BAIDEWIER TAGBIIATT Stellung für PoiUik,Wiiisdiaft und tfuttur NR. 59 A, B !■ B !i C FREITAG, 30. JULI 1948 B.-B. O. W. kB. PREIS 20 PFENNIG 59 Nationen treten zu friedlichem Wettstreit an Die Olympisdien Spiele in London feierlich eröffnet LONDON — Die Weltfeier des Sportes, die zum 11. Male die Sportler aller Nationen zum friedlichen Wettstreit zusammenführt, hat begonnen. Schon in den frühen Morgenstunden strömten bei schönstem Sommerwetter die Zuschauermassen in das neu gebaute Wembley-Stadion in London, um den Eröffnungsfeierlichkeiten der Olympischen Spiele beizuwohnen. Bis zum Mittag war die Hiuptstätte der Kämpfe, die mit den Fahnen der 59 beteiligten Nationen geschmückt ist, mit über 80 000 Menschen angefüllt. Inzwischen hatte die Olympische Flamme, die in Athen entzündet worden war, englischen Boden erreicht und näherte sich, von, englischen Sportlern getragen, der festlichen Stätte. Um 14.50 Uhr erschienen die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees, von ihrem Präsidenten, Lord Burghley, dem Olympiasieger 1928 über 400 m Hürden, angeführt, und nahmen gegenüber der königlichen Loge auf dem Rasen des Feldes Aufstellung. Tiefe Stille lag über dem festlichen Oval, als unter den Klängen der englischen Nationalhymne König Georg VI. in festlicher Admirals-Uniform erschien und von den Komiteemitgliedern geleitet, in seiner Loge Platz nahm. In seiner Begleitung befanden sich die königliche Familie, Ministerpräsident Attlee, Mr. Eden, die Botschafter Frankreichs, Italiens, Belgiens, Hollands und der Schweiz, der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Trygve Lie und zahlreiche diplomatische Persönlichkeiten, sowie Vertreter der drei Armeeteile und der Oberbürgermeister von London. Während der König den Komiteepräsidenten vorgestellt wurde, jubelte die Menge begeistert ihm zu. Unter den Klängen der Militärkapelle begann sodann der Vorbeimarsch der Sportler. An ihrer Spitze die Männer und Frauen aus Griechenland, dem Ursprungsland der olympischen Spiele, gefolgt von den übrigen Nationen in alphabetischer Reihenfolge. Als die englischen Sportler nach 40 Minuten als Letzte auf dem Rasen Aufstellung genommen hatten, begab sich Lord Burghley zur königlichen Loge und bat den König, die XI. Olympischen Spiele zu eröffnen. Georg VI. ging an das Mikrofon und sagte: „I proclaim open the Olympic Games of 1948 celebrating the llth Olympiad of the modern era.“ Es war 16 Uhr, als Fanfaren- klärifee Ertönten, und mehrere hundert Brieftauben über dem Stadion kreisten, um Nachricht von der Eröffnung der Spiele in alle Welt zu tragen. 21 Kanonenschüsse erschütterten die Luft. Beim letzten lief der Fackelträger, von den Zuschauermassen stürmisch begrüßt, im Stadion ein. Ein Chor stimmte eine olympische Hymne an. Die olympische Flagge wurde gehißt und der Erzbischof von Canter- bury segnete die Sportler. Die Fahnenträger der 59 Nationen bildeten sodann einen Halbkreis in der Mitte des Stadions. Nachdem der Chor das Alleluja von Händel gesungen hatte, stieg Donald Finlay, der zum 3. Mal die englischen Farben bei den olympischen Spielen vertritt, auf ein Podest, um den Olympischen Eid zu sprechen: „Wir schwören, daß wir uns bei den Olympischen Spielen gegenseitig achten, daß wir die Regeln respektieren und im ritterlichen Geist zur Ehre unseres Landes und zum Ruhme des Sportes kämpfen wollen.“ Aussicht auf eine Viennächtekonferenz Die neue Note der Vestmäcfate wird in Moskau überreicht LONDON — Die in London geführten Besprechungen zwischen dem USA-Botschafter Lewis Douglas, dem französischen Botschafter Massigli und dem Staatssekretär im Foreign Office, Sir William Strang haben zur Ausarbeitung einer sogenannten „Verbal-Note“ geführt, eine nicht zur Veröffentlichung bestimmte Note, die lediglich als eine Art „Aide-Memoire“ durch die Botschafter dem russischen Außenminister überreicht werden soll. Ob die drei Botschafter gleichzeitig oder einzeln empfangen werden, ist bisher noch unbestimmt. Man sieht in dieser Art des Vorgehens eine Möglichkeit, neue Kontroversen mit Sowjetrußland in der Öffentlichkeit zu vermeiden. Trotzdem will man nichts unversucht lassen, um zu einer praktischen Lösung des Berliner Konflikts und zur Wiederaufnahme der Verhandlung mit Sowjetrußland zu gelangen. Der Privatsekretär Bevins, Frank Roberts, hat am Donnerstag im Flugzeug London verlassen, um sich nach Moskau zu begeben. Wie das Foreign Office mitteilt, wird Roberts der sowjetischen Regierung die Verbal-Note übermitteln. Roberts hatte eine Zwischenlandung in Berlin, wo er sich mit dem Auf dem Weg zux westdeutschen Neuordnung (-11) FRANKFURT — Der in Wiesbaden unter cK:m ‘ Vorsitz des Staatssekretärs im hessischen Ministerium Professor Dr. Brill gebildete Dreizonen-Ar- beitsausschuß für die Vorbereitung des Wahlmodus, hat einen Entwurf für ein „Gesetz über den parlamentarischen Rat“ ausgearbeitet, das als „Modellgesetz“ den einzelnen Länderparlamenten bei der Abfassung verschiedener Gesetze über den parlamentarischen Rat als Grundlage dienen soll. Danach ist vorgesehen, die Mitglieder, des parlamentarischen Rates durch die Landtage wählen zu lassen, wobei auf 750 000 Einwoher je ein Abgeordneter entfallen soll. Ein weiterer Abgeordneter wird gewählt, wenn ein Rest von mindestens 200 000 Einwohnern vorhanden ist. Die Frage der Parteizugehörigkeit soll von den Landtagen entschieden werden. Die Wahl der Abgeordneten soll sofort nach der Annahme des Gesetzes durch die Landtage vorgenommen werden. Bis Mitte August müssen die Abgeordneten benannt werden, da am 23. August das Parlament für den 1. September einberufen werden soll. Über seinen ständigen Sitz wurde noch keine Entscheidung getroffen. Neben Karlsruhe, Büdesheim und Bamberg bemühen sich Koblenz, Göttingen und Stuttgart darum. Als Aufgabe des parlamentarischen Rates wird in § 2 des Gesetzes die Schaffung eines Grundgesetzes als rechtliche Grundlage einer föderativen Vereinigung der beteiligten Länder festgelegt. Zur gleichen Zeit tagte in Frankfurt der Ausschuß für di(* Neuordnung der Ländergrenzen unter dem Vorsitz von Ministerpräsident Lüdemann. In der ersten Sitzung des Ausschusses, dem je ein Vertreter von jedem Land der drei Westzonen angehört, besprach man zunächst nur Verfahrensfragen. Unter anderem wurde die Einteilung in Arbeitsgruppen besprochen, die das Material für die Grenzneuordnung beschaffen und bearbeiten sollen. Ministerpräsident Lüdemann wird den Vorsitz in sämtlichen Gruppen führen, sodaß eine planvolle Zusammenarbeit gewährleistet ist. Den Arbeitsgruppen werden folgende Aufgabengebiete zugeteilt werden: 1. Studium von Mißständen, die sich aus willkürlichen Grenzziehungen ergeben haben, und Prüfung von Anregungen und Beschwerden. 2. Planung der grundlegenden Entscheidungen, die ein gebietliches Fundament für einen“ echten föderativen Staat schaffen sollen. 3. Sammlung von Material zur Länderreform unter staatsrechtlichen und historischen Gesichtspunkten. Besprechungen zwischen Baden und Württemberg STUTTGART — Ministerpräsident Maier teilte auf einer Pressekonferenz mit, daß die Zusammenkunft der Ministerpräsidenten von Nord-Württemberg und Nord-Baden, Südwürttemberg-Hohenzol- lem und Südbaden zur Beratung des Zusammenschlusses von Württemberg und Baden am Montag den 2. August auf der Burg Hohenneuffen statt!in den wird. Verraksungsentwurf wird vorbereitet FRANKFURT — Am 10. August wird in Herrenchiemsee ein aus je einem Vertreter der westdeutschen Länder bestehender Ausschuß zusammentreten, der einen Rahmeuentwurf für die geplante vorläufige Verfassung eines föderalistischen westdeutschen Staates ausarbeiten soll. Dieser Entwurf wird Vertreter Badens der^iach dem Frankfurter Dokument I zu bildende^ verfassunggebenden Versammlung als Arbeitsgrundlage dienen. Dr. Zürcher FREIBURG i. Br. — Die Landesregierung hat in ihrer letzten Sitzung beschlossen, den Oberlandesgerichtspräsidenten Dr. Zürcher in die von den Ministerpräsidenten gebildete Kommission zur Bildung der künftigen staatsrechtlichen Zusammenfassung der Länder der Westzonen zu entsenden. Gleichzeitig hat die Landesregierung Dr. Zürcher als Vertreter des Landes Baden in den Ausschuß berufen, der die Frage der Änderung der territorialen Verhältnisse Süddeutschlands prüfen soll. Skotzeny entflohen WIESBADEN — Der ehemalige SS-Sturmbann- führer Otto Skorzeny ist aus dem Interniertenlager Darmstadt entflohen. Botschafter der Vereinigten Staaten in der UdSSR, Bedell Smith, und mit General Clay unterhielt. Bedell Smith ist in der Zwischenzeit ebenfalls nach Moskau zurückgekehrt. PARIS — In hiesigen politischen Kreisen ist man davon überzeugt, daß eine neue Konferenz der vier Außenminister im September in Paris gleichzeitig mit der Jahresversammlung der Vereinten Nationen Zustandekommen wird. Obwohl noch keinerlei Nachrichten vorliegen, daß Rußland zu Zugeständnissen bereit ist, besagen alle aus Washington hier eintreffenden Nachrichten, daß man dort an eine solche Konferenz glaubt. Die letzten Maßnahmen der Alliierten, insbesondere die Unterbrechung des Eisenbahnverkehrs zwischen Berlin und den Westzonen würde als eine Art Tauschmittel dienen können, sodaß sich die Alliierten und die Russen gegenseitige Zugeständnisse machen könnten. Donau-Konferenz in Belgrad BELGRAD — Die Donau-Konferenz beginnt heute in Belgrad. Die USA, Großbritannien und Frankreich werden durch ihre Botschafter, die daran teilnehmenden Donaustaaten durch ihre Außenminister vertreten sein. Der Führer der russischen De- leg^Üen Ist Wyschinsky. Die Teilnahme der Sowjetunion wird als ein Zeichen gewertet, daß sie bereit ist, über die freie Schiffahrt auf dem gesamten * Donaulauf zu verhandeln. Waffenruhe mehrfach verletzt HAIFA — Nachdem schon seit dem Eintreten der offiziellen Waffenruhe in Palästina mehrfach die Vereinbarungen verletzt wurden, sind nun in Südpalästina wieder größere Kämpfe entbrannt. Zur Schlichtung und Überwachung wurden 60 UN-Be- obachter dorthin entsandt. In Tel Aviv besprach Graf Bernadotte mit dem jüdischen Außenminister Moshe Shertok die Möglichkeit, die Waffenruhe in einen Waffenstillstand umzuwandeln. Irak sperrt Oel BAGDAD — Der Irak hat die wichtigen britischen Erdölleitungen, die ans Mittelmeer führen, gesperrt. Schwere Explosionskatastrophe in Ludwigshafen Ursache noch ungeklärt — Mit 200 Toten und 1700 Verwundeten zu redmen Beträchtliche Zerstörungen der Werkanlagen LUDWIGSHAFEN — Im Werk Ludwigshafen der Badischen Anilin- und Sodafabriken, dem Stammwerk der IG-Farben, Ludwigshafen und Oppau, ereignete sich am Mittwoch, 15.45 Uhr eine folgenschwere Explosion, die sämtliche Teile des Ludwigshafener Betriebes, der ca. 20 000 Arbeiter beschäftigt, in Mitleidenschaft zog. Eine ungeheuere Detonationswolke von etwa einem Kilometer Höhe stand sofort über der Schadensstelle. Das Zentrum der Explosion liegt nach den bisherigen Ermittlungen in den Bauten 13, 23 und 183, die dicht beisammen liegen. Hier werden eine sehr große Anzahl von chemischen Zwischenprodukten für die Herstellung von synthetischen Lacken und Farben, Erzeugnisse der Schwerchemie sowie industrielle Lösungsmittel und medizinische Chemikalien hergestellt. Da die drei Bauten fast gleichzeitig in Flammen standen, wird angenommen, daß durch das weitverzweigte Röhrensystem des Kesselhauses die Explosion und Brandwirkung weitergeleitet wurde. Ausgedehnte Gebäudeschäden durch umhergeschleuderte und weiterfliegende, brennende Flüssigkeiten bedrohten die weitere Umgebung des Herdes und erschwerten die sofort von der Werksfeuerwehr begonnenen Löscharbeiten. Trotz der außerordentlichen Gefahr, die sich aus der Lagerung hochexplosiver und hochbrennbarer Stoffe sowie giftiger, vergasender Chemikalien (Schwefel, Chloräthyl usw.) in unmittelbarer Nähe des Brandherdes ergab, nahmen Betriebsangehörige die Bergung der zahlreichen Verletzten in Angriff. Es gelang zunächst, eine Anzahl schwer und leichter Verletzter aus der unmittelbaren Gefahrenzone herauszuholen. Die Explosion erreicht nicht den Umfang des Unglücks von 1921, das in dem 4 km entfernt liegenden Oppau seinerzeit mehrere Hundert Opfei forderte. In der Auswirkung ist das heutige Unglück jedoch größer als das im Juli 1943, das 72 Menschenleben forderte. Ärzte aus Mannheim, Neustadt, Kaiserslautern und besonders erfahrene Chirurgen aus 44 Das „Badener Tagblatf erscheint vom 1. August an 3 mal wöchentlich und zwar dienstags, donnerstags und samstags in verstärktem Umfang zum monatlichen Bezugspreis von 1.80 DM. Freiburger Erzbischof gewählt FREIBURG — Das Freiburger Domkapitel hat am Dienstag die Wahl des neuen Erzbischofs vollzogen. Das Ergebnis wird dem heiligen Stuhl vorgelegt, der nach dem Konkordat „vor der Bestätigung des Erwählten sich vergewissert, ob von der Staatsregierung Bedenken allgemein politischer, nicht aber parteipolitischer Natur bestehen“. Erst dann erfolgt die Bekanntgabe des Namens des neuen Erzbischofs durch Rom. Polizeikrieg in Berlin BERLIN — Der Berliner Magistrat hat Dr. Stumm zum neuen Polizeipräsidenten von Berlin ernannt. Der sowjetische Stadtkommandant Kotikow hat energisch gegen die Suspendierung des von der SED und den Sowjets unterstützten Polizeipräsidenten Markgraf protestiert und die Entlassung von Dr. Stumm sowie die Neueinsetzung von Markgraf gefordert. Sowohl die amtierende Oberbürgermeisterin von Berlin, Frau Schröder, als auch der Chef der Berliner Polizei, Bürgermeister Dr. Friedensburg, haben diese Aufforderung entschieden abgewiesen. Dr. Stumm hat den bisher im Ostsektor befindlichen Sitz des Polizeipräsidiums in den amerikanischen Sektor verlegt, um seinen dienstlichen Verpflichtungen nachkommen zu können. General Koenig befürwortet Antrag der Ministerpräsidenten FRANKFURT — Im Verlauf seiner Besprechung mit den Ministerpräsidenten der französischen Zone erklärte sich General Koenig bereit, den Antrag auf Einstellung der Demontagen sowie die Gegenvorschläge der Ministerpräsidenten befürwortend an die französische Regierung weiterzuleiten. Er betonte, daß nicht die französische Regierung, sondern die interalliierte Reparationsagentur in Brüssel für Äe Buchführung und Verteilung der Reparationen zuständig ist. Meidungen in Kürze HAMBURG — Die Staatsanwaltschaft hat vor dem Hamburger Schwurgericht gegen den ehemaligen Filmregisseur Veit Harlan Anklage wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit erhoben. HANNOVER — Die Kultus- und die Finanzminister der drei Westzonen kommen am 31. Juli und 1. August in Holzminden zu einer Tagung zusammen. FRANKFURT — Die Tabakwarenration ln der Blzone wurde, wie das Zweimächtekontrollamt am 28. Juli bekanntgab, mit Wirkung vom 1. August verdoppelt Männliche Verbraucher erhalten künftig monatlich 80, weibliche 40 Zigaretten. FÜSSEN — Der Schriftsteller Edwin Erich Dwinger wurde von einer Füßener Spruchkammer unter Auferlegung eines Sühnebetrages von 1 500 D-Mark in die Gruppe der Mitläufer eingestuft. BELGRAD — Marschall Tito wurde mit 2 318 von 2 323 abgegebenen Stimmen zum Mitglied des Zentralkomitees der jugoslawischen kommunistischen Partei wiedergewählt. Heidelberg waren 1 Stunde nach dem Unglück bereits im Werk. Feuerwehren aus den Städten der Umgebung, mit einem Einsatz von etwa 1000 Mann, waren am Unglücksort. Mit Personen- und Lastkraftwagen wurde eine ständige Verbindung mit den Krankenhäusern der Umgebung geschaffen. Kommandos der französischen und amerikanischen Besatzungstruppen haben großen Anteil an den Rettungsarbeiten. Da die Kraftzentrale betroffen wurde, versagte das eigene Hydrantensystem. Feuerlöschboote versorgten vom Rhein her mit zunächst 8 Leitungen die Löschzüge. Ihre Aufgabe ist es, die in den benachbarten Lagerhallen und Kesselanlagen gefährdeten Chemikalien zu bergen. Von den unmittelbaren Folgen dürften etwa 30 Prozent des Ludwigshafener Werkes betroffen sein. Die Explosionswirkung war bis zur Haardt und zum Odenwald spürbar. Die Schäden durch Luftdruck sind sind in Ludwigshafen und Mannheim beträchtlich. Augenzeugen, die in den umliegenden Krankenhäusern untergebracht wurden, geben an, daß die gewaltigen Explosionen in der Anilin- und Sodafabrik von Ludwigshafen etwa 500 bis 600 Tote und über 1400 Verletzte gefordert hätten. Nach den bisherigen amtlichen Schätzungen wird die Zahl der Toten mit über 400 angegeben. Von den 1300 bis 1500 Verletzten sind die meisten in den Krankenhäusern der umliegenden Städte sowie in Karlsruhe und Heidelberg untergebracht. Über die Ursache der Explosion befragt, wurde von Augenzeugen gesagt, daß die erste kleinere Explosion im Bau 14 der Werkslaboratorien erfolgt sei. Durch die Explosion in diesem Laboratorium sei ein Benzinkeller und ein Gasometer in die Luft geflogen. Durch die schweren Brände und die starken Rauchentwicklungen seien die Feuerwehren aus nah und fern erst gegen 18 Uhr in der Lage gewesen, an die Löschung der Brände zu gehen. Bis Mitternacht konnte der Brandherd soweit eingedämmt werden, daß die benachbarten Hallen und Kesselanlagen nicht mehr als gefährdet anzusehen sind. In den Abendstunden waren noch einzelne kleinere Explosionen innerhalb der betroffenen Bauten,zu beobachten. Am Donnerstagmorgen waren noch vereinzelte Brände aufgeflackert. LUDWIGSHAFEN — Wie die Dienststelle des Polizei-Direktors der Stadt Ludwigshafen mitteilt, sind die bisher verbreiteten Schätzungen der Opfer des Explosion-Unglücks „unbedingt“ zu hoch gegriffen. Nach den bisherigen Feststellungen forderte die Katastrophe'120 Todesopfer und 1600 bis 2000 Verletzte. 80 bis 100 Werkangehörige werden noch vermißt. Eine Erklät un Der Handel mit Schönheit ist nicht nur eine Das ausgebesserte Bild Als Rubens aus Italien zurückgekehrt war und in Antwerpen seine Schule gegründet hatte, geschah es eines Abends, als der Meister einen Spaziergang machte, daß seine Schüler in der Werkstatt blieben und allerlei Unfug anstellten. Dabei strauchelte einer von ihnen und fiel gegen das neue Gemälde von Rubens „Die Kreuzabnahme“, das er gerade für die Antwerpener Kathedrale malte. Die Farbe war noch frisch und die Bestürzung bei den jungen Leuten war ungeheuer, als sich herausstellte, daß ein Teil des Bildes verwischt war. Man beratschlagte, was zu tun sei, schließlich rief einer von ihnen: „Der geschickteste von uns nehme Pinsel und Palette und bessere den Schaden aus. Ich schlage van Dyck vor!“ Alle stimmten zu, und der junge van Dyck machte sich an die verantwortungsvolle Arbeit. Als Rubens am Morgen sein Werk betrachtete, wandte er sich an seine Schüler und fragte ernst: „Wer hat mich hier verbessert und warum?“ Man gestand den Unfall ein. Da nahm Rubens den jungen van Dyck beim Arm, sah ihn eine Weile stumm an und sprach dann: „Du hast deine Sache gut gemacht, und ich weiß nicht, ob spätere Geschlechter dienst befreit wurde, hätte er gedacht: In Gotte* Namen! Und er sei auch ganz gut dabei gefahren. In Rendsburg bestand Johann darauf, daß einer seiner Freunde mit einem flüchtigen Besuch beehrt wurde. Als Hebbel, anfangs unlustig, nach dem Grund fragte, antwortete er: „Ja, ja, der Mann erfährt dann doch, daß du hier gewesen bist, und er hilft mir zuweilen aus.“ Nachher saßen die ungleichen Brüder noch in einem Gasthaus bei einem Glas Bier zusammen. Johann genoß die Stunde. Und wie der Vater in Wesselburen zeigte er den frommen Ehrgeiz, seine Armut zu verbergen, und fragte zwischendurch: „Nicht wahr, unsere Stube ist recht nett?“ — Als Hebbel seine Sachen zusammenpackte, bat ihn sein Bruder mit treuherzigem Augenzwinkern um eines der seidenen Taschentücher, das zerrissen war und erwiderte auf die Frage, ob er es seiner Frau mitbringen wolle, „das nun wohl auch, ja, aber es ist mehr der Leute wegen. Ich werde sagen: Das ist sein schlechtestes.“ Beim Abschied mußte Hebbel durchaus Johanns Handstock als Andenken mitnehmen. Dann kehrte der schlichte, von der Last der Armut gebeugte Mann in seine Hütte zurück und setzte vielleicht noch an demselben Abend den Streit fort, der nur durch des Dichters Ankunft unterbrochen worden war. Es ging dabei um die Frage, ob es besser wäre, für das nächste Geld Kartoffeln oder Holz und Torf zu kaufen. Johann wollte nicht hungern, seine Frau nicht frieren. Kunst, sondern auch ein lohnendes Geschäft, zumal wenn man sich auf Reklame und zugkräftige Namen für Bilder versteht. Den Modellen selbst ergeht es nicht viel anders als den Rivalinnen in den Vorzimmern der Filmdirektoren von Hollywood. Von den 800 Berufsmodellen, die zu der New Yorker Garde Aphroditen* gehören, bringen es nur einige wenige auf ein Höchsteinkommen von 750 Dollar in der Woche. Etwa 75 Mädchen verdienen durchschnittlich 350 Dollar, die übrigen kaum mehr als 150 Dollar. Und schon nach ein oder zwei Jahren haben sich die Kunden „satt gesehen“, und der Chef geht achtlos an ihnen vorüber. Dann und wann findet einmal ein Modell auf dem Weg über populäre Reklameschlager zum Film — doch kommt das nur alle Jubeljahre einmal vor. Den Boss bekümmert das nicht. Er sieht seinen Modell-Harem mit den Augen des Photographen, sachlich, nüchtern, temperamentlos. Denn die schönste Frau ist für ihn nur eine Ware, eine leicht verderbliche dazu. R. In 2 Jahren 45mal Vater Die dänischen Behörden haben einen deutschen Flüchtling, der in einem der zahlreichen Flüchtlingslager in Dänemark untergebracht war, mit der Begründung des Landes gewiesen, daß er dem dänischen Staate zu teuer komme. Der Flüchtling, von der dänischen Presse als pater germaniae bezeichnet, ist innerhalb zweier Jahre 45mal Vater geworden. Dabei hat er es jeweils den Müttern bzw. dem Staat überlassen, für seine „Zöglinge“ aufzukommen. Der Entschluß der dänischen Behörden, weiteren „Schädigungen“ durch die Ausweisung des „lebenslustigen“ Deutschen zu entgehen, erscheint doppelt verständlich, wenn man erfährt, daß der Vater der 45 Kinder ganze 17 Lenze zählt. -th- .. «c dies Bild darum schätzen werden, weil ich es gemalt habe oder weil du es verbessert hast . . .“ Van Dyck war damals sechzehn Jahre alt und Rubens liebte ihn so, daß er ihn fünfzehn Jahre in seinem Hause wohnen ließ. Selbsterkenntnis Als König Oskar IL von Schweden einst die Schule in dem westschwedischen Badeort Marstrand besuchte, forderte der Lehrer in der Geschiphts- stunde auf, einige große schwedische Herrscher zu nennen. Die Kinder nannten, was sie konnten. Schließlich fiel dem König ein — vorher von dem geschmeidigen Schulmeister entsprechend instruiertes — kleines Mädchen auf, das etwas ungeduldig auf seinem Platz hin und her rückte. „Nun, du scheinst noch einen Namen zu wissen“, redete der König das Kind an. „Welchen denn?“ „Oskar II.“ „Soo?“ sagte der König etwas überrascht. „Was ... hat er denn schon für große Dinge ausgerichtet?“ „Ich weiß es nicht“, antwortete die Kleine recht verlegen. „Nun, laß man gut sein!“ beruhigte sie Oskar II., „ich weiß es auch nicht.“ H. R. Kiyirg Die Anzahl Dummheiten, die eine intelligente Person im Lauf eines Tages sagen kann, ist unglaublich. Und ich würde ohne Zweifel ebensoviel« sagen, wenn ich nicht häufiger schwiege. Andrä Gide Ein Automobilunfall, eine Eisenbahnkatastrophe sind die Meisterwerke des Unerwarteten. Man möchte die Geschwindigkeit mit der Zeitlupe verlangsamen, um zu sehen, wie die Unbeweglichkeit mit den Händen einer Modistin das Eisen legt. Jean Cocteau Jeder zuständige Staatsbürger müßte, um als solcher zu gelten, in einigen Dingen Kommunist sein, in anderen wiederum Konservativer, Liberaler, ja sogar Kapitalist — alles zur gleichen Zeit. George Bernhard Shaw Das frägt und frägt und wird nicht müde: „wie erhält sich der Mensch am besten, am längsten, am angenehmsten?“ Damit — sind sie die Herren von heute. Friedrich Nietzsche Nicht, weil Moses oder Christus verboten haben, dem Nächsten und sich selbst in irgendeiner Art Leid zuzufügen (geistig, seelisch, körperlich, sexuell, ökonomisch), soll der scheinbar gläubige Mensch sich mit Willenskraft aus dem Born seines bisher unausgeschöpften Idealismus des Bösen enthalten, sondern weil es gegen die Natur des Menschen selbst zu jeglicher Stunde ist, sich und dem Nächsten Böses zuzufügen! Es ist gegen seine ganze organische Organisation! Und das zu erkennen, ist erst Kultur! Niemand braucht es ihm daher erst in der Religion vorzuschreihen, da diese Religion bereits von jeher in ihm physiologisch vorhanden ist! Romain Rolland Ein Vogel starb vor meinem Fenster von Gisa Tacchi In der Nacht wurde ich durch seltsame Geräusche geweckt. Es war ein Keuchen, als ob ein Fieberkranker nach Luft ringe. Ich trat ans offene Fenster und horchte hinaus. Die Laute kamen aus dem Weinspalier. Nun sah ich auch im fahlen Mondlicht den kleinen lustigen Buchfink, der mich jeden Morgen mit seinem Gezwitscher zu wecken pflegte. Jetzt aber waren seine Äuglein wie im Krampf fest geschlossen. Heftig hob sich die kleine Brust und ließ ein rasselndes Keuchen hören. Ein schwerkrankes fieberndes Tierchen. Ich versuchte es zu mir ins Zimmer zu holen, konnte es aber nicht erreichen. „Morgen“, tröstete ich mich, „morgen werde ich das Finkenhähnchen zum nahen Tierarzt bringen“. Danach lag ich noch lange mit wachen Sinnen im Bett. Ich horchte in die Nacht hinaus. Immer 0ebesl(e6 Hörst du, Geliebte, das Rinnen, Wir sind in fremder Gewalt, Es schläft ein Gesang hier drinnen Im nächtlich schlummernden Wald. Ruhig sind Winde und Wellen, Stumm ist der Singvögel Mund, Schweigend verrinnen die Quellen Über den moosigen Grund. Mondstrahlen spielen in Zweigen, Spinnen von Baum sich zu Baum. Und wo die Wege sich zeigen. Schlummert ein schimmernder Saum. Selbst jene Wolke dort oben Ruhig auf Flügeln sie zieht. Über die Wipfel erhoben Lauschend hernieder sie sieht. Hörst Du das lautlose Rinnen? Wir sind in fremder Gewalt. Es schläft ein Gesang hier drinnen Im nächtlich schlummernden Wald. Jens Peter Jakobsen heftiger und lauter drangen die gequälten Laute der kleinen Vogelbrust zu mir. Doch schließlich schlief ich ermüdet ein. Als ich in der Frühe erwachte, war alles still. Kein Vogel sang mir wie sonst allmorgendlich von der Weinrebe her ein jauchzendes Lied. Ich ging in den Garten hinunter. Dort lag mein kleiner Freund auf dem taufrischen Gras, das Köpfchen wie ein Schlafender auf die Seite geneigt. Ein kleiner Vogel starb vor meinem Fenster. Moderner Frauenhandel bei Mr. Conover IN RUSSLAND In Rußland ist der Mensch noch weit vom Gentleman entfernt. Er ist noch grell und stark und breit, wie ers als Kind gelernt. Er liegt noch auf dem Bauch der Zeit und lauscht dem Feuerschlag, der tief im Innern furchtbar schreit, wenn man ihn hören mag. Er tanzt am Sonntag, fällt im Kriege und liebt den Stein wie seine Frau. Das Leben ist nur eine Fliege; . in Rußland weiß man das genau. Kaspar Das ist Einstein ! Anstatt mir über Einsteins Genius und über seine physikalischen Ansichten Gedanken zu machen, dachte ich damals und auch später noch über seine aufmerksame Freundlichkeit nach, über sein lautes Lachen, seine vornehme Art zu sprechen, ^seine leuchtenden Augen, seine Ungeschicklichkeit mit der er einen Zettel auf dem mit Papieren dicht bedeckten Tisch suchte, und über sein wunderliches Wesen, das eine seltsame Mischung von seelischer Wärme un£ persönlicher Kälte darstellte. ist sehr einfach zu sagen, daß Einstein als Wissenschaftler groß und als Mensch noch größer ist. Worin aber liegt seine Größe, und wie beeinflußt sie den Geist der Menschen? Meine Antwort mag bombastisch klingen, aber ich glaube, sie ist richtig. Für mich und viele andere (einige von ihnen können oder wollen die Antwort nicht exakt formulieren) ist Einstein das erhabene Gewissen der Welt. Sein Herz blutet nicht, seine Augen tränen nicht, und dennoch sind seine Taten die eines Menschen, dessen Augen tränen. Vielleicht ist es sein unpersönliches Wesen und seine Abgeschlossenheit, die es ihm ermöglichen, dem moralisch Absoluten so nahe zu kommen, wie es einem Menschen überhaupt möglich ist. Das moralisch Absolute wäre nicht mehr zu erkennen, sobald das „Ich“ auftauchte. Für Einstein ist es gefühlsmäßig und genau bestimmt, denn sein „Ich“ hat keinen Einfluß Aus einem Aufsatz Leopold Infelds in der Zeitschrift „Der Bogen“ „Die Spur des Engels“ Von dem Hebelpreisträger 1947 Franz Schneller erschien im Freiburger Verlag L. Bielefelds ein Band Erzählungen unter dem Titel „Die Spur des Engels“. Der Verfasser setzt uns damit in die sonnige, grenzenlose Welt des Kindes. Manchmal erzählt er etwas knorrig im Gegensatz zu seinem im Vorjahre erschienenen ausgezeichneten Buch Brevier einer Landschaft“, wo er sich mehr als Intellektueller gibt, der aber ungeachtet dessen jedes Stäubchen seiner Heimaterde kennt und liebt. Leute.vom Oberrhein ziehen in dem neuen Bändchen an uns vorbei, wie das gemähliche Holpern eines Kuhfuhrwerks. Selbst das Außergewöhnliche der Handlungen dieser Menschen spielt sich in einer bei-sich-zulande üblichen ruhigen Gottergebenheit ab. Schneller greift nicht in die Wirrnisse der Charakter hinein, sondern schildert die Vergangenheit so, wie sie einem Dorfjungen in der Erinnerung haftet Im feierlichen Akkord seiner Heimat ergänzen sich am Ende Stadt und Land. — Der Dichter hat wiederum eine große Anzahl Dialektwörter in die Schriftsprache eingeführtf F. Ping - Pong Im Freitag-Verlag, München erscheint die Zeitschrift „Ping-Pong“ für 8- bis 12jährige. In gelockerter, ansprechender Form werden die Kinder darin mit den Sitten und Gebräuchen fremder Völker, mit der Kunst, mit der Sprache, mit den Erscheinungen der Natur und vielem anderen bekannt gemacht Blättern wir eines der reich illustrierten Hefte durch: „Die Kunst aus Erde zu formen“, „Kornernte bei uns und in anderen Ländern“, ein Roman, „Vom Bergfeuer zum Telegramm“, „Das deutsche Mittelgebirge“, Allerlei kleine Kniffe, Lösung eines Preisausschreibens, eine von einem Zehnjährigen eingesandte Erzählung, Rätsel, Briefkasten, Lustige Bilderfolge, Englischkurs in heiteren Versen. Dieser Überblick kann allerdings nur ein unvollständiges Bild von der bunten Bewegtheit der Zeitschrift geben. Sehr gut und anlockend sind vor allem die vielen Illustrationen. Verschiedentlich ist die Ausstattung bekannten Meistern gewidmet. So wurde eine Luwig-Richter-Nummer und eine Moritz von Schwind-Nummer herausgegeben. F. Gottesdienst in Sibirien Pater Hans A. Reinhold bemerkt in der Zeitschrift „Commonwea“, daß ihm das Verbot des Vatikans gemeinsamer Gottesdienste von Katholiken und Protestanten schmerzlich sei. In diesem Zusammenhang gibt er den Bericht eines jungen Priesters wieder, der bis vor kurzem kriegsgefangen war: „Die Heilige Messe des Osterfestes 1947 im .Ural war der ergreifendste und feierlichste Gottesdienst, den ich jemals gehalten habe. 60 lutherische Gefangene aus dem Bielefelder Bethel-Kreis kamen am Ostersamstag zu mir und baten um die Erlaubnis, am katholischen Gottesdienst und an der Kommunion teilnehmen zu dürfen. Einen Augenblick stand mein Herz still. Als ich sie aber befragte, fand ich, daß sie alle an die wahre Gegenwart glaubten, daß nahezu alle gewohnt waren, zu beichten und alle ihre Sünden bereuten. Wie konnte ich die Erfüllung eines solchen Wunsches nach Jesus Christus um eines formalen Rechtes willen verweigern? Wir sangen unsere altgewohnten Lieder, ich weihte das Stück harten russischen Brotes und den Wein'. . . 300 Katholiken und 80 evangelische Christen kamen zum Heiligen Abendmahl Als mir der Sprecher der Lutheraner später dankte, war seine Stim/ne von Tränen der Freude erstickt. Sie alle werden eines Tages zurückkeljren und Zeugnis dafür ablegen, daß ein katholischer Priester der Idee der Una sancta Wirklichkeit gegeben hatte.“ * Alfred Weber, der bekannte Heidelberger Soziologe und Volkswirtschaftler, begeht am 30. Juli seinen 8 0. Geburtstag. Zwischen dem 2. August und 5. September finden in Freiburg, Konstanz und am Titisee Studententreffen statt, an denen 120 junge Franzosen, 120 Deutsche uhd 60 Angehörige anderer Nationen teilnehmen. Die Uraufführung des Films „Final e“ der Real- Film-Gesellschaft fand letzte Woche in Hamburg statt. Er stellt eine feine künstlerische Erzählung in Bildern dar. Die Rollen waren fast durchweg gut I Nr. 59 BADENER TAGBLATT Freitag, den 30. Juli 1948 Der Bauer ohne Geld? Mit den folgenden Ausführungen stellen wir ein Thema zur Diskussion, das vor allem die bäuerlichen Kreise interessiert, aber auch für die gesamte übrige Bevölkerung von Bedeutung ist. Die Landwirtschaft hat sich nach dem Geldschnitt betriebsmäßig kaum umstellen müssen, denn die landwirtschaftliche Produktion ist ihrer Natur nach konservativ, was nicht mit rückschrittlich zu verwechseln ist. Die D-Mark war ihr willkommen, da sie nunmehr ihre Betriebsmittel nicht mehr auf dem Tauschwege zu beschaffen braucht. Der Zeitpunkt für die Umstellung war weniger günstig, denn irgendwelche nennenswerte Bestände aus der letzten Ernte waren nicht mehr vorhanden. Bei Einführung der Rentenmark Ende 1923 waren 50 '-> und mehr der Ernte noch in den Händen der Betriebe, so daß durch Verkäufe sofort bares Geld zu erhalten war. Heute steht die Ernte zum Teil noch auf dem Felde. Bis sie eingefahren, gedroschen, verkauft ist und der Erlös auf dem Tische liegt, vergehen Wochen und Monate. Von dem Verkauf von Frühkartoffeln, Gemüse, Eiern, Milch und noch nicht schlachtreifem Vieh kann der mit fremden Arbeitskräften wirtschaftende bäuerliche Betrieb weder seine Löhne, die Ernte, die kommende Herbstbestellung, noch die Kartoffel- und Rübenernte mit ihren besonders großen Ausgaben finanzieren. Daher ertönt aus Kreisen der Landwirtschaft der Ruf nach Überbrückungskrediten. Man überlegt die Schaffung neuer landwirtschaftlicher Kreditinstitute. Diese neuen Institute müßten die landwirtschaftlichen Betriebe und den Landhandel finanzieren, um ihn in die Lage zu versetzen, dem Bauern seine Produktion gleich bar zu bezahlen. Der Zinsfuß für jeden landwirtschaftlichen Kredit darf, wenn er tragbar sein soll, 3'/* bis 4 °/> und 1 Amortisation bei langfristigen Krediten nicht überschreiten. Der langsame Umsatz in der Landwirtschaft verträgt keine höheren Zinssätze, denn von der Herbsteinsaat bis sum Drusch vergeht ein ganzes Jahr, und bei der Fühjahrseinsaat ein halbes Jahr und mehr. Ein anderes Problem, das mit dem Geldschnitt ebenfalls wieder akut geworden und durchaus nicht neu ist, wird viel schwieriger zu meistern sein. Die Landarbeiterlöhne müssen den erhöhten Preisen für die allgemeinen Konsumartikel angepaßt werden, ebenso dringend muß die sich öffnende Preisschere wieder geschlossen werden, denn die Preise für alle landwirtschaftlichen Betriebsmittel liegen gegenüber denen der landwirtschaftlichen Erlöse viel zu hoch. Seit einem halben Jahrhundert hat es nicht an Versuchen gefehlt, in dieser Hinsicht eine Lösung zu finden. Der Weg führte Ende des vorigen Jahrhunderts über die Caprivi’schen Handelsverträge, die Zollpolitik des Reichskanzlers Bülow zur Agrarkrise in der Weimarer Republik. Klar ist: Eine Erhöhung der Agrarpreise, um diese den industriellen anzupassen, würde heute eine Welle der Unzufriedenheit in der Stadt hervorrufen, die in der Folge zu schweren Lohnkämpfen führen müßte Bleibt also nur eine Senkung der Preise der landwirtschaftlichen Betriebsmittel, die von der Industrie ausgehen müßte. Findet keine Preisangleichung statt, so ist die zwangsläufige Entwicklung, daß die landwirtschaftliche Produktion sinkt. Also das Gegenteil dessen, was ' gewünscht wird. Schon einmal in den Jahren 1924 25 ertönte der Ruf an die Landwirtschaft, ihre Betriebe zu intensivieren, Kredite zu nehmen und die Erzeugung auf das Äußerste zu steigern. Damals wurde der Grundstock gelegt, der zu einer Verschuldung und Agrarkrise höchsten Ausmaßes führte. Einer Krise, durch die tausende und abertausende von Betrieben in Konkurs gingen. Die älteren Landwirte haben diese Jahre nicht vergessen. Mit Krediten allein ist dem Problem der Preisschere nicht beizukommen. Es wird also vorläufig nichts anderes übrig bleiben, als für das nächste Erntejahr 4849 Festpreise für die landwirtschaftlichen Produkte und für die von der Landwirtschaft benötigten Betriebsmittel zu nominieren. Innerhalb eines Jahres werden sich die gesamten wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland soweit geklärt haben, daß man die Preisentwicklung übersehen und über etwa weiterhin erforderliche Maßnahmen befinden kann wk. Der Jahrgang 1948 Absatzschwierigkeiten auf dem Weinmarkt Neue Zinssätze Landeszentralbank Freiburg Kaiserslautern Sollzinsen (Gesamtbelastung des Kreditnehmers) 1. Bankakzepte 8. Handelswechsel 3. Solawechsel Babenzinsen 1. Sichteinlagen , a) Provisionstreie Reehn. b) Provisionspflicht. Reehn. 2. Spareinlagen a) m. gesetzl. Kündig.-Frist b) auf 6 - unter 12 Monate c) auf 12 Mon. u. länger 7—8 •/. _ 7 1 /*—0 '/. 7Vt—8,4 '/> 9 8 •/. 9—10 •/. 9 •/. 1 «/. 1 •/. I 1 /. V. VU •/» 2 >/. 2 V. 2 1 /« '/. 2Vt •/. — 3 •/. Im Gegensatz zum ersten Weltkrieg ist der Wein im zweiten Weltkrieg erstmals staatlich bewirtschaftet worden. Die Ergebnisse dieser staatlichen Weinbewirtschaftung haben jedoch gezeigt, daß von allen Agrarprodukten der Wein das landwirtschaftliche Erzeugnis ist, das sich am allerwenigsten für Zwangsbewirtschaftung eignet, teils weil die qualitativen Unterschiede zu groß sind, teils weil die Kellereien eine auch nur annähernd vollständige Erfassung der Produktion verhindern. Hinzu kommt noch, daß alle Agrarprodukte bei längerer Lagerung an Wert verlieren, der Wein dagegen an Wert zunimmt. Dies ermutigt natürlich die Erzeuger, ihren Wein zu verstecken, oder aber zu Weinbrand 2u verarbeiten.. Während des Krieges ist ein großer Teil der europäischen Weinproduktion in die Brennblasen gewandert (die nordafrikanische Produktion mit einbezogen). Mit der Wiederkehr normaler Verhältnisse ist inzwischen aber eine Sättigung des Branntweinmarktes eingetreten, während die Einkellerung in der Kapazität der Kellereien und der Zahl der Gebinde eine Besserung erfährt. Nachdem der entscheidende Monat für die Weinernte vorüber ist, kann man bereits ein Urteil, über die neue Ernte fällen. Die Weinländer Europas dürfen mit einer übernormal großen Weinernte rechnen. Bezüglich der Qualität lassen sich aber noch keine Voraussagen machen, doch wird sie vermutlich infolge der allzu großen Niederschläge weit schlechter sein, als die der hervorragenden Ernte vom vergangenen Jahr. Ein großer Teil der Ernte 1948 wird sich zu einer längeren Einlagerung nicht eignen und daher rasch abgesetzt werden müssen, was den Marktpreis nicht unwesentlich beeinflussen wird. Frankreich, Algerien und Italien erwarten große Ernten. In den italienischen Kellereien liegen sogar noch riesige Mengen der vorjährigen Ernte. In Spanien ist die Lage ähnlich. Die osteuropäischen Weinländer rechnen ebenfalls mit großen Ernten, sie haben zudem alle noch bedeutende Vorräte, für die sich schwer ein geeigneter Absatz finden läßt. Sogar die Schweiz klagt über Absatzmangel für ihre Weißweine. Gerade beim Weißwein ist die Lage besonders kritisch, ausgenommen bei den alkoholreichen Weißweinen, die sich zur Wermuterzeugung eignen, und daher ständig gut gefragt sind. Italien und Spanien haben einen Teil ihrer billigeren Konsumweine vorteilhaft an Frankreich absetzen können. Aber das ist ein einmaliges Geschäft, das sich im neuen Weinjahr bestimmt nicht mehr wiederholen wird. Dem größeren Angebot am Weltmarkt wird jedoch der Geldmangel vieler Wein-Importländer gegenüberstehen, und da Wein in*den meisten europäischen Ländern, soweit sie nicht Selbsterzeuger sind, als Luxus gilt, sind die Aussichten für größere Weinexporte nicht gut. Italien z. B. bemüht sich schon seit geraumer Zeit , um eine Wiederaufnahme seiner Weinexporte nach der Bizone. Westdeutschland wird aber einstweilen kaum Wein importieren können, solange es noch jeden Dollar für Lebensmittel braucht. Darüber hinaus muß es fraglich erscheinen, ob selbst die eigene deutsche Weinproduktion absetzbar ist; bestimmt nicht zu den bisherigen hohen Weinpreisen. Auf die Gefahr einer Überproduktion besonders im Hinblick auf die augenblickliche Absatzkrise wurde soeben auch von dem Internationalen Weinamt auf einer Pariser Tagung hingewiesen und die Aufstellung eines Weltstatuts zur Regelung des Weinhandels und zum Schutz der Markenweine erwogen. Zonenkompensation mit Frankreich FREIBURG — Beim badischen Ministerium der Wirtschaft und Arbeit wurde eine Neuerung für Zonen- kpmpensatton mit den Departements Rhin und Moselle eingerichtet. Die beiden Departements umfassen die Bezirke der Industrie- und Handelskammern Beifort, Mulhouse, Kolmar,. Strasbourg und Metz. Die Abteilung im Ministerium vertritt deutscherseits sämtliche französisch besetzten Gebiete in Daütschland einschließlich des französischen Sektors von Berlin. Import und Export werden beiderseits devisenlos im Clearing-Verfahren durchgeführt. Auskunft über die Warengattungen erteilt die genannte Abteilung im badischen Ministerium der Wirtschaft und Arbeit in Freiburg, Wilhelmstraße, Verwaltungsbaracke l. Erhöhung des Kohlepreises FRANKFURT — Britische und amerikanische Sachverständige billigten, iwie Jetzt bekannt wird, eine weitere Erhöhung der Preise für deutsche Kohle um 7,50 D-Mark pro Tonne. Die deutsche Kohlenbergbauleitung hatte eine Erhöhung des Kohle-Preises um 7,59 D-Mark beantragt, weil seit dem 1. Juli keine staatlichen Subventionen für den Steinkohlenbergbau mehr gezahlt werden und sich gleichzeitig die Produktionskosten durch die Lohnerhöhungen für Bergarbeiter weiter erhöht haben. Nachdem nun die britischen und amerikanischen Fachleute eine Erhöhung lm Prinzip gebilligt haben, steht die zweite Preissteigerung in Aussicht. Da auf Grund der vom Wirtschaftsrat bereits vor einigen Monaten genehmigten ersten Kohlepreiserhöhung zwangsläufig die Preise für Gas und elektrischen Strom heraufgesetzt wurden, weist man Jetzt schon in unterrichteten Kreisen darauf hin, daß bei einer Verwirklichung der neuerlichen Kohlepreis-Erhöhung weitere Preissteigerungen zu erwarten sind. Steigerung der Ruhrstahlproduktion DÜSSELDORF — Die amerikanische Stahlkommission, die seit drei Wochen von Düsseldorf aus die Schwerindustrie der Ruhr inspiziert, ist im Begriff, nach Frankfurt abzureisen, wo sie mit den bizonalen deutschen und alliierten Behörden die Möglichkeit erhöhter Einfuhren ausländischen Eisenerzes für die Stahlindustrie der Ruhr erörtern wird. Die amerikanische Kommission, die unter Leitung George Wolfs, des Präsidenten der United Steal-Export-Corporation steht, soll in Frankfurt mit dem Administrator des. EGA, Paul Hoffmann. Zusammentreffen, dem sie einen ersten Bericht über die notwendigen Maßnahmen zur Erhöhung der Stahlproduktion der Ruhr und zu einer aktiveren Einschaltung der Ruhr in die Versorgung Europas mit Stahlwaren vorlegen wird. ■ Abbau zonaler Institutionen? FREIBURG — Wie Südens erfährt, plant das badische Ministerium der Finanzen in der nächsten Konferenz der Ftnanzmlnister der drei Länder der französischen Zone in Baden-Baden die Frage nach der weiteren Existenzberechtigung gewisser überstaatlicher Dienststellen aufzuwerfen. Es handelt sieh dabei hauptsächlich um das Problem der Bezahlung der Kosten dieser gemeinschaftlichen Institutionen. Es wird von zuständiger Stelle darauf hingewiesen, daß nach der Währungsreform die vermutlich ln die Millionen gehenden Ausgaben für solche Zonen-Institutionen, die übrigens nicht auf Grund freier Vereinbarung zwischen den Ländern errichtet worden seien, kaum mehr zu verantworten seien. Letzten Endes trage das Volk die I,asten, dem es wenig einleuchten würde, weshaiW z. B. der meteorologische Dienst bei Lahr mit über T Million Ausgaben mehr als das zehnfache der früheren meteorologischen Einrichtungen des gesamten Landes Baden kostet, und daß neben den staatlichen statistischen Ämtern in den einzelnen Ländern auch noch ein statistisches Amt in Konstanz und ein Zentralausschuß für Statistik und Wirtschaftsforschung in Forbach bestehen muß Zusammenschluß in der Metallindustrie BADEN-BADEN — In einer Versammlung der Delegierten der Nicht-Eisen-Metallindüstrie-Unternehmen der französischen Besatzungszone in Baden-Baden wurde dieser Tage beschlossen, die bisherige Zentralstelle für Nichteisen-Metalle der französischen Zone in eine Vereinigung mit dem Namen „Metallwirtsehafts- bund e. V.“ umzuwandeln. Beteiligung an Ausschreibungen im Ausland STUTTGART — Die Arbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern des Vereinigten Wirtschaftsgebietes hatte bereits vor einem Jahr beantragt, deutschen Firmen eine Beteiligung an öffentlichen Ausschreibungen im Ausland zu ermöglichen. Eine Regelung für die Übernahme der sich dabei ergebenden Garantieverpflichtungen durch deutsche Firmen steht bis heute noch aus. Nach Auskunft der Hauptabteilung Außenwirtschaft der Verwaltung für Wirtschaft kann aber trotzdem im Einzelfall ein entsprechender Antrag mit Aussicht auf Erfolg Jetzt schon gestellt werden. Gütertarif um 40 Prozent höher? FRANKFURT — im Rahmen einer Pressebesprechung bei der Hauptverwaltung Eisenbahnen teilte Generaldirektor Dr. Busch mit, es sei eine Heraufsetzung der Gütertarife um 40 Prozent vorgesehen. Erfindungen für die Olympisdien Spiele • Audi tedinische Neuerungen sporne n i« Hädtslleislungen an Auf dem Olympischen Ausschuß ruhte die Verantwortung für die Auswahl der ln der Sportarena benötigten Ausrüstung, wobei die Notizblöcke der Sport- Jury eine ebenso wichtige Rolle spielten wie die Tafeln für die Bekanntmachung von Ergebnissen. Laufbahn und Wurfflächen mußten festgelegt, das komplizierte Verbindungsnetz zwischen einer Arena und der andern geschaffen, und schließlich ein weitverzweigtes Vermittlungssystem zwischen Sportarena und Publikum ins Leben gerufen werden, um den aus aller Welt nach London zugereisten Sportenthusiasten die Meldungen von den ersten Olympischen Spielen seit 12 Jahren zukommen zu lassen. Geräte und Meßapparate Besonders auf dem Gebiet technischer Apparaturen für die Sportler sind bemerkenswerte Neuerungen geschaffen worden. Der Olympische Ausschuß hat keine Mühe gescheut, um bei der Auswahl von Gerät den Sportlern das Beste zu bieten und die für die sportliche Höchstleistung günstigsten Bedingungen zu ‘ gewährleisten. Metall tritt im wesentlichen Umfange an Stelle von Holz. So wird das Gerät für Stabhochsprung aus Aluminium bestehen. Das gleiche gilt auch für die Hürden. Die Vorteile des Metalls gegenüber dem Holz lm Hinblick auf sportliches Gerät liegen auf der Hand. Die Stangen biegen sich nicht; die Maße sind und bleiben genau; und klimatische Beeinflussungen, die beim Holz sich oft empfindsam spürbar gemacht haben, fallen hier weg. Um die Querstange beim Stabhochsprung wieder aufzulegen, sind keine Jongleurkunststüeke notwendig. Eine einfache Hebeapparatur löst das Problem ohne Schwierigkeiten. Auch das Gerät für Weit- und Hochsprung besteht aus Metäll mit peinlichst genauem Meßapparat. Das alte Angstgespenst von Berg und Tal der Sandfläche Ist durch einen automatischen Sandebner verscheucht, der schnell und präzis den Sand für den nächsten Sprung ebnet. Für den Lauf wurde eine fernkontrollierte Abschußpistole konstruiert, die derartig angelegt ist, daß der Abschuß von allen Läufern am Start gleichzeitig gehört wird, während der Starter in aller Ruhe die ihm genehme Stellung einnehmen kann. Diese Abschußapparatur Ist mehrfach geprüft worden und hat sich als hervorragend erwiesen. Am Ziel war bisher ein Fotoapparat angebracht, eine Vorrichtung, die den Besuchern der Olympiaden 1932 und 1936 wohl bekannt sein dürfte. Mit Hilfe dieser Apparatur war ein Film gedreht worden, der auch die Zeit registriert hatte. Auch hier ist eine Neuerung geschaffen worden. ‘ Den Endspurt nimmt eine Filmapparatur auf. die innerhalb von 90 Sekunden des Endspurts genau den Standort Jeden Läufers beim Passieren des Bandes im Positiv festhält und nicht nur die Zeit des Siegers, sondern auch die Abstandszeiten zwischen den einzelnen Läufern registriert. Für Strecken bis zu 400 Metern können Startblöcke verwendet werden, die nach langem Experimentieren endlich in die geeignetste Form gebracht wurden. Die Fersplatte kann rückwärts und vorwärts gerichtet und im beliebigen Winkel zum Boden befestigt werden. Die Startblöcke können haargenau eingestellt werden, so- daß der Läufer, wenn er zur Startlinie kommt, bereits seinen Startbiock gemäß seinen Anweisungen in der von ihm gewünschten Lage vorfindet. Erleichterungen beim Stabhochsprung und Wurf Das Messen des Stabhochsprungs ist bedeutend erleichtert worden. Das neue Aluminiumgerät enthält eine Meßvorrichtung mit einem Zeiger, der die Höhe in Metern und Fuß deutlich sichtbar macht. Auch können die Maße sofort von unten abgelesen werden. — Für den Speer- und Diskuswurf sowie für Kugelstoßen sind ebenfalls besondere Meßvorrichtungen getroffen worden. Pythagoras, der die antiken Olympischen Spiele selber miterlebt haben muß, würde, wenn er heute noch am Leben wäre, mit Befriedigung feststellen, daß nach 250« Jahren eine Reihe seiner geometrischen Grundsätze in den modernen Olympischen Spielen zur Anwendung gebracht werden. So muß der Hammerund Speerwurf innerhalb eines Abschnittes in einem Winkel von 90 Grad erfolgen, dessen Spitze im Zentrum des Wurfkreises liegt. Um das mühselige Abmessen der Distanz von der Peripherie zum Zentrum zu vermeiden, werden metallene Pflöcke in bestimmten Abständen vom Werfer in einem Bogen innerhalb des Wurfabschnitts angebracht. Uber die Blöcke kann ein schablonenartiger Rahmen angebracht werden, an dem ein Metallmaß befestigt ist, das die Aufschlagstelle genau registriert. Ein neues Weitsprung-Meßgerät Mit großem Erfolg wurde ein neues Weitsprung-Meßgerät ausprobiert: längs der Sprungfläche ist ein auf Schienen hin und her fahrbarer Metallrahmen befestigt, der innerhalb einer Sekunde auf den Sand herabgelassen werden kann. Dieser Meßrahmen ist derartig angebracht, daß ein Ende des Geräts genau auf die Absprungspur gelegt werden kann. Eine besondere Vorrichtung stellt einwandfrei fest, ob der Springer über das Absprungbrett hinausgetreten ist. An diesem scheinbar komplizierten, in Wirklichkeit aber sehr einfachen Meßgerät, ist eine Art Metallbürste befestigt, die am Metall des Meßgeräts entiangläuft und den Sand gleichmäßig bestreicht, sodaß innerhalb weniger Sekunden der Sand geebnet Wird und sich auf genau gleicher Höhe mit dem Absprungbrett befindet. Das Programm von London Freitag, den 30. Juli: Leichtathletik, HUrdenlauf, Hoehsprung, 100- und 800-Meterlauf. 10 000-Meterlauf (Endkampf). Hoehsprung (Endkampf). Diskuswerfen für Frauen (Endkampf). Moderner Fünfkampf. Ringkampf. Fechten. Sonnabend, den 31. Juli: 400»Meter-Hürdenlauf (Endkampf); 100-Meterlauf (Endkampf); 50-Kilometer-Gehen; Hammerwerfen (Endkampf) Speerwerfen für Frauen (Endkampf), Weitsprung (Endkampf); Fortsetzung des Fünfkampfes: 800-Meterlauf (Ausscheidungskampf); 100-Meterlauf Holzsägebetrieb Lektor, selbst Schriftsteller und Journalist, sucht zusätzlichen Wirkungskreis in yerlag oder Presse. Offerten unter 23-343-8 an die Gesch. des BT B.-B. Ältere Dame, gut aussehend, welche französisch und englisch spricht, Archäologie, Kunstgeschichte und Literatur studiert hat, sucht Anstellung in Buchhandlung, Antiquitätengeschäft oder ähnlichen Betrieben, wo sie ihre Kenntnisse verwerten kann. Firm im Maschinenschreiben, und allen notwendigen Arbeiten, Offerten unter 8-458-8 an die Gesch. des BT B.-B. 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