Per Gr temue r Lote Lerkündigungs-Blatt für die Amts-,und Amtsgerichts,Bezirke Offenburg, Oberkircd, Achern, Rdein Bifchofsheim, Kork, Gengenbach, Haslach und Wolfach. M 76 Offenburg, den 28. September *858 Bekanntmachungen. Oberkirch. No. 8377. Die Stistungsvorstände werden in Folge Regi'erungserlaffes vom 7. d. M. aufgefordert, quartalweise, und zwar erstmals am 23. October, von ihren Fondsverrechnern den Bestand des Kaffenoorrathes zu erheben, und hierüber Anzeige anher zu erstatten. Bei größerem Kassenvorratb erwartet man jeweils Rechtfertigung darüber, warum dessen zinstragende Verwendung unterlassen worden ist. Oberkirch, den 22. September 1858. Großherzogliches Bezirksamt. Saut. Kork. Nro. 7243. In einigen Orten des Amtsbezirks herrscht noch der Gebrauch, daß am Tage nach dem Äerntetanz ledige Burschen in den Häusern herumlausen und Speck und andere Lebensmittel einsammeln. Dieser Unfug darf künftig nicht mehr stattfinden, und die Uebertreter des Verbots werden zur Strafe gezogen werden. Die Bürgermeisterämter werben beauftragt, solches in ihren Gemeinden zu verkünden und vorkommenden Falls die betreffenden Burschen zur Strafe zu ziehen. Kork, den 17. Sept. 1858. Großherzogliches Bezirksamt, v. Hunoltstein. G e n g e n b a ch. (Die Anlage disponibler Stistungs- aelder betr.) Nro. 5172. An sämmtliche Stiftungs- Vorstände des Bezirks: Ungeachtet vielfältiger Weisungen an die Stiftungsvorstände gelegentlich der Abhör der Rechnungen wird die Verordnung vom 26. Juli 1856 (Reg. Bl. Nr. 30) hinsichtlich der Anlage disponibler Stiftungs- gelder nicht gehörig beachtet, indem meistentheils ein den Bedarf weit übersteigender Kaffenbestand vorräthig gehalten ""^Da hierdurch den Stiftungen ein wesentlicher Zinsenverlust zugeht, so ist hier eine ununterbrochene Beaufsichtigung geboten, und man sieht sich daher veranlaßt, die Stiftungsvorstände anzuweisen, sich von drei zu drei Monaten von den Rechnern Kassen st atus vorlegen zu lassen, die dann — und zwar erstmals am 1. Januar k. I. - hierher einzusenden sind. Gengenbach, den 21. Sept. 1858. Großherzogliches Bezirksamt. Bode. Gengenbach. (Die Dienstabzeichen der Feldhüter betr.) Nro. 5126. An sämmtliche Gemeinderäthe des Bezirks: Großh. Ministerium des Innern hat mit Entschließung vom 18. Juni I. I. Nro. 7106 versügt, daß die Feldhüter bei Ausübung ihres Dienstes mit einem Abzeichen versehen werden muffen, durch welches deren dienstliche Eigenschaft re. für Jedermann sofort erkenntlich ist. Die Feldhüter sind mit Metallschilden zu versehen, welche an die Brust geheftet werden können, und welche dieselben bei Ausübung ihres Dienstes jederzeit bei sich zu führen haben. Darauf ist das Landeswappen und die Ueberschrist „Feldhüter* einzugraben. Die Gemeinderäthe werden hievon mit dem Anfügen in Kenntniß gesetzt, den Bedarf dieser Abzeichen in den dortigen Gemeinden alsbald anher anzuzeigen, um hiernach die Anschaffung besorgen zu können. Gengenbach, den 20. September 1858. Großherzogliches Bezirksamt. Bode. O s s e n b u r g. (Diebstahl und Fahndung.) Nr. 8397. Der Joseph Ofer's Wittwe von Zell wurden in der ersten Hälfte dieses Monats 3 neue Frauenbemden von Shirting, gezeichnet K. O. 6, von der Bleiche aus ihrem Hofraum entwendet, was wir behufs der Fahndung zur öffentlichen Kenntniß bringen. Offenburg, den 23 Sept. 1858. Großherzogliches Amtsgericht. Klein. Oberkirch. (Die heimliche Entfernung des Schmieds Karl Haist von Nußbach betreffend.) No. 8447. Da Schmied Karl Haist von Nußbach der Aufforderung vom 23. v. M. bis jetzt kein« Folge geleistet hat, so wird er hiermit des Staats- und Ortsbürgerrechts für verlustig erklärt und unter Kostenversällung in die gesetzliche Vermögensbuße von 3 Procent des erportirten und noch auszusührenden Vermögens verfällt. Oberkirch, den 22. September 1858. Großherzogliches Bezirksamt. Saur. Offen bürg. (Gläubiger-Aufforderung.) No. 943t. Sabine Kühne von Niederschopfheim beabsichtigt, mit ihrem unehelichen Kinde nach Amerika auszuwandern; alle Diejenigen, welche einen Anspruch an dieselbe zu machen haben, werden aufgefordert, solchen in der auf Samstag den 2. October d. I., Morgens 9 Uhr, angeordneten Tagsahrt geltend zu machen, ansonst derselben die Auswanderungs-Erlaubniß er- theilt würde. Offenburg, den 24. September 1858. Großherzogliches Oberamt. v. Faber. Ofsenburg. (Erkenntniß.) Nro. 8434. Da innerhalb der mit diesseitiger Aufforderung vom 16. Juli d. I. Nro. 6321 gesetzten Frist auf den darin bezeichneten Garten keinerlei Ansprüche oder Rechte geltend gemacht wurden, so werden jedwede der dort ausgesührten Ansprüche oder Rechte dritter Personen an dieser Liegenschaft gegenüber dem Stiftungsvorstand Marlen als Vertreter des KirchensondS für erloschen erklärt. V. R. W. Offenburg, den 24. September 1858. Großherzogliches Amtsgericht, v. Zech. Kork. (Gläubiger-Aufforderung.) Nro. 7190. Friedrich Maier i. Wittwe von Memprechtshofen mit ihren beiden volljährigen Töchtern Magdalena und Luise beabsichtigen, nach Amerika auszuwandern. Etwaige Ansprüche sind in der 612 auf Samstag derr 2. October, ' Morgens 9 Uhr, angcordneten Tagfahrt dahier anzumelden. Kork, den 15. September 1858. Großherzoglicbes Bezirksamt, v. Hunoltstcin. Ofsenburg. (Die Beobachtung der Gesindeordnung betr.) Nr. 951. Da am 29. d.M. eines der gewöhnlichen Wanderziele der Dienstboten eintritr, so machen wir sowohl die Dienst- herrschasten als die hier neu eintretenden Dienstboten aus die bestehende Verordnung aufmerksam, wornach die Dienstbücher der Letzteren binnen 3 Tagen diesseits übergeben werden müssen; ebenso haben Diejenigen, welche ihren Dienst wechseln, mit den vorgeschriebenen Dienstzeugnissen versehen, sich dabier anzumelden, und zwar bei Vermeidung einer angemessenen Geldstrafe. Offcnburg, den 25. September 1338. Das Bürgermeisteramt. W i e d e m e r. vdt. Huber. Nagold im Königreich Württemberg. (Einladung zum Besuch der Viehmärkte.) Am 14. October und 9. December d. I. wird wie alljährlich der Viehmarkt in hiesiger Stadt auf dem sogenannten Stadtacker abgehalten werden, wozu Käufer und Verkäufer mit dem Anfügen eingeladen werden, daß Gelegenheit zum Ein- und Verkauf von Vieh aller Gattung, namentlich auch von Plast- und Zugochsen und Stieren bargeboten ist, von welch' letzterer Gattung am letzten Jahrmarkt allein 321 Paare vorhanden waren, und versprechen die kommen den Märkte noch eine stärkere Frequenz, da jedem Marktbesucher mit Ochsen und Stieren wieder 1 fl. als Reisekosten-Entschädigung ausgesetzt worden ist, und wird noch bemerkt, daß überallhin von hier aus gute Straßen gehen. Nagold, den 16. Sept. 1858. König!. Württemb. Stadtschultheißenamt. Engel. Ofsenburg. (Holzversteigerung.) Am Mittwoch den 29. September, Morgens 8 Uhr anfangend, werden auf der Forstdomaine Brandeck, Districtlll, in Abtheilung 2 a. und 8 folgende Holzsortimente mit Zahlungsfrist bis 1. November d. I. öffentlich versteigert: In Abtheilung 2a, Schlag Nro. 4: 74 Klafter forlcnes Prügelholz und das Reis, in l2 Loose abgetheilt. In Adtheilung 8, Schlag Nro. 6: 42 V» Klafter sorlenes Prügelholz, 775 Stück Wellen und 3 Loose Abfall und Reisig. Zusammenkunft in Zell in der Laube. Offenburg, den 21. September 1858. Großherzogliche Bezirkssorstei. v. Böcklin. [1] Oppenau. (Hausversteigerung.f Die ba- lij dische allgemeine Versorgungsanstalt läßt am Mon- jlllgl tag den 11. October d. I., Nachmittags 2 Uhr, im n«l I Gasthause zur Krone in Oppenau das ihr eigenthüm- lich zugehörige zweistöckige Wohnhaus No. 98 an der Hauptstraße zu Oppenau, neben Rudolph Andre und Ochsenwirth Hofcrer, in öffentlicher Versteigerung einem Verkaufe aussetzen. Die näheren Bedingungen werden an der Steigerungs- Tagfahrt bekannt gemacht, und können inzwischen bei Herrn Oberlehrer Huppuch in Oppenau eingeseben werden. Karlsruhe, den 14. September 1858. Der Berwaltungsrath. [1] Kappelrodeck. (Versteigerung einer Papiermühle.) In Folge richterlicher Verfügung wird der Ignaz Jäger's Wittwe von hier am Donnerstag den 30, September d.J., Morgens 8 Uhr, auf dem Rathszimmcr dahier eine Papiermühle mit Wohnung, RemisMebauden fammt Scheuer und Stallung, nebst IVr Viertel Matten und Garten, beisammen dahier «n AKrrbach geStzen und geschätzt zu 9000 fl., sodann ungesähr 6'/- Morgen Aecker, Reben und Matten in 16 Par- cellen aus verschiedenen Gewannen,, geschätzt zu 5560 fl., öffentlich versteigert, wobei der endgültige Zuschlag erfolgt, wenn der Schätzungspreis oder mehr erreicht wirb. Kappelrod^ck, den 30. August >858. H e ck m a n n, Notar. Offenburg. (Aecker- und Rebenversteigerung.) Herr Gemeinderath G. Pfähler ssn. von hier läßt am Samstag den 2. October 1838, Nachmittags drei Uhr, in hiesiger Bürgermeisteramtskanzlei nachstehend beschriebene Aecker und Reben mit dem Herbste gegen terminenweise Zahlung öffentlich zu Eigenthnm versteigern: a) in der Gemarkung Offenburg gelegen: 1 . Eine halbe Zeuch Acker in der Sinzenlache (im Bühlerfeld), neben Martin Fitzkamm u. Andreas Lurk. 2 . Eine Biertels-Jeuch Acker allda, neben Salomea Litterst und M. Kornmayer. 3. Eine halbe Zeuch Acker im Galgenfeld, neben Joseph Rahner und Anstößer. 4. Vier Haufen Rebfeld im Rindfleischgrund, neben Johann Falk und Valentin Falk. 5. Anderthalb Haufen Reben aus der RebmannS- hald, neben sich selbst. 6 . Zwei Hausen Rebe» daselbst, neben sich selbst und einem Graben. 7. Drei Hausen Reben im Rindfleischgrund, neben Auguste Burg und Dr. Geiger. 8 . Anderthalb Haufen Reben aus der Rebmanns- hald, neben Alex. Walter und Anton Merkel, d) in der Gemarkung Zell gelegen: 9. Einen Haufen Rebfeld im Bittler, neben dem Weg und Joseph Fitzkamm. Hiezu werden die Steigerungsliebhaber anmit eingeladen. Zugleich werden die Bürgermeisterämter zu Zell, Rammersweier und Fessenbach ersucht, diese Steigerungs-Ankündigung in ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen. Offenburg, den 23. September 1858. Das Bürgermeisteramt. W i e d e m e r. vckt. Rathschreiber Gütle. Renchen. (Hausversteigerung.) Da bei der unterm 15. September d. I. abgehaltenen Versteigerung des zur Verlaffenschast des verstorbenen Ambros Schütt gehörigen Wohnhauses, wie es im Ortenauer Boten No. 69 beschrieben ist, der Schätzungspreis nicht geboten wurde, so wird solches am Mittwoch den 6. October d. I., Nachmittags 2 Uhr, in der Linde hier einer zweiten Versteigerung ausgeseßt, wozu die Liebhaber eingeladcn werden. Renchen, den 24. September 1858. Das Bürgermeisteramt. Viox. 613 Offenburg. (HerbstertrSgnH - Bersteiaexwig.) Der kiesige Bürger und Locomotivführer Joseph Th«l»smi, zur Zeit in Freiburg wohnhaft, Mtam Samstag den 2 iOctober 1858, Nachmittags -zwei Uhr, « tziestger VürgermeisteramKlanzlei gegen Baarzahlung ohne Ratificatious - Vorbehalt öffentlich versteigern: ^ . Das Herbsterträgniß pro 1858 von zwei und einem halben Hausen Reben in der Tagmeffe, neben Ältbürgcr- weister Löffler's Relikten von hier; — wozu man die Liebhaber ^einladet. Offenburg, den 27. öeptember 1858. Das Bürgermeisteramt. A. 81.: © ü 11 f. Gengenbach. (Fahrnißverstcigerung.) Wegen Verkaufs' der Wirthschast läßt Salmenwirth Franz Abel dahier nachbeschriebene Fahrnisse gegen gleich baare Zahlung an den Meistbietenden versteigern:. Am Montag den 4. Oktober d. I., Vormittags 9 Uhr anfangend: 4 Kühe, 1 trächtige Kal- bin, 2 Pferde, 3 fette Schweine, 1 großer Bauern- wagen mit eisernen Achsen sammt Zugehörde, 1 Rollwagen, 1 Kleewagen, 1 Berncrwägele, 1 einspänniges Chaischen, i zweispännige Droschke, 1 Doppelwagenwinde, mehrere Ketten, sodann 3 Fässer von 2t, 24 nnd 40 Ohm Gehalt, sonstiges Faß- und Bandgeschirr, endlich ca. 50 Centner Stroh und ca. 100 Crntner Heu. Am Dienstag den 5. Dctober, Vormittags 9 Uhr beginnend: Bett- und Weißzeug, Möbel aller Art, Küchengeschirr, Porcellan und allerlei sonstiger HauSrath. Gengenbach, am 25. September 1858. Das Bürgermeisteramt. Stein. Kaiser. Renchen. (Hausvetsteigcrung.) Aus dem Nachlasse der verstorbenen Stephan Schindler's Wittwe wird mit ober- vormundschastlicher Ermächtigung vom 7. d. M. Nro. 7951 der minderjährigen Maria Anna Schmidt, Tochter des in Nußbach 5 ||jj|bi^ 22 Ohm haltend, aus freier Hand zu ver- O s s e n b u r g. (Knechtgesuch.) Ein Hausknecht, der gute Zeugnisse aufzuweisen hat, wird aus Michaeli gesucht— von wem? sagt der Herausgeber dkescs Blattes. Kiiechtgcsuch. Einen tüchtigen, mit guten Zeugnissen versehenen A ck e r k n e ch t sucht aus Michaeli zu engagiren: F. I l g e n in Diersburg. 615 Tagesgeschichtliche Mittheilungen. Badem. Karlsruhe, 21. Sept. (KZ) Während sich gestern ein Theil der Naturforscher-Versammlung nach Durlach begab, machte ein anderer unter der Führung des Herrn Medizinalraths vr. Bolz einen Ausflug nach Jllenau. Der Zug gmg um halb t Uhr ab. In Achern angekommen, wurde die Gesellschaft von dem Hrn. Oberamtmann Schwarzmann bewillkommt, worauf sie sich nach Jllenau begab. Dort erscholl den gelehrten Gästen die Musik und der Gesang der Pfleglinge in wohlgelungenen Tonstücken entgegen, worauf der Director der Anstalt, Hr Geh. Hofrath Dr. Roller, dieselben mit einer warmen Ansprache empfing. Sofort wurden die Räumlichkeiten abtheilungsweise besucht, wobei der Director und die Beamten die freundlichen Führer machten. Darauf folgte ein Spaziergang in die reizende Umgebung von Jllenau, der an einen erhöht gelegenen Punkt mit prächtiger Aussicht führte, wo für eine ländliche Erfrischung reichlich gesorgt war. Der Rückweg wurde wieder über die Anstalt genommen. wo noch einige Räumlichkeiten besichtigt wurden, und dann ging es fort nach Achern. Hier nahm die „Post" und der „Adler" die Fremden gastlich auf, denen in dem fröhlichen Zusammensein die kurze Zeit nur allzurasch verflog. Endlich kam der Augenblick der Trennung und man begab sich auf den Bahnhof, wo der Zug bald herannahte, der die hicher Zurückkehrenden aufnahm. Alle waren auf's Höchste befriedigt, sowohl durch die imposante Großartigkeit und vortreffliche Einrichtung der Anstalt, als durch die in so herrlicher Gegend, im Kreise lieber Fachgenoffen, verlebten frohen Stunden. Jllenau mit seinem wackern Director und dessen trefflichen Mitarbeitern wird ihnen unvergeßlich sein. Karlsruhe, 22. Septbr. (K. Z.) Heute wurde die 34. Naturforscher-Versammlung mit ihrer dritten allgemeinen Sitzung geschlossen. Auch dieser Sitzung wohnten Ihre Köntgl. Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin, die bald nach Beginn derselben eintraten, bei. Auf die Aufforderung des ersten Geschäftsführers, eine Deputation zu ernennen, welche den Dank der Versammlung gegen Se. König!. Hoheit aussprechen solle, betrat Professor Schönbein von Basel die Red- ncrbühne, nicht um diese Aufforderung zu begründen, da die fürstliche Huld in solchem Maaße war geübt worden, daß Worte den in Aller Herzen lebenden Dank nicht auszudrücken vermögen, sondern um diesen Gefühlen so viel als möglich in der Versammlung selbst zunächst Wort zu leihen. Die Wanderversammlung deutscher Naturforscher und Aerzte wurde vor 36 Jahren von einem Badener, Oken, im Vereine mit wenigen gleichgesinnten Männern in Leipzig gegründet, und ist fett jener Zeit zu einer solche» Bedeutung herangewachscn, daß Männer aus allen Gauen Deutschlands sowohl, als aus fernen Ländern zu ihr strömen, und daß alle gebildeten Völker Europa's nach ihrem Muster ähnliche Wanderversammlungen gegründet haben. Die 34. dieser Versammlungen aber sei diejenige gewesen, die er als die herrlichste von allcu bezeichnen müsse. Schon beim Eintritt in die Stadt habe der Naturforscher an dem festlichen Gewände, in das dieselbe sich gekleidet, ersehen, daß es Karlsruhe am Herzen liege, die fremden Gäste würdig zu empfangen. Die herzliche Aufnahme, die dieselben überall gefunden, haben ihnen diese erste Vermuthung zur angenehmen Gewißheit gemacht. Er müsse daher seinen Dank aussprechen im Name» der Versammlung für diese herzliche Aufnahme. Vor Allem und zuerst spreche er den Dank der Versammlung aus gegen den königlichen Fürsten dieses schönsten aller deutschen Gaue, der aus tiefeigenster Erkenntniß den Wissenschaften seine Huld zugewendet, und durch seine, aus dieser Erkenntniß fließende Theiluahme sich mit einer Macht verbunden habe, die stärker sei, als alle Bajonnette. In gleicher Weise habe er seinen tiefsten Dank auszusprcchen gegen die hohe Fürstin an seiner Seite, die mit der lieblichsten Anmuth der äußern Erscheinung den hohen Geist vereinige, der Sie lehrt, die Zeichen der Zelt zu deuten und die, ein Bild edler deutscher Frauen, wie er es noch nie gesehen, in ächt weiblicher Weise eingetreten sei in den Bund, den ihr hoher Gemahl mit den Wlffeuschaften und Künsten geschloffen. Nach diesen, von dem fortwährenden Beifalle der Versammlung getragenen Worten sprach der Redner seinen weitern Dank aus gegen die Behörden des Staats und der Stadt, die — mit vieler Mühe und nicht ohne Kosten — Alles aufgeboten hätten, um die diesjährige Versammlung so glänzend wie angenehm zu machen. Die benachbarten Städte Baden und Durlach hätten in anderer Weise mit den Karlsruhern gewetteifert, und auch ihnen spreche er den herzlichsten Dank hiefür aus. Allen Karlsruhern endlich, und vorzüglich auch den schönen Karlsruherinnen, die durch ihre freundlichen Augen und ihre lieblichen Gestalten jüngst die Naturforscher bezaubert, spreche er schließlich noch seinen aus vollem Herzen strömenden Dank aus. Nie werde in der Seele aller Theil- nehmer die Erinnerung an die hier zugebrachten Tage erlösche« , und mit ihnen werde das Lob und die Anerkennung der gastfreundlichen Ausnahme in diesen Mauern nach allen Weltgegenden getragen werden. Karlsruhe, 24 Sept. (K.Z.) Se. König!. Hoheit der Großherzog hatte die Gnade, zum Andenken an die Naturforscherversammlung eine Medaille für sämmtliche Mitglieder und Thcilnehmer prägen zu lassen. Dieselbe trägt auf dem Avers das Brustbild Sr. König!. Hoheit von Voit und auf dem Revers einen Erdglobus, umgeben von Sonne, Mond und Sternen, nebst einem geschlungenen Bande, worauf sich die Worte befinden: „Die Forschung führt zu Gott." Die Umschrift lautet: „Die 34 Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte zu Karlsruhe im September 1858." Das Ganze ist nach den Intentionen Sr. König! Hoheit des Großherzogs von Hrn. Münzmedailleur Balbach ausgeführt. Da am Schluffe der Versammlung noch nicht alle Medaillen fertig waren, so wurde Dieselbe zunächst den auswärtigen Mitgliedern und Theilnehmern eingehändigt; die Badener werden dieselbe später erhalten. G e n g e n b a cd, 23. Septbr. /4 Uhr verspürten wir in hiesiger Gegend 3 bedeutende Erdstöße Dieselben folgten, begleitet von unterirdischem Getöse, rasch auf einander in der Richtung von Osten nach Westen. In der Stadt wurden einige Gebäude ziemlich hart beschädigt. Preuße». T h 0 r n, 5. Septbr. Ein höchst trauriger Vorfall ereignete sich in voriger Woche. Die 15jährige Tochter eines Handwerkers kehrte von einem Spaziergänge ohne ihre Mantille zurück, welche sie muthmaaßlich verloren hatte. Die Mutter ließ die Tochter deßhalb mit harten Worten an und erklärte ihr, sie solle die Mantille wiederschaffen, andernfalls ihr nicht mehr vor die Augen kommen. Das Kind, durch die nicht so ernst gemeinte Drohung über die Maaßen ringe- schüchtert, entfernte sich vom Hause und stürzte sich in die Weichsel. Als man anderen Tages den Eltern die Leiche ihres gutgearteten und von der Mutter Natur nicht stiefmütterlich ausgestatteten Kindes in's Haus brachte, wurde ihnen gleichzeitig die Mantille gebracht, welche man in einem öffentlichen Garten, an einem Baume hangend, gefunden hatte. Köln, 21. Septbr. Die Hitze des eben ablaufende» Sommers hat die Trauben im Rheinthale so frühzeitig gereist, wie das seit 36 Jahren nicht mehr der Fall gewesen ist. Seit 8 Tagen hat im Rheinthal die Lese der Burgunder Traube ihren Anfang genommen. Sie ist eine so ergiebige, daß man die alten Weine aufzuräumen genöthigt ist, um Fässer für die neuen zu erhalten. In Köln kaust man die Maas trinkbaren Weines zu nur 4 Sgr. Sachsen. In Koburg ist ein Gesetz erschienen, welches die Juden den Christen im Handel und Wandel, überhaupt im Staatsleben völlig gleichstellt. Seither hatten namentlich im Handel zwischen Christen und Inden alle von Juden außergerichtlich ausgestellte Schriftstücke keine Beweiskraft. f etzt hat der im Staatsgesetze vorgeschriebene Artikel für die hristen und Juden gleiche Bedeutung im Staats-, Privat- und Geschästsleben. Oesterreich. In Z a r a hatte während eines starken Gewitters der Sturm zwei Telegraphenpfähle nächst den Mauern der Citadelle umgeworfen, ohne jedoch den Draht zu zerreißen oder die Jsolirung auszuheben. Ein Telegraphen- wächter und mehrere Artilleristen schickten stch, als das Gewitter schon säst ganz vorübergezogen war, an, die umgestürzten Pfähle wieder aufzurichten; als sie den Draht in Händen hielten, zuckten Funken aus demselben, und sie fühlten leichte Stöße, beachteten jedoch die ihnen ertheilten Warnungen nicht. Plötzlich stießen Zwei von Denen, die den Draht hielten, ein durchdringendes Geschrei aus; Einer taumelte, fiürztc, raffte sich wieder auf, und stürzte nochmals nieder, um fich nicht wieder zu erheben; der Zweite blieb betäubt und regungslos stehen. Ein Dritter, der von dem Gestürzten während seines Falles am Schulterblatt berührt worden war, schrie ebenfalls laut aus und fiel zu Boden. An der berührten Stelle war er wie verbrannt; er hatte heftige Schmerzen im Kopse, Sausen in den Obre», und ein Blenden der Augen verspürt; den Beiden, welche den Draht 6 17 gehalten hatten, waren die Hände verbrannt; der Ueberlebends erzählte, rer ganze Oberkörper und der Schädel seien von unsäglichem Schmerz durchzuckt worden; Ohrensausen und Blendung der Äugen, hatte er ebenfalls verspürt. Im Telegraphenbureau hatte gleichzeitig der Blitz- den Wetterableiter in kleine Stücke zertrümmert; die erzählte Katastrophe war aber Folge eines zwischen Gospiz und Zara niedergegangenen Blitzes gewesen, der am Draht die Richtung gegen Zara versolgt hatte. Rußland. S t- P e t e r s b u r g , im Septbr. Wir werden gegenwärtig buchstäblich von einer dürren, trockenen Hitze geröstet- Man athmet Rauch, die Sonne brennt dlut- rvth in der verschleierten Atmosphäre, und kein Tropsen Regen. Bis aus 500 Werste um St. Petersburg brennen so viele Wälder, daß die Lust mit einem feinen, durchdringenden Dunst gefüllt ist, der eine nieeerdrückenoc, beängstigende Wirkung aus die menschliche Constitution ausübt. Ueberall ist das Heu weggcbrannt oder versengt, und wenn das noch lange so fort geht, so wird das Futter für die Pferde eben so theuer werden, als eine Festmablzeit für die Menschen. Wahrlich, es wird Zeit, daß wir anderes Wetter bekommen; denn Alles leidet ohne Ausnahme darunter. Die Industrieausstellung in Villingen. IAuS de,' Karlsruher Zeitung.) (Fortsetzung.) Wir kommen nun in den Saal Nr. 22. Dieser enthält ei» Musikwerkchen, Uhren und Uhrenbestandtheile und elektrische Apparate. Da die detaillirt« Aufzählung sämmtlicher Uhrcn- gegcnstände für uns und das Publikum allmälig ermüdend wird und das letztere sich von der reichhaltigen Ausstellung der Uhren durch die seitherigen Mittheilungen zur Genüge überzeugt haben wird, so wollen wir uns hier nur auf die Hervorhebung der Namhafteren beschränken. Hiernach haben wir besonders hervorzuheben: ein Wiener Flötenwerk von Joseph Heine in Vöhrenbach, mit 2 Walzen, ein schönes Produkt des Schwarzwälder Kunststeißes. Dieses recht artige Werkchen hat einen sehr lebendigen und korrekten Vortrag und findet allgemeinen Beifall. Sehr erwähnenswerth ist die Uhren- ansstellung der Lenzkircher Akiiengcsellschaft für Uhrenfabrikation; ihre Fabrikate zeichnen sich durch Solidität, Eleganz und Geschmack sehr vortheilhaft aus. Die dort eingeführte Arbeitstheilung, welche auch tu den größern Werkstätten des uhrenmachenden Schwarzwaldes allmälig Eingang findet, scheint an der schönen und reichen Ausstattung ihrer Pendulen, welche meistes 14-Tagwcrke sind, ihren guten Anthcil zu haben. Diese haben Preise von 20 bis 115 fit Bcmerkenswerth sind zwei Airchenuhren von Engelbert Duffner und Häckler von Vöhrenbach, zu 110 fl. und 270 fl Ferner haben recht schöne Uhren ausgestellt: I. Zimber in Furtwangen; Heer in Vöhren- bach, welcher auch sehr geschmackvolle Uhrcnkasteu lieferte; Paul Kromer und Söhne in Neustadt; Lorenz Boob in Furt- wangen; Michael Boob in Triberg verschiedene Nachtuhren, welche durch eine hinter dem Milchglas-Zifferblatt angebrachte Lampe erleuchtet werden, Preise von 15—19 fl Nebst verschiedenen (gothischen) Hängekasten von Michael Schuhmacher in Furtwangen von 5 fl. bis 75 fl. und mehreren Sortimenten Schlldblättern und Tvnfedern, Schrauben und Spindeln rc. find hier noch zu verzeichnen: zwei Jnduclions- apparate (2 Ströme) für Aerzte und zwei ditto mit 3 und % Strömen, für Aerzte und Schulen, dann ein elektrischer Strommesser von Johann Kaiser in Villingen, Preise 8 fl. bis 10 fl. Saal Nr. 23. Hier sind die Seiden-, Baumwollen- und Leinenwaaren ausgestellt. Besonders hervorzuheben sind: recht schöne Seidenmustcr, Seidecocons, aus asiatischem Raupensamen in Frciburg gezogen; rohe weiße Seide, gesponnen in Freiburg, die Cocons aus asiatischem Samen in Niederschopfheim, Öberamts Offenburg, gezogen; rohe gelbe tramirte Seide aus mailändischem Samen in Lahr gezogen, gesponnen und tramirt zu Freiburg und Niedereschach von Gebrüder Metz in Freiburg. Ein Sortiment Seide-, Lernen- und Baumwollefaden aus der Zwirnerei aus Hohenstein bei Schiltach von Passavant und Comp, stecht sinnig geordnet). Seiden- und Wollenzeugc, aufgericht und neugefarbt, von I Stopper in Furtwangen Gebleichte und ungebleichte Leinen und Leinenwaaren von Theodor Dietsche, Valentin Stettcr, Marti« Schleicher, Jos. Ant. Binder in Villingen und Mathias Jäckle in Stockwald Verschiedene Sortimente Baumwolle-Watten von Julius Schupp in Villingen. Mehrere einseitige und zweiseitige Foulards von Berberich und Comp, in Säckingen. Endlich zahlreiche und verschiedene Baumwollestoffe und Gewebe von Karl Kapftrer in Waldkirch, Fr. v. Herose u. Comp, in Wehr, Gebhard Zimmermann in Todtnau, Fr. Jos. Maler in Todtmoos, Jakob Neidingcr in Villingen und Ambros Götz in Hüfingen u. A. m. Saal Nr. 24. Wir begegnen hier verschiedenen Zeichnungen und Rissen in Kreide, Blei und Tusche ausgesührt; dann verschiedenen Modellen (in Holz, Thon und Gypsj von Stiegen, Dachstühlen, Brücken, Gewölben, Arabesken, geometrischen Figuren rc. aus den Gewerbschulen von Villingen, Furtwangen und Neustadt. Speziell führen wir an: Ein Modell von einer Schneckenstiege aus Eichenholz isehr schön), von Karl Konstanzer in Villingen; ein Modell von einer verschobenen Treppe (Nußbaum und Ahorn), von Johann Heizmann in Villingen; Modell von einer gebrochenen Stiege von Richard Morath in Reustadt; die Seitenansicht einer Eisenbahn-Brücke und Plan eines Gartenrestaurationshauses von Karl Steiger in Villingen; 26 Stück Körpermodelle (zur Erklärung der Schattenfälle, der Verkürzungen), und 6 Stück Kürvenlineale (Zinkblech), von Karl Meyerhuber, Lehrer an der Großh. Uhrenmacherschule in Furtwangen; 3 Landkarten, ausgezogen, kolorirt und lackirt, von Heinrich Blum in Sunthausen ; eine Schmetterlingssammlung von Franz Laun in Villingen, und eine vollständige Sammlung ausgestopfter, auf dem Schwarzwald vorkommender Vögel. Saal Nr. 25 Dieses Lokal enthält Wollentücher, gestrickte und gewirkte Wollenwaaren. Die Tuchfabrik von Dold und Schmidt in Villingen hat mehrere Sortimente schöner und feiner Tücher von verschiedenen Farben aufgestellt und hierdurch den guten Ruf der Schönheit und Dauerhaftigkeit ihrer Fabrikate auf's Reue erhöht. Außerdem sind verschiedene Wollentücher und Waaren von Joh. Merz in Neustadt und I. L. Nober in Hüfingen vorhanden. August Zürcher in Kandern sendete gewalkte Halbstirfel und Schuhe. sowie ei» Sortiment Wollenwaaren und Pferdteppiche. Zwei schöne Sortimente gewirkte Wollenwaaren von Meinrad Bürkle und gestrickte Wollenwaaren aus der Fabrik von Karl Otto in Villingen sind hier noch nennenswerth. — Hiernach wäre unsere Wanderung durch das vierte Stockwerk geschloffen und wir haben nun noch de» Saal Nr. 26 (Parterre) zunächst dem Ausgang auftu- suchen, wo wir zwei Produkte des bewunderungswcrthesten Industriezweiges des Schwarzwaldes zu sehen und zu hören bekommen, nämlich zwei große Musikwerke (Orchestrion); das eine in einem Kasten ist von Maier und Ketterer in Furtwangen und das andere von M. Welte in Vöhrenbach (fr«, ohne Kasten). Sind auch beide Werke in Bezug auf Bauart und Tonqualität verschieden, so sind sie nichtsdestoweniger geniale Schöpfungen, wie solche nur auf dem Schwarzwalde getroffen werden. Das erstere Werk trägt durchweg den weibliche» Charakter an sich, ausgesprochen in seinem graziösen Bau, in seinen zarten und weichen Tönen, und dem anmuths- vollen Gesänge. Sein Vortrag ist zierlich, einnehmend und korrekt. Das Welte'sche Werk dagegen repräsentirt den Charakter der männliche» Kraft und Würde, gepaart mit einer schmelzenden Weichheit. Die Intonation ist vortrefflich, der Gang der Maschine ruhig und der Vortrag vräzis. Dieses Werk entfaltet durch seine prachtvollen Bässe eine erstaunliche Tonfülle und nicht minder staunenswerth werden die Piano- parthien, die Crescendi «nd Deerescendi vorgetragen. Wahrhaft hinreißend ist der Vortrag der russischen Nationalhymne und voll Bewunderung steht der Zuhörer vor diesem Automaten, ihn anstauncnd als eine der genialsten und großartigsten Schöpfungen des menschlichen Kunststeißes. _ (Schluß folgt) _ Der Kloster-Neuburger Wein. (Eine Erinnenmg aus dem Jahre 1809.) Er stand am Fuße der großen Treppe im Schloßhose zu Schönbrunn. Rings um ihn, den kleinen Mann, ein Kranz von Marschällen und Generalen. Den ganzen Ehrenhof füll- 618 ten feie Garden in ihren schimmernden Uniformen; die Luft erzitterte von militärischen Fanfaren. Ich bin zufrieden, meine Herren! sagte der Kaiser Napoleon verbindlich — und seine marmornen Züge wurden durch ein leichtes, wohlwollendes Lächeln belebt — ich bin zufrieden mit dem Aussehen meiner Garde». Ich sehe, sie sind gut mit Allem versorgt, was dieses schöne und fruchtbare Land zu bieten vermag. Man hat doch meine Befehle in dieser Hinsicht mit aller Pünktlichkeit befolgt? Ein ehrfurchtsvolles allgemeines Schweigen schien dem Kaiser keine Bejahung zu bedeuten. Oder ist's nicht so? fuhr er fort, indem sein Blick ernster wurde. Wohlan, ich werde mich selber überzeugen! Der Kaiser wandte sich zum Gehen. Das goldschimmernde Gefolge öffnete ihm eine Gaffe, die sich hinter ihm schloß. Die Fahnen senkten sich und unzählige Trommeln schlugen ihre Wirbel. Ein Wink machte sie verstummen. Meine Kinder l bub Napoleon an, indem er sich an ein Bataillon Gardegrenadiere wandte, wie seid Ihr mit der Verpflegung in Oesterreich zufrieden? Bekommt Ihr Alles, wir jch es befohlen? Ich nehme jede Klage entgegen und will Abhülfe schaffen. Redet, Euer Kaiser befiehlt es Euch! Aus den Reihen der Prätorianer tritt ei» alter Soldat, den Arm mit den Zeichen mancher Feldzüge geschmückt, prä- sentirt das Gewehr und spricht: Sire! unsere Verpflegung ist hier bester, als sonst irgendwo. Die Gerichte sind schmackhaft und in zureichender Menge, aber .... Aber? wiederholte der Kaiser und seine Augen blitzten. Sire! der Dein ist nicht trinkbar. Der Kaiser sann nach. Kinder, sagte er nach einer Pause, man muß sich fügen. Was habe ich Ihnen befohlen, Rapp ? Ihre Befehle, mein Kaiser, erwiedcrte der Angeredete, find pünktlich vollzogen worden. Man hat den besten Wein requirirt, de« zu haben ist. Die große Abtei Kloster-Neuburg wurde uns als Niederlage deö edelsten Gewächses bezeichnet. Dorthin wendeten wir uns und wir erhielten nach Versicherung der Conventualen von ihrem besten Weine. Man bringe mir ein Glas des Weines, den die Garden erhielten! sprach der Kaiser. Es geschah. Napoleon hatte das Glas kaum an die Appen gesetzt, als er die Miene verzog und ausries: Meine Garden haben Recht, dieses Getränk ist nicht genießbar. Meine Kinder, dem soll schleunigst abgeholsen werden. Rapp, solgen Sie mir! sprach ver Kaiser, als er an der Rampe der Ehrentreppe angekommen war. Sie hatten das Zimmer, in welchem 23 Jahre später sein einziger Sohn verscheiden sollte, erreicht. Rapp! ich vermuthe, daß hier ein niederträchtiger Betrug begangen wurde. Ist dieses Kloster-Neuburg nicht jenes schloßähnliche Gebäude mit entzückender Aussicht, das ich besuchen wollte? Allerdings, Ew. Majestät! Woblan, heute nach Tische will ich dahin fahren. Sie werden Sorge tragen, daß der Fourniffeur, der mit Ablieferung jener Weine an die Garde betraut ist, sich dort einfinde. Ich werde ihn rusen lasten ! Nach Tische fuhr Napoleon nach Kloster-Neuburg. Rapp saß neben ihm. In einem zweiten Wagen folgten einige Adjutanten und ein Auditor. Wer spricht französisch? fragte Rapp, als sie an der Morte der Abtei angelangt waren, wo die gesammte Geistlichkeit den französischen Kaiser empfing. Pater Gregorius trat vor, der nachmalige langjährige Bibliothekar des Stiftes, ein Mann, der unsere heutige Erzählung oft aus der Erinnerung mittheilte. Er nlußte dem Kaiser Kirche und Kloster mit ihren Merkwürdigkeiten zeigen, und Napoleon's Fragen bekundeten das eingehendste Interesse. Besonders lange verweilte er in den sogenannten Kaiserzimmern, wo er sich mit vieler Theilnahme von den häufigen Besuchen Maria Theresia's in diesen Räumen erzählen ließ. Eine große, bewunderungswürdige Frau, Ihr Herren, der Sie säst Alles verdanken, was ich in Ihrem Lande Schönes und Herrliches gesunden! äußerte Napoleon. In dem Eckzimmer, in dem man die herrliche Aussicht auf das Donauthal, aus den Leopolds- und Kahlönberg genießt, brach Napoleon in Ausdrücke des höchsten Erstaunens aus. Qu’ eile est belle, vutre. Autriche I Es verlohnte sich der Mühe, dieses.Oefterreich'so wacker zu vertheidigen, wie Sie es gethan! Nun aber'zu Geschäften, mein ehrwürdiger Vater. Jch wollte Sie bitten, mich den Wein aus Ihren berühmten Kellern kosten zu lasten, den Sie 'meinem Fourniffeur sür die Garde auf Requisition ausliefern. Sie, meine Herren Adjutanten, werden sich wohl der kleinen Mühe unterziehen, den Pater Kellermeister in die Keller zu begleiten, damit auf der Treppe keine Verwechslung geschieht. Sollten Ew. Majestät daran zweifeln, bemerkte Pater Gregorius bescheiden, daß wir Ihrer Garde anderen Wein, als den aus unseren besten Fäffern gegeben, so würde ich mir ehrfurchtsvoll erlauben ... Beruhigen Sie sich, mein Herr! erwiederte der Kaiser, ich bin in diesem Lande an zu große Loyalität gewöhnt, als daß ich diesen Verdacht hegen sollte. Der Wein kam, der Kaiser trank und fand ihn vortrefflich. Kosten Sie, meine Herren, und nehmen Sie Ihr Urtheil über den Oesterreicher Wein zurück. Ec schritt in größter Aufregung im Gemach einige Male aus und ab. Plötzlich blieb er mit verschränkten Armen vor dem Pater sieben. Und Sie versichern, daß derselbe Wein meinem Four- nisteur sür die Garden übergeben worben ist? Pater Gregorius verbeugte sich stillschweigend. Meine armen Soldaten! klagte Napoleon. Als er ausblickte, erschracken seine Adjutanten über die Bläffe auf des Kaisers Antlitz. Wo ist der Elende? ries Napoleon mit einer vor Zorn erstickten Stimme. Der Fourniffeur, den man hereinrief, war noch bläffer als sein Herr und Kaiser. Miserable, qu’avez-vous fait? herrschte ihn Napoleon an. Er stammelte einige Entschuldigungen. Der Auditor mußte die Untersuchung summarisch in Gegenwart des Kaisers führen. Ec ließ die Fuhrleute vor- sordern, die den Wein von Kloster-Neuburg geführt hatten. Diese Männer bezeichneten die Wiener Wirthe, bei denen sie die Fässer abgeladen und andern Wein dafür aufgeladen batten. Und was sagen Sie dazu, Unglücklicher? fragte der Kaiser den Lieferanten, der aus die Kniee sank und um Gnade flehte. Der Kaiser warf einen Blick der tiefsten Verachtung auf den Knieenden. Man befreie mich von dem Anblick des Schurken, sprach er kalt und — streckte langsam seinen Arm aus. Der Kaiser fuhr rasch von dannen. Noch hatte er das Weickbiid der Stadt Kloster-Neuburg nicht verlassen, als von der Seite des großen Platzes der einige Flintenjchüfle fielen. Daraus war Alles stille!- Offen bürg er Jcucotbailt. Markt vom 25. September 1858. Frucht- Gattung. Ein- geführt: Aufgc- flelltvom letzten Markt: Verkauft: Mittelpreis per Malter i Bleiben ausgestellt: Malter. > Malter. Malter.' st. kr. Malt». Walzen. . . 257 14 271 j 10 50 — Kemen . . . t! _ _ — — — — Halbwaizen. 1 38 1 39 | 8 30 — Korn . . . . U 89 4 93 7 20 — Haber . . . S 24 | — 24 5 35 — Gerste . . . 1 60 ! — 55 6 20 5 1 6 Welschkorn . IhüT" I 19 D a 492 1 s Markige t ich! Verantwortlicher Redactenr: I. Otteni. — Druck und Verlag der Buchdruckerei von I. Otteni