9it tanktagtjcituRg »eftehl an« einem Ädon. nemtnt *on 150 Nummern un»kostet »fl. 48kr. »nrch »ie Post »ezogen «st. 48 kr. für Baden. Landtags-Zeitung. Man abonnirt iti dem nächstgelegenenPostamte, tn Karlsruhe bei Malsch und Vogel, von welchen taS Blatt auch im Buch- Händlerwege zu beziehen ist. [Kr. 84u.85.] Verhandlungen der badischen Stände im Jahre 1846. II. Juli.1 Hrrausgegebsn von dem Abgeordneten Karl Mathy. — Redigirt von Karl Stein. — Druck und Verlag von Malsch und Vogel. Dreiundzwanzigste öffentliche Sitzung der II. Kammer. (Fortsetzung). Kapp fährt fort: Es handelt sich um die Politik des deutschen Handels. Die materielle Frage ist zugleich eine geistige. Diejenigen, die stolz über die materiellen- Interessen wcgfehen und sich hierdurch in der Bildung auszeichnen wollen, sind am wenigsten Diejenigen, denen die geistigen Interessen am Herzen liegen und aufgeschlossen sind. Dagegen werden Alle, welche die materiellen Interessen wahrhaft zu fördern suchen, zugleich auch die entschiedensten Freunde der geistigen Interessen sein. Ehre bleibt dem Lande, wo der Wohlstand gehoben wird, denn nie hebt sich der Geist, ehe auch die äußeren Verhältnisse geordnet sind, und Letzteres ist schön darum ein wesentlicher Punkt. — Die mächtige Thätigkeit in der Mechanik fordert Bildung in den Naturwissenschaften. Diese aber sind die unfehlbare und unwiderstehliche Macht, die endlich auf Vernichtung der Vorurtheile, und auf freiere Stellung im Leben hinwirkt und durch ihre Beziehung zum Handel der nächste Retter zu werden berufen scheint. Was die Stellung des deutschen Zollvereins zu auswärtigen Staaten betrifft, so kann ich nicht läugnen, daß das tragische Bild, welches ich über die Roth von Deutschland gegeben habe, hier wieder aufstcigt, denn wir stoßen hier auf wahre Verhöhnungen, die Deutschland von dem Ausland erdulden muß, namentlich ist das Verhältniß zu dem kleinen Dänemark ein wahrer Spott auf uns. Denken Eie an Deutschlands frühere Geschichte und forschen Sie nach, waS uns so klein gemacht hat. Die Deutschen waren die ersten Herren des Meeres, nach diesen kamen die romanischen Stämme, hierauf hat sich der holländische Handel hoch erhoben und endlich ist England Meister des Welthandels geworden. ES war der germanische Geist, her hier wieder siegreich hervortrat. Heinrich II. von England schrieb noch an den Kaiser Rothbart: Alles, was in seiner Macht sei, stehe „dem Wmke" des deutschen Kaisers bereit. Die Hansestädte führten Krieg mit Könige»; sie schlugen den König von Schweden, demüthiqten den König von Dänemark, knüpften die schönsten Handelsverbindungen mit England an, und die deutschen Bürger der Han se waren selbst in London mehr berechtigt als englische Kaufleute. Auch in anderer Beziehung stand Deutschland groß nach Außen und wenn eS auch von der Beschränktheit als Abschweifung gedeutet werden sollte, waS mir gleichgültig ist, so erinnere ich noch daran, daß als dem Kaiser Heinrich III. eine Prinzessin aus Rußland, eine Tochter Zaroslaw's, anzetragen wurde, er diese Verbindung als seiner nicht würdig betrachtet hat. So stand eö mit Deutschland im Osten, Westen, Norden und Süden; wie stehen wir jetzt und waS hat Deutschland so klein gemacht? W ar eS die Nation, das Volk, wodurch es herunter kam? Ich glaube diese Frage klar, deutlich und sprechend und ohne Umschweif beantworten zu können. Ein deutscher Dichter hat den jetzigen Deutschen den Vorwurf der Feigheit gemacht. Er mag theilweise nicht unwahr, theilweise aber doch ungegründet sein. Wenn die Deutschen die alte Tapferkeit noch besitzen, so ist dieß ein Beweis, daß unsere Kraft nicht durch die Sünden de» Volks, sondern nur durch die Schuld Derjenigen gebrochen wurde, die eS lähmten » statt eS zu lenken und die den Einfluß des Auslandes herein wirken ließen, der keine andere Absicht hatte, als Deu tschland innerlich zu zersetzen, damit es die Beute werde sowohl auswärtiger Verfinsterung als auswärtiger Tribute. ES ergeht daher ein ernster Ruf an die deutschen Fürsten, und wer eS mit ihnen gut meint, wild diesen Ruf wiederholen, sich auf einen nationalen Standpunkt zu stellen und im nationalen Geist jede Frage, so auch die Zollfragen zu lösen, die allerdings keineswegs zu den kleinsten gehören. Die herrschende Nachgiebigkeit gegen die englischen Interessen, die Freude an Rücksichten aller Art, waS ist sie gegen die wahren Bedürfnisse des Volkes und der Nation? Wenn übrigens die Männer, die an der Spitze der Handelsfragen in den europäischen Kabineten stehen, keine Bureaukraten, vielmehr von solcher Intelligenz sind, wie'vorher von der Regierungsbank ver» 334 schert wurde, so werden sie eine Gelegenheit nicht versäumen, die sich gegenwärtig zur Hebung des Zollvereins deutlich darbietet, wenn man die Wclt- verhältnisse kennt, und den Zollverein nicht als ein Institut betrachtet, daS innerhalb vier Wänden besteht und von vier Wänden aus beherrscht wird. Ich will diese Verhältnisse hiernächst gegenüber von England berühren. Nur Einen Wink der Zeit will ich angeben. Holland eristirt finanziell nur durch seine Colonien und eine Haupt- colonie desselben ist Java. Das Hinterland Hollands in Europa — und eines solchen bedarf es zum Absatz — ist Deutschland, wie daS Hinterland Portugals Spanien ist. Frankreich und England gehen besonders darauf aus, Spanien und Portugal aus einander zu halten, zumal da die portiugicsischen Kolonien Zwischcnstationen der spanischen, also beide Länder gedrungen sind, einen entschiedenen Handelsverein zu bilde». Eine ähnliche nachtheilige Stellung hat sich auch zwischen Holland und Deutschland entwickelt. Mit Holland hätte aber Deutschland leicht fertig werden können, hätte es nur entschieden verfahren und gewisse, selbst dynastische Rücksichten nicht in den Vorgrund stellen wollen, denn Holland muß Deutschland ' haben. ES bedarf unserer wegen der Ausfuhr seiner Co- lonial-Erzeugnisse. Es bedarf zugleich von unS verschiedene Stoffe, deren Ausführung in unseren Händen ist, insbesondere Holz für seinen Schiffbau. Denn die eigentlichsten Häuser Hollands sind seine Schiffe. ES lebt nur von seinen Kolonien, nur durch diese hat es finanzielle Kraft und politische Bedeutung. Java hat es von Eng-» N land in einem Zustand übernommen, wo es sehr schwer war, dasselbe zu erhalten und in Ordnung zu bringen. Holland sorgte aber für Java mit bewundernswürdiger Ausdauer und Klugheit, doch so sehr, daß ihm Java seit Jahren mehr Kolonialprodukte liefert alS Holland mit seinen Fabrikaten decken kann. Diese Kolonie kam finanziell zurück, sie hatte schlechte Münze, die Bank daselbst war nahe an Bankrutt und erst noch im vorigen oder vorvorigen Jahre begehrte sie von dem holländischen Gouverneur in Ostindien ein Verbot für sich selbst, die auf sie gestellten Wechsel zu bezahlen. Dieser wendete sich an die Regierung dcS Mutterlandes, die sich sofort auch entschloß, in Holland die Java-Wechsel vollgültig zu honoriren; so zwar, daß Holland in den ersten Monaten eine Million für Java opferte. Solche Opfer kann Holland nicht fortsetzen. Gleichwohl muß aber die Bank in Java geschützt, die Kolonie erhalten werden, wozu eS nur ein Mittel giebt, Freigebung des dortigen Handels mit dem indischen Archipel. Den Engländern kann Hollanv in Java keine Vorzüge einräumen und kann auch Frankreich nicht willfahren , obgleich gegenwärtig deßfallsige Verhandlungen der Sache näher zu rücken drohen, als je. Würde dagegen dem deutschen Zollverein ein Vertrag mit Holland gelingen, wodurch den Schiffen dcS Zollvereins möglichst freie Einfuhr und möglichst große Rechte in Java gesichert würden, so dürfte es — ich rede hier nicht von der sogenannten Seemacht der Amazone! — am leichtesten dahin kommen, daß auch die Hansestädte sich dem Zollverein anschließen und dann würde Hannover sehen, welche Folgen es hat, daß da statt der Maßregeln eines deutschen Königs in den Zollverhältnissen solche zu Tag kamen, die — ich sage es offen — daran erinnern, daß wir in Deutschland einen Souverän haben, der noch Unter- than einer ausländischen Macht ist. Es würden Hannover und die Hansestädte sich dem Zollverein näher», wenn er Gelegenheit hätte, seinen Schiffen, die er allerdings noch erst zu bauen hat, ein offenes Meer wenigsten- in Ostindien zu bereiten, wenn auch der Haupthandcl der Hansestädte bis jetzt nicht dorthin seinen Hauptzug hat. Von dieser Handelsmarine — obgleich sie sehr erheblich ist — hätte Holland jedenfalls weniger zu besorgen» als von Begünstigungen Englands oder Frankreichs. ' Staatsrath R.egenaucr. Der Herr Abgeordnete hat Manches gesprochen, wovon Einzelnes einer Widerlegung Anderes einer Zurückweisung bedürfte. Ich konnte aber seiner Rede nicht ganz folgen, weil er etwas zu schnell vorträgt. Cr hat unter Anderem auch Vieles getadelt und die Bemerkung voran geschickt, eS sei leichter loben alS tadeln. Ich habe aber doch während srizzeS VortragS an die alt« Auflage des Sprüchleins gedacht: Tadeln ist leichter als loben. Kapp. Es kommt darauf an, wohin der Tadel geht. Seltzam. Zum Voraus erkläre ich, daß ich in der Hauptsache den Anträgen der Commission, aber nicht durchaus den Prämissen und Ausführungen beitrete. Nach den bereits vorausgegangenen so umfassenden und kernhafte« Vorträgen, will ich nur einige Bemerkungen anknüpfen. Mit Stolz darf gewiß auch jeder Badener, wie ohnlängst der Fürst Wallerstein in der baierischen Kammer der ReichSräthe in Bezug auf Baiern sagte, auf daS Verfahren seiner Regierung in den Zollvereinsfragen Hinblicken. Führten die bisherigen Zollconferenzen noch nicht zum gewünschten Ziel, der Same ist und bleibt geworfen, und muß auf dem Boden deS Friedens und der Verständigung endlich doch und hoffentlich nur um so kräftiger und nachhaltiger zur Reife kommen. Ueber die Zollschutzsrage habe« sich die bisher noch da und dort bestandenen Bedenke« 335 inzwischen unverkennbar merklich gelichtet. Der Fortschritt auch in dem zunächst zur Genehmigung beantragten Tarif liegt außer Zweifel. Der dermalige Zusammentritt in Berlin wird, und, täuschen die Augurien nicht, muß die nähere Erfüllung herbciführen. Die erst im jüngsten Landtagsabschied von Baierns König auf die deßfallstgen einstimmigen Wünsche beider Kammern wiederholten Trostworte werden nicht wirkungslos verhallen; sie werden nicht minder bei unserem allgeliebten Regenten wie bei den übrigen hohen Vereinsgliedern sorgsame Unterstützung stnden. Die neuesten Tarifvorschläge von Sir Robert Peel für England dürfen uns nicht beirren. Wenn unsere In- dustrie — besonders in den bekannten Hauptartikeln — so erstarkt ist, wie in England, wenn unsere Verhältnisse überhaupt wenigstens eine analoge Gestaltung mit jenen gewonnen haben, wie solche Peel am Schluß seiner Rede in der Parlamentssißüng vom 16. Febr. d. I. vorführt, dann mögen auch wir uns allmählig von den Schutzzöllen wieder abwenden und zur Handelsfreiheit hinneigen. Jene Schlußrede lautet nämlich dahin: „Welche Politik ist die angemessenste für diesen großen Handelsstaat? Erwägen Eie die Vortheile, welche Gott und die Natur Ihnen gegeben haben. Betrachten Sie Ihre geographische Lage. An der Gränze des westlichen Europa'ö bilden Sie daö Verbindungsglied zwischen dem Norden Europa's und dem großen amerikanischen Festlande. Die Verbesserungen der Schifffahrt haben Ihnen Petersburg auf der einen, New- Aork auf der andern Seite bis auf zehn Tage nahe gerückt. Betrachten Sie Ihre physischen Vorzüge. Erwägen Sie, daß Nerv und Sehnen Ihrer Manufakturen, daS'Eisen und die Steinkohlen, Ihr Land im Ueberfluß hat. Sie haben das Zehnfache an Kapital irgend eines andern Landes in Europa. Betrachten Sie Ihre Geschicklichkeit, die Ihnen angeborene Energie deS Charakters und die Vortheile einer freien Verfassung. Sie haben eine ungefcsselte Presse und eine Verfassung, welche vollkommene Freiheit mit-der Abwesenheit der Zügellosigkeit vereint. Wenn Sie dieS Lilles bedenken, können Sie noch die Concurrcnz des Auslandes ablehnen?" — Für jetzt wäre uns aber eine gleichnamige Handelsfreiheit, in Vergleichung mit den wechselseiligen Zuständen, ohne Zweifel industriell vernichtend. Ausdrücklich theile ich auch noch dtn weitern Hauptwunsch der Erweiterung des Zollvereins durch den Anschluß anderer brutschen Staaten, dann der Entwicklung und Fortbildung seiner Beziehungen zu anderen, namentlich überseeischen (Iransailanttschen) Staaten, bin aber auch des fortgesetzten gleichmäßigen Mitwirkens unserer Regierung in dieser Richtung im Voraus gewiß. An einen effektiven Zwiespalt zwischen dem Norden und Süden des Zollvereins, oder gar an die Möglichkeit eines Bruches des Südens, um sich an die größere südöstliche deutsche Macht anzuschließen, habe ich nie geglaubt. Ein solcher Bruch wäre auch in der That, wie sich in der Kammer der baierischen Reichsräthe erst kürzlich eine dahier noch wohl befreundete Stimme auödrückte, eine von unabsehbaren Nachtheilen für die industrielle, kommerzielle und politische Wohlfahrt Deutschlands begleitete Calamität. Möge uns eher der Tag erscheinen, wo der Beitritt jener Macht zu' unserem Zollverein, oder mindestens vorerst ein umfassender Handelsvertrag mit derselben unserm Verein einen neuen Höhepunkt verleiht. Der gute Geist Franzens, des ersten österreichischen und deS letzten deutschen Kaisers, jetzt gerade, in seiner Hauptstadt durch ein erhabenes Monument verherrlicht, wird gewiß auch von Oben herab diesen Tag segnen. Rettig. Die Kammer wird mir wohl danken, wenn ich mich darauf beschränke, die Rubriken der einzelnen Abtheilungen meines Vortrags statt der Ausführung selbst zu geben, denn die Zeil ist schon ziemlich weit vorgerückt. Erster Satz: vollkommen damit einverstanden, daß den zur Zeit noch sehr billigen Wünschen und Ansprüchen unserer Industriellen so viel als immer möglich Abhülfe verschafft werde, wobei ick insbesondere hervorhcbe, daß bei mir die Linnenindustrie obenan steht. Ich glaube zwar, daß für alle Fälle die vorgeschlagenen Schutzzölle nicht helfen werden, besonders nicht für den Fall, daß die kolossale englische Industrie durch Störungen ihrer gegenwärtigen Absatzwege in die Lage kommen würde, um jeden Preis ihre Maaren fortznschaffe», weil dies für. die eigene innere Sicherheit eine unabweisliche Nothwendigkeit wäre. Zweiter Satz: vollkommen damit einverstanden, daß wo möglich der Rest der deutschen Binnenzölle, unsere Wasserzölle, verschwinden. Ich gebe ihnen noch andere Plackerei in der Schifffahrt, besonders unsere Abfadrtsgeldcr, mit in den Kauf. Dritter Wunsch: auch die AuSglcichungsabgaben möglichst zu beseitigen, wäre ein glückliches und rühmliches Ereigniß für die deutschen Regierungen. Mein Hauptwunsch geht aus die Erweiterung deS Vereinsgebiets, und ich seheeS insbesondere für ein unbedingtes Erfordcrniß deS Gedeihens deS Zollvereins an, daß Hannover und die davon abhängigen kleinern nordischen Staaten dem Zollverein beitreten, ja ich glaube sogar, daß diesem wichtigen Gegenstände Wünsche hinsichtlich deS Tarifs zum Opfer gebracht werden könnten, denn so lange wir nicht mit unserm ^oll- verein an der Nord- und Ostsee sind, ist und bleibt er ein Binnenverein. Nicht ganz einverstanden bin ich mit 336 her Idee einer deutschen Handelskammer. Einverstanden allerdings, soweit sie blos berathend austritt, aber eine entscheidende und erkennende deutsche.Handelskammer halte ich wenigstens noch zur Zeit für ein Unding. Ich wüßte wahrlich nicht, wie sich die so ganz verschiedenartigen Interessen entscheiden und vereinigen ließen, wenn eine große Zahl von Stimmführenden zusammen käme. Es ist oft ein großes Glück, wenn gerade Diejenigen, welche die Sache am besten und im Detail beurthcilen können, nicht zugleich auch die Entscheidenden sind. Die Thatfragen mögen die Sachverständigen beurtheilen, aber der Ausspruch muß Anderen, die eine freiere, von den speciellcn Verhältnissen nicht ergriffene Stellung haben, überlassen bleiben. Für eine VereinSpost bin ich durchaus nicht. Ich bin schon so alt, daß ich mich noch der sel. Reichspost, der sogenannten Schneckenpost erinnere, und ich gestehe aufrichtig, daß das Bild, das mir von jener deutschen allgemeinen Postanstalt vorschwebt, nicht zur Empfehlung einer allgemeinen deut- scheu Zollvereinspost dient. Die Post ist ein industrielles Gewerbe, das nicht centralisirt betrieben werden soll. Eine deutsche Ravigationsakte wäre allerdings eine köstliche Sache; allein damit wollen wir doch warten, bis wir entweder moralisch und merkantilisch oder auch politisch die Niederlande und Belgien erobert haben, denn talsdann sind wir stark genug zu sagen: Jetzt diktiren wir auf dem Meere, und wer nicht folgen will, den sollen unsere Kanonen gehorchen lehren. So lange wir aber noch der schwächere.Theil sind und nicht Schiffe auf daS Meer schicken können, wollen wir die Navigationsakte in Gedanken behalten. Ein großer Jrrthum ist eS von mehreren meiner Collegen, daß sie glauben, unser Landbau sei so weit, daß er keine weiteren Hände mehr beschäftigen könne. Dazu fehlt noch viel. Ich will den Herrn Berichterstatter in seine eigene Heimath, nach Ettlingen, führen, denn er wohnt dort wenigstens so gut, als mancher Weinhändler hier in der Kammer sitzt. In Ettlingen kann man noch viele^Hände brauchen, bis sein schöner Boden so kultivjrt ist, als er eS sein könnte. Ich könnte mich auf daS ganze Land berufen, wo noch Tausende von Morgen^aufzufinden sind, die na# fleißigen und thätigen Händen seufzen,Zwelche sie bearbeiten. Also nicht darum, siveil wir^die Hände nicht beschäftigen können, sondern darum, weil wir^vom Ausland unabhängig sein wollen, wollen wir den Fabrikanten zu helfen suchen. Ich habe endlich noch von Zöllnern und Sündern gehört, daS Einzige, was ich von der Rede deS Abg. Kapp verstanden habe. Ich möchte aber den Herrn Redner an die Pharisäer und Schlistgelehrten erinnern, die auch in derselben Schrift Vorkommen, und deren gleichfalls nicht mit Leb erwähnt wird. DieseZöllner waren übrigens Ausländer und dem jüdischen Volk gehässig — (Kapp: Aber vielleicht doch bräver als Mancher, der im hohen Rathe sitzt!) waS bei den badischen Zöllnern nicht der Fall ist. * Schmitt v. M. Ich glaube, daß ein entsprechender Zollschutz nicht bloS die Wohlfahrt des deutschen Volks, sondern auch seine Nationalunabhängigkeit sichern wird. Wie bei einzelnen Menschen, so ist es auch bei den Völkern; diejenigen sind immer die unabhängigsten, welche sich ihre Bedürfnisse selbst schaffen. Frankreich hätte während der Revolution trotz seiner Begeisterung der furchtbaren Coali- tion doch wahrscheinlich nicht widerstanden, wäre es nicht in der Lage gewesen, seine Kriegsbedürfnisse sich selbst zu verschaffen. Wenn die englischen Journale so oft die Verdienste Englands um Deutschland im Befreiungskrieg rühmen, so erscheint dies in' der Thal mehr als sonderbar. Hat denn England nicht lediglich sein eigenes Interesse verthei- digt, indem es den Deutschen Unterstützung schickte, und so wenig ich auch die Dienste, welche es. dadurch Deutschland leistete, verkenne, so glaube ich doch, daß wir unS nicht zu besonderem Dank, verbunden fühlen dürfen, denn eS hat nur seine eigenen Interessen gewahrt. Noch weniger können wir aber zu einem solchen Dank verpflichtet sein, nachdem eS bei den Friedensschlüssen hinreichend dafür gesorgt hat, sich für seine Opfer zu entschädigen. Wenn die englischen Minister ferner so viel davon sprechen, welche Rücksicht sie auf Deutjchland bei Ermäßigung ihrer Zölle genommen habe», so erscheint dies nicht weniger sonderbar, denn in solche» Fällen hat England abermals lediglich in seinem eigenen Interesse gehandelt, und eS wird wohl auch Niemand im Ernste einem englischen Minister zumuthen, bei solchen Fragen die Interessen deS Auslandes ins Auge zu fassen. I» dieser Hinsicht sollten sich unsere Staatsmänner gerade die englischen Minister zum Vorbild nehmen, denn erst dann werden sie die Interessen unseres Vaterlandes wahren. Junghanns I. vermißt in dem Bericht die zur Errei. chung deS wünschenSwerthen Ziels so nöthige Mäßigung, namentlich gegenüber der größten Macht deS Zollvereins. Preußen verdanke man die Gründung deS Vereins, die Anerkennung aller Interessen und daS bisherige Bestehen der großen Sache. Diesem Staat müssen wir dankbar sei» und ihn schonen. Der Bericht rühmt drei süddeutsche Regierungen , die bei dem letzten Zollcongreß den Ansprüche» der Uebrigcn entgegentraten. Sie haben gethan, was sie nach ihrer Ansicht für die Interessen ihrer Staaten thun zu müsse» glaubten. Aber ein nochmaliger Conflikt würde zu nichts führen, als zur Auflösung deS Vereins, und alsdann — lebe wohl, deutsche Nationalität, Fortschritt in der Gesetz- » 337 Hebung, Vereinbarung über Maß, Gewicht und Münze! Ich wünsche deßhalb recht sehr, daß sich die Regierungen auf dem bevorstehenden Congreß vereinigen und Mittel finden, um zu einem Ziel zu kommen. Mit dem Bericht bin ich in so weit einverstanden, als er einen mäßigen Schutz für deutsche Industrie und Handel verlangt. G o t t s ch a l k. Wenn man schon oft bei einem Klagelied mitgcstimmt hat, öfter als Einem selbst lieb war, so gereicht es am Ende doch zur angenehmen Empfindung, wenn das, was man schon vor Jahren gesagt und auf der Grundlage der Wahrheit behauptet hat, allmälig immer mehr Anklang findet, und zwar nicht blos in diesem Saale, sondern auch in andern Kammern, wie z. B. in der Kammer der baierischen Reichsräthe, indem auch dort als Wahrheit verkündet wurde, was hier gesagt worden ist — und waS die vernünftige Gesammtheit denkt, wird wohl der Wahrheit am nächsten liegen. Nur Eine Stimme hat sich hier erhoben und geglaubt, Deutschland müsse noch etwa hundert Jahre Michelein heißen, und vielleicht dann erst der Mann werden, der sich zu einer Navigationsakte emporzuschwingen vermöge. ES ist mir unbegreiflich, daß die Leiter deS Zollvereins noch nicht dahin gekommen sind, daS auszuführen, waS das Vermögen und die Kraft des Vaterlandes erhöht, nachdem doch jeder Knabe weiß, wie sehr es Noth thäte, die Millionen, die wir noch an Fremde wegwerfen, ohne sie wieder zurückzuziehen, hier zu behalten und unsere fleißigen Arbeiter damit zu ernähren. Ich habe mich schon oft gefragt, was wohl die Ursache davon sein möchte, und schon manchmal kam mir der Gedanke , eS möchten unS vielleicht geheime Verträge an John Bull alS Vasallen binden. Aber nein! In der neuesten Zeit, wo der Gedanke, der die große Mehrheit umfaßt, näher zu den Regierungen gedrungen ist, und bei dem schönen Bunde, den Süddeutschland bei unserer letzten Generalkonferenz geschloffen, schwindet diese Idee von mir. Ich denke an die entschiedenen Lenker der großen Sache, und kann mich nicht von der Ueberzeugung trennen, daß sie fest Zusammenhalten und auf der Wahrheit beharren werden. Wir bedürfen in Deutschland großartiger Maschinenfabriken und ihre Erhaltung hängt von der Entscheidung der heutigen Frage mit ab. Dürfen wir nicht stolz sein, daß in der Nähe der Residenz Locomotive für das Ausland gemacht werden? Wäre aber diese Beschäftigung nicht gekommen, so wäre vielleicht jenes Etablissement gefallen. Wenn es sich also auch um Erhaltung der Maschinenfabrikation handelt, so kann ich kaum begreifen, warum der badische Commiffär sich dem Anträge, daö zu Zetteln angelegte Garn wieder alS einfaches Garn einzuschmuggeln, nicht kräftiger widersetzte, nachdem man sich doch überzeugt hatte, daß eS eine englische List war, dieses Dreiviertelstuch als Garn einzuschwärzen. Sollte es ein Almosen sein für die Tausende von preußischen Webern, welche sich gegen die englische Maschinenindustrie nicht mehr halten können, so würde man doch besser thun, der deutschen unter die Arme zu greifen, damit sie den Webern Verdienst gebe. Will man von den Interessen des Einzel- staates reden, so könnten wir Süddeutsche uns auch auf die vielen preußischen — doch ich sage vereinsländischen — Cisenartikel berufen, die unsere Zeugschmiede und Schlosser ruiniren, welche der Concurrenz gleichfalls haben weichen müssen. Wir könnten sagen, daS Gleiche fordern wir auch um so mehr, als wir gesehen haben, daß schon im letzten Jahre 32,000 Centner geschlichtete Zettel cingesührt wurden, während man noch vor zwei Jahren behauptete, dieser Artikel sei in den nördlichen Provinzen des Vereins kaum bekannt und nicht der Mühe werth, davon zu sprechen. Jetzt aber findet man eS der Mühe werth zurückzugehen, und wohin wird das führen? Zum Gegentheil von demjenigen, waS wir wollen, nicht zum Schutz der Arbeiter. Ich kann auch mit dem Tarife nicht zufrieden sein, weil er dem Grundsätze eines mäßigen aber gleichförmigen und gerechten Schutzes der Arbeit nicht entspricht. Während z. B. grobes Baumwollenzeug, das gegenüber den geschlichteten Zetteln nur wenig veredelt ist, mit 50 Thalern geschützt wird, haben andere, viel werthvollere Stoffe, nur einen Schutz von 30 Thalern. Ich erwähne ferner, daß wenn Baumwollengarn Nummer 20 mit 4 Thaler geschützt wird, nach dem Verhältniß der Arbeit Nr. 60 mit 20 Thalern, Nr. 100 mit 40 Thalern geschätzt werden müßte. Jene vier Thaler sind also kein Schutz für feinere Arbeit, — man hält vielleicht die Deutschen nicht für fähig, solche zu liefern — und darum taugt das ganze System nichts. Wenn aber nur für die drei A'tikel, deren Schutz von den süddeutschen Regierungen empfohlen wurde, 20 Millionen jährlich an fremde Arbeiter bezahlt werden, so wird man mit mir einverstanden sein, daß eS viel besser wäre, dieß schöne Geld unfern Arbeitern zukommen zu lassen, als eS i» fremde Länder zu schicken und unsere Leute wegen Nahrungslosigkeit auS dem Lande zu treiben. Der Schutz unserer Arbeiter wäre mehr werth, als die Freundschaft Englands, dessen großer Staatsmann sein Interesse so gut zu fordern versteht und den Deutschen von Handelsfreiheit spricht und wie schön eS sei, Korn nach England zu führen, das eS unS abnimmt, — wenn es dessen bedarf. Ich achte 338 übrigens jenen großen Staatsmann, denn er versteht es, seine frühere Ueberzeugung zum Opfer zu bringen, wenn eS gilt, dem Vaterland zu dienen und die Nation zu retten. Ich wünschte nur, Deutschland hätte auch solche Staatsmänner, die ihre Consequenz und ihre früheren Grundsätze auf das Spiel setzen, wo eS sich darum handelt, für die Wohlfahrt deS heimathlichen Landes zu sorgen. Die neue Handelsfreiheit Englands lasse ich mir gefallen, denn ich könnte eine Masse von Artikeln benennen, die mit 10 und 15 Procent geschützt sind, was neben der schönen Handelsfreiheit e,in besserer Schutz ist, als wir ihn verlangen, während wir noch dem Vorwurf dabei ausgesetzt sind, übertriebene Forderungen zu machen. Es war mir angenehm zu erfahren, daß in Baiern der RcichSrath Finanzminister selbst die richtige Ansicht ausgesprochen hat, daß man den Schutz dann ermäßigen könne, wenn zuerst mit hohen Zöllen die Industrie groß gezogen sei. So verfährt England. Nach hundertjährigem Schutze ist ein Rückgang leicht möglich, und ich bin überzeugt, daß wir denselben nicht in 50 Jahren in dem Maße brauchen, wie er dort besteht, um zu zeigen, daß auch der Deutsche fähig ist, etwas Tüchtiges zu leisten. Ich billige deshalb auch selbst das System von Oesterreich, daö allmäh lig den Schutz ermäßigt und damit der allge »einen Vereinigung näber rückt. Was soll nun aber das Ende vom Liede sein, nachdem Alles von der Ueberzeugung durchdrungen ist, daß unser System für unsere Verhältnisse nicht paßt? In Sachsen erschien vor wenigen Jahren eine Denkschrift, worin der Zustand der Spinnereien in der Weise dargestellt wird, daß die Nvth- wendigkeit des Schutzes rinleuchtet. In Preußen giebt man zu, daß der Schutz unerläßlich sei, und wem ist also die Schuld beizumessen, daß eS dennoch nicht vorwärts geht? Man hat in der Kammer der baier'schen ReichSräthc und hier von der Regierungsbank die norddeutsche Provinz außerordenilich in Schutz genommen. Wenn ich aber nach den Verdiensten jener Staatsmänner frage, so fallen mir immer dir geschlichteten Zettel ein. Scheu wir wohl darin ein Verdienst und die Erfüllung der Hoffnung, daß der Tarif eine entsprechende Aenderung erleiden werde, wie hier wieder ein Artikel eingeschmuggelt, der Familicnindustrie so viel entzogen und die Maschinenindustrie vernichtet wild? Ich babe mich nach andern Gründen umgesehen und schon oft vernommen, daß von Norden her der Einwurf gemacht wirb: Nur keine reiche Fabrikanten, denn Reichthum ist Macht! Ist cs aber ein Glück, Getreide, Wolle, Rindvieh und Schafe auözufübren? ES haben hierauf am schönsten die Abg. Römer in der würtembergischen Kammer, Frhr. v. bchäzlcr und Fürst Wallerstein in der baierischen Kammer geantwortet. Finden wir etwa Wohlstand in den Ostsecprovinzen, wohin man neuerlich zur Unterstützung der hungernden Bewohner Millionen schicken mußte, während cs in Rheinpreußcn wo Industrie mit Ackerbau gemischt sind, gar nicht so traurig aussieht, obgleich doppelt so viel Menschen auf der Quadratmeile wohnen. Auch kostet an der Ostsee daS Getreide 10—12 pCt. weniger als in der Rheinprovinz. Geht daraus nicht klar hervor, waS die Industrie vermag und würden sich dfe Leute nicht darüber freuen, wenn sie so viel mehr aus ihren Produkten lösen und ihre Güter so viel mehr Werth erhalten würden? Ich bin gewiß, daß die Morgensonne der Wahrheit doch bald auf den rechten Punkt" fallen wird. Bedauern muß ich freilich, daß Männer von großen Einsichten und praktischen Kenntnissen, wie z. B. der frühere würtembergjsche Bevollmächtigte, der die Achtung von ganz Deutschland genießt und dem selbst seine Feinde einen tiefen und richtigen Blick in der Sache zugestehen, bei dem neuen Kongreß, auf den Aller Augen gerichtet sind, nicht wieder erscheint. Indessen beruhige ich mich damit, daß der Regent von Würtemberg selbst ebenfalls einen durchdringenden Blick und ausgebreitete Kenntnisse in dieser Sache bat, und wir uns so der Hoffnung überlassen können, daß ein Verein mit Baiern, Baden und den Ländern, die sich noch weiter an- schlicßen wollen, etwas Erspriesliches werde erhielt werden, und zwar um so mehr, weit nothwendig etwas ge-' schchen muß. DaS Bürgerthum hat begriffen, daß ein verständiges Zusammenwirken aller Kräfte, daß eine richtige Mischung von Kunst, Ackerbau und Industrie die Wohlfahrt der Staaten am meisten fördern. Aber auch darüber bin ich nicht im Zweifel, daß der Adel und die großen Guisbesttzer mü unS einverstanden sind, denn diese sind zu klug, als daß sie ihren eigenen Vortheil, der noch dazu hier so nahe liegt, nicht erkennen sollten. ES gibt aber noch eine andere Klasse von Adel, die ihre Güter nächst der Staatskasse liegen hat, und dem Bürgerthum weniger l>old ist, weil eine freie Entwicklung desselben, und ein gewisser Grad von Selbstständigkeit der Bürger jene Güter etwas unbequem machen könnte. Diese Klasse verschwindet aber kn der großen Mehrheit Derjenigen, die anders denken. Gibt cö nun aber nicht auch noch Andere, welche läugnen, daß daS System, dqs wir begehren, gut sei; ich antworte: ja, eS gibt solche und darunter ein Theil deS DeamtenthuniS. Ich gebe zu, daß die Mehrheit desselben eben so nobel denkt, wie der Abg. Christ sich ausgesprochen hat. ES gibt aber auch Andere, die außerhalb des Bureau denken, sie seien jetzt der unfehlbare Pendel in dem Uhrwerk der großen StaatSmaschine, sie regulirten Alles und von ihnen auS werde alles dirigirt. 339 Eie bedenken dabei nich^ daß es von den Mitteln deS Staats abhängt, die Maschine nachhaltig im Gang zu halten; und ohne jene auch diese in Stockung geralhen kann, wodurch dann der Pendel selbst überflüsstg wird. Außer diesen gibt eö aber auch noch andere Gegner. ES sind dieß die offenen und geheimen Berather, die eben der Ueber- zeugung huldigen, daß ein armes Volk viel bequemer der Finsterniß entgegen geführt werden kann, und sich leichter als Werkzeug einer Macht gebrauchen läßt, die kein Mittel scheut, um stets kräftiger zu werden, und am Ende über die Völker wie über die Könige zu herrschen. Eine weitere Klaffe von Gegnern bilden die Menschen, welche stolz auf Mittel und Vermögen sind, die sie vielleicht ohne ihr Zuthun von ihren Voreltern erbten und zu bequem sind darüber nachzudenken, waS der Fabrikant thun muß und welche Sorgen es ihm macht, sein Geschäft zu verbessern. Warum sind sie aber zu bequem? Aus Mißgunst und weil sie oft fürchten, der geplagte Fabrikant könnte einige sauer erworbene Batzen mehr besitzen, als sie, die im Besitz von Vermögen sind, ohne vielleicht eine Hand gerührt zu haben. Endlich gibt es aber auch noch Gegner, die nicht die Finfter- niß heraufbeschwören wollen, sondern nach Licht und Freiheit für die Völker streben, solche im Sturmschritt erobern wollen; sie wünschen, daß die Zahl der Unzufriedenen immer größer werden möge und hoffen, daß in Folge einer unvollständigen oder mangelhaften Gesetzgebung daö Heer der Fabrikanten und Arbeiter sich auch mit ihnen associren werde. Die Zeit mag zeigen, ob der Hauptstamm oder die Zweige ihren Wünschen näher rücken. Die Lenker der Staaten mögen beschließen und die Folgen verantworten. Eine weitere Klaffe von Gegnern sind endlich noch die Händler mit englischen Paaren, die in ihrem Interesse agiren, Scribler, die in öffentlichen Blättern, z B. der Frankfurter Oberpostamtszeitunq, einen um diese Sache höchst verdienten baier'schen Abgeordneten, v. Schäzler, herabzuwürdigen suchen. Er wird darüber weggegangen sein, denn eö gibt Tadel, der zum Lob gereicht. Wenn der Verfasser jenes Artikels gute Gründe gehabt hätte, so würde er nicht in Persönlichkeiten eingegangen sein, wie es geschehen ist. — Die Acten sind übrigens geschloffen, die Sache ist spruchreif. Von meinem persönlichen Standpunkt würde ich kein Wort über die Sache gesprochen haben, wenn ich nicht als Deutscher eine heilige Pflicht erfüllen zu müssen geglaubt hätte. Es geht mir wie jenem Römer, der in der Besorgniß für sein Vaterland jede Rede damit schloß: „Carthago muß zerstört worden." Ich sage: Das System unseres Tarifs muß verbessert werden. Eigentlich liegt noch gar kein System darin, sondern es muß erst ein richtiges gebaut werden. Ich will keine Zerstörung durch Gewalt der Waffen, denn meine Idee ist die, daß in dem Zustande einer moralische» Civiltsation, die mein höchster Gedanke ist, die Mittel der rohen Gewalt in die Rumpelkammer zu werfen sind. Der Widerstand gegen ein angemessenes Schutzsyem wird aber gebrochen werden durch die Macht der Wahrheit, die am Ende Alles bezwingt. M ez. Es wird den Rednern, welche nach mir kommen, gehen wie mir, sie werden finden, daß es schwer ist, über den Gegenstand ReueS zu sagen, nachdem darüber schon so viele treffliche Reden gehalten worden sind. Indessen habe ich einen Grund gehabt, mich spät zum Worte zu melden, ich wollte hören, ob und welche Einwendungen gegen die Commiffionsanträge im. Allgemeinen gemacht werden und alSdann versuchen, dieselben zu widerlegen. Dies Geschäft der Widerlegung wird mir nun aber sehr leicht, indem eigentlich gar keine Gegner aufgetreten sind. Besonders erfreulich ist mir gewesen, daßj selbst der verehrte Abg. Junghanns seine Beistimmung erklärt hat, ohne die Wiederholung derjenige» mißliebigen Bemerkungen nöthig zu finden, womit er seine Zustimmung auf früheren Landtagen begleitete. Die Nebereinstimmung aller verehelichen Sprecher, die wir bisher gehört haben, ist mir ein klarer Beweis von der Wahrheit und Güte unserer Sache. Wenn der Herr Abg. Rellig geäußert hat, die von einem Redner mit.Recht als wünschenswerth angeführte deutsche allgemeine Industrie- und Handelskammer könnte doch jedenfalls nur bcrathende aber keinenfalls entscheidende Stimme haben, so ist Ließ vas alte Lied, was in Deutschland schon lange gesungen wurde, etwa., wenn'S gut geht, unsern Rath einzuholen, hernach aber doch zu machen was man will. Dieß ist besonders gefehlt in Handels- und Industrie-Verhältnissen, und wenn man eine Parallele ziehen wollte mit England, wo dtc ComiteS auch keine entscheidende Stimme haben, so vergesse man nicht, daß in England die Minister entweder selbst eigentliche GewerbSmänner sind, oder doch die genauesten Kenntnisse von den gewerblichen Verhältnissen haben und denselben mit großer Liebe und großem Interesse zugethan sind. Hievon haben wir bis jetzt in Deutschland in allen Stücken beinahe gerade das Gegenteil. Der Herr Abg. Rettig hat ferner gesagt, eS befinde sich in Deutschland und in Baden und hier zunächst in Ettlingen noch unbebautes Ackerland in Menge, man könne also nickt sagen, der Ackerbau sei außer Stand, mehr Hände, die sich zur Arbeit darbieten zu beschäftigen. Meine Herren, ich wiederhole, was ich früher gesagt habe, Ackerbau und Industrie stehen mit einander in dem innigsten Verhältniß, in der engsten Gegenwirkung. Keine blühende Industrie ohne blühenden Ackerbau, aber auch kein blühender Ackerbau ohne blühende Industrie. Gehen Sie in die Länder deS großen Gewerb- fleißeS, nach der Schweiz, nach Belgien, nach England und Sie werden dort finden, daß immer mehr jede Scholle erträgsfähiger Boden nutzbar gemacht wird.. So wird es auch der unS fein; größeres Emporkommen der Gewerbe wird größeres Emporkommen deS Ackerbaues zur unausbleiblichen Folge haben. Von dem Herrn RegierungScommissär Regenauer haben wir vernommen, wir sollen unS bei der vorliegenden Frage in die Entwicklungen der Staatseinrichtungen nicht mischen. Meine Herren, wenn irgend etwas in die innersten Einrichtungen deS Staates eingreift, so ist es unser heutiger Gegenstand. Er steigt mit seinem Einflüsse herab bis in die niedrigste Hütte und erhebt sich bis zu den Interessen deS Thrones. ES ist gar nicht möglich, daß wir ihn reiflich berathen, ohne daß wir dessen Einwirkungen betrachten, nicht nur auf die Verhältnisse unseres eigenen StaatS- lebenS, sondern auch jener fremden Staaten, von welchen 340 wir zu zweckdienlichen Verhältnissen sprechen- müssen. Deß« wegen hat Ihre Commisston, deren Mitglied ich bin, auch einige politische Betrachtungen in ihren Bericht mit ein« fließen lassen. Bei der Berathung über Einführung einer Kapilalsteuer sind in unserer Kammer vielfache schwere Klagen über unter dem Mittelstände, also unter dem Kern unseres Volkes, stattfindenden Rückgang deS Wohlstandes und einreißende Verarmung laut geworden, und da der Widerspruch, welchen man diesen traurigen Behauptungen entgegensetzte, nur seht schwach war, so läßt sich an deren Richtigkeit wohl nicht zweifeln. Hier entsteht die natürliche Frage: sind denn die Hausväter unter jener ehrenwerthen Volkskiaffe so schlechte Haushälter geworden? Meine Herren! Ich erinnere Eie, daß eS Ausgaben gibt, bei denen man keine Wahl hat, bei denen wirkliche Nötbigungen vorliegen, und zwar Nöthigungen von zweierlei Art, nämlich materielle und moralische. Zu den materiellen Nöthigungen gehören die an Staat und Gemeinde zu zahlenden direkten Steuern, und diese, wenn sie auch in ihrer Allgemeinheit nicht als zu schwer erkannt werden sollen, sind doch in manchen einzelnen Fällen ganz gewiß oft schon die Grundlage des Ruins des Familienwohlstandes gewesen, weßwegen eS wohl richtig sein wird, waS ich gesagt habe, daß eine gerechte Verlhei- lung der Steuern auch in Beziehung auf den allgemeinen Wohlstand höchst wichtig sei. Allein ich gebe zu, daß die andere' Art der von mir erwähnten Ausgaben, nämlich die, wofür moralische Nöthigung vorliegt, im Allgemeinen noch schwerer auf dem Mittelstände lasten. Hierher gehört namentlich der in Wohnung und Kleidern eingerissenö Lurus. Denn LuruS ist auch beim Mittelstände eingeriffen. Bor -» wenig Jahren noch trugen die meisten unserer ehrbaren Landleute solche Kleider, wozu die Wolle und daS Leinen sie selbst produzirt, verfertigt von selbst gesponnenen Garnen und von durch den nächsten Nachbar Weber gewobenem Tuche. Heute ist eS anders und wird eS immerfort anders. Die Leute tragen Tuch, von dem sie nicht wissen, welche Schafe die Wolle dazu getragen, in welchem Lande eS gewoben wurde. Derartige Ausgaben verursachen Rückgang deS Wohlstandes, und der einzige Damm, den wir dem Fortschritt dieses Uebels entgegensetzen können, ist Ausbildung der Industrie und der Gewerbe. Ein großes Mittel zur Vermehrung der Industrie haben wir angefangen zu ergreifen, wir haben angefangen, Eisenbahnen zu bauen. Diese vortrefflichen Straßen dienen auf's Beste dem allgemeinen Verkehr, aber mehr thun sie auch nicht. An und für sich sind sie keine Vermehrung deS Wohlstandes, sondern nur insofern, älS sie den allgemeinen Berkehr erleichtern und beleben. Ist nun dieser allemeine Verkehr ein guter, gesunder, Gewinn bringender, so wird unsere Eisenbahn ein grosses Gut sein; auf ihnen kann daS Glück leicht zu unS Heranrollen, eben so leicht aber rollt es darauf unter Umständen von uns fort. — Mir scheint dieser Gedanke wohl der Betrachtung werth zu sein. Die Quelle des Wohlstandes ist Ackerbau mit Gewerbfleiß vercimgt, und diese müssen wir schützen! (Fortsetzung folgt.) Karlsruhe, 30. Juni. In der heutigen Lösten Sitzung wurde zunächst die Verhandlung über den VereinStarif zum Schluffe gebracht. Die Kammer erlheilte den drei provisorischen Gesetzen: 1) »der den Tarif für 1846, 1847, 1848} 2) über die Gleichstellung der Durchgangsabgabe auf beiden Rheinserten; 3) über die zollfreie Einfuhr von Getreide ihre Zustimmung. Der Abg. Hecker begründete hierauf seine Motion über die Unverträglichkeit mancher Staatsämter mit der Abgeordnetenstelle und den Austritt der Abgeordneten, welche Beförderungen, Zulagen oder Auszeichnungen erhalten. Von den Abg. v. Jtzstein, Brentano, JunghannS II. , . Welcker, Gottschalk, Mez, Kapp, Basfermann, v. Soiron, Bissing und Buss unterstützt, von Schaasf und JunghannS I. ganz oder theilwcise bekämpft, von der RegierungScoin« mission alS auf die Ausschließung der Beamten aus der Kammer zielend angesehen, wird die Motion nach dem mit allen gegen eine Stimme (Rettig) gefaßten Beschluß der Kammer vorausgedruckt und in den Abtheilungen berathen werden. Der dritte Abschnitt der Tagesordnung war die Diskussion deö Berichtes von Mittermaier über die Motion des Abg. Christ. Daran nahmen Theil die Abg. JunghannS II. , Straub, Müller, v. Soiron, Brentano, Buhl, Hecker, Gottschalk, Welcker, Peter, Christ und Mittermaier. Mit allen gegen eine Stimme wurde der CommisfionSantrag angenommen: „tln S. K. H. den Großherzog die Bitte zu stellen, die Einleitung treffen zu wollen, daß durch Vereinbarung eine gemeinsame Handels- oder wenigstens Wechselgesrtz- gebung für alle Deutschen, oder doch für die Staaten deS Zollvereins bearbeitet werde." — Am Schluffe der Sitzung legte Ministerialpräsivent Geh. Rath NebeniuS die Wahlakten von Ettlingen-Rastatt (Uhlrich), sodmrn einen Gesetzentwurf über den Bau und Betrieb einer Eisenbahn von Offenburg nach Con- stanz vor. Eine weitere Voilage erfolgte nach dem Schluffe der öffentlichen Sitzung in einer geheimen. Nächste Sitzung: Mittwoch, 1. Juli. DiScuffion der Berichte deS Abg. Hecker über die Budgets deS Großherzoglichen Staatsministeriums und cheS Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten. Berichtigungen. 1) In Nr. 71, S. 282, Spalte 2, Z. 8 von unten in er Rede des Abg. Mez ist zu lesen: Kapttalsteuer, alt Kopf steuer. _ fl „ , „ 2) In Nr. 77 , 6. 307, «patte 1, Zelle 16 v. u. soll er Betreff der zweiten von dem Abg. Baffermann »berge« enen Petition heißen: Bitte sämmtlicher OrtSvorstände der iezirkSämtec Hoffenheim und SinSheim um Anstellung on Tbierärzken mit Besoldung auS der StaatScaffe. 3) In Nr. 79, S 313, Spalte 2, Z. 4 von oben ist > der Tabelle statt der Maßbezeichnung Quint, zu lesen } U A X t.