AerHrlenauerAote. Amtliches Verlrundigungsbtatt für den Kreis Ojfenburg, sowie für die Bezirksämter und Amtsgerichte Offeuvur g und Geugendach. Erscheint täglich mit Ausnahme Montags, und kostet vierteljährlich in Offenburg 1 st-, für den Landpostbezirk 1 fl. 2 kr., für die übrigen Postbezirke 1 fl. 7 fl. EinrückungSgebühr: die gespaltene Garmondzeile oder deren Raum 3 kr. Xro. 73. Osfenburg, Sonntag den 26. März 1871. Politische Rundschau. München. Die „Südd. Post" schreibt: In den hiesigen höhern Gesellschaftskreisen wird lebhaft ein Vorfall besprochen, welcher sich in dem Salon des hiesigen italienischen Gesandten zugetragen hat und möglicherweise noch einen ernsten Ausgang bekommen kann; nämlich die bekannte scharfe Ausdrucksweise, verbunden mit etwas mangelhafter Kenntniß der französischen Sprache, von Seite eines zum Feste eingeladenen deutschen Diplomaten, führte zwischen diesem und dem Hausherrn zu einem derartigeil Mißverständnis, daß Ersterem äirsotement die Thüre gewiesen wurde. Es werden dabei über nähere ilmstände und gegenseitige Animosität Dinge so delikater Natur erzählt, daß wir sie vorderhand nicht öffentlich besprechen können. Das „Vaterland" schreibt über den Fall ^weniger zurückhaltend: Am 14. d. M. veranstaltete der Vertreter der italienischen Regierung am bairischen Hofe, Herr Migliorati, zu Ehren des Geburtssestes Viktor Emanuels ein Galadiner, bei welchem das diplomatische Korps in Uniform erschien. Nach dem Festessen unterhielten sich die Herren in Gruppen und Herr Migliorati speziell mit dem Gesandten Preußens, der aus seiner persönlichen Abneigung und Antipathie gegen jenen kein Hehl macht. Im Laufe des Gespräches ließ nun Herr von Werthereine Aeußerung fallen, daß die Italiener nicht frei, oder, wie Andere gehört haben wollen, daß die Italiener alle falsch seien. Auf dieses hin verwickelten sich die beiden Herren Gesandten in den heftigsten Wortwechsel und es kam auch zu Thätlichkeiten. Endlich gelang es einem Permittler (man nennt Hohenlohe), die Streitenden zu trennen. Wiesbaden, 22. März. Bei der im Wahlkreise Siegen-Biedenkopf stattgehabten engeren Wahl ist Hüttenbesitzer Jung (liberal) mit 7619 Stimmen gegen Landrath Dörnberg, welcher 6011 Stimmen erhielt, gewählt worden. Dresden, 22. März. Die franz. Regierung hat noch nicht angezeigt, ob die Abnahmekommissionen für die zurückkehrenden Kriegsgefangenen eingerichtet seien; dadurch dürfte eine Verzögerung in der Uebergabe der Gefangenen eintreten. Liegnitz, 20. März. Bei der Nachwahl im Kreise Landshut-Jauer-Bolkenhayn wurde Professor Dr. Gneist mit 6373 Stimmen gewählt; sein Gegenkandidat, Kammerherr v. Heinen, erhielt 6223 Stimmen. Berlin, 20. März. Glaubwürdige Pariser Berichte bestätigen, daß bei dem Aufstand von Montmartre bonapartistische Hetzereien die Hand im Spiele haben. Ist doch der Aufstand in einem Manifest selbst der äußersten Linken verleugnet worden. Louis Napoleon ist von Wilhelmshöhe abgereist. Dreimal hatte er auf eine Wiederherstellung gehofft, dreimal vergebens. Zuerst vor der Uebergabe von Metz, die ohne seine und der Exregentin verspätete Einwilligung erfolgte, dann vor der Berufung der Nationalversammlung in Bordeaux, statt deren er auf einen Zusammentritt der alten Kammern rechnete, wenn die Regierung der Nationaloer- theidigung die Wahlen verweigern oder nach Gambetta's Absicht offenbar fälschen sollte. Endlich spekulirte er auf die Ablehnung der Friedenspräliminarien durch die Nationalversammlung. Das alles ist mißlungen, gescheitert, gegen ihn ausgeschlagen. Jetzt ist seine letzte Hoffnung der Aufstand in Montmartre und im weiteren Verlauf ein napoleonisches Plebiszit mit Hülfe seiner alten Polizei und der Jesuiten. Auch dieser Plan wird Schiffbruch leiden, und man darf hoffen, daß die Friedenspartei doch schließlich obsiegen werde. Inzwischen ist es ein Vortheil, daß die Forts im Norden von Paris noch in deutschen Händen sind und unsere Linie sich von Rouen bis Dijon ausdehnt. In dieser starken Stellung wird Deutschland abwarten können, daß Frankreich zur Besinnung kommt. (Schw. M.) Berlin, 21. März. Die Eröffnung des Reichstages erfolgte heute in einer der hohen Bedeutung des Tages würdigen glänzenden Weise. Nur zwei Momente mögen hier kurz erwähnt sein. Das erste betrifft die Stimmung bei der Eröffnungsfeierlichkeit. Sie war eine solche durchweg, wie sie sich so großen welthistorischen Akten gegenüber edler Gemüther von selbst be-, , mächtigt, eine zugleich gehobene und bewegte. Bei Sr. Majestät dem Kaiser und König drückte sich die innere Empfindung und Bewegung charakteristisch im Tone der Stimme aus, die zuerst in tiefer Bewegung erzitterte und erst nach und nach den kräftigen energievollen Klang wieder fand. Das zweite Moment betrifft den Umstand, daß heute der Kaiser sich anstatt auf dem gewöhnlichen Thronsessel, auf demjenigen niederließ, der, als ehrwürdige Reliquie beS deutschen Reiches in Goslar aufbewahrt, in den Besitz des Prinzen Karl gekommen und von diesem seinem erlauchten Bruder zur heutigen Feier verehrt war. Diese Reliquie ist der Thronsessel des weiland deutschen Kaisers Heinrich Hl. (Frkf. Pr.) Berlin, 22. März. (Pr.) Die Pariser „neue Regierung", das Komite der Pariser Nationalgarde, erklärte, den Präliminarfrieden van Versailles anzuerkennen und ordnete Bevollmächtigte nach Brüssel ab. Berlin, 22. März. Die Provinzialkorrespondenz schreibt bezüglich der Pariser Vorgänge: „Wir werden uns in die innern Kämpfe zu Paris und in Frankreich auch jetzt gewiß nicht mischen. Unsere Interessen, die Ausführung der uns ertheilten Zusagen werden wir unter allen Umständen zu wahren wiffen. Wir haben selbstverständlich zunächst nur mit der von der Nation erwählten, von allen Mächten anerkannten Negierung zu thun und werden abwarten können, wie dieselbe ihre Stellung und ihre große Aufgabe wahrzunehmen Willens und fähig ist. Seitens unserer Negierung sind alle Vorkehrungen getroffen, um unfern berechtigten Forde rungen alle,'Zeit nach allen Seiten vollen Nachdruck zu geben." Berlin, 22. März. (Pr.) Bereits entlassene Landwehrmänner haben Befehl erhalten, sich zum Wieder cinrücken bereit zu halten. Sämmtliche Truppen werden an die äußerste Grenze der Besetzungslinie dirigirt. Große Sendungen von Proviant und Munition nach Frankreich sind angeordnet. — Aus Brüssel wird gemeldet, daß die Tuilerien in Brand gesteckt seien. In Paris herrscht Lebensmitteltheuerung. Auch Bordeaux ist in voller Aufregung; nach Conti und Der Badener Wacht. Geschützesdonner wiederhallt Im schneebedeckten Wasgauwald; Zum Angriff rückt im Siegeswahn Der Franken letztes Heer heran. Die Badner mit geringer Macht, Sie hielten in den Pässen Wacht. Es drohte ja von Feindes Hand Gefahr dem theuren Vaterland; Er wollte, wie zu Melac's Zeit, Das Land verwüsten weit und breit. Kannst ruhig sein, schön Badner Land, Es halten deine Söhne Stand. Und ehe noch der Kampf begann, Da riefen alle wie ein Mann: Wir halten in dem harten Strauß Bis auf den letzten Mann noch aus; D'rum, theure Heimath, zage nicht, Die Badner kennen ihre Pflicht. Wie trafen ihre Kugeln gut: Wie ward der Schnee so roth von Blut! Und die zum Angriff angestürmt, Als Leichen lagen aufgethürmt. Die Badner wichen nicht zurück; Der Tag neigt sich für sie mit Glück. Und als die Nacht gekommen war, Da sprach die kleine, tapf're Schaar: Der Tag war blutig, wild und heiß! Was liegen wir auf Schnee und Eis! Der Franke fühle unfern Arm, Das hält uns wach und frisch und warm. „Franzosen auf, vom Schlaf erwacht, Wir haben euch Besuch gemacht." Mit Kolben ging's auf sie hinein, Gar mancher schlief auf ewig ein; Und was nicht floh von jenem Ort, Das schleppte man gefangen fort. Doch bei des nächsten Morgens Schein, Als Losung ging durch ihre Reih'n: „Wir stehen fest im blut'gen Feld, Wenn auch der Letzte von uns fällt; Und finden wir auch hier das Grab, Ganz Deutschland sieht auf uns herab." Der Donner der Kanonen rollt, Der Franke knirscht vor Zorn und grollt: „Dies Häuslein könnt' uns widersteh'«," Wir müßten ja vor Scham vergeh'»! Doch eine eherne Mauer stand Als Wache für das Vaterland. Und bei des dritten Tages Licht Die kleine Schaar entschlossen spricht: „Jetzt erst recht fest, dann hinterher, Dem Feind zur Schmach und uns zur Ehrl" Und an der Helden Widerstand Der Franken Hoffnung ward zu Schand. D'rum, wo man spricht vom heil'gen Krieg, Der uns geführt von Sieg zu Sieg, Wird auch der Badner Ehrenwacht Allüberall mit Ruhm gedacht. Sei ruhig, Deutschland, immerdar, Von Frankreich droht nie mehr Gefahr. (Bad. Ldztg.) 290 Lavalette wird gefahndet. Ein weiteres Flüchten der besitzenden Klasse aus Paris wurde vom Zentralcomite verboten. Wik», 14. März. Gestern excedirte im benachbarten Laben eine bedeutende Menschenmenge gegen eine im Hotel „Zur Stadt Wien" veranstaltete deutsche Friedensfeier. Sämmtliche Spiegel und die aufgestellte Statue der Germania wurden zertrümmert. Wir«, 14. März. Im 4 Vierteljahre 1870 wurde laut Ausweis des Adelsarchives des k. k. Ministeriums des Innern eine Adelsentsetzung vorgenomwen, und zwar an Heinrich Grafen Bellegard^Weltpriester und päpstlicher Hausprälat, wncher vom Wiener Landesgerichte wegen Betrugs abgeurtheilt wurde. Graz. 20. März. (Presse.) Das deutsche Sieges- und Friedensfest, an dem gegen 800 Personen theilnahmen, wurde unter begeisterter Stimmung begangen. Universitätsprofessor Jl- wof, Dozent Hugelmann und der Abgeordnete Schloffer hielten Festreden, welche unter rauschendem Beifalle ausgenommen wurden. In die „Wacht am Rhein", das „Deutsche Lied" und „Hurrah Germania" stimmte die ganze Versammlung ein; Begrüßungen langten ein von allen steierischen Reichsraths-Abgeordneken und von zahlreichen deutschen Vereinen des Landes. Prag, 20. März. (Presse.) Es wurde hier angesragt, ob und wie eine sprachliche Trennung der Universität durchzuführen sei, und wie dieselbe am Polytechnikum sich bewährt habe. Genf, 24. März. Privatnachrichten des Journals de Geneve zufolge ist die Telegraphenverbindung mit Lyon in der Nähe von Lyon abgeschnitten. Es heißt, die Aufrührer besäßen die Stadt und die Forts und hätten sich mit dem Pariser Centralausschusie in Verbindung gesetzt. Florenz, 21. März. (F. I.) Abermals läuit das Gerücht um von der Absicht des Königs, adzudanken. — Auf der Mont-Cenisbahn findet eine gänzliche Verkehrseinstellung wegen großer Lawinenstürze statt. Florenz, 21. März. In der heutigen Sitzung der Depulirtenkammer wurde der Gesetzentwurf über die dem Papste zu gewährenden Garantien mit 185 gegen 106 Stimmen angenommen. Der Senat genehmigte die finanziellen Abmachungen mit Oesterreich. Madrid, 20. März. (F. I.) Die spanische Regierung wies den Anlrag der Vereinigten Staaten wegen Abkaufs Portorilo's und Ku- ba's zurück. Paris, 21. März. (N.Z.Z.) Abends 10 Uhr Ende der Sitzung in Versailles. Thiers sagt: Die Regierung erklärt Paris den Krieg nicht und gedenkt nicht nach Paris marschiren zu lassen. Sie erwartet nur, daß Paris uns durch einen Akt der Vernunft die Arme öffne, um ihm schnell die unfern entgegen zu strecken. — Schlußkurs der Börse: Rente 51. Paris, 21. März. Das Journal officiel de la Coniöderation Republicaine schreibt: Das Zentralkomite hat beschlossen, die Friedensbedingungen zu achten; „aber," schreibt das genannte Blatt, „es scheint gerecht zu sein, daß die Urheber des fluchwürdigen Krieges auch den größeren Theil der Kontributionssumme tragen. Inmitten der Ohnmacht der herrschenden Klassen, begriffen die Proletarier: es sei die Stunde gekommen, rettend in die Lage einzugreifen und die Leitung der öffentlichen Angelegenheiten zu übernehmen." Der Artikel fragt das Bürgerthum ob es nicht begreife, daß die Zeit der Emanzipation gekommen sei? Bezüglich der Erschießungen bemerkt das Blatt, sie seien betlagenswerth, rechtfertigt aber das kriegsrechtliche Verfahren, da Lecomte auf eine Menschenmaffe, in welcher sich Frauen und Kinder befanden, viermal Feuer kommandirt habe, Thomas aber verkleidet den Plan der Barrikaden ausgenommen habe. Telegraphische Nachrichten. Paris, 23. März. Die amtliche Zeitung des Cenlralkomites veröffentlicht ein Schreiben des befehligenden Generals des deutschen Heeres in Compiegne, Schlotheim, an den Oberbefehlshaber in Paris. Schlotheim zeigt an, daß die Deutschen, welche Forts im Norden und Osten von Paris besetzt halten, Befehl haben, so lange eine zuwartende freundliche Haltung zu beobachten als die Ereignisse, deren Schauplatz das Innere von Paris sei, keinen derartig feindselig Charakter gegenüber den deutschen Heeren annähmen, daß letztere gefährdet würden, sich vielmehr innerhalb der durch die Friedensgrundlagen bestimmten Grenzen halten. Sobald jedoch diese Ereignisse einen feindseligen Charakter annähmen, würde die Stadt Paris feindlich behandelt werden. Der Delegirte des Cenlralkomites für auswärtige Angelegenheiten antwortete hierauf: Die Revolution, welche sich in Paris durch das Cen- tralkomite vollzogen, besitze wesentlich einen kommunalen Charakter, sei mithin in keiner Weise feindlich gegen die deutschen Heere. Auch haben wir, fügte der Delegirte hinzu, keine Befugnisse, die durch die Nationalversammlung in Bordeaux angenommenen Friedensgrundlagen in Berathung zu ziehen. Paris, 23. März, Mittags. Der Centralausschuß beschloß, alle in Paris anwesenden Soldaten der Nationalgarde einzuverleibeu. Das Manifest vom 23. März sagt: „Wir werden auf dem Posten, auf den Ihr uns gestellt habt, nur so lange bleiben, als zur Ausführung der Gemeiudewahlen nolhwendig ist. Nach Eurem Willen sind die Wahlen bis zum 26. d. verschoben. Bis dahin rperden kräftige Maßregeln getroffen sein, um den Rechten, die ihr Euch wieder errungen habt, Achtung zu verschaffen". — Die Maires und Adjunkten von Paris haben folgende Ernennungen getroffen: Admiral Saiffet zum 'Oberbefehlshaber der sttational- garde, Langlois zum Generalstabschef, Schölcher zum Oberbefehlshaber der Artillerie. Saiffet hat fein Quartier auf dem Börsenplatz. Mehrere Bataillone des Seinedepartements verlangen Waffen, um die Empörer zu bekämpfen. — Es heißt, General Ducrot sei von den Truppen erschossen worden. Bukarest, 23. März. Gestern Abend stürmte der Pöbel den Saal, in welchem die hier lebenden Deutschen den Geburtstag des deutschen Kaisers feierten und zerstörten ihn in Gegenwart des deutschen Generalkonsuls v. Radovitz. Mehrere Verwundungen fielen vor. Das Ministerium , so wie der Polizeipräfekt reichten ihre Entlassung ein. Ueber die Züricher Vorfälle. (Schluß.) Das Toben draußen wurde immer wüthender. Die Polizei that vollständig ihre Pflicht, war aber viel zu schwach. Hr. Polizeipräsident Stadt- rath Hagenbuch, der alle seine Energie entfaltete, wurde persönlich mißhandelt. Auch Hr. Regierungsrath Wälder trat aus der Halle entschieden den Tumultuanten entgegen; seine Autorität wurde aber schwer mißkannt und er selbst gröblich beschimpft. (Auch noch auf dem Wege nach und von seiner Wohnung in Unterstraß sah er seine Person gefährdet, und man besorgte selbst einen Angriff auf seine Wohnung.) Noch weniger richtete Hr. Polizeidirektor Müller aus, zumal er stets in der Halle geblieben sein soll. Hr. Oberst Stadler, der sich ganz wacker benahm, mußte sich seiner eigenen Person mit dem Säbel erwehren. Hr. Oberst Hcß, als Platzkommandant, ließ endlich das Militär heranrücken; aber es kam wohl eine Stunde zu spät. Im Anfang hätte er, meint man, den Platz frei halten und so vielleicht Alles verhüten können. Nun waren die anrückenden Soldaten auch nicht mehr ausreichend. Ueberdieß fehlte es ihnen sowohl an entschiedener Führung, als am eigenen guten Willen, die Deutschen in der Tonhalle zu schützen. Hrn. Oberst Ziegler, der in Civil auf den Platz kam, wurde von Soldaten bedeutet, er solle zuerst die Uniform anziehen, wenn er befehlen wolle; er eilte heim, zog sie an, richtete aber doch nicht sehr viel aus, und wurde ebenfalls beschimpft. — Das Steinwerfen war förmlich organisirt; baumstarke Kerls sahen wir, denen Hintenstehende die massenhaft herbeigeführten Steine boten, sogar bis zwischen die Soldaten mit den Worten „Excusez!“ sich vordrängen und sicher zielend werfen. Wir hörten Soldaten rufen: „Werfet nur nicht auf uns!" Wieder andere: „Wir sind eigentlich gar nicht dazu im Dienst, hier zu stehen, sondern die Franzosen zu bewachen!" Einer soll sogar das Volk beruhigt haben: „Wenn wir schießen müßten, so würden wir lieber hinein als heraus schießen." Und sa fort! Selbst von Offizieren wurden unerbauliche Bemerkungen gelhan, die aber wohl eher den Zweck hatten, abzuleiten, wie, als Einer, da eine Anzahl Damen mit Steinen und Erdschollen verfolgt wurden, mit den Worten abwehrte: „Macht was ihr wollt; aber die Frauenzimmer beschimpft und bemerkt nicht!" In dem der allgemeinen Wirthschaft freige- lassenen Wirthschaftslokale, dem sog. „Schlauch", hatten sich eine große Anzahl Franzosen und Franzosenfreunde eingefnnden. Als draußen der Tumult aus's Höchste gestiegen war, fanden diese, jetzt sei auch ihre Zeit gekommen. Es ist Lüge, daß sie irgendwie direkt beleidigt worden seien, Lüge, daß ein deutscher Student einem Offizier Käppi und Degen von der Wand gestohlen und als Trophäe in den Saal hineingetragen, Lüge, daß ein besternter französischer Offizier, der mit Karte (!) in den Saal habe eintreten wollen, mit einem Todtschlägerhieb niedergeschlagen worden sei. Etwa 15 Offiziere mit ihren Burschen und von anderm, Knittel führendem Anhang gefolgt, drangen mit gezogenen Degen, trotz der äußersten Gegenwehr des Wirthes, Hrn. Böller, der seinem gegebenen Versprechen in ehrenhaftester Weise rachzukommen suchte, durch die Wirth- schaft die Treppe auf das Podium hinauf, und schlugen die Thüren ein. Rasch entschlossen stellten die Sänger und Musiker sich ihnen entgegen, nahmen zu Musikpulten und Stuhlbeinen ihre Zuflucht und drängten die Friedensstörer in die Wirthschaft hinunter. Da kam es zu ernstem Kampf, die Franzosen wurden entwaffnet und theils hinausgedrängt, theils verhaftet. Auf beiden Seiten gab es Verwundete; ein Franzose ist tödtlich verwundet, aber auch ein deutscher Sänger, Hr. Photograph Riedel, erhielt eine schwere Verletzung. Natürlich großartige Zertrümmerungen in der Wirthschaft. Erst jetzt wurden vur dem Orchesterraum herunter die Siegestrophäen, Käppi und Degen gezeigt, und ein gefangener französischer Unteroffizier wäre von seinem erbitterten Gefangennehmer beinahe in das Schiff hinunter geworfen worden. Es wird nicht bestritten, daß die Deutschen sich streng auf Abwehr des Einbruchsversuches beschränkten und daß im Innern des Gebäudes kein Schuß fiel. Man fügte sich streng den Befehlen des Präsidenten und des Platzkommaudanten, obschou ein Ausfall nicht ohne Erfolg gewesen wäre, und es Vielen schwer fallen mußte, die Gefahr abzuwarten und passiv darin auszuharren. Endlich wurde man auch draußen etwas ruhiger, nicht so fast Dank dem Militär, als weil die Angreifer ermüdet sein und ihre Rache befriedigt haben mochten. Nach vierstündiger Belagerung — von 8 —12 Uhr — mit Steinen verfolgt und schmählich, namentlich in ihren Frauen beschimpft, entkamen in kleinen Abtheilungen und zum Theil über den See — auch da noch in Schiffen verfolgt — die Festfeiern- den, und die Tonhalle war gegen 3 Uhr fast vollständig geleert. Vermischte Nachrichten. O f f e n b u r g, 25. März. Heute Mittag 2 Uhr sind 3 Kompagnien bad. Festungsartillerie, von Belfort kommend, hier eingerückt, vom Gemeinderath, der Feuerwehr mit ihrer Musik und einigen Vorreitern, der Concordia, Mädchen in weißen Kleidern mit Kränzen, Knaben mit Fähnchen ». einer ungeheuren Volksmenge unter Böllerschüssen jubelnd empfangen. Die Leute sahen trotz Hitze und Staub rüstig aus uud wurden, mit Blumen und Kränzen schon überdeckt, aufs neue vom Blüthenregen übergoffen. Am Eingang der eigentlichen Stadt, in der Nähe der Mühle, erwartete sie ein Triumphbogen mit den Aufschriften: Hurrah den deutschen Kriegern! Willkommen! — Ja, willkommen nach solcher Arbeit! Freudig empfängt das Vaterland seine ruhmbedeckten Söhne. — Die 4. Kompagnie des Bataillons hat Rückbefehl nach Neubreisach erhalten. Bern, 23. März. Bei Cclombier gerieth heute Nachts 2 Uhr ein Zug mit Jnternirten auf ein falsches Geleis und stieß auf einen Güterzug, wodurch 22 Personen getödtel und 72 verwundet wurden. 291 Dienstag den 28. d. M., Herren bestens eingeladen sind. 983. Bekanntmachungen. Landwirthschaftliche Bezirksstelle Offenburg. Morgens 11 Uhr, findet in der alten Pfalz in Offenburg eine Directionssitzung statt, wozu die betreffenden Der Vorstand. O f f e n b u r g. Bekanntmachung. Nr. 3662. Christine geb. Fels, Wittwe des Mathias Fahrländer, Weber von Altenheim, hat nach Verzicht der nächsten Erben um Einweisung in Besitz und Gewähr der Verlafsen- schaft ihres ff Ehemannes gebeten. Dies wird unter Bezug auf L.R.S. 767 ff. bekannt gemacht. Offenburg, den 18. März 1871. Großh. Amtsgericht. _ Ried? 981.3.1. Fahrnist-Versteigerung 971. 2.1. Am Donnerstag den 30. d. Mts., Vorm. 9 Uhr, läßt Schreiner Valentin Brü- derle Wwe. von hier bei ihrem Hause im Klosterhose dahier folgende Fahrnisse gegen Baar- zahlung versteigern: 4 Weinfässer, 1 große Bütte, 2 Büttiche, 1 Brühfaß, 1 aufgerüsteten einspännigen Kuhwagen, 1 hölzerne Egge, 1 Winde, 1 Strohstuhl, 1 Baumsäge, verschiedene Ketten und allerlei Feld- und Handgeschirr, sodann 3 Hobelbänke mit dazu gehörigem Schreinerhandwerksgeschirr, 1 Partie tannene Dielen, thcils 15, theils 22 Fuß lang, Seifenborde und Flöcklinge und eine weitere Partie hart- holzene Dielen und Flöcklinge. Sodann hat dieselbe eine Schreinerwerkstätte mit Wohnung und Kuh- und Schweinstall zu vermiethen. Gengenbach, den 22. März 1871. Das Bürgermeisteramt. Abel. Kaiser. Steigerungs-Ankündigung. 927.3.3. Dienstag den 28. d. M., Nachm. 1 Uhr, werden auf dem Rathhause in Appenweier ca. 20 Ctr. Mehl, mehrere Ctr. Reis, Bohnen, Erbsen, Linsen um Baarzahlung versteigert. Äppenweier, den 22. März 1871. Das Bürgermeisteramt. Kuvferer. Möbelversteigerung. Frau Schreinermeister Josef Müller Wittwe läßt am Montag den 27. März d. I., Vormittags halb 9 Uhr, in ihrer Behausung in der Gerbergasse dahier wegen Geschäftsaufgabe öffentlich folgende neue Möbel versteigern: Chiffoniere, 16 Kommode, 4 Sekretäre, 6 Ar- beitstischle, mehrere Nachttischle und runde Tische, polirte Bettstatten, Konsoltische und Pfcilerkom- mode, 2 Spieltische, 2 Küchenkästen, sodann eine große Partie tannenes, eichenes, nußbaumenes und anderes Nutzholz. Nachmittags halb 2 Uhr kommen zur Versteigerung: eine große Partie Fourniere und zu gerichtetes Fournierholz. Offenburg, den 17. März 1871. 876.3.3 A. A.: Alois Stöhr. Steigernngs - Ankündigung. 954. 2.1. In Folge gantrichterlicher Verfügung werden am 30. und 31. März d. I. die zur Gantmasse des Kronenwirths Louis Hauser in Hausach gehörenden Fahrnißgegenstände in besten Wohnung im Vollstreckungswege gegen gleich baare Bezahlung öffentlich versteigert, und zwar: Am 30., Morgens 8 Uhr anfangend. sämmt- liches vorhandenes Glas, Porzellan und irdenes Geschirr, Küchengeschirr, Spiegel, Tafeln, Glaskästen, Küchenschrank, eine Brückenwaage und Gewicht, Löffel, Messer, Gabeln, Kübeln, Standen, Kleidungsstücke, verschiedenes Weißzeug, Vorhänge, 30 Unterband Garn und den vorhandenen Dung rc. Am 31. März d.J., Morgens 8 Uhr, circa 27 Ohm Wein, 14 Stück Weinfässer verschiedener Größe', 3 Faßlager, 3 Auszug- Tische, mehrere lange Tische und Stühle, Lehnstühle, Sessel, runde Tische, Nacht- tischle, 2 Uhren, 7 aufgemachte Betten, 2 Chiffoniers, 3 Roste, 3 Pferdhaarmatratzen, 2 Waschtische, 3 Plumeaux, 1 Kleiderkasten und sonst noch verschiedene Fahrnißgegenstände, sowie noch ausstehende Forderungen; wozu die Steigerungsliebhaber eingeladen werden. Haslach, den 23. März 1871. Semmling, Gerichtsvollzieher. Friesenheim. Verkauf auf de» Abbruch. 933 3.2. Montag den 3. April, Nachmittags 3 Uhr, lasse ich die von Frau Killius Wwe. erkauften, nachstehend verzeichneten Gebäulichkeiten auf dem Platz im öffentlichen Aufstreich an den Meistbietenden zum sofortigen Abbruch »erlaufen: 1 einstöckiges Wohnhaus, 25' breit u. 41 %' lang,. 1 iVrstöckige neue Scheuer und Stallung, 32Vr' breit und 35' lang, 1 Vchuppen, 23' breit und 37' lang, 2 Schweinställe, 24' lang, .1 steinernes Brunnengeftell mit Trog. L. Braun, Apotheker. Offenburg. 928.3.3. Am Montag den 27. d. M. kommt im Gasthaus zu den _Königen ein großer Transport schöner Polakenschweine an. Ladenvermiethung und Ladenwaarenverkauf, als: Kleineisenwaaren, Firnisse, Färb- und Spe- cerciwaaren, werden wegen Ladenaufgabe billigst abgegeben. Offenburg, den 24. März 1871. Wm Bodenheimer, 977.2.1. Gerberstraße. 958.2.1. 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Mit dem 1. April beginnt ein neues Abonnement auf die „Neue Mühlhauser Zeitung". Dieselbe ist durch ihre ausgedehnten Verbindungen in den Stand gesetzt, schnell, vollständig und unparteiisch über die politischen Tagesereignisse zu berichten. — Ihre besondere Aufmerksamkeit wird sie den Interessen des Elsasses, namentlich den industriellen und merkantilen, widmen. Die Zeitung erscheint täglich, mit Ausnahme Montags und kostet vierteljährlich 6 Fr. ohne Postaufschlag. — Man abonnirt bei allen Posianstalten und Zeitungsagenten. Inseraten kosten die 3gespaltme Petitzeile oder deren Raum 20 Cls., bei öfterer Wiederholung entsprechenden Rabatt. Müh l h g u s e n, im März 1871. Die Expedition der Neuen Mühlhauscr Zeitung. Wildemannsgasse Nro. 12, im Hinterhaus. HARMONIE MUSIK. Millstätter Naturbleiche. 788. Wir zeigen hiermit ergebenst an, daß wir unsere seit Jahren berühmte Naturbleiche -—wieder eröffnet haben und bemerken noch, daß die Leinwand, welche in Folge des Krieges nicht fertig gebleicht wurde, nun vollständig gebleicht wird und können von nun an alle Bleichgegenstände hei unsern Herren Agenten abgegeben werden. In Offenbürg bei Hrn. Wenk, Kfm., ‘ « „ Durbach bei Hrn. Geiler, Kfm., „ Urloffen bei Hrn. Albert, Kfm., „ Altenheim bei Hrn. Frank, Kfm., „ Legelshurst bei Hrn. Er har dt, Kfm., „ Frieseuheim bei Hrn. Kiesele, Kfm., „ Griesheim bei Hrn. Falk, Bierbrauer, „ Windschläg bei Hrn. Schneckenburger, Bierbrauer. Zahlreichen Einlieferungen sehen entgegen und sichern gute Bedienung zu 3^3. _ I. Geck Wwe. & Sohn. 956.2. 2. Sonntag den 26. ch. M. spielt die Ortenberger Harmoniemusik bei dem Unterzeichneten, wozu freundlichst einladet: Göring zum Posthorn in Fessenbach. N.B. Für gute Küche (Fische, Schweine- knöchelchen) und Weine ist bestens gesorgt. 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Es ladet die Herren College» zu zahlreichem Erscheinen freundlich ein: Offenburg, den 24. März 1871. Der Vorsitzende. Offenburger Fruchthalle. Markt vom 24. März 187 1. Frucht- Gattung. Cin- ge- sührt. Aufgestellt v. letzten Markt. Verkauft. Mittel- preis per Ctnr. Bleiben aufgestellt. Ctnr. Ctnr. Ctvr. fl. kr. Star. Waizen .... 157 157 7 42 — Kernen. — — - - — — — Halbwaizen . . 54 — 54 6 12 — Korn. 24 — 24 5 30 — Haber. 10 — 10 6 — — Gerste. 32 — 32 6 6 — Welschkorn. . . — — — — — 277 — 277 — — An J.. s. 976. Vorbeigegangen, jedoch nicht einen einzigen Blick — womit habe dies verdient? Hrzl. Gß. bl. Für die Redaction verantwortlich A. R e i i f. Di uct und Bcriaq von A. Reiff und Comp.