AerArtemuerWote. Amtliches Verkündigungsblatt für kn Kreis Offenburg, sowie für die Bezirksämter und Amtsgerichte Offenbur g und Geugenbach. Erscheint täglich mit Ausnahme MontagS, und kostet vierteljährlich in Offenburg 1 fl., für den Landpostbezirk 1 fl. 2 kr., für die übrige« Postbezirke 1 fl. 7 kr. EinrückungSgebühr: die gespaltene Garmondzeile oder deren Raum 3 kr. Nro. 84. Offenburg, Samstag den 8. April ä 1871. ■■ . - .- .y' . y- ■ . — Politische Rundschau. Offenburg, 7. April. Die treuliche Anfrage Cochranes und Hoars im englischen Parlamente, warum die englische Negierung für Frankreich keine milderen Friedensbedingungen erwirkt und während des Krieges die Bündnisse der Staaten, welche für Frankreich eintreten wollten, verhindert habe, hat immerhin eine interessante Bestätigung über eine Sache gebracht, über die man längst munkelte. Bezüglich des ersten Punktes nämlich antwortete Gladstone ganz einfach, daß das eben nicht möglich, daß die Präliminarien^ schon geschloffen gewesen seien als England in Versailles vermitteln wollte; bezüglich der franzosenfreundlichen Staaten und ihrer Bündniffe aber, sagte er, habe England die Ausdehnung des Krieges verhütet, indem es Oesterreich, das Lust hatte mit den Franzosen zu halten, zurückhielt und auf die sofortige gegenseitige Verbündung Rußlands mit Preußen aufmerksam machte; ähnlich bei Dänemark. Das wirft ein eigenthümliches Licht auf die gegenwärtigen Freundschaftsversicherungen Oesterreichs zum neuen deutschen Reich sowie auf die herzliche Beglückwünschung Bismarcks von Seiten Beusts anläßlich seiner Erhebung in den Fürstenstand. — Die Dinge in Frankreich gehen den neuesten Nachrichten zufolge doch einer Entscheidung zu Gunsten der gesetzlichen Gewalten entgegen; wie lange es aber dazzern wird, bis man in Paris selbst als Sieger einziehen wird, um der tollen Revolution ein Ende zu machen, ist noch nicht zu ersehen. — In Rumänien noch keine Aenderung des ungewiffen Zustandes. Einen Tag heißt es der Fürst wolle wieder bleiben, andern Tags will er doch fort. — In Italien neuerdings starke Finanzverlegenheiten, «ährend in Preußen merkwürdiger Weise selbst trotz dem Kriege 6 Millionen mehr Einnahmen ffch Herausstellen sollen als man veranschlagt h?tte. — In Spanien hat der neue König die Cortes eröffnet, die eine bedeutende Mehrheit Stimmen für seine Regierung aufweisen sollen (?). — Im deutschen Reichstag ist die Annahme der Reichsverfaffung ohne Aenderungen erfolgt. Ueber die Absichten der Ultramontanen mit Millionen und Milliarde«. (Fortsetzung.) Es war keine leichte Sache, diese blanken Silberlinge nach Wien zu bringen, und ich erinnere mich, gelesen zu haben, daß dazu eine separater Eisenbahnzug nöthig war, denn sie wogen nahe an 700 Centner, diese kaum 2 Mill. Thaler! Ja, so eine Million ist schon ein gewaltig Ding, so wenig es uns auch im alltäglichen Leben Skrupel machen mag, Den oder Jenen frischweg ohne Kontrole als „Millionär" auszugeben. Ich für meinen Theil habe über me Million meine ganz eigenen Gedanken, seit ich weiß daß ich, selbst wenn ich tagtäglich ge- wrstenhaft einen Gulden bei Seite lege und ihn c> J e Sinne ruhig liegen lasse, etwa 1777 ^ahre alt werden müßte, ehe ich's auf diese Werse zum Millionär bringe. Doch schon viel zu lange haben wir uns bei dieser Millionen- klermgkelt aufgehalten, zumal wir nicht von Millionen, sondern eigentlich von Milliarden zu reden haben. Was ist Eine Milliarde? Je nun eine Milliarde rst tausend Mal eine Million, ihren verstümmelten Grundrechten sind bedeutende Reden gehalten worden, die wir, womöglich, theilweise nachtragen werden, so besonders die von Treitschke; der neue Name Centrum, den sich die Herren beilegten, hat nicht gehindert die Vögel an den Federn zu erkennen. Bezüglich der übrigen Parteien dieses Körpers ist zu bemerken, daß sich eine deutsche Reichspartei und eine liberale Reichspartei gebildet hat, jede mit ungefähr 30 Mitgliedern; die stärkste ist die der Nationalliberalen; indeß sind bis jetzt, namentlich den Ultramontanen gegenüber, fast alle Parteien national und einig gegangen — ein rühmliches Verhalten. — Dem Prof. Döl- linger in München wird, wie man vermuthete, keine Gelegenheit gegeben sich vor einer Versammlung von Bischöfen oder Theologen zu rechtfertigen oder zurechtweisen zu lassen. Rom, heißt es bei diesen Herren, hat gesprochen, und das Concil, sagt der neueste Hirtenbrief des Erzbischofs von München, steht über der historischen Forschung und Wahrheit — gewiß ein kurzer Beweis! — München, 4. April. (Fr.J.) Stiftsprobst Dr. v. Döllinger ist, wie leicht begreiflich, jetzt der Gegenstand allgemeiner Anerkennung und Bewunderung geworden. Als es gestern bekannt wurde, daß er das Hochamt in der Allerheiligen- Hofkirche celebriren werde, strömte eine solche Menge Volkes in die Kirche, daß diese kaum auch nur die Hälfte derselben zu^fien vermochte. Der Telegraph, die Stadtpöst, jeder Bahnzug bringt eine Unzahl von Zuschriften, beistimmenden Erklärungen und Glückwünschen. München, 5. April. Anläßlich der Erklärung Döllinger's erließ der Erzbischof von München- Freystng einen Hirtenbrief, welcher folgende Sätze ausführt: 1) Es liege nicht erst eine zu entscheidende Frage vor; die Frage sei durch das allgemeine, regelmäßig berufene, frei versammelte und vom Kirchenoberhaupt geleitete Concil entschieden. 2) Die historische Forschung dürfe nicht über die Kirche gestellt werdm. 3) Die Behauptung, daß die Concilsbeschlüffe mit den Verfaffungen der europäischen Staaten unvereinbar und dem deutschen Reiche verderblich seien, werde als irrthümliche Unterstellung und tausend Millionen. Sehr richtig, aber entspricht diese arithmetische Definition auch nur annähe- rend der Schwierigkeit, sich das Bild einer Milliarde zu vergegenwärtigen? Die Täuschung ist dabei fast Regel, und wie leicht unsere Fassungskraft den Faden verliert, davon hat uns der geistvolle Julius Rodenberg vor etlichen Jahren ein Beispiel gegeben. In einem Buche über London erzählte er, daß die große Themsestadt jährlich nahe an 2 Billionen Häringe verspeise. Von den zahlreichen Lesern des Buches schlüpften wohl die Meisten, ohne es auffallend zu finden, über dieses gesalzene Datum hinweg. Einer aber nahm sich die Mühe, ein wenig nachzurechnen, und stehe da, er fand, daß, wenn Rodenberg nicht übertrieben, jeder Einwohner Londons täglich 2740, macht stündlich 114 Stück Häringe verzehren müßte. Auf den Lapsus unter weitläufiger Ausführung einer ganz amüsanten, auf jenen 2 Billionen fußenden Häringsstatistik aufmerksam gemacht, korrigirte Rodenberg selbst in der 4. Auflage seines Buches die Angabe mit vielem Humor dahin, daß London nach officiellen Daten Anno 1862 an frischen, gehässige Anklage mit lautestem Protest zurückgewiesen. Durch Döllinger's Erklärung, welche den Verfasser, falls er daran festhalte, von der katholischen Kirche absondere, sei die längst gehegte Vermuthung zur höchsten Wahrscheinlichkeit gestiegen, daß der Verfasser das geistige Haupt der ganzen gegen das Concil gerichteten Bewegung sei. Die einzuleitenden Schritte werden nicht minder die für die Kirche in Deutschland drohende Gefahr als die Liebe für einen irrenden Mitbruder im Auge behalten. Berlin, 2. April. Rede des Fürsten Bismarck in der gestrigen Sitzung des Reichstags gegen die Polen, welche beantragt hatten, die unter preußischer Herrschaft stehenden polnischen Landestheile vom Reiche auszunehmen. „Ich bestreite Ihnen — und ich glaube, es geschieht von dieser Stelle schon zum zehnten Male — das Recht, sich auf einen Vertrag für Sonderstellung einzelner Provinzen im preußischen Staat zu berufen. Sie haben es stets sorgfältig vermieden, diese Verträge ihrem vollen Wortlaute nach anzuführen. Ich habe im preußischen Landtage an dieser Stelle Gelegenheit gehabt, dies wörtlich nachzuweisen, und nur, weil Sie hier unrichtige Behauptungen wiederholen, muß ich auch meinen Widerspruch dagegen wiederholen. Es wäre die Existenz des Großherzogthums Posen und Westpreußens im preußischen Staat, wie sie seit einem halben Jahrhundert ist, nicht möglich gewesen, wenn etwas derartiges, wie Sie stets wiederholt anführen, ut den Verträgen stipulirt wäre. Ich möchte Sie dann auch daran erinnern, uns mehr durch das Beispiel der Duldsamkeit als durch Ihre Worte zu belehren. Wie hat sich denn die polnische Nation zu der Zeit, wo sie selbständig war, gegen die von ihr mit dem Schwert Unterworfenen verhalten? Wollen Sie uns das Benehmen, welches Sie gegen die Ruthenen, gegen die unter Ihrem Szepter lebenden Russen, gegen die Litthauer, ja gegen die Deutschen beobachtet haben, zum Muster empfehlen? Dann, meine Herren, würde Ihre Existenz in diesem Lande vollständig unerträglich werden, wenn wir Sie so behandeln wollten, wie Sie die durch Eroberung unterworfenen Deutschen behandelt haben. Die Herren, aedörrten, rohen rc. Häringen in runder Zahl 1,315,000,000 Stücke 'verspeise, also nicht zwei Billionen, sondern noch nicht einmal ganze zwei Milliarden. (Fortsetzung folgt.) »äthsel. Zweisilbig biet' ich dir ein Wort, Und sechse sind's der Zeichen; Nimm 1 für fich, hast du sofort Bewunderung, Schmerz, dergleichen; Nimm 1 bis 3, der Morgenstrahl Wird freundlich dich begrüßen Und aus der Welten goldnem Saal Dich heiliger Glanz umfließen; Nimm aber 2 bis 6, ein Licht Strahlt zaubrisch dir hernieder, Wenn es aus Nacht und Wolken bricht Und winkt dir freudig wieder; Das Ganze selbst auch strahlt uns hold Alsbald im frohen Feste, Erwacht im Frühlingssonnengold Begrüßen es die Gäste. 334 die sich mit der Spezialgeschichte von Westpreußen vertraut gemacht haben, werden sich erinnern, daß wir in diesen Tagen einen Gedächtnißtag für die Stadt Thorn haben feiern können, wo die polnischen Herrscher es den Deutschen mit blutiger Schrift bewiesen haben, wie sie nationale Sonderbestrebungen zu behandeln entschlossen waren. Fürchten Sie nicht, meine Herren, daß wir aus diesen historischen Reminiszenzen, zu denen Sie mich wider meinen Willen zwingen, irgend ein Beispiel oder eine Empfindlichkeit übernehmen. Die verbündeten Regierungen und insbesondere Ihre Landesregierung, die königlich preußische, wird fortfahren, in den Bestrebungen die Segnungen des Rechtsschutzes und der Gesittung unter den Dankbaren und unter den Undankbaren zu verbreiten, und glücklicherweise sind die Dankbaren in der Mehrheit auch bei Ihnen." Nach dem Abgeordneten Dr. v. Nie- goiewski nahm der Bundeskanzler noch einmal das Wort: „Meine Herren! Ich fühle, daß ich den Erwartungen der Versammlung weit mehr entsprechen würde, wenn ich jetzt nicht das Wort ergriffe. Ich thue es nur darum, um zu verhüten, daß eines jener Schlagwörter mehr in die Welt gesetzt werde, von denen ich an meiner Stelle nicht selten durch das Wohlwollen meiner parlamentarischen Gegner zu leisen gehabt habe, und so noch bis in die Tage des jetzigen französischen Krieges hin an dem Worte des Grafen Schwerin: „La force prime le droit, Gewalt geht vor Recht", was ich bekanntlich niemals gebraucht habe. Nun habe ich aus der Betonung des letzten Herrn Redners vermuthet, daß auch er sich ein neues Schlagwort vorbereitet: „Wir sind kein Volk." Ja, damit kann man viel Mißbrauch treiben; es kommt darauf an, was man unter dem „wir" versteht. In meinem Sinne verstehe ich unter dem „wir" — und damit unterschreibe ich vollständig den Satz — die etwa 20 Herren Abgeordneten, die sich hier als Volk geriren, und zwar als polnisches Volk. Sie, meine Herren, Sie sind wirklich kein Volk, auch vertreten Sie kein Volk, Sie haben kein Volk hinter sich, Sie haben nichts hinter sich, als Ihre Fiktionen und Ihre Illusionen, und zu denen gehört u. A., daß Sie vom polnischen Volke hierher in den Reichstag gewählt seien, um die polnische Nationalität zu vertreten. Ich weiß auch etwas davon, wozu Sie gewählt worden sind. Ich habe es Ihnen schon bei früheren Gelegenheiten auseinandergesetzt und kann Ihnen darüber auch jetzt nähere Spezialitäten geben: Sie sind gewählt, um die Interessen der katholischen Kirche zu vertreten, und wenn Sie das thun, sobald diese Interessen in Frage kommen, so werden Sie Ihre Schuldigkeit gegen Ihre Wähler erfüllen. Denn dazu sind Sie ehrlich gewählt, dazu haben Sie das volle Recht; aber hier das polnische Volk oder die polnische Nationalität zu vertreten, dazu haben Sie das Mandat nicht; ein solches Mandat hat Ihnen kein Mensch gegeben, und das Volk im Großherzogthum Posen und in Westpreußen am allerwenigsten; es theilt nicht die Fiktionen, die Sie vertheidigen: daß die polnische Herrschaft gut gewesen sei — oder nicht schlecht, wie der Herr Vorredner sich ausdrückte. Bei aller Unpartei lichkeit und bei aller Neigung, gerecht zu sein, kann ich Ihnen versichern, sie war ganz herzlich schlecht, und darum wird sie niemals wiederkommen!" — Berlin, 5. April. Sitzung des Reichstags. Der Prästoent verliest ein Schreiben des Magistrats von Berlin, welches den Reickstag zu dem städtischen Fest am 17. April einladet Darauf folgt Berathung des Nachtrags zu dem Bundeshaushalt. Die Kosten für ein neues Postgebäude werden definitiv angenommen. Ueber die Frage, ob die süvdeutschen Abgeordneten bei der Abstimmung zuzulaffen seien, findet eine kurze Debatte statt. Der Vorschlag des Präsidenten, die Sache vorläufig auf sich beruhen zu lassen, wird angenommen. Eine Resolution Frankenbergs, der Reichstag möge den auswärtigen Stammesgenoffen seinen Dank für die bewiesene Theilnahme ausdrücken, wird nach Befürwortung seitens des Antragstellers und kurzer Debatte, in welcher besonders der deutschen Preffe in Amerika und der Deutsch-Oesterreicher gedacht wird, einstimmig angenommen. Präsident Simson erklärt, er werde die Resolution drucken und an die deutsche ausländische Preffe versenden lassen. Es folgen hierauf Wahlprüfungen. Die Wahlen des Grafen Schulenburg, des Raths Müller, des Herzogs von Ujest und des Abgeordneten Obermayer werden beanstandet. Die nächste Sitzung findet am 12. April statt. Straßburg, 5. April. Graf Dürckheim-Mont- martin veröffentlicht in einem Schreiben an den Niederrb. Kurier die Eindrücke, welche er als Mitglied der elsässtschen Abordnung in Berlin gewonnen hat, und sagt zuletzt: „Die Grenzen, die ich dieser kurzen Mittheilung stecken muß, erlauben mir nicht, in nähere Details einzu- gchen; ich kann nur Folgendes schließlich noch hinzufügen: Die Beschlüsse, welche noch ferner gefaßt werden können — ja, ich kann sagen: das ganze Verfahren gegen unser Elsaß wird bald beweisen, daß ich mich nicht getäuscht, und daß, wenn jenseits der Vogesen hinter uns leider Alles morsch und faul zusammenstnkt, jenseits des Rheines eine gesunde Kraft vor uns steht, an die wir uns pflichtgemäß zum Heile unseres Landes unbedingt anschließen müffen, wenn wir wollen, daß auch unser Elsaß einer kräftigen Zukunft theilhaftig werde. F. Graf v. Dürckheim". — Gras Dürckheim ist wohl am meisten befähigt, die Interessen der ackerbauenden Bevölkerung zu vertreten. Im Bezirke von Weiffenburg steht er selber an der Spitze einer großen Landwirthschaft; er bewohnt in Frösch- weiler ein während der Schlacht des 6. August hart mitgenommenes Schloß; sein ältester Sohn, ein tapferer Reiterleutnant, starb zu Sedan, ein Opfer des Krieges. Um so mehr müssen die Worte 'des schwergebeugten Mannes, der ohn- längst noch als General-Inspektor der Thelegra- phie in aktivem Dienste stand, bei seinen Landsleuten ins Gewicht fallen. Bern, 5. April. (Bund.) Der Bundesrath hat heute beschloffen, den eidgenössischen Gesandten beim Norddeutschen Bunde, Hrn. Oberst Hammer, in bisheriger Eigenschaft bei Sr. Maj. dem Deutschen Kaiser zu beglaubigen. Paris, 4. April. Paris Journal bestätigt, daß Affy auf Befehl der Kommune verhaftet worden sei und gefangen gehalten werde. Wie es heißt, wäre derselbe bonapartistischer Umtriebe angeklagt. — Opinion nationale meldet, daß die Pariser Abgeordneten in Gemeinschaft mit den Maires einen Ausschuß der Versöhnung und des öffentlichen Friedens bilden. — Abends 6'/, Uhr: Die Amtszeitung veröffentlicht Folgendes: „Paris, 4. April, 11 Uhr Vorm. Der Nachtdienst geschah mit der größten Sorgfalt. Alle Punkte sind genügend mit Truppen besetzt. Gegenwärtig ist kein Anlaß zur Furcht mehr vorhanden, im Gegentheil, Vertheidigung und Angriff sind überall vollkommen eingerichtet." Diese Depesche wird sehr ungünstig ausgelegt; sie scheint die Gerüchte von einer entschiedenen Niederlage zu bestätigen. Der Durchgang der Thore ist mit Ausnahme der Mitglieder der Kommune Allen verboten. Die Blätter wünschen nichts sehnlicher, als die Möglichkeit einer Versöhnung herbeigeführt zu sehen. Gestern Abend soll zu diesem Zweck eine Besprechung ihrer Vertreter stattgefunden haben; auch hatten sie bereits eine Zusammenkunft mit Mitgliedern der Kommune. Paris. 4. April, 7 Uhr Abends. Seit heute Morgen finden bei Meudon Kampfe statt. Der Ausgang des gestrigen Kampfes war für die Nationalgarden, die sich zurückzogen, ungünstig. Paris, 5. April, 8 Uhr Morgens. Der Erzbischof von Paris ist verhaftet worden. Die Anklage lautet auf Verschwörung gegen die Sicherheit des Staats. — Man hört noch Kanonendonner. Die Schlachtfelder bei Clamart und Cbatillon sind mit Todten bedeckt. Bersailles, 3. April. Die Empörer hatten gestern 2000 Todte. — 4. April. Heute Nacht fand eine äußerst begeisterte Sitzung der Nationalversammlung statt. In derselben zeigte Hr. Thiers an, daß die Aufständischen gänzlich unterlegen seien und verhieß, daß der Aufstand baldigst ganz niedergeschlagen sein werde. Bersailles, 4. April. Der General Bergeret ist verschwunden. Die Nationalgarden sind ent- muthigt. Die Blätter der Kommune fahren fort, die grundlosesten Siegesberichte zu veröffentlichen. — Alphons und Gustav, v. Rothschild find aus Paris hierher geflüchtet, um der herannahenden Krisis auszuweichen. Marseille, 4. April. 5000 Mann Linien- truppen, welche in Marseille einrückten, haben die Empörer an der Eisenbahnstation geschlagen. Letztere haben sich hinter die Barrikaden der Stadt und nach dem Präfekturgebäude zurückgezogen.^ Sie ergaben sich, nachdem das Prä- seturgebäude 6 Stunden lang beschaffen worden war. Die Führer der Aufrührer find entflohen. Telegraphische Nachrichten. Mönche», 5. Apr. (A. Z.) Auf eine telegraphische Anfrage des Erzbischofs in Rom wegen des Verhaltens in Bezug auf Döllinger erfolgte die Antwort: es sei dem Ermessen deS Erzbischofs anheimgegeben. Der Erzbischof verbietet den Theologen die Vorlesungen Döl- lingers. Berlin, 4. April. Die Nachricht der Times, daß Thiers 500 Millionen auf die Kriegsentschädigung gezahlt habe, ist vollkommen unbegründet. Frankreich hat auf die Kriegsentschädigung noch nichts gezahlt, ist vielmehr noch 48 Millionen auf die Verpflegungskosten der deutschen Truppen rückständig. Bersailles, 5. April, Abds. „Agence Havas" meldet: Die Insurgenten fahren fort von Jff y und Vanvres aus die Verschanzungen von Cha- tillon zu beschießen, jedoch ohne Erfolg. Inder Nacht griffen die Insurgenten Sevres neuerdings an, wurden aber zurückgewiesen. Ein Dekret der Kommune ordnet an, alle Unverheira- theten zwischen 17 und 35 Jahren in die Regimenter einzuverleiben. — „Mot d'ordre" gibt zu, daß die Nationalgarde ernstliche Verluste erlitten hat. Es geht das Gerücht, in Limoges seien Unruhen ausgebrochen. Bern, 4. April, Abd. Ueber Narbonne ist der Belagerungszustand verhängt. General Zents bemächtigte sich des Stadthauses und zwang deu Aufrührer Digeon zur Uebergabe auf Gnade und Ungnade. Die rothe Fahne auf dem Stadthaus wurde durch die dreifarbige ersetzt. In Havre sind 4 Revolutionsagenten verhaftet. London, 6. April. „Tinies-Depesche: Paris, Mittwoch, 5. April. Die militärische Lage unverändert, die politische gefährlich. Die Jakobiner erlangen das Uebergewicht. Die Madeleine- und Assomptionkirche geplündert. Bermischte Nachrichten. — Villingen. im März. (Eingesendet.) Die hiesige „Handelsschule" hat trotz der eingetretenen Kriegsereignisse und des hierdurch erfolgten Austritts einiger Zöglinge, den Unterricht bisher ununterbrochen fortgesetzt, auch wurde bei eintretendem Winter-Curs die Zahl der Schüler vermehrt. Die gegenwärtigen Zöglinge sind durchweg Nichteinheimische, wobe^ sich auch solche befinden, die ihren ersten Curs an andern badischen Handelsschulen verbrachten, und es nun vorzogen, den übrigen Theil ihrer Studienzeit an hiesiger Handelslehranstalt zu beendigen. — München, 2. April. Beider Reichtagswahl im Wahlkreis Dillingen siegte Oekonom Josef Wagner (liberal), früher Landtagsabgeordneter, über den patriotischen Gegenkandidaten Grafen Schönborn. (L.Ldz.) — Aus der Rheinpfalz, 4. April. Gestern Abend verschied an den Folgen eines schweren Magenleidens der Bischof von Speyer, Herr Konrad Reit her, nachdem er kaum länger als ein halbes Jahr die Mitra getragen. — Straßburg, 1. April. Die wichtigste und zugleich die gefährlichste Reparatur des Münsters ist nun vollendet, nämlich die des Kreuzes auf der Spitze des Tburmes, welches am 15. September, mehrere Minuten nach 12 Uhr Mittags, von einer Granate auf eine Entfernung von nahezu 2000 Meter und in einer Höhe von 138 Meter erreicht worden ist. (Straßb. Z.) 335 Frankfurter Pferdemarkt-Lotterie. 1148.10.1. Schon am 10. Mai findet mit Genehmigung hoher Regierung die Verwesung von 60 der feinsten Reit-, Fahr- und Wagenpferde, sowie 10 der elegantesten Equipagen und Hunderten von anderen werthvollen Gewinnen statt. Loose zu dieser so beliebten Lotterie versendet inclusive Porto und Spesen bei Uebersendung der resp. Gewinne 1 ganzes Loos für Thlr. 1. 5 Sgr. 20 ganze Loose „ „ 22. 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März 1871. Großh. Amtsgericht. Ried. 981.3.2. ■H IP Wir ersuchen diejenigen jungen Bürger, Bürgersöhne und Einwohner, welche in das Feuerwehrcorps eintreten wollen, sich innerhalb 8 Tagen beim Commando schriftlich anzumelden. Offenburg, den 6. April 1871. Das Commando C. Hessel. Steigerungs-Ankündigung. 1137. Die Erben der Bartholomä Huber Frau Franziska Singer von Waltersweier lassen, der Untheilbarkeit wegen, auf dem Rathhaus in Waltersweier am Dienstag den 25. April 1871, Mittags 2 Uhr, öffentlich versteigern: Grdst.-Nro. 10: 33 6 /io Ruthen Hofraithe und Garten mit einem daraufstehenden einstöckigen Wohnhaus, Stall, Scheuer und Keller unten im Dorfe Waltersweier, neben Ludwig Götler und Josef Benz, vornen die Dorfstraße, hinten Benedikt Brischle, taxirt zu ... 400 fl. Der Zuschlag erfolgt, wenn der Schätzungs- Preis oder mehr erlöst wird. Offenburg, den 3. April 1871. Der Großh. Notar S e r g e r. 1139.2.2. 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Ein Friedenswerk eröffnet sich jetzt unserem Volke, und in der That hat sich schon ein badischer Landesverein zur Unterstützung der Invaliden und der Hinterbliebenen der Gefallenen constituirt, in der Hoffnung, daß in jedem Bezirk ein engerer Verein zu besagtem Zweck sich bildet. Wir wenden uns daher an Euch, Ihr Männer des Bezirkes Gengenbach, gemeinsam mit uns einen solchen Verein gründen zu helfen; und laden Euch deßwegen ein, Euch Ostermontag den 10. April, Mittags 2 Uhr, nach Biber ach in die Restauration zu einer Berathung einzufinden. Wir glauben, daß diese Sache dem Bürger wie dem Landmann, dem Handwerker wie dem Beamten so heilig ist, daß Keiner uns seinen Rath noch seine That verweigern wird. Im Namen des provisorischen Ausschusses: Ris, Bezirksarzt. Rieder, Oberamtmann. Adel, Bürgermeister. Todesanzeige u. Danksagung. 1152. Freunden und Bekannlen die traurige Anzeige, daß unser l. Kind Auguste Dienstag Nacht nach kurzem Leiden im Alter von 4 Jahren sanft entschlafen ist. Mit der Bitte um stille Theilnahme, danken wir zugleich allen Jenen, die so innigen Antheil an dem uns betroffenen Verluste nahmen und der theueren Verschiedenen die letzte Ehre erwiesen. Die trauernden Eltern: Jakob Valfer u. Frau. Gengenbach, den 6. April 1871. Stelle für einen Handlungslehrling! 1142. Ein gesitteter junger Mensch, Sohn braver Eltern, der gute Schulzeugnisse aufweisen kann, findet unter günstigen Bedingungen Aufnahme als Lehrling in der Papier- und gemischten Waaren-Handlung von Ferd. Hölzlin jr. in Offenburg. Willstätt. 1146. Dienstag den 11. und Mittwoch den 12. d. M. werden bei dem Unterzeichneten Ziegel und Steine, und Donnerstag den 13. d. M. Weiß- und Schwarz-Kalk ausgetragen. Jakob Huck. Corfetten in großer Auswahl verkauft zu den billigsten Preisen Alexander Reiff in Offenburg. 1151. Ostermontag den 10. d. M. Musik im Bad Weierbach. 1149. Am Ostermontag, Nachm. 3 Uhr beginnend, findet im Deutschen Kaiser Tanzmusik statt, wozu freundlichst einladet: Offenburg, den 8. April 1871. 2.1. Alex. Geck. Offenburg. Tanzbelustigung. Unterzeichneter hält Oster-Montag von Nachmittags 3 Uhr an im Saale des Gasthauses zu den Drei Königen öffentliche Tanzbelustigung ab, wozu er mit dem Bemerken alle Tanzlustigen höfl. einladet, daß die Hälfte der Reineinnahme der Jnvalidenstif-- tung zugewiesen wird. Th. Trittler. 1147.3.1. Ein ganz zuverlässiger Kutscher findet Stelle im Adler „Post" in Offenburg. Auszug aus den Standesbüchern der Gemeinde Offenburg vom Monat M ärz 1871. I. Geboren: 2. März. Friedrich Wilhelm, Vater: Reinhard Mangold, ^Inspektor von Liel, A. Müllheim. 3. „ Magdalena Maria, Vater: Heinrich Wacker, Schreiner hier, Bürger in Weier. 6. „ Heinrich Friedrich, Vater: Heinrich Weimar, Vergolder hier, Bürger in Wiesbaden. 6. „ Carl Josef, Vater: Josef Schmidt, Hutmacher hier, Bürger in München. 7. „ Magdalena Cäcilia, Vater: Anton Bruder, Eisenbahn - Arbeiter hier, Bürger in Oberentersbach. 13. „ Anna Cäcilia, Vater: Constantin Jsenmann, Bildhauer hier, Bürger in Oberharmersbach. 16. „ Louise Sophie, Vater Ludwig Stolzer, Bürger und Schneidermeister hier. 21. „ Carl, Vater: Franz Josef Deger, Bürger und Fabrikarbeiter hier. 27. „ Auguste Karoline, Vater: Albert Scheidweiler, Notariatsgehilfe hier, Bürger in Fessenbach. 28. „ ein todtgeborenes Mädchen, Mutter: die ledige Dienstmagd Maria Wehrle von Reichenbach. 29. „ Rosa Helena, Vater: Reinhard Kunz, Fabrikarbeiter hier, Bürger in Zeuthern. 30. „ Emil Andreas, Vater: Andreas Schwend, Bürger und Fabrikaufseher hier. 30. „ Carl Otto, Vater: Josef Gölzer, Bürger und Schustermeister hier. U. Getraut: 2. März. Lorenz Widmann, Hutmacher von Weißenstein, mit Elisabeth« Beile von hier. 16. „ Carl Hambrecht, Kaufmann von Kirchhenn, mit Barbara Maier von Gengenbach. 20. „ Georg Ganter, Dreher und Schirmfabrikant von Oberkirch, mit Albertina Antonie Gartenhäuser von hier. 20. „ Christian Diehm, Steinhauer von Sennseld, mit Kunigunde Hißmüller von Minseln. 111. Gestorben: 2. März. Carl Kapp, 30 Jahre alt, lediger AiLjchmensührer von Memprechts- hosen. 2. „ Carolina Klein, 32 Jahre alt, ledige Taglöhnerin von hier. 3. „ Louise Eberhard, 73 Jahre alt, Wittwe des f Kaufmanns Johann Jakob Eberhard von Straßburg. 8. „ Apollonia Kempf, 51 Jahre alt, Ehefrau des hiesigen Bürgers und Lohnsuhrmanns Georg Kempf. 10. März. Gertrud Würthle, 53 Jahre alt, ledige Taglöhnerin von Bohlsbach. 11. „ Adolf Mayer, 20 Jahre alt, lediger Schloffer von hier. 13. „ Maria Anna Glattfelder, 76 Jahre alt, Wittwe des f Küfers Georg Glattfelder von hier. 15. „ Anton Föhrenbach, 72 Jahre alt, Gr. Oberingenieur a. D., Bürger hier. 16. „ Anna Friederike Volz, 2% Jahre alt Vater: PH. Volz, Fabrikarb. hier. 16. „ Hermann August Hönninger, 7 Monate alt, Vater: Andreas Hönninger, Schustermeister hier. 16. „ Franziska Rubi, 23 Tage alt, Vater: Peter Rubi. Kutscher hier. 18. „ Franz Obert, 23 Jahre alt, lediger Speditionsgehilfe von hier. 23. „ Andreas Hansmann, 74 Jahre alt, Bürger und Kutscher hier. 26. „ Louise Schaible, 1 Monat alt, Vater: Alois Schaible, Fabrikarbeiter hier. 26. „ Maria Anna Berenz, 48 Jahre alt, Ehefrau des hiesigen Bürgers und Zieglers Franz Berenz. 28. „ ein todtgeborenes Mädchen, Mutter: die ledige Dienstmagd Maria Wehrle von Reichenbach. 30. „ Georg Valentin Herrmann, 66 Jahre alt, Oberlehrer von Schutterwald. 31. „ Sofie Adolfine Proyard, 7 Jahre alt, Vater: Adolf Proyard, Kammerdiener von Paris. 31. „ Ferdinand Kirn, 16 Jahre alt, le- diger Schlosserlehrling von Weier. Frankfurter CurS vom 6. April 1871. Gold und Silber. Preußische Cafsenscheine.fl. 1 45—y*. Preußische Friedrichsd'or ... fl. 9 58—59 Pistolen. fL 9 44—46 , doppelte.fl. 9 44—46 Holländer 10 fl. Stücke.fl. 9 55-57 Rand-Ducalen.fl. 5 37—39 „ al-tnarco . . . . fl. 5 37—39 20 Franks-Stücke.fl. 9 27-28 Englische Sovereigns.fl. 11 55—57 Russische Imperiales.fl. 9 45—47 5 FrancS-Thaler.fl. — Dollars in Gold . -.fl. 2 27—28 Badische Staatspapiere. Badische 5°/, Obligationen . . . 99% b. „ 4%% do. i. Thl. . . 94y. b. . 4% do. i. Thl. . 88% G. „ 3%% do. 42er . . 84 b. „ 4% Pr. Thl. 100*2. . . 107«/, G. J fl. 35-Loose .... 59% G. Adresse an Hrn. Stiftspropst Dr. I. v. DMnger in München. Unterschriften können noch bis heute (Samstag) . Mittag abgegeben werden bei Hrn. Ries zum Ochsen, Hrn. Restaurateur Geiger, Hrn. Schmidt zur neuen Pfalz und bei der Exped. d. Bl. Für die Redaction verantwortlich A. R e i s f. — Druck und Bertas re» A. R c i f f und Comp.