8ADEMER TAO BLATT Leitung für Poüük, likrisckafl und tfuüur FR EFT AG, 5 SEPTEMBER 1947 PREIS 20 PFENNIG Hilfe zunächst aus eigener Kraft Bericht der 16 er Konferenz erst in zwei Wodien fertiggestellt PARIS — Der Bericht über das Produktionspotential und die Bedürfnisse Europas, den der von ler Sechzehner-Konferenz geschaffene Arbeitsaus- ichuß vorbereitet, wird erst in zwei Wochen fertiggestellt sein. Sir Oliver Franks, der den Vorsitz in diesem Ausschuß führt, erklärte, daß diese Verspätung — der Bericht sollte ursprünglich schon bis zum 31. August fertiggestellt sein — infolge der außerordentlichen Schwierigkeit, und Vielfältigkeit der Arbeit, die zur Abfassung und Vorlage des Berichtes notwendig ist, unvermeidlich gewesen sei. New Yorker Depeschen klären den eigentlichen Grund nun einigermaßen auf. Danach aatte die Regierung der Vereinigten Staaten Kenntnis von den Hauptpunkten des Inhalts des Berichtes erhalten und entschloß sich, den Hauptmitarbeiter des Staatssekretärs Marshall, Georges Kennen, sofort nach Paris zu entsenden, um die Erklärung abzugeben, daß die gestellten Anträge keine Aussicht hätten, die Zustimmung des amerikanischen Kongresses zu finden. Drei Punkte riefen die Bedenken des Staatsdepartements hervor: Zunächst erschien eine Forderung von 30 Mrd. Dollar für fünf Jahre unangebracht. Im besten Falle könnten 15 Mrd. Dollar bewilligt werden. Die 16 auf der Konferenz vertretenen Staaten scheinen wirklich ihre ganze Hoffnung auf die amerikanische Hilfe gesetzt zu haben, während Marshall von dem Gedanken ausgegangen war, daß in erster Reihe die europäischen Staaten aus eigener Kraft für ihren Wiederaufbau aufkommen müßten und deshalb Pläne vorzulegen hätten, aus denen hervorgehen sollte, wie sie sich die wirtschaftliche Zusammenarbeit untereinander vorstellen. Ala vollkommen unzulässig wurde die in der ursprünglichen Fassung des Schlußberichtes angewandte Formel angesehen, daß die amerikanische Hilfe erst in fünf Jahren die europäischen Staaten in die Lage versetzen könnte, ihren Wiederaufbau vorzunehmen. Man zeigt sich auch sehr beunruhigt von der Tatsache, daß am Ende der vorgesehenen Periode von 4 Jahren, d. h. im Jahre 1951, der europäische Fehlbetrag noch */» des gegenwärtigen betragen würde. Als Hauptursache dieses chronischen Defizits sieht man die Teilung Europas in zwei Zonen an. Vor dem Krieg machte der Austausch zwischen den an Weizen reichen Donau- ländem und den stark industrialisierten Westländern ein europäisches Gleichgewicht möglich. Zur gegenwärtigen Stunde sieht sich Westeuropa auf andere Produktionszentren als die Ostgebiete angewiesen, da keine' Hoffnung besteht, aus den früheren Ausfuhrländern regelmäßig beliefert zu werden. Vom Komitee für wirtschaftliche Zusammenarbeit wurden Maßnahmen vorgeschlagen, um eine BUDAPEST — Nach den amtlichen Wahlergebnissen verteilen sich im neuen ungarischen Parlament die Sitze endgültig wie folgt: Kommunisten 97 (+27), Kleinlandwirte 67 (—178), Sozialdemokraten 66 (—3), Nationale Bauernpartei 39 (+ 16) Oppositionsparteien: Barankovics 58, Pfeiffer 53, Balogh 18, Radikale 6, Schlachte 4, bürgerliche Demokraten 3. Die Gesamtzahl der Abgeordneten ist 411 gegenüber 421 im letzten Parlament. Die Wahlergebnisse sind sehr verschieden von denen von 1945. Die Kommunisten stehen jetzt an ärster Stelle. Dabei liegt die Stimmenzahl, die sie auf sich vereinigen konnten, nicht viel über der von 1945 (1082 600 gegenüber 800 000), und außerdem ist die mit über 800 000 Stimmen dicht nachfolgende demokratische Volkspartei eine von der Segierungskoalition unabhängige Oppositionspartei. Den größten Verlust erlitt die Kleinlandwirtepartei nit 750 000 Stimmen gegenüber 2,7 Millionen. Die Verteilung der Sitze im neuen ungarischen Parlament entspricht nicht der von den verschiedenen Parteien erlangten Stimmenzahl: Die kommunistische Partei B. mit 22°/» der abgegebenen Stimmen erhält ein Drittel der 60 für die Nationalisten der Parteien vorbehaltenen Sitze. Die Partei Barankovics, die zweite an Stimmenzahl (16 °/°), kommt, was die Zahl der Abgeordneten anbelangt, erst an 4. Stelle. In ihrem Fall bleibt abzuwarten, ob bei der Besetzung der gemäß der ungarischen Verfassung den drei größten Parteien vorbehaltenen Posten des Präsidenten und der beiden Vizepräsidenten des Parlaments die Zahl der Abgeordneten jeder Partei oder die von ihr erreichte Stimmenzahl angerechnet wird: Im letzteren Fall würde einer der beiden Vizepräsidenten aus den Reihen der demokratischen Volkspartei Barankovics kommen, die zur Zeit in Opposition ist. Andererseits umfaßt der Block der Regierungskoalition 269 Abgeordnete, d. h. 65°/» der Sitze, obwohl er nur 60,4'/- der Stimmen erhalten hat. Jedoch fehlen ihm immer noch etwa fünf Mandate zu der '/--Mehrheit, die die Regierung ermächtigen könnte, durch Dekret zu, regieren. Der Leitartikler der New York Times schreibt über die ungarischen Wahlen: „Es ist wohl möglich, däß Herr Rakosi und seine Freunde Ungarn lieben. Nichtsdestoweniger haben sie ihr Land an eine fremde Macht verraten und so dem offensichtlichen Willen der großen Mehrheit der Magyaren zuwidergehandelt' Das demokratische Blatt erinnert an die vier seit März dieses Jahres 3er ungarischen Regierung überreichten amerikanischen Protestnoten und folgert:. „Es wird Zeit, erneut in Budapest zu protestieren, denn Ungarn Besserung der Verbindung der 16 sogenannten Westnationen untereinander zu erreichen. Die wichtigste davon ist nach wie vor der Plan einer Zollunion oder besser einer Wirtschaftsunion. Offensichtlich nimmt das amerikanische Staatsdepartement auch Stellung gegen die vorgesehenen Nationalisierungspläne. Es steht auf dem Standpunkt, daß die europäische Krise keine Dollarkrise sei, sondern eine Produktionskrise. Ein Organismus müßte geschaffen werden, der einen Plan ausarbeiten sollte, in welcher Form/sich die europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit vollziehen würde. Berliner Besprechungen vertagt BERLIN — Die Besprechungen über den Ruhrkohlenexport nach Frankreich, die bereits für Anfang dieser Woche angesetzt worden waren, sind auf den 8. September verschoben worden. Von amtlicher britischer Seite wird angegeben, die Verzögerung diene lediglich einer Festsetzung eines für alle drei Beteiligten passenden Datums. In Kreisen der amerikanischen Militärregierung erwartet man, daß die französischen Vertreter sich RIO DE JANEIRO — In Rio de Janeiro wurde in Gegenwart der Vertreter von 19 amerikanischen Staaten das interamerikanische Verteidigungsabkommen feierlich unterzeichnet. Der in Rio ausgearbeitete Vertrag enthält zusammengefaßt folgende' Bestimmungen: Im Falle eines Angriffs auf einen amerikanischen Staat verpflichten sich die Vertragspartner, diesem Angriff gemäß Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen zu begegnen. Dieser Artikel der Charta gesteht jedem Land oder jeder Völkergemeinschaft das legitime Recht auf Verteidigung zu» Die Angriffsfälle sollen vom „Rat der Kanzler“ in jedem Falle geprüft werden. In besonders dringenden Fällen kann auch der Direktionsausschuß der panamerikanischen Union an seine Stelle treten. Die Unterzeichneten können bis zur Schaffung dieser interamerikanischen Sicherheitsorganisation über individuelle Sofortmaßnahmen zur Unterstützung des angegriffenen Staates selbst entscheiden. Die panamerikanische Verteidigungszone erstreckt sich auf der atlantischen wie pazivischen Seite vom Nordpol bis zum Südpol. Das Südende der Verteidigungsgrenze im Atlantik verläuft auf halbem Weg zwischen Lateinamerika und Südafrika. hat ohne jeden Zweifel den Vertrag gebrochen, den es selbst am 27. Juni unterzeichnet hatte und den Rußland, seiner opportunistischen Politik getreu, jetzt bestätigt hat.“ In der Zwischenzeit ist die neue ungarische Regierung zurückgetreten. Der sozialdemokratischen Partei wurde die Übernahme des Erziehungs- und Außenministeriums angeboten. Die sozialdemokratische Partei fordert zugleich noch das Innenministerium, um die Polizei neu organisieren zu können. Gleichzeitig wird aus Budapest bekannt, daß der Führer der „Kleinen Landwirte“ verhaftet wurde. Der Verhaftungsgrund soll darin liegen, daß der Führer der Klein-Landwirte die Mitglieder seiner Partei zu einer scharfen Stellungnahme gegen die erfolgten Wahlverstöße aufgefordert hat. Friedensverträge ratifiziert LONDON — Nachdem sich die Russen zu der Ratifizierung der Friedensverträge mit den Satellitenstaaten bereit erklärt haben, wird der Austausch der Ratifizierungsurkunden in den nächsten Tagen vollzogen werden. Der sowjetische Kommentator erklärte dazu, daß die Unzufriedenheit, die die Nachricht von der Ratifizierung bei den angelsächsischen Mächten ausgelost habe darin begründet sei, daß die Vereinigten Staaten sich nunmehr den Bestimmungen des italienischen Vertrages fügen müßten, in dem es heißt, daß die ausländischen Truppen 90 Tage nach Inkrafttreten des Vertrages italienisches Territorium geräumt haben müssen. Ohne Zweifel würden derartige Umstände die amerikanischen Pläne beeinträchtigen, denn die Amerikaner hätten bereits die Entsendung neuer Truppenkontingente nach dem Mittelmeer vorbereitet. Zum Abschluß erklärte der Kommentator des sowjetischen Rundfunks: „Die internationale Reaktion sucht das Friedenswerk zu untergraben, aber die sowjetische Demokratie wacht mit aller Schärfe“. Zu viel vei langt FRANKFURT — Es sei zuviel verlangt, wenn die Vereinigten Staaten von Amerika neben der Sicherung der deutschen Existenz und der Finanzierung des Anlaufens der deutschen Wirtschaft auch noch die Kosten unreifer Sozialisierungsexperimente bestreiten sollten, heißt es in einer von der Landesleitung der LDP Hessen veröffentlichten Stellungnahme zu dem vom hessischen Wirtschaftsminister Dr. Harald Kock SPD entworfenen Plan zur Durchführung der Sozialisierung in Hessen. bemühen werden, die gesamte Saarkohlenerzeugung für Frankreich zu beanspruchen und darüber hinaus den bisherigen Prozentsatz der nach Frankreich zu liefernden Ruhrkohle aufrecht zu erhalten, um einen möglichst hohen Beitrag zum Wiederaufbau der französischen Wirtschaft zu sichern. Die amerikanische Militärregierung werde eine solche Zusicherung geben können, wenn der Prozentsatz der für die deutsche Wirtschaft bestimmten Kohlenmengen durchaus nicht verringert wird. Die Ausarbeitung einer neuen gleitenden Skala zugunsten Frankreichs könne, falls sich dies als erforderlich erweise, nur unter Aufrechterhaltung der deutschen Quote, d. h. nach Kürzung der Kohlenquote anderer europäischer Länder, erfolgen. Mit einer solchen Möglichkeit müsse durchaus gerechnet werden. Dem Ausgang der am 8. September in Berlin beginnenden Sachverständigenkonferenz sieht man in Paris mit großer Spannung entgegen. Man fragt sich, ob der in London von Frankreich verlorene Boden in Berlin wiedergewonnen werden kann, und ob Frankreich größere Zuteilungen an Kohle und Koks aus dem Ruhrgebiet - bewilligt werden. Allerdings wird auch die Frage erörtert, die in Berlin nicht zur Sprache gelangen wird, wo Frankreich die notwendigen Dollars hernehmen soll, um erhöhte Kohlen- und Kokslieferungen aus dem Ruhrgebiet zu bezahlen. Im Pazifik schließt der Gürtel die Galapagos-Inseln ein, schneidet den Äquator am 97. Längengrad, verläuft von dort aus parallel zur - Westküste Nordamerikas, schließt die Aleuten-Insel Attu mit ein, verläuft von dort zur Beringstraße und dann dem 170. Längengrad entlang zur Nordpol. Anläßlich der Unterzeichnung des panamerikanischen Verteidigungspaktes hielt Präsident Truman. der mit dem Flugzeug nach Rio de Janeiro geflogen war, eine Rede, in der er der Bereitschaft der USA. Europa zu helfen, Ausdruck gab. Dem USA-Präsi- denten wurde bei seinem Erscheinen vor dem Mikrophon eine lange Ovation bereitet. Obwohl noch viele Nationen einer ebensolchen Fremdherrschaft unterworfen seien, wie -die USA sie bekämpft haben, so erklärte Truman, glaubten die Vereinigten Staaten doch, daß die zur Zeit bestehenden internationalen Meinungsverschiedenheiten nicht durch einen bewaffneten Konflikt entschieden werden müßten. Nachdem der Präsident seinem Bedauern darüber Ausdruck verliehen hatte, daß in der Welt noch viele Nationen einer Art von Fremdherrschaft unterworfen sind und daß in Europa und Asien noch zahlreiche Völker unter der drohenden Gefahr einer fremden Agression leben, unterstrich er die • Notwendigkeit der militärischen Stärke der Vereinigten Staaten, die sie einzig und allein in die Lage versetzen könnten, ihren Verpflichtungen nachzukommen und ihren Kampf für den Frieden fortzuführen. Weiter erklärte Truman, daß die Vereinigten Staaten unmöglich allen europäischen Ländern in der gleichen Art und Weise wie Griechenland und der Türkei zu Hilfe kommen könnten. Sie beabsichtigen jedoch, Europa in wirtschaftlicher Hinsicht zu helfen. Truman betonte, daß die USA- Regierung sich der Notwendigkeit ihrer Hilfeleistung für Europa bewußt sei und daß die für nötig befundene wirtschaftliche Unterstützung Lateinamerikas in Form einer hauptsächlich privaten Beihilfe von seiten einiger nordamerikanischer Industrieller, Finanziers und Wirtschaftsgruppen durchgeführt werden könne. Er fügte sodann hinzu, daß der interamerikanische Verteidigungspakt die Bildung einer gemeinsamen Front aller amerikanischen Staaten gegen jeden Angreifer bedeute und schloß seine Ausführungen wie folgt: „Die alte Welt ist erschöpft. Ihre Zivilisation ist in Gefahr, ihre Völker leiden. Sie leben in Verwirrung und sind erfüllt von Angst für die Zukunft. Ihre Hoffnung muß sich auf unsere neue Welt stützen können. Beginnen wir unsere Aufgabe mit Entschlossenheit und Mut im Vertrauen auf unseren Schöpfer, dessen Willen der Frieden auf Erden ist.“ LONDON — In einer Rede vor dem Kongreß der „Trade Union“ verteidigte der britische .Außenminister Bevin den Grundsatz der Kontrolle der Arbeitskraft. Churchill habe zwar die Regierung wegen dieser Maßnahmen kritisiert, aber wann sei die menschliche Arbeitskraft jemals nicht gelenkt worden. Im übrigen sei der Grundsatz in einer Notzeit entstanden. Wie auch das Ausmaß des freien Unternehmertums während des alten Systems ge- . wesen sei, es hätte noch lange nicht die wirtschaftliche Freiheit für die Arbeiter bedeutet. Bevin befaßte sich anschließend mit außenpolitischen Fragen und sagte dazu: Man habe ihn beschuldigt, daß er versuchen würde, das Land an Amerika zu binden. Er sei aber hier, um aufzufordern, für die Unabhängigkeit zu kämpfen, denn er wolle, daß Großbritannien, sowohl vom Osten wie vom Westen unabhängig sei. Wenn aber keine ausreichende Produktion sicherstehen würde, könnte das Land seinen Platz in der Welt verlieren. In seinen Ausführungen über das Deutschlandproblem betonte Bevin, daß Großbritannien die Stärke seiner bewaffneten Streitkräfte in Deutschland nicht wesentlich herabsetzen kann, solange Leipziger Herbstmesse eröffnet LEIPZIG — Die Leipziger Herbstmesse wurde feierlich eröffnet. Der sächsische Wirtschaftsminister Fritz Selbmann erklärte, die diesjährige Messe stehe im Zeichen der großen Nöte, die das deutsche Wirtschaftsleben belasten. Die Schwierigkeiten in der Realisierung der auf der Messe erteilten Aufträge, die Versorgung der deutschen Wirtschaft mit den notwendigen Rohstoffen und Hilfsmaterialien, sowie die bis jetzt nicht vollständige Wiederherstellung internationaler Wirtschaftsbeziehungen drückten der diesjährigen Herbstmesse, wie allen anderen derartigen deutschen Veranstaltungen, ihren Stempel auf. Der Strom der Besucher zur Messe hat kurz. nach der Eröffnung eingesetzt. Fünf Sonderzüge aus Süddeutschland und Berlin machten den Anfang. Zu Beginn der Woche lief der erste Sonderzug aus dem . Ausland ein, der mehrere hundert Holländer von Amsterdam aus nach Leipzig brachte. Weitere 15 Sonderzüge erreichten aus der Westzone die Messestadt. Weiterhin sind Sonderzüge aus Schweden und England eingetroffen. Zahlreiche Besucher werden in den nächsten Stunden aus Norwegen, der Schweiz und der Tschechoslowakei erwartet. Sieben ausländische Staaten, Großbritannien, Frankreich, die Niederlande, Norwegen, die Schweiz, Schweden und die Tschechoslowakei unterhalten im „Messedienst“ eigene Büros, in denen der ausländische Interessent jede Auskunft erhält. In den Büros können auch die formalen Voraussetzungen für Geschäftsabschlüsse erledigt werden. Besonders stark ist das Interesse der Niederlande. Die Kirche als Mitarbeiterin VATIKAN — Präsident Truman hat an den Papst einen Brief gerichtet, in dem das Hauptthema die Probleme der Errichtung eines Friedens im Rahmen der Sittenordnung der Völker und die Milderung der Leiden der Menschheit ist. Der USA-Präsident betont in seinem Brief, daß die Aufforderung zur- Rückkehr Taylors nach Rom ’ und zum Meinungsaustausch mit dem Heiligen Väter auf seinen persönlichen Wunsch hin erfolgte. „Die Aufgaben die uns bevorstehen, fährt Präsident Truman fort, sind gewaltig. Wenn nicht die guten Kräfte der Welt heute ihre ganzen Energien vereinigen, wird die Entmutigung immer stärker, und die Macht und Wirksamkeit, die auf diese Weise den moralischen Kräften verloren gehen, werden ebenfalls diesen anderen Mächten, die das Gute nur zu zerstören suchen, zugute kommen . . . Ein dauernder Friede, so fährt Truman fort, kann nur auf den christlichen Grundsätzen auf gebaut werden. Als christliche Nation ist es rznser größter Wunsch, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die guten Willens sind, in dem einen Ziel, den Krieg zu bannen . . . Ich bat M. Taylor, Ihnen diese Ansichten zu übermitteln und Ihnen zu sagen, daß ich mit Eurer Heiligkeit wie mit jedem Führer des Guten in der Welt zusammen zu arbeiten wünsche.“ In seiner Antwort auf die Botschaft des Präsidenten Truman gab Pius XII. zunächst seiner Befriedigung Ausdruck „über diesen neuen Beweis der Bestürmung für ein freies und großes Volk, sich der wahren Aufgabe zu weihen, die Grundfesten des Friedens, den alle Völker der Erde so sehnlich wünschen, zu stärken“. Teilung' Palästinas vorgeschiagen GENF — Der Palästina-Untersuchungsausschuß der UN Unterzeichnete seinen Bericht über die Ergebnisse seiner Untersuchungen und übermittelte den Bericht und seine Empfehlungen der Vollversammlung der UN. Der von der Mehrheit des Ausschusses gebilligte Plan, sieht eine „Teilung mit einer Wirtschaftseinheit“ vor. Palästina soll danach einen arabischen, einen jüdischen Staat, und die „Stadt Jerusalem“ umfassen. Der arabische und der jüdische Staat sollen nach einer Übergangsperiode von zwei Jahren, die am 1. September d. J beginnen würde, selbständig werden. Vor der Anerkennung ihrer Unabhängigkeit müßten die beiden Staaten eine Verfassung annehmen, eine Erklärung an die UN über gewisse Garantien abgeben und einen Vertrag, der die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Staaten und eine Wirtschaftsunion Palästinas schafft, unterzeichnen. nicht eine, wirkliche und dauerhafte Lösung des deutschen Problems von den wichtigsten daran interessierten Großmächten angenommen worden ist. Im Zusammenhang damit wiederholte er, daß das Angebot, das er an Frankreich und die Sowjetunion richtete, sich an einer Verschmelzung der Zonen zu beteiligen, immer noch aufrecht erhalten bleibe. Er protestierte aufs energischste gegen die Verleumdungen derjenigen, die ihm eine Teilung Europas zum Vorwurf machen. „Die größte Gefahr" NEW YORK — „Der Kommunismus ist augenblicklich die größte Gefahr für die Vereinigten. Staaten“, so etwa lautet im wesentlichen die Resolution, die am Schluß des 29. Jahreskongresses der großen Organisation der ehemaligen Kriegsteilnehmer Amerikas, der „American Legion“ angenommen wurde. Darin heißt es unter anderem, daß das einzige Mittel zur Verhinderung eines Krieges darin liege, schnell und entschlossen zu handeln, nicht zu provozieren, aber im Falle eines aufgezwungenen Krieges eine klare Zielsetzung zu haben Kommunisten gewinnen in Ungarn Noch keine Zweidrittel-Mehrheit für den Regierungsblock „Die alte Welt ist erschöpft“ Unter Zeichnung des panamerikanischen Verteidigungspakteg Unabhängig von Ost und West Bevin öber die Innen- und Außenpolitik Englands Nr. 71 BADENER TAGBLATT Freitag, den 5. September 1947 Das Echo zum Industrieplan Zustimmung- und Ablehnung, Tatsachen und Hypothesen Kurze Nmhriditen BERLIN —i Generalmajor George P. Hays lat ln Berlin eingetroffen, um sein neues Amt als stellvertretender amerikanischer Militärgouverneur zu übernehmen. BERLIN — 50 000 Kranke aus den Bodelschwingh- ichen Anstalten bei Bernau wurden von deren Leitern Pastor Braune und Fritz von Bodelschwingh vor der Vernichtung gerettet, heißt es in einem Bericht der evangelischen Zeitschrift „Innere Mission“ über den Kampf der protestantischen Kirche gegen die Euthanasie-Aktion. MÜNCHEN — Die „Republikanische Union Deutschlands“ (RUD), deren Zulassung für ganz Bayern vor einigen Monaten durch den ehemaligen Chefredakteur Wolfgang E. Breithaupt beantragt wurde, erhielt durch die amerikanische Militärregierung für Bayern .die Lizenz für den Stadt- und Landkreis München. Die Partei, die sich vor allem für ein Zweiparteien-System in Deutschland einsetzt und außenpolitisch eine völlige Westorientierung fordert, wird jetzt auch in der britischen und französischen Zone Gründungsversammlungen abhalten. MÜNCHEN — Von der Spruchkammer Berchtesgaden-Land wurde Frau Elsbeth Todt, die Witwe des ehemaligen Reichsministers Dr. Fritz Todt, in die Gruppe der Aktivisten eingereiht und zu 2 Jahren Sonderarbeit und Einzug ihres Vermögens bis auf 10 000 Mark verurteilt. MÜNCHEN — Die CSU-Bayern wird zu dem Parteitag der CDU der Ostzone, der vom 14.—19. September in Berlin stattfindet, eine Abordnung entsenden. TÜBINGEN — Vor der großen Strafkammer in Tübingen begann der Prozeß gegen 12 Angeklagte, die im Jahre 1938 das Kesseltreiben gegen den Bischof von Rottenburg Dr. Johannes Baptista Eproll, eingeleitet und durchgeführt Tratten. BERN — Der Generalinspekteur der französischen Armee, General Lattre de Tassigny Ist in der Schweiz zu einem offiziellen Besuch eingetroffen. LONDON — 15 russische Frauen, die sich mit ehemaligen britischen Soldaten verheiratet haben, dürfen die Sowjetunion nicht verlassen, um zu ihren Männern nach ^Großbritannien zu fahren. Wie offiziell bekannt gegeben wird, ist diese Entscheidung der sowjetischen Regierung unwiderruflich. HENDAYE — Seit 1. September ist der Durchreiseverkehr durch Frankreich und Spanien für Personen, die sich ins Ausland begeben wollen oder Im Besitz eines von einem Konsulat ausgestellten Visums sind, zugelassen. Es handelt sich dabei um die erste Maßnahme bezüglich der Öffnung der französisch-spanischen Grenze. SPD sucht nach Verschwundenen 1 BERLIN — Eine Liste der Verschwundenen aus Berlin und der Ostzone wird von der sozialdemokratischen Partei. aufgestellt werden, kündigte der sozialdemokratische Parteivorsitzende von Berlin, Franz Neumann, während einer Rede in Berlin- Tiergarten an. Er forderte alle Berliner auf, Nachrichten über das Verschwinden von Angehörigen oder Bekannten der SPD zugehen zu lassen. Die Liste soll später General Clay überreicht tverden, der vor kurzem erklärt hatte, er habe keinen Beweis für politische Verfolgungen in der sowjetischen Besatzungszone. „Hier können wir ein'praktisches Beispiel dafür bringen“, so erklärte Neumann, „wie wenig die Leute, die uns regieren, von Deutschland wissen. Die Erklärung General Clays, er habe bisher noch keine Beweise für eine politische Verfolgung in der Ostzone erhalten, spricht für eine Ahnungslosigkeit, die für uns erschütternd ist.“ Pensionen aucj) für Flüchtlinge WIESBADEN — Durch den vom hessischen Kabinett verabschiedeten Erlaß des hessischen Finanzministeriums über die vorläufige Unterstützung der ehemaligen Beamten unter den Flüchtlingen werden diese den einheimischen Beamten gleichgestellt, erklärte Ministerialdirigent Karl Augustin vom hessischen Finanzministerium. Danach erhielten nun sowohl Beamte wie auch Lehrer und Pfarrer unter Vorbehalt der Zustimmung der amerikanischen Militärregierung bis zu einer endgültigen überzonalen Regelung Vorschüsse auf ihre Pensionsansprüche bis zu einem Höchstbetrag von 300 Mark monatlich. Auch für die aus Ungarn und Jugoslawien ausgewiesenen Beamten treffe diese Regelung zu. Kampf gegen das intern! Vor einem Jahr, am 19. Juli 1946. starb der sowjetische Arzt und Gelehrte A. A. Bogomolez, der sein ganzes Leben der Frage des Alterns und der Verhinderung des frühzeitigen Alterds und ' Sterbens gewidmet und geradezu eine Massenbewegung zum Studium und zur Lösung dieser Frage veranlaßt hat. Bogomolez glaubte bereits ln jungen Jahren, daß charakteristische Veränderungen im menschlichen Bindegewebe parallel laufen mit den Erscheinungen eines vorzeitigen Alterns. Als sich im Jahre 1926 bei einer Volkszählung > ergab, daß in der Sowjetunion nicht weniger als 8000 hundertjährige Menschen lebten und allein die Hälfte davon in dem kleinen Bergland Abchasien, gewann er die Ukrainische Akademie der Wissenschaft für seinen Vorschlag, zur Untersuchung dieser Hundertjährigen eine medizinische Expedition nach Abchasien zu entsenden. Tatsächlich konnte dort festgestellt werden, daß die Bindegewebe dieser alten Leute sich in einem auffallend guten Zustand befanden. Diese Feststellung war deswegen so wichtig, weil viele Zellen des menschlichen Körpers nicht vom Blut direkt, sondern durch die Bindegewebe ernährt und von' Schlacken befreit werden. Treten durch das Altern im Bindegewebe Veränderungen und krankhafte Erscheinungen ein, so hat das eine Minderung der Widerstandskraft des Organismus gegen Krankheit zur Folge. Als Mittel zur Erneuerung des Bindegewebes kam Bogomolez auf den Gedanken, ein Serum aus Pferdeblut in homöopathischen Dosen dem menschlichen Körper zuzuführen. Nach zwölfZfu dem von den Generalen Clay und Robertson veröffentlichten Plan der Erhöhung des deutschen Industrieniveaus erklärt „Le Monde“, daß der Plan verteidigungswert erscheine, weil er sich auf den im Jahre 1936 erzielten Stand der industriellen Produktion Deutschlands stütze. Dagegen erhebt das Blatt gegen den Zeitpunkt Einwendungen, an dem der Plan veröffentlicht* wurde. Die Londoner Konferenz der Außenminister werde erst in zwei Monaten stattfinden, und der industrielle Plan für die Bi-Zone lasse deren Mißerfolg vermuten. Noch sei nicht alles verloren. Man müsse sich bemühen, zwischen den vier Großen in London ein Einvernehmen zu erzielen. Würde man dort scheitern; so müßte man Deutschland wirtschaftlich in Westeuropa eingliedern und die notwendige Kontrolle schaffen, Auf einer Pressekonferenz in Berlin erklärte General Clay im Beisein des englischen Militärbefehlshabers. Sir Douglas, er glaube, daß die Franzosen gegen die Stahlerzeugnisse von 10,7 Millionen nichts einzuwenden hätten und nehme an, daß die Notwendigkeit einer Erhöhung des deutschen Industrieniveaus erkannt worden sei. Die Franzosen haben nach Ansicht des General Clay in London das Problem der Sicherheit nicht in dem Maße betont, wie erwartet werden konnte. Der sowjetische Rundfunk kommentierte den neuen Industrieplan wie folgt: „Es ist offensichtlich, daß dieser Plan, entgegen den Potsdamer Beschlüssen, zur Wiederherstellung des deutschen Kriegspotentials führt und daher eine Bedrohung der Sicherheit Frankreichs dar§tellt. Bei den Londoner Besprechungen trat der offensichtliche Widerspruch klar zu Tage, der zwischen dem englischen und amerikanischen Plan über die Wiedererrichtung des deutschen Kriegspotentials und der Einsetzung einer amerikanischen Kontrolle für das Ruhrgebiet einerseits und den Bedürfnissen der französischen Sicherheit ändererseits besteht.“ In Polen fand der Industrieplan eine schlechte Aufnahme. Der Sprecher der polnischen Regierung erklärte, Polen beabsichtige auf Grund des anglo- amerikanischen Beschlusses, die deutsche Industrieproduktion zu erhöhen, gewisse Maßnahmen zu treffen. Die deutschen Stimmen sind vielfältig. Der bayrische Wirtschaftsminister, Dr. Rudolf Zorn, be- zeichnete den necken deutschen Industrieplan als einen beachtlichen Schritt zur Normalisierung der EICHSTÄTT — Die Landesversammlung der CDU wurde beendet. Als Gesamtergebnis der Eichstätter Tagung darf man feststellen, daß nunmehr eine Klärung in der Haltung der einzelnen Politiker innerhalb der CSU einget^eten ist. Es scheint auch, als ob die Gegensätze nicht so tiefgreifend gewesen 'seien, als dies noch vor der Eichstätter Tagung allgemein angenommen worden war. Die meistgeachtete politische Figur- und der ruhende Pol in Eichstätt war der bayrische Ministerpräsident Dr. Hans Ehard, der nicht nur in einer mit großem Beifall aufgenommenen Rede die Einheit der Union als wichtigste Forderung herausstellte und die Politik seiner Regierung darlegte, sondern der darüber hinaus immer wieder in die Diskussionen klärend und bestimmend eingriff und somit an dem Erfolg der Eichstätter Tagung wesentlichen Anteil hatte Dr. Ehard hatte in seiner Rede u. a. auch die Münchener Ministerkonferenz berührt. Er sagte dabei, daß für die gesamten deutschen Regierungen eine außergewöhnlich peinliche Situation eingetreten sei, als der alliierte Kontrollrat die Abordnung der von ihm einberufenen Münchener Mi- nisterpräsidenten-Konferenz nicht empfangen konnte. Diese Situation hätte nur deshalb ertragen werden können, weil es offenkundig sei, daß es sich hierbei um den „Ausfluß von Internationalen Vorgängen“ gehandelt habe, auf welche die deutschen Regierungen kämen Einfluß hätten. Es werde den Deutschen zur Zeit immer vorgeworfen, erklärte Dr. Ehard, sie ließen es an der notwendigen Initiative fehlen, hier aber sehe man die Geschichte einer deutschen Initiative. Im weiteren Verlauf seiner Rede setzte Sich der bayerische Ministerpräsident für einen föderativen Aufbau Deutschlands ein und erklärte, (laß die neue Einheit Deutschlands nicht eine Aneinanderreihung und die Summe von Partijährigen Versuchen war er endlich soweit, Versuche am menschlichen Körper vorzunehmen, und auf einer großen .medizinischen Tagung in Kiew wurden 100 Berichte über diese Versuche angehört und besprochen, und das „AZS“ genannte Serum wurde als ein hervorragendes Heilmittel anerkannt. Im letzten Kriege bewährte es sich außerordentlich und hat Tausenden von Schwerverwundeten das Leben gerettet. In der Sowjetunion ist es jetzt ein anerkanntes Heilmittel. Bogomelez sieht aber im vorzeitigen Altern nicht nur ein medizinisches, sondern auch ein soziales Problem. Drückende Sorgen, der Kampf um das tägliche Brot, übergroße Arbeitszeit hat er als Ursachen erkannt „Vorbeugen ist leichter als heilen“, sagt auch dieser Gelehrte, Und sein origineller Ausspruch lautet: „Der Mensch ist so alt wie sein Bindegewebe ist". Quecksilber-Kraftwerk i g ZÜRICH — Der in der Schweiz lebende Dr E. Kaufmann hat, nach einem Bericht der Basler „National-Zeitung“ ein Patent für eine Anlage zur Gewinnung elektrischer Energie nicht durch Wasserkraft, sondern durch Quecksilber angemeldet. Das Quecksilber bewegt eine Spezialturbine, wobei das Quecksilber nicht abfließt, sondern durch die erzeugte Energie wieder zum Ausgangspunkt zurück gehoben wird. Dabei wird ein wirtschaftlich interessanter Energie-Überschuß abgegeben. Eine Anlage wie das schweizer Grimsel-Kraftwerk. das 1700 m Höhenunterschied zwischen Stauen und Turbine aufweist, würde, auf Quecksilber-Betrieb umgestellt, nur einen Höhenunterschied von 76 m brauchen, um die gleiche Energiemenge zu erzeugen. deutschen Wirtschaft. Demgegenüber stellt Walter Ulbricht, Mitglied des Zentralsekretariats der SED, in einem Artikel des SED-Pressedienstes fest, es sei bezeichnend, daß in dem Plan kein Wort über das demokratische Bestimmungsrecht der Arbeiter stehe. Der Oberbürgermeister von Nürnberg, Hans Ziegler, erklärte, er halte den neuen Wirtschaftsplan für einen Fortschritt gegenüber dem bisherigen Zustand. „Die Alliierten werden sich noch davon überzeugen müssen“, so fuhr er fort, „daß noch größere Erweiterungen und Zugeständnisse notwendig sind, wenn Deutschland sich selbst erhalten, wenn es den Wiederaufbau seiner Städte durchführen und, wenn es Reparationen leisten soll“. Die „Rhein-Neckar-Zeitung“ schreibt, das deutsche Volk erwarte nicht, daß es schon am Ende seiner Wanderung durch ein tiefes Tal wirtschaftlichen Notstandes angekommen sei. Es sei aber ein himmelweiter Unterschied, ohne Hoffnungen , zu sein oder wieder ein Ziel vor Augen zu haben, für das zu leben und zu arbeiten sich lohnt. „Industrieplan Nummer zwei, ein enttäuschender Fortschritt“' überschreibt Gerhard Kreysig, einer der Vertreter Bayerns im Wirtschaftsrat, in der „Süddeutschen Zeitung“ einen Leitartikel zur Neufestsetzung des Industrieniveaus der britischen und amerikanischen Besatzungszone. „Es will uns scheinen“, schreibt er, „daß die beiden vereinigten Westzonen mit einer „Importhypothek“ belastet worden sind und zugleich Exportverpflichtungen zu übernehmen haben, die in ein gesünderes Verhältnis zur Produktionskraft hätten gesetzt werden können, wenn man dieser selbst größeres, Gewicht gegeben hätte.“ Unterernährung wird gemessen BAD NAUHEIM — Zur Feststellung des Standes der Unterernährung ln Deutschland werden' Anfang 1948 wissenschaftliche Messungen des Kalorienverbrauchs der deutschen Bevölkerung durchgeführt. Die amerikanische Militärregierung für Deutschland, die eine derartige Untersuchung verschlug, beauftragte den Leiter des Kerckhoff-In- stitutes Bad Nauheim, Professor Hans Schaefer, mit der Durchführung des Projektes, das während der ersten vier Monate des kommenden Jahres in allen Großstädten der US-Zone und im amerikanischen Sektor Berlin verwirklicht werden soll. kularismen sondern eine „höhere Einheit mit einem universalen Zug“ sein solle. Eine der wichtigsten Diskussionen der Landesversammlung ergab sich bei der Erörterung der Kulturpolitik des bayrischen Kultusminister, Dr. , Alois Hundhammer. Dieser hatte in seiner Rede gegen verschiedene Presseangriffe Stellung genommen und zu einzelnen Punkten seiner Kulturpolitik Erklärungen abgegeben. Als Erfolg dieser Rede konnte nach der Diskussion ein Abstimmungsergebnis gewertet werden, das dem Minister das Vertrauen aussprach. Zusammenfassend können folgende Ergebnisse der Eichstätter CSU-Landesversammlung herausgestellt werden: Der bisherige Landesvorsitzende, Dr. Josef Müller, wurde mit 308 gegen 192 Stimmen bei JO Stimmenthaltungen in seinem Amt bestätigt. Die Kulturpolitik Dr. Hundhammers wurde mit 323 gegen 194 Stimmen bei 25 Stimmenthaltungen gebilligt, der bayrische Ministerpräsident Dr. Hans Ehard und der bayrische Landwirtschaftsminister Dr. Josef Baumgartner wurden durch ein einstimmiges Vertrauensvotum in ihrer Politik gestützt. Ein Wirtschafts- und Sozialprogramm mit Vorschlägen für einen sozialen' Lastenausgleich wurde gegen 19 Stimmen bei 73 Enthaltungen angenommen. Alle Vorschläge auf eine Satzungsänderung — darunter die Frage nach zwei stellvertretenden Landesvorsitzenden und die Trennung zwischen den Ämtern des Fraktionsvorsitzenden und eines Ministers — wurden dem Landesausschuß überwiesen, der entsprechende Vorschläge bis zur nächsten Landesversammlung mit den Ministern ausarbeiten soll. Da das Vertrauensvotum für Hundhammer am schwächsten ausfiel, glaubt man, daß diese Tatsache in den kommenden Verhandlungen mit der sozialdemokratischen Partei über die Fortführung der Koalitionspolitik nicht ohne Einfluß sein wird. Durch Eihbau einer Spezialanlage soll die Erfindung auch in schon bestehenden Kraftwerken verwendet werden können. Maya-Tempel in Yucatan entdeckt g NEW YORK — Elf bisher imbekannte Maya- Tempel sind auf der mittelamerikanischen Halbinsel Yucatan gefunden worden, , die zwischen 495 und 672 nach Christi Geburt errichtet sein dürften. Die ausgezeichnet erhaltenen Wandmalereien in den leuchtenden Farben rot, gelb, ocker, grün, blau stellen Könige, Priester und Krieger sowie Hieroglyphen und astronomische Zeichen dar. Der Indio, der die Expedition führte, hatte auffallende Ähnlichkeit mit den Mayas der Wandmalereien und gehörte dem Stamm der Lancandon an, die ihre Abstammung von den Mayas herleiten. Vitamin A — künstlich! DEN HAAG — Den holländischen Chemikern Dr. J. F a r c u s und Dr. van Dorp von der N. V. Organon, einer chemischen Industrie-Gesellschaft, ist es nach langjährigen Bemühungen gelungen, das Vitamin A, das schon 1913 entdeckt wurde und dessen Zusammensetzung seit ,1939 bekannt war, nunmehr auch synthetisch herzustellen. Bisher konnte das für medizinische Zwecke und zur Vitaminisierung von Lebensmitteln nötige Vitamin A nur aus dem Lebertran gewonnen werden. Spinnen mit der Nähmaschine ha. DRESDEN — Ein 21jähriger Thüringer Student, Friedrich Legrom, hat einen einfachen Spinnapparat konstruiert, der durch jede Nähmaschine angetrieben werden kann. Er beansprucht nur wenig Material, und kann billig zum Verkauf kommen. Praktische Erprobung durch spinngewohnte Bäuerinnen ergab seine leichte VerwendbarDie Gegensätze waren nicht so tief Landesversammliuig der bayerischen CSU abgeschlossen TECHNIK UND WISSENSCHAFT Sokolowski aus Köpenick Vor nicht 8 Tagen wußten die britisch lizenzierten deutschen Zeitungen zu berichten, Marschell Soko- lowtki, der sowjetische Militärgouvernenr in Deutschland besuche die Handelsmesse in Hannover. Die Meldung war überraschend genug, denn wenig vorher hatte man aus dem Osten eine nicht gerade freundliche Begleitmusik zur Eröffnung der „Kon- kurrerizmesse“ vernehmen müssen. Außerdem war der Marschall nicht eingeladen und man hatte ihn auch nicht erwartet. Da er aber nun einmal kommen wollte, mußte sein Empfang vorbereitet werden. Presse und Rundfunk schickten Sonderkorrespondenten, illustrierte Zeitungen und Fotoagenturen bestellten Bilder. Am nächsten Tag erwartete man den Ehrengast. Indessen, Marschall Sokolowski kam nicht. Es stellte sieh heraus, daß man einer Köpenickode, nicht weniger witzig als jener des die Kasse beschlagnahmenden Hauptmanns zum Opfer gefallen war. Am 26 August nämlich hatte der Direktor der Messe den Besuch eines Mannes erhalten, der sich als Chauffeur des MarschaUs ausgab und dabei erklärte. Sokolowski werde in den nächsten Tagen die Messe besuchen. Der Mann wurde, wie berichtet wird von der Messeverwaltung mit großem Aufwand bewirtet, war aber dann, als man darangihg den hohen Gast zu empfangen, so wenig mehr zu sehen, als der angekündiüte sowjetische Militär- gouverneur. Man wird die Begebenheit in die Reihe jener amüsanten Anekdoten efnreihen, bei denen es nicht so sehr auf den unverfälschten Wahrheitsgehalt ankommt, als vielmehr auf die Treffsicherheit, mit der die Atmosphäre gekennzeichnet wird. Denn darüber, daß hier mit einer fast schmerzlichen Genauigkeit die uns oftmals vom Ausland nachgesagte Servilität offenbar wird, besteht wenig Zweifel. Der Besuch eines Mannes, der sicht mit der Glorie des Chauffeurs des russischen Befehlshabers zu umgeben wußte, hat genügt, um den Direktor des Messeamtes in erhebliche Unruhe zu stürzen. Niemand wird sich eines Lächelns erwehren können. Ob man freilich Hur darüber lächeln darf, ist eine andere Frage. Der Geist jenes blinden Gehorsams, den der Schuhmacher aus KöpeHick im Gewand des preussischen Hauptmanns ad absurdum führte, geht immer noch tim. Man kann sich bei uns solche und ähnliche Fälle in anderem Kostüm und auf anderer Szene ohne Schwierigkeiten vorstelien. Vielleicht bereitet es noch nicht einmal Mühe zu beweisen, wo und wann der menschliche Verstand und die Vernunft ganz ähnlich der Ergebenheit vor dem Nimbus ihre bedenkenlose Referenz erwiesen haben. Vielleicht vor dem Schalter, auf dem Amt oder vor der Uniform. Es gibt genügend Möglichkeiten. Die Hoffnung, daß dieser Zustand bald einer selbstbewußten Verantwortlichkeit Platz machen möge, ist bescheiden. Schade, daß es uns immer wieder so schwer fällt, das rechte Maß zu finden. Die Spanne zwischen serviler Unterwürfigkeit und gebotenem Takt ist so groß — und offenbar doch so mühsam zu finden. - „Bayern den Bayern* Bayernpartei stellt Parteiprogramm auf MÜNCHEN — Die Bayernpartei des Münchner Kriminalkommmissars Ludwig Lallinger, die seit einiger Zeit durch ihre Plakate „Bayern den Bayern" von sich reden gemacht hat, i beschloß nunmehr, ihr Parteiprogramm aufzustellen. Danach ist ein vollständiger Neuaufbau des bayrischen Staates von unten herauf geplant, der lediglich die wirtschaftliche Einheit Deutschlands berücksichtigt. Weiter wird die Ausweisung aller nach Bayern Evakuierter, ausschließlich der Flüchtlinge, und die politische Überprüfung aller Niehtbayem gefordert. Die Bayempartei, die eine freie Wirtschaft fordert, setzt sich für die Vereinigten Staaten von Europa und für eine Weltregierung ein. Lemmer bei der SMA BERLIN — Der Besuch bei Marschall Solkowski habe einige Schwierigkeiten aus dem Wege geräumt, die in den letzten Monaten im Verhältnis det* CDU zur SMA sichtbar geworden seien, erklärte der zweite Vorsitzende der CDU, Ernst Lemmer, einem Presse-Vertreter auf die Frage über das Ergebnis der Besprechungen zwischen den beiden Vorsitzenden mit Marschall Sokolowski. Verlag und Chefredaktion: Karl Heinz Lembk« — Stellvertr. Chefredakteur: Dr. Hermann F. Geiler Druck: E. Koelbltn KO. Baden-Baden Erscheinungsweise 2mal wöchentlich keit Die Nähmaschine wird aufgeklappt, der Apparat auf die Öffnung gesetzt und durch das Fußpedal der Nähmaschine mittels einer einfachen Schnur angetrieben. Der Erfinder hat mit der „Volkssolidarität Thüringen“ Verbindung aufgenommen, damit die Erfindung durch dieses Hilfswerk zum Nutzen für alle wird. PflanzenzüChtung mit Röntgenstrahlen Das Institut für praktische Pflanzenzüchtung ia Quedlinburg führt neue Versuche auf dem Gebiet der Pflanzenzüchtung durch. Man behandelt die Pflanzen mit Röntgenstrahlen, um ihre inneren Werteigenschaften, die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und Witterungseinflüsse, Ergiebigkeit, Geschmack und Vitamingehalt zu prüfen. Umwälzendes Mittel gegen Gelbsucht MÜNCHEN — Dem 35jährigen Chefarzt im Ver schlepptenlager Neu-Freimann bei München, Dt Heinrich Sprung *„tet es jetzt gelungen eine Ba- zillen-Aufschwemmunfl mit antibiotischer Wirkung gegen Gelbsucht, Gallenleiden und chronische Obstipation zu entdecken. Das Mittel zeigt schon nach wenigen Tagen überraschende Erfolge und wird auf diesem medizinischen Gebiet umwälzend wirken. Prof. Hans Meyer 70 Jahre g MARBURG — Der deutsche S t r a h I e n f o r - scher und Direktor der Strahlenklinik der Universität Marburg, Prof. Dr. med. Hans Meyer Ist 70 Jahre alt geworden. Er gehört zu den Bahnbrechern der Strahlenheilkünde und hat von allem die erfolgreiche Röntgenbestrahlung des Brustkrebses der Frau entwickelt. Seit 35 Jahren gibt er das international berühmte „Archiv der Strahlentherapie“ heraus, von dem schon 75 Bände vorliegen- Nr. 71 BADENER TAGBLATT 5. September 1947 Überall in der Welt sind die Konferenztische, an denen Verträge und Pläne beraten und unterzeichnet werden, aus edlem Holz, spiegelglatt und aufs feinste poliert. Die Arbeitstische in den Werktstätten sind roh zusammengezimmert und, rauh. An dyn Maschinen stehen Männer im blauen Anton mit rissigen Händen, geschwärzten Gesichtern. In den Polstersesseln vor den sorgfältig geschichteten Aktenbündeln sitzen gutgekleidete Männer mit ruhigen Mienen und dampfenden Köpfen. Diese wie jene setzen ihr ganzes Können ein, ihre Fähigkeiten, ihre Kräfte. Hier fehlt das rechte Wort, die ausgleichende Fassung; sie wird gesucht und schließlich ln einem verbindlichen Satz gefunden, einmal schlechter, das andere Mal glücklicher. Dort mangelt es am Material, an der nötigen Versorgung mit Strom; sie wird gesucht und man hilft sich so gut man kann. So sehen wir den Unterschied zwischen den theoretischen Beschlüssen, durchaus auf Erfahrungen gegründet, aber doch bedingt in statistischen Zahlen und der Praxis, die es nicht duldet, die notwendige aber fehlende Schraube durch eine andere, zufällig vorhandene zu ersetzen. Die Wirk- iichkeit greift ein und wirft alles über den Haufen, ähnlich wie die katastrophale Dürre dieses Jahres alle Verteilungspläne zu nichte machte, mögen sie noch so sauber und sorgfältig ausgearbeitet sein. Nicht die Vorschläge und Pläne entscheiden letzten Endes, sondern die Durchführung in der Wirklichkeit, nicht der Buchstabe, sondern der Geist, nicht der Wille des Einzelnen, sondern das Wollen der Gesamtheit. Diese Erwägungen wollen wir ebenso wenig außer acht lassen, wenn wir die gegenwärtige Lage betrachten, wie die Tatsache, daß die Not zum mindesten ganz Europa, wenn nicht die halbe Welt betrifft und daß alle unterschiedslos bemüht sind, die Krise in jeder Hinsicht zu meistern. Ende März 1946 wurde der Industrieplan bekanntgegeben, der den Grund für den wirtschaftlichen Aufbau darstellen sollte. Wer nicht in dem Wahn befangen war, daß uns für den von der nationalsozialistischen Manie zur Macht heraufbeschworenen Krieg noch eine besondere Belohnung gebührte, war sich klar darüber, daß die Bestimmungen über die zu leistenden Reparationen hart, sehr hart sein würden, dabei jedoch nach all dem, was seit 1918 geschehen war leider nur zu verständlich. Immerhin war damit der sogenannte Morgenthau-Plan, der aus der deutschen Erde einen einzigen Kartoffelacker machen wollte, überwunden. Das war schon viel wert. Wer die Dinge mit kühler Sachlichkeit und einig«»"Optimismus beurteilte, sagte sich überdies, daß eben die tatsächliche Entwicklung stets stärker ist als die mehr oder minder theoretischen Pläne, wie wir dies schon eingangs dargelegt haben. Die zu erwartenden Verzögerungen, die Enttäuschungen blieben nicht aus, die Unsicherheit wuchs und damit ganz allgemein der Wunsch nach einer Revision. So kam es schließlich und endlich zu den Dreierbesprechungen in London und der Festlegung der neuen Produktionsquoten, die sich recht schön und gut ausnehmen und deshalb von manchen auch als Silberstreif am Horizont, als Schritt nach vorwärts angesprochen werden. Wir gehören gewiß nicht zu den Pessimisten und wir erhoffen und erwarten deshalb auch eine günstige Weiterentwicklung. Indessen möchten wir zwei Punkte, die unseres Erachtens nicht nur die äußerliche Schönheit, sondern auch das Bild vom Wesen des neuen Planes trüben, nicht .übersehen Das erste bedauerliche Moment sehen wir in dem klaffenden Unterschied zwischen den am Konferenztisch festgesetzten neuen Produktionszahlen und Jen bisher in den Gruben und Werkstätten tatsächlich erzielten Leistungen. Was nützt gewissermaßen äer Berechtigungsschein, wenn die notwendigen Voraussetzungen wie Arbeitskräfte und dergleichen fehlen, um die Berechtigung ausnützen zu können. Gewiß, man will die gegebenen Zahlen erst in vier Jahren erfüllt sehen, es bleibt also eine geraume Frist, aber trotzdem auch eine gewisse Problematik. Der Druck der Gegenwart wird jedenfalls nur dann gemildert, wenn wenigstens Ansätze zur Steigerung recht bald spürbar werden. Der Mangel an den dafür nötigen Hilfsmitteln, von denen in dem Plan nichts gesagt ist, läßt an der baldigen Verwirklichung einer solchen Besserung zweifeln. Fast noch betrüblicher ist die Tatsache, daß der Plan nur die Unterschriften von General Lucius D. C1 a y und Sir Sholto Douglas trägt. Freilich, auch hier sind noch alle Möglichkeiten offen. Der Plan ist, wie die beiden Oberbefehlshaber der amerikanischen und britischen Zone einleitend betonen, Die besoffenen Kerle Wenn ich die Nationen im Krieg erblicke, so ist iS, als ob ich besoffene Kerle sehe, die sich im Porzellanladen mit Knüppeln herumschlagen. Denn nicht genug damit, daß sie an den Beulen lange zu heilen haben, so müssen sie hinterher noch allen Schaden bezahlen, den sie anrichteten. David Hume. Der Friedensfreund von Montmajour 1932, im silbernen Land der Provence. Heute sehe ich ihn noch so leibhaft vor mir, wie er damals vor mir stand. Aus seinem tief braun gebrannten Gesicht blitzten mich ein paar kohlschwarze Augen mit vergnügter Lebhaftigkeit an, auf seinem mächtigen Schädel prangte eine uralte Baskenmütze, und beim Sprechen schob er eine mit gefährlich schwarzem Tabak gefüllte Zigarette von einem Mundwinkel in den anderen; das Einprägsamste an seinem Gesicht jedoch war das immer etwas ironisch belustigte Lächeln, das in den Augenwinkeln festgewachsen schien und das die Provenzalen so oft in ihren Gesprächen als letztes, unwiderlegbares Argument gebrauchen. Der Mann also, der mich mit diesem Lächeln ii seinem Reich empfing, war nichts mehr als Wächter der alten Abtei. Montmajour, deren Ruinen nur ein paar Kilometer von Arles entfernt stehen. Montmajour ist keine sehr besuchte Sehenswürdigkeit und der Wächter führte zwischen seinen Prospekte, und Ansichtskarten ein sehr geruhsames Dasein. Dennocn luhnt es sich, von meiner flüchtigen Begegnung mit diesem Mann zu erzählen. Heute noch BADENER TAGBLATT Freitag, den 5, September 1947 so abgefaßt, daß er in ein Programm für alle Zonen eingefügt werden kann. Zum anderen werden die Verhandlungen ja in Berlin weitergeführt, so daß auch auf diese Weise noch eine Entwicklungsgelegenheit geboten ist. Davon abgesehen muß indessen doch einiges Grundsätzliche gerade dazu gesagt werden, daß sich Frankreich nicht zur Unterzeichnung des Dokuments entschließen konnte. Auch wer nicht zu den Anhängern der These von der Notwendigkeit der französisch-deutschen Zusammenarbeit im Sinne einer besseren Zukunft Europas zählt, wird sich der zwingenden Logik der folgenden Darlegung nicht entziehen können, es sei denn, daß es ihm, vergiftet von nationalistischer Ideologie, an politischer Urteilskraft völlig mangelt. Auf dem Jahresfest des Alldeutschen Verbandes INS wurde der Krieg mit Frankreich als „unvermeidlich", als „notwendig für die deutsche Ellenbogenfreiheit“ bezeichnet. Was sagte Bethmann- Hollweg zum Einmarsch deutscher Truppen in Belgien? Versicherte nicht Adolf Hitler hoch und heilig, daß er nie an Elsaß-Lothringen denke? Wird irgend jemand einem Partner vertrauen, der mehr als einmal Wort und Vertrag gebrochen hat? Denken wir weiter an die Entwicklung von 1919 bis 1939, erinnern wir uns daran, daß es damals für jeden objektiven Betrachter klar war, daß Frankreich keineswegs gerüstet war, daß es also den Krieg bestimmt nicht wollte. Dann können wir es dem französischen Volk nicht verargen, wenn es gegen alle Eventualitäten gesichert sein will; denn wir bleiben immer seine Nachbarn, auch wenn die amerikanischen und englischen Besatzungstruppen längst in ihre Heimat zurückgekehrt sein werden. Wer es ernst und gut mit seiner deutschen Heimat meint, der muß sich aus tiefster Überzeugung zu der Notwendigkeit bekennen, daß alles geschehen muß, daß die beiden Nachbarnationen endlich und für immer in friedsamer Zusammenarbeit leben. Voraussetzung dafür ist, daß wir Frankreich die Sicherungen freimütig zuerkennen, auf die es nach dem, was geschah, gerechtfertigten Anspruch hat. Denken wir dabei Die Menschheit und insbesondere wir Deutschen leben in einer schweren geistigen und seelischen Krise. Sie läßt sich seelisch vielleicht am besten als Neurose deuten. Merkmal dieser Krankheit ist, daß der Kranke die Welt und seine Umgebung anders sieht, als sie in Wirklichkeit sind, so daß er in einer ständigen Spannung, vor allem Gegnerschaft, zu diesen lebt Doch ist dieser Zustand Im allgemeinen nicht beharrend, das heißt, er wechselt zwischen Licht-, Schatten- und Verdunkelungszuständen. Wie bei allen schweren Krankheiten ist auch hier zwecks Heilung die Wahl des richtigen Arztes und Findung der richtigen Heilmethode von höchster Bedeutung, weil diese nicht nur die richtige Diagnose, sondern auch die genaue Kenntnis des Patienten und seiner Reaktionen auf .die Behandlung voraussetzt. Dazu kommt seitens des Patienten als außerordentlich wichtiger Faktor das Vertrauen. In dieser Hinsicht wurden wir bisher im großen ganzen enttäuscht. Außerdem sind unsere Ärzte in der Methode und Beurteilung der Krankheit sich nicht einig. Dadurch wird der Kranke in seinen Zwangsvorstellungen nur bestärkt und sein Zustand verschlechtert sich, statt sich zu bessern. Nun ist es klar, daß in einem Volk nicht jeder einzelne in gleichem Grade und in gleicher Richtung von der Krankheit, die in unserem Falle sehr verschiedener Art und Natur sein kann, befallen wird. Und wie es beim einzelnen Neurotiker Lichtblicke gibt, so können auch in einem Volk einzelne Glieder individuell und standesweise von der Krankheit mehr oder weniger unberührt bleiben. Deren Aufgabe wird es dann, durch Wort und Beispiel ihrem Volk als Leiter und Berater, ja als Ärzte zu dienen, vor allem durch Beispiel, indem sie mit einer Riesengeduld alle Irrungen ihrer Mitmenschen und Unbilden der Zeit ertragen und damit den Beweis liefern, daß vieles entweder anders ist wie andere sich es vorstellen, und daß bei klarer Sicht auch diese Mühsale mutig überwunden werden können. Daß dazu viel Geduld, Ausdauer und ein unverwüstlicher Optimismus gehören, ist in unserer Lage klar; aber da nur eine Minderheit von der Neurose befallen ist, so besteht je nach dem Grad der Krankheit die Aussicht, daß der weniger beschwerte Teil des Volkes durch das Beispiel der Mutigen zur Selbst* kritik, Selbstbeherrschung und Selbsterziehung gelangt und so allmählich wieder das Ganze in gesündere Bahnen einmündet. In solcher ^.age erwachsen vor allem der Beamtenschaft, aber auch daran, daß auch Frankreich nach den unendlichen Leiden des Krieges einen schweren Kampf um seine wirtschaftliche Zukunft zu führen hat, daß ihm deshalb auch, so bitter dies für uns sein mag, Wiedergutmachungen zustehen. Die Anerkennung dieser grundsätzlichen Forderungen wird das französische Volk eher zu einer verständnisvollen Zusammenarbeit mit uns bringen, als es jene il^uben, die in den nationalistisch-militaristischen Ideen verstrickt, nur das Trennende sehen wollen. Die jüngste Zukunft zeigt einerseits die großzügige Geste der Franzosen, die die Besatzungskosten so erheblich gemindert haben, zum anderen' daß auch an der Seme noch lange nicht Milch und Honig fließt, wie so manche leichtfertig oder böswillig behaupten. Auch in deutschen Großstädten ist bekanntlich in unmittelbarer Nähe der schlimmsten Not gegen teueres Geld alles zu haben. Die Herabsetzung der Brotration in Frankreich sagt für den, der unvoreingenommen urteilen will, genug. Die Schatten des Krieges liegen auch dort noch tief und dunkel Wir möchten bestimmt glauben, daß wir Beweise von der Großmut und der Menschlichkeit der französischen Nation empfangen werden, sobald sich diese Not der Nachkriegszeit mildert, sobald die Krise überwunden ist, in die uns das Schicksal durch das Zusammenwirken aller möglichen Momente heute geworfen hat. Dann wird sich auch der Schatten, der auf Grund des Abseitsstehens Frankreichs jetzt noch auf dem neuen Industrieplan und der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung liegt, bannen lassen. Entscheidend ist auch hierbei letzten Endes nicht ein noch so schön paraphierter Plan, mit goldener Feder und einem Füllhalter aus Achat unterzeichnet, sondern die lebendige Wirklichkeit, nicht das Verhalten Einzelner, sondern das Wollen aller Gutgesinnter hüben wie drüben. Darum wollen wir alles tun, um alte Irrtümer und Fehler zu vermeiden, damit die Brücke über den Rhein endlich und endgültig die ihr im Sinne einer europäischen Völkergemeinschaft zukommende Bedeutung erhält. K. H. Lembke. der Geschäftswelt natürlich auch der Presse, besondere Aufgaben, die wir im folgenden kurz umreißen möchten, soweit dafür die Beamtenschaft in Frage kommt. Natürlich ist nicht ausgeschlossen, daß auch Beamte selbst teilweise oder ganz von der Krankheit befallen werden, aber auf Grund ihrer Kenntnisse ihrer Stellung und ihres Einblicks in die verschiedenen Zweige des Lebens sind sie doch besser befähigt, die richtiger zu beurteilen, als der einsam und abseits dahinlebende Laie. Unter „Beamte“ verstehen wir dabei eine Person, die durch Berufung, also inneren Antrieb und wahre Neigung, nicht aus Berechnung oder durch Konjunktur, in ein Amt gelangte und dieses nun mit allen Pflichten und Beschwerden ehrlich und redlich verwaltet, und nicht bei etwaiger Enttäuschung oder falscher Berufsauffassung ihren Ärger oder Überhebungsdünkel an der „Kundschaft“ abreagiert. Hat doch der Beamte selbst kein geringes Interesse daran, daß der Ast, auf dem er sitzt, gesund und tragfähig ist und bleibt. Und so erwächst innerhalb der Beamtenschaft besonders jenen, die nach außen durch Verordnungen oder persönliche Dienstleistung den Staat verkörpern, eine hohe Verantwortung, gilt doch vielen Mitmenschen die Beamtenschaft geradezu als der Staat. Wir wollen hier nicht darlegen, welche Fehler hier möglich sind, man möge sie an dem ablesen, was wir als positive Forderungen an die Beamtenschaft aufstellen. Eine Grundforderung an den Staatsbeamten ist die des Bewußtseins: „Ich diene“ und nicht „ich herrsche!“ Mit andern Worten: Ich bin nicht mehr als jeder andere, aber auch nicht weniger! Ich bin ein Mensch wie sie mit seinen Vorzügen und Fehlern, ich stehe ihnen also gleich gegenüber. Was ich in meinem Fach besser weiß als sie, wissen sie in ihrem Fach besser als ich; also habe ich keinen Grund, mich über sie zu erheben. Kommt nun einer zu mir, so will er etwas haben oder wissen, was er nicht wissen kann. Ich bin also verpflichtet, ihm anständig, menschlich und achtungsvoll zu begegnen. Ich mache mich dadurch verdient. Man vergleiche in dieser Hinsicht die Haltung der Privatbeamtenschaft mit manchem Staatsbeamten. Dort das Bewußtsein: ich bin unhaltbar, wenn ich mich fortgesetzt im Ton vergreife, und schädige mein Geschäft, hier oft Lauheit, Bequemlichkeit oder Überheblichkeit. So muß sich der Staatsbeamte stets bewußt sein. Der Kopf der Woche: Konstantin Tsaldaris Die große, schwerfällige Figur des viermaligen Kabinettchefs verrät nichts von der geistigen Eleganz und Biegsamkeit, die sich in der Physiognomie des Diplomatengesichts abzeichnen. Auch die Griechen spüren mehr die auf Ordnung drängende feste Hand des Balkankämpfer von, IS1L13 als das Geschick des Parlamentariers, der sich bemüht, für den rechtsextremen Flügel seiner monarchistischen Volkspartei (Populisten) und die bürgerliche Mitte der Sozialdemokraten und Liberalen eine gemeinsame Regierungsbasis zu finden. Tsaldaris belegt seine Forderung auf Zusammenhalt mit drastischen Argumenten: er präsentiert Waffen und Munition russischer Herkunft, mit denen die Nachbarn im Norden und roten Guerillas auf die Gendarmen des Königs schießen. Weder Drohungen noch Amnestieversprechen konnten bisher die linksradikalen Freischärler der EAltt zur Mitarbeit aus den thessali- schen Bergen locken. Tsaldaris scheute weder Wege noch Worte auf der Suche nach , Frieden Mit der Truman-Hilfe im Koffer kehrte er von, seiner Reise entlang der diplomatischen Westfront zurück. Tsaldaris ist von Haus aus Jurist. Nach dem Studium der Rechte hörte er an den Universitäten Berlin, .London und Florenz Staatswissenschaft. Seine Sympathien für Italien schwanden, als ihn 1941 die Schwarzhemden ins Gefängnis warfen. In abenteuerlicher Flucht gelangte er nach Ägypten und in die Heimat, wo schon der väterliche Name (J. Tsaldaris war bis 1930 griechischer Ministerpräsident) seiner Stimme politische Resonanz verlieh. Vom 4. April 1946 an war er dann Außenminister im Kabinett Pulitras, bis er am 18. April die Geschäfte des Ministerpräsidenten und Außenministers übernahm, di* er unter dreimaliger Umbildung seines Kabinetts bis zum Januar 1947 fortführte. Im Kabinett Maxi- mos war er stellvertretender Ministerpräsident und Außenminister. Eine bei der UN oft erhobene Forderung nach Grenzrevision und Reparationen verhallte wie sein Einspruch gegen den latenten Kriegszustand mit Albanien. „Herr Tsaldaris“, rief der russische Vertreter Wyschinski dem erregten Griechen über den Verhandlungstisch zu, „merken Sie sich: die Regierung eines Landes repräsentiert nicht immer die Wünsche des Volkes!“ Als Ministerpräsident will Tsaldaris jetzt bei der Neubildung der Regierung, mit der eg vom König beauftragt wurde, diesem Vorwurf begegnen. iiiiiiiiiiimiiitiiiiiiiiimiiifiiiiiiiiiimimiiuiiiiiiiiitiiiimiiiiiiiiiiimiiiiHmt daß er den Staatsapparat verkörpert, daß also seine Haltung den Ruf des Staates mitschafft und -begründet. Wie dies nicht geschieht, haben wir wohl alle unter dem Hakenkreuz erfahren. Es erübrigt sich, darüber ein Wort zu verlieren. Die Kennwort* sind: Treue, Ehrlichkeit, Gewissenhaftigkeit, Verantwortungsgefühl und Pflichtbewußtsein an sich, Höflichkeit, Entgegenkommen und Wahrhaftigkeit nach außen. Der Beamte wird also seine Dienstführung nicht abhängig machen von seinem Gehalt noch von seiner Laune, noch von sonstigen Lockungen oder Bedürfnissen, wenn auch die Not manchmal in starke Versuchung führen mag aber sein Ehrgefühl und das Bewußtsein, jedem bei jeder Gelegenheit offenen Auges gegenübertreten zu können, müssen stark genug sein, solche Versuchungen zu überwinden. Und nun vergegenwärtige man sich als Beamter, welche Mißverständnisse heute möglich sind, da eine Krankheit weit verbreitet ist, deren Träger allem und jeglichem voll Mißtrauen und innerer Spannung gegenüberstehen, welche Brutstätten Schlangenstehen, Warteräume in Ämtern und Vorzimmer, in Bahn und Geschäften sind, wenn der Verkehr nicht flott vonstatten geht, und man wird begreifen, welche Verantwortung dem Beamten, einem Geschäftsinhaber und dessen Personal erwächst, wenn unter den Wartenden einige oder gar viele Neurotiker sind, die ihre Gespensterfurcht, ihre Wahnvorstellungen und vermeintlichen Tagesneuigkeiten breitschlagen! Wieviele können dem heute unberührt widerstehen? Nehme deshalb jeder eine Selbstprüfung vor und frage sich, ob er obige Forderungen, die hier zwar nur an den Beamten gerichtet sind, aber jedem gelten, erfüllt! Vor allem aber soll sich jeder sagen, daß dem Dunkel immer wieder die Helle folgt. Das wird um so sicherer und rascher der Fall sein, je stärker unser Bekenntnis zur Demokratie ist, nicht allein im Wort, sondern noch mehr in der Tat. Die Demokratie aber verlangt, daß jeder dem anderen gleichberechtigt und gleichverpflichtet vertrauensvoll und aufgeschlossen gegenübertritt. Sch. Der Beamte und die Demokratie ünd gerade heute! Während nämlich die Provenzalen — wie sie gern tun — stundenlang ohne sichtbare Beschäftigung irgendwo auf einer Bank oder einem Baumstumpf sitzen und in die uns so aufregende Farbenkomposition ihrer Landschaft aus Silber, Schwarz, Grün und tiefem Blau sehen, scheinen sie irgendwie auf Gedanken über Sinn und Ziel des Daseins zu stoßen, die den aktiveren Menschen aus den mittleren Klimaten Europas seltsam erscheinen können, aber nicht ohne eine eigentümliche, einfache Weisheit sind. Ein echtes Kind dieser Rasse, deren besonderer Wesenszug eine beständig zur Schau getragene Überlegenheit und Gelassenheit über alles Geschehen der Gegenwart ist, hin und wieder vermischt mit einem Schuß sehr erträglicher, schnell in Selbstironie umschlagender Sentimentalität — ein echtes Kind dieser Rasse war mein Wächter von Montmajour. In der Tat breitete er, während er mich durch die Trümmer seines Klosters führte, erstaunliche Gedanken vor mir aus. Als wir auf unserem Rundgang in den guterhaltenen romanischen Kreuzgang kamen, versicherte er mir, dies sei der schönste in weitem Umkreis. Als ich daraufhin einwand, dei Kreuzgang von St. Trophime in Arles sei doch ungleich berühmter als der von Montmajour, nämlich als eines der bedeutendsten Denkmäler der romani sehen Epoche in Südfrankreich, sagte er fast eil wenig hochmütig, unten in Arles prunke in der Figuren und Ornamenten schon der Reichtum Asien: während in den Linien des Kreuzganges von Mont majour der Adel der europäischen Kultur in unvei bänglicher Erhabenheit wohne So wurde unser Gespräch allmählich fast hei. ach, und als der Gardien herausbekommen hatte, daß, er mit einem Deutschen sprach, begann er sogleich von den beide Völkern bewegenden Dingen zu reden. Aber mein Führer fing nun nicht an, im landläufigen Sinn zu politisieren. Er spach in einer abgeklärten Art über die Beziehungen von Mensch zu Mensch, von Volk zu Volk, um endlich auf die besonderen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich zu kommen. Für ihn gab es da gar keine Probleme. Mit einem verständnislosen Kopfschütteln sprach er von jenen Menschen, die sich bei ihrem persönlichen Begegnen so mühelos verstehen, in ihrer Gesamtheit als Volk jedoch nicht zueinander zu finden vermögen. Aus seinen Worten wurde mir klar, daß dieser Mann aus dem Volk über seine engere Provinz hinaus nur noch Europa in seiner Gesamtheit sah. Der Nachmittag war vollkommen schön. Immer ist es der aus dieser Landschaft sprechende Eindruck der Endgültigkeit, der uns so tief erregt: die große Ruhe des Himmels, der nicht durch den Zug der Wolken bewegt ist, das unerschütterliche Schweigen der silbernen Landschaft, die für alles Neue unfruchtbar zu sein scheint, und die die Leidenschaft des auf eie hereinstürmenden Sonnenlichts in einen natten Schimmern an den Himmel zurückwirft. Wir standen auf einer erhöhten Stelle in den Klo erruinen und sahen in das Land hinein, in dessen nblick mein neuer Freund die letzte und einfachsU ormel für seine Ideen fand. „Welch ein Tag!“, sagte er, fühlen Sie die Wärme nserer Sonne, hören Sie die Musik unserer Vögel? n.d gepackt von dem Rausch der einzigen Leiden- .haft dieser Menschen, die das Leben selbst i£i uhr er fort. „Pourquoi se battre, M’sieur, pourquo e tuer? „Warum sich schlagen, mein Herr, warum ,ch töten?“ Während ich über die leidenschaftliche Ansprache nachdachte, kam in seine Augenwinkel wieder das sarkastische Zwinkern, und er endete mit den Worten: „Sie müssen wissen, mein Herr, wir sind hi4r alle ein wenig kosmopolit,- und wenn es, was Gott verhüte, zwischen Ihnen und uns wieder einen Krieg geben sollte, dann denken Sie an den Gardien von Montmajour, mit dem Sie sich gut verstanden haben, und der dann zu alt sein wird, um sich mit Ihnen zu schlagen.“ Wie oft habe ich in den Jahren der Verwüstung und des Blutes an den Gardien von Montmajour zurückgedacht! Wie mag er diese Zeit überstanden haben? Hat er seinen Glauben an den Frieden verloren, oder wird er seinen Traum weiterträumen v der. die Besten diesseits und jenseits immer geträumt haben und träumen werden, den Traum nachbarlicher Verständigung und Freundschaft zweier alter Kulturnationen Europas. A. C. Geduld! Geduld ist schwer. Geduld ist für den Geist das Schwerste, sie ist das Schwerste und das Einzige, was zu lernen sich lohnt. Alle Natur, alles Wachstum, aller Friede, alles Gedeihen und Schöne dei Welt beruht auf Geduld, braucht Zeit, braucht Stille, braucht Vertrauen, braucht den Glauben an langfristige Dinge und Prozesse von viel längerer Dauer ;ls ein einzelnes Leben dauert, Glaube an Zusammenhänge und Dinge, die keiner Einsicht des einzelnen ganz zugänglich sind und in ihrer Gänze nur on Völkern und Zeitaltern, nicht von Personen er- sebbar sind. Ich sage Geduld“, und könnte ebensogut sagen Frömmu ’ Gott vertrauen. Weisheit, Kindlichkeit, Einfalt. Ich muß Geduld haben, nicht Vernunft. Ich muß die Wurzeln tiefer treiben, nicht an den Ästen rüt» te ln. Hermann Hesse. Nr. 71 BADF.NET? TAOBLATT Freitag, aen s. September 1847 Unser Stahlanleil Stahlqnote und Arbeitslosigkeit gi. KÖLN — Die Vereinigten Staaten sind schon »eit Jahren der größte Stahlerzeuger der Welt. Während des Kriegs erfolgte ein weiterer Ausbau der Stahlindustrie in den USA, die 1943 fast die vierfache Menge der deutschen Stahlindustrie erzeugt hat. In den Kriegsjahren 1939 bis 1945 wurden in den Vereinigten Staaten rund 500 Mill. t Stahl gewonnen. Die bisher höchste Stahlerzeugung wurde 1944 mit 89,1 MilL t erzielt. Die Stahlproduktion aller anderen Länder der Welt blieb demgegenüber weitzurück. Mit einer Stahlerzeugung von 66,4 Mill. t lag die Stahlproduktion der Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr zwar um 17 vH niedriger als 1945 mit 79,7 Mill t, doch wesentlich über dem Vorkriegsstand von 48 Mill. t und über dem früheren Friedenshöchststand 1929 mit 57 Mill. t. Ohne den Stahl- und die beiden Kohlenstreiks wäre im vergangenen Jahr wahrscheinlich eine Erzeugung von 80 Mill. t Stahl erreicht worden. Der Stahlbedarf der USA wird für 1947 auf 64 bis 67 Mill. t geschätzt. Nach einer Schätzung des amerikanischen Fachergans „fron Age“ betrug die Weltgewinnung an Stahl 1946 122 Mill. t, davon entfielen 66 Mill. auf die USA, 12,7 Mill. auf Großbritannien, 14 Mill. auf die Sowjetunion, 4 Mill. auf Frankreich, il Mill. auf Deutschland, 2 Mill. auf Belgien und 1 Mill. auf Luxemburg. Mit Ausnahme von USA und England hatten alle wichtigen Stahlländer im vergangenen Jahr eine niedrigere Erzeugung als vor dem Krieg. In Westeuropa lag diese rückläufige Entwicklung am Kohlenmangel. Den stärksten Rückgang wies Deutschland auf, das 1938 23 Mill. t Stahl erzeugt hatte. Frankreich hatte vor dem Krieg eine Stahlproduktion von 8, Belgien von 3 und Luxemburg von 2 Mill. t, während die Sowjetunion 18 Mill. t Stahl produzierte. Alle Industrieländer und darüber hinaus einige kleinere Staaten planen einen Ausbau ihrer Stahlerzeugung. Nach dem neuen Fünf jahresplan der Sowjetunion.sollen bis 1950 45 Hochöfen, 180 Martinöfen und Konverter, 90 Elektroofen und 104 Walzenstraßen in Betrieb genommen werden. England beabsichtigt den Neubau von Anlagen, um die Stahlerzeugung der Menge und der Güte nach tu steigern. Der Monnet-Plan Frankreichs strebt für 1950 eine Stahlgewinnung von 11 Mill. t an. Für die britisch-amerikanische Zone hat der soeben festgelegte vorläufige Industrieplan die deutsche Stahlgewinnung auf 10,7 Mill t bemessen. Neben dem normalen Verbrauch im Inland und für die Ausfuhr muß aus der künftigen deutschen Stahlproduktion auf Jahre hinaus ein hoher Reparatur - und Wiederaufbaubedarf befriedigt werden. Nach einer Schätzung der Wirtschaftsvereinigung Eisen- und Stahlindustrie, WirtschaftEprogramm der I. u. H.-Kammern Forderungen für die Währungsreform MÜNCHEN — In einer Entschließung, die sie der amerikanischen Militärregierung zuleiteten, fordern die bayerischen Industrie- und Handelskammern als erste Maßnahme zur Währungsreform die Beseitigung des Geldüberhangs. Da ein zuverlässiger Maßstab für die Größe des Geldüberhangs fehle, müsse eine elastische Regulierung gewählt werden, die durch eine Annullierung und Blockierung des Geldes gesichert werden könne. B a r - und Buchgeld müßten jedoch gleichmäßig behandelt werden. Als unerläßlich wird die gleichseitige Umgestaltung der Stguergesetze, die Regulierung der Preise und,Löhne, die Gewährung von Rechtsbeihilfen bei unverschuldeter Zahlungsunfähigkeit, sowie die Änderung des Bewirtschaftungssystems bezeichnet. Die unvermeidliche Folge eines deflatorischen Eingriffs ist jedoch der finanzielle Zusammenbruch vieler Unternehmungen, große Arbeitslosigkeit sowie schwere Erschütterungen der öffentlichen Haushalte infolge Verminderung des Steuereingangs und einer gewaltigen Steigerung der Fürsorgeleistungen. Die Wiederherstellung der Funktion des Geldes hänge in erster Linie von der Steigerung der Produktion ab. Vor Inangriffnahme von .Währungs-Maßnahmen müsse die Ernährung (soweit gesichert sein, daß die arbeitenden Menschen nicht auf Hungerrationen angewiesen seien. Die Gesetze einer gesunden Marktwirtschaft mit gegen- leitiger Konkurrenz und dem Preis als Regulator des Warenverkehrs müssen allmählich wieder zur Geltung gebracht werden, da sonst die Beseitigung fles Geldüberhanges nicht die produktionsanregende Wirkung haben könne, die sie erzielen soll. Der Jahrestag Genau zwei Jahre sind heute vergangen, als aach wochenlanger fast völliger Erstarrung aller Gepflogenheiten im Ort das Gerücht umging, daß im nächsten Morgen der erste Zug nach G. fahre. So ging ich denn an diesem nächsten Morgen tum Bahnhof, trat an den Fahrkartenschalter, und Sinter dem kleinen Fenster stand ein Mädchen. Ich teilte ihr mit, daß ich nach G. fahren wolle, und sie sagte: Bitte. Ich legte Geld auf das Zahlbrett, sie gab mir im Tausch dafür eine Fahrkarte und der Handel war abgeschlossen. Es fand sich um diese Zeit noch wenig Licht in der Welt, denn es war früh am Tage. Die Kar- wendelwand hielt sich grau und zusammengefaßt, und auf dem Gleis stand ein Zug. Ich sah ihn an. Er gab den Blick zurück. Seine Augen waren weit geöffnet, und manche schienen zerbrochen. Allerdings war das in dem morgendlich-unfertigen Licht nicht ganz genau festzustellen. Dann trat ich näher, um ihn anzufassen. Als Kind mußte mich Vater manchmal beim Anblick des Weihnachtsbaumes sehr, hoch heben, weil ich die Anwesenheit des Engels an der Spitze mit den Händen festhalten wollte. Der Zug war aus Holz und Eisen, seine Wagen standen auf Rädern. Er fühlte sich kühl untf gegenwärtig an. Außer mir hielt sich noch eine Reihe anderer Leute auf dem Bahnsteig auf. Doch ich konnte zu ihnen kein rechtes Verhältnis finden. Sie behandelten den Zug, als sei er zum Gebrauch da. Woher nahmen die Leute diesen Mut? Warum setzte sich niemand von seiner lügenhaften Exist»— - Kenntnis? Wie kam -es, daß Wirtschaft und Arbeit Düsseldorf, benötigt Deutschland insgesamt eine jährliche Rohstahlerzeugung von mindestens 14 Mill. U 1929 betrug die deutsche Stahlproduktion 18 Mill. t, während das Jahr 1939 Im Zeichen der Rüstung eine Erzeugung von 23 Mill. t aufwies. Bei einem höheren Bevölkerungsstand als 1929 ist eine Stahlquote von 14 Mill. t eher zu niedrig als zu hoch berechnet. Kohle und Stahl sind für jedes Industrieland die wichtigsten Schlüsselprodukte. Beschäftigungsgrad der gesamten Wirtschaft und die Höhe der Stahlerzeugung laufen in den Industriestaaten parallel. Bei hoher Stahlquote war die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten, England, Frankreich GK. PARIS — Die Gerüchte einer zeitweiligen Sperre der Ausfuhr aus den Vereinigten Staaten nach Frankreich haben'Sich bestätigt. Lediglich Getreide, Kohlen und Fettstoffe werden von der neuen Regierungsverfügung nicht oder nur teilweise betroffen. Da die Preise wegen der ungenügenden Erzeugung, die den Vorkriegsstand noch immer nicht erreicht hat und wegen ungünstiger Einfuhren auch nicht erreichen kann, weiter steigen, sieht sich die französische Regierung genötigt, eine Preiserhöhung der Industrie-Erzeugnisse von 3 bis 5 vH zuzugestehen. Diejenigen Waren, die zur Lebenshaltung nicht so wichtig sind, werden sogar zum Teil eine freie Preisgestaltung erhalten. Dagegen werden Post- und Eisenbahntarife nicht weiter erhöht werden. Im Bereich der Lebensmittelversorgung ist die Preiskontrolle schwieriger, da das Angebot auf vielen Gebieten der Nachfrage nicht entspricht. Infolge der Verminderung der Brotration sieht sich die Regierung veranlaßt, die Bäckereien zwei Tage ln der Woche zu schließen. Da kein Viehfutter mehr eingeführt werden darf, ist ferner zu befürchten, daß in absehbarer Zeit viel Vieh abgeschlachtet werden muß und dadurch ein gewisser Fleischmangel im Winter einsetzen kann. Der Mangel an elektrischem Strom kann schließlich die Industrie-Erzeugung von Neuem behindern. Wirtschaftsminister Andrä Philip hat betont, daß Europa voraussichtlich nochzehn Jahre lang Not und20Jahre lang Mangel leiden wird. Erst, wenn die Gesamterzeugung in Europa dig durchschnittliche Vorkriegsproduktion um 40 vH übertreffen wird, könnten ebensoviel Verbrauchsgüter zur Verteilung gelängen wie 1938. Diese Ausführungen des Ministers machen es begreiflich, daß wir der Mangelwirtschaft und der sich daraus ergebenden Zwangs- HaushaHdefizit und Bankkredit Einnahmen und Aasgaben der Zonen jo. HAMBURG — Bei den Beratungen über den Hamburger Staatshaushalt erklärte der SPD-Abge- ordnete Klabunde, daß in der britischen Zone mit etwa 8 Milliarden Mark Steuereinnahmen im Jahr zu rechnen sei. 1 Milliarde Mark wären in der Zone als Zuschuß für die Kohlenförderung ausgegeben worden. Die Steuereinnahmen reichen nur für den Verwaltungsbedarf der Zone und für etwa 30 vH. der Besatzungskosten aus. Diese stellen sich für die britische Zone auf 2,2 Milliarden Mark, für die französische Zone auf 0,8 und für Berlin auf 0,7 Milliarden Mark. Einschließlich der geschätzten Besatzungskosten für die amerikanische und dio russische Zone sei anzunehmen, daß die gesamten Besatzungskosten für Deutschland etwa 8 Milliarden Mark betragen, davon entfallen allein auf Hamburg 358 Millionen Mark. Den 8 Milliarden Einnahmen standen 7,2 Milliarden Ausgaben gegenüber, so daß ein Uberschuß von 848 Millionen Mark bleibt. Durch die britischen Besatzungskosten ergibt sich jedoch ein Fehlbetrag von 1325 Mill. Mark, zu welchem der Fehlbetrag vom Vorjahr in Höhe von 935 Mill. Mark tritt, von denen 782 Mill. ebenfalls ein Besatzungskosten-Fehlbetrag waren. Zur Finanzierung des Fehlbetrags wurden ein Reichsbankkredit von 1,4 Mrd. Mark, größere Guthaben anderer Stellen, sowie der Ausfuhrüberschuß der Zone in Höhe von etwa 548 Mill. Mark in Anspruch genommen. .Über die Besatzungskosten in der U S - Z o n e und Deutschland in den letzten Jahrzehnten gering, bei abnehmender Erzeugung schwoll sie an. So hatte Deutschland 1927' bei einer Rohstahlgewinnung von 16,1 Mill. t nur 0,9 Mill. Arbeitslose, dagegen 1932 bei einer Stahlproduktion von 5,6 Mill. t rund 8 Mill. Arbeitslose. In der Regel verarbeitet ein Arbeiter in der eisenverarbeitenden Industrie durchschnittlich 10 t Rohstahl jährlich. Mit jeder Million Tonnen Rohstahlerzeugung mehr können nach praktischen Erfahrungen je 100 000 Mann ln der verarbeitenden Industrie zusätzlich beschäftigt werden. Der Höhe der Stahlquote, die Deutschland endgültig zugebilligt werden wird, kommt daher größte Bedeutung zu. Wirtschaft noch lange Zeit nicht entrinnen können. Nur zu verständlich ist auch die Stimmung der Arbeiterschaft, die ihren ganzen Verdienst für eine nicht einmal reichliche Ernährung ausgeben muß und strengere Maßnahmen gegen die landwirtschaftlichen Großerzeuger und Zwischenhändler verlangt, so daß sich Anzeichen einer heuen Streikwelle bemerkbar machen, die von den Automobilwerken Creuzot in Souchaux ausgegangen sind. Kohle im nuSstieg Saar forderang' hoher als 1939 SAARBRÜCKEN — Die Kohlenproduktion des Saargebiets ist in den letzten Monaten stark gesteigert worden. Die Tagesförderung, die im Juni 32 932 t, im Juli 35 232 t betragen hatte, stieg am 28. -August auf 36 000 t und liegt damit um 1 000 t höhtr als die tägliche Förderung 1939. Ueber 6 Mill. t Kohle im Augnst DÜSSELDORF — Im August erreichte die Kohlenförderung der britischen Zone mit 6 168 388 t den höchsten Stand seit der Kapitulation. Nach Kriegsende hat die monatliche Kohlenförderung bisher erst zwei Mal die sechs Millionen-Grenze überschritten, im März dieses Jahres mit rund 6 033 000 und im Juli mit 6 073 000 Tonnen. Keine Berufsfremden mehr im Bergbau hwg DORTMUND — Die wenig guten Erfahrungen, die der Ruhrbergbau mit berufsfremden Arbeitskräften gemacht hat, haben dazu geführt, daß die Zechen bis auf weiteres keine fremdberuflichen Kräfte mehr einstellen. Von 2200 der Zeche „Ka-' tharina“ in Essen zugeführten berufsfremden Bergleuten, sind nUr 250 Mann übrig geblieben. Bei den übrigen Zechen liegen die Verhältnisse ähnlich. Ein großer Teil der neuen Bergleute ist meistens schon nach wenigen Tagen verschwunden, wobei in der Regel die empfangenen neuen Arbeitskieider mitgenommen wurden. 40-Stundenwoche in Sudbaden? Einfuhr aus dem Dollarbereich gedrosselt Frankreich hat im Zug neuer Dollarsparmaßnahmen, mit Ausnahme lebenswichtiger Nahrungsmittel, die Einfuhr aus der. Dollarzone bis auf weiteres gesperrt. In den restlichen Monaten 1947 wird sich die Gesamteinfuhr aus der Dollarzone nur noch auf 190 Millionen Dollar belaufen, gegen einen ursprünglichen Einfuhrplan von 450 Mill. Als Folge davon wird Frankreich in Zukunft seinen Außenhandel, und vor allem seine Einfuhren stärker nach den europäischen Märkten ausrich-' ten müssen, wodurch auch der deutsch-französische Warenaustausch eine Erweiterung erfahren kann. Über die Organisation dieses Warenverkehrs mit Deutschland meldet „Kosmos-Pressedienst“: Von Frankreich aus erfolgt der Warenaustausch mit der französischen Zone Deutschlands ausschließlich durch die staatliche Organisation „.IMPEX“, die die Einfuhranträge der französischen Käufer deutscher Waren bearbeitet. Für den Warenverkehr mit der britisch-amerikanischen Zorne gelten die allgemeinen Außenhandelsbestimmungen. Die Ein- und Ausfuhrlizenzen werden im Rahmen der Handelsvereinbarungen bewilligt. Die Handelsbeziehungen mit der Ostzone wurden bis jetzt noch nicht wieder aufgenommen, Verhandlungen sind jedoch im Gang. wird aus Berlin berichtet, daß sie im zweiten Vierteljahr 1947 313,9 Mill. Mark erreichten. Davon entfielen 162,4 Mill. Mark auf Löhne und Gehälter für deutsche Angestellte bei den US-Streitkräften, 148.6 Mill. auf Vergütungen für beschlagnahmte Gebäude, Einrichtungen und Gegenstände und 2,9 Mill. auf Ersatzleistungen für Schäden, welche die US-Armee verursacht hat. Aus Hamburg wird weiter berichtet, daß die Unterhaltung der Besatzungstruppen und die Gehälter und Löhne der Angehörigen der Besatzung von der Besatzungsmacht selbst gezahlt werden. Die deutschen Stellen tragen nur die Kosten, die durch persönliche Dienste entstehen, welche Deutsche der Besatzungsmacht leisten. In Hamburg arbeiten 44 000 Menschen für die Besatzungsmacht, ferner bestimmte Dienstgruppen im Hafen mit etwa 10 000 Menschen. Deutsche Ausfuhr-Schau in New York MINDEN — Die United States Commereial Company in Washington hat der Vereinigten Export- Import Agentur (Jeia) die Möglichkeit gegeben, deutsche Waren in ihren Ausstellungsräumen in New York ständig auszustellen. Es sollen Erzeugnisse der Doppelzone gezeigt werden, die für Exportzwecke laufend geliefert werden können. Für die Ausstellung steht in einem Gebäude der Madi- son Avenue 292 eine Fläche von etwa 2 000 Quadratmetern zur Verfügung. Deutsche Firmen können Auskünfte von der Gesellschaft für Kultur- und Wirtschaftswerbung mbH. Hannover, Bothfel- derstraße 23, erhalten. FREIBURG — Bei der Direktion Arbeit Änd wieder eine Zusammenkunft der badischen Gewerkschaften unter Leitung von Ministerialdirektor Martzloff statt. Dr. Rappe neck er schilderte die Bestrebungen, die Selbstverwaltung in der Sozialversicherung, und zwar in erster - Linie bei der Krankenversicherung sicher zu stellen, dann aber auch die beabsichtigte Wiederzuziehung von Versicherten- und Arbeitgeber-Vertretern zu den Beschluß- und Spruchinstanzen der Sozialversicherung {Versicherungsämter, Oberveraiche- rungsämter und Landesversicherungsanstalt). Die Aussprache über die Einführung der 40-Stun- den-Woche mit Lohnausgleich endete 'mit dem Vorschlag, entsprechende Vorschläge bei den Behörden einzureichen. Aas der Industrie Stähl- und Röhrenwerke Reisholz A.G. Die Entflechtung der Eisen- und Stahlindustrie in der britischen Zone, deren Durchführung im Juli ausgesetzt hatte, wurde mit der Gründung der „Stahl- und Röhrenwerke Reisholz A.G.“ m Düssel- ' dorf-Reisholz (früher im_T h y s s e n-Konzern) fortgesetzt Friedenserzeugung Del Rheinmetall Gewisse. Vorarbeiten in den Düsseldorfer Rhein- metall-Borsig-Werken lassen, wie aus Kreisen der Geschäftsführung und der Belegschaft verlautet erkennen, daß die Werkanlagen zu 10 vH. gesprengt werden sollen, obwohl vor 6 Wochen den deutschen und britischen Stellen ein Plan für die Friedensproduktion unterbreitet worden ist Philips-Konzern in Deutschland gi. AACHEN — Der holländische Glühlampen- und Radio-Konzern Philips unterhält in Deutschland mehr oder weniger große Betriebe. In Wetzlar und Aachen befinden sich je eine Fabrik und in Hamburg zwei Fabriken, die Radioapparate, Radioröhren, Röntgenartikel und Glühlampen hersteilen. In Oberhausen und Giffhorn arbeiten zwei Glashütten. Mit dem Werk in Berlin hat die holländische Muttergesellschaft nur wenig Verbindung. Der Philips-Konzern, der in zahlreichen Ländern def Welt Zweigunternehmungen unterhält, ist an der Entwicklung der Werke in Deutschland weiterhin stark interessiert. Das Philips-Werk in Aachen mit einer Fläche von 20 000 qm wurde während des Kriegs zur Hälfte zerstört. Am Wiederaufbau wird gearbeitet. Anfang dieses Jahres hat das Werk von der britischen Militärregierung das Permit für die Glühlampen - Produktion erhalten. Es besteht der Plan, Anlagen für die Produktion von jährlich 15 Mill. Lampen zu errichten. Ein Teil der Erzeugung soll Autobirnen umfassen, an deqen in den Westzonen ein großer Mangel besteht. Für die Vorbereitung der Glühlampenproduktion werden zui^ Zeit in Aachen 150 Arbeitskräfte beschäftigt. Man hofft, nach Überwindung gewisser Schwierigkeiten 350 Arbeiter einstellen zu können. Wirtschaftliche Notmaßnahmen Frankreichs Wieder Warenverkehr mit Deutschland erwartet Vor» unserem Pariser Vertreter sie hin und herliefen, als habe es einen Zweck? Plötzlich wurde schrill gepfiffen. Der das getan hatte, war ein Mensch mit einer roten Mütze. * Ich erschrak tief: Rot! rot?? Welch verirrter Zwang gebot diesen Menschen, die kaum verloschene Farbe des Blutes und des Feuers zur Schau zu stellen? War es Verzweiflung, Trotz oder Hohn, die ihn diese peinliche Farbe in die Augen der Leute schlagen ließ? Der Pfiff hatte das Gespenstische des bestehenden Zustandes ins Wirkliche erhoben: Der Zug ruckte an. Jemand stieß mich vorwärts, und ich stand auf einem Trittbrett. Ich sah unter mich: die Räder rollten. Ich sah über mich: Der Himmel war unverändert. Sag mir doch: Wie kommt es, daß geschwiegen wird, wenn das entgleiste Rad sich aufs Neue zu drehen .beginnt? Was soll denn das heißen, daß wir ohne Übergang wieder durch morgendliche Nebel und Gedanken fahren? Woher nehmen wir den Mut, im feuchten Winkel eines Eisenbahnwagens zu sitzen, als sei nichts geschehen und auf die Sqnne zu warten, daß sie uns wärme? Es ist so schwer, auf das alles zu antworten, ich weiß es. Plötzlich war die Sonne da. Sie steckte zwischen zwei Gebirgsspitzen wie auf einer Gabel und jemand sagte: Es ist angerichtet. Dann schob sie einen glänzenden Trichter vor, der sich zusehends erweiterte', und schließlich gehört ihr das ganze Tal. Ach Sonne, in welche Zwiespältigkeit du uns stürzest, wenn wir gerade glaubten, der Nachi nicht mehr entrinnen zu können; als wir gerade sehr leise und zärtlich unser* Müdigkeit liebgewannen. Willst du ernstlich damit kundgeben, daß der Wind nie aufhörte zu wehen und zu keiner Stunde die Felder das Blühen vergaßen?' Ach, Sonne. Sonne, wer soll denn das glauben? Gerd Berendt Die Birne Die Glocke läutet zum zweiten Mal. Die letzten Schüler kommen die Treppe herauf. Eilige Kinderfüße trappeln in die Klassenzimmer. Die Lehrer klopfen die Reste selbstgebauten Tabaks aus Ihren Pfeifen, klappen ihre Bücher zu, ergreifen ihre Mappen und verlassen pünktlich das Lehrerzimmer. Der Direktor wirft mir, der sich als Letzter erhebt, einen vorwurfsvollen Blick zu, entfernt sich jedoch, als auch ich zur Tür gehe. Warum zögere ich noch? Scheu werfe ich einen letzten Blick in meine Aktentasche, betrachte liebkosend die pralle, wohlgeformte Birne, die darin liegt. Ein Schüler reichte sie mir verstohlen, er wollte seinem Lehrer eine kleine Freude bereiten. Weiß jemand, was mir diese kleine Gabe bedeutet? Seit sieben Jahren aß ich keine Birne mehr. Und wie sehr entbehrte ich diese süße, würzigduftende Frucht. War sie doch schon in sparsamer Jugend Symbol festlichen Genusses, wenn der kleine Bub für geringes Taschengeld „eine Birne ohne Fleck und ohne Maden und weich und saftig“ forderte. Gequälte Soldatenzeit, Pulverdampf und Feuerschein, mörderische Bombennächte während kurzer Anwesenheit in der Heimat, mehrmaliger Verlust der Wohnung — all das zieht in der Erinnerung an mir vorüber, Entbehrungen und Gefahren, Hunger und Strapazen und dann eine Heimkehr in fremde Umgebung. Wohl gab es im vergangenen Jahr herrliche Äpfel, doch Birnen blieben eine unsichtbare Kostbarkeit. Nun liegt solch märchenhaftes Gebilde vor mir. Lockender Duft, der mir die honigträchtige Blütenlast des Frühlings vorgaukeit, zwingt mich, sie zur Hand zu nehmen, sie zu betrachten. Braune und gelbe Farbtöne verkörpern das Kleid fruchtschweren Herbstes. Ein sonnenklarer Himmel wirft spiegelnde Reflexe auf die glatte Haut. Wäre ich Maler, ich würde das' Bild festhalten müsen. Soll ich sie essen? Soll ich sie noch aufbewahren? Erlischt mit der Erfüllung unserer Wünsche der Reiz des Begehrens? Sieben Jahre keine Birne! Ist sie mir nicht zum Symbol des Friedens geworden? Fast andächtig graben sich meine Zähne Ib die seltene Frucht. Mögen die Schüler warten. Ich habe sieben Jahre lang warten müssen Nun koste ich das beglückende Gefühl der wiedererlangtea persönlichen Freiheit mit jedem Bissen bedächtig- genußvoll aus. Eugen Ungar U wir leben in einer krausen Zeit! Je mehr Menschen sich persönlich um eine Stellungnahme zum Leben bemühen, um so größer müssen zunächst die allgemeine Verwirrung und Ungewißheit sein. Wir brauchen garnicht besonders genau hinzusehen — wie der Weltgeist der Gegenwart beschaffen ist. läßt sich leicht an der Oberfläche unserer Erde ablesen: Viele Ruinen, hie und da qualmt und pufft es noch, kleine Völkerwanderungen und das Getöte zahlloser Verwirrungen und Beratungen. So zerstört ein zorniges Kind sein liebstes Spielzeug, wie wir unser Dasein zerstörten, und versucht es, zur Ruhe und Besinnung gekommen, fiebernd und verzweifelt wieder zu flicken, ehe «Be Eltern nach Hause kommen. K. / ! Nr. 71 BADENS® TAGBLATT KUNST UND KULTUR Karl Jaspers'erhielt Goethepreis Oberbürgermeister Walter Kolb überreichte ln Anwesenheit zahlreicher Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens Prof. Dr. Karl Jaspers den diesjährigen Goethepreis der Stadt Frankfurt. Jn seiner Ansprache hob Oberbürgermeister Kolb den überlegenen, selbständigen Geist des Philosophen hervor, der sich auch den Einflüssen des Nationalsozialismus nicht gebeugt habe und heute zu den im Ausland anerkannten Vertretern des deutschen Geisteslebens gehöre. Prof. Jaspers, Heidelberg, dankte für die ihm zuteil gewordene Ehrung und hielt anschließend einen Vbrtrag über „unsere Zukunft und Goethe“. Er legte dar, daß wir nach dem Durchbruch des technischen Zeitalters vor einer völlig neuen Situation stunden, die für uns Deutsche umso bedeutungsvoller sei, als wir als Großmacht aus dem Verein der Völker ausgeschieden wären. In dieser Situation werden wir, wie der Wissenschaftler erklärte, entweder völlig verschwinden oder zu einer „inneren Revolution der Seele gelangen.“ Dies aber sei niemals Sache einer Gesamtheit, sondern nur des auf sich gestellten einzelnen. Persönlichkeit und Werk Goethes sollten uns hier wegweisend sein. Deutscher Pen-Klub? In Berichten über die Internationale Tagung des Pen-Clubs in Zürich war behauptet worden, der französische Schriftsteller Vercos habe sich gegen die Wiedererrichtung eines deutschen Pen- Clubs ausgesprochen. In einem offenen Brief an die Züricher Zeitung „Die Tat“, die ihn um seine Stellungnahme gebeten hatte, erklärt Vercors, daß «r «ich mit der französischen-Delegation ausdrücklich f ü.r den deutschen Pen-Club eingesetzt habe- Er schreibt: „Ich habe sogar gesagt, — indem ich an Thomas Mann dachte — daß es geradezu die Pflicht eines emigrierten deutschen Schriftstellers sei, jetzt in sein Land zurückzukehren; Ich habe betont, daß der „Deutsche Pen-Club“ bei »einer Wiedererstehung ihren emigrierten Schriftstellern sowie denen, die in Deutschland Gefängnis oder Zuchthaus dafür gelitten haben, daß sie ihren Überzeugungen treu geblieben sind, offenstehen müsse: und selbst denen, die genügend Festigkeit gezeigt haben, indem sie sieh weigerten, der Gilde der Nazi-Schriftsteller beizutreten.“ Das Loewenguth-Quartett Zur Eröffnung der neuen Musiksaison hat da* Bureau des Spectacles, B.-Baden, das Loewenguth- Quartett ln die französische Zone geladen. Man müßte genauer sagen: „wieder eingeladen“, da diese Kammermusikvereinigung bereits mehrere Tourneen im besetzten Deutschland durchgeführt hat. Es erübrigt sich daher, dies Quartett ausführlich vorzustellen. Seine Ankündigung allein gibt uns schon die Gewähr von Konzerten außergewöhnlicher Qualität. Das 1929 gegründete Loewengüth-Qcartett ist heute eine der besten französischen Kammermusikvereinigungen. Vor dem letzten Kriege trug es den Namen der französischen Musik in die Vereinigten Staaten, nach Kanada, Holland, England, Italien und Nordafrika. \ Das Loewenguth-Quartett wurde vornehmlich durch die Gesamtwiedergabe der 17 Streichquartette Beethovens bekannt; die glänzende, ausgeglichene Auslegung dieser Werke rief in allen europäischen Hauptstädten Begeisterung hervor. Das Loewenguth-Quartett hat sich allgemeine Anerkennung erworben und kann es heute mit den ausländischen Quartett-Vereinigungen aufnehmen: es ist ein Quartett von internationaler Klasse. Freuen wir uns, daß Wir in Kürze die technische Vollkommenheit und die Virtuosität von vier Künstlern wie Alfred Loewenguth, Roger Roche, Maurice Fueri und Pierre Basseuz bewundern* können. Zwei verschiedene Programme werden im Laufe der September-Konzertreise in der französischen Zone gespielt werden. Das erste umfaßt Mozarts Quartett Es-Dur (K. 428), Quartett op. 51, No 1 in c-Mqll von Brahms und das 3. Streichquartett von Honegger. Das zweite Programm enthält Haydns Quartett op. 74, No. 3, in g-Moll, Quartett op. 18, No. 8, in B-Dur von Beethoven und das Quartett in D-Dur von Pierre Dervaux. Das zeitgenössische französische Musikschaffen ist demnach nicht vergessen worden; außerdem werden diese Konzerte eine willkommene Gelegenheit bieten, Vergleiche zwischen der reinen Klassik eines Mozart und dem rhythmischen und farbigen Reichtum eines Dervaux anzustellen. Konzerte von großer Güte sind uns in Aussicht gestellt worden. Das Loewenguth-Quartett wird vom 10. 9. bis zum 4. 10. 47 in der französischen Zo‘ ne gastieren. H. de M. AUS DER WELT DER FRAU Unbegrenztes Modeland Es Ist ein schöner Tag heute. Ich werde Dir trotzdem schreiben, schon wegen Deines neuen Kleides. Ja, ich möchte nämlich nicht, daß es fertig Ist, ehe Dich mein Brief erreicht, denn ... Du wirst die Machart ändern, ich weiß es. Sage mir bitte jetzt nicht, es wäre lächerlich, heute so „modisch“ zu sein, es sei „Krieg“. Erstens stimmt das mit dem Krieg — Gott sei Dank — nicht mehr und zweitens willst Du damit nur das Abnorme unserer Zeit zum Ausdruck bringen, aber —Du stempelst diese Zeit mit diesem Urteil noch mehr. Wir müssen den Weg vom Krieg zurückfinden. Wir dürfen heute einfach nicht mehr sagen: ich mache eine Dienstreise, nur weil wir es so gewöhnt sind. Warum geben wir nicht zu, daß wir zwei Wochen in Urlaub fahren? Warum nicht? Warum sagen wir nicht, daß wir uns ein neues Kleid machen ließen, muß der Zusatz „es ist natürlich aus einem alten“ dabei sein? Und — darüber wollte ich Dir ja eigentlich schreiben: die Mode. Sie kannte keine festen Gesetze, sie kennt sie auch heute nicht, sie weiß nichts von Zonen — sie weiß nichts um Lan 1 - desgrenzen. Ihr Reich ist die Welt, ihr Gebieter die Schönheit und ihr Volk sind — wir. Wir Frauen. Die Sonne liegt auf der rue de la paix in Paris and gleitet über eines der großen Modehäuser, In dem jetzt schon so emsig an Herbst- und Winterentwürfen gearbeitet wird, daß man darüber fast vergißt, daß der Sommer noch über die Straßen zieht. Die Damen der Pariser Gesellschaft lassen Ihre Kleider nach Maß anfertigen. Sie wollen einen individuellen Anzug, der ihrem Wesen gerecht wird. Die einzelnen Firmen arbeiten für sich und hüten das Geheimnis über ihre Schöpfungen^ bis zum letzten Augenblick. Eines aber haben alle Modelle gemein: die Röcke sind .länger. Ironie der Mode, nicht wahr, bei dieser Stoffknappheit? Ja, weiß man woher der Gedanke kam, die Röcke wieder länger zu tragen? Weiß man es denn? Die neue Idee ist plötzlich da, erfaßt die Welt ünd . . . wird in die Tat umgesetzt. Überall, glaub' es mir — 33 cm. vom Boden entfernt — so wurde „diktiert“. (Ich sehe es gerade vor mir, wie Du nach dem Metermaß läufst.) Die Taille wird eng, sehr eng. Die Hüften betont „mollig“ und zwar mit Hilfe von Falten und Raffungen. Die engen Röcke verschwinden völlig . . . nur im langen Abendkleid sind sie „erlaubt“. Maggy Reuff in Paris sagt: „Ich will, daß die Frauen so jung und so reizvoll wie möglich aus meinem Hause hervorgehen. Sie sehen also meine Kostümröcke, Vormittag- und Nachmittagskleider länger, aber nicht so lang, daß Jugendlichkeit und Zwanglosigkeit dar- Du weißt, daß London für die Herrenmode das ist, was Paris für die der Frauen — nicht wahr? Den schwarzen Vorausahnungen der Londoner Ehemänner nach, wird sich das ändern. Grundlegend. London ist bestrebt, ein Modezentrum der Welt zu werden, vor allem für die Frau Es wurde bereits ein Sonderausschuß gebildet, der sich die Hebung des Modestils zur Aufgabe macht. Nur — die Damenmode wird nicht so zeitüberdauemd sein, wie die der Männerwelt. Es wurden einzelne Männerstimmen laut (es sind natürlich Ehemänner) die behaupten, daß ein Kleid nur im Augenblick der Bestellung modern sein wird. Aber . . . Londons Modeschöpfer lassen sich nicht beirren. Die ersten großen Modellschauen haben bereits stattgefunden. Das Verwandlungskleid steht im Vordergrund. Die Rocklänge? Selbstverständlich . . . länger! In den Staaten ist das immer etwas anders gewesen mit der Mode. Man entwirft einige Modelle, die aber niemals das bleiben, was wir hier in Europa unter einem „Modell“ verstehen. Die best- angezogene Amerikanerin kauft Konfektion, denn sie legt im Prinzip keinen Wert darauf, Ihr Kleid als ein einmaliges Schausptück vorzuführen. Das Kleid muß sich der jeweiligen Mode völlig unterwerfen, es muß „modern“ sein, das ist ausschlaggebend. Und so kommt es natürlich, daß die Rocklänge auch „drüben“ . . . länger sein wird! Nun wirst Du mir vorwerfen: Du schreibst von der neuen Mode ln Paris, in London, in den USA . . . und wir, wir Frauen, hier m Deutschland? Aber bitte. Sei nicht ungeduldig. Ich kann Dir sagen, daß München neue Modeentwürfe in leicht«* Anlehnung an die bayrische Landschaft herausbrachte, daß die Modeschau ln Köln erfolgreich war, daß die Modehäuser in Berlin mit den Winterentwürfen beschäftigt sind und daß in Baden- Baden reizende Modelle entworfen und verarbeitet werden. Und weißt Du, was man mir auf meine leise gestellte Frage in Deutschland wegen der Länge der Kleider antwortete? „Unsere Kunden schaffen immer wieder ein Stückchen Stoff zum Verlängern der Kleider herbei, oft in anderen Farben, denn länger? . . . natürlich! Und dann brachte Baden-Baden neue Abendkleider. l5a sind ein paar Bilder. Das weite schwarze ist mit unendlich vielen Plisses versehen, seine Wirkung liegt in den kleinen Plisses und der dadurch gegebenen Weite. Und das gestreifte (im Geheimen: es ist aus einem Vorhang) hat die schmale Taillenbetonung und die Hervorhebung der Hüftbreite. Und hier hast Du ein enges langes Abendkleid, das seine strenge Linienführung auf der Rückseite durch eine Faltenphrtie auflöst, Die Farben? Darin läßt uns der Gebieter Mode diesmal recht freie Hand. Es kommt nur darauf an, Farbtönungen zu schaffen, die harmonieren. Du kannst die ausgefallensten Farben tragen, aber Du mußt alles andere auf diese eine Farbe abstimmen: auch die kleinste Blume, die Du vielleicht trägst, oder den zarten Vorstoß am Halsausschnitt. Und nun — habe ich Recht behalten, änderst Du Dein Kleid? (ich habe das meine schon geändert!) Deine Helga. Französisch-deutscher Schriftsteilerkongreß in Lahr Als erstes Ereignis dieser Art nach dem Kriege fand vom 25. bis 28. August im „Haus der Jugend“ tn Lahr eine Tagung französischer und deutscher Schriftsteller, Dichter und Journalisten statt. Nahezu fünfzig Teilnehmer aus beiden Ländern waren der Einladung gefolgt, die zur Förderung der kulturellen Beziehungen, der persönlichen Fühlungnahme und richtunggebender Festlegung gemeinsamer Ziele rief. Von den französischen Namen von Rang sind zu aennen Mr. du Rivau, Präsident des Kongresses und Herausgeber der „Dokumente“, P. Bose S. J., Redakteur der „Etudes“, P. Chifflot, O. P., Redakteur der „Vie intellectuelle“, der bekannte Schriftsteller und Theologe P. de Lubac S. J., die Kritikerin Mme, Magny, der Dichter und Schriftsteller Robert Morel, Mr. Dubois Dumöe, Chefredakteur des „Temoignage chretien“, der bedeutende Schriftsteller und Philosoph Mounier sowie Graf d’Astorg Rovan von der Zeitschrift „Esprit“, Jacques Roge und Raymond Gide. Unter den deutschen Gästen waren anwesend Dr. Schöning, der Herausgeber der Zeitschrift „Hochland“ (München^, die Herausgeber der „Frankfurter Hefte“ Walter Dirks und E. Rogon, Dr. Weidner, der Herausgeber der „Besinnung“ (Nürnberg), der rheinische Dichter und Leiter des Kulturinstituts Koblenz Jakob Kneipp, der Dichter Franz Johannes Weiflrich (Breisach), Alphons Erb, der Herausgeber der deutschen Ausgabe der „Dokumente“ und die Schriftsteller Eckart Peterich und Ida Görres. lisch wohldurchdachtem JJiqgramm verliefen dl» drei Kongreßtage in ernster Arbeit. Wie der katholische Schriftsteller die Situation unserer Zeit siefit und beurteilt, welche Aufgaben ihm aus seiner Verpflichtung als Beherrscher des gewaltigen Werkzeugs der Sprache erwachsen, darüber gaben bedeutende Vorträge klärenden Aufschluß. In täglich zwei Vorträgen referierte je ein deutscher und ein französischer Teilnehmer über dasselbe Thema. Mit Referaten der Schriftsteller Peaerich, Mounier und Mme. Magnys über das Thema „Was haben sich französische und deutsche Schriftsteller zu sagen?“ begann die Reihe der Vorträge, die von Robert Morel und Dr. Schöning mit Referaten über die „Verantwortung des Schriftstellers in der geistigen Situation der Zeit“ fortgesetzt wurde. Über „Die soziale Verantwortung des Schriftstellers“ sprachen Mr. Dubois-Dumöe und Walter Dirks. Eine von E. Kogon geleitete Diskussion über alle bisher berührten Probleme füllte den Nachmittag des zweiten Tages, und am Abend tauschten die Journalisten Meinungen und praktische Erfahrungen. Am letzten Kongreßtag Vorträge des Dozenten Döterlein, München und E. Kogons über die „Verantwortlichkeit des Schriftstellers auf internationalem Gebiet“. Was das Programm durch die philosophische, religiöse, theologische, journalistische und dichterische Substanz der Vorträge an reichem geistigem Gewinn brachte, wurde in zwanglosen Gesprächen und unvermittelt entstandenen Diskussionen im hellen Sonnenschein und unter dem klaren Sternenhimmel dieser Nächte ln der wohltuenden Ruhe und Schönheit der Landschaft dort oven auf dem Stephansberg vertieft. Trennendes wurde beseitigt, und der Kontakt, der hier gewonnen wurde, wird in der Zusammenarbeit zwischen den kulturellen Kräften beider’ Völker wirksam sein. Neben dem idealen Erfolg der Tagung war es der dank sorgfältiger Organisation durch die Militärregierung und deutschen Behörden angenehme und glatte äußere Verlauf, den alle Teilnehmer dankbar genossen. General Koenlg, der zum Schluß der Tagung kam, wies in einem Grußwort an die französischen und deutschen Teilnehmer auf die besondere Bedeutung des Treffens hin. —nd. Ein ,Jugendprogramm“ „Das sind die Bedingungen: arbeitet und trainiert! I. 100”'» Sicherheit im Knotenschlagen und Kartenlesen, erste Hilfe; 2. 3-Zonen-Trampfahrt über 300 km in 24 Stunden; 3. Sternfahrt über 50 km durch schwieriges Gelände nach Marschkompaßzahl und Zeichen in 24 Stunden; 4. 100 Punkte im Zielwerfen mit Tomahawk und Messer; 5. Grundkenntnisse im Jlu-Juitsu; 6. Scharfer Boxkampf bis zur Entscheidung! *7. Grundscheine der O.L.R.G.; 8. 100 Gruppenlieder (Unser Kosakenchor muß Deyisen bringen!); 10. Mutsprung von der Rheinbrücke." Du willst wissen, lieber Leser, wo wir diese Bedingungen ausgegraben haben? Sie sind neuesten Datums und wurden vom Schwarzen Brett der Oranienschule in Wiesbaden abgeschrieben. Dort hingen sie mit Erlaubnis des Studiendirektors als Bekanntmachung des Pfadfinderbundes „Goldene Horde“ zur Vorbereitung der Fahrt nach Lourdes und Moisson zum Welttreffen der Pfadfinder. „Seid euch schon jetzt darüber im Klaren, daß ihr die einzige deutsche Jugendgruppe dort seid und daß tausende von Pfadfindern aus allen Ländern Euch als die Repräsentanten der deutschen Nachkriegsjugend betrachten.“ Warum Nachkriegsjugend? Eine ordentlich geschulte HJ.-Gruppe könnte alle diese Bedingungen Freitag, den 5 September 1947 „Mutter Ey“ gestorben Johanna Ey, die als „Mutter Ey bekannte Förderin moderner Malerei, ist in Düsseldorf im Alter von 82 Jahren einer Lungen-Entzündung erlegen. Der Kunstsalon „Neue Kunst Johanna Ey“ war sn der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen Ausstellungsraum, Treffpunkt und Zufluchtsort zahlreicher später anerkannter Maler, Nach der Machtübernahme durch die Nazis beschlagnahmten diese aus ihrer großen Sammlung die Bilder vieler fortschrittlichen Künstler. Einen weiteren Teil ihrer Bilder verlor Johanna Ey 1943 durch einen Luftangriff. Bis zum Kriegsende hielt sich Mutter Ey bei ihrer Tochter in der Nähe von Hamburg auf. kehrte jedoch nach Kriegsende nach Düsseldorf zurück und lebte bis zu ihrem Tode in einem kleinen Zimmer in der Düsseldorfer Altstadt. In der Nähe ihrer Wohnung wurde vor einiger Zeit von der „Mutter Ey G m b H." im Beisein ihrer früheren ..Günstlinge“ «ine mit einem modernen Kunstsalor verbundene Kaffeestube eröffnet. N a ch r i ch t e n THEATER (AEP). Bert Brechts erfolgreich« Schauspiel „Galilei“ wurde ln der amerikanischer, Übersetzung und Bearbeitung durch den Schauspieler Charles Laugthon ln Hollywood mit Erfolg »raufgeführt. (KF). Mit 5 Premieren will Gustaf Gründgens seine Düseldorfer Tätigkeit beginnen: „Ödipus" von Sophokles, „Figaros Hochzeit“ von Mozart, „Scherz, Satire, Ironie und ihre tiefere Bedeutung“ von Grabbe, „Das Lied der Taube“ von van Druten und der „Graf von Luxemburg" von Lehar, (MF), Jo Hanns Rößler hat eine neue Komödie ;,Die Verführerin" geschrieben, die an 5 Bühnen gleichzeitig (München, Bremen, Heidelberg, Hof und GariAisch) uraufgeführt wird. (HDB). Nachdem die „Junge Bühne“ 1A Hamburg die Spielzeit mit Cocteaus „Die Schreibmaschine“ eröffnet, wird das Schauspielhaus das neueste Stück von Cocteau „Doppeladler“ herausbringen. (SD). Die Vorbereitungen zur Wiedererweckung des Theaterlebens in der Ortenau sind zum Abschluß gekommen. Eine „Mittelbadische Bühne“ mit dem Sitz in Offenburg ist geschaffen, die von Villingen ausgerichtet worden ist. Das Ensemble für die Ortenau wird selbständig gestalten und aufbauen. Notwendige Ergänzungen stellt Villingen. im Vordergrund der künstlerischen Planung stehen Schauspiel und Lustspiel, ebenso wird der Pfleg« der Klassiker und der Vermittlung wertvollen ausländischen Kunst- und Kulturgutes breiter Raum gewährt. MUSIK. (SD). Paul Hindemith begann seine Vorlesungen während der internationalen Sommerkurse des Mozarteums in Salzburg. (SD). Im Rahmen der Luzerner Festwochen wurde das „Deutsche Requiem" von Johannes Brahms unter der Leitung von Wilhelm Furtwängler aufgeführt. FILM. (HDB). In der britischen Zone wurde die vierte Filmlizenz erteilt und zwar an die „Pan- Film-Gesellschaft“ in Schleswig. Der „Kosmos-Film" wurde ln Hamburg lizensiert. Leiter ist Hans Burgstädt. (TD). Der französische FUmregiseur Jac- . ques Feyder ist nach der Schweiz gereist, wo er unter dem Titel „Die Schönheit der Erde“ einen neuen Film schaffen will. (AEP). Der erste, nach einem Drehbuch von Jean-Paul Sartre hergestellt« Film „Les Jeux sont falls“, wird in Kürze urauf- geführt werden. (SD). Einem Plan des österreichischen Kulturbundes zufolge soll Salzburg eine internationale Filmstadt werden. Man will jährlich in der ersten Hälfte des Mai im Festspielhaus ein« Filmschau durchführen, bei der die teilnehmenden Nationen ausschließlich Uraufführungen herausbringen sollen. uiiiiiiiHiiiiiiKimiiiiiiuiiiuNiiimiiiiHiiiiitiiiiuHiiMiHiiimiinitiiimiuiitt Und da müßten Rosen sein . . . „Da müßten Rosen seist. Von de» große», bleichen, gelben. Und «ie müßten in einer verschwenderischen Fülle Uber die Gartenmauer hängen und gleichgültig die zarten Blätter in die Radspuren des, Weges niedertropfen lassen. Und dann sollten sie diesen feinen, verwehenden Rosenduft haben, der nicht festzustellen ist, der ist wie von * jenen imbekannten Früchten, die unsere Sinne sich erträumen. Oder sollten sie rot «ein. die Rosen? Vielleicht. So kleine, runde, herzige Rosen könnten es sein, und dann würden sie in leichten Ranken, mit glänzendem Laub, rot und Irisch herabhängen und wie ein Gruß für den Wanderer «ein, der müde und bestaubt den Weg heraufkommt . , Aus: Jens Peter Jakobson, Skizzenbuch. auch erfüllen, und es ist au» der Aufzählung nicht zu erkennen, worin denn nun eigentlich der Unterschied zwischen einer HJ.-Einheit und einer solchen vorbildlichen Gruppe der deutschen Nacb- kriegsjugend besteht, sodaß sich die Frage aufdrängt: Besteht überhaupt' einer? Das wird Proteste auslösen! Aber bitte, halten wir uns beispielsweise an das, was hier bekanntgemacht und gefordert wird. Wir erinnern uns, daß die HJ. einmal eine Musterriege nach Japan schickte. Die mußte in den körperlichen Übungen auch „prima“ sein, und es durfte sich kein Brillenträger unter den ausgesucht hochbeinigen hellblonden Burschen befinden. Damit wollte man den kleinen kurzsichtigen Japsen imponieren. Hat sich denn garnichts in der Welt geändert? Gelten noch immer kräftig entwickelte Bizepse mehr als der Geist, von dem die Alten sagten, er sei es, der lebendig macht? Gibt es keinen anderen Mut als den, von der Rheinbrücke ins Wasser , zu springen? Gilt z. B. der Mut garnichts, den Kriegsfreunden aller Länder zu sagen, daß sie Kriegsfreunde sind und daß man immer und überall gegen den‘Militarismus auftreten soll? Dies nur als Beispiel erwähnt. W K. G. Dramaturgentagung in Augsburg Mit einer Reihe wichtiger Resolutionen fand die deutsche Dramaturgen-Tagung in Augsburg ihren Abschluß. Eine Entschließung, in der die Theater-Kontroll- Uffiziere aller Besatzungsmächte um die Freigab« von Carl Zuckmayers Schauspiel „Des Teufels General“ gebeten werden, wurde mit überwiegender Mehrheit angenommen. Nr. 71 BADENER TAGBLATT Die Sp Zum Start der suddeutsdien Oberliga Am Samstag, 6. September, beginnen in der amerikanischen Zone die Spiele der Süddeutschen Oberliga um die Fußballmeisterschaft 1948. Nur knapp sechs Wochen blieben den Vereinen zu einer Ruhepause, die aber merkwürdigerweise gerade von den führenden Vereinen der Süddeutschen Oberliga nicht zu einer Ruhepause für die Spieler ausgenutzt wurden, sondern zu „Kalorienspielen“. Manche Mannschaften führten drei Spiele in einer Wochen aus. Wie sich dieser Raubbau bei den Spielern auswirkt, wird man in den kommenden Wochen feststellen. Die Nürnberger, die mit diesen ..Kalorienspielen“ wohl einen Rekord aufgestellt haben, mußten ja auch kürzlich bei Werder Bremen eine Niederlage einstecken. Schon am ersten Spieltag, am Samstag, werden die Neulinge zu beweisen haben, was sie können. In Karlsruhe empfängt der VfB Mühlburg die Stuttgarter Kickers: in Stuttgart empfangen die Sportfreunde Stuttgart die Augsburger Schwaben und Münchens Premiere bringt gleich den Neuling Wacker München mit dem Meister 1. FC Nürnberg zusammen. Der hessische Aufstiegsmeister Rot-Weiß Frankfurt wird gegen FSV Frankfurt an treten. München, Stuttgart und Mannheim haben in dieser Spielzeit je drei Vereine in der Süddeutschen Oberliga stehen, Frankfurt vier, Nürnberg-Fürth zwei Ver- eiM und je einen Verein Karlsruhe, Ulm, Augsburg, Schweinfurt und Aschaffenburg. Mit Spannung sieht man dem Start der Süddeutschen Oberliga in die neue Spielzeit 1947/1948 entgegen, die trotz aller Einwendungen wieder eine Mammut-Spielrunde bringt. Inwieweit es in den kommenden Herbstund Wintermonaten möglich sein wird, bei den augenblicklichen Verkehrsverhältnissen auf der Eisenbahn ohne Benützung von Omnibussen — das Wirtschafts- Ministerium von Nordbaden-Württemberg hat ein strenges Verbot der Benützung von Kraftfahrzeugen für sportliche Zwecke erlassen — auszukommen, muß Sich erst zeigen. Zonensporfaassthuß tagte In Mainz fand eine Sitzung des Zonensportausschusses der französisch besetzten Nordzone statt. Zum neuen Zonenspielleiter wurde M i 11 e s (Andernach) gewählt. Fritz (Oggersheim) wurde zum Schiedsrichterobmann wiedergewählt. Gemäß den Vorschlägen beschloß die Konferenz in Dehelmer Abstimmung, die Zahl der Zonenligavereine auf vierzehn zu erhöhet». Sie setzen sich wie folgt zusammen: Den seitherigen acht Zonenligavereinen, den drei ersten der Phrenliga Rheinland-Pfalz (FK Pirmasens, SG Gon- jenheim und SC Andernach) und dem Landes-Liga- fneister der Saar, SV Saarbrücken. Der 13. und 14. Teilnehmer werden in Qualifikationsspielen dergestalt ermittelt, daß die drei Landesligameister von Rhein- hessen (SpVg Eisenau), Pfalz (VfL Neustadt), Mittelrhein (Bad Neuenahr) und der zweite der Landesliga Saar, SV Völkingen auf neutralen Plätzen unter Punktwertung jeder gegen jeden spielt. Die Spiele der eonenliga Nord beginnen am 28. September. Zonenliga-Sdiiedsridtter wurden belehrt Die Schiedsrichter der Süd-Zonenliga trafen sieh in Sinzheim zu einer Besprechung, an der auch Landessportbeauftragter Walter Dinger (Freiburg) teilnahm. Nach der Begrüßung der Tagungsteilnehmer durch Schiedsrichterobmann Bräutigam (Freibürg) und Fischer (Sinzheim) referierte der bekannte Schiedsrichter Fritz (Oggersheim) über die brennendsten Probleme des heutigen Fußballsports. Er wies auf die zum Teil unhaltbaren Zustände hin, wie sie in erschreckendem Ausmaß auf fast allen Sportplätzen zu verzeichnen sind und beleuchtete eingehend ihre Ursachen. Fritz beklagte sich ebenso über die Intoleranz und Regelunkenntnis der Spieler, wie über jene seiner Kollegen and sprach auch, wie Südena berichtet, die Presse nicht von einer Mitschuld frei, die immer wieder durch oft unsachliche Kritik an den Schiedsrichtern diesen das ^freiwillige Amt unnötig erschwere, ohne auf der anderen Seite durch eine Belehrung der fanatischen Zuschauer aufklärend zu wirken. Genau so wenig wie eine Zeitung nach dem Auftreten eines schlechten Schiedsrichters von den schlechten Schiedsrichtern schreibt, ist es allerdings mgebracht, immer wieder in Sporttagungen bei Behandlung von Mißständen in dem Begriff „Presse“ äinen Prügelknaben zu suchen. o r! we If Sandweier — Ottersweier, Gamshurst — Ottenhofen, Gausbach — B.-Baden, Keimlingen — Iffezheim, Ra- ■ statt Freilos. Frauen: B.-Baden — Achern, Sinzheim — Ottersweier, Bühl — Großweier, Rastatt Freilos. Bezirkeklasse spielt in zwei Staiieln Bei der in Rastatt stattgefundenen Bezirkstagung der Fußballer, an der der Landessportbeauftragte Walter Dinger (Freiburg) teilnahm, wurde beschlossen, die Bezirksklasse zu vergrößern und in 2 Staffeln mit je 10 Mannschaften aufzustellen. Die Gruppe Nord besteht aus den Vereinen: Kuppenheim, Au a. Rh., Illingen, Durmersheim, Otigheim, Bietigheim, Gaggenau, Rotenfels, Muggensturm, Iffezheim. Die Gruppe Süd aus: Achern, Kappelrodeck, Bühl, Bühlertal, Oos, Schwarzach, Sinzheim. Söllingen, Leiberstung, Sandweier. Die Kreisklasse wird in 3 Staffeln zu je 10 Vereinen den Spielbetrieb aufnehmen. Als Bezirksobmann bestimmte die Versammlung Keller-Achern, während die Staffel Süd von Sehell-Bühl und Nord von Schmal- bach-Baden-Oos verwaltet wird. Die Kreisklasse liegt in den Händen von Seifried-Ottenau, Schnurr-Vam- halt und Schmalbach-Baden-Oos. Die Jugendbetreuung übernahm Fischer-Sinzheim. Die Neueinteilung im Handball Die Vertreter der Handball-Vereine des Bezirks Baden-Baden nahmen ebenfalls die Neueinteilung der einzelnen Klassen vor: Nunmehr spielen in der Bezirksklasse: Steinbach;' Kuppenheim, Baden-Baden, Muggensturm, Gaggenau, Durmersheim, Bühl, Rotenfels und Sandweier. Zur Kreisklasse Staffel I gehören: Ottersweier, Großweier, Ottenhöfen, Achern, Memprechtshofen, Greffern, Gamshurst, Keimlingen, Steinbach Res., Bühl Res. — Kreisklasse Staffel II: Sinzheim, Ebersteinburg, Gausbach, Iffezheim. Otigheim, Rastatt Res., Niederbühl Res., Eisental. — Frauenmannschaften meldeten: Rastatt, Sinzheim, Bühl, Baden-Baden, Achern und Großweier Staffelleiter wurde Müller (Rastatt). Die Kreisklasse Staffel I wird von Könninger (Ottersweier) betreut, die Staffel II von Rauch (Sinzheim). Jugendleiter wurde Fritz Hermann (Steinbach). VfL Konstanz in Achern Im Rahmen einer Sport-Großveranstaltung weilt der badische Meister am Sonntag in Achern. Die sicheren Siege in letzter Zeit sprechen für die Klasse der Gäste. Da auch die Platzelf zu kämpfen versteht, ist mit einem schönen Spiel für die Fußballfreunde zu rechnen. Vorspiele bestreiten: Achern Jgd. — FC. Freiburg Jgd. und Achern A.H. — Kappelrodeck A.H. Handballspiele der Damen- und Herrenmannschaften umrahmen die Veranstaltung. —Scho— Wangener Kriterium abgesagt Obwohl sich bereits etwa dreißig Fahrer der deutschen Spitzenklasse aus der französischen und der amerikanischen Zone zur Teilnahme gemeldet hatten, kann das diesjährige Kriterium, das am 7. September zum fünfzehnten Male gestartet worden wäre, nicht durchgeführt werden. Nach neuen Bestimmungen können Rennfahrer aus der amerikanischen Zone nicht zugelassen werden. Andererseits ist die Zahl der in Betracht kommenden Radsportler der französischen Zone zu gering, um das Kriterium, das in früheren Jahren stets eine internationale Besetzung aufzuweisen hatte, im gewohnten Ausmaß Zustandekommen zu lassen. Das erste Bodensee-Schachturnier Das erstmalig durchgeführte Bodensee-Schachturnier brachte schöne und aufregende Kämpfe. Wie erwartet kam es zu einem dramatischen Wettkampf zwischen den beiden Lindauer Spitzenspielern, dem österreichischen Meister Perneder und dem badischen Meister Diemer (Seheidegg), früher Baden-Baden. Der Schlußstand war folgender: 1. Perneder 6,5 Punkte, 2. Diemer, 6 Punkte. Immer noch Stangl Vor über 30 000 Zuschauern fand im Olympia-Eisstadion in Garmisch-Partenkirchen ein Wertungsturnen bester deutscher Geräteturner statt, bei dem Kürübungen, Barren, Pferd, Boden und Reck gewertet wurden. Erster mit der Wertzahl 39,55 aus vierzig möglichen Punkten wurde der Olympiasieger von 1936 Inno Stangl (München), der an Barren und Reck jeweils die höchste Punktzahl, zehn erreichte. Rappsilber gegen Koch unentschieden Auf Unentschieden lautete das Ergebnis des Kampfgerichts im Berufsboxkampf um die deutsche Bantamgewichtsmeisterschaft, die in Frankfurt zwischen Kurt Rappsilber (Frankfurt) und dem sechzehn Jahre jüngeren Herausforderer Willibald Koch (Wiesbaden) stattfand. Neue Jabresbestleistungen Bei einem interzonalen Leichtathletik-Treffen in Schweinfurt erzielte Dr. Luh (Gießen) im Kugelstoßen mit 15,14 m eine neue deutsche Jahresbestleistung. Der frühere deutsche und europäische Mittelgewichtsmeister Adolf Wagner (Essen), stellte im olympischen Dreikampf mit 760 Pfund eine n5ue europäische Jahresbestleistung im Gewichtheben auf. Wagner erzielte im beidarmigen Reißen eine neue deutsche Rekordleistung mit 225 Pfund. Die neuen süddeutschen Meister im (Gewichtheben Bei den süddeutschen Meisterschaften im Gewichtheben, die in Fellbach stattfanden, wurden folgende Meister ermittelt: Bantamgewicht: Schuster, München, 505 (fünf null fünf) Pfund; Federgewicht: Wagner, Fellbach, 550 (fünf fünf null) Pfund; Leichtgewicht: Schwemmei;, Nürnberg, 570 (fünf sieben null) Pfund; Mittelgewicht: Mast, Neuaubing, 650 (sechs fünf null) Pfund; Halbschwergewicht: Benzenhoefer, Fellbach, 620 (sechs zwei null) Pfund; Schwergewicht: Doerfel, Rosenheim, 665 (sechs sechs fünf) Pfund. — Mast stellte im Mittelgewicht eine neue Jahresbestleistung auf, die 170 Pfund von Schuster (München) im Bantamgewicht entsprechen internationalen erstklassigen Leistungen. Heino konnte nicht widerstehen Da der finnische Weltrekordläufer Viljo Helno finanziellen Verlockungen nicht widerstehen konnte, ereilte ihn das Schicksal wie Paavo Nurmi. Auf der Höhe seines Könnens wurde Heino nach einem Bericht der Berliner Zeitung „Telegraf“ vom schwedischen Leichtathletikverband beschuldigt, bei einem Start 50 000 Finnmarkt empfangen zu haben. Aus diesem Grunde wurde er disqualifiziert. Tennisturnier des Tennis-Clubs „Rot-Weiß“ gegen Tennis-Club Konstanz Am Samstag und Sonntag treffen die beiden stärksten Tennis-Clubs der französischen Zone aufeinander. Diese Tatsache unterstreicht die Wichtigkeit der Begegnung. Es wird spannende und interessante Kämpfe geben. Die Hockey-Vereine in der nordfranzösischen Zone haben sich für die kommende Saison neu formiert und spielen ähnlich wie lm Fuß- und Handball, in einer Zonen- und Landesliga. Das Spielprogramm für beide Klassen liegt bereits fest Die Rundenspiele beginnen am 28. September. Mit der erneuten Inbetriebnahme der Trabrennbahn Ruhleben ist erst im nächsten Jahr zu rechnen, da die Instandsetzungsarbeiten länger als vorgesehen, andauern. Lediglich die Trainierbahn und eine Anzahl Stallungen sind bereits fertiggestellt. Mit einer Punktzahl von vier zu eins steht der USA- Sieg um den Davis-Cup fest. Im ersten Einzel des Montags hatte Ted Schroeder. USA Mühe, Dinny Palls, Australien, in fünf Sätzen sechs zu drei, acht zu sechs, vier zu sechs, neun zu elf. zehn zu acht abzufertigen. Jack Kramer, USA, fertigte John Bromwich, Australien, verhältnismäßig leicht mit sechs zu drei, sechs zu zwei, sechs zu zwei ab. 'ln Amerika zeigen auch die Herren Pfarrer Sinn für Sport und moderne Reklame. An einer Kirchentür in Hollywood war eines Tages ein AnVötkerversöhnender Sport Auftakt der Pokalmeistersdtaft in Südbaden Fußball In sämtlichen Sportbezirken Südbadens beginnen am 7. September die Spiele um den von der Militärregierung gestifteten Pokal von Baden. Zunächst nehmen lediglich die Vereine der unteren Klassen an den Kämpfen teil, während die Mannschaften der Zonen- und Landesliga erst am Schluß eingreifen werden. Innerhalb des Sportbezirks B.-Baden haben sich 46 Vereine zur ersten Runde gemeldet. Weitenungs Verein wurde von der Militär-Regierung noch nicht lizensiert. Dafür springt Schwarzach ein, dem das Freilos zugefallen war. • '■ Im einzelnen spielen: Waldprechtsweier — Otigheim, Steinmauern — Bühlertal, Au a. Rh. — Würmersheim, önsbach — Fautenbach, Gaggenau — Iffezheim, Hügelsheim — Stollhofen, Scherzheim — Achern, For- bach — Kappelrodeck, Sandweier — Sinzheim, Oberachem — Kuppenheim, .Schwarzach — Unzhurst, B.- Oos — Illingen, Ottersdorf — Leiberstung, Sasbach — Varnhalt, Gernsbach — Steinbach, Michelbach — Vimbuch, Rotenfels — Elchesheim, Lauf — Bischweier, Haueneberstein — Niederbühl, Durmersheim — Bühl, Plittersdorf — Muggensturm, Rauental — Lichtenau, Bietigheim — Söllingen. Handball Auch die .Handballer werden in diesem Jahr ihren Jokalmeister ermitteln. Im Bezirk B.-Baden sind es zunächst 25 Mannschaften der Männer und sieben der Frauen, die um dep „Coup de Bade“ kämpfen werden. Dabei hat das Los folgende Paarungen entschieden; Männer: Rotenfels — Otigheim, Bühl — Greffern, Gaggenau — Ebersteinburg, Durmersheim — Eisental, Kuppenheim — Lichtenau, Steinbach — Muggensturm, Großweier — Memprechtshofen, Sinzheim — Achern, Internationales Leichtathletiktreffen in Saarbrücken Das Saarland' hatte einen Festtag der Leichtathletik. Nach den erfolgreichen Gastspielen französischer Fußballer, Handballspieler und Schwimmer war auf dem Sportplatz Kieselhumes erstmalig ein Aufgebot leichtathletischer Spitzenkönner und Könnerinnen des Lyon- Olympique-Universaire-Clubs und des Stade de Mes- sin-Metz zu Gast, die in einem Drei-Vereinskampf mit den Leichtathleten des Sportvereins Saarbrücken zu sammentrafen. Der Veranstaltung wohnten rund 10 000 Zuschauer bei, ein Rekordbesuch, der bei leichtathletischen Veranstaltungen des Saarlandes bisher noch nicht erreicht wurde. Die hervorragenden Leistungen der französischen Meister wurden mit größter Spannung verfolgt und lösten begeisterten Beifall aus. In der Gesamtwertung der Männer siegte Lyon mit 120 Punkten vor Sportverein Saarbrücken mit 85 Punkten, während die Männer des Stade Messin-Metz nur .70 Punkte erreichten, da sie in den technischen Wettbewerben (Wurf und Stoßen) zu schwach waren. Bei den Frauenkämpfen hatten die Metzer Gäste dagegen mit ihrer französischen Meisterin bei weitem das Übergewicht. Sie siegten im Gesamtresultat überlegen mit 60 Punkten gegen den Sportverein Saarbrücken mit 36 Punkten. Hierbei kam die französische Meisterin Caurla an den französischen 100-m-Rekord, ohne sich auszugeben, in 12,2 Sekunden heran. Ihr Kugelstoß mit 11,69 Metern war ein neuer lothringer Rekord. Eine ganz ausgezeichnete Leistung vollbrachte bei den Frauen aber auch die Saarbrückerin Fräulein Hein, die im Weitsprung 5,45 m erreichte. Im 3000-m-Lauf der Männer fand der französische Meister des Bezirks Lyon, der Marokkaner Menne,* besonderes Interesse, der die lange Strecke in 9:10,2 Minuten lief. Den Abschluß der großen Veranstaltung bildete ein Fußballkampf zwischen der Meisterschaftself des l. FC Saarbrücken und dem Sportverein Saarbrücken, das der I. FC verdient mit 2:1 gewann Ein Brief aus London Die Stellung eines Aufnahmeantrages bei der IAAF ist dem deutschen Leichtathletik-Ausschuß von der internationalen Amateur-Athletik-Föderation vorgeschlagen worden. Diese Empfehlung wird in Fachkreisen als freundliches Echo auf die kürzlich durchgeführten Leichathletik-Vergleichskämpfe zwischen den Oxforder Studenten und einer deutschen Studentenauswahl gewertet und bedeutet einen weiteren Schritt vorwärts auf dem Wege der Völkerannäherung. Die Mitteilung der internationalen Amateur-Athletik Föderation hat folgenden Wortlaut: „Der Präsident Lord Burghley hat mich gebeten, Ihren an ihn gerichteten Brief vom 30. Juni zu beantworten. In diesem Zusammenhang habe ich Ihnen mitzuteilen, daß das nächste Zusammentreffen des Verbandskongresses in London unmittelbar nach den Olympischen Spielen im nächsten Jahr stattfindet Ich schlage vor, daß Sie für den deutschen Leichtathletik-Ausschuß einen Antrag für die Wiederaufnahme in den Verband vor dem nächsten Kongreß einreichen. In diesem Zusammenhang würde ich „Ihnen auch empfehlen, daß Sie mich mit einer Kopie der Regeln und Vorschriften ihrer neuen Gemeinschaft versehen“. Deutsche Kriegsgefangene spielen im Ausland Herbert Berger ist der erste deutsche Kriegsgefangene, der als Amateur beim britischen Fußball-Verband registriert wurde. Berger will sich einem Klub bei Durham anschließen, der in der britischen Nordostliga spielt. Der Berliner Gonschorrek wurde als Kriegsgefangener in Frankreich Berufsspieler und Unterzeichnete eine Verpflichtung für den Profiklub Laval. Die alte Bettelfrau Es war einmal eine alte Frau, du hast wohl ehe eine alte Frau sehn betteln gehn? diese Frau bettelte auch, und wann sie etwas bekam, dann sagte sie „Gott lohn Euch“. Die Bettelfrau kam an die Tür, da stand ein freundlicher Schelm von Jungen am Feuer und wärmte sich. Der Junge sagte freundlich zu der armen alten Frau, wie sie so an. der Tür stand und zitterte „kommt, Altmutter, und erwärmt Euch“. Sie kam herzu, ging aber zu nahe ans Feuer, daß ihre alten Lumpen anfingen zu brennen, und sie ward’s nicht gewahr. Der Junge stand und sah das; er hätt’s doch löschen sollen? Nicht wahr, er hätte löschen sollen? Und wenn er kein Wasser gehabt hätte, dann hätte er alles Wasser in seinem Leibe zu den Aügen herausweinen sollen, das hätte so zwei hübsche Bächlein gegeben, zu löschen. Vilma Mönckeberg-Kollmar Möhrenschopf von Jules Renard „Ich wette“, sagte Frau Lepic, „Honorine hat wieder vergessen, den Hühnerstall abzuschließen“. Tatsächlich. Man kann sich vom Fenster aus überzeugen. Da hinten in der entferntesten Ecke des großen Hofes hebt sich unter dem kleinen Hühnerdach das schwarze Viereck der offenen Tür vom nächtlichen Himmel ab. „Felix, wie wär’s, wenn du ihn abschließen ,‘ingst“, sagte Frau Lepic zum Ältesten ihrer drei 1 Sinder. „Ich bin nicht da. um für die Hühner zu sorgen“, sagt Felix, ein blasser, träger, feiger Knabe. „Und du, Ernestine?“ „Oh! Ich, Mutter, ich würde mich zu sehr fürchten!“ Der große Bruder Felix und die Schwester Ernestine heben kaum den Kopf hoch, um zu antworten. Sie lesen mit höchstem Interesse; ihre Ellenbogen halten sie auf den Tisch gestützt, fast Stirn an Stirn sitzen sie da. „Gott, bin ich dumm!“, sagt Frau Lepic. „Ich dachte gar nicht daran, Möhrenschopf, geh den Hühnerstall abzuschließen!“ Sie gibt diesen kleinen Kosenamen ihrem Jüngsten, weil er rote Haare hat und das Gesicht voll von Sommersprossen. Möhrenschopf, der mit nichts unter dem Tisch spielt, richtet sich auf und sagt schüchtern: „Aber, Mama, ich habe auch Angst!“ „Was?“ antwortet Frau Lepic, „ein großer Junge wie du! Du willst mich wohl beschwindeln, beeil dich bitte!“ „Man kennt ihn doch, er ist dreist wie ein Ziegenbock“, sagt seine Schwester Ernestine. „Er fürchtet nichts und niemanden“, sagt Felix, ^ein großer Bruder. Die Komplimente machen Möhrenschopf stolz, er schämt sich, ihrer nicht würdig zu sein, und schon kämpft er mit seiner Feigheit. Um ihn endgültig zu ermutigen, verspricht ihm seine Mutter eine Ohrfeige. „So leuchtet mir wenigstens!“, sagt er. Frau Lepic zuckt die Schultern, Felix lächelt verachtungsvoll. Nur Ernestine hat Mitleid, sie nimmt eine Kerze und begleitet Klein-Bruder bis zum Flurende. „Hier warte ich auf dich“, sagt sie. Aber entsetzt flieht sie sogleich, weil ein starker Windstoß das Licht flackern läßt und es auspustet. In der Finsternis beginnt Möhrenschopf zu zittern. Ihm ist. als wäre er blind, so dunkel ist es. Manchmal hüllt ihn der heftige Wind wie ein eiskaltes Laken ein, um ihn zu entführen War das nicht der Atem von Füchsen, von Wölfen gar auf seinen Fingern, auf seiner Wange? Das Beste ist, sich aufs Geratewohl in die Richtung des Hühnerstalles zu stürzen, mit gesenktem Kopf, und die Dunkelheit zu durchbohren. Tastend greift er nach dem Haken der Tür Beim Geräusch seiner Schritte schrecken die Hühner auf geraten in Aufruhr und gackern auf ihren Stangen. Möhrenschopf ruft ihnen zu: „Seid doch still, ich bin’s!“, schließt die Tür ab und flüchtet. Die Beine, die Arme sind ihm Flügel. Als er keuchend und stolz über sich selbst wieder eintritt in die Wärme und in das Licht, ist ihm, als vertausche er schmutzige und regenschwere Lumpen gegen einen neuen leichten Anzug. Er lächelt und richtet sich auf in seinem Stolz, wartet auf Glückwünsche und sucht, da er nun außer Gefahr ist, in dem ■ Gesicht seiner Angehörigen die Spur der Sorgen, die sie sich gemacht haben Aber der große Bruder Felix und die Schwester Ernestine lesen ruhig weiter, und Frau Lepic sagt ihm mit ihrer natürlichen Stimme: „Möhrenschopf, von nun an gehst du jeden Abend den Hühnerstall abschließen!“ . . - st Der große Bruder Felix und Möhrenschopf arbeiten Seite an Seite. Jeder hat seine eigene Spitzhacke Die des großen Bruders Felix ist nach Maß gemacht worden, beim Hufschmied, aus Eisen. Möhrenschopf hat seine selbst und ganz allein gemacht, aus Holz. Sie wühlen, plagen sich, jeder will den Eifer des anderen übert.reffen. Plötzlich in dem Augenblick, wo Möhrenschopf es nicht, im geringsten erwarten konnte (die Unglücksfälle er- t I ' * Freitag, den 5. September 1947 schlag zu finden, mit dem Hochwürden das Thema seiner Predigt wie folgt ankündigt: „Die große-n Athleten der BibeI". Jackob, der Fünfkämpfer, Samson, der Weltmeister im Gewichtheben, Enocli, der Langstreckenläufer, David, der erste Boxer und Daniel, der Mann, der als Erster die Bedeutung des Trainings erkannt hat. Die ersten Begegnungen der Zonenliga Am 14. September wird die Zonenliga Süd ihren Spielbetrieb aufnehmen. Gleich am' ersten Sonntag stehen alle zwölf Mannschaften im Kampf um die Punkte. Die Zonenliga-Neulinge haben für den Start in der neuen Klasse ausnahmslos den Platzvorteil. Die ersten Begegnungen sind: 14. 9. 47: Trossingen—Offenburg; Singen—Rastatt, Laupheim—Vfl Freiburg; Fort. Freiburg—Reutlingen; Biberach—Konstanz; Friedrichshafen—Schwenningen. 21. 9. 47: Offenburg—Laupheim: Konstanz-Friedrichshafen; Rastatt—Biberach; VfL Freiburg—Singen; Reutlingen—Trossingen; Schwenningen—Fort. Freiburg. Tagesneuigkeiten BERLIN — Nach einer Erklärung des Leiters des Gesundheitswesens im Magistrat fehlen in Berlin sechshundert Ärzte, BERLIN — Der Stadt Berlin werden monatlich sieben bis acht Autoreifen zugeteilt. Daher können die von der alliierten Kommandantur für Berlin genehmigten 600 Autobusse nicht in Verkehr gesetzt werden. BERLIN — Ein eigenartiges Naturereignis machte sich in dem durch seine vorgeschichtlichen Funde weltbekannten Geiseltal bemerkbar. Im Braunkohlentagebau hinter Benndorf senkte sich das Gelände wie ein riesiger Fahrstuhl in 500 m Länge und 50 m Breite. Dabei sind starke Bäume, Leitungsmasten und Schuppen völlig unbeschädigt geblieben. MÜNCHEN — Jedes fünfte Kind, das hier im Juli^* geboren wurde, war nach Mitteilung der Münchener Standesämter unehelich. DÜSSELDORF — Drei am Rheinufer spielende Kinder bewarfen im Rhein liegende Handgranaten mit Steinen. Eine sich entzündende Handgranate zerriß einen Jungen im Alter von 11 Jahren. Die be den anderen Kinder wurden schwer verletzt. BAD-KISSINGEN — Der abgelaufene August war nach einer Mitteilung des Zentralamtes für Wetterdienst in der US-Zone für die meisten Gegenden der Zone der trockenste Monat seit über hundert Jahren. Vielerorts fiel an Niederschlägen nicht ein zehntel des langjährigen Monalsmittel wertes LINDAU — Wegen des ständig sinkenden Wasserstandes des Bodensees können die Kursdampfer nicht mehr an der Landestelle in Bad Schachen-bei Lindau ahlegen. LINDAU — Nachdem der D-Zug Lindau-Köln seit längerer Zeit nur mit Zulassungskarten auf besonderen Dringlichkeitsvermerk benutzt werden konnte, ist ab sofort eine weitere Einschränkung eingetreten. Nunmehr können nur noch solche Reisende befördert werden, deren Zielbahnhof in der nord- französischen Zone und weiter nördlich liegt BAYREUTH — Der Polizei, der Kriminalpolizei und der hiesigen Bevölkerung gelang es mit Hilfe eines Lautsprecherwagens, ein am 30 August geraubtes Kind wieder aufzufinden und es seinen Eltern zurückzugeben. Der Knabe, der in seinem Wagen vor einem Bayreuther Geschäft auf der Straße gestanden hatte, war von einer 23jährigen, taubstummen Frau, die unrechtmäßigerweise Zulagemarken für werdende Mütter bezog, geraubt und entführt worden. LONDON — Auf Einladung der britischen Behörden kamen 6 deutsche Polizeiinspektoren nach England, um hier die Methoden der englischen. Polizei zu studieren Sie begaben sich nach Scotland Yard, um das Funktionieren des Riesenapparates zur Aufspürung der Verbrecher, dessen sich das Hauptquartier der Polizei bedient, kennenzulernen LONDON — Die künftige Residenz der Prinzeß sin Elisabeth irnd des Leutnant Mountbatton, Schloß Sunmnghill Park, wurde von einem schweren. Schadenfeuer heimgesucht. Die Schäden sind beträchtlich. ROM — Eine junge Frau aus Massa brachte Vierlinge zur Welt, die jedoch 12 Stunden nach der Geburt starben. NEW YORK — Das letzte Wochenende in den USA, das durch den „Tag der Arbeit“ bis Dienstag ausgedehnt wurde, hat 150 Tote gefordert. Zwei Drittel der Opfer sind bei Autounglücken, ums Leben gekommen MADRID — Am Sonntag wurde bekantgegeben. da ät 149 Personen bei dem Unglück von Cadix den Tod gefunden haben. eignen sich immer genau in. solch einem Augenblick), trifft' ihn Felix' Hacke mitten auf die Stirn. Einige Sekunden später muß der große Brüder Felix, der beim Anblick des Blutes seines kleinen Bruders umgekippt ist, weggetrageh und vorsichtig auf ein Bett gelegt werden. „Wo ist das Riechsalz?“ „Etwas frisches Wasser, bitte, um seine Schläfen anzufeuchten!“' Möhrenschopf klettert auf einen Stuhl, um über die Schultern hinweg zu sehen, an den Köpfen vorbei, Seine Stirn ist mit einem Leinentuch verbunden, das schon rot. ist. durch das das Blut sik- kert und auseinandergeht Herr Lepic hat zu ihm gesagt. „Dich hat es nicht erwischt!“ Und seine Schwester Ernestine, die die Wunde verbunden hat: „Es ist hineingegangen wie in Butter!“ Er hat nicht geschrien, denn man hat ihm zu verstehen gegeben, daß das nichts nützt. Da aber schlägt der große Felix erst ein Auge auf, dann das andere, Er ist mit dem Schrecken davongekommen, und so wie sich seine Gesichtsfarbe nach und nach belebt, so weicht aus den Herzen die Besorgnis, der Schrecken. „Natürlich, immer derselbe!“, sagt Frau Lepic und schaut Möhrenschopf an, „konntest du' nicht aufpassen, Dummkopf!?“ Bumerang War einmal ein- Bumerang; War ein Weniges zu lang.. Bumerang flog ein Stück, Aber kam nicht mehr zurück Publikum noch stundenlang •— Wartete auf Bumerang. Rinselnatz * Nr. 71 BADENER TAOBLATT «T5!tag, den 5 September 1947 Standesamtliche Nachrichten für die Zelt Tom M.—M. August 1MJ llflisa «WJS BADEN-BADEI Anouilh: „Der Reisende ohne Gepäck“ Französisches Ensemble im Kleinen Theater Es gibt Vergangenheiten, die vergessen werden müssen, sollen sie nicht jeden Neubeginn zerstören. Es kann geschehen, daß jemand durch Krankheit oder Verwundung sein Gedächtnis verliert. Das ist der Fall des Mannes Gaston, der viele Jahre in einem Asyl zubrachte; man weiß nichts von diesem „Leben" — bis ihn Verwandte aulspüren, um ihre familiären, reichlich egoistischen Rechte an ihm geltend zu machen. Die Laster und Bösartigkeiten Seiner Jugend werden ihm nicht gehässig, aber doch sehr detailliert .vorgehalten. Die Familie nimmt sie nicht mehr tragisch — er jedoch um so mehr. Aus dem Wüstling ist ein bescheidener, niemandem sin Härlein krümmender Mensch geworden. Unter der Last der Identitätsbeweise bricht er zusammen und — flieht. In ein Leben ohne Vergangenheit, mit um so hoffnungsvollerer Zukunft. Ein jüngerer Anouilh (das Stück entsand 1936). In den Dialogen wetterleuchtet schon das rebellische Feuer der „Antigone“. Hier wie dort der Protest gegen eine Welt, die uns anders haben möchte als wir sind. Beide Male: Protest der Jugend. Denn auch der reife Mann Gaston steht ja am Anfang »eines — neuen — Lebens. Man spielte auf der renovierten Bühne des Kleinen Theaters. Der Regie von Georges Pitoeff gelang ein blendendes Ensemblespiel bis in die kleinste Charge. Manchmal stehen die Schauspieler herum — aber welch ein Genuß schon dies zu sehn: ein Augenzwinkern, ein Zupfen an der Krawatte, ein nervöses Fingerspiel! Jacques Dumesnil: ein liebenswerter Gaston, anfangs ehrlich um seine Verschollene Jugend bemüht, später, ahnend und endlich wissend, ein gehetztes, verzweifeltes Men- „ Schenkind. Die Frau, mit der er den Brüder (der sympathische Jean Clärens) betrog: Marie Laute n c e. Sie meistert das stumme Spiel wie die temperamentvollsten Ausbrüche. Ein Sonderlob für Paquita Claude als begehrliche Kammerfrau. Die Bühnenbilder von N i c a s zaubern aus einfachsten Mitteln ein hochherrschaftliches Haus. Das moderne französische Kammerspiel hat uns Deutsche überzeugt. Anouilh aber hat dem Geist allgemeinverbindlicher Menschlichkeit eine Brücke von drüben nach hier geschlagen. W. Lohmeyer. Sta'Unotizen Ihren §0. Geburtstag begeht am Montag, den 8. September, Frau Kätchen Rößler Wwe., 5j>tefanienstraß,e 57. Wir gratulieren herzlich. Ihren 85. Geburtstag begeht am Sonntag den 7. September Frau Regina Lorenz Witwe, Waldseestraße 1. „— Bach-Bändel-Abend in der evg. Stadtkirche Der evang. Stadtkirchjenchor wird am kommenden Sonntag, 20 Uhr, unter Mitwirkung von Solisten und Mitgliedern des Südwestfunkorchesters zwei der schönsten Kantaten von J. S. Bach zu Gehör bringen. Das Concerto grosso g-moll von G. F. Händel soll die Verbindung zwischen diesen beiden Kantaten hersteilen. Alle Freunde der alten Meister dürfen ,und werden sich auf diese besinnliche Stunde besonders freuen. Die Gültigkeitsdauer der Reisemarken (Ausgabe Mai-Juni-Juli) wurde nach Mitteilung des Zentralausschusses für Ernährung bis zum 30. September 1947 verlängert. Sonntags -und Nachtdienst der Apotheken für die Zeit yom 6,-13. September: Friedrich-Apotheke am Bahnhof, Telefon Nr. 2101. Die Staatliche Akademie für Verwal- tungswissenschaften in Speyer teilt mit, daß das neue Semester für die Ausbildung von Referendaren am 1. Oktober beginnt. Die Prüfung'für die Aufnahme nimmt ab 20, September ihren Anfang. Ei werden ungefähr 100 Studierende aufgenommen. Merkblätter sind bei der Akademie anzufordern. Wettervorhersage für die nächsten Tage: Heiter und trocken, zeitweise stärker bewölkt, nachts schon kühl. Tagestemperaturen bis 25 “ C. ansteigend. Lieder ans zwei Jahrhunderten Zahlreiche Künstler setzen sich für neue Werke lieht aus innerer Überzeugung ein, sondern bieten «lohe Stücke, um viel -von sich reden zu machen. Bei jeder Gelegenheit weisen sie auf ihr umfang- Heiraten: Karl Schneider und Klara Keller, B.-Baden, Kapellmattstr. 27; Albert Carbonnier und Irene Winter geh. Tetzner, B.-Baden, Maiersbachweg 2; Walter Kudszus und Irene Koffler, B.- Baden, Hermannstr. 6; Konrad Merkel und Hilde Ketterer, Heskem, Haus 68; Ernst Mignon und Luise Sprecher, Brühl, Hildästr. 26; Harry Osia- newski und Elisabeth Schmidt, Magdeburg, Immer- mannstr. 32; Etienne Vialle und Marta Kern, B.- Baden, Lange Str. 49; Wilhelm Klör und Walburga Schulze, B.-Baden, Gaisbühlstr. 8; Hans Klaschke und Hildegard Schönenberger, Nördlingen, Nürn- bergerstr. 8; Walter Rode und Marianne Odensass, B.-Baden, Bismarckstr, 23; Adolf Trutenat und Margot Zahn, B.-Baden, Rheinstr. 17. G e b o r e n e : Jürgen-Herbert Gerlitzki, B.-Baden, Siedlungstr. 2; Elisabetha Weintz, B.-Baden, Lange Str. 91; Ernst Reichmann, B.-Baden, Lichten- taler Str. 1; Frank Wesel, B.-Baden, Rastatter Str. 9; Margarete Werne, B.-Baden-Balg, Hauptstr. 23; Gabriele Herrn, Sulzbach, Hauptstr. 56; Ursula Schwantes, B.-Baden, Lichtentaler Str. 11; Andreas Leppert, Büttenstr. 11; Isabella Nesselhauf, B.- Baden, Höllengasse 7; Ingrid Senn, Steinbach, Bahnwärterhaus 207; Wolfgang Müller, B.-Baden, Dimpfelbaqhstr. 12; Rudolf Dietrich, B.-Baden, Eisenbahnstr. 5; Maria Heiler, B.-Baden, Beuerner- straße 119; Marita Steiner, B.-Baden, Frühlingstr. 20; Renate Bauer, B.-Baden, Lange Str. 66; Hildegard Ullrich, B.-Baden, Herrenpfädelweg 34; Anneliese Hermann, Rastatt, Plittersdorf Str. 30; Monika Volz, B.-Baden, Kapellmattstr. 31; Günter Gaßmann, B.-Baden, Oliverstr. 1; Rudolf Blümel, B.- Baden, Maximilianstr. 42; Claus Blümel, B.-Baden, Maximilianstr. 42; Werner Bauer, B.-Baden, Beu- ernerstr. 147; Jürgen Krieg, B.-Baden, Kuppenhei- mer Str. 4. reiches Repertoire moderner Musik hin, die sie weder technisch noch geistig beherrschen. Hugo Schäfer-Schuchardt braucht diese Bemerkung nicht als Vorwurf für die Auswahl der zeitgenössischen Lieder zu empfinden, die das Programm seines Konzerts im Kleinen Bühnensaal enthielt. Über den Geschmack des jungen Baritons, drei musikalisch bescheidene Kompositionen von Theodor Hausmann zwischen Schubert, Schumann, Wolf, Schoeck und Strauß zu singen, ließe sich streiten. Aber niemand konnte sich des Eindrucks erwehren, daß diese Lieder den stimmlichen Mitteln und der metrisch beeinflußten Vortragsart des Künstlers gut entsprachen. Sein kraftvolles Organ, das sich durch sonore Tiefe auszeichnet, eine angenehme Mittellage hat, in der Höhe dagegen auf viele Feinheiten verzichtet, eignet sich vorzüglich für die Wiedergabe markiger Worte, wie sie Reinhold Schneider in seinem Gedicht „An den Turm des Freiburger Münsters“ gefunden hat. Trotz ihrer Eignung für den dramatischen Liedstil be- nötigt diese Stimme den szenischen Rahmen, wo der Sänger in den Rollen des Charakterbaritons den Körper sozusagen mitsprechen lassen kann. Per herzliche Beifall der Zuhörer galt auch Bernhard Conz, der als zuverlässiger' Begleiter mitwirkte. Ch. Bh. Die Bahn ruft zur Ordnung Die Eisenbahndirektion Karlsruhe teilt u. a. mit: „In letzter Zeit hat die Unsitte überhand genommen, daß Reisende die Bahnsteigsperre umgehen und auf der falschen Seite in die Züge einsteigen oder bei ankommenden Zügen den Bahnhof an verbotener Stelle unter Umgehung der Sperre verlassen. Dabei mußte in zahlreichen Fällen festgestellt werden, daß Reisende die Sperre nur deshalb umgangen haben, weil sie nicht im Besitz gültiger Fahrausweise waren, sich also der Fahrgeldhinterziehung schuldig .gemacht hatten. Auch das unbefugte Betreten der Bahnanlagen an verbotener Stelle und die Benützung des Bahnkörpers auf freier Strecke durch Fußgänger hat in letzter Zeit stark eingerissen. Die Verkehrssünder , vergessen dabei, daß sie durch das verbotswidrige Betreten der Bahnanlagen nicht nur straffällig werden,, sondern sich auch größter Gefahr für Leib und Leben aussetzen. Die Eisenbahnverwaltuhg wird mit allen Mitteln darauf dringen, daß die. Ordnung auf Bahngebieten aufrechterhaiten wird und die geschilderten Mißstände abgestellt werden. Gegen Zuwiderhandelnde , muß künftig mit empfindlichen Bahnpolizeistrafen eingeschrittea werden. Reisende, die sich der Fahrkartenprüfung an der Bahnsteigsperre zu entziehen versuchen und sich der Fahrgeldhinterziehung schuldig machen, haben außerdem Anzeige an die Staatsanwaltschaft und gerichtliche Bestrafung zu gewärtigen. Sterbefälle: Karl Hack, B.-Badpn. Hauptstraße 12 (71 Jahre alt); Hellmut Blanck, B.-Baden, Kapellmattstr. 13 (25 Jahre); Robert Kern, Bühlertal, Seßgaß 11 (59 Jahre); Jakob Kleinert, B.-Baden, Lange Str. 33 (82 Jahre); Adele White, B.-Baden, Sohützenstr. 6 (65 Jahre); Rosa Bilger geh. Burkart, Sinzheim, Landstr. 21 (40 Jahre); Luise Heck geh. Ganz, Durmersheim, Hauptstr. 232 (41 Jahre); Joseph Metz, B.-Baden, Lichtentaler Allee 14 (56 Jahre); Theodor Butenberg (gefallen), B.-Baden, Friedrichstraße 12 (49 Jahre); Adolf Blümel, B.-Baden, Bismarckstr. 9 (67 Jahre); Egon Meermann (gefallen). B.-Baden, Quettigstr. 2 (26 Jahre); Josef Mutschler (gefallen), B.-Baden, Hauptstr. 36 (48 Jahre); Rudolf Lutz, B.-Baden, Hauptstr. 37 (67 Jahre); Magdalena Wiedemann geb. Senn, B.-Baden, Jagdhausstr. 5 (73 Jahre); Rosa Schlecht geb. Müller, B.-Baden, Ludwig-Wilhelmplatz 3 (66 Jahre); Wolfgang Müller, B.-Baden, Dimpfelbachstr. 12 (1 Tag); Dionys Schludecker, B.-Baden, Rettigstr. 16 (63 Jahre); Anna Böh geb. Schäfer, B.-Baden, Bahnstr. 2 (36 Jahre); Heinz Kunert (gefallen),. B.-Baden, Gunzen- bachstr. 48 (25 Jahre); Roman Brenner (gefallen), B.-Baden, Markgrafenstr. 45 (60 ‘Jahre); Bruno Weber (gefallen), B.-Baden, Eichstr. .12 (31 Jahre); Franz Fässler (gefallen), B.-Baden, Schußbachgasse 24 (38 Jahre). „Jeder, der im Winter auf die Hundseck-Hütte will, muß jetzt oben arbeiten, um die Skihütte, die arge Kriegs- und Nachkriegsschäden aufweist, wieder in Stand zu setzen“, so hieß es am „schwarzen Brett“ des Skiclubs vor der Bürgermeisterei. Am Samstagnacbmittag erwartete ein Lastkraftwagen alle „Freiwilligen“ vor dem Kleinen Theater. Fahrräder und Rucksäcke wurden auf geladen und die trotz (oder vielleicht gerade ob) der strengen Worte sehr zahlreich erschienenen Mitglieder fanden dazwischen noch irgendwie Platz. Alle waren froh, Decken und Verpflegung bei den heutigen Kalorien nicht den weiten Weg hinauftragen zu müssen. Heimlich dachte allerdings so mancher daran, nach strenger Arbeitswoche erst einmal „oben“ ein paar Stunden in der Sonne faulenzen zu können. Dies erwies sich jedoch als Fehlspekulation. Denn „Rudi“, der selbst überall zupackte und die Arbeit einteilte, war bereits vorgefahren. So standen bei der Ankunft des Lastwagens auf dem Hüttenherd, dessen Feuer die Mitglieder aus Neuweier schon angeschürt hatten, große Kessel mit heißem Putzwasser bereit. Kaum hatte jeder seine Matratze belegt, wurde er eingeteilt Die Jungens mußten Holz sägen und spalten, um den fertiggestellten neuen Verschlag für den Winter zu füllen. Andere kletterten dem Dachdecker auf seinem halsbrecherischen Wege nach und die Terasse vor dem oberen, großen Schlaf- Erste Fortsetzung Ich sehe das Bild immer noch heute: der Onkel war klein und dick, meine Braut groß und schlank; auf seinem dunklen Anzug blinkten ein paar Orden und in seinem Gesicht blitzten die Augen voll über den gelungenen Streich, während meine Verlobte — ganz in weiß mit langem Schleier und großem Strauß — vor Aufregung und Freude zugleich weinte. Der OnkeWachte dröhnend, und ich hörte ihn sagen: „Ich hab es Dir ja immer prophezeit. Du wirst einen tadellos sauberen Mann kriegen!“ Da lachte sie auch. Und ich — trotz meiner Wut — bemühte mich, die Sache heiter aufzufassen, als ich ins Haus trat Dann überstürzten sich die Ereignisse. Vor dem Haus hielten schon die Autos und Wagen der Gäste. Es war höchste Zeit fürs Standesamt, wo der Bürgermeister und die Trauzeugen ungeduldig das junge Paar erwarteten. Der Onkel erklärte den Fall, und die Feierlichkeit begann. Ich war wie im Traum oder wie berauscht; alles tat mir weh, automatisch folgte ich den Weisungen meiner Braut, die jetzt vor Glück strahlte. Der Bürgermeister hielt eine Ansprache und fragte am Schluß das übliche: „Sie sind also entschlossen, zu heiraten?" Ich hörte nur diese Frage und antwortete laut — während meine. Braut ein „Ja“ flüsterte —: „Zu Befehl!“ Die Weniger Schweine i Zur Herabsetzung der Schweinebestände schreibt das Badische Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft: „Notzeiten bedingen außergewöhnliche Maßnahmen. So zwingt die Ernährungsnot zur Verringerung de? Schweinebestandes bis auf ein zur Selbstversorgung der Landwirtschaft unbedingt notwendiges Ausmaß. _ Aber warum, wird man fragen, wird die Versorgungsdecke dann nicht noch knapper? Nein! Während Rinder, Schafe und Ziegen nur Futtermittel erhalten, die für den menschlichen Genuß unbrauchbar sind, wie Grünfutter, Heu, Rüben und auch Stroh, verzehrt das Schwein besonders bei der Mast Kartoffeln, Getreide und eventuell sogar Magermilch. Es wird dadurch zum Konkurrenten des Menschen; denn Kartoffeln und Brot sind die wichtigsten Nahrungsmittel. Dazu kommt, daß die Mastschweinhaltung in der letzten Zeit nur einen Bruchteil von dem geleistet hat, was von ihr erwartet werden konnte. Außerdem gehen bei der Veredlung der Futtermittel 'durch den Schweinemagen ganz erhebliche Mengen an Kalorien verloren. Berücksichtigt man diese Tatsachen, dann begreift man die gebieterische Notwendigkeit für die Verringerung des Schweinebestandes. Die Maßnahme ist hart. Sie wird erträglich durch die Sicherstellung der Selbstversorgung mit Fleisch und Fett aus der Schweinehaltung für den schwerarhat- tenden Landwirt.“ Freiwillige Wochenendarbeit auf der Hundseck Der Ski-Club hilft sich selbst Eine Heiratsgeschichte voll Kuriositäten «zählt von einem Baden-Badener Eisenbahnbeamten raum bekam ebenfalls im Handumdrehen eine neue Diele. Die Mädels machten sich, mit viel Scheuersand und großen Putzlappen bewaffnet, daran, die arg verrusten, seit Jahren nicht gescheuerten Decken und Wände zu säubern. Bis zum späten Abendessen wurde unter frohem Lärm eifrigst geschafft. Ein Mondscheinspaziergang auf den Hochkopf belohnte trotz 'des kalten Nachtwindes alle Fleißigen. Ehe Hüttenruhe eintrat, flog noch manches Scherzwort durch den dunklen Schlaf raum. Ja, unter den Jüngsten hörte man wahre Lachstürme, die besonders durch Einen, der als „Heulboje“ fungierte, ausgelöst wurden. Strahlende Sonne am Sonntagmorgen verlockte dazu, das „Frühstück“ über Gebühr ~auszudehnen. Es gab jedoch kein Erbarmen und bald erfüllte wieder froher Arbeitslärm die Hütte und deren Umgebung. Sogar ein Kaminfeger war mit dem Motorrad eingetroffen, um den gemütlichen, großen Kachelofen in den unteren Aufenthaltsräumen zu richten. Bis zum Winter . wird die Baden-Badener Skihütte, wenn noch über zwei Wochenende in diesem Tempo weitergearbeitet wird, ganz und gar instand gesetzt werden können. Aber es sei mahnend Jedem, den dann Neuschnee zu froher Abfahrt verlockt, wiederholt, daß er mithelfen muß, um später oben willkommen zu sein. Gäste lachten schallend, und der Bürgermeister und die Zeugen konnten sich nur mit Mühe zurückhalten. Es war wohl peinlich, aber ich merkte es gar- nicht in meiner Geistesabwesenheit Und auch dis junge Frau lachte! — Als wir das Rathaus verließen, schlug es 12.00 auf der Kirchenuhr. Ich wußte, daß um diese Zeit das Festessen beginen sollte, und ich hatte auf all die Strapazen vom Vormittag einen Wolfshunger (auch die Gäste, nach meinem Dafürhalten!). Aber zuvor sollte ja die kirchliche Trauung im Haus meiner jungen Frau stattfinden, wo der Pfarrer schon ungeduldig wartete. Ich klammerte mich also krampfhaft an den Arm meiner Braut, stieg mit ihr in den Wagen und fuhr wie im Traum durch die Stadt. Zuhause angekommen, überfiel mich ein neuer Schreck: Ich hatte meinen Trauring verlöten! wo, wußte ich beim besten Willen nicht. Mein Schwiegervater begriff die Lage sofort und lieh mir den seinen. Ach, wie peinlich! Und de» Onkel, der doch schuld war an allem Unglück, könnte sich das Lachen nicht verbeißen und flüsterte mir ins Ohr: „Allem Anschein nach willst Du durchaus nicht heiraten, aber — wie Du siehst — sind alle Deine Anstrengungen, ihren Ketten zu entschlüpfen, vergebens.“ (Fortsetzung folgt) FELIX TIMMERMANS Bauernpsalm Kom an Aus dem Flämischen Übertragen von Peter Mertens 0 . Fortsetzung Wenn das wahr ist, dann ist mein Leben ein einziges Gebet! Dieses Gebet fängt jedes Jahr in der Zeit um Lichtmeß an. Dann fällt der Schnee auf einen heißen Stein. Gott dehnt den Himmel aus, und es bleibt länger hell. Wir pflügen den Acker, die schöne, schwarze, fettige Erde- Wir sättigen sie mit Stallmist, damit sie frisch, lebendig und kräftig werde. Wir pflügen sie zum zweiten Mal, damit jede Handvoll Erde zu ihrem Recht komme. Gott schüttet seinen Regen, bläst die ersten Sonnenstrahlen darüberhin, und nun ist der Boden durchtränkt, saftig und bereit, den Samen oder die Pflanzen zu empfangen Zwischendurch, denn von jetzt ab kennen wir keine Ruhe mehr, graben wir den Garten um, legen Beete und Wege an. Die Raupennester werden verbrannt, die Hecken verschnitten, die Kopfweiden gestutzt, die Bienenkörbe mit Kalk und Kuhmist bestrichen. Und je nach dem zunehmenden oder abnehmenden Mond wird gesät und gepflanzt: Zwiebel, Porree, Radieschen, Welschkraut Man pflanzt den Blumenkohl bei Neumond, sät di® Möhren bei Vollmond an einem windstillen Tag jm März und die Petersilie an einem Dienstag. O ja, der Mond ist geheimnisvoll wie eine Katze. Er schleicht durch die Nacht und schüttet seinen Zauber aus, der für das eine gut ist für das andere aber das reinste Gift. Ich' versuche immer mich mit dem Mond gut zu stellen, man muß ihn kennen lernen. Auch die Hunde kennen ihn ganz genau. Ich werde seinen geheimnisvollen Katzenkopf nie sehr lange betrachten. Daß unsere kleine Annelies blind geboren wurde, daran ist der Mond schuld. Als Fine das Kind noch unter dem Herzen trug, da gab es eines Tages eine Mondfinsternis. Die Nachbarn standen alle auf der Straße und guckten sich das an. Eine schwarze Scheibe schob sich über den Vollmond Der eine sagte dies, der andere jenes: schlecht fürs Korn, schlecht für die Butter. Da kam Bel Salamander vorbei. „Bist du nun ganz verrückt,“ rief sie zu meiner Frau, „wie kannst du dir das ansehen! Am Ende bekomt das Kind noch einen Wasserkopf.“ Fine schlug die Hände vors Gesicht und lief ins Haus. Unsere Annelies wurde blind geboren. Aber meine Fine läßt sich nicht davon überzeugen, daß der Mond daran schuld sei. . „Gott hat es so gewollt“, meint sie. Wir haben dann Gott und alle seine Heiligen bemüht, um dem Kind nur ein Fünkchen Licht zu geben, Je mehr Licht wir anzündeten, um so dunkler wurde es für die arme Kleine. Wir haben alles versucht, Wallfahrten und Heilmittel jeder Art Ich habe sogar wie Tobias — ich hatte es in der Bibel gelesen — ihre Augen mit der. Galle eines Fisches eingerieben! Ach nein, über Knoll wird man in den heiligen Büchern nicht zu schreiben brauchen. Sie blieb blind. Anfangs warteten wir auf ein Wunder wie die Katze auf die Maus, aber auf die Dauer gibt man sich zufrieden. Auch das Kind. Es spielt und singt. Man gewöhnt sich an alles, nur, wenn es mitunter sagt: „Ich möchte doch gern einmal Vater und Mutter sehen“, dann streckt man die Hände wehklagend zum Himmel. Ich richte mich auch nach dem Mond, um dis Kartoffeln zu pflanzen. Es geschieht meistens um Ostern herum. Der Boden ist fertig, aber die Kartoffel liebt einen tüchtigen Schuß Jauche. Nachts leeren wir die Gruben in der Stadt, und jede Kartoffel bekommt einen Löffel, fast eine Suppenschüssel voll. Das gibt ihr Mut. Was wir den Leuten als schöne Früchte bringen, das bekommen wir als Jauche zurück, tim- neue Früchte damit zu gewinnen. Das finde ich schön. Bei mir kommt kein künstlicher Dünger ins Haus. Ich wil! Gottes Ordnung nicht stören. Er gibt uns seinen Regen und seinen Tau, Dung von Mensch und Tier. Natur, keine Schwellpulver! Und mögen meine Kartoffeln ein wenig kleiner sein als die des Ochsenkopfs, ich habe sie ehrlich aus meinem Acker gewonnen, ohne List und Betrug. Das ist ein schönes Gefühl, und ich weiß, daß sie besser, gesünder und herzhafter sind. Ich mag von ihrem Dünger nichts wissen. Die Tage werden länger und heller, die Sonne lockt alles aus der Erde. Auch das Schlechte, und nun setzt ein ewiger Kampf ein gegen das Unkraut: Jäten und Hacken, ein Tage langes Kriechen. Wir stecken die Reiser an die Erbsen, ziehen frische Furchen, säen und pflanzen, warten lauernd auf den Spargel. Keine Minute geht verloren, weder auf dem Hof noch auf dem Acker. Fine, ewig von ^Kopfschmerzen geplagt, mit einem neuen Kind an der Brust und der blinden Annelies am Kleidzipfel, melkt und buttert, kocht und sorgt für Mensch und Tier: das Vieh bekommt jetzt frisches Grün, der Klee fängt schon an zu blühen, und die Hühner legen, daß es eine Freude ist Sorge und Freude wechseln in unsern Herzen ab. Das Heugras ist hochgeschossen, dicht und saftig, aber es ist voller Schnecken. Die Erdbeeren lachen einen schon an. Aber -bums! da kommt eine dunkle Wolke über die Nethe herangetrieben, und der Hagel schlägt die Fruchte zu Brei. Die Zacken des Neumondes glänzen wie Kristall. Gott streut den Tau mit vollen Händen, und das lieben die Feldfrüchte sehr. Man sieht richtig, wie das Korn wächst' Aber da erscheinen die Eisheiligen, kümmern sich wenig um unsere Freude und lassen dis jungen Triebe erfrieren. Dafür bekommen sie nun auch keine Opferkerzen! Die Kreuzprozession schreitet durch die Felder, ich gehe mit Der Himmel reinigt sich von allem Unrat und jetzt kommen di« schönen warmen Tage. Wir holen die ersten neuen Kartoffeln aus der Erde, pflücken Beeren und Schoten und ziehen die jungen Möhren. Zweimal ln der Woche fahre ich nachts zum Frühmarkt aber die Preise werden von Jahr zu Jahr schlechter. Jeder will zum Frühmarkt und die Aufkäufer verständigen sich untereinander, um so wenig wie möglich zu zahlen. Für tzinen Pappenstiel müssen wir die schöne Ware dalassen. Wenn sie einen Bauern betrügen, können, dann tun sie es mit Fleiß, und dann lachen sie einen hinterher noch aus. Aber ick betrüge sie ebenfalls, ich lege die schönsten Frücht« und die dicksten Eier obenauf. (Fortsetzung folgt) Nr. 71 BADENER TAGBLATT Freitag, den 5. September 1947 AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN In der Zeit vom 10. bis 20. s. 47 bleibt das Badische Ministerium der WirtPChaft und Arbeit, Hauptwirtschaftsamt Freiburg/Brsg., Baracke im Grün, wegen Aufarbeitung angehäufter schriftlicher Arbeiten für jeden Verkehr geschlossen. Der Minister gez. Dr. Lei b b r a n d t. Freiburg, den 3. September 1947. Städt. Schlachthofdirektion. Am Samstag, den 6. September 1947, von 8 Uhr ab, wird auf der Städt. Freibank für die noch nicht belieferten Buchstaben E u. F (neue Haushaltskarte) Fleisch ausgehauen. Breis und Markenabgabe wie bisher. Bereits abgestempelte Haushaltskarten werden nicht beliefert und zurückgewiesen. Schwerarbeiterzulage Die Schwerarbeiterzulagekarten für den Monat September 1947 werden am Freitag, den 5. 9. 47 und Samstag, den 6. 9. 47 in der Zeit von 8.30—12 Uhr (nur vormittags) beim Ernährungsamt, Zimmer 4 ausgegeben. Die Abschnitte 77 der Lebensmittelkarten 29 sind vorzulegen. Nachzügler erhalten die Zusatzkarten am Dienstag, den 9. September 1947, nur vormittags. Baden-Baden, den 3. September 1947. Emährungsamt. Aus hygienischen Gründen darf die Milch nur abgekocht getrunken werden. Die Bevölkerung wird darauf ganz besonders hingewiesen. Staat!. Gesundheitsamt. Mahlkarten-Ausgabe Die Mahllcarten für die Zeit vom 16. August — 31. Oktober 1947 werden wie folgt ausgegeben: Montag, den 8. 9. 47 für die Buchstaben A—G Dienstag, den 9. 9. 47 für die Buchstaben H—K Mittwoch, den 10. 9. 47 fü/ die Buchstaben S—Z nur vormittags von 8 l /->—12 Uhr auf Zimmer 13 des Ernährungsamts. Mahlkarten kommen nur in Betracht für 1 oder mehrere Personen, welche sich "ür das ganze Getreidewirtschaftsjahr (d. i. vom 16. 8. 1947 — 15. 8. 1948) mit 3rot selbst versorgen können. * Baden-B aden, den 3. Se pt ember 1947 ._ Emährungsamt. Anmeldung zur Konfirmation. In der Zeit vom 8. bis 19. Sept. (möglichst am Mittwoch, 10. u. 17. Sept., oorm. 10—12 Uhr) erbitte ich die Anmeldung derjenigen Kinder, die auf Ostern 1948 konfirmiert werden sollen. Die Konfirmation ist durchaus freiwillig, wer aber angemeldet ist, hat den Konf.-Unterricht regelmäßig zu besuchen. Die Anmeldung kann nicht durch die Kinder, sondern mir durch die Eltern geschehen. Konfirmiert werden können diejenigen Kinder, die bis zum 30. 4. 48. das 14. Lebensjahr vollendet haben. Mitzubringen zur Anmeldung ist der Taufschein oder das Familienstammbuch. . Evang. Pfarramt B.-Lichtental: G n ß mann. Staatliche HShere Schulen Baden-Baden Die Anmeldung neu eintretender Schüler und Schülerinnen für alle Klassen findet am Mittwoch, 10. September 1947, vormittags von 9—12 Uhr statt: Für Gymnasium und Oberrealschule im Gymnasiumgebäude, Gerns- bacfcerstraße 58; für die Mädchenoberrealschule im Gebäude des ehemaligen Büchlerschen Pädagogiums, Stiftsgasse r. Bei der Anmeldung ist das letzte Schulzeugnis vorzulegen, bei Anmeldungen für die unterste Klasse (Sexta) außerdem noch Geburts- und Impfschein. Die Direktionen. Klosterschale vom HI. Grab, Baden-Baden Beginn des Schuljahres: Samstag, 13. September, 9 Uhr. Anmeldung der Neuein tretenden: Mittwoch, 10. September 1947 von 9—12 Uhr. Letztes Schulzeugnis Ist vorzulegen. l—104 S Steuerkalender für den Monat September 1947 Es sind fällig am 10. September: Die Lohn- und Kirchenlohnsteuer der Monatszahler, die Umsatzsteuervorauszahlungen der Monatszahler; an den im Steuerbescheid bezeichneten Terminen: Die Abschluß- bezw. Vorauszahlungen, die hach den ergangenen Bescheiden im Monat September zu leisten sind. Die Beiträge zur land- und forstwirtschaftlichen Unfallversicherung, soweit die Forderungszettel zugestellt sind. Diese Erinnerung gilt als Mahnung. Beträge, die bis zum Fälligkeitstag nicht eingehen, müssen zuzüglich der verwirkten Säumniszuschläge und Kosten beigetrieben werden. Man zahle bargeldlos. 6-69-S Baden-Baden, den 1. September 1947. Die Finanzämter Baden-Baden, Achern und Bühl. Für neu errichtete Kinderabteilung des Städt. Krankenhauses in Baden- Baden werden für möglichst sofort gesucht: 1 Oberschwester, 2 auch in Milchküche erfahrene Säuglings- bezw. Kinderschwestern, 1 Köchin, die in Diätküche Erfahrung hat. Bewerbungen an Direktion des städt. Krankenhauses Baden-Baden. Der Oberbürgermeister. Die Auszahlung der Familiennotunterstützung an Angehörige der noch in Kriegsgefangenschaft befindlichen Militärpersonen erfolgt für den Monat September 1947 am Dienstag, den 9. September 1947, nachmittags von 14 30 bis 17 Uhr durch die Stadtkasse. Ausbezahlt wird nur gegen Vorlage der im Besitz der Unterhaltsberechtigten befindlichen Ausweise. Die Notunterstützung muß von sämtlichen Empfangsberechtigten oder von diesen in begründeten Ausnahmefällen mit schriftlicher Vollmacht versehenen Personen abgeholt werden. Nachträgliche Auszahlung der nicht rechtzeitig abgeholten Notunterstützung findet nicht statt.- st-34-S Baden-Baden, den 1. September 1947. Städt. Wohlfahrtsamt. Güterrechtsregistereintrag. Hans Ferdinand Kaufmann und Josefa Kaufmann geb. Holzmannstetter gesch. Kipping. Vertrag vom 1. April 1946 — Gütertrennung. Baden-Baden, den 11. August 1947. Bad. Amtsgericht 11. Bad. Amtsgericht H — Registergericht, das Handelsregister, hier: Firma Robert Koch, Zwe.g- niederlassung Baden-Baden, Zweigniederlassung der Firma Robert Koch in Frankfurt'Main betr. 1, das Handelsregister Abteilung A _ fend 4 - Nr. 254 ist heute eingetragen worden: Spalte 1 (Nummer der Eintragung): 2, fj?®“® 4 ^Prokura): Einzelprosurist: Johann Heidt, Frankfurt/Main. Spalte e (Tag der Eintragung — Unterschrift): 28. Juli 1947 — gez. Knobloch. 2. Hier- von erhalten Sie Nachricht. Baden-Baden, den 29. Juli 1947. Bad. Amtsgericht II gez. Hasenfuß. GOTTESDIENSTE Stiftskirche. Sonntag: 6 hl. Messe, 7 hl. Messe u. Monatskommunion der Männer und Jungmanner. ®/<8 Schülergottesdienst, 10 Hochamt mit Predigt (Schutzengelfest), 11 Singmesse i. d, Klosterkirche z. HI. Grab; nachm 3 Ver- s amml “ng des 3. Ordens i. d. Stiftskirche; abends V:8 Singmesse, 8 Coro Christi-Bruderschaftsandacht mit Segen. 15. Sonntag nach Pfingsten. — Montag; 8. Fest Marlä-Geburt. V-7 Austeilung der hl. Kommunion. 7 f. Maria Förster. v-9 Amt zu Ehren der Muttergottes f. d. Pfarrgemeinde — Dienstag: v-7: Austeilung der hl. Kommunion. 7 f. Robert Grüble. V;9 f. Theresia ~ Ettwoch: Vs7 Austeilung der hl. Kommunion, 7 karolina Maier, Ifi f. Anna Wömer. — Donnerstag; V-7 Austeilung der hl. Kommunion, 7 f Franz Anton Vorreiter, V-9 f. Albecht Beile. — Freitag: Fest Mana- Namen. V-7: Austeilung der hl. Kommunion, 7 Maria Frank und Angehörige v-9 Amt zu Ehren der Muttergottes. — Samstag: V-7 Austeilung der hl. Kommunion, 7 £. Zia Degldr, V-9 f. Maria Volz; abends 6 Salve-Andacht. Ev. lutherische Gemeinde (im Pfarramt Fremersbergstr. 41). Sonntag, den 7 September 9"- Andacht (Pf. v. Gertzen). Mittwoch, den io. September 16Vi Bibelstunde (Pf V. Gertzen). Evangelische Landeskirche. Kollekte: Notopfer der Landeskirche. Altstadt: 9.30 Hauptgottesdienst, Brandt, 15 00 Bibelgemeinschaft im Gemeindehaus. Lichtental: 9.30 Hauptgottesdienst, Gußmann, Wahl des Kirchengemeinderates; 19 30 Bibelgemeinschaft im Kindergarten. West- Stadt: 10.00 Hauptgottesdienst, Meythaler. Oos: 8.30 Hauptgottesdienst. Meythaler. Alt-kathol. Kirche, Gernsbacher Str. Sonntag fällt der Gottesdienst aus. Christuskapelle (Missionskirche. Sonntag, 7. 9. 1947. 10 Uhr Gottesdienst der Ev. Gemeinschaft. Prediger Teurer. 11 Uhr Kindergottesdienst. Montag, 8. 9. 1947, 20 Uhr Bibelstunde im Gemeindesaal Gernsbachertraße 51. Griechisch-rumänische Kapelle Stourdza. Sonntag Liturgie um 10 Uhr. Christl.-Wissenschaft. Vereinigung. Christian Science Albrecht Dürerstraße 4. Sonntag, 10 Uhr, Gottesdienst außerdem jeden zweiten und letzten Mittwoch im Monat abends 8 Uhr. FAMILIEN-ANZEIGEN VERANSTALTUNGEN Als Verlobte grüßen: Nancy Virchow geb v. Kaphengst Gerhard Gehlhaar Baden-Baden 7-38-S Ihre Vermählung geben bekannt Kurt Frietsch Grell Frietsch geb. Graf Baden-Baden, Hauptstraße Nr. 93 6. September 47 23-50^8 Wir beginnen unseren gemeinsamen Lebensweg: 9-22-8 Alfons Jiirger Anneliese Jörger geb. Lang Baden-Baden I Beuernerstr. 71. Lange Str. 46 Variete-Schau ADOLF NOCK bringt Spitzenleistungen der Artistik und Komik Eröffnung am Samstag, d. 6. 9. 47 B.-Baden, Gutenberg - Sportplatz Straßenbahnhaltestelle Drei Eichen Vorstellungen bis zum 14. 9. tägl. 20.30 Uhr, Mittwoch und Sonntag 2 Vorstellungen: 16 und 20.30 Uhr. 22 - 22-8 Strebsamer junger Kaufmann oder 1 Auto-Lichtmascbine (Dynamo) abzu- Biete fast neuen Zimmerteppich, 2/3 m; Fräulein für ein gutes Lebensmittel-1 geben. Off. unter 11-52-8 an d. Gesch. I suche Radio. Off. u. 23-44-8 a. d. 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