NMcher Beobachter «ezu,s»rei«! Monatlich i.50 SS. frei tu« Ha»«. 2.30 *3L tut Ml &e1cbäfISfiell« abgeholt. 2.30 KR. d»rch btt So« (einfchliefelkt 36 «fg. »-f»rd«rungsgebiihr> jusüsl, U »e'ieuaeis. «tiuelnumatt 10 Pf».. Samstag« ma» Sonntags 15 «fg. Abbestellungen nut tn4 20 auf «ex Monat». W'u6. Im Falle h« her er Gewalt besieh« lew «nfpr»ch a»f Lieferung der Zeitung oder Rückzahlung bei BemaHn«#«*. Kauvtoryan der baöifcken Zentrumspartei / 7t. glahrgaag Erikbeiut 7uuti wdtbenidäi ali Mo *a t tut ttatttd «ölaftn; Aunft »ab Süitjen. Dtt Fra» »»» beult, »nterhallungsb-tlag- «iüvel Nr de» SamlUem«ch), Di« Welle, Ans der lathottsche» Welt. Sportbeilage: »Jugend und Boll'. Hinau« in die Weit. Mluftriertc Tief- »»«tbeilage .Tie SMIifdwu". / Geschäftsstelle. Redaktion und Verlagi Karlsruhe. Etewftr. 17—21, F«rnl?recher: ®e!l der Rabatt t» Wegfall. Schlich d«r »»»->,e»a»nahm« SH tlfn. — Erfüllung»«« sab OtoichtMtaafe « »«lSruh». Sie. «9 Samstag, den 11. Marz 1933 Rücktritt der badischen Negierung Fortfuhrung »er Geschäfte bis zur Neubildung / Bor der Einberufung des Badtschen Landtags bld. Karlsruhe, 10. März. Von der Pressestelle beim Staatsministerium wird mitgeteilt: „Das Staatsministerium hat einstimmig beschlossen vom Amte zurückzutreten und die Geschäfte bis zur Bildung des neuen Ministeriums gemäh § 53 Abs. 2 der Badischen Verfassung weiterzuführen. Der Rücktritt erfolgt um einer Umbildung der Regierung freie Bahn zu schaffen. Das Staatsministerium hat weiter beschlossen, den Herrn Landtagspräsidenten zu bitten, dah er den Landtag möglichst bald einberuft mit der Tagesordnung: Entgegennahme einer Reglerungserklärung. Landtagspräsidenf D u f f n e r hat auf Dienstag vormittag 9 Uhr den Badischen Landtag zur Entgegennahme der Regierungserklärung der geschäftsführenden Regierung einberufen. I« den Verhandlungen zwischen NSDAP und Zentrum Der Abgeordnete Köhler hat dem Abgeordneten Dr. Föhr unterm 9. März folgendes Schreiben gerichtet: „Sehr geehrter Herr Prälat! Die neue Entwicklung der politischen Verhältnisse in Baden veranlaßt mich, Ihnen mitzuteilen, daß die Vor- ausfetzungen unter denen unsere Besprechung am gestri- gen Tage stattgefunden haben, nicht zutreffen. Ich bitte Sie daher, davon Kenntnis zu nehmen, daß der von mir formulierte Vorschlag keine Gültigkeit mehr bat. Mit vorzüglicher Hochachtung Walter Köhler. M. d. L. Darauf erteilte Abg. Dr. Föhr folgende Antwort: Sehr geehrter Herr Kollegel Ihr Schreiben vom 9. März habe ich erhalten und da- von Kenntnis genommen. Wie ich bereits auf den tele- phonischen Anruf Ihres Herrn Schaller gestern mit- teilte, vermag ich aus dem Brief nicht klar zu erkennen, . ob Sie lediglich den formulierten Vorschlag zurückziehen oder die Verhandlungen als von Ihrer Seite endgültig abgebrochen bezeichnen wollen. Um seitens unserer Par- teiinstanzen am nächsten Sonntag klar und eindeutig Beschlutz fassen zu können, darf ich Sie um nochmalige Nachricht bitten, insbesondere welcher andere Vorschlag etwa anstelle desjenigen vom Mittwoch gesetzt werden will. Mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst vr. Föhr." Am Freitag nachmittag teilte der Abgeordnete Köhler dem Abgeordneten Dr. Föhr mit, daß der Sinn seines Schreibens der endgültige Abbruch der Verhandlungen wegen einer Re- gierungsumbildung seitens der Nationalsozialisten bedeute. Die Nationalsozialisten wünschten auch keinerlei Unterredung mehr mit dem Zentrum. Aus diesem Vorgang ist klar ersichtlich, daß die Schuld einzig und allein die Nationalsoziali st en trifft, wenn eine Regierungsumbildung nicht zustande kommt. Die Verantwortung ist für sie um so größer, nach- dem auch das Staasministerium durch seinen Rücktritt be- wüßt und absichtlich die Bahn für eine Umbildung frei- gemacht hat. Man wird also niemals behaupten können, der Badische Landtag habe sich gesträubt. Vielmehr kommt die Umbildung nicht zustande, weil die Nationalsozialisten am Donnerstag und Freitag sie wiederum ablehnten genau Wie am Dienstag, und nur am Mittwoch zu einer Umbil- dung Neigung zeigten. Die Badische Regierung hat staats- und verfassungsrecht- lich keine Veranlassung gehabt zurückzutreten. Sie hat nach wie vor die Mehrheit des Landtags hinter sich Wenn sie es dennoch getan hat, ist das ein Beweis dafür, wie sehr sie gewillt ist, ihrerseits alles zu tun, um eine Neubildung der Regierung im raschesten Tempo tatkräftigst zu fördern. Sie zeigt aber auch, wie sehr sie sich von dem Gedanken leiten läßt, ihrerseits, selbst unter größten Opfern, alles zu tun, um Beruhigung im Volke herbeizuführen. Das ,urücktre- tende Ministerium beweist, wie hoch erhaben es über jeg- licher persönlicher Rücksicht steht, daß es einzig und allein an das Wohl der Gesamtheit, deS Staates und Volkes denkt. Der Anlaß des Rücktritts der Badischen Regierung gibt uns Veranlassung, den aus dem Amte scheidenden Minister« ei« Wort der Anerkennung und des Dankes zu widmen. Sie habe« in schwerer Zeit in treuer Hingabe an ihr« Aufgabe« Staat und Volk gedient und viele schwere Aufgaben gelöst. Bei ihrem Ausscheiden hat Baden absolut geordnete Finanzen, die badische Verwaltung ist in jeder Hin- ficht sauber geblieben, Ruhe und Ordnung waren kaum in irgend einem anderen deutschen Lande besser gewähr- leistet als in Baden. Wenn wir dies feststellen, so zugleich deshalb, um zum Ausdruck zu hxingen, das, dem auch so bleiben wird, solange das zurückgetretene Kabinett die Geschäfte weiterführt. Und dies wird nach der Verfassung der Fall sein, bis der Landtag eine neue Staatsregierung gewählt haben wird. Keine Einberufung des badischen Landtages Karlsruhe, 10. März. (Eigene Meldung.) Reichskommissar Robert Wagner hat an den Landtags- Präsidenten Duffner das Ersuchen gerichtet, die Einberufung des Landtages auf Dienstag, den 14. März, aus Gründen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zurückzuziehen. Der Landtag hat diesem Ersuchen entsprochen. Bildung einer Hilfspolizei in Baden aus 55, SA und Stahlhelm Karlsruhe, 10. März. Der Reichskommissar Robert Wagner hat heute die Ein- berufung von zunächst 500 Mann (500schaften) HilfsPolizei in Baden angeordnet. Die Durchführung ist in den nächsten Tagen zu erwarten. Es ist beabsichtigt, ihre Aufstellung zu- nächst in Karlsruhe, Mannheim, Freiburg, Lörrach und Konstanz vorzunehmen. Die HilfsPolizei wird zu 90 Prozent aus SS- und SA-Leuten und den restlichen Prozenten aus Stahlhelmleuten gebildet werden. Die Hilfs- Polizei wird der Leitung und Führung der zuständigen staat- lichen Schutzpolizeistellen unterstellt werden. Es werden verboten und verhaftet Karlsruhe, 10. März. Der Beauftragte der Reichsregierung für die Polizei des Landes Baden erläßt in der amtlichen „Karlsruher Zeitung" folgende Anordnung auf Grund der Verordnung des Reichs- Präsidenten zum Schutze von Volk und Staat vom 28. Februar 1933: 1. Es werden verboten: a) alle öffentlichen Versammlungen sowie alle Versamm- lungen und Aufzüge unter freiem Himmel der KPD, der SPD sowie ihrer Hilfs- und Nebenorganisationen, d) alle kommunistischen und sozialdemokratischen Plakate, Flugblätter und Flugschriften, c) alle kommunistischen periodischen Druckschriften. 2. Die leitenden Persönlichkeiten der kommunistischen Be- wegung sowie sonstige Kommunisten, von denen eine Störung oder Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu befürchten ist, sind bis auf weiteres in Schutzhast zu belassen oder zu nehmen. 3. Führer der SPD, für die eine persönliche Gefährdung besteht oder zu befürchten ist, sind in Schutzhaft zu nehmen. * Weitere Beurlaubungen in der badischen Polizei. Karlsruhe, 10. März. Der Reichskommissar für das Land Baden hat mit sosor- tiger Wirkung folgende Beurlaubungen verfügt: Es wird be- urlaubt Polizeimajor K r a u t h -Karlsruhe, Polizeimajor W e i g e l - Pforzheim, Polizeimajor Mühe- Waldshut, Polizeihauptmann R e tz e r - Mannheim, Polizeihauptmann Herbst-Heidelberg, Polizeioberlt. Schwarzwälder- Heidelberg, sowie Polizeilt. Haid- Mannheim. Ferner wurden ihres Dienstes enthoben und in Schutzhaft genom- men: Reg.-Rat Stenz (Ministerium des Innern), Polizei- sekretär F u r r e r - Lörrach (politische Polizei) und Polizei» inspektor Walter- Baden-Baden (politische Polizei). Von seiner Stellung im Ministerium des Innern wurd<> Reg.-Rat B o e ck h beurlaubt. An seine Stelle tritt Reg.-Rat Bader- Karlsruhe. Die „Volksstimme" in Mannheim geschlossen Der Reichskommissar für das Land Baden hat an das Polizeipräsidium Mannheim die Weisung gegeben, daß nach den Mannheimer Vorfällen aus Gründen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung das Gebäude der „Volksstimme" durch die Polizei bis auf weiteres zu besetzen sei. Die Rück- gäbe an die Sozialdemokratische Partei werde vom Verhalten dieser Partei abhängig gemacht. Redakteur Grünebaum und Staatsrat Marum i» Schutzhaft genommen Freitag abend wurde der Redakteur deS sozialdemokrati- schen „Volksfreundes" in Karlsruhe, S. G r ü n e b a u m, in Schutzhaft genommen, ebenso der früher» Staatsrat und Rechtsanwalt Mar««. Die Sorgen In der führenden Schicht der Deutschnationalen Volks- Partei macht man aus der grenzenlosen Enttäuschung über das überraschende Versagen der Kampffront Schwarz-Weiß- Rot keinen Hehl. Trotz Einsatz größter persönlicher und fach- licher Mittel und trotz der Ausnutzung eines ungeheuren Pro- paganda-Apparates in Presse, Versammlungen, Plakaten, Flugblättern und vor allem Rundfunk, hat die deutsch- nationale Gruppe sich noch nicht einmal halten können, son- dern sie schneidet mandatsmäßig mit Verlusten ab. Daraus ergibt sich, daß die Front nicht geschlossen war, daß Hundert- tausende von Stahlhelmern ohne weiteres zum National- Sozialismus übergewechselt sind, und daß andererseits die Herausstellung des Herrn von P a p e n zur Gewinnung wei- terer, insbesondere auch katholischer Kreise ohne sichtbares Ergebnis geblieben ist. Das Kräfteverhältnis der Deutschnationalen gegenüber den Nationalsozialisten ist in der Regierung nicht gestärkt, sondern empfindlich geschwächt worden. Schon zeigen die Nationalsozialisten den Deutschnationalen die kalte Schulter, und die deutschnationalen Blätter geben sich kaum Mühe, ihre Angst und Sorge zu verbergen, daß es im Laufe der Entwicklung doch zu einer Zerspaltung in der jetzt noch nach autzen hin einheitlich auftretenden Gruppe käme. Schon in der Wahlbetrachtung des Hugenberg'schen „Berliner Lokalanzeiger" (Nr. 110 vom 6. März 1933) hieß es, daß die „nationale Regierung" das Vertrauen des „deut- schen Deutschland" haben werde, „solange sie sich selbst treu bleibe" und dem von ihren führenden Männern „ein- ander beschworenen Bund". Selbst die „Deutsche Z e i - tung" (Nr. 55 vom 6. März 1933) b^chwört die Regierung, „in ihrem heutigen Bestand" zu verbleiben, „und auf der ganzen Linie die politische Grundlage des Rechtskurses" fest- zuhalten, durch „die Gemeinschaft der braunen national- sozialistischen Front mit der Schwarz-Weiß-Roten Kampf- front". Mit Nachdruck wird darauf hingewiesen, daß vor allem nur mit der Kampsfront Schwarz-Weiß-Rot die absolute Mehrheit der nationalen Front gegeben sei. „Das und die gerade im nationalen Bürgertum ruhenden sachlichen und moralischen Kräfte", so heißt es, „machen sie unentbehrlich und ihre Stellung mitentscheidend und unabhängig von allen parlamentarischen Handelsgelüsten der Mitte." Diese starke Betonung einer Unentbehrlichkeit durch die Kampffront Schwarz-Weiß-Rot zeigt deutlich die Besorgnisse, die ange- sichts ihres recht bescheidenen Erfolges bei den Wahlen jetzt auftauchen. Die „Deutsche Tageszeitung" möchte am liebsten die Besorgnisse der nur 8 Prozent betragenden Koalitions- größe neben den Nationalsozialisten durch eine Erweiterung der Koalition nach der bürgerlichen Mitte hin beheben. Noch deutlicher kommt die Angst in der „DAZ" zum Ausdruck, die den Nationalsozialisten gut zuredet, nun doch möglichst schnell „staatsmännisch", d. h. also im Sinne dieses Blattes liberal-kapitalistisch die deutschen Probleme anzufassen. Und schon sieht man aus deutschnationaler Seite die „G e - f a h r", daß der Nationalsozialismus sich eines Tages eine andere Koalitionspartei suche, als die Deutschnationalen. So heißt es in der „Ostdeutschen Morgenpost": „Die Gefahr sei nicht mehr von der Hand zu weisen, daß sich die national- sozialistische Bewegung im Bewußtsein ihrer Vormachtstellung ohne Rücksicht auf die andere Regierungspartei sich ihren Weg bahnt und schließlich doch in einer braun- schwarzen Koalition endet." Das sind allerlei Besorgnisse. Nicht ganz folgerichtig finden wir die Sorge um die parlamentarische Mehrheit in die- sen Kreisen. Bisher hat man sich hier doch wirklich um diese Mehrheit wenig gekümmert; ja man hat sich sogar über par- lamentarische Zahlenkunststücke lustig gemacht. Der Gesamt- eindruck, den man aus diesen Presseäußerungen gewinnt, ist also der: Es muß um Gottes Willen alles geschehen, daß ja Herr Hugenberg in der Regierung bleibt, und daß verhindert wird, daß das Kabinett Hitler künftig stärker als bisher das nationalsozialistische Uebergewicht zum Ausdruck bringt. Wir vom Zentrum können die Entwicklung in aller Ruhe abwarten. Die Regierung hat eine Mehrheit erhalten, mit der sie sachlich und verfassungsgemäß arbeiten kann. Auf ihr allein ruht aber auch die ganze Wucht der Verant- Wartung für die kommenden Geschehnisse. Neubildung der württembergischen Regierung Stuttgart, 10. März. Die Verhandlungen über die Neubildung der württember- ?ischen Regierung sind Freitag nachmittag zum Abschluß ge- ommen. Die bisherigen fünf Ministerien werde» auf drei zusammengelegt. Als Staatspräsident und zugleich Innen- minister ist der nationalsozialistische Landtagsabgeordnet« Ganleiter Murr, und als Kultusminister, der zugleich das Justizministerium verwaltet, der Landtagspräsident, Pros. Mergenthaler (NSDAP), vorgesehen. Das Finanz- Ministerium wird i« den Händen des bisherigen deutfchnatio- aalen Finanzministers Dr. Dehliager bleiben. Der Landtagspräsideut, Prof. Mergenthal», hat den Laadtag aus Samstag nachmittag 15 Uhr zn einer Sitzung einberufen, in der die Wahl des Staatspräsidenten und die Neuwahl des LlmdtagSKräjidulte» vorgenommen werden soll. C.u. 2 Samstag, den Ii. Mär, 1933 Nr. n Auch Gltlchschallum der Rrichsbank vi-. Sed. Berlin, 10. März. (Eigener Drahtbericht.) Die Besprechungen, die vor kurzem zwischen Reichskanzler Hitler und dem Reichsbankprüsidenten L u t r begonnen haben, sind am Freitag fortgesührt worden. Sie dauerten heute eine Stunde, woraus man den Schluß zieht, daß die Politik der Reichsbank in dieser Besprechung lehr eingehend behandelt worden ist. Bei der heutigen Begegnung, die unter vier Augen stattgefunden hat, soll es sich in der Hauptsache um sachliche Fragen gehandelt haben. Man nimmt an, daß in der nächsten Zeit weitere Verhandlungen folgen werden. Von Kreisen, die der Regierung nahestehen, wird behauptet, es sei eine weitgehende sachliche Uebereinstimmung zustande gekommen, und in politischen Kreisen wird gleichzeitig hinzu- gefügt, entgegen den Gerüchten, in denen von dem unmittel- bar bevorstehenden Rücktritt des Reichsbankpräsidenten Dr. Luther die Rede war, sei eine Entscheidung weder in dieser noch in anderer Richtung gefallen. Nach allem, was man darüber hinaus hört, besteht kein Zweifel, daß die Person des Reichsbankpräsidenten Dr. Luther wieder einmal im Mittel- Punkt der Debatte steht Die Nationalsozialisten haben nie einen Zweifel darüber gelassen, daß die Person des Reichs- bankpräsidenten Dr. Luther ihnen sehr im Wege steht und daß sie seine Ersetzung durch eine andere Persönlichkeit Wim- schen. In erster Linie wird als Nachfolger Luthers der frühere Reichsbankpräsident Dr. Schacht genannt, dann steht auch der Name des nationalsozialistischen Reichstagsabge- ordneten Reinhardt zur Debatte. Jedenfalls findet man überall und auch in Kreisen der gemäßigten Rechten die Auf- fafsung vor, daß auch auf diesem Gebiet eine Gleichschaltung der Reichsbank mit der Politik der Reichsregierung angestrebt wird. Es frägt sich nur, wie dieselbe in der Reichsbankleitung herbeigeführt wird, da der Reichsbankpräsident auf Grund der bestehenden Gesetze nicht abgerufen werden kann und sein Vertrag noch ein Jahr läuft. In Rechtskreisen war von einer Notverordnung die Rede, die zu diesem Zweck erlassen werden soll. Bis jetzt haben sich aber keinerlei Anhaltspunkte für solche Pläne ergeben und man hat auch Grund zu der An- nähme, daß eine Entscheidung in der Leitung der Reichsbank bis jetzt noch nicht gefallen ist. Am die Einstcllimgsprämien Berlin. 10. März. Anfang dieser Woche hatte eine Aussprache zwischen dem Reichskommissar für Arbeitsbeschaffung, Dr. Gerecke, und dem Reichskanzler Hitler stattgefunden, die, wie verlautet, befriedigend verlaufen sei. Es handelte sich dabei u. a. um die Frage der sogenannten Einstellungsprämien, auf deren Abbau der Reichskommissar für die Arbeitsbeschaffung be- kanntlich Wert legt. Beschlüsse hierüber im' Kabinett sind jedoch noch keineswegs gefaßt. Die Frage, ob die Bestim- mung über die Einstellungsprämien aufgehoben werden soll, wird nicht zuletzt von dem Erfolg des Arbeitsbeschaffungs- Programms auf der Grundlage des bekannten Sofortpro- gramms abhängen. Man ist der Ansicht, daß, wenn dieses Arbeitsbeschaffungsprogramm zu stärkeren Auftragsertei- lungen führen wird, die dadurch erzielte Wirtschaftsbelebung eine besondere Prämie für Neueinstellung von Arbeitskräften nicht mehr rechtfertigt. Es würden dann vielleicht schon ab 1. April die Einstellungsprämien fortfallen, d. h. der Fort- fall gelte dann für Einstellungen, die nach dem 1. April vor- genommen würden. Beschlüsse, über die jedoch allein das Reichskabinett zu befinden hat, sind, wie gesagt, noch nicht gefaßt worden. Die oberschlesische Zentrumspresse verboten Oppeln, 10. März. Der Oberpräsident der Provinz Oberschlesien hat am Freitag nachmittag das Organ des oberschlesischen Zentrums, die in Gleiwitz erscheinende „Oberschlesische Volksstimme" einschließlich ihrer Kopfblätter „Oberschlesische Zeitung" in Beuthen, „Miechowitzer Volksblatt", „Oppelner Kurier", „Kurier für Kreuzburg und Rosenberg", „Leobschützer Rund- schau", „Oberschlesische Rundschau" in Ratibor und „Ober- schlesischer Grenzbote" in Katscher (Kreis Leobschütz) vom 11. bis einschließlich 13. März verboten. Das Verbot erfolgt wegen des Leitartikels der „Oberschlesischen Volksstimme" vom 8. ds. Mts., in dessen Inhalt eine Verächtlichmachung der Reichsregierung erblickt wird. Weiterhin wurde die Be- schlagnahme der Nummern vom 8. und 10. ds. Mts. angeord- net. Mit dem Verbot der „Oberschlesischen Volksstimme" und ihrer Kopfblätter ist der überwiegende Teil der ober- schlesischen Zentrumspresse lahmgelegt Die „Kölnische Bolkszeitung" verboten Köln, 10. März. Die „Kölnische Volkszeitung" und der im gleichen Ver» läge erscheinende „Kölner Lokalanzeiger" wurden auf die Dauer von drei Tagen verboten. Dr. Aerlich vom „Geraden Weg" verhaftet. Bei der Durchsuchung des Hauses der Zeitschrist „D«r Gerade Weg" wurden die gesamten Akten beschlagnahmt und weggeschafft. Hauptschriftleiter Dr. G e r l i ch und sein Redaktionsstab wurden von der SA festgenommen und der Polizei in Schutzhaft übergeben. Auch in der sozialdemokrati- schene „M ü n ch e n e r P o st" wurde daS gesamte Akten- Material beschlagnahmt. Das „Berliner Tageblatt" verboten. Berlin, 10. März. Das „Berliner Tageblatt" ist bis zum 13. März einschlich- lich verboten worden. Die Freitagausgabe wurde polizeilich beschlagnahmt. Besetzung der „Neuen Pfälzischen Landeszeitung". Ludwigshafen, 10. März. (Eigene Meldung.) Die „Neue Pfälzische Landeszeitung", das Zentrumsorgan der Pfalz, wurde heute mittag von SA.-Leuten besetzt, die die Haken- kreuz- und die schwarz-weiß-rote Fahne aufzogen. Eine im Hause aufgefundene schwarz-rot-goldene Fahne wurde auf der Straß« verbrannt; während dieser Kundgebung wurd« da« Horst Wessel- Lied gesungen. Adolf Wer redtt ins Gewissen Berlin, 10. März. Der Reichskanzler Hitler erläßt folgenden Aufruf: Parteigenossen, SA- und SS-Männer I Eine ungeheure Umwälzung hat sich in Deutschland vollzogen. Sie ist das Ergebnis schwerster Kämpfe, zähester Ausdauer, aber auch höchster Disziplin. Gewissenlose Subjekte, hauptsächlich kom- munistische Spitzel, versuchen, die Partei durch Einzelaktionen zu kompromittieren, die in keiner Beziehung zum großen Werk der nationalen Erhebung stehen, sondern höchstens die Leistungen unserer Bewegung herabsetzen können. Insbesondere wird versucht, durch Belästigen von Aus- ländern in Autos mit ausländischen Fahnen die Partei bzw. Deutschland in Konflikt mit dem Ausland zu bringen. SA- und SS-Männer I Ihr müßt solche Kreaturen sofort selbst stellen und zur Verantwortung ziehen. Ihr müßt sie weiter unverzüglich der Polizei übergeben, ganz gleich, wer sie auch sein mögen. Mit dem heutigen Tage hat in ganz Deutschland die natio- nale Regierung die vollziehende Gewalt in Händen. Damit wird der weitere Vollzug der nationalen Erhebung ein von oben geleiteter planmäßiger sein. Nur dort, wo diesen Anordnungen Widerstand entgegen- gesetzt wird oder wr aus dem Hinterhalt wie früher Angriffe auf einzelne Männer oder marschierende Kolonnen erfolgen, ist dieser Widerstand sofort und gründlich zu brechen. Be- lästigungen einzelner Personen, Behinderungen von Autos oder Störungen des Geschäftslebens haben grundsätzlich zu unterbleiben. Ihr müßt, meine Kameraden, dafür sorgen, daß die nationale Revolution 1933 nicht in der Geschichte verglichen werden kann mit der Revolution der Rucksack-Spartakisten im Jahre 1918. Im übrigen laßt euch in keiner Sekunde von unserer Parole wegbringen. Sie heißt: Vernichtung des Marxismus. Berlin, den 10. März 1933. gez. Adolf Hitler. Auch öie Deutschnationalen werden stutzig Berlin, 10. März. Dr. von Winterfeld, der stellvertretende Vorsitzende der DNVP., hat an den Reichskanzler Hitler folgendes Schreiben gerichtet: «ES laufen von verschiedenen Stellen Nachrichten ein, aui denen hervorgeht, daß über die amtlichen Befugnisse eingesetzter Reichskommissare Unklarheiten vorhanden sind. Andere Meldungen besagen, daß trotz der von Minister Göring ergangenen Warnung mancherorts nicht- Langfchäöel »der Seele? Nene Wege der Rassenforschung .Wer nichts von Seelenkunde, bzw. vom Leib-Seele-Problem versteht, der lasse die Hände von der Rassenforschung!" Mit diesen Worten leitet Dr. Franz Wetze! in „Natur und Kultur" (1938, Heft 1) seinen interessanten Umriß einer neuen Methode der Ras- fenforfchung ein. Sie soll allmählich aus dem heillosen Chaos herausführen, in das uns die auf materialistisch-rationalistischen Betrachtungsweisen aufgebaute Rassenforschung der Vergangenheit und Gegenwart hineinmanövriert hat. Was dieser neuen Rassen- forschung das veränderte Gepräge gibt, ist die Erkenntnis, daß nicht so sehr blonde und blauäugige Langschädel, sondern in erster Linie die Seele, die feelisch-geistigen Uranlagen und ihre Wechselbeziehungen für die Forschung die eigentlichen g est alt- bildenden Faktoren sein müssen. Es ist also eine Um- kehrung der Rasseforschung von der äußerlich-körperlichen zur seelisch-geistesgeschichtlichen Betrachtungsweise im Werden. Das bringt, auf Einzelheiten angewendet, schon heute eine Fülle neuartiger Erkenntnisse. Wetzel bringt deren eine ganze' Reihe. Interessant sind seine Angaben über die zwei Urrassen: den sume- risch-babylonisch-assyrischen und den atlantisch-arktischen Kultur- kreis. Interessant, wie sich in elfterem mit Abraham die Grund- legung eines neuen Volkes, ja eines neuen Menschentyps auf klar umschriebener religiöser Basis vollzieht. Ebenso interessiert auch seine Feststellung: „Es ist vom rassepsychologischen und rassephysiolo- gischen Standpunkte aus nicht unbedenklich, Abraham einen „Juden" zu nennen. Abgesehen davon, daß Name und Begriff des „Juden" erst viel später entstehen, dürften sich die Erzväter des israelitischen Volkes rassisch von dem Großteil des späteren Juden- Volkes erheblich unterschieden haben." Ein tapferer, wenn auch heiß umstrittener Forscher der neuen Art ist der Marburger Privatgelehrte Herman Wirth. Er sucht die geistesgeschichtliche Betrachtungsweise in bezug auf Rasse- forschung im atlantisch-arktischen Kulturkreise Anzuwenden. Seine Arbeiten — obschon nicht einfachhin als erwiesene Tatsachen, immer- hin aber als wertvolle Ansätze hinzunehmen —, können in der Lage sein, „unsere bisherigen Vorstellungen über die vorgeschicht- lichen Entwicklungsbahnen der Menschheit weithin umzustülpen" Dr. Wetzel folgt den Theorien Wirths mit der rechten Distanz, ist aber sichtlich erfreut, gerade Wirth ins Feld führen zu können, „weil hier ein bewußt arischer Forscher den allzu naiven „nord- rassischen" Kindsköpfen und Scharlatanen gewisser politischer Par- teien und Richtungen ihre Phantastereien ziemlich nüchtern ausbläst". Auch Herman Wirth sieht in seinem Kulturkreise dieselbe Tat- fache, die andere Forscher in den von Abraham ausgegangenen Kreisen gesehen haben, nämlich, daß die Vollwerdung der Urzeit «»< einer religiösen, d. h. seelisch-geistigen Wurzel entsprang. „So einfach, wie sich unsere parteipolitischen „Arier' die Lösung der Rassenfrage vorstellen, ist sie bestimmt nicht. Rasse ist weit mehr Geist und Seele, weit mehr Gefühl als körperliche Sonderart." Iis. Brahms Sonaten Abenö Im Saale der Badischen Hochschule für Musik veranstalteten Konzertmeister Ottomar Voigt (Violine) und Gertrud Herrmann -Mettenberger (Klavier) letzten Donnerstag einen Sonaten-Abend und brachten dabei die drei Violin-Klavier- Sonaten in G-Dur, A-Dur und V-Moll von Johannes Brahms zu Gehör. Die Sonate in G-Dur besitzt besonders in dem zweiten Thema des ersten Satzes, dem zweiten Satz und dem Finale Höhe- punkte, die längst zum Besten aus Brahms Werken zählen. In der Sonate A-Dur Opus 100, auch die „Meistersingersonate" ge- nannt — das erste Thema hat Aehnlichkeit mit dem „Preislied" —, hat uns Brahms eine m Melodien übersprudelnde Schöpfung auS fein:r Reifezeit hinterlassen. Auch aus der lebhaft und ungestüm wie ein Bergstrom dahinstürmenden Sonate in O-Moll spricht noch die vollendete kompositorische Fähigkeit des alternden Komponisten. Ottomar Voigt, der nach längerer Zeit wieder in die Oeffent» lichkeit trat, konnte durch sein sicheres und präzises Spiel be- geistern. Wunderbar farbig und ausdrucksvoll wußte er sein In- strument als Mittler zwischen Komponist und Hörer einzusetzen. Ebenso sicher und überlegen wirkt» Gertrud Herrmann- Mettenberger am Flügel, vornehm in der dynamischen Ge- staltung und anpassungsfähig im Zusammenspiel. Ueberhaupt war das Zusammenwirken beider Partner an Präzision und gegen- seitigem Verständnis wohl nicht zu überbieten. Als Ganzes war der Abend ein hoher Genuß und für die Künstler ein voller Er- folg. Si» durften denn auch von dem zahlreich anwesenden Publi- tum reichen Beifall und viele Blumen empfangen und mußten sich schließlich noch zu einer Dreingabe entschließen. btz. Hochschulnachrichten Aus dem EL. Der Cartell-Derband der katholischen deutschen farbentra. geilten Studentenverbindungen ist mit Iiis Verbindunsen, davon 91 im Teut- schen Reich, 26 in Oesterreich, 6 in der Tschechoswvalei, te 1 in Danzig, in der Ichweiz und in Rumänien, der größte katholisch« und der zweitgrößte deutsche «tudentenverband überhaupt. Er umsaßte nach der letzten Zählung vom 1. Dezember 1932 10 628 Studierende, von denen allein im Winterhalbjahr 716 neu eingetreten sind. Tie Gesamtzahl der Urphilister beträgt 17 924. Ter i!V. hat also ohne jede Dopx-lzählung 2S LS0 Mitglieder. Vorort ist auch im kommenden Amtsjahr Aenania-Miinchen. Tie TD.-Versanimlung, die nur alle zwei Jahre staufindet, wird 1933 ausfallen und 1934 in Stuttgart oder Tübingen stattfinden. An ihre Stelle treten Schulungstagungen in verschie» denen Städten. Tie Verbandszeitschrift Academia, die trotz der Schwere der Zeit als Monatsschrift aufrecht erhalten werden konnte, beschäftigt fich mit den drängenden Fragen des akademischen Lebens, so in der letzten Zeit namentlich mit dem Werkjahr und dem Arbeitsdienst. Sie berichtet auch fortlaufend über das Leben in den anderen Verbänden. Die amtlich« Schriftenreihe „Flugschriften aus dem TV." konnte im letzten Jahr« um vier Hefte erweitert werden, darunter ein Verzeichnis des Archivs und der Bücherei des TV., ein» Sammlung von Aufsütz»» MM Albert Leo Schlaget» und eine Schrift: »EarttaS und TB." , cvv beamtete Organe politischer Organisationen Maßnahmen treffen, die wie Verhaftungen, Hausdurchsuchungen, Su»- Pensionen von Beamtenfunktionen nur von Trä- gern der Reichs- und Staatsgewalt ausgeübt werden dürfen. In der Ueberzeugung, daß Si« selbst und die gesamt« Reichsregierung und die kommissarische Preußenregierung sowie alle hinter der Regierung stehenden nationalen Parteien.und Verbände in dem Wunsche übereinstimmen, daß die gegenivArttg« am 30. Ja- nuar eingeleitete nationale StaatSumwälzung in den Bahnen der Disziplin und der Gesetzmäßigkeit verlaufe» soll, bitte ich Sie, Maßnahmen der zuständigen Reichs- und Staatsstellen zu veranlassen, die ein« solche Entwicklung sicherstellen. ReichSpräsi- dent, Reichsregierung und kommissarische StaatSregierung sowie vom Reich eingesetzte staatliche Organ« sind diejenigen Stellen, die allein das Recht beanspruchen dürfen, in die Tätigkeit staatlicher und kommunaler Stellen einzugreifen. Vertreter der nationalen Parteien und Wehrverbände können keinesfalls an ihrer Stelle mit rechtswirksamer Folge handeln. In der Auffassung, daß Si«, sehr verehrter Herr Reichskanzler, den unverletzlichen Charakter des Rechtsstaates, wi« ih« daS alt« Preußen Friedrichs des Großen bereits gezeigt und wie ihn Reich und Staat vor der Novemberrevolution darstellten, z« ver- bürgen entschlossen find, bitte ich Sie, die unerläßlichen Maßnahmen anordnen zu wollen." Zentrumskunöyebung in Köln verboten Köln a. Rh., 1». März. Wie die Regierungspressestelle mitteilt, hat der Polizei- Präsident von Köln wegen Gefahr von öffentlichen Unruhen die für Freitag abend vorgesehene Zentrumskundgebung in der Messehalle, in der Oberbürgermeister Dr. Adenauer sprechen wollte, auf Grund der Verordnung des Reichspräsi- deuten zum Schutze von Volk und Staat verboten. Zentrumsversammlung in Münster verboten Münster, 10. März. Die für den heutigen Freitag angesetzte Kundgebung der Zentrumspartei in der Stadthalle, in der Landtaasabgeord- neter Graf von Galen und Raestrup-Oelde sowie Reichs- tagsabgeordneter Kampschuster sprechen sollten, ist wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit, Ruhe und Ordnung polizeilich verboten worden. Prälat Wtzka geschlagen I>r. Sch. Berlin, 10. März. (Eigener Drahtbericht.) Am Dienstag abend fand in Gleiwitz in Oberschlesien eine von mehr als 2000 Personen besuchte geschlossene Zentrums- Versammlung statt, in der der Führer des Oberschlesischen Zentrums und Deutschtumvorkämpfer im Abstimmungskampf Oberschlesiens, Reichstagsabgeordneter Prälat Ulitzka, sprach. Während seiner Rede drängten Scharen von unifor- mierten SA-Leuten mit großem Geschrei in den Saal ein. Zu gleicher Zeit begannen auch die im Saal anwesenden Nationalsozialisten Lärm zu machen. Die Polizei griff gegen- über den Störenfrieden nicht ein. Prälat Ulitzka wurde am Weiterreden einfach behindert. Die Nationalsozialisten stimm- ten das Horst-Wessel-Lied an, von der Versammlung wurde das Deutschlandlied gesungen, und die Versammlung von der Polizei schließlich aufgelöst. Während sich die Versammlungsteilnehmer entfernten, versammelten sich die Nationalsoziali- sten und empfingen vor dem Versammlungslokal den Prälat Ulitzka, als er, umringt von Zentrumsleuten, das Gebäude verließ, mit lauten Schmährusen. Ulitzka wurde zugerufen: „Nimm die rote Kragenbinde ab." „Polenkönig, geh nach Warfchau." Als Prälat Ulitzka vor seinen Wagen trat, wurde ihm mitgeteilt, daß die Scheiben desselben ein- geschlagen und die Gummireifen zerschnitten worden seien. Die Uniformierten drangen auf den Geistlichen ein und Prä- lat Ulitzka erhielt einen schweren Schlag mit einem Gummi- knüppel auf den Kopf. Schutzpolizei nahm dann Prälat Ulitzka in die Mitte und geleitete ihn in sein Quartier. Soweit sind wir also gekommen. Was hier passiert ist, ist der gemeinste Uebersall, von dem jeder Katholik mit tiefster Erschütterung Kenntnis nehmen wird. Die Zentrumspartei hat infolge der unerhörten Vorgänge folgendes Telegramm an den Reichspräsidenten von Hindenburg gerichtet: „Führer im Abstimmungskampf um die Erhaltung Oberschlesiens, Prälat Ulitzka, heute nach gesprengt« Ver- sammlung von SA-Uniformierten beschimpft, bedroht, tätlich angegriffen und schließlich geschiaqen. Zentrums- «artei Gleiwitz." * Theaterintendant mißhandelt Breslau, 10. März, Am Freitag früh erschienen, wi« die Polizei mitteilt, in der Wohnung des Theaterintendanten Barnay fünf unbekannte Man- ner in SA-Uniform und zwangen Bauiay, ihnen in einem auf der Straße wartenden Kraftwagen zu folgen. Sie fuhren mit ihm nach dem vor der Stadt gelegenen Wald und zogen dort Bar- nah aus dem Wagen heraus, nahmen ihn in die Mitt« und mißhandelten ihn schwer. AlZ zufällig ein Schutzpolizeib«amter hinzu- kam, flüchteten die Täter. Sie entkamen unerkannt. Die Poli- zeit hat sofort die Ermittlungen aufgenommen. Nr. tib Samstag, de« 11. März 1933 Seite 3 Arbeitsbeschaffung Von Bürgermeistei Die Frage der Arbeitsbeschaffung — doch die wichtigste von allen Zeitfragen — ist seit der Neuordnung ganz in den Hintergrund gedrängt. Deshalb sei durch diesen Aussatz wieder daran erinnert. D. Schr. Es hat den Anschein, als ob durch die starke Hervorhebung der Forderung nach Elektrifizierung der wichtigsten badischen Reichsbahnstrecken die Eröffnung der Frage der Verkehrs-, Wirtschafts- und Arbeitsbelebung durch Ausbau des Straßennetzes etwas zu kurz kommt. Um von vorn- herein keinen Zweifel aufkommen zu lassen, sei ausdrücklich festgestellt, daß die nachstehenden Ausführungen nicht etwa so aufzufassen sind, als ob damit die Bedeutung der For- derungen nach Bahnelektrifizierung herabgemindert werden soll (wiewohl der Typ des Schnelltriebwagens vielleicht ein- mal noch etwas Modernes und Erstrebenswertes darstellt, als der elektrische Verkehr). Gewiß wurde im regierungsseitigen Arbeitsbeschaffung^» Programm nicht nur auf die Hafraba, sondern aucki auf den Straßenbau ganz allgemein hingewiesen: auf was es hier ankommt, ist die Feststellung, daß aus dem Gebiete des Straßenbaues ganz außergewöhnliche Arbeits- beschafftmgsmöglichkeiten gegeben sind. Zwar heißt es in den Erläuterungen des Reichspräsidenten über Maßnahmen zur Förderung der Arbeitsbeschaffung und der ländlichen Siedlung vom 15. Dezember 1932 (im Anschluß an § 11) „Arbeiten, für die gegenwärtig kcin zwingendes wirtschaftliches Bedürfnis besteht, sollen unterbleiben, da sie für die Volks- Wirtschaft nicht als wertvoll angesehen werden können. Hier- her gehören z. B. Straßenbauten, die darauf hinauslaufen, die Straße für einen in Zukunft vielleicht möglichen Verkehr herzurichten, unÄ sich nicht darauf beschränken, die reibungs- lose Abwicklung des gegenwärtigen Verkehrs sicherzustellen". (Vgl. Niemetz und Grünewald: „Das Sofortprogramm des Reichskommissars für Arbeitsbeschaffung" Berlin 1933 S. 68). Die Frage, inwieweit Straßenbauten als Wirtschaft- lich angesehen werden müssen, war ja schon von jeher um- stritten, aber man darf jedenfalls in einer Zeit, in welcher Unsummen als reine Fürsorgeleistungen vollständig unproduktiv verausgabt werden, doch fragen, ob nicht zu- künftigen Entwicklungsformen wenigstens in bescheidenem Umfange Rechnung getragen werden sollte. Insofern ist es unbestreitbar, daß das Auto zum Verkehrsmittel in brei- teren Schichten zu werden die Tendenz hat (wenn man von der besonderen Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse der Gegenwart absieht). Damit aber tritt auch das Straßen- Problem ganz anders in den Vordergrund. Und es kommt sicherlich nicht von ungefähr, daß weite Gebiete des Aus- landes heute schon über beneidenswerte Straßenanlagen ver- fügen, Der Ruf, den heute schon manches Gebiet des benachbarten Auslandes wegen der schönen und wohlgepfleg- ten Straßen besitzt, hat unzweifelhaft auch seine günstigen wirtschafts- und verkehrspolitischen Wirkungen. Es sollte deshalb gerade in Zeiten großer Arbeitsnot erstrebt werden, daß auch das landschaftlich so reiz>volle Badnerland sich mit der Zeit diesen Ruf erwirbt (der Name „Musterland" könnte hier wieder einmal recht vorteilhaft zur Geltung kommend und so zugleich eine recht wirkungsvolle Reklame für sich macht. Man muß sich doch darüber im klaren sein, daß die Fremdenverkehrspflege im wirtschaftlich — strukturell so arg benachteiligten Grenzlande Baden für die Zukunft noch eine gesteigerte wirtschaftliche Bedeutung wird erlangen müssen, um von dieser Seite her wenigstens in etwa einen Ersatz für den vielfältigen industriewirtschaftlichen Nieder- gang zu schaffen, ganz abgesehen davon, daß man sich auch anderwärts alle erdenkliche Mühe gibt, den Fremdenverkehr und damit einen beachtlichen Wirtschaftsfaktor zu fördern. durch Straßenbau Hagen, Ladenburg Der systematische und umfassende Ausbau der Straßen nach modernen Verkehrsgrundsätzen würde zunächst eine auf das ganze Land verteilte reiche Arbeitsmöglichkeit schassen und trotzdem wieder stark ört- lich gebunden sein (was etwa bei der Bahnelektrisizie- rung nicht in alleweg zu behaupten wäre, wo manche große Aufträge leichter nach Außerbaden vergeben werden könn- ten), ganz abgesehen davon, daß auch das Verhältnis von Arbeitslöhnen zum Materialaufwand als g ü n st i g zu bezeichnen wäre, d. h. der Anteil der Löhne am Gesamtaufwand wäre Verhältnis- mäßig recht hoch Außerdem wäre es zur unerläßlichen, ja selbstverständlichen Bedingung zu machen, daß auch die- Materialien in weitestgehendem Umfange aus B a - den. bezogen werden müßten. Eine ebenso unerläßliche Bedingung wäre die, Maschinenkraft nur da zu verwenden, wo die Einsetzung von Meirschenkraft auS irgendwelchen Gründen nicht mehr verantwortet werden könnte. Wie bei allen Arbeitsbeschaffungsprogrammen ist die Frage der Finanzierung wohl am schwierigsten, doch ist sie keineswegs unlösbar. Das Prinzip der Finanzierung scheint sogar ganz einfach Es müßte — unter bewußter Hintanstellung aller behördlichen, bürokratischen und sonstigen Bedenken — gelingen, aus den unübersehbaren Ein- zelmitteln der Arbeitslosenfürsorge. Krisen- fürsorge und Wohlfahrtserwerbslosenfürsorge einen beistimmten Teil abzuzweigen und diesen Teil sozusagen in einen Topf zu werfen, d. h. einen Straßenbau- for.ds zu bilden, welcher der Hauptsache nach aus den eben- genannten Mitteln gespeist wird, wozu aber auch noch Zu- schüsse des Landes, der Kreise usw. kommen könnten. Mit einem solchen Vorgehen wäre zunächst ein umfassender Angriff auf die Arbeitslosigkeit möglich und der Anfang zu einer nachhaltigen Umleitung der zum Teil ins Riesenhafte angewachsenen, im Effekt doch völlig unproduktiven Fürsorgelei st ungen aller Schattierungen in die Kanäle produktiver Lei- st u n g und gleichzeitigen Befruchtung der Wirtschaft gemacht- Es sollen dabei keineswegs die vielfältigen besonderen Schwierigkeiten verkannt werden, welche sich im Verfolg einer solchen einschneidenden Maßnahme alsbald einstellen werden. Schon allein die Auseinandersetzung zwischen dem Lande, den Kreisen, den Gemeinden usw. hinsichtlich der Berücksichtigung der einzelnen (Land-, Kreis- und Gemeinde-) Straßen wird nicht leicht sein, nicht minder auch die Lösung der Frage des im Einzelfalle zu leistenden Beitrages deS Reiches, des Landes, der Kreise, der Gemeinden usw. zu dem Straßenbaufonds und dann wieder die Verteilung dieser Mittel auf die einzelnen Abschnitte unter billiger Berück- sichtigung der Gebiete mit besonders großer Arbeitslosigkeit, ja gerade die allererste Einspielung dieser Maßnahmen würde sicherlich schon ganz erhebliche Schwierigkeiten ver- Ursachen, ganz abgesehen von jenen anderen der Planung, der Erwerbung zusätzlichen Geländes und Entschädigung der Eigentümer, der Entfernung von Allee-Bäumen und An- lagen, des Um- und Ausbaues von Brücken und dergleichen mehr. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg und wenn vett vornherein ein über das ganze Land sich erstreckender Gesamtstraßenplan zugrunde gelegt werden würde, könnte in dessen Gefolge auch manche gefährliche und kurvenreiche Straße verbessert, die Verkehrssicherheit und Uebersichtlich- keit gefördert und auch im Verhältnis zur Eisenbahn (Beseitigung schienengleicher Uebergänge usw.) manches geändert werden. Reue Fortschritte des Bekennlnisschulyeöankens Das Ergebnis der Schulanmeldungen an den Münchener Volksschulen für das neue Schuljahr 1933/34 bedeutet einen neuen Fortschritt des Bekenntnisschulgedankens. Gemäß der freien Willenserklärung der Eltern wurden 84,5 Prozent der Schulneulinge in die Bekenntnisschule eingeschrieben (im Vorjahre 83,84 Prozent). Die Gesamtschülerzahl beläuft sich für das neue Schuljahr auf 59 143, von denen 83,05 Prozent (im Vorjahre 82,29 Prozent) die Bekenntnisschule besuchen. Die werbende Kraft des Bekenntnisschulgedankens wirkt sich seit 1920, seitdem die Entscheidung über die Wahl der Schulgattung den Erziehungsberechtigten anheimgegeben ist, von Jahr zu Jahr stärker aus. Das erweist folgenve Uebersicht: Von den Münchener Schulkindern wurden auf Grund der freien Entscheidung der Eltern eingeschrieben: im Jahre für Bekenntnisschulen für Simultanschulen 1920 76,04 Prozent 23,06 Prozent 1921 76,08 Prozent 23,02 Prozent 1922 77,03 Prozent 22,07 Prozent 1923 77,87 Prozent 22,13 Prozent 1924 78,75 Prozent 21,25 Prozent 1925 78,97 Prozent 21,03 Prozent 1926 79,92 Prozent 20,18 Prozent 1927 79,97 Prozent 20,03 Prozent 1928 80,51 Prozent 19,49 Prozent 1929 80,70 Prozent 19,30 Prozent 1930 81,13 Prozent 18,87 Prozent 1931 81,65 Prozent 18,35 Prozent 1932 82,29 Prozent 17,71 Prozent 1933 83,05 Prozent 16,95 Prozent Das Ergebnis der Münchener Schulanmeldungen berech- tigt uns, über den Stand der Schulfrage überhaupt und für unsere katholische Schulbewegung in Bayern besonders fol- gende wichtige Folgerungen zu ziehen: Der Bc-kenntnisschulgedanke hat im letzten Jahrzehnt im Herzen des Volkes immer tiefere Wurzeln geschlagen; die Simultanschule im Sinne des Art. 146 der Reichsver- fassung wird von der überwiegenden Mehrheit der Er- ziehungsberechtigten ausdrücklich abgelehnt: die bestehende Rechtslage, wonach die Bekenntnisschule die Regel ist, entspricht dem Willen der Erziehungsberechtigten; an dieser Rechtslage kann durch keine Reichsschulgesetzgebung gerüttelt werden. Die überwiegende Mehrheit der katholischen Elternschaft Münchens ist in 58 Elternvereinigungen zusammengeschlos- sen, die sich die Erhaltung der Bekenntnisschule zur beson- deren Aufgabe gestellt haben, vor allem aber im Dienste der Familienerziehung, Schulpflege und des Jugend- und Kin- derschutzes gegen erziehliche Gefahren in der Öffentlichkeit seit Jahren eine gesegnete Tätigkeit entfalten. Die Polizeigewalt In einem Artikel der „Kölnischen Volkszeitung" wird darauf hingewiesen, daß zu dem Positiven, dos von der deut- schen Republik geschaffen wurde, die Polizei gehört. Jeder- mann werde zustimmen, wenn gesagt wird, deß die Schaffung der Schutzpolizei ein treffliches Werk ist. Die Polizei hat sich Volkstümlichkeit gesichert — früher bestand diese Volkstum- lichkeit nicht in solchem Umfange —, die ausgezeichnete Or- ganisation der Polizei, ihre Schlagkraft und ihre Schnellig- keit anzuerkennen, bestand vielfach Gelegenheit. Der Schupo- mann ist volkstümlich geworden. Mit dieser Anerkennung der Leistungsfähigkeit und Tüch- tigkeit unserer Polizei wird mit Recht die Ueberzeugung aus- gesprochen, daß sie allein aus sich im Stande ist, die Ordnung zu sichern und daß es im Interesse des ganzen Volkes liegt, wenn sie, je eher desto besser, allein und aus- schließlich mit der Durchführung der Aufgabe betraut wird, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Je eher man die H i l f s- Polizei einschränkt, desto besser ist es: die Führer der Polizei müssen dies wünschen im Interesse ihrer eigenen Autorität und im Interesse der Autorität des Staates, der niemals gedeihen kann, wenn die Gefahr einerNeben- regierung besteht. Die neuen Machthaber in Deutsch- land werden sich das Vertrauen der Mitglieder auch der an- deren Parteien erwerben, wenn sie dem Grundsatz, daß die Ausübung öffentlicher Gewalt nur den Organen des Staates zusteht, überall zum Durchbruch verhelfen. Wenn in unserem Volke sich der Glaube festsetzen sollte, daß neben den staatlichen Gewalten auch Kräfte stehen, die sich Rechte und Waffen anmaßen, die ihnen nicht gehören, dann müßte die Autorität des Staates schwersten Gefahren entgegengehen. Dann würde es sich auch zeigen, daß der Eifer der Freunde gefährlicher ist. als der Haß der Feinde. Man kann diese grundsätzlichen Ausführungen Nur zu- stimmend unterstreichen. Wenn man sieht, wie jetzt in Hessen, in Bremen, in Hamburg, in Thüringen und anderswo SS- und SA-Leute zu behördlichen Maßnahmen herangezogen werden, so ist die^Frage erlaubt, mit welcher Berechtigung das geschieht. SS und SA sind Parteigruppen und keine staatlichen Organe. Ihr Einsatz etwa nach der Art der faschistischen Miliz kann in der Reichsverfassung und in den Länderverfassungen keinerlei Stütze finden. Es ist die höchste Zeit, daß die verantwortlichen Stellen der Entwicklung, die sich damit anbahnt, ein Ende machen, bevor wir es schwer zu büßen haben werden, in unsere Polizei einen Dualismus und damit den Keim der Zersetzung hineingebracht zu haben. Schon jetzt kann man beobachten, wie gewisse Gegensätze zum Ausdruck kommen. Jedenfalls wird die Polizei, dieses Macht- instrument, auf das die staatliche Autorität angewiesen ist, durch solche Experimente nicht gestärkt. Haben wir noch Rechtszustande? Eine Zentrumszeitung wird zensiert. Am Mittwoch vormittag erschienen auf dem Bruchsaler Boten 3 SA-Leute, die sich laut schreiend über einen durchaus sachlichen Artikel beschwerten, der über den Terror in Unter- grombach Kunde gab. Sie drohten mit den gemeinsten Aus- drücken alles kurz und klein zu hauen, wenn noch ein Wort der Kritik im Blatt an der NSDAP geübt werde. Als ein Bürofräulein die Polizei anrufen wollte, wurde sie vom Apparat weggerissen. Am Donnerstag erschienen morgens gegen zehn Uhr wie- derum 3 SA-Leute, die beim Verleger vorsprachen und die Vorlage der Zeitung zur Zensur verlangten. Eine Stunde später marschierte ein Trupp von SA- und SS-Leuten auf, umstellte das Verlagsgebäude und drang in die Druckerei ein. Die ersten Exemplare wurden ins Braune Haus ge- tragen, wo die Zensur erfolgte. Nach einer halben Stunde wurde das Blatt freigegeben. Als ein Drucker nach Hause gehen wollte und wie gewöhnlich seine Zeitung zu sich steckte, wurde er von vier SA-Leuten daran gehindert. Man schlug mit Gummiknüppeln auf ihn ein und drohte mit offenem Revolver. Darnach wurde der Hof der Druckerei durchsucht. Einem Laufburschen, der Vesper holte, wurde die Tasche ent- rissen und durchsucht. Die Bitte bei der Polizei um Schutz hatte den Erfolg, daß nach einer Viertelstuirde zwei Schupos auf Rädern am Verlagsgebäude vorbeiradelten und ver- schwanden. Redaktion und Verlag sind schutzlos dem Terror ausgeliefert. Seit 5 Uhr patrouillieren 3 SA-Leute mit um- gehängtem Karabiner vor dem Gebäude des Bruchsaler Boten. Hier haben wir es mit einer der Sonderaktionen zu tun, vor denen auch nationalsozialistische Polizeibeamte im wachsen- den Maß warnen. Die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung im Staats- und Gemeindeleben verlangt unbedingt das Einschreiten der öffentlichen Gewalt gegen derartige Aus- schreitungen. BaSen Kreiswahlausschuß öes 32. Reichötagswalnkreises bld Karlsruhe, 10. März. Wie die Pressestelle beim Staatsministerium mitteilt, findet am Samstag, 11. März, vormittags 11% Uhr, im großen Sitzungssaal des Mini- steriums des Innern in Karlsruhe, Schloßplatz 19. 3. Stock die Sitzung des Kreiswahlausschusses des 32. Reichstags- Wahlkreises zur endgültigen Ermittlung der Abstimmungs- ergebnisse der Reichstagswahl vom 5. März statt. Der Zu- tritt zur Sitzung steht dcn Stimmberechtigten offen. Nachklänge zur Wahl «u, de« Frankenland, 28. Febr. (Heitere» au» dem Wahlkampf.) Auf einer Zentrum»versammlung im Bauland wurde der Redner, Kreisrat Fürst-Höpfingen, von einem natsoz. Diskussionsredner angehauen, auch einmal zu sagen, wie sich da? Zentrum zu den Paragraphen 170 und 171 des Reichsstrafgesotz- buches gestellt habe. Der Redner bedauerte, dies« Paragraphen nicht auswendig zu kennen, sei aber gerne zur Auskunft bereit, wenn ihm der Fragesteller darüber Bescheid geben könnte. Da ging ein lebhaftes „Aha" und „Oho" und „Hört, hört" durch die natsoz. Reihen. Wiederum und stürmisch verlangt man Auskunft um die obigen Paragraphen! Nun lehrt ein Blick ins Strafgesetzbuch, daß in beiden Paragraphen die Strafvorschriften — bei Verschweigung von Ehehindernissen und Vielweiberei enthalten sind! Nun sag ein Mensch in aller Welt, was diese Dinge mit Politik zu tun haben! Es bleibt unsterbliches Verdienst der Bauländer Na- tionalsozialisten, den Zusammenhang von Ehehindernissen und Viel- weiberei gefunden zu haben. Aber so geht es, wenn man nicht? weiß — und doch absolut etwas wissen möchte! — Bei einer Versammlung in Erste! wußte ein Teilnehmer, welcher dem Zentrum angehört, zu berichten, daß man nationalistischerseits behaupte, die Erhöhung der Schlachtsteuer sei nötig geworden, um den Aufwand aus dem Konkordat zu decken. Es ist unschwer zu erraten, wem die Spitze dieser lächerlichen Behauptung gelten soll! — Doch da» schönste ist zweifellos auf einer anderen Versammlung passiert, wo ein natsoz. Opponent in bezug auf den Redner in den Saal hin- einbrüllte: Es stehe in der Bibel, wen Gott strafen wolle, dem lasse er die Haare ausgehen! Man dürfe darum nur den Redner betrachten — der war nämlich mit einer kleinen Glatze geschmückt — dann sehe man, daß Gott nichts von diesem Zentrum wissen wolle! Das Echo dieser Rede läßt sich denken, auch die Pg. konn- ten sich ihm nicht entziehen. Schon ernster war ein anderer Zwi- schenfall in der gleichen Versammlung zu nehmen. Als nämlich die natsoz. Störer auf den Aufruf Hitlers, in dem er Ruhe und Ord- nung befiehlt im Wahlkampf, hingewiesen wurden, entgegnete einer der natsoz. Krakehler mit eigentümlicher Betonung: „Hitler hat schon viele Aufrufe erlassen!" Ein weiterer Kommentar dazu wird überflüssig und auch nicht gestattet sein. f. Kirchliche Rachrichten Aus der Erzdiözese. Versetzungen. Vikar Josef Schmid in Durbach nach Malsch b. W. Vikar Friedrich Hönig in Jstein nach Dossenheim. Die Versetzung des Vikars Hufert Seemann von Mannheim, Untere Pfarrei, nach Viannheim-Käfertal wurde zurückgenommen; ebenso die Versetzung des Vikars I. Schmid in Durbach nach Malsch b. W. Zuruhesetzung. Der Herr Erzbischof hat den Verzicht des Pfarrers Alfons Stetter, zur Zeit in Obersasbach, auf die Pfarr«. Uissigheim mit Wirkung vom 1. März d. I. angenommen. Ausgeschrieben zur Bewerbung sind die Pfarreien Oden- heim und Neuenburg. Freiburg i. Br., 10. März. (Todesfall.) Heute abend, starb in der medizinischen Klinik in Freiburg nach längerem, gottergebe- nem Leiden der hochw. Herr Pfarrer von Waldulm, Wilhelm Ficht«r, im 61. Lebensjahre. Die Beisetzung findet am nächsten Dienstag 9 Uhr in W al dulm statt. Veit« 4 £. # Offenburg, 10. März. (Nochmals die Gissung der Hackenkreuzfahne.) Zu dem von uns übernom- menen Bericht des Landesdienstes der TU. über die Hissung der Hakenkreuzfahne am Rathaus, der fälschlicher- weise dem Oberbürgermeister feige Nachgiebigkeit gegenüber einem tapferen Stadtratsbeschluß vorwirst, veröffentlichen wir anbei einen Auszug aus dem uns zugesandten amtlichen Protokoll dieser Sitzung, der den Vorgang in anderem Lichte zeigt. Darnach stellte Stadtrat Rombach namens der Rat- hausfraktion der NSDAP, den Antrag, der Stadtrat wolle gestatten, daß als bald auf dem Balkon des Rathauses eine Hakenkreuzfahne aufgezogen werde. Der Vorsitzende erklärte, daß er sich mit der Anbringung der Hakenkreuz- sahne nicht einverstanden erklären könne. Die Fahne sei nicht das Symbol des Reiches, sondern trotz des «Steges der NSDAP, immer noch Partei sahne. Die Fahne einer ein- zelnen Partei aber auf dem Rathaus aufzuziehen, verstoße gegen das Recht und auch gegen die bisherigen Gepflogen- heiten. Es sei s. W. noch nie eine Parteifahne auf dem Rat- Haus gehißt worden. Auch habe er noch nie gestattet, daß parteipolitische Reden vom Balkon des Rathauses aus gehalten worden seien. Mehrere Mitglieder schließen sich der Auffassung des Vorsitzenden an. Ter Antrag der NSDAP, wurde gegen 4 Stimmen abgelehnt. Daraufhin erklärte Stadtrat Rombach, daß er eine Verantwortung für das, was die nationalsozialistische Sturmabteilung unter- nehme, nicht übernehmen könne. Er werde den Abteilungs» sührer der Sturmabteilung von der Ablehnung benachrich- tigen. Der Vorsitzende erklärte hierauf, daß er unter den Heu- tigen Verhältnissen gegen die Anwendung von Ge- walt nichts unternehmen würde. Wenn Gewalt angewendet würde, könne er es nicht hindern: den Ausbruch schwerer Störungen oder gar Blutvergießen eintreten zu las- sen, dazu sei ihm die Sache nicht wichtig genug. Nach eini- ger Zeit erschien eine größere Abteilung uniformierter Na- tionalsozialisten und brachte die Hakenkreuzfahne auf dem Balkon des Rathauses an, woran sich die drei nationalsoziali- Aischen Stadträte beteiligten Anfall mit tödlichem Ausgang dz Friedrichshafen, 10. März. Fuhrunternehmer Klingler von Friedrichshafen fuhr gestern mit seinem Bulldogg und zwei Anhängewagen, die mit Kies voll beladen waren, nach Fischbach. Am Kreuzungspunkt des Fabrikwegs zu den Dornierwerken standen drei Knaben aus Manzell, die zur Schule nach Fischbach gehen wollten. Der 10jährige Sohn Konrad des im Januar verstorbenen Bahnarbeiters Hiller aus Manzell sprang dem Kieslastzug nach und setzte sich auf die Verbindungsstange zwischen beiden Anhängewagen. Die beiden anderen Knaben, die ebenfalls aufsitzen wollten, er- reichten das Kiesfuhrwerk nicht. Beim Gasthof zum „Wald- Horn" fiel Konrad Hiller von der Stange herunter, und der zweite Anhängewagen ging am Kopf über ihn weg. so daß der Tod des Knaben sofort eintrat. Pferdegespann in den Rhein gestürzt bld Breisach, 10. März. Kurz unterhalb der Schiffsbrücke stürzte am Mittwoch früh ein mit zwei Pferden bespannter beladener Wagen, der Material für die Rheinregulierung brachte, ins Wasser. Der Fuhrmann Schillinger konnte sich im letzten Augenblick noch durch Abspringen retten. Herbei- eilende Arbeiter konnten die Stricke der Pferde durchschneiden und das eine Pferd retten. Das zweite Tier konnte erst nach halbstündiger Arbeit in bewußtlosem Zustande auS dem Wasser gebracht werden. Untergrombach, 10. März. (Zu den Vorgängen) in Untergrombach ist noch folgendes nachzutragen. Unter den Untergrombacher SA-Leuten befanden sich Leute, die so- wohl in katholischen wie in sozialdemokratischen Vereinen waren, aber j'eweils wegen Unterschlagung, bzw. Dieb- stahl herausgeworfen wurden. Der so schmählich behandelte sozialdemokratische Gemeinderat M o d e r y ist ein stets hilfs- bereiter Mitbürger, der als neunzehnjähriger Kriegsfreiwilliger bereits das Eiserne Kreuz I. Klasse besaß und später als Kompagnieführer im Baltikum gegen die Bolschewisten kämpfte. Die Durchsuchung des „Engel" geschah äußerst rigoros: beispielsweise wurden Strohsäcke kurzweg auf- geschnitten, eingeweichte Wäsche aus der Waschbrühe heraus- gezogen und auf den Boden geworfen. Gefunden an Was- fen und im Triumph auf das Rathaus getragen wurden die üblichen Turngeräte des Turnvereins sowie ein eiserner F e u er haken der im Kohlenschiff unter dem Küchenherd gefunden wurde. Später brachte man noch einen Revolver bei, der im Saal hinter der Bühne ge- funden worden sein sollte, aber seltsamerweise nagelneu war und nicht die geringsten Staubspuren zeigte. Der P o l i - z e i d i e n e r wurde mit dem Tode bedroht von Burschen, welche er vor zwei Jahren wegen Randalierens vor dem Gotteshaus auf dem Michaelsberg angezeigt hatte. Bei dem Umgug wurden die Fenster der Familie Meerapfel ein- geworfen und Herr und Frau Meerapfel selbst tätlich be- droht. Man mag sich zu den Juden stellen wie man will: wenn die Familie Meerapfel von hier ihr Geschäft und Wohnsitz fortverlegt und die Angestellten und Arbeiter ent- läßt: dann steigen Kopfftmierzettel und Arbeitslosenziffer ins katastrophale. Herr Meerapfel hat ersteres vor seiner Flucht angekündigt. m Untergrombach, 9. März. (Todesfall.) Die vor wenigen Tagen verstorbene Frau Luise Zöller Witwe geb. Knopf wurde heute zur letzten Ruhe gebettet. Schwere Anfalle dz Schopfheim, 10. März. Eine Arbeiterin aus Säckingen brachte in der Hanf-Union einen Arm in die Maschine. Da- bei wurde der Unterarm schwer verletzt. • dz Pfohren (Amt Donaueschingen), 10. März. Die IL Jahre alte Tochter Marie des Schlossers Ketterer wurde während des Melkens von einer Kuh in das Gesicht gen. Das Kind wurde dadurch schwer verletzt, daß Zähne eingeschlagen wurden. geschla- ihm dt« dz Lauf (Amt Bühl), 10. März. (Wohn und Oeko- nomiegebäude abgebrannt.) Gestern abend gegen 10 Uhr brannte das Wohn- und Oekonomiegebäude des Land- Wirts Valentin Birk vollkommen nieder. Die Brandursache ist Kurzschluß. Das Vieh und ein Teil des Inventars konn- ten gerettet werden. dz Kork (Amt Köhl), 10. März. (Frühlingsvorbo- ten.) Unser Storch ist angekommen und hat sein altes Nest auf dem Kamin der Brauerei „Grüner Baum" bezogen. Auch in Sundheim ist der Storch eingetroffen. dz Freistett, 10. März. (Der Reichspräsident Pate.) Der Herr Reichspräsident von Hindun bürg hat M dem 7. Kind des Arbeiters David Sich! die Patenschast über- nommen und als Ehrengabe ein Geldgescheirk übersandt. Es ist diss innerhalb weniger Monate das zweite Mal. daß der Herr Reichspräsident hier eine Patenschast übernimmt. dld Unterbiedersbach (Elztal), 10. März. (Ein Racheakt.) Einen Schaden, der sich auf mehrere hundert Mark beläuft, mußte der Holzaufkäufer Joseph D u f n e r an seinem Bienenwanderwagen feststellen. Bis jetzt noch unbekannte Täter haben nicht weniger als 12 Bienenvölker vernichtet. Nach dem Urteil von Sachverständigen wurde an die Woh- nungen der Bienen geklopft und diese beunruhigt. Da sich die Fluglöcher durch erstarrte Bienen verstopften, erlitten die Völker den Erstickungstod. dlä Sallneck (bei Schopfheim). 10. März. (Wohl die älteste Wählerin Badens) dürfte Frau Katharina Schwald von hier sein, die bei der letzten Reichstagswahl zur Urne ging. Sie zählt 94 Jahre und wollte es nicht versäumen, ihr Wahlrecht auszuüben. d" Konstanz, 10. März. (Landgerichtsdirektor a. D. Dr. Karl Freiherr v. Rüpplin 80 Jahre alt.) Heute Freitag, 10. März, kann ein Mann seinen 80. Geburtstag feiern, dessen Name Programm und dessen Le- bensarbeit Vorbild ist. Es ist der frühere Landgerichtsdirek- tor am Landgericht Konstanz, Dr. Karl Freiherr von Rüpplin, ein Konstanzer Kind, geboren am 10. März 1858 zu Konstanz. Er widmete sich dem juristischen Studium, war dann als Amtsrichter in Walldürn und Donaueschingen, als Oberamtsrichter in Radolfzell (seit 1888), Landgerichtsrat in Konstanz (seit 1896), Oberamtsgerichtsrat in Karls- ruhe (seit 1906) und Landgerichtsdirektor in Konstanz (seit 1910) tätig. Am 15. Juni 1919 erfolgte sein Uebertrrtt in den Ruhestand. In Landgerichtsdirektor Dr. Karl Freiherr von Rüpplin verkörpern sich die besten Seiten des deutschen Richtertums. Ausgestattet mit reichen Gaben des Intellekts, mit umfassenden Kenntnissen auf juristischem Gebiet und einer unermüdlichen Tätigkeit seine unantastbare Objektivität und seinen unbestechlichen Gerechtigkeitssinn. Von persön- licher Liebenswürdigkeit war er im Verkehr mit seinen Kol- legen und dem rechtsuchenden Publikum. Und diese Menschen- nähe, die einem mitfühlenden Herzen entspringt, zeichnet die ganze kraftvolle Persönlichkeit von Rüpplins aus, eine Men- schennähe, die vor allem im hohen Alter durch das Bewußt- sein der Gottnähe geadelt wird. Es ist der Stolz des Ge- burtstagskindes, ein ganzer, frommer Katholik sein zu dürfen. Früher beteiligte sich von Rüpplin auch im öffentlichen Leben in treuem Bekenntnis zu den Idealen der Deutschen Zentrumspartei. Unser Geburtstagswunsch mag deshalb um so herzlicher und inniger in die stille Behausung dringen, die seinen Lebensabend so harmonisch und freundlich gestaltet, wie es Menschen nur wünschen können. Jas SeWM tat Smlswkib in Kosla» Ein Ehrentag des deutschen Handwerks: 275 jähriges Geschüftsjubilaum der Farberei Karl Hansjakob in Haslach Man klagt in unserer Zeit so oft, die fortschreitende Tech- nisierung und Mechanisierung habe dem Handwerk den sprich- wörtlichen „goldenen Boden" entzogen, gewerblicher Fleiß und Sinn für berufliche Tradition würden gelähmt durch die Ent- persönlichung und Schematisierung handwerklicher Arbeit. In einer solchen Zeit ist es doppelt angebracht, das Jubiläum eines Gewerbebetriebes zu feiern, der 275 Jahre sich im Besitz ein und derselben Familie befindet, der trotz aller Schicksalsschläge sich behauptet hat und auch im heutigen scharfen Wirtschaftskampfe sich durchsetzt. Dieses seltene Fest begeht am kommenden Sonntag die Färber- familie Hansjakob in Haslach, deren Mitglied Karl Hans- j a k o b auf 275 Jahre Schaffens seiner Vorfahren zurück- blicken kann. Von dem Begründer der Färberfamilie Hansjakob berichtet die Familienchronik, daß er 1635^ als Pächter der Gastwirt- schast „Zur Blume" in Gengenbach an der Pest gestorben ist. Dessen Sohn Johannes lernte das Färbereihandwerk und ließ sich in Haslach nieder. 1679 heiratete er, nachdem auch seine zweite Frau gestorben war, zum dritten Male. Aus dieser Ehe entsproßten zwei Söhne, von denen der ältere Jo- Hannes wieder das Färbereihandwerk erlernte und der jüngere Hans Georg Weber wurde. Von dessen einem Sohn stammt übrigens die „Bäcker- linie", die bis zum Vater des Schriftstellers Dr. Heinrich Hansjakob das Bäckcrhandwcrk ausübte und mit diesem berühmten Volksschriftsteller ausstarb. Johannes, der die Färberei übernahm, wurde bald wegen seiner Tüchtigkeit und seines Ansehens in den Rat berufen und sogar Bürgermeister von Haslach. Auch im 18. Jahr- hundert berichtet die Chronik von tüchtigen, ehrenwerten In- habern des Geschäftes, die durch Fleiß und Umsicht den Namen Hansjakob überall bekannt machten. Noch heute sind im Heimatmuseum in Haslach Musterkarten und Druckformen mit den Zeichen der Hansjakobschen Familie aufbewahrt. Der letzte Färber K a r l H a n s j a k o b, der am Sonntag das seltene Jubiläum feiern darf, wurde am 3. Februar 1876 ge- boren und ging mit 17 Jahren in die Fremde. Drei Jahre lang arbeitete er in Wien, Salzburg, Ischl und Ulm und kehrte dann nach Hause zurück. Aber bald zog es ihn wieder hinaus, dieses Mal nach dem Norden, nach Kiel und Chem- nitz. Nach Absolvierung seiner Militärzeit in Konstanz war er bis 1902 in der Schweiz tätig, von wo er dann in daS elterliche Geschäft zurückkehrte. Im Jahre 1909 verheiratete er sich, leider wurde die Ehe mit keinem männlichen Nach- kommen gesegnet. So ist Herr Karl Hansjakob der Letzte seines Geschlechts, das Generationen lang dem Färberhandwerk treu geblie- ben ist. Man' kann dieses Jubiläum nicht übergehen, ohne auch des letzten Hansjakob der „Bäckerlinie" zu gedenken, der als Volksschriftfteller weit über die Grenze seiner Heimat hinaus sich einen Namen gemacht hat. Gerade wirKatholiken sind stolz auf ihn und zählen den originellen Plauderer im Priestergewand mit Alban Stolz zu den hervorragendsten Volksschriftstellern unserer Heimat. Die Liebe zur Heimat, die Ehrfurcht vor der Tradition und die Treue zu Volk und Heimat, die dieser Hansjakob in seinen Schriften schilderte, und wodurch er seinem großen Leserkreis so teuer wurde, hat Karl Hansjakob, der am Sonntag seinen Jubeltag feiern darf, praktisch seinen Mitbürgern vorgelebt. Treue zur Tradition, Liebe zum väterlichen Gewerbe und Sinn für die bodenstän- dige Kultur unserer Heimat haben 275 Jahre hindurch der Familie Hansjakob die Kraft verliehen, in guten und bösen Zeiten sich und ihrem Handwerk treu zu bleiben. So ist dieser Festtag in Haslach nicht nur ein Familienfest für das Hans Hansjakob, sondern ein Fest- und Ehrentag für den ganzen gewerblichen Mittelstand, der diesen Tag mitfeiern und mit neuem Mut in die Zukunft gehen darf. Denn ein Stand, der Jahrhundertelang so der Tradition treu bleibt, der sich durchsetzte in Kriegs- und Revo- lutionstagen, in guten und bösen Zeiten, hat den Beweis er- bracht, daß er auch in Zukunft krisenfest bleiben wird. Wir hoffen, daß auch von Regierungsseite auS dieser Tag benutzt wird, um in dem Jubilar in Haslach das ganze deutsche Handwerk zu ehren und ihm zu zeigen, daß es neben der Landwirtschaft und den übrigen Ständen einen ebenso bevor- zugten Platz hat wie diese. fhr. 89 Smn»tag, de» 11. Mär» 1933 Seite B Deutsche Dome m Gefahr? Die Kathedrale von Cordvba durch Ausgrabungen gefährdet Vor kurzem «rjt konnte berichtet werden, daß die Arbeiten zur Sicherung der wundervollen romanischen Basilika von Maria Laach zu einem glücklichen Abschluß gebracht worden sind, da wird dt« christliche Kulturwe-t von neuem durch Nachrichten in Besorgnis versetzt, die von schweren Schäden an anderen bedeutenden Airchenbauten des deutschen Mittelalters melden. Die herrliche ft>Stgotische Katharinenkirche zu Oppenheim am Mittel- rhein, einer der wenigen Backsteinbauten der Gotik in West- deutschland, weist so erheblich« Schäden auf. daß sich die evange. lische Kirchengemeinde von Oppenheim in einem Notruf an die Oeffentlichkeit wendet. Das Schicksal dieses im gesegneten Wein- gau Rheinhessens über Rebgärten (Oppenheimer Krötenbrunnen) aufragenden Kirchenbaus bewegt jeden, der einmal die zartem Spitzenmuster gleichenden Fensterrosen des Westchorz bewundert hat. Ob es in der gegenwärtigen Notzeit möglich sein wird, wenig, stens die bedrohlichsten Schäden auszubessern, steht noch in Frage. Auch der St. Stephansdom in Pas sau weist bedenk- liche Schäden auf. Dort hat man, um eine gründliche Restaurierung vornehmen zu können, in diesen Tagen einen Dombauverein gegründet, der die ersorderlich«n Mittel aufbringen soll. Ueber die Sicherungsarbeiten, die an dem heute dem evangelischen Got- teSdienste dienenden Lübecker Dom namentlich an dem infolge unzureichender Fundamentierung im Torf des Travebeckens be- drohlich sich neigenden Turm vorgenommen werden, ist bereits vor einiger Zeit berichtet worden. Recht bedenklich klangen auch die Nachrichten über ein A b f i n - leen des Königsbergs! Doms, der in diesem Herbst 600 Jahre besteht. Einst als katholische Kathedralkirche des Bischofs von Samland erbaut, dient dieser Dom seit 1528 dem evangelischen Gottesdienst. Wie sämtliche Gebäude der Unterstadt Königsbergs ruht auch der Dom auf einer Torfschicht von einem Meter Stärke, die den weichen Grund des Pregeltales durchzieht. Während der in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erbaute Chor mit einer Grundmauer in der Breite der gesamten Mauerstärk« auf dieser Torfschicht aufgesetzt ist, hat man sich merkwürdigerweise bei der Erbauung des Langhauses und der Turmgruppe in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts damit begnügt, mit durch Bogen ver- bundenen Pfeilern, die auf die Torsschicht aussetzen, das Fun- dament für das hohe und schwere Gebäude zu schassen. Diese Pfeiler haben sich allmählich so tief in die Torfschicht eingeschnit- ten, daß der Dom jetzt auf den Bögen selbst hängt. Der am schwersten betroffene Westeingang ist im Lause der Jahrhunderte um insgesamt 1.6 7 Meter abgesunken. Genaue Beobach- tung hat ergeben, daß dieses Absinken unverändert im gleichen Tempo weitergeht. Im Laufe von vier Jahren sinkt dieser Teil des Domes um durchschnittlich ein Zentimeter. Eine Gefahr für das Baudenkmal besteht jedoch nach där beruhigenden Erklärung des Provlnzialtonservators von Ostpreußen, Prof. Dr. D e t h - l e s s e n, nicht. Die keinesfalls Gefahr bringenden Risse werden dauernd beobachtet. Baumaßnahmen hält Dr. Dethlessen jedoch nicht für erforderlich. Auch aus Spanien kommt die Nachricht von der Gefährlichkeit einer Kathedralkirche. Die Ausgrabungsarbeiten an der Käthe, drale von Cordoba, über die wir vor einiger Zeit berichteten, haben dieses größte uns heute noch erhaltene Baudenkmal aus der Zeit der maurischen Kultur in Spanien in ernste Gefahr gebracht. Wie man jetzt auf Grund von Blättermeldungen erfährt, soll sogar ein Einsturz des Bauwerks zu befürchten sein, denn viele Säulen haben sich bereits erheblich gesenkt. Man hat zwar sofort Gegenmaßnahmen zwecks Sicherung des Gewölbebaus ergriffen, doch bleibt zweifelhaft, ob die Gefahr damit ein für allemal behoben sein wird. Auch die Ausgrabungsarbeiten sind sofort eingestellt worden, da eine Weiterführung allzu unvorsichtig gewesen wäre. Was man hat feststellen können, ist, daß die Westgoten ihre Kirche, an deren Stelle heute die arabische Mezquita steht, auf der Stätte eines römischen Janustempels errichtet haben. Die Gestalt der Grundrisse ist nicht endgültig geklärt worden. Am das Schicksal der höheren Schule Der erste Einwand, der gegen das soeben erschienene Buch von Georg Ried *) geltend gemacht werden wird, ist der, daß der Ver- fasser als Philologe und Geschäftsführer des Deutschen Philologen- Verbandes „pro domo" spreche. Ein stichhaltiger Einwand ist das nicht; denn er entkräftet weder das Riedsche Zahlenmaterial über den drohenden Verfall der höheren Schule, noch die Tatsache, daß ein Fortgang der Existenzbedrohung der Philologen auch eine eminente volkswirtschaftliche Angelegenheit ist. Ried hat sich jeden- falls ein Verdienst erworben, daß er mit ebenso großer Skepsis wie Sachkunde an die Schlagwörter von der „Verschulung des deutschen Volkes" herangeht und schlüssig nachweist, daß die seit 1926 nur verdeckte Schrumpfung der höheren Schule über das akute Stadium der offenen Schrumpfung sich dem Verfall nähere, d. h. einem Zustand, in dem der Verlust an Schülern und die verfehlten Spar- maßnahmen den Lebensnerv der höheren Schule treffe. Sehr interessant ist es, wie Ried das statistische Material verwertet, um überzeugend darzutun, daß die Zunahme der Schüler- zahl, die nur in gewissen, besonders bedingten Jahrgängen und Klqssen in die Augen springt, nur eine scheinbare sei (z. B. durch Zustrom der 87 000 Besucher der ehemaligen Lehrerbildung?- und Präparandenschulen oder durch längeres Verweilen in den höheren Lehranstalten infolge der Wirtschaftslage keine Aussicht auf Beruf *) Georg Ried, Schrumpfung oder Verfall der höheren Schule. Verlag von Quelle und Meyer in Leipzig Das Weltecho des Goethe-Fahres Unter diesem Titel ist soeben von Dr. Alfred Bergmann ein Buch herausgegeben worden, das uns den Widerhall de» Goethejahres in der gesamten Kulturwelt immer wieder vor Augen halten soll. Trotz der schweren Krise, unter der die Welt seufzt, und durch die gerade die kulturellen Interessen und Bezie- Hungen besonderen Schaden erleiden, ist das Goethe-Gedenkjahr in allen Erdteilen in einem Matze gefeiert worden, wie wir Deutschen es niemals erwarten konnten. Datz überall dort, wo außerhalb der Reichsgrenzen Deutsche in größerer Zahl wohnen oder siedeln, deS deutschen Dichters in diesem Jahre gedacht worden ist, ist selbstverständlich. Was uns so stark berührt und mit berechtigtem Stolz? erfüllen darf, das ist die tiefe und starke Anteilnahme nicht- deutscher Kreise. Alle Kultur st aaten haben in offiziellen Feiern dem deutschen Genius ihre Huldigung dargebracht, die Presse ihn in Wort und Bild gefeiert, Universitäten und Vereine an der Vertiefung der Kenntnis von ihm und seinem Werke ge- arbeitet, die Theater seine Stücke aufgeführt, die geistigen Führer des Landes ihr Bekenntnis zu ihm abgelegt und ausgesprochen, was er für sie bedeutet hat, Ausstellungen dazu beigetragen, die Anschauung von seinem Leben und Wirken lebendig zu machen. Darum schien der Versuch lohnend, etwas einzusaugen und festzu- halten von alledem, was gesprochen, gezeigt und geschrieben wurde zu Ehren Goethes, damit die Erinnerung daran nicht verwehe im Sturme der Zeiten. Der Bericht über die Ansprachen von neun Vertretern fremder Nationen während der Gedächtniswoche in Weimar als daS offizielle Kernbekenntnis macht den Anfang. Es folgen in drei großen Gruppen Ueberftchten über die Feiern des Auslandes, die Ausstellungen und die Literatur einschließlich der Uebersetzungen Goethescher Werke. In einem Anhange wird schließlich auch sonstiger Veranstaltungen auf reichsdeutschem Boden gedacht, soweit sie von ausländischen Persönlichkeiten aus- gingen. Hervorgehoben sei die außerordentlich ansprechende Aus- stattung dieses Werkes, an dem jeder Goethefreund und Bibliophile feine Freude haben wird. (Verlag von Hermann BöhlauS Nach- folger, Weimar.) Der Leiter der katholischen Rundfunkarbeitssemeinschasten, Direktor Bernhard Marschall vom Zentralbildungsausschutz der katholischen Verbände Deutschlands ist zum päpstlichen Ge- Heimtämmerer ernannt worden. Mit de» Verleihung diese? Titels wird ein Mann geehrt, der in unermüdlicher Arbeit bestrebt ist, die Kulturellen Belange der Katholiken in der Oeffentlichkeit zu vertreten und zu wahren. Wie unsere Leser aus zahlreichen Berichten wissen, gehört Direktor Marschalls besondere Liebe dem Rundfunk. Er ist der Gründer und der Organisator der Katholi- schen Rundfunkarbeitsgemeinschaften an den verschiedenen Sendern. Ihm gelang es, die Bestrebungen verschiedener katholischer Gruppen ihre Mitarbeit dem Rundfunk zur Verfügung zu stellen, zu vereinen und in der Rundfunkarbeitsgemeinschaft der Deutschen Katholiken zu organisieren und zu zentralisieren. In zahllosen Verhandlungen war Direktor Marschall bemüht, bei den amtlichen Rundfunkstellen die Rechte der Katholiken zu wahren und ihre Mitarbeit in die Arbeit des gesamten deutschen Rundfunks einzu- bauen. Er ist es, der immer wieder neue Anregungen und neuen Arbeitsimpuls in die Arbeitsgemeinschaften an den einzelnen deut- schen Sendern trägt. Aeußerlich hat Direktor Marschalls Bemühen seine Krönung erfahren in der grotzen Rundfunkübertragung der beiden letzten deutschen Katholikentage. Seit 1929 ist er übrigens auch Leiter des Internationalen Katholischen Rund- inntbütoS, das seinen Sitz in Köln hat. oder mit Rücksicht auf die gestiegenen Ansprüche an die Vorbildung). Den Rückgang werde man aber jetzt immer deutlicher sehen (vgl. Sextanerzahlen). Mit dem hochinteressanten Inhalt und dem reichen Material mögen sich die Fachleute abgeben. Allgemein interessiert die Warnung vor weiteren Eingriffen in die höheren Schulen, für die aus verschiedenen Erwägungen im Gegenteil zum „Zug der Zeit" Schutzmaßnahmen unter Rücksichtnahme auf begabte Minder- bemittelte und Kinderreiche verlangt werden. Nicht die höhere Schule sei es, die Gefahr bedeute durch eine (in Wirklichkeit nicht vorhandene) Überproduktion von Abiturienten, sondern die bisher geübte übermäßige Förderung des Hochschulstudiums und der Mangel an Berufsschaffung für Abiturienten. Ried meint auch, es gäbe Wege, mehr Philologen zu beschäftigen und den philologi- schen Nachwuchs zu retten; dazu müsse eine den jetzigen Methoden entgegengesetzte Unterstützung und entsprechender Innenausbau der höheren Schule einsetzen. Die Siebung an den höheren Schulen sei jetzt schon durchaus genügend, an der Hochschule sei es, ein gleiches zu tun. Jenes' Problem, das für uns nicht minder wichtig ist als das von Ried angeschnittene, ist natürlich da» andere: W i e hat der innere Ausbau der höheren Schule vor sich zu gehen, wie hat sie ihre Pflicht gegenüber Schülern und Eltern zu erfüllen, wird auf Grund der gebotenen statistischen und volkswirtschaftlichen Darlegungen noch viel ernster, da für die höhere Schule nur dann berechtigterweise und erfolgreich so plädiert werden kann, wenn sie ihr« Aufgabe im höchsten Sinne als Bildungsaufgabe ansieht, -r. Für das Recht der Persönlichkeit Wenn Hans Grimm, der Verfasser von „Volk ohne Raum", vor der Oeffentlichkeit spricht, dann horcht ganz Deutschland auf. Denn HanS Grimm ist unstreitig einer, der im Ringen seines Volkes um eine bessere Zukunft etwa? zu sagen weiß. Dieser Tage nun sprach er in der Fichtegesellschaft in Berlin und forderte Raum für die schaffende, wagende Persönlichkeit, „die Rettung der Wirk- samkeit der Besten, welche die wenigsten sind"; eine Forderung, die von dem Philosophen Karl Jaspers und dem Biologen Hermann Muckermann in anderem Zusammenhang auch erhoben wird. Doch wandte sich Hans Grimm nicht deutlich genug gegen die Gefahr, daß seine Worte vor den Wagen einer Reaktion des liberalistischen Kapitalismus gespannt werden, eines Unternehmertums, daS nur auf dem Umweg über den eigenen Vorteil dem Wohl des Ganzen dienen zu können vorgibt, wobei es dann oft bei dem eigenen Vor- teil bleibt. Es fehlte die entschiedene Forderung, daß die Persön- lichkeit des freien Unternehmers die Aufgabe hat, dem Wohle des Volkes in unmittelbarer Hingabe zu dienen, daß nur so wirklich schöpferisches Unternehmertum denkbar ist. Wenn sowohl der marxistische wie der nationalsozialistische Sozialismus die Ansichten Grimms ablehnt, weil er den Sozialismus nur als Gleichmacherei des Mittelmäßigen kennt, so müssen wir daran erinnern, daß wohl die Qualität das Entscheidende ist, aber nur dort, wo sie mit hilfs- bereiter Liebe gegenüber allem Schwachen gepaart ist und nicht sich selber, sondern der hohen sittlichen Aufgabe dient, den ihr ander- trauten Menschen Lebensraum zu schaffen. „Volk ohne Raum" nicht mit den Ellbogen, sondern mit der zähen Energie der Liebe wird ihm wirklich Raum geschaffen und dazu brauchen wir aller» dings Persönlichkeiten. ' H. K. Die erste Papstfeier in Persien Wie dem Osservatore Romano aus Teheran, der Hauptstadt Persiens berichtet wird, ist dort in diesem Jahre zum ersten Male aus Anlaß des 11. Krönungstages des- Papstes Pius XI. eine große Papstfeier veranstaltet worden. Die Initiative dazu ging von dem Apostolischen Delegaten in Persien Msgr. Lari aus, der am 12. Februar, umgeben vom gesam!cn Klerus und zahlreichen Katholiken Teherans, sowohl des lateinischen wie des chaldäischen Ritus, ein feierliches Pontisikalamt zelebrierte, dem auch zahlreiche Mitglieder des diplomatischen Korps und der Regierung beiwohn- ten. Nachmittags veranstaltete der Apostolische Delegat in seinem PalaiZ einen großen Empfang, zu d'.m zahlreiche führende Persön- lichkeiten des diplomatischen, politischen und geistigen Lebens der Hauptstadt Persiens erschienen waren. Am Schluß des Berichts des Osservatore Romano heißt es, datz die beiden Veranstaltungen allgemein einen erfreulichen und tiefen Eindruck hinterlassen haben, weil alle, auch die Nichtkatholiken, die hoben Verdienste und das bewundernswerte Wirken des regierenden Papstes kennen Man kann also ohne Übertreibung sagen, datz Diese erste Papstfeier in Teheran ein historisches Ereignis darstellt. XVI? Benediktineryründung in Berlin Mehrere deutsche Bischöfe, besonders Bischof Dr. Schreiber von Berlin, haben wiederholt die Aebte der Neuroner Kongregation zu einer Gründung in Berlin aufgefordert und ermuntert. Nach man- chen Verhandlungen und mühevollem Suchen hat sich nunmehr die Gelegenheit zu einer Gründung ergeben und die Neuroner Kon- gregation will sie trotz der Ungunst der Zeiten wagen. Auf den eindringlichen Wunsch interessierter Kreise ist von der Kongregation mit der Gründung beauftragt worden Abt Coadjutor Michael von Witowfki in Weingarten, da er von Berlin kommt und die dortigen Verhältnisse am besten kennt. Er hat die Vorbereitungen bereits so weit getroffen, datz in einigen Monaten das klösterliche Leben in der Neugründung, für die vorläufig ein Flügel des Priestersemi- narS gemietet ist, unter seiner Führung beginnen soll. Ein bedeutendes Werk über die asiatische Miniaturmalerei legt der auf Grund seiner heftig umstrittenen kühnen und revolutio- nären Hypothesen weithin bekannte Wiener Kunstwissenschaftler Prof. Dr. Josef Strz>»->l^vski jetzt als 50. Band der Arbeiten seines Institutes vor. An der Herausgabe beteiligt sind der Bros. Dr. H. Glück, Dr. St. Kramisch und Dr. E. Welleß. Die Mädchen vom Kreuzhos Zwischen den Hügeln d«s schönen Bergischen Landes, eine Viertelstunde von der letzten Autobushaltestelle, liegt ein altes Bauernhaus, das 12 arbeitsdienstwilligen Mädchen und ihrer Füh- renn zur Verfügung steht. Vor dem Hause ragt ein mächtiges, altes Kreuz, das dem Hof seinen Namen gab. Schon von weitem höre ich auf dem zwischen Obstgärten und Feldern herabführenden Weg singende Mädchenstimmen. In dem kleinen, notdürftig getünch- ten, sehr primitiv eingerichteten Zimmer der Führerin sitze ich zuerst. „Wir sind eine richtige Gemeinschaft geworden". sagt diese tapfere Frau, die tagaus tagein mit den aus verschiedensten Städten stammenden Mädchen arbeitet. „Ein so nahes Zusam- menleben mit der _ Natur ist den meisten noch fremd, es bringt ihnen neue Erlebnisse, bald viele Freude. Für mich ist es immer das Schönste, zu sehen, was sie sich wieder erobert haben, für was sie wieder wacher werden, reger. Wir arbeiten hier nicht nur für uns, besorgen nicht nur den Garten, das Obst, wir nehmen jetzt etwas Jungvieh in Pflege, wir helfen den hundert Jugend- lichen unten in der Winfriedsiedlung, die roden, am Steinbruch arbeiten, den Bach regulieren." ^ Ich gehe durch das alte Haus. Alles ist denkbar einfach. Die Schlafkammern, gelb, blau oder rot getüncht, sehen freundlich aus, der derbe Stoff, der die Türen ersetzenden Vorhänge, hat fröhliche, bunte Streifen, ein guter Holzschnitt hängt an der Wand. In der Waschküche unten waschen zwei Mädchen. Unbefangen und bereit- willig erzählen sie, wie gern sie hier sind, hier arbeiten. Sie er- zählen von den Hühnern, den Kaninchen, von der Obsternte und dem Schaf. Das steht neben dem Waschraum in einem Verschlag mit seinem Fräulein Tochter und heißt Jeannette. — Zwei Bur- schen schleppen Ziegelsteine. „Wir kommen aus der Winfriedsied- lung", sagt der eine. Dann zeigt «r mit der Hand auf einen Hügel. „Dort oben sind jetzt auch welche von uns, die wollen Bauern werden und lernend da. Wir da unten arbeiten so, Wege. Aber wir helfen auch hier mal. DaS wäre ja noch schöner, wenn die Mädchen Steine schleppen müßten! Wir hacken hier auch das Holz." Dafür liegt in dem langgestreckten, hellen Tagraum der Mädchen auf einem Tisch ein Riesenberg Socken, teils mit sauft- grotzen Löchern. Die werben hier gestopft. Ein Junge kommt her- ein, bringt eine Hose, bittet, datz man sie ihm wasche, ausbessere, bügle. Die Führerin kommt wieder zu mir. „Wir gehen manchmal auch in größeren Gruppen hinunter zu den Jungen und machen Reinigungsarbeiten, Helsen im Garten aus. Hier geht's zeitig zu Bett, wir alle stehen um sechs Uhr wieder auf. Aber die Abende haben die Mädchen gern, es gibt Leseabende, Singabende, Spiel- abende. Wenn sie herkommen, singen sie nur Schlager und arg sentimentale Lieder. Ich lehre sie Volkslieder. Viele verstehen nach einiger Zeit auch von selbst den Unterschied. Ihrem Hang zur Sentimentalität, auch bei der Lektü^, kommt hier nichts ent- gegen. Aber sie werden hier zusehends wach. Während sie zuerst in den Freistunden nichts mit sich anzufangen wissen, lieben sie sie nachher, schreiben Briefe, nähen." Jetzt haben sie Adventskränze gemacht. Ueberall hängen die Kränze, auch unten im Burschen- lager sehe ich sie, in den großen schlafräumen, im Tagesraum. Ganz stolz leuchten die Augen der Mädchen auf, als sie hören, daß ihre schöner find als die vereinzelten, die sich die Jungen selber machten. „Unten ist auch die kleine Kirche. Vor der Arbeit, jetzt noch beim Schein der Sterne, gehen sie durch die Felder zur Kapelle. Kaum datz fich einmal ein« von dem freiwilligen Kirch. gang ausschließt." Der unbefangene, herzliche, offene Tot. »er Mädchen fällt mir auf. Es ist nichts verkrampft, gestellt. Meine Anwesenheit am gemeinsamen Kaffeetisch macht sie nicht befangen. „Es ist manchmal nur zu fröhlich," sagt die Führerin, „aber ich kann sie zu jeder, auch zur unangenehmsten Arbeit haben." Vor dem Fenster steht der Himmel jetzt blatz-lila hinter dem feinen Gewirr dunkler Aeste. Ob die Mädchen, meinte ich sinnend zur Führerin, heimgekehrt dann nicht mehr unter der Armut leiden? An der Leere der Arbeitslosigkeit? „Manchmal gelingt es, der einen oder anderen Arbeit zu vermitteln," kommt zögert die Antwort. „Sonst — man weiß es nicht — aber ich hoffe, den Mädchen nicht nur eine schöne Erinnerung zu geben. Sie kennen wieder die Freude an richtiger Arbeit — manche von ihnen er- fahren sie zum ersten Male — sie lernen sehen, zupacken. Die Hilflosigkeit ist nicht mehr so grotz. Und hier ist ja auch alles sehr arm, primitiv. Die Mädchen lernen aus alten, unbeachteten Sachen noch etwas herzustellen, sich mit knapvsten Mitteln zu behelsen, einander Freude zu machen. Manchmal spürt man aus Briefen, wie sie versuchen, das in die Familien hineinzutragen." Ehe ich gehe, kommt ein Auto. Ein erkranktes Mädchen soll, nur zwei, drei Tage, ins Krankenhaus. Aber sie wehrt sich, weint durchs HauS. „Ich will nicht vom Kreuzhof, ich will nicht vom Kreuzhof!" „Soviel Tränen fetzt es auch, wenn sie gehen müssen", sagt die Führerin, „trotzdem oder wegen der vielen, oft jede Frei- stunde raubenden Arbeit für sich und andere." Ach, denke ich heim- gehend, und sehe blasse, elende Gesichter aus der Stadt vor mir, verdorbene Gesichter, ach, wir brauchen viele Kreuzhöfel Mariarose Fach». Ein Roman über den Bolschewismus Die Acadämie d'Education et d'Endtro'aide sociale, an der«» Spitze Msgr. Baudrillart, der bekannte Rektor der katholischen Universität in Paris, steht, hat einen Wettbewerb für einen Roman über den Bolschewismus ausgeschrieben, in dem sein« Gefahr für die Kultur der ganzen Welt wirkungsvoll dargestellt werden soll. Der Gegenstand des Romans kann sowohl in Ruhland selbst, wie auch in den kommunistischen Kreisen gewählt werden, in denen der- Bolschewismus den stärksten Einflutz ausübt. Es sind drei Preise in beträchtlicher Höhe ausgesetzt: 50 000, 20 000 und 10 000 Franken. Dem Preisrichterkollegium gehören die folgenden Persönlich- keiten an: Henry Bordeaux von der AcadSmie Francaise für Frank- reich, G. K. Chesterton für England, Filippo Meda für Italien, Baronin Handel-Mazzetti für Deutschland und Oesterreich, Manuel Galvez für die spanisch-sprechenden Länder und Pater Walsh, der Vizepräsident der Universität Georgetown, für die Vereinigten Staaten. Autzerdem werden der Kommission als Generalsekretäre angehören: Henri Davignon von der Kgl. Akademie in Brüssel und Graf Gonzague de Reynold von der Internationalen Kom- Mission für geistige Zusammenarbeit, sowie noch ein besonderer russisch-sprachiger Sekretär in der Person von Prof. Maklakoff. Für die Bewerber gibt es keinerlei Einschränkung hinsichtlich ihrer Nationalität. Nähere Auskunft erteilt der Leiter des Sekretariat? der Acadtmi« d'Education et d'Entro'aide Soziale, Herr Bell» (Pari», St. R» bt Bellechasso). Anausw üieWelt VeilagesurIVanöern und Reise BvrftWmg im Schwarzwald Mit welch einer Freude noch vor wenigen Wochen, ja vor wenigen Tagen Scharen von Schiläufern mit ihren „SBreiile" hinauszogen in die reine, weihe Winterwelt. Eifrig wurde zuvor der Wetterbericht studiert, mit Freunden die Schitour besprochen. Kaum war Wochenende da, flohen die „Schihasen" hinauf zu den majestätischen Höhen des südlichen Schwarzwaldes. Unter dem Bann der Winternatur löste sich die Seele ab von allem Engen, von allen Kleinigkeiten, ja von allen Sorgen. Frei wurde der Sinn und frei das Herz^ Frische Bergluft durchzog die Lungen. Man geriet ins Schwitzen trotz der bit» teren Kälte, die den weichen Schnee in einen gefahr- vollen Harsch verwandelte. Dann schien am Morgen die helle Sonne herab vom Himmel, entlockte dem Schnee die leuchtendsten Farben, verwandelte die tote Natur in eine von Leben und Freuden erfüllte Welt. Es war jenes stille, geheimnisvolle Leuchten der wir- lenden Natur, die neue Kräfte sammelt, um einem frohlockenden Frühling das Leben zu schenken. lieber Nacht erfolgte ein Wandel in dem schaf- senden Werk der Natur, das mit des Winters Schei- den seiner Vollendung entgegengeht. Auf den Höhen des Schwarzwaldes, dem wohl- bekannten Schauinsland, dem König Feldberg, dem erhabenen Kandel, erlebte man das herrliche Wunder der Spiegelung der Luft, wodurch die Alpen greifbar nahe waren. Klar zeichnete sich die schneeweiße Kette mit den schlössen, düsteren Felswänden, von einem klarblauen Himmel überwölbt, an dem kein Wölkchen zu sehen war. Der Widerschein des Schnees umgab das herrliche ^cc>auspiel mit einem leuchtenden Strah- lenkranz, der sich bis ins tiefe Blau verfärbte. Den Tag darauf jagte ein heulender Sturm über die Höhen, wie wir ihn im Herbst als Vorboten des Winters kennen und als Wegbereiter des Frühlings aus des Winters eisigem Schoß. In die Täler brach er wildstürmend herein, rüttelte an den Läden, suchte sich Eingang durch alle Fugen des Hauses. Regen peitschte waagrecht im Winde, prasselte ungehalten auf die Fenster nieder. Unbarmherzig nahm er den Schnee mit sich, wirbelte ihn vor sich her, der liebevoll die Hänge und Berghöhen schmückte. Die Tannen be- freite er von der weichen Last des Schnees und zerrte grimmig an den Aesten. Was zu Eis erstarrt war, löste sich, zerschmolz unter seinen unerbittlichen Drohungen und der Wärme, die ihm eigen war. Keine stolze Tanne war vor ihm sicher, keine Baum- kröne, kein Aestchenl Kein Bächlein, dem er nicht in kleinen Strömen Schneewasser zuführte, das rasch zu einem Bach anwuchs. Unter seinen Schwingen häumte das rauschende, quirlende Wasser auf. Zlind raste er dahin, trieb düstere Wolken am Him- mel vor sich her. Demütig beugten sich die stolzen, festen Schwarz- Waldtannen unter seiner unwiderstehlichen Stärke. Morsche Aeste brachen ab. Bäume wurden unter fürchterlichem Krachen umgerissen. Laut klagten die Tannen ihr Leid, wenn der Sturm die Wipfel Stärk« noch selten gehört. Daß der Herrgott das HauS vor Unglück bewahre, es vor Feuer und Verwüstung schütz«, betete die alte Groß- mutter, die am wärmenden Ofen saß. Beängstigt hüpften die kleinen Bewohner des Wäldes von Ast zu Ast und suchten Schutz und Unterschlupf. Höhnisch prallte der Wind auf das Glöcklein, das unten im Tale läutete, warf es über- mütig hin und her und zerstreute so den Wohllauten Klang, der sonst in stillen Abendstunden feierlich über die Berge dahinschwebte. zusammenschlug. Nichts aber nützte ihr Flehen, ihr Stöhnen un! Wimmern, wenn der Sturm für kurze Zeit Atem holte. Nichts war vor ihm sicher! Hat "der Frühling feine Boten schon ausgeschickt, um sein Kom- men vorzubereiten und anzukündigen? Aus dem niederen Schornstein eines Bauernhauses, das einsam tn geschützter Lage am Berghang stand, stieg ein dünner Rauch empor, den der Sturm grimmig auseinandertrieb. Drinnen in der Stube herrschte ein trauliches Dunkel. An den Fensterscheiben drückten die Kinder ihre Nasen platt, schauten dem Treiben der Wolken zu, lauschten der Melodie des Sturmes, die sie in solcher Wintersportler sind verschwunden im Schwarzwald. Es dominiert wieder di« Dorfjugend Sturm über dem Schwarzwald l Wild tönt sein Lied und grauenhaft ist sein Fordern I Wehe dem, der nicht stark und wohl gefestigt ist, ihm mit den letzten Kräften widerstehen kann! Umreißen wird er ihn mit seinen mäch- tigen Flügelarmen, vernichten, zerstören! Unter ihm sank die Herr- liehe Pracht der weißen Flur dahin! Di« gigantischen EiSgebilde schmolzen, die kleinen zugefrorenen Bächlein tauten auf und gelb schäumende Wogen eilten geschäftig zu Tal. hinab zum großen Fluß, der gelb schäumend, gepeitscht vom triumphierenden Sturm, zwischen den Ufern dahinrollte, Geröll, Aeste, selbst Baumstämme mit sich ritz! Nun ist der Vorfrühling endgültig bei uns eingekehrt. Wird er endgültig Sieger bleiben oder wird er noch einmal den letzten An- griffen des Winters weichen? Ierg Tolde. Wie entsteht eine Lawine? Da die Mittelgebirge Heuer dem Schilauf wenig günstig waren, dürften sich die Touren im Hochgebirge stark mehren. Eine gute Kenntnis der Lawinengefahr ist dabei Bedingung. Im „Kosmos" macht Prof. Dr. W. Paulcke soeben Mitteilungen über die Ab- sichten und Ziele einer gegenwärtig im Jungfrauge- biet arbeitenden deutschen Forschungsexpedi- t i o n. Allgemein herrschte bisher die Annahme, daß das Gefälle eines Hanges eine ausschlaggebende Rolle bei der Lawinenbildung spiele. Aus diesem Grunde sind ja auch sogenannte „Lawinenuhren" her- gestellt worden, womit man die Neigungswinkel eines Hanges messen kann. Unter 25 Grad bestünde keine Lawinengefahr mehr, ein solcher Hang könnte dann also ruhig betreten werden. Dr. Hetz wies nun nach, datz dem nicht so ist. Lawinen sind sogar an Hän- gen von nur 14 Grad beobachtet worden. Auch die Gestalt des Hanges ist nicht so wichtig, denn Blöcke oder Zäune sind bald von den Schneemassen eingeebnet. Die Hauptrolle spielt die Beschaffenheit des Schnees, sein Gewicht, seine Haltfähigkeit. Die Haltfähigkeit (Kohäsion) ist am geringsten bei nassem schwerem und bei Pulverschnee. Dieser Schnee kommt am leichtesten ins Rutschen. Von Bedeutung ist ferner die Schichtung des Schnees. Oft liegen die Schichten ver- schieden« Schneefälle, besonderen Witterungsverhältniffen entspre- chend, nur lose aufeinander, es können sogar Hohlräume entstehen, und dann braucht es nur eine geringe Erschütterung, um die La- wine zu verursachen. Besonders gefährlich sind die unterhöhlten, meist durch Treibschnee angewehten Schneebretter. Statt Staub- und Grundlawine unterscheidet Dr. Heß Trockenschnee, und Naßschneelawine. Die meisten Lawinenunfälle ereignen sich im Trockenschnee. Jeder Skisahrer sollte es sich zur Pflicht machen, die Schneeverhältnisse genau zu kontrollieren, eine leicht lösbare Bindung und eine Lawinenschneeschaufel für alle Fälle tragen. Professor Paulcke untersucht den Schnee und die Veränderungen die er in der Folge unter verschiedenen Einflüssen durchmacht. Durch die Färbung der obersten Schichten mit Anilinfarben hat sich er- geben, datz beispielsweise Schmelzwasser von oben nicht bis auf den Grund durchsickert, sondern nur bis zu einer tieferen Hartschicht und durch Aufsaugen ein« Gleitschicht entstehen läßt, welche die Feuchtschneelawine zur Folge hat. Dieser Sickerungsprozetz in den Schneeschichten hält selbst noch an, wenn die Sonne untergegangen ist und die Außentemperatur längst unter Null gefallen ist, sodaß immer noch Lawinengefahr bestehr. Durch die fortwährende Ver- dampfung und Neubildung entstehen in tieferen Schichten Kristalle, die sehr locker liegen. Prof. Paulcke nennt es .Schwimmschnee", ebenfalls eine Ursache zur Lawinenbildung. Eine große Rolle bei der Lagerung des Schnees spielt der Wind. Wie Dr. Heß erkennt auch Prof. Paulcke in ihm die Ursache der „Schneebretter". Besondere Aufmerksamkeit ist der Wächtenbildung geschenkt. Durch Streuen von Konfetti wird die Windbewegung an Ort und Stelle sichtbar. Dem Wind ist auch die Bildung der Schneebrücken über Gletscherspalten zuzuschreiben. Der Wind ist es ferner, der unterhast» einer Wächte Schnee herzu- trägt, der gefährlich werden kann. I« den Laboratorien am Eigergletscher und auf Jungfraujoch werden nun Wäch- ten durch Quergräben in 10 bis 20 Meter breite Stücke eingeteilt und zum Sturz gebracht. Der Vorgang wird genau beobachtet und gemessen, Schneebeschaffenheit, Bahn, Staugebiet in Betracht gezogen und der Kinoapparat hält alles fest. Selbst eine Puppe auf Skiern verschwindet in der kleinen Lawine. Es ist gewiß die beste und einleuchtendste Methode, wenn die Natur selber als Ver- suchsobjekt in den Dienst der Wissenschaft gestellt werden kann. Das praktische Ergebnis ist noch ungewiß, da man erst in den An- sängen des neuen Forschungsgebiets steckt. zusammengestellt. Da fragt «iner, wieviel die Beförderung eines Kanarienvogels nach New Aork kostet. Ein anderer wünscht Aus- kunft darüber, waS „non «putare nella corozza" in deutscher Sprache heißt — nebenbei gesagt, die Uebersetzung steht in de« v»Zugwagen stets dabei! — und ein dritter will die Wetter- aussichten im Erzgebirge für die nächste Woch« wissen. Ein be- sonders kritisch eingestellter Kunde erklärt, die ausgeschriebene Ge- sellschaftsreise nach Budapest erscheine ihm zu billig, und ob denn das Reisebüro die Teilnahme mit gutem Gewissen empfehlen könne. Auf jede Frage weiß das Reisebüro eine zufriedenstellende, aufklärende, beruhigende Antwort zu erteilen. Hier noch ein paar Blüten aus dem bunten Strauß von Anfragen: Mutz ich meinen Smoking mit auf die Reise nehmen? — Wer spielt im kommenden Jahr die Heldenorgel in Kufstein? — Kann man das „Grün« Gewölbe" in Dresden am 1. Osterfeiertag besuchen? — Darf ich meinen Hund in die Schiffskabine mitnehmen? — Was bedeutet eigentlich der Name Lloyd? — Ich fliege nur, wenn morgen schönes Wetter ist. geht das? — Braucht man für einen Hund ins Aus- land ein ärztliches Attest? — Was kostet eine Fahrt Berlin—Hamburg im Schienenzeppelin? — Da heißt'S für den vielgeplagten Reisebüromann in jahrelanger Arbeit erworbene Kenntnisse aus- werten. Nachschlagebücher und Fahrpläne wälzen, Amtsstellen an- rufen usw. UebrigenS geht es den V e r k e h r S v « r «i n « n, di« Aus- kunftsbüros unterhalten, ähnlich wie den ausgesprochenen Reise- büros. .Das beweist ein humorvoller Bericht, den der Stettiner Verkehrsverein vor einiger Zeit einmal in seinem Amtlichen Nach- richtenblatt veröffentlichte. „Können Sie mir sagen...?", so beginnt fast jeder, der das Büro betritt. Können Sie mir sagen, wieviel Schulkinder Pommern hat, ob der D-Zug auf Wunsch in Freienwalde/Pom. hält, wieviel Einwohner die Vereinigten Staaten von Amerika haben, an welchen Tagen von November bis März vorigen Jahres Schnee gefallen ist, wo in der Nähe Stettins in einer Stadt von 5000 Einwohnern ein Herr Dummann Bürger- meister ist??? Eine pietätvolle Berlinerin möchte von der Dame hinter dem Ladentisch nach dem Haus Rosengarten 212 geführt werden, wo ihre Großeltern 1830 wohnten . . . Ein« andere Dame, die nach Berlin will, fragt nach Berliner Hotels und nach dem Museum. „Ach gibt es denn mehrere?" erwidert sie erstaunt, als zurückgefragt wird, welches Museum sie denn meine. Auch die Post bringt oft Anfragen ins Haus, deren Erledigung Kopf- zerbrechen, aber dazu verdiente Heiterkeit verursachen: Wie ist die Adresse vom reichen Karnegiel in Amerika? Ist Ihnen ein Institut für praktische Menschenkenntnis bekannt, und welchen Ruf hat die Firma? Können Sie mir bilderreiche Pro- spekte des Strandes und der Stadt senden? Zum Schluß noch zwei Anfragen „aus dem Volke", die wirklich beim Stettiner Verkehrs- verein eingelaufen sind: Ein biederer Mann will mit einer Dreh- orgel nach Bayern ziehen und verlangt die Adresse des bayrischen Konsulats, damit er sich einen Paß besorgen könne. Er geht unbefriedigt von dannen; denn die Auskunft, man brauche für Bayern als Deutscher keinen Patz, erscheint ihm unglaubwürdig. Und in der Registratur liegt dieser Brief: „Auch suche ich Anschluß von einer reiselustigen Dame, die einen Führer und Schützer sucht. Die Reisekosten bezahlt jeder für sich. Vielleicht sind Sie dort in der Lage, dieses zu vermitteln. Bin alleinstehend und 35 Jahre." Da ist allerdings guter Rat auch für den tüchtigsten Ve^kek'-s- verein teuer . . . Neuerunge« im Schlafwage». Die Mitropa läßt seit kurzem ihre Schlafwagen mit einer Lichtsignalanlage ausrüsten, ähnlich wie sie auch di« modernen Hotels haben. Wenn der Reisende auf die Klingel über seinem Bett drückt, so leuchtet im Gang über der Abteiltür ein« Lampe auf und gleichzeitig erscheinen im Abteil an einer runden Scheibe die Worte „Schaffner kommt". Außerdem wird der Mitropa-Schaffner durch einen Schnarrer in seinem Dienst- abteil auf das Lichtzeichen aufmerksam gemacht. Für den Reisenden im Schlafwagen ergibt sich aus der neuen Einrichtung der Vorteil, daß die Scheibe im Abteil ihn über die Beachtung seines Rufes durch den Schaffner unterrichtet. Für das Schlafwagenpersonal wird das lästige Hin- und Herlaufen zum Dienstabteil vermieden, da der Schaffner jetzt durch einen Blick den Gang entlang fest- stellen kann, wo er verlangt wird. Mit der neuen Lichtsignalanlag« ist bereits die Hälfte aller Mitropa-Schlafwagen ausgerüstet. Eine weitere, für den Schlafwagenreisenden an- genehme Neuerung ist der Bettvorleger. In den Abteilen, in denen der Fußboden mit Gummi belegt ist, erhält der Schlaf- Wagenbenutzer einen frisch bezogenen Bettvorleger. Da der Gummi- belag am leichtesten gereinigt werden kann und d«r Bettvorleger ständig neu bezogen wird, sind die hygienischen Vorkehrungen im Schlafwagen auf ein Höchstmaß gebracht, zumal in den neuen Schlafwagen auch jede Stoffbespannung vermieden ist und die Wände durchweg mit Edelholz bekleidet sind. „Was kostet ein Kanarienvogel nach New York?" Was ein modernes Verkehrsbüro wissen muß. Obwohl in unserer Zeit das Reisen dank der bequemen und billigen Verkehrsmöglichkeiten Allgemeingut sämtlicher Volkskreise geworden ist, gibt «s doch noch imm«r zahllos« Menschen, denen die Vorbereitung und Durchführung einer Reise mancherlei Kopf- zerbrechen verursacht. Wohin wenden sie sich mit ihren Sorgen? — Selbstverständlich an das nächste Reisebüro, das geduldig alle Fragen sachgemäß beantwortet. In der praktischen Schrift .1000 Wort« Verkehr", die das .Internationale Verkehrsbüro des Leipziger Meßamts" herausgibt, 'ist «in« Anzahl solcher Fragen So sicher ist die Eisenbahn! Di« fast sprichwörtliche und von aller Welt anerkannte Sicherheit des deutschen Eisenbahnbetriebes wird auf der Berliner Ausstellung „Reichsbahn und Schule" in einem originellen Plakat veranschaulicht. Der Künstler stellt einen Fahrgast dar, der durch einen Zugunfall sterben wollte. Haupthaar und Bart wallen schneeweiß bis zum Fußboden des Eisenbahn- abteils, auf dem die Unfallversicherungspolice liegt. Die Notbremse ist unberührt. Auf Grund der Unfallstatistik verkündet der Text zu diesem Bild: „Er wollte durch Zugunfall sterben. Er wird 22 800 Jahre da^> u brauchen und st ü n d l i ch 10V Kilo- meter zurücklegen müssen!" Trachten und Gestalten. Die Reihe der von der Reichsbahn- zentrale für den Deutschen Reiseverkehr (RDV.) herausgegebenen, eine Neuerscheinung bereichert worden: »Deutsche Trachten und Ge st alte n". die in deutscher, englischer und französischer Sprache herausgegeben wird. In 46 zum großen Teil ganzseitigen Bildern, einer Auslese des besten lichtbildnerischen Materials, wird hier dem Ausländer «ine wahrhaft verlockende Schau deutscher Trachten und Gestalten vorgeführt. E» ist schwer, sich vorzustellen, datz der Eindruck dieser Bilder nicht in jedem den Entschluß wecken sollte, in ein Land zu reisen, das noch soviel ursprüngliches Volks- tum. soviel gewachsene Eigenart sich bis auf unsere Tage erhalten hat. Fast alle Gaue des deutschen Reiches, von der Waterkant bis zu den Bayerischen Alpen, sind hier in charakteristischen Gestalten und Trachten vertreten. Ein allgemein verständlicher Text aus der Feder Augusta von OertzenS führt den Leser durch daS Reich der deutschen Trachten und Gestalten, die hier in BÄdern einprägsam gezeigt werden. Nr. 69 Samstag, den 11. Marz 1933 Abschluß des Winterhilfswerks Die Reichszentrale der Winterhilfe, die Deutsche Liga der freien Wohlfahrtspflege, wird ihre Werbetätigkeitfür die Win. terhilfe 1932/33 am 31. März d. I. abschließen. Sie bittet gleichzeitig die Arbeitsgemeinschaften der Länder, Provinze» und Gemeinden auch ihrerseits die Werbung mit dem ZI. März 1933 einzustelle«. Auch die Karlsruher N » t g e m e i n - k ch a f t wird, wie im Borjahre, ihre Tätigkeit offiziell mit dem 31. März 1933 abschließen. Beflaggung nur Schwarz-WeißMot am Bolkstrauertag in Baden Die Pressestelle beim Staatsministerium teilt'mit: Der Reichs- minister des Innern Dr. F r t d hat für die Reichsbehörden angeordnet, daß, da die im Weltkrieg gefallenen, deren Andenken der kommende Sonntag geweiht ist, ihr Leben unter den Farben Schwarz-Weiß-Rot hingegeben hoben, die Reichsbehörden am 12. März 1333 auf den Reichsdienstgebäuden nur die Flagge Schwarz. Weiß-Rot hissen. Demzufolge hat das badische Staatsministerium ver- fügt, daß die badischen staatlichen Dienstgebäude gleichfalls nur Schwarz-Weiß-Rot und daneben in den Landesfarben Gelb-Rot-Gelb halbflaggen. Die Gemeinden und sonstigen öf. rentlichen Körperschafen werden um gleiches Verfahren ersucht. Zwischenfälle in Karlsruhe Zu einigen kleinen Zwischenfällen kam es hier im Laufe des Freitag nachmittag und zwar zunächst bei der Ver- bringung der in Schutzhaft genommenen Polizeibeamten F u r r e r und Walter vom Ministerium des Innern nach dem Polizei- Präsidium unter Bedeckung der SA.-Mannschaften. Später wurde der Notruf zum Verlagsgebäude des »Volksfreund", gegen das ein Stein geworfen worden war. Vorgänge im Badischen Landestheater Die musikalische Leitung der am kommenden Freitag im Badi- schen Landestheater stattfindenden Sonderveranstaltung der Kreis- leitung der NSDAP, ist Kapellmeister K e i l b e r t h übertragen worden, nachdem die NSDAP, es abgelehnt hat, Generalmusik- direktor Josef Krips mit der musikalischen Leitung zu betrauen. Beurlaubt wurde Staatsschauspieler Brand. Hissung »er Hakenkreuzfahne auf der Karlsruher Polizeikaserne Auf der Polizeikaserne (ehemalige Grenadierkaserne in der Moltkestratze> wurde gestern mittag 12 Uhr die Halenkreuzfahne aufgezogen, eb:nso die Flagge schwarz-weitz-rot. Während des feierlichen Aktes waren im Kasernenhof die Polizeimannschaften sowie die SA und SS versammelt. Auch hatte sich der Polizei- Präsident Ludin eingefunden. Die Formationen der NSDAP sangen das Horst-Wessel-Lied, während die Polizeimannschaften den Karabiner auf den Schultern hatten. Der neue Karlsruher Polizeipräsident Polizeipräsident Han» L u d i n wurde am 10. Juni 1906 in Freiburg geboren. Nach seinem Abitur trat er in die Reichswehr ein und wurde am 1. Dezember 1927 zum Leutnant im 6. Artillerieregiment in Ulm ernannt. Vor dem ReichSgzricht in Leipzig fand gegen ihn und Leutnant Scheringer am 4. Oktober 1930 ein Hochverratsprozetz statt, der mit der Verurteilung der beiden zu je einem Jahre sechs Monate Festung und Dienstentlassung endete. Ludin wurde bereits nach achtmonatiger Festungshaft in Rastatt am 7. Juni 1931 in Freiheit gesetzt, worauf er sich der NsDAP zuwandte und später mit der Führung der badischen SA betraut wurde. Schon 1932 wurde Ludin im Wahlkreis Baden erstmals von der NSDAP in den Reichstag gewählt. — Wie verlautet, soll Polizeipräsident H a u s e r später in einem höheren Posten Verwendung finden. Doppelposten vor öer Wohnung des Reichskommissars Magner Seit Donnerstag nachmittag ist vor dem Haus« des Reichskommissars Robert Wagner in der Kriegsstraße ein Doppelposten, bestehend aus zwei SS.- Leuten mit Stahlhelm und Karabiner, aufgezogen. § Einbruchsdiebstahl. Am 9. März wurde eine Mansarde eines Hauses in der Herrenstraße mittels Nachschlüssels erbrochen und eine goldene Uhr im Werte von 50.— RM., ein goldener Ring im Werte von 19.— RM. und ein Geldbeutel mit 10.— RM. Inhalt aus einer Schatulle von bis jetzt noch unbekanntem Täter entwendet. § Fahrraddiebstähle. Am 9. März wurde in der Zeit von 17,30 bis 20 Uhr aus dem Fahrradraum der Gewerbeschule in der Adler- straße 1 Herrenfahrrad und von einem andern Fahrrad die elektrische Beleuchtung von unbekanntem Täter entwendet. Warnung an Baulustige In den Anzeigen der Tageszeitungen werden häusig Baupart» n:r gesucht für Doppelhäuser, herrschaftliche Einfamilienhäuser, z. B. mit 5 großen Zimmern, allem Komfort, Veranda, Zentral» Heizung, Parkettboden usw. Die Baukosten sollen nur 1S 000 RM. betragen. Der Begriff der herrschaftlichen An» läge der Ausstattung eines Hauses tonn verschieden ausgelegt wer- den. Er setzt jedoch stets einen wesentlichen Unterschied von den räumlich knapp bemessenen, sparsamst gebauten und einfachst aus- gestatteten kleinen Vorstandhäusern voraus. Mancher Baulustige läßt steh nun durch solche scheinbar günstige Angebote blenden, muß aber in vielen Fällen nach Fertigstellung erkennen, daß die Vorstellungen, die er stch von seinem Hause und dessen Ausstattung gemacht hat, mit dem vom Unternehmer gelieferten Hause nicht übereinstimmen. Will er seine Wünsche noch halbwegs er- füllt sehen, dann werden ihm Nachrechnungen präsentiert. Er wird sich auch oft über viele Dinge wundern, die nicht in der niedrigen Bausumme enthalten sind. Die Qualität der Arbeit und Materialien wird der Laie erst nach längerem Wohnen heraus- finden, häufig sogar nicht früh genug, um den Unternehmer noch ersatzpflichtig machen zu können. DaS Bauen ist und bleibt eine Vertrauenssache. Es ist heute nötiger denn je, sich vor Enttäuschungen und Verlusten zu schützen. DieS kann nur geschehen bei sorgfältiger Auswahl bei Architekten, Vor solchen Angeboten, wie eingangs erwähnt, kann nicht eindringlich genug gewarnt werden. Badens Fremdenverkehr 1912 Am August Hauptfreyuenz / Die meisten Besucher kamen aus der Schweiz ✓ Heidelberg und Baden-Baden die bevorzugten Städte Die vom Badischen Statistischen LandeSamt durchgeführte amt» liche Fremdenstatistik gestattet nunmehr für daS verflossene Kalen- verjähr einen vollen Ueberblick überdie Gestaltung des Fremdenverkehr» im badischen Lande. Im ganzen hatten sich an dieser Statistik 212 der wichtigeren badischen Frem- denplätze beteiligt. In diesen sind insgesamt 1 181 808 Fremde ab» gestiegen, auf die nahezu 4 Millionen (genau 8 998195) Logiernächte entfielen. Wie angesichts der anhaltenden Wirtschaftskrise nicht anders zu erwarten war, ist im Vergleich zum Vorjahr, das 1285 079 angekommene Fremde und 4H Millionen Logiernächte gebracht hatte, ein Rückgang zu beklagen. Er beträgt bei den Ankünften 8,0 v. H., bei den Uebernachwngen sogar 11,5 v. H. Durchschnittlich hat sich der Fremde in den 13 Badeorten Badens 8,7 Tage, in den 138 Luftkurorten 4,4 und in den restlichen 61 sonstigen Fremdenverkehrsorten 1,4 Tage aufgehalten. Im Landes- durchschnitt übernachteten die Fremden 3,4mal (im Vorjahr 3,5mal). Die meisten Fremden brachte der Monat August (176 322), die wenigsten der Dezember (49 768). Ebenso erreichte der August die Höchstzahl der Uebernachwngen (784 643), wie um- gekehrt der Dezember den niedrigsten Stand (148 951 Logiernächte) aufwies. Unter den abgestiegenen Fremden befanden sich 130 458 oder 11,0 v. H. Auslandsgäste (im Vorjahr 159 625 oder 12,4 v. H.). Die Zahl der angekommenen Ausländer ist gegenüber 1931 um 18,3 v. H. gesunken, während der Rückgang bei den Inländern nur 6,6 V. H. betrug. Von den Ausländern stammte die Mehrzahl aus der Schweiz (35 468). In weitem Abstand folgen die Ver- einigten Staaten von Amerika (20 923), Holland (19 027), England (11 888), Oesterreich (11 087) und Frankreich-Elsaß (10 583). AuS dem übrigen Ausland kamen 21 482 Fremde. Die rückläufige Be- wegung zeigte sich besonders stark bei dem wenig befriedigenden Besuch aus England (gegen das Vorjahr 15 214 Fremde oder 56,1 v. H. weniger). Diesen erheblichen Ausfall vermochte der vermehrte Zustrom der Schweizer (3572 Fremde oder 11,2 v. H. mehr) und Frankreich (106 oder 1,0 v. H. mehr) nicht auszugleichen. Hinsichtlich der Zahl der Ausländerübernachtungen steht wie- derum die Schweiz mit 79 655 Logiernächten (gegen das Vorjahr 22,5 v. H. mehr) weitaus an der Spitze. In weiterer Reihenfolge kommen die Vereinigten Staaten von Amerika (an Zahl 48 375 oder 21,3 v. H. weniger), Holland (38 105 d. s. 15,1 v. H. weniger), Frankreich-Elsaß (29 563 oder 83,6 v. H. mehr), England (22317 oder 55,5 v. H. weniger, und Oesterreich (15 569 oder 17 6 v. H. weniger). Die stärkste Anziehungskraft auf die Fremden- weit bewies wie immer Heidelberg, das 181945 dort abgestiegene Fremde melden konnte. An zweiter Stelle steht Mann- heim (121 783 Fremde). Es folgen Konstanz (106 538), Freiburg mit Schauinsland (106 244) und Karlsruhe (104379). Auch am Fremdenstrom der Ausländer (130 458 Personen) hatte H e i d e I - berg mit 22 764 abgestiegenen Auslandsgästen den größten Anteil. Den zweitstärksten Ausländerverkehr wies Freiburg mit dem Schau- instand auf (19 300). Die weitere Reihenfolge ist Baden-Baden (14 449), Mannheim (10 815) und Konstanz (10 574). Ein anschaulicheres Bild über den Wert und Umfang des Frem- oenverkehrs ergibt stch durch die Untersuchung, wie lange die Aufenthaltsdauer der Fremdengäste an den einzelnen Fremdenplätzen war. Hierbei zeigt sich, daß Baden-Baden mit 381 044 Fremdenübernachtungen bei weitem an der Spitze steht. Es folgen Heidelberg mit 232 976 Logiernächten, Freiburg mit Schauinsland (227 130) und Bad Dürrheim (200 484). Ueber 100 000 Uebernachwngen wurden außerdem in Badenweiler, Karlsruhe, St. Blasien, Todtmoos, Mannheim und Konstanz gezählt. Ueber 10 000 Ausländerübernachtungen konnten außer Baden-Baden, das mit 77 226 AuSländerübernachwngen alle anderen Städte überragt, folgende Orte verzeichnen: Badenweiler (23 655), sowie Heidelberg, Freiburg, St. Blasien, Karlsruhe. Mann- heim, Titisee und Konstanz. Trotz der allgemein rückläufigen Bewegung im Fremdenverkehr vermochten mehrere Fremdenplätze eine beachtliche Stet- gerung ihrer Fremdenziffern zu melden. Vor allem ist hier Badenweiler zu nennen, auch Schluchsee gehört hierzu. Zum Schluß seien noch einige Zahlen über den Fremdenverkehr in den Jugendherbergen genannt, der vorstehend nicht be- rücksichtigt worden ist. Insgesamt sind in den 50 der Statistik ange- schlossenen Jugendherbergen 123136 Personen abgestiegen, die 165 933 Uebernachwngen erbrachten. Von den 117 711 Inländern kamen nur 18 867 aus dem badischen Lande selbst, 12 603 aus dem benachbarten Württemberg und fast ebensoviel« aus Rheinland. Westfalen. 7962 Gäste stammten aus Bayern mit Pfalz und nicht weniger wie 66 213 aus dem übrigen Deutschland. Von den 5425 Auslandsbesuchern stellte England die meisten (1438). Es folgen Holland (1153), Schweiz (593), Amerika (434), Oesterreich (320) und schließlich Frankreich-Elsaß (201). Vom übrigen Ausland kamen 1286 Jugendherbergsgäste. (Bad. Statist Amt) Kein Platz in öer Handelsflotte Wiederholt hat der Verband Deutscher Kapitäne und Schiffs- Offiziere alle Eltern gewarnt, ihre Söhne auf ungeeigneten Schiffen zur See gehen zu lassen und für sie auf ein Weiterkom- men in der Handelsmarine zu rechnen. Unsere Handelsflotte hat, so schreibt der Verband, Schulschiffe und sonst gute Segel- schiffe, auf denen der seemännische Nachwuchs in einwandfreier Weise herangebildet wird, soweit überhaupt ein Bedarf vorhanden ist. Dieser Bedarf aber ist mit der als feststehend anzusehenden, starken Verringerung unserer Handelsflotte klein, sehr klein geworden besonder» für die Laufbahn von Schiffsoffizier bis zum Kapitän. Dieser Beruf ist zahlenmäßig schon begrenzt mit noch nicht 4000 Mann. Bei einem jährlich:» Abgang von 4 v. H. könnten im günstigsten Falle 16V junge Leute Aussicht auf Fortkommen haben. Aber in den letzten zwölf Jahren, als wir noch mit einer zu- nehmenden Handelsflotte rechneten, erhielten an den staatlichen Seefahrtsschulen inzwischen 3450 junge Seeleuti, nach Aufwendung von Tausenden von Reichsmark und nach einer praktischen Matro- senfahrzeit von fünf Jahren, das Befähigungszeugnis zum Schiffs- offizier in der Handelsflotte. Von diesen erhielten 2807 in der Folge das Befähigungszeugnis zum Kapitän auf große Fahrt und hatten damit ihren gesetzlich vorgeschriebenen AuSbildungSgang ab- geschlossen. Aber Wiederentlassung aus der im Abbau begriffenen Handelsflotte, Erwerbslosigkeit oder wieder Dienst al« Matrose ist für Hunderte von ihnen daS harte Schicksal geworden. Auf Jahre hinaus stehen der Handelsflotte so schon die fertigen Schiffsoffi- ziere in überwältigender Zahl zur Verfügung; zur Zeit sind eS 1670, die erwerbslos sind. )!( Belehrung der Schüler über die Elektrizitätsversorgung. Bei dem Unterrichtsminister ist erneut darüber Klage geführt wor- den, daß Transformatorenstationen und elektrische Fernleitungen durch Steinwürfe und Bewerfen mit sonstigen Ge- genständen durch Schulpflichtige beschädigt werden. Hier- durch werden Störungen in der Elektrizitätsversorgung mit unab- sehbaren Gefahrenfolgen, verbunden mit außerordentlichem Wirt- schaftlichem Schaden (Unterbrechung der Straßenbeleuchwng und der Lichtversorgung in Fabriken, Geschäften, bei Aerzten usw.) her- vorgerufen. Nicht zuletzt aber kommen die Schulpflichtigen selbst in Lebensgefahr. Der Minister hat nun angeordnet, daß in den Schulen alsbald und in Hinkunft alljährlich im Laufe de? Monats März die Schüler über die Wichtigkeit der Elektrizi- tätsversorgung und insbesondere der elektrischen Fern- leitungen zu belehren find. □ Billige Rundflüge über Karlsruhe. Wie uns mitgeteilt wird, veranstaltet der Privatflug Karlsruhe ab Sonntag wieder seine beliebten noch vom Vorjahr her bekannten Rundflüge über der Landeshauptstadt. Die Preise sind entsprechend den schlechten Zeiten nieder gehalten. Man kann also schon von drei Mark an die Schönheiten unserer Stadt aus der Vogelperspektive bewundern. Die Rundflüge werden, da sich die Maschine, deren Führer Otto von Landsdorff ist, dauernd hier auf dem Flugplatz befindet, täglich bei gutem Wetter veranstaltet und zwar bis zum Herbst hindurch. (:) Orgelkonzert der Bad. Hochschule für Musik für die Karls- ruher Notgemeinschaft. Die Bad. Hochschule für Musik veranstal- tet am Mittwoch den 15. dS. MtS., 20 Uhr, im großen Saal der städt. Festhalle ein besonderes Orgelkonzert für die Karlsruher Reger. Notgemeinschaft zur Ausgäbe an Notgemein- schäftsempsänger 2000 Freikarten zur Verfügung gestellt, die bei den VertetlungSstellen während der allgemeinen C" ausgegeben werden. Großer Tanzabend Mertens-Leger Wieder einmal, wie alljährlich, vermochte die Tanzschule MertenS-Leger anläßlich ihres großen Tanzabends da« Konzerthaus bis auf den letzten Platz zu füllen. Der Eindruck auch dieses Abend» war denn auch wiederum durchaus günstig und überzeugend. Eine besondere Ehrung bereitete das Publikum spontan der Meisterin selbst bei ihrem persönlichen Auftreten, und ihre heute noch große und bewundernswerte Kunst kam in einem Tango und Pasodoble voll zur Geltung und starken Wirkung. In mehreren Gruppentänzen führte MertenS-Leger ihre gesamten Schülerinnen vor und unterstellte sie der Kritik im Rampen- licht Aus der großen Zahl sei nur die erste Solotänzerin der Schule, Hildegard Edel, al» eine unzweifelhaft starke Begabung genannt, die ihr Können später noch in einem Solotanz: „Unga- rische Weisen" aufleuchten lassen konnte. In Einzel- bzw. Duotänzen traten noch besonder» die Damen Werling, Heydersdorf und R u f hervor und unter den Kleinsten erreg- ten so entzückende Möpse wie Tiefen bronner und B e i s» s i n g e r das Entzücken des Publikums. Eine besonders stark» Wirkung erzielte die hübsche Groteske: „Hallo Piccolo", ge- tanzt von den Damen Edel und Rund und den Kindern Ronnmacher und Schöninger, die natürlich auch zweimal über die Bretter ging. Erstmals kamen die „I e u x d' E n f a n t»" (Kinderspiele) nach der Musik von Bizet und in der choreo- graphischen Bearbeitung und Einstudierung durch Olga M e t • ten»-Leger zur Aufführung Unsere Kleinen konnten sich da- bei in ihrem Alter und ihrer Wesensart ganz entsprechenden Auf- gaben nach Herzenslust betätigen. Der schmissige und schwung- volle „K a i s e r to a l z e r" von Strauß, getanzt von Olga Mir- tenS-Leger und der ganzen Schule bildete den wirkungsvollen Ab- schlutz des beinahe drei Stunden währenden Programms. An dem Erfolg des Abends sind neben der Meisterin selbst, dt« r die gesamte choreographische Einstudierung zeichnete, noch di» adische Polizeikapelle unter Obermusikmeister Hei- sig und am Flügel Lucie Schöninger als rhythmisch sichere und exakte Begleiter beteiligt. Nicht vergessen seien auch die durch- weg schönen, ideenreichen und g-schmackvollen Kostüme und Bühnen- bilder nach Entwürfen der Kunstgewerblerin Johanna Wie- gand. Der Beifall de» Publikum» war wieder herzlich und misch. K. t Was die Leinwand Neues bringt Residenz-Lichtspiele: »Das Blaue vom Himmel" X Was di« Residenz-Lichtspiele zurzeit unter obigem Titel bringen, ist ein harmloser, lustspielhafter Operettenfilm, der in drei Teilen unter, über und auf der Erde spielt Während die beiden ersteren ziemlich originell gestaltet find, mit knallige« Witz und hübschen szenischen Einfällen, ist der auf der Erde spielende Teil ziemlich plattgewalzt und bring da» übliche happy end. Viktor Jansen al» Regisseur fühlt sich offenbar ganz in seinem Element und hat schon durch die Zusammenstellung de» Ensemble» eine geschickte Hand bewiesen. Martha Eggert, die blond« strahlende Sängerin und Kassiererin im Bahnhof der Untergrund- bahn, entzückt wieder sowohl durch ihre herrliche Stimme wie durch ihr ganz famose» Spiel, während Hermann Thimig al« ihr Partner dem Postflieger der Lufthansa sein markige» Profil leiht Jakob T i e d t k e, Ernst Verebt» und die reizende Margarete Schlegel vervollständigen, in Spiellaune und Aussehen gleich ebenbürtig, da» Quintett Technisch sauber gearbeitet, akustisch und optisch einwandfrei, verschafft der Film schon einig» vergnügt« Stunden. Unch da» Beiprogramm gleichfall» gutl I Seite 8 Samstag, den 11. Mär, 1933 **. m Spiel unö Sport SüddmlWMs zweifronttnkompf Am kommenden Sonntag trägt derSüddeutscheFubball- verband zwei Repräsentativspiele aus. Einmal auf dem Platze des VfB. Stuttgart Schweiz B — Süddeutschland, wofür folgende starke Mannschaft aufgestellt wurde, in der auch drei Karlsruher sich befinden. Jakob; Huber, Dienert; Dürr, Link. Seibold; Haderer. Rühr, Förschler, Müller, Langenbein. Wenn auch der Gegner nicht unter- schätzt werden darf, so rechnen wir doch mit einem Siege unserer Elf. Im Mannheimer Stadion spielt zur gleichen Zeit: Südwestfrankreich — Süddeutschland, dazu stellt der Süden folgende Elf: Gispert; May, Haber; Weilhammer, Hergert, Größle; Weidinger, Wag- ner, Siffling, Lindner. Fa t h, also vornehmlich Spieler aus dem Rhein und Saarkreis. Auch in diesem Falle darf man mit einem Sieg unserer Elf rechnen. Bemerkenswert bei beiden Spielen ist die Tatsache, daß sie durchgeführt werden, ohne einen einzigen Spieler aus der Nürnberg-Fürther Hochburg, bzw. des deutschen Meisters. Bayern München und 18 6 0 München. Sütteutsche Endspiele Großkämpfe in ter Abteilung Ost West Wegen der l-eiden Repräsentativspiel« in Stuttgart und Mannheim mutzte das süddeutsche Endspielprogramm erneut eine Einschränkung erfahren. In der Abteilung 1 (Ost/West) sind drei Treffen angesetzt, aber es ist sicher, datz d'e Begegnung zwischen AK. Pirmasens und Phönix Ludwigshafen ausfällt, da ja Pinna- I«nS allein drei Spieler in die Verbandself abstellen mutz. So blieben also nur die bedeutenden bayerischen Lokalkämpfe, Fürth — Nürnberg und Bayern gegen 1860, übrig. Die zweite Abtei- lung sollte ganz spielfrei bleiben«; aber nachdem am Vorsonntag die Begegnung Union Böckingen gegeen Phönix Karlsruhe wegen des württembergischen Butztagez nicht statt, finden konnte, hat man dieses Treffen für diesen Sonntag neu angesetzt. Wir haben also am 12. März folgendes Programm: Abteilung 1: 1. FC. Nürnberg — SpVg. Fürth; Bayern München — 1660 München; FK. Pirmasens — Phönix Ludwigshafen. Abteilung 52: Union Böckingen — Phönix Karlsruhe. Die Abteilung 1 verzeichnet also zwei Großkämpfe erster Ord- nung: Klub gegen Kleeblatt und Bayern gegen 1860! Es ist un- nötig, die Wichtigkeit dieser beiden Begegnungen besonders her- vorzuheben. Die Tabelle könnte hier schon — hinsichtlich der Pia. ierung — ihre endgültige Gestalt bekommen! Das Treffen in Brümsens ist von weit geringerer Bedeutung und dag gleiche gilt x die einzig« Begegnung in der Abteilung 2, da sich ja sowohl Sckingen als auch Phönix Karlsruhe in den unteren Regionen aufhalten. Dm den Aufstieg zur Bezirksliga Gruppe Baden empfängt der FB. Daxlanden, nachdem er sich in imponie. rendem Spiel die KreiSmersterschaft holte, bei 22 Spielen 18 ge. wonnen. L unentschieden, L verloren, gleich im ersten Spiel seinen unzweifelhaft schärfsten Gegner, den alten Bezirksligisten F C. BillingenvL. Trotz des Platzvorteils halten wir den Ausgai des Spieles für durchaus offen. Das Spiel FV. Kehl gegen 1 Villingen wurde abgesetzt, da Kehls Meisterschaft inzwischen ange. fochten wurde. Veranstaltungen (l) Badischcs Landestheater. In Heinrich von Kleistz Drama .Di« Her- tiurnnsschlocht", da! am Samstag, den 11. März, von Felix Baumbach neu ein- studiert, »um ersten Male »ur Wiederaufführung kommt, sind neben Paul Hterl alt .Hermann" in den wesentlichen Rollen die Damen Ehrhardt, Frauen» dorfer u. a. und die Herren Baumbach, Gemmecke, Dahlen, Ernst, Herz, Holpach, Höcker, Ktenscherf, Kloeble, Müller, Prüter, Schulze, v. d. Trenck und autzerdem fast da« gesamte Herrenpersonal des Schauspiels in den übrigen Aus- gaben beschäftigt. Dazu findet der verstärk!! Opernchor und alle Schüler der Thiateralademie ausgiebig» Verwendung. — Die Bühnenbilder erstellte Torsten Hecht, dt, KostUme Margarete Schellenberg. (:) Trio-Abend: Hermann Btschler, Albert Dietrich, Max Dpitzenberger. Dies« neu» Trwvereilitgung, die im Vorjahre mit einem ersten Kammermusil- abend beherrschend WS Karlsruher Konzertleben eingetreten ist, veranstaltet am 18. Mürz, abends 8 Uhr, im neuen Munzsaal, Waldstrage 79, einen Trio-W»nd. Dt« sich»r geführt», dem llangllchen Objekt dienend hingegebene jung» Spielgemeinschaft bietet in ihrem interessanten Programm „Brahms H-Dur, Schubert B-Dur und als Novität ein ungemein reizvolles Trio von Lirdw. Spohr'. Karten im Vorverlauf bei Franz Tafel, Kaiserstrab! 82a, und im Munzschen Konservatorium, Waldstrabe 79. (:) Modenschau im Saft Museum. Wie alljährlich findet am Montag, 1». März, und Dienstag, lt. März, nachmittags und abends unter Mitwirkung «rster Karlsruher Firmen di» grobe Frühjahrs-Modenschau statt, dt» neben den Musikvorträgen der Hauskapell» Zigeunerprimas Baloch um- rahmt sein wird von Tänzen und Vorträgen. Da diese Veranstal- tungen sich stets großer Beliebtheit erfreuen, dürfte rechtzeitig» PlStzesicherung »mpsehlenswert sein. (:) Der revolutionäre Erzherzog. So nannte man allgemein den Erz- Herzog Johann Salvator von Toscana, der nach seiner Verbannung au» Oester- reich den Namen Johann Orth annahm und mit seinem Schiff, der »Santa Margherita", verschollen ist: doch tonnte sein Tod bis heute nicht einwandsrei nachgewiesen werden. Seine Freigeistigleit und selbständigen politischen Be- strebungen gegen ein veraltetes Regierungssysiem, sein« grobe Liebe zu der Ileinen Operettensängerin Milly Stubel, seinen Verzicht auf Titel und Würden, also das ganze Leben dieser interessanten Persönlichkeit schildert Dr. Willy Wolfs in dem von ihm verfaßten und inszenierten Wrobsilm .«in Liebes- roman im Haus» Habsburg' (Der Rebell am Kaiserhof). Die Pre- miere findet heut» im P a l i in der Herrenstrab« statt. Der Film mischt ge- schickt Weltpolitik, Romantik und Anekdotisches und wirkt so Irisch und leben«- nah, was man leider von den meisten historischen Filmen nicht sagen kann. (!) 12 kchülerkonzerte der Bad. Hochschule sür Musik. Im gegenwärtigen BrahmS-Gidenkjahr ist es eine Selbstverständlichkeit gewesen, einen HauptieU der Schlllerlonzertdarbietungen dem vielseitigen Schaffen dies«» Meist«r» einzuräumen. Besondere Würdigung hat sein» Kammermusik «rsahren, di« mit dem L-Dur-Trw, dem Klavier-Quartett A -Dur, dem Streichsextett B-Dur und einer Reihe zum Teil wenig gespielter Klavier- und «iolinwerke vertreten ist; zu einem Hbhepunkt der Borlragsfolgen werden ohne Zw«if «l die wundervollen 3igeun«r-Li«der für vi«r Singstimmen und Klavier gestaltet werden. Nebe» den ebengenannten Werken hat ab«r auch bi« übrige Kammermusil gebührende Würdigung »rsahren. An zwei Abenden wird das durch Mitglieder des Lan- destheater» wesentlich verstärkte Anstallsorchesler die Begleitung von solistlschen Werken übernehmen, aus denen die Klavierlonzert» in C-Dur und E»«$ur von Beethoven, Violinkonzert von Mozart und Mendelssohn, sowie Szenen und Arien auS Opern von Beethoven, T. M. v. Weder und Mozart bemer- kenswert sind. Auch das «igen» Schafs«n von Studierenden d«r Anstalt, vom Klavierlied bis zur groben sinfonischen Dichtung, hat in entsprechendem Mab Raum gefunden. Während zehn Konzerte im. Saal« der Hochschule selbst statt- stnden, mutzten zwei Veranstaltungen in den groben Saal der städt. Festhall» gelegt werden, um den vorgeschrittenen Studierenden der Bad. Orgelschul« Gelegenheit zu geben, an der prachtvollen Konzertorgel dieses Saales ihr KSn- nen unter Beweis zu stellen. All «S näher« über die in dir Z«it vom kommen- den Montag, den 13. März, bis einschlieblich 6. April dauernden Schlllerkon- »erte woll« aus der besonderen Anzeige und aus dem in allen Mustkaltenhand- Jungen erhältlichen Programmheft ersehen werden. GottesdienstOrönuny «t. Stephan. Sonntag: VollSirauertag für die Opfer de» Weltkriege»: Kollikie für arm» Theologen! 146 Uhr: hl. Messe! 8 Uhr: hl. Messe: 7 Uhr: Olterkommunton des Männer-, Jungmänner- und Iugendvereins: 8 Uhr: Ofterkommunion der Gesellen: FestgoUesdienst der Jugend mit Predigt de» H. H. Generalpräses Msgr. Wolker, Düsseldors: *410 Uhr: GedächtniSgotteS- di«nst für die Gefallenen deS Weltkrieges mit Predigt de» DiSzefanpräfe» Walter, Freiburg, lev. Hochamt nnl» Tumba: V* 12 Uhr: Schülergolle»dienst mit Predigt: %2 Uhr: Thristenlehre für die Jünglinge: 8 Uhr: Faste Up redtgt. Kreuzweg und Segen: abend» 8 Uhr: Kundgebung der lath. Jugend im Ein- trachtsaal. Festredner Msgr. Wolker, Düsseldorf. — Nächsten Sonntag: 7 Uhr Osterkornrnunion der Jungfrauinkongregation, der Geschäftsgehilfinnen, Arbeit trw Ost M . . . ml . terinnen und Jungmädchen. Kollekte für die Armen der Vinzenzverein«. »lies rinzentlushaus. Sonntag: W Uhr: HI. Messe: 8 Uhr: Amt: nachm. ViZ Uhr: Herz-Mariä-Bru!d«rsch

MUHr: Sr Mnev») ^ tOfc i wit Predigt und MonatSkommunio« de« Mam»« ttm 0U C ""im e»t *» W: Hochamt mit Gebet lür die G-Iall-n-n de» Weltkrieg»? 11 Ttor- Mn>«rgoit-S. dienst nnt Predigt: %2 Uhr: Christenlehre für die Jünglinge: U3 Uhr: Andacht in Zeiten öffentlicher Bedrängnis^ abends S Uhr: Fastenpredigt, Litanei und Segen. — Kollelte sür arme Theologen. Liebiraucnkirche. Sonntag: Volkstrauertag: 6 Uhr: Frühmesse: 7 Uhr. Kommunionmesse mit gemeinsamer Lsierlommunion der Jünglinge: 8 Uhr: deutsche Singmesse mit Predigt: >410 Uhr: Hauptgoitesdienst mit Hochamt und Predigt: Y*12 Uhr: Kindergotiesdienst mit Predigt: ^Uhr: Christenlehre für die Jünglinge: b Uhr: Faslenpredigt mit kurzer Kreuzwegandacht und Segen. — Kollekte für arme Theologiestudierende. St. Pernhardustirche. Sonntag: Kollekte lür arme Theologiestudierende: 6 Uhr: hl. Messe: 7 Uhr: hl. Messe mit Lsterlommunion der Männer, Jung- Männer und Jünglinge: 8 Uhr: deutsche Singmeise mit Predigt: y>10 Uhr: Predigt und Hockiamt: ^12 Uhr: Schülergotiesdienli mit Predigt: 2 Ilhri Chri- stenlehre für die Jünglinge: abends S Uhr: Fastenpredigt mit Kreuzweg und Segen. El. ivonisatiustirche. Sonntag: « Uhr: Frühmesse: 7 Uhr: Kommu- nionmesse der Männer und Jünglinge: 8 Uhr: Singmesse mit Predigt! ^>10 Uhr: Hauptgoitesdienst mit Predigt und Hochamt: ^12 Uhr: Kindergottes, dienst mit Predigt: 9*11 Uhr: Christenlehre lür die Jünglinge: 6 Uhr: Fastenpredigt, Kreuzweg und Segen. — Jeden Morgen S Uhr: Beichtgelegenheit. — Nächsten Sonntag: Monatslommunion der Schwestern und Jungfrauen und Beginn der Christuswoche, Serz-Jesu-KIrche. Sonntag: >410 Uhr: Eingmesse mit Predigt. — Donnerstag: Vtl Uhr: Beichtgelegenheit: 7 Uhr: Schülergottesdienst. Ludwig-Wilhelm-Krantenheim. Mittwoch: k Uhr: HI. Messe. St-Peter-nnd-Pauistirllie. Sonntag: Kollekte sür arme Theologen: « Uhr: Frühmesse und Beichtgelegenheit: 7 Uhr: hl. Messe mit Monatskom- munion der Männer und Jungmänner: 8 Uhr: deutsche Singmesse mit Pre- digt: %10 Uhr: Hochamt mit Predigt: >412 Uhr: Kindergoitesdienst mit Predigt: %2 Uhr! Christenlehre für die Jünglinge: 6 Uhr: stastenpredigt mit Andacht und Segen. — Jeden Morgen Vtl Uhr: BeiStgelegenheit. — Nächsten Sonntag (Fest des hl. Joseph): 7 Uhr: Monatslommunion der Jungfrauenlonge- gation und des Jungmädchenvereins „St. Agnes" und Generalkommunion des Kath. Arbeitervereins. St. Michaeiskirche Beiertheim. Sonntag: S Uhr: Beichtgelegenheit: Wl Uhr: Frühmesse mit Osterkommunion der Jungfrauen: 8 Uhr: deutsche Singmesse mit Predigt: %10 Uhr: GedächtnisgotteSdienst für die Gefallenen; 11 Uhr: Kindergotiesdienst mit Predigt: Vtf. Uhr: Christenlehre für die Jüng- linge: 6 Uhr: Fastenpredigt mit Litanei und Segen. — Kollekte für arme Theologen. Weiherseld-Tammerstock. Sonntag: VJ» Uhr: deutsch! Singmess! mit Predigt. Hl. Gelstkirche Tailanden. Sonntag: %7 Uhr: Kommunionmelle, Osterkommunion sür die chrisienlehrpflichtigen Mädchen: 8 Uhr: Frühmesse mit Predigt und Gedächtnisgottesdienst sür die gefallenen Krieger der Gemeinde: 1410 Uhr: Predigt und Hochamt: W Uhr: Faftenpredigt und Segensandacht. St. Josephskirche Griinwinlel. Sonnt ng: Vollstrauertag: Osterkommunion der Jungfrauen und Mädchen: Kolleiie für arme Theologen: 0 Uhr: Beichte: 7 Uhr: Frühmesse: >410 Uhr: Amt und Predigt: Kriegergedächtnis: S Uhr: Fastenpredigt und Andacht. Hl. «reuzkirche Knielmgen. SamStag: 2—8 Uhr Beichte. — Sonntag: 6 Uhr: hl. Kommunion: 9 Uhr: Amt mit Predigt und Monatslommu- nion aller Schulkinder, Christenlehre: >42 Uhr: Vesper sür die Fastenzeit: abends %7 Uhr: Fastenpredigt mit Eegen. Ei. Antoniuslavelle Eggenftein. Sonntag: >47 Uhr: hl. Kommunion: abends 6 Uhr: Fastenandacht. — Samstag: 7 Uhr: hl. Messe mit Beichte und hl. Kommunion. St .-IudaS -Thl >ddäuskapelle Teuischneureut. Sonntag: *48 Uhr: Amt mit Predigt, vorher Beichtgelegenheit. — Dienstag: 7 Uhr: hl. Messe. — Freitag: abendS Vj8 Uhr: Segensandacht. St. Thereflentapelle Lwlcnheim. Donnerstag: 7 Uhr: hl. Meli» mit Beichte und hl. Kommunion. St..Chria«us.und-Lauren,iustirche Bulach. Sonntag: Kollelte für die Theologiestudierenden: S Uhr: Beichtgelegenheit: 7 Uhr: Frühmesse mit Pre- digt und Osterkommunion der Männer und Jünglinge: %10 Uhr: Singmesse mit Predigt: 11 Uhr: Kindergotiesdienst mit Predigt: S Uhr: Fastenpredigt mit Litanei und Segen. — Nächsten Sonntag ist Lsierlommunion der Frauen. Beichtgelegenheit ist SamStag mittag von i Uhr und Sonntag früh von K Uhr an. St. Nikolauskirche Rüppurr. Sonntag: Kollekte für arme Theologie- studierende; 6 Uhr; Beichte: 7 Uhr: Kommunionmesse sür Männer und Jung- männer: 9 Uhr: Amt mit Predigt: 11 Uhr: Kindergottesdienst mit Predigt: ' *42 Uhr: Christenlehre: 2 Uhr: Andacht in Zeiten öffentlicher Bedrängnis mit Segen: abends 7 Uhr: Fastenpredigt mit Andacht und Segen. — Nächsten Sonntag: Osterkommunion der Kongregation und aller Jungfrauen. St. KonradSlirche . Sonntag: 7 Uhr: Beilbtge- legenheit: >,48 Uhr: Frühmesse mit Monatslommunion der Münner und Jung- männer: *41» Uhr: Amt mit Predigt, hernach Tumba für Gefallene des Welt- kriegs; 2 Uhr: Andawt in Zeiten öffentlicher Bedrängnis mit Segen. Städt. Krankenhaus. Sonntag: *49 Uhr: Singmesse mit Predigt. — Mittwoch: 6 Uhr: HI. Messe. ^ Samstag: 2 Uhr: Beichtgelegenheit. St. Martinskirche Rintheim. Sonntag: *47 Uhr: Beichtgelegenheit: *48 Uhr: Frühmesse mit Monatslommunion der Männer und Jünglinge: *£10 Uhr: Amt mit Predigt: 6 Uhr: Fastenpredigt mit Kreuzwegandacht. Wallfahrtsort Moosironn. Beichtgelegenheit jeden Samstag von 2 Uhr ab. Sonntag? und Feiertags im Winter von 7 Uhr, im Sommer von S Uhr ab bis zum Hauptgottesdienst. — Gottesdienst an Werktagen im Winter um 7 Uhr, im Sommer um S Uhr. An Sonn- und Feiertagen, von Allerheiligen bis Ostern um *410 Uhr, nachmittags 2 Uhr. Bon Ostern bis Allerheiligen um 9 Uhr, nachmittag» *42 Uhr. — Jeden Freitag WallfahrtSgottesdienst um *410 Uhr, bis zu diesem Gottesdienst jeden Freitag Beichtgelegenheit. vurlach, St.-Petcr-nnd-Panlspfarrei. BamStag: nachmittags von i—7 Uhr: Osterbeichie für die Männer, Jungmänner und Jünglinge: S Uhr: Salveandacht zu Ehren der lieben Mutter Gottes. — Sonntag: 6 Uhr: Beichtgelegenheit: 7 Uhr: Frühmesse und Osterlommunion sür die Männer, Jungmänner und Jünglinge: *49 Uhr: Amt mit Predigt: %10 Uhr: Christenlehre für die Mädchen: *411 Uhr: deutsche Eingmesse mit Predigt! 2 Uhr: Herz-Jefu-Andacht mit Segen: 4 Uhr: Versammlung des St. Rotburgavereins im St. JosesshauS: 8 Uhr: Versammlung des JugendvereinS im Et. JofefshanS. — N.B.: 1. Am kommenden Sonntag ist Kriegergedächtniisonntag. Au» diesem Anlab ist im Anschluß an den *49». Uhr-Gottesdienst Kriegergedächtnisseier. 2. Kommenden Sonntag um 9 Uhr ist Gottesdienst in Hohenwettersbach mit Predigt. Hohenwettersbach. Sonntag: 9 Uhr: Gottesdienst in Hohenwettersbach mit Predigt und Amt. »e!tt den Tuberkulösen in die Heilstätte! Sammlung vom 24. bis 26. März Wallfahrtskirche Maria Bickelheim. Sonntag: s Uhr: hl. Meff«: *48 Uhr: Vortrag -nd hl. MeNe» «6i nachm.: Segensandacht, hernach 3. OrdenSverfarnrnlung. — Mittwoch« »7 Uhr: Josephi-Andachl. — SamStag: 9 Uhr: hl. WallfahrtSamt. — U »t« r d « r W och«: täglich um S und *48 Uhr: hl. Messen. SamStag» d»» »—*47 Uhr: Beichtgelegenheit. — Sonntag (Fest des hl. Joseph): S Uhrt hl. Messe: ^8 Uhr: yl. Amt. Wallfahrtskirche Waghäusel. Sonntag: Von S Uhr an Beichtgelegenheit: erst« hl. Mess« tön « Uhr. »weite HI. Messe mit Predigt um *48 Uhr: um *410 Uhr: Amt mit Vitt,tat; 2 Uhr: Kreuzweg-Andacht. — Dienstag und Freitag: WallfahrtSm«sse um 9 Uhr. — An allen Samstagen der Fastenzeit hört nur «in Pater Beicht« in der WallfghrtSlirche. Bereinsanzeiger Kath. Jungmännerverein St. Bonifaz — Deutsche Juge«d> kraft Karlsrnhe-West Jungschar. Samstag nachmittags Uhr: Bastelstunden der Gruppe Junge Falken. Um k Uhr: Heimabend der W i n fr it> - Gruppe, im Heim Kaiserallee 12b. Boranzeige. Nächsten Sonntag während der 7-Uhr-Mieff« Osterkommunion. Wir erwarten vollzählige und pünktliche Beteiligung! Nachmittags Spiele aller DJK.-Mannschaf. ten. — Abends 7 Uhr: Treffpunkt vor der Kirche zum Besuch der Wolker-Kundgebung in der „Eintracht". Wetterbericht Karlsruhe, lg. März. Das Hochdruckgebiet über dem Festland« ist in langsamer Schrumpfung begriffen auch in seinem Höhen- aufbau. Infolgedessen herrscht im oberen Schwarzwald Tempera, turumiehr mit guter Alpensicht. Für morgen werden die Ver- Hältnisse im wesentlichen uugeändert bleiben. Wettervoraussage: Fortdauer des meist heiteren und trockenen Wetters mit großen Temperaturgegensä^en zwischen Tag und Nacht, Ostwind. Wafferstände des Rheins: Waldshut 218, —>8; BasÄ +15, — 5; Breisach 117, —1; Kehl 287 unverändert; Maxau 417, —3; Mannheim 314, + 9; Caub über 200. Karlsruher Stanöesbnchauszüge Todesfälle und Beerdigungszeiten. 8. März: Frieda Treutle, Filialleiterin, ledig, 41 Jahre. 10. März, 13.80 Uhr. — 9. März: Sophie Jung geb. Dörschuck, Ehefrau von Hermann Jüng, Reichs- bahnoberinspektor, 52 Jahre, Neckarsteinach. — 10. März: Lina Mansbach geb Bing, Ehefrau von Dr. Aron Mansbach, Fach, arzt, 66 Jahre, israelitischer Friedhof. Gestorben am S. März in Ettlingen Herr Josef Korn, Landwirt, 77 Jahre alt. Beerdigung: Sonntag nachm. k3 Uhr. Tages-Anzeiger für Samstag, de« 11. Mär, 1933 Indisches Landesiheater. 20—22.45 Uhr: Die Hermannsschlacht. Badische Lichtspieltheater. 17 und 20.30 Uhr: Der Choral von Leutheu. Gloria-Palast. Trenk. Palast.Lichtspiele. Ein Liebesroman im Hause H«bslfaDo»e 75# junge EM ^.o°.°75# mit geschnittenen Karotten CA w 1 / # Dose ÜÜ4F Karotten <°" chni TL. c 35# Dose 25# »/, Dose 15# »/, Dos» 25# »/, Do»e 70# I /, Dose ftO# V, Do»e 55# v, Do«« 30# Vi Do»« 70# Vi D ow 45# V, Do»» 70# Vs Do»» 45# Prlnzefi-Bonnen 85# uiacns-Brechhotinen 'h Dose 55# Leipziger Altertet h,do H i .- v,d o ..80# Besonders preiswert ■ Feinster gekochter Schinken . . i i t Piund 30# Schöne TsfGlSpfCl (solange Vorrat) Pfd. 19# und 26 Blondorangen Pfund 16# Blutorangen (Ooppslblut Paterno) Pfund 20# Warenabgabe nur an Mitglieder. lebensbediirfnisverein Nr. 69 Samstag, de« 11. März 1933 Seite 9 Generalpräses Ludwig Wolker zum Gruß! Ein kerniges Treu Keil zum Willkvmmensgruß in der badischen Landeshauptstadt entbieten aus jubelnder Seele dem obersten Führer de» „Katholischen Jungmännerverbandes Deutschlands" und der „Deutschen Jugendkraft", Genrralpräses Msgr. Ludwig Wolker, Düsseldorf, die kathol. Jugendgemeinschaft Karlsruhe, die Jungen- und Jungmannschaft von Achern bi» Bruchsal, die Jugendkrastmannen aus dem weiten Gau Mittelbadell, die Führerschaft aller kathol. Jugendverbände in Stadt und Land, Bezirke« uud Gau und nicht zuletzt die hochwürdigen Herren Präsides und geistlichen Führer laud- auf, landab. Die Zeitfolge der Karlsruher Wolkertage SamStag. 11. März 18 Uhr: Die $ täfelten, DIK - Leiter, Jungführer aus Stadt und Land, von Achern bis Bruchsal, von Pforzheim bis zum Rhein, halten Aussprache im Kolpinghaus, Karlstratze. SS Uhr: Bezirks- und Gauleiter (Stammverband und DJK.) aus Mittelbaden, beraten mit dem H. H. General- Präses. (Geschlissene S'tzung im Kolpinghaus.) Sonntag, l2. Marz: 8 Uhr: Deutsche Singmesse mit Predigt des H. H. G t • neralpräseS Wolker in St. Stephan. Die Eltern, Väter und Mütter, find dazu herzlichst einge. laden. 9.30 Uhr: Beginn der Diözefanausfchußsitzuug (Bezirkspräside», Bezirkslelter usw.). 20 Uhr: Große Jugendkundgebung in der Eintracht. Montag, 13. Marz 9 Uhr: Tagung der H. H. Präsides von M i t i e I • und Nordbaden im Kolpinghaus Es werde» H. H. GeneralpräseS W o l k e r und H. H. Diözesanpräse» Walter zvr Besprechung dringender Gegenwart»- fragen bereit sein. 14.30Uhr: Konferenz der mittelbadischen Geistlich» keit im Kolpinghans. Referenten: H. H. Ge» neralpräseS Wolter und H. H. Dilzesanpräses Wal- ter. Die große gugenSkundgebung iu der „Eintracht" bringt folgende Darbietungen: Bannereinmarsch. — Fanfarenruf. — Schriftwort — Choral: Lobet den Herrn (Blasmusik mit Gesang). — GeneralpräseS Ludwig Wolker, Düsseldorf, spricht. — Auf, marsch, marsch! . . . (Lied). — „Wach auf!" aus Meistersinger von Richard Wagner (Blasmusik). — H, H. Diözesanpräses August Walter, Freiburg, spricht. — Deutsche Rot (Sprechchor). — Wenn alle untreu werden (Lied). — Schlußmarsch: In Treue fest (Blasmusik). Mitwirkende: Jugendkapelle St. Bernhard unter Leitung von Herrn Inspektor Franz Batzler. Katholische Jugendgemein- schast Karlsruhe. Für öen Banneraufmarsch gibt die Bezirksleitung folgende Parole: Sonntag, den 12. März, treten die Fahnen-, Banner und Wimpelabordnungen um y,8 Uhr in der Pestalozzischule bei der Stephanskirche an. Dann geschlossener Fahnen-Banneraufmarsch in die Kirche. Hierauf ein Fahnen-Bannermarsch zur „Eintracht", woselbst die Fahnen für de» Abend als Saal- schmuck bereitgestellt werde». Die letzten Anweisungen: Alle Mitwirkenden beim Sprcchchor „Deutsche Rot" nehmen während der Jugendkundgebung ihren Platz im letzten Drittel des Saales ein und sammeln sich nach dem allgemeine» Lied: „Auf, marsch, marsch!" im Mittelgang. Führung: Gauleiter Lcis. Die Sängerinnen und Sänger aus den einzelnen Bereinen und Bünden wolle» in geschlossene» Gruppen im Saale (nicht auf der Galerie) Platz nehmen. Die Plätze auf der Galerie bleiben ausschließlich de« weiblichen Organisationen vorbehalten. Samstag abend im Vierordtsbad: Die Karlsruher Schwimmer im Kampf Drei Schwimmabteilungen aus Mittel- und Nordbaden (Pforz- heim, Karlsruhe und Mannheim) werden sich am heutigen Sams- tag im städt. Vierordtsbad ein sportliches Stelldichein geben. Mann» Heims Wasserfreunde, vom Dortmunder Sieichstreffen bestens be- kannt. kommen mit einem großen Aufgebot erster Könner, um den Klubdreikampf weithin überlegen zu gewinnen. Aber — die Delphinleute Karlsruhe wissen, was sie dem Ruf ihrer Heimatstadt schuldig sind und werden sich so leicht nicht schlagen lassen, wenig- stenS in bestimmten Staffeln nicht. Pforzheim ist schwimmerisch in der Jugendkraft ein unbeschriebenes Blatt, kann gefährlich wer- den, sehr gefährlich, oder auch nicht. Jedenfalls sind Ueberraschun- gen Tür und Tor geöffnet, ein schätzenswerter Vorzug dieser Ver- anftaltung. Das Programm umfaßt nachfolgende Konkurrenzen: 1. 4X50 Meter Freistilstaffel für Knaben; 2. 10X50 Meter Brust, staffel; 3. 4X100 Meter Lagenstaffel. Springen. 5. 4X50 Meter Lagenstaffel für Knaben; 6. 4X100 Weier Bruststaffel. Rettungsschwimmen. 7. 10X50 Meter Freistilstaffel. Waffereballspiel: Mannheim I — Karlsruhe L Die Karlsruher Schwimmfreunde werden sich sicherlich mit großer Freude bei diesem feinen Kampfabend einfinden, dabei dem Generalpräses der Deutschen Jugendkraft, Msgr. W o l k e r, Düsseldorf, den Gruß der Karlsruher DJK.-Schwimmer- schaft entbietend. Die Redaktion des .Badischen Beobachter" wird durch ihre» Sondereberichterstatter vertreten sein. Der Rückkampf in Mannheim findet, wie wir hören. l«reits am morgigen Sonntag bei unge- fähr gleicher Programmfolge statt. Auch über diese Veranstaltung Werden wir eingehend orientieren Bon ter Gemeinschaft Gemeinschaft ist wie ein Leib, dessen Glieder alle die sind, die in der Gemeinschaft stehen. Gemeinschaft heißt also, daß allefür'einen und einer für alle dient. Die Kraft des einen kommt dem andern zugute und die Schwäche und Müdigkeit des einen findet Heilung und Stärkung in der Kraft des andern, wie alle Kräfte des verwundeten Körpers sich dahin rich- ten, die Verwundung zu heilen. Die Grundlage dieses Austausches in der Gemeinschaft ist die Liebe: Da» Bereitsein, zu geben, zu helfen, zu opfern, wo e? nottut und gebraucht wird, aus dem Wissen um das Gemeinsame. Selbstsucht hat in einer Gemeinschaft keinen Platz. Sie bedeutet Störung, Erkrankung. Sollte sie nicht anders geheilt werden können, müssen alle Kräfte zusammenwirken, das Selbst- süchtige abzuschließen von der Gemeinschaft, es auszuscheiden, ab- zustoßen. %#$■<■< ||i ' |||||| „Ein Reich, das in sich uneins ist, wird zerfallen", dies Gesetz aller menschlichen Gemeinschaft gilt auch für ein Jugendreich. Die kleine Gemeinschaft kann in sich einig sein und leben nach den ungeschriebenen Gesetzen des Herzens. Die grosse Gemeinschaft bedarf eines geschriebenen Gesetzes. Sie muss einig sein in Gesetz und Ordnung, einig in Wille und Führung, einig in Ziel und Form. Generalpräses Wolker. Im Gemeinsamen bedeutet alle SoNderung Gefahr. Wenn die Sonderung weiter fortschreitet, führt sie zur Auflösung in die Einzelheiten, Teile, Teilinteressen, was den Tod des Gemeinsamen bedeutet. Wo in einer Gemeinschaft nur gefordert, verlangt wird, tritt Auszehrung ein; denn die Gemeinschaft lebt vom Geben. Es muß in stiller, treuer Arbeit eines das andere „erbauen" und eines vom anderen „erbaut" werden, wie die Arbeit der Organe eines Leibes dem gegenseitigen Aufbau dient. Die Flucht der Arbett tei einzelnen, die Kräfte und die Reise des einzelnen müssen sich frucht- bar machen am Ganzen in einem steten, stillen Austausch. Es gibt Gemeinschaftssegen und Gemeinschaftsfluch. Der Strom ge-K-infamen Lebens trägt die aufbauenden Kräfte allen Gliedern zu; aber auch da? Versagen und die Sünde der einzelnen Glieder rächt sich am ganzen Leibe, weil es ihn lähmt und krank machen kann (Verantwortung) . . . Gemeinschaft heißt, daß Gemeinsames ist. Das 'Gemeinsame wird durch die Verbundenheit der Liebe, weil Liebe die Abkehr vom Ich und die Erweiterung des Ich ist und die Ueberspannung alles einzelnen. Weil das Christentum die höchstmöglichste Form einer Gemein- schaft ist, indem wir alle in der Taufe hineingezogen werden in den geheimnisvollen Leib E h r i st i, ist das Grundgesetz des Christentums: die Liebe! Drum ist die Selbstsucht auch der größte Feind dieser Gemeinschaft. (Aus „Schildt-ach,"^ * Bom echten und falschen Mhrerlum! Sie sind selten, die echten Führer, die aus lieb« zu Gott, zur Zugendseele und zur Bewegung sich ganz ihrer Fübrerarbeit hingeben. Darum sind sie auch so stark umworden. Ist in irgend einer Bewegung der kath. Jugend ein idealer Führer aufgetaucht und hat man feine Arbeitzfreudigkeit und seine Arbeitskraft erkannt, dann dauert es nicht lange, und er wird von den verschiedensten katholischen vereinen, Bünden und Gruppen als Führer begehrt. Wir können verstehen, wenn jeder sich eine solche Führerkraft sichern will. Und doch ist dieses Werben verkehrt und zeugt von wenig lveil- blick. Man darf es wohl als unumstößliche Tatsache bezeichnen, daß heute jeder Führerposten in der katholischen Jugendbewegung so viel Araft und Arbeit erfordert, daß der arbeitsfreudige Führer feine ganze Freizeit und seine ganz« Arbeitskrast, die der Beruf noch übrig läßt, seinem Posten widmen muß. Wird nun der Führer von verschiedenen Vereinigungen zur Führerarbeit herangezogen, so wird ganz notwen- diger weise seine Zeit und seine Araft nicht hinreichen, um allen An- forderungen genügen zu können. Die eine oder andere Verpflichtung »der gar alle werden nie voll «füllt werden können. Dazu kommt, daß der Führer besonders in unseren Tagen, um ganz Führer zu sein, sich mit den Tagezsragen beschästigen muß. Wie aber ist eingehendes Studium der literalur der Bewegung, sowie ein« Beschäftigung mit den allgemeinbildenden Schristen möglich, wenn jeder Abend in der Woche durch eine ander« Sitzung belegt ist. von der Familie n>oll«n wir schon gar nicht reden. Wenn wir uns auch bewußt bleiben müssen, daß jede Iug«ndarb«it verfehlt ist, die die Familie zerreißt, statt sie auszubauen. Man wundert sich oft, wenn ein Führer, der jahrelang vorbildlich gearbeitet hat, auf einmal überarbeitet und ermüd«t sein« Aemter niederlegt und der Bewegung ganz verloren geht. <£s wär« nicht so w«it gekommen, wenn man ihn nicht so sehr mit Arbeit und verant- Wartung überhäuft hätte, daß er einfach se«lisch zusammenbrechen mußte. Mögen darum alle in der katholischen Jugendbewegung zusammen- geschlossenen vereine, Bünde, verbände und Vereinigungen es als Ehrensache betrachten, den Führer, der irgendwo im katholischen Iu- gendlager arbeitet, nicht durch Ueberlastung mit neuen Führerposten und neuer Führerarbeit in seinen Teistungen seinem ersten Amte ge- genüber zu schmälern. Mögen aber auch alle Führer soviel verant» wortungsbewußtsein haben, daß sie jeglichen falschen Ehrgeiz aus- schalten und nicht mehr Verantwortung auf sich nebmen, als ibre Araft und Freizeit tragen kann. — Die trefflichen Ausführungen des bekannten rheinischen Jugend- sührers — Bezirkspräfes Weißbäcker, Mainz —, die in einer beredten Warnung vor der Ueberlastung des Führers gipfeln, er- scheinen uns so bedeutungsvoll, daß wir sie auch der Führerschaft un- serer hiesigen vereine und Bünde zur Kenntnis bringen wollen. Der entfcheiöente Sonntag Daxlanden ober Grünwinkel? ✓ Wer wird Gaumeister im Handball? De morgige Sonntag bringt sowohl in Fußball, wie auch auch in Handball die letzten Entscheidungen um die Meister- fchaf, dor in der Gruppe Nord und hier im Gau. Fußball Dazlanden oder Grüuwinkel, >daS ist die Frage, die jedermann im Karlsruher Fußballager bewegt. Wir haben schon ftüher zu der Frage des vermutlichen Ausgangs Stellung genommen und können uns daher heute aus eine Zusammenfassung der Gründe „für und wider" beschränken. Für den Sieg des A lt m ei- sters Daxlanden spricht einmal die Tatsache, daß der Kamps auf seinem eigenen Gelände durchgeführt wird, zum zweiten die Beobachung, daß die Daxen gerade bei ausschlaggebenden Spielen zu bester Form aufzulaufen pflegen und drittens die Erfahrung, daß Verluste vom Vorsonntag zu umso größerer Energie beim kommen- den Treffen anspornen. Die Leute von Grünwinkel hahen als stärkstes Plus den unbedingten Willen zum Sieg über den großen Gegner auf ihrer Seite, allerdings, auch Daxlanden will und muß gewinnen. Dann führen die aufstrebenden Rivalen eine scharfe Klinge, vor allem im Sturm, die Resultate sprechen hier sehr deutlich, sprechen, alles in allem, für Grünwinkel. Rechnet man nun zusammen, so kommt man unschwer zu dem Ergebnis, daß ein Unentschieden sehr nahe liegt, aber . . . das Spiel findet in Daxlanden statt und diese Tasache verändert manches. Weiterhin bringt die Gauklasse aufschlußreiche Begegnungen in Lichtental gegen Baden-West (wir tippen auf Baden-West), Karlsruhe.Süd gegen A ch e r n (ein Unentschieden würde nicht überraschen), Karlsdorf gegen Ersingen (wird Karls- darf wiederum ein Heimsieg gelingen?) Bruchsal St. Peter gegen Karisruhe-Ost (ein glatter Sieg der Bruchsaler liegt in der Luft). G««klasse 2. Mannschaften: Lichtental — Baden-West, Karlsruhe-Süd — 31 du'tu. Voraussichtlich zwei Gästesiege. A •1.1 Phönix .... < 1 i Polyphon Rhein. Braunkohls 1 , Rhein-Elektra . • < a Rheinstahl , . . . , Rh. W. Elektr. ..41 Riebeck Montan • • » Schubert 4 Salzer . . Schuckert • . • « 1 Schulth. Patzenh. . . a Siemens 4 Halska . « Sinner Stöhr Kammgarn . i 1 Stoiberger Zink . . . Südd. Zucker . . , ■ Braunschweig A.G. , , Ver, Dt. Nickel . a 1 Ver. Glanzstoff • . « • Ver. Stahlw. . . a # Voigt 4 Häffn-*» • 3 s Wanderer . . . • a a 16. 3. 186,00 9 ,50 12,00 63,12 53,00 22,75 127,50 50,84 27,60 131,50 22,36 84,00 67,25 37,25 70,00 12>0 77,12 48,75 36,36 37,00 208,12 105,00 82,12 98,50 71,00 195,25 93,25 113,00 148,75 73,00 96,25 4', 1 16 0 100,-5 73,50 57,25 37,36 59,00 7. ». 181,00 9 ,00 12,50 81,50 54,00 23,00 123,75 81,00 127,85 23,60 81,50 65,85 72,00 12,86 75,25 46,25 36,85 38,75 208,50 80,75 99,50 71,25 187,75 93,25 108,00 141,50 72,00 68,75 38,50 155,-5 101,25 75,00 68,00 37,00 65.P0 Wayss 4 Freytag . Westeregeln . . • Zellstoff Waldhof . Deutsche Petroleum Bayer. Motoren « 10. 1. 4,00 120,00 52,60 6i,00 109,00 T. t. 3,75 127,00 63,00 70,00 100,75 Frankfurter Effektenkune Badische Bank ..... Deutsche u. Disconto Bk. Brauerei Werger .... Brauerei Wulle .... A. E. G Bad. Maschfb. Durlach • Cementw. Heidelberg . . Daimler Motoren . . Dt. Gold u. Silberschd. . Dyckerhoff 4 Widmann . Eßlingen Maschinen . • ■ Ettlingen Spinnerei ... Farbenindustrie L G. • • Gritzner Maschinen . . . Grün 4 Bilfinger . Haid 4 Neu • • • • . Junghans ...... Knorr. Heilbronn • • . « Metallgesellschaft . , , « Mez Söhne ...... Miag Seilindustrie Wolff ... Südd. Zucker . . . . Voigt 4 Häffner . • • Wayss 4 Freytag .... Zellstoff Aschaffenburg . Zellstoff Waldhof .... Klöcknerwerke Ver. Stahlwerke • ■ • • 18. 3. 118,TB 70,50 24,00 32,00 58,75 28,12 171,50 18,25 23,75 128,25 30,00 15,00 24,00 86,80 159,50 28,50 4,00 53,50 37,12 7. 6. 121,50 70,75 56,00 26,00 32,75 88,00 173,00 19,00 21,50 110,75 27,26 15,00 24,00 185,00 36,60 81,00 28,00 4,0u 83,5b 37,51 Kammerkirsch A.G., Karlsruhe. In der gestrigen Generalversammlung wurden die Regularien genehmigt. Es Ut gelungen, den Verlust von 1931 mit 7346 RM. auf 645 RM. im Jahre 1932 herabzudrücken. Dieser Betrag wurde auf neue Rechnung vorgetragen. Die Aussichten für das neue Geschäftsjahr sind unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht zu beurteilen. Man hofft aber nicht schlechter abzuschneiden als im abgelaufenen Jahr. Börse Berlin. 10. März. Obwohl die Kursgestaltung zu Beginn der heutigen Börse einen ganz uneinheitlichen Charakter hatte, konnte die Grundstimmung als behauptet bezeichnet werden. Die Einsetzung des Generalleutnants von Epp zum Kommissar des Reiches für Bayern trug wesentlich zur Beruhigung bei. Da ausserdem das Kaufinteresse des Publikums und das Anlagebedürfnis aus Stillhaltegeldern anhielten, stellten sich die ersten Notierungen meist schon wieder über das bis zu 1 Proz. niedrigere gestrige Frankfurter Abendniveau, meist waren auch noch gegen gestern mittag Kursbesserungen bis zu 1.5 Proz. festzustellen. Darüber hinaus waren Berlin-Karlsruher Industrie nach anfänglicher Plusplusnotiz 8% Proz. höher, Berliner Maschinen plus 2% Proz., Kali Aschersleben plus 2% Proz. und von Braunkohlenwerten Nieder- lausitzer plus 4 Proz. und Eintracht plus 6 Proz. Andererseits eröffneten noch auf ein Angebot von 5000 Mk. Conti Linoleum 3 Proz. und Werte, wie Südd. Zucker, A.G. für Verkehrswesen, BEW, HEW und Ilse 1.5 bis 2.5 Proz. schwächer. Unter stärkerem Angebot litten aber wieder nur Reichsbankanteile, die bei einem Umsatz von 100 Mille 5.6 Proz. einbüssten. Nach den ersten Kursen wurde es dann aber vom Farbenmarkt ausgehend allgemein fester. Das Geschäft in Spezialwerten war dabei recht lebhaft. Auch Renten zeigten nach schwächerer Vorbörse freundliche Tendenz. Bei den Pfandbriefen überwog weiter die Nachfrage. Die Altbesitzanleihe gewann weiter % Proz. Reichsschuldbuchforderungen waren bis zu H Proz. höher. Auch Dollarbonds waren im Gegensatz zu den eher schwächeren Industrieobligationen gefragt. Auslandsrenten hatten nur geringe Veränderungen aufzuweisen. Auch gegen 12.45 Uhr blieb die Tendenz an den Aktienmärkten fest. Kursgewinne bis zu 2 Proz. gegen den Anfang waren bei den Hauptwerten keine Seltenheit Bevorzugt wurden im Verlauf» Kali- und Maschinenaktien, am Montanmarkt rückten Mannesmann in den Vordergrund des Interesses. Reichsbankanteile konnten dagegen keine nennenswerte Erholung erzielen. Bei 8 Mille Umsatz gelangten die Aktien der Hotelbetriebs-A.G. verspätet 9% Pro*, über gestern rar Notiz. Warenmärkte Berliner Metallbörse vom 10. März. Elektrolytkupfer 47.75, Raffinadekupfer 43—44, Standardkupfer 89.25—40.25, Standardblei per März 14.75—15.75, Original-Hüttenaluminium in Blöcken 160, in Walz- oder Drahtbarren 164, Banka-, Straits-, Australzinn 222, Reinnickel 350, Antimon-Regulus 89—41, Silber 89.75—48.25. Berliner Produktenbörse vom 10. März. Weizen märk. 198—200, Sommerweizen märk. 205, März 212, Mai 215 bis 214.75, Roggen märk. 155—157, März 169—168, Mai 172.50—172, Braugerste 172—180, Futter- und Industriegerste 163—171, Hafer märk. 126—129, März 130—129.60, Mai 195.50—135.50, Weizenmehl 23.75—27.75, Roggenmehl 21—22.86, Weizenkleie 8.75—9, Roggenkleie 8.75—9, Viktoriaerbsen 21—24, kleine Speiseerbsen 19—21, Futtererbsen 12—14, Peluschken 12—13.50, Ackerbohnen 12—14.50, Wicken 18.50—14.60, Lupinen, blaue 8.50—10, gelbe 11.50—12.75, Seradella, neue 17—28, Leinkuchen 10.70, Erdnuss- kuchen 10.60, Erdnusskuchenmehl 10.50, Trockenschnitzel 8.70, extrahierte« Soyabohnenschrot ab Hamburg 9.30—9.40, ab Stettin 10.80. Rastatter Schweinemarkt vom 9. März. Zugefahren 46 Läufer, 274 Ferkel. Preis der Läufer 45—70, der Ferkel 28—85 RM. das Paar. — Viehmarkt: Zugeführt 122 Stück Grossvieh, 18 Kalbinnen, 17 Stück Kleinvieh. Preis der Kühe 200—845, der Kalbinnen 820—400, der Rinder 70—180, der Kälber 86-56 RM. Berliner Devisennotierungen Geldkurse festgestellt von der Berliner Bedinffungsgemeinschaft zusammen mit der Rei< Buenos-Aires » Kanada « • a Japan • • s • Kairo • • • • Konstantinopel . London . . New York . • Rio de Janeiro . J ruguay . » . Amsterdam » • Athen • • • * Brüssel s i • Bukarest • s » udapest Da ' Hl » 3 10.3 0 828 0 823 Italien . . a i * 3 528 3 526 Jugoslavien • « 8 0.8S9 0 869 Kaunas • 8 1 14 99 15.00 Kopenhagen « 2,008 2.008 Lissabon « 1 1 14 61 14 62 Oslo . 8 • « 4.146 4.146 Paris i g 8 « 8 0.239 Ü.239 Prag . a S 1 8 1 648 1 648 Reykjavik I • 8 169 93 169,93 Riga . . 8 1 5 2.378 2 378 Schweis 8 « • • 58.96 58.96 Sofia . s • • 8 2 488 2 488 Spanien 8 8 • • Stockholm 8 S 8 82 42 82 42 Tallinn , 1 • 8 8 464 6 464 Wien s , 8 8 8. 3 10 8 21 46 21.45 5.554 5.554 41.76 41.öd 65 18 65,18 13 2« 13 30 74 83 74 83 16 60 16.60 12 46 ?.*6 65.93 65 93 78 42 78 17 81 44 81 37 3 057 3.057 34 98 34 96 77 27 77 27 110 59 110.59 48.45 48 .48 Seite 12 Samstag, de» 11. März 1933 Nr. 08 Qutet Qesäjmack ist keine Qeldftage! fl aS ema Das zeigen Ihnen die vielen schönen Modelle die trotz des billigen Preises von guter Qualität sind und eine hervorragende Passform besitzen. der orthopädische Hassia-Schuh Alleinverkauf für Karlsruhe HERMANN KARLSRUHE Email- Kohlenherct Große 80 x 55 mit Sch RH. 58.- Ihr alter Herd wird in Zahlung genommen. Dörr, wiiiBlaitr. i Zu kaufen gesacht Vervielliiilisllvgs z» tauft* gesucht. — Angebot« unter 2188 an die fflefchäftäftetle. K Bestecke R A T Woldstr. 41 Z Todes-Anzeige Heute abend verschied nach längerer Krankheit in der medizinischen Klinik in Freiburg im Alter von 61 Jahren, im 86. Priester jähre, versehen mit den hl. Sterbesakramenten, der hochwürdige Herr Wilhelm Fichter Pfarrer von Waldulm Wir empfehlen die Seele des Verstorbenen dem Gebete der Gläubigen und dem Gedenken im hL Opfer seiner geistlichen Mitbrüder. Waldulm, 10. März 1933. Das Dekanat Achern: Dr. Huck, Geistl. 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Abtragung von Restlaufgeldern, 2. desgl. von ReichSmarl-Hhpothelen (jedoch mit Ausnahme der aus Mitteln der G«- bäudefonderfteuer gegebenen Darlehen); 3. deSgl. von AufwertungShypothelen! 4. desgl. von Straßenanliigerbeiträgen, G»h- wegherstellungslosten und Schwemman- fchlutzdarlehen. Bei Steuern, Mieten, Zinsen und sonstigen laufenden Einnahmen lommt eine Annahme von Anleihestücken an Zahlungsstatt nicht in Betracht. Bei Kapitalzahlungen auf Außenstände an- derer Art als oben erwähnt, lann nur aus- nahmsweise eine Annahme von Anleihestücken an Zahlungsstait durch besondere Verein- barung zugestanden werden. Die Obligationen werden zum Kurs don 80 % angenommen und nominal Ivo sfrS. mit 64 RM. verrechnet. Karlsruhe, den 4. März 1333. Der Lberbllrg ermeister. vaMes ttiseMiln «amStag, 11. MSr,! *E 10 Th.-Gem. 101 bii 200. Neu einftutwrt: Drama von Heinrich von Kleist. Regie: Baumbach. Mitwirlende: Ehrhardt. Frauendorfer, Kratzer, Seiling, (Erdin, Fritz, Gebel-in, O. Höcker. 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Herrenalbcr Straße, Streck« zwischen Ostendorfplatz und Dialonissenstraße: 2. Herrenalbcr Straße, Strecke zwischen Grundstück Lgb. Nr. 11 91S/44 und Tulpen- straße, vor dem Grundstück Lgb. Nr. 10 173 (Kirchenplatz)! S. Arndt-Straße, Strecke »wischen Lebrecht' und Ballstraße: 4. Arndt-Straß?, streck« von der Battstraße bis zur Einmündung in die Landstraße nach Ettlingen. Es finden die allgemeinen Grundstücke für den Beizug der Grundeigentümer zu den Stra ßenkosten Anwendung." Der Kostenvoranschlag, die Liste der bei tragspflichtigen Grundeigentümer, aus denen das Maß ihrer an die Straße anstoßenden Grenzen und die Beitragshöhe zu ersehen ist, Rachzeichnungen des StraßenplanS. sowie ein Abdruck des Gemeindebeschlusses über die all- gemeinen Grundsätze für den Beizug der Grundeigentümer zu den Straßenlosten liegen bis zum 27. Mär» 1933 auf dem Rathaus, Tiefbauamt. Zimmer 100, zur Einstchtnahme auf. Einwendungen gegen den beabsichtigten Eemeindebefchlnß find bei Ausschlußvermeiden bis zum 3. April 1933 hierher geltend zu machen. Karlsruhe, den 9. März 1933. Der Oberbürgermeister. r Wclßeln n. Streichen von Küchen. Renovieren gan- zer Wohnungen billig. Keine Schwarzarbeit Angebot« unt. an >747 die Geschäftsstelle erb. F U f im »$* j Choral von ßeufhen 2*1 Woche Werktags: 5 u 8 30 Uhr Sonn ; 2, 4'». 63°, 8« 8 Uhr Bad. Lichtspiele KÖHLER KRUG Heute Samstag abend 8 Uhr Großes Starkbierfest Vollständige Kapelle des Musikvereins Karlsruhe Büttenredner. Humoristen ( intrltt frei) MIMn laMWttte: M » » t » , für all« Btehga,«»»,«». Mittwoch f fl r Kleinvieh Bedeutender Export. Direlter Bahnanschluß: Karlsruh«-V>ehhos Beste Viehverwertung durch gut eingeführte Firmen. Er&ader — VorwSrtsstrebeode Hohe Geld-Belohnung Näheres kostenlos durch ?» Erdmann & Co., Berlin WS 11 Jetzt Möbel kaufen, ist Ihr Vorteil! Laut Beschluss der Möbelfachverbände werden sämtliche MÖBEL im Preise steigen. 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Majolika Manufakwr 6 Vasen. >lle» Spendern sei auch an dieser «teile de» »rrzlichfte Tank und- gesprochen.