Ae - 4 W, - -4 & \vJL 1 N^- 1. Freitag den 1, Jänner 1836. neuen Jahre 1836. Ein Jährchen rollt' in wilder Hast Zum Haus der Invaliden; Doch was es bot in wilder Rast, Das bleibet im Hienieden. Wo nahm eS blinde Leidenschaft? Versöhnte es die Feinde? Wer schaute, daß die Riesenkraft Zu einem Ziel es einte? Wo brachte es der Tugend Sieg? Wo dem Verdienst die Krone? Und "wo dem Laster Hohn und Krieg, Und Glück dem Unglückssohne? Bot es, dem Vorurtheil zum Hohn, Dem redlichen Gekränkten Bescheid'nen Strebens würd'gen Lohn, Und Trost dem Schwerbedrängten? Aufschloß es kalter Wuch'rer Schrank Zur Labe armer Alten? Entfachte es den Rachgedank' Zu einem Götterwalten? Verscheuchte es die Cholera, Und uns're Rabulisten, Und das verhaßte Podagra Bei Juden, Heiden, Christen? Kurzum, es blieb in statu quo, Wie die Antecedenten, Und schmaust' in dulci jubilo Kapaunen, Gäns' und Enten. Wer's ändern will, dem wünsch' ich Glück, Denn sicher beut's ihm Ehre; Doch Jenem gleicht er mit der Krück', Sein Stab, unkräft'ge Wehre. Die Welt, sie ist jetzt fieberkrank, Bald leidet sie an Hitze, Und ringet nach dem Labetrank, Nicht träumend, daß sie schwitze; Bald ist sie auch von Frost so kalt^ Daß nichts sie kann entflammen, Und stünde Halm und Heerd und Wald Zn lichterlohen Flammen. O hält' ich Schätz', ich thellt! sie -aus Und einte Hitz' und Kalse, Und zöge da von Haus zu HauS, '• Wenn gleich ein Philar bellte. Man deut' scl libitum den Sinn, - Der Kern, bleibt er im Zweifel? O daß ich doch nicht Crösus bin, Ich guter armer Teufel! Doch was ich habe, biet' ich gern, Der Wünsche reiche Fülle; Ich weihe sie dem Nah und Fern, Mitunter noch in Hülle. Den Fürsten Weisheit und Verstand! Ein Wahrheitsfreund in Liebe Sey ihres Waltens rechte Hand Und leite ihre Triebe. Das Goldschiff aus Amerika Den Herren der Finanzen, Das Alpha, nicht das Omega, Zum Stutzen und Kuranzen. Und den Beamten Rechtsgefühl Mit edler Menschenwürde, Daß der Prozesse buntes Spiel Dem Streitenden nicht Bürde. Den Advokaten viel Prozess', Doch nicht zum Beutelschnüren, Daß nicht die streit'ge Summ' indeß Verschlingen die Gebühren. Den Pfarrern sey der Cölibat Recht bald waö Unbekanntes, Zum Heil für Kirche und für Staat, Zum Segen jedes Landes. Den Philosophen heil'gen Sinn Für Nützliches und Gutes! Spitzfindigkeiten fahret hin, Zhr Zeugen kleinen Mukhes! C 2 Den Aerzten ein Remedium Für alle Krankheitsfälle, Nicht bloß fürs liebe Menschenthum, Für Käfig auch und Ställe. Vor Allem werde ihr System Unwandelbar, geschloffen, Ihr Nimbus nicht ein Polyphem Von Räthseln und von Glossen. Begeisterung der Dichterschaft Und zartes Pfand der Minne, Und reich der Rebe gold'ner Saft, Der Schönheit zum Gewinne. Den Pharmaceuten werde kund: Homöopathen enden. Und diesen schall' zu froher Stund': Der Sieg, er muß sich wenden. ' Den Pfefferhelden töne laut: — Der Wunsch kömmt stracks vom Herzen — Zum Urquell zog die strenge Mauth, Nun läßt sich's wieder merzen. Den Wirthen hier und überall: Zu ihrer Augenweide: Viel Gäste, Hochzeit, Tanz und Ball, Doch nimmermehr die Kreide. Canditern und dem Kuchenbäck', Den Wurstlern und den Köchen Recht vieler Mägen Heischgequäck Und Gaumens Kitzelstechen. Des Geisbocks edlem Zunftgeschlecht, s Der Kleiderkünstler Pfoten Zu ihrer Nadeln Stoßgefecht Viel Stutzer und viel Moden. Den Schönen werde Schönheitssinn, Doch nicht des Geists Verkrüppeln, Gefühl für teutscher Treue Minn', Und nicht für kaltes Püppeln. Des Jünglings hoher Sehnsuchtsgluth Ein Mädchen, hehr an Tugend; Und der Versuchung starken Muth, Und Lust der muntern Jugend. Dem Mann, der nach dem Ziele ringt, Deß kühnes Feuerstreben Die Brüder all' mit Lieb' umschlingt, Ein sorgenfreies Leben. Dem Reichen, dem der Arme zollt, Ein mitleidvolles Regen; Dem Weibchen, das im Winkel schmollt, Der Söhnung milden Segen. Autoren trefflichen Mäzen, Den Künstlern einen Crösus, Dem Hartgedrängten Siegesweh'n Und freudiges o Jesus. Den Hebel, der die Fieberwell Regieret als I^actotum, Wünsch' Allen ich, das liebe Geld, Bei mir nicht immer notum. Wer Alles schenkt, der hat nichts mehr Am Ende da zu geben; Und Klugheit faßt die alte Lehr': Spar' auf dem künft'gen Leben. Drum, Wünsche! zieht die Segel ein, Das neue Jahr kömmt wieder, Und will man sich nicht nachkopei'n, So heischt es seine Lieder. Im künft'gen neuen, leb' ich noch, Fahr' ich in Laune weiter; Und wenn auch nicht mein Loos verkroch, Ich reit' als kecker Reiter, koetica licentia Wünsch' ich nun auch dem Dichter, Wohl Nektar und Ambrosia, Mein Publikum und Richter? O nein, nur stilles häuslich Glück, Des Herzens Würde würdig, Daß nicht das traurige Zurück Dem Werden ebenbürtig. Doch weg mit Schwermuths-Düsterschein, Er ladet nicht zur Freude, Doch wohl zu bitt'rer Wehmuth ein, Geschickes schwarze Beute. Drum weg mit den Sorgen, hervor mit der Lust, Es tauchen mir frohe Gestalten Und spornen zum seligen Walten, Entfachend das Feuer in schlummernder Brust. Gedeihen dem Streben im ringenden All! Fortuna, o tauche hernieder, Erfülle das Wollen der Lieder, Bring' Segen dem Dichter und Segen dem All! Gengenbach. K. Stölker. Amtliche Bekannt,nachungen. Schuldenliquidationen. Andurch werden alle diejenigen, welche aus was immer für einem Grunde an die Masse nachstehender Personen Ansprüche machen wollen, aufgesordert, solche in der hier unten zum Richtigstellung-- und Vorzugsverfahren angeordneten Tagfahrt, bei Vermeidung des Ausschlusses von der Gant, persönlich oder durch gehörig Bevollmächtigte, schriftlich oder mündlich anzumelden, und zugleich die etwaigen Vorzugs- und Unterpfands-Rechte, unter gleichzeitiger Vorlegung der Beweis Uckunden und Antretung deS Beweise- mit andern Beweismitteln, zu bezeichnen, wobei bemerkt wird, daß in Bezug auf die Bestimmung des Masse-Curators und den etwa zu Stande kommenden, Borgvergleich, die Nichterscheinenden als der Mehrheit der Erschienenen beigetreten angesehen werden sollen. Aus dem Oberamt Offenburg. Zu Zell, an den in Gant erkannten Bürger Joseph Mai den Aeltern, auf Dienstag den 19. Jänner 1836, Vormittags 8 Uhr, auf diesseitiger Oberamts-Kanzlei. Bezirksamt Oberkirch. Zu Ulm, an die in Gant erkannte Ehefrau des Joseph Graf, Schn des Johann Graf, auf Montag den 22 "» Februar 1836, Vormittags 9 Uhr, auf der diesseitigen Amts-Kanzlei. Physikats - Bekanntmachungen. ! (Nro. qoo.) Der Veterinärarzt Leonhard Bell / von Appenweier, welcher von Großherzogl. Hochpreis- / licher Sanitäts. Commission eraminin und mit * ^ der Note: „gut befähigt" als Thierarzt licen-. ; firt wurde, ist von Großherzoglichem Oberamt Offen- § bürg vorschriftsmäßig verpflichtet worden; welches hie- 4.,_nut zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird. Offenburg, am 26 . Decbr. >835. Großherzogliches Physikat. Dr. Schneider. (Nro. 901 .) Die aus der Hebammen-Schule zu Heidelberg mit der Note: „gut befähigt" ent- y/ lassene, neu angehende Hebamme Rosalia Haberer von Elgersweier ist von Großherzoglichem Oberamt Offenburg vorschriftsmäßig verpflichtet worden; welches hiemir zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird. Offenburg, am sb. Decbr. >835. Großherzogliches Physikat. Dr. Schneider. (Nro. 902 .) Die Bürgermeister-Aemter werden ersucht, den Leichenschauern zu eröffnen, daß sie ihre Todrenschau-Register für den Monar December am 4 . Jänner k. I. Unterzeichneter Sanitätsbehörde einzureichen haben, widrigenfalls jene bei ihnen am 5. Jänner durch Boten auf ihre Rechnung werden abgeholt werden. Offenburg, am 26 . Decbr. >935. Großherzogliches Physikat. Ör. Schneider. Postqmtlich? Bekanntmachung. ,Ü' C ' """Wichnrter Stelle lind nachstehende Ausgaben retour gckckmmci,, und können gegen Entrichtung des darauf hastenden Poow's zurückgenommen werden: l Brief an Hr«. va» do. „ Mr. Jean Ptepomuk Schleicher, Chaplier a Lyon. @fne Guitarre an Herrn Müller, Gästgeber zum goldene« Schnecken in Freiburg. Offenburg, den 30. December 1333. Großherzogl. Badische» Postamt.. Barth. Bürgermeisteramts - Bekanntmachung. (Nro. 3b>5.) Joseph Elmenreich's Wittwe dahier hat an den Bürger und Rebmann Ferdinand Falk im Riedle verkauft: % Zeuch theils Feld, theils Reben im Heldenrecht, auch Nußbuckel genannt, neben Xaver Henco und dem Weg, um 480 fl., — was Behufs der L 0 0 s u n g der Bürgerschaft bekannt gemacht wird. Offenburg, am 3>. December >835. Bürgermeister-Amt. K. Burger. vckt. Kornmayer. Privat-Bekannt machungen. (Bitte.) Schmiedmeister Siesert dahier bittet zur bessern Umtreibung feiner Profession ein verehrliches Publikum um weitern geneigten Zuspruch, und verspricht jedem bei ihm Ein- sprechenden schnelle und gewiß billige Bedienung. (O f e n v e r k a u f.) Bei Schloffermeister Schmidt dahier steht ein runder eiserner Ofen von französischem Guß Nro. 2 in Commission billig zu verkaufen. Kapitalien auszuleihen. Aus dem Kirchenfvnd in Zunsweier sind 200 fl. zu 3 pCt. auf gesetzliche Pfandversicherung auszuleihen. ' Berrechner Vetter. Bei der Heiligenfonds-Verrechnung Orkenberg liegen so fl. zu 3 pCt. auf gerichtliche Versicherung zum Ausleihen bereit. Vom Kirchenfond zu Schutterwald können 30 bis so fl. zu 3 pCt. gegen Obligatio» dargeliehen werden. In hiesiger Stadt sind svo fl. Privatgeld auf gerichtliche Versicherung auszuleihen. Das Nähere bei Ausgeber dieses. M i s c e l l e n. Geistesgegenwart der Fürstin Lubomirska. Auf einer Schlittenfahrt kommt sie einst in daS Dickicht eines großen finstern Waldes. Auf einmal, da der schmale Weg um eine Ecke lenkt, erblickt sie wenige Schritte von sich einen wüthend heißhungrigen Bären. Wie das Ungeheuer herzueilt, bäumt sich das erschrockene Pferd und wirft den Schlitten um. Der Bar ist da. Der Heiduck der Fürstin giebt sein Leben für sie Preis, stellt sich zwischen sie und das Thier, greift es an, aber sein Säbel zerbricht. Ein sehr ungleicher Kampf beginnt jetzt. Der Bär umschließt den Polen mit seinen ungeheuer» Tatzen. Plötzlich ergreift die Prinzessin, ohne im Mindesten die Fassung zu verlieren, die zwei auS dem Schlitten gefallenen Pistolen, stellt sich hinter daS schreckliche Thier, feue« sie doppelt ihm in die Ohren ab und sieht es vor ihren Füßen todt niederfallen. Anekdoten. Der französische, zu seiner Zeit so beliebte Bildniß- Maler Rigaud portraiti«e eine Dame, die sich alle mögliche Mühe gab, durch Zusammenziehen der Lippen einen recht kleinen Mund zu bekommen, als letzterer dargestellt weiden sollte. Rigaud bemerkte es, und sagte: „Warum geben Sie sich so viele Mühe, gnädige Frau? Sie brauchen Ihren Mund nicht so zusammen zu zwängen. Geschieht Ihnen damit ein Gefallen, so male ich Ihnen gar keinen." _ Zu einem liederlichen Landkutscher sagte einst Jemand: „Mein Freund! Er hat in seinem Leben doch so Vieles geführt, versuch' Er es doch einmal ein ordentliches Leben zu fuhren." — Ei! erwiederte Jener, ich kann nur Pas» sagiere brauchen, die Trinkgeld geben. Ein betrübter Wittwer machte in einem öffentlichen Blatte folgende Anzeige: „Der Tod hat meine Frau so lebhaft angegriffen, daß sie sterben mußte. Sie ist sanft entschlummert. Ich war lange betrübt; jetzt erhole ich mich wieder." _ Das Bild des alten und neuen Jahres. Ein Greis mit silberweißen Haaren UN» mit dem Stabe in der Hand Erzählet, was ihm widerfahre». Was ihm das Schicksal zugewandt. Er wendet sich mit milden Blicken Zu einem Jüngling, zart uud schön, um ihm mit Worte» auszudrücken. Wie es im Leben oft kann geh'«. „ ü guter edler Jüngling höre: “ — So spricht der brave alte Mann — „ und nimm von mir die weife Lehre, „ Noch eh' ich scheide, willig an : „ Ich war in diesem Erdenleben „ Auch einst so hoffnungsvoll wie du; „ War frend'gen Scherzen hingegeben, * Sah gern dem muntern Spiele zu. „ und in des Lebens ernstern Stunden, „ Da-Übte ich als Mann die Kraft, „ und hatte selig oft empfunden, „ Was reger Fleiß und Tugend schafft. „ Auch gab es leider hier auf Erden „ So manchen Kampf und manches Leid; „ Doch unter mancherlei Beschwerden „ Gedacht' ich einer bessern Zeit. „ Nun neiget sich der Tag zu Ende, „ Mein Werk ist nun mit Gott vollbracht; „ Darum erheb' ich meine Hände „ Und sag' Euch segnend: „ gute Nackt! " Der Jüngling steht nun tief gerühret Und neigt sich freundlich vor dem Greis, Bedenkt die Zeit, die ihn nun führet In seine» neuen Wirkungskreis. „ So leb' renn wohl nach deinen Mühen, ^ „ Du edler Greis < du braver Mann ! * « 0 mög' auch meine Saat erblühen, „ Daß ich getrost «inst scheiden kann ! " Sv spricht der Jüngling treu ergeben, Und reicht dem Scheidenden die Hand, um einst nach thatenvollem Leben Zu stnden ihn im bessern Land. 3. N. Poetische Kleinigkeiten. Stunde« eilt, wir eilen mit, All' dem Grabe zu; Jedes Jahr ein neuer Schritt; Endlich kömmt die Ruhe. L wie süß und labend Jedem, der mit Muts, Strebet, bis zum Abend Mensch zu seyn und gut: Die Freundschaft, die der Wein gemacht, Wirkt, wie »er Wein, nur eine Nackt. Kirchenbuchs-Auszüge. Geboren: Den «7. December. Maria Louis«; Vater: Xaver Brau«, Bürger und Wundarzt. Getraut: Den 29 . December. Herr Philipp Jakob Kugel, Re-istons- Vorstand und Rechuungsrath in Karlsruhe, mitLFrl. Elisabeth« Karolina Sckmith dahier. Den 3,. December. Bartholomäus Raub, Bürger und Seilermeisier, mir Anna Maria grb. Ständler, Wittwe von Joseph Nerlinger, Bürger und Messerschmied dahier. Gestorben: Den 2 g. December. Karolina Kuenzer, i Jahr ,o Monate alt; Vater: Johann Baptist Kuenzer, Bürger und Conditor. In dem Verlauf des Jahrs ,835 sind dahier geboren worden 82 Kinder; davon sind Knaben 32 , Mädchen so; darunter uneheliche , 3 . Getraut wurden 27 Paare. Gestorben stnd : Männliche 44, Weibliche 63 — iv7 ; nämlich von l Jahr, Knabe» ,0, Mädchen 12 _ 22. von 1 bis S Jahre, männl. 4, weibl. 10 — ,4. „ s „ >0 Jahren t V t / „ 6 — 7. „ io 20 y >, I , „ i —- 2. v 20 30 „ 4, u 3 — 7. „ Sv „ 4o y », 3/ ,, 6 — S. „ 4o », 60 D S, „ 4 — 10. „ so ff 60 »A » 1 / ff 3 — 4. „ so „ 70 S / ff 5 — 10. „ 70 „ 80 », U s, tt 10 — 16. 80 « so 3/ » . 3 — 6. 44 , 63 - , 07 . Das höchste Alter haben erreicht ein Mann und eine Frau mit 8S und ebenso mit 8« Jahren. Das Pfarramt. M e r s y. Frucht- Mitt elpr cif e Das Malter vom 2/ fl. Dec. kr. vom 2k fl. . Dec kr. Waizen . . . 6 21 8 27 Kernen .... —«• — 3 4 » Halbwaizen . . 6 20 6 3 o Korn .... — — S 45 Gerste .... — — s 3 o Welschkorn. . . b 42 6 3 o Haber .... 4 ,S 4 21 Redaction, Druck und Verlag von I. Ottrni