Amtliches Verlumdigungsblatt für den Kreis Offenburg, Aintliches Veckiindignngsbtatt für den Kreis Ojfenlmrg, sowie für die Bezirksämter und Amtsgerichte Offenvur g und Gengenbach. Erscheint täglich mit Ausnahme Montags, und kostet vierteljährlich in Offenburg 1 fl., für den Landpostbezirk 1 fl. 2 kr., für die übrigen Postbezirke 1 fl. 7 kr. Einrückungsgebühr: die gespa'tene Garmondzeile oder deren Raum 3 kr. Nro. 286. O sfenbur g, Mittwoch den 6. Dezember 1871. Heute vor einem Jahr. (6. Dezember 1870.) Preußen. Der König erläßt aus Versailles 6. Dezember einen Armeebefehl, worin er den deutschen Heeren seinen Dank für ihre Leisl- ungen ausfpricht. Politische Urmdschsu. Osfeuburg, 3. Dez. (Schluß ) Aus dem dritten Entwurf, dem demokratischen, heben wir folgende Slellen aus: „Die Hingabe von Rechten an das Gesammtvaterlans, die Einfügung in das große Ganze, soweit sie nothwendig oder nur nützlich, wird von keinem deutschen Manne mißbilligt — aber eines schmerzlichen Gefühles können wir uns nicht erwehren, wenn wir bedeutende Rechte nicht an das große Ganze, sondern an den g'ößlen deutschen Staat hingegeb n sehen, dessen Verdienste um unser Aller Wehl wir freudig und dankbar anerkennen, mit dem aber unsere Kräfte unter Erhaltung der Selbst- heit unseres Staatslebens in eben so ersprießlicher Weise veibunden werden konnten, wie sie es im Drange der Gefahr waren und wie andere deutsche Staaten ihm noch verbunden sind. Unser Heer konnte dem d-iuschen Heere eingefügt werden wie die Heere anderer deutschen Staaten — seine Einreihung in das preußische Heer, sein Aufgehen in demselben hat, indem es die ruhmreiche Existenz dieses Heerestheils vernichtete, nicht einmal den Vorlheil gebracht, die Bildung d.s deutschen Gesammtheeres zu fördern, sondern eher dieftlbe erschwert. Freudig bereit, der Gesetzgebung Gesammtdeulschlands uns un- terzuordnen, selbst wenn dieselbe im Bereiche der materiellen Interessen unsere Lasten erhöht — im Bereiche des bürgerlichen Rchts sogar das Opfer einer durch 60jährige Gewöhnung mit uns verwachsenen, vortrefflichen Gesetzgebung zu bringen, können wir nicht ohne Besorgniß der Reichsgesetzgebung auf den G-bieten der Presse und der Vereine entgegen sehen, können wir nicht umhin, feierlich auszusprechen, wie hochselig uns das Institut des Schwurgerichts ist, desien Mängel wir nicht durch seine Beseitigung weggewischt, sondern mit weiser Hand verbessert zu s-hen wünschen. Für diese Institute, wie für unser Gemeindelebcn, ergreifen wir fest und dankbar die Zusicherung des Strebens Ew. Kgl. Hoheit, die selbstständige Entwicklung der geliebten Heimath in ihrem freien, unabhängig zu erhaltenden innern Staatsleben mit allen Kräften zu fördern." Auch der Hoffnung einer bessern Gestaltung des Eisenbahnbetriebsgibt dieser letzte Entwurf Ausdruck u. fährt fort: „Für die Aufbesserung der Gehalte der Beamten u. Angestelften in den unteren», mi t eren Klassen wird das Land gerne die Opfer bringen, welche seine Mittel ihm gestatten. Sie sind hauplsächlich zu finden in der Minderung der Zahl der Beamten und der Vereinfachung des Berwaltunqsorganismus, welche unserer neuen bescheideneren Stellung im Reiche entspricht und zugleich der SeibstoerlraUung neue Bahnen zu öffnen geeignet ist. Bestimmten, hierauf gerichteten Vorschlägen der Negierung sehen wir mit lebhafter Spannung entgegen und versprechen ihnen unsere eifrigste Mitwirkung." Obwohl vurch die Anforderungen des Reichs und seiner Sicherheit, sowie die Bedürfnisse des Landes für den Augenblick keine neue Steuern dem Lande auferlegt werden müffen, „können wir uns doch nicht verh.hlen, daß auch ohne Einführung neuer Steuern dennoch höhere Anforderungen durch höhere Werthung der Steueeobjekle Platz greifen, und daß höhere Ansprüche unausbleiblich und doppelt schwer zu tragen sind, wenn nicht durch eine bedeutende Herabsetzung der Militär- dieystzeit von dem Reiche eine wesentliche finanzielle und volkswirthschaflliche Erleichterung gewährt wird, welche die Wehrkraft der Nation nicht mindert, sondern sogar noch zu erhöhen geeignet ist — wen» nicht durch ein besseres Steuersyiem eine gerechtere Vertheilung der Stenern herbkiqeführt wird." Karlsruhe, 4. Dez. Seine Königliche Hoheit der Großherzog hat heute Vormittag, nach Vorträgen des Staatsministcrs De, Iolly und des P-äsidenten v. Frcydorf, die Deputationen der Ersten und Zweiten Kammer der Landstänbe empfangen, welche die Adreffen auf die Thronrede überreicht haben. Mannheim. 3. Dez. (B.Lztg.) 60 angesehene hiesige katholische Bürger und Staatsbeamte haben sich der altkatholischen Bewegung angeschlossen und heute in den hstsigen öffentlichen Blättern einen Aufruf zur Unterstützung derselben e, gehen lassen. „So allein", sagen sie unter Anderem in ihrem Aufrufe, „hoffen wir das kirchlich-religiöse Leben, das uniäugbar tiefe Schädigung erlitten hat, und das ohne baldige Abhilfe weiterer Zersetzung und Verkümmerung entgegengeht, zu" der ihm grbührenden hohen Stellung, eine große Bildungs- und Erziehungs- stälte der Menschheit zu sein, wieder zu verhelfen. Wohl wissen wir, daß wir^mit diesem Schritte in die Ocffenllichkeit jene Stürme auch gegen uns herauf beschwören, die bereits gegen unsere Kampfgenossen, die über alle Gaue unseres deutschen Bäte landes und über seine Grenzen hinaus verdrillet sind, von der päpstlichen Allgewalt und ihren Werkzeugen loegelafsen worden sind. Allein des guten Rechts und der Reinheit der Sache, die wir verfechten, gewiß, — bestärkt uns in unserem Vorgehest auch noch das Bewußtsein, daß unser Kampf und d,r zu hoffende Sieg ein Sieg des Lichtes und der Wahrheit gegenüber der kultur- und lichtseind- lichen Ueberhebung des Ultramontanismus ist" u. s. w. Schließlich wird zu Geldbeiträgen aufgefordert, um die Opfer des Widerslandes, die ih> er Existenz beraubt worden sind, unterstützen zu können. Wir wünschen dem guten Unternehmen den besten Fortgang. Berlin. 1. Dez. (R ichstag: Dritte Bera- thung des Ges.tzes über die Frieden spräsenz-- stärke.) Die Anfrage Lasker's, ob die baierische Negierung die Abtheilungen, welche die Militärverwaltung auf Giund der PauschsumMe aufstelle, als solche anerkenne, an welche sie bei Aufstellung des eigenen Haushalts gebunden sei, beantwortete Psretschner dahin, er könne nur seine persönliche Ansicht darlegen, da der baierische Ministerrath sich mit der Frage noch nicht beschäftigt habe und man den Anschauungen des baierischen Landtages nicht vor greifen wolle. Nach seiner Ansicht habe sich der baierische Kriegsminister eng an den Haushalt für das Reichsheer anzuschließcn. Andere Haushalte kenne er nicht. Der §. 1 wird mit 152 gegen 128 Stimmen angenommen. Auf eine Bemer- als möglich hier zu bleiben. Er war nicht faul und fertigte während der Reise eine» großen hölzernen Mörser nebst Keule für seine Frau an. Auch schnitzte er hölzerne Löffel und eine Flasche; dann fing er einen Korb an; aber da er ein Leben für angenehmer hielt, das für uns nichts weniger als dies war, Lä wir an Milch und Mais gewöhnt waren, brachen wir am 2. Februar ohne ihn auf. Er folgte bald nach, ließ aber unseren Ponton zurück und sagte, der Vorsteher des Dorfes werde ihn nachbringen. Jetzt kamen wir auf eine große Ebene, jenseit des Leeba, wenigstens zwanzig Meilen breit und mit Wasser bedeckt, das an den seichtesten Stellen uns bis an die Knöchel ging. Wir verließen auf Inte- mese's Rath etwas diese nordwestliche Richtung und behielten die Pirihügel fast den ganzen ersten Tag lang zur Reckten, um die noch tiefer überfluhteten Ebenen von Lobale (Luval?) im Westen zu vermei- dm. _ (Forts, f.) « äthse 1. Der Wickel hat mich stets beseffen — Ich hals ihm Alles tragen; Am längsten sah man mich in Heffen — Was soll ich weiter sagen? — Verschwindest Du aus meinem Herzen, Wird Alles nach mir ringen — Verscheuch ich nickt des Lebens Schmerzen Durch mein gar süßes Klingen? Misfiousreiseu und Forschungen in Süd-Afrika von Dr. David llvmgstone. (Fortsetzung.) Es hielt sehr schwer, unsere Führer zu vermögen, von einem Orte wieder fortzukommen. Mil der Autorität eines Häuptlings bekunden sie sich so wohl, als dies je die Gesandten eines Königs können, und mochten auf das Vergnügen nicht verzichten, auf anderer Kosten zu leben. Den Makololo gefiel es gar nickt; sie hatten ihr Land früher nur verlassen, um u plündern, und sanden keinen Gesellen an der riedlichen Art und Weise, mit der wir unsere Reise forlsetzlen. Entweder sprachen sie zu herrisch gegen Fremde, oder wenn man ihnen darüber Vorwüne machte, folgten sie dem Befehle eines Jeden, dem sie begegneten. Als Jntemese, unser Führer, am 31. Januar nicht nach dem Leeba ausbrechen wollte, machten sie gar keinen Versuch ibn dabin zu bringen; aber da ich ihnen bekohlen hatte, sich bereit zu halten, bemerkte Jntemese ihre Zurüstungen und folgte ihrem Beispiel. Wir brauchten ungefähr vier Stunden, um über den Leeba zu kommen, der hier weil kleiner ist, als da. wo wir ihn ras letzte Mal trafen; er ist hier nur etwa hundert Ellen breit. Er > hat noch dieselbe dunkle moosgrüne Farbe. Tie I Dorfbewohner liehen uns Kähne zu dieser Ueber- sahrt, und als ich ein Dorf, etwa zwei Meilen jenseit des Flusses erreichte, hatte ich das Vergnügen, Beobachtungen über Länge und Breite anstellen zu können: ich fand 22° 57' östlicher Länge, 12° 6' 6" südlicher Breite. 1. Februar. — An diesem Tage hatten wir den schönen Anblick zweier Hügel, Piri (d. h. zwei) genannt, auf der Seite des Flusses, die wir verlassen hatten. Das Land hieß Mokwankwa. Hier war, wie Jntemese uns sagte, eines von Sckinte's Kindern geboren worden, als er aus Maliamvo's Gebiete nach Süden unterwegs war. Es überraschte uns, daß man hier weit mehr nach englischen Baumwollenwaarcn frug, als nach Perlen und Schmuck. Sie sind rücksichliich der Kleidung schlimmer daran, als die Belschuanenstämme in der Nähe der Kalahari-Wüste, welche Felle in Menge haben. Thiere iebcr Art sind hier selten, und em Stück Catico ist von großem Werthe. Hier besuchte uns ein sehr alter Mann u. brachte ein Geschenk von Mais; gleich den anderen hatte er nie zuvor Weiße gesehen, und im Gespräch mit ihm äußerten einige jung- Leute, sie wären die eigentlichen Allen, denn sie hätten jetzt wunderbarere Dinge gesehen, als ihre Vorfahren. Da die Bewohner um Uler des Leeba die letzten von Schinte's Stämmen waren, über welche Jntemese Gewalt hatte, wünschte er natürlich so lange 1170 kung Sonnemann's, im Laufe der Berathung. die deutsche Diplomatie werde nicht ableugnen können, Verhandlungen über Abtretung fremden Gebietes geführt zu haben, erklärt Staatsmini- ster Delbrück diese Behauptung für unrichtig. Hierauf wird §. 2 und dann das ganze G setz angenommen. Das Haus erledigte hierauf das Haushaltsgesetz für 1872, welches in dritter Lesung in den einzelnen Paragraphen und im Ganzen mit großer Mehrheit angenommen wird. Dagegen stimmen nur die Polen, Ewald und Kryger. Hierauf verliest Staatsminister Delbrück eine kaiserl. Botschaft, welche die Tagung des Reichstages für geschlossen erklärt. Staatsminister Delbrück spricht dem Hause im Namen des Kaisers und der verbündeten Regierungen Dank aus für seine aufopfernde Thätigkeit und seine patriotische Hingebung, in welcher alle Meinungsverschiedenheiten zum Heile der Reichsgesetzgebung, des Finanzwesens und der Wehrkraft des Reiches aufgegangen seien. Präsident Simson schließt mit einem dreimaligen Hoch auf den Kaiser, in welches das Haus begeistert einstimmt. Berlin, 2. Dez. Die Nordd. Allq. Ztg. bespricht den brasilianischen Vorfall und sagt: Die deutschen Berichte lassen einen vorbereiteten Ueberfall unter Zulassung der. brasil. Polizei und unter dem Einfluß der dortigen Franzosen annehmen. Eine gründliche Ermittelung des Sachverhalts ist unerläßlich. Die deutsche Regierung würde sich glücklich schätzen, wenn kein Anlaß vorläge, auf Genuqthuunq zu dringen. Telegraphische Nachrichten. Suttgart, 4. Dezbr. Ein Drahlbericht des Schm. Merkur aus Berlin berichtet: In den französ. Bezirken, wo Mordanfälle auf deutsche Soldaten stattfanden, wurde das Kriegsgesetz verkündet. Man glaubt, daß wiederholte Anfälle die Wiederbesetzung der geräumten Gebiete veranlasien würden. München, 3. Dezbr. Die Handels- und Gewerbebank Oberbaierns beschloß, mit allen gesetzlichen Mitteln gegen die Auflösung des Handelsministeriums einzutreten. Berlin, 3. Dez. In dem Befinden des Fürsten Bismarck zeigt sich eine regelmäßig fortschreitende Besserung. Doch ist ihm von ärztlicher Seite nach groß« Schonung empfohlen. Deßhalb bleibt seine Thätigkeit vorerst auf die wichtigsten Gegenstände seiner Amtsverwaltung beschränkt. — Die bereits am Freitag Abend vollzogene Schließung der Reichstags-Session ist früher eingetreten, als allgemein erwartet wurde. Den parlamentarischen Kreisen kam die plötzliche Beeilung dieses Aktes nicht minder überraschend, als dem Publikum. Selbst der Prästdent des Reichstages war auf denselben nicht vorbereitet, wie das Unterbleiben seines sonst üblichen Schlußvortrags über die parlamentarischen Arbeiten augenscheinlich darthut. Dem Vernehmen nach hatte der Prästdent des Reichskanzleramles die Ermächtigung, den Reichstag zu schließen, sobald desien Verhandlungen beendet wären, damit namentlich denjenigen Reichstags-Mitgliedern, welche in ihren Heimathsstaaten parlamentarische Obliegenheiten zu erfüllen haben, die Abreise von Berlin nicht verzögert würde. Wien, 3. Dez. Die heutige Wiener Z. veröffentlicht ein kaiserliches Handschreiben an den Frhrn. v. Gablenz, welches dem aus Gesundheitsrücksichten gestellten Ansuchen desselben um Versetzung in Ruhestand, unter Verleihung des Großkreuzes des Leopoldsordens, willfahrt. Bersaillts, 2. Dez. Das 6. Kriegsgericht hat heute in der Untersuchungssache gegen Preau de Wedel und Genoffen, welche der Ermordung von Gustave Chaudey, früheren Adjunkten beim Maire von Paris, bezw. Theilnahme an der Ermordung desselben beschulvigt waren, das Urtheil gefällt. Der Hauptangeklagte Preau de Wedel wurde zum Tode verurtheilt, die übrigen Angeklagten erhielten verschiedene Freiheitsstrafen_ _ »-Milchte Nachrichten. — Karls ruhe, 2. Dez. Auf Grund der für dieses Jahr vorgenommenen ersten juristischen Staatsprüfung wurden von den Rechts- kandiraten, welche sich derselben unterzogen haben, folgende 13 in nachstehender Oldaung zu Rechtspraktikanten ernannt: Orto Lenel von Mannheim, Wilhelm Hübsch von Dörlesbach, Josef Darmstädter von Mannheim, Karl Heil von Bühl, Max Lecker von Karlsruhe, Cäsar Blum von Heidelberg. Franz Rufer von Tüllingen, Epiphan Ketkerer von Schonach, Eduard Gallus von Niederschopfheim, Michael Schott von Lantenbach, Ferdinand Clauß von Lichienau, Georg Bürkie von Glot- terthal, und W.lhelm Braun von Karlsruhe. (Bad. Chc) § Offenburg, 3. Dez. Im letzten Anzeiger veröffentlicht das „veneralue" Landeskapitel Offenburg mit Unterschrift aller zugehörigen Pfarrer einen vollständigen Psalm auf die Jesuiten, auf die jetzigen Herrn des Kirchenregiments. Es mahnt uns dieser Beschluß an die Schrift, welche eine mehr venerable Pustoralkonferenz des Offenburger Distrikts im Jahr 1832 veröffentlichte. Ein flüchtiger Vergleich beider Auslastungen wird schon genügen, den geistigen Umschwung in unserm geistlichen Stande zu erkennen. In der Vorrede der 1832er Beschlüsse finden wir schon folgenden Ausspruch: „Doch die Vorsehung . . hat den Würdenträgern der Kirche das weltliche Schwert entrissen, denn ihr Reich ist nicht von dieser Welt. Daß man nun auch über ki rch lich e G egen stände sich frei äußern darf, wenn cs ohne Verletzung der Gesetze, der Religion und der jeder Obrigkeit schuldigen Achtung geschieht, und dabei nicht sogleich befürchten muß der inqnst- torischen Verfolgung als Ketzer anheim zu fallen ... das verdanken wir dem Fortschreiten des Z itgeistes". „Bei unfern Amtebrüdern der evangelischen Kirche ist allseitig? Bewegung. Wer sich Kenntniß und Erfahrung zutraut, läßt seine Stimme vernehmen . . Nur wir katholische Geistliche allein sollen entweder in stummer Unterwürfigkeit auf die Lichtfunken warten und harren, die von oben herabsallen, urd zum voraus Alles als evangelische Wahrheit hinnehmen, was uns vorgelegt wird, oder, wenn auch Einer seine Ansichten darzulegen unternehmen will, diese, verzichtend auf Selbstständigkeit, zuerst der höher» Behörde zur Correctur und Sichtung unterwerfen". „Es müßten aber Anstalten getroffen werden, damit das Ch-isten- thum dem Leben des Volkes wieder näh:r gebracht werde, dem es durch die Zeitereigniffe und allseitige Fortschritte des menschlichen Geistes allmälig entfremdet wurde, ja bei dem alleinigen Stillstände der Kirche nicht anders als entfremdet werden mußte". Unter den 16 Reformen, welche nun die Conferenz für nothwen- dig in der katholischen Kirche hält, finden wir die Einführung eines Rituals oder einer Agende in deutscher Sprache. Ferner sorgsältige Sichtung des Benevictio nale, „um die geistlichen Segnungen nachVer- nunft und der heiligen Schrift genießbar zu machen. Hierin muß leider häufig gegen den gesunden Menschenverstand*), ja gegen die heilige Schrift gesündigt werden". Ebenso sei eine Revision des Missale nöthig, da sich Messen darin finden, welche sich auf bloße Legenden bezögen. Nicht weniger sei eine feste Ä n- ordnung des öffentlichen Gottesdienstes erforderlich, indem das übliche Rosenkranzgebet während des Meßopfers ein sehr unvollkommnes, daher auch unsch ckliches Mittel zur Erbauung sei. Namentlich sei auch eine Beschränkung der Bruderschastsan- dachten zu wünschen, da sie nach oller Erfahrung nur die sogenannte Worthkiligkeit befördern. Gleichfalls eine Beschränkung erforderten die Wallfahrts - oder Gnaden-Orte, deren wir im Lande so viele hät- *) Das ließe sich vielleicht Vikar Hämmerle in Schutterwald noch gefallen. Wenigstens muß man feine Bedenken hiergegen als klein erachten, wenn er in der Christenlehre die Kinder, welche keine Gespenster fürchten, berichtigt und behauptet, daß es Gespenster gebe und alle Katholiken daran glauben. Ganz geeignet zum künftigen Vorsteher eines Ortsschulraths! ten und gewiß nicht zur Ehre des Katholizismus und zur Beförderung wahrer Frömmigkeit. An diesen Orten finde ein unsere Kirche wahrhaft schändender U belstand ganz besonders Nahrung, nämlich die M e ß st i p e n d i e n. Jedem Priester sei bet schwerer Strafe unteisagt, Geld für die zu besorgenden Meffen anzunehmen. Das Heiligste soll nicht für Geld feil geboten werden. Dahin gehöre auch das Celebriren m hrer Meffen, wenn ein Reicher verstorben sei. Weder Christus noch die Apostel noch die Kirche habe ausgesprochen, daß M ffen zur Seligkeit des Verstorbenen noihwendig seien. Ebenso gehörten die Stolgebühren für Taufen, Beerdigungen und Trauungen a b geschafft, denn sie würdigten die R ligionshandlung herab. seien dem Einzelnen gehässig, für den Empfänger beschämend. Das A b s t i n e n z g e b o t sei aufzuheben, manche Feiertage auf den Sonntag zu verlegen und von dm 5 Mrrien- festen nur das Fest der Verkündigung als in der SHrift begründet zu feiern. (Schluß, f) * Offenburg, 4. Dez. Wie man hört, wird von großh. Hände sministerium die Eirich- tung von Weinmärkten in dm verschiedenen Weingegenden beabsichtigt, wobei nuch Os- fenburg in Aussicht genommen ist. Die Abhll- tung desselben soll vorerst auf Freitag den 15. März 1872 festgesetzt sein. Daß dieses Unternehmen für die hiesige Gegend sehr von Vortheil ist, bedarf wohl keiner Erwähnung. — Aus Rastatt wurde vor einiger Zeit in der Losztg. gemeldet, welche Antwort ein freiwilliger deutscher Krieger erhielt, der seine Heimakhgemeinde um dieselbe Unterstützung anging, welche ste Anderen hatte zukommen lassen. Nun verwahrt sich die Gemeindevertretung Rastatt gegen die Unterstellung, als sei dies die betr. Gemeinde; dieie heiße vielmehr Stiünpfel- bruun; das Eensteheu aber für die Richtigkeit der Thatsache müsse dem Correspondenten überlassen bleiben. — Wir haben das Stückchen auch gebracht, dabei aber gar nicht die irrige Ansicht sinven können, welche die Rastatter Gemeindevertretung abweist. — Pforzheim, 1. Dez. Hr. Fabrikant Kölle, der krank darnieder lag, sprang diesen Vormittag in der Hitze des Fiebers zu dem 2 Stock hohen Fenster seiner Wohnung hinaus und starb nach wenigen Minuten an den Folgen des Falles. (B.Ldz.) — Tauberbischofsheim, 4. Dez. Bei der heutigen Abgeordnetmwahl stimmten von 127 Stimmberechtigten 126. Oberamtsrichter Junghans in Offenburg erhielt 76, Seminardirektor Neumeier 50 Stimmen. (Lad.Chr.) — (Einzig unfehlbares Jesuitenpulver.) Aus der Republik Guatemala, deren von der Natur überaus gesegnetes Land der dort allmächtige Jesuitenorden seit 30 Jahren nicht nur vollständig beherrscht, sondern bis auf's Mark ausgesogen und geistig und leiblich tief heruntergebracht hat. ist derftlbe durch den neuen liberalen Präsidenten Miguel Gracia Granados verwiesen und für immer verbannt worden; 80 Priester dieses Ordens wurden am 12. September mit einer Eskorte von 100 Mann aus der Hauptstadt nach dem Hafen San-Jose gebracht und dort eingeschifft, mit der Erlaub- niß, frei zu wandern, wohin es ihnsn beliebt. Die Summen, sagt ein Korresp. der Allg. Zlg., welche die frommen Herren durch V.rmächtniffe und Spenden reicher Kreolenfamilien, besonders aber von Seiten der Frauen und Mädchen empfingen, gingen in die Millionen. Die vertriebenen Väter fragten in der Nachbarrepnblik San-Saloador an, ob man ihnen dort eine Freistätte gewähren wolle, erhielten aber eine abschlägige Antwort. Wahrscheinlich werden sie in Mehrzahl nach Ecuador überfledeln, wo der jetzige Prästdent Moreno ihnen freundlich gesinnt ist. Im Münchener Bolksboten finden wir die Nachricht von der Vertreibung der Jesuiten mit dem Zusatze erwähnt, daß die Indianer wegen Verjagung ihrer „Lehrer u. Seelsorger" einen „heiligen Krieg" gegen die Freimaurer, das heißt gegen die bestehende Regierung, organisiren. 1171 Der Brand in Chicago. (New-Mrk Journals (Forschung.) Zwischen 11 und 12 Uhr aber machte sich das Gerücht geltend, daß das Feuer in der Geschäftsgegend der Stadt sei, und man fing an, sich zu regen. Pferde wurden eingespannt, um die Eigenthümer zur Brandstätte zu bringen, und welch ein Anblick bot sich ihren Äugen dar! Das Board of Trade Gebäude, Court Haus, Western Union Telegraph Office und Hunderte von anderen Gebäuden brannten lichterloh; brennende Kohlen flogen umher, die gegen Norden und Osten Zerstörung trugen. Die Spritzen waren machtlos, man beschränkte sich darauf, einige Gebäude in die Luft zu sprengen und selbst das half nur wenig. Die Gebäude der Times, Post, Republican Journal und anderer Zeitungen, die Office der Western News Company,. Field und Leiter's Etablissement, der Drake Block, erst kürzlich von Farwell und Co. gebaut, waren bald in einen Aschenhaufen verwandelt. Sobald die Flammen auch nur eine Wand trafen, brachen sie gleich hindurch, und es bedurfte nur weniger Augenblicke, um die prachtvollsten Gebäude zu zerstören. Die Mauern schmolzen hinweg, ja die Backsteine wurden consumirt. Das hölzerne Plaster brannte auf eine Strecke von zwei Meilen, und kein menschliches Wesen konnte auch nur für ein paar Minuten in der Nähe verweilen. Ein Block fiel nach dem andern, die brennenden Kohlen flogen höher und höher, bis die Nordseite einem Feuermeer glich und eine Volksmasse dergestalt eingeschlossen wurde, daß es schien, als ob Tausende umkommen müßten. Das Sherman House und andere Hotels wurden von den Gästen verlassen, und diese flohen mit Koffern und Gepäck inmitten der Flammen, um ihr Leben zu retten. Viele flohen über die noch stehenden Brücken, während Andere den Ufern des Sees zueilten. Bei Tagesanbruch blieb von dem ganzen großen Geschäftstheil nur noch ein Block, und zwar der Tribüne Block, stehen. Die benachbarten Blocks in Dearborne Straße waren bereits niedergebrannt, und man hoffte, wenigstens diesen Block zu retten. Eine Anzahl Leute unter Col. Mevell räumte die brennenden Kohlen weg und löschten das Feuer in den Wänden, während Andere unter der Leitung von Josef Medell die Dächer bewachten. Alles schien hier sicher, und Viele gingen, um auszuruhen und Nahrung zu sich zu nehmen. Eine Anzahl wollte sich im Tribune-Gebäude ausruhen, als sich plötzlich der Wind drehte und die Flammen erreichten bald die Wabash und State Straße und Michigan Avenue. Bald stand Mr. Bickers Theater in Flammen und ein paar Minuten später auch das Tribüne Gebäude, und im letzten Augenblicke nur gelang es, die! Schlafenden zu wecken und zu retten. Um 10 Uhr Morgens lag dieser Block irr Asche. Nun erblickte man eines der merkwürdigsten Schauspiele, das jemals irgendwo gesehen wurde. Es flohen 50,000 bis 70,000 Männer, Weiber und Kinder durch jede zugängliche Straße und Allee in südlicher und westlicher Richtung um ihre Kleider uns ihr Leben zu retten. Jedes Gefährt war in Requisition gesetzt, enorme Preise wurden dafür bezahlt und Straßen und Seitenwege gewährten einen jammervollen Anblick. Tausende von Menschen und Pferde, armes Volk von jeder Race und Farbe und Nationalität drängte sich in wilder Aufregung vorwärts. Hunderte wurden niedergeworfen und niedergetreten, während Massen von Männern und Weibern, beladen mit Möbeln und Geschirr oder Kindern auf dem Rücken über sie hinstürzten. Stunden später konnte man diese Flüchtigem sehen aus blosem Boden hingestreckt, auf leeren Baustellen und weithin in den Straßen der Vorstädte mit ihrem geretteten ärmlichen Haushalt. Schreckliche Scenen kamen vor. So sah man in State Str. eine Frau mittleren Alters, beladen mit Bündeln, sich durch die Menge dnrcharbeiten unter Gesang einer Melodie aus „Mutter Gaus". Biele waren durch den Genuß von Bier und Branntwein (aus Mangel an Wasser) ganz desperat. (Schluß folgt.) Die Kreisverfammlung des Kreises Offenburg für 1872 betr. Offenburg. Nro. 12,305. Die Grundbesitzer und Gewerbtreibenden, welche nach § 30 des V. W.-Ges. bei der Wahl der Kreisabgeordneten wahlberechtigt sind, sowie die nach § 27 Z. 5 und § 38 zum Stimmrecht bei der Kreisversammlung berufenen größten Grundbesitzer werden gemäß § 1 und 2 der Wahlordnung mit Frist vyn 4 Wochen zur Anmeldung etwaiger neuer Ansprüche und zur Anzeige solcher Veränderungen des Besitzstandes oder des Wohnortes aufgefordert, welche von Einfluß auf die Wahl oder Slimm- berechligung sind. Diese Aufforderung ergeht: a) an alle Grundeigenthümer, welche in dem Kreise an Liegenschaften, Grunbsteuerkapitalien von mindestens 25,000 fl. besitzen, die seit 5 Jahren von ihnen oder ihren Familienvorfahren versteuert worden — ohne Rücksicht auf deren Wohnsitz; b) an die Gewerbtreibenden, welche im Kreise ihren Wohnort oder ihre Hauptniederlass rng haben uns Gewerbsteuerkapit allen im Betrage von mindestens 50,000 fl. in dem Kreise besitzen, die von ihnen oder ihren Famtlienvorfahreu seit 5 Jahren versteuert worden; o) an die Körperschaften, Genossenschaften, Stiftungen und Aktiengesellschaften, deren Verwaltung im Kreise ihren Sitz oder ihre Hauptniederlassung hat, und welche in demselben seit länger als 5 Jahren an Grundsteuerkapitalien 25,000 st. oder an Gcwerbffeuer- kapitalien 50,000 fl. versteuern, jedoch mit Ausschluß der Gemeinden. Wegen der Form der Anmeldung wird auf § 3 der Wahlordnung Bezug genommen. Offenburg, den 4. Dezember 1871. Der Großh. Kreishauptmann: M o n t f o r t. J Bekanntmachungen. Gengenbach. Nro. 7288. Kaufmann Alois Bruder von Unterharmersbach wird für den Amtsbezirk Gengenbach als Bezirksagent für die Glad- Lacher Feuerve sicherungsgesellschaft bestätigt. Gengenbach, den 25. Noobr. 1871. Großh. Bezirksamt. _ Nieder. _ 4205. 4201 Ofsenburg. Bekanntmachnng Das Fahrmßoersicherungs- wesen betr. Nro. 1948. Es ist im Laufe dieses Jahres mehrmals vorgekommen, daß einzelne hiesige Fahrnißversicherungs-Agenten die Bestimmungen der U 6, 10 und 20 des Gesetzes vom 30. Juli 1840, Reg.-Bl. Nro. 28, und der Vollzugsverordnung vom 3. Novbr. 1840, Reg.- Bl. Nro. 38, nicht genau beobachten und sind namentlich die Gesuche um Ertheilung der in § 6 des Gesetzes vorgeschriebenen ge- meinderälhlichen Bescheinigung von den meisten Agenten mangelhaft abgefaßt. Der 8 20 der besagten Verordnung bestimmt wörtlich: „Die Gesuche (Versicherungs - Anträge) sind schriftlich vorzulegen und müssen genau und vollständig enthalten: 1) Name und Stand des zu Versichernden; 2) Name der Versicherungsgesellschaft und ihres Agenten; 3) den Gegenstand oder die Gegenstände der Versicherung nach Gattungen und den Betrag der Versicherungssumme des Gegenstandes oder der einzelnen Gattungen von Gegenständen; 4) die Bezeichnung des Grbäudes, wo sich die Gegenstände befinden; 5) Anfang und Ende der Versiche- rungszeit; 6) Anzeige, ob der Gegenstand schon ander- weit, wo und wie hoch versichert ist; 7) Ort, Tag. Monat und Jahr und Unterschrift des Versicherungssuchenden". Die hiesigen Fahrnißversicherungsagenten werden behufs genauer Befolgung vorstehender Bestimmungen mit dem Anfügen aufmerksam gemacht, daß mangelhafte Versicherungs-Anträge denselben sofort zur Vervollständigung zurückgegeben werden, und sie sich die durch stattgehabte Verzögerung etwa entstehenden nachlhei- ligen Folgen selbst zuzuschreiben habe». Offenburg, den 4. Dezbr. 1871. Der Gemeinderath. Schaible. Gütle. Leqelshurst, Amts Kork. Jagdverpachtung. 4195.2.2. Montag den 11. Dez. j|h 1871, Nachm. 2 Uhr, wird auf ||\ dem Rathhaus dahier die mit dem UM----. 2. Febr. 1872 pachtfällig werdende M-? Feld- und Waldjagd, bestehend in 5200 Morgen Wald und Feld, in 2 Abtheilungen öffentlich verstei- gert, wozu man die Liebhaber mit dem Anfügen einladet, daß ihnen vor Beginn der Steigerung die Jagddistricte genau bekannt gemacht werden. Legelshurst, den 2. Dezbr. 1871. Das Bürgermeisteramt. Gugrlmann. vdt. Herrel, Rthschr. Offenburg. Waarenverfteigerung. 4210. am {tag den 9. Dezbr., Mittags 1 Uhr anfangend, wird im Gasthaus zu den 3 Königen hier, Eingang rechts, eine größere Partie Winter- und Sommer-Buckskins, abge- therlt in paffenden Coupons zu Herrenpaletots, Beinkleidern und Kinderanzüge, desgleichen Velours und Double für Damenpaletots und Jacken; ferner eine Partie feine wollene Unter- Zacken und Herren cachenez versteigert. Sonntag, Nachm. 1 Uhr beginnend, wirb der Verkauf unter der Hand fortgesetzt, unb billiger Verkauf zuqesichcrsi Oeffentliches Geschäfts-Bureau Berger. _ Ofsenburg. 4201. Wildschweinfleisch, das Pfund za 28-kr., ist zu haben heute Mtltwoch den 6. d. Vorm, zwischen 8 und 9 Uhr bei Oberjäger Himmelsbach. ____________ 4211.2.1. Eine Partie von ca. 100 Centner ungebleichte Palmblätter sind, da solche sich sehr gut zum Färben in Strohhutfabriken eignen, billig zu verkaufen. Daraus Rest-curende wollen ihre Offerte» franco unter Ick W. 655 an die Aunovcen- Erpedition von Haasenstein 8f Vogler in Frankfurt a M richten. ,_ Kavitalaesntb. 4207.2.1. El» öiapital von 3000 fl. wird gegen doppelte Versicherung in Bürgschaft auf- zuuehmen gesucht: — Näheres bei der Exved. dies. Bl. 1172 4213 RindMisch, 'xthT Sebtveinoffeisch, ^35» sowie verschiedene Torten Würste sind fortwährend zu haben. Offenburg, den 5. Dezbr. 1871. Hermann Nerlinger, _ Wurster . _ Osfenb urg. Anzeige. Der Unterzeichnete bringt einem verehrten Publikum die ergebenste Anzeige, daß derselbe von dem NeaUlhrer Dr. Molitor ve> faßte, durch die Krill vielfach empfoblene Bücher in feinem Lager hat, und erlaubt sich die Herren Lehrer, Ortsschuliäihe und Gewerbt'erbenden hierauf aufmerksam zu machen. 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