Amtliches Verkündigungsblatt für kn Kreis Ojfenbnrg, sowie für die Bezirksämter und Amtsgerichte Offenburg und Gengenbach. Der GrtenauerAote Amtliches Vecknndiglmgsbtatt für kn Kreis Ojfenlmrg, Erscheint täglich mit Ausnahme Montags, und kostet vierteljährlich in Offenbnrg 1 fl., für den Landpostbezirk 1 fl. 2 kr., für die übrigen Postbezirke 1 fl. 7 kr. Einrückungsgebühr: die gespaltene Garmondzeile oder deren Raum 3 kr. ]Vro. 233. Offenburg, Mittwoch den 4. Oktober 1871. Heute vor einem Jahr. (4. Oktober 1870.) Preußen. Graf Bismarck beschwert sich in einer Note an die Luxemburgische Regierung darüber, daß ein Eisenbahnzug mit Lebensmitteln in der Nacht vom 24. auf den 25. Sept. durch das Großherzogthum nach Thionville gegangen. Graf Bismarck erläßt aus Ferrieres eine Note an die Regierung in Tours: Die französische Negierung behandle mit Unrecht die Kapitäne von Kauffahrteischiffen als Kriegsgefangene; in Gefangenschaft befindliche Offiziere wurden mißhandelt; Androhung ähnlicher Maßregeln gegen die französischen Offiziere. Die Stadtverordneten von Berlin bewilligen auf Antrag des Magistrats 20,000 Thlr. zur Unterstützung von Straßburg. Italien. Großes Erdbeben im Süden, namentlich in Cosenza, zahlreiche Todte. Frankreich. Kleines Gefecht bei Cham- penay (Vogesen). Gefecht bei Epernon, Mobil- und Nationalgarden geschlagen; Epernon vorübergehend besetzt. England. Minister Granville erklärt in einer Note an Jules Favre eine Dazwischen- kunft Englands für unzeitgemäß. Rußland. Abreise Thiers aus Petersburg nach Wien. Politische Rundschau. Offenburg, 2. Okt. Der Temps veröffentlicht eine Inhaltsangabe des Rundschreibens Beusts in Betreff der Gasteiner Zusammenkunft, wor- nach der östr. Reichskanzler von Frankreich Besonnenheit und keine Rachegedanken erwarte. Das bringt den Temps gewaltig auf, und er sagt in seinem Aerger, Frankreich brauche solche Mahnungen am allerwenigsten von Beust und Oestreich, von dem cs fraglich sei, ob es sich sobald als Frankreich wieder erheben könne. Man sieht, die alte Freundschaft ist bös zer- riffen. Ausserdem, sagt der Temps, seien auch gegen staatsgefährliche Bestrebungen (Social- demokratie?) Verabredungen getroffen worden. Von Wien aus wird diese Inhaltsangabe als Misfionsreiser» «nd Forschungen in Süd-Afrika von Dr. David Liomgston«. i- (Fortsetzung.) Wenn der Kläger durch seine Bemerkungen gereizt wird, so drückt er manchmal seine Unzufriedenheit damit aus; aber der Beklagte wendet sich ruhig nach ihm hin und sagt: „Sei still; ick saß auch ruhig, als du sprachst. Kannst du das nicht lhun? Willst du nur deinen Willen haben ?" Und da die Zuhörer sich bei dem Streite ganz ruhig verhalten, setzt er seine Rede fort, bis er Alles gesagt hat, was er zu seiner Vertheidigung ansühren will. Ein Eid wird nicht geleistet, doch hört man manchmal, wenn eine Behauptung in Zweifel gezogen wird, sagen: „Bei meinem Vater!" oder „Beim Häuptling, eö ist so!" Ihre gegenseitige Wahrheitsliebe ist sehr bemerkcns- werth; ooch ist ihr Regicrungssystem der Art, daß cs von Europäern nicht gut adoptirt werden kann. Ein armer Mann wird einem Reichen gegenüber zu seiner Vertheidigung sagen: „Ich bin erstaunt einen so großen Mann eine falsche Anklage auszusprcchen zu bören," gleich ob man die Unwahrheit als ein Verbreche» gegen die Gesellschaft betrachtete, au de- unächt bezeichnet; das Wahre bleibt abzuwarten. In Lausanne hat es in der Friedens- und Frecheitsliga, durch das Auftreten von Männern und Frauen welche die Pariser Commune und die Mordbrennerinen zu vertheidigen suchten, Balgereien abgesetzt. Gambetta hat den Leuten bekanntlich geschrieben, bevor Frankreich wieder für stch erstarkt fei, könne es sich mit Weltverbesserungsplänen nicht befassen. Man sieht, die französische Demokratie ist nur so lang friedlich und artig als Frankreich die Oberhand hat; trotzdem liebäugeln Deutsche noch hinüber? Bei uns sind die Wahlmännerwahlen vorüber und die Vorschläge der Abgeordneten im Gang. Hat die ultramontane Partei in Rastatt und sonst, wo sie mit größter Zuversicht auftrat, einen um so größeren Durchfall erlitten — nur in Ettlingen ist die Wahl nicht, wie anfangs gemeldet, liberal sondern schwarz ausgefallen — so wird auch die Zahl ihrer Vertreter in der Kammer voraussichtlich bedeutend unter ihren Erwartungen bleiben, und ist es noch eine Frage ob sie die Zahl 9, also */? der Gesamtheit, erreichen. Freilich, wozu auch eine „kath. Volkspartei"? Enthält nicht schon diese Bezeichnung den starken Beweis, daß diese Partei die bürgerlichen und staatlichen Angelegenheiten nur nach den Wünschen und Ansichten der Ultramontanen, nur nach Maßgabe der Jesuitenpläne geregelt will? ' Man setze dieser kath. d. h. römischen eine deutsche Volkspartei entgegen, aber der Sache, nicht blos dem Namen nach, und wir wollen sehen, ob es nicht gelingt das Volk diesen gefährlichen Klauen zu entreissen. — Vom Kaiser von Oestreich wuroe neulich in mehreren Blättern gemeldet, er wolle jetzt alle zwölf Tage beichten. Ist dies wahr, so wäre die gegenwärtige innere Politik des Grafen Hohenwart hinlänglich erklärt. — Karlsruhe, 29. Sept. Das Verordnungsblatt der Zolldirektion Nr. 38 enthält die Einführung des Wechselstempelsteuergesetzes in Baiern und Elsaß-Lothrigen; Nr. 39 die Errichtung weiterer Zollämter in Elsaß-Lothringen. Mönchen, 29. Sept. (Presse.) Der katholische Reformausschuß erläßt einen öffentlichen Aufruf zur Gründung eines bairischen Landesver- ren Aufrechthaltung der Betreffende das größte Interesse hat. Ist der Fall von geringer Wichtigkeit, so entscheidet der Häuptling sofort; bei lächerlichen Vorfällen schilt er oen Kläger aus und gebietet ihm mitter in seiner Rede Schweigen, oder er läßt ifn weiter reden, ohne auf ihn zu hören. So werden oft Fami- lienzänkereien abgemacht, und gar oft legt in diesem Falle Jemand die Sache mit großer Geläufigkeit dar, ohne daß Jemand auf ihn hört. Ist es dagegen ein Streit zwischen einflußreichen Männern oder Unterhäuptlingen, dann wird der größte Anstand aufrecht erhalten. Weiß der Häuptling nicht, wie er cntfckeiden soll, so schweigt er; dann stehen die älteren Leute einer nach dem andern aus und sagen ihre Meinung, oft mehr in der Form eines Rathes als einer Entsckeidung; und wenn der Häuptling sieht, daß die allgemeine Ansicht sich in einer Richtung hin ausspricht, so tritt er auch auf diese Seite. Er allein bleibt fitzen, wenn er spricht; alle übrigen stehen auf. Niemand weigert sich, mit der Entscheidung des Häuptlings zufrieden zu sein, da die Macht über Leben und Tod in seiner Hand liegt und da- er das Gesetz nach seinem Willen anwendcn kann. Bald nach unserer Ankimst in Linhanti nahm mich Sekeletu bei Seite und drang in mich, Was ich gern hätte und von ihm zu erhalten hoffte. Ich lollle Alles in und außerhalb seiner Stadt bekom- I eins für Bekämpfung der Unfehlbarkeitslehre. Es wird ein allgemeiner deutscher Pfennig, ein Anli-Peterspfennig, ausgeschrieben. Die sich neubildenden altkatholischen Gemeinden treten mit dem Erzbischof von Utrecht in kirchliche Beziehung. Dresden, 30. Sept. Das „Dresden. Journ." meldet amtlich, daß das Ministerium des königlichen Hauses dem Staatsminister a. D. Frhrn. von Falkenstein, der Vorsitz im Gesammtmini- sterium dem Staatsminister v. Friesen übertragen worden ist. Berlin, 28. Sept. (A. ZI Das Reichskanzleramt und der Finanzmiiüster sind einig über die Münzreform; das Zehnsilbergroschenstück soll die Rechnungseinheit bllden, und es sollen Goldmünzen von 15, 20 und 30 Mark ausgeprägt werden. Die Ber!. Aut. Korr, behauptet allen ab- fprechenden Berichten gegenüber mit Bestimmtheit, daß die Münzreform schon vor den nächsten Reichstag gebracht werde. Da wir einmal diese Korrespondenz erwähnen, so bemerken wir zugleich, daß ihre letzte Nummer auch über das Gesetz zur Einführung der Zivilehe sich ausläßt. Dasselbe gehört allerdings vor den preußischen Landtag. Aber die Berl. A. C. ruft die NeichSgesetzgebung zu Hilfe, weil sie an der Landesgesetzgebung verzweifelt. Von einer Roth-Zivilehe wolle das Unterhaus, von einer obligatorischen Zivilehe das Oberhaus nichts wissen. Wien, 27. Sept. Ans deßfallstges Ersuchen der hiesigen Altkatholiken hat die evangelische Gemeinde in der Vorstadt Gumpendors ihnen ihre schöne Kirche zur Abhaltung des Gottesdienstes eingeräumt. (K. Z.) Wien, 30. Sept. Der „Oesterr. Corresp." wird aus Dresden gemeldet, daß die Abreise des Kronprinzen von Sachsen nach Wien bevorsteht; die Ankunst des Kronprinzen in Schönbrunn dürfte am 3. Oktober erfolgen. Paris, 30. Sept. Die Eifersucht zwischen den alten kaiserlichen Regimentern, die aus der deutschen Gefangenschaft zurückgekehrt sind, und den neuen von der Republik geschaffenen ist im ste- men, sobald ich es nur namhaft machte. Ich erklärte ihm, meine Absicht gehe dahin, ihn und sein Volk zu Ehristen zu machen; er aber antwortete, er wünsche nicht die Bibel lesen zu lernen, denn er furchte, „es möchte sein Herz ändern und ihn dahin bringen, wie Sctschele mir einer Frawzufrieden zu sein." Es nützte nichts, daß ich ihm, vorstellte, daß bei lener Herzensvcränderung die Zufriedenheit mit einer Frau dem Wohlgefallen ganz gleich sei, das er jetzt in der Polygamie finde. Einen solchen Vorzug, wie er nack einer geistigen Wiedergeburt einlritt, konnte er ebenso wenig begreifen, als diejenigen, welche noch nicht aus Erfahrung wissen, was ein „neues Herz" ist. Ich erklärte ihm, man erwarte nur seine freiwillige Entscheiönng. Es half Alleö nichts, er wollte immer wenigstens fünf Weiber behalten. Sekeletu's Offenheit gefiel mir; denn nichts ist ermüdender als mit Leuten zu sprechen, die zu Allem nur immer ja sagen. (Fortsetzung folgt.) — (Kladd.) Einen Tag später als Napoleon ist auch Herr Krupp aus Essen in Troquay angekommen. Als man den Erkaiser auf den interessanten Ankömmling aufmerksam machte, soll er geäußert haben: Ich kenne diesen Herrn bereits aus seinen Werken, und habe keine Lust, ihm noch einmal in meinem Leben ;u begegnen. 950 ten Steigen begriffen und das Verfahren, welches zu ihrer Verschmelzung vom Kriegsmini- sterium angewendet wird, scheint kaum geeignet, die Leute zu versöhnen. Als Orte zur Transportation sind setzt definitiv die Inseln Marquises und Neu-Caledonien gewählt, wo zum mindesten, was das Klima anbelangt, das Loos der ^Gefangenen nicht noch mehr erschwert werden dürfte. Telegraphische Nachrichten. München, 1. Okt. Zuverlässigen Mittheilungen zufolge hat der Klub der Fortschrittspartei gestern Abend beschlossen, in der Kammer eine Anfrage in Betreff der Kirchenfrage zu stellen, um Klarheit in die Lage zu bringen. Berlin, 30. Sept. (Reichsanz.) Eine Anzahl preußischer Aerzte und Offiziere ist in den 14, Armeekörper versetzt. Paris, 30. Sept. Die Amtszeitung veröffentlicht einen Erlaß des Unterrichtsministers, welcher die Lehrer bei Disziplinarstrafe an das Verbot erinnert, ihren Einfluß zur Einwirkung auf die Generalrathswahlen zu benutzen. — Dasselbe Blatt theilt mit, daß die Kommission für die Prüfung der militärischen Grade ihre Arbeiten bezüglich der Generale beendigt habe und der Kriegsminister unverzüglich die zur Ausführung der Kommissionsentscheidung nöthi- gen Befehle ertheilen werde. Madrid, 30. Sept. Betreffs der Wahl des Kortesvorsitzes ist eine Verständigung zwischen den Abgeordneten noch nicht erzielt; ein Vorschlag, Serrano zum Kortesprästdenten zu wählen, erlangte keine Annahme. Die Verhandlungen dauern lebhaft fort. BerMischte Nachrichten. * Off -. nburg, 3. Okt. Erfreulichem Vernehmen nach hat Hr. Gymnastumsdirektor In - t l e k o f e r sich bereit erklärt eine auf ihn fallende Wahl zum Abgeordneten hiesiger Stadt in die zweite badische Ständekammer anzunehmen. Mit den Jnlereffen des Landes und der Stadt wohl vertraut und von keinen Sonder- intereffen geleitet, wird der Betreffende gewiß ein würdiger Vertreter Offenburgs sein, und können wir zu diesem Vorschlag wiederholt nur Glück wünschen. — ** Offen bürg, 3. Okt. (Die Kasernenfrage betr.) Anknüpfend an den gestrigen Bericht dürfte es für die gesammte hiesige Einwohnerschaft nicht ohne Interesse sein, die Details der Besprechung über die Eingangs genannte Frage zu erfahren. Herr Bürgermeister S ch a i b l e eröffnete die Versammlung mit einigen einleitenden Worten und schritt hierauf zur Verlesung der bisher erwachsenen Schriftstücke, deren Inhalt wir im Auszuge hier folgen lassen. Nachdem von Seite des Generalkommandos des 14. Armeekorps die Verlegung des 2. bad. Dragoner-Regiments Nr. 21 nach Freiburg, Dffenburg und Lahr in Erwägung gezogen, wurde die Gemeindebehörde dahier zum Berichte darüber veranlaßt, in wie weit die Möglichkeit zur Unterbringung des Regiments gegeben sei, und welche Offerten zur Herstellung von Garnisonseinrichtungen gemacht werden wollen. In Erledigung dieses Berichts beschloß der Gemeinderath, den Bürgermeister Schaible und das Mitglied Ries nach Karlsruhe zu entsenden, um mit Sr. Excellenz dem General von Werder und dem Intendanten des 14. Armeekorps persönlich sich zu benehmen. Die Abordnung lenkte insbesondere die Aufmerksamkeit auf das Anwesen der früheren Zuckerfabrik, welches sich als Kaserne eignen würde, da dasselbe sehr große Räumlichkeiten umfasse und durch Ankauf des umliegenden Platzes noch ausgedehnt werden könne; auch die Errichtung eines entsprechenden Lazareths, die Benützung der hiesigen Schießstätte, ein geeigneter Exerzier- und Badeplatz wurde in Aussicht gestellt. Dem Antrag der Deputation, durch eine Kommission diese Gebäulichkeiten :c. einer Besichtigung unterwerfen zu lassen, wurde Zusage | ertheilt, und fand sich zu fragl. Zwecke besagte Kommission am 22. August d. I. hier ein. Das mit Erlaß des Generalkommandos des 14. Armeecorps vom 22. Sept. d. I. eingetroffene Gutachten dieser Commission spricht sich dahin aus, daß die für die Unterbringung eines Dragonerregiments in Vorschlag gebrachten Localitäten (Zuckerfabrik) nur zum Kasernement von 2 Escadronen ausreichen würden und überdies bedeutende Umbauten zu erfahren hätten; um daher die beabsichtigte Unterkunft von 4 Escadronen sicher zu stellen, müßte durch Erwerbung an Gelände nach jüowestlicher u. südöstlicher Seite der gebotene Platz erweitert und die Kasernenräume für 2 Escadronen sämmt- liche Stallungen und zwei Reitbahnen neu erbaut werden. Das zur Verwendung als Exerzirplatz vorgeschlagene Areal, welches entsprechend umgeändert werden müßte, sowie die Schießstätte, der Badeplatz und das als Lazareth bezeichnete städt. Gebäude wurden zweckentsprechend gefunden. Es wird nun schließlich für die weitere Verfolgung der Sache die Frage gestellt, welche Be- theiligung ander Ausführung dieser vorgenannten Bauten und an der Beschaffung des nöthi- gen Geländes in Aussicht gestellt werden kann. (Schluß folgt.) — Achern, 1. Okt. Der Geburtstag der deutschen Kaiserin am 30. Sept. wurde zum ersten Mal in unserem benachbarten Erlenbad durch die kaiserl. Familie gefeiert. Abends 4(4 Uhr trafen die hohen Herrschaften, von Baden kommend, daselbst ein und begaben sich sogleich in den reich verzierten Saal des Hrn. Peter. Nebst dem deutschen Kaiserpaar erblickte man den Kronprinzen und die Kronprinzessin von Deutschland, Se. K. H. den Großberzog und die Grvßherzogin. Dem Herrn Geh. Hofrath Dr. Roller, Vorstand der großh. bad. Heil- und Pflegeanstalt Jllenau bei Achern, wurde die hohe Ehre zu Theil, auf telegraphischem Wege zur Tafel geladen zu werden, und wurde diesem hochverdienten Manne große Aufmerksamkeit besonders durch I. K. H. die Großher- zogin von Baden geschenkt. Nahezu 37 Personen konnte man an der Tafel bemerken. Biele Fremde fanden sich von nah und fern ein, um das Kaiserpaar und den Landessürsten herzlich zu bewillkommen. Besondere Aufmerksamkeit erregte der hochbejahrte, noch so kräftig aussehende deutsche Kaiser. Während des Essens fand sich der Liederkranz von Achern ein, um einige Lieder vorzutragen, worüber sich die hohen Gäste sehr erfreut zeigten, und die Kaiserin noch besonders dem Direktor, Herrn Musiklehrer Ehinger, ihren Dank aussprach. Seine Majestät der Kaiser war so erfreut, daß er vom Gesangdirektor persönlich ein Lied verlangte, welchem Verlangen durch Absingen der Wacht am Rhein entsprochen wurde. Gegen 6% Uhr Abends traten die hohen Herrschaften die Rückfahrt nach Baden wieder an. (B.L.) — Karlsru he, 30. Sept. (B.L.) General v. Werder gab- gestern der Stuttgarter Abordnung, welche ihm ein Ehrenschwert überbrachte, ein Esten. Die Herstellung des Ehrenschwertes kam auf stark 3500 fl. zu stehen; cs befindet sich an demselben allein für 1900 fl. Gold. Die prachtvoll geschnitzte elfenbeinerne Scheide (Geißlinger Arbeit) ist aus einem Zahn geschnitten. — Boxberg, 29. Sept. Der Hopsen in hiesiger Gegend, nach Güte trefflich gerathen, ist mit 120—160 fl. der Ztr. sämmtlich durch pfälzische Händler angekauft. Für den Land- mann immerhin ein Sporn diesem Kulturzweig vermehrte Aufmerksamkeit zu widmen. (B.L.) — Karlsruhe, 30. Sept. Bei der heutigen Gewinnziehung der 35 fl.-Loose fiel der höchste Gewinn von 35,000 fl. auf Nr. 74871, 10.000 fl. auf Nr. 804744, 5000 fl. auf Nr. 340544. 2000 fl. auf Nro. 63535. 111669, 121145, 166260 u. 342521, 1000 fl. auf Nr. 16797, 141069, 158334, 169698. 169950, 201874, 211274. 279189, 356109, 357416. 357426 und 380623. AbgesteuHrlte Loose. Es ist bekannt, welche eigenthümliche Lage in Bezug auf Loospapiere das kürzlich im Reichstag angenommene neue Prämienstempelgesetz geschaffen. Während in allen andern Effektengallungen täglich neue Werthe geschaffen werden und die Konkurrenz unter denselben bereits übergroß ist, ist der Markt für Loospapiere jetzt als abgeschlossen zu betrachten. Das Angebot in gesetzlich abge- stempelten Loosen muß sich also von Jahr zu Jahr vermindern, die Nachfrage dagegen wächst erfahrungsgemäß in umgekehrter Proportion. Wenn aber nach irgend einer Waare die Nackfrage ungleich stärker ist, als das Angebot, so muß sie der Natur der Dinge nach im Preise steigen. Es ist also keine der gewöhnlichen Reklame Redensarten, daß, wer sich jetzt, wo dieses Verhällniß in der Ausgleichung begriffen ist, noch mit Loospapnren versieht, ein gutes Geschäft machen wird und muß. Wenn dieselben aber gar an und für sich noch sehr billig stehen und hinter allen anderen im Preise zurückstehen, so wird das Geschäft, abgesehen von den Spielchancen, ein doppelt gutes werden. Eine solche Gelegenheit bietet sich eben dar. Am 28. und 29. d. M. bringt nämlich der Frankfurter Bankverein 22,000 Stück abgestempelte Genueser 130 Fr. Loose zur Subskription und zwar zum Preise von 5772 st. >üdd. Währung. Die Treffer werden in Genna und Florenz bezahlt werden und zwar ohne jeden Steuerabzug. Ter Ziehnngsplan enthält eine große Zahl mittlerer Treffer. Alljährlich finden 2 Ziehungen statt, je am 1. Mai und 1. November, Der nächste Preis ist in den nächsten Ziehungen l00,000 Fr. und der geringste, der bis zu 200 Fr. steigt, jetzt schon 155 Fr. -- 727s fl., also etwa 28 Proz. mehr, wie der Emis- simspreis. Legt man eine. Verzinsung von 5 Proz. zu Grunde, so ergibt sich als Werth der Genueser Loose 53 9 /io fl. Vergleicht man hierbei den wirklichen Werth, nachbenannter unverzinslichen Loose, indem man eine bprozentige Verzinsung zu Grunde legt, mit dem gegenwärtigen Kurswerth, so ergibt sich folgender Unterschied: S s re O o e ** ® <3 53 5 -Sj ö 5 ^ 3. 5=3 _ & Q M C CC O 1 C a C g Z: ^ r® o o r 5 fc *3 kä to J. o o (1' o t O O 'S 'S o £ O ilk. ll*. ^ ^ H 03 CD 9 o & M • ’S' ^ jg W rfu —i Ci *-? cc oo cn co 'S* •=* *** • W -4 « - h^ h^ hi» ao~~ oo" w *5" öS" •JT" Es ergibt sich hieraus, daß die Genueser Loose billiger als alle übrigen sind und beträgt z. B. der Unterschied zwischen Genueser und Kreditloosen 71 Pro;, zu Gunsten der elfteren. Bei 1864r Loosen ist die Differenz 38 Proz. und bei badischen 35 fl. Loosen 32V 2 Proz. Angesichts der großen Vortheile also, welche die Genueser Loose ihrem Ziehungsplan nach bieten und des billigen Preises, zu welchem dieselben emiltirt werden, so wie ihn Anbetracht der anerkannten Kreditwürdigkeit der Stabt Genua ist es nicht anders zu erwarten, als daß sie bedeutenden Anklang finden werden. 3414» Ans den Trümmern der Zauberflöte. Auf der Zauberflöte Trümmern Trinken wir den edlen Wein, Der erhalten sollte sein Für des Herzens schwer Bekümmern Als der Hoffnung milder Schein. Bald soll uns die Zauberflöte Neugeschaffen auferstehn, Wenn die Frühlingslüfte wehn, Mit deö Sommers Morgenröthe Wollen wir zur Stelle gehn. Und erfreut vom neuen Baue, Reu von Lebenslust erfüllt — Rings der Auferstehung Bild — Rufen dann wir: Herz, vertraue Dem, der alle Leiden stillt! Der aus Nacht uns führt zum Lichte Und verwandelt Schmerz tn Lust In bewegter Menschenbrust, Ihn mit fröhlichem Gesichte Schaun wir trostbewußt. Mso strahle Hoffnungsfencr Uns aus dem erhaltenen Wein; Dankerfüllet schenket ein: Auf die Heimath, die uns tbeuer, Soll getrunken sein! X. 951 Die Explosion der Westfield. New-Port, 31. Juli. Gestern Nachmittag um IVr Uhr lies das Staten Island Dampsbot „Westfield" aus seinem Dock am Fuße der Whitehall Str., nahe der Battery, um die regelmäßige stündliche Fahrt nach Staten Island (anlegend an den drei östlichen Landungsplätzen) zu machen. Es hatte gegen 400 Passagiere an Bord, theils solche, die zum Vergnügen Staten Island besuchen wollten, und zwar diese in der Mehrzahl, theils Bewohner jener Insel. Da das Wetter warm war, so hatte sich die Mehrzahl der Pasiaschiere nach dem vorderen Theile des Bootes begeben, um die Frische der Seebrise zu genießen. Das Signal zum Abfahren war gegeben, das Ventil läßt in kurzen Pausen mit schrillem Pfiff Gengenbach. Gant - Edict Nr. 5150. Gegen den Bierbrauer A. Kern oon Gengenbach haben wir Gant erkannt, und es wird nunmehr zum Richtigstellungs- und Vorzugsverfahren Tagfahrt anberaumt auf Samstag den 21. Octbr. d. I., Vorm. 8 Uhr. Es werden alle Diejenigen, welche aus was .immer für einem Grunde Ansprüche an die Gantmasse machen wollen, ausgefordert, solche in der angesetzten Tagfahrt, bei Vermeidung des Ausschlusses von der Gant, persönlich oder durch gehörig Bevollmächtigte, schriftlich oder mündlich, auzumelden, und zugleich ihre etwaigen Vorzugs- oder Uuterpfandsrechte zu bezeichnen, sowie ihre Beweisurkunden vorzulegen oder den Beweis durch andere Beweismittel anzutreten. In derselben Tagfahrt wird ein Massepfleger und ein Gläubigerausschuß ernannt und ein Borg- oder Nachlaßvergleich versucht werden, und es werden in Bezug auf Borgvergleiche und Ernennung des Massepflegcrs und Gläubigerausschusses die Nichterscheinenden als der Mehrheit der Erschienenen beitretend angesehen werden. Die im Auslande wohnenden Gläubiger haben längstens bis zu jener Tagfahrt einen dahier wohnenden Gewalthaber für den Empfang aller Einhändigungen zu bestellen, welche nach den Gesetzen der 'Partei selbst geschehen sollen, widrigenfalls alle weiteren Verfügungen und Erkenntnisse mit der gleichen Wirkung, wie wenn -sie der Partei eröffnet wären, nur an dem Sitzungsorte des Gerichts angeschlagen, beziehungsweise denjenigen im Auslande wohnenden Gläubigern, deren Aufenthaltsort bekannt ist, durch die Post zugesendet würden. Gengenbach, den 25. September 1871. Großh. Amtsgericht. 8400. _ Neuman n. _ Gläubiger- und Schuldner- Aufforderung. 3388.2. 2 . Alle Diejenigen, welche an den verstorbenen Lim- wermann Sigmund Bürkle von Schutterwald noch eine Forderung zu machen haben, werden aufgefordert, ihre deßfallsigen Ansprüche im Laufe dieser Woche schriftlich bei dem Unterzeichneten anzumelden oder aber nächsten Samstag den 7. d. M., Nachm, halb 2 Uhr, im Ochsenwirthshause in Schutterwald mündlich zu liquidiren. Ebenso werden auch alle Die, welche an genannten Sigmund Bürkle noch Zahlungen zu machen haben, aufgefordert, ihre deß- fallstgen Schuldigkeiten einige Dampfwolken heraus, die Schaufelräder greifen in die Fluthen — einmal, zweimal, dreimal, da — der Hintere Theil des Dampfers ist der Landungsbrücke noch so nahe, daß ein beherzter Mann sie mit einem kühnen Sprunge erreichen kann — da ertönt ein furchtbarer Knall aus dem Maschinenraume, das Fahrzeug wird gleichzeitig auf das heftigste erschüttert, der mittlere und vordere Theil sind über dem Maschinenraume abgedeckt, aus dem Abgrunde sprühen gluthheiße Dämpfe, Holz- und Eisen- theile werden nach allen Richtungen geschlendert, der Pilot wird mit samt dem Pilotenhäuschen 40 Fuß hoch in die Luft geworfen, im Wasser kämpfen verstümmelte Menschen mit den Wellen, auf dem Boote winden sich schrecklich Verbrühte in grauenvollen Schmerzen, Schmerzgeschrri der Verletzten, das Röcheln der Sterbenden, der Weh- und Angstruf der Glücklichen , die unverletzt davon gekommen, erfüllen die Lüfte. Der Dampf und Rauch verzieht sich und man kann das Unglück wenigstens einigermaßen überschauen. Der ganze vordere und mittlere Theil des Schiffes sind vollständige Wracke, der Kiel ist schräg nach dem Wasser in dasselbe versunken. Der Hintere Theil, auf dem sich die Minderzahl dec Pasiaschiere befand, ist besäet mit Trümmern, aber er ist unversehrt. Der vordere Theil des Kessels ist in den Bug getrieben, eine Entfernung von 30 Fuß. Ein Augenzeuge sagt, der vordere Theil sei 50 Fuß in die Höhe geschleudert worden und dann in sich zusammengesunken. (Fortsetzung folgt.) binnen acht Tagen an die Wittwe abzutragen, widrigenfalls sie unnachsichtlich gerichtliche Verfolgung zu gewärtigen hätten. Offenburg, am 2. Oct. 1871. Großh. Notar: A. Leiber. Offenburger Fruchthalle. 3403. Von Samstag den 7. Octbr. d. I. an beginnt der Verkauf der Früchte nach § 1 der Marktordnung früh 9 Uhr. Offenburg, den 3. Octbr. 1871. Das Marktgericht. Wohnungs-Veränderung und Empfehlung. 3410.21. Einem geehrten hiesigen und auswärtigen Publikum mache die ergebene Anzeige, daß ich jetzl in der Gerberstraße bei Hrn. Blechnermeister F.Raub wohne und bitte, das mir bisher geschenkte Zutrauen auch fernerhin bewahren zu wollen. Offenburg, im Octbr. 1871. Karl Mann alt, Schuhmacher. Wucherstierversteigerung. 3405. Donnerstag den 5. v. M., Mittags %{ Uhr, versteigert die Gemeinde Elgersweier einen abgängigen fetten Wucherstier, wozu Stei- gerungslüstige eingeladen werden. Elgersweier, den 3. Octbr. 1871. Das Bürgermeisteramt. W er n ert. Offenburg. 3375.2.2. Mein Lager in Terndaux-, Castor- und Mooswolle, Perlen und Cordonnetseide rc. ist auf's reichhaltigste assortirt nnd empfehle ich dasselbe zu derr billigsten Preisen; ebenso Kaputzen, Winterhandschuhe und Strickwolle irr allen Farben. S. Heneo. Offen bürg. Klee-Bersteigerung. 3392. Herr Heinrich Pfahler von hier läßt Samstag den 7. d. M., Vorm. 11 Uhr, den ewigen Klee, dritten Schnitt, von 4 Mrg. 255 Rulhefl Acker an der Schuhgasse in Loosabtheilungen aus dem Platze selbst versteigern, wozu man die Liebhaber einladet. Offenburg, den 2. Octbr. 1871. Rathsschreiberei: Gütle. Illllwiderrufltch ZiehungI I