joroie für die Bezirksämter und Amtsgerichte Offenlmr g und Gengenbach. Erscheint täglich mit Ausnahme Montags, und kostet vierteljährlich in Offenburg 1 fl., für den Landpostbezirk 1 fl. 2 kr., für die übrige» Postbezirke 1 fl. 7 kr. Einrückungsgebühr: die gespaltene Garmondzeile oder deren Raum 3 kr. Xro. 269. Offenburg, Donnerstag den 17 November 1870. Politische Rundschau. Offenburg. 15. Nov. Die französische Loire- x armee ist wieder in bedenkender Stärke erschie- nen, so daß General v. der Tann Orleans rüu- tnen mußte^ Die Regierung in Tours macht daraus natürlich sogleich große Siegesnachrich- ten, um so mehr als eine bairische Munitions- kolonne dabei verirrte und zwei Geschütze verlor. Jndeß ist der Rückzug vor überlegenen . Streitkräften ganz natürlich, die Vereinigung mit General Wittich und Prinz Albrecht Vater .aber ist gelungen, der Großherzog von Mecklenburg mit seinem Corps stößt zu ihnen, und so dürften uns die nächsten Tage vielleicht wieder Nachrichten von bedeutenden Kämpfen bringen. Wohl im Zusammenhang mit dieser Bewegung der Loirearmee wird seit mehreren Tagen schon : ein größerer Ausfall aus Paris erwartet. Der Plan, auf diese Weise die Deutschen zwischen : zwei Feuer zu bringen und Paris, wo möglich, - zu entsetzen, wäre gefährlicher gewesen vor der Uebergabe von Metz als nach derselben, obwohl wir den Feind auch jetzt keineswegs, unterschätzen möchten. Mag es Frankreich auch nicht gelingen ein ebenbürtiges Heer wieder herzustellen, immerhin wird, wie die Thatsachen zeigen, in dem großen noch nicht besetzten feindlichen Gebiete eifrig gerüstet, und nur der Fall von Paris einerseits und das Vordringen der deutschen Heere auch in den Süden Frankreichs anderseits wird die fanatisirte Nation endlich zum Nachgeben zwingen, die leider durch die Haltung der Neutralen in ihrem eigensinnigen Stolz und Hochmuth nur bestärkt wird, in dem Stolz und Hochmuth. nur sie dürfe Kriege anfangen ohne im Fall des Verlierens Land verlieren zu müflen. Was die Engländer, die neuerdings wieder durch den Mund ihrer Minister Granville und Gladstone von der Schleifung der Grenzfestnngen, von Verhütung der Demüthigung der Franzosen schwätzen, wohl da» durch bezwecken? Glauben sie dadurch die Deutschen von ihren ebenso gerechten als bescheidenen Forderungen realer Bürgschaften des Friedens abzubringen? Oder find die Ernennung des preußischen Kronprinzen zum russischen Feldmarjchall und die Verleihung eines russischen Ordens an General Steinmetz, den Gouverneur von Posen, die Anzeichen eines fertigen russisch-preußischen Bündnisies? Ist wahr, was rin österr. Blatt meldet, Rußland habe erklärt, sich nicht wehr um den Pariser Frie- densvertrag vom Jahre 1856 zu kümmern? Dann wäre der europäische Krieg vorhanden und das Ende unabsehbar: die Engländer würden die Früchte ihrer Neutralität ernten. — Was hat Hr. v. Beust in München zu schaffen? Wirklich blos Durchreise nach Italien oder Familienbegleitung? — Auch die päpstlichen Schlüffelsoldaten sollen jetzt in den Dienst Frankreichs gegen Deutschland treten. Diese und Garibaldi — wirklich eine schöne Bereinigung! Noch schöner, daß die Ultramontanen meinen, der König von Preußen solle die weltliche Macht des Unfehlbaren retten, für dessen neuestes bescheidenes Dogma gegenwärtig die deutschen theol. Professoren zu Bonn, München rc. moralisch gefoltert werden ! — Aus Warschau, 8. Nov., meldet das Dresd.Journ.: Seit einigen Monaten werden die Reservisten der russischen Armee in aller Stille eingezogen. Ihre Einberufung hat nicht auf dem gewöhnlichen öffentlichen Wege, sondern durch geheime Befehle an die Kreischefs stattgefunden. Diese hatten die Reservisten zu sich zu bescheiden und ihnen zu eröffnen, daß sie sich zu ihren Regimentern zu begeben haben, „um das neue Gewehr und dessen Handhabung kennen zu lernen". Daß aber die Einberufenen nicht so bald entlassen werden dürften, geht schon daraus hervor, daß die ausgeschriebenen Versteigerungen auf Mehllieferung für 1871 beinahe doppelt so groß sind, als in den vergangenen Jahren. Ferner ist zu bemerken, daß die Tbätigkeit in den Waffenfabriken nnd Geschützgießereien wit ununterbrochener Energie betrieben wird. Die St. Petersburger und Moskauer Zeitungen melden fortwährend von neuen russischen Erfindungen auf diesem Gebiete und wird ganz besonders eine Kanone neuer Konstruktion, als deren Erfinder man den General, Pesticz bezeichnet. außerordentlich belobt. Die Flottenmannschaft wird in Kronstadt in Handhabung der neuen Waffen eifrig einexerzirt und wird zu diesem Behufe den verschiedenen Abtheilungen abwechselnd auf je zwei bis drei'Wochen jede andere Thätigkeit erlassen. — Mönche«, 10. Nov. Das war ein schönes, herzerhedendes Fest, welches heute zu Ehren der hier anwesenden Preußen in der Westendhalle begangen wurde. Die Minister glänzte» durch ihre Abwesenheit. Mönche», 12. Nov. Das gestern hier verbreitete Gerücht, die Minister Graf Bray und v. Lutz seien hieher zurückgekehrt, ist unbegründet. Dieselben verweilen noch in Versailles, doch steht ihre Abreise von dort unmittelbar bevor. Die Angaben, welche über ihr Verhalten in den daselbst gepflogenen Konferenzen zur deutschen Verfaffungsangelegenheit in den Zeitungen knrstren, Haben einen wahren Sturm in der bairischen Presse erregt: einen Sturm der Entrüstung in den nationalen, des Jubels in den klerikalen und „patriotischen" Organen. — Graf Beust hat heute die Heimreise nach Wien wieder angetreten. Er hat hier lediglich dem Staatsrath v. Daxenberg», dem Stellvertreter des Grafen Bray, einen kurzen Höflichkeitsbesuch abgestattet (?). Berli«, 11. m Nach zuverlässigen neueren Berichten, welche aus dem deutschen Feldlager vor Paris hier eintreffen, sind Verpflegungs- verhältniffe ebenso wie der Gesundheitszustand der dort aufgestellten Truppen gegenwärtig außerordentlich günstig. (Sch. M.) Wie«, 10. Nov. In einer peinlicheren Lage haben sich wohl noch niemals Minister in Oesterreich befunden, als die jetzigen in der gestrigen Sitzung der Adreßkommisflon des Herrenhauses. Sir mögen sich wie Angeklagte vorgekom- men sein, die vor einem unerbittlichen Richterkollegium sich zu verantworten haben, und die dabei schon im Voraus wissen, daß über sie der Stab gebrochen werdm wird. Der Ausschuß hat sich nicht darauf beschränkt, eine die Negierungspolitik tadelnde und einen Systemwechsel befürwortende Adresse zu beschließen, sondern er ist in eine Kritik der einzelnen im Amte befindlichen Minister eingegangen, die gerade vernichtend war. Neberzeuat von der Nothwendigkeit eines schleunigen Systemwechsels bekämpft der Adreßausschuß des Herrenhauses das Ministerium in schonungslosester Weise und wird dem Herrenhause eine Antwortadreffe auf die Thronrede zur Annahme empfehlen, die a» Unzweideutigkeit nichts zu wünschen übrig lassen wird (Schw. M.) Wie«, 13. Nov. (Fr. I.) Der Klub der Linken hat in seiner gestrigen Sitzung den Beschluß, das Ministerium zur Abdankung zu zwingen, aufrecht erhalten. Die Kombination eines neuen Kabinets Rechbauer steht dabei im Vordergrund. Bom Kriegsschauplatz. Aus Bade«, 11. Nov. Der Rückzug von der Tann's aus Orleans, welcher heute durch Drahtbericht des Königs an die Königin gemeldet wird, ist in dem großen Hauptquartier schon vor einigen Tagen in Aussicht genommen worden. Der Berichterstatter der Times, Rüssel, schreibt unter dem 9. d., der Kampf der Franzosen sei ein ganz aussichtsloser, und scheinbare Erfolge da und dort könnten hieran nichts ändern. Die Räumung einer Stadt bedeute in der Regel nur, daß die Deutschen den mit der Besetzung beabsichtigten Erfolg erzielt hätten. Durch das Abbrechen verschiedener Brücken habe die französische Armee allerdings dem Feinde Schwierigkeiten und Zögerungen bereitet, und es sei wahrscheinlich, daß von der Tann, der mit nur 25,000 Mann bei Orleans stehe, sich vor der in Stärke von etwa 80,000 Mann anrückenden Loirearmre werde zurückziehen müssen, weil die zu seiner Verstärkung bestürmten Truppen, vor Allem der Heerkörper des Prinzen Albrecht, wegen der Brückenzerstörungen und des Mangels an Pontonkolonnen nur langsam vorrücken könnten; allein für das Ergebniß des Krieges sei der vorübergehende Rückzug unerheblich: denn den mit von der Tann vereinigten Truppen werde die Loirearmee nicht gewachsen sein. »»Ich wünschte, daß alle Mitglieder der französischen Regierung auf einem Ballon bei klarem Wetter eine Reise über ganz Frankreich hin unternehmen; sie würden dann sehen, wie großartig das deutsche Heer in allen seinen Kriegsanstalten sich über das unglückliche Land verbreitet und wie nichtssagend dagegen die aufgebotenen Mittel des Widerstandes sind; gewiß würden sie Alle schleunigst für Herbeiführung des Friedens sorgen." (BLdz.) — Der A. Z. schreibt man aus xktftiucS 8. Nov.: Die deutschen Fürsten sind alle feierlich hieher geladen, der von Baden ist bereits gestern Abend mit zahlreichem Gefolge eingetroffen, der von Oldenburg ist erwartet (und inzwischen gleichfalls eingrtroffen). Sachsen hat fest zugesagt. Wenn ste alle wie der Großherzog von Baden mit 46 Personen und 60 Pferden kommen, so werden unsere Rationen noch schmäler werden, als ste dermalen find. Wenigstens möchte ich den nächst eintreffenden deutschen Landesvater unterthänigst gebeten haben, doch seine eigenen Bedürfnisse an Salz und Zucker mitzubringen und womöglich noch etwas für die andern. Unser tägliches Brod müssen wir, wenn auch nicht im Schweiße unseres Angesichts (denn dazu ist es zu kalt), doch > ohne Salz essen. — Mit Bayern ist bis zur Stunde nichts zu Stande gekommen, und die Abgeordneten der anderen Staaten sehen die Zeit kommen, da sie abreisen werdm ohne daß irgendwie mit Bayern etwas verabredet sei. Werdm die bayrischm Minister eS rrtragm, mit leer« Händm heimzukommen? Werdm sie es ertragen, vor de« dmtschm Volk, vor dem bayrischm Volk nach diesen großen Ereigniffm und 1070 großen Erwartungen heimzukehren und zu erklären: Württemberg, Baden und Hessen sind dem deutschen Bundesstaat beigetreten, aber für uns ist alles wie zuvor geblieben, die wunderbarste Erhebung und Glorie Deutschlands hat uns dem deutschen Staat nicht um eine Hand breit näher gebracht? Wie die Sachen heute liegen, steht es so aus, aber daß es so bleiben werde, daß das Volk und der König in Bayern sich in dieser Lage und Rolle gefallen möge, kann Niemand glauben. — Der Kaiser Napoleon hat ein eigenhändiges Schreiben an König Wilhelm gerichtet, um demselben für die Erfüllung seiner Bitte zu danken, daß die in Metz gefangenen Marschälle zu ihm nach Wilhelmshöhe geschickt werden möchten. Zugleich spricht der Kaiser den Wunsch aus: wo möglich auch seine Garde in die Nähe seines Aufenthaltsorts verlegt zu sehen; ein Wunsch dessen Erfüllung jedoch, bei aller Freundlichkeit welche man dem Kaiser erweisen möchte, auf ernstliches Bedenken stoßen dürfte. Hauptquartier Versailles, 11. Novbr. Seit der Abreise Thiers hat man sich dem Unvermeidlichen gefügt, daß die Aussicht auf einen baldigen Frieden wiederum hinausgeschoben ist. Man beabsichtigt an maßgebender Stelle vor der Hand die Aktionen im Süden und Norden mit voller Kraft beginnen zu lassen. Die thcils nach dem Norden theils nach dem Süden diri- girten Korps der Armee des Generalfeldmar- fchalls Prinzen Friedrich Karl dürften bereits Fühlung mit den Korps v. d. Tann und von Werder genommen haben, und Paris wird dann gänzlich auf sich allein angewiesen dastehen. Wenn Trochu an alle Arrondissements ein Rundschreiben erlassen hat, in welchem er versichert, daß Paris noch auf 9 Monate mit Proviant vollauf versehen sei, so gibt das nur wiederum ein Zeugniß von dem systematisch fortgesetzten Lügcngeschäst. — Der Winter ist jetzt plötzlich eingetrvffen, seit 2 Tagen schneit es beharrlich. (Sch. M.) Einem Ballonbrief der Köln. Z. aus Paris, 7. Nov. entnehmen wir folgendes: „Die große Tagesneuigkeit ist die Verwerfung des Waffenstillstandes durch Bismarck. Dieser liebenswürdige Edelmann will uns also wirklich nichts essen lassen. Wir haben schon jetzt nur noch 50 Grammes (ungefähr 3 Loth) Fleisch pro Tag, und dieses ist wahrlich nicht viel, besonders wenn man nichts Anderes zu beißen hat. Das Pferdefleisch, welches man ebenfalls rationirt, ist nicht mehr aufzutreiben. Das Maulthier und der Esel, ausgezeichnetes Fleisch, werden zu 3 Frc. das Pfund verkauft. Katzen werden mit vielem Gelde bezahlt; wie Kaninchen zubereitet, sind sie köstlich. Ein gewöhnlicher Schinken kostet 50 bis 60 Fr. und ein „Boisseau" Kartoffeln 5 Fr. Das Brennmaterial ist ebenfalls schon selten und doppelt so theuer, wie früher. Bismarck flnbet, daß Alles zum Besten ist, und hat als Argument 150 Krupp'sche Kanonen von Fleury Hiß nach Montretout demaskirt, die uns ausspielen, und angenehm aufspielen werden. Die Aufregung ist außerordentlich. Man hatte sich zu große Hoffnungen gemacht. Die Enttäuschung ist sichtbar. Die dreiprozentige Rente eröffnet an der Börse 2 Fr. tiefer als am letzten Sonntag. Zndeß versichern mehrere Blätter, daß die neutralen Mächte die Unterhandlungen weiter verfolgen. Auch kündigt das offizielle Blatt an, daß die Delegation in Tours keine Anleihe abgeschlossen. (Welche Lüge!) Man beruhigt sich einiger Maßen und die Rente schloß besser, zu 53 Fr. Die Umgegend von Paris ist noch ruhig, aber diese Stille ist der Vorläufer des Sturmes. Die fieberhafte Thäiigkeit, welche die Regierung entwickelt, läßt voraussetzen, daß ernste Ereignisse im Anzuge sind. Von heute an in 14 Tagen wird die Nationalgarde für die Ausfälle organistrt sein. B«« der Seine, 7. Nov. Seit gestern machen die Priester in den nicht verlassenen Dörfern die Runde in allen Häusern und rufen zum energischen Widerstand auf, da der Sieg der guten Sache unfehlbar sei. Die Geistlichen erzählen von bevorstehenden großartigen Ausfällen, durch welche man die Deutschen niederwerfen werde, und vertheilen gedruckte abenteuerliche Berichte über die letzte Affaire vor Paris, in welcher die preuß. Garde vollständig masiacrirt worden sei. Paris weide Frankreich retten, versichern die Priester, wenn die Städte und Dörfer der umliegenden Departements zu Hülfe kämen, wenn sie die Deutschen in ihren Kantonnements überfielen und nieder machten. (Köln Ztg.) — Aus guter Quelle höre ich, daß frisches Fleisch gegen den 20. d. alle sein wird. Gestern wurden alle die verborgenen Schätze auf den Markt geworfen, die man aufgchäuft hatte, um großen Profit daraus zu machen. Heute sind sie wieder verschwunden. Lammfleisch wird in ziemlich starken Quantitäten zum Verkaufe an- geboten, und es ist nur merkwürdig, daß gleichzeitig die Hunde immer seltener werden. — Thionville wird (einem Brüsseler Telegramm des „Fr. I." zufolge) seit dem 13. Nov. bombardirt. Paris, 10. Nov. Flourens ist heute in Me- nilmontant, wie die Gazette de France erzählt, verhaftet worden; gleiches droht den Redakteuren des Reveil, Delescluze und Cournet. Nantes, 4. Nov. In Coulie wird sich das Heer der Bretagne sammeln und zwar in einem verschanzten Lager; heute 20,000, in 8 Tagen 65,000. Begeisterung auf Keratrys Wegen. In Marskille sind hundert griechische Freiwillige, darunter ein Zeitungsschreiber und zehn Studenten, angekommen. Dieselben begeben sich zur Loirearmee. Lyon, 9. Nov, Die erste Marschlegion der Rhone ist heute gegen die Preußen abmarschirt. Sie steht unter dem Kommando des Obersten Celler und hat eine treffliche Artillerie mit eng- lichen Stahlkanonen: (N.Z.Z.) Bern, 1t. Nov. Die ersten deutschen Truppen, welche Delle besetzt hatten, sind durch ein Korps von 3000 Mann ersetzt worden. Eine andere Abtheilung marschirt in zwei Heersäulen gegen Beaucort und Etapes, auf diese Art die ganze Linie zwischen Mömpelgard und der schweizerischen Grenze einnehmend. (Beaucourt 6 Kilometer südwestlich von Delle, Etape 12 Kilometer westlich von Delle, auf dem Weg nach Mömpelgard.) Brüssel, 13. Nov. Aus Tours hier eingetroffene Nachrichten melden, daß in mehreren Departements die verheiratheten Männer stch weigern, dem Massenaufgebot Folge zu leisten. In Folge dessen theilt ein Dekret der Negierung alle mobilisirten Bürger in zwei Aufgebote ein, deren erstes alle Männer ohne Familie, das zweite alle anderen waffenfähigen Männer umfaßt. Letztere sind je nach dem Alter in drei Klaffen eingetheilt. Brüssel, 14. Nov. (F.J.) Der belgische Kriegsminister fordert im „Moniteur beige" alle internirren französischen Offiziere, die sich bei den Behörden noch nicht gestellt haben, auf, sich unter Strafe, als wortbrüchig bezeichnet zu werden, bei ihm zu stellen. — Der „Tours-Moniteur" signalisier für Dezember die Ankunft einer chinesischen Spezialgesandtschaft, welche die Aufgabe habe, Genugthuung für die Juni-Massacres zu geben. Telegraphische Nachrichten. Stuttgart, 15. Nov. Der „Staatsanzeiger" meldet: Nach offizieller Mitlheilung ist die württembergische Division in der Cernirung von Paris mit Beibehaltung der bisher innegehabten Stellung unter das Generalkommando des 2ten Armeekorps, General Fransecky, gestellt. München, 15. Nov. Die „Augsburg. Abend- Ztg." versichert — entgegen den Mittheilungen über den angeblichen Abbruch der Verhandlungen der bairischen Minister — auf das bestimmteste, daß die Verhandlungen fortdauern, daß die Minister nach einem Telegramm von Versailles vom 13. d. dcßhalb ihren Aufenthalt verlängerten und erst am Ende dieser oder Anfang oer nächsten Woche zurückkehren. Die Einberufung der Kammer ist'auf Anfang Dezember festgesetzt, i Hnmtnrg, 11. Nov. Der Börsenhalle zufolge hat der Generalgouverneur die Schifffahrt so- wsl neutraler als deutscher Schisse auf eigene Gefahr wieder freigegcben. Bremen, 14. Nov. Vierzig französ. Geißeln für das rechtswidrige Gefangen halten von deutschen Schiffskapitänen sind hier zur Unterbringung angemeldet. Berlin, 13. Nov. Die preußische Inspektion konstatirt den vortrefflichen Stand der Metzer Befestigungen; die neuerdings angesangenen sollen gemäß den französischen Planen deutscherseits vollendet werden. Vermischte Nachrichten. — Karlsruhe, 15. Nov. Durch den Stadt- magistrat in Berlin hat Hr. Oberbürgermeister Lauter dahier wieder neue reiche llnterftützungs- beiträge für die durch den Krieg besonders bedrängten badischen Landestheile, namentlich jür Dorf und Stadt Kehl erhalten, und zwar von der Stadt Oldenburg 250 Thlr., von der Sludt München 1714 Thlr. 8 Sgr. 6 Pf., von der Stadt Gleiwitz 100 Thlr., von der Stadt Halberstadt 175 Thl., von dem thüringischen Städteverband 2008 Thlr. 27 Sgr. 8 Pf., von dem deutsch-patriotische« Verein in Köthen 250 Thlr., zusammen 4498 Thlr. 6 Sgr. 2 Pf. Hr. Lauter hat hiervon 1(00 Thlr. für Dorf und den Rest für Stadt Kehl bestimmt, da die Stadt Altbreisach im Verhältniß zu diesen beiden Orten nicht als unterstützungsbedürftig angesehen werden kann. Es ist höchst erfreulich, wie theilnahms- voll der Magistrat zu Berlin stets des badischen Landes gedenkt, wenn es gilt Hilfe zu spenden. (B. Ehr.) — Karlsruhe, 15. Nov. Gestern und im Laufe der Nacht passirten gegen 600 verwundete und kranke Bayern auf dem Wege nach ihrer Heimath hier durch. 49 verwundete Badner wurden, gleichfalls aus Frankreich kommend, nach Offenburg weiter befördert. (B. Ehr.) Auch ein Mutterschmerz im Krieg. Rach den zwei Oelgemälden von dem berühmten Thiermaler Friedrich Lassow in München. Es wiehert in des Hofes Raum Dem Mutterraub das Füllen nah; Sie bäumt sich an dem Gartensaum Empor und ruft in ihrer Sprach, Mit einem Blick im Augenstern: Mein armes Kind, jetzt muß ich fern! Der Krieger zieht sie sträubend fort, Sie wird gesattelt und gezäumt; Sie saust dahin zur Todtenpfort Mit ihrem Krieger ungesäumt, Er fällt und wird im Tod vereint Mit Tausenden, schon längst beweint. Das arme Pferd, das stolz und groß Ihn fest zum Siege vorwärts trug, Das theilte bald deS Kriegers Los: Es stürzt dahin im kühnen Flug, Indem es über Leichen setzt Von einer Kugel schwer verletzt. Doch aus des Todes kalter Hand Schnellt es empor ans Licht der Welt, Geleitet von der Liebe Band, Vom Heimweh übers Leichenfeld. So hinkt es heimwärts voller Weh: Wenn ich mein Kind nur wiederseh! — Wie ist verändert Alles hier, Die Schlacht erstreckte sich hierher. Zertrümmert ist des Hofes Zier, Das schöne Gut liegt öd und leer: Die Mutter sucht und suchet fort Mit bangem Schmerz von Ort zu Ort. Und in des Hofes ödem Raum, Liegt tobt das Zunge hingestreckt; Die Mutter zittert, glaubt es kaum, Beschnaubt's, vom letzten Krampf geweckt: Dann sinkt die Arme zu ihm hin Und läßt die Lieb im Tod erblüh'». Sch. 107! Vermischte Nachrichte«. Offen bürg, >5. Novbr. Zum Dienst jm 4. Schwurgerichtsquartal l. I. wurden heute folgende Geschworene durch das Loos bestimmt. 1 . H a u p"t g e s ch w o r e n e: 1. Albert Walter, Weinhändler von Haslach, 2. Josef Droll 2ter, Landwirth von Leiberstung, 3. Anton Reinbold, Kaufmann von Rastatt, 4. Anton Brenner, Schneider von Baden, 5. August Eberlin, Posthalter von Lahr, 6. Josef Heizmann, Landwirth von Hausach, 7. Johann Schönherr. Landwirth von AÜmannsweier, 8. Johann Fortenbacher, Gastwirth von Steinmauern, 9. Joh. Schnetzer, Kaufmann von Ortenberg, 10. Fridolin Bildstein, Hofbauer von Norhrach, 11. Ignaz Werver, Adlerwirth von Appenweier, 12. Max Edesheimer, Kaufmann von Bühl, 13. Carl Georg Vetter, Ziegler von Oos, 14. Wilhelm - Rubin, Müller von Ottenheim, 15. Jakob Friedrich Marquardt, Kaufmann von Willstält, 16. Conrad Armbruster, Bürgermeister von Kaltbrunn, 17. Carl Geck, Fabrikant von Offenburg , 18. Johann Georg Roth, Jakob Sohn, Landwirth von Ichenheim, 19. Albert Stigler, Anwalt von Rastatt, 20. Friedrich Krämer, Gastwirth von Marlen, 21 Eduard Kastel, Stadtrechner von Gernsbach, 22. Baptist Eidel, Gastwirth von Dorf Kehl, 23. Carl Bähr, Blechner von Lahr, 24. Arbogast Nennwald, Bürgermeister von Marlen, 25. August Scheuerwann, Fabrikant von Schiltach, 26. Nepomuk Voll, Apotheker von Rastatt, 27. August Hei- ligenthal, Particulier von Baden, 28. Jakob Huber, Kaufmann von Dinglingen, 29. Albert Maier, Fabrikant von Seelbach, 30. Carl Vogel, Buchdrucker , von Rastatt. II. Ersatzgeschworene: 1. Michael Armbruster, 2. Gottfried Baumgärtner, 3. Carl Hessel. 4. Adolf Schaible, 5. August Stöhr, 6. Carl Ries, 7. Max Wild, 8. Berthold Sax; sämmtlich von Offenburg. — (Bürgermeisterwahlen.) Dinglingen, A. Lahr: der bish. Bürgermeister Kramer (gr. Mehrh.) — Oberweier, A. Lahr: Landwirth Christian Wingert. — Stadelhofen, A. Oberkirch: der bish. Bürgermeister Moll zur Furtemühle. — Rheinbischofsheim, 12. Novbr. Seit einiger Zeit sind in der Umgegend die sogen, schwarzen Blattern aufgetreten (ohne Zweifel aus dem benachbarten Straßburg eingebracht) und seit gestern auch hier schon in zwei Häusern eingekehrt; nichtsdestoweniger machen die noch nicht erkrankten Bewohner dieser Häuser ungehindert ihre Ausgänge, und deren Kinder besuchen die Schule. Es ist bekannt, mit welcher außerordentlichen Raschheit und Vorsorge beim Ausbruch der Rinderpest im Elsaß die Behörden alle möglichen Mittel zur Abwendung dieses Uebels in unserm Lande mit dem besten Erfolg aufgeboten haben; um so auffallender erscheint es daher, daß die Ortsbehörden nicht auf's strengste angehalten sind, beim Ausbruch dieser Blatternkrankheit die betroffenen Häuser sofort absperren und bewachen zu lassen, wie dies vor Jahren hier auch schon der Fall war; dadurch wäre der gefährlichen Krankheit doch die möglichste Grenze gesteckt und vielem Unheil vorgebeugt. Mögen die nöthigen Anordnungen der zuständigen Behörde nicht zu spät eintre'ffen! (B.L.-Z.) — Das Unglück in der Dietert'schen Dynamitfabrik hat ein noch grausigeres Seitenstück in einer Tags zuvor (am Montag) in der Umgegend von Prag bei Podhabe vorgefallenen Nitroglycerin-Explosion gefunden. Es sind nach einem Berichte der Wiener „Presse" aus dem Schutthaufen bisher sechs Menschenbeine, dritt- halb Köpfe und ein Korb blutiger Fleischklumpen ausgegraben worden. Letztere nahm ein junges Weib an sich, indem sie jammernd die Fleischreste den Umstehenden zeigte und voll Verzweiflung schrie, das sei ihr Mann, mit dem sie vorgestern Hochzeit gehalten. Es sind fünf Personen getödtet und zwei verwundet. Die explodirte Masse betrug 650 Pfund Sprengöl. Telegramm. (Wagner's telegr. Corrcspondenz-Bureaii.) New-Aork, 14. Novbr. Aus Havannah 12. Novbr. wird telegraphirt: Siegreiches Gefecht zwischen dem preußischen Kanonenboot Meteor, Capitänleutenant Kuon, und dem französischen Aviso Bouvet. Letzteres, stark beschädigt, flüchtete in den Hafen von Havanna, wohin es vom Meteor verfolgt wurde. Verlust des Meteor zwei Tobte und ein Verwundeter. Bekanntmachungen. O f f e n b u r g. Nro. 11,119. Die Generalagentur der Leipziger Fenerversicherungsanstalt in Mannheim hat die dem Kaufmann F. Spital dahier übertragene Unteragentur für den hiesigen Amtsbezirk zurückgezogen, was hiemit öffentlich bekannt gemacht wird. Offenburg, den 14. Novbr. 1870. Großh. Bezirksamt. «4073. Montfort. Dung-Versteigerung. Am Samstag den 19. d., Vorm. 10 Uhr, läßt die Stadtgemeinde Offenburg bei den städt. Stierstallungen einen Haufen Dung öffentlich versteigern. Offenburg, den 16. Novbr. 1870. Der Gemeinderath. Schaible. Vieh-, Wage»- und Kummet Verkauf. 4070. Eine Kuh mit Kalb, eine trächtige Kalbin, beide Simmenthaler Race, schwer und schön (die Kuh wurde bei der landwirthschaftl. Centralausstellung in Karlsruhe 1869 prä- miirt) , ferner ein Wagen mit Zugehör und 3 Kuhkummete sind zu verkaufen bei Gregor Meyer in Gamshurst, Amts Achern. Offenburg. 4076.2.1. I V» Jttuch Acker, wovon 1 Zeuch im Bühlerfeld uno V» Zeuch auf der Teichmatt sich befindet, hat auf 6 Jahre zu verpachten I. Wagner, Werkmeister. Osfenburg. 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Ich mache hiermit die ergebene Anzeige, daß ich mein Geschäft in die Stein - straße Nro. 242 verlegt habe und bringe mein Lager in fertige» Herrentteideru, Bettfedern nnd fertige» Betten, Barchente, Drilch nnd Kölsche in empfehlende Erinnerung. L. Creilsheinrer. Anzeige nnd Empfehlung. 4060.2.2. Ich mache hiermit einem geehrten hiesigen und auswärtigen.Publikum die ergebene Anzeige, daß ich mich als Schuhmachermeister hier niedergelaffen habe. Indem ich stets bemüht sein werde, gute und billige Arbeit zu liefern, sehe ich zahlreichem Zuspruch entgegen. Offenburg, den 14. Rovbr. 1870. Joh. Lohrer, wohnhaft bei Mahlbacher alt im Malergäßle. Danksagung. 4080. Die schleunige und umsichtige Hilfe des wackern Pompiers - Corps, sowie der Bürger freundliche Beihilfe hat den bei mir im Entstehen gewesenen Brand in seinem Umsichgreifen in vortheilhaster Weise erdrückt, wofür ich mich beehre, den verbindlichsten Dank abzustatten. Offenburg, den 16. Novbr. 1870. Theodor Sahl. Ofsenburg. Frischen Ochsemanlsalat und r»ss. Sardinen im Anbruch bei. 4076. Franz Meier. Unterhofen auch für Knaben billigst bei L-pielwerke, von 4 bis 120 Stücke spielend, worunter Prachtwerke mit Glockenspiel, Trommel- und Glockenspiel, mit Himmelsstimmen, mit Mandoline, mit Expression u. s. w. Ferner: Spieldosen von 2 bis 16 Stücken, worunter solche mit Necessaires, Cigarrenständer, Schweizerhäuschen, Photographiealbums, Schreib- zcuge, Handschuhkasten, Briefbeschwerer. Globus, Cigarrenetuis, Tabaks- u. Zündholzdosen, Puppen, Arbeitstischchen, Flaschen, Portemonnaies, Papiermesser, Stöcke, Stühle — alles mit Musik; ferner Thürschloßmusiken. Siels das Neueste empfiehlt I. H. Heller in Bern (Schweiz). Nur wer direct bezieht, erhält Heller'fche Werke. Derloofung. Da die letztjährige Prämienvertheilung allgemein gute Aufnahme fand, so habe auch für diesen Winter wieder eine solche veranstaltet; jeder Käufer erhält je nach dem Betrage ein oder mehrere Pramien- cheine. Ebenso findet auf vielseitigen Wunsch eine Spieldosen- verloofnng statt, das Loos zu 1 Thaler, zwölf Loose 10 Thalcr, Ziehung Anfangs April. Prospekte werden mit den Preiscouranten Jedermann franco zugesandt. 4075.3.1. Frankfurter Curs dam 15. Nab. 1870. Gold und Silber. Preußische Kassenscheine.fl. 1 44 J /»—45 1 /, Preußische Friedrichsd'or . . . fl. 9 58—59 Pistolen.fl. 9 47-49 „ doppelte.fl. 9 47—49 Holländer 10 fl. Stücke.fl. 9 54-56 Rand-Ducaten.fl. 5 35—37 . al «rares . . . . fl. 5 35—37' 20 Franks-Stücke ..fl. 9 33-34 Englische Sovereigns.fl. 11 54—58 Russische Imperiales.fl. 9 48—50 5 FrancS-Thaler.fl. — Dollare in Gold . ..fl. 2 27—29 Badische Staatspapiere. Badische 5"/» Obligationen . . . 98 3 /* G. . 4>/i% do. i. Thl. . . - P.. , 4% do. i. Thl. . . 85»/» . 3%% do. 42er . . 82ft» , 4% Pr. Thl. 100=2. . . — G. „ fl. 35-Loose .... 58 1 /, - Ganterkenntniffe. Günther, Oskar, aus Leipzig, wohnhaft in Heidelberg, Tgf. 30. Nov., B. 8 U. Heselen, W. A., Kommissionär in Pforzheim, Tgf. 5. Dez.. B. 9 U. Martin» Andr., in Grünfelbshausea, A. Ger» lachsheim, Tgf. 21. Nov.» B. 9 U. iRümmelc, Krescenzia, grb. Salomo» Wwe. von Zell, «. SchSn.» Las. 19. Nov.»B.10ll. Zimmermann, Gregor» Haustrer von HeiterS- heim, A. Staufen» Tgf. 26. Nov.» V. 9 U. Alexander Reiff in Offenburg. Kür die Redaction o»am»»nlich L Ritt.— Druck und Verlag von kl. Reiff und Comp.