Wochenblatt cxxxvh.) Die LanUagszeiiutlg besteht aus einem Abonnement von 150 ÜHum< mein und kostetest. Er. Durch di.' Post bezogen 4 si. 48 kr. für Baven. als Fortsetzung der Landtags-Zeitung. Man adoimlrt bei dem NlichSq'leqenenBorn nte, in Karlsruhe bei Malsch und Bagel, von weihen da» Blatt auch im Lach- hänolerweffe zu beziehen V$r. HO u. tll.] Karlsruhe 1816. [22. März.] Herausgegeven von Karl Math«. — Redigirt von Karl Stein. — Lruck unv Verlag von Mal sch und Bogel. 'io. Ueberblick des badischen Verfaffungslebens, mit be soliderer Rücksicht auf die Richtung uiid Khä- tigkeit der Parteien in der zweiten Kammer. Von A. v. Soiron (Fortsetzung.) Ueber die Hauptfrage: ob die Bahn und ob sie auf Staatskosten gebaut werden solle, gab es zwar verschiedene Ansichten, doch wurde die Frage von entschiedener Majorität bejaht, weil man sich überzeugt hielt, daß unser Land ohne den Bau des großen Werks seinen Verkehr verlieren, durch denselben aber erlejchÄMn Absatz der LandcSproduktc, erweiterten Handel, größeren Wohlstand gewinnen und sich so etwaiger Zinsenverlnst auSgleichcn; daß aber die Nebcrlassung an Privaten diesen wohl Gelegenheit sich zu bereichern, dem Staat aber nicht die Gewißheit einer gleichmäßigen, gehörigen Ausführung und einer später«, dem Gesammtwohl entsprechenden Benutzung geben würde. Aus diesem außero,deutlichen, lediglich zu einem besonder» Zweck berufenen Landtag bestritt die Negierung der zweiten Kammer, a!S die PeiitionScommission gewählt werden sollte, daS Recht, andere Dinge, welche ihr nicht vorgelegt und welche mit dem Zweck der Berufung nicht im Zusammenhang stünden, zu besprechen, zu bcrathen und Beschlüffe darüber zu fassen. Man wollte zwischen ordentlichen und außerordentlichen Landtagen unterscheiden und behauptete, so wie die Regierung zur Berufung von außerordentlichen Landtagen nicht verpflichtet sei, eben so müsse sie daS Recht haben, zu bestimmen, welche Gegenstände auf solchen berathen werden dürsten. Dagegen berief sich die Kammer auf den §. 50 der Verfassung, welcher sagt: „Die Stände können sich nur mit den nach gegenwärtigem Grundgesetz zu ihrer Berathung geeigneten oder vom Großhcrzog besonders an sie gebrachten Gegenständen beschäftigen." Es wurde jeder Unterschied zwischen einem ordentlichen und außerordentlichen Landtag, so weit eS sich um die Thätigleit der Kammern handle, als in der Verfassung nicht begründet, bestritten und daS mit Recht; denn die Kammer bleibt immer die Kammer, sie mag kraft einer gebietenden Vorschrift der Verfassung oder aus eigenem Antrieb der Regierung von diejer versammelt worden sein. Auch ließe es sich wirklich mit den Pflichten der erwählten Volksvertreter nicht vereinigen, wenn sie sich, außer der gewöhnlichen Periode von zwei zu zwei Jahren, eln- berufcn, für so außerordentlicher Natur halten wollten, daß sie nicht berechligt wären, einen dringenden Antrag zu stellen und zu bcrathen, über eine dringende P.tilion zu beschließen und selbst darüber zu urtheiien, waS dringend sei oder nicht. Der Erfolg war, daß die Kammer eine PetitionScom- mission wählte und sich durch die entgegenstehcnve Ansicht der Regierung nicht abhalten ließ, auf den Antrag deS Abg. v. Jtzstein hinsichilich der Hannörerischen Frage einstimmig einen ähnlichen Beschluß zu fassen, wie auf dem Landtag von 1837. Dcr zehnte Landtag (l839) war besonders merkwürdig durch die Strenge, mit welcher die Oppostlion bei der Prüfung der ErqänzungS- wählen zu Werk ging. Sie rügte jede Gesetzwidrigkeit^ wenn sich der Beweis derselben auch nicht gerade aus den Wahlakten ergab, wenn die Mitiheilungen darüber nur von glaubwürdigen Personen stammten. Wo dagegen dcr Beweis von Unregelmäßigkeiten vorlag, welche zum Nachtheil der Wahlfreihcit auf den Erfolg der Wahlen Einfluß gehabt Hallen, bestand die Oppostlion — wenn auch nicht immer mit Erfolg — aus dcr Vernichtung der Wahlen. Die Fälle, welche zur Sprache kamen, waren folgende: Ein Wahlcommiffär halte sich nach dcr Anzeige einiger Wahlmänner nicht damit begnügt, im Allgemeinen die 432 , Eigenschaften eilte« würdigen Abgeordneten auseinander zu setzen, wozu ihn der 8- 71 der Wahlordnung allein berechtigte; er hatte vielmehr den Wahlmäzinern zu Gemülh geführt: sie sollten keinen Gelehrten, der lange Redeiz. halse, sondern einen Mann aus dem Bürgerstande, auS ihrer Mitte wählen, während gerade zwei Kandidaten empfohlen worden waren, auf welche diese Bezeichnungen genau paßten. Ein anderer Wahlcommissär sollte unter gleichen Ver- hältniffen geäußert haben: „Wählt einen auS Eurer Mitte, Ihr braucht ja keinen Fremden; ich weiß es und wollte darauf wetten, daß sich in Eurem Bezirke viele tüchtige Männer befinden rc." Die Kammer sprach ihre Ansicht dahin zu Protokoll aus, daß der Wahlcommissär in Anwendung des §. 71 der Wahlordnung nickt befugt sei, bei Auseinandersetzung der Eigenschaften, welche der zu Wählende haben solle, durch Bezeichnung von Ständen oder Bezirken, aus welchen der Kandidat den Vorzug verdiene, noch durch andere auf bestimmte Kandidaten bezügliche Merkmale z» Gunsten oder zum Nachtheil des einen oder des andern Kandidaten mittelbar einzuwirken. (Fortsetzung folgt). Bassermann und die Süddeutsche. Um ein guter Jesuit zu werden, muß man Talent besitzen und eine feine Schule durchgemacht haben, denn außerdem kann man die Kunst nicht lernen, eines Mannes Worte in'S Gegentheil umzukehren. So finden wir unter Anderen in Nr. 3 der süddeutschen Zeitung (die uns jetzt erst zu Gesicht kommt) die Behauptung, der Abg. Bassermann habe sich in seiner Rede zur Unterstützung der Ziltelschen Motion darüber beschwert, daß die Censur nicht genug gestrichen habe! In derselben Weise folgt dann eine ausführliche Kritik dieser Rede und wenn wir dieser Kritik hier in diesen Blättern einige nachträgliche Zeilen widmen, so geschieht es nicht, um die Rede des Abg. Bassermann dagegen in Schutz zu nehmen, sondern weil sich an dieser Nummer der süddeutschen Zeitung abermals Nachweisen läßt, wie dreist die Gegner der Aufklärung auf die Un- kenntniß ihres Publikums rechnen. Dem Abg. Bassermann wird zugcstande», daß er „ein Mann von Talent" sei, aber verargt wird ihm, daß er Literatur und Geschichte in seine Vorträge rinflechte; er solle daS lassen, er sei kein Gelehrter, wird ihm zugerufen. Wir glauben nicht, daß der Abg. Baffermann je für einen Gelehrten hat gelten wollen, aber soll denn ein Mann, der sich dem öffentlichen Leben widmet, nicht die Resultate der Forschung unserer Gelehrten zur Anwendung bringen dürfen? Für wen arbeiten denn die Gelehrten? Für die Siudirstube oder für daS Leben? Glaubt ihr, daß ein Schlaffer, ein, Gervinus, ein Dahlmann mit dem Wunsche schreiben, ein deutscher Abgeordneter möchte von ihren Werken keine Notiz nehmen? Ja, das ist's eben, was die Finsterlinge ärgert; daß die politische wie die Literaturgeschichte die schädlichen Folgen des jesuitischen Treibens für alle Welt in ein so Helles Licht stellen; daß die Wissenschaft anfängt sich mit dem Leben zu verbinden und ihm fruchtbar zu werden. — Und spricht denn die süddeutsche Zeitung nicht auch Literatur, Geschichte und Theologie? Allerdings und zwar vom hohen Roß herab, und sie beweist dem Abg. Bafsirmann, wie Unrecht er in seiner Behauptung hat, die Reformation des 16. Jahrhunderts habe die deutsche Cultur gerettet. Diese Ansicht hält sie für eine beschränkte und überläßt es den p r o t e st a n t i s ch e n Schriftstellern selbst, den Abg. Baffermann eines besseren zu belehren. Nun, der berühmte Verfasser der „Geschichte der poetischen Nationalliteratur der Deutschen" sagt (S. 20 des 3. Theils): „Luther bildet den großen Wendepunkt, bei dem sich der Sitz der deutschen Literatur vom Süden in den nun protestantischen Norden dreht, und seit welchem sie beinahe Alleinbesitz der Evangelischen wird. ES ist nicht der Rede werth, was seitdem die Katholiken fürdie deutsche Bildung ge- t h a n haben" u. s. >v. und ferner S. 605 des 5. BandeS: „Wir haben auS unserer Geschichte gelernt, daß die Reformation geradezu die Kunst gerettet hat, und nur dadurch gerettet hat, daß sie sie auS den katholischen Landen entfernte. Durch zwei Jahrhunderte vor der Reformation lag schon die Kunst bei unS in der größten Barbarei, und gerade der protestantische Hans Sachs riß die Meistersänger auS dem nie zu ergründenden Schlamme heraus, in den sie der katholische ScholasticiSmriS gestürzt hatte. Gerade die protestantischen Maler gaben unserer plastischen Kunst zuerst einen Namen und machten den Kleksereien der Mönche ein Ende; gerade die protestan- tischen Fürsten erhielten in den Stürmen des 17. Jahrhunderts eine deutsche Poesie, wo in den katholischen Landen, so viel an ihnen lag, Alles in Trümmer gegangen wäre; gerade die protestantische Musik brachte unsere kirchliche Tonkunst zu ihrem Gipfel, und nur 433 protestantische Dichter schufen unS unsere neue Kultur" u. s. w. Nicht wahr, eS ist doch Schade, daß es Männern wie GervinuS erlaubt ist, so geradezu drucken zu laffe«, auch für einen Abgeordneten drucken zu lassen, was er auf dem Wege freier Foischung gefunden? Ja diese freie Forschung ist's, welche im sechszehnten Jahrhundert der römischen Hierarchie erst wieder ab-erobert werden mußte, diese freie Forschung ist'S, die die deutsche Bildung geretlet hat. Alle die großen Regeneratoren unserer deutschen Literatur, Gottsched, Geliert, Hamann, Herder, Lessing, Wieland, Götbe, Schiller, Voß waren Protestanten; oder kann unS die Süddeutsche sagen, was von München oder Wien auS für die Wiederherstellung deutscher Wissenschaft und Bildung im vorigen Jahrhundert gcthan worben? Oder glaubt sie etwa, die bayerischen Redemptoristen oder die barmherzigen Schwestern werden zur Verherrlichung unseres Jahrhunderts beitragen? Ja, daß sich der Abg. Bassermann gegen die barmherzigen Schwestern geäußert, dies wird ihm sehr verargt. Zu den Institutionen der katholischen Kirche gehören, sagt die Süddeutsche, die geistlichen Orden; wer also den Katholiken die barmherzigen Schwestern nicht lassen wolle, der «aste die Religionsfreiheit der Katholiken an ; hier höre man wieder das alle Lied: die allgemeine Freiheit für die Liberalen und gegen alle Uebrigen! Sagt dies die süddeutsche Zeitung vielleicht deßwegen, weil der Abg. Bassermann die Motion unterstützte, welche Freiheit für alle Religionen verlangte? Aber die barmherzigen Schwester»? Ja die will dieser Abgeordnete allerdings nicht, so wie er auch die Jesuiten nicht wollen wird. El Wird wahrscheinlich, wie wir, die Religionsfreiheit so verstehen, wie pr die Freiheit überhaupt versteht. Welcher Wohldcnkenbc kann eine andere Freiheit wollen, alS die, welche den Nachbar nicht beschädigt? Wir wollen Alle, daß unS die Hände nicht an den Leib gebunden werden, aber wir erlauben nicht, daß Jemand den Nachbar mit diesen Händen beschädige. So verlangt auch kein aufgeklärter Protestant, daß die Katholiken in ihrer freien Religionsausübung gehindert werden, aber der Staat darf und muß verlangen, daß sic sich aller Beschädigung ihrer Mitbürger enthalten. Eine ärgere Quälerei kann aber wohl nicht ansgeübt werde», als wenn man in den Leidcnsstnnden schwerer Krankheit, vielleicht in der Todesstunde, einen AnderSglaubenden mit Proselitenmacherei martert. Eine solche Marter, und wenn sie auch auS Barm» Herzigkeit geschähe, darf der Staat nicht gestatten. Aber freilich, wen» man den Ultramontanen nicht gestattet, wie eS ihr Wortführer GörreS gcthan, die Kinder gemischter Ehen „Bastarde" zu nennen (was hat wohl der Kronprinz von Bagern hiezu gesagt?); wenn man die armen Kranken vor widerlicher Quälerei schützt, wenn die Kammer der bayerischen ReichSräthe erklärt, mit der großen Zahl bayerischer Klöster sei cs jetzt genug, so rufen sie im Tone der Verfolgten: man verletze ihre Glaubensfreiheit! Ja, diese deutsche Geschichte, die kennt der Abg. Bassermann auch gar nicht, wie hätte er sonst behaupten können, Deutschlands größtes Unglück sei stets von Rom gekommen. Die Süddeutsche belehrt ihn eines Bessern. DaS Christenlhum, sagt sie, sei ja den Deutschen von Rom gekommen. Aber die beiden hauptsächlichen Bekehrer der Deutschen kamen bekanntlich nicht von Rom. BonifaciuS „der Apostel der Deutschen" war ein Dritte, und der heil. GalluS ein Ire. Carl der Große, der die Sachsen mit Feuer und Schwert bekehrte, war auch kein Römer. Aber wer wird Rom gewisse Verdienste streitig machen? Viel verdankt ihm die Literatur deS elastischen AlterthumS, obschon die Vernichtung der fehlenden Bücher des LiviuS dem Papste Gregor I. zugcschrieben wird. Aber darum ist nicht minder wahr, daß das größte Unglück, das unS die deutsche Geschichte aufweiSt, stets von Rom kam. Dadurch, daß die Päpste sich die Herren der Christenheit nannten, sich das Recht anmaßten, Länder zu vergeben, Könige und Kaiser ab! und einzusetzcn, verwickelten sie daS deutsche Reich in unaufhörliche Kriege. Kaum ein Jahr verging, wo nicht der deutsche Kaiser auf einem Zuge nach Italien die schönsten Kräfie unseres Vaterlandes vergeuden mußte, und «hat ein Kaiser nicht nach dem Willen deS Papstes, so forderte dieser daS deutsche Volk zur Empörung gegen seinen Herrscher auf, lhat den Kaiser in Bann, und ihm nicht zu gehorchen ward von Rom als Gott wohlgefällig erklärt. Wie vielen Bürgerkrieg hat damit Rom unS nicht bereitet! Wer war eö, der selbst die Kinder gegen ihren Vater; Conrad und Heinrich, die Söhne Heinrich's IV., anfrcizte, gegen den Kaiser die Waffen zu ergreifen? WaS hatte nicht der edle Friedrich II. von Rom zu leiden! Ja selbst alS dieser tapfere Kämpfer für daS Ehristenlhum am Jordan im Felde gegen die Türken lag: war es nicht der Papst Gregor IX., der durch ein Schreiben dem Sultan die Stellung der Deutschen, der Christen, vcrrieth? Nicht allein, daß der römische Bann diesen Kaiser dreimal traf, Jnnocenz IV. setzte ihn auch ab, wies die Churfürsten zu 434 einer neuen Wahl an und unterstützte den Gegenkaiser. Dieser Papst predigte gegen Conrad IV. förmlich das Kreuz, so wie Johann XXII. gegen Ludwig den Bayer, und wir fragen noch, warum Deutschland im Innern nie zur Ruhe kam? stelS durch Bürgerkrieg zerfleischt wurde? So lange die Päpste in Avignon residirlen, waren sie ohnehin stets im Bunde mit Frankreich, damals Deutschlands gefährlichsten Feinden, und wenn unser Vaterland damals nicht eine französische Provinz wurde, so ist es nicht das Verdienst des Papsteö Cölestin V., der die deutsche Kaiserkrone dem Carl von ValoiS versprach. Und haben wir nickt daS Schrecklichste, was Deutschland erfahren , den 30jährigen Krieg, Rom zu verdanken? Die Reformation wäre nicht nöthig geworden, wenn Rom den so dringenden als oft wiederholten Bitten der deutschen Kaiser »m Kiychcnreform nachgcgeben hätte. Aber Rom wollte weder dem Lasterleben der Mönche steuern, noch den Ablaßkram verbieten; da mußte ja eine Spaltung erfolgen, eine Spaltung, zu deren Hebung Rom auch nachher nichts that, als daß es die Ferdinande zu Vertilgung aller Protestanten fanatisirte. Hat nicht Gregor XIII. die höllische Bartholomäusnacht mit achttägigen Freudenfesten gefeiert! Und könnten und können sich alle die Deutschen, die ihrem Vatcrlande eine bessere Zukunft bereiten wollen und für die Freiheit in Wissenschaft und Politik streite», mit dem Rom versöhnen, das 1633 den großen Galiläi wegen seiner Entdeckung in den Kerker warf, daS gegen den westphälischcn Frieden protcstirte, weil ihm der Vertilgungskrieg von 30 Jahren noch nicht lange genug dauerte, das den edeln Kaiser Joseph II in seinen Reformen hinderte und, wie man wissen will, aufhielt; das gegen die Wiener Congreßacte protcstirte, 1814 die Inquisition und die Jesuiten wieder cinführte und noch 1824 unter Leo XII. die Gefängnisse der Inquisition wieder Herstellen ließ? Und die Süddeutsche fragt noch „waS von Rom gekommen ist?" Von Rom kam uns der Zehnte für die Geistlichkeit, von Rom kam uns das römische Recht; und Rom haben wir cs zu verdanken, daß bei Gottesdienst und Gericht die römische Sprache, unsere Muttersprache, und mit ihr unsere freie Gerichtsverfassung, unsere volksthümlichen Institutionen verdrängte. Und was ein Land von Rom zu erwarten hat, sieht man cs nicht an den Schützlingen des Vatikans, an Ton Carlos und Don Miguel? Sieht man eS nicht an dem von Rom unmittelbar regierten Kirchenstaat, dessen Zustand allen Ländern als abschreckendes Beispiel vor Augen steht, dessen Regierung den wiederholten Mahnungen aller Kabinette, wenigstens einige Verbesserungen in der Verwaltung eintuführen, um das Volk zu beruhigen, hartnäckig widersteht? Ja, ihr Herren zu Freiburq! erst müßt ihr die ganze Geschichte auf den Inckvx librorum proliitrilorum setzen, ehe ihr wieder fragen könnt „was von Rom gekommen ist!" Doch wir wollen nicht fortfahren; ist es doch genug, daß Rom sich für die Beherrschung der Christenheit allein weise genug dünkt, Synoden und Conctlien verweigert. O christliche Demnth, christliche Bescheidenheit und Einfalt, du würdest unserem Vaterlande auch von Rom nicht kommen. Darum, glaubte der Abg Bassermann, dürfe der Staat Diejenigen nicht verfolgen, welche sich von Rom lossagen, so wie er aber auch nicht verlangt hat, daß man diejenigen störe, die bei Rom verbleiben wollen. Freiheit der Religion einem Jeden, ist Alles, waö er verlangte. Ist das so unbillig? „Ja, Lessing, der sollte jetzt leben und schreiben" ruft die Süddeutsche aus. Nun? hat Lessing etwa nicht dasselbe verlangt? Er brauchte es nicht erst zu schreiben, er hat es geschrieben, daß keine Kirche sich anmaßen möge, zu sagen: sie sei die allein seligmachende*). Er sagt es ja: der ächtl Ring sei nicht zu unterscheiden. Aber wie gut die Freiburger Herren diesen großen Mann verstehen! er rede ja nur von drei Ringen, und für die Deutschkatholiken habe er also seine herrliche Parabel nicht geschrieben. O schön! wo neben dem Christen Jude und Muselmann gleiche Beruhigung zugesprochen erhalten, da soll ein Deutschkatholik ausgeschlossen sein. Ob Lessing, als er im Gefühle humanster Toleranz seinen Nathan schuf, sich wohl eine so christliche Auslegung seines Werkes hat träumen lassen? Aber den Hauptgedanken deS Abg. Bassermann berührt die Süddeutsche wohlweislich gar nicht. Er sagt, der Lessing'schen Parabel folgend: weil ja der ächte Ring nur daran erkannt weiden könne, daß er wohlgefällig mache vor Gott und Menschen, so müsse man den Deutschkatholiken auch die Freiheit *) Wir wollen hier der Süddeutschen, da sie sich doch auf d'cssiiig beruft, eine Stelle dieses große» Mannes anfiihren, aus welcher sie wohl mit ziemlicher Sicherheit entnehmen kann, wie er, wenn er »och lebte, die Bewegung des Deutschkatholizismus begrüßen würde: „Wer erlöst uns von dem unerträglichen Zoch des Buch- „stabens; wer bringt u»S endlich ein Christcnthum wie Du (Luther) „es jetzt lehren würdest, wie es Christus selbst lehren „würde! Wer! I 435 lassen, auf diese Weise nach dem Beweis derAechtheit ihres Ringö zu streben. Wollen die Ultramontanen ihnen diese Freiheit nickt gewähren, so erwecken fle den Verdacht, alS fürchteten sie sich, eS möchte den Deuischkatholiken dieser Beweis eher gelingen als ihnen. — Jeder redliche Katholik sollte sich solche V-rtheidiger seiner Kirche verbitten. Aber. um für ein solch liebloses Verfahren einigermaßen einen Vorwand zu erlangen, sagen sie keck, wie man jetzt in allen ihren Flugschriften lesen kann, wie es ein Abgeordneter sogar in der Kammer und kürzlich an einem v • andern Orte aussprach: Die Deutsch-Katholiken sind keine Christen mehr. Wodurch aber charaktcrisirt sich das GlaubenSbekennmiß der Deutsch-Katholiken? Dadurch, daß sie die christliche Liebe über daS Dogma stellen. Und da denn doch das römische Organ sich dreist auf Lcssing beruft , so wollen wir mit der Frage schließen, die er in seinem Dialog über das Testament Johannis den Gegnern zürnst: „So ist die christliche Liebe nicht die christliche Religion?" Wir hoffen, jeder redliche Katholik, wie jeder redliche Protestant weiß auf diese Frage eine andere Antwort, als sie täglich in den Organen einer herrschsüchtigcn ausländischen Partei zu finden ist; und wir sind überzeugt,, der Tag ist nicht ferne, wo alle aufgeklärten Deutschen, welcher Confessio» sie auch angchören, sich die Hände reichen und sich fest verbinden gegen die Feinde deS religiösen Friedens und der geistigen und politischem Entwicklung unseres Vaterlandes. Rundschau. Vom l9. März. — Den Aufsätzen in einem gewissen Blatte, die so viel von Ausgleichung und Vermittelung reden, hält das Mannheimer Journal folgende Betrachtungen entgegen: Vermittelung und Ausgleichung wünschen wir Alle, aber wer sie ernstlich wünscht, der will für beide Theile daS gleiche Recht der freien Mittheilung ihrer Ansichten und Bestrebungen. Wo daS Recht der Gedanken- äußerung dem einen Theile verkümmert wird, da ist es dem andern Theile mit feinen VcrmittclungSvorfchlägen nicht ürnfi. Di- Untcbdrückung cineS wesentlichen Rechtes verhindert daS Vertrauen, und ohne Vertrauen gibt eS keine Verständigung. Wollt ihr vermitteln, so haltet am Rechte; wollt ihr unterdrücken, so sprecht nicht von Ausgleichung. — Aehnlich wie mit der Vermittelung verhält eS sich mit „den schonenden Rücksichten bestehender Verhältnisse." Die Verfassung besteht und in derselben besteht unter Anderem der §. 17 über freie Mutheilung der Gedanken. Die Gcmeindeordnung besteht, so wie die Gesetze, welche den Bürgern daS Recht geben, sich zu unsträflichen Zwecken zu vereinigen und zu versammeln. DaS sind bestehende Verhältnisse, denen man möglichst schonende Rücksicht tragen sollte. Wenn man aber den Ständen zumuthc«, Verletzungen und Mißbräuche zu sckoncn, welche mit der bestehenden Verfassung und den bestehenden Gesetzen im Widerspruch stehen, so vergißt man, daß ein Deputirteneid besteht, welcher gebietet: Treue dem Groß Herzog, Gehorsam dem Gesetze, Beobachtung und Aufrechthaltung der StaatS- Verfassung, Abstimmung nach der eigenen inneren Neberzeugung. Diese Gebote bilden ein Ganzes; wer das Eine verletzt, der verletzt sie alle. Die Treue gegen den Fürsten besteht nur mit dem Gehorsam gegen kaS Gesetz, mit der Aufrcchthallung der Verfassung, mit der gewissenhaften Neberzeugung. Diesen Pflichten haben die Abgeordneten vor Allem „schonende Rücksicht" zu tragen, und ähnliche Rücksichten haben auch die Wahl- männcr zu beobachten. — Der bayerischen Kammer liegt ein Gesetzentwurf vor über den Fonbau der LndwigS-Süd-Nordbahn, worin zu den bereits bewilligten 15 Millionen noch weitere 18,600,000 fl gefordert werden. Der Ausschuß hat den Antrag gestellt, 10 Millionen mit 3'/- pCt. verzinslich zu bewilligen. — Die S e e b l ä t t c r bringen von Zeit zu Zeit deutsche Sprichwörter mit Bemerkungen. Heute (Nr. 33) wird das Sprichwort: Ein Wort, ein Mann — im Spiegel unserer Zeit betrachtet und schließlich bemerkt: „Worte haben wir viele, auch viele Menschen männlichen Geschlechts, die man Männer zu nennen pflegt, aber das Wort will oft nicht zum Mann und der Mann zum Wort sich nicht finden. Cin Wort, ein Mann — eS kiingt wie eine schöne Sage aus entschwundener Zeit. — An die Nachricht, daß die Stände in Braun- schweig ernstlich auf Ersparnisse bedacht sind, knüpfen die Seeblätter folgende Betrachtungen: Bereitwillig zahlt das Volk die Steuern, wenn eS einsicht, daß sie gerecht vertheilt und zur Bestreitung eines geordneten Staatshaushaltes wirklich nothwendig sind. Warum wollen denn 436 die Regierungen nicht ebenso bereitwillig den höchst billigen Volkswünschen cntgegenkommen und die enormen Ausgaben für Heere, die leider nichts produziren, für Beamte mit zu hohen Besoldungen und Pensionen, für Bauten, die zu nutzloser Prachtentfaltung dienen, warum solche Ausgaben nicht beschränken, damit der Staatsbürger, welcher jede Woche seine sechs Tage mit dem redlichsten Fleiße arbeitet, endlich auch zu einer fröhlichen Stunde gelangen und seinem Schöpfer für sein Dasein dankbar werben kann. Kann es etwas Erhebenderes für einen Fürsten und für Minister geben, als daS Bewußtsein, die Liebe und Hochachtung aller gutgesinnten Bürger, "sie mögen in Palästen oder in Hütten wohnen, verdient und errungen zu haben? Gibt es etwas, Fas die Geister der Hvchstgestellten so vollkommen^ so unendlich befriedigen könnte, als das Bewußtsein, das Glück, die Erhebung aller Stände befördert zu habest und den herrlichen Namen: Väter des Volkes, mit Recht zu tragen? — Auf der letzten Seite der Seeblätter wird der Beweis geführt, daß dem Wunsche nach Vermittelung der Gedanken die schonendste Rücksicht getragen wird. Sie ist ganz weiß. — Die Regierung von Luzern will ihre Jesuiten behalten und nicht gegen redliche Bürger austauschen. Nach Schweizer Blättern hat sie der badischen Regierung den Auslieferungsvertrag vom 30. August 1808 aufgekündet. — Herzog Leopold Friedrich zu Anhalt-Dessau hat die Concefston zur Errichtung einer deutschen B a n k in Dessau crtheilt. Die badische Bank will noch immer nicht reif werden. / — Daö Mannheimer Journal schreibt auS Heidelberg: „Decan Eberlin von WieSloch, welcher jetzt zu einer gewissen Berühmtheit gelangt ist, hegt den Wunsch, als Deputirter in die zweite Kammer erwählt zu werden, um dort, wie er selbst rühmend bemerkt, mit dem Abg. Zittcl eine Lanze zu brechen. Er hat sich zu dem Ende schon an den Weinheimer Bezirk gewendet, aber von da keine sehr günstige Nachiicht erhallen. Nun will er noch einen Versuch im hiesigen Landamte machen, allein eS wird ihm eben so wenig gelingen, als an andern Orten." — — Nach einem Briefe im Frankfurter Journal wird das von Decan Eberlin in WieSloch herauSgegcbene Kirchcnblatt mit dein 1. Juli d. I. zu erscheinen aufhören. — Die Neue Züricher Zeitung berichtet über die Generalversammlung der Gesellschaft der schweizerischen Nordbahn, welche am 16. in Zürich unter dem Vorsitze des Direktors H. Escher-Heß statt fand. Die Gesellschaft erklärte sich für konstituirt; mit den Erpropriationcn und den Bauten wird unverzüglich begonnen. Im erstin Jahre soll die Strecke von Zürich bis Baden (im Aargau), im zweiten Jahre bis Aarau und Koblenz (WaldShut gegenüber) vollendet werden. Wird sich Baden rechts und links überflügeln lassen? — — Die Freiburger Zeitung druckt heute der Karlsruher Zeitung eine» Artikel gegen die Opposition ab, auf welchen zu erwidern wir unterlassen mußten, weil sich unsere Preßfreiheit nicht auf Erwiderungen gegen gewisse Artikel der Karlsruher Zeitung erstreckt. — Sonst finden wir heute in der Freiburger Zeitung (Nr. 77) nichts Besonderes, außer der Empfehlung der Weißzeug-Waschbleiche von Josef Willmann, Sohn, Kar- thäuscrstraße Nr. 696 in Freiburg. Diese Anstalt muß in Freiburg stark beschäftigt scvn. — Der Freiburger Zeitung empfehlen wir zum Abdruck den leitenden Artikel des Rheinischen Beobachters vom 18. März Nr. 77, betitelt: Censar und Preßfreiheit, der mit W bezeichnet ist und ganz vortrefflich für sie paßt. Es wird darin gesagt, daß man im märkischen Sande keine englischen Flotten bauen, also auch die englische Preßfreiheit nicht einführe» kann, die dem Deutschen an- stchen würde, wie dem Kinde ein ManUsrock. In Deutschland sei die Eensur „als solche auch für nicht katholische Schriften" erst im Jahre 1790 anerkannt (!), also nicht alt genug, »in abgeschafft zu werden. Der Artikel will weder Preßfreiheit noch Eensur, sondern irgend ein Mittelding, das er aber nicht, beschreibt. Der Deutsche — meint endlich der Artikel — welcher die Censur nicht will, „scheine" sein Vaterland zu verläugnen. Wenn das kein Artikel kür die Freiburger Zeitung ist, so gibt es keine mehr für sie; und wohlfeil! höchstens Einen Silbcr- groschen. — Die Allgemeine Zeitung leitet aus der Voraussetzung, daß in Baden di- Opposition „ziemlich unvermindert" in die Kammer wiederkehren werde, nachstehende Folgerungen ab: „Manche der beklagten Mißstände werden aufhören müssen; die Regierung wird in den Händen von Männern wie N c b e n i u S und B c k k eine Wahrheit werden; die Opposition selbst aber, durch die jüngste Erfahrung (die Abstellung der beklagten Mißstände?) ruhiger geworden, 437 hoffentlich auch manche Taktlosigkeit, manchen Uebergriff gereizter nutzloser Redseligkeit vermeiden^" Nun, die Ueber- griffe der gereizten Seligkeit der Rede werden sicher vermieden, wenn die greifbaren Mißstände wegfallen. So macht es, nach dem Nürnberger Korrespondenten (Nr. 77 vom 18. März) die österreichische Negierung in Ungarn, indem sie durch Nachgiebigkeit gegen wohlbegründcte Begehren „der Opposition neuerdings ein sehr bedeutendes Terra», auf welchem sie sich mit außerordentlicher Vorliebe zu ergehen pflegte, abschneiden werde." Wenn Oesterreich die Opposition erhört, so braucht ihr auch Baden daö Ohr nicht mehr zu verschließen. — Die hannoverische Kammer will mit den un- gemessenen Bewilligungen einhaltcn, durch welche sie, wie sich ein Redner auSdrücktc: „bereits eine gewisse Berühmtheit erlangt habe". Ein Anderer meinte, wenn die Kammer der Regierung so bedeutende Mittel zur freien Verfügung stelle, so könnten diese Mittel benutzt werden, um auf die nächsten Wahlen cinzuwirken. Die Kammer will daher keine Bewilligung für Eisenbahnen geben, bevor die Größe des Bedarfs und die Art der Verwendung genau nachgcwiesen ist. Die Regierung hat die Kammer wegen dieser „utopischen Selbstüberschätzung" nicht aufgelöst, sondern sie wird ihr eine vertrauliche Mittheilung machen. — Die Ablösung der Jagdrechte, welche in der letzten badischen Kammer vielfach gewünscht wurde, und worüber der Abg. Straub einen gründlichen Bericht erstattete, der aber, wegen der Auflösung nicht mehr zur Berathung gelangte, dieser wichtige Gegenstand wurde auch in der sächsischen Kammer bcrathcn. Dabei hielt ein Landmann, der Abg. Müller, folgende Rede, die wir sächsischen Blättern entnehmen: „Mag man die Petitionen auch Zugvögel oder sonst wie nennen, mag man sie als aus Mißtrauen entsprungen bezeichnen, vielleicht deßhalb, weil sie von Bauern herrührcn, begründet sind sie doch, und namentlich auch die Petitionen auS den 98 Ortschaften, die ich an diesem Landtage eingereicht. Man betrachte nur die Ausübung der Jagd. An Sonn- und Feiertagen ziehen die Jagdlustigen mit ihren Treibern und Hunden unter Tumult und Geschrei hinaus, den Schießprügel auf dem Rücken, Fleisch, Brod und SchnappS im Ranzen; der Boden ist weich, da werden Löcher getreten, und dann kommt der Frost hinein. Und solches Jagen geschieht unter dem Gottesdienste, während andere vernünftige Menschen in die Kirche gehen. DaS sieht und hört auch kein Gendarm. Aber wenn eine Viehmagd Sonntags die Stube kehrt, oder eine arme Frau, die durch die ganze Woche schwer gearbeitet, Sonntags das einzige Hemd ihres die Woche über verlassenen Kindes wäscht, daS sieht der Gendarm, da erfolgt Anzeige und Strafe. Man schießt den Bauern ihre Hausthiere tobt, kein Hund, keine Katze darf sich hinter dem Hofe sehen lassen. Wenn die Bauernjungen hinter dem Dorfe ein Vogelschießen veranstalten, da kommt ein Buschklepper und droht mit dem Hundeloche. Daß ich neulich die Jagd eine Raupe genannt, das hat man meinen Anverwandten vorgehalten, und sie gefragt, die Bauern wollten wohl Freiherrn werden. Aber die Bauern verlangen die Ablösung nickt umsonst, sie wollen dafür bezahlen. Soll denn der Landmann alle Früchte seiner Arbeit, seine FeldM und Fluren verwüstet seben? Was würde denn ein Jurist sagen, wenn er Tagelang an einer schwierigen Deduclion gearbeitet, und nun käme ein Dritter, und zerrisse sie ihm? Oder will man einem Hausbesitzer verwehren, die Natten, Mäuse und Wanzen in seinem Hause zu vertilgen? Alle Jahre wird es schlimmer mit der Jagd. Ich kenne einen Platz von 200 Ackern, wo man in einem Jahre 12 Rehe geschossen, die fressen doch was Ordentliches, und was sie fressen, ist der Schweiß des Landmanns. Hilft denn gar kein Bitten, gar kein Flehen? Hat die StaatSregie- rung kein Mittel? Sind denn die Bauern so unwürdige Menschen? Sind denn von den bewilligten Millionen nicht ein paar Thaler übrig, daß man die EinschätzungS- kommiffäre, vielleicht den vr. Runde hinausschicken kann, einen Ablösungsweg zu ermitteln? Sollte denn in Sachsens im Auslande bewunderter Offizin kein Rezept vorhanden sein? Will die Regierung den Landbau begünstigen, so ist auch Befreiung von den Wildschäden nöthig, sonst ist aller Schweiß umsonst vergossen. Der Landmann ist ohnehin von Witterung, Frost und allen Kalamitäten geplagt, und sollte auch noch die Wildschäden behalten? DaS wäre doch eine himmelschreiende Sünde." — Der Beschluß der Kammer ging im Wesentlichen dahin, daß die Regierung um Vorlage eines Gesetzentwurfs, in welchem die einseitige Ablösung der Jagdbefugniß gestattet sei, dann um gesetzliche Bestimmungen über Ersatz und Abhaltung dcS Wildschadens ersucht werden möge. 438 Briefe. *AuS dem Mittel rheinkreis, 18. März. Dem Vernehmen nach HMn die Wahlcommiffäre den Auftrag erhalten, die Depudrtenwahlen unverwcilt anzuordnen. Der 3. April wird sogar schon als der allgemeine Wabliag bezeichnet. Bestätigt sich dicß, so wird die schleunige Vor» nähme der Wahlen allgemein befriedigen, denn Jedermann fühlt, daß cS Zeit ist, der Spannung der Gemülher ein Ende zu machen; am meisten fühlen es die Wahlmänner in manchen Stadt- und Laudbezirkcn, denen mehr geistlicher und weltlicher Trost gespendet wird, als ihnen lieb ist. Durch einen Erlaß des Großh. Ministeriums des Innern vom 3. d., Nr. 2902, welcher mittelst der KreiSregierungen uiK> Aemtern den Bürgermeistern zugeganngcn istj soll die .gesetzliche Befkkgniß der Regierung staatsgefährliche * Vol^s^rftrmlungen zu verbieten, auf Wahlversammlungen airgcwendet werden, bei denen eine Besorguiß vorliegt, daß durch öffentliche Reden Erbitterung und Zwietracht in den Gemeinden erregt oder Anlaß zu Strcithän- deln gegeben werde. Die baldige Beendigung der Wahlen *■ ist daher auch aus dem Grunde zu wünschen, damit dieser Erlaß nicht hie und da irrig auSgclegt und zu alten Klagen nicht neue geschaffen werden. Nach Allem, was wir schon erlebt haben, dürfte cs uns kaum Wunder nehmen, wenn hie und da ein VollzugSbeamtcr auf den Gedanken käme, eine Versammlung von Bürgern, die sich alS Urwähler über die Wahlmännerwahl oder als Wahlmänner über die Abgeordnetenwahl öffentlich, selbst unter den Augen und Ohren der Polizei besprechen wollen, sei eine stantS- gefährliche Volksversammlung. *Freiburg, 18. März. Von der Höhe deS Schwarz- waldeS kommen »ns Berichte über amtliche Berufung von Wahlmännervcrsammlungen, amtliche Wahlreisen u. d. gl. zu, so wie von vorgeschlagcnen Cantidaten, welche alte Erinnerungen unerfreulicher Art erwecken. Da wir jedoch auck den Erfolg jener früheren Bemühungen im Gedächtnisse haben, so flößen uns die neueren um so weniger Besorgniß ein, da. die Bürger in der Zwischenzeit eine gute Schule durchgemacht haben. zirks bekannt gemacht und Hr. Dekan B. hat ganz recht, wenn er sagt, daß diese wackeren Männer von dem Geist der wahren Freiheit, deS MutheS und des festen Willens, den daS Vaterland von ihnen verlangt, beseelt sind und dem wühlerischen Treiben der Umsturz,nänner entgegentreten werten. Sie haben dieß schon bewiesen, denn eS sind die nämlichen Männer, die sich dem wühlerischen Treiben der Freunde der Süddeutschen entgegensetzten im Amte Jestetten. Sie haben sich selbst nicht durch die Rotten betrunkener Baucrnbursche einschüchtern lassen, welche unlängst sie zu überrumpeln suchten. Wir freuen uns, daß der Berichterstatter der Freiburger Z. zu unserer Ansicht, mithin wohl auch überhaupt zu seiner früheren politischen Ueberzeugung und zu den wessenbergischen Grundsätzen zurückgekehrt ist. Folgerichtig hätte er aber in seinem Berichte nicht nur den Pf. K. in B. und den Altbürgermeister M. in D. der oberrheinischen Z. überlassen sollen, sondern auch die Wahlmänner von Lottstctlen, Weisweil u. s. w. Sie sind allzumal dem wühlerischen Treiben der Umsturzmänncr abhold, sie sind conservakiv, wollen daher auch hinsichtlich des Deputirten — beim Alten bleiben. Zur Nachricht. ES kommen unS viele Berichte zu, deren Einsender vergebens auf Veröffentlichung in unserem Blatte warten. Darunter sind Berichte, die wir nicht abdrucken wollen, weil sie unS nicht zuverlässig genug erscheinen. Manchem mag damit Unrecht geschehen, allein wer billig denkt, wird uns entschuldigen, da Vorsicht niemals nöthiger war als gerade jetzt. Eine wahre Nachricht zurückhalten, schadet weniger, alS den Gegnern unserer guten Sache in ihre Fallen und Schlingen gehen. — Andere Berichte können wir nicht miitheilen. Wahlmänner wähl inKarlöruhe, VIII. District. Wahltag der 20. März. Gewählt wurden: Gemeinderath Schweig; Bäckermeister Antritter; Hof- und Stadtbaumeister K ü e n z l e; Kaufmann B a r t h o l d; Kaufmann Glock; Domainenrath Helbing; Oberst Schuberg. *Jestetten, 17. März. In der Freiburger Z. vom 12. März sind die Namen der Wahlmänncr unseres Be-