Per Or termue r Note. Verkündigungs-Blatt für dir AmtS- und Amtsgerichts-Bezirke Kffenburg, Oberkirch, Achern, Rhein. Bischofsheim, Kork, Gengenbach, Haslach nnd Wvlfach. M 90. Ofsenburg, den 16. November 1858. Bekauutmachuuge«. Achern. Nro. 75 U. Die Bürgermeister des diesseitigen Bezirks werden angewiesen, die im Anzeigeblatt vom 5. November d. I. Nro. 66 erschienene Verordnung Grvßh. Ministeriums des Innern vom 27. v. M- in dortiger Gemeinde zu verkünden und, wie geschehen, binnen 8 Tagen anher anzuzeigen. Achern, den 8. November 1858. GroßherzoglicheS Bezirksamt. Schwarzmann. Oberkirch. Nro. 9775. Der bisherige Straßenbau- Ausseher Bernhard Buhler von Ottenhofen wurde nach Erlaß der Grvßh. Oberdirection des Wasser- und Straßenbaues vom 27. v. Nt. zum Straßenmeister, mit dem Wohnsitze in Achern, ernannt, und ist ihm die Beauisichtigung der Bicinalwege in dem Amtsbezirk Achern und Oberkirch übertragen. Dies wird den Bürgermeistern des Bezirks zum weitern Benehmen zur Kenntnib gebracht. Oberkirch, den 11. November 1858. Großherzogliches Bezirksamt. Gaur. [31 Ofsenburg. (Berlassenschasts-Einweisung betr.) Nro. 9705. Nagelschmied Georg Anton Le es von Olien- burg hat um Einweisung in Besitz und Gewähr der Berlaffen- schast seiner Ehesrau Maria Joseph« geb. Eschbacher von hier gebeten. Diesem Gesuche soll stattgegeben werden, wenn innerhalb 6 Wochen keine Einsprache ersvlgt. Offenburg, den 5. November 1858. Großhcrzogliches Amtsgericht. Sieb. Kork. [Gläubiger-Aufforderung.) Nro. 8591. Die ohne Staatserlaubniß nach Amerika ausgewanderten Johann und Jakob NicolauS von Willstätt haben um nachträgliche AuSwanderungserlaudniß und um Wegzug ihres Vermögen- gebeten. Etwaige Ansprüche an dieselben sind in der aus Mittwoch den 24. d. M. Vormittags 9 Uhr, anacordneten Liquidationstagsahrt anzumelden. Kork, den 7. November 1858. Großhcrzogliches Bezirksamt, v. Hunoltstein. [31 Illen au. [Holzlieserung betr.) Die Lieferung von 500 Klaftern Buchen - Scheitholz und 40 „ Tannenholz wird im Soumissionswege an den Wenigstnehmenden vergeben. Die Angebote müffen, überschrieben „Holzlieserung", versiegelt längstens bis 20. November d.I. dahier eingereicht werden. Die Eröffnung der Soumissionen findet Montag den 22. November, Vormittags >/-10 Uhr, statt. Die Lieferungs-Bedingungen können aus diesseitiger Kanzlei eingesehen werden. Jllenau, den 27. October 1858. Direktion der Großherzogl. Heil- und Pflege-Anstalt. Roller. B r e t t l e. Ofsenburg. (Zahlungsaufforderung.) Alle Diejenigen, weiche nrit Schuldigkeiten zur Stadtkaffe, Sparkasse, Zehntkasse, Pfarr- zehntkasse und Gewerbschulkaffe noch im Rückstände sich befinden, werden um deren Berichtigung mit dem Anfügen erinnert, daß — wenn nach Ablauf von 14 Tagen keine Zahlung erfolgt ist — unnachsichtlich gerichtliche Betreibung eintritt. Offenburg, den 11. Nov. 1858. Der Gemeinderath. Wiedemer. Oberkirch. [Zwangsversteigerung unbeweglicher Güter.) In Folge richterlicher Verfügung werden im Wege der Hülssvollstreckung am 20 November 1858, Nachmittags 2 Uhr, zu Oberkirch in dem Nathhause nachbezeichnete, in der Gemarkung Oberkirch befindliche Liegenschaften des Bürgers und Weißgerbers Konstantin Roth rn öffentlicher Steigerung zum zweiten Male dem Verkaufe ausgesetzt: 1) Eine zweistöckige Behausung mit Schweinställen und 6 Ruthen Garten beim Hause, auf dem Gerbergraben dahier gelegen, neben Xaver Braun und Balthasar Huber, vorne» Weg, hinten die Stadtmauer, taxirt zu ... . 2100 st. 2) Die Hälfte von der mit Xaver Braun gemeinschaftlichen Scheuer am Mühlbach, taxirt zu . 500 fl. 3) Ein Drittel-Antheil an einer Walke, »eben dem Mühlbach, taxirt zu.150 fl. 4) Eine Weißgerber-Werkstälte aus dem Ablaß mit ca. 9 Ruthen Garten am Mühlbach, tax. zu . 1100 ft. 5) l0 Ruthen Garten im Weiher, taxirt zu . 150 fl. 6) 1'/- Jeuch Aecker aus dem Krautschollen, taxirt ,u . 2000 fl. Summa . . . 6000 fl. Der endliche Zuschlag erfolgt um das sich ergebende höchste Gebot, wenn solches auch unter dem Schätzungspreise bleibt. Oberkirch, den 30. October 1858. Der Vollstreckungsbeamte: K l c h e, Notar. Offenburg. (Kapitalanerbieten.) Aus dem hiesigen Pfarrzehntfond können mehrere tausend Gulden tm Ganzen oder in einzelnen Abtheilungen gegen vorschriftsmäßige Versicherung dargeliehen werden. Verlagscheine nimmt Stadtrechner Eisinger entgegen. Offenburg, den 1. Rov. 1858. Der Gemeinderath. Wiedemer. 7*20 Uh^»i n b« f chossheim. nur den Behörden als Ergänzung der öffentlichen Löjch- anstalten nützlich erweisen, sondern auch Privaten und Geschäftsleuten lnamentlich für Spiritus und Oelmagazine rc.), da cs ohne alle Verzögerung augenblicklich angewendet werden kann, Sicherheit und Beruhigung gewähren. Frankreich. Straßburg, 12. Nov. Seit neuerer Zeit macht hier ein im Badischen Hose wohnhafter. Magnetiseur mit einer Somnambule ungeheures Aussehen, indem sie aus Vorlage von Hemden und Strümpfen die Krankheit sogleich erkennt und die von ihr verordneten Mittel noch nie gefehlt haben, weßhalb sich auch Alles um sie schaarl. Der Magnetiseur, welcher eine enorme Heilkraft besitzt, hat schon Krankheiten gebellt, wo alle ärztlichen Mittel sehlgeschlagen haben. Die nächsten Nummern werden weiter Merkwürdiges mittbeilen. Paris, 10- Nov. Das Boulevard des Italiens war gestern von einer großen Gefahr bedroht. In den Kellern des Cafe anglais brach Feuer aus und diese Keller enthielten eine starke Quantität Branntwein und so viel Gas, daß nicht nur das Kaffccbaus, sondern auch die komische Oper, der Saal des Jockeyklubs u. s. w. sehr ernstlich bedroht waren. Die Verwirrung war groß und die zahlreichen Gäste flohen, als fie die Gefahr erkannten, entsetzt davon. Der Hingebung eines eben vorübergehenden muthigen Garde-Zuaven, ehemaligen Pompiers, Namens Latour, welcher mit Gefahr seines Lebens in den Keller eindrang, um den Gasometer mit naffen Tüchern und Sand zu bedecken und eine Explosion zu verhindern, ist es zunächst zu verdanken, daß man dem drohenden Unheil glücklich entging. Amerika. Ueber den Brand des New-Aorker Glas- palastes schreibt man der „Ällg.Ztg." aus New-Jork, 6. Oct.: Unser Glaspalast, in welchem vor fünf Jahren die ver- unglmkte „Kunst- und Industrie-Ausstellung aller Nationen" stattsand, ist seil gestern Abend ein Schutthaufen. Wahrend sich zu der in dem Gebäude stattfindenden lokalen Gewerbe- Ausstellung 1000 bis 2000 Zuschauer eingefunden hatten, brach in einem Winkel, der zur Aufbewahrung alten Gerümpels diente, aus eine bisher noch nicht genügend aufgeklärte Weise Feuer aus, das sich im eigentlichsten Sinn des Wortes mit Blitzesgeschwindigkeit verbreitete. Me feurige Schlangen liefe» die Flammen an den Gasrohren, Treppen, Geländern, Dielen, Pfeilern und Bogen entlang; durch die behufs rascher Entfernung der Zuschauer geöffnete große Eingangsthüre strömte ein Luftzug herein, der wie ein BlaS- balg auf das Feuer wirkte, und kaum 20 Minuten nach dem Ausbruch desselben stürzte schon die große Kuppel zusammen. Nickis, oder so gut wie nichts, wurde gerettet. Einer der Aussteller, der seine Maaren bergen wollte, kam in Rauch und Klammen um. Wie groß der (Verlust an Industrie-Erzeugnissen (worunter eine Menge großer Dampfmaschinen , kostbare Claviere rc.) ist, wögen Sie dgraus er- mcflen, daß der Katalog der Ausstellung nahe an 4000 Namen äusweist. Biele von diesen figurirten allerdings nur mit den elenden Lappalien, womit amerikanische Industrie- Ausstellungen verunstaltet zu werden pflegen; aber viele andere hatten auch sehr werthvolle und kostspielige Gegenstände ausgestellt, so daß der Gesammtwerth schwerlich >/ 3 bis l k Million Dollars betragen hat. Außerdem sind eine Menge Bilberwerke, Ueberreste der Ausstellung von 1833, zerstört worben, die zwar zum Theil nur Copien waren, aber auch solche für unser an Werken der bildenden Kunst so armes Land einen größern Werth hatten als für Europa; so z. B. eine treffliche Eopie der Thorwaldsen'schen Gruppe: Christus und die zwölf Apostel, in der Größe des. Originals aus massivem Gyps; ferner ein Duplikat der Kiß'schen Amazone, eine broncene kolvffale Reiterilatue Washingtons von Marochetti, deren Kanstwerth im umgekehrten Berhältniß zu ihren Proportionen stand, u. s. w. Versichert war nichts. An dem Gebäude selbst erleidet Niemand mehr pekuniären Schaden, da sowohl die Aktionäre als die Hypothekgläubiger nie Zinsen oder Dividenden erhalten, und ihr Kapital längst schon mit dem nassen Schwamm ausgewischt haben. Aber als eine der wenigen architektonischen Zierden unserer Stadt wird der Glaspalast sehr vermißt werden. Aus der Krim. (Fortsetzung.) II. Der Zu ave und das Kind. Victor Carabine ist als Sergeant zum Angriff ansgerückt und zog als Capitän in den Mauern von Sebastopol ein; das heißt, nachdem seine dccimirte Compagnie alle Anführer und drei Vicrtheile der Soldaten verloren, ward ihm im Drang der Umstände der Befehl über seine Kameraden anvertraut. Er marschirt mit ihnen durch die Stadt Karabelnaia, indem er die Russen, mit dem Degen in der Hand, nach der Brücke zurückdrängt, die ihre letzte Zuflucht ist. Die Stadt brennt an allen Ecken und Enden. So kommt er bis vor ein Haus, dessen Aussehen von dem hohen Range seiner Be- wohner zeugt. Es ist die Wohnung eines reichen Bewohners von Sebastopol, vielleicht eines der Leiter der Vertheivigung, dessen Kriegstalcnt die Franzosen so viel Blut gekostet hat. Die Rache erwacht wieder in dem Kopfe Victors... Die Wohnung scheint kaum verlaffeu... Wenn er hier noch einen Bruder fände, den er niedermetzeln könnte, wie man ihm den Bruder niedcrgemetzelt? eine Familie, die er in Trauer versetzen könnte, wie man ihn in Trauer versetzt? Herzen, die er zerreißen könnte, wie man das seine zerrissen?... All' diese Rachgcfühle durchströmen sein Herz. Er will sich durch Plündern rächen, wenn er sich nicht durch Mord rächen kann. Er will Gold nehmen, wenn es kein Blut zu vergießen gibt. Und von all' diesen Dämonen des Krieges getrieben, steht er aus der Schwelle des reichen Hanfes. Er schreitet durch ein mit Blumen angefüllte« Vestibüle. Blumen mitten in dieser blutigen Metzelei! Aber woher kommt es, daß der Zuavr zurückweicht? neben den Blumen liegt Kinderspiclzeug, bleierne Soldaten, ein Säbel und eine kupferne Kanone, die Uniform eines vierjährigen Artilleristen. Die kleinen Kinder probirten hier das Drama, das ihre Väter spielten! Victor geht weiter und zertritt das Spielzeug mit dem Fuße. Er dringt in den Salon und in das Boudoir; man hat es soeben im Schrecken und in der Bestürzung verlassen. Der Zuave wirft einen triumphirenden Blick auf die zerstreuten Kleider, die umgestürzte Theekannr, einen noch warmen Pantoffel, Schätze, die man nicht mitnehmen konnte, ein Vermögen für den Solda- ten und seine Familie, wenn man ihm nicht den Bruder gemordet. Aber er wird wenigstens entschädigt werden I Er wird seine Feinve erben! Er wird sich mit ihrem Nachlaß schmücken und sich eine Siegostrophäe daraus machen. Und Victor war bereits im Begriffe, seine Kameraden zum Plündern zu rufen, als er einen herzzerreißenden Schrei über sich hörte. Eine Bombe platzt im ersten Stock: eine russische Bombe, denn der Feind sucht sich den Rückzug zu sichern. Der Zuave eilt hinauf und sieht in einem zerstörten Zimmer, mitten unter den Trümmern der Explosion, eine junge Frau, eine Mutter, in ihrem Blute schwimmend und todt, ein Kind in ihren Armen. „Der arme Junge!" ruft Victor, von diesem Schauspiel wie versteinert. Und der Tapfere vergißt Alles, seinen todten Bruder und seine Rache/ den Sieg/ Sebastopol und die reiche Beute. Er eilt der Mutter zu Hülfe, — er, der nie eine solche gehabt, er sucht sie in's Leben zniückzurufen, erblaßt sie, in Ermangelung von etwas Anderem, an seiner Schnapsflasche riechen, er gießt ihr frisches Wasser auf die Schläfen, in das sich unbewußt seine Thränen und das Blut seiner Wunden mischt. Aber er vermag die schöne Zunge Frau nicht mehr in's Leben zurückzurufen. „Auf!" sagt er zu sich, „die Pfeife ist gebrochen: keine Hülfe mehr. Nun gilt's die Rettung des Jungen!" Und er betrachtet den kleinen Knaben, einen rosigen Cherub, der zu Bode» gefallen ist und mit Schrecken seine todte Mutter und den unbekannten Feind betrachtet... Der Zuave suchte seinen Siegerlohn: da ist er! „Ein unschuldiges Leben zu beschützen! einer Waise einen Vater zu geben." Er, der selbst seit seiner Geburt Waise ist! Aber was entdeckt er, als er das Kind ergreift? Und woher kommt seine Verwirrung und seine Blässe? Er hat auf einem Möbel ein vergoldetes Casquet erblickt und auf dem Casquet den schwarzen Adler erkannt, das Wappen des Mörders seines Bruders!..^ Es ist also seine Frau, die er vor Augen hat, es ist sein Vvhn, den er retten will! Victor, der die Cholera überstanden und dem Tode tausendmal in's Auge geblickt, sinkt in einen Fauteuil. Ein eisiger Schweiß tritt auf seine Stirne, er kämpft einen furchtbaren Kampf mit sich ... sein Säbel bewegt sich an seiner Seite und selbst sein Gewehr scheint zu rufe«: „Feuer!"... Aber eine anvere Gestalt trat zwischen ihn und seinen ermordeten Bruder: die der todten Mutter des Kindes, das mit gefalteten Händen vor ihn kniet. „O, ich bin genug gerächt! Keine Rohheit!" ruft der Zuave aufspringend. Und er nimmt mit sanften Händen den blonden Engel, dessen Vater Charles Carabinc getödtet, und trägt ihn an seinem Herzen fort, die rothen Wangen mit seinem rauhen Barte kitzelnd; und reich genug durch seine Beute, tritt er gleichgültig auf das Silbergeschirr, die kostbaren Waffen, die Bilder und die Juwelenkastchen. Es bleibt ihm von einem Jahre voll Leiden und Ruhm, von dieser eroberten Stadt, von diesem Trauer- und Freudentage nichts als seine Armuth, sein Gewehr und dies Kind. Seine Armuth, den Kopf voll zu klagen, — sein Gewehr, neue Siege zu erringen, — das Kind des Mörders seines Bruders : diesen ihm zu ersetzen!' Am Abend dieses Tages kehrt der Zuave, mit dem kleinen Russen auf den Armen, in sein Zelt und bereitet ihm ein Abendessen, so gut es nur aufzutreiben. Und die Fouriere und die Marketenderinnen streiten sich um die Freude, für den „kleinen Adler" sorgen zu dürfen und ihm ein Nest zu bereiten, so weich als das seiner Mutter. (Schluß folgt) Ein Zag aus Haydn'ß Leben. Haydn, der vielbeliebte Tonsetzer, hatte in seiner Jugend mit der Roth vielfach zu ringen und zu kämpfen, und es wurde ihm oft schwer, fein Brod zu verdienen; dennoch und vielleicht gerade darum bewahrte er in seinem Herzen ein inniges Mitleid für fremde Roth. Es war in den Tagen, wo es ihm schon besser erging, daß er, wenn er aus seiner Wohnung in Wien in verschiedene Theile der Stadt gehen wollte, um Musikunterricht zu er- theilen, jedesmal an eine: Straßenecke vorüber mußte, wo ein blinder Greis, von einem kleinen muntern Knaben ge- flchrt, seinen Stand hatte. Der alte Mann geigte, und zwar gär nicht schlecht, und der kleine bausbackige Junge hielt des affttt tylatmei Hut den Vorübergehenden hin und bat um eme miloe Gäbe für den armen, blinden Großvater. Die Tt't, «sie das von dem Minen gifchah, war so einnehmend, der Anblick des greisen, blinden Mannes so rührend, daß IdltdN Jemand ohne Gabe vorüber ging. Auch Haydn legte iitnner einest Kreuzer hinein. Bisweilen sprach er auch einige Worte mit dein Blinden in lieblichem Tone, uüd so kam es, daß bei der Dankbarkeit des Blinden, dieser ihn zuletzt von Ferne an seinem Auftreten kannte und ihm allemal einen Gvuß nnt großer Freundlichkeit zurief, ehe noch Haydn ihn angrredrt Hatte. Abends, wenn Haydn zurückkehrte, war der Blinde längst weg und kehrte dann Morgens in aller Frühe wieder i +% So blieb es länger, als ein Jahr. Eines Abends, die Dunkelheit begann eben zu nahen, kehrte Haydn nach seiner brfcheivenen Wohnung zurück. Als cf sich der Straßenecke näherte, wo er um dicke Tageszeit den Blinden nie mehr zu fiiwen gewohnt war, hörte er von einer vvn Angst zitternden Stimme rufen: Tony, Tony, wo bist du? — Tony> hast d« deinen blinden Großvater denn ganz vergessen? — der D»n wurde immer angstvoller und bebender. Endlich nahte Hayvn und bemerkte, daß der Blinde noch dastand, aber ohne den kleinen Knaben, und daß er es war, der den angstvollen Ruf ausstieß. Was ist Euch begegnet? fragte Haydn. Warum ruft Ihr so angstvoll das KlMo? — . Ach, Herr Haydn, rief der Blinde, Gott sendet Euch ciuem Unglücklichen zum Tröste. Mein kleiner Enkel, sonst so gehorsam und so brav, lief diesen Mittag mit Kindern seines Alters zum Spiele. Ach, ich ließ es ihm so gerne zu. Das arme Kind genießt dies Glück der Kindheit so selten, fast gar nicht. Im Anfänge kam er von Zeit , zu Zeit zurück, aber immer seltener, bis er mich mir selber überließ, und mit den kleinen Knaben seines Alters weglief. Das hat es verursacht, daß ich heute nicht halb so viel gewann, als sonst, und ich muß doch sieben Menschen ernähren! Das aber, fuhr er kort, wäre noch nicht das Schlimmste. Denkt Euch, er ist noch nicht zurück! die Rächt ist da, ich fühle es. Wo ist das Kind und wie soll ich heimkommen, ich > armer, blinder Mann? Haydn wurde bewegt von der Roth des Greises, als aus den erloschenen Augen die Thränen drangen. Haydn ließ sich ungefähr die Gegend beschreiben, wohin der Knabe sich verlaufen habe, und bat den Greis, ruhig und stille zu warten, bis er wiederkehre. Er lief nun in die Straße, wo- hin der Knabe gelaufen sein sollte; sah sich überall um: fragte überall, aber nirgends war eine Spur des kleinen Ausreißers zu entdecken. Die Dunkelheit kam stärker und Haydn gab es auf, nach dem Kiiwe zu suchen. Der Knabe war so klein nicht, daß er konnte verloren gehen, und Haydn hatte sich auch schon den Plan entworfen, der Polizei Nachricht von dem Vorgang zu geben, nebst den Kennzeichen des Knaben, den er ko genau kannte. Der Blinde lehnte mit gefalteten Händen und dem Ausdrucke tiefen Wehes in den Gesichtszügen an seiner Ecke, als Hayvn wieder bei ihm anlangte und ihm erzählte, wie fruchtlos seine Nachforschungen geblieben seien. Der Schmerz ves alten Blinden war grenzenlos über dcn Verlust des Knaben, denn er dachte sich nicht anders, als er sei auf irgend eine gewaltsame Weise verunglückt. Haydn tröstete ihn liebreich und versprach ihm. Alles diesen Abend noch aufzubieten, um den Knaben wiederzusinden, und besonders dies durch die Polizei bewirken zu lassen. Ach, rief va der Blinde, Gott wird uns ja das gute Kind wiedergeben, aber wie komme ich heim zu den angsterfüllten Meinigen? Wo ist denn Eure Wohnung? fragte Haydn. Der Blinde nannte eine Haydn unbekannte Gaffe in einer fernen Vorstadt. Haydn erschrack im ersten Augenblick. Er sollte diesen Abend in einer vornehmen Gesellschaft spielen. — Aber, was blieb da übrig? Sein Herz gebot und er reichte dem Blinden seinen Arm. Zurechtgewicsen von den Vorübergehenden, kam er endlich zur Stelle, nachdem er »och einen Miethkutscher genommen hatte. An einem kleinen, 's 726 armen Häuschen dielt endlich der Kutscher. Man hörte starkes Gespräch darinnen. Als Haydn öffnete, stand ein Trupp Kinder um eine junge, schöne, bleiche Frau, die trostlos die Hände rang. Der kleine Tony stand, wie ein armer Sünder, mitten unter ihnen und hörte, nachdem er die Strafredcn der Mutter in Demuth und Schuldbewußtsein angenommen, nicht auf zu weinen. Die Mutter griff eben nach einem Kattun- Mäntelchen, um nach dem Großvater zu sehen, und ihn, der, wie sie glaubte, noch an seiner Ecke stehen würde, abzuholen. Haydn öffnete die Thüre und trat mit dem Greise am Arme ein. Ein großer Jubel entstand unter den Kindern, die alle des Großvaters Knire umschlangen. Rur Tonp stand weinend in einer Ecke. Tony, warum hast du mir das gethan? fragte vorwurfsvoll der Blinde. Jetzt stürzte der Knabe herbei, fiel auf seine Kniee und umschlang laut weinend des Großvaters Beine. Er flehte um Vergebung und gelobte, nie wieder fich. verlocken zu lassen. Der Großvater verzieh liebreich und Alles war ausgeglichen. Jetzt aber wandte er fich, um Haydn zu danken. Der edle Mensch aber hatte fich unbemerkt im ersten Augenblicke schon weggeschlichen. Nicht ohne Betrübniß wurde daS bemerkt und Segnungen folgten ihm nach. Haydn, froh in seinem Herzen, eilte zurück nach seiner Wohnung mit dem Miethkutfcher, der auf ihn wartete. Ein großer Theil seines Verdienstes an diesem Tage war vraufgegangen, aber lange hatte er eine solche Freud« und Zufriedenheit nicht empfunden, als heute, und selten spielte er so ausgezeichnet, als an diesem Abende. Logog»i»h. l. 2. 3. 4. 5. Wie heißt die Himmelsblume, Die uns zum Himmel trägt, Wenn eine Leidenssumme Das Schicksal uns zuwägt? Die uns vom Gram errettet Und von Verzweifeln»«; In Leiden uns noch bettet Aus süße Linderung? Sie zählet nur sünf Laute, Und ist so reich an Kraft, Daß, wer ihr nur vertraute. Sich Muth und Ruhe schafft. 0 nicht das Weltgetümmel — Wo Nichts zum Frieden eint — Es gibt sie nur der Himmel, Doch auch ein warmer Freund. 2. 3. 4 . 5. Den Kops ihr abgeschnitten. Dann ist cs ein Oxyd, DaS, nirgend» «ohlgelitten. Sich um Metalle zieht. 3> 4. 5. Nun wird's zu einem Orte Voll Glanz und Majestät, Wenn aus des Morgens Psort« Die Tagesleuchte geht. Die Wiege ist's der Sonne, Aurora hält dort Wacht, Wenn zu des Tages Wonne Ihr Kind dort auserwacht. 4. 5. Der Lehrer will oft lehren, Der Schüler gibt nicht Acht, Er sucht ihm dann zu wehren, Wenn er ihm 4, S sagt. Echraut. Da» Auge. Tief eingeprägt hat sich ein Aug', Und wandelt stets mit mir; Nur Schmerzen schuf eS, seit ich's sah. Und Qualen für und für! Viel schöne Augen sah ich schon, Doch keines rührte mich, Bis endlich dieses kleine Aug' Fest eingewurzelt sich. Bei jedem Schritte, den ich geh', Cntquillet meiner Brust Ein tiefe» Seufzen; wehmuthSvoll Stört'S meine Wanderlust. Ties unten ruht der Schmerz; und ach! Es ist ein großes Weh'- Wenn ich mit diesem Hühneraug' In engen Sttcfeln geh'!! Gffenbnrger /rnchthallr. Markt vom 13. November 185 8. Frucht- I Gin- Ausgestellt vom Ber- Mittelpreis Gattung. geführt: letzten | Markt kaust; per Master Malter. Malter. Malter. fl. kr. Waizen. . . 483 62 538 | 10 20 Kernen . . . I _ — Halbwaizen. 84 21 105 8 40 Korn . . . . > 8 1 9 1 7 30 Haber . . . 31 — 31 5 44 Gerste - - . 98 16 114 7 10 Welschkor« . 706 — — 7 20 i 100 801 11 Bleiber. aufge. stellt: j Ma lter 7 DaS Marktgericht. Die Brodtaxe im Amtsbezirk Oberkirch bleibt für die zweite Hälfte des Monats Novbr. unverändert. Die Fleischtaxe für de» Amtsbezirk Oberkirch wird bis auf Weiteres bestimmt, wie folgt: Das Pfd. Mastochsenfleisch 13 kr., Kuh- u. Rindfleisch 10 kr., Kalbfleisch 10 kr., Schweinefleisch 13 kr., Hammelfleisch 7 kr. Verantwortlicher Redakteur: I. vtteni. - Druck und Verlag der Buchdruckerei von I. vtteni »Sohn.