Amtliches Aerlmndigimtzsblatt für den Kreis Osfenlmrg, sowie für die Bezirksämter und Amts ge richte Offenbur g and Gengeabsch. Erscheint täglich mit Ausnahme Montags, und kostet vierteljährlich in Offenburg 1 fl., für den Landpostbqirk 1 fl. 2 kr., für die übrige» Postbezirke 1 fl. 7 kr. EinrückungSgebühr: die gespaltene Garmondzeile oder deren Raum 3 kr. Nio. 176. Offenburg, Samstag den 29. Zuli 1871. Heute vor einem Jahr Berlin, 29. Juli, Mittags. Die gestern bei Saarbrücken vorgegangenen preußischen Reco- gnoscirungen trafen jenseits der Grenze überall auf den Feind. Trotz lebhaften Feuers desselben haben wir keinen Verlust. Am Nachmittag rückte der Feind mit Artillerie vor und feuerte mit Granaten, welche den diesseitigen Truppen keine Verluste beibrachten. Nach kurzer Kanonade zog sich der Feind über die Grenze zurück. Bei der Station Perl überschritt der Feind ebenfalls am Vormittag die Grenze mit Husaren und Infanterie, kehrte aber sehr bald auf fein Gebiet zurück. Paris, 29. Juli. Das „Journal officiel" veröffentlicht die Proklamation des Kaisers an die Rheinarmee, datirt Metz. 28. Juli. Dieselbe lautet: „Ich stelle mich an Eure Spitze, um die Ehre des vaterländischen Bodens zu vertheidi- gen! Ihr werdet eine der besten Armeen Europas bekämpfen, doch auch andere Armeen, welche eben so tüchtig waren, konnten Eurer Tüchtigkeit nicht widerstehen. Gleiches wird heute der Fall sein. Der Krieg wird lang und mühevoll sein, aber Nichts übertrifft die zähe Kraft der Soldaten, welche in Afrika, in der Krim, in Italien und in Mexiko kämpften. Welchen Weg wir immer außerhalb der Grenzen des Vaterlandes ein- schlagen werden, wir finden stets ruhmreiche Spuren unserer Väter, und wir werden uns ihrer würdig zeigen. Ganz Frankreich begleitet Euch mit glühenden Wünschen, das Weltall hat die Augen auf Euch gerichtet, von unserem Erfolge hängt das Schicksal der Freiheit, der Ci- vllisation ab! Thue jeder seine Pflicht, der Gott der Schlachten wird mit uns sein!" Politische Rundschau. Frankftnt, 26. Juli. In der jüngsten Sitzung unserer Handelskammer wurden einige Mittheilungen über den gegenwärtigen Stand der Vorarbeiten zu der beabsichtigten Anlage eines Rhein-Main-Kanals gemacht. (K. Z.) Straßburz. Vom 1. August er. ab habm die deutschen Postanstalten für Briefe aus Frankreich nach dem Elsaß und Deutsch-Lothringen statt des bisherigen Satzes von 30 Centimen den Portosatz von 20 Centimen pro 10 Grammen anzuwenden. Berlin, 25. Juli. (Volksztg.) Uns droht eine neue Gefahr. Die Austreibung der Jesuiten aus Rom steht bevor (dem Minister Sella wurde eine Petition mit 10,000 römischen Unterschriften überreicht, welche um Verjagung der Jesuiten aus der Hauptstadt Italiens dringend bittet), und wie in früheren ähnlichen Fällen wird diese gemeinfährliche Sippschaft ein Asyl in Deutschland suchen. — Nach einem Telegramm der „N. Fr. Pr." aus Berlin wäre zwischen Deutschland und Oesterreich ein Abkommen getroffen worden, wonach an der Grenze das Gepäck der Reisenden keiner Untersuchung mehr unterzogen werden soll. Berlin, 26. Juli. Die Prov.-Korresp. veröffentlicht einen Artikel über das Verhältniß zwischen dem Staat und der kathol. Kirche. In demselben wird unter Bezugnahme auf die Aufhebung der besonderen Abtheilungen im Kultusministerium heroorgehoben, daß die Beziehungen zwischen der Kirche und der Staatsgewalt durch die im vorigen Jahre gefaßten Beschlüsse des römischen Konzils wesentlich berührt worden seien, und schließlich gesagt: Die Staatsregierung kann den schon jetzt obwaltenden Schwierigkeiten gegenüber nur dadurch eine feste Richtschnur für ihr Verhalten finden, wenn ste sich unparteiisch auf den rein staatsrechtlichen Standpunkt stellt und demgemäß die einzelnen streitigen Fälle behandelt. Um dieser; Standpunkt zu sichern und denselben auch äußerlich zu erkennen zu geben, erscheint es zweckmäßig und geboten, die bisher bestehende konfessionelle Sonderung der kirchlichen Abtheilungen zu beseitigen und nur eine Abtheilung für die geistlichen Angelegenheiten zu bilden. Die Staatsregierung bekundet dadurch, daß sie gesonnen ist, beide Kirchen unparteiisch und gerecht, dem bestehenden Staatsrechte entsprechend zu behandeln, aber auch mit gleicher Kraft das Jntereffe des Staates gegenüber der katholischen wie der evangelischen Kirche zu wahren. — Der Reichsanzeiger veröffentlicht einen kaiserlichen Erlaß, durch welchen zu Räthen an dem obersten Handelsgerichtshof in Leipzig ernannt werden: Dr. Wernz (München), Dr. Marquard (München), Dr. Römer (Tübingen), Dr. Puchelt (Karls- rube). Ztalien. (Pr.) Ein Telegramm aus Neapel meldet, daß der dortige Kaffationshof sämmt- liche Priester-Ehen für ungiltig erklärt habe. Diese Entscheidung, die eben so sehr im Widerspruche steht mit dem Geiste wie mit dem Wortlaute der italienischen Ehegesetzgebung, wird peinliches Aufsehen in liberalen Kreisen Italiens erregen. Man muß sich gegenwärtig halten, daß im neuen cockioo civile italiano das Prinzip der vollständigen Trennung der Zivilehe von dem religiösen Akte zum Ausdruck gelangte und mit jenem Verbote der Priester-Ehe auch das der Ehe zwischen Christen und Nichtchristen und ähnliche Sätze verschwanden. Das neue Gesetz bestimmt, daß Jedermann, dem es nicht durch die ausdrücklich im Gesetze hervorgehobe- uen Hinderniffe verwehrt ist, eine Ehe eingehen kann. Unter den aufgeführten Hinderniffen geschieht aber derjenigen, welche nach kanonischem. Rechte eine Priester-Ehe unmöglich mache», keine Erwähnung und konnte auch nicht geschehen, weil ja die Eheschließung von religiösen Beziehungen aller Art vollständig losgelöst werden sollte. Der Kaffationshof von Neapel hat sich demnach durch den erwähnten Beschluß in einem besonderen Falle zum Schere i der kirchlichen Disziplinargewalt erniedrigt, ein Schritt, welcher nicht ohne Folgen bleiben dürfte. Rom, 23. Juli. Wie man versichert, hat Graf Barral, der italienische Gesandte in Madrid, an den Minister des Aeußern, Visconti-Venosta, eine längere Note über die gegcnwärttge Lage in Spanien und die Bestrebungen der verschiedenen Parteien gerichtet. Graf Barral drückt in dieser Note Besorgniß und Unruhe über den Verlauf aus, welchen die Angelegenheiten in Spanien nehmen. Die katholisch-legitime Partei sei, um der Regierung Verlegenheiten zu bereiten, bemüht, sich den Republikanern zu nähern. Paris, 25. Juli. Die Ostbahn-Gesellschast hat Missionsreiscn und Forschungen in Süd-Afrika von vr. David Lioingstone. (Fottsetzung.) Zweites Kapitel. J#H anderer ungünstiger Einfluß, mit welchem d Mission zu kämpfen hatte, war die Nachbarscha der Boers von den Caschan-Bergcn, die auch unti dem Namen „Magaliesberg" bekannt sind. Ma darf diese durchaus nicht mit den Kapcolonisten vei wechseln, welche man zuweilen ebenfalls niit dieser Namen bezeichnet. Das Wort Boer bedeutet etnfai das deutsche „Bauer", jedoch in seiner weitesten Bl deutung als einer, der den Boden bebaut, ein Lan! .Die Boers aber sind nicht mit dem nüchtei !F n ’ sämigen und höchst gastlichen Bauernstände de «aplandes znverwechieln. Die freien Boers, welck 5iw.$ e F‘ ctnt Wd, bilden leider einen hiervon gar » denen Menschenschlag. Me bestehen aus Lev l e :l' F'r'fie NF aus allerhand Gründen dem Bereic E-E>en Gesetze entzogen, und Lenen sick enx if!™. w,?* 0 «-? ! luö allerhand schlechtes Gesindel i >hr«l fernen Wohnplätzen beigesellt haben. en- und Darmkatarrh, Tnberen- ofe, Bronchialkatarrh, Anaemie (Blutmangel) in Folge anhaltender Krankheiten , Strapazen, protahirtem Mercu- rial-Gebrauch rc. Seorbnt, — Chlo- rosis, — Hysterie und Körper- fchwäche. — Pro Flacon 15 Sgr. (Vr Thlr.) nebst Gebrauchsanweisung. In Kisten ä 4—12 Flacons zu beziehen durch das General-Depot von Licbig's Steppenmilch (Kumys) Berlin, Gneifenanstraße 7a. Dienstantrag 2101.2.1. Eine gesetzte Person, die einer ° kleinen Haushaltung vorstehen kann, wird sogleich gesucht. Näheres sagt die Exped. d. Bl. Nachricht. Vorgedruckte Formulare zur Abschließung von Hansmieth-Verträge« zwischen Eigen- thümer und Miether sind vorräthig und billigst zu haben in dem Comptoir der Buchdruckerei von A. Reiff und Cie. dahier. Besondere Abdrücke der in Nro. 141 und 147 dieses Blattes beigelegten : Erläuterungen über das neue Mast und Gewicht sind geheftet und mit Umschlag für 6 kr. per Stück bei größerer Abnahme billiger zu haben in der Buchdruckerei von I. Keiff & Cie. in Offenbnrg. tYttr ou Redaction verantwortlich A. Reiff. Druck »nd rnrlag von B. 8t e t f|f und Comp.