LaiMags-Leil>»- tiger seyn muß, wie Pferdezucht, und daß Baden seinen größten Reichlhum im Ackerbau, dagegen Länder, welche ausgedehnte Weiden und Matten, aber keinen guten Ackerboden besitzen, solchen mit Recht in Pferde - und Schafzucht suchen, welche aus Ländern verschwinden müssen, wo alles sorgfältig angebaut ist. Der Pfcrdekenner wird nicht zu bestreiten vermögen, daß, um recht tüchtige und gute Pferde zu ziehen, den jungen Pferden eine Weide nöthig ist, um Glieder und Knochen zu stärken und flüchtigen Lauf zu sichern. Das edelste Fohlen wird diese guten Eigenschaften nicht bekommen, wenn es im Stalle erzogen wird und in demselben bleiben muß.— Die Budgetcommission kann eS nicht wagen, die aufgeworfene Frage zü entscheiden, obschon die so eben vorgctragencn kurzen Bemerkungen zeigen, daß sie eine gründliche Würdigung verdient und jedenfalls der angetragenen Erweiterung der Gestütcanstalt vorausgehen sollte. Wenn erwogen wird, daß nach den eigenen Angaben der Gestüte« commisswn eines miserer Fohlen, bis es zum brauchbaren Hengste erzogen ist, höher als 600 fl. zu stehen kommt, wenn ferner erwogen wird, daß die für das Militär erkauften Pferde bis jetzt nach 13jähriger Dauer der Gestüteanstalt noch nicht alle im Lande erkauft werden können, und ei» Verbot des Verkaufes in das Ausland schwerlich gerecht und gut seyn möchte, so dürfte« auch tiefe Rücksichten bei der veurtheilungder aufgeworfenen Hauptfrage in die Wagschale gelegt werden. Aber! auch angenommen, der Staat solle aus überwiegenden Gründen eine Landesgestüteanstalt unterhalten, so bieten die verschiedenen Gutachten und so manche Betrachtung über das bisherige Wirken der bestehenden Anstalt noch gegründete Zweifel dar, ob dasselbe in der Form und Einrichtung, welche es dermalen hat, und welche man ihm durch Vermehrung der Hengste geben will, dem Zwecke entspreche, oder ob es umgestaltet werden soll? Es ist zu wünschen, daß die hohe Regierung auch diese Zweifel durch unbefangene Sachverständige genau prüfen lasse, ehe der Anstalt eine Ausdehnung gegeben wird, welche selbst schon in den vorliegenden Gutachten nicht für zweckmäßig erkannt wird. — Die Commission hat durch das Gutachten der Gestütedirektion und durch die übrigen Gutachten nicht die Ueberzeugung erhalten, daß der Einfluß des Landgestütes nach seiner jetzigen Einrichtung auf die Verbesserung der Pferdezucht so entschieden gewesen sey, wie er hätte erwartet werden können. Die eigene Ausführung der Landesgestüte- commiffion, so wie die statistischen Notizen und die übrigen Gutachten bestätigen dieß. Manche Vorschläge von Sachverständigen, berückstchtigenswerth und wichtig zur Umgestaltung der Anstalt liegen vor — ihnen schließen sich die in dem Gutachten der Budgetscommiffion von 183t enthaltenen Bedenklichkeiten an. Eine vorzügliche Berücksichtigung scheint der Vorschlag zu verdienen, nur eine Stammgestütezucht in einzelnen dazu tauglichen Distrikten zu erhalten und dorthin die Kräfte zu verwenden. Der Einwand, daß dann nicht alle Distrikte gleichen Vortheil davon hätten, kann davon nicht abhalten. — Wollte man ihn in der vollen Ausdehnung gelten lassen, so könnte keine Anstalt irgend einer Art im Staate gegründet werden. Aber gewiß ist, daß sich die Pferdezucht nicht in allen Distrikten erzwingen läßt, und daß eine Ausdehnung der Gestüteanstalt auf das ganze Land die Kräfte versplittert und zu viel Geld kostet. Endlich ist die Thatsache, daß es an guten, zur Nachzucht tauglichen Stuten fehle, nicht zu bezweifeln, und, obgleich man entgegnen wird, die guten, brauchbaren Stuten müßten nach und nach gezogen werden, so ist doch klar zu sehen, welchen tiefen Einfluß dieser Mangel auf die Veredlung der Pferdezucht habe. Mit Vermehrrmg der Hengste allein dürfte also nicht geholfen werden. Eben so ergiebt sich aus den Gutachten und aus gar vielen Berichten, daß, wie die Commission schon bemerkte, der Mangel an guten Weiden, ja die Unmöglichkeit, solche in den meisten Gegenden, wegen der hochgestiegenen Landeskultur, zu erhalten, ein Hauplhinderniß zur Erziehung ganz vorzüglicher Pferde sey. Indessen sprechen sich nach den vorliegenden Akten die Wünsche für den Fortbestand des Landesgestütes aus, und die Commission selbst möchte bei dem unverkennbaren Eifer, welcher die jetzige Landesgestüte- commission beseelt, und bei ihrem Streben, der Anstalt allen möglichen Erfolg zu geben, einen Antrag aus die Aushebung nicht stellen. Aber! sie kann auch aus den schon entwickelten Gründen dermalen noch nicht für die angetragene Erweiterung und Vermehrung stimmen, ehe die hohe Regierung jene Fragen und Anstände der genauesten Prüfung unterworfen und die Resultate der nächsten Kammer vorgelegt haben wird. Eben so kann die Commission nicht einsehen, warum beider Pferdezucht die Maßregel, Preise und Prämien zu geben, zu nichts taugen solle, während doch der landwirth- schaftliche Verein dieses bei der wichtigen Rindviehzucht als wohlthätig befolgt. Die Stände des Königreichs Würtem- berg haben in ihrer dießjährigen 47. Sitzung die von der Regierung für das Landgestüt geforderte Summe von jährlich 81,000 fl. nicht bewilligt, sondern den Aufwand auf 75,000 fl. ermäßigt. Die überwiegende Mehrheit der Budgetcommission glaubt, der hohen Kammer den Antrag stellen zu müssen, „für das Landgestüt auf die Finanzperiode 1833/35 die jährliche Summe von 60,OM fl. zu bewilligen." D is c u ssi on über diesen Bericht: v. Rotteck: Ich trage darauf an, daß die Summe auf 70,MO fl. erhöht werde, und will diesen Antrag durch die Betrachtung unterstützen, daß durch diese Erweiterung es möglich wird, das Gestüt auch den übrigen Theilen des Landes nützlich zu machen. Ich sage dieses nicht, weil ich Oberländer bin, sondern als Badener, in welcher Eigenschaft ich die Pflicht habe, nicht nur mit Worten, sondern auch mit meiner zählenden Stimme, d. h. hier mit der That, auf möglichste Gleichstellung der Vortheile des Staatsverbandes in allen Landestheilen zu wirken und weil ich die Ehrenpflicht anerkenne, den Wohlstand des Landes in allen Theilen zu fördern und daher Allen das gleiche Maß von Staatöwohlthaten zu- kommen zu lassen. Als ein Badener also stimme ich, meine Gesinnungen durch die That bewährend, für 70,000 fl. v.Tscheppe unterstützt den Antrag des Abg. v. Roll eck, «ennt die von der Commission vorgeschlagene Erhöhung «m 40M fl. eine halbe Maßregel und verlangt jährliche 10,000 f. 1264 Magg: Ich stimme mit dem Abg. v. Rotteck für die Erhöhung der Position von 60,000 fl. auf 70,000 fl., und zwar besonders dcßwegen, weil ich glaube, daß, wenn man ein Institut von so hoher Wichtigkeit, wie dieses, gründen will, man nicht so ängstlich auf die Summe sehen soll. Dabei bitte ich die Regierung, bei dieser Position wenigstens auch den Seekreis berücksichtigen zu wollen, damit von dem Meer der bewilligten Gelder doch auch ein Tropfen diesem armen Bezirk zu gut komme. Staatsrath Winter: Der Seekreis ist einer von denjenigen, die sich sehr für die Pferdezucht intereffiren, und es sind in Pfullendorf, Mößkirch, Salem und Hüfingen Beschälplatten errichtet, und ich muß weiter bemerken, daß gerade wegen des Seekreises und einem Theil des Neckarkreises neuerlich Hengste in Meklenburg von größerer Ra^e gekauft wurden, weil diese Gegenden größere Pferde fordern. Sonntag: Auch ich stimme für den Antrag des Abg. v. Rotteck, und hoffe zugleich, daß der zu diesem Zweck errichtete neue Stall in Emmendingen benutzt werde. In den vorigen Zeiten, wo die Frohnden eristirten, hat es immer geheißen, diese Leute haben die meisten Pferde und können am meisten leisten. Jetzt hat man aber seit einigen Jahren der Stadt Emmendingen die Pferde wieder genommen und der der neu gebaute Stall steht leer. Staatsrath Winter: Diese Frohnden haben wirlich die Leute abgeschreckt, ihre Pferde abzuführen, und auch bei Emmendingen war der Fall, daß man glaubte, es sey nicht der Mühe werth, eine Platte zu errichten. Wenn es aber nicht so ist, so wird wieder eine errichtet werden. Sonntag: Es waren vielleicht besondere Umstände daran schuldig, daß die Platte weggenommen wurde. Kein Mensch kann sich dieß erklären. Merk: Ick unterstütze den Antrag des Abg. v.Rotteck, den Satz zu erhöhen. Es ist zwar richtig, daß, im Allgemeinen betrachtet und in Beziehung auf den Nutzen der Vermehrung, die Rinderzucht mehr Berücksichtigung verdient als die Vermehrung der Pferdezucht, und die Anerkennung dieses landwirthschaftlichen Grundsatzes hat auch bewirkt, daß weniger Pferde bei uns sind, als früher. Wohl hat aber auch aufdiese Verminderung der Pferdezahl die Aufhebung der Weiden durch dir Cultur des Bodens eingewirkt, denn gerade wo ich wohne, haben große Weiden bestanden, wo die Pferde gezogen wurden, allein diese Güter sind jetzt cultivirt worden. Wenn übrigens auch die Heranziehung der Pferde etwas kostspielig ist, und am Ende bei dem Verkauf, wenn man alles berechnen will, wenig Gewinn herauskommen wird, und man deßhalb eben nicht so gerade auf die Vermehrung der Pferde zu dringen hat, so muß man doch auch auf die Veredlung der Pferde, soweit es nothwendig ist, denken, weil das Pferd von edlerer Rahe ein dauerhafteres ist, und weil, wenn der Landwirth nebenbei ein Pferd von edlerer Rahe ziehen kann, er auf einmal durch den höheren Preis ein bedeutenderes Capital in die Hand erhält, wodurch er dem Betrieb seines Gewerbs plötzlich einen größeren Schwung geben kann. Daß das Institut bis jetzt gerade nicht die Dortheile hatte, die man sich Anfangs davon versprach, kommt daher, daß man den Zeitraum zu kurz annimml. In 13 Jahren kann der Nutzen nicht so ausgedehnt seyn, als man glaubt. Daß aber ein großer Nutzen daraus entspringen wird, beweist der Verkauf vieler Pferde von guter Rahe und der Erlös, der daraus erzielt wurde. Man darf auch nur einen Blick auf unsere Cavallerie und Artillerie werfen, die meistens mit inländischen Pferden versehen ist, was früher nicht möglich gewesen wäre. Man muß auf Zeiten rechnen, die eintreten können, wo man Pferde nothwendig hat, die man nur mit ganz großen Capitalen aus dem Auslande würde erhalten können. Alle diese Rücksichten bestimmen mich, auf einen Zuschuß anzutragen, damit dieses Institut auch in jene Landeslheile verpflanzt werden kann, die bisher weniger im Genuß desselben waren. Ob der Vorschlag eines Stammgestüts nach Bezirken einer Hauptanstalt vorzuziehen sey, kann ich nicht beurtheilen, obgleich das Gutachten des Ober« stallmeisters in Donaueschingen sehr gründlich zu seyn scheint, worauf die Regierung besonderen Werth legen sollte. Walchner: Es ist bereits bemerkt worden, daß di« Früchte des Gestüts noch nicht diejenigen seyen, die man, wohl etwas zu schnell, erwartet hat; aber nicht zu läugnen ist, daß es Früchte getragen hat. Ich will mir erlauben, auf Einiges aufmerksam zu machen, waS mir bei vielfacher Begehung der Gegenden, wo die Pferdezucht cultivirt wird, aufgefallen ist. Besonders ist mir aufgefallen, daß man weniger auf starke Pferde zum Ackerbau, als auf solche Pferde Rücksicht nahm, die als Reitpferde benutzt werden können, und darum habe ich mit Vergnügen von Herrn Staatsrath Winter gehört, daß man stärkere Hengste habe kommen lassen. Eine Hauptrücksicht wird immer seyn müssen, in einem Ackerbautreibenden Staat auf kräftige, starke Pferde hinzuarbeiten. Es werden diejenigen, die die Sache verstehen, wie ich sie keineswegs verstehe, einen starken Schlag für den Ackerbau zweckmäßig aus den Niederlanden erhalten können, indem ich weiß, welch' ein sehr kräftiger Schlag von Pferden in den fruchtbaren Gegenden von Limburg sich befindet. Sodann wünschte ich, daß man besonders auf die Localverhältnisse Rücksicht nehmen möge, die der Pferdezucht hauptsächlich angemessen sind, indem ich eine allgemeine Verbreitung derselben nicht für zweckmäßig halte. Es ist anerkannt und Jeder kann sich überzeugen, daß nur gewisse Gegenden zur Pferdezucht geeignet sind. Dort wird man nicht nur starke Pferde für den Ackerbau, sondern auch gute Reitpferde von edler Ratze ziehen können. Wir haben die Haardgegend als Beispiel und als eine der Pferdezucht sehr günstige Gegend, auch die Baar, sodann die Gegend von Pfullendorf, Mößkirch rc. Auch im Oberland sind sehr gut gelegene Plätze, wo große Fohlenweiden angelegt werden können. Fohlenweiden, Tummelplätze sind absolut nothwendig; allein dazu bedarf es besonderer Localverhältnisse. Diese finden sich in den bezeichneten Gegenden, dort sind die günstigen Bedingungen beisammen. Es wird gut seyn, wenn auf die Localverhältnisse des Landes in der Weise Rücksicht genommen wird, daß man mehr auf Bezirksanstalten hinarbcitet, weil hierdurch auf den geeigneten Punkten die Anstalt sehr befördert werden kann. Wenn es aber besonders nothwendig ist, noch einige Anschaffungen, und wie ich so sehr wünsche, von Pferden stärkerer Ratze für den Ackerbau und den Zug zu machen, so wünschte ich sehr, daß man die Position auf diejenige Summe erhöhte, wohin der Abg. v. Rotkeck seinen Antrag gestellt hat. Staatsrath Winter: Es interessirt Sie vielleicht, zu erfahren, wo gegenwärtig solche Platten bestehen. Es bestehen 41 in folgenden Orten: Mößkirch, Pfullendorf, Salem, Münchhof, Hilzingen, Geisingen, Hüfingen, Freiburg, Ken- zingen, Ringsheim, Friesenheim, Meissenheim, Altenheim, Offenburg, Appenweycr, Kork, Achern, Bischofsheim, Schwarzach, Favorite, Rastatt, Bietigheim, Malsch, Ettlingen, Mörsch, Durlach, Darlanden, Knielingen, Neureuth, Eggenstein, Blankenloch, Friedrichsthal, Graben, Liedols- heim, Bruchsal, Sinsheim, Ladenburg, Sandhofen, Schwez- zingen, Waghäusel und Huttenheim. Im Plan liegt, auch in Ueberlinge», Villingen, Bonndorf, Zaisenhausen und Helmstabt noch Beschälplätzte zu erdichten. Wenn ich mir nun einen Vorschlag erlaube, von dem ich wünschte, daß es Ihnen gefällig wäre, solchen zu unterstützen, so ist es der, daß Sie für das erste Jahr 70,000 fl. und für das zweite Jahr 75,000 fl. bewilligen möchten. Es hängt dieß mit dem Ankauf von Hengsten zusammen, und wenn diese da sind, so wird im dritten Jahr auf 70,000 fl. herabgegangen. Sonntag unterstützt diesen Antrag. Rutschmann: Wer die Begründung des Budgetsatzes, wie ihn die Regierung vorgelegt, und dasjenige, waS der Commiffionsbericht aus dem Gutachten der jetzigen Gestüts- direktion herausgehoben hat, mit Aufmerksamkeit liest, der wird sich überzeugen, daß ein neuer Geist in diese Direktion gekommen ist, und mit mir die Hoffnung nähren, daß wir von dieser Direktion, an deren Spitze rin vorzüglicher ,Staabsoffizier der Cavallerie steht, viel erwarten können, allein ich bin nicht mit der Procedur einverstanden, die hier von der Regierung eingeleitet worden ist. Wir lesen nämlich im Eommiffionsbericht: „es sey der Landesgrstüts« direktion von dem hohen Ministerium des Innern bemerkt worden, daß die Regierung, von der Nützlichkeit des Gestüts überzeugt, statt einer Aufhebung desselben, vielmehr beschlossen habe, eine erhöhte Dotation für dasselbe in das Budget aufzunehmen." Wir erblicken hier ferner den Auftrag an die Gestütsdirektion: „eine Abhandlung zur Aufklärung aller von der Kammer von 1831 gegen das Gestüt erhobenen Einsprachen zu fertigen und mit statistischen und sonstigen merkanten Thatsachen zu begleiten." Sie finden sofort im Berichte, daß eine Vorstellung der Gemeinden des Amts Kork, in welcher gebeten wurde, man möge auch dort eine Platte errichten, von dem Ministerium des Innern wohlgefällig ausgenommen worden ist, und zu einem Rescript an die Regierung in Rastatt Veranlassung gab, worin vorder- samst das Wohlgefallen über diese Theilnahme des Korker Amtsbezirks an der Landgestütanstalt ausgesprochen und bann der Regierung der Auftrag gegeben wurde, alle übrigen Aemter zum gutächtlichen Berichte über Nutzen und Einfluß des Landesgestüts aufzufordern. Ich glaube nun, daß diese Procedur sehr viele Petitionen aus Landesgegenben hervorgerufen hat, die sich durchaus nicht für die Pferdezucht eignen. Ich möchte sagen, es sey von dem Ministerium ein Impfstoff ausgegangen, und die Wirkung dieses Impfstoffs in mehreren Berichten der Localsteüen hierher zurückgekommen. Ich besorge, daß die Gestütsdirektion, deren Leistung, wie ich schon bemerkte, unsere Anerkennung verdient, nur zu viele Rück» sicht aus diese Petitionen genommen habe. Ich glaube nicht, daß man das Gestüt nach Maßgabe der eingekom» tnenen Petitionen auszudehnen, sondern in dieser Beziehung dem kompetenten Urtheil der Techniker, gegründet aufdieLocalverhältniffe, die der Pferdezucht angemessen sind, zu vertrauen habe. Ich kann nur mit den drei Localitäten des Landes, die der Abg. Walchner angeführt hat, einverstanden seyn. Ich erwähne ferner eineö Destderiums, das der Abg. Walchner vorgetragen hat, daß nämlich die Gestütsdirektion ihr Augenmerk auch auf einen starken Wagenschlag richten möge, und muß sodann noch, was die Localverhältnisse betrifft, aufmerksam machen, daß die Weiden nach und nach und besonders durch die Aufhebung des Neubruchzehente», zu einem großen Theil umgebrochen werden, so daß in vielen Gemeinden eines der wesentlichsten Beförderungsmittel der Pferdezucht hinwegfällt, und daß es in der Regel gerade der ärmere Theil der Gemeindeglieder ist, der auf den Umbruch der Weiden dringt, während nur die Reicheren Pferdezucht treiben. Wenn nun die Lichtseiten von den Localstellen vorgetragen werden, so girbt sich die Regierung einem sehr gefährlichen Unternehmen hin. Sie muß nothwendigerweise auch die Schattenseiten hören, wenn es sich darum handelt, rin Institut, dessen große Vortheile ich nicht verkennen will, in so ausgedehntem Maße zu vermehren. Ich glaube, daß die Commission in Erwägung dieser Verhältnisse und in der Ueberzeugung,. daß die Sache von der Regierung noch nicht gehörig aufgeklärt ist, nicht Unrecht gethan hak, indem sie den Antrag der Regierung auf 60,000 fl. reduzirte. Ich hatte übrigens nicht viele Gelegenheit, mich in der Budgets» commissio» überdieSache auszusprechen, und erst später, nach näherer Prüfung der Berechnung, habe ich mich überzeugt, daß eine weitere Summe nokhwendig seyn werde. Die Mehrbewilligung der Budgetscommiffion, die sie in Antrag bringt, deckt nämlich kaum die Kosten, die nun durch die Trennung deS Gestüts von dem Hofmarstall entstanden sind. Ich habe berechnet, daß diese Trennung allein einen Mehraufwand von 5975 fl. verursacht, während die Budgetscommiffion nur 4000 fl. zugiebt; ich trage daher darauf an, 62,000 fl. für jedes der folgenden Jahre zu bewilligen. Die Regierung mag dann untersuchen, in welchen Landesgegenden Beschälplatten zu errichten sind, und ich bin überzeugt, daß, wenn die Techniker die Sache unbefangen beurtheilen, wenn sie nicht glauben., diese Petitionen zu sehr berücksichtigen zu müssen, sie sich für einige der vorgeschlaqenen Localitäten nicht aussprechen werden. Ich wünsche auch, daß die für uns so hochwichtige Rindviehzucht mehr befördert und über die Mittel zur Erreichung des Zweckes auch der landwirth« schaftliche Verein zu Rath gezogen, und nicht ausschließlich auf das Urtheil der Localbeamten provocirt werden möchte, die nicht selten gewohnt sind, jedem Vorschläge, wenn er von oben herab kommt, recht bereitwillig beizustimmen und zu sagen: „ja wohl, wir sind vollkommen damit einverstanden," wenn sie gleich nicht in der Lage sind, die Sache gehörig zu beurtheilen, oder weil cs kürzer und bequemer ist, ja z» sagen, als näher über die Sache nachzudenken. Aus diesen Gründen wiederhole ich meinen Vorschlag. Staatsrath Winter: Was die Petitionen betrifft, so muß man zweierlei unterscheiden. Es girbt eine Menge solcher, die nur sagen oder weiter nichts fordern, als daß das Gestüt nicht aufhöre, sondern fortbestehen solle, wie bisher. Nau sind aber, wie ich schon gesagt habe, von vielen Gegenden, wo wirklich Pferdezucht getrieben wird, außerdem noch Bitt, schriften eingekommen, worin sie sagen, daß sie sich mit der Pferdezucht mehr abgeben wollen. Dabei muß ich übrigens noch bemerken, daß es nicht möglich ist, den Fohlenstand, der mit 10,000 fl. aufgrnommen wurde, zu erhalten, und nur Einige von Denjenigen, die doch auch ein Recht haben wie Andere, zu unterstützen, wenn nicht wenigstens die Summe von 70,000 fl. und 75,000 fl. bewilligt wird. Es ist möglich, daß es nach zehn Jahren nur noch nothwendig ist, 40 und 50 Hengste zu halten, denn wenn die Masse von den Vortheilen durchdrungen ist, so wird sie sich selbst mehr darauf legen. Der landwirthschaftliche Verein ist gegenwärtig in der Lage, Sämereien und Kartoffeln kommen zu lassen, um Versuche zu machen, und wenn diese Beifall gefunden haben und verbreitet sind, so wird der landwirthschaftliche Verein nichts mehr damit zu thun haben, sondern es werden sich Speculanten damit beschäftigen, solche Dinge kommen zu lassen, wenn sie wissen, daß sie ihren Abgang finden, allein die Regierung muß überall voranschreiten, selbst wenn auch hie und da Versuche gemacht werden, die miß» lingen. Wenn die Gemeinden die Ueberzeugung erhalten, daß bei ihnen keine Pferdezucht nörhig ist, so hat dieß auch seinen Werth, indem daun die Gemeinden ruhig bleiben und nicht glauben, mau wolle sie bloß nicht berücksichtigen. Alles dasjenige, was der Abg. Rutsch mann angeführt, hat übri- gens die Gestütsdirektion schon ins Auge gefaßt, und wird eS auch künftig nicht ans den Augen verlieren. Martin: Man wird mir keine Untreue gegen die Bud- getscommission vorwerfen, wenn ich für eine Erhöhung des Satzes stimme, indem ich schon dort zur Minorität gehörte und auf 70,000 fl. antrug, weßhalb ich auch gänzlich dem Antrag des Abg. v. Rotteck beitrete. Die Petitionen, die eingekommen sind, verwahren sich allerdings nur der Mehrzahl nach gegen die völlige Aufhebung des Gestüts und sind durch den Bericht auf dem letzten Landtag veranlaßt worden, wonach die Leute glaubten, man gehe damit um, diese Anstalt ganz aufzuheben. Sio haben sich also besondere Mühe gegeben, den Nutzen herauszuheben, den das Landgestüt für ihre Gegend brachte. Außer diesen sind aber auch noch andere aus dem Unterrheinkreis, aus der Gegend, die etwas weit vom Rhein entfernt ist und mehr an das Würtembergische stößt, eingekommen, welche wünschen, daß das Gestüt mehr ausgedehnt werde und auch ihnen einige Vortheile gewähre. Die Pferdezucht hat sich noch nicht auf diejenige Stufe erhoben, daß man sagen könnte, man soll das Fortschreiten derselben den Landwirthen allein überlassen, sondern es wird die Regierung noch mehrere Jahre lang bedeutende Opfer bringen müssen, um diese Veredlung zu bewerkstelligen. Ich glaube wohl, daß man in andern Staaten, wo schon wehr dafür geschehen ist, dem Landmann allein die Fortsetzung der begonnenen Veredlung überlassen kann, allein bei uns ist es noch nicht so weit. Keine Anstalt hat übrigens so sehr den Beifall der Landwirthe erhalten, als die gegenwärtige, und die Regierung bat nie eine Maßregel vorgenommen, die so viel Anklang fand, als die gegenwärtige, und ich stimme daher für 70,000 fl. S ch a a ff: Ich wollte der Gestütsanstalt das Wort reden, allein die Redner vor mir haben mich der Mühe übcrhoben, viel darüber zu sprechen. Nur ein Abgeordneter, der gegen, wärtig seinen Platz verlassen (Nutschmann), hat einige unfreundliche Blicke auf dieses Institut geworfen. Er glaubt, die eingekommenen Petitionen seyen von den Beamten aus Auftrag des Ministeriums geimpft worden. Auf einmal also ist das edle kostbare Recht der Petitionen zu nichts geworden, auf einmal also gelten diese Petitionen nichts mehr. Es ist, was die Petitionen verlangen, nicht der Wille der Petenten, nicht die Meinung jener Bezirke, aus denen diese Petitionen eingekommen sind, sondern weil es nun eben gerade in dem Kram diesesHerrn Abgeordneten taugt, müssen diese Petitionen geimpft worden ftyn! Man hätte, hieß es, sich nicht der Beamten bedienen sollen, um die Ansichten UNd Wünsche jener Gegenden zu hören, denn wenn ein Beamter einen Auftrag von der Regierung erhalte, so beeile er sich, auf das schnellste dessen beifällige Erledigung zu besorgen. Ich glaube, daß dieses mitunter in der Dienstpflicht der Beamten liegt. — Wenn übrigens der Herr Abgeordnete den Wunsch ausgesprochen hat, daß dem landwirthschaft- lichen Verein auch einige Einwirkung auf dieses Gestütswesen gestattet werden möge, so hat er ganz meine Meinung ausgesprochen. Es dürfte dieß allerdings sehr nützlich scyn, allein ich glaube nicht, daß wir, wenn der landwirthschaft- liche Verein mit seinem Gutachten gehört wird, hieraus Stoff entnehmen können, einen Antrag auf Abbruch am Budgrtsatz zu begründen, wir werden alsdann vielmehr zusetzen müssen. Man hat im Commissi^nHbericht unfern Aufwand für das Gestüt mit jenem in Würtemberg verglichen. Dort hat die Kammer einige tausend Gulden gestrichen und es werden nur 80,000 fl. verwendet, allein ich muß darauf aufmerksam machen, daß in Stuttgart der König selbst außerordentlich viel für das Landgestüt thut. Es ist dieß eine königliche Liebhaberei, die dem Lande zu gut kommt, die man aber nicht überall voraussetzen kaun, und wozu nicht überall die Mittel dargcbolcn sind. In dem herrschaftlichen Hgrras zu Stuttgart findet man Hengste zu £5,000 fl. Ankauf, da kann man freilich viel perxdlen, auch wenn das Landesgestüt sparsamer dotirt wäre, als bei uns. Wir Alle haben übrigens gewiß mit Vergnügen aus dem Commissionsbericht ersehen, daß auch der Großherzog nach den Kräften der Civististe selbst sehr viel für das Gestüt thut, indem er englische Hengste angeschafft und solche zur Verfügung der Pferdebcsitzer gestellt hat. Da ich überzeugt hin, daß durch den Antrag der Commission den gerechten Wünschen gewisser Bezirke, die zur Pferdezucht geeignet sind, nicht entsprochen werden kann, so erkläre ich mich für den Vorschlag des Herrn Staatsralhs Winter, für das erste Jahr 70,000 fl. und für das zweite Jahr 75,000 fl. zu bewilligen, und bemerke noch schließlich, daß der Abg. Rutsch mann auch wieder den Beweis lieferte, daß das Mißtrauen, das früher bestand, uls bade der Hof Vortheile gezogen, dadurch, daß das Landgrstfit mit dem Hofgestüt vereinigt war, nach und nach ganzzu schwinden scheint, indem der Herr Abgeordnete bemerkt hat, daß durch die Trennung des Landgestüts von dem Hofgestüt ein Mehraufwand von 5970 fl. veranlaßt worden sep. 1268 Ministerialassessor v. Mar sch all: Auf dle Bemerkung, daß der landwirthschaftliche Verein gehört werden möge, habe ich bloß zu erwiedern, daß dieser Verein sich schon für die Sache interessirt hat. Er hat alle Kreisabtheilungen darüber gehört, und diese haben wieder einzelne Sachverständige ihres Bezirks vernommen. Alle diese Gutachten wurden dem Ministerium vorgelegt und sind gegenwärtig bei der Gestütsdirektion, um ihre Ansichten darüber abzugeben. Rutsch mann: ES hat dieß der Verein für sich gethan, eine Aufforderung von dem Ministerium ist ihm, so viel mir bekannt, nicht zugekomme». Ministerialassessor v. M a r sch a l l: Diese Aeußerung überrascht mich von demjenigen Herrn Abgeordneten, der so eben eine derartige an die Kreisregierungen ergangene Aufforderung wenig gebilligt hat. Ich will nun nur kurz auseinander setzen, welche Folgen die Annahme des Antrags ihrer Commission auf daS Gestüt unvermeidlich haben müßte. Sie haben aus den Vorlagen der Regierung und dem Commissionsbericht vernommen, daß ein Fohlenstall errichtet wurde. Ein solcher war höchst nothwendig, wenn man nicht fortwährend einen größer» Aufwand für die Anstalt haben wollte, als nothwendig ist. Dieser Fohlenstall, der gerade in den zwei nächstfolgenden Jahren noch gar keinen Nutzen für die Anstalt gewährt, sondern nur Kosten verursacht, verlangt für das erste Jahr über 9000 fl. und für das zweite Jahr über 14,000 fl. — Zieht man nun diese Summen und den Aufwand für die Direktion mit 4200 fl. von der Summe ab, die die Regierung für die Anstalt überhaupt in Antrag gebracht hat, so bleibt für den Hengststall nur die Summe von 61,691 fl. übrig. Schlägt man nun diese Summe auf die dermalige Hengstzahl aus, die in 165 Stück besteht, so stellt sich heraus, daß ein Hengst jährlich 373 fl. kostet. Wenn daher, nach dem Antrag ihrer Commission, jetzt an der Forderung der Regierung allein für das erste Jahr 15,553 fl. gestrichen werden, so zeigt sich, weil doch der Fohlenstall fortbestehen muß, die Nothwendigkeit, im Augenblick HHengste abzuschaffen, die Zahl derselben also auf 124 zu reduciren. Nur langsam könnte die Zahl nach und nach aus dem Fohlenstall wieder ergänzt werden. Die Anstalt würde also für die ganze Periode in eine sehr traurige Lage versetzt werden. Wetzelll.: Ich wünsche, daß das Gestüt eine wahre Anstalt für das Land werde, indem sie bisher bloß Bezirksanstalt war, wenn man wir diesen Ausdruck nicht übel nehmen will. Es sind mir Nachrichten zukommen, worin das Bedauern ausgesprochen wird, daß Gegenden ganz vergessen seyen. Der Abg. R u t s ch m a n n hat eine Schattenseite übersehen, die bis jetzt das Gestüt hatte, daß es nämlich nicht gehörig wirken konnte. Ich habe hier eine Vorstellung deS ganzen Bezirks Thiengen und Klettgau rc. vor mir, der sich dieser Anstalt bis jetzt nicht erfreut hat, und selbst in dem Verzeichniß des Herrn Regierungscommissärs vermisse ich diesen ganzen Bezirk. Sodann hat die ganze Gegend des Schwarzwaldes, der so viele treffliche Waiden hat, diese Anstalt nicht benutzen können, denn wenn der Pferdeeigeu- thümer 12 Stunden weit gehen soll, so ist dieß eine Beschwerde für ihn und die Pferdezucht kann da nicht gedeihen, weil be, kanntlich durch ein zu weites Gehen der Nutzen wieder verloren geht, und ich stimme hiernach ebenfalls für das erste Jahr für 70,000 fl. und für das zweite Jahr für 75,000 fl. Dörr: Auch ich erkläre mich für das Fortbestehen dieser Anstalt und trete dem Antrag deS Abg. v. Rotteck bei, daß die Summe auf 70,OM fl. erhöht werde, und zwar darum, weil unsere Anstalt in einzelnen Theilen des Landes noch nicht errichtet ist, und damit dieRegierung die Mittel erhält, da, wo sie es für zweckmäßig findet, diese Anstalt hinzu verpflanzen. Bei dieser Gelegenheit habe ich übrigens auch gehört, daß die eingekommenen Petitionen eingeimpft worden seyen, wovon wahrscheinlich auch die Commission ausgegangen ist. Dieß ist aber nicht der Fall, denn unsere Einwohner wissen was sie wollen, weil ihnen die Anstalt Vor- theile gewährt hat, und weil sie glaubten, man wolle auf die Aufhebung dieses Instituts hinwirken, haben sie der Regierung den Wunsch zu erkennen gegeben, daß es beibehalten werden möchte, und es thut mir für jene Bewohner leid, daß man ihnen jetzt dieses nachsagt. Es heißt unter anderem sie hätten erklärt, 10,OM Seelen auf dem flachen Lande zahlten mehr als 1M,0M im Schwarzwald. Damit wollten aber die Bewohner des Korker Bezirks bloß sagen, daß sie außerordentlich viel beitragen und sie von allen Anstalten, die so viel Geld kosten, keinen Dortheil ziehen. (Schluß folgt.) Redakteur Dr. Duttlinge». Druck und Verlag «on Lhr. Th. Groo«.