IM- Tageblatt. 222 . »«alt«. PM» i» D>lrlLj 1 Mt. I Pf. 8« R.tcht^Sirt Mi. 1» »Hs« Bt-eLirl». Touuerstag Le« 22. September M«rülkWig»gevühr prr »irriespaltr«« 8 -ttc » Pf. Ailfkrate erSittet mi» kt« s-Lteften» 10 Uhr vormittag». IM Hagesueuigkeilen. Bade«. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Sich unter dem 12 . September d. I. gnädigst bewogen gesunden, dem Professor Sigmund Eber stein am Progymnafium in Durlach das Ritterkreuz i. Klasse Höchst- ihres Ordens vom Zähringer Löwen zu verleihen. Karlsruhe, 3l. Sept. Die Generalsynode wird, wie schon gemeldet, nächsten Dienstag eröffnet werden. Die Eröffnung wird im Auftrag und in Vertretung deS Großherzogs Präsident 0. Helbiug vornehmen. Ihr geht etu Gottesdienst in der Schloßkirche, vormittags 10 Uhr, voraus, bei hem Prälat Oehler die Predigt halten wird. -s- Pforzheim, 31. Sept. Die hiesige Polizeibehörde erhielt aus Mülhausen i. E. von der Militärbehörde den Auftrag, den hier in Arbeit stehenden Wagner Jakob Lehmann aus Stein (Amt Breiten) wegen Berdachts des militärischen Aufruhrs festzu- nehmen. Gestern früh wurde der Genannte verhaftet und nach Mühlhausen transportiert. 1- Heidelberg, 21. Sept. sGustav- Adolf-Vereinsfest.) Unter Glockengeläute bewegte sich heute vormittag 9 Uhr der Fest- zsg nach der Heiliggeistkirche. Oberkirchenrat Witz-Oberlin-Wien hielt die Festpredigt. Der vereinigte Chor der Kapellen- und Stadt- gemeinde sang das Eroberungslied. Gleichzeitig hielt in der Provtdenzkirche Pastorvr.Hagenau- Berlin den Festgottesdievst. Der Erbgroß- herzog war bereits um 7" Uhr eingetroffen und ging mit seinem Adjutanten Oberleutnant v. Güter nach dem Palais und von da in Begleitung des Oberbürgermeisters zur Hetliggeist- krrch.'. Später nahm er in der Stadthalle einen Imbiß ein. Um 1 Uhr begann die öffentliche Hauptversammlung im großen Saale der Sradthalle, der vollständig gefüllt war. Der Erbgroßherzog mit seiner Begleitung und der Prinz von Sachsen-Weimar wurden stürmisch begrübt. Der Erbgroßherzog verlas sodann folgendes Handschreiben des Großherzogs an die Mitglieder der 57. Hauptversammlung des evangelischen Vereins der Gustav Adolf-Stiftung: „Zu meinem großen Bedauern bin ich dermalen aus Gesundheitsrücksichten genötigt, mir Schonung aufzuerlegen und dadurch veranlaßt, Ihrer Hauptversammlung fernzubleiben. Ich habe daher meinen Sohn, den Erbgroßherzog, beauftragt, der 1. öffentlichen Hauptversammlung anzuwohnen, um Ihnen dadurch kund zu geben, daß ich Ihre erfolgreiche Tätigkeit mit sehr warmer Teilnahme verfolge. Wie könnte das auch anders sein, da ich seit 57 Jahren mit tätig sein durfte, den großen Interessen zu dienen, die zu pflegen der Gustav-Adolf-Verein sich stets augelegeu sein ließ. Ja, wir dürfen heute mit dankbarer Befriedigung auf die Vergangenheit zurückblicken, in der die Interessen der evangelischen Deutschen in Heimat und Ausland ihren Schutz und ihre Hilfe bei Ihrem Vereine fanden und zur Bildung von evangelischen Kirchengemeiuden gelangen konnten. Dieser Erfolg der evangelischen Kirchengemein- schaften durch ihre Einigung im Gustav-Adolf- Verein ist ein erfreulicher Beweis dafür, daß in dieser Einigung eine Kraft geschaffen worden ist, aus der noch viel Segen hervorgrhen kann. Ihre Beratungen, Berichterstattung und Verhandlungen werden wohl zu neuen Unternehmungen führen und der Gustav-Adolf- Stiftung noch weitere Teilnehmer zuführen. Möge diese Zunahme des Vereins stetig wachsen und damit die Kraft des evangelischen Bewußtseins auf der festen Grundlage unserer atten Reformatoren die Höhe erreichen, auf der wir mit wohl begründeter Usberzeugung getrost der Zukunft entgegen zu gehen vermögen. Mit diesem Wunsche begleite ich Ihre Beratungen und hoffe, daß Ihnen dabei viel Befriedigung zuteil werde. Es wird mir angelegen sein, mich auch fortan den Unternehmungen des Gustav-Adolf- Vereins anzuschließeu und damit eine heilige Pflicht zu erfüllen. Ich werde stets dankbar erkennen, wenn mir von dringenderen Bedürfnissen armer Gemeinden, besonders Diaspora Gemeinden oder deutschen Gemeinden im Auslande, Nachricht gegeben werden wollte, damit ich mich rechtzeitig an den Hilfeleistungen beteiligen kann. Möge Ihre Arbeit, übertragen auf Gottes Wort: Alles und in allem Christus eine gesegnete sein und zur Befestigung der Gustav-Adolf-Stiftung beitragen." Dieses Handschreiben wurde mit brausendem Jubel ausgenommen. Der Erbgroßherzog begrüßte sodann die Versammlung in seinem eigenen Namen. Geh. Rat Pank-Leipzig dankte dem Erbgroßherzog und dem Großherzogspaar für ihre Teilnahme an den Bestrebungen deS Vereins und warf daun einen Rückblick auf die Vergangenheit. Er erwähnte dann des 8 2 des Jesuitengesetzcs und sagte, wenn dieser auch bestanden Hobe, sei er doch nie in Kraft getreten, aber seine Aufhebung sei von gewichtvoller Bedeutung. Auch sei dies von magischer Kraft für 8 1: Halb ziehl's ihn hin, halb sinkt er jetzt schon hin! Man habe diese Aufhebung im Volke als schmerzlichen Stich empfunden. Er sage das an dieser Stelle nicht leichten Herzens, aber er sei sich der Tragweite seiner Worte bewußt. Redner hebt dann den starken Glauben des Kaisers hervor und kommentiert dies an der Hand der Sprüche, die der Kaiser seinen Söhnen bei der Konfirmationsfeier mtt- gab. Dis Reihe der Reden seitens der Ehrengäste eröffnete im Namen des neu gebildeten evangelischen Kirchenausschufses Generalsuperintendent Pfeiffer-Kassel, für den Oberkirchenrat in Berlin sprach Oberkonfistorialrat vr. Koch und für Baden Oberktrchenrat Zähringer. Aus dem Jahresbericht sei mtt- geteilt, daß sich das Vermögen des Vereins auf 1598063 Mk. beläuft. Es wurden dann Geldspenden überreicht, so von Heidelberg 10069.67 Mark. Im Namen des Badischen Frauenvereins übergab Frau Landfried Heidelberg die von der Großherzogin gestifteten Kirchengeräte. Der Karlsruher Frauenverein gab 600 Mk., Mannheim und Heidelberg je 500, Freiburg 125 Mk. Pfarrer Zandt-Lahr überreichte als Festgabe der übrigen Protestanten Badens 20300 Mk. Zum erstenmal wurde eine Jugendgabe von Schulkindern entgegengenommen in Höhe von 1100 Mk. Nach einem Schlußgebet hielt der Erbgroßherzog Cercle und unterhielt sich noch einige Zeit mit den Mitgliedern des Zentralvorstandes. Aerrilletorr. 25) Der Stei« -es Anstoßes. tzrzLhlun« von L. Zbkler (U. Dereli.) (Fortsetzung.) Der Doktor blickte finster auf den schlanken, vornehmen Mann, der soeben Fräulein Marianne die Hand küßte und sich dann suchend im Saal umsah. Ein Heller Schein der Freude überzog sein schönes Gesicht, mit wenigen Schritten stand er vor Kornelie und verbeugte sich tief. Dieser klopfte das Herz, war es doch das erste Mal »ach dem Geständnis ihrer Liebe, daß sie ihn »iedersah. Aber sie faßte sich, und selbst der Amerksamste Beobachter konnte nur höfliche Freundlichkeit in ihren Begrüßungsworten entdecken. Max von Hallern wandte sich ein wenig enttäuscht zu Marianne zurück, die auch neben ihn getreten war, dann sagte er mit etwas erhobener Stimme: „Meine Mutter, bei der ich das Weihnachtsfest verlebt, läßt die beiden Damen achtungsvoll grüßen." Kornelie verstand ihn sofort. Er hatte also seiner Mutter, die er, wie das junge Mädchen wohl wußte, über alles liebte und verehrte, sein Verlöbnis mitgeteilt und die alte vornehme Dame hatte die Wünsche des Sohnes nur gebilligt. Ein Gefühl seligen Glückes überkam sie und nun streifte doch, trotz aller Zurückhaltung, ein warmer Blick den Geliebten. Sie wandte sich anderen Gästen zu, als aber nach einiger Zeit der Baumeister allein in einer Fensternische lehnte, fühlte er leicht seinen Arm berührt, Kornelie stand neben ihm. „Endlich!" sagteer leise und leidenschaftlich, „ich dachte, Du hättest mich vergessen!" Sie deutete mit dem Fächer auf einen Divan; Hallern ließ sich neben ihr nieder, und nun vergaßen die beiden Liebenden doch Welt und Menschen ringsum. Es war ein hübsches, trauliches Gemach, in welchem sie saßen. Die Wachskerzen auf dem silbernen Kronleuchter verbreiteten ein sanftes Licht; überall Sammet und weiche, schwere Stoffe. Sehr schöne Gemälde schmückten die Wände, die einzelnen Bilder repräsentierten einen bedeutenden Wert. Wahrlich! Marianne von Martnitzka mußte sehr reich sein. Aber die Gedanken der Schloßherrin schweiften von all dem Glanz in eine ärmliche, kleine Stube, wo am rauchenden Kaminfeuer ein Mann saß, von dessen Lippen einzelne weiche Melodien klangen, wie im Traum. Er starrte teilnahm- los vor sich hin, aber seine Mutter sah daS nahe Schloß im Kerzenglanz erstrahlen und eine Verwünschung drängte sich über die welken Lippen. „Dort Glanz und Freude!" murmelte sie, „hier Armut und Dunkelheit! Hier das Elend, dort die Schuld! Wann kommt die Vergeltung?" Hätte die erzürnte, alte Frau in das Herz der bleichen Schloßherrin sehen können, sie hätte doch vielleicht gezögert, immer neues Unglück, auf das Haupt derselben herabzuwünschen. Kornelie führte hinter ihrem Fächer, der sie vor den Blicken anderer schützte, eine leise Unterhaltung mit Hallern, warnend deutete sie mitunter auf die offene Tür, die in den großen Saal führte, in welchem sich die bunte Menge der Gäste froh bewegte. „Hast Du Deiner Verwandten unsere Verlobung mitgetetlt?" fragte der junge Herr. „Daß wir uns lieben, weiß sie," entgegnete Kornelie, „das genauere besprach ich noch nicht mit ihr." „Wozu dies Zögern?" rief Hallern leidenschaftlich, „ich möchte vor der ganzen Welt Dich meine Braut nennen. Im Frühjahr wird meine Arbeit ohnedies hier beendet sein, dann muß ich fort, und ich weiß nicht, wo man mich daun htnsendet." -j- Heidelberg, 21. Scpt. Das von der 57. Hauptversammlung des Gustav-Adolf-Ver- eins au den Grobherzog gerichtete Telegramm ist wie folgt beantwortet worden: An den Geh. Kirchenrat Pank. Die freundliche Begrüßung der Mitglieder der Hauptversammlung, welche Sie übermittelt haben, erfüllt mein H.rz mit inniger Dankbarkeit und ich ersuche Sie, der Versammlung zu sagen, daß mich diese Kundgebung tief gerührt hat. Besonders dankbar bin ich, daß sie alle meines Geburtstages so liebreich gedacht haben. Mein Sohn wird mich morgen bei der ersten öffentlichen Hauptversammlung vertreten und Ihnen meine Grüße und Wünsche bringen. * Heidelberg, 21. Sept. Von der Großherzogin von Baden ging im Anschlüsse an die von ihr der Versammlung übermittelte Festgabe, bestehend m einem reichen Taufgeräte, nachfolgende Begrüßung ein: „Indem ich mich dem Bedauern des Großherzogs anschließe, der Tagung des deutschen Gustao-Adolf-Vereins fernbleiben zu muffen, möchte ich meiner warmen Anteilnahme wie an Ihrem ganzen Werke, so an Ihren Beratungen Ausdruck geben. Ich hoff: von ganzem Herzen, daß die dedcuiungsoolle Arbeit des deutschen Gustav-Adolf-Vereins in seinen reichen Verzweigungen auch durch die diesjährige Generalversammlung neue Stärke und neue Verbreitung finden möge. Der Segen Gottes, der so sichtbar auf diesem Werke ruht, wird unsere teure evangelische Kirche auch ferner begleiten, unsere Glaubensbrüder immer mehr vereinend in der Treue und Vertiefung ihres Glaubens zu jener großen Gemeinde, deren Haupt Christus ist. Ich freue mich, daß mein Sohn heute unter Ihnen weilen darf. Das von mir gestiftete Abendmahlsgerät bitte ich einer jener Gemeinden zuweisen zu wollen, welche, wenn auch klein, dennoch ihren Anteil hat an dem inneren Wachstum unserer deutschen evangelischen Kirche." -s- St. Märgen, 21. Scpt. Hier fuhr vor einigen Tagen der 24 jährige Karl Löffler mit zwei schwer beladenen Wagen nach Freiburg. Unterwegs geriet sein Mantel infolge starken Windes in ei» Rad. Der Genannte kam dadurch unter das Rad zu liegen und wurde erdrückt. Kurze Zeit nachher fand die Mutter, die selbst nach Freiburg gehen wollte, ihren Sohn tot auf der Straße liegen, nachdem der Leichnam noch ungefähr 10 Minuten von den Pferden weiter geschleift worden war. Die Familie wird allgemein bedauert. Deutsches Reich. * Rominten, 21. Sept. Die Kaiserin ist mit der Prinzessin Viktoria Luise heute nachmittag gegen 4 Uhr hier eingetroffen und wurde am Bahnhofe von dem Kaiser begrüßt. Am Bahnhofe hatten die Schulkinder aus Rominten Aufstellung genommen. Die Majestäten begaben sich dann zu Wagen nach dem Jagdschlösse „So wollen wir noch bis zum Frühjahr warten," antwortere Kornelie. „Sieh, Max, gerade meiner Tante wegen. Sie hat wohl viel geheime Sorgen und sie ist die letzte Zeit so kränklich geworden, daß ich mich um sie beunruhige. Bin ich erst öffentlich Deine Braut, so hast Du das größte Anrecht an mich und ich kann meiner geliebten Verwandten, die sich der armen, kleinen Waise einst liebevoll erbarmte, nicht mehr das sein, was ich ihr noch so gern sein möchte. Bis zum Frühling wird sich ihre Gesundheit hoffentlich endlich wieder gekräftigt haben, und Du kannst überzeugt sein, daß ich Dich nicht von hier ziehen lassen werde, ohne der Welt mit Stolz zu bekennen, daß mein Leben fortan Dir gehören wird." Sie hatte die letzten Worte mit innigem Ton gesprochen, er aber sah finster vor sich nieder. „Wie Du willst!" sagte er endlich kmz. „Böses" fragte sie lächelnd, sie war sich ihrer Macht über sein Herz wohl bewußt. Im Saal wurde musiziert, die junge Frau eines benachbarten Gutsbesitzers trat an den Flügel. Sie war eine Ausländerin, eine polnische Dame aus Warschau, eine schöne Erscheinung mit blauschwarzem Haar und tiefen, dunklen Augen. Hand in Hand lauschten die beiden jungen Rominten, überall auf das herzlichste begrüßt. In dem Dorfe Szeldkehmen hatten die SLüler des Realprogymnasiums aus Goldap Aufstellung genommen. * Friedrichsruh, 21. Sept. Heute nachmittag fand im Friedrichsruher Schloß eine Trauerfeier für den Fürsten Herbert Bismarck statt. Nach ihr begaben sich die Damen der Trauerversammlung zu Fuß nach dem Mausoleum. An der Spitze des Leichenzuges schritten die Kapelle des 76. Infanterie- Regimentes, Trauerweisen spielend, eine Deputation ehemaliger Angehöriger des ersten Gardedragoncr-Regimentes und die Abordnungen studentischer Korps. Z»r Seite des Sarges schritten Forstbeamte. Dem Sarge folgten zunächst Graf Rantzau und der junge Fürst Otto v. Bismarck, sodann Generaloberst v. Hahnke, der Reichskanzler Graf v. Bülow, der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Frhr. v. Richthofen und das übrige Trauergefolge. Sodann fand die Beisetzung des Fürsten im Mausoleum statt. *Hamburg, 21. Sept. Ueber die Traurr- feier im Schlöffe FriedrichSruh und die Beisetzung der Leicht des Fürsten Bismarck berichten die „Hamburger Nachrichten": Die Feierlichkeit im Schlöffe begann um 1 Uhr. Pastor Lahusrn ging, nachdem die Familienangehörigen und die offiziellen Vertreter sich im Trauerzimmer versammelt hatten, mit der Fürstin Bismarck durch die Halle und führte sie an den Sarg des Fürsten, der unter Blumen und Blattgrün fast verborgen war. Nur Kränze aus dem Familienkreise hatten hier Platz gefunden. Die letzten schlichten Asternkränze hatten noch etwa zwei Stunden vor der Feier die Kinder bei dem Verstorbenen niedergclegt. Pastor Lahusen hielt die Trauerrede, welcher die Offenbarung St. Johannes, Kap. 14, VerS 13 zugrunde gelegt war: „Selig sind die Toten, die im Herrn sterben, von nun an bis in Ewigkeit. Ja der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit; denn ihre Werke folgen ihnen nach." Er wies in der Rede auf das tragische Geschick hin, daß die beiden Söhne des Altreichskanzlers so früh dahingegangen seien und pries den Fürsten als einen hingebenden Gatten und Vater. Das Leben des Entschlafenen habe aber weit über den Kreis seines Hauses hinauS- gereicht, es habe dem Vaterlande gehört. Die reichen Gaben, die ihm Gott verliehen, seinen durchdringenden Verstand, seinen vielgewandelten Geist und energischen Willen, sowie die außerordentliche Arbeitskraft habe er seinem Vaterlande gewidmet, als der vertrauteste Schüler, Gehilfe und Mitarbeiter seines VaterS. Nach der Einsegnung der Leiche fitzte sich der Trauer- zug in Bewegung. Als der Zug durch das Schloßtor verschwand, sah man die Fürstin Bismarck auf dem Balkon des Schlosses, wie sie schmerzlich bewegt dem Sarge nachsah. Die Feier im Mausoleum war von kurzer Dauer. V on de m großen Gefolg e hinter d er Bahre des Menschen den innigen Schlußworten des wundervoll gesungenen Liedes: »Zu den Sternen will ich flehen, Ist Dein Leben ja mein Glück! M»b die Sonn' auch untergehen, Sehrt sie morgen doch zurück. Denn Dich taffe», ja! Dich taffen Ist es, was das Herz mir bricht. Denn Dich lassen? Ach! Dich lassen Nein! Dich lassen kann ich nicht! „Du hörst es!" sagte Kornelie leise, „denn Dich lassen kann ich nicht! Für Leben und Tod gehöre ich zu Dir!" Sie drückte ihm noch einmal die Hand, dann erhob sie sich. „Nun komm', man könnte uns vermissen." Sie hatten geglaubt, unbemerkt zu sein, aber Doktor Kurze, der nicht wett von der offenen Tür des Salons gestanden, hatte die kleine Scene sich abspielen sehen. Die Worte, welche die beiden wechselten, konnte er nicht verstehen, aber er sah die feurigen Blicke des jungen Mannes und dos glückliche Lächeln auf dem Antlitz des schönen Mädchens. Seine Stirn lötete sich vor Zorn. „Für das Herz also zu spät, so ist mir dieser junge Lasse zuvorgekommen. Sie wird sich schwer in eine andere Verbindung ergeben!" Nachdenklich zog er seinen steifgewichsten Schnurrbart durch die Finger, dann lachte er leise und spöttisch auf. „Sie muß! Verewigten fanden außer den Angehörigen der Familie und den offiziellen Vertretern nur wenige in der Kapelle Platz, wo der mit Blumen überdeckte Sarg inmitten der a« Katafalk niedergelegten Kränze statt. Nachdem Pastor Lahusen einige Worte des Trostes gesprochen,' ertönte leises Orgelspiel nnd daraus ein Choral. Hierauf sprach Pastor Lahusen cm Sterbegebet, in dem er sagte: Wir möchten Gott bitten, er solle «ns Männer schenken, wie der Heimgegangene, treue Dieuer des Vaterlandes und des Kaisers." Nachdem die Worte des Geistlichen verklungen waren, ertönte wieder leises Orgelspiel. Die Trauerversammlung sang die letzten Verse des Chorals: „Befiehl Du Deine Wege." Der Segen des Geistlichen schloß die Feier. Bremen, 21. Sept. In der gestrige» Nachmittagssitzung des sozialdemokrattschen Parteitags erstattete Ledebonr den Bericht über die parlamentarische Tätigkeit. Zur „Affäre Schipp el" äußerte er, daß der letztere die Partei einfach verhöhnt habe. Bebel hat znm Fall Schippei eine Resolution eingebracht, die nicht soweit geht, den Ausschluß Schippsls zu fordern, in der aber ausgesprochen wird, daß der Parteitag anfs schärfste die Unklarheit und Zweideutigkeit mißbillige, mit der Schippe! in Wort und Schrift sich gegenüber der Frage der Lebensmittelzölle verhalte. Außerdem soll nach Bebels Resolution der Parteitag den häßlichen und hochfahrenden Ton der Polemik Schippels mißbilligen. Schippet kam gestern wegen der vorgeschrittenen Zeit nicht mehr zum Wort. * Posen, 22. Scpt. Die große Spinnerei und Weberei der Firma Wolster, Manufakturen, in Mhschkin, Gouvernement Jaroslaw, ist niedergebrannt. Der Fabrikdireklor nsd mehrere Fabrikbeamte kamen in den Flamme» um. Tausend Arbeiter find brotlos. * Jnowrazlaw, 21. Sept. Die Stadtverordnetenversammlung stimmte dem Anträge des Magistrats auf Abänderung des Namens der Stadt in Hohcnsalza zu. Die Polen stimmten dagegen. * Coburg, 22. Sept. Im Dorfe Schnell erschlug ein Holzschnitzer seinen Vater. Der Mörder wurde verhaktet. * Essen, 21. Sept. Das hiesige Schwurgericht verurteilte heute den Bergmann Alt aus Gelseukirchen wegen Mordes und versuchten Straßenraubs an der Ehefrau Kraft, begangen am 14. Juni 1904, zum Tode. * Straßburg, 22. Sept. In Bütte» legte im Scherze ein 10 jähriges Mädchen eine geladene Flinte auf den 12 jährigen Knabe» eines Försters an. Die Waffe ging los und der Schuß traf den Knaben in den Mund. D-r Getroffene war sofort tot. Kaiserslautern, 20. Sept. Ein schrecklicher Unglücksfall ereignete sich in dem Ort Kreimbach. Zwei Steinbrucharbeiter kamen in die Schmiedwer ksiätte des Schmfidmcisters Rhein- Und tut sie es nicht gern, so tut sie es ungern, ich habe das erste Anrecht au eine Marinitzka." In dem großen Saal, inmitten aller Gäste, hatte sich derweilen eine andere Scene abgespielt. Herr Karmann war ungeheuer vergnügt, Vielleiche hatte er auch dm schönen Weinen in Schloß Golyn ein wenig reichlich zugesprochen, er amüsierte sich kostbar und war ungemein artig gegen Fräulein Marianne. Einesteils zog ihn die Unterhaltung der klugen und geistreichen Dame wirklich sehr an, er war in diesem Punkt dsrch Fräulein Hamm nicht verwöhnt, hauptsächlich aber beachtete er den Reichtum, der sich vor seinen Augen entfaltete. „Ich könnte keine bessere Frau bekommen!" dachte er vergnügt, „wenn fie auch älter ist als ich!" Von diesen Gedanken, die in seinem Herzen emporkeimten, hatte die ernste Schloßherrin, die des Lebens Freuden längst von sick> abgestreift, selbstverständlich keine Ahnung. Sie bemerkte nur, daß Herr Karmann ihre Unterhaltung suchte und war allen ihren Gästen, wie auch ihm, eine zuvorkommende und liebenswürdige Wirtin. Fräulein Hamms Zorn aber befand sich bereits auf dem Siedepunkt. „Wenn Sie es so weiter treiben, fahre ich sofort nach Hause!" raunte sie ihrem Hausherrn wütend zu. (Föt-fitzang folgt). htimcr, mn Werkzeug, welches dort hcrgerichtct wurde, mitzuricheven. Sie iührtcn ein Säckchen mit Pulver mit sich, das bei Sprengarbeiten Verwendung finden sollte. Rheinheimer arbeitete am Ambos. Von da muß ein glühender Funke auf das in der Schmiede niedergelegie Pulver- sSckchcn geflogen sein, denn plötzlich gab cs eine furchtbare Explosion, wodurch Rheinheimer fast gänzlich in Stücke ger flen wurde. Tie Werkstätte wurde fast vollständig demoliert. Auch die Steinbrecher trugen schwere Verletzungen davon. Schweiz. Adelboden, 21. Sept. Die gestrige Ballonfahrt Spelterinis ging teils über die Jrrngfrangruppe, dann über das Breithorn, die Btümlisolp und den Wiidstrubel in der Richtung am das Wallis. Plötzlich wurde der Ballon infolge des dichten Nebels, der j de Orientierung unmöglich machte, gegen eine steile Alpe getrieben, wo die Landung erfolgte. Die erreichte Höhe betrug «000 m, die Temperatur war — 5'. Frankreich. * Paris, 22. Srpt. Die Gräfin Lonyay traf am 20. September abends von London hier ein, besuchte aber ihre Schwester nicht.. * Parts, 22 Sept. In Peking photographierte Major Laribe von der französischen Gesondtschaftswache mit einem Diener, beide in Uniform, im nordöstlichen Tataren- viertcl von einem Dache ou^ die verbotene Stadt. Sie wurden 6on chinesischen Soldaten gesehen und mißhandelt. Beide flüchteten schließlich in die katholische Kathedrale. Die französische Gesandtschaft verlangte bereits Sühne für den peinlichen Vorgang. Serbien. * Belgrad, 22. Sept. Der König verlieh den fremden Gesandten Ordensauszeichnungm. Das Amtsblatt veröffentlicht eine Amnestie für die wegen Wahlvergehen und Aufreizung der Bevölkerung Verurteilten, sowie für alle, über welche Arrest-Strafen im Höchstmaße von IS Tagen verhängt. AmLsverküKdrgttngsSlatt für den Arrrtsbezirk Drrrlach. AmMch§ KekSNAtmachrmgeN. Die Rotlaufkrankheit unter den Schweine« in Rheinsheim betreffend. Nr. 34,009. In der Gemeinde Rheinsheim ist unter den Schweinen die Rotlaufkrankheit ausgebrochen. Durlach den 20. September 1904. Grotzherzogliches Bezirksamt: _ HePP- _ Freiwillige Grundstücksversteigerung. Der Gemeinschaftsauseinandersetzung wegen lassen die Erben des verstorbenen Landwirts Gabriel Giese von Durlach das nachstehend beschriebene Wohnhaus der Gemarkung Durlach am Samstag den 24. September 1994, vormittags '»II Uhr, auf dem Rathaus dahier durch das Unterzeichnete Notariat öffentlich versteigern. Der Zuschlag erfolgt dem Höchstgebot, vorbehaltlich der Genehmigung der Beteiligten. KrundstücksbeschreikZung: Lgb. Nr. 343; 2 a 65 gm Hofraite und 1 a 44 gm Hausgarten, zus. 4 g, 09 gm Gewann Ortsetter, an der Kelterstraße. Auf der Hofraite steht: o. ein zweistöckiges Wohnhaus mit Einfahrt und Balkenkeller, d. ein einstöckiges Oekonomiegebäude mit Holzremise und Schweinestallung, es. Karl Knecht Witwe, as. Albert Hauck, Anschlag 12 000 Mk. Durlach den 19. September 1904. Grotzh. Notariat i: _ Würth. Vergebung von Abbrucharbeiten. Die Stadtgemeinde verkauft auf dem Submissionswege nachstehend näher bezeichnet^ aus den Beständen der ehem. Dampfziegelei hrrrührende Gebäude, bezw. Gegenstände zum Abbruch: 1. Das Dampfkesselhaus mit angelehntem offenen Schuppen, 1 älterer Fabrikschornstein, 2 Dampfkessel mit je 57 gm Heizfläche aus den Jahren 1873 und 1889 einschl. Rohrleitungen rc. 2. 3 Stück Backstein-Elevatoren für ca. 9 m Förderhöhe. 3. 1 Bremsfahrstuhl mit kompl. Schutzvorrichtung. 4. 2 Schuppen, 8,00x5,50 und 12,50x3,50 m groß, mit Falzziegeln gedeckt. 5. 1 offener Schuppen, 50,50 x 3,80 m groß, mit Falzziegeln gedeckt. Angebote hierauf sind, mit entsprechender Aufschrift versehen, bis spätestens Dienstag de« 27. September d. I., vormittags 9 Uhr, auf unserem Bureau abzugeben, woselbst die Bedingungen zur Einsicht aufliegen, auch mündliche Auskunft erteilt wird und Angebotsformulare unentgeltlich abgegeben werden. Durlach den 19. September 1904. StcrötöcrucrrnL: L. Hauck. >ung. Die Hehricht- und Müllabfuhr betreffend. Die Abonnenten der städtischen Kehricht- und Müllabfuhranstalt werden darauf aufmerksam gemacht, daß der Betrieb der Abfuhranstalt erst am 1. Oktober d. I. eröffnet werden kann, weil sich die Fertigstellung des Abfuhrwagens bis dorthin verzögert. Durlach den 21. September 1904. Stadtbanamt: L. Hauck. Krmmevclvöeit. Die Zimmerarbeiten zur Erstellung eines Wagenschuppens im Stadthof sollen, vorbehaltlich der Genehmigung durch den Bürgerausschuß, im Wege der öffentlichen Ausschreibung vergeben werden. Angebote hierauf sind bis spätestens Dienstag ven 27. September, vormittags 19 Uhr, auf unserem Bureau abzugeben, woselbst die Zeichnungen und Bedingungen aufliegen und Angebotsformulare unentgetllich abgegeben werden. Durlach den 20. September 1904. Stadtbauamt: _ L. Hauck. _ Mahnung. Die sofortige Zahlung der evangelischen Kirchensteuer wirb hiermit in Erinnerung gebracht. Durlach den 21. September 1904. _ D er KrHeber._ Privat-Anzeigen. GksWsmlegung Mi> EnWIlllls. Zeige hiermit meiner verehrten Kundschaft, sowie Einwohnerschaft ergebenst an, daß ich mein Geschäft von der Auerstraße 17 nach der Hauptstraße 99, bei der Hornberger Kleiderfiliale, verlegt habe. Für das mir bisher geschenkte Zutrauen bestens dankend, bitte ich fernerhin um geneigtes Wahlwollen. Achtungsvoll ^ F-'. Ll» ««tt, Ariseur und Zahntechniker. b'Ifiomrisoa'L ^eifenpulver ist MnMWWWr 80—85" wiegend, ist ein getroffen bei ' r'ra.LtrLULa.iL», Weinhandlung. an8 äsr Kugusl vslen, HsnxtstrgZse 16, sebweclt äelilmt, ist emsAiediA, von keinem ^roms unä 8ebr prei8vert. IÜ8 lobnt 8ieb ein Ver8ue:b. eZ)blt- ck HrcruvenmüHI'en, Keltern, Kelterfpiudeln, Zapf- L Gährfpnnden, Fntter- fchneibrnaschinen, Rnbenfchneider, Schrotmühlen, Drefch- mafchine« «L Göpelwerke, In.. Maschinenöle re. empfiehlt billigst ZL. L<«M88L«r. Lammstr. 23. Eine Frau empfiehlt sich im Matt- und Glanzbügeln. Auch werden Stores und große Vorhänge angenommen Nfinzstraße 77, 2. Stock. Eine Wohnung mit 2 oder 3 Zimmern, Küche, Keller. Speicher und Zubehör ist auf 1. Oktober z» vermieten. Näheres Ane, Waldhornstratze »9. Gartenbauverein. Wir beabsichtigen in der nächsten Ver- einsversamm- tung eine Aus- sstellung von selbstgezogenem Obst zu veranstalten. Zu diesem Zweck ersuchen wir diejenigen unserer Mitglieder, welche selbstgezogenes Obst zur Ausstellung bringen wollen, dem Vorstand hievon in Bälde Nachricht zukommen zu lassen. _Der Vorstand. Turugemkiude Nurlüch. ITsZ.1! Am Sonntag de» 25. September, abends 7 Uhr beginnend, findet im „Roten Löwen" Janzunleryattung statt, wozu wir unsere verehrt. Mitglieder mit ihren Familienangehörigen turnfreundlichst ein- laden. _ Der Vorstand. Heute, Donnerstag wird geschlachtet. ^oksni» Svködvl, _ Brauerei Nagel. Heute: Arische Leberwürste, Frankfurter Leberwurst, empfiehlt HVH»» z. Pflug. Morgen, Freitag: MG' Großes Lchlschjstß. _ Brauerei Meyer. Echte frs»Ilk»rterhr»i*Srrtr. nur allerbestes Fabrikat, täglich srisch, per Paar 25 H, Wirte Vorzugspreise, empfiehlt _ Consum-Geschäft. _ Für Brautleute. 2 hockhäupt. Bittladen, 2 Röste, in Fcitzon gearbeitet, 2 b>fs. 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