung her- auszubringen. Der Eindruck des Spieles war denn auch kein geringer; erhebend, veredelnd wirken solche Stücke namentlich aus die jugendlichen Gemüter, die sich in den Heldengestalten, wie sie der Jugendverein auf die Bühne bringt (Andreas Hofer, Peter Mahr, Lucius, Mauritius), ihre Ideale suchen. Es ist nicht allein Unterhaltung in würdigster Form, was hier geboten wird, es ist die mitreißende Kraft des großen Helden- beispiels. Darum herein in den Jugendverein! Die Aufführung wird am Sonntag nachmittag 3 Uhr und abends 8 Uhr wiederholt. Wir wünschen der wackeren Heldenschar auf den Brettern ein volles HauS. )X( SI Letzte Nachrichten 11 ja'jciqi»OI3Ci a n 3 »u 3a-«-itt -j w w Der österreichisch-ungarische Tagesbericht. Wien, 10. Mai. (W.T.B.) Amtlich wird ver- lantbart, 1». Mai 1916: Nussischer Kriegsschauplatz. An Ostgalizien und in Wolhyoien andauernd er- höhte Tätigkeit bei den Sicherungstruppen. Keine besonderen Ereignisse. Italienischer Kriegsschauplatz. Nachdem der Feind schon gestern einzelne Teile des Görzer Brückenkopfes und der Hochfläche von Do- berdo lebhafter beschossen hatte, sehte er heute früh mehrere Angriffe gegen San Marrino an. die alle abgewiesen wurden. Auch an der Kärntner und Osttiroler Front kam es stellenweise zu einer erhöhten Artillcrietötigkeit. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unverändert ruhig. Der StlUvrrtreter des Chefs des Genrralstabs: v. Höfer, Feldmarschalleutnant. preßstimmen zur Antwort Wilsons. Berlin, 10. Mai. Zu Wilsons Antwort auf dit die deutsche Note schreibt der Lokalan zeiger: Trifft die Reutermeldung zu, so ist die Antwort so ausgefallen, wie sie durch die geschickte Fassung der deutschen Note bedingt war. Sie entspricht daher unseren Erwartungen. Herr Wilson bat sich nolens voleus in i t d e «i von u n s r e r Reichs- regier uug eingenommenen Stand- Punkt einverstanden erklären müssen. Wenn er dabei emphatisch bteont, daß er etwaige an die Aendernng der Unterseebootkriegführung deut- scherseits geknüpfte Bedingungen nicht anerkenne, so rennt er offene Türen ein, denn die deutsche Note enthielt solch« Bedingungen gar nicht. Sie spricht nur die Erwartung aus und bezweifelt nicht, daß nach Beilegung des deutsch-amerikanischen Streit- falls die amerikanische Regierung nunmehr Eng. land zur Beobachtung seiner Völker- rechtlichen Verpflichtungen anhalten werde. Die deutsche Regierung hat sich lediglich für den Fall, daß die Schritte der- Regierung der Ver- einigten Staaten nach dieser Richtung nicht zu dem gewünschten Erfolg führen sollten, die Freiheit ihrer Entschließungen vorbehalten. Daran wird auch die Antwortnote des Präsidenten Wilson nichts ändern. Deutschland wird erst abwarten, ob und Mit welchem Erfolg Präsident Wilson, der ja stets seine Neutrali- tät beteuert hat. Verhandlungen mit Eng- I a n d führen wird. Die amerikanisch« Note läßt darauf schließen, daß solche Verhandlungen in der Absicht des Präsidenten liegen. Von ihrem End- ergebnis dürfte es abhängen, welche weiteren Schritte unsere Reichsregierung au tun zweckmäßig befinden wird. Einstweilen aber kann die Ange- legenheit als erledigt betrachtet werden. Die Vossische Zeitung schreibt: Die Erfah- rung hat gelehrt, 'daß es in Fällen von solcher Be- dentnng angebracht ist, mit dem Urteil zurückzuhal- ten, bis die beglaubigte Fassung des in Frage koinmenden Schriftstücks vorliegt. Diese Vor- ficht ist heute um so mehr geboten, als die amerikanische Note uns in zwei Lesarten zugekommen ist, die im wesentlichen zwar annähernd überein- stimmen, in einigen Säßen jedoch nicht ganz uner- hebliche Abweichungen ausweisen. Wenngleich so- mit vermutet werden kann, daß dieses Wesentliche im Inhalt der Note Wilsons dein Ganzen entspricht, ist doch zu bedenken, daß es bei 'Schriftstücken von dieser großen Wichtigkeit nicht mir auf den Inhalt, sondern auch auf die F o r m. ja auf Schattierungen des Ausdrucks ankommt. Irland unS Sie Mehrpflicht. London, 10. Mai. (W-T.B.). Unterhaus. Im Laufe der Bertlingen über die Besti m m u n g e n des Dien stpflichtge setz es stellte Lord Lonsdale, der Vertreter der Ulster, den Antrag, Irland in das Gesetz einznbeziehen. A s q u i t h fährte demgegenüber aus, daß der Mangel an Einmütigkeit unter den Vertretern Jr- lands über diese Frage eine erregte Erörterung ver- anlassen würde, die das Gesetz, das so dringend notwendig sei, nur verzögern müßte. Red m o n d erklärte, es würde unsinnig sein, im gegenwärtigen Augenblick Irland einen Zwang auferlegen zu wollen. Er hoffe, daß die beiden irischen Parteien bald sich zusammenfinden nnd durch eine groß- zügige, staatsmännische und weitreicksende Rücksicht ans die höchsten Interessen des Reiches zn erreichen, daß alle Schwierigkeiten überwunden werden und es ein vereinigtes Irland geben möge, das ausgestattet ist mit Regierungsverantwortlichkeit und Macht. C h u r ch i I I, der, wie bekannt ist, zur Politik zu- rückgekehrt ist, da sein Bataillon an der Front mit einer anderen Einheit verschmolzen worden ist, be- tonte die Wichtigkeit des Problems. Der Antrag Lonsdale wurde abgelehnt. * England und Rußland. London, 10. Mai. (WJ03.) Reuter. Asgnith hielt bei einem zil Ehren der russischen Dnm«abgeordneten veranstalteten Bankett eine Rede, in der er sagte, daß die beiden Regie- rnngen sich über die türkische und versische Frage und alle anderen Punkte, wo die russischen und die englischen Interessen sich berühren, g e - einigt haben, um eine Politik festzulegen, die sie in Zukunft in gegenseitigem Einvernehmen loyal befolgen tverden. Voraussichtliche Witterung am 11. Mai: Veränderlich. etwas Regen, kühl. Wasserstand deS RheinS am 10. Mai früh: Schusterinsel 248, gefallen 2. Kehl 332, gestiegen 7. Maxau 401, gestiegen 8. Mannheim 408, gestiegen 4. Itite 4 Dadischer Desbachter, Mittwoch, den 19. Mai 1916 Ztr. 215 Ernennungen, Versetzungen, Zuruhe- sehungen. (Gchaltsklasscn II bis 1^, sowie von nicht etatmäßigen Beamten.) 8lus dem Bereiche des Ministeriums des Grohh. Hauses, der Justiz und des Auswärtige«. Etatmäßig angestellt: Aufseher Franz Baron beim Laildesgefänguis Mannheirn. — Versetzt: Büroassistent Joseph L> o g beim Landgericht Ossenburg zum Land-- Gericht Mannheim. — Zugewiesen: Justizaktuar Eugen Singer beim Amtsgericht Schönau, dem Amtsgericht Durlach. — Beamteneigenschaft verliehen: der Maschi- nenschreiberin Berta Macht geb. Damm beim Amts-- gericht Baden. Ans dem Bereiche des Groszh. Ministeriums deS Znnern. Oberdirektion des Wasser- und Straszenbaues. Etatmäßig augestellt: der Brückenwärter Franz Karl Kronimus in Greffern. — Die Beamteneigenschaft verlielieu: de» Rheinwärtern Friedrich Häutzler in Auenheim und Rudolf K n ö p f e l bei Steinmauern. — Bersekt Her Geometerkandidat Ernst Kirchgeßner in Karlsruhe zu dem Bezirksgeometer in Müllheim. — kutlaffen: der Landstratzenwärter Friedrich Hoff- mann in Neulichheim (wegen Kränklichkeit). Ans dem Bereiche des Groszh. Ministeriums der Finanzen. Staatseisenbahnverwaltung. Ernannt: zum Zeichner: Betriebsassistent Adolf Groß in Mannheim; zu Lokomotivführern: die Reserve- sührer Karl Lipps in Freiburg, Emil Roth in Hervel- berg, German Kerner in Haltingen; zum Stations- «usseher: Stationswart Wilhelm Spall in Hörden- 'Ottenau; zum Zugmeister: Schaffner Christian Kresz in Freiburg; zum Schaffner: Schirrmann Ludwig Stengel in Appenweier. — Jus nichtetatmiihige Be- amtenverhültnis aufgenommen: als Schaffner: Wilh. Lang von Freiburg i. Br., Joseph Hotz von Fützen, Wilhelm Ebel von Schlierstadt, Max Klotz von Falken- steig. Gottlieb Rapp von Mühlhousen a. Enz, Leopold Bosch von Langenbrücken, Otto M ü t s ch von Sindel- dorf, Wendelin Specker von Emmingen ab Egg, Rein- lhard Renner von Hindelwangen, Hermann Heu- b e r g e r von Schutterwald, Johann Volk von Jim- mern, Leopold Auer von Heudorf, Christian Thurmann von Unterschüpf, Karl Maus von Wahlwies, Hermann Meier von Ober-Oehringen, Johann Gärt- ner von Königshofen; als Bremser: Joseph Scfymi- der von Mühlenbach, Valentin Santo von Oensbach, Wilhelm Zöller von Stebbach, Sebastian Axtmann von Pfaffenrot, Alois Müller von Tannheim, Fried- rich Distel von Oberuhldingen, Otto R o k w e i l e r von Sauldorf, Adolf Dössel von Bachzimmern, Jos. Weißer von Oensbach, Georg B ü h l e r von Aders- Vach, Joseph Mendschön von Freiolsheim, Jakob Rein von Heinsheim, Joseph B a i e r von Rübenbach, Ludwig Kirschenmann von Lichtenau, Jos. Braun von Appenweier. — Etatmäßig angestellt: als Maschinen- Wärter: Vinzenz Horn in Mannheim; als Lokomotiv- beizer: Jakob Hamann in Heidelberg, Karl Hurst in Mannheim, Adam Schnecken burger in Heidelberg; als Rottenführer: Joseph Schnetz in Himmel- reich; als Bremser: Karl Haungs in Karlsruhe, Georg S p u h l e r in Mannheim, Richard G u n z in Karls- ruhe, Karl Hurst in Bruchsal. — Vertragsmäßig aufge- nommen: als Schaffner: Ludwig Gruber von Ober- schefflenz, Ludwig S t ö f f l e r von Wiebelsheim. — Versetzt: Betriebsassistent Franz Müller in Murg nach Mannheim, Bahnassistent Adolf K a st n e r in Offcnburg zur Zentralverwaltung; die Reserveführer: Johann Lubberger in Mannheim nach Lahr-Stadt und Emil Roth in Heidelberg nach Karlsruhe, Stations- wart Lorenz Wolfarth in Höpfingen nach Nußdorf. — Zuruhegesetzt: wegeu vorgerückten Alters, unter An- erkennnng ihrer langjährigen, treuen Dienste: die Lokomotivführer: Konrad Baumgartner in Freiburg und Leonhard Siebert in Karlsruhe; wegen leidender Gesundheit, unter Anerkennung ihrer langjährigen, treuen Dienste: Zugmeister Heinrich Berberich in Würzburg, Lademeister Anton Frank in Mannheim (auf Ansuchen); wegen leidender Gesundheit: Lokomotiv- sichrer Michael Schneider in Villingen. — Entlassen: Bremser Engelbert Philipp in Basel. [*] fluf dem §elüe üer Ehre gefallene öaöener. Den Heldentod fürs Vaterland starben: Ersatzreserv. Martin Günther, Inhaber des Eisernen Kreuzes, von Tauberbischofsheim, Reservist Hermann Schwarz von Bruchsal, Reservist Franz Josef Weih von Büchenau, Ersatzreservist Emil K i e n l e von Pforz- heim, Kriegssreiw. Paul Schuler von Jspringen, Jakob Kager von Auenheim, Oss.-Stellv. Lehramts- Praktikant Adolf B r u ck e r von Offenburg, Landsturm- mann Tapezier Christof B ä h r von Freiburg, Unteroff. Blumenwirt Otto Mö rch von Opfingen, Reservist Theo- dar B ö g l e von Luttingen, Leutnant 'der Res. Lehrer Josef K übler, Inhaber des Eisernen Kreuzes, von Dettighofen und Kriegsfreiwilliger Josef Heid von Stromeyersdorf bei Konstanz. Ritter ües Eisernen Kreuzes. Das Eiserne Kreuz 1. Klasse erhielten: Kriegsluftschiff-Obermaschinist Georg I o ck e r s von Neumühl bei Kehl und Gesr. Jakob Hildenbrand von Feudenheim bei Mannheim. Das Eiserne Kreuz 2. Klasse erhielten: Kanonier Heinrich G ö r n e r und Vizefeldwebel Alwin H ü t t i s ch von Karlsruhe, Gefr. Wilh. Rummel von Ettlingen, Hauptmann der Res. Rechtsanwalt Wilhelm Stößer und Feldwebel Jakob R e e p e r von Pforz- heim, Kriegsfreiw. Gefr. Emil Rieß aus Brötzingen, Landwehrmann Ferd. Triebskorn von Brühl, Grenadier Ludwig Weimer von Hockenheim, Kriegs- freiwilliger Robert E i s e n h u t von Offenburg, Gefr. Otto T o g n y von Lahr, Musk. Wilh. Mark st ahler von Nonnenweier und Eisenbahnarbeiter Josef Siegel von Freiburg-Betzenhausen, Karl Kloe, Res.-Jns.--Regt. Nr. 40 von Karlsruhe. m §iir die Kriegsküche. Einmachen von Rhabarber ohne Zucker. Der frische Rhabarber wird geschält und in fingerlange Stücke ge- schnitten, dann in leere Flaschen getan, die wohl in jedem Haushalt vorhanden sind, und klares (ungekochtes) Wasser darauf gefüllt. Die Flaschen werden fest zugekorkt, in irgendwelches Papier ganz eingeschlagen und in einem drnklen Raum aufbewahrt. So hält der Rhabarber sich sehr lange und er wird dann erst, wie jedes andere Obst, bei Gebrauch mit Wasser und Zucker gekocht. Im Haushalte des Schreibers dieser Zeilen seit Jahr und Tag erprobt, gestattet diese Behandlung des Rhabar- bers auch heute seine Erhaltung für den Verbrauch, selbst wenn die augenblickliche Zuckerknappheit dem Ver- brauch des frischen Rhabarbers engere Grenzen als sonst zieht. Spargel ohne Butter. Viele Hausfrauen glauben, ohne Butter dieses köst- liche Gemüse nicht anrichten zu können. Der Fein- schmecker verzichtete auf die Butter im Spargel bereits, als dieselbe noch in Hülle und Fülle zu haben war. Ge- rade die nicht immer einwandfreie Butter verdarb in den meisten Fällen das feine Aroma des Spargels. Wer hat denn schon in Oesterreich und Ungarn, insbesondere in Wien, den Spargel mit Butter gegessen? Am zweck- mäßigsten wird der Spargel mit etwas Salz abgekocht und so aufgetischt. Der Esser kann sich nach seinem Ge- schmack die Pfeifen noch mit mehr oder weniger Snlz bestreuen. Am feinsten schmeckt dazu Parmesankäse, den es leider aber auch heute nicht mehr gibt. Man lasse also das köstliche Gemüse, das uns jetzt in ausreichender Menge in die Küche kommt, nicht unbeachtet, sondern verbrauche es auch ohne Butter. Auch viele andere Re- zepte sind ja hier bereits empfohlen worden. * Zum verkehr mit Kriegsgefangenen. Bern, 4. März. (Mitgeteilt vom Hilfsbüro für Kriegs- gefangene.) Das Hilfsbüro für Kriegsgefangene erhält seit einiger Zeit zahlreiche Anfragen um Auskunft über die Pakete, welche an Kriegsgefangeue gesandt, wieder zurückkommen. Das Büro nimmt begründeterweise an, ldaß viele dieser Nllcksenduugeu sich ereignen infolge ungenügender Adresse oder Wechsel des Lagers. Es ist unerläßlich, die Adressen vollständig genau und gut lese» lich zu schreiben. Im Falle einer Rücksendung empfiehlt es sich, nicht wieder ein Paket zu senden, sondern vorerst einen Brief, in welchem Erkundigungen über seine ge- nauere Adresse oder über event. Lagerwechsel eingezogen werden. Auch darf in die Pakete kein Brief oder etwa alkoholisches Getränk gelegt werden. Schließlich sollten die Sendungen auf eine per Woche beschränkte werden. Wir fügen bei, daß Sendungen, welche kein Zeichen eines Lagerkomitees tragen, nur nach Verifikation angenom- men werden müssen. Endlich ist es empfehlenswert, in seiner Korrespondenz mit Kriegsgefangenen sich eine ge- wisse Zurückhaltung aufzuerlegen, wenn man nicht dem wohltätigen Werke nur schaden will. Ansichten von den Gefangenenlagern. Bern, 4. Mai. (Mitgeteilt vom Internationalen Roten Kreuz.) Die Sammlung von Postkarten, welche die Jnternierungslager der verschiedenen Länder dar- stellen, um deren Einführung das internationale Komitee des Roten Kreuzes sich bemühte, ist neuerlich durch zahl- reiche Ansichten aus Frankreich, Deutschland, Rußland, Oesterreich, Marokko und Nordafrika bereichert worden. Diese Karten bieten vielen Familien den Vorteil, sich über die Lager, welche sie interessieren, gut orientieren zu können. Zur Bestellung genügt eine Anfrage an die internationale Agentur für Kriegsgefangene, Musee Rath in Genf. )GD( Gerichtssaal. (5 Straßburg, 9. Mai. Das Feldgericht des Gouver- nements Straßburg verurteilte die des Kriegs ver- rats angeklagte Rentnerin Anna Nagel aus Michel- brunn (Graudfontaine) zu 10 Jahren Zuchthaus. Die Beweisaufnahme hatte nach der Straßburger Post ergeben, daß die Angeklagte vom November 1914 bis August 1916 Nachrichten über militärische Vorgänge am Donon, insbesondere über dortige Befestigungsanlagen an im französischen Spionagedienst stehende Personen ge- sandt hat. Stuttgart, 9. Mai. (W.T.B.) Das hiesige Schwur- gericht hat heute den 18 Jahre alten Fabrikarbeiter Leon- hard Gsondner von Ditzingen, der in der Nacht vom 8. zum 9. Januar d. I. den 69 Jahre alten Fabrik- arbeiter Anton Wetzler erschlagen und beraubt hat, wegeu Mordes und schweren Raubs zum Tode verurteilt. Berlin, 9. Mai. (W.T.B.) Die Friseurin Johanna Ullmann und die Arbeiterin Anna Sonnenberg wurden heute von den Geschworenen des Mordes, schweren Raubes und Diebstahls, begangen am 16. März an der Martha F r a n z k e, schuldig gesprochen und zum Tode, Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebensdauer verurteilt. Die Ullmann wurde ferner zu zwei Jahren Zuchthaus und die Sonnenberg zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. 4®. verßhieöene Nachrichten. Berlin, 9. Mai. DaS Berl. Tageblatt meldet aus Stockholm: Nach Angaben des russischen Handels- Ministeriums weigerten sich die finnischen Papier» fabrikanten gegen den Lieferungsvertrag von Papier mit der Begründung, daß das Papier mit jedem Tage im Preise steige. Das Handelsministerium hebt hervor, daß dieser Beschluß schwere Folgen für den Papierver- brauch Rußlands haben werde. Berlin, 9. Mai. Das Berl. Tageblatt meldet aus Liebenstein: In Bad Liebenstein (Thüringen) sind fünf Offiziere und 31 Mannschaften der türkischen Ar- m e e zur Pflege eingetroffen. Berlin, 9. Mai. Die B. Z. a. M. meldet aus Lugano: In Mailand wurde die dramatische Sängerin Gräfin Labia, das frühere Mitglied der Berliner komischen Oper, wegen «pionage veryaslet. Bern, 8. Mai. (W.TÄ.) Wie der TempL aus G r c noble meldet, haben die Webereien in Brenne den Generalstr«n»v«r»iotisrlllljj mit Einschlnss der Krieg«Versicherung | Iflr sämtliche WebrplicMige, anci Itr solche, die bereits im Felde ohne Jeden Zuschlag | Volle Auszahlung der Versichero^s-Sornaie, gleicnviel, wann der ] Tod erfolgt. Antrag nnd Police dnrch Walter Strangs, Karlsruhe i. B., Zähringerstrasse 110.! - Telefon Si4'). - Todes-Änzeige. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unsere liebe gute Mutter und Grossmutter geb. Braun nach langem schwerem, mit grosser Geduld ertragenem Leiden, wohlvorbereitet durch den Empfang der hl. Sterbesakramente, heute mittag 2 Uhr im Alter von nahezu 79 1 / a Jahren in die Ewigkeit abzurufen. Um christliche Teilnahme bitten Balzfeld und Bühl, den 10. Mai, 1916. Leopold Oser, Pfarrer Theresia Oser Anton Oser, Direktor Sannchen Oser, geb. Krauss Josef Oser, Chicago Ludwig Oser, Florida Franziska Hettich. Bio Beerdigung findet am Freitag, den 12. Mai 1916, nachm. 3 Uhr in B a 1 z f e 1 d statt. 1649 Trauer Bilder, -Karten etc. .in sehr grosser Auswahl liefert raschest Druckerei Badenia, Karlsrahe. Wekanntinachung. Während des Sommers wird auf dem Sonntagsplatz, Lntherplatz und im Tallenwäldchen bei gutem Wetter tttglich von 4—6 Uhr eine Leitung der Kinderspiele durch Kindergärtnerinnen stattfinden. Beginn: 10. Mai. Karlsruhe, den 9. Mai 1916. 1623 Kadischer Iranenverew, Abteilung II. AchMsmslchttil. Fräulein Maria Garnier, Büffelfräulein von Münster, z. Zt. in Weißenburg i. E., hat den An- trag gestellt, ihr abhanden ge- tommenes Sparbuch Lit. ft. 9?r. 2C16 mit einer Einlage von 230.65 Mk. für kraftlos zu erklären. 1645 Der Inhaber des genannte» Buches wird daher ausgefordert, solche? innerhalb eines Monats, von der erfolgten Einrückung an gerechnet, bei der unterzeichneten Kasse vorzulegen, widrigenfalls die Kraftloserklärung erfolgen wird. Karlsruhe, de» 9. Mai 1916. Stadt. Spar- n. Pfandleihkasse A.örrilhari> Unser» Vereinsmitgliedern die traurige Nachricht, daß eS dem Herrn über Leben und Tod gefallen hat, leine treue Dienerin, unser liebes Mitglied, Frau Anna Eck in die Ewigkeit abzurufen. Die Seele derVerftorbenen wird dem Gebete unserer Mit- glieder enipfohlen und bitten wir um zahlreiche Beteilig- ung beim Leichenbegängnis. Beerdigung: Donnerstag, den 11. Mai, nachm. 3 Uhr, von der Friedhofkapelle aus. Die hl. Messe wird am Sonntag verkündet. Karlsruhe, 10. Mai 1916. 1647 Der Vorstand. Kleine kmm Katholischer Arbeiterverein " /liSLüSyiiil Karlsruke-Süüstaüt. wie Stellengesuche, Angebote, An- und Verkäufe, Mietsgesuche, Vermietungen usw. finden durch den in Karlsruhe u« Umgebung pjginta gut u«d preiswert. Reformhans 160(1 Neufeert Karlsruhe. Kaiserstrasze 122. Städtisches Nahrungsmittelamt. Merkauf von Iischen in der Fischmarkthalle am Donners- tag von 3 l / 3 vis 7 Zlhr und Iireitag von vormittags 8 Ahr aö. Verkäufer Zipf verkauft in der Sofien-Straße 96/98 am Donnerstag von 3 vis 6 Ahr und in der Georg-Friedrich- Straße am Areitag von vormittags 8 Ahr aö. 1651 Kath. Gesellenverein Karlsruhe. Tonntag, 14. Mai, Karlsruhe-Süöstaöt. Mittwoch, 1«. Mai, abends 8 1 /, Uhr, im Apollo- Saale, Marienstraße mit Bortrag des H. H. Divisionspfarrers Jehlc: Die Felöseel/orge. Zu dieser patriotischen Veranstaltung mit reichhaltigem Programm ladet die Vereinsmitglieder und ihre werten An» gehörigen, sowie unsere Gönner freundlichst ein Der Präses: Behring er, Kaplan. Beginn: präcis 8*/, Uhr. Ende: 10 1 / a Uhr. NB. Eintritt frei. 1596 1636 KckMllfahrt »ch Uoosbmiil. Abfahrt nach Malsch 1™ Uhr, Rückkunft vom Albtal her 84« Uhr. Mitglieder, Ehrenmitglieder und Freunde siud freundlichst eingeladen. Kch. Iiigcndlierrjii Karlsrche-MjiM. Theater-Aufführung. Sonntag, de» 14. Mai, nachmittags VU Uhr und abends 8'U Uhr, kommt im „Älpollosaale", Marlenstraße 16, folgendes Theaterstück zur Aufführung: „Lucius" Schauspiel in 5 Akten aus den letzten Zeiten der Christen- Verfolgung von Panl Hnmpert. Zu zahlreichemIBesuche ladet freundlichst ein Der Katholische Jugendverein Karlsrnhe-Südstadt. Kaplan Jriou, Präses. Preise der Plätze: Sperrsitz 1.— Mk., 1. Platz 80 Pfg,, 2. Platz 50 Pfg., 8. Platz und Galerie 30 Pfg. — Für die Nachmittagsvorstellung zahlen Kinder die Hälfte des Eintrittspreises. — Karten im Vorverkauf bei Mesner Napp. 1648 Berta-Ewig!icht51 -Ersatz aus fester Masse, im Gebrauch sparsamer wie Oel, ca. 24 Stunden brennend, mit dazu passenden Gläsern, seit längerer Zeit bestens bewährt, liefert billigst Franz Emil Berta, Hoflief. vSr. Heiligkeit des Papstes Benedikt XV. Korzeniabrik in Fulda '