er OrteMuer Verkündigungsblatt für dm Kreis Offmburg und für die Amts- und Amtsgerichts-Bezirke Offenburg, Gengenbach, Kork, Oberkirch. M 9i. Offenburg, Dienstag den 7. August 1866. Amtliche Generalverfügungen. Offenburg. (Die Vornahme der Huldigung betreffend.) Nro, 6649. An die Bürgermeisterämter des Bezirks. Die Bürgermeisterämter werden beauftragt, ein Verzeichnis derjenigen Gemeindeangehörigen, welche feit der letzten Huldigung das 21. Lebensjahr zurückgelegt oder den Huldigungseid noch nicht geleistet haben, aufzustellen, die betreffenden Pfarrämter um Eidcsvorbereitung der Huldigungspflichtigcn zu ersuchen und die Verzeichnisse bis zum 1. September d. I. hicher einzusenden. Die Huldigungspflichtigen sind auf Sonntag den 9. Septbr. d. I., Vormittags 11 Uhr, in das Rathhaus dahier zur Huldigung vorzuladen. Offenburg, den 1. August 1666. Großherzogliches Bezirksamt. M o n t s o r t. Gengenbach. (Huldigung betr.) Nro. 4403. Die Bürgermeisterämter des diesseitigen Bezirks werden angewiesen, ein Verzeichniß derjenigen Staatsbürger, welche bis zum 9. September d. I. das 21. Lebensjahr zurückgelcgt und den Huldigungseid noch nicht geleistet haben, auszustellen und innerhalb 14 Tagen anher einzusenden. Die Militärpersonen sind nicht darin aufzunehmen. Bei OrtS- abwesenden ist der Aufenthaltsort anzugebcn. Diejenigen, welche sich zu Hause aufhalten, sind auf Sonntag den 9. S e p t. d. I., Vormittags 10 Uhr, hieher auf das Rathhaus, wo die Abnahme des Huldigungseides stattfinden wird, vorzuladen. Gcngenbach, den 1. August 1866. Großherzogliches Bezirksamt. Weiß. Oberkirch. (Die Huldigung für 1866 betr.) Nro. 5510. Die Bürgermeisterämter des diesseitigen Bezirks werden beauftragt, ein Verzeichniß derjenigen Staatsbürger, welche das 21. Lebensjahr zurückgelegt und den Huldigungseid noch nicht geleistet haben, auszustellen und längstens innerhalb >4 Tagen anher vorzulegen, und ein gleiches Verzeichniß ihrem Pfarramte mitzutheilen. Bei Abwesenden ist der dermalige Aufenthaltsort beizusetzen. Die zum Militär Gezogenen sind nicht in das Berzeichniß aufzunehmen. Diejenigen, welche sich zur Zeit zu Hause aufhalten, sind auf Sonntag den 9. Septbr., Vormittags y 2 9 Uhr, zum Erde vorbereitet, vor das Amthaus dahier zum Kirchengang und zur Huldigung vorzuladcn. Oberkirch, den 1. August (866. Großherzogliches Bezirksamt. Metzger. Offenburg. (Die Ernennung der BezirkSräthe betr.) Nro. 6650. An fämmtliche Gemeinderäthe des Kreises Offenburg: Den Gemeinderäthen des Kreises Offenburg werden die im vorigen Jahre aufgestellten Verzeichnisse der zu dem Amte eines BezirksratheS gesetzlich befähigten Einwohner ihrer Gemeinden zugesendet werden, um solche nach Vorschrift des tz 1 Abs. 2 tz 2 und 3 der Beilage zur Vollzugsverordnung zum Verwaltungsgcsetz vom 12. Juli 1864 (Reg. Blatt S. 367) sofort einer Revision zu unterwerfen und dabei alle eingetretenen Acnverungen nach dem neuesten Stande einzutragen, die in den Gemeinderegistraturen aufbewahrten Doppelschriften dieser Verzeichnisse in gleicher Weise zu berichtigen und zu ergänzen, sodann die Verzeichnisse l4 Tage lang zur Einsicht der Betheiligten auf dem Gemeindehaus aufzulegen, und daß dies geschehen, in der Gemeinde öffentlich bekannt zu machen. Die Verzeichnisse sind sodann mit der Beurkundung hierüber und mit den Acten über etwaige Einsprachen und Beschwerden ohne. Verzug an eie Vorgesetzten Bezirksämter einzusenden, damit solche gemäß tz 3 der Vollzugsverordnung bis zum 1. September d. I. dem Unterzeichneten wieder zugestcllt werden können. Offenburg, den 1. August 1866. Der Kreishauptmann: Mo »tfort. Gengenbach. (Die Pfcrdstaudstabellcn betr.) Nro. 4404. Die Bürgermeisterämter des Amtsbezirks werden angewiesen die Pferdestandstabclle pro 1866 hinnen 8 Tagen hieher einzusenden. ' Gengenbach, den 1. August 1866. GroßherzoglicheS Bezirksamt. Weiß. Gengenbach. (Die Fohlenlisten bbtr.) Nro. 4405. Die Bürgermeisterämter des Amtsbezirks werden unter Hinweisung auf die Verordnung vom 5. Januar 1854 (Vtcuerverordnungsblatt Nro. 1) aufgcfordert, die Fohlenlisten für dieses Jahr binnen 8 Tagen anher cinzuscndcn. Das Berzeichniß ist jedoch nach Formular Verordtiuimsblatt 1866 S. 49 aufzustellcn. Gengenbach, den l. August 1866. GroßherzoglicheS Bezirksamt. Weiß. Kork. (Die Ernennung der BezirkSräthe betreffend) Nro. 6670. Die Gemeinderäthe des Bezirks werden auf die von dem Herr» Kreishauptmann unterm 1. d. M. erlassene Aufforderung (Ortcnauer Bote Nr. 89) zur Darnachachtung aufmerksam gemacht. Die rcvidirten Verzeichnisse sind nach Ablauf der Frist zur Auflage mit der bezeichneten Beurkundung k. sofort anher vorzulegen. Kork, den 3. August 1666. GroßherzoglicheS Bezirksamt. Frech. B e k a u n t m a ch u n g e n. Kork. (Die Linderung der Nothstände des Krieges betreffend.) Nach einer Mittheilung des Karlsruher Comire's des badischen Frauenvereins ist der Bedarf an Verbandzeug, Bett- und Leibwäsche für die im Großherzogthum liegenden verwundeten und kranken Krieger gedeckt, dagegen wird von verschiedenen Kriegsspitälcrn die Zusendung von gutem Weine, Himbeersaft und anderen für Kranke geeigneten Erfrischungen gewünscht. Durch die Anhäufung von Truppen in der Main- und Taubergegcnd sind die dortigen Borräthe an Lebensmitteln völlig aufgezehrt, und tritt in vielen Gemeinden bitterer Mangel hervor. Es wird wohl nur der Erwähnung dieser Thatsache bedürfen, um in unserem gesegneten Landstriche, wo es dem Landmanne vergönnt war, ungestört durch den Krieg 'seine Ernte cinzubringen, eine Werkthätigc Thril- nahme für die schwer betroffenen Bewohner jener Gegenden wachzurufen. Durch Sammlungen von Mehlftüchten, Erbsen, Bohnen, Linsen, Dürrobst, Dürrfleisch und derartigen Lebensmitteln, welche nicht schnellem Verderben ausgesetzt und leicht transportabel sind, können hier wesentliche Erleichterungen verschafft werde». Wir richten deßhalb an die Ortsvorstände und die Hülfscomite's der einzelnen Gemeinde» des Bezirks die ergebene Bitte, in Bälde solche Sammlungen zu veranstalten, und die Ergebnisse direct an das Hauptdepot des badischen Frauenvereins in Karlsruhe in der Landesgewerbshalle daselbst einzusenden. Den Sendungen ist ein doppeltes Jnhaltsverzeichniß beizulcgcn, und sind die Frachtbriefe mit dem Gemeindcfiegel und der Erklärung „Frauenvcreinssache" zu versehen, da die Sendungen in diesem Falle portofrei abgehen. Kork, den 3. August 1866. Das Comite des Frauenvereins. Der Geschäftssührer Frech. Kork. (Die Unterstützung der durch den Krieg schwer betroffenen Bewohner der Main- und Taubcrgegend betr.) Rro. 6713. Es Wird hiemit zur öffentlichen Äenntniß gebracht, daß in Folge Anordnung Großh. Handelsministeriums die zur Unterstützung der noch, leidenden Bewohner der Main- und Taubergegend gesammelten Lebensniittel frachtfrei befördert werden, wenn dieselben an eine öffentliche Behörde oder an einen Unterstützungsverein adressirt, und in dem Frachtbriefe mit „Unterstützungsgegenstände für die Main- und Tauber-^ gegend" bezeichnet werden. . „ Kork, den 4. August 1866. Großherzoglrches Bezirksamt. Frech. Kork. (Den Ausbruch der Cholera in Liverpool betr.) Nro. 6639. Rach Mittheilungen des Großh. Consulats in Liverpool ist daselbst die Cholera in besonders heftiger Weise aufgetreten, und werden deßhalb die Auswanderer nach Amerika gewarnt, ihren Weg über Liverpool zu nehmen. . . Kork, den 1. August 1866. GroßherzoglicheS Bezirksamt. Frech. Gengenbach. (Die Kaminfegereiordnung betreffend.) Nr. 4402. An die Bürgermeisterämter des Bezirks. Rach Ansicht der Verordnung vom 21. August 1843 (Verordnungsblatt Nr. 17), vom 10. Februar 1852 (Verordnungsblatt Nr. 3), vom 25. August 1854 (Verordnungsblatt S. 45), vom 5. Februar 1858 (Verordnungsblatt Nr. 3) und diesseitiger Verfügung vom 18. September 1856 Nr. 11,539 wird öffentlich bekannt gemacht: 1) Zeder Schornstein, der zu einer gewöhnlichen Koch- oder Heizungseinrichtung gehört, soll Anfang Juli, October, December und März gereinigt werden. 2) Kamine für Kücheneinrichtungen allein im Anfang Juli, October, Januar und April. 3) Jene Schornsteine dagegen, welche den Bäckern, Bierbrauern, Seifensiedern und ähnlichen Gewerben zum Geschäftsbetriebe nöthig find, und daher außergewöhnlich oft gebraucht werden, sind häufiger und zwar wenigstens alle 2 Monate einmal zu reinigen, wobei jedoch den Polizeibehörden überlassen bleibt, bei denjenigen Gewerben, die nicht das ganze Jahr hindurch in beständigem Betriebe erhalten werden, auf Ansuchen der Eigcnthümer andere angemessene Zeiträume zur Reinigung der Schornsteine festzusetzen. 4) Die russischen Ofenkamine sind des Winters gewöhnlich zweimal (im December und Februar) zu reinigen, und wenn sich Glanzruß darin so sest gesetzt hat, daß er mit der Bürste nicht abgeht, so sind dieselben auszubrenncn. Die zur Ableitung des Rauchs von Küchen verwendeten russischen Kamine unterliegen rückstchtlich der Zahl der Reinigung den allgeineinen Bestimmungen. 5) Das Ausbrennen der Kamine darf nur bei Tag und nur mit polizeilicher Erlaubnis geschehen. 6) Als Lohn für das Reinigen der Kamine ist festgesetzt: ». für eine Hurte oder sogenanntes Rauchloch 2 kr.; d. sür ein einstöckiges Kamin, einschließlich des Dachraums, 5 kr.; kr. 6) Glaserarbeiten . . 19 fl. 56 kr. 7) Blechnerarbeiten . 13 fl. 30 kr. 8) Oelfarbenanstrich. . 23 fl. 3 kr. Uederscklag und Bedingungen liegen bei Unterzeichneter Verwaltung zur Einsicht auf, und wollen schriftliche Angebot« längstens dis zum Donnerstag den 9. August d. I. anher abgegeben werden. Offenburg, den 31. Juli 1866. Sk. Andreas-Hospitalverwaltung. _Th. König._ Offenburg. (Bibliotheke-Ver- stetgerung.) Aus der Verlaffenschast des verstorbenen Herrn Gerichtsnotars Schlachter wird in dem Rathhaus- faale in Offenburg am Samstag den 11. August d. I., Nachmittags 2 Uhr, eine Bibliothek von etwa 200 Bänden juristischen, rechtspolizeilichen und belletristischen Inhalts gegen Baarzahlung öffentlich versteigert, wozu Liebhaber, insbesondere die Herren Juristen und Rechts- polizei-Beamten, eingeladen werden. Das desfallsige Bücherverzeichniß liegt inzwischen bei dem Unterzeichneten zur Einsicht auf. Offenburg, den 31. Juli 1866. Rathsschreibcr Gütle. Appenweier. (Stier- und Dung- Versteigerung.) Die hiefige Gemeinde läßt am Freitag den 10. d. M., Nachmittags 1 Uhr, einen fetten Wucherstier im Rathszimmer versteigern. Zu gleicher Zeit läßt die hiefige Gemeinde einen Haufen Dung im Gcmeinde- hof versteigern. Appenweier, den 5. August 1866, Das Bürgermeisteramt. Wiedemer. Durch Erlaß Großh. Justizministeriums vom 13. v. Mts. in den Auwaltstand aufgeiwm- men, werde ich meinen Wohnsitz dahier beibehalten. Mein Bureau habe ich mit Herrn Anwalt von Feder gemeinschaftlich, Bahnhofstraße Nr. 109: Offenburg, 2. August 1866. F. v. Berg, Anwalt. Nuhrer Schmiedekohlen sind von bekannter bester Qualität in neuer Sendung eingctroffen. Kehl, 3. August 1866. Z. D. Fingado Soh«. Weinpumpe-Verkauf. Unterzeichnete hat eine noch wenig gebrauchte Weinpumpe zu verkaufen. Küfer Pfeffer Wittwe in Gengenbach. Rübsermen in bester Qualität (lange rothköpfige) bei C. Fink, Steinstraße, in Offenburg. Zu verkaufen : Mehrere gute Jaad- und Dachshunde, 4 Stück Pommerfche Gänse bei Waldhüter Müller auf der Herrenwies. ' Appenweier. (Dungverkauf.) Einen Hauftn Dung hat zu verkaufen: Gromer, Posthalter. O f f e n b u r g. Aus Auftrag eines Mannheimer HandluiigshauseS verkaufe ich eine Parthie dahier lagernder stiner Weine in Kistchen von je 12 Flaschen, und zwar: Bordeaur St. Julien, pr. Kistchen um 7 ff.42 kr. Malaga, alter, „ „ „ 8 st. 45 kr. Madeira, „ „ „ „ 10 fl. 12 kr. Oeffentliches Geschäftsburcau: I. Saif. Champagner aus der Fabrik des Herrn Jos. Nonn hier empfehle ich in '/. Flaschen, a 1 fl. 48 kr.. V- „ „ 1 fl.-kr., % „ .. - fl. 36 kr. Gleichzeitig erlaube ich mir, auf die vorzügliche Güce dieses Weines aufmerksam zu machen. FRANZ MEIER in Offenburg. Für Schreiner und Seffel- macher. Eine größere Parthie rohe Gewehrschäfte (Nußbauin) haben wir zu verkaufen. Ebenso find stets Ziegelbrettchen zu haben. Offenburg, den 30. Juli 1868. Faller & Kuß. Gegen Zahnschmerz empfehlen zum „augenblicklichen" Stillen Apotheker Rergmann's Zahnwolle, patcntirt in den Kaiser!, französischen Staaten, h Hülse 9 kr.: Berthold Reck in Offenburg. M. Schrempp in Oberkirch. Apotheker Hermann in Kehl, bi». Für den sofortigen Erfolg ga- rantirt der Erfinder, Apotheker Bergmann in Paris, 70 Boulevard Magenta. Korbflaschen, bestens beschaffene, von 25 bis 40 neue Maas, sind zu haben bei A. Darnbacher Sohn in Stadt Bühl. Loßburger Platten, von 1 bis 3 Zoll dick, stets vorräthig bei Th. Streitberg, Kaufmann in S t a d t K e h l. Gichtwatte, unfehlbares Mittel gegen Gliederreißen aller Art, empfehlen, h 18 und 30 kr.: Berthold Reck tu Offenburg. M. Schrempp in Oberkirch. Apethcker Hermann in Kehl. Offenburg. (Verlorenes Geld.) Am 4. d. M. wurde in hiesiger Stadt ein Portemonnaie mit 1 prcuß. Thaler, 1 österr. Guldenstück und etwas Münze verloren, welches der redliche Finder gegen Belohnung an den Herausgeber dieses Blattes abgeben wolle. Zuchtstierverkauf. Ein anderthalb- jähriger rothscheckiger Zuchtstier ist zu verkaufen — von wem? sagt der Herausgeber dieses Blattes. 826 tlifiifrtüflf öoii GlüblligWMklltkll in Dorf Kehl in einfacher und reichster Auswahl empfiehlt: J. Osswald, Bildhauer in Ktraßburg. Näheres zu erfragen bei Hrn. Th. Ztreitbcrg, Kaufmann in Stadt Kehl. Steuer-Anlehensscheine nehmen an Zahlung: Gebrüder Bloch in Offenburg. Offenburg. Farbwaaren-Empfehlung. Alle Sorten weiße und bunte Farben in Oel und trocken, Firnisse aller Art, Terpentinöl, Zinkweiß in vielerlei Qualität, Holl. Leinöl und Pinsel in großer Auswahl. NB. Auf meiner Farbmaschine können alle möglichen Farbe» von den Käufern selbst gerieben werden, und ertheile dazu die gehörige Anleitung. mat Wtnk. Wohnungsveränderung. Anwalt Blattmann wohnt nun in der Post. ein älteres, für Anfänger '<3vl\lV\VV[ geeignet, ist wegen Wegzug billig zu verkaufen. Wo? sagt die Expedition dieses Blattes. Offenbarg. (Gesuch eines Zimmermädchens.) Ein Zimmermädchen, das gute Zeugnisse aufweisen, nähen und bügeln kann, wird für ein angesehenes Privathaus gesucht. Eintritt sogleich oder auf nächstes Ziel. Zu erfragen in der Expedition dieses Blattes. Offenburg. (Dungvcrkauf.) A. Burg zum grünen Baum hat Dung zu verkaufen. Offenburg. (Dungvcrkauf.) Psalz- wirth Schmidt hat Dung zu verkaufen. Offenburg. (Fässerankauf.) Ein gut erhaltenes Ovalfaß von circa 300 Maas und ein solches von circa 600 Maas werden zu kaufen gesucht — von wem? sagt die Expedition diesse Blattes. Offenburg. (Kornstrohverkauf.) Franz D e g e r in der Kinzigvorstadt hat eine Parthie Kornstroh zu verkaufen. Offen bürg. (Wohnungen zu ver- miethen.) Eine Wohnung mit 6 Zimmern, nebst aller Zugehörde im zweiten Stock ist auf Michaeli und eine Wohnung mit drei Zimmern sammt aller Zugehörde im ersten Stock ist sogleich zu vcrmiethen — von wem? sagt der Herausgeber dieses Blattes. Osfenburg. (Wohnungsvcrmiethung.) Joseph Schneider hat den zweiten Stock mit 3 Zimmern, Alkov und Küche, nebst Zugehörde sogleich oder auf Michaeli zu vermiethen. Abschied. Allen unser» Freunden und Bekannten sagen wir vor unserer Abreise nach Amerika ein herzliches Lebewohl! Offenburg, den 6. August 1866. Offenburg, den 6. August 1866. Auaust Buhler. Zakob Nogel. Danksagung. Für die zahlreiche Begleitung beim Begräbnisse meiner unvergeßlichen lieben Frau sage ich besonders den Einwohnern BiberachS sowie meinen Bekannten meinen herzlichsten Dank. Herrn Dr. Xaver Kirner in Zell, welcher meine sel. Frau behandelte, kann ich für seinen Eifer und billige Forderung nicht genug danken. Friedrich Secfried, Stallmeister. Offenburg. (Zimmervermie- thung.) Pfalzwirth Hessel hat aus 15. August 2 schön möblirte Zimmer im untern Stock zu vermiethen. O f f e n b u r g. (Wohnungen zu vermiethen.) Drei vollkommene, abgesonderte Wohnungen, fede mit 4—5 Zimmern, nebst Keller- und Speicherraum, an der Bahnhofstraße sind, bis Mitte August beziehbar, zu vermiethen — von wem? sagt die Expedition dieses Blattes. Offenburg. (Wohnungsvermiethung.) In der Gerberstraße Nr. 304 ist der zweite Stock, bestehend in 5 Zimmern, nebst Zugc- hörde, auf Michaeli oder 1. November zu vermiethen. O f f e n b u r g. (Wohnungsvermiethung.) Eine Wohnung mit 3 Zimmern im zweiten Stock ist, sogleich beziehbar, bei Goldarbciter S ch a i b l e zu vermiethen. D u r b a ch. (Kapitalantrag.) In der Spar-, Waisen- und Hülfskaffe von Durbach und Ebersweier liegen 2000 fl. gegen Obligation zu 5 pEt. zum Ausleihen parat. Rechner JgnazGeilcr. O f f e n b u r g. (Geld auszuleihen.) Mehrere hundert Gulden Pflegschaftsgeld hat gegen gerichtliche Versicherung auszuleihen: Alexander Reiff. Tages-Ordnnng der S t r a f k a m m e r des Gr. Kreis- und Hofgerichts Offenburg. Dienstag den 7. August: I. A. S. gegen Maria Jvsepha Bäuerle von Lauf wegen Ehebruchs. Morgens 8 Uhr. I. A. S. gegen Wilhelm Neumcier von Haslach wegen Diebstahls. Morgens 9'/ a Uhr. Freitag den 10. August: I. A. S. gegen Katharina Schneider von Wittenweier und Ulrich Franz von Bollschweil wegen Fälschung einer Pxivaturkunde. Morgens 8 Uhr. m , I. A. S. gegen Joseph Meter von Nordrach wegen Diebstahls und Diebstahlsversuch. Morgens 11 Uhr. I. A S. gegen August Trunk von Durbach wegen Körperverletzung. Morgens 11 Va Uhr. * Zur gegenwärtigen Lage. Wir haben schon früher gemeldet, daß nach unserer Ansicht Preußen durch crwas außer ihm Liegendes (Frankreich) verhindert fei, die südwestdeutschen Staaten in seinen Bund anfznnehmen. Diese Ansichr erweist sich als richtig. Die officielle Warnung, die der preuß. Siaaisanzeiger gegen diese Ausnahme aussprach, (vergleiche unsere Nro. 88) hat Solches nur bestätigt. Schon die Erörterung dieser Frage in der Presse und der Addressensturm in Baden haben die französische Eifersucht hoch gespannt; gegen die Stimmrrngen der Armee darf auch ein Selbstherrscher nicht glerchgültig sein. Zöge nun Preußen Süddeutschland in die norddeutsche Union, so ergibt sich eine zweifache Möglichkeit: entweder findet sich Preußen dafür mit Frankreich ab, was nur durch Ueberlassung deutscher Ge- bietstheile an dasselbe thunlich ist, oder es nimmt lieber einen neuen. Fehdehandschuh auf. In dem erster» Fall ist es als deutsche Vormacht moralisch ruiirirt; in dem andern tritt ein abermaliges Anrufen der Waffen ein, das alle Errungenschaften des bisherigen preußischen Kricgsglücks wieder über den Hausen werfen kann. Wird uns in officiösen Blättern'wegen einer von Preußen beabsichtigten Sprengung des Zollvereins bange gemacht, so scheint diese Angsteinflößung leerer Wmd zu sein. Das Schreckbild einer volks- wirthschaftlichen Trennung wird vielmehr nur in der Absicht vorgemalt, damit sich die süddeutschen Volksstämme um so lebhafter dem Großpreußenthum in die Arme werfen, und dieser Zweck wird, wie man jeden Tag wahrnehmen kann, durch die sogenannten Friedensaddressen vollständig erreicht. Die preußische Regierung denkt sicherlich ebensowenig an die Auflösung des Zollvereins, wie eine der süddeutschen Regierungen. 627 4 Die eigentliche Schicksalsfrage wird sich daher für Süddeutschland um die Alternative drehen: Entweder Anschluß an den norddeutschen Lund, und damit Aufgeden der staatlichen Selbstständigkeit der einzelnen Staaten, immer unter Voraussetzung, daß dietz unbehindert vom Ausland oder ohne Opfer deutscher Seils an Ehre und Gebiet geschehen kann, oder Behaupten der Selbständigkeit, indem man dem Verfassungsleben und seiner Entwicklung in Süddeutschland eine Freistätte wahrt, und Zustände schafft, die sich neben denjenigen des deutschen Nordens als beneidenswerihe darstellen. Die Regierungen von Baden, Württemberg und Bayern sind von der preußischen Regierung aufgeforderl, nach der in diesen Tagen bevorstehenden Rückkehr des Königs und des Grafen Bismarck, Vertreter, behufs Schließung des Friedens, nach Berlin zu senden. Tagesgeschichtliche Mittheilungen. Bruchsal, 2. Aug. (B.L.Z.) Sämmtliche kon. württembergische Loeomotiven und Wagen wurden diese Nacht nach der Festung Ulm vor den Preußen geflüchtet. Frankfurt, 2. Aug. (N. B. L. Ztg.) Baron v. Rothschild ist srairzösischer General-Consul geworden und hat in Folge dessen die frar^ösische Flagge aufgehißt. Auch bezeichnend für die Lage. Wiesbaden, 31'. Juli. (Köln.Z.) Gestern ist der für Nassau bestellte Civilcommissär, der königl. Lanvrath v. Diest, hier eingelrofsen. — Vorgestern hat sich eine große Anzahl ehemaliger Abgeordneten und sonstiger Vertreter der Industrie und des Grundbesitzes im Lande Nassau in Wetzlar versammelt und beschlossen, bei Sr. Maj. dem König von Preußen um unbedingte Einverleibung des Landes Nassau in die preußische Monarchie nachzusuchen. Zwei Hüttenbesitzer, als Delegiere dieser Bersamnrlung, haben die Petition, welche auf Grund der in Wetzlar gefaßten Beschlüsse entworfen worden ist, heute dahier dem Hrn. v. Drest überreicht. Augsburg, 2. Aug. Ueber Paris. (Sch. M.) Die Gesandten von Frankreich, Belgien und Spanien beim Deutschen Bund sind abgereist, vorher schon der englische Gesandte; der russische allein ist zurückgeblieben. München, 1. Äug. Man schreibt der „ Allg. Z.": „Die Nachricht über die Sprengung des Zollvereins wird mir als ganz richtig bezeichnet. (?) Der frühere Bevollmächtigte Preußens bei der hiesigen Generalzolldrrection, Geh. Oberregierungsrath v. Motz, befindet sich bereits in Frankfurt a. M., um die neue Zollvereinsgrenze zwischen Nord- und Süddeutschland zu organisiren; sie soll von Frankfurt aus längs der nordbayrischen Landesgrenze nach Sachsen sich ziehen; mithin scheinen — vorläufig wenigstens — die politischen Marken Bayerns noch respektirt zu werden." — Die Berliner „National-Ztg." sagt in dem Betreff: „Man darf wohl annehmen, daß ein definitiver Abschluß über die Zollscheide noch nicht gefaßt ist, sondern die Entscheidung hierüber von der Regelung des Gesammtverhältnisses zu den süddeutschen Staaten abhängig bleibt." Berlin, 1. August, Abends. (Ueber Paris.) Aus Stuttgart wird untcr'm Heutigen berichtet: Dian hat hier die gewisse Nachricht empfangen, daß der Kaiser von Rußland den Unterzeichnern der Wiener Verträge einen Congreß vorschlagen werde. Berlin, 1. Ang. (Ueber Paris.) Der „Staatsanzeiger" bringt einen Artikel über die Präliminarien vom 26. v. M., um nachtheiligen und falschen Darstellungen entgegenzutreten. Darnach erkennt der Kaiser von Oesterreich die Auflösung des Deutschen Btmdes an, stimmt der Reorganisation Deutschlands ohne Oesterreich zu, und verpacht die Anerkennung eines von Preußen malnsüdwärls zu gründenden engern Bundes, dessen Nationalrepräseirtation mit dem Nordbund weiterer Verständigung beider Vorbehalten bleibt. Die Präliminarien entsprechen denau dem französischen Vermittlungsvorschlag vom 14. v. Mts. in Wien. Folglich stimmt Oesterreich zu, daß Deutschlands Organisation sich ohne seine Theilnahme ohne Hinderniß vollziehe; folglich ist Oesterreich der Süd-Union nicht angehörig, und das nationale Band zwischen Nord- und Süddeutschland ist durch die Mainlinie nicht zerstört. Berlin, 2. Aug. (Sch. M.) Die „Nordd. Allg. Z." spricht von der Entscheidung, welche die Thronrede bezüglich der Gebietsveränderungen in Norddeutschland kundgeben werde. Das Recht Preußens, die besiegten Staaten einzuverleiben, sei unbestreitbar. Politische Erwägungen rathen gleichfalls hiezu, weil föderale Beziehungen mit den feindlichen Fürsten, welche bisher im Streit mit ihren Volksvertretungen waren, unhaltbar seien. Die Bemühungen der vertriebenen Fürsten zur Vereinigung eines Congresses werden bei Frankreich ohne Ergebniß bleiben. Napoleon sei nicht für einen Congreß gestimmt; er wisie sehr gut, daß ein Congreß. welcher gegen die preußischen Erfolge gerichtet wäre, schwere Verwicklungen für Europa zur Folge hätte. Die Haltung Napoleon's stütze sich auf seine tiefe Nebcrzeugung des Werihes, welchen die Freundschaft eines starken Preußens immer für Frankreich haben werde. — Man versichert, daß das russische Kabinet noch keinen offiziellen Schrill wegen eines Congresses gethan Hai. Bismarck hat die Vertreter der süddeutschen Staaten eingeladen, nach Berlin behufs der Friedensverhandlungen zu kommen. Berlin, 3. Aug., Abends. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Die Verhandlungen mit den süddeutschen Staaten werden nach der Rückkehr oes Königs und des Grafen v. Bismarck in Berlin ihren Anfang nehmen. Bayern, Württemberg und Hessen- Darmstadt haben bereits in Nikolsburg Eröffnungen machen lassen. Was das Erstere betrifft, so gibt die Besetzung von Nürnberg und Bayreuth Preußen ein Pfand von großem Werthe üi die Hand. In Betreff der Einverleibung von Bayreuth ist noch nichts entschieden. — Weiter sagt das genannte Blalt: Das Bankhaus Rothschild war vom Rumpfbundestag gezwungen worden, aus den von Kurhessen deponirten Geldern eine Million Gulden zil zahlen. Preußen wild natürlich die Zahlung anerkennen, Rothschild aber zur Rückzahlung verpflichtet sein. — Mehrfach verbreitete Besorgnisse, daß das Parlament doch vielleicht nicht zusammentreten werde, scheinen Angesichts der unaus- esetzten Vorbereitungen für die Wahlen und der Thatsache, daß Preu- en sich dafür Deutschland gegenüber gleichsam verbindlich gemacht hat, unbegründet. Wien, 1. August, Abends. (Ueber Paris.) Hier soll eine vorläufige Berathung der durch Preußen vertriebenen Fürsten demnächst stattsinden. — Die Waadtländer feierten zu P v e r d o n das Kantonalfreischießen, bei welchem Hr. Demisville, als er die Schützenfahne übernahm, sagte: „Indem ich dieses so sehr nationale Fest betrachte, tragen mich nieine Erinnerungen zu dem eidgenössischen Schützenfeste von 1836 zurück. Ich sehe jenen Veteranen der zürcher'schen Deputation wieder, wie er zu uns sagte: Wir alle wollen Schweizer sein und Waffenbrüder, denn so allein können wir erhalten, was das höchste Gut des Menschen ist: die Freiheit! Und auch wir Waadtländer von 1866 halten diese Versprechungen aufrecht . . . Wir wollen ein Bundesstaat bleiben, weil diese Staatsform die sicherste Garantie für die Staaten und für die Individuen ist...." Wann wird wohl für uns Deutsche die Stunde gekommen sein, wo auch wir sagen werden können, wir Alle wollen vor Allem Deutsche sein und Waffenbrüder: damit wir uns das höchste Gut, die Freiheit, erringen und erhalten. Genua, 1. Aug. (Sch. M.) Farini ist gestorben (der frühere Minister und nationale Geschichtschreiber. Bekanntlich hat er im Jr- renhause geendet). Kriegsnachrichten. Karlsruhe, 2. Aug. (B.L.Z.) Der Großh. Präsident der auswärtigen Angelegenheiten Hr. v. Freydorf ist gestern Abend von hier nach Berlin gereist. — Gestern Abend sind die Preußen in Mannheim eingezogen und wie wir soeben Horen, heute früh mit einem Hoch auf die Stadt Mannheim weiter gezogen. Auch in Heidelberg sind Preußen. Heute Abend erwartet man einzelne preuß. Truppen in Durlach. — Württemberg hat den Verkehr auf der Eisenbahnlinie Bruchsal-Mühlacker abgebrochen und alle Loeomotiven, Wagen rc., weggefchafft. Ob die Bahn aufgebrochen ist, können wir nicht sagen. Dagegen wird versichert, daß heute Abend auch der Verkehr zwischen Mühlacker und Pforzheim württembergischer Seils abgebrochen werden wird. Karlsruhe, 2. Aug. (Karlsr.Z.) Aus dem Feldlager der großh. badischen Division gehl uns folgender Tagesbefehl zu: „Hauptquartier Erlach, den 29. Juli 1866. Soldaten! Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben den Rückmarsch der Truppen der Felddiviston in das badische Heunathland allergnKügst zu befehlen geruht, da deren Thätigkeit bei dem bevorstehenden Waffenstillstand ein Ziel gesetzt ist. Ich ergreife mit Freuden diesen Anlaß, um den Offizieren, Unteroffizieren und Soldaten wiederholt meine Alterkennung über deren Ausdauer und Hingebung in Ertragung aller Strapazen auszusprechen. Wenn es uns auch nicht vergönnt war, einen entscheidenden An- theil an der Lösung der großen Frage ;u nehmen, die unser deutsches Vaterland beschäftigt, so habe ich doch die erhebende Ueberzeugung gewonnen, daß die badischen Truppen auf Märschen und in Gefechten den allen Ruhm ihrer Vorfahren gewahrt haben. Ich bin als ihr Führer stolz darauf, aussprechen z>r können, daß die Hingebung in Ertragung aller Entbehrungen, die Ruhe und Entschlossenheit im Gefecht, und vor Allem die Aufrechlhaltung der Disciplin unser junge« 628 Armeekorps würdig macht, allen Gcsahren, die unserm Vaterland in Zukunft bevorstehen, mit Erfolg entgegen zu treten. Mit erhobenem Gefühl rufe ich meineir braven Wafsengefährteir dir Parole unseres AusmarscheS zu: ES lebe unser Großherzog! es lebe unser theures Vaterland! Der Eommandant der Felddiviston: (gez.) Wilhelm, Prinz von Baben, Generalleutnant." Karlsruhe, 4. Arm. (Karlsr. Z.) Sicherm Vernehmen nach wird Se. Gr. H. Prinz Wilhelm, Commandireuder der Gr. Felddivision, mit den vereinigten Stäben und Abtheilungen aller Waffen der Gr. Felddiviston am Montag den 6. d. M. von Bruchsal aus in die Residenz Karlsruhe einrücken. — Nach amtlichen Nachrichten verlor die Großh. Felddivision am 23. Juli im Treffen bei H u n d h e i m: 15 Todte, worunter 3 Offiziere; 56 Verwundete, worunter 3 Offiziere; 1 Offizier gerieth in Gefangenschaft; 53 Vermißte und 25 Pferde. Am 24, bei W erb a ch: 7 Todte, 60 Verwundete, worunter 1 Offizier; 3 Mann geriethen in Gefangenschaft; 15 Vermißte, 16 Pferde, 1 Geschütz und 2 Krankenwagen. Am 25. wurden verwundet: 2 Dragoner und 3 Pferde. — Die Karlsruher Zeitung vom 5. d. enthält die amtliche Liste der Tobten und Vermißten der Großh. Felddivision. Aus dem Kreise Ossenburg bemerkt man unter den Tobten: 8. Comp.: Gefreiter Moritz Panthervon Mosbach, A. Achern. 7. Comp.: Soldat Mathias B r e i g von Unterharmersbach, A. Gengenbach. 4. Comp.: Soldat Philipp H o d a p p von Kappelrodeck, A. Achern. Pionnier Theobald Börl von Goldscheuer, A. Offenburg. 2. Comp.: Soldat Joh. Baptist Werner von Durbach, A. Offenburg. 7. Comp.: Soldat Hiero- nimus Acker von Honau, A. Kork. 5. Comp.: Soldat Joseph K a u f e i s e n von Gaisbach, A. Oberkirch. 6. Comp.: Soldat Anton Hund von Sasbachwalden, A. Achern. Vermißte: 5. Comp.: Soldat David Thorwarth von Leutersheim, A. Kork. 6. Comp.: Soldat Georg Kobel von Bodersweier, A. Kork. 2. Escadron: Ludw. Rudolf von Oppenau, A. Oberkirch. Karlsruhe, 4. Ang. In Folge, daß Heidelberg und Mannheim preußische Besatzungen haben, ist die Marschroute für die badische Felddiviston geändert worden. Unsere Truppen marschiren von Mosbach aus über Sinsheim, Breiten nach hier, um theils das Lager bei Forchheim zu beziehen, theils die Besatzung von Rastatt zu verstärken. Nur marschunfähige Soldaten werden von Mosbach aus über Heidelberg auf der Eisenbahn landaufwärts transportirt. Karlsruhe, 4. Aug. (Karlsr. Z.l Die Gr. Truppen werden, wie wir hören, zum großen Theil das Lager bei Forchheim beziehen; nach Bruchsal dürste die regelmäßige Garnison von Kavallerie und ein Jnfanteriecommando zurückkehren. Karlsruhe, 2. Aug. (B.L.Z.) Zwischen Preußen und Baden ist ein Waffenstillstand noch nicht vereinbart worden, sondern besteht nur Waffenruhe, weil General Manteuffcl weitere Instructionen bis jetzt nicht hatte. Nach den einstweiligen Verabredungen beginnt der eigentliche Waffenstillstand erst von heute an, rmd beziehen die Preußen eine große und lange Stellung zwischen Nürnberg und der Pfalz, welche ihnen die Beherrschung des ganzen süddeutschen Eisenbahnnetzes sichert. Die Abgrenzungslinie geht von Nürnberg über Neustadl, Uf- fenheim, Mergentheim, Mosbach und Mannheim nach der bayerischen Pfalz und werden mit dem heutigen Tage diese Orte besetzt werden. Die süddeutschen Truppen haben sich südlich dieser Linie in angemessener Entfernung zurückzuzichen. Die Preußen werden keine Requisitionen mehr machen, sondern von den betreffenden Staaten allen nöthigen Bedarf geliefert erhalten, so daß die einzelnen Landesgegenden von der sie erdrückenden Last befreit werden. Karlsruhe, 4. Aug. (Karlsr. Z.) lieber die wesentlichen Bedingungen des zwischen Baden und Preußen gestern zu Würzburg abgeschlossenen Waffenstillstandes erfahren wir, daß die preußischen Truppen in einer Aufstellung nördlich des Neckars und in den Städ- len Hudelberg und Mannheim bis zum Friedensschluß verbleiben werden. Staats- und Privateigenthum wird von ihnen respektirt, und sie erheben keine Contribution. Ihre Verpflegung erfolgt nach festbestimmten Sätzen. Die Schlußartikel des Waffenstillstands-Vertrags beziehen sich auf den Durchmarsch der von Rastatt und Mainz abziehenden und anderer fremden Truppen durch das Großherzogthum. Bruchsal, 1. Aug. (B.L.Z.) Die hiesige Stadt und Bezirk haben für daS preußische Militär 40 'Ochsen und 6000 Laibe Brod zu liefern. Heidelberg, 2. Aug. Gestern Abend ruckten hier 720 Mann preußischer Truppen unter der Führung des Hauptmanns Langenberg «in. Derselbe zeigte sich gegen die großh. Behörden durchaus freundlich und erklärte, daß Gendarmerie und Polizeimannschaft sortfunctio- niren sollten. Die Einquartierung wurde in regelmäßiger Weise vargenommen. Mannheim, 2. Aug. (N.BL.Z.) Die in der officiäsen Mitlhei- lung der Großh. Regierung (s, Nr. 90 unseres Blattes, Rubrik Neuestes) angedeulete Besetzung der Amtsbezirke Mannheim und Heidelberg ist für die hiesige Stadt heute Nacht durch preußische Truppen mit 800 Mann erfolgt. Tauberbischofsheim, 29. Juli. (Tauber.) Bei der bedeutenden Last der Einquartierung durch preußische Truppen, die uns seil Dienstag betroffen, ilnd der während dieser Zeit beinahe stündlich sich erneuernden Requisitionen ist ein fühlbarer Mangel an Lebensmitteln bei uns eingetrelen. In dieser Klemine nun traf gestern noch folgendes Schreiben ein: „Dem großh. bad. Bezirksamt Bischofsherm wird hierdurch auf Befehl des Hrn. Generals v. Flieh aufgegeben, zur Verpflegung der Division v. Fließ zum 31. Juli, früh 9 Uhr, 12,000 Laib Brod a 5—6 Pfund, 80 fette Ochsen, 10 fette Schweine, 50 fett« Hämmel, 12 Ctr. gebrannten Kaffee, l2 Ctr. Salz, 1400 Ctr. Haber, 240 Eimer gutes Bier, 2000 Flaschen vorzüglichen Wein für Offiziere, 240 Eimer Landwein, 16,000 sehr gute Cigarren für Oifiziere, 240,000 gute Cigarren, 400 Ctr. Kartoffeln von diesem Jahre, 60 Ctr. guten Speck nach Greusenheim einzuliefern. Die dortige Ortsgemeinde wird die Lieserungsgegenstäude gegen Quittung übernehmen. Sollte sich das Magazin der Drvision v. Fließ nicht mehr in dem genannten Orte befinden, so sind die Lieferungsgegenstände der Division v. Fließ nachzuführen und wird die Ortsbehörde Greusenheim angeben, wobin. Im Falle die obigen Eiulieferungen nicht in dem ganzen ausschriebenen Umfange erfolgen, hat der Amtsbezirk eine harte Geldstrafe zu gewärtigen, außerdem wird gegen die betreffenden Ortschaften nach der Strenge der Kriegsgesetze verfahren werden. Schließlich wird dem Bezirksamte aufgegeben, die Transporte unter Begleitung zuverlässiger Führer die Tour über Werbach, Neubrunn, Helmstadt, Uettingen nach Greusenheim dirigiren zu lassen. Reichenberg, 28. Juli 1866. Fcld- intendanlur der königl. preuß. Division v. Fließ, v. Schweerer." Mosbach, 1. Aug. (B. L. Z.) Schwer und nachhaltig sind die Leiden des Kriegs über den Mam- und Taubergrund gekommen. Wertheim hatte die Angst, in seinen Mauern den drohenden Zusammenstoß der Preußen mit badischen und bayerischen Truppen zu bestehen und leidet durch anhaltende Truppeumärsche, Lazarelhein- richiungen und strengste Kontributionslast der Preußen fortgesetzt. Die erste Kontribution, welche ihm anferlcgt wurde, bestand in 5000 Laiben Brod, 15 Clm. Reis, 5 Ctrn., gebrannten Kaffees, 35 Ctrn. Hülsenfrüchte», 5 Ctrn. Salz, 500 Ctrn. Hafer, 40 Ohm Bier, 40 Ohm Wein, 1000 Flaschen seinen Weins für die Offiziere, 8000 Stück feiner Zigarren, 120,000 Stück Cigarren für Gemeine, 50 Fuhren Vorspann, 30 Ochsen. Nicht gehöriger Lieferung wegen wurde es gebüßt und hat nun täglich 1000 Laibe Brod, 200 Ctr. Hafer. 10 Ochsen zu liefern. Aber die ganze Gegend ist schon durch Ein- quartierungslasl erschöpft', die sich nicht selten für einen Quartierträger auf 30—40 Mann für den Tag erstreckt. Tauerbischofsheim hat die Schrecken einer Kanonade durchgemacht, und von da über Großrinderfeld bis Gerchsheim stößt man Schritt für Schritt auf die Spuren des Kampfes. Blutgeröthet ist die Erde der Bischofsheimer Steige in der Nähe der Kapelle; in der verheerten Fruchtflnr, „Schlachtgcwann" seit 100 Jahren schon genannt, reihen sich die Gräber der Gefallenen. Ihrer 62 ruhen unter einem Hügel. Groh- rinderfelds schöne Mark gleicht jetzt einer Oedung, niedergestampft vom Hufe der Rosse ist die Ernte, im Orte aber ist Leere und Trauer. Die Seufzer der still leidenden Schwerverwundetcn durchziehen die ehrwürdige Stille der Kirche; hier ist das württembergische, sehr aut eiiigerrchtete Feldspital. Scheuer und Stall, Keller und Speicher und geleert, Waarenladen des Krämers und Kisten des Bauern stnd stark mitgenommen. Nicht gar viel konnte in den Wald gerettet werden. Gleich traurig fand ich es in Gerchsheim und auf den Hundheimer Höhen. Die Spitäler Tauberbischofsheims und Wertheims stnd mit Aerzten gut versehen, aber den Main hinauf, in lletingen z. B., fehlt es nach bürgernieisteramtlichem Berichte sehr. Es gingen Aerzte dahin ab. Lange, mit Ochsen bespannte Züge bringen vie Mainstraße herab Verwundete nach Wertheim, von wo sogenannte Leichtverwundete mit Schiff nach Frankfurt gebracht werden. Nicht selten verhaucht der ankommende arme Soldat sein Leben, bevor er in daS Spital gebracht ist. Diese Spitäler, diese Wagen, diese Schiffe mit Verwundeten muß Der sehen, der den Friedensabschluß nicht will. Mancher hat mir in solchem Augenblicke versichert, daß er bekehrt sei. Die Feder ist zu schwach, um allen Kummer, alle Noch der Einzelnen zu schildern. Helfen die Aerzte, wo menschliche Hilfe noch möglich, helfen die Unterstützungsvereine für die nächsten Tage der Nothleidenden, Helsen die Bezirke des ganzen Kreises für die fortdauernden schweren Kontributionen. so ist doch wohl immer noch ein großes Feld für 629 PrivatwohlthSligkeit aller Kreise, die in evfteulid&er Weise sich z. B. ^aus Mannheim, Heidelberg, Eppingen kundgegeben hal. Es laßt sich bei der mir von Allen gerühmten aufopfernden unermüdlichen und ausgezeichneten Thäligkeit der Amisvorstände zu Wertheim und Tauberbischofsheim, die unterstützt sind durch umsichtige Leitung beider Herren Landescommissäre, zwar erwarten, daß die Schadensausnahmen trotz der Kontribrltionsgeschäfte rasch durch die Sachverständigen, die bereits bestellt sind, vorgenommen werden; allein abgesehen davon, daß so mancher Schaden schwer nachweisbar, so muß rasch Hilfe kommen, weil das Vieh aus dem Stall, die Ernte zertreten ist, und der Beschädigte deßhalb nicht nur jetzt Lebensmittel, sondern auch Geldmittel für frische Beschaffung von Vieh für den Wicderbau der Felder nöthig M hat. Die Kontributionen an Vieh werden zu einer Kalamität für die Bodenwirthschafi des Kreises werden. Ein weiterer großer Mißstand unserer Gegend vom Neckar bis zum Main sind die Massen von Kriegsspannfrohnden, die von hier die mit der Bahn kommenden Früchte oder den eigenen Antherl an der Kontribntionslast fördern sollen. Tag und Nacht, kann man sagen, ist unser lhatträsliger Amtsvorstand mit Ausbringen der Fuhren, Regelung ihres Abganges beschäftigt, wohl wissend, daß verspätete Absendung unsere so schwer heimgesuchten Schwesterstädte mit neuen Bußen bedroht. Im Interesse dieser Förderung dürfte es nicht ungeeignet sein, wenn wir darauf aufmerksam machen, daß jeder Versendung doch ein gehöriger Begleitschein nicht fehlen sollte. Hoffen wir, daß vereinte Hilfe unseres ganzen Landes die Kriegsschäden bald heilen und nach den schweren Opfern unserem Vaterlande der Segen eines wahren Friedens, der nur ein einiges Deutschland bringen kann, erblühe! Würzbura, 30. Juli. (N.B.L.Z.) Gestern gelangte durch das Zellerlhor unter dem Schutze der weißen Fahne ein preußischer Arzt, von einem Offizier begleitet, hieher, und fragte an, ob unsere Stadl von den in Helmstadt und Umgegend in den schrecklichsten Verhältnissen liegenden Verwundeten eliva 800 bis 1000 übernehmen wolle, uno baten ferner um Verbandzeug, an dem es ihnen sehr mangle. Eine zusagende Antwort konnte, da hier bereits sehr viele Verwundete liegen, nicht sogleich gegeben werden, doch wurden sofort Erhebungen angestellt, nach denen die Unterbringung von ungefähr 600 Mann ermöglicht wurde. Der nebstdem erbetene Bedarf an Stroh und 8 Eimern Rothwein, letzterer aus dem Juliusspital bezogen, wurde verabfolgt. — Einem weiteren Berichte über die Vorgänge bei Würzburg in der ,A. A. Z." entnehmen wir das Nachstehende: Die Nolh ist in manchen benachbarten Dörfern, z> B. Höchberg furchtbar. Die Bauern bitten schon die Preußen um die Eingeweide der geschlachteten Thiere. Brod gibt eS dort keines mehr. Auch hier beginnt Mangel an Lebensmitteln sich fühlbar zu machen. Manche Truppenkörper, namentlich Hessen-Darmstädler, sind sehr schlecht verpflegt, und genöthigt, förmlich um Brod in den Häusern zri betteln. Bundestruppen nahmen schon befreundeten Truppen ihre Provianttransporte weg. Hunger thut weh. Deßhalb. da man das Verfehlte unserer ganzen Kriegführung einsieht, wünscht man Frieden. In den letzten Kämpfen waten große Erfolge erzielt worden, wenn die Bundesrruppen (namentlich die Württemberger) mit den Bayern kooperirt hätten, "Nach der „Bayer. Ztg." waren sie dazu beordert worden; fragt man aber die Württeinberger selbst, so behaupten alle: vom Höchsteommandirenden der Bundesarmee keinen Befehl zunr Vorrücken erhalten zu haben. So blieben die 40,000 Preußen, denn mehr sind cs sicher nicht, den 100,000 Bayern und anderen Süddeutschen gegenüber, trotz „brillanter Gefechtsmomente", so ziemlich Herren der Lage. Der Schaden, den der Brand auf der Festung angerichlet, ist keineswegs so bedeutend, wie ihn die „Neue Würzb. Ztg." angibt; es waren keine tausend, sondern kaum hundert von Pöoewilsgewehren, die verbrannten. Ueb- rigens war es unvorsichtig, Strohmatratzen unters Dach zu legen, und der Feind war durch seine Spione, die er überall hat, davon nuterrichtet. Würzburg, 3. Aug. (Karlsr. Ztg.) Wassenstillstand zwischen Preußen und Baden abgeschlossen. Speyer, 2. Aug. (Pfälz. Z.) Gestern kam eine Abcheilung preußischer Landwehr nach Obermoschel und nahm daselbst die Rentamtsund die Einnehmereikasse weg. Eine andere Abtheilung, von Meisen- heim gekominen, besetzte in der letzten Nacht um 12 Uhr Lauterecken, nahm gleichfalls die Kassen, sowie 4 Pferde weg, zog dann aber heute Nachmittag mit dieser Beute und einem gefangenen Gendarmen'in der Richtung nach Kreuznach wieder ab. Nürnberg, 1. August. (Allg. Ztg.) Die Preußen sind gestem Nachmittag hier eingerückt rmd haben nun Haltbefehl bekonimen. München, l.'Aug. Der polizellichen Bekamumachuinz zufolge ist Folgendes der wesentliche Inhalt der in Betress des Waffenstillstandes z-vischen Preußen und Bayern abgeschlossenen Uebercinkunft: 1) Zwischen den k. bayrischen und k. preußischen Streitkrästen wird vom 2. Aug. an ein Waffenstillstand auf die Dauer von drei Wochen stattfinden. 2) Die näheren militärischen Details des Waffenstillstandes,- sowie die Abgrenzungslinie für die beiderseitigen Truppen werden von den niilitärischen Oberbefehlshabern beider Armeen festgestellt werden- 3) Der preußische General der Main-Armee ist ermächtigt worden, den ihm gegenübersteheuden Streitkrästen der Regierungen von Württemberg, Baden und Großherzogthum Hessen ebenfalls einen Waffenstillstand vom glerchen Termin an und auf die gleiche Dauer zu bewilligen, sobald sie darum nachsuchen. Sofort nach Abschluß des Waffenstillstandes werden Verhandlungen über einen Frieden zwischen den Königen von Bayern und Württemberg, den Großherzogen von Baden und Hessen und dem König von Preußen in Berlin eröffnet werden. Der Waffenstillstand ist nicht kündbar, ist definitiv und bedarf keiner Ratification. — Einer osficiösen Mittheilung der „Bayer.Ztg." entnehmen wir Folgendes: Der Waffenstillstands-Vertrag zwischen Bayern und Preußen, der am 23. v. M. in Nikolsburg unterzeichnet wurde, enthält nur einen reinen Waffenstillstand ohne alle Friedenspräliminarien» präju- dicirt also dem Friedensschluß in keiner Weise. Dies zu erreichen, war gerade die Hauptschwierigkeit der Verhandlungen. Preußen wollte nämlich den Waffenstillstand nur gewähret«, wenn zugleich einige Friedenspräliminarien, namentlich Kriegskosten-Entschädigüng und Gebietsabtretung, im Princip festgesteUl worden. Diese Forderung zu beseitigen, ist gelungen, und es bleiben diese Fragen den Friedensun- terhandlungen Vorbehalten. Von der Jaxt, 2. Aug. (Schiv. M.) Die Preußen waren heute früh noch nicht in Dörzbach; heute Abend wird, wie es heißt, Neuenstadt am Kocher besetzt. Stuttgart, 2. Aug. Der „Schw. Mrk." schreibt: „Nach zuverlässigen Nachrichten, die wir soeben erhalten, ist eine Abtheilung Preußen von der Göben'schen Division unter General Fließ gestern gegen 9 Uhr Vormittags in der Stärke von 3 Bataillonen Infanterie, 2 Schwadronen Cürasstere und 2 Batterien Artillerie in Mergentheim einmarschirt. Weitere Truppen in verstärkter Anzahl wurden erwartet. Der General erklärte, daß er Befehl habe, in der Tauberlinie, Zieren Besetzung durch Peußen im Waffenstillstand eingeräumt sei, einzurücken. Die Artillerie blieb in Mergentheim, die übrigen Truppen bezogen Quartiere in der Nähe. Die Cürasstere rückten auf der Straße nach Dörzbach (südwestlich) bis Rengershausen vor. Das Benehmen der Truppen wird als ein sehr anständiges geschildert. Der Commandirende äußerte, daß es sich nicht um einen feindlichen Einsall, sondern um friedliche Besetzung nach vertragsmäßigem Abkommen handle. Dies hat sich denn auch bestätigt. Der mit Württemberg abgeschlossene, vom 2. Aug. beginnende Waffenstillstand bestimmte eine Demarcativns- (Abgrenzungs-) Linie, welche durch unser Land westlich von Jartfeld, von der badischen Grenze beim Einfluß der Jart in den Neckar, bis zur bayrischen Grenze bei Feuchtwangen östlich läuft. Daraus folgt wohl, daß südlich dieser Linie die Preußen nicht weiter vorrücken werden, daß dagegen das nördlich derselben gelegene Land den Preußen zu friedlicher Besetzung unter vertragsmäßigen Bedingilngen überlassen ist." Stuttgart, 2. Aug. Der Waffenstillstand ist abgeschlossen. Die Abgrenzungslinie geht von Heidelberg über Jartseld der Jartlinie nach bis Feuchtwangen (Bayern). Das Staats- und Privateigenthum ist garantirt, und die Ansprüche der Truppen vertragsmäßig festgesetzt. Mainz, 2. Aug. Wassenstillstand noch nicht zu Stande gekommen ; die Rheinschiffsahrt wiederholt eingestellt. Berlin, 30. Juli. Man schreibt der „Köln. Z.": Die günstigen Bedingungen des Friedens sind erst gestem und heute in das größere Publikum gedrungen und haben in allen Kreisen einen erfreulichen Eindruck gemacht. Was weiterhin verlautet hat, läßt den Gewinn für Preußen noch vortheilhafter erscheinen. Außer ganz Hannover und den andern schon bezeichnet«! Ländern erhält Preußen auch den Heimsall Braunschweigs. Mil dem eng verbündeten Oldenburg wird Preußen vielleicht ein Stück Landes im Norden gegen Birkenseld und Eutin austauschen. Fraukfurt wird sehr wahrscheinlich preußisch werden, und mit Rücksicht darauf wird ihm, wie glaubwürdig veelaulet, der Rest der Kriegscontributioir erlassen werden. Was Sachsen angeht, so mehren sich die Anzeichen, daß ihm der Besitzstand erhalten wird, aber das sogenannte Verhältnitz der Februarbedingungen wird auf Sachsen, namentlich in militärischer Beziehung, nach Allem, was man hört, mindestens nicht in gemilderter Weise angewendel werden. Sachsen- Meiningen, das sich im letzten Augenblick Preußen angeschloffen, wird wahrscheinlich in ein ähnliches Ve.hältniß zu Preußen trete» wie Sachsen. Bezüglich der süddeutschen Staaten bleibt vorerst sestgestellt, daß sie einen besondern Bund frei bilden können. unter Wahrung ihrer internationalen Selbständigkeit, also mit Ausschluß französisch»! und österreichischer Hegemonie. Man darf nunmehr die feste Grün, 630 feuita eines großen norddeutschen Bundes unter der Führung des bedeutsam vergrößerten Preußens als gesichert ansehen, wenn man sich auch auf diplomatische Kämpfe mit den Cabinetten und den particu- laristifchen Widerstand eines Theiles der Beöölkerung gefaßt machen muß. Diese zu besiegen, wird ru den Ausgaben deS Parlaments gehören. Die Vereinigung mit dem Süden war für jetzt unmöglich, aber die Trennung ist nicht grundsätzlich ausgesprochen. Zeit und Ereignisse werden die weitere Entwicklung reifen lassen. — Ueber Frankreichs Zustimmung zu der neuen Einrichtung, die keinem Zweifel unterliegt, herrscht in diplomatischen Kreisen große Verwunderung. Von einer etwaigen Compensation in Luxemburg, welche Pariser Correspondenzen prognosticiren, ist hier nichts bekannt. — Glaubwürdig mied versichert, der Finanzminister habe erklärt, zur Deckung der Kriegskosten keiner Anleihe zu bedürfen. Man soll Schatzbons für ein Jahr als schwebende Schuld ausgeben wollen, sicherlich nur mit der nachzusuchenden Zustimmung der Kammern. — Die „Provmzialcorrespondenz" schreibt über die Frankfurter Angelegenheit: Einstweilen ist von den Maaßregeln wegen gewaltsamer Einziehung einer Kriegscontribution von 25 Millionen Anstand gegeben. Bei den weiteren Entschließungen der Regierung kommt der Umstand in Betracht, daß Frankfurt vermuthlich dem preußischen Staatsgebiete einverleibt wird. Wien, 1. Aug. (N.B.L.Z.) Der König von Preußen ist gestern aus Nikolsburg abgereist. Die Friedensverhandlungen, welche von Seiten Oesterreichs durch Baron Brenner und von Seiten Preußens durch Baron Werther geführt werden, werden nächstens in Prag eröffnet. Wien, 1. Aug. (N.B.L.Z.) Die „Presse" und der „Wanderer" constatiren das gänzliche Schellern eines in den letzten Tagen durch Kapka in Begleitung einer Schaar angeblich ungarischer Freiwilligen an der ungarischen Grenze im Waagthal gemachten Einfallversuchs. Klapka war gezwungen, sofort gegen Oderberg zu wieder umzukehren, da die Mehrzahl seiner Begleiter lauter österreichische Kriegsgefangene waren, und diese die Gelegenheit nur benützt hatten, wieder ihren respektiven Regimentern zu gelangen, und die ungarische Bevölkerung sich gänzlich thcilnahmlos verhielt. Der sterbende Oesterreicher. In der Schlacht von Custozza erhielt ein Lieutenant von dem braven Regiment Baron Baumgarlen Nr. 76 — einem der edelsten Geschlechter Oesterreichs angehörend — durch die Kugeln der Bersag- lieri einen Schuß durch die Wangen, den zweiten durch den Mund. Ohne Wehklagen, ruhig und still, wie ein ächter Ritter, lag er da und schleppte sich später zu dem Brunnen nächst dem von seiner Compagnie erstiirmten Pfarrhause, nahm mit matter Hand Feder und Papier aus der Brieftasche und schrieb einem ihm zur Hülle herbeigeeilten Offizier: Haben wir gesiegt? Hat unser braves Regiment den Ort geiionrmen? So nicke mir dem Kopse, ich kann nicht hören und nicht sprechen. Dann sterbe ich ruhig! Es lebe der Kaiser! Der Kamerad nickte mit dem Kopfe, Freude verklärte das Gesicht des Verwundeten, er wollte etwas rufen, ein Theil der Kinnlade fiel heraus. Der Verwundete nahm seinen Säbel, schwenkte ihn und drehte sich zum Sterben auf die andere Seite. Neuestes. Berlin, 5. Aug., Mittags. Der Landtag der Monarchie wurde heute Mittag 12 Uhr im weißen Saale des königl. Schlosses vvnl Könige mit einer Thronrede eröffnet, deren Inhalt im Wesentlichen folgender ist: Nachdem von Gottes Gnade und seinem sichtbaren Segen die Rede war, mit denen er Preußen geholfen habe, nicht nur die Gefahren feindlicher Angriffe von dessen Grenzen abzuwenden, sondern auch der nationalen Entwicklung Deutschlands die Bahn zu ebnen, hofft er in einträchtigem Zusammenwirken von Regierung und Volksvertretung die Frklchte reifen zu sehen, welche aus der blutigen Saat, solle sie nicht umsonst gesät sein, erwachsen müssen. Angesichts dieser Erfolge begehrt er die nachträgliche Genehmigung für die mehrere Jahre hindurch widerrechtlich gemachten Staatsausgaben, und zwar um so mehr, als erwartet werden dürfe, daß durch die Erweiterung der Grenzen des Staates und durch die Einrichtung eines einheitlichen Bundesheeres unter Preußens Führung dessen Lasten von allen Genoffen des Bundes gleichmäßig werde», getragen werden. Schließlich erwähnt er die dem Landtage zu machenden Vorlagen behufs Einberufung einer Volksvertretung. Die Wittwe Clicquolt. Die Hauptsitze des Handels mit Champagnerwein sind Rheims und Epernay, und dieser Handel hat einzelnen Häusern ein Vermögen gebracht, von dem man anderwärts keinen Begriff hat. Vielleicht — so erzählt W. Hamm in seinem so eben erschienenen „Weinbuch" (Leipzig, Weber) vielleicht gibt es in der ganzen Welt nicht eine solche Straße von Paläste« wie die Rue de commerce — unter dem Namen I» Rolle (die Tollheit) übrigens weit bekannter — in Epernay. Noch vor Kurzem baute sich in derselben ein Wcinhändlcr ein Häuschen, welches blos 2 Milliomn Franken kostete; und cs scheint eine ordentliche Nebenbuhlerei in der Verwendung des Champagnerprofits auf prachtvolle Gebäude zu herrschen. Nicht weit von Epernay steht an der Straße nach Paris ein Schloß, auf dessen Thorwcg die Inschrift prangt: Mater Filiae. Die Mutter ist eine Dame von Weltruf; ihre Name ist hingedrungen, wo diejenigen der berühmtesten Frauen, welche je gelebt haben, völlig unbekannt sind; sie ist unermeßlich reich, lebt aber nach wie vor in dem kleinen Haus zu Rheims, in welchem sie vor vielen Zähren ihr Geschäft begonnen hat. Und obgleich sie jetzt weit über 80 Jahre alt, so wird doch kein Cuvee (Mischung verschiedener Weine) gemacht ohne ihre Beurtheilung, und kein einigermaßen wichtiges Geschäft, das nicht durch ihre Hände geht. Das ist die Wittwe Clicquot, deren Champagner der allgemeinen Meinung nach der beste in der Welt sein soll. Er ist nicht überall zu haben; die Wittwe hat ihre bestimmten Kunden und verabfolgt mit strenger Conse- quenz an Niemanden anders eine Flasche. Doch macht sie Ausnahmen; der Verfasser theilt aus eigenem Wissen eine Anecdotc darüber mit. In Leipzig kam an der „Magnatentafel" bei Dähne das Gespräch auf die Eigenheit der berühmten Wittwe; ein Anwesender, K. Sch. (Träger eines literarhistorischen Namens), ging die Wette ein, daß es ihm gelingen werde, die stolze Frau von ihrem Princip abzubringen. Zu dem Ende sandte er ihr eine große Schachtel der exquisitesten Leipziger Lerchen und bat zugleich um einen Korb Champagner gegen baar. Die Wittwe schrieb höflich zurück, bedankte sich, bedauerte aber, den erhaltenen Auftrag nicht »usführen zu können, da ihre Gcschäftsgrundsätze die» nicht erlaubten ; dagegen mache sie sich ein Vergnügen daraus, dem artigen Bittsteller beifolgend 6 Flaschen Scct aus ihrem eigenen Hauskcller als Gegengabe zu übersenden. Gewiß können Andere ebenso gute Weine habe», und haben sie wie die „Wittwe" („1a Veuve“ heißt die ehrwürdige Dame vorzugsweise, und jeder Zecher kennt sie unter diesem Namen), denn eS stehen ihnen dieselben Vortheile beim Einkauf der Trauben oder Weine bei den Producenten zu Gebote, während die Gährung ebenfalls nicht aus ihrem natürlichen Verlauf zu lenken vermag; das Haus Veuve Clicquot ist aber durchaus nicht bestrebt, seinen Wein in einem Jahre besser als im andern u machen, sondern im Gcge,itheil Jahr für Jahr völlig gleichmäßig und ,o genau als möglich in seiner allbekannten Eigenthümlichkeit hcrzustellen. Wäre» alle Jahrgänge dieselben, so wäre dies verhältnißmäßig leicht, aber öfters fallen sic so schlecht aus, daß in Keller von Ruf nicht eine einzige Traube kommen darf, und da nicht selten zwei, drei und mehr solcher Jahrgänge auf einander folgen, so ist dieses Haus wie jedes andere gezwungen, immer auf einen bestimmten Vorraih zu sehen, so gut dies angeht. Dies kann nur durch Ankauf der besten Weine des ganzen Di- strictS geschehen und in der Vorbereitung derselben für den eigenen Brand. Das HauS Veuve Clicquot und ein Paar andere mache» nach einer guten Weinlese verschiedene Cuvee'S von 50,000 und 100,000 Dutzend. Nach dem köstlichen Weinjahre 1861 waren die Keller der Wittwe mehr gefüllt als je zuvor und erinnerten an die Quais der Londoner Docks mit ihren grandiosen Fäffermaffen. WaS zur Leitung eines derartigen Geschäfts an Kapital, Kenntniß, Uebung, Umsicht und Berechnung gehört, ist kaum zu ermessen. Es ist ein Zoll der Gerechtigkeit, zu bestätigen, daß das Haus Veuve Clicquot, obgleich es weder das Monopol der besten Trauben noch größere Kenntniß der Gährung und Wein besitzt, nur Champagner von erster Qualität und von keiner andern liefert; wer daher eine Flasche mit seiner ächten Marke vorgesetzt bekommt, kann überzeugt sein, daß er den feinsten Wein vor sich hat, den es gibt. Uebrigens preßt die Wittwe auch ihre Trauben minder stark aus und verkauft die Trester, während andere Fabrikanten sic nochmals durchpreffen und dann erst weggebcn. Bekanntlich ist die Wittwe Clicquot dieser Tage mit Tob abgegangeu. Bercmtwortlicher Redacteur: I. Otteui. — Druck :md Verlag der Buchdruckerei von 3. Ott eui.