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HdH ffimelnummer 10 m Sonn-ag- 15 Pf«. Abb-st-Nung-n ,Snn.n nm b - ,um 25 aur l>en ' Monatsschluß erfoiaen An,e»aen arundpre^S: 1 spallig, 1 mm hoch, 5 pfcj~ tm Reklamenleil 5 pfg. Nno m SU be,ahl«. Aei Wieder, boiuna tarl^'Kaban der 6e' ,wanq»-oe!ser Seireibung unC bei Konkurs wegfckm. Er, che, ni einmal täglich autt (Sonntags e» Bezugsvreiies Schluß '»er Ai>,eigen-Annahme: naAmitlaas '/'6 llhi. — OrabtadreiTc: Beobachter. — DoWiberffoitto- 41ml Karlsruhe 4544 Fernsprecher: Geschäftsstelle »5. Redaktion! 572. 62. Jahrgang Karlsruhe, Mittwoch, öen 15. Oktober 1YS4 *n dem Prospekt wird angegeben, daß die Zinsen halbjährlich am 13. April und 15. Oktober M bezahlen sind. Der erste Coupon ist am 15. April 1925 zahlbar. Weiter wird aus- geführt, daß die Anleihepapiere Gewinnanteilstücke, die in den anderen Ländern ausgegeben werden, auf Pfund lauten und überdies nach zwei Jahren an der Londoner Börse zugelassen werden. Die Zeichnung, wird spätestens Freitag, den 17. Oktober 1921 abge- schlössen. Uebergade öer Gutscheine öer Eisenbahn- anö Inöuftrieobiigatisnen. Paris, 14. Okt. Die deutsche Reaiarung hat dem „Ncwyork Herald" zufolge .beut Generalagenten für die Reparationszahlungen. Owen N o u n g, die Gutscheine der Eisenbahnobligationen und der JirdustvieschuldverschreibnMen im Werte von 16 Milliarden Gokdmark ausgehändigt. °?ch bin überzeugt," sagte Aoung gestern einem Vertreter des ge- nannten Blattes, „das; Deutschland seine Verpflich- tnngen erfüllen wird. Die Gutscheine sind nicht durch Zwang, sondern freiwillig von der deutschen Rcctimtttg ausgehändigt wsrden. Wenn die Schuld- verschrcibungen nicht pünktlich eingelöst werden, wird Teutschland von der gesamten Welt verurteilt werden." Amerikas Gaben. .Berlin, 14. Okt. Die „Vossische Zeitung" be° richtet aus Newyork: Der amerikanische Botschafter in Berlin Brmgthon hielt in Chicago eine Rede, in der er erklärte, das amerikanische Volk gebe die deut- schx Anleihe nicht in Erwartung eines Prosits, son- brat für die geistige und moralische Wiederausrich- tnng des großen deutschen Volkes, die Amerika lang? wünschte. Caillanx kommt wieder nach Paris. Pnris, 14. Okt. Der linlsradikale „Ouotidien" ver- lantit in einem Artikel, der den baldigen Wiedereintritt Ca llaux in die aktive Politik ankündigt, die sofortige Aufhebung des Aufenthaltsverbots, das Caillaux z. Zt. noch die Anwesenheit in Paris unmöglich macht. Newyork, 14. Okt. Ein Funkspruch der Tele- graphen-Union meldet: Gegen 8 Uhr abends mittel- europäischer Zeit meldete der Zeppelin im Fuukver- kehr, wie die Funkstation Marion erfährt, daß seine augenblickliche Fahrgeschivindigkeit 110 Kilo- meter betrage, und daß an Bord alles wohl sei. Darnach scheint die Meldung vom gestrigen Nach- mittag, daß sich Z. R. 3 im Sturm befinde, aus der Luft gegriffen zu sein. Dies bestätigt sich nicht, denn die Gefchwindigkeit von 110 Kilometern in der Stunde ist als durchaus normal anzusehen. Bei stärkerem Gegenwind und bei sonst ungünstigen Mit- terungsumständen würde Z. R. 3 diese Geschwindig- feit wohl nicht erreichen. Berlin, 14. Okt. Die Funkstelle der Telegraphen- Union hat um %1 Uhr früh mitteleuropäischer Zeit folgenden Wetterbericht aus Anapolis (Kanada) an den Zeppelin aufgenommen: „Starke Westwinde herrschen über Breite 45- aber die Winde nehmen ab. Sie bewegen sich mäßig' nördlich und westwärts über Länge 60 und wahrscheinlich mäßig südwärts zwischen Breite 35 und 45, von Länge 60 ostwärts." Berlin, 14. Okt. Nach einem Funkspruch aus Anapolis, den die Funkstation der Telegraphen- Union 6.45 Uhr nachmittags aufgefangen hat, steht Äer Kreuzer „Milwaukee" mit Z. R. 3 dauernd in funktelegraphischer Verbindung. Wetterbericht und Peilungen werden dem Z. R. 3 fortlaufend durch den Kreuzer übermittelt. Die Station Anapolis bestätigt weiter, baß der Zeppelin gegen 3 Uhr mitteleuropäischer Zeit die Azoren und gegen 3.35 Uhr die Insel Fayal passiert hatte. An Bord be- findet sich alles in bester Ordnung. Nach einem Washingtoner Wetterbericht herrscht füdlich von Grönland Sturm, welcher sich in nordwestlicher Rich- hing bewegt. Südwestlich von Bermuda wird ein Tiefdruckgebiet gemeldet. Berlin, 14. Okt. Die Funkstelle der Tel.- Union erhillt soeben folgenden Funkspruch aus Newyork, der vom Z. R. 3 dort ewgegangen ist: 6 Uhr morgens M. E. Z. Die Maschinen arbeiten ohne jede Störung. Wetter gut. Stimmung aus- gezeichnet. Alles wohl an Bord. Berlin, 14. Okt. Die Funkstelle der Tele- graphen-Union meldet um 8 Uhr vormittags: Nach dem soeben eingetroffenen Meldungen aus Lake- hurst ist es der dortigen Station gelungen nach 11 Uhr abends in ununterbrochenem Funkverkehr mit Z. R. 3 zu treten. Z. R. 3 befindet sich außyr- dem in ständiger guter Verbindung mit den Beob- achtirngsschisfen. Die Geschwindigkeit des Lust- schiffes beträgt 60 Meilen in der Stunde. An Bord alles wohl. Bis Mitternacht liegen keine Standortmeldnngen des Z. R. 3 vor. Berlin, 14. Okt. Eine Kabelmeldung der „Vos- sischen Zeitung" aus Newyork besagt, heute früh 8 Uhr werde das Luftschiff eüva die Bermudas Pas- sieren. Ob i>er Kurs wegen der Zyklone, die von der Virginia-Küste gemeldet werden, direkt auf?Ber- mudas abgesetzt wurde, hat der Zeppelin bisher noch nicht gemeldet, da er in die Rnndwirbelwirkung' des Zyklons noch nicht eingetreten ist. Berlin, 14. Okt. Um 10 Uhr vormittags lies bei der Telegraphen-Union von der Rpdio-Station Newyork folgendes Telegramm Äes Kapitänleut- nant Flemming ein: Funkspruch des Z. R. 3 an T.-U. Berlin: 9 Uhr vormittags M. E. Z.: Wir stehen nach zwei Tagen noch etwa 3000 Kilometer vor der amerikanischen Küste. Schiff, Maschinen, Besatzung in Form. Z. R. 3. Berlin, 14. Okt. Nach einem von der Funk- stelle der Tel.-Union aus Washington.ausgenomme- nein Funkspruch sind amerikanische Funkspruchsach- verständige njich den dort vorliegenden Meldungen allgemein der Ansicht, daß Z. R. 3 heute abend spät Amerika erveichen wird. Die Entfernung des Luft- schiffes von Amerika wird um Mitternacht auf 1200 Meilen geschätzt. Darnach ist zu erwarten, daß Z. R. 3, falls mit einer weiteren Stundengeschwin- digkeit von 60 Meilen gerechnet wird, nach Mitter- nacht M. E. Z. in Lakehurst landen wird. Berlin, 14. Okt. Ein Funkspruch aus Newyork bktildfiet: Die Nachrichten über frie Fahrt des Z> R. 3 werde» in ganz Amerika mit unge- Heu rem Interesse verfolgt. Sämtliche Zei- tungen bringen Extrablätter in große? Aufmachung mit Fahrtberichten und Bildern der Besatzung. Alle Hotels in der Nähe des Flugplatzes Lakehur st sind schon jetzt überfüllt. Gestern vormittag traf der Prinz von Wales ein. Die amerikanische Ver- waltung hat 300 Haltemannschasten und 600 Ma- rimsoldaten zur Absperrung Äes Platzes abkom- mandiert. Man rechnet mit der Ankunft des Z. R. 3 Mittwoch vormittag. Das technische Personal bleibt vorläufig gemäß Abmachung mit den Zeppelinwerken im Dienste der amerikanischen Verkehrsfluggesellschaft. Der übrige Teil der Be- g tan Ozean. fatzung wird nach drei Wochen nach Deutschland zu- rückkehren. Lakehurst, 14. Okt. Nach Washingtoner Meldun- gen wird „Z. R. 3" vor seiner Landung über Washington und von da über Baltimore, Philadelphia nach L a k e h u r st fahren. Nach Newyork wird er nur kommen, wenn noch genü- gend Benzin vorhanden ist. Bei der Landung wird Admiral S e a l e s zugegen sein. Der Zeppelin wurde um 6 Uhr 30 abends (M.E.Z.) 150 Meilen weistW von den Azoren auf der Insel iFayÄ ge- sichtet. Das Schiff hat wahrscheinlich südlichen Kurs beibehalten. Berlin, 14. Okt. Nach einem um 3 Uhr 30 von „Z. R. 3" eingelaufenen Funkspruch hält das Luftschiff nach Ueberfliegen der Azoren mit einer Stundengeschwindigkeit von ea. 100 Kilometern direkten Kurs auf Lakehurst. Danach scheint sich «ine Meldung der „Times" über einen angeblichen Maschinendefkt ersrenlicher- weise nicht zu bestätige»; er dürfte in der Zwischen- zeit behoben worden sein. Newyork, 14. Okt. Hier ist soeben folgender Funkspruch des „Z. R. 3" eingelaufen: 3 Uhr 30. mitteleuropäische Zeit. Wir nehmen Kurs auf Ber- mudas." Der Zeppelin nimmt Südwestkurs. Lakehurst, 14. Okt. Infolge starker Westwinde mußte „Z. R. 3" seinen Kurs von West auf Süd- West umstellen. Die auf 55 Kilometer gesunkene Stundengeschwindigkeit erhöhte sich nach Einschlagung des neuen Kurses. Hier erwarte man in den frühen Nachmittagsstjunden das Ueberfliegen des Stand- orte's „Milivaukee" durch „Z. R. 3". An Bord des Luftschiffes ist nach einem soeben hier eingetroffe- neu Funkspruch alles in bester Ordnung. Gegen die Zerstörung der Zeppelinwerke in Deutschland. Newyork, 14. Okt. Die amerikanische Presse ver- öffentlicht einen Aufruf des Botschaftsrats v. L e - w i n s k y, in dem das amerikanische Volk aufgefor- dert wirb, die Zeppelinwerke nicht durch die interalliierten Kontrollkommif- fionen zerstören zu lassen, da ausreichende Kontrollmöglichkeiten dafür vorhanden feien, daß in Deutschland keine Luftschiffe für militärifche Zwecke gebaut werden. Paris, 14. Okt. Die Forderung nach Zerstörung der Zeppelinwerke in Friedrichshafen, die der „Ma- tin" seit Wochen an hervorragender Stelle vertritt, fchefrnlt, wie eine heute früh im Blatt abgedruckte Erklärung des französisch'« Unterstaatssekretärs für das Flugwesen, Laurent Eynae, erkennen läßt, dem- nächst erfüllt zu werden. Die Erklärung des Staats- sekretärs lautet wörtlich: Wenn die Luftschiffstation in Friedrichshafen vorübergehend von der Botschaf- terkonferenz aufrecht erhalten wurde, so geschah das allein auf die ausdrückliche Bitte der amerikanischen Regierung, die für Rechnung auf Reparationskonto ein Luftschiff von 70 000 Kubikmeter zu erhalten wünschte. Alle anderen Einrichtungen für den Bau von Luftkreuzern, die bis 30 000 Kubikmeter ver- drängen, müssen von Deutschland zurückgekauft wer- den. Die hierdurch erzielten Beträge werden auf Rechnung der Verbündeten gesetzt. Die Ausführun- gen des Versailler Vertrages über Friedrichshafen müssen unverzüglich in Kraft treten. Die Werkschuppen und Modelle müssen zerstört werden." Nach dem „Matin" wird Eynae einen Vorschlag auf Niederlegung der Werke in Form einer Note Herriot unterbreiten. Der Ministerpräsident würde die Note dann vor die Botschafterkonferenz bringen. Was „Z. R. 3" mit an Bord hat. Das Gesamtquantum von Wasser und Nahrungsmit- teln an Bord des „£. R. 3" beträgt 700 Kilo. Der Proviant ist so ausgemessen worden, dafr er während 5 Tagen für 31 Personen (27 deutsche und 4 Amerikaner) tag» lick drei Mahlzeiten liefern kann. Er besteht hauptsächlich aus Brot, Fleisch, Gemüsen, Suppenkonserven, konden- sierter Milch, Schokolade und Dee. Wohl mehr als De- monstration ist auch eine geringe Menge von Rum und Branntwein mitgenommen worden, um die bekannte Tat- fache zu illustriere°n. daß Deutschland noch nicht so trocken ist, wie Amerika. Nach der Ilebergabe in Lakehurst wird aber „Z. R. 3" offiziell „trocken gelegt", praktisch ge- sprachen wahrscheinlich schon vorher. Da das Rauchen an Bord untersagt ist, erhielt die Mannschaft Kautabak und amerikanischen Kaugummi. Die Post besteht aus sieben Postsäcken. Die amerikanischen Postbehörden haben be- re'ts ihre Vorkehrungen für eine rasche Weiterspeditie- rung sofort nach Ankunft getroffen. Offiziere wie Mannschaften sind mit unzähligen Geschenken aus allen Teilen Deutschlands förmlich überscküttet worden. Da jedoch jeder Teilnehmer nicht mehr als 50 Pfund Handgepäck mitführen durfte, mußte der größte Teil der Ge- schenke zurückgelassen werden. Dn* langte es wenigstens zu einem Grammophon und zu einem Kanarien- I vogel, der als „Glücksbringer" mitfliegen darf. Roch keine klare Eni- fcheiöung. Eine neue Entschließung ües Zentrums. (Eigener Drahibericht.j Berlin, 14. Okt. Die Zentrumsfraktion des Reichs tages war um 6 Uhr heute abend noch einmal zuk sammengetreten. Die Partei beriet bis kurz nach 9 Uhr und faßte dann folgenden Beschluß: „Nachdem die Beibehaltung der gegenwärtig gen Regierung, die das Zentrum einmütig ge- wünscht hat, abgelehnt wurde, erklärt die Zen» trumssraktion ihre Bereitschaft einer Regie- rungserweiterung nach Rechts auf dem Boden der vom Reichskanzler Marx aufgestellten Richt- Iinien zuzustimmen, falls die Demokraten auch in der Regierung verbleiben." Die weitere Entwicklung wird nun von der Äxta tung ber Demokraten abhängen. Wie wir erfahren, wird der Reichskanzler morgen noch einmal mit de« Führern der Regierungsparteien über die durch die heutigen Beschlüsse der einzelnen Fraktionen geschaffene Lage sprechen. Auch in der für 12 Uhr mit- tags anberaumten Kabinettsitzung dürste neben an- deren Gegenständen die Regierungsfrage erörtert werden. Die Zentrumsfraktion wird um 3 Uht nachmittags erneut zusammentreten. (Dieser neue Beschluß, der die Demokraten zu einer bestimmten Stellungnahme veranlaßt, ist die Antwort auf ide Entschließung der Deutschen Volkspartei und ist, wie! man sieht, kein endgültiger.) vie Cntjchließung öer deutschen Volkspartei. (Eigener Drabtbericht.j Berlin, 14. Okt. Die Reichstagsfraktion der Deut» fchen Volkspartei hat um 8 Uhr abends folgendes Communigue herausgegeben: Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei hat in ihrer heutigen Siduna von dem Veickluk des Z-ntrum» und der Deutschen Demokratischen Partei Kenntnis ge» nommen. Sie kann dies nur als eine Ablehnung der Zuziehung zu einer Rechtserweiterung der Reichsregie» rung auffassen. Die Deutsche Volkspartei ist nach Prü» fung der hierdurch geschaffenen Lage einstimmig zu dem Ergebnis gelangt, an ihrer bisherigen Stellungnahm« festzuhalten. Die Voraussetzungen, die gemeinsam mii dem Zentrum und der Deutschen Demokratischen Partei für die Zuziehung der Deutschnationalen Volksvart?» nach den Maiwahlen aufgestellt wurden, sind erfüllt. Tie vorbehaltlose Annahme der Richtlinien der Reichs ^gie- rung erscheint als geeignete Grundlage für die R'.gie« rungserweiterung durch die Zuziehung der Deutsch- nationalen Bolkspartei. Die Beibehaltung der Kanzlerschaft und des Auswärtigen Amte? durch bewährte Führer ist Bürgschaft für die Fortführung der bisherigen Außenpoli> t i k auch bei Zuziehung der Deutschnationalen Volkspartei. Diese Zuziehung ist zugleich eine Notwendigkeit staat- licher Konsolidierung und parlamentarischer Gesundung. Die Koalitionsregierung der Mitte ist infolge ihrer nume- rifchen Schwäche von einer parlamentarischen Krise in die andere geraten. Ihre Fortführung bietet keine Ge- währ für die Vermeidung weiterer Krisen. Die bisherige Koalitionsregierung würde mit Sicherheit binnen kurzem zum Schaden der deutschen Innen- und Außenpolitik er- neut in parlamentarische Verwicklung geraten. Die deut- sche Volkspartei hält infolgedessen die Fortführung der bisherigen Koalitionsregierung für unmöglich. Wenn sich aus der bisherigen parlamentarischen Situation eine neue Krisis ergibt, die zur Auflösung des Reichstages führt, so trifft die Schuld nicht die deutsche Volkspartei. Die An- nähme ihrer Vorschläge würde die Krise vermeiden und eine dauernde Konsolidierung der Regierung zur Fortsüh- rung ihrer Aufgaben ergeben. Von diesem Gesichtspunkte aus ist die Partei bei ihrer bisherigen Haltung ausgegan- gen. Aus demselben Grunde hält sie an ihrer Auffassung fest. Die Demokraten unö öer Hürgerblock. Berlin, 14. Okt. Vor der Fraktionssitzung deS Zfntijiim# hatten, wie die Telunion erfährt, die demokratischen Abgeordneten Dr. Haas und E r - kelenz eine Besprechung mit dem Zentrumsabge- ordneten Fahrenbach, in der die Demokraten erneut betonten, daß ihre Fraktion einen Bürgerblock nicht mitmachen würde. Das der Fortschritte der Verhandlungen so starke Unlust zeiate, wenn die besten und solidesten Papiere lächerlich gering- fügige Umsätze hatten und dabei auch noch heute in stärkstem Maße unterwertet sind, so liegt -das an der finanziellen Verfassung der Börse selber, die nicht ohne ihre eigene Schuld erwachsen ist. Nach der tunseLigen Frankenspekulation^ dve zur Abdeckung der Verluste nicht nur Lösung von Engagements aus dem Jnlande am Aktienmarkte bedingten, son- dern auch noch Aktien in Riesenpakete^n aus dem Auslande dem deutschen Markt wieder zuführten, wie durch die ebenso verunglückte Anleihespekula- tion, in deren Liquidation wir uns jetzt mitten drin befinden, sind Blutabzapfungen erfolgt, die in ihren ganzen Auswirkungen auch jetzt noch nicht zu über- sehen sind. Die internationale Anleihe, die nach Abzug der Provisionen und Spesen immerhin ei- nen Betrag von annähernd 800 Millionen Gobd- mark nach Deutschland bringen wird, kann und wird nicht die Gesamtgestaltung der Börsenverhältnisse unberührt lassen. Aber die Rückwirkungen werden sich viel langsamer einstellen, als das unter anderen bat qPtwiPti Vtvira. ttnb VilfMiftet! Iitijfq als der Zufluß dieser Mittel Deckung erfolgen. Auch eine Erhöhimg der Zinszahlungen und der Hypotheken würde sich beim städtischen Hausbesitz in einer Erhöhung der Mieten auswirken. Gerade jetzt warne er davor, im Mo- ment der allgemeinen wirtschaftlichen Umstellung eine Erhöhung der Mieten vorzunehmen. Dr. Luther bat schließlich, die Abstimunmg solange auszusetzen, bis das Kabinett in einer Regierungserklärung zu den Fragen werde Stellung nehmen können. Der Unterausschuß vertagte sich darauf, ohne eine Ab- stimmnng vorgenornnren zu haben. Die NeparatwnskommWon an Dr. Kuther. Paris, 14. Okt. Die Reparationskommission hat ihren Generalsekretär beauftragt, nachgehenden Brief an den Reichsfinanzminister D. L u t h e r zu richten: Ich bin beauftragt, Ihnen mitzuteilen, daß die Re- Parationskommission von Ihrer Erklärung Kennt- nis genommen hat, die in einem Annex zu den Pro- grammen bilden wird, welche für die ausländischen Anleihen von 1924 ausgegeben werden, und daß die Reparationskommission die nötigen Maßnahmen ergriffen hat, um den Zinsendienst dieser Anleihen unter den Bedingungen zu sichern, auf die Sie in ihrer Erklärung Bezug nahmen. fidanüerung üe Verteilung-schlüsses für öie Reparation snleihe! Paris, 14. Okt In Kreisen der Repko verlautete, wie „Newvork-Herald" berichtet, gestern abend, daß die finanztechnischen Vertreter der verbündeten Re- gierungen und der Vereinigten Staaten demnächst den bei der Konferenz in Spaa vereinbarten Ver- teilungsfchlüfsel, der Frankreich 52 Prozent der deutschen Reparationszahlungen, England 22 Pro- zent zusagte, revidieren würden. Zusammentritt des Bankcnlmsschnsses und des Transferkomitees Ende Oktober. Paris, 14. Okt. „Newhork Herald" meldet, 'daß Per- kins, der als amerikanischer Bürger an den Sitzungen der Reparationskommission zusammen mit dem inoffiziellen Beobachter, Werft Loogan, teilnehmen wird, zugesagt hat, am nächsten Samstag an Bord der „Celtis" nach Europa abzureisen. I. Sperret wird ebenfalls im Laufe der nächsten Woche erwartet. So- bald Gilbert von der Reparationskommission als stein- biger Generalagent für die Zahlungen offiziell in fem Amt eingeführt worden ist, werden die Mitglieder des Bankenausschusses und des Transferkomitees am 30. und 31. Oktober zusammentreten. Auf der Tagesordnung stehen außerordentlich wichtige Fragen. U. a. wird die Ausführung des Dawesgutachtens im Zusammenhana mit dem Recovery-Akt zur Sprache gebracht werden. Wahrscheinlich wird das System der Löproz. Reparationsabgabe eine Aenderung erfahren. Eine türkische Note an den Völkerbund. Genf, 14. Okt. Beim Völkerbundssekretariat ist eine Note der türkischen Regierung ein- gelaufen, die geeignet ist, die ernsthafteste B e u n - ruhigung hervorzurufen. In seiner Sitzung vom 30. September hatte der Völkerbundsrat in der M o s s u l f r a g e die Entscheidung gefällt, daß sich bis zur Untersuchung >der Angelegenheit und bis zur Fällung eines Schiedsspruches sowohl Englän- der wie Türken sich jeder kriegerischen Handlung enthalten müßten. England legte die Entscheidung des Rates dahin aus, daß die vom Lausanner Ver- trag festgelegte vorläufige Grenzlinie von beiden Parteien respektiert werden müsse, während die Türken ihrerseits behaupten, der status quo des 30. September wäre maßgebend. Die Be- schwerden und die sich daran anschließenden Dro- Hungen der Engländer werden von den Türken in ihrer neuesten Note aufs schärfste zurückgewiesen. Die türkische Regierung sucht alle Vorwürfe zu widerlegen. Die Grenze vom 30. September wäre von den Türken nicht überschritten worden. Die Truppenkonzentrationen wären nur erfolgt, um die Räuberbanden zu bekämpfen: mit ihrem Abtrans- Port wäre bereits begonnen. England hätte nicht das Recht, die Bestimmungen des Völkerbundsrates willkürlich zu ändern und auszulegen. Trotzdem wäre die türkische Regierung bereit, wenn England es nicht sür notwendig halte, den Rat um die Aus- legung des Beschlusses vom 30. September zu er-« suchen. Wenn England fortfahre, die Ruhe zu stören und zum Angriff übergehe, werde die Der- antwortung hierfür allein auf England zurückfallen. Die türkische Regieruna ersucht den Völkerbundsrat, Maßnahmen zu er areifen, die geeignet sind, beide Parteien zur Einhaltung der von ihnen übernom- menen Verpflichtungen zu bewegen. -( ♦ )- »?n Kar sruhe sagt man." In ,/der Süddeutschen Zeitunng" vom 10. Ok- tober Nr. 434 wird ein angeblicher Kaffeeklatsch von Karlsruhe mitgeteilt. Diese Klatschbasen wollen wissen, „daß das Zentrum den diesjährigen Präsi- denteri Dr. Köhler beizubehalten wünschte". Ja die. ter Wunsch sei sogar „ein recht öffentliches Ge- heimnis". Die deutschnationalen Klatschereien wissen wirklich noch nicht alles. Das Zentrum soll nämlich sogar die Absicht gehabt haben, den Jesui» tengeneral von Rom auf den Posten zu bringen. Hoffentlich bekommt über diese entsetzliche Nachricht niemand einen Schlaganfall. Um dieser Gefahr zu begegnen, wollen wir gleich sagen, daß „dieses Ge> heimnis" ein Stück von dem Humor darstellt, der bei uns nun einmal gern lebendig wird, wenn wir solcherlei Kannegießereien irgendwo finden. Wir wollen den Herrschaften sagen, daß man in maßgebenden Kreisen nie einen Zweifel hatte, die bestehenden Abmachungen seien zu halten, wie man auch von den anderen Seiten die gleiche Haltung erwartet. Dazu waren nicht einmal Verhandlungen „hinter den Kulissen" notwendig. Diese Sachlage schließt aber nicht aus, daß jeder Politiker zu -den Verhältnissen seine Meinung sagen konnte. Davon machen auch wir im Zentrum keine Ausnahme. Un. seres Wissens halten es die Schwaben, bei denen ein Deutschnationaler auf dem Posten des Staatspräsi- diums steht, genau so. Auch dort hat man schon politische Gedanken über diese Besetzung gelesen! Soaar „hinter den .Kulissen" soll dort schon darüber gesprochen worden sein. Doch dieser Teil des Karlsruher Klatsches ist ok- fenbar nicht das, woraus es der betreffenden Base ankommt. Wichtig tuend fährt sie nämlich also ^•nter: ..In Karlsruh? saat man. Herr Köhler lege keinen Wert auf Wiederwahl, da er den Posten des badischen Gesanndten in Berlin, der bald frech werden soll, für sich im Auge habe." Damit dieser Klatsch auch etwas Prickelndes bekomme, wird noch gesagt: „Der Reiz der Stellung eines badischen Mi° nisters leidet unter der leidigen Tatsache, daß j> eti Landtag die Ministerpensionen nicht bewilligen will." Wir glauben, den Herrn Finanzmimster und sei ne Gesinnung so zu kennen, daß wir ohne Weiteres sagen könnenn, die Klatscherei ist von Anfang bis Ende erfunden: sie tritt seinem Charakter wirklich zu nahe. Man darf nicht alle Leute darnach ein. schätzen, wie man stellenweis bei einem anderen Vor. aang, der sehr viel Aufsehen in de« letzten Tagen erregte, handeln sah. Vielleicht berichtet man über diesen Vorgang und das gute Beispiel, auf der wir anspielten, auch, was man „darüber in Karlsruhs sagt? . . Uebrigens hat Herr Minister Dr. Köhler nach 8 54 der badischen Verfassung als ehemaliger Be- amter „Anspruch" auf eine entsprechende Pension. Das Argument verfängt also hier Hvm aus dem Grunde nicht recht. „In Karlsruhe aber sagt man" und zwar an maßgebender Stelle, daß im übrigen an dem Klatsch kein lvahres Wort ist! Zum öemschen Tag in Sruchfal, der von verschiedenen völkischen Organisationen am letzten Sonntag veranstaltet wurde, war angekün- digt worden, es werde bei der Feier ein katholischer und evangelischer Geistlicher sprechen. Nachdem nun die Feier herum ist, meldet ein badisches Nachrich. tenbüro der katholische Geistliche sei wegen Ei- k>rMkung nicht erschienen, dagegen flöba sich der evangelische Dekan von Heidelsheim beteiligt. Der Volksfreund dagegen berichtet, nur der Sohn des Dekans von Heidelsheim sei anwesend gewesen und habe eine Ansprache gehalten. Wie es sich mit letz- teran verhält, interessiert uns weiter nicht. Doch scheinen uns die verschiedenen Lesarten zusammen mit den nicht eingetroffenen Ankündigungen zu beweisen, daß hier etwas faul ist. Vom evangeli- fchen Geistlichen hat man wenigstens eine genauere Nachricht, um wen es sich handelt. Vom katholische dagegen weiß man überhaupt nichts näheres, weder den Namen, noch den Ort seines Wirkens, noch ob überhaupt tatsächlich eine Zusage vorlag. W i r erlauben uns daher, einstweilen überhaupt zu bezweifeln, daß ein katholischer Geistlicher in Ve- tracht kam. Wir möchten hier auch mit aller Be- stimmtheit feststellen, daß jeder katholische Geistliche, der sich den völkischen Organisationen und ihrem radikalen Treiben zur Verfügung stellte, sich derart bloßstellen würde, daß er sich unmöglich machte. Die völkischen Organisationen vertreten den vaterlän diischÄl Gedanken nicht etwa in Einordnung und Unterordnung in die christliche Gedankenwelt, son. dern im nationalistischen Sinn, d. h. als etwas absolu- tes, als eine Lebens- und Weltanschauung, was der christlichen Ideenwelt durchaus widerspricht. Das ist so, wenn man auch von den vielen Jugendlichen, die diesen Organisationen n>achlau^:n, nicht ohne weiteres erwarten kann, daß sie sich über die Konse- quenzen ihrer Zugehörigkeit zu den Völkischen be- züglich der christlichen Ideenwelt klar sind. Natio- nalismus und Religion Jesu Christi vertragen sich nicht. Ein Katholik, der weiß, was er katholischem Denken schuldig ist, wird viel zu stolz sein, als daß er sich der nationalistischen Engherzigkeit verschreibt und an Stelle des weltweiten christlich katholisch?» (katholisch-allgemein-weltumspannend: darin liegt es!) Denkens, das nationalistische Denken setzt, das sogar noch die Grenzen der tatsächlichen nationalen Zusammengehörigkeit verengert und zur fanatischen Sekte führt, die nur die Paar nationalistisch Gleich- gesinnten zur Nation zählt. Das erleben wir ja immer wieder, wie nationalistische, völkische Führer einen fanatischen Kampf gegen alle Andersdenken- den, besonders auch gegen die katholisch Denkenden fuhren. Wie lächerlich klein wäre die deutsche Na- tion — nebenbei bemerkt — wenn die Völkischen recht hätten mit _ ihren Anschauungen. Schließlich inären nur diejenigen zur deutschen Nation zu zäh- len, die wenigstens die erste Strophe des Hitler- oder Hakenkreuzliedes mit Begeisterung zu singen imstande sind. Da ist also für Katholiken nichts zu suchen. Und für katholische Geistliche erst recht nicht. Vielleicht erfährt man noch, ob die Ankündigung eines katholischen Geistlichen beim sogenannten deut- schen d. h. völkischen Tag in Bruchsal bloß ein Bluff war oder ob der so unbestimmten Ankündigung irgend etwas Tatsächliches zugrunde lag. Zur kirchenmufikalischtn Menö- anöacht in St. Stephan, Karlsruhe. (Sonntag, den 19. Oktober 1924, 6 Uhr abends.) Am nächsten Sonntag wird der Kirchenchor von St. Stephan im Rahmen einer Abendandacht Werke moder- ner Kirchenmusik zur Aufführung bringen: Josef Mehners, des jungen Salzburger Domorganisten Messe inD (op 4) und die Wechselgesängefür Allerhei 'ligen (op. 12) für gemachten Chor, Soli, Orgel und Bläserscptett. Die Ausführung erfolgt un- ter Mitwirkung des Komponisten, der den Orgelpart übernimmt. Josef Mehner, im Jahre 1893 zu Schwaz in Tirol geboren, studierte Theologie und Philosophie in Innsbruck und Salzburg und absolvierte anschließend mit besiem Erfolge die Akademie der Tonkunst in München, nachdem er sich bis dahin als Autodidakt der Musik gewidmet hatte. Heute lebt Metzner als Domorganist und Komponist zu Salzburg — in der Reisezeit drängen fich um die Mittagsstunde Hunderte im Dom, um ihn die Werke der Meister der Orgel spielen und ihn frei impro- visieren zu hören —, und oft führt ihn seine Kunst auf tveite Konzertreisen (u. a. Rheinland, Holland, Däne- mark), wo er den Aufführungen seiner kirchlichen und weltlichen Werke beiwohnt, z. T. auch selbst mitwirkt. Aus der großen Reihe 'seiner Kompositionen seien nur noch genannt: Sinfonie in C-moll (op. 6; 1919/20), Wechselgesänge für Peter und Paul (op. 7; 1921), Miss« poetica (op. 9; 1922), Sinfonietta (op. 10; 1922/23) »Das Leben", symphon. Corwerk (op. 13; 1924), Impro- tiifationen über ein Thema von Bruckner (op. 19; 1924). Wohl als sein bedeutendstes kirchliches Werk kann die Messe i n D angesprochen werden. Als Fünfundzwan- zigjähriger schuf er sie — musikalisch und ethisch der Ab- schlutz einer langen, schweren Krisis, eines vierjährigen, in völliger geistiger Einsamkeit verbrachten Kampfes um den musikalischen Ausdruck, um die Formulierung des ihm allein vorgeschriebenen musikalischen Gesetzes.....' Mel wurde in Fachzeitschriften und Tagesblättern Wer diese Messe geschrieben, ihre elementare Kraft, mit Zartheit und Tiefe gepaart, ihre Thematik, Kontra- punktik, Harmonik besprochen. Ihre eigentliche Bedeu-- tung ist aber die Synthese beherrschter, mo- derner Kunstsprache und liturgischen, tief kirchlichen Empfindens. Der Kenner weiß, daß hier neue musikalische Probleme berührt und weite Fernsichten für die liturgische Musik eröffnet sind; selbst musikalische Laien empfinden in dieser Messe das Außer- ordentliche, Weue. Zur Einführung in die Messe und die Wechselgesänge soll hier seines zutreffenden Urteils wegen Domkapell- meister F. 3L Goeber in Salzburg zu Wort kommeil, wo die Messe seinerzeit ihre Uraufführung erlebte: ...... Bittend und klagend hebt Stimme um Stimme Herz und Hände zum ^Bater". Kyrie e l e i- son: Gütig und milde, wie ein Gnadenblick des „Er- läsers am Kreuze", träufelt das Christe-Motiv Hoffnung in die wunden Herzen, der Mut wächst und immer dringender tzeigt die Bitte zum gesalbten des Herrn". Eine leichte Gegenbewegung der Orgel läßt das Haupt heben. Christe eleison! Nun ist aller düstere Zweifel beseitigt. Brausend reißt die Orgel, von den Bläsern (Posaunen) mit deutlichen Anklängen des ersten Motives durchwoben, die Herzen empor und in glaubensslarkem ltnisono jubeln die Singstimmen dem Hl. Geiste zu (drittes Kyrie), dabei sich die zwei ersten Themen wieder- holend und dadurch die Dreiheit in der Einheit prachtvoll andeutend. Das Gloria läßt zunächst in sanftem Engelsgesange, nur von der Orgel mit dem „Erlöser- Motiv" leise umspielt, den Zauber der hl. Nacht vor uns erstehen. Doch bald dringt Lob und Preis in mächtigem Einklang. Anbetung in erschauerndem Kniefall und wieder huldigender Jubel und begeisterte Danksagung ans schwelgende Ohr. Es würde zu weit führen, allen reichen, thematischen Nebenfiguren nachzugehen, die bei allen Meßteilen in der Orgel und den Bläsern immer wieder den Text der Singstimmen gleichsam illustrieren. Von erschütterndem Ernste ist das Qui tollis peccata mundi, dem ein inbrünstiges Bitten, um Erbarmen im rasch anwachsenden Suscipe folgt. In neuem Gewände erscheint der Labpreis des Altissimus. In geistvoller Verarbeitung und Verbindung der Hauptmotive schreitet glänzend und mächtig der Schluß einher. Vom sehr interessanten Credo sei besonders des ganz aparten fünfstimmigen (Chor und Solosopran) Et incarnatus est gedacht, das wohl zu den gelungensten Teilen der ganzen Messe zählt. Auch die ganze Passiv ist genial vertont. Imposant, ja geradezu überwältigend wirken die sechs- b-s siebenstimmigen Akkorde, welche die Merkmale der Kirche Christi schilfern. In breitem Flusse, gleichsam hinubersehnend ins ewige Heimatland, schließt'das ge- waltige Amen den effektvollen Satz. In einigen beschau- l'chen Klangen beginnt das Sanetus sich steiaernd zur seraphischen Glut. Wie ein Echo der Welten werfen sich die Himmelsmächte >das Wort: Himmel und Erde sind voll 1 einer Herrlichkeit. Das dem Sanktus und Benedik- ins gemeinsame Osanna steigert sich vom reizenden Kin- deslachen eines Rokoko^Engleins bis zum ekstatischen Jubel der neun Chore der seligen Himmelskönigin. Im Bendietus ists, als ob die benedicta virgo et mater des „Incarnatus est" ihr Kindlein im Dornenhaag sva- Zieren trüge und der anbetenden Christenheit den „Ge- l e ?? et i n J?^® ate J 8 " »eigen wollte. Und wie in ein°m ^uhrich-Bildchen kommen die Englein (Osanna) und streuen Blumen auf den Weg. Ein KabinettiWick geistvoller Lyrik. Im Agnus Dei findet der Komponist ergreifende ^.one ernster, aber hoffnungsvoller Zerknir- Ichung. W-eder erscheint die Schuld in ihrem chrakteristi- schen Thema, jedoch immer wieder getröstet durch den Hinblick auf den Bater im Himmel >(Äiema 1), dem der hl. Gral mit dem Erlöserblut Christi (Thema 2) d?e Schuld bezahlt und getilgt hat. Im Dona nobis pacem umspielt die Orgel, wieder motivisch an den „Friedens- surften" erinnernd, sanft den ruhigen Gesang des Cho- res, in leisestem ^Sphärenklang verhauchend. . . . . . . . Von ganz hervorragender Bedeutung wird die Aufführung von Allerheiligen dadurch, daß Meßner auch 'das Proprium der Messe, i>. h. die für das Fest ttefien- den Meßtexte, vertont hat: Jntroitus, Graduale, Offer- torium, Kommuniongesang. . . . Wie ein machtvoller Strom bricht die heilige Freude des Festes (Gaudeamus) im sechsstimmigen Chor des Jntroitus hervor. Wundervoll klingt die Einladung des Heilandes Gradualgesang: Venite ad me, kommt alle zu mir! Diese leise, gehaltene Bläserharmonie ist das Svm- bol des Friedens, der Erquickung am Erlöserherzen. Uno im Offert orium das düstere, dunkle: visi sunt coeus . . ., dann die strahlende Ueberleitung der jec mm ruhig verklärten: illi autem sanr in pace, die Gerechten ruhen im Frieden. Der Kommunion- gesang beginnt mit einem Oberchor aus der Ferne. r ? s m m m berkünden: Selig, die reinen Herzens r s? T vcnuiiueu: >>setig. Die reinen ' 5er "Crdenchor (Hauptchor) den Friedfertigen u. ^erfo ^gten „selig" zuruft. Vom Fernchor tönt es "rua: regnum coelorum — wie eine Verheißung aus Es ist zu begrüßen, daß der Kirchenchor von St. Sie- Phan mit der Aufführung dieser Cborwerke die Abend- andacht zu einer religiösen F e i e r st u n d e von tiefster Wirkung werden läßt und auch seinerseits w oazu benragt, die vom Stephansturm dem großen - geopferten Glocken wieder zu beschaffen. Die Austtth- rung findet zu einer Zeit statt, die es auch auswärtigcn freunden kirMcher Musik ermöglicht, an dieser kirche"- musikalischen Abendandacht teilzunehmen. Dr. 'S-® Nr. 38 Zum Von unter Die von de frage an dem bahnhos und drehung de triebseinrichtu Beamten in ß - Auf den d die Sicherheit jStreckenabschn ausfahrende l S eile (Zugfol, iensttuenden elektrischer Bl Händen oder i die Vorstation Nichtbeachtung Haupt die Mc Strecke aus er denn, daß „Halt" zeigen! nicht der Fall liehen AuSlassi fache des Unsa übrig, daß d worden ist. Z gekommen ist die Beurteilui tung der Sich- abgelassen wo: xug auffahren mit der Wahr Beamten der ! Süd. Nach u ausschließlich Diensten herv Die Tunni Jahre im Bet Zugfolge auch Was nun trifft, so soll < gaben beruhe' tionieren der Wie von eine die Oessentlicl lich und nur Umständen al tungen in Mi nämlich, daß achsigen Wage zeug mit der Wagen hatten llich verwend house, nur dr sende Wagen versehen, die die Wirkungs House-Bremse bremse dars Luftdruckbrem verwechselt wt fünf Wagen t falle ohne we Luftdruckbrem fache bei der gerüsteten W Nehmen, daß i amtlichen treffende Zur Er« An der nä an einem A Mufeums-Ges damit die La des größten > beraubte, rag die Rhein! der käuflichen seums im He tätigkeit ein, zu Ende geko Pfeifer und Schwierigkeite das den mod und mit allen nun nach rät geben werdei freundliche E sichtig-en zu k Das HauZ eines großen sich in zwei si straße und k rendenz und d im Sinne des mischen Rena bauliche Bild mit seiner st Schopfuuaschc architektonisch! Bühnenku wurde in de: Bühnenkunst gart und Wi( teldeutschland Thüringer Tl Ausstellung s wecken und t läßt auch den einem neuen notwendig, d szenischen Ku Thüringen b< dert zeigten Kunst und. le deutung für beginnt auch Photographie führungen. S 'zu sehen, als Herzogs Geor die verschiede terer Jahre die Gegenübe zu Aufführui z. B. zwei S Jahren zu ft zeigen. Entt frau von Orl rung desselbe gefunden hcit prachtvollen ; sehr reiches Ein Kanu d:e Gesellscha e. Damit dieser komme, wird noch nes badischen Mietsache, «daß ij etJ nicht bewilligen. izmrmster und sei mr ohne Weiteres von Anfanq bis Tharakter wirklich leute darnach nem anderen Vor. de« letzten Tagen erichtet man über spiel, auf der imr »er in Karlsruhe'' Dr. Köhler nach s ehemaliger Be- rechende Pension, r scs'on aus dem )e aber sagt man" daß im übrigen rstl Sruchsal, »rganisationen am >e, lvar angekün- er ein katholischer £N Nachdem nun >adisches Nachrich. ! sei lvegen Er. ;en Habs sich der m beteiligt. Der rr der Sohn des send gewesen und re es sich mit letz- iter nicht. Doch Zarten zusammen nkündigungen zu . Vom evangeli- ns eine genauere Vom katholische ts näheres, weder Wirkens, noch ob vorlag. iweilen überhaupt Geistlicher in Be- uch mit aller tholische Geistliche, ionen und ihrem stellte, sich derart öglich inachte. Die en den vaterlän- Einordnung und Gedankenwelt, son- als etwas absolu- schauung, was der widerspricht. Das eleu Jugendlichen, zufun, nicht ohn: über die Konse- n Völkischen be- lar sind. Ratio- sti vertragen sich as er katholischem stolz sein, als daß rziakeit verschreibt 'istlich katholische nd: darin liegt Denken setzt, das hlichen nationalen id zur fanatischen ionalistisch Gleich- erleben wir ja völkische Führer le Andersdenken- zolisch Denkenden die deutsche Na- tn die Völkischen tgert. Schließlich Nation zu zäh- uphe des Hitler- terung zu singen Katholiken nichts lerstl'iche erst recht die Ankündigung sogenannten deut- bloß ein Bluff l Ankündigung lag. Nr. 280 Mittwoch, den 15. Oktober 1924 Seile 5 aetröstet durch den l«nra 1), dem der sti (Thema 2) d-e bona nobis pacem m den „Friedens- Gesang des Cho- ruchend. .... edeutung wird die daß Meßner «uch das Fest trefien- Graduale, Offer- ein machtvoller ies (Gaudeamus! o i t u s hervor. Heilandes im kommt alle zu znie ist das Evm- -rlöserherzen. Und unkle: visi sunt Leitung der Kl?- sanr in pace, die Kommunion- aus der Ferne- reinen Herfens den Friedfertigen Fernchor tönt es Verheißung aus hör von ©f. Stevede die Abenderstund e von :ch seinerseits w em großen Krieg Die Anfsuh- uch auswärtigen n dieser kirche"- 0r.F-» Zum Mainzer Eisenbahnunglück. Von unterrichtet! Seite wird uns geschrieben: Die von der Havas verbreitete Darstellung der Schuld- frage an dem Zugzusammenstoß zwischen Maiuz-Haupt- bahnhof und Mainz-Süd stellt eine völlige Ver- d r e h u n g der Tatsachen dar und ist geeignet, die Be- triebseinrichtungen der Deutschen Reichsbahn und iure Beamten in schlechtes Licht zu setzen. • Auf den deutschen Bahnen ist oberster Grmwiatz für die Sicherheit des Betriebes, daß kein Zug in einen Streckenabschnitt Hineinsahren darf, ehe nicht der vor- ausfahrende Zug auf der nächsten Station oder Block- stelle (Zugfolgestelle) eingetroffen und von dort dem diensttuenden Beamten vorschriftsmäßig durch Bedienung elektrischer Blockeinrichtungen oder, wo diese nicht vor- banden oder gestört sind, aus telegraphischem Wege an die Vorstation zurückgemeldet worden ist. Nur durch Nichtbeachtung dieser grundlegenden Bestimmung ist über- Haupt die Möglichkeit gegeben, daß ein Zug auf freier Strecke auf einen vorausgefahrenen Zug auffährt, eS sei denn, daß der Lokomotivführer ohne Erlaubnis ein „Halt" zeigendes Signal überfährt. Letzteres ist offenbar nicht der Fall gewesen, sonst wäre es sicher in den amt- lichen Auslassungen der Regie und in der Presse als Ur- fache des Unfalls angegeben worden. Es bleibt somit nur übrig, daß die genannte Sicherheitsvorschrift beachtet worden ist. Daß der Schnellzug im Tunnel zum Halten gekommen ist — gleichviel aus welcher Ursache —, ist für die Beurteilung der Schuldfrage belanglos. Bei Beach- tung der Sicherheitsvorschrift wäre der Personenzug nicht abgelassen worden, hätte also auch nicht auf den Schnell- Biig auffahren können. Die Schuld trifft also einen der mit der Wahrnehmung des Sicherheitsdienstes betrauten Beamten der Bahnhöfe Mainz-Hauptbahnhof und Mainz- Süd. Nach unseren Feststellungen handelt es sich dabei ausschließlich um Regiebeamte, die aus srauMischen Diensten hervorgegangen sind. Die Tunnelstrecke ist am 1. Oktober d. I. genau 40 Jahre im Betriebe, ohne daß in dieser Zeit bei dichtester Zugfolge auch nur ein ernster Unfall sich ereignet hätte. Was nun das Halten des O-Zuges im Tunnel anbe- trifft, so soll es nach der auf amtlichen französischen An- gaben beruhenden Havas-Meldung auf schlechtes Funk- tionieren der Kunze-Knorr-Bremse zurückzuführen sein. Wie von einer amtlichen Stelle eine solche Nachricht an die Öffentlichkeit gegeben werden kann, ist unverständ- lich und nur so zu erklären, daß die Schuld unter allen Umständen abgewälzt und gleichzeitig deutsche Einrich- tungen in Mißkredit gebracht werden sollen. Tatsache ist nämlich, daß in dem ans einer Lokomotive und 13 vier- achsigen Wagen bestehenden V-Zuge kein einziges Fahrzeug mit der Kunze-Knorr-Bremse ausgerüstet war. 12 Wagen hatten die auf französischen Bahnen ausschließ- lich verwendete Luftdruckbremse der Bauart Westing- house, nur die Lokomotive und der erste hinter ihr lau- sende Wagen waren mit der Knorr-Einkammerbremse versehen, die in Bezug auf grundsätzliche Konstruktion, die Wirkungs- und Bedienungsweise mit der Westing- house-Bremse übereinstimmt. Die Knorr-Einkammer- bremse darf mit der eine Verbesserung der bisherigen Luftdruckbremsen darstellenden Kunze-Knorr-Bremse nicht verwechselt werden. Da die Lokomotive und die vorderen fünf Wagen des Zuges ihre Fahrt alsbald nach dem Un- falle ohne weiteres fortsetzten, so muß, wenn wirklich die Luftdruckbremse schlecht funktioniert haben soll, die Ur- fache bei den letzten, mit Westinghouse-Bremsen aus- gerüsteten Wagen gesucht werden. Es ist wohl anzu- Nehmen, daß die anscheinend salfch unterrichteten amtlichen französischen Stellen die u >> z u- treffende Meldung berichtigen wer Den. -( 5 )-■ Karlsruhe. Zur Eröffnung der Rheinischen Kreditbank. An der nämlichen Stelle, wo ein verheerender Brand an einem Augusttag des Jahres 1917 das Haus d «r Museums-Gesellschaft bis auf den Grund vernichtete und damit die Landeshauptstadt eines bedeutenden Bauwerks des größten badischen Architekten Friedrich Weinbrenner beraubte, ragt heute ein palastartiger Monumentalbau, die Rheinische Kreditbank, in die Luft. Nach der käuflichen Erwerbung des Geländes des alten Mu- seums im Herbst 1921 setzte sofort ein: großzügige Bau- tätigkeit ein, die nach jahrelangem «msigen Schaffen nun zu Ende gekommen ist. Nach Entwürfen der Architekten Pfeifer und Großmann wurde der Bauplan trotz der Schwierigkeiten der letzten Jahre durchgeführt, so daß das den modernsten banklichen Erfordernissen angepaßte und mit allem Komfort ausgestattete Bankgebäude gestern nun nach einer Eröffnungsfeier seiner Bestimmung über- geben werden konnte. Wir hatten Gelegenheit, durch freundliche Einladung der Direktion die Bankräume be- sichtigen zu können. Das Haus, welches den n'cht einfachen Organismus eines großen Bankgebäudes trefflich widerspiegelt, gliedert sich in zwei stattliche Fronten an der Kaiser- und Ritter- straße und hat vier Geschosse. Durch die Horizontal- rendenz und durch die geschlossene Lagerung seiner Massen im Sinne des Palastbaues des alten Rom und der italie- Nischen Renaissance ordnet es sich harmonisch in das bauliche Bild der Kaiserstraße ein und entspricht auch mit seiner strengen horizontalen Linienführung dem Schöpsuiigscharrkter des regelmäßigen StadtvlanS. Die architektonische Betonung des Haupteingangs war ein WtnSthorstbunö Karlsruhe. Freitag, den 17 Ott. 1924, abends V»9 Uhr, im Lokal „Hohenzollern" SM- Generalversammlung. "U Es ist Pflicht oller BuudeSfreunde, an diesem Abend zu erscheinen geschäftliches Interesse, weswegen die Architekten f)Xi einen besonders glanzvollen und auffallenden Mittelpunkt schaffen wollten. Man gelangt zwischen einem Säulen- aufbau (an der von dem einheimischen Bildhauer Binz geschaffenen symbolischen Figur vorbei, von der böse Zungen behaupten, sie stelle die „Inflation" dar) direkt in die mit Ornamenten und reichem bildnerischen Schmuck versehene Vorhalle und von da in den e gent- lichen Bankraum, die Kassenhalle, die neben einer vor allem praktischen und für das Publikum bequemen bau- lichen Anordnung wiederum reichen Schmuck an Decken und Wänden aufweist. Professor Haueisen hat zu dem grauen Grundcharakter der Halle fein abgestimmte Bilder gemalt, die alle eine Versinnb ldlichung der Industrie darstellen. Rechtwinklig zur Achse "der Kassenhalle und parallel zur Kaiserstraße ist die Effektenhalle angeordnet. Die Arbeitsräume der Drektionsmitglieder, eine Flucht von Arbeits- und Sprechzimmern, in denen überall «ine behagliche und schlichte Würde vorherrscht, befinden sich im ersten Obergeschoß. Zwei Sitzungssäle haben als nicht ständig benutzte Räume ihre Lage im dritten Ober- geschoß gefunden. Auch die Vorräume stnd «infach ge- halten und bis hinab zu den Tresors von bequemer Be- haglichkeit erfüllt. Besonders interessant ist die tech- nische Einrichtung, die ze'fit, mit welcher Raffinesse heut- zutage ein modernes Bankhans auch dem schlauesten Ein- brecher ein Eindringen unmöglich macht. Eine Wächter- kontrollanlage mit 70 Kontrollstellen durchzieht das Haus. Der Wächter ist durch eine besondere Anlage ständig auf das genaueste kontrolliert und hat selbst die Möglichkeit, sich durch ein Tafchentclepbon bei jeder Kontrollstelle mit dem Hausmeister zu verständigen od-r durch ein- fachen Druck auf einen Knopf Alarm auszulösen. D'e an sich schon sehr starken Tresortüren sind durch Kontakt- arm und Mikrophon gesichert. Die Beleuchtuna um -den Tresor ist so ausgebildet. durch fremde Hände das Licht niÄt dauernd angeschaltet werden kann. Bei et- wa^en Ranbüberfällen 'können von verschiedenen Stellen aus durch Druck auf einen Knopfjre Ausgangstüren unpassierbar gemacht werden. Zur Sicherheit geqen Feuers- ffkfahr sind automatische und interne Kandfeuermelder in allen Stockwerken angebracht, zudem kann die Feuer- wehr unmittelbar alarmiert werden. Selbstverständlich sind auch, die technischen Einrichtungen, die die Hhchcne betreffen, sehr umfangreich. Neben dem nun in einem modernen Hans „unentbehrlich" gewordenen Radio- Avparat (Nacknnittaaskonzera für die Direktion!!) finden sich 50 Televhonsprechstellen, von denen sich mich e niqe an Orten befinden, wo man gewöhnlich aanz allein hin- zugehen pflegt. Bequemlichkeit im Quadrat! Nach einem solchen einträchtigen und harmon'schen Zusammenwirken aller dieser werktätigen wie künst- lerischen Kräfte hoffen auch wir. daß die Rheinische Kreditbank in der Baugeschichte und im Wirtschaftsleben Karlsrubes ihre Stellung st--ts bebaupten wird. — Die Führung bei der Besichtigung durch die Presse übernahm in freundlicher Weise die Direktion der Filiale Karlsruhe, die Zerren Galette, Nicolai, Präsident der Handelskammer und schwed. Konsul, Krüger und Lutz und Herr Architekt Großmann. — lieber die eigentliche Eröffnungsfeier berichten wir morgen. K ath o l. Presseverein. Am Mittwoch, den 15. Oktober, aveuds %7 Uhr. V o r st a u d s s i t- ?. n n g (Badenia. Adlerstraße 42). Vollzähliges Er- scheinen erwünscht. Nrudeutschlaud, Ortsgruppe Karlsruhe-West (St. Bonifaz). Vor einer nicht geringen Zuschauecschaft wiederholte am letzten Montag abend die neudeutsche Gruvve unserer Pfarrei die Aufführung des „Telespiels der Schweizer Bauern" von Franz Johannes Weinrich. Auch diesmal wieder hatte nian sich als NatniHühne den Platz ans der Anhöhe des malerisch gelegenen, von zwei hohen Pappeln beherrschten Kapellchens bei Grünwinkel ausgesucht, dort, wo die Alb vorbeirauscht nnd man bei schönem Wetter über die saftigen grünen Wiesen weit ins Land hinaussehen kann. Trotz des dichten Nebels und der ungüstigen Witterung waren die Angehörigen und Freunde unserer Neudeutschen freudig herbeigeeilt, um der ernsten, aber jugendfrischen und jügendbegeister- ten Aufführung der munteren jungen Schar zu lauschen. Schon von weitem sah man den dichten Nebel sich zer- teilen durch den hellen Schein der Fackeln, die die Klein- sten der Gruppe stolz in Händen hielten, um während der ganzen Aufführung pflichtbewußt die „Bühne" zu erleuchten. Die Ausführung selber kann man als wohl gelungen und recht befriedigend bezeichnen. Das Zeug- nis darf man den Spielern allesamt ausstellen, daß sie sich verständnisvoll in ihre Rollen hineingelcbt, sinnvoll gespielt und ihr Westes gegeben haben. Die Besetzung Bühnenkunst-Ausstellung in Gotha. In Gotha wurde in der Ausstellungshalle eine Ausstellung für Bühnenkunst eröffnet, wie sie bisher in Berlin, Stutt- gart und Wien stattgefunden haben, während es in Mit- teldeutschland die erste dieser Art ist. Alle größeren Thüringer Theater sind in der Ausstellung vertreten. Die Ausstellung soll Verständnis für die Bühnenkunst er- wecken und vertiefen und dazu wegbereitend sein. Sie laßt auch den starken W'illen unserer Theaterkünstler nach einem neuen Stil erkennen. Raum uud Zeit machen es notwendig, die Alisstellung nur auf das Gebiet der Untschen Kunst zu beschränken, die aber auch für Thüringen besonders nahe liegt. Im vorigen Jahrhun- dert zeigten die Meininger neue Wege der szenischen Kunst und leiteten damit eine Reform von höchster Be- deutung für die Bühnenkunst ein. Mit den Meiningsen, beginnt auch die Ausstellung in Szenenbildern, Modellen, Photographien, Figuren und Kostümen aus ihren Auf- Führungen. Viele der „Großen Meininger" sind im Bild zu sehen, als Aandzeichnungen des bekannten Theater- Herzogs Georg II. von Meiningen. Daran schließen sich die verschiedenen Darstellungen von Aufführungen fpä- terer Jahre bis in unsere Zeit an. Hochinteressant ist die Gegenüberstellung von Modellen bezw. Szenenbildern 3 U Aufführungen aus älterer und neuerer Zeit. So sind z. B. zwei Tannhäuser-..^^..yrungen aus verschiedenen Jahren zu sehen, die eine ganz andere Kunstauffassung zeigen. Entwürfen des Herzogs Georg II. zur „Jung- frau von^ Orleans" stehen die Szenenbilder der Auffüy- desselben Stückes g^enüber, die 1924 in Gera statt- gesuiiden hat. Bestrndrns Entzücken werden auch die Prachtvollen Kostüme finden, die ausgestellt sind. Ein sehr reiches Material ist zu besichtigen. Ein Kammerspielthlcater in Frankfurt a. M. Seitdem d.e Gesellschaft für ästhetische Kultur aufgehört hat zu existieren und seit dem Zusammenbruch des ehemaligen Komödienhauses fehlt es in Frankfurt eigentlich an einem Kammerspieltheater, wo das Drama zur Auffüh- rung käme, das, intimere Reize ausstrahlend, in einem Tausend-Personenraum von vornherein zugrunde gexich- tet werden muß. Intendant Weichert, der aeschickte Leiter des städtischen Schauspielhauses, will dieie Lücke jetzt beseitigen, indem er die Gründung der Frankfurter Kammerspvele plant, die einerseits das Personal des Schauspielhauses besser ausnutzen und andererseits den Spielplan vertuen wollen. Schwierigkeiten macht eigent- lich nur noch die Raumfrage, da man selbstverständlich angesichts der Kosten von einem Neubau absehen muß, zumal die Bühne allen modernen Anforderungen ge- nügen soll. Richard Strauh-Tage der Staatsoper in Dresden. In Verbindung mit der Uraufführung des „Intermezzo" veranstaltet die Dresdner Staatsoper folgende Auffüh- rungen Straußscher Werke: am 24. Oktober Sinfoniekonzert (Tondichtungen von Richard Strauß), am 26. Ok- tober „Rosenkavalier", ebenfalls unter Leitung des Komponisten, am 28. Oktober „Feuersnot" (musikalische Leitung: Herrn. Kutzschbach, Spielleitung: Bois Moraj und „Josephslegende" (musikalische Leitung: Fritz Busch, Spielleitung: Ellen P.'tz), am 30. Oktober Uraufführung des „Intermezzo", eine bürgerliche Komödie mit sinsoni- schen Zwischenspielen in zwei Aufzügen (musikalische Lei- tung: Fritz Busch, Spielleitung: Alois Mora). Opernsängerin. Agncs Hermann legt Wert darauf daß sie mit Fräulein Mathilde Hermann, welche ebenfalls wie sie selbst aus Straßburg und Altistin ist. nicht identisch ist, sondern bis zur Besetzung Straß- burgs durch die Franzosen erste Altistin an der Strak- burger Oper war und sich nach Verlassen Strasburgs hier in Karlsruhe als Konzertsängerin und Gesangs- lehrerin niedergelassen hat. „Fiösiitas", | Berein kathsl. Kaufleute und Beamten im Berban» K. K. B. DeutjchZands. » Lokal: Momnger. Kznkoroiazimmer. Heute (Mittwochs abens 8 Uhr, versammln«« mit Vortrag deS Herrn W. Baur über: „T»S DaweS- gntachteu". Wir bitten um zahlreiche B-ttili^ung Der Vorstand. der einzelnen Rollen war ebenfalls eine gute, nament- lich der Tell, der Landvogt und der Herold waren ge- schickt ausgesucht und haben gutes geleistet. —- Allen denen aber, die zur Vorbereitung wie zur Durchführung des Spiels in so vorbildlicher Weise beigetragen, insbe- sondere denen, die die Hauptarbeit zu leisten hatten, sei an dieser Stelle ein herzliches, ausrichtiges Wort der An- erkennnng und des Dankes gesagt. Im St. Josefshnus gelangte letzten Sonntag „Auonda, die Braut des Maharadscha" durch Mädchenjugendverein zur Ausführung. Hervorragendes leisteten Frl. Erna Beherle und Frl. Rosa Rissel. Der Besuch kann nur empfohlen werden. Der Verein der Handelsvertreter sür Karlsruhe und Umgebung (E. '85.) hielt am 11. Okt. einen Familien- abend im Saale des Künstlerhauses ab. Dan? der güti- gen Unterstützung von Frl. Elisabeth Nei.>.ann .(Violin- virtuosin), Frl. Gertrud Scheinsuß (Pianistin), Frl. Gerdi Dreifuß ^Schülerin des Herrn Schauspielers Hugo Höcker) (Rezitationen), Herrn Hch. Maybach (Molincello), Herrn iKonzertsänger Otto Schlick (Tenor) wurden den zahlreichen Besuchern ein genußreiches Programm zuteil. Humorvolle Vorträge von Herrn Maier (bekannt unter dem Namen „Dintenmüller"), Frau Jakob Dreifuß und einigen Mitgliedern des Ber- eins füllten die Tanzpausen aus. Mit großer Befrie- digung kann der Verein auf diese Veranstaltung zurück- blicken. Das Unrecht am Hansbesift. Ein Hausbesitzer schreibt uns: Auf dem 33. deutschen Juristentag war von einem der Referenten die Ansicht vertreten worden, daß der Ab- bau der Wohnungszwangsgesetzgebung nur nach Maß- gäbe der Behebung des Wohiumgsmangels erfolgen könne. Obwohl schon im Vorjahr baldiger Abbau der Zwangswirtschaft im Wohnungswesen in Aussicht gestellt wurde, dauern die verhängnisvollen Auswirkungen dieser unheiivollen Gesetzgebung weiterhin an. Immer noch wohnt selbst der wohlhabendste oder bestbesoldeste Mieter zu 35 Prozent unter Friedensmiete bei dem zwangs- weise zu seinen Gunsten oder zu Gunsten der Allgemein- heit so gut wie völlig um seine Mieterträgnisse gebracht- ten, teilweise in schwerer Notlage befindlichen Haus- eigentümer. Da wird gar kein Unterschied gemacht zwischen unbemittelten und bemittelten Mietern, kleinen Wohnungen und Luxuswohnungen. Man führt vielfach zur Begründung dieser oft ganz unsozial sich auswirken- den Gesetzeshandhabung an, daß andere auch alles ver- loren hätten und daß (ausgerechnet) die Hausbesitzer als Jnslationsgcwinnler (zufolge Zurückzahlung der Hhpo- theken mit völlig entwertetem, mühelos in den Jahren 1921—23 verdientem Gelde) keinen Anspruch aus eine Rente hätten. Trotzdem man also gewissermaßen für normale Verhältnisse den Anspruch aus eine mäßige Rente wie überall (vom bolschewistischen Rußland ab- gesehen) wohl anerkennt und auch früher schon selbst seitens des sozialM^-n Arbeitsrninistcrs anerkannt hat, sind heute noch in rücksichtslosester und verfassungswidri- ger Weise selbst dem sonst völlig erwerbslosen Haus- besitzer, der lediglich in Friedensmark gemachte Erspar- aiisse im Hause stecken hat, die Früchte dieser Ersparnisse völlig widerrechtlich zu über 90 Prozent durch die allzu schablonenmäßige Gesetzgebung entzogen, sei es durch die noch bestehende Niedrighaltung der Mietsätze, sei es durch Wegsteiierung (dabei wird aber laut Zeitungsbericht von der Mietervereinigung hier behauptet, daß die Haus- besitzer bereits eine Rente von 6 Prozent aus 65 Prozent des Hauswertes beziehen). Ist es da nicht geradezu trostlos, wenn als Funktionäre von MietervereinigunIen heute selbst Leute in guten Stellungen den Privaten das Anrecht aus die Früchte ihrer Aitersersparnisse absprechen, für sich selber aber ebensolche in Form einer iinmerhin noch recht auskömmlichen Pension mit nur 10 Prozent Steucrbelastung beanspruchen. Sollten solche Herren nicht einsehen, daß sie aus diese Weise eine doch schließlich auch sür sie selber höchst nachteilige Rechtsver- wirrung in den Köpfen vieler Volksgenossen anrichten. Wenn anders nicht Macht vor Recht gesetzt werden soll, so belasse man dem Hauseigentümer ebenfalls ein für ein angemessenes Auskommen ausreichenden Anteil an den Früchten seiner Ersparnisse und vernichte nicht weiterhin einseitig seine ^wirtschaftliche Existenz durch Sondergesetzgebung und Sondersteuern, bei denen die sonst üblichen Härtebestimmungen fehlen. Es erscheint widersinnig und unbillig, die Behebung der Wirtschaft- lichen Not und Wohnungsnot der Mieter durch die fast völlige Enteignung der Hausbesitzer herbeiführen zu wollen. Gerade so, wie es untunlich war, auf die Dauer zur Linderung der Ernährungsnot etwa durch die Ge- treideumlage die Landwirtschaft allein zu belasten, müs- sen auch hier, wie dies in den andern Rechtsstaaten ge- schieht, besonders notleidende Mieterkreise aus ösfent- lichen Mitteln unterstützt werden. Nur auf diese Weise könne solche Notopfer in gerechter Weise auf alle wirr- schaftlich tragsähigen Schichten verteilt werden. Nach wie vor sind sich die in den betreffenden Wirtschafts- gebieten stehenden Kreise darüber einig, daß vorwiegend durch die wirtschaftsfremde und viel zuweit geiriebene Entrechtung des Hausbesitzes in Verbindung mit den un- zulänglichen Aufwertungsbestimmungen die derzeitige Verwahrlosung der 'Hausordnung und der Häuser selber, Lahmlegung der Bautätigkeit und damit weiter Kreise des Wirtschaftslebens, ferner den Zusammenbruch des Vertrauens der Sparer und somit des Kreditwesens be' dingt wurde. Erst muß die Zwangsgesetzgebung ent- sprechend abgebaut werden, dann erst wird die Woh- nungsnot behoben werden können. Mit der nunmehr endlich ernstlich zu beschleunigenden Aufhebung wenig- stens der schlimmsten Einseitigkeiten der Wohnungs- zwangsgesetzgebung steht die Frage der Auswertung der Hypotheken u. dergl. im Zusammenhang nnd es ist seht zu begrüßen, daß auch die Fuldaer Bschofskonferenz sich mit aller Deutlichkeit gegen die in der 3. Steuernotver- ordnu«g enthaltenen Unbilligkeiten ausgesprochen hat. M. Brnnt». Gestern nachm. entstand im Späneraum des Kesselhauses der Bau- und Kunsttischlerei Willing u. Zoller hier aus bis jetzt noch uuaufgeklärte Weise ein Brand, der von dem Personal der Firma und der herbe!- gerufenen Feuerwache nach kurzer Zeit gelöscht werden konnte. Der entstandene Gebäudeschaden ist unbe- deutend. Unfall. Gestern nachmittag siel beim Bahnübergang in der Hardtstraße ein verheirateter Landwirt vom Stadtteil Mühlburg von seinem Fuhrwerk und blieb bewußtlos liegen. Der Verletzte wurde mit dem Kranken- wagen nach dem städtischen Krankenhaus verbracht. Fest/. Liter i- .... 95# Bierkrüge bemalt 1.45 Kannenuntersatz .... 1.25 Weinflaschen i uter 70# Steintöpfe Porzellan Kaffeekannen gross . . 95^ Zuckerdosen .... 35# 25^ Kuchenteller weiss 75^ Untertassen 10# 84 Salatieren rund 18^ Obertassen «eiss 10*j Tafelservice 77 tlg, Blumen-Dekor 65.- Kaffeeservicewg., Biumen-Dekor 4.75 Tasse mit Untertasseind.biau 48L Moccaservice4ti2„ schön Dekor 2.50 Marmeladedose „Früchte". . 50^5 1 p<>iZ Rom. Satt trinken. Drei Wochen, ebensolange Gardasee. Dann Zürich: Buchhandel, denn die Not war län-^ wieder da, das erste Kind ftuch..." Aber er hat d u r ch a e h a l t e n, trotz vieler Zweifel, zäh und unerbittlich sich aufwärtsgerungen. Kants Sittenlehre und die katholische Norm. Von Franz Huberts. In einer Zeit des Egoismus und Militarismus, in einer Zeit der Gewissenlosigkeit hat es für viele, und nicht die schlechtesten Menschen etwas Erhebendes an sich, in Kants Schriften zu lesen: denn wohl nie ist härter und unerbittlicher von der „Pflicht" die Rede, wohl nirgends mit größerem Ernst vom „Gewissen". Aber je weiter wir lesen, desto kälter und frostiger wird uns. Jedes „Du sollst" drückt den Menschen, das Kantfche „Du sollst" er- drückt ihn geradezu; und mit der Gewißheit des Unnatür- liehen seiner Sittenlehre steigt in uns auf die Ahnung ihrer Falschheit. Was fordert Kant? Kant läßt die Moralität d. h. die Güte einer Handlung ganz allein abhängig sein vom guten WilleN. Gut ist aber nach Kant der Wille nur dann, wenn er sich ent- schließt, das, was Pflicht ist, ausschließlich deshalb zu tun, weil es Pflicht ist. Alles, was aus einem anderen Grunde geschieht, mag, wenn es dem Gesetze, wenn es der Pflicht entspricht, legal sein, ist aber unmoralisch. Die Pflicht ist da und fragt nicht nach dem Woher und Warum, sie heischt Erfüllung ganz allein um ihrer selbst willen. Wenn der Soldat ins Feld zieht, um Weib und Kind, Haus und Hof, Heimat und Vaterland zu schützen, so ist das nach Kant unmoralisch, denn er tut es nicht allein aus Pflicht, er tut es zu einem Zweck: um — zu schützen. Wenn eine Mutter aus Mutterliebe für ihr Kind sorgt, wenn ich aus Mitleid einem Armen helfe, so ist das nach Kant un- moralisch, denn es geschieht ja aus Neigung und nicht aus Pflicht. Unmoralisch braucht nun nicht notwendig schlecht zu sein, es bedeutet nur „nicht gut" und kann moralisch indifferent sein. Damit eine Handlung gut ist, ist nach Kant ein Doppeltes erforderlich, objektivdas Sit- tengesetz, das vorschreibt, die VfT=*' die erfüllt sein will und subjektiv der Grund, weshalb ich es erfülle, die so- genannte Maxime; und diese Maxime darf nach Kant nur fein: weil das Gesetz es befiehlt. Aus der Erfahrung weiß Kant — woher sollte er es sonst wissen — daß bei allen Menschen das Sittengesetz ausnahmslose Geltung hat. Er folgert daraus, daß auch die Maxime die Form ausnahmsloser Geltung annehmen müsse. Der Antrieb zum Handeln, der Imperativ, muß daher auch ein unbedingter (kategorischer) allgemein gül- tiger sein; ein relativer, der nur bedingt gültig ist, nur auf Einzelfälle anwendbar ist, genügt nicht. So kommt Kant zur Ausstellung seiner obersten Maxime seines „kategorischen Imperativs": „Handle so, als ob die Maxime deines. Handels durch deinen Willen zum allgemeinen Naturgesetz werden sollte." All die verschiedenen Motive, die bei den verschiedensten Anlässen die verschiedenen Menschen zum Handeln bewegen, läßt Kant nicht gelten; er verlangt nach einem Motiv, einer Maxime, die alle Menschen bei allen Gelegenheiten gleichermaßen antreibt, und das ist ihm die Achtung vor der Pflicht. Man mag staunen vor der Größe dieses sittlichen.Ge- bäudes; doch ein Frösteln überkommt uns bei dieser bis zur Narrheit überspannten Forderung; und ehrlich ge- stehen wir uns: das kann ich nicht, das geht über meine Kraft. Ist denn nicht der Impuls des Herzens, der in Liebe, Mitleid, Freude liegt, auch etwas Gutes? Soll denn alles, was diesen Impulsen entspringt, wertlos sein? Gewiß es können Stunden kommen im Menschenleben, wo all diese Impulse versagen, wo nur der Gedanke an die Pflicht stark genug ist, aber das sind Oelbergstunden des Menschenlebens, die uns dazu fast immer schwach, leider allzu oft zu schwach antreffen. Wir verlangen nach et- was, das uns den bitteren Kelch der Pflichterfüllung ver- süßt. Pflicht ist nun einmal so bitter, und wer nichts vorgesetzt bekommt als diese bittere Nahrung, der verbit- tert selbst. Die Pflichterfüllung als ein Motiv, ja als das höchste Motiv, lassen auch wir gelten (wobei der Be- griff „Pflicht" noch zu erklären ist), sie aber schlechthin als'das Motiv, als das einzige gute Motiv zu fordern, das erscheint uns als Unnatur und darum falsch. Oder sind nicht auch Selbsterhaltungs- und Glückseligkeitstrieb ein 3 Stück der Menschennatur, von dem sich dauernd und all- gemein freizumachen, für uns eine Unmöglichkeit ist? Wir kennen eine ganze Skala von Motiven, die in ganz feinen Unterschieden in zahlloser Stufenfolge von den nie- drigsten und gemeinsten bis zu den höchsten und edelsten emporsteigen, aber wir verlegen den Trennungsstrich zwi- schen moralischen und unmoralischen, der auch für uns ein festliegender und scharfer ist, an eine andere Stelle als Kant. Oder soll es unmoralisch sein, wenn ich etwas tue, um dadurch in den Himmel zu kommen? Auch für uiis ist das „um dadurch in den Himmel zu kommen" nicht das höchste Motiv. Wir unterscheiden, ja ausdrücklich zwi- schen vollkommenen und unvollkommenen Motiven, zwi- schen vollkommener und unvollkommener Reue, zwischen vollkommener und unvollkommener Liebe, aber für uns sind auch die unvollkommenen Motive gute, wenn auch nicht die besten Motive, für uns sind sie nicht unmora- lisch. Dazu berechtigt, nein verpflichtet uns wie die Men- fchennatur, so auch die ausdrückliche Lehre des Heilandes. Den verhängnisvollen. Fehler in seiner Sittenlehre, der als Konsequenz seiner „Kritik der reinen Vernunft" sich ergeben mußte, wie er andererseits auch als Folgerung aus den oben angeführten Grundsätzen der Sittlichkeit sich ergibt, beging Kant durch die Loslösung der Sittenlehre von Gott. Aus die Frage: woher stammt das Sittengesetz, das als Stimme des Gewissens in jeder Menschenbrust seine For- derungen ausspricht, woher stammt bei aller individuellen Verschiedenheit das in allen Menschen im Wesentlichen gleichbleibende, unbestechliche „Du sollst"? gM Kant die Antwort: es ist da, es ruht in sich selbst, es ist autonom. Eine befriedigende Antwort ist das nicht. Das scheint Kant selbst zu spüren; daher auch wohl der Uebereifer, mit dem er in stets neuen Formulierungen und oft sich wider- sprechenden Ausdrücken diesen Gedanken wiederholt. Das Gewissen muß eine Ursache, die wesentliche Gleichheit aller Gewissen muß eine einzige Ursache aller Ge- wissen haben. Wer ist dies? Kant bleibt die Antwort schuldig. Durch die Aufstellung des in sich selbst ruhenden, von keiner Instanz abhängigen, durch nichts zu belehrenden und zu beeinflussenden persönlichen Gewissens hat Kant nicht nur dem modernen Individualismus und Subjekti- Vismus starken Antrieb gegeben, er hat, was das Verhäng- iiisvollste ist, die Moral von. Gott sr'i gemacht, und er wurde so wie der Urheber einer autonomen, so auch einer gottlosen Moral. Nach Kant ist jede Heteronomie d. h. jede Rücksichtnahme auf fremden Willen, jedes Bestimmtwerden durch frem- den Willen falsche Moral, Unmoral. Unmoralisch ist es, wenn ein Kind etwas tut, weil der Vater es befiehlt, un- moralisch ist es nach Kant darum auch, wenn der Mensch handelt, weil Gott es so fordert. Der einzige Grund des sittlichen Handelns darf nach Kant sein: die Pflicht, wie sie mein automes, sich selbst gesetzgebendes Gewissen mir vorschreibt. Für uns Katholiken ist auch das Gewissen die letzte Richtschnur und Richterin unseres Handelns, über die hin- aus es keine Instanz mehr gibt. Quod non ex conscientia, peccatum est: was mit dem Gewissen in Widerspruch steht, das ist Sünde. Was mein Gewissen mir erlaubt, vor- schreibt oder verbietet, das darf, muß oder darf ich nicht tun, ausnahmslos und unter allen Umständen. Auch wir Katholiken kennen keine „fremde" Moral. Aber dieses von uns so hoch gewertete, durch nichts zu ersetzende Ge- wissen, ist darum doch nicht autonom, sich selbst Gesetz- gebend. Wse Gott der Urheber der Schöpfung^ so ist er auch der Urheber der Menschen und damit der Ursprung des Gewissens. Gottes Stimme im Menschen ist uns das Gewissen; es ist darum abhängig von Gottes Willen und hat, weil es — das ist eine Tatsache der Erfahrung— in seinen Forderungen wandlungs- und belehrungsfähig ist, die Pflicht, nach dem Willen Gottes, gleich auf welche Weife er ihm kund wird, sich zu richten. Letzte Norm der Sittlichkeit ist uns darum Gott. Aber Gottes Willen machen wir uns im Gewissen zu eigen und handeln dann gemäß der nächsten Norm, dem Gewissen, aus Gewissenhaftigkeit. Nach Kant ist Gott nicht der Urheber der sittlichen Ord- nung, sondern ihr Vollstrecker. Gott steht nach ihm nicht am Anfange, sondern nur am Ende. Man hat gesagt, viel von dem, was Kant durch die „Kritik der reinen Vernunft" zerstört hat, habe er durch die „Kritik der praktischen Vernunft" wieder aufgebaut. Man hört oft von dem Hinterpförtchen der praktischen Vernunft, durch die das wieder eingeschmuggelt wird, was durch das Tor der kritisches! Vernunft herausgewiesen sei. Mag sein, doch alles ertötet zum Schluß doch die ätzende Säure der kritischen Vernunft, sie ist zu beißend und zu scharf, sie ertötet auch die Blüten der praktischen Ver- "nunst. Dem im Gewissen kategorisch gegebenen „Du sollst" muß entsprechend ein „Denn du kannst" dazu ist aber nötig: die Freiheit des Willens, als „Postulat", als For- derung des praktischen Lebens. Die Anpassung des Willens an das Sittengesetz, die erfahrungsgemäß in diesem Leben nicht vollständig verwirklicht wird, fordert einen ins Unendliche gehenden Prozeß. Daher sind Ewigkeit und Unsterblichkeit Postulate, Forderungen des praktischen Lebens. t Der Begriff der Gerechtigkeit u>nd der dem Menschen angeborene Sinn für Gerechtigkeit forderte eine Wevbin- dung von Tugend und Glückseligkeit, verlangte, daß der Tugendhafte glücklich ist. Die praktische Erfahrung lehrt, daß diese Verbindung auf Erden keine Wirklichkeit ist und außerhalb des Machtbereiches der ^—■chen steht. Es muß darum jemand Isein, der in der Ewigkeit diese Verbindung von. Tugend und Glück vollzieht. Dieser eine ist Gott. Das praktische Leben fordert darum Gott. So traten bei Kant die Grundbegriffe und Grundtat- fachen der Religion: Freiheit, Unsterblichkeit und Gott als Forderungen des praktischen Lebens aus i>nd Gott erscheint als der Vollstrecker einer von ihm unabhängigen sittlichen. Ordnung. Postulate der praktischen Vernunft-Forderungen des praktischen Lebens — etwas, das da sein muß, da sein müßte! ... aber auch etwas, das wirklich da ist? Für den Hungernden ist Speise eine unumgänalich notwendige Forderung des praktischen Lebens für den Ertrinkenden eine rettende Planke. Aber folgt daraus denn auch, daß die Speise, die rettende Planke wirklich da sind? Wird er nicht trotz der Postulate verhungern oder ertrinken? Wird nicht auch die Menschheit an den Kantischen Postu- laten der praktischen Vernunft verhungern und unter- gehen? Es kommt doch nicht darauf an, ob etwas da sein muß, sondern das Entscheidende ist doch, ob eß wirklich da ist. '. . Und was sagt die „reine Vernunft", die doch letztlich alles vor ihr Forum zwingt, zu diesen Resultaten der ,»Praktischen Vernunft?" Sie antwortet mit einem „ich weiß es nicht!" And dieses „ich weiß es nicht" verschlingt alles, und der verzweifelnde Mensch steht vor dem gro- ßen Nichts. Es kommt doch nicht darauf an, ob Freiheit, Unsterb- lichkeit und Gott als „angeborene Ideen" Wirklichkeit sind, entscheidend ist doch, ob diesen Ideen eine Wirklich- keit entspricht. Wir anerkennen Kants guten Willen, wir anerkennen so manche Bereicherung und Vertiefung formaler Art durch seine Philosophie. Doch was er niedergerissen, überwiegt das, was er positiv aufgebaut. Schiller-Anekdoten. Aus alten Quellen mitgeteilt von Hans Gäfgev. Die Witwe des Kapellmeisters Ritter in Mannheim, welche die Louise in „Kabale und Liebe" als erste spielte, erinnerte sich noch in hohem Alter gern, wie Schiller ihr den Hof gemacht hat. Der Dichter fühlte sich angezogen von seiner ersten Louise, und als er sie abends nach der Vorstellung nach Hause geleitete, da faßt er sich plötzlich ein Herz und drückte ihr etwas in die Hand. Was war es? Ein ganz kleines Pvilrül von Schwer, das Vit alte Dame ihr Leben lang wie ein Heiligtum bewahrte/ Da- malS aber hat sie es unschlüssig betrachtet und den Dich- ter etwas wunderlich gefragt: „Was soll ich denn damit?" Der kühne Dichter aber, wie verständlich von der naiven Frage ein wenig aus der Fassung gebracht, hat bald auf gut schwäbisch erwidert: „Ja, sehnt Sie, i bin a kurioser Kauz, das kann i Ihne nit sage". * Schiller lernte in seiner Jugend die Harfe spielen. Ein Nachbar, der ihn "nicht leiden mochte, sprach einst zu ihm: „Herr Schiller! Sie spielen wie David, nur nicht so schön". — „Und Sie", erwiderte der Dichter schnell, „Sie sprechen wie Solomon, nur nicht so klug!" * Der blinde Heinrich Weiße schrieb folgendes Distichon: Schiller — berauschender Wein — begeisternd, dem Leben entrückend; Goethe — ein redender Kuß — zwiefach belebend den Puls. s Im Schiller-Album findet sich folgende Notiz von Ober- medizinalrat Froriep zu Weimar: „Im Jahre 1805 befand ich mich, damals Professor in Halle, in Weimar zu Besuch, als Schiller unvermutet starb und als die Hülle des großen Geistes in der Mitternachsstunde vom 11. auf den 12. Mai von einigen jungen Gelehrten, unter ihnen Stephan Schütze und Heinrich Voß,.Künstlern und Staats- dienern getragen, beigesetzt wurde, waren, — ich begreife noch nicht, wie das so kommen konnte — ich und ein mir Unbekannter, der, wie ich nachher hörte, Herr v. Wolzogen war, die Einzigen, welche dem Sarge folgten." Kritiker-Ecke. Otto Hellinghaus: Karl Maria von Weber. Seine Persönlichkeit in seinen Briefen, Tagebüchern und Auf- zeichnungen (Bibliothek wertvoller Denkwürdigkeiten Bd. 7) Freiburg 1924, Härder & Co. Geb. 4.— Mk. Den früheren Veröffentlichungen, „Mozart" und „Beet- Hoven" folgt nun ein weiteres Musikerbändchen, gewidmet einem Liebling des Deutschen Volks, Carl Maria von Weber, dem Schöpfer des Freischütz, jenes urdeutschen Werkes, das vor hundert Jahren einen beispiellosen Jubel der Begeisterung entfachte, wie ihn die Theatergeschichte weder vor noch nach ihm je erlebt; es war ein entscheidender Sieg, die Befreiung von musikalischer Fremdherrschaft, die Generationen hindurch das deutsche Theater bedrückte. Und auch heute noch, hundert Jahre später, erscheint uns dieses Bühnenspiel jung und stark wie am ersten Tag in ungebrochener Lebenskraft, in seiner ganzen Schönheit deutschen Wesens und deutschen Empfindens. Meljr noch als Wagner mit einem seiner Werke, ist es dem deutschen Volk ans Herz gewachsen, und mit dem Werke sollte auch sein Schöpfer einen Ehrenplatz in jedem Deutschen finden! Hier entscheidet nicht Musikfreund oder Laie; Weber „ge- hört zu den Führern unseres geistigen Levens, die wir alle durch und durch kennen sollten" (v. d. Pfordten), der als einer unserer Edelsten und Besten auch dem Nichtmusikalischen vertraut zu werden verdient. Seme Briefe zu lesen ist ein köstlicher Genuß in Stunden »er Ausspannung wie der Anregung und geistigen Erholung. Und dazu sollte es einer besonderen Ermunterung nicht be- dürfen, denn in ihrer Anmittelbaren Lebendigkeit, ihrem unwiderstehlichen Reiz liebenswürdiger Anmut und geist- voller Aussprache, werden sie im Fluge das Gemüt ge- Winnen, das sich ihrem Zauber nicht zu verschließen ver- mag. So wird, man Hellinghaus' feinfühlig besorgte Auslese mit lebhafter Freude und dankbar anerkennender Teilnahme begrüßen. Sie spiegelt das ' Osmotische, edel strebende Menschentum des Deutschmeisters in anschau- licher Weise wieder. Möge die Gabe ein echtes, rechtes Volksbuch werden. Allen zur Anregung, zur Freude und I Liebe. L.-F. _« Josef Kre'itmaier: Dominanten. Streifzüge ins Reich der Ton- und Spielkunst. Freiburg 1924, Herder & Co. Geb. 6.— Mk. Als Verfasser der „Neuroner Kunst" und eines Vortreff- lichen Mozartbüchleins wie als Mitarbeiter der ,,Stim- men der Zeit" genießt I. Kreitmaier e.nen weithin an- gesehenen Ruf. Zwar bezeichnet er seine musikalischen Aussätze, die er in den „Stimmen" und in „Deut>ches Volkstum" veröffentlichte und nunmehr ergänzt und überarbeitet in einen Sammelband vereinigt, als bescheidene Gelegenheitsarbeiten, und anspruchslos in schlichter Haltung ohne aufdringliche Selbstherrlichkeit und Ueber- hebu'ng des Urteils sind sie gewiß; aber dennoch bergen sie bleibende, willkommene Werte. Es ist eine Fülle von Wissen, von Gedanken und Perspektiven, bte er entwickelt und würdigt, ernst, ruhig,' sachlich und überraschend klar und dabei warm und gewinnend. aus _ innerer Anteilnahme, ein Eindringen und Freilegen, wie wir es in un- serer an brennenden Fragen (Kirchenmusik!) und bunten Erscheinungen überreiche Gegenwart so sehr bedürfen, und wie es gerade für weitere Kreise wünschenswert. Auf- fätze w>e die über hervorragende Tonkünstler der Neuzeit, über Wagner, Bruckner, Reger, Strauß sind prächtige, auch stilistisch hervorragende Leistungen, die in ihrem Gewand einer schönen, anschaulichen und leicht verstand- lachen Sprache ein tiefes Verstehen, einen scharf blickenden Verstand und eine psychologisch erfahrene Seele umfchlie- ßen. Vor allem auch erhält der ethische, religiöse Stand- Punkt eine nachdrückliche Betonung, wie er zumal in Künstlerbiographien anderer Weltanschauung nur allzuoft als „unkünstlerisch" übergangen wird. — So darf diese erfreuliche , Neuerscheinung' jedem Musikfreund, dem an einem ernsten Eindringen und Erkennen unserer Zeit et- was gelegen, aufs angelegentlichste und wärmste empfoh- len werden. L.-F. Verantwortlicher Schriftleiter: Dr. Sj. A. Berger. Teste 2 Mittwoch, den 15. Oktober 1924 Kritische Betrachtungen. Von Karl F r i ck - Zell. Einem Skandal ohnegleichen ist durch die Be- Ichwerde der Münchener Staatsanwaltschaft in Sa- chen Hitlers und seiner Genossen und die jetzige dilatorische Entscheidung des Obersten Landesgerichts vorgebeugt worden. Der Spruch des Land- gerichts I, die Bewährungsfrist für Hitler und Krie- bel ab 1. Oktober laufen zu lassen, ist nicht einmal innerhalb der weißblauen Grenzpfähle und der Stadtmauern Münchens verstanden worden. Und dort ist allerhand möglich! Man muß es geradezu als eine glückliche Fügung des bayr. Geschehens an- sehen, daß Hitler und Knebel sich in der Affäre des Frontbanns mitverwickelt haben. Weiß Gott, ob es in Bayern sonst einen Richter gäbe, der auf die staatsanwaltschaftliche Beschwerde hin als Hüter für Recht und Gesetz aufgestanden wäre, um den Hitlergeist der Massen sich zu widersetzen! Man denke nur das Bild aus! Müßte es nicht ein Schlag für das Rechtsempfinden des Volkes sein, wenn die Hauptorganisatoren eines Hochverrats, der dem Staat gewaltigen Schaden brachte, dessen Folgen eine Anzahl Beamter mit Leib und Leben büßten, der im In- und Ausland Bayern in voll- kommenen Mißkredit gebracht hat, dessen Ziel die Absetzung der Regierung, die Verhaftung der lei- tenden Minister, die Aufhebung der Verfassung war: wenn die verantwortlichen Täter dieses nationalen Verbrechens am bayr. Volk und Staat nach 11 Mo- naten Ehrenhaft wiederum der Freiheit zurückge- geben worden wären; jene Führer, die weder inner- lich andere geworden sind, noch ihre Ziele geändert haben! Das wäre ein Privileg für politische Staats- Verbrecher, das am bayr. Staate zuerst sich hätte rächen müssen. Wohl jeder freut sich in der letzten Zeit die Fest- stellung machen zu können, daß in der „Ordnungs- zelle" Bayern seit der Ministerpräsidentenschaft Heids ein gewisser fester und vor allem grundsatz- treuer Zug in die Regierungsmaßnahmen gekommen ist und die Zeit der dauernden Nachsicht und Glace- handschuhbehandlung der völkischen Provokateure vorüber zu sein scheint. Ganz gewiß nicht zun: Schaden des bayr. Staates, in dem das ruheliebende und besonnene Element der Bevölkerung mehr und mehr Vertrauen zur Regierung gewinnt. Das wissen die Völkischen nur zu gut und gerade darum warteten sie mit Ungeduld auf die Freilassung ihres Führers Hitler, von dessen Person und Agitation die völkische Partei neues Leben und neuen Auf- schwung erhoffte. . Die mit Erfolg eingelegte Beschwerde der Staats- Anwaltschaft bedeutet darum für die völkische Be- wegung einen sehr schweren Schlag, zumal Hitlers baldige Freilassung durch Zubilligung der Bewäh- rungsfrist ein Versprechen war, das bei der Urteils- beratung im Hitlerprozeß den Laienrichtern gegeben worden sein soll. Die Sache scheint wirklich so zu liegen, und daß dieser Justizskandal unter Bruch des Amtsaeheimnisses den Völkischen zugetragen wurde, — die darum auch Hitlers Freilassung zum 1. Oktober als Erfüllung dieses Versprechens for- derten — macht diesen „Prozeß" und diese „Rechts- sprechung" nur umso merkwürdiger und pikanter. So waltete die „blinde" Justiz ihres Amtes im Lande Kahrs. \ i . . Für uns am Oberrhein und im Wiesental ist aber in diesem Zusammenhang an das schwebende Ver- fahren zu erinnern, daß in Sachen des kommunistischen Putschversuches nun seit Ende Oktober 1923 sich hinzieht. Wie wir hören, ist zwar die Vorunter- suchung gegen die Putschisten von Lörrach, Schopf- heim, Wehr, Zell usw. beendet, aber bis heute ist von der Anberaumung der Hauptverhandlung nichts zu erfahren: angeblich weil Frau Unger und andere Schwerbelastete noch immer flüchtig sind und sich den Augen des Gesetzeswächter zu entziehen wußten. Zwar ist dieser Grund keinesfalls als stichhaltig anzuerkennen für diese Verschleppung und Verzöge- rung des Strafverfahrens gegen die übrigen Jnhaf-, Herten — denn man kann u. E. die Fälle der Frau Unger und der anderen Flüchtigen von den abgeschlossenen der übrigen abtrennen — aber mag dem nun sein, wie nur immer: stets wird man den un- überbrückbaren Gegensatz der Rechtspflege empfin- den, die in Baden gegenüber den kommunistischen Hochverrätern so sich ausgewirkt hat, daß heute nach fast 12 Monaten diese noch nicht einmal vor dem Strafrichter stehen, und die in Bayern gegenüber den Novemberputschisten schon über die Bewährungs- frist für die Verurteilten nach 11 Monaten verhandeln kann. Hier gähnt für das Rechtsempfinden des Volkes eine empörende und gefährliche Kluft, die im Schlagwort von der Klassenjustiz sich Aus- druck verschafft hat. Niemand wird uns der besonderen Kommunisten- freundschaft zeihen können, aber selbst auf diese G?- fahr hin müssen wir die Forderung erheben an die interessierten und zuständigen Justizbehörden im Land und im Reich, dafür Sorge tragen zu wollen, daß die seit fast 12 Monaten in Untersuchungshaft befindlichen Kommunisten, die am Putschversuch im Wiesental beteiligt waren, endlich vor das zuständige Gericht gestellt werden. Wir stehen nicht an zu er- klären, daß diese unglaublich lange Untersuchungs- Haft wie ein (subjektives) Unrecht an den Verhafte- ten und wie eine harte unsoziale Strafe an ihren Familien sich auswirken muß und halten sie auch staatspolitisch für untragbaru und gefährlich: nach zwei Seiten: Bei allen gerecht und objektiv denken- den Volksgenossen wird dieser Gegensatz in der Rechtspflege, — gegenüber Rechtsbolschewisten und Linksputschisten — mag es in Bayern geschehen oder in Baden oder sonstwo als Unterhöhlung der Staats- fundamente wie des Rechtsbewußtseins im Volke bewertet werden müssen. Ein sicherlich ungewollter, aber zwangsläufiger „Erfolg" verfehlt arbeitender Justiz. Und dann: reden nicht die Wahlziffern der kommunistischen Partei vom 4. Mai in unseren: Wie- sental eine mehr wie deutliche Sprache, welch glän- zende Propaganda eine solche Justizhandhabung für die K. P. D. bedeutet, die ihre Anhängerschaft ver- mehrt, weil sie weiteste Verbitterung verbreiten muß?! Hier seien den Hütern des Rechts und der Gesetze, wie den verantwortlichen Stellen die vergleichenden Wahlziffern der vier Städte Lörrach, Schopfheim, Wehr und Zell zur Kenntnis gegeben: bei der Land- tagswahl 1921 erhielt die K. P. D. in Lörrach 1149 am 4. Mai 1924: 1724—66 Proz. Zunahme: in Schopfheim 1921: 156, 1924: 252=59 Proz.: in Wehr 1921: 38, 1924 : 391=972 ^oz. und in Zell 1921: 88, 1924 : 326=370 Proz. Zunahme. Soll der K. P. D. die gleiche Wahlparole „die Klassen- justiz der Bourgeois an unseren Genossen im Wie- sental" noch einmal geschenkt werden?! Wir warnen davor! Möge darum in wohlerwogenem Interesse des Staatsganzen und der Wiedergewinung des Vertrauens im Volk zur Rechtspflege der Kommunisten- Prozeß des Wiesentales vor dem zuständigen Gericht baldigst seinen Anfang nehmen. Gefahr ist im Ver- zug. Ihr zu begegnen die Aufgabe der verantwort- lichen und verantwortungsbewußten Organe des Staates. -(* y DeutfchlanÜ. Die Räumung Remscheids. Berlin, 14. Okt. Nach amtlicher Mitteilung wer- den die französischen Truppen Remscheid am 20. Oktober verlassen. Die Polizei wird dafür ver- antwortlich, daß die Bevölkerung den Abmarsch nicht stört. Deutscher Protest an Polen. Berlin, 14. Okt. Die deutsche Regierung hat, wie die „Kreuzzeitung" meldet, am 10. Oktober in Warschau der polnischen Regierung eine Note überreichen lassen, in welcher dagegen Einspruch er- holjcsn wird, daß die Freie Stadt DanzD frühere preußische noch in Danzig befindliche Bestände von Akten und Archiven an Polen aushändigt. Wie von polnischer Seite auf Grund eines Beschlusses einer Interalliierten Kommission vom Jahr« 1921 verlangt worden war. Von deutscher Seite wird demgegenüber geltend gemacht, daß nach den in Paris 1926 zwischen Deutschland und den alliierten Mächten getroffenen Übereinkommen eine Verfügung über diese Akten nur aus Grund einer Ver- einbarung zwischen den beteiligten Staaten erfol- gen kann, welche bisher noch nicht zustandegekom- men ist. Lombardierung von Roggen-Rentenbriefen. Berlin, 14. Okt. Das Reichsbank-Direktorium hat beschlossen, u. a. die 5 % Rentenbriefe, Reihe 7—13 der Roggenrenten-Bank A.-G., Berlin zur Beleihung bei der Reichsbank zuzulassen. ( * 1 fiuslanö. Ein Steckbrief hinter dem Erzbergermördcr. Budapest, 14. Okt. Der Untersuchungsrichter er- ließ einen neuen Steckbrief gegen den Erzberger- mörder Schulz, der bekanntlich ans der Haft ent- lassen wurde. Vor seiner Entlassung legte er ein Geständnis ab, daß er Erzberger ermordet hat. Er wird nunmehr neuerlich verfolgt. Die Auslieferungsnote der ungarischen Regierung in Berlin eingetroffen. Berlin, 14. Okt. Wie die Telunion von zustän- diger Stelle erfährt, ist die Note der ungarischen Regierung, in der die Nichtauslieferung des Erzber- germörders Schulz motiviert wird, in Berlin ein- getroffen. In der Note wird als Begründung an- gegeben, daß es sich bei der in Frage stehenden Straftat um eine politische Tat handle: ferner wird auf die Stellungnahme der deutschen Regierung in der Auslieferungsfrage der Tyzca-Mörder hinge- wiesen. . „ _ . Die Antwort der deutschen Regierung auf diese Note ist in Vorbereitung. Die beiden Dokumente werden gleichzeitig veröffentlicht werden. Nach einem Telegramm, das an zuständiger Stelle von Preßburg eingetroffen ist, ist die dort verhaftete Person nicht mit Tillessen identisch. Große Nachfrage nach der deutschen Anleihe in London. London, 14. Okt. Die deutsche Anleihe ist gestern an der Londoner Börse zur Zeichnung aufgelegt wor- den. Die Nachfrage war fo stark, daß die Zeichnung in ganz kurzer Zeit beendet war. Am morgigen Mittwoch sollen die letzten Zeichnungen, kurz nach Börsen-Eröffnung abgeschlossen werden. C * ) Chronik. Baden. Durlach, 14. Okt. (Z u s a m m e n st o ß.) Der Automobilbesitzer Feiß- kohl von hier stieß auf der Landstraße Durlach-Wolsarts- Weier mit einem Fuhrwerk zusammen. Der Kö Jahre alte Schleifer Jakob Gerhardt von Au wurde von dem Auto ersaßt und so schwer verletzt, daß er noch am glei- chen Abend verstar b. Mannheim, 14. Okt. (A u t o m ob i l u n s a l l.) Die bekannte Roman- schristftellerin Lisbeth Dill hat gestern einen glücklicherweise noch gut abgelaufenen Automobil- Unfall erlitten. Sie befand sich in Heidelberg und suhr, da sie den letzten Zug nach Mannheim nicht mehr erreichte, mit Rechtsanwalt Dr. Lindeck und Frau im Kraftwagen nach Mannheim. Infolge dichten Nebels suhr der Wagen auf einen Lan'dstvaßenstein und wurde in den Graben geschleudert. Das Auto wurde erheblich beschädigt. Die Insassen erlitten leichte Verletzungen. Ein später an der Unglücksstelle vorbeifahrendes Auto nahm die Verunglückten mit nach Mannheim. — (Z u der Verhaftung des Raubmörders Emil Engelhardt), der den Architekten Sprenger in Kaiserslautern ermordet und beraubt hat, wird noch gemeldet: Der Raubmörder hatte sich nach seiner Flucht zunächst nach Ludwigshafen begeben, wo er sich neue Kleider kaufte. Dann ging er nach Mannheim. Die ab- gelegten alten Kleider, die Blutspuren trugen, gab er in einer Wirtschast ab, wo sie später von der Kriminalpoli- zei gesunden wurden. Der Mörder besuchte noch einige Wirtschaften und legte sich hinter einen Wusch am Paradeplatz schlafen. Hier wurde er von einem Polizei- Hund ausgestöbert. Nach anfänglichem Leugnen hat er ein volles Geständnis abgelegt. Er erklärte, daß er bei seinem Opfer mehr Geld vermutet habe, als ihm in die Hände gefallen ist. Schwetzingen, 14. Okt. (R a ub m o r d v e r s uch.) In der Nähe des sogen. Entenpfuhls aus der Straße Hockenheim—Schwetzingen wurde in der Sonntag-Nacht der Schlosser Emil Wein- brecht von hier, als er sich mit seinem Rad auf dem Heimweg befand, das Opfer eines Raubmordversuchs. Ein Mann vertrat ihm plötzlich den Weg und gab mit dem Rufe „die Sachen her" sechs Schüsse aus einer Pi- stole auf Weinbrecht ab, die ihn in den Hals, in die Brust trafen. Auch 'der Fuß wurde verletzt. Im Graben liegend sah der Uobersallene, wie der Wegelagerer zum zweitenmal die Pistole lud. Geistesgegenwärtig fo, stieg Weinbrecht trotz der Verletzungen sein Rad und ent.l s.'oh. Es gelang ihm bis nach Schwetzingen zu kommen wo er, im Hanse seiner Schwiegereltern angelangt, be-' wuhtlos zusammenbrach. Von dem Täter fehlt bis jetzt jede Spur. Neulutzheim, 14. Okt. (Durch das „F e u e r l e s p l e l e n' zweier Buben) brannte die Scheune des früheren Polizei-' >dieners Kuppinger vollständig nieder. Größere Mengen an Stroh, Heu und Kartosseln wurden Vernichs tet. Das Vieh konnte noch rechtzeitig aus der Stallung gebracht werden. Forbach {Murgtal), 14. Okt. (Ei n schweres A u t o m o b i l u ng l ü ck) ereignete' sich am Sonntag Morgen auf der Straße nach Baiers-! bronn. Der praktische Arzt Dr. Ha h n fuhr mit seinem Freunde im Auto nach Hause zurück, als er am Auer- Steg, offenbar durch den dichten Herbstnebel, geblendet, vom Hauptwege abkam und direkt auf eine Telegraphen, stange auffuhr. Das Auto überschlug sich mehrmals mV die beiden Insassen wurden herausgeschleudert. Mäh,' rend der Freund des Arztes mit geringen Verletzungen davonkam, trug Dr. Hahli ain Steuerrad durch den furcht- baren Anprall schwere innere Verletzungen da- von, die seinen alsbaldigen Tod herbeiführ« t e n. Freiburg, 13. Okt. (A e r z t l i ch e F o r t b i l d u n g s w o ch e.) Vom 20.-25. Oktober wird hier eine ärztliche Fcrtbil- dungswoche über das Grundthema: „Therapie mit besonderer Berücksichtigung der fiskalischen Behandlungsmethoden" stattfinden. Es sind Vorlesungen uiid Uebungen angekündigt von den nainhaftesten Gelehrten der Universität, darunter Dr. Axenseld (Augenheilkunde), Prof. De la Camp (Inner« Medizin), Prof. Dr. Hochc (Psychiatrie), Prof. Lexer (Chirurgie), Prof. Opitz (Frauenheilkunde), Prof. Rost (Hautkrankheiten), Prof. Ziegler (Poliklinisch^ innere Medizin). Tona»esch(ngcn, 14. Okt. (G r o ß b r a n d.) Im benachbarten Vehla brannte am Sonntag abend das Wohn- und Wirtschaftsgebäude des Wirts Joseph Martin zum „Kreuz" innerhalb kurzer Zeit vollständig nieder. Das Oekonomiegebände konnte gerettet werden. Das Feuer entstand durch Kurzschluß. Der Gebäudeschaden wird auf 11 000 Mk., der Fahrnis« schaden auf etwa 8000 Mk. geschätzt. Singen a. H., 14. Oktober. (Glockenweih e.) Trotz der Ungunst der Zeit untj der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse, wurde anfangs des Jahres mit einer Sammlung für neue Glocken (zum Ersatz für die vom Turm der Herz-Jesukirche geholten Kriegsglocken) begonnen. Eine Anzahl Männer hatten sich dem Herrn Kuraten Kaiser in opferwilliger Weise zur Verfügung gestellt. Alle Kreise in hiesiger Stadt (mit wenigen Ausnahmen) waren der Sache gewogen und gaben Geld und Altmetall. Das Resultat war, daß wir heute Glockenweihe hatten, die von Herrn Dekan Scheu (Vehlingen) vorgenommen wurde. Tausend?' von Menschen umsäumten den weiten Kirchenplatz und umliegende Straßen. Nach einem „Veni creator" seitens des Kirchenchors hielt Herr Geistl. Rat Ruf die Fest- predigt über die Bedeutung der Glocken. Die dem Ernst der Zeit angepaßte Predigt machte sichtlich großen Ein- druck. Während des Weiheaktes spielte die Stadtkapelle passende Weisen, während der Kirchenchor mit dem kath. Männerchor „Concordia" erhebende Gesänge vortrugen.^' Mit dem Lied „Großer Gott, wir loben dich" endete die herrliche Feier. Mögen auch die Bitten und Wünsche des Festpredigers auf Frieden in der Welt und Ausbrei» tung der Kirche in Erfüllung gehen. Die drei Glocken wurden von der Firma Benjamin Grüninger in Villinger! geliefert in e, gis, h. — (M i t der Erweiterung des hiesigen Bahnhofs) durch Erstellung eineS neuen Güterbahnhofs in Richtung Radolfzell ist eg ernst geworden. Als erstes kommt eine Unterführung für Personen- und Fuhrverkehr in Arbeit, und zwar im Zuge der Langestraße. Die Arbeiten hierzu haben gute Fortschritte gemacht. —!c. Der Briefträger besucht in den nächsten Tagen die Postabonnen- ten und legt die Quittung vor für den Monat November im Betrage von M. 2.30 und 45 Pfg. Bestellgeld. ^Wix bitten unsere geschätz- ten Postabonncnten, die Postquittung vor dem 25. Oktober einzulösen, da nach diesem Termin eine Verzugsgebühr von 30 Psg. durch die Post erhoben und die rechtzeitige Zustellung des Badischen Beobachters gefährdet wird. Der Verlag. 29) Cs fiel ein Reif. Original-Roman von Henriette Brey. Was nun? Wo Arbeit suchen? Müden Schrittes ging er durch den Regen. Ein Schwärm Krähen stob neben ihin aus, mit Heise- rem Krächzen. Der Regen war jetzt untesrmisW mit großen Schneeflocken, die sofort auf der nassen Erde zergingen. Irgend eine Erinnerung wehte ihn an — ein bö- fts, böses Wort. Er grübelte die Worte zusam-- men. Der Lehrer Jngenpoort in der Besserungsan- stalt hatte einmal einn Buch auf der Parkbank lie» gen lassen, das Lorenz fand. „Nietzsche" stand da- rauf. Er hatte darin geblättert. Unverständliches Zeug. Aber ein Vers sprang ihm in die Au- gen . . . Der fiel ihm jetzt ein: „Die Krähen schreien Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt. Bald wird es schneien — \ 1 Weh dem, der keine Heimat hat!" Der keine Heimat hat . . . Er nickte vor sich hin. Wie ein vom Baum losgerissenes Blatt binausge« wirbelt ... . i \ Da blieb er plötzlich stehen und schlug sich vor die Stirn. Wie hatte er das nur veraessen können? Der Geistliche wollte ihm doch eine Stelle besorgen I Er hatte es ihm dieser Tage noch in Aussicht ge-, stellt, ihm auch einen Empfehlungsbrief einge- "händigt. Bei einem ihm befreundeten Fabrikanten in der etliche Stunden entfernten Kreisstadt wollte Pfarrer Hofstetter ihn unterbringen. Vielleicht konnte La- /Fnz eine Stelle als Lagerarbeiter in dessen Seifensiederei bekommen. Der menschenfreundliche Fabrikant hatte mehrmals aus seines Freundes Bitte hin einen entlassenen Sträfling eingestellt, trotz mehr- facher Enttäuschungen. Auch für Graf hatte der Pfarrer sich verwandt. Es war gar kein Zweifel, daß sein Freund diese Bitte erfüllen würde. Lo-i renz solle nur sofort nach Kotthausen gehen und den Brief abgeben. Nun, er konnte es ja versuchen. Es war ja gleich- gültig, wohin er zuerst ging. Wenn er nur bald» eine Unterkunft bekäme! Der Winter konnte noch lange dauern. Vor dem Stadttor am Kreuzungspunkt der Land- straße stand ein Wegweiser. Einer der Arme zeigte nach Rotthausen. Die Richtung schlug Lorenz Gras ein. Wenn ihm ein Mensch begegnete, zog er den Hut tiefer in die Stirn und schritt hastiger aus. Ob ihm nicht jeder ansah, woher er kam? Das unsichtbare Brandmall? Bald tauchte eine verwahrloste Fu.h'rmannsher- berge auf. Lorenz war hungrig und bis auf dija Knochen durchnäßt. In ein ordentliches Haus hi- neinzugehen getraute er sich nicht. Aber in dieser herabgekommenen Kneipe erhielt er anstandslos Brot und Schnaps. Der unsaubere Wirt musterte ihn nur scharf und blinzelte mit den verschwömme- nen Aeuglein. „Aber erst zahlen, Freundchen! Seid wohl einer von da drüben, was? Kenn' mich da an den Ge- sichtern aus." Er setzte sich zu ihm und fragte mit plumper Ver. traulichkeit: „Na, was hat's denn gegeben? Einen netten kleinen Einbruch, he? Oder was mit dem Messer gekitzelt? Oder bloß 'n bißchen Feuerchen gespielt?" Lorenz ballte die Fäuste. Wnto kochte ßmpor. Heiser zischte er: „Was geht's Euch an? „Wenn ich nur mein' Sach' bezahl! Nehmt Eure Zunge in Acht, sonst. . ." „Sachte, sachte, Freundchen," begütigte der Wirt. „Js nicht so schlimm gemeint. Ich Hab gute Kun- den von da drüben. Kehren fast alle bei mir ein. wenn sie aus'm Kasten kommen. Und verschwiegen bin ich auch." Er kniffe vielsagend ein Auge ein. Hastig schlang der Gast die Bissen hinunter, warf die Bezahlung auf den Tisch und stürzte hinaus. Zähneknirschend ging er weiter. Heftig ging feine Brust. [ Also so weit war's schon! Man sah ibm schon von weitem den Verbrecher an. den Schandfleck der menschlichen Gesellschaft. Ja— was halfen ihm da die himmelguten Vor- sätze, wenn er auch wirklich noch versuchen wollte, sich zu einem neuen Leben ausraffen, wie der gute Wstor Hofstetter so inständig ihn gcheten hatte! Lohnte es sich? Der Anfang war vielverheißend. Finster brütend ging er dahin. Stunde um Stunde. Es war längst Mittagszeit, als! er die! Stadt erreichte. Todmüde war er von dem langen Weg. Er war des Gehens seit Jähren entwöhnt! Gpnz schwach vor Hunger. > Lange lief er umher, bis er ein einfaches Gast- haus fand Aber der Wirt trat ihm aus ders Schivelle breitspurig entgegen und sagte grob: ,,^ort da? Bettlern wird an der Tür nix gegeben'" „sch will ja gar nicht betteln! Ich hob Geld und mocht gern was essen." „Dann geht anderswohin. Dies ist keine Her. berge für Landstreicher!" Und er schlug dem armen Menschen d,e Tür vor der Nase zu. Lorenz war zu elend, um aufzubrausen Er lehnte nur einen Augenblick müde den Kopf gegen die Mauer. Dann hieß es weitergehen. Der Regen goß jetzt in Strömen. Es schien ein dauerhafter Landregen zii werden. Wenn er doch ein Obdach hätte! Nach langem Suchen und Warten stand er end< lich mit seineni Empfehlungsschreiben im Kontor der Firma Hellborn. Doch der Mut entsank ihm; nicht dem edeldenkenden alten Herrn sah er sich genüber, _ sondern seinen Sohn, einem jungen Mann mit hochmütigem Gesicht und kalten, scharfett Augen. Nein, von diesem jungen Herrn hatte eH nichts zu hoffen. Das fühlte er augenblicklich. Schüchtern brachte er sein Anliegen vor. Mit spitzen Fingern nahm der sunae Hellborn d en Brief des Pfarrers an, ohne zunächst den Bitt- steller eines Wortes zu würdigen. Unwirsch wa^ er nach dem Lesen das Schreiben aus den Tisch und sagte spöttisch zu dem neben ihm stehenden Buchhal- ter: „Dacht' ich's doch! Wieder so'n sauberer Schützling des Zuchthauspastors von Merfeld, den! er Papa aufhalsen will! Na, daraus wird nichts! Gut, daß Papa gerade verreist ist. Der ist dun? seine Erfahrungen noch immer nicht gewitzigt . • • <3cl)t euch gefälligst anderswo nach Arbeit um!, wandte er sich schroff an den jungen Menschen, der erbleichend zugehört hatte. „Für entlassene Zucht' hausler ist hier kein Platz. Unsaubere Element dulde ich nicht bei unseren Arbeitern!" , Lorenz knüllte mit zitternden Händen seinen Hur zusammen. Schwarze und rote Punkte tanzten vor semen Augen. Erschöpft lehnte er sich aeaen M Tur. Das Wasser troff ihm aus den Kleidern. Unter feinen Füßen bildete sich eine schmutzt Lache. ; — Fortsetzung folgt. stesgegenwärtia htm sein Rad und ent.l hingen zu kommen ^ ern angelangt, be-^ -ater fehlt bis je^ lelen zweier Z früheren Polizei, i, eder. Größere ln wurden Vernichs ^ aus der Stallung nglück) ereignete^ traße nach Baiers.! n fuhr mit seinem! . als er am Auer- cbstnebel geblendet, eine Telegraphen, sich mehrmals und geschleudert. Mh- ingen Verletzungen ad durch den furcht- rletzungen da. d herbeiführ« zswoche.) Vom ärztliche Fortbil- :: „Therapie mit kcilischzn BeHand- sind Vorlesungen den namhaftesten ter Dr. Axenfeld mp (Inner« Me- rie), Prof. Lexer iheilkunde), Prof. jlcr (Poliklinische en Vehla brannte Wirtschaftsgebäude z" innerhalb kurzer ziniegebäude konnte d durch Kurzschluß Mk., der Fahrni! igunst der Zeit un lisse. wurde ansang neue Glocken (zum 'Jesukirche geholten ihl Männer hatten opferwilliger Weise in hiesiger Stadt >er Sache gewogen Resultat war, daß von Herrn Dekan wurde. 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Der ist durch lcht gewitzigt . •; ach Arbeit um. en Menschen, deö entlassene ZuK' saubere Element tern!" . . änden seinen Hur unkte tanzten vo? >r sick aeaen oiq is den Kleidern, i eine schmutzig Mittwoch, den 15. Oktober 1924 Seite 3 Die politischen Parteien in Ken batifchen Städten mit über toooo Einwohnern. Von Professor Dr. Hans P fe i f fe r - Meßkirch. Das politische Leben ist in i>en Städten aufgeschlossener. Die Stadtbevölkerung politisch lebhafter, beweglicher. Dafür tritt allerdings der mehr konservative Charakter, wie er den kleineren Gemeinwesen, nicht zu ihrem Schaden eigen, etwas zurück Es ist eben die Stadtbevölkerung nicht mehr so stark mit der betreffenden Stadt verwurzelt, wie in den ländlichen Gemeinwesen das der Fall ist. Der fluktuierende Teil der Bevölkerung gibt immer mehr öen Städten das Gepräge. Das zeigt sich auch im politischen Leben, da die zersetzenden Elemente im Parteigetriebe in den Städten eher Boden zu fassen vermögen als in dm kleineren Gemeinden. Des weiteren ändert sich die parteipolitische Struktur einer größeren Stadt viel leichter entsprechend dem ewigen Kommen und Gehen der Stadtbevölkerung. Daher geben statistische Betrachtungen über die par- politischen Verhältnisse in den Städten gewissermaßen nur einen stark zeitbedingten Querschnitt. Doch lassen sich auch gewisse Strömungen erkennen. Al- lerdings wird die Zeit erst ergeben, ob solche Strö- mungen geradlinig und damit charakteristisch, oder ob sie nur zufällig, Ausdruck einer Stimmung. Nach diesen Vorbemerkungen seien im folgenden einmal die parteipolitischen Verhältnisse in den Städten Badens mit mehr als 10 000 Einwohnern auf Grund der amtlichen Ergebnisse der Reichs- tagswahlen vom 4. Mai 1924. einer stati- stischen Untersuchung unterzogen. Wir haben in Baden 16 Städte mit mehr als 10000 Einwohnern. Die kleinste unter ihnen ist Singen mit 10,559 Einwohnern nach der letzten Volkszählung vom 8. Ok- tober 1919. Die größte Stadt ist Mannheim mit damals 229 877 Einwohnern. Keine der politischen Parteien hat in irgend einer der 16 Städte die absolute Mehrheit zu errin- gen vermocht. Die relativ stärkste Partei ist das Zentrum in 9 von den 16 Städten. Es sind dies: Offenburg mit 43 Prozent Zentrumsstimmen unter allen ab- gegebenen der Bevölkerung sind latholisih Bon je ICO Bon je 100 Relativ Stidt der fliUHi.eu katholischen stiirkste Partei Simulien erhielt da? Zentrum Stimmen wiulien Zentrum Singen 83,5 36.8 44,1 Zentrum Villingen 79.9 40,6 50,8 Zentrum Konstanz 75,5 39,1 51,8 Zentrum Offenburg 74.1 43,3 58,4 Zentrum Baden 72,6 . 29,8 41,0 Zentrum Rastatt 69,1 25,9 37,5 Zentrum Freiburg 69,0 34,5 50,0 Zentrum Bruchsal 66,7 41,9 62,8 Zentrum Karlsruhe 45,9 20,2 44,1 Zentrum Lörrach 43,4 24,9 57,4 Kommun. Mannheim 43,1 15,2 35,3 Soziald. Mannheim 43,1 24,9 57,4 Soziald. Lahr 40,1 16,1 40,1 Kommun. Heidelberg 33,4 15,6 46,7 Soziald. Weinheim 25,0 10,4 41,6 Kommun. Durlach 23,0 8,8 38,8 Soziald. Pforzheim 19.3 7.3 37,8 Deutfchn. Volksp. Diese Tabelle ist für den, der zu lesen versteht, außerordentlich vielsagend. Hier sei nur noch kurz auf einiges hingewiesen. Deutlich prägt sich die Parallelität zwischen der Stärke des Zentrums und des jeweiligen Prozentsatzes Katholiken in den be- treffenden Städten aus. Man vergleiche nur die erste und zweite Reihe der Tabelle. Des weiteren sehen wir. daß die Städte, in welchen das Zentrum die relativ stärkste Partei ist, solche Städte sind, die eine katholische Mehrheit haben. Karlsruhe ist die einzige Stadt mit katholischer Minderheit, in der das Zentrum Spitzenpartei ist. Der Vorsprung des Zen- trums gegenüber andern Parteien ist in den Städten mit katholischer Mehrheit durchweg ganz bedeutend. So ist das Zentrum in den Städten Konstanz drei- mal, in Bruchsal über dreimal, in Freiburg und Vil- lingen zweieinhalbmal. in Ossenburg und Singen über zweimal und nur in Baden und Rastatt weniger als zweimal, aber über eineinhalbmal so stark als die jeweils nachfolgende Partei. Noch sei erwähnt, was in der Tabelle allerdings nicht ersichtlich ist, daß in den Städten Lörrach, Mannheim, Heidelberg, allwo die Marxisten die Spitze innehaben, das Zentrum die stärkste nicht- marxistische Partei ist. In Lahr haben die Demo- kraten nur einen Vorsprung von 63 Stimmen, sonst wäre auch dort das Zentrum die stärkste nichtmarxi- stische Partei. Erst in den Städten, in denen der Anteil der Katholiken 25 und weniger Prozent be- trägt, also in den vorwiegend protestantischen Städten, rangiert das Zentrum an der 4. bis 6. Stelle Unter den Parteien. Endlich aber zeigt die Tabelle noch etwas, auf das ich besonders die Aufmerksamkeit lenken möchte, nämlich inwieweit die katholischen Stimmen sich zum Zentrum bekannt haben. Es haben 50 und mehr Prozent katholische Stim- men sich zum Zentrum bekannt in 6 Städten; 40 bis 50 Prozent in weiteren 6 Städten und 30 bis 40 Prozent in den restlichen 4 Städten. Nirgends ging der Prozentsatz unter 33 Prozent herab, denn die niederste Prozentzahl ist 35,3 Prozent, und zwar in Mannheim. An der Spitze marschiert Bruchsal mit 62,8 Prozent, worauf die dortigen Zentrumsleute besonders stolz sein dürfen. Bei Rastatt fällt der niedere Prozentsatz — 37,5 — auf. Es wäre nachzuprüfen, ob durch den Wegfall der Garnison der Anteil der Katholiken sich wesentlich verändert hat zu Ungunsten der Katholiken. Wäre das nicht der Fall, dann müßte das Ergebnis in Rastatt etwas befremden. Die Rubrik mit den Anteilziffern katholischer Stimmen für das Zentrum zeigt mit aller wünschenswerten Deutlichkeit, wo Reserven vorhanden, wo noch mächtig die Position gebessert und gefestigt werden kann. So erfreulich im allgemeinen der statistische Aus- flug durch die badischen Städte mit über 10 000 Ein- wohnern für das Zentrum sich erwies, zeigte er doch gerade in der Tabelle, daß rasten, rosten wäre, daß noch gar viele Katholiken außerhalb unserer Reihen stehen. Seien wir uns klar, daß eine Kulturkampfwelle über Europa hinweggeht — siehe Tschechoslowakei, Frankreich —, daß auch bei uns diese Welle ange- schlagen hat, daß eine Zeit kommen wird, da die Frage für uns Katholiken brennend wird. Sind wir dann nicht gerüstet, stehen wir nicht in fester, ge- schlossener Formation da, dann wird es böse Wunden geben. ( 5 ) Kirchliche Nachrichten. Erste badische Priester-Missionskonferenz. Es gehört zum Missionsprogramm der beiden letzten Päpste, Benedikt XV. und Pius XI., den Klerus erheblich stärker als früher für die Missionsprobleme zu inter- essieren. So entstand die Unio cleri pro missionibus, die schon heute 105 000 Priester umfaßt, unter ihnen auch 20 000 deutsch sprechende Priester. Die Arbeitsweise der Unio cleri besteht in der Abhaltung von Priester-Missions- konferenzen. Nach Anweisung Roms sollen diese Kon- ferenzen in jeder Diözese jährlich wenigstens einmal statt- finden. Zum erstenmal trat im Erzbistum Freiburg am 13. Oktober in Karlsruhe eine Priester-Missionskonferenz zusammen, die der Diözesanvorsitzende, Konviktsdirektor Dr. Reinhard (Freiburg), leitete. Er konnte mitteilen, daß der größte Teil des badischen Klerus der Unio cleri beigetreten sei. Im «ersten Referat des Tages gab Gene- ralse?retär Dr. Pater Louis (Aachen) einen Ueberblick über die gegenwärtige Lage des deutschen kathol. Mis- sionswerkes, wobei er einen Ueberblick über die glänzende Missionsentwicklung vor dem Kriege gab. In 40 Jahren waren Deutschlands Katholiken an die 2, Stelle unter den missionierenden Völkern der Erde gerückt. Der Krieg zerstörte einen großen Teil der deutschen Missions- kraft; die Kolonialmissionen gingen uns vollständig ver- loren. Trotzdem ging die Entwicklung auch "nach dem Kriege weiter, dank der Fürsorge der beiden letzten Päpste, die die deutsche bewährte Missionskraft nicht ent- behren wollten. So ist die merkwürdige Tatsache zu ver- stehen, daß die deutschen Katholiken heute mehr Missionen, mehr Missionsgebiete und mehr Missionsbischöfe besitzen als vor dem Kriege. Trefer noch führte das zweite Re- ferat in das Missionsleben ein. Pater V ä t h S. I. be- richtete über die Heranbildung eines einheimischen Klerus in den Missionen, eines der brennendsten Missionspro- bleme der Kirche. Der Redner ging die beträchtlichen Schwierigkeiten durch, die dieser Frage aeaenüberl^« und zeigte den gegenwärtigen St^d°des °ewheimL Diskussionen.^ « «"WS * Freiburg. 13 Okt. Die theologische Fakultät ha» dem Herrn Prälaten F. G. Holweck. Pfarrer an de! Kirche zum hl. Franz von Sales in St. Louis ehrem halber die Wurde eines Dr. der Theologie verlieben Pralat Dr. Holweck ,st aus Mingolsheim (Amt Bruchsal! geburtigt. Neben der Seelsorge widmete er sich mrnionS. und liturgiegeschichtlichen Aufgaben. " ^ -( 5 )- Aus dem sozialen Leben. ^e Zlrbeitsmarktlage in Baden ist in der bergan» genen Woche im allgemeinen stabil geblieben. Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger ist um rund 260 ge. ®6mer!eri§tt)ert ist u. a., daß im Eberbacher Bezirk samtliche Steinbruche im Betrieb sind. Im Tabak- gemerbe des Wieslocher Bezirks finden zahlreiche Neuein- stellungen von Arbeitskräften statt. Auch das Verviel- faltigungsgewerbe war vielfach für neue Arbeitskräfte aufnahmefähig. In der Metallindustrie ist die Geschäfts- läge noch ungleich. Die ungünstige Geschäftslage für kaufmännische, technische und Büroaugestellte hat sich teil- weise noch etwas verschlechtert. Härtenausgleich in der KriegSveschädigten -Berord- nuvg. Wie wir erfahren, hat der Reichsfinanzminister Zusatzrichtlinien zum Ausgleich von Härten der Kriegs- schadenverordnung erlassen. Diejenigen Geschädigten, denen seit dem 1. Juli 1823 als Entschädigung Papier- markbeträge bar oder in verzinslichen Schatzanweisungen des Deutschen Reiches mit einer Laufzeit von einem Jahr und Saruuter uicht innerhalb von zwei Wochen nach cechtswirksamer Bewilligung zur Verfügung gestellt worden sind, erhalten unter bestimmten Voraussetzungen eine Beihilfe, die den Verhältnissen angepaßt wird. Der Antrag für solche Beihilfen ist an das Reichsentschädi- gungsamt für.Kriegsschndeu, Berlin, Oraniensiraße 106, zu richten. ? ( 5 ) Gewerkschaftliches. Antrag auf Erhöhung der Bezüge für die Arbettnehmer öffentlicher Betriebe. Der Zentralvevband der Arbeitnehmer öffentlicher Betriebe und Verwaltungen, Bezirk Karlsruhe, unter- breitete der badifchen Staatsregierung einen Antrag, in welchem die Staaisregierung ersucht wird, in nachdrück- lichster Form auf die Reichsregierung einzuwirken, mit sofortiger Wirrung die Bezüge der Arbeiter. Angestellten und Beamten durchgreifend zu erhöhen. Begründet wird der Antrag damit, daß den Maßnahmen der Reichsregie- rung zum Zwecke einer allgemeinen Preissenkung ein Erfolg nicht beschieden war, vielmehr die Lebenshaltungs- kosten eive unerträgliche weitere Steigerung erfahren haben. ( * ) . Spiel unö Spsrt. Deut/che ^ugenökraft. D.I.K. Mühlburg I — D.I.K. Oos I 5:0 (1 :0), Ecken 9:2. Auf dem Sportplatz der D.J.K. Mühlburg trafen sich obige Mannschaften zum Verbandsspiel. Oos ist Mühl- bürg körperlich etwas überlegen. Weich vonr Beginn an entwickelt sich ein lebhaftes Spiel, kann aber vorerst an den beiderseits guten Verteidigungen kein Tor erzielt werden. In der 35. Minute kommt Hasenstab gut durch, den scharf geschossenen Ball wehrt der Torwächter Dos schlecht ab, der Nachschuß wird zum 1. Tor verwandelt. 1:0 für Mühlburg. Bis Halbzeit kann auf beiden Seiten kein Tor mehr erzielt werden. Halbzeit 1:0 für Mühl- bürg. Eine Minute nach Halbzeit unternimmt Mühlburg einen schönen Angriff, kommt in schöner Kombination vor das Tor Oos, Müller I. legt den Ball dem Linksinnen Gelb schön und geschickt durch, der durch Prachtschuß das 2. Tor bucht, sieben Minuten später erhält Gelb von Ha- senstab eine weitere schöne Vorlage und schon sitzt das Leder zum 3. Mal im Tor. 3:0 für Mühlburg. Nun folgt Zeitweise etwas scharfes Spiel, blieb aber in den Grenzen des Erlaubten. In der 42. Minute spielt sich Müller schön frei, kommt durch und schießt unhaltbar das 4. Tor. Gleich darnach erzielt Hasenstab durch Einzellei- stung das 5. Tor. Beim Stande 5:0 für Mühlburg be- endete der Schiedsrichter das interessante Spiel. H. Weber Augustin leitete das Treffen zur Zufriedenheit. Mühlburg II. — Oos IL 1:1 (0:0). Vorher spielten die 2. Mannschaften. Beide Mann- schaffen lieferten ein zerfahrenes Spiel, bei etwas mehr Ruhe und Zusammenspiel dürften beide Mannschaften eine gute Spielstärke erreichen. Während Oos ein mehr ausgeglichenes Spiel zeigte, war bei Mühlburg der Sturm das schwächste im Zusammenspiel. Bei twas mehr Ver- ständnis und Schuß aufs Tor wären die vielen Chancen ausgenützt worden, dann hätte Mühlburg das Treffen für sich entscheiden müssen. Das Spiel endete unentschieden 1:1. Schiedsrichter Hasenstab-Mühlburg war gut. Mühlburg Schüler — Mittelstadt II 0:5 (0:0). Nach dem Spiel der 1. Mannschaften folgte obiges Treffen. Es war ein interessantes Bild zweier Mann- schasten. Während Mühlburgs Schüler klein waren, sind Mittelstadts Spieler körperlich weit überlegen. Es war eine Freude, zu sehen, wie sich die Schüler Mühlburgs hielten und das Spiel bis Halbzeit 0:0 stellten. Nach Halbzeit kann Mittelstadt durch besseres Tempo und Zu- sammenspiel das Resultat auf 5:0 stellen. Mit dem Stande 5:0 für Mittelstadt beendete der Schiedsrichter Gläser-Mühlburg das interessante Spiel. Die Resultate der Verbandsspiele vom letzten Sonntag: Mittelstadt I — Darlanden I 3:0. Ersingen I — Baden-West I 3:4. Ersingen II — Baden-West II 3:5. Mühlburg I — Oos I 5:0. Mühlburg II — Oos II 1:1. . Malsch I — Forchheim II 1:2 (Freundschaftsspiel). Mühlburg Schüler — Mittelstadt II 0:5. Pforzheim I — Südstadt I 2:3. Pforzheim II — Südstadt II 0:1. . Ersingen III — Baden West III 2:2 (Freund. schastsspiel). Stand der Verbandsspiele Klasse A. 1. Mannschaften. 1. Bezirk, reine Baden-West Daxlanden Mittelstadt Ersingen Bruchsal Mühlburg Pforzheim Südstadt Forchheim Oos Spiele 2 4 1 2 1 2 3 2 1 2 Gew. ilisch. XSerL 2 — — 2 2 — 2 — — — 2 — — 1 — 2. Bezirk. 2 — — 2 1 — 1 1 — — 1 — r-, 2 — Tore 7 : 4 6 : 7 3:0 4 :7 0 :2 9 :0 10 :6 3:6 4 :5 0 :8 punft« 7 « 9 0 0 4 4 2 0 0 Eeite 4 Mittwoch, den 15. Oktober 1924 Handel und Volksroirtfchaff. - Börsenbericht. Berlin, 14. Okt. Die sich nun endlich vollziehende Zeichnung der Reparationsanleihe wirkt auch auf die Börse zurück. Das heutige Börsengeschäft setzte auf dem Anleihemarkt wesentlich lebhafter ein. Die Tendenz war bemerkenswert fest. Ganz besonders gross war das Interesse für die Anleihen der Länder, vor allem für preussische Kon- sols. Man handelte gegen Mittag Kriegsanleihe mit 550, Zwangsanleihe mit 11.75, 3%prozentige preussische Konsols mit 1045, Schutzgebiete mit 6%, 23er K .-Schätze mit 180 Mill. Prozent. Am Markt der Industriepapiere nahm das Geschäft noch keinen grossen Umfang an, doch war auch hier eine festere Tendenz unverkennbar. Man hofft, dass die Industrie in naher Zukunft wieder über grössere flüssige Mittel verfügen werde, da nach dem Zustandekommen der Reparationsanleihe die Wege für private Kredite aus dem Auslande geebnet sind. Es zeigt sich auch ausländisches Interesse für deutsche Industriepapiere. An der Börse glaubt man, dass die Käufe für fremde Rechnung in den nächsten Wochen einen grösseren Umfang annehmen werden. Auch das Fortschreiten der Goldmarkumstellungen der Aktiengesellschaften übt einen günstigen Ein- fluss auf die Unternehmungslust der Bör^ aus. Besonders lebhaft war das Geschäft heute in Hochbahnaktien und in Montanwerten. — Am Geldmarkt ist die Lage unverändert, d. h. tägliches Geld ist mit % pro Mille ziemlich leicht zu haben. Allerdings kommen Abschlüsse auf längere Sicht vorläufig noch nicht in Betracht. Am Devisenmarkt Ist die Situation unverändert. Die Kursveränderung am Montanmarkt war nicht bedeutend, es überwogen leichte Steigerungen. Berlin, 14. Okt. Die hEQtigen Davlsenrofier-ingen stellen sich wie folgt: Amsterdam Buen.-Aires Brüssel Christian!» Kopenhagen Stockholm HeLsingfors Italien London New-York P»ris Schweiz Spanien Lissabon Japan Bio de Jan. Wien Prag Jngoslavien Budapest Sofia Danzig 13 Celd »4.29 1.52 50. 0 ?9.95 73.81 111.62 10.57 1840 18.84 4.19 22.16 80.^0 55.21 1 .63 0.47 5.93 12 52 6.09 549 3.C9 74.55 Okt. Brief 165.11 1 53 20.40 60.25 74 19 112 13 10.63 18.5.0 18.93 4.21 22 28 80.80 56.49 ! .64 0 48 5.fc6 12.58 6.12 5.51 3.11 75.73 14. Okt. Geld 164.74 1.52 20 19 59.65 73.42 111.47 10.55 18 32 18.83 4.19 2199 80.30 56.16 K63 0.47 5.92 !•'.« 5.99 5.48 3.07 75.31 Brk f 165.'. 6 1 3 20.9 5S!>s 73.78 1 üi 3 10.61 18 42 18.92 4.21 22.11 N). 0 56.44 L64 0.48 5.95 12.54 6.02 5.50 509 75.69 Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung und Bekleidung) beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für Mittwoch, den 8. Oktober, auf das 8,21 fache in Papiermark x,2i billionenfache der Vorkriegszeit. Gegenüber der Vorwoche 1,19) ist demnach eine Steigerung von 1,7 Prozent zu verzeichnen, die durch die Erhöhung der Ernährungskosten hervorgerufen ist. Badische Zurücksetzung im Reichskursbuch. In dem von amtlichen Berliner Stellen bearbeiteten deutschen Reichskursbuch (Ausgabe von Anfang Oktober 1924) ist in der Zusammenstellung der wichtigen deutschen Reichsverbindungen die Strecke Frankfurt-Basel (Rheintallinie) vollständig weggelassen. Es wird lediglich ein einziges Zugspaar Haag-Basel genannt und dadurch der Eindruck erweckt, dass zwischen Frankfurt und Basel lediglich eine einzige Schnellzugsverbindung bestehe. Das ist ein schlagender Beweis dafür, wie wenig man für die Rheintallinie in Berlin übrig hat. Die zuständigen badischen Stellen mögen mit Nachdruck dafür sorgen, dass sich eine solche Unterlassungssünde nicht mehr wiederholt. Völlige Freigabe der Verbrauchszucker-Ausfuhr. Die Ausfuhr von Verbrauchszucker ist nunmehr völlig freigegeben. Dagegen bleibt für Rohzucker die Kontingentierung der Ausfuhr in der im Frühjahr den Fabriken durch Rundschreiben des Ausfuhr-Ausschusses bekanntgegebenen Höhe bestehen. Von den aus der Zuckerernte 1923/24 zur Ausfuhr freigegebenen Mengen sind Bestände, die auf annähernd eine Million Doppelzentner zu schätzen sind, nicht ausgeführt worden. Die Ausfuhr betrug rund 2,2 Millionen Doppelzentner, hauptsächlich Kristallzucker. Starke Abnahme der deutschen Zuk- kereinfuhr. Die Einfuhr von Zucker in Deutschland hat, nach den soeben herausgekommenen amtlichen Nachweisen im ganzen verflossenen Betriebsjahre 1923/24 nur den Umfang von rund 126600 Zentner erreicht gehabt, gegen 1187300 Zentner im Betriebsjahre 1922/23. Der Auflösungsprozeß der Inflationsgesellschaften. Seit dem 1. Dezember 1923 bis zum 1. Oktober 1924 sind insgesamt 687 Inflations-Aktiengesellschaften infolge Konkurses der Liquidation aufgelöst worden. Der Auf- lösungsprozess der Inflationsgesellschaften ist damit aber noch nicht beendet. Die Zusammenlegung bei der Landwirtschaftlichen Verwaltungs- und F i n a n z i e r u n g s - A. - G. Freiburg. Die ordentliche Hauptversammlung beschloss, das Kapital von 250 Mill. PM. auf 500000 GM. zusammenzulegen. Zellstoff-Fabrik Waldhof-Mannheim. Der estländische Wirtschaftsminister steht im Begriffe, die Genehmigung zur Einberufung einer Generalversammlung des Pernauer-Werkes der Zellstoff-Fabrik WfrJdbof-Mannheim zu erteilen. Danach scheint Aussicht vorhanden zu sein, dass das Werk Waldhof bei Pernau in Estland wieder eröffnet werden kann. Allerdings scheint der Staat noch Bürgschaften zu verlangen, dass die Fabrik bis in spätestens 3 Jahren wieder instand gesetzt ist. M ayeru.Fuchs A.-G. in Pforzheim. Die im Juni v. J. mit 12 Mill. PM. gegründete Gesellschaft veröffentlicht jetzt ihre GM.-Eröffnungsbilanz, die an Dürftigkeit der Angaben wohl nicht zu überbieten ist. Die sechs Posten sind: Kasse, Bank, Wechsel, Schuldner 36 341, Edelmetalle, Warenlager 29671, Haus-, Fabrik- und Büroeinrichtung 47 350, Kapital 60000, Rücklage 11 070, Gläubiger 43 291 Goldmark. Die Umstellung der Scholl A.-G. i n Pforzheim. Die Hauptversammlung genehmigte den gewinnlosen P.M.-Abschluss sowie die G.M.-Bilanz auf 30. Juni 1924. Darnach wird das P.M.-Kapital von 30 Milliarden auf 400 000 GM. 20 Mark Aktien herabgesetzt. Was das Kraftwerk Laufenburg anbetrifft, so konnte die bereits schon früher festgestellte allmähliche Besserung der Geschäftsverhältnisse sich auch im Jahre 1923 behaupten, wenn auch die Strom- abgäbe einen leichten Rückgang zu verzeichnen hatte. Die Strompreise konnten den erhöhten Produktionskosten und den veränderten Valutaverhält- nissen angepasst werden. — Kraftübertragungswerk Rheinfelde n. Infolge der guten Wasserverhältnisse des Rheins erfolgte die Stromerzeugung im Jahre 1923 unter günstigen Bedingungen und unter nur geringer Zuhilfenahme des Dampfwerkes Wyhlen. Zur Versorgung verschiedener Industrien und für den eigenen Bedarf hat sich das Unternehmen zum Bezug von schweizerischem Strom entschlossen, womit einer ferneren Entwicklung des Stromabsatzes vorgearbeitet wurde. Die veralteten und unwirtschaftlichen Einrichtungen des Dampfwerkes Rheinfelden sind abgebrochen und verkauft worden. Das Unternehmen hat am I. Jan. 1924 als eine der ersten deutschen Gesellschaften eine Goldbilanz aufgestellt, aus der sich ergab, dass das Aktienkapital unverändert geblieben ist und das Obligationskapital um 1 336 500 GM. vermindert worden ist. Eine Dividende wurde für 1923 nicht ausgeschüttet; diese kommt voraussichtlich für '1924? wieder in Frage. Die Zweibrücker Herbstmesse hatte einen ungeahnten Rekordbesuch zu verzeichnen. In unübersehbaren Massen strömten die Fremden aus der ganzen Pfalz, dem Saärgebiet, Unterbaden und Hessen in die Stadt. Die Messekassen mussten fünf 12000 G.-M. | 5000 G-M. zus. "«fÄ 6 000 G.-M. 1 HauPt- G,winn wwuu Z Porto u. Liste 25 Pfennig, sowie QrtÄfiripfl» 1 M., sofortiger Gew - E «t- scheid, stets vorrätig, bei I. Stürmer, MmmHeim Lotterie-Unternehmer O 7, 11. u. alle» Losverkäufern. Mal geschlossen werden, da der Aufenthalt in den Messeräumen infolge des Gedränges direkt lebensgefährlich war. Die Lage der Brauindustrie. Der Schutzverband der Brauindustrie hielt in Goslar kürzlich eine Tagung. Für die am 1. Oktober ablaufende Zulassung der Verwendung von Reis und Mais zur Bierherstellung wurde eine Uebergangs- frist gefordert. Das Reichsministerium schien anfänglich den Wünschen einer Brauindustrie in dieser Beziehung Rechnung zu tragen. Schliesslich gewannen aber formal juristische Bedenken die Oberhand, Was den Gerstenpreis angeht, so steht dieser mit zurzeit 12 bis 13 Mark pro Zentner einem Friedenspreis von sechs Mark gegenüber, beträgt also mehr als das Doppelte. Bleibt dieser Preis oder geht er sogar noch weiter in die Höhe, so wird auf die Dauer der gegenwärtige Bierpreis, dessen Nichterhöhung doch sehr wünschenswert ist, sich kaum halten lassen. Zu begrüssen sei, dass das aus der Zwangswirtschaft her noch bestehende Starkbierverbot, wie inzwischen schon bekanntgegeben, nunmehr mit dem 1. Januar 1925 gefallen ist. Die regelmässig mit dem 30. Aug. bezw. 30. September schließenden Brauereigeschäftsjahre dürften eine gewisse Rückkehr zu normalen Verhältnissen aufweisen. Sollte das neue Jahr zu einer Neuregelung der Biersteuer führen, so dürfte auch die Frage der Kontingentierung als einer aus der Kriegswirtschaft noch herrührenden Einrichtung jedenfalls zur Erörterung gestellt werden. Die Aussichten über die Zweckmässigkeit der Beibehaltung gehen sowohl bei den grossen als bei den kleinen Brauereien sehr auseinander. Auf dem Nürnberger Hopfenmarkt vom 13. Oktober betrug die Zufuhr 100 Ballen. Der Umsatz war 150 Ballen. Tendenz fest. An Preisen wurden bezahlt: Markt- und Gebirgshopfen prima Ware 290—312 Mk., mittlere Ware 230—280 Mark, Hallertauer prima 280—325 Mk. und Württemberger 250—310 Mark. WickkOsskMMlM.Lck Ziehung garantiert 24. Oktober. Für 10 Mk. 11 Lose. — 1263 »nr Geldgewinne. „BADENIA" Aktiengesellschaft für Verlag und Druckerei KARLSRUHE (Baden). In der Generalversammlung unserer Aktionäre vom 23. Juli 1924 ■wurde auf Gruud der gesetzlichen Bestimmungen über Goldmarkbilauzen beschlossen: Das bisher auf Mk. 5 Millionen lautende Grundkapital der Gesellschaft wird im Verhältnis von 50:1 auf Goldmark 100 000.— herabgesetzt. Die Herabsetzung erfolgt in der Weise, dass die auf den Nennwert von M. 1000.— lautenden Aktien auf 20 Goldmark umgeschrieben werden; die auf den Nennwert von M. 150.— lautenden Aktien so zusammengelegt werdHi, dass für St. 20 derselben 3 neue Aktien zu je G.-M. 20.— Nennwert; die auf den Nennwert von M. 200.— lautenden Aktien so zusammengelegt werden, dass für St. 5 derselben eine neue Aktie zu G.-M. 20. Nennwert gegeben werden, sofern die Aktionäre nicht vorziehen, in Gemässheit des § 5 Abs. 2 der Goldbilanzverordnung einen Zuschlag von je G.-M. 17.— für die Aktien von M. 150.— und je G.-M 16.— „ „ „ „ M. 200.— zu leisten, wofür sie dann eine Aktie von je G.-M. 20.— erhalten Es ergeht demgemäss an die Aktionäre unserer Gesellschaft die Aufforderung ihre Aktien, nebst Gewinnanteilscheinen und Erneuerungsscheinen und einem nach der Nummernfolge geordneten Nummern Verzeichnis bis zum 31. Dez. 1924 bei der Gesellschaftskasse oder dem Bankhaus J. A. Krebs in Freiburg i. Br. während der üblichen Geschäftsstunden einzureichen. Die Besitzer von 150 Mark-Aktien und von 200 Mark-Aktien, welche von der Möglichkeit durch Zuzalilung von je G -M. 17.— beziehungsweise je G.-M. 16.— Aktien zu G.-M. 20 — zu erlangen, Gebrauch machen wollen, haben gleichzeitig einen diesbezüglichen Antrag einzureichen, sowie den erforderlichen Geldbetrag einzubezahlen Die Rückgabe der Aktien erfolgt nach Durchführung der Umstellung gegen Einlieferung der über die eingereichten Aktien ausgestellten Quittungen. Soweit 150.— oder 200.— Mark-Aktien ohne Zuzahlung eingereicht werden, die die zum Bezug neuer Aktien erforderliche Zahl nicht erreichen und der Gesellschaft nicht zur Verwertung für Rechnung der Beteiligten zur Verfügung gestellt werden, oder soweit Aktien bis zum genannten Tage überhaupt nicht eingereicht sind, werden sie für kraftlos erklärt. An Stelle der für kraftlos erklärten Aktien wird die darauf entfallende Zahl Goldmark-Aktien ausgegeben und für Rechnung der Beteiligten durch die Gesellschaft versteigert werden. Der Erlös^wird unter Abzug der entstandenen Kosten den Beteiligten nach Verhältnis ihres Aktienbesitzes bereit gehalten. Die Umtau-chstellen sind bereit den An- und Verkauf von sich ergebenden Spitzen zu vermitteln. Karlsruhe, den 27. September 1924. Der Vorstand: W. Johner. Herren-Anzüge tadellose Verarbeitung . Mk. 45, 51, . von Mk. 56, 60, 68, 39.- 72, 80, Herrensehlüpfer Noppenware . , von Mk. 39. 50 Lodenmäntel. . , . von Mk. 14.®° Gummimäntel . . . von Mk. 19. 50 Arbeitshosen . . . . von Mk. 4* Ol Berufs-Kleidung in allen Arten Herren-Artikel von zMMW Krawatten Selbstbinder , Oberhemden in fabelhaft modernen Mustern von Mk. Oberhemden Seide . . Taschentücher Macco Batist 50 Pf. an 7 50 Mk, an 3 Stück . Taschentücher Kragen weich, weiss ...... 15 - an blf 75 pf. 35 pf. .M 1.00 A 0.35 0.85 ? U 1.20 Tie Stöbt. Sparkasse Surlach vergütet vom 1. Oktober 1924 ab folgende Zinsen: für Spareinlagen bei monatlicher Kündigung 1b"/» pro Jahr für Giroguthaben 12°/» pro Jahr. Kassenstunden: Samstag 8—t Uhr, an den übrigen Werftagen vorm. 8—12'/, Uhr nachmittags 1 l i S— l lß Uhr. Der Verwaltungsrat. Soeben erschienen: Der Landbund Sein Austreten und sein Wirken im Bezirk Sonndorf 1922/1924. preis Mk. 1.50 Dieses Schriftchen will alleu Kreise«, die noch ein Herz haben für den Bauernstand und vor allem dem Bauers- mann selber eine« Einblick geben, in die Bauern- bewegung, wie sie sich im Bezirk Bonudorf seit 1922 auswirkt. Jeder Leser erhält hier ein Bild über die Ziele und den Zweck des Landbundes. Badenia Adlersiraße 42 A.-G. für Verlag und Druckerei Karlsruhe. Telefon 535. euer schlaf ist das beste Heilmittel. M8ta !lbetten für groß und klein m. od. ohne Zubehör. Stahlmatiatzen, an Private Bequeme Bedingung. Kat 74 R. frei. Eisenmöbslfabrik Suhl (Thür.). Linolen m »Tapeten Gute Auswahl — Pünktliche AusSUfiPong von Tapezierarbeüen ösi massigem Preis. Solide Polsterarbeiteu und Tapezierartikel liefert Selb. Karlsruhe. 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