Wochenblatt für Offenburg u„d Lahr. Nro. Samstag/ 12 . den 10. Februar 1616. Mit Grv ßherz oglich Badischem allergnädigstem Privilezio. Amtliche Bekanntmachungen. BezirkS-Amt Ettenheim. 1. Wühlen- Versteigerung.) ES wird hiemit zu jedermanns Wissenschaft gebracht, daß die Mahl- und Reibcmühle deö Müller Anton Franz von Münchweicr vor dem Ort gegen Ertenheim gelegen, t» einem guten Zustand bestndlich und sehr ermöglich, im Anschlag von st. 4 ooo biS Don- nerstag den 29 . Febr. d. I. Nachmittags um 2 Uhr unter RalificationS-Vorbchalt und unter den Haupt-Bedingungen der öffentlichen Steigerung ausgefem werde, daß auf den Steigfchllling bei erfolgender Ratification fl. 600 erlegt werden müs. sen, und der Steigerex für die übrigen Termine Garantie im Land zu leisten habe. Verfügt bei Großherzogl. Bezirks-Amt Ettenheim den 29. Jan. 1816. D 0 n ö b a ch. 1 . sSchulden-Liquidation.) Alle diejenige welche an den Ziegler Georg Hertenstein von Kippenhcim, der vorher in Nonncnweier wohnte, «was zu fordern haben, sind eingeladcn, Mon- tag den 4, Merz d. I. ihre Forderungen vor dem Kommissariat in Kippenheim zu liquldiren, wo- bev man vorläufig bemerken muß, daß sich die gemeine Gläubiger gar keine Hoffnung machen dürft», etwas zu erhalten. Verfügt bei Großherzogl. BezirkS-Amt Ettenheim den 2. Febr. i 8 ib. D 0 n ö d a ch. 2. fSchulden-Liquidation.) Auf Absterben der Landelin Müllerischrn Eheleute von RingS- heim werden sämmliich deren Gläubiger andurch vorgcladcn > sich zu Richtigstellung ihrer Forderungen bis Mittwoch den 21 . Febr. d. I. Morgens 9 Uhr vor dem Commissariar im StubenwirthS- haus zu Rinasheim einzustnden, und unter Vorlegung ihrer BeweiS-Urkundcu geovrlg zu liqui- diren. Verfügt bei Großherzogl. Bezirks-Amt Ettenheim den 29. Ja». i 8 it>. Donsbach. Bezirksamt Lahr. 2. ^Einberufung.) Michael Glaser, Webermeister von Friescnhcim hat sich feit verflossenem Neujahr von Hause entfernt, ohne etwas setther von steh hören zu lassen. Derselbe wird hiemit anfgefordcrt zu seiner Familie zurückzukchreu, und über seine Entweichung sich zu rechtfertigen. Lahr den U 9 . Jan. 1816 . Großherzogl. Bezirks - Amt. Frhr. v. Liebenstein. 2. fHeu-Versteigerung.) Donnerstag den 15 . Febr. d. I. werden auf dem RaihhauS in Gengenbach Vormittags 8 Uhr 1900 Crr. Heu N. östreich. Gewicht an den Meistbietenden öffentlich versteigert werden, weiches hiemit zur allgemeinen Kennrniß gebracht wird. Lahr den 30 . Jan. 1818. Großherzogl. Bezirks - Amt. Frhr. v. Lieben st ein. 46 ^Aufforderung.) Die Bewohner der Stadt Lahr werden ««durch aufgeforderr, ihre direcreSteu. er-Eeldervon 1815. innerhalb 14 Tagen an die diesige Steuer-Einnehmers VulpiuS und Kreß nach der bekannte» Abrheilrrng zu bezahlen. Unter dieser Steuer sind auf fl. 100 Steuer- Capital folgende Ansätze begriffen: s) Die nach.dem RegierungS-Blatt Nro. 20 vom 8. Novbr. 1815 gnädigst bestimmte 18 kr. b) Die nach dem Anzeige - Blatt Nro. 100 vom 16 . Deebr. 1815 enthaltene 2 %• c) Jene nach dem Anzeige-Blatt Nro. 5. vom 17. Jenner idi6 angesetzte 2 /i- Zusammen 23 kr. Die denen bemeldtcn Steuer-Einnehmers zugestellt wordene Hcb-Rrgist er wurden nach dem General - Cataster urkundlich ausgefertigt, und die nun in erjagten Registern erschcinendeSum- men entdaltcn alles was einem jeden für Grund- Läuier- und Gewerb-Steucr, mit Einschluß der W:'ti - i'a.tmt/ u«zu>c^eii w>,». WaS inzwischen auf diese Stenern abscbläg- lich, besonders auf Wein-Parence - Geld bezahlt worden ist, tomme wieder in Abzug. Jene Steuer hingegen welche die Lahrcr Bewohner von Gütern allster der Lahrer Gemarkung schuldig wurden, müssen an die Stcuer-Ein. irehmers der betreffenden Gemarkung berichtigt werden, wcShalben hier noch bemerkt wird, daß in den Alt-Badischen Ortschaften diss-migen Di- siricrs in Gemäßheit Anzeige-Blatt Nro. 89 vom 9. Deebr. 1815. aufS fl. 100 Steucr-Capital 1 % kr. weiter auögcschlagen, also 24 % kr. von fl. 100 angesetzt worden sind. Die von Großherzoglichem Ministerium der Fi- nanzen wegen Betreib- und Ablieferung dieser Steuer- Gecker uns ertheilt wordene Befehle, sind so ernstgemessenst, daß wir bei.jenen welche wieder Berhoffen mit ihren Zahlungen zögern würden, Executions- Mittel anwenben mußten, wodurch nur noch größere Kosten entstehen, und am Ende eben doch das was nach der höchsten An. ordnung angesetzt wurde bezahlt werden muß. Da die Bewohner der Stadt Ertcnhelin und Mahl- berg so wie jene der Land - Ortschaften durch cin- > zelne Ausschreiben auf gleiche Art zur Steuer- l Zahlung aufgcfordert wurden, so machen w:r eS uns zur Pflicht hiedurch öffentlich alle Steuerpflichtige des ganzen diessorligen Distrikts vor Schaden zu warnen und werden uns im ciillreten- den Fall hiemit legittmiren; wünschen übrigens sehr- nicht zu Zwangs-Mitteln genölhigt zu werden. Lahr den 8. Febr 1816. Großherzsgl. Badische Ober-Einnehmerey. Sievert. Stadt-und Landamt Offenburg. - ^Bekanntmachung.) Da nun in Ober-Nesselried alle Kinder mit den Schutzpocken geiiupft worden sind, und jene welche von den natürlichen Blattern bestallen wurden, jetzt vollkommen abge- blattert haben; so ist die daselbst angelegre Sperre wieder aufgehoben worden, welches hiemit zur allgemeinen Kenntnrß gebracht wird. Offenburg, den 6. Februar 1816 . Großherzogl. Stadl- und istes Landamt. Frhr. v. S e n s b u r g. 3. Offenburg. fBekanntmachung.) Da der erste Pfleger des mundtodten Georg Koffer von LeuterSheim mit Tod abgegangen ist, so wurde statt denen Michael Hummel der Beck von Leu- kerSheim erwählt; welches allgemein bekannt gemacht wird. Offenburg, den 30. Jan. isi6. Großherzogl. Stadt. und erstes Landamt. Frhr. v. SenSburg. Stadtraths - Bekanntmachungen. 1 . ^Versteigerung.) Montag den 27. dieses des Nachmittags um 2 Uhr soll dem Kiefermeister Ludwig Dänsch l e junior auf hiesigem RathhauS für Eigenthum versteigert werden: 21 Rüchen Haus und Zugehörke an der Schna, dcrgasie, und: 25 Ruthen Garten am VogtSlhor. Lahr den s. Febr. 1816 . Sladrrarh dahier. 47 Bekanntmachungen: 1. Mahnung zu verlehnen.) Christ. Leser/ der Beck/ hat in seinen, Haus den unrern Stock zu venehnen , und kann solcher gleich oder dlS Frauentag bezogen werden. i. fMehlfässcr zu verkaufen.) Bei Loren; Rap- penecker in Zunsweier sind zu haben: 380 gu- te brauchbare Mehlfässer zu 30 kr. bis st. i. —; sodann ein starkes Quamum Mehlfaß - Dangen nebst Böden und Reif/ das 1000 zu fl. io bis fl. 20 . — 1. Lahr. fGewobene Schlauches Christian Lindenlaub verfertigt gewobene Schläuche zu Feuerspritze»/Wein- Bier- und Essigleilunge; der gewöhnliche RürenbergerSchuh kostet aufProbe 20 rr. auch gewobene Feuer. Eimer'/ 5 bis 6 Maas hal- tend/ sind bei ihm für 2 fi.30 kr. zu haben. Seelbach. fTürkengarn.) Bei Langsdorf & Comp, in Seelbach ist acht rokheS Türkengarn zu haben. i. fFäßer zu verkaufen.) Bei Georg Kramer sind/ 3 Fäßer stark in Eisen gebunden/ emS zu 58, eins zu 88 und eins zu 22 Öhm zu verkaufen, die Lieb- Haber können sich beyihm melden. 1. Lahr. fAnzeige.) Bis hieher haben wir we- gen der Saumseligkeit gewisser Leute bei Einzie-1 hung unserer Gebühren von Kopulationen und Lei- chen, mir zu oft, die empfindlichsten Unannehm- lichkeiken zu erdulden gehabt, wenn wir solche, durch wen eS auch ftye, gefordert haben: Daher sehen wir uns genöthrget, durch Gegenwärtiges bekannt zu machen, daß in Zukunft alle diejeni- gen welche cs länger alü einen Monat anstchen lassen, der Kirchen-Cenfur eingegebcn werden. Lahr den 0. Febr. isi6. T. Bannmeyer, Cantor. T. Schneibel, Präceptor. Ettenheim. fBall-Anzeige.) Nächsten Sonn, tag de» li. d. wud bi Unterzeichnetem Ball gegeben, wozu ein verchr.icheü Publikum höflichst kinlaoet, Ettenheim den 7. Febr. I8>6, FäS, zum Ochsen. 1. fRheinschifffahrts-Anzeige.) Schiffer Martin Merer stehet bis uns mit dem 21 , dieses in dem Hafen zu Freistetl nach Mainz und Frankfurt in Ladiuig, wozu dre letzten Lahrer Güter Montags vorher den 19. abgeholet werden sollen. fArmen-Kasse.) Ein auswärtiger Handelsmann, der seinen Namen hier nicht genannt haben will, ließ unserer Kasse, durch einen hiesigen Freund st. 55 als Geschenk übergeben; welches wir mit dem herzlichgen Danke beschemigen. Lahr den 6. Febr. 1816 . Armen-Deputation. 2 . fGefnndeneS.) Am Jahrmarkt vor Weihnachten wurde zwischen Lahr u. Allmannsweier ein Halstuch muiierer Größe gefunden; der rechtmäßige Eigemhümer kann solches bei Hrn. Ober- Zoll-Jnspecror Hartman» in Dinglinge» in Em- pfang nehmen. 2 . fErbsen fetf.) Ludwig Pfisterer, der Beck, hat Erbsen, das Meßtc zu 8 kr., und den Sester für st. 1 . 36 kr. zu verkaufen. 2 . Lahr. fWohnung zu vcrlehnen.) Bei Can- diior Haas ist eine Wohnung zu verlehnen welche bis Frauentag oder Johanni bezogen werden kann. 12 . fBadifche Vorschuß-Scheine werden zu kaufen gesucht.J Ein hiesiges Hand,ungs-Haus sucht Badische Vorschuß-Scheine zu kaufen. Ausgeber diews sagt welches. Türkische Polizey. AuS dem dritten Bändchen der Schicksale eines Schweizers während seiner Reise nach Jerusalem und dem Libanon. St. Gallen, bei Huber und Komp. 1815 , 8.1 Am 9. September hielt der neue Pascha aus Mvrea seinen Einzug in Salonichi ■ er war glänzend. Der größte Aufwand oder Hauptlupus bestand in den Prachtpferden; die Decken strotzten von Silber, und Goldstickereien. Der Zug ging, nach türkischer Art und Sitte, schön, still und feierlich vor i>ch; statt Geschrei und Gerümknel, 45 wie bei solchen Anlässen anderswo, herrscht hier Anstand und Ruhe in den Rethen des Volks, zwi, fchen welchen der Pascha und der Zug sich fort, bewegt. Höflich, aber mit Würde — fast abgemessener Bewegung der Hand — grüßte der Pascha nach jeder Seite; beide Volksreihen erwiederten den Gruß, indem sie sich beugend die Hand auf die Brust legten, stillschweigend und ehrerbietig. Der Pascha schien mir ein Mann von beiläufig L0 Jahren; er bat schöne Gesichtözüge, ist aber blaß und sebr ernst. Bon seiner reichen Kleidung im orientaiischen Glanz nur soviel: daß Juwelen an Händen, Dolch und Turban schimmerte». Am 14. September, gegen Mittag, schickte ich das Dienstmädchen aus, mir Käse zu kaufen; es kam aber bald mit der Nachricht wieder zurück: „Es gäbe einem Niemand weder Rede noch Antwort. Der neue Pascha gehe verkleidet umher, und untersuche Maaren und Gewichte." Gleich nebenbei, wo cs den Käse holen wollte, kaufte der Pascha von einem Juden Trauben; das Gewicht war — ich habe vergessen um wie viele Drach. men — zu leicht; augenblicklich erhielt er fünf, hundert Stockschlägc auf die Fußsohlen für den Betrug. Am nämlichen Tage ward einem Metzger aus eben dieser Ursache dieselbe Strafe zu Theil. Die6 ist türkische Polizei! Vier Tage erst vorbei, seither Pascha, ein hordrcicher Mann, eingezogen, und schon ist er auf den Beinen, und geht verkappt durch die schmutzigen Straßen der Stadt, um zu prüfen, ob das gemeine Wesen nicht durch Betrug und Wucher der Partikularen Noth leidet. — Wenige Tage später war das Brod, das nach und nach auf einen übertriebenen Preis gesteigert worden, fast auf die Hälfte herabgesetzt: eben so die Preise von Butter, Eiern, Früchten u. dgl. sehr billig und auf eine bestimm, re Summe taxirt. Ein paar Tage vor meiner Abreise kam um Mittag ein Bekannter mit der Nachricht ins Haus: „Der Pascha hohe wieder Revue gehalten, und hin und wieder sehe man die Ergebnisse davon; unter andern gleich eines in der benachbarten Gas- se." Ich rannte schnell nach dem bestimmten Or- ,e; da war ein Bäckerladen ganz leer; aber an einem großen Pfosten stand der Eigemhümer desselben ein Grieche — mit auf dem Rücken gebundenen Händen, angenagelt durchs Ohr mit fingersdickem Nagel, und in den Pfosten hineingeschlagen, so hoch, daß er auf den Zehen stehen mußte, um nicht das Ohr im Stich^zu lassen. Späterhin ward ihm ein Block unter die Füße ge- - geben, daß er etwas weniger unbequem zu stehen ff kam; die entblößte Brust und das ganze Gesicht waren mit Honigwasser überstrichen, so daß Flic- ( gen und Insekten sich bei Taufenden darauf setz, , teu; das Gesicht war gegen die heißen Sonnen- * strahlen gerichtet, und schon dies allein, wobei ! er sich um kein Haar regen konnte, gieng statt , einer Tortur, das Blut träufelte herunter. Ich 1 hörte von den Umstehenden äuffern:„der Mann hat von Glück zu reden." Ich dachte mir alles Mögliche seiner Lage, und konnte angenagclt an die Wand, halbgebraten von der Sonnenvitze, und von Fliegen und Wespen halb zerrissen, blutwenig Glück finden; „Ja" gab man mir Aufschluß „wenn der Pascha nicht so gütig wäre, so läge schon lange der Kopf vor seinen Füßen." Das Gewicht des Brodes war wieder nicht in Ordnung. Zwei andere Bäcker hatten denselben Tag ans den nämlichen Gründen die gleiche Strafe auözustehen, so ein dritter, weil das Brod nicht genug gebacken war, und also mehr an Gewicht holt, als es gehörig ausgevacken gehabt haben würde. Die Leute blieben so angenagelt biS zum Soiiuenuntergaug. Ob der Laden der Plünderung Preis gegeben , oder aber die Leute des Bä- ' ckers Alles ansgeräuim hatten, weiß ich nicht. Ich muß noch bemerken, daß der Zuschauer sehr wenige waren, und unter diesen beobachtete ich keinen Türken. Die Vorübergehenden hielten sich kaum einen Augenblick auf, und gingen ihres Wegs weiter. v * * ES wäre zu wünschen, daß alle unsere deutsche Polizeybehörden in der Aufsicht aufrichtiges Maas , und Gewicht wo nicht türkische Strenge, doch türkischen Eifer und Unpariheylichkcit bewiesen! Auf dem Schutterlindrnberg. Wer Deine Rede liest, o Liebenstein, der sage: Dir gab die Nemesis die Aung ans ihrer Wage.