BADENER TAGB1ATT [ \^\ Leitung fiir Poütik, Wirtschaft und Kultur PREIS 20 PFENNIG DONNERSTAG, 16. DEZEMBER 1948 NR. 118 Die Kirchen machen Forderungen in Bonn geltend Vertreter der beiden Kirchen verlangen Aufnahme des Elternrechts sowie des Schutzes von Familie und Ehe im Grundgesetz mul Anerkennung des Reichskonkordats von 1933 BONN — Oie Lage in Bonn bat durch eine Stellungnahme der Kirchen eine erneute Verschärfung erfahren. Bischof Keller, Münster, und Domkapitular Böhler, Köln, hatten zusammen mit Präses Koch, dem Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche der britischen Zone, eine Unterredung mit führenden Vertretern der Fraktionen des Parlamentarischen Rates bei Präsident Adenauer. Beide Kirchen fordern mit Nachdruck, daß das von Hitler geschlossene Reichskonkordat in Kraft bleiben müsse. Es jetzt ablehnen zu wollen, würde an Nazimethoden erinnern. Mit aller Entschiedenheit betonte Bischof Keller — auch im Namen der Evangelischen Kirche — daß der Schutz der Familie und der Ehe das Elternrecht der religiösen Erziehung von den Grundrechten auf den Schutz des Lebens abzuleiten seien und in der Verfassung verankert werden müßten. Bischof Keller erklärte, die Kirche mache sich die Forderungen der CDU/CSU voll zu eigen. Wenn die geforderten Rechte einschließlich des Elternrechts auf die Schulwahl nicht gewährleistet würden, müsse die Kirche die Konsequenzen ziehen und das christliche Volk auffordern, seine Rechte zu verteidigen und gegebenenfalls dem Grundgesetz die Zustimmung zu verweigern. Dadurch bedingt wird die Sozialdemokratie die Forderungen der Gewerkschaften auf Aufnahme der sozialen und wirtschaftlichen Lebensgrundlagen in die Grundrechte schließlich doch unterstützen und sich zu eigen machen. „Es ist kein Grund dafür vorhanden, das Reichskonkordat für ungültig zu erklären, nur weil es mit dem nationalsozialistischen Staat abgeschlossen wurde,“ schreibt der Justiz- und Kultusminister von Rheinland-Pfalz, Dr. Siisterhenn, in einem Leitartikel in „Der Westen“. „Wenn man das unter Mitwirkung des Nationalsozialismus geschaffene Honkordatsrecht anders behandelt, als das übrige vom Nationalsozialismus geschaffene Recht, so würde das eine diskriminierende Sonderbehandlung der katholischen Kirche darstellen.“ Diejenigen Kreise, die sich durch ihre betonte Rechtsstaatlichkeit vom nationalsozialistischen System zu unterscheiden wünschten, sollten sich klar: daß man durch Ablehnung der Rechtsgültigkeit des Reichskonkordates die Nazi-Rechtsbrüche noch nachträglich sanktioniere. Carlo Schmid nahm zu den Vorwürfen Stellung, die SPD wolle das Grundgesetz zum Nachteil einer gründlichen Arbeit durchpeitschen. Auch mit einem größeren Tempo ließe sich die nötige Gründlichkeit verbinden. Den Vorwurf, die SPD nehme in der Konkordatsfrage aus Zynismus einen föderalistischen Standpunkt ein, wies Carlo Schmid zurück. Bei der Auseinandersetzung um das Reichskonkordat handele es sich nicht darum, das Konkordat außer Kraft zu setzen, sondern darum, es unter verfassungsmäßigen Schutz zu stellen. Die SPD bedauere, daß Dr. Süsterhenn behauptet hat, Parteien, die sieh gegen die verfassungsmäßige Verankerung des Reichskonkordats ausgesprochen hätten, verträten einen sowjetischen Standpunkt. Von seiten der SPD sei denjenigen Parteien, deren Auffassungen sich weitgehend mit denen anderer Mächte deckten, kein derartiger Vorwurf gemacht worden. Gewerkschaften bestehen auf Bandes wirtsebaffsrat BONN — Der Zweizonen-Gewerkschaftsrat forderte in einem Schreiben an den Parlamentarischen Rat einen Bundeswirtschaftsrat, dessen Mitglieder nach den Vorschlägen der Gewerltschaften und der Untemehmerorganisation in gleicher Zahl von der Bundesregierung berufen werden sollen. Der Gewerkschaftsrat schlägt vor, daß sozialpolitische und wirtschaftliche Gesetzentwürfe von grundlegender Bedeutung dem Bundeswirtschaftrat zur Begutachtung vorgelegt werden sollen, bevor sie im Bundesparlament eingebracht werden. Dem Bundeswirtschaftsrat sollen auch Kontrollen und Verwaltungsbefugnisse auf den Ihnen überwiesenen Gebieten übertragen werden. In den Ländern und Be- zirken sollen Wirtschaftskammem diese Rechte aus- Üben. Die Errichtung eines Bundespostministeriums forderte die Arbeitsgemeinschaft der Gewerkschaften des Post- und Fernmeldewesens in einer Denkschrift ah den Parlamentarischen Rat, Zweite Lesang verschoben BONN — Entgegen der ursprünglichen Absicht wird der Hauptausschuß des Parlamentarischen Rats, nicht mit der zweiten Lesung des Grundgesetz- Entwurfs beginnen. Als Grund wird angegeben, daß die zweite Lesung vor Beendigung der Arbeit des Redaktionskomitees, die zudem noch von den Fraktionen geprüft werden müsse, unzweckmäßig erscheint. Ist die Remilitarisierung eine Theorie? Dr. Kogon begibt sich,mit einer Sonderet klärung an die „Neue Zeitung“ auf den Ruckzag Unter der Überschrift „Remilitarisierung eine Theorie“ veröffentlicht die „Neue Zeitung“ eine Sondererklärung Dr. Eugen Kogons, in der dieser sich mit den durch seine seinerzeitigen Äußerungen ausgelösten Diskussionen über eine Remilitarisierung Westdeutschlands befaßt. Dr. Kogon beginnt seine Sondererklärung eigenartigerweise zunächst mit der Feststellung, daß er zu der am 10. Dezember bekanntgegebenen Richtigstellung weder von deutscher noch von alliierter Seite gezwungen worden sei. Seine Richtigstellung erfolge aus dem Grunde, „weil er in zahlreichen Gesprächen mit Engländern und Amerikanern immer wieder deren Erstaunen über die seltsamen und sich widersprechenden Zeitungsmeldungen habe feststellen müssen.“ Nach den schriftlichen Erklärungen von Dr. Kogon an die „Neue Zeitung“ war das Problem eines möglichen deutschen Beitrages zur militärischen Verteidigung Westeuropas von einer Kommission in üsa; - besprochen worden, die eich beständig mit den deutschen Angelegenheiten im Rahmen der europäischen Föderalistenunion befaßt. Ich selbst, so erklärt Dr. Kogon u, a„ vertrat bei der Debatte in der politischen Kommission in Rom den Standpunkt, daß die internationale politische Situation und ihre Entwicklung sowie bestimmte Pläne, die im Ausland bereits bestünden oder erörtert würden, eine solche Möglichkeit (die Wieder- bewaffnunfe Westdeutschlands d. Red.) keineswegs als ausgeschlossen erscheinen lasse. In einem derartigen Zusammenhang könnten auch gewisse Tatsachen und Absichten, die in der britischen und amerikanischen Zone Deutschlands seit einiger Zeit festzustellen seien, die aber an sich noch keine besondere Bedeutung haben, eines Tages zu außerordentlicher Bedeutung gelangen. In der Frankfurter Pressekonferenz vom 24. November 1948 berichtete ich im Laufe meiner etwa Badisches „Jedermann-Programm“ läuft an 130000 Dollar für verbilligte Textil- and Lederprodaktion zur Verfügung gestellt FREIBURG — In der Textil- und Lederindustrie des Landes wurde mit der Durchführung eines Verbilligungsprogrammes begonnen. Zu diesem Zwecke wurde ein Betrag von 130 000 Dollars zur Verfügung gestellt, der nach Rücksprache mit den Fachkommissionen je zur Hälfte auf Textilien und auf Leder aufgeteilt wird. Im Textilprogramm soll die Verbil- ligungsaktion die Herstellung von Hemdenstoffen, Kleiderstoffen, Schürzenstoffen und Wirkwaren fördern, während es durch die Zuweisung von 75 000 Dollar an die Lederindustrie zur Herstellung von 50 000 Paar Schuhen kommen wird. Für die Forstverwaltung soll schließlich zusätzlich ein Betrag von 30 000 Dollar bereitgestellt werden, wofür S 000 Paar Arbeitsschuhe gefertigt werden sollen. Rest bleibt zur Verfügung des zuständigen Ministeriums zur Einfuhr von Baumwolle und Häuten. Marshallplan-Lieferuogeii stocken FREIBURG — Die Ende November bekanntgegebenen Zahlen über die Einfuhr des Landes im Rahmen des Marshallplanes enthalten folgende Angaben: Lebensmittel für 17 744 000 Dollar, Treibstoff 1800 000 Dollar, chemische Produkte und Autoreifen 25 000 Dollar, Textilien Wolle und Holz 1554 000 Dollar. Insgesamt demnach Einfuhren im Betrag von 21 123 000 Dollar. Wie festgestellt wurde, erfolgten die Marshallplan-Einfuhren leider nicht mit der Regelmäßigkeit, wie sie für die Durchführung einer gleichmäßigen Produktion notwendig wäre. 20 Minuten dauernden Ausführungen mit keinem Wort über diesen Teil der Debatte in Rom, sondern ausschließlich über den Gesamtkongreß und seine politische Bedeutung. Erst am Ende meiner Darlegungen kam ich auf einen sonst sehr guten Bericht des .Rheinische Merkur 1 vom 20. November 1948 zu sprechen, der in einem Abschnitt eine Reihe von Feststellungen gemacht hatte, die zum Teil mich betrafen und die ich riehtigstellte. Eine dieser Richtigstellungen betraf die angeblich .seit 9 Monaten und seit 3 Monaten in der amerikanischen Zone begonnene Remilitarisierung 1 . Zahlreiche Fragen, die nun aus dem Kreis der etwa 100 Kolleginnen und Kollegen an mich gerichtet wurden, bezogen sich ausschließlich auf diesen Punkt. Ich wies darauf hin, daß ich die gesamte Frage im Zusammenhang in der Januar-Ausgabe der .Frankfurter Hefte 1 behandeln werde. Dies hat zu nüivCf3täB.dIichen Pressedarstellungen geführt, von denen einige sensationell hervorhoben, es stünden .Enthüllungen 1 von meiner Seite bevor. Ich habe von Enthüllungen weder .gesprochen noch sie angedeutet, noch sie jemals vorgehabt. * Die neuerlichen Erklärungen Dr. Kogons berühren insofern peinlich, als man in diesem ausgezeichneten Journalisten auf Grund seiner Tätigkeit in den „Frankfurter Heften“ einen entschiedenen Vertreter der rücksichtslosen Offenheit in allen publizistischen Fragen sehen konnte. Seine jetzigen Erklärungen lassen nur zwei Möglichkeiten zu: entweder hat Dr. Kogon die Aussprachen auf dem Europa-Union-Kongreß in sensationeller Weise auf seiner seinerzeitigen Frankfurter Pressekonferenz ausgewertet oder er begibt sich jetzt aus Gründen, die nicht ohne weiteres durchzusehen sind, auf den Rückzug. Nach unseren Informationen wurde beim Europa-Union-Kongreß in Rom die Frage der Remilitarisierung Westdeutschlands zwar angeschnitten, aber auf Antrag der deutschen Vertreter, die erklärten keinerlei Material zu dieser Frage zu besitzen, wieder von der Tagesordnung abgesetzt. Wie erinnerlich hat Dr. Kogon jedoch auf seiner Pressekonferenz nach übereinstimmenden Berichten der an der Konferenz beteiligten Zeitungen und Korrespondenten von einer bereits sehr weit fortgeschrittenen Remilitarisierung gesprochen und dabei recht präzise Zahlenangaben gemacht. Die Manöver, mit denen Dr. Kogon nunmehr sich der politischen Tragweite seiner Erklärungen zu entziehen versucht; zeigen ihn in einem merkwürdigen Zwielicht, das seine Glaubwürdigkeit in Zweifel stellt. (D. Red.) Spruchkammerverhandlung gegen Scheel HEIDELBERG — Im großen Sitzungssaal des Heidelberger Landgerichtes begann die Spruchkammerverhandlung gegen den früheren Reichsstudentenführer Dr. med. Gustav Adolf Scheel. Reichsbahnwechsel zu Protest? V. H. FRANKFURT — Der Generaldirektor der deutschen Eisenbahnen, Dr. Basch, erklärte in einem Bericht über die finanzielle Lage der deutschen Eisenbahn, daß die Eisenbahn einen dringenden Oberbrückungskredit von 250 Millionen DM benötige, da sonst entweder die Uitimolöhne nicht bezahlt werden könnten oder aber die von der Zentralbank der Länder diskontierten Eisenhahnwechsel zu Protest gehen müßten. Der neue wfirttembergisebe Landesbischof STUTTGART — Zum Nachfolger des Landesbischofs Dr. Wurm wurde am Dienstag vom Landeskirchenrat Prälat Dr. Martin Haug gewählt. Der neugewählte Landesbischof Dr. Haug ist in Calw geboren. Am Tage seiner Wahl vollendete er das 53. Lebensjahr. Marshall bleibt im Amt WASHINGTON — In den politischen Kreise» Washingtons verstärkt sich der Eindruck, daß, zumindest bis auf weiteres, der Kurs der nordamerikanischen Außenpolitik von den Persönlichkeiten diktiert werden wird, welche Unterstaatssekretär Lovett und Verteidigungsminister Forrestal nalhe- stehen. Staatssekretär Marshall soll es gelungen sein, den Präsidenten davon zu überzeugen, daß ein Kurswechsel der nordamerikanischen Außenpolitik im Sinne des linken Flügels der Demokraten im gegenwärtigen Augenblick nicht zu verantworten sei. Die Tatsache, daß Staatssekretär Marshall trotz seiner schweren Erkrankung und seiner Operation im Amte geblieben ist, bedeutet andererseits, daß Marshall, der sich einer ganz besonderen persönlichen Wertschätzung von seiten des Präsidenten Truman erfreut, mit seiner Persönlichkeit auch weiterhin den Kurs der von seinen ehemaligen militärischen Kollegen im Verteidigungsminf- sterium inspirierten Politik der USA deckt. Peking: vor dem Fall PEKING — Seit Dienstag ist Peking von den Kommunisten vollständig eingeschlossen und ohne Bahnverbindungen. Nach der Räumung des westlichen Flugplatzes ist jetzt der südliche Flughafen bedroht. Aus Süden kommende Flugzeuge landen in Tientsin. In den westlichen Vororten, wo sich das Hauptquartier des Befehlshabers Nordchinas, General Futsoyis, befand, finden kleinere Gefechte statt. General Futsoyi Lat sich mit seinem Stab in die Innenstadt zurückgezogen. Die Stadt liegt unter Artilleriefeuer. Die gesamten Streitkräfte General Futsoyis wurden in den letzten 24 Stunden in die Stadt zurückgenommen. Informierte Kreise erklären, daß die in den Vororten eingesetzten Kampfgruppen nicht ausreichen, um den Kommunisten ernsthaft Widerstand zu leisten. Die Bevölkerung glaubt, daß um Peking keine Schlacht stattfinden wird. Regierung und Kommunisten sollen auf Druck der Vereinigten Staaten hin über einen Waffenstillstand verhandeln. Paul Hoffman, der Administrator der ELA, die sich auch mit der China-Hilfe befaßt, erklärte, diese Hilfe werde auch fortgesetzt werden, wenn China von einer Koalitionsregierung unter Einbeziehung der Kommunisten verwaltet werden sollte Meldungen aus aller Weit Harriinan und RoyaU ln Frankfurt FRANKFURT — Botschafter Averell Harriman, der amerikanische Bevollmächtigte für das europäische Wiederaufbauprogramm, weilte in Frankfurt und führte mit den Militärgouverneuren Clay und Robertson Besprechungen, an denen auch der amerikanische Heeresminister RoyaU teilnahm. Die Ehrenpräsidenten BERLIN — Der Generalsekretär der kommunistischen Partei Frankreichs, Maurice Thorez, wurde zum Ehrenpräsidenten des SED-Kongresses in Jena ernannt, berichtet die Parteizeitung „Thüringer Volk“. Außerdem wurden u. a. Stalin, Dimitroff, und Gottwald zu Mitgliedern des „Ehrenpräsidiums“ gewählt. Französisch-saarländische Besprechungen PARIS — Der französische Außenminister Robert Schuman und der Unterrichtsminister Yvon Delbos trafen in Saarbrücken ein, um ein französisch-saarländisches Kulturabkommen zu unterzeichnen. Während des Aufenthalts der beiden Minister in Saarbrücken ist eine Reihe öffentlicher Veranstaltungen in der Universität, im Landtag, im Rathaus und im Theater vorgesehen. 7,5 Millionen werden verteilt FREIBURG -- Die durch die Einfuhren im Rahmen des Marshallplanes gewonnenen DM-Beträge belaufen sich in Baden außerhalb der Eisenbahn und der Energiewirtschaft auf 7,5 Millionen. Hiervon sollen 4,5 Millionen für die gewerbliche Wirtschaft zur Verfügung gestellt werden. Nach dem vorläufigen Verteilungsplan sollen 1 Million fliegergeschädigte Betriebe, 2,5 Millionen von Demontagen betroffene Unternehmen und 1 Million DM das Fremdenverkehrsgewerbe erhalten. Die restlichen 3 Millionen sollen für die Landwirtschaft und zur Wohnungsbauförderung aufgewendet werden. Voraussetzung für die Verwendung der Beträge ist die Freigabe durch die Besatzungsbehörden. Auft eilang des Exportbonas FREIBURG — Von dem für das erste Halbjahr 1948 zur Verfügung stehenden Exportbonus wurde gemäß Beschluß des Exportbeirates über den dem Land zustehenden halben Anteil verfügt. Danach werden 205 000 Dollar zur Fetteinfuhr, 19 000 Dollar zur Einfuhr von Tierimpfstoffen, 5000 Dollar zur Beschaffung von Zuchthengsten und 12 000,Dollar zur Einfuhr von Schweineschmalz bereitgestellt Der Die Regierungschefs MAINZ — Auf der monatlichen Besprechung der Regierungschefs der französischen Zone mit General Koenig, kündigte der französische Oberbefehlshaber zunächst an, daß die drei Oberkommandierenden der Westzonen heute in Frankfurt eine Abordnung des Parlamentarischen Rates unter Führung von Dr. Adenauer empfangen werden. In seinen weiteren Ausführungen wies General Koenig auf die ungenügende Getreide- und Viehablieferung hin, die eine besonders schwierige Situation geschaffen haben. Bis zum 1. 11. 48 seien die Getreideablieferungen, die am I. 11. 47 51 *1« betrugen, nur zu 20 •/• erfüllt worden. Auch die Viehablieferungen wiesen einen solchen Fehlbetrag auf, daß die Fleischration von 600 g auf die Hälfte reduziert werden mußte. Nach den Mitteilungen der Ministerpräsidenten hat sich die Lage mittlerweile im Laufe des November soweit verbessert, daß ein gewisser Optimismus gerechtfertigt erscheint. In der Frage der Länderbudgets forderte General Koenig nachdrücklich, daß baldigst Maßnahmen getroffen werden, um die finanzielle Lage der Länder zu verbessern. bei General Koenig General Koenig ersuchte im weiteren Verlauf dei Besprechung die Ministerpräsidenten um Vorschläge zur Senkung der Kosten für die verschleppten Personen. Einverständnis wurde erzielt über die zahlenmäßige Zusammensetzung des Rundfunkrates, in den Baden und Württemberg-Hohenzollern ja 12 und Rheinland-Pfalz 23 Mitglieder entsenden Mit der Feststellung, daß trotz aller Schwierigkeiten das diesjährige Weihnachtsfest gegenüber 1947 eine Besserung gebracht habe, verband General Koenig seine Weihnachtswünsche für die anwesenden Ministerpräsidenten und die Bevölkerung der Zone. Gewerbelizenzgesetz suspendiert U. H. FRANKFURT — Die amerikanische Militärregierung hat das in der vorigen Woche vom hessischen Landtag beschlossene Gewerbezulassungsgesetz in dem für verschiedene Gewerbe die Zuverlässigkeit und die notwendige Sachkunde des Antragstellers verlangt wurde, für ungültig erklärt, da seine Bestimmungen, die in einem bindenden Befehl an den Ministerpräsidenten vom 2. 12. 48 festgelegten Richtlinien der Militärregierung verletzen. Die Militärregierung sei davon überzeugt, daß Einschränkungen die über die Interessen der öffentlichen Sicherheit. Gesundheit und der öffentlichen Wohlfahrt hinausgehen, die Entwicklung einer freien demökratlschen Wirtschaft hindern. Prinz Charles von Edinburgh LONDON — Der Sohn des Prinzen Philipp von Edinburgh und der Prinzessin Elizabeth wird auf den Namen Charles, Prinz von Edinburgh, getauft werden. Damenschlöpfer als Wiedergutmachung? DÜSSELDORF — Zur Denkschrift des Finanzministeriums von Nordrhein-Westfalen über die» Besatzungskosten hat nach einer Meldung des Londoner Rundfunks der Generalgouverneur des Landes. General Bishop, Stellung genommen. Wenn der Vorwurf, daß britische Beamte Spielzeug und Damenschlüpfer als Wiedergutmachungsleistung anforderten, sieh als berechtigt erweisen sollte, würden strenge Maßnahmen gegen die Schuldigen ergriffen werden. Der liebestrunkene Finanzminister TOKIO — Der japanische Finanzminister Izumiyama ist infolge eines Skandals zurückgetreten, den er im Parlament verursacht hatte. In betrunkenem Zustande hatte der Minister in den Wandelgängen des Parlaments einer der Opposition angehörenden 48jährigen Abgeordneten, die bereits Großmutter ist, Liebeserklärungen gemacht. Verschwörung in Korea aufgedeckt SÖUL — Die Polizei meldet die Aufdeckung einer kommunistischen Verschwörung, die auf die Ermordung des Präsidenten Rhee, des Premierministers Eeebumsuk und des Innenministers Juntschiung abzielte. Die Polizei verhaftete im westlichen Bezirk von Söul 45 Personen, die an der Verschwörung beteiligt waren. BADENER TAGBLATT Donnerstag, den 18. Dezember 1948 In Heppenheim und Godesberg An der Bergstraße, wo sich dieser Tage die Demokraten vereinigten, mußte ausgerechnet ein Sü- dena-Vertreter auf den blendenden Einfall kommen, ausgerechnet Herrn Hoepker-Aschoff, den früheren preußischen .Finanzminister über den Einspruch des badischen Staatspräsidenten gegen die im Bonner Houptausschuß beschlossene „Bundesfinanzverwaltung“, d. h. den auf finanzpolitischem Gebiet etablierten Zentralismus zu befragen. Das Freiburger SPD-Organ, „Das Volk“, gibt der lichtvollen Auslassung des Demokraten Hoepker-Aschoff, der bekanntlich, ohne es anscheinend bis heute eingesehen zu haben, mit seiner preußischen Finanzverwaltung von dem folgenschweren Weimarer Zentralismus überrollt worden ist, mit deutlicher Spitze gegen Herrn Wohieb Baum. Hoepker-Aschoff folgt bekannten Vorbildern, indem er mit der noch immer nicht vergessenen großen preußischen Geste die Protestaktion der Regierung des „kleinen" Südbaden bagatellisiert und erklärt: „Diesem Schritt Wohiebs sei keinerlei Bedeutung beizumessen. Er sei politisch ohne jeden Wert und werde wohl auch kaum irgendwelche Beachtung finden.“ Dieser hochnäsigen Zensur, mit der auch das sogar für Herrn Hoepker- Aschoff noch beachtliche Bayern etwas abbe- kommen soll und die den preußischen Finanzminister a. D. bei den Zentralisten in gute Erinnerung bringen möchte, wird gleich eine längst abgestandene Legende angeschlossen: die kleinen Länder, und hier vor allem Südbaden, wären bei einer Übertragung der Finanzverwaltung auf die Länder über*- Haupt nicht lebensfähig. Wer den Stand der Staatsfinanzen in dem größeren, wenn auch nach zentralistischen Maßstäben immer noch nicht ausreichend großräumigen Württemberg-Baden und in dem kleinen Südbaden vergleicht, der weiß, was er von dieser land- und sachfremden Erklärung zu halten hat. Aber der südbadische Finanzminister ist offenbar für derartige Großraumpolitiker noch nicht deutlich genug geworden! Doch davon abgesehen: hier wird natürlich wieder einmal der alte Taschenspieler- Trick benützt, indem man Herrn Wohieb südbadischen Isolationismus unterstellt. Im Augenblick kann freilich der badische Staatspräsident nur als Repräsentant Südbadens gegen den Bonner Finanzzentralismus protestieren, aber es besteht doch nachgerade selbst in jenen politischen Kreisen, die Herrn Wohieb seinen entschiedenen Kampf für eine freie Willensäußerung des ganzen badischen Volkes in der Ländervereinigungsfrage zu verübeln nicht müde tierden, kein Ztoei/el darüber, daß Herr Wohieb immer und somit auch in der Frage der Länderfinanzhoheit das ganze Baden im Auge hat. Dies wird x. B. von unseren gewiß objektiven Schweizer Nachbarn ganz richtig gesehen. „Staatspräsident Wohieb“, so schrieben dieser Tage die „Basler Nachrichten“, „hat schließlich nicht ganz unrecht, wenn er meint, Baden habe bisher auch existiert und nicht gerade schlecht, und könnte dies in Zukunft auch wieder tun, wenn erst ganz Baden erneut wieder beieinander wäre, die Zonengrenzen gefallen und die Besatzungskosten ermäßigt worden sind. Eine „eigensüchtige Politik“ kann man ihm auch nicht deswegen vorwerfen, wenn er im Falle eines Zusammenschlusses die badischen Rechte und Interessen durch einen Staatsvertrag gesichert haben will, damit Südbaden kein „Amtsbezirk von Württemberg“ werde, sondern ein völlig gleichberechtigter Partner.“ Indessen sich hier, wie * -a:i leicht erkennt, in der Frage der Länderfinanzhoheit unter deutlicher Apo- strophierung des südwestdeutschen Ländergrenzenproblems Demokraten und Sozialdemokraten einen Ball zuzuwerfen versuchen, wird bekannt, was der Parteivorstand der SPD auf seiner Konferenz in Bad Godesberg beraten und beschlossen hat. Aus den vorliegenden Pressemitteilungen entnimmt man u. a„ daß die SPD es als wesentlich betrachte, daß das Grundgesetz durch die Zustimmung der Landtage genehmigt wird. Daraus ergibt sich eigentlich ganz von selbst, daß die Aktion der badischen Regierung keineswegs „politisch ohne jeden Wert " sein kann und „kaum irgendwelche Beachtung finden wird.“ Ja, man schießt wohl kaum übers Ziel, wenn man aus dem Godesberger Beschluß folgert, daß die Entscheidung über Grundfragen wie die Länderfinanzhoheit in den Landtagen fällt. Was im föderalistischen Lager mit lebhafter Genugtuung verzeichnet wird, wenn auch in Godesberg Einigkeit darüber bestand, daß die SPD an einer „bundeseigenen Finanzverwaltung“ festhält, da „der Bund ohne Mittel seine vielfältigen zentralen Aufgaben sonst nicht erfüllen könne". Dazu ist nur kurz zu sagen; kein Föderalist (der Ausdruck kommt ja von foedus, der Bund!) wird dem Bund die Mittel vorenthalten, die er nötig hat, aber er wird nie und nimmer davon zu überzeugen sein, daß der Bund „vielfältige zentrale Aufgaben“ haben muß, wenn anders er nicht von Anfang an auf der schiefen Ebene der Weimarer Republik errichtet werden soll. Begreiflicherweise hat sich der SPD-Vorstand auch mit der so heiklen wie schicksalhaften Frage der Remilitarisierung beschäftigt. Unbegreiflicherweise jedoch stellte er dabei u. a. einmütig fest: „Die Frage einer deutschen Wehrverfassung hegt nicht im Bereich der deutschen Zuständigkeit.“ Das ist, so meinen wir nach gewissenhafter Prüfung der Tragweite dieser einmütigen Feststellung, ein Satz, der Geschichte machen könnte. Deshalb muß ihm gleich mit aller Entschiedenheit begegnet werden. Die „deutsche Zuständigkeit“ ist bekanntlich ein sehr beliebter Paravant, wo immer deutsche Politiker um ihre Verantwortung herumzukommen sich bemühen. „Deutsche Wehrverfassung" — das ist ein Die Tausende von Flüchtlingen, die von Osten nach Westen strömen, sind für die Sowjetunion in höchstem Grade unangenehm. Nicht nur Militärs oder politische Persönlichkeiten, die Kenntnisse preisgeben, sondern auch die vielen unbekannten Emigranten sind eine Gefahr für die sowjetische Propaganda. Denn gerade sie erzählen von dem Alltagsleben ln der Sowjetunion zu viel, um nicht abschreckend auf alle die zu wirken, die irgendwelche Sympathien für den Osten hegten. Die Sowjets haben darum, wie die Züricher „Tat“ meldet, zu dem Mittel gegriffen, in die Reihen der Flüchtlinge aus der Sowjetunion sorgfältig ausgewählte und ausgebildete Sowjetagenten einzuschmuggeln, die keine andere Aufgabe haben, als die öffentliche Meinung in den einzelnen Ländern zu beeinflussen und somit zu eigentlichen Propagandisten des Sowjetimperialismus werden, ohne daß das Gastland davon eine Ahnung hat Damit erreicht Moskau zweierlei. Einmal werden die Spionageabwehrdienste der westlichen Staaten sehr bald herausfinden, daß sich unter den russischen Emigranten auch Sowjetagenten befinden, und dadurch wird die Aufnahme von russischen Flüchtlingen allgemein erschwert werden. Zweitens aber werden die Agenten, die unentdeckt bleiben, wertvolle Propagandaarbeit und auch Spionagedienste für die Sowjetunion leisten können. Auf dem Schloß Sigulda in Litauen, das früher von Schriftstellern und Künstlern bewohnt wurde, das aber heute für gewöhnliche Sterbliche unerreichbar ist, hat der russische Geheimdienst eine Spionageschule eingerichtet, in der speziell „Flüchtlinge aus dem Osten“ ausgebildet werden. Die Schüler lernen vor allem fremde Sprachen wie Schwedisch, Norwegisch, Dänisch, Holländisch, Deutsch und Englisch. Die Schule trainiert weibliche und männliche Agenten für die skandinavischen Länder, Holland, die Westzonen Deutschlands und England. Für Amerika gibt es in der Umgebung von Moskau eine besondere Schule, während andere Schulen für Asien ln Chita und Bamaul (Sibirien) eingerichtet wurden. In diesen Schulen lernen die zukünftigen höchst unverbindlicher vieldeutiger Begriff, den des näheren zu umschreiben, dem SPD-Vorstand überlassen sei. Aber, so muß man fragen, wozu diese Flucht in die Unverantworflichkeit und Unzuständigkeit, wo gar nicht daran zu zweifeln ist, daß einer entschiedenen Ablehnung jeglicher Militär- und Kriegsdienstpflicht im Grundgesetz des deutschen Volkes von keiner Seite Schwierigkeiten bereitet werden —? Darauf könnte man vom SPD-Vorstand eine klare Antwort erwarten; denn es ixt nicht anzunehmen, daß die SPD von einer „Levie en masse“ gegen Krieg und Remilitarisierung, von der wir kürzlich hier sprachen, Abstand nehmen will. Dazu wird keine der „verschiedenen Richtungen der Partei“, mit deren Verschmelzung interessanterweise in Godesberg eine „Programmkommission“ beauftragt wurde, geneigt sein! —y— „Flüchtlinge“ alles, was sie über die spezielle Mentalität der Bevölkerung jenes Landes, für das sie bestimmt sind, wissen müssen. Geschulte Kommunisten aus den betreffenden Ländern leiten die einzelnen Klassen. Sobald dii Ausbildung perfekt Ist, wird der Agent in eine Flüchtlingsgruppe aus Polen, der Tschechoslowakei oder aus der Sowjetunion eingeschmuggelt, oder man stellt ganze „Flüchtlingstrupps“ aus Agenten zusammen, die dann genau dorthin geleitet werden, wo man sie haben will. Das, was diese Agenten über die Sowjetunion berichten, differiert nun sehr stark zwischen den einzelnen Ländern, in denen sie auftauchen. In einem kleinen und friedliebenden Lande wie Schweden erzählt der „Flüchtling“ wohl von der respektablen Stärke der Sowjetmacht, betont jedoch bei jeder Gelegenheit deren Friedensliebe. Wenn ein Mensch, der „so schwer unter den Sowjets leiden mußte“, trotzdem noch an die Friedensliebe der Russen glaubt, so machen seine Aussagen zweifellos einen stärkeren Eindruck, als wenn ein überzeugter Kommunist so spricht. Die Folge davon ist eine Stärkung des Neutralitätsgedankens und die Ablehnung jeder Bindung, sowohl nach Westen als auch nach dem Osten. In anderen Ländern, die sich durch unruhige politische Verhältnisse* auszeichnen, erklärt der Agent, die Sowjetunion rüste zum Krieg, sodaß der Gedanke aufkommt, eine betonte Anti-Sowjetpolitik bedeute Selbstmord. In den USA wird wiederum eine andere Taktik eingeschlagen. Dort verbreitet man die Meinung, die Sowjetunion sei enorm stark, bereite jedoch den Krieg nicht vor., Amerika sei zudem im Vorsprung und dank seiner Atomwaffe bestehe nicht der geringste Grund zu einer Beunruhigung. Die Erzählungen der „Flüchtlinge“ sind stets mit einer Fülle von wahren und nachprüfbaren Details gespickt, was ihre Glaubhaftigkeit stark erhöht. Zudem erzählen sie ihre Angaben stets nur auf Russisch und lassen nie merken, daß sie die Sprache des Gastlandes sehr gut verstehen. Das hat uns gefehlt „Der Parteivorstand beschloß ferner die Schaffung eines einheitlichen Parteiabzeichens.“ So liest man in dem Bericht über die Sitzung des Parteivorstandes der SPD am 10. und 11. Dezember in Bad Godesberg. Wie lange ist das eigentlich her, daß einheitliche Parteiabzeichen getragen wurden? Dreieinhalb Jahre schon? Da wird es höchste Zeit, daß man das Revers wieder durch Anstecknadeln ein wenig lädiert, daß die Einheitlichkeit der Vermassung endlich wieder auflebt. Wie war das doch damals? die Parteigenossen brauchten Führer, Chefs aller möglichen Stufungen, Hoheitsträger. Ob die neue Einheitlichkeit auch schon eine neue Hoheit in sich schließt? es ist wohl anzunehmen, denn die Schaffung eines einheitlichen Parteiabzeichens zieht wie bereits schon einmal alles andere nach sich. Prost, Mahlzeit, und viel Vergnügen! Es gibt wirklich nichts Neues unter der Sonne. Alles ist schon einmal dagewesen. Lassen Sie sich beglückwünschen zu der neuen Errungenschaft, die bald wieder Ihre Heldenbrust zieren wird. Man wird anerkennen, daß es jetzt endlich wieder aufwärts gehen muß; denn alle haben sich schon lange überlegt, was uns eigentlich noch gefehlt hat. Jetzt wissen wir es, ein einheitliches Parteiabzeichen. Es beginnt von vorne, bald dürfen wir wieder marschieren, Stillstehen, Maul halten, wenn auch zur Remilitarisierung der SPD-Parteivorstand zunächst noch die deutschen Stellen für nicht zuständig erklärt. Aber immerhin, wir haben endlich wieder ein einheitliche» Parteiabzeichen, da» un» gerade noch zu unserer Seligkeit gefehlt hat. Stuttgart spart in Karlsruhe Zur Karlsruher Intendantenkrise Um die im Zusammenhang mit dem plötzlichen Rücktritt des Intendanten Schulz-Dornburg kursierenden Gerüchte auf ihren Wahrheitsgehalt hin richtigzustellen, nahm Ministerialrat Thoma vom Kultusministerium in einer Pressekonferenz das Wort zur Darlegung der Gründe und Hintergründe. Darnach steht fest, daß die Intendantenkrise in Wirklichkeit eine „Währungskrise“, und daß Schulz-Dornburg glaubte, die infolgedessen eingeengten finanziellen Zuschüsse des Staates mit seinem künstlerischen, die seit November wirksam gewordenen Gagenkürzungen zwischen 5 und 30 Prozent mit seinem sozialen Gewissen nicht mehr vereinbaren zu können. In der Tat fällt schon ein Vergleich zwischen den vom Stuttgarter Staatstheater und den vom Karlsruher Institut gezahlten Gagen sehr zu Ungunsten des letzteren aus, sind doch die Stuttgarter Sätze sogar noch nach der Währungsreform im Durchschnitt höher als die vor diesem Datum bewilligten, also ungekürzten Karlsruher Sätze (auch hinsichtlich des Staatszuschusses ist Karlsruhe schwer benachteiligt D. Red.). Andererseits hält man von selten des Verwaltungsrats dem zurflekgetretenen Intendanten vor, durch nicht notwendige Gastverpflichtungen einiger Künstler sowie durch eine unrentable Spielplanpolitik das Einnahmesoll nicht unbeträchtlich unterschritten zu haben. Das sind sozusagen die Interna der Angelegenheit. Dem gegenüber steht die Tatsache, daß es Schulz- Dornburg in der kurzen Zeit seiner Karlsruher Tätigkeit verstanden hat, das Interesse am Theater entschieden zu beleben und daß die Aufführungen ein durchaus eigenes, auch strengen kritischen Maßstäben gerecht werdendes Gesicht erhalten hatten.^ So kommt man um das Bedauern nicht herum, daß Schulz-Dornburg etwas voreilig und allzu abrupt seine Kündigung einreichte, wenn auch andererseits hätte ein Weg gefunden werden müssen, zweifellos vorhandene Mißverständnisse in gegenseitiger Aussprache zu klären und damit vielleicht dem Theater die gerade im gegenwärtigen Zeitpunkt gefährliche Krise zu ersparen. Schließlich konnte auch der Sprecher des Kultusministeriums nicht umhin, der künstlerischen Persönlichkeit des Intendanten seine volle Anerkennung auszusprechen Ob am Ende nicht doch wieder St. Bürokratius den Weg zu einer Verständigung versperrt hat? immerhin will man alles tun, so schnell wie möglich nach einem neuen Intendanten Ausschau zu halten. Das kommissarische Interregnum Köhler-Helffrichs aus Heidelberg kann unter den obwaltenden Umständen doch nur sehr problematisch genannt werden. Dr. Bgr. imiiiiiiiiiiiiiiiiimiiimiiiiimiiiiiiiiii HiiiiiiiimuiiHuiiiiiiiiiiiiimiiiimiiiiitiiiuiiiiiiiiiMiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimHHiiiiiiiiimniiiiiiiitimiimtiiiiii» Sensationeller Interzonensdtmaggel aulgeroUt „Der Abend“ veröffentlicht Einzelheiten über die Rolle der Exportfirma Texta-G.m.b.H. Berlin bei einem sensationellen interzonalen Stahlschmuggel, dem die Polizei jetzt auf die Spur kam und in dessen Zusammenhang Direktor Bonacke von der „Texta“ verhaftet wurde. Im August dieses Jahres ging ein Transport von 1000 Ballen Stoff durch ein Speditionsunternehmen des amerikanischen Sektors an die „Textil-Vertriebs-Gesellschaften“ in Hamburg und Düsseldorf. Beide sind Tochtergesellschaften der Texta, die wiederum, wie „Der Abend“ behauptet, eine getarnte Außenstelle der SMA ist. Die Warenbegleitpapiere für diese Ladung wurden angeblich direkt von der SMA, Karlshorst, ausgestellt, die außerdem ihre Grenzdienststellen in Marie nboro angewiesen haben soll, dem Transport keinerlei Schwierigkeiten zu bereiten. # 41» Rückfracht waren 40 t Nägel aus Braunschweig und 25 t Stahl von der Simag in Hagen i. W. vorgesehen. Beide Posten galten offiziell als Lieferungen für die Westsektoren und sollten einer Firma im französischen Sektor zugehen. Die Firma ist ein vorgeschobener Posten der Texta, um die östlichen Empfänger der Kompensationen zu tarnen Dieser Transport scheiterte zwar an der Wachsamkeit amerikanischer Dienststellen, die für die Ausstellung der Fahrbefehle zuständig sind, aber mit fünf anderen Blockade-Durchbrüchen hatte die Texta vollen Erfolg. Bisher konnten nach Mitteilungen des Wirt schaftsministeriums von Nordrhein-Westfalen 60 Firmen der Westzonen festgestellt werden, die an dem Interzonenschmuggel zwischen der russischen Zone und den Westzonen beteiligt waren. Vor allem wurden Stahl, Eisen und Bedarfsartikel in den Westzonen auf gekauft, von den Firmen der russischen Zone „Texta“, „Balores“ und „Cantex“ wurden dafür Textilien, vor allem Damenstrümpfe — zum Teil mit Ausweispapieren der SMA — in die Westzonen geliefert. Bis zur Währungsreform wurden für etwa 10 Millionen RM Waren in den Westzonen auf gekauft und nach der Währungsreform weitere Abschlüsse über 20 Millionen DM getätigt. Daneben sind mit Unterstützung einer Bank der britischen Zone etwa 5 Millionen DM illegal in die russische Zone transferiert worden. Die Textilwaren wurden zu unverantwortlich hohen Preisen vor allem in Düsseldorf, Hamburg und in der US-Zone abgesetzt. Die Militärbehörden in Westdeutschland haben die Ausstellung von Warenbegleitpapieren für Landtransporte nach der Ostzone und Berlin ab sofort verboten. Auch die SMA in Karlshorst sah sich zu besonderen Maßnahmen gezwungen, da die Ausfuhr der Textilien zum Teil nur durch Bestechungen möglich war. Das Verfahren gegen die Beteiligten wird vor dem Obersten englischen Gericht geführt werden. „Flüchtlinge“ in geheimer Mission Der Weg des „weiOen Dämons“ Ein stämmiges Bauernmädchen aus der Gegend von Skoplje, eine frühere Partisanin, führt den Vorsitz. Zur Verhandlung stehen die säumigen Ablie- • feerungen der mazedonischen Opiumbauern. Die Sitzung findet in einem ausgeräumten Schulzimmer statt. Ein Tisch, mit rotem Fahnentuch verkleidet, dahinter die Mitglieder der „Kommission“, fünf Frauen und ein jämmerliches Männchen, das Protokoll führt, an der Wand zwei überlebensgroße Bildnisse von Tito und Stalin — es kann beginnen. Ein alter, graubärtiger Bauer schlurft herein und baut sich demütig vor dem roten Fahnentuch auf. Er ist mit der Opiumablieferung in Rückstand. Wieder die halbe.Ernte vergraben? Heraus mit der Sprache! Die. Partisanin nimmt ihn scharf ins Gebet. Der Bauer wehrt erschrocken ab. Vergraben — wie könnte er nur? Nein, er hat die Mohnköpfe zur vorgesehriebenen Zeit geritzt, und die Ernte ließ sich gut an. Doch dann kam der Regen und spülte den herausgequollenen Saft ab, und alles war dahin. Der Genosse Kommissar, der damals im Dorf war, kann es bezeugen . . . Der Kommissar — die Dicke fährt dem Alten barsch in die Parade — der Kommissar war ein Volksfeind. Er arbeitete mit der „Kette“ zusammen und wurde erschossen. Und ob er, der Säumige, sich darüber klar sei, daß im Nachbardorf auch einige Bauern wegen Opiumunterschlagung liquidiert wurden? Der Mann hat davon gehört. Doch er — er beteuert es mit wasserhellem Blick — er hat nie mit den Schmugglern zu tun gehabt. Und er führt tausend Gründe an, seine unglaubhafte Rede glaubwürdig zu machen. Die Vorsitzende winkt ab; so lange die Burschen nicht auf frischer Tat ertappt werden, ist ihnen doch nichts nachzuweisen. Der Alte verschwindet. Und niemand sieht das dünne Lächeln, das für einen Augenblick in seine Mundwinkel schleicht. Um einen mazedonischen Bauern zu überführen, so steht darin geschrieben, müßt Ihr Herrschaften von den Kommissionen schon ein wenig früher aufstehen! Das weiß man auch in Belgrad. Mazedoniens Bauern sind schlauer als alle Behörden zusammen. Sonst kann sich niemand über sie beklagen. Sie sind tapfere Patrioten und stehen treu zu ihrem Tito. Doch in puncto Opium haben sie ihre eigenen Gesetze. Und die besagen, daß es vollauf genügt, wem man dem Staat einen gewissen Prozentsatz der Ern - abliefert; über den Rest verfügt man selber. „Vater Staat“ in Belgrad ist notwendig anderer Meinung. Denn Opium bringt Devisen in die Kassen, und ohne Devisen kein Fünfjahresplan! Außerdem bestehen vertragliche Verpflichtungen zur Lieferung größerer Opiummengen nach Rußland, Ungarn, der Tschechoslowakei, und auch in Westeuropa zahlt man hohe Preise für das schmerzstillende Gift. Belgrad besteht also auf restloser Ablieferung der Ernte ... Die Bauern haben offiziell nichts dagegen einzuwenden. Die Praxis sieht allerdings anders aus! Und es gibt unzählige Möglichkeiten, die rohgummiähnli- chen „Opiumlaibe“ verschwinden zu lassen. Unter den traditionellen Abnehmern steht die „Opiumkette" an erster Stelle. Hinter diesem Namen verbirgt sich ein auf dem gesamten Balkan bekannter Schmugglerkonzern, der in den letzten Jahren der Reihe nach alle Konkurrenzunternehmen ausgeschaltet hat, zum Teil durch Übernahme der „Geschäftsanteile“, zum Teil durch Verrat an die „Ozna“, die jugoslawische Geheimpolizei, zum Teil auch durch nackte Gewalt, gewissermaßen in offener Feldschlacht. Das Hauptquartier der „Kette" liegt, jedermann bekannt und zugänglich, in Saloniki, und Chef ist ein Iraner namens El Kadri, ein Mann, der ebensoviele Gesichter, wie Risepässe, Luxusyachten, Schlösser, Frauen und Beziehungen hat. Und über ungezählte Schmuggler, Grenzgänger, Zwischenhändler und Verbindungsleute verfügt, die den „weißen Dämon“ von Hand zu Hand weitergeben. Dabei werden die verschiedenartigsten Wege beschritten. Der Bauer liefert, nachdem er mit dem Ankäufer der „Kette“ handelseinig geworden ist, die Opiumlaibe vielleicht in einem zerschossenen Haus im Niemandsland zwischen der jugoslawischen und griechischen Grenze ab. Von hier wird es auf unwegsamen Pfaden von „Station“ zu „Station“ nach Saloniki gebracht, wo es von Fischerbooten, rundbauchigen Seglern oder Hafenbarkassen nächtens an Bord kreuzender Yachten geschafft wird. Auch die Waffentransporte von Jugoslawien zur Markos- Armee spielen häufig die Rolle eines Zwischenträgers. In Konservendosen, als Büchsenfleisch oder Schmierfett deklariert, in MG-Läufen und Munitionskisten gelangt das Opium unkontrolliert über die Grenze, dort wiederum in die Hände von Mittelsleuten, die es weiterbefördern, mitten durch das Operationsgebiet hindurch nach Saloniki Diese „Waffentransporte“ galten zeitweilig als der sicherste Weg, das Gift auf den Markt zu bringen — demgemäß reagierten sämtliche Rauschgiftbörsen Europas mit einem starken Anziehen der Preise, als Tito im Verlauf seiner Auseinandersetzung mit der Ko- minform diese Transporte vorübergehend einstellen ließ. Daß auch zwischen der „Kette“ und den Überwachungsbehörden zahlreiche Verbindungen bestehen, braucht kaum betont zu werden, — der Balkan bleibt seinen Traditionen auch im Zeichen von Sichel und Hammer treu! Die Korruption feiert wahre Triumphe und hat längst auch die Belgrader Zentrale verseucht So wurde kürzlich der Leiter der „Heilkräuterabteilung im Gesundheitsministerrum“ Dr. Bosco Zdravkowitseh seines Postens enthoben, weil er an umfangreichen Opiumschiebungen beteiligt war. Das wunderte jedoch niemand, da in Belgrad allgemein bekannt ist, daß sogar die „Ozna“ einer der Hauptabnehmer der Schmuggler ist. Die jugoslawische Geheimpolizei arbeitet bei ihren Verhören nämlich stark mit Opium — ein „freundlicher, kleiner Opiumrausch“ fördert mehr zu Tage als lange Folterungen, lautet einer der ungeschriebenen Erfahrungssätze von Titos GPU. Zumeist genügen bereits zwei bis drei Behandlungen, um die Verdächtigen seelisch völlig „aufzuweichen“ und zu den gewünschten Aussagen zu bewegen. • So wird, bei Licht betrachtet, auch der Kampf der Belgrader Behörden gegen den Opiumschmuggel nur mit halber Kraft geführt. Im Grunde haben sich beide Parteien längst mit einer Teilung der Ernte abgefunden. Die Bauern Mazedoniens, des größten Opiumanbaugebietes von Europa sind zufrieden. Sie haben schon viele Herren kommen und gehen sehen und sind bisher noch mit allen fertig geworden. Sie ernten ihren Mohn, wann und wie es ihnen beliebt, und berechnen ihren Reichtum nach den Opiumlaiben, die sie in Sicherheit wissen . . . Allen Behörden, Verfügungen und Kommissionen zum Trotz. * Kr. US BADENS* TAQBLATT Donnazvtag, den 18. Dezember IS4S Hände und Handschrift sprechen . . . Von Herbert Halonga Zu den Wissenschaften, die zu der Aüsdruck«- kunde gehören, zählt man seit Jahrzehnten die Graphologie. Der „Vater der Graphologie“ ist der Franzose Abbe Michon. Seine Arbeitsmethode wurde dann von J. Cröpieux-Jamin systematisch ausgebaut. Der Engländer Robert Saudek hat sich besondere Verdienste um die Graphologie erworben. Es würde hier aber Zu weit führen, die vielen anderen Graphologen von Weltruf zu neunen. ln der Graphologie gibt es zwei Arbeitsmethoden. Die eine ist die der Intuition, die andere der praktischen, statistischen, objektiv prüfenden und vergleichenden Wissenschaft. Das sind zwei Wege, die aber immer zu den gleichen Ergebnissen führen. Eine alte graphologische Erkenntnis besagt: „Je höher der Eigenartsgrad einer Handschrift über dem zeitabhängigen Durchschnitt steht, umso entschiedener gelten ihre Einzelzüge positiv, wie im umgekehrten Falle negativ.“ In der Schriftbeurteilung ist die psychologische Auswertung des Tempos eines Schreibvorgangs maßgebend. Es läßt sich daraus beurteilen, ob zeitlich bedingte Affektzustände bei der Schriftabfassung eine Rolle spielten. Selbstverständlich kann nur der geübte graphologische Wissenschaftler die motorischen Schriftkräfte und den Rhythmus beurteilen. Mit der Feststellung der verschiedenen Schriftbindungen, wie beispielsweise Arkade, Girlande, Faden und Winkel ist noch nichts gewonnen. Wichtig ist vor allem, daß die internationale Norm für die Höhe der Kleinbuchstaben 3 mm beträgt. Klages sagt dazu: Je größer eine Schrift, umso mehr waltet im Charakter des Urhebers die Eigenschaft des Pathos vor; je kleiner, um so mehr tritt diese zurück. . Der Schriftkundige beurteilt immer.die drei Dimensionen der Schrift. Es gibt sechs Bewegungsrichtungen: die vertikale, horizontale und räumliche, die jeweils nach zwei Seiten hin verlaufen können. Die Aufwärtsbewegung zeigt sich in dem Ausdruck der sog. Oberlängen bei den Schleifen, beim kleinen k, 1, b usw. Die Abwärtsbewegung dokumentiert sich in den sog. Unterlängen, also in den Schleifen beim kleinen p, g, q usw. Generell deuten Oberlängen, wenn diese größer als die Unterlängen sind, auf eine betonte Beweglichkeit des Geistes hin. Ein Vorherrschen des geistigen Typs ist angezeigt. Schwung und Idealismus sind vorhanden. Negativ können sich aber auch dünnblütiges Aesthetentum, Verstiegenheit, eine lebens ungesunde und über- Rollende Aepfelchen Von Heinrich Bitterer. Ich habe drei Kinder und für diese drei Kinder kaufte ich drei Äpfel. Groß, rund und süß. Sie waren so schön, daß ich sie selbst sofort verzehrt hätte, wenn ich eben nicht die drei Kinder gehabt hätte. Als ich die Äpfel ln der Tasche hatte, sah es von außen nicht schön aus, aber eigentlich hätte dort, wo mein Herz ist, sich am meisten eine Zunahme abzeichnen müssen: so freuten mich die drei kostbaren und köstlichen Äpfel und die Freude, sie bald verschenken zu können. Ich ging auch direkt nach Hause. Unterwegs aber traf ich Frau Schneider Frau Schneider ist die Frau unseres Gartennachbarn, wir kennen sie und ihre Familie also recht gut. Ich war sofort im Bilde, als sie von ihrem kleinen Fritz zu erzählen anfing. Aber ich wußte noch nicht, daß der kleine Kerl Pech gehabt und seinen Fuß gebrochen hatte'. Und nun lag er nebenan im Krankenhaus. Ich habe drei Kinder, aber ich habe andere Kinder gern. Jawohl. Ich ging also mit Frau Schneider, um den kleinen Fritz zu besuchen. Der hatte eine riesige Freude, daß seine Mutter gekommen war und eine fast noch riesigere, daß ich dabei war. Denn ich war so etwas wie sein Kamerad, wenigstens so lange, als wir beide im Garten waren. Und da hatte ich auf einmal die Hand in der Tasche und ballerte mit einem der schönen Äpfel. Und im Hui hatte ich den zweiten zur Hand und im Nu den dritten: ich warf sie alle drei zur Decke und fing sie als ein kleiner Rastelli vor den Augen des ganz hellsternäugigen Fritzchans. Das- Spiel und die Apfel gefielen ihm über die Maßen. Er fand es such g u nz in der Ordnung — wie ich selbst —, daß ich mich nicnt für mein Kunststück bezahlen ließ, sonde-u noch obendrein meinem Zuschauer die Äpfe. au, das Bett legte als Gruß und Gabe. Die Taschen waren leer, mein Herz nicht. Und daher erzählte ich zu Hause meinen drei Kindern in Form eines Märchens die Geschichte mit den rollenden Äpfelchen. Und meine Kinder lachten und freuten sich mit mir. spannte Natur geltend machen. Wenn die Unterlängen größer als die Oberlängen sind, dann ist eine Schwere des Geistes angedeutet. Positiv gesehen •zeigen sich dann Realismus, Gemütsinnigkeit und Gewissenhaftigkeit; negativ aber Nüchternheit, betonter Materialismus, ein ungesunder pedantischer Zug. Auch die Distanz zwischen den einzelnen Buchstaben ist wichtig. Es gibt hier die normalspurige, eng- spurige .und weitspurige Schrift. Der gehemmte Mensch, der im depressiven Erleben steckt, der sich in einer Neurose befindet, gehört zu den engspurig Schreibenden. Wer eine Erweiterung seiner Lebens- . Sphäre anstrebt, besitzt ein weitspuriges Schriftbild. So gibt es noch viele weitere Einzelsymptome in der Handschrift. Die Unterschrift stellt ein ganz besonderes Merkmal in graphologischer Beziehung dar. Hier läßt sich ohne weiteres beurteilen, ob jemand ein Eigenbrödler, ein arroganter oder fanatischer oder ausdauernder Mensch ist. Besonders interessant ist die Tatsache, daß man zwischen der Graphologie und der Chiromantie — der Lehre von den Handformen — Parallelen ziehen kann. In der Chiromantie unterscheidet man bekanntlich vier Grundformen der Hand: die Spatelhand, die quadratische, die konische und die knotige Hand. Natürlich darf man nicht erwarten, daß diese Formen Immer exakt ausgeprägt Vorkommen. Es gibt hier — wie bei den Temperamenten — manche „Verwischungen“. Für den geübten Psychologen ist es aber auf Grund praktischer Erfahrungen möglich, die Abstufungen und Nuancen festzustellen. Sehr viel läßt sich aus den einzelnen Fingern der Hand aussagen. Es gibt hier ganz bestimmte Meßmethoden. Solche Dinge gehören aber nicht in den Bereich laienhafter Betrachtung, denn diese kann hier zu viel Unheil anstiften. Der ernsthafte Wissenschaftler registriert und systematisiert seine Untersuchungsfälle; er gewinnt daraus ein aufschlußreiches Material, das für die Charakterkunde und damit für die Selbsterkenntnis und Selbstgestaltung des Lebens von größter Wichtigkeit ist. Hier beginnt aber auch gleichzeitig der praktische Nutzen für die mögliche Erkenntnis einer schicksalsmäßigen Entwicklung. Je mehr es gelingt, die schicksalsmäßigen Anlagen auszuwerten, umso eher ist es auch möglich, ein höheres Maß an Daseinssicherheit zu gewinnen. So gesehen haben der Graphologe und Chirologe eine besondere Aufgabe. Aus der Sprache der Handschrift und der Hände vermögen sie festzustellen, was einer ist und was aus ihm werden kann. Bruder Mensch Ob es in Polen, oder ln Norwegen, in Frankreich, oder der Tschechoslowakei geschah, ist heute gleichgültig. Es geschah. Zehnmal, hundertmal? Es geschah. — Und es wird wieder geschehen, wenn nicht. .. Auf der kahlen, nächtlichen‘Ebene, die von Schienen zerrissen wurde, stand das Weichenstellerhaus. Vielmehr, ein kleiner Turm Eiland in der drohenden Öde der Dunkelheit. Klein und struppig kauerte der Weichensteller vor seinen Hebeln, vor ihm stand die Flasche. Er trank jetzt immer, wenn er nur etwas erwischen konnte. Seit alles verloren schien, trank er. Ändern konnte er nichts, also trank er . . . Zwei Züge würden heranbrausen, einer von Osten und einer von Westen, Die Weichen mußten gestellt werden, damit nicht — soweit dachte der Weichensteller, seit er den Dienst versah. So weit. Nicht weiter. — Wenn nicht ... In der Flasche war nicht ]~)ummheit ist der intelligenteste Schöpfer der Langeweile. * Wenn aber ein dummer Mensch auch lang ist, wirkt das besonders fatal; seine Dummheit scheint meßbar zu sein — , * O heilige Langeweile! in deinem langweiligen ewigen Chaos wird der Mist des Lebens abgelagert, gestapelt, gepflegt! Keine Fürsorge ist dir dafür langweilig genug! B. mehr viel, vor seinen alten Augen formten sich dünne Nebel und zerflossen. — Signal! — Jetzt mußten die Weichen gestellt werden, wenn nicht . . . Der kleine, struppige Kerl stöhnte. — Dann riß er den Hebel herum. Die beiden Soldatenzüge blitzten grollend aneinander vorbei und stürzten hinaus in die Nacht, ihrem blutigen Ziele zu. Drinnen sangen sie „Drei Lilien, drei Lilien . . und viele andere Lieder, die sie womer sangen. Der alte Mann lauschte mit schiefem Kopf auf das verhallende Geräusch. Dann nahm er den letzten Schluck, schüttelte sich wie ein Hund und warf die Flasche aus dem Fenster. Es klirrte laut Und dem Klirren folgte ein Schrei, der nichts Menschliches an sich hatte, ein Brüllen der Rache, das aus dem Schlunde der Hölle zu dringen schien. Der Alte brach in die Kniee und schlug die schmutzigen Hände vor das Gesicht. Unten wurde die Tür aufgestoßen, Stiefel donnerten die wacklige Treppe hinauf . . . Durch die zitternden Hände sah der Alte nur diese blanken, schwarzen Stiefel. Dann traf ihn ein Stoß, daß er wie ein Sack die Stiege hinunter- rollte, fast lautlos, nur unten auf dem .Damm schlug er schwer auf. Er lag auf dem Rücken, die Arme von sich gestreckt. Hoch droben funkelte ein Stern. „Du Hund, du Vieh . . Der alte, von Schnaps, Angst und Schmerz betäubte Mann verstand die Worte nicht mehr, die der andere ihm zubrüllte. Der beleidigte Sieger. Oh, welch furchtbarer Stachel ist dem Mächtigen jede Kränkung! Der Erniedrigte lernt es so schnell, seine Schmach still zu tragen . . . Der Stiefel trat, die Stimme tobte. Die hundertmal geflickten Kleider gingen in Fetzen. Uber die Steine rann Blut. Krankes, dünnes Blut eines alten Mannes. Und auf das was einmal ein Mensch gewesen war, blickten die ewigen Sterne herab. V. In Freiburg hat soeben eine Gesellschaft der Freunde KeneSchickeles die Lizenz erhalten. Die Vereinigung, deren Vorsitzender der bekannte Schriftsteller Hausenstein ist, will die Erinnerung an Rene Schickele wachhalten und zur Verständigung der Völker diesseits und jenseits des Rhein beitragen. * Eine Anzahl bekannter französischer Schriftsteller, die in der Widerstandsbewegung eine bedeutende Rolle spielten, haben in einem Schreiben an den französischen Justizminister dagegen protestiert, daß der Verleger Sorlot, der Hitlers „Mein Kampf" vor dem Krieg in einer von allen Angriffen gegen Frankreich gereinigten Ausgabe in den Buchhandel brachte, kürzlich eine angesehene Verlagsanstalt erworben hat. * In Anwesenheit bedeutender Persönlichkeiten fand am Sonnabend iro Kammertheater der Württembörgischen Staatstheater, Stuttgart die Hundertjahrfeier der deutschen Verlagsanstalt statt. In Gegenwart zahlreicher französischer und deutscher Gäste wurde in Neustadt eine Ausstellung „Französische fotografische Kunst“ eröffnet. * Der Boden Roms hat den Archäologen eine unerwartete Beute zugespielt. Seit der Auffindung des Hauses der Kleopatra an der Straße nach Ostia Ist die Ausgrabung einer römischen Villa aus klassischer Zeit an der Via Cassia die weitaus bedeutendste. Das Fundfeld liegt in unmittelbarer Nähe des Hauses Neros, also im Zentrum der Altstadt. Der Fund erweitert die historische Kenntnis Roms. „Raube das Licht aus dem Rachen der Schlange 46 Ja, wir sind Widerhall ewigen Halls, Was man das Nichts nennt, Ist Wurzel des Alls. Aber das wollen wir mutig vergessen, Wollen die Kreise des Da-Seins durchmessen! Was hier nicht gebunden ist, ist nirgends gebannt. Wie weit eine Liebe sich spannt In die Zeit, in die Tat, in das Glück Ihrer Erde, So tief wird sie zeugen im ewigen Werde . . . Betrachten wir das bisherige Werk Hans Caros- sas, so können wir überall die Quellströme seines Lebens aufzeigen, die sich Im Licht und Schatten der betrachtenden und erkennenden Beleuchtung, in der Kristallisation seiner Dichtung spiegeln. Und wie sich die Strahlen in einem Kristall brechen und in ihrer Art eine neue Perspektive und Beleuchtung schaffen, so umfängt uns das Zauberische, das köstliche Fluidum in der Dichtung Hans Carossas. Er wurde im Jahre 1878 in Tölz als Sohn eines Arztes geboren. Seine Jugend verbrachte er in seiner ländlichen Heimat. Und schon in diesen Jahren scheint er der Zeit durch Natur und Bildung entrückt zu sein: Du magst auf wachsen zwischen Blume und Schmetterling, im Grase liegend, bei Stier und Kühen, scheinbar wie in „uralter Erdenzeit wo Tier und Mensch einander als göttlich erkannten.“ Seine Gefahr war nicht der Genuß, die Gefahr dieses Sohnes des Zwielichts war der Traum. Aber er bannte diese Gefahr, Indem er den Traum zum Wunschbilde machte, indem vom erlebten Bilde Blutwärme und Tagesfarben lieh und alle Gegenwart und Zukunft daran maß. Dunkel <• beweist schon der Jüngling jene große, dem Dichter Hans Carossa ureigentümliche Kunst, die Kunst eines Menschen, der in der Gegenwart steht, fühlend mit jedem Heute, aber verbunden auch mit allen Gestern, seine zeitnahen Gestalten zu schaffen. Jede Begegnung mit ihm ist ein Eintreten in den Bannkreis einer tiefen Menschlichkeit, die immer seltener auffindbar scheint. Lesen wir in Dr. Bürgers Ende“ nach und dann in „Eine. Kindheit“ (Klärung über Kindheit und Jugend), „Rumänisches Tagebuch“ (Klärung über das große Schicksal Aller, den Krieg), „Der Arzt Gion“ (Klärung über die Nachkriegszeit) und so fort — in jedem seiner Bücher finden wir einen besonderen Charakter. Im Alltag die höhere Welt zu sehen, das ist das Geheimnis Carossas. Er braucht dazu die einfachsten Mittel. Mit wenigen sinnbildhaften Zügen, die eine höhere Ebene schaffen, sind ihre Menschen ge- . . . „Glanz 44 . . . „Dr. Bruno E. Werner übernimmt als Herausgeber und Chefredakteur die Leitung der im Verlag Kurt Desch München erscheinenden neuen Kultur- und Kunstzeitschrift, die auf Grund eines unlängst veröffentlichten Preisausschreibens den Namen Glanz erhält. Sie wird aus dem Reichtum, über den die alte Welt trotz ihrer Armut und ihrer Trümmer immer noch verfügt, und somit als deutsche Zeitschrift europäischen Charakter haben.“ Diese Pressenotiz gab der Kurt Desch-Verlag heraus. Sie bezieht sich auf die bis dato bekannte und geschätzte kritische deutsche Zeitschrift „Prisma“. zeichnet: Ihr Vordergrund- und ihr Hintergrundbild, ihre Krankheit Und ihr Gesunden und ihre erste leise, dann immer gewisse Hoffnung. Wer in seine Werke eingeht, ist fern dem Lärm, aber diese Stille ist nicht Laut- oder Reglosigkeit. Es ist die Stille des Weltfremden außerhalb der Welt.’Der Lärm der Welt liegt hinter ihm; denn Leben ist ihm nicht Zurückträumen, sondern Besinnen, Klären, Steigern: „DieletzteTatprägtallefrüherenTa- t e n“. Hier tritt man zutiefst in das Land eines Dichters. Ja, Carossas Werk gipfelt in seinen Gedichten. Alles, was an Zauber und Verwandlung in ihm schlummert, ersteht hier in wunderbarer Harmonie zwischen Form und Inhalt. Selige Gewißheit Ja, du bist Wille vom frühesten Licht, Hast ein Erdenkleid genommen, Bist in eine Welt gekommen. Glaub an die Heimat! Betrübe dich nicht! Glaub an die Heimat! Sie ist überall. 1 Schwarze Kohle wird heller Kristall, Vom Strahl des Geistes getroffen, Der Weg zum Ursprung, noch steht er uns offen. Liebende flochten die magische Leiter, Immer liebender wage dich weiter Bis zu der letzten Sprosse hinan, Wo dich ergreift der unendliche Bann! Wenn die Seele dann herrlich erschrickt Vor Abgründen, in die kein Ahne geblickt, Stürze hinab! geheiligt dein Fall, — Heimat umleuchtet dich bald überall . . . Dem Reich der Erde treu dienend ist er gleichsam mit dem Geheimnis, das uns überall umgibt, vertraut. Wir fühlen uns geborgen in dem „inneren Reich der erleuchteten Wirklichkeit“, das den Zufall, und das unendliche Wirken des Schicksals mit so viel Wärme erfüllt. Aber der Eintritt in die Welt Hans Carrossas setzt jene Unbefangenheit voraus, die die Begleiterin eines reinen aufgeschlossenen Herzens ist. Dann kann er uns auch helfen, mit seiner großen Lehenserfassung wieder ein Licht in die Zerrissenheit und Verworrenheit unseres Lebens zu stellen. A. St. Nun hat sich zunächst, d. h. wörtlich ein „Prisma“ in „Glanz“ aufgelöst. An sich führt dieses Ereignis in den Raum des Wunders! Und ich wundere mich deshalb auch mächtig. Verlieh nicht der Glanz — die Strahlen des Lebens —, sein Abglanz dem „Prisma“ überhaupt erst seine Funktion und Existenz? Manches von jenem uralten Glanz vermochte das „Prisma“ durch seine maschinelle Instinkts! eher heit vor dem Untergang in der Zeit zu retten. So trafen hie und da einige reine Farben auf die mit grau überfütterten müden Augen des Gelegenheitslesers und auf das schärfere Auge eines träumerisch oder kühn Lesenden. Aber — „sei’s drum"! „Glanz“ folgt nach — und die Augen werden sich ge- oder entwöhnen. Alles tut not! K. /7/0 /" t | Copyright by Prometheus. M v /ÄnfM I Verlag Dr. Eichacker W' fl! // | Gröbenzeil bei München gehst Du, Sibylle! 52 Roman von Erna Margaretha Anders Lotte Roller warb nicht um die Liebe des Äfannes, der, wie sie wußte, sein Herz geteilt hatte. Die vielen kleinen harmlosen Künste, die einer Frau zu Gebote standen, um den Mann Immer wieder an sich v zu fesseln, sie waren ihrem Wesen so fremd, wie es einer unscheinbaren am Wegrande blühenden Blume wohl kaum in den Sinn kommen würde, sich in ein Beet stolzer Rosen zu drängen. Sie liebte Stephan mit einer stets gleichbleibe#den Liebe, die in ihrer Stärke keine auch noch so leise schwankenden Unterschiede kannte. Ihre Freundlichkeit, ihre jederzeit bereite Hingabe sich ihm anzupassen, waren so sehr der Grundzug ihres Wesens, daß sie nicht einmal von ihrem Vorhandensein wußte. Das alles fühlte der Mann an ihrer Seite so klar wie nie zuvor. Wie von einer schweren Last befreit durchlebte er diese friedlichen Herbstwochen, kaum daß er einmal an die große, in bewährten Händen zurückgelassene Praxis dachte, und immer seltener verirrten sich seine Gedanken zu der schönen Gefährtin seiner Schuld. Alles schien nun so weit entfernt, als hätte er nie ernstlich daran teilgehabt, denn er liebte Lotte im Grunde seiner Seele mit der tiefen stillen Glut, deren ein Mann» nur einmal in seinem Leben fähig ist. Erst jetzt erkannte er die Größe dieser Frauenseele, die sich ihm zu eigen gegeben hatte, und die es in ihrer Schlichtheit so gut verstand, das Tiefste und Beste ihrer ehrlichen Gemeinschaft in jenes übernatürlichen Lichtes Schein, das wir Gnade nennen, hinaufzuheben. Er konnte nicht anders, als er die Stunde gekommen fühlte, als dieser Frau vertrauensvoll seine Schuld zu bekennen. Nicht einen Augenblick lang zuckte ihre kleine Hand in der seinen, nach der er wie Halt suchend gegriffen hatte, als er seine Beichte begann: Nur im ersten Augenblick hatte sie in plötzlich erwachender Angst die eine Hand auf das stürmisch pochende Herz gelegt, um es zu beschwichtigen, die andere ließ sie ihm, damit es aus der Wirrnis seiner Gefühle einen Rückweg für ihn gab. Als er geendet hatte, von keiner Zwischenfrage unterbrochen, und atemlos auf , ihre nächsten Worte wartete, kam nur eine scheue kleine Frage durch die Dunkelheit zu ihm: „Liebst du sie noch sehr?“ Zu schnell kam das „Nein“, ein hartes, brutales Nein über seine Lippen. Er hätte es zurückholen mögen, wenn es möglich gewesen wäre; denn er wußte, daß er Sibylle verraten und sich selbst belogen hatte. Doch nun stand dieses eine Wort im Raum und ließ sich sanft und doch stark auf Lotte Roller nieder, die es mit sehnsüchtigem Herzen in sich aufnahm und fest verschloß, dorthin, wo keine Macht der Welt es ihr jemals wieder entreißen konnte. Behutsam zog sie ihre Hand aus der seinen zurück — er brauchte sie nicht mehr, und beruhigt ließ sie sich in Schlaf und Traum hinübergleiten. Wie wenig schwer wog doch seine Schuld im Verhältnis zu ihrer großen Bereitschaft zu verzeihen und — zu vergessen. Es würde alles gut werden — es war ja schon alles gut! Es gibt Menschenherzen, die immer wieder vertrauen, wenngleich sie auch viele Male getäuscht wurden. Um so friedloser, sich einsam fühlend wie nie zuvor, lag Stephan in der Nacht- da und fand keine Kraft, sich der anstürmenden Gedanken zu erwehren. Der Kopf schmerzte ihn wie im Fieber, die weit geöffneten Augen, die der Schlaf floh, brannten, wie er so Stunde um Stunde in die Dunkelheit starrte. In seiner Brust rang Gut mit Böse in härterem Kampf denn je zuvor. Das Böse war stark, es wurde nicht müde, ihm alle Stunden der Leidenschaft ins Gedächtnis zurückzurufen, sie in den glühendsten Farben auszumalen, und alle heißen Worte, die je zwischen den Liebenden gewechselt worden waren, einem tausendfachen Echo gleich zu wiederholen und in sein Bewußtsein zu hämmern. Als er nach kurzem unruhigem Halbschlummer erwachte, schleuderte er jählings die Arme von sich, die soeben noch Sibylle umschlungen hatten. Mit qualvoller Deutlichkeit sah er sich wieder in Freiburg, wie er, von einer stärkeren Macht getrieben, wieder zu Sibylle eilte, hörte, sich im Geiste die vielen Ausreden und Lügen gebrauchen, die ihm so leicht wie immer von den Lippen fließen würden. Er wußte, wie er sich aufs neue als ein Verdurstender auf jenen Becher stürzen würde, den die Leidenschaft ihm würzte und darbot, und wie er ihn leeren würde bis auf den letzten Tropfen. All das sah und empfand er einer Vision gleich in dieser grauen Morgenstunde, die' noch nichts von der Herrlichkeit des kommenden Tages verriet. Er sah, wie die grauen Schatten in den dämmerigen Ecken des Zimmers sich ballten, vernahm ihr heimlich unheilvolles Flüstern, nur das eine erkannte er nicht, daß der Becher der Leidenschaft, nach dem jede Faser seines Herzens verlangte, auf dem Grunde das Leid barg . . . Nichts wollte klappen! Und dabei war füi morgen die Hauptprobe angesetzt und übermorgen sollte die Uraufführung sein! — Verärgert und nervös rannte der Spielleiter Doktor Petzold von einem zum anderen. Wer sich ihm irgendwie in den Weg stellte, wurde angedonnert, ganz * * gleich, wer es war. Wie bei einem Gewitter blitzten verschiedene Beleuchtungen über die im Halbdunkel daliegende Bühne. "Urilustig geworden, durch den dauernden Tadel und die ewigen Wiederholungen standen die Hauptdarsteller, gänzlich „unheldisch“ in ihrer Zivilkleidung herum, während Doktor Petzold hinter der Bühne tobte und einen Bühnenarbeiter niederdonnerte. „Kinder“, sagte der Hauptdarsteller, ein blonder Hüne, halblaut in echtem Theaterjargon zu den nächsten Kollegen, „also wenn das morgen klappt, freß ich ’nen alten Strohhut!“ Henlein, der Komiker, wollte gerade eine treffende Antwort geben, als der Spielleiter zurückgestürmt kam und energisch den Fortgang der Probe anordnete. (Fortsetzung folgt) i tft. 118 BADENER TAGBLATT Donnerstag, d«n 18 Dezember 1948 Baden-Baden WeihnacSttswunscfi der Hausfrau Weihnacht ohne ein Stück Kuchen' ist keine deutsche Weihnacht. Und jede Hausfrau wäre die Feiertage über sehr, sehr unglücklich, könnte sie zu Weihnachten ihren Kindern nicht einmal ein Stück, wenn auch bescheidenes Stück Kuchen 1* den Mund schieben. Seit Wochen schon kreisen ihre Gedanke um den einen Pol: Weihnachtskuchen. Soll es im Dezember nicht 87 5 Gramm Fett geben? Wir haben heute schon den 16. Dezember. Die Hausfrau aber hat erst 125 g Butter im Dezember erhalten. Backt sie eu Weihnachten, will sie es rechtzeitig tun. Sie möchte nicht hetzen, daß am Heiligabend ihr Selbstgebackenes noch ofenwarm ist. Immer ängstlicher verfolgt sie die kürzer werdende Spanne Zeit bis Weihnachten. Sie macht keine Vorwürfe. Hur einen Weihnachtswunsch hat sie: „Gebt rechtzeitig Fett ins Haus, damit ich zu Weihnachten vor den fragenden Augen der Kinder bestehen kann!“ Und mit den Hausfrauen wartet auch das Ernährungsamt sehnsüchtig auf das Anrollen der längst zugesagten Lieferungen a%s Dänemark: Telegramme, Telefonate sausen durch die Drähte! Hoffentlich hilft das Christkind etwas nach, sonst, liebe Kinder ... H. Dr. jur. Paul Bauer 70 Jahre alt Morgen, am 17. Dezember, kann Rechtsanwalt Stadtrat Dr. Paul Bauer seinen 70. Geburtstag leiern. Mancher, der diesen Mann in seiner ungemeinen Lebendigkeit, in seinem, ja, man muß es sagen, in seinem noch so r jugendlichen Temperament kennt, wird darüber erstaunt sein, auch wenn man weiß, daß Dr. Bauer seit drei Jahrzehnten in Baden-Baden eine vielseitige, fruchtbare Tätigkeit ln Beruf und Politik entfaltet hat. Schon vor 19S3 hat Dr. Bauer gewarnt vor der Gefahr, die er für Deutschland heraufkommen sah; mehr als einmal hat der braune „Saalschutz“ den verhaßten Stadtrat hinausbefördert, und als das Ende der demokratischen Freiheit kam, enthoben ihn die Baden-Badener „Hitler“ aller seiner öffentlichen Ämter. Während des Krieges wurde Dr. Bauer wieder bekannt als der berufene Verteidiger gefangener Franzosen — und nach 1945 war es eine Art Ironie des Schicksals, daß ihm als erstem die Besatzung gestattete, nun d i e vor Gericht vertreten zu dürfen, die seine Verfolger gewesen waren. Nichts aber kennzeichnet seine humane Gesinnung besser, als die Tatsache, daß er trotz der oft ungeheueren Schwierigkeiten, auswärtige Gerichte oder das Lager Malschbach erreichen zu können, und trotz seines Alters auch diese Mühen schweigend auf sich genommen hat, um dem zu dienen, was ihm Richtschnur alles Handelns ist: edler Menschlichkeit. Auch heute steht Dr. Bauer wieder an vorderster Stelle im öffentlichen Leben der Stadt: schon 1945 in den Bürgerrat berufen, 1946 Vorsitzender der „Demokratischen Partei“, seit den ersten freien Wahlen Mitglied des Stadtrats, setzt sich Dr. Bauer neben seiner juristischen Praxis unermüdlich für all das ein, was er sachlich und persönlich als notwendig für das Wohl seiner Mitmenschen erachtet. Möge er, das ist auch der Wunsch des BT., das ihn zu- seinen ältesten und unentwegten Abonnenten zählen darf, noch recht viele Jahre in solcher Frische und Kraft unserer Stadt erhalten bleiben! rgh. Stadtnotizen Die Meisterprüfung im Konditorhandwerk haben bestanden: Willi Tannhäüser, Seelachstraße, Paul Hurst, Stefanienstraße, Alfred Hirth, Große Dollenstraße, Herbert Kasper, Gemsbacher- straße. Zu der Meldung über den Einbruchdiebstahl in der Baracke des Roten Kreuzes teilt die Kriminalpolizei mit, daß der als Täter genannte Ullrich Rosin nach den Ermittlungen als Mittäter ausscheidet und nichts damit zu tun hat. . » Zweitausend D-Mark Belohnung hat die Firma Klemmann für die Ergreifung der Täter de» bei ihr verübten Einbruch» ausgesetzt. I I 1 I. I ll.llll I IN- . Selbstmord des Mörders Wie wir erfahren, hat der MSrder der Eva-Ma- ria Manz, Henrie Ovest Zanonie, sich im Rastatter Gefängnis erhängt. Zanonie hat, nach seiner Verhaftung durch die französische Polizei in Belfert zunächst nach Baden-Baden verbracht, ein Geständnis abgelegt. Schon vor einigen Tagen hatte er durch öffnen der Schlagader einen Selbstmordversuch unternommen. Nun ist es ihm doch geglückt, sich seinen irdischen Richtern zu entziehen. Von der Wiege bis zur Bähte Es wurden geboren: Agathe Marianne Mangel, Neusatz-Neusatzeck, Schulhaus; Ditmar Frank, Jagdhaus- str. 6; Elke Marianne Jox, Schulstr. 4; Christina Marina Müller, Oos.-Hauptsr. 22; Monika Helene Rebholz, Gar- tenstr. 14; Alfred Peter Daniel Klotz, Lauf, Hauptstr. 43; Anna Christa- Benz, Ebersteinburg, Langestr. 41; Klaus Dieter Geiger, Tübingen-Lustnau, Dorfstr. 41; Brunhllde Fäßler, Bildelche 5; Heinz Wolfgang Dannhäuser, Geroldsauerstr. 2; Rita Margareta Schmalbach. •os.-Burgstr. 8, Heiraten: Daniel Charles Janet, Obertal und Maria Anna Schindler, Ebenechtweg 6; Yves Marcel Condjlan, Stephanienstr. 20 und Margot Llehr, Küferstr. 3; Friedrich Otto Albert, Erfurt, Weberg. 16 und Erna Lieselotte Frick, Frühlings». 6; Emil Ball, Schußbaehg. 2« und Margot Hilda Koffler, Schußbaehg. 26; Josef Kraf, Oos.-Bachstr. 2 und Johanna Bilger, Gernsbacherstr. 34; Egon Walter Frank, Kapellmattstr. 28 und Joyce Eve- line Church, Kapellmattstr. 26; Robert Christian Wilhelm Friele, Beuernerstr. 148 und Klara Füg geh. Wer- zinger, Gernsbacherstr. 8; Dr. Pal Maria Josef Gosztonyi, Singen, Waldeckstr. 13 und Eca Ilona Juli anna Maria Margit Szidonia Pinter, Schwarzwaldstr 39; Franz Jpsef Ernst, Offenburg, Gärtners». 3 und Hedwig Anna Beinert; Werner Herbert Geyer, Hessel hurst, Ortss». 25 und Erna Frieda Bosch. Sterbefälle:' Alois Rudolf Paul Mehrbrei, Oos.-Fried- hofs». 6; Karollna Meier geb. Meier, Eckhöfe; Brigitte Ingeborg Irmgard Götz, Kapellmattstr. 13; Thekla Hä- berle geb. Wagner, Silbers» 6; Elisabeth Fischer geb Frank, Rheins». 62; Eugen Oskar Wilhelm Müller, Bezirksspital Gut Schafberg: Eva Maria Manz, Eberstein Str. 14; Stephanie Adolphine Cronberger geb. Kühner Maximilians». 90. Theaternacbr lebten Heilte, Donnerstag geht als Erstaufführung Cocteaus Schauspiel „Der Doppeladler“ ln der Inszenierung von Hans Herbert Michels und dem Bühnenbild Heinz Küpferles als 6. Vorstellung der Mietgruppe B tn Szene. Beginn 20 Uhr. Morgen. Freitag, gastieren die Theater ln Bühl mit dem Märchenspiel „Schneeweißchen und Rosenrot“ um 15 Uhr, um 19.30 Uhr mit Gogols Komödie: „Der Revisor“. Am Samstag findet im Kleinen Theater um 15 Uhr die 6. Wiederholung des Märehenspiels „Schneeweißchen und Rosenrot“ statt. Um 20 Uhr geht „Der Revisor“ als 6. Vorstellung der Mietgruppe A letztmalig in Szene. Der Sonntag bringt um 15 Uhr „Schneeweißchen und Rosenrot“ und um 20 Uhr eine Wiederholung des Trauerspiels von Friedr. von Schiller „Maria Stuart“. Vorverkaufsstellen des Theaters auf dem Lande Die Theater der Stadt Baden-Baden haben in allen Orten, die an die Theateromnibus-Linien angeschlossen sind, Kartenvorverkaufsstellen eingerichtet; in unserem Baden-Badener Verbreitungsgebiet in Ebersteinburg, Bäckerei Schneider, Langestraße und in Haueneberstein, Friseurgeschäft Kurt Ferner Die Karten können für die Vorstellungen an Donnerstagen, Samstagen und Sonntagen gekauft In der letzten Sitzung des Stadtrats bekannten sich die Mitglieder dieses Kollegiums, das in den kommenden vier Jahren auf dem Rathaus die großen und kleinen Entscheidungen zu fällen oder gegebenfalla das Recht und die Pflicht hat, Entscheidungen der städtischen Verwaltung zu prüfen und neu zu entscheiden, zu einer Amtsverpflichtung, deren erster und wichtigster Satz lautet: „Die Mitglieder des Stadtrats sind an Aufträge von irgend welcher Seite nicht gebunden. Nur das Wohl der Gemeinde und der gesamten Einwohnerschaft darf für ihre Verwaltungstätigkeit' nach Maßgabe freier Überzeugung bestimmend sein.“ Mit diesem Satz, der wie gesagt eine Verpflichtung darstellt, wozu noch eine Reihe weiterer Pflichten gehören, etwa die Schweigepflicht, ist zugleich ausgesprochen, daß jeder Einwohner die Möglichkeit, ja, das Recht hat, sich in Angelegenheiten, die sein Verhältnis zur Stadtverwaltung betreffen, an die Stadträte um Rat und notfalls um Hilfe zu" wenden. Da ausdrücklich von einer „Verwaltungstätigkeit“ der Stadträte gesprochen wird, so ergibt sich daraus ferner, daß jeder Amtsbereich der Stadtverwaltung der Sorge der Bürgerschaftsvertreter überantwortet ist. Selbstverständlich kann nicht jeder einzelne Stadtrat sich um alles und zumal nicht um jedes persönliche Anliegen kümmern. Man soll auch nicht übersehen, daß Stadtrat kein Beruf, sondern eine ehrenamtliche Tätigkeit ist, und daß jeder Stadtrat diese Arbeit neben seiner eigentlichen beruflichen Inanspruchnahme ausübt. Es bleibt, auch wenn alle dies beachten, dann immer noch genügend übrig an stadträtlicher Arbeit, von der damit übernommenen Verantwortung ganz abgesehen. Die Hauptarbeit der Stadträte spielt sich nun keineswegs in den großen Gesamtsitzungen ab, seien es die öffentlichen, über welche die Presse berichtet, seien es die internen. Arbeitstechnisch wichtiger sind die Sitzuggen der kommunalpolitischen Ausschüsse. Hier wird über die meisten der Dinge entschieden, die den einzelnen Bürger angehen, wenn er in irgend einer Angelegenheit von der „Maschinerie“ der Verwaltung erfaßt wird und zumal wenn er etwa mit der behördlichen Auffassung nicht einverstanden sein sollte — um es höflich zu sagen. Deshalb wird jeder in einem solchen Fall gut daran tun, sich an ein Mitglied des für seine Sache zuständigen Ausschusses zu wenden, das dann — als objektiv Außenstehender und zur Prüfung und^Entscheidung Befugter — den „Fall“ im Ausschuß zur Sprache bringen kann. Aus arbeitstechnischen Gründen Ist, entsprechend den städtischen Ämtern, das gesamte Verwaltungsgebiet in 21 Ausschüsse aufgeteilt worden; politisch sö besetzt, daß die CDU drei, DP und SPD je zwei Mitglieder stellen, wozu in einigen Ausschüssen noch der Stadtrat der KP kommt, bei entsprechender Verstärkung der CDU-Vertretung. Dem Requisitionsbeirat gehören außerdem noch besondere Interessenvertreter an. Um unseren Lesern die Möglichkeit zu geben, sich notfalls an eines der Ausschußmitglieder unmittelbar um Rat wenden zu können, veröffentlichen wir nachstehend eine alphabetische Liste der für die betreffenden Sachgebiete zuständigen Stadträte; vielleicht darf man sogar empfehlen, diese Liste auszuschneiden und aufzubewahren — jeder kann mal in den nächsten Jahren solch einen guten Rat nötig haben. Und nun die Ausschüsse und ihre Mitglieder: 1. Brennstoffverteilung: Hering, Kötter. Schäfer. Sport und Spiel Die Turner tagten in Rastatt Am .Sonntag fand ln Rastatt die Bezirkstagung für Turner und Turnerinnen statt. Der bisherige Bezirks- männertumwart Bauer (Rastatt) gab einen Rechenschaftsbericht über den Aufbau im Turnbezirk Baden Baden und Rastatt. Zum ersten Vorsitzenden (Bezirksleiter) wurde Adolf Ullrich (Rotenfels) gewählt. Kurt Bauer (Rastatt) bleibt Bezirksmännerturnwart und Gre- thel Förster (Reiehehthal) Beztrksfreuenturnwarttn. Dir Leitung der Tumerjugend wurde Adam Bornhäusei (Sandweier) und die der Jugendturnerinnen Hedwig Ahr (Gaggenau) übertragen. Schriftführer wurde Dr Boos (Sinzheim). Die Frage des Kassierers, Volksturn wartes und Leiters für Sommerspiele wird in einer internen Sitzung des Kreisturnaussehusses gelöst. - Am 1. April 1949 werden die Bezirksjugendmeisterschaf ten im Mannschaftsturnen durchgeführt, die zur glei chen Zeit in ganz Südbaden zur Austragung kommen Am- 16. April findet dann der Endkampf um di« südbadische Jugendmeiterschaft im Einzel- und Mann schaftsturnen statt. Vom Festlegen weiterer Termin« wurde Abstand genommen, weil man erst «die Be Schlüsse des südbadischen Turnverbandes abwarter will. Auf Wunsch amerikanischer Hochschulen sollen deut sehe Turner nach den USA kommen, um ln Sonder Kursen die Olympiavertreter der USA und auch Süd amerikas mit deutscher Lehrmethodik vertraut z> machen. Weitere Einladungen liegen aus England unt Schweden vor. Wegen unerlaubter Benützung der Tagespresse (ü und Inanspruchnahme des öffentlichen Gerichts ha der Hessische Fußballverband ln der Angelegenhei Adolf Schmidt beim Verbands-Rechtsausschuß Anklag gegen Eintracht Frankfurt erhoben WiUimowski, der wegen Erregung öffentlichen Ar gemlsses drei Monate Gefängnis erhielt. Ist für all! Westzonen gesperrt worden. werden. Die Intendanz gewährt für diese Karten einen Preisnachlaß von 20 vH. Der Preis einer Theaterkarte einschließlich Omnibuskosten wird also ungefähr dem Tagespreis entsprechen. Somit - wird der Theaterbesuch für alle auswärtigen Theaterfreunde durch, die Omnibusfahrt nicht verteuert. Gottesdienst-Ordnung Adventgemeinde, Lange 8». 55. Freitag, den 17. Dezember, 29 Uhr Gebetsstunde; Samstag, den 16. Dezember, 9 Uhr Bibelschule, 10 Uhr Predigt; Dienstag, den 21. Dezember, 28 Uhr Vortrag. Ab morgen neu: „Männerwirtschaft“ Für gute Laune sorgt in den nächsten Tagen die- ser nette deutsche Film, den der Film-Palast ab morgen zeigt. „Parkstraße 13" Dieser alte deutsche Kriminalreißer, der uns Immer wieder neu begeistert, läuft ab morgen im Kino des, Westens. „Die Söhne des Herrn Gaspari“ ' Die Aurelia-Lichtspiele erfreuen uns diese Woche mit einem neuen Film der Jungen Filmunion. Lil Dagover und Hans Stüwe erzählen uns darin ein Emigrantenschicksal, wie es in den vergangenen Jahren sicher keine Seltenheit war. 2. Baupolizei: Rapp, Scherzinger, Walker. 3. Bauausschuß: Gommel, Muser, Rapp, Schäfer, Scherzinger, Walker, Zeitvogel. 4. Ernährung und Wirtschaft: Brenner, Falk, von Glasenapp, Haebler, Haynmüller, Melcher, Reichmann, Schäfer, Schmidt. 5. Finanzen: Brenner, Bauer, Falk, Frank, Haynmüller, Hering. 6. Friedhof : Falk, Schäfer, Walk«:. 7. Forstamt: Daul, Falk, Haynmüller, Kötter, Melcher, Sehrimpf, Weller. 8. Fürsorge: Kötter, von Glasenapp, Frank, Braun, Daul, Reichmann, Haebler, Hering, Schmidt. 9. Gemeindegericht: Haynmüller. Rapp, Schäfer. 10. Krankenhaus: Brenner, Braun, von Glasenapp, Hering, Muser, Reichmann, Walker. 11. Kurausschuß: Brenner, Braun, Haebler, Melcher, Muser, Kötter, Reichmann. 12. Ortsbaukommission: Gommel, Muser, Zeitvogel. 13. Ortsleistungsausschuß: Haynmüller, Rapp, Schäfer, Schmidt. 14. Personalausschuß: Brenner, Frank, Haebler, Haynmüller, Melcher, Rapp, Reichmann. 15. Requisitionsamt: Brenner (Vertreter der Hotelerie), Melcher, Scherzinger, Haynmüller, Walker (Vertreter der Hausbesitzer), Hering, Sehrimpf, außerdem August Dilli (Vertreter der Arbeitnehmer), Otto Franke (Vertreter der Mieter). 16. Schätzungsausschuß: Rapp. Scherzinger, Walker. « 17. Stadtbücherei: Bauer, Kroll, Schrimpf. 18 . Stadtwerke: Frank, Gommel, Muser, Rapp, Schäfer, Walker, Zeitvogel. 19. Schulen: Bauer, von Glasenapp, Gommel, Haebler, Kroll. Muser. 20. Vergebungsausschuß: Rapp, Scherzinger, Walker. 21. Wohnungen: Gommel, Haebler, Hering, Kroll, Melcher, Scherzinger, Schmidt, Walker, Zeltvogel. - Neben diesen Ausschüssen wurden durch Beschluß vom 3. Dezember noch sogenannte Pflegschaften besetzt,' und zwar für: 1. Badanstalten: Muser. 2 . Breitenberger Stiftung: Haebler. 3. Friedhöfe: Schäfer. 4. Gutleuthaus: Walker. 6. Krankenhaus: Brenner. 6. Landwirtschaft: Daul. 7. Pfründnerhaus: Hering, 8. Schiachthof: Melcher. 9. Stadtgeschichtliche Sammlungen: Bauer 10. Tierzucht: Weiler. 11. Versorgungshaus Lichtental: Gommel. —ae— Südwesideatsche Umschau Ab Donnerstag Autobusverkehr Baden-Baden—Karlsruhe BADEN-BADEN — Wie das Verkehrsuntemehmen mitteilt, , das die Einrichtung einer Autobuslinie Karlsruhe—Rastatt—Baden-Baden (Fahrzeit etwa 75 Minuten) plant, wird dieser Betrieb nunmehr am Donnerstag, den 16. Dezember, aufgenommen. Die Abfahrt erfolgt in Karlsruhe am Ludwigsplatz um 8.00, 14.00 und 20.00 Uhr, in Baden-Baden — und zwar am Badischen Hof (Reisebüro) und nicht wie ursprünglich vorgesehen am Kleinen Theater — um 9.30, 15.30 und 21.30 Uhr. Spätere Änderungen der Abfahrtszeiten Vorbehalten. Sonderzuteilung au Kohle FREIBURG — Nach Mitteilung des Verbandes der Körperbeschädigten, Arbeitsinvaliden und Hinterbliebenen für Baden (französische Zone) erhalten die Schwerbeschädigten auf Grund einer Zusage des badischen Ministeriums der Wirtschaft und Arbeit eine Sonderzuteilung von einem Zentner Kohle. Die Zuteilung wird in sämtlichen Orten, auch in denen unter 3 000 Einwohnern, ausgegeben. Gehaltsaufbesserungen Tübingen — Mit Rücksicht auf die Preissteigerungen werden voraussichtlich die Gehälter der unteren Beamten eine Aufbesserung erfahren. Die Einkommen in den unteren Gruppen übersteigen kaum den Lohn von gelernten Arbeitern, so daß ein Ausgleich für diese Beamten am Platze Ist. Entsprechende Anträge sollen der Regierung unterbreitet worden sein. Deutscher Jugend-Schachmeister wurde der Kasseler Markus, der Im kommenden Jahr an den deutschen Schachmeisterschaft« :i der Senioren teilnehmen wird. Einen Kontrakt für je drei Kämpfe in Südamerika Unterzeichneten laut Dena/Südena die Leichtgewichts- ooxer Petri (Kassel) und Häfner (Bamberg). Rußlands Beitritt zur FINA (dem internationalen Schwimmverband) steht unmittelbar bevor, nachdem Rußland dem europäischen und dem internationalen Schwimmverband die Eintrittsgelder überwiesen hat St. Georgen—Schopfheim, das wegen der Wahlen am «4. Nov. ausgefallen war wird am 2 . Jan. nachgeholt Waldhof—Rödelheim, das seinerzeit wegen Nebel abgebrochen worden war, wird am 26 Dez. wiederholt. Die Einführung des Vertragsspielers wurde In Süd- vürttemberg mit starker Mehrheit abgelehnt Der Nürburg-Ring erwartet die Matadoren Das „Eifel“-Pokal-Rennen und der „Große Preis“ ollen, vorbehaltlich der Genehmigung der obersten .Motorsport- Kommission, Ende Mai und Anfang August Kommenden Jahres auf dem Nürburg-Ring durchge- Cührt werden. Die Rennstrecke ist in der ganzen Länge wieder befahrbar. * In Freiburg wurde der Zusammenschluß der Motor- , Sportvereinigung Oberrhein mit dem Badisch«) Auto «nobilclub vollzogen. Der Club beabsichtigt im näch ten Jahr zwei Rennen durchzuführen, ein Motorrad lundstreckenrennen in Haslach und das altbekannt« zhauinsland-Bergrennen. Ein Vorschlag der Segelflieger Der Verband deutscher Segelflug-Interessenten ha ' en alliierten Befehlshabern der Westzonen, den Min; terpräsidenten und den Landtagen der westdeutscher -ander Vorschläge zur Wiederaufnahme des Segel liegen* unterbreitet. Nach diesen Vorschlägen Ist dl« Orriebtung von fünf internationalen Segelflugschuler geplant, die der Aufsicht von Kontroil-offizieren unterstehen sollen Utas man meint Aus der Leser-Mappe des BT Kleine Vorbemerkung: Unter der Überschrift „Was man meint“ möchten wir in zwangloser Folge die Ansichten, Stellungnahmen, Vorschläge unserer Leser zu irgendwelchen allgemeinen oder besonderen Fragen, die uns al» Einwohner Interessieren, auszugsweise veröffentlichen. „öffentliche Meinung“ Ist ein Grundrecht der Demokratie; ihr die Möglichkeit sachlicher, wir wiederholen: sachlicher Darlegung zu geben, ist eine Pflicht der Presse. Deshalb werden wir viel Platz für positive Anregungen haben; aber keinen für Meckerer und Querulanten. Das heißt nicht, daß wir Mißstände — die vielleicht nur vermeintliche Mißstände sind — etwa nicht zur Sprache bringen 'wollten. Aber wir werden selbstverständlich auch jeder verantwortlichen Stelle Gelegenheit zu sachlicher Richtigstellung geben. Daran liegt uns sogar besonders viel, denn unser Ziel ist: lebendige offene Anteilnahme und Aussprache tn und aus der Bürgerschaft heraus an allem, was alle angeht! Wir möchten ln dieser Spalte' ein Forum sachlicher Diskussion errichten, wo strittige Fragen zwar nicht gelöst, aber wenigstens einer Lösung nähergeführt werden können. Und nun werden unsere Leser das Wort haben! Denkt an die Nichtraucher! Nehmt ln der Straßenbahn und in den Omnibussen ein wenig Rücksicht auf die Fahrgäste, die Nichtraucher sind. Vor dem Kriege, war das Rauchen ln den Wagen strengstens untersagt Der Raucher mußte auf der Plattform oder im „Raucherwagen“ seinen Platz einnehmen. So könnte es doch auch heute wieder sein. Es ist wirklich keine angenehme Sache, wenn einem im überbesetzten Omnibus, wo G>wieso oft „dicke Luft“ herrscht, in rücksichtsloser Weise, der Rauch in das Gesicht geblasen wird. Etwas mehr Rücksicht auf die Mitmenschen dürfte schon geboten sein. A. R. Ein gutes Geschäft! Seitens der Stadtkasse sind in diesen Tagen die Forderungszettel für die Gebäudeversicherung versandt worden. Darin wird die Umlage für 1947 und 1948 mit DM 2.40 für 1000.— Versicherungssumme berechnet. Hierin sind enthalten außer der auf V» abgewerteten Umlage für 1947 und das I. Halbjahr 1948 °" DM 1.02 für 1000.— Vers. Summe als „freiwillige Forderungsmaßnahme für Schäden vor dem 21. 6. 48.“ - Es ist nicht einzusehen, warum der Hauseigentümer außer der Belastung für den Lastenausgleicb auch noch solche „freiwillige“ Förderungsmaßnahmen auf sich nehmen soll, ganz abgesehen davon, daß die Gebäudeversicherungs-Umlage ohnehin von Jahr zu Jahr gestiegen ist von ursprünglich RM 0.60 auf jetzt DM 1.60, wogegen die Mieten genau so niedrig sind wie vor 1914. Die Erhebung einer solchen „freiwilligen“ Forderungsmaßnahme stellt m. E. keinen Rechtsanspruch dar. F. K Theatersorgen in Baden-Baden Als das BT. in seiner vorletzten Ausgabe die Frage einer — möglichen — „Theaterkrise“ anschnitt, da mag der aufmerksame Zeitungsleser erstaunt gewesen sein, das gleiche Thema auch in der „Bad. Zeitung“ behandelt zu sehen. Wir möchten hierzu feststellen, daß beide Erörterungen völlig unabhängig voneinander geschrieben und veröffentlicht wurden. Aber diese Tatsache ist vielleicht doch recht bezeichnend. Wir möchten aus diesem Grund unseren Lesern von den Ausführungen der BZ. Kenntnis geben; dort heißt es: „Als der Stadtrat vor einiger Zeit über das Schicksal des Theaters und über die Zustimmung zur Übernahme eines zu erwartenden Defizits zu beraten hatte, waren vorher sehr wichtige Fragen bereits (von der Bäder- und Kurverwaltung) entschieden, bevor der Kurausschuß oder der Stadtrat Stellung zu nehmen vermochte. Dazu gehörte unter anderem auch das Faktum, daß das Theater in Baden- Baden von einem Manne verantwortlich geleitet wird, der gleichzeitig Intendant in Freiburg ist. Diese Arbeitsteilung hat zur Folge, daß an Stell* des eigentlichen Intendanten dessen ständiger Vertreter, der zugleich Oberspielleiter ist, die Geschäfts des Intendanten führen muß. Man hatte schon früher erwogen, ob es für ein kleines Theater, wie es Baden-Baden besitzt, nicht richtiger gewesen wäre, einen eigenen ständig anwesenden Intendanten zu verpflichten, der sich seiner Aufgabe in vollem Umfange hätte widmen können. Der Posten eine» Oberspielleiters wäre in diesem Falle nicht zu besetzen gewesen. Alle diese Verträge, die ein» nicht sehr glücklichen Zustand schufen, wurden abgeschlossen, ohne daß es den Mitgliedern des Stadtrates möglich gewesen wäre, beratend mitzuwirken. Auch die Verwendung und Zusammenstellung de« Ensembles, die zwar als eigentliche Aufgabe des verantwortlichen Intendanten anzusehen ist, bietet manche offene Fragen, die in Beratungen und Aussprachen gegebenenfalls geklärt werden könnten.“ Der .jSadwestfunk“ sendet: Donnerstag: 7.15 Familienfunk: Elternsorgen und Erziehungsberatung. 14.15 Kinderfunk: Der Märchenonkel erzählt. 17.00 Willi Schäferdick — die Ohrfeige, eine Erzählung um den jungen Beethoven. 19.00 Probleme der Zeit. 21.00 SWF-Reporter berichten. 21.30 „Dein Name und Du“ —V Sage mir wie Du heißt, und Ich sage Dir wer Du bist. 22.30 Die großen Meister. 2315 Viktor Mann: Plaudereien über meine Brüder. Freitag: 7.15 Familienfunk: Das sollten wir wissen! 16.30 Erwin Krutlna: Aus dem Erinnerungsbuch: Der Garten einer Jugend. 16.00 Sportvorschau. 19.00 Die Frau im Beruf und öffentlichen Leben. 20.00 Das Leben der Bettina von Brentano. 20.45 Virtuose Musik. 21.30 Magalhaes umsegelt die Erde. 21.45 Eine Viertelstunde Liebeskummer. 23.15 Melodien der Völker: Die Ukraine. Samstag: 7.15 Familienfunk: Der gute Rat. 14.15 Wir jungen Menschen. 14.45 ,Frohe Melodien am Samstag- Nachmittag. 15.45 KaiäFrsiautem: Briefmarkenecke. 17.00 Kulturnotizen. 17.30 Vergnügte Rätselraten. 18.00 Kreuz und quer durch Deutschland. 19.00 Innenpolitischer Kommentar. 19.15 Kleine Abendmusik: „Auf der Harmonika“. 20.15 Aus der Kriminalakte des SWF. 20.30 Neues vom Broadway. 21.30 „Schlager — Echo Nr. 4“. 22.30 Der SWF bittet zum Tanz! ' Wettervorhersage Aussichten bis Freitagabend: Wechselnde, meist noch •tarke Bewölkung mit zeitlichen Aufheiterungen, eineine zum Teil schauerartige Regenfälle, Temperaturen iinkend, aber immer noch mild In höheren Gebirgslagen jedoch Eintritt von leichtem Frost. Verlag und Cbefredaktlon: Karl Heina Larnbke Stell- ertretender Chefredakteur: Hermann Lewold Mayer “olltlk und Wirtschaft: Erleb Peter Feuilleton: Albert •Vallat. Sport; Hans Beck Lokaitell Baden-Baden: ft. G. Haebler. Anschrift der Redaktion: B -Baden. Stefaniens» 1. Tel 8 2120 Anzeigenabteilung nur fei. 0 1556 - Druck: E. Koelbltn K G„ Baden-Baden Unverlangt eingesandte Manuskripte werden nicht zurückgeschickt. Nur das Wohl der Gemeinde / Sie sollen und wollen traten und helfen Nr. 11« BADENER TAOBLATT Donnerstag, den 18. Dezember 1948 t Färber TH OKI Ab braucht Platz! Hol' deine Sachen ab AN- UND VERKAUFE Schönes Weihnachtsgeschenk! Pup-!" penstube, Lteilig, Handarbeit, zum' Preis von 70 DM abzugeben. 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