v'r all Osfevurger. Belletristische und humoristische Lhronik der Kreishauptstadt Gffenburg. Nr. 112. Ausgabe vom 7. Juli 1901. Preis 10 Pf. Eine „Versetzung". Dar l|otl)wasscr von 1851. Am 28. Juli vor 50 Jahren war große Sonneust n sterniß. Die Offenburger Generation erfreute sich an dem Anblick ihrer annähernden Totalität; die Erscheinung begann um 2 Uhr 50 Min. des Nachmittags und endete kurz vor 4 Uhr. Alt und Jung war auf den Beinen und „gickelte" durch farbige oder rußgeschwärzte Gläser. Das Schauspiel war entzückend. Damals machte der Meteorologe Falb noch nicht von sich reden; er wird im Kloster einsam mit der Beobachtung der Sonnenfinsterniß beschäftigt gewesen sein. Die Offenburger kannten noch nichts von den kritischen Tagen erster Ordnung, die mit solchen Finsternissen in ursächlichem Zusammenhang stehen sollen. Ein alter Aberglaube ließ das Eintreten der Verfinsterung des Himmelslichtes stets als etwas Bedenkliches erscheinen. Die Sonnenfinsterniß brachte Regen, der sich in der Nacht des letzten Juli zum ersten August in einen ununterbrochenen Oberguß verwandelte. Eine der schrecklichsten Ueberschwemm- ungen, die Offenburg je gesehen, trat am 1 August 1851 ein. Die Kinzig schwoll mit einer solchen Heftigkeit an, daß die Flöße, welche in dem Flusse hingen, durch die Wassergewalt losgerissen und an die Brücken getrieben wurden. Hier, von den Pfeilern aufgehalten, legten sich die starken Holländerbäume guer gegen dieselben, verrammelten die Brücken und bildeten auf diese Weise eine furchtbare Barrikade gegen die immer höher schwellende und stärker andrängende Wassermasse. Die kleineren Brücken konnten dem gewaltigen Andrange nicht widerstehen, wurden zerstört und ihr Gebälk und Gedeck gegen die weiter unten stehenden geschoben. Bei der Eisenbahnbrücke über dir Kinzig staute sich die Fluth schon am Morgen zu solcher Höhe und Macht, daß gegen 8 Uhr der linke Uferdamm, beinahe von der Wasserhöhe überstiegen, durch den Ungeheuern Wogendruck an 2 Stellen brach und sich die nun einmal entfesselte Fluth in unaufgehaltener Strömung über Wiesen und Felder durch das sogenannte Amerika, die Schutterwälder, Waltersweierer und Weierer Gemarkung ergoß, kurz, in wenig Stunden die ganze Ebene links der Kinzig unter Wasser setzte — die Mühe, die Hoffnung, fast die ganze reife Ernte des Bürgers und Landmanns in einem über viele tausend Morgen weiten Wassergrab verhüllte. Auch durch den Offenburger Stadtwald drang die Fluth in nicht unbeträchtlicher Höhe, so daß man die Rehe, erschreckt und gedrängt durch das außerordentliche Ereigniß, von ferne jämmerlich schreien hörte. Die Hasen des Waldes retirirten sich auf Gesträuche und Bäume, die des Feldes, welche nicht ertranken, suchten auf Garben oder andern daherschwimmenden Gegenständen vermeintliche Rettung, wurden aber meistens von Leuten, die solche Gelegenheiten zu benutzen wissen, aufgefangen und todt- geschlagen. Bis gegen Mittag regnete es unaufhörlich. Gegen 2 Uhr brach bei dem großen Teiche der rechte Kinzigdamm und eine Menge Menschen auf der Eisenbahnstraße sah mit Entsetzen von dort herab einen neuen furchtbaren Strom der Offenburger Kinzigvorstadt entgegenrollen. Oberhalb derselben, bei dem Schützenhaus, wurde nun in wenigen Minuten der Viaduct zerstört und in eben so kurzer Zeit stand auch die ganze Vorstadt so tief in Wasser, daß daffelbe bei mehreren Häusern durch die Fenster drang. Um diese Zeit war die Gefahr auf's Höchste gestiegen. Die Verwirrung und der Schrecken über die plötzlich hereingebrochene Wassergefahr war unbeschreiblich, denn so lange die Vorstadt steht, war das Wasser noch nie zu solch fürchterlicher Höhe gestiegen, wie an diesem Tage, von dem man sich zum einzigen Tröste sagen kann, daß es ein Glück, weil es Tag war; denn wäre das Unglück bei Nacht hereingebrochen, so hätten wir ohne Zweifel den Verlust von Menschenleben zu beklagen gehabt. __ (Schluß folgt.) Die Amerikaner wurden zu Ende des 19. Jahrhunderts viel bewundert, weil sie zu der technischen Fixigkeit sich emvor- schwangen, vielstöckige Wohnhäuser von der bisherigen Baustelle auf einen andern Platz fortzurollen. In den illustrirten Zeitschriften erschienen Abbildungen solcher Translokationen und alle Welt staunte die neue Welt an ob ihrer Wuuderthätigkeit. Wenn nun der berühmte Rabbi Beu Akiba behauptete, es sei Alles schon einmal dageweseu, so überzeugt uns ein Blick in die Gemeindeakten des Dorfes Hesselhurst, daß er wieder einmal Recht behält. Wir Ortenauer waren schon vor 50 Jahren den Amerikanern im Häuserversetzen — und das ist nicht im schlimmen Sinne zu meinen — voraus. Wer's nicht glaubt, den überzeugt wohl der wörtliche Abdruck des amtlichen Beweisstückes. Hesselhurst. (Gesperrte Straße.) Der Unterzeichnete hat die Staatsgenehmigung erhalten, das alte hiesige Pfarrhaus anfrechtstehend auf die Baustelle zu transportiren, wodurch vom 21 bis 24. Juli die Straße von dem Pfarrhof bis oberhalb der Kirche versperrt werden wird. Schwere Fuhrwerke können daher an diesen Tagen den Weg von Offenburg nach Kehl nicht über Hesselhurst eiuschlagen. Leichte Gefährte können zwar jeden Tag passiren, müssen aber über einen Feldweg ihre Richtung nehmen. Hesselhurst, 25. Juli 1851. Friedrich Jockers Bierbrauer. Einem Bierbrauer geziemt somit die Ehre, bei uns das Patent des Häuserversetzens angestrebt zu haben. Wie weit deni, Herrn Jockers dieses Experiment gelungen ist, vermag ich im Augenblick nicht festzustellen; in „Hesserscht" kann man's erfahren. So viel steht indessen zweifellos fest, daß die Bierbrauer bei uns und anderorts eine vortheilhaftere Berufsthätig- keit im Verbessern des Trinkwassers erblickten als in der Ve- pflauznng ganzer Pfarrhäuser oder sonstiger Gebäude. Und so einer einmal seine Brauerei versetzte, that er's nur gezwungener Weise und ließ dabei die Kirche im Dorf. Staatliches Grundbuchamt. Wie wir bereits (Dr alt Offeburger, Nr. 34 vom 7. Januar 1900) andeuteten, wird der Gemeinderath unserer Stadt darauf verzichten, das Grundbuchamt als Gemeindeamt zu belassen; es soll staatlich verwaltet werden. Der Zeitpunkt, da das Grundbuch der Stadt Offenburg als angelegt zu betrachten ist, schob sich viel weiter hinaus, als damals angenommen werden konnte. Er wird nun mit dem 1. August 1 90 1 eintreten. Die Gründe, welche den Gemeinderath veranlassen, vorerst kein Gemeindeamt für die Grundbuchführung zu wählen, sind in Nr. 36 dargelegt und werden wohl heute noch im Wesentlichen bestehen. Der l. Bürgermeister schloß jene Vorlage mit den Worten: ' Die Städte, welche gegenüber dem GemeindeGrundbuchamt Zurückhaltung an den Tag legen, lassen sich wohl, wie dies bei uns gleichfalls zutrisft, von der Erwägung leiten, daß die bei uns zur Einführung kommende Organisation der Grundbuchämter doch nur ein Uebergangsstadium darstellt und die Zukunft auch bei uns in Baden das rein staatliche Grundbuchamt, nach dem preußischen Vorbild- bringen wird. Diesem preußischen Vorbilde — Uebertragung der Grundbuchgeschäfte, als eines Theiles der freiwilligen Gerichtsbarkeit, an die Amtsgerichte — sind bekanntlich alle deutschen Bundesstaaten mit Ausnahme von Württemberg und Baden schon jetzt gefolgt. Sollte sich wider Erwarten die durch das badische Anssührungsgesetz vom 1v. Juni 1899 eingeführte Organisation in Zukunst bewähren, so stünde nichts im Wege, in einem späteren Zeitpunkte auf die Errichtung des Grundbuchamtes als Gemeindeamt auch für Offenburg zurückzukommen. Wie nun die Lösung endgiltig ausfallen mag, es wird die neue Ordnung der hiesigen Grundbuchverwaltung mit Kosten für die Gemeinde verknüpft werden. Es handelt sich um die vorschriftsgemäße Beschaffenheit der Räumlichkeiten. Daß die bisherigen keine Gnade vor den Augen des Staates fanden, war vörauszusehen. Die Prüfungsbehörde hat sich strikte gegen ihre Beibehaltung ausgesprochen und nur gestattet, daß ihre weitere Benützung eine provisorische ist, bis im Rathhause, wo sich das Grundbuchamt zunächst befinden sott, die bisherige Dienstwohnung des Bürgermeisters für die Grundbuchsührung eingerichtet wird. Es müßte sonst für die Gewinnung geeigneter Räume em Haus gebaut oder ein bestehendes gekauft resp. gemiethet und vorschriftsmäßig eingerichtet werden. Bohnenburger auf Reifen. (Von Einem, der dabei war, im Eisenbahnwagen geschrieben.) Herr alter Offenburger, was haben Sie uns angestellt mit der Notiz „Freiwillige Feuerwehr" in der vorigen Nummer! Wir bekamen diesen Schriftsatz im „Ritterhof" in Leipzig am Montag Früh beim Genuß des berühmten sächsischen Blümchen-Kaffee's.' Unser Landsmann H. Seidel, Dentist in Dresden, «hat den hergereisten Bohnenburgern Alles, was er Liebs und Guts ihnen nur an den Augen absehen konnte. Für jeden Einzelnen von uns Fünfen schleppte er ein Exemplar „Dr alt Offeburger" hrrbei. So nur war's möglich, daß ihn Jeder zuerst lesen konnte. Und — merkwürdig!" — Jeder suchte sofort nach der Stelle, wo etwas Indiskretes über die Ausreißer stehen konnte und Jeder entsetzte sich darüber, daß er das fand, was er zu finden hoffte. Wer ist der Verräther unter uns? (Die Frage erscholl mit Macht.) — Gebe jeder seinem Verdacht durch einen Fingerzeig nach dem Zielpunkt seines Verdachtes hin Ausdruck! Vier Zeigefinger richteten sich wider mich: mir war's wie dem schweizerischen Helden Arnold Winkelried zu Mnthe, als er sich vier auf ihn eindringenden Feindeslanzen gegenüber sah. Ich wagte nicht, auf Jemanden zu deuten und ließ nolens volens den Verdacht auf mir sitzen. Eigentlich steht in Ihrer Notiz, verehrter alter Offen- burger, nichts) was mit der Wahrheit sich nicht ein wenig vertrüge. Aber- cum grano salis — mit einer Messerspitze voll salzigen Mißtrauens — ist die Bemerkung aufzunehmeu, daß einem reisenden Offenburger „Pumpje" vor lauter Vergnügen die Haut platzte. — Ich bitte um Verzeihung! Jung gefreit, jung in s Leid. (Aus den Tageblattern einer Offenburgerin in Amerika.) II. Der Amerikaner, von welchem die Offenburger Ansiedler das Farm-Gut erwarben, zeigte sich als ein menschenfreundlicher Nachbar. Ueberhaupt fiel es den Deutschen auf, wie zuvorkommend und liebenswürdig sich die Amerikaner benahmen, wie menschenfreundlich diese den „Hergelaufenen" begegneten. Der Deutsche schätzte solchen Vorzug des Amerikaners sehr hoch Aber der Mutter Sittler-Wittwe gefiel es hier trotzdem nicht; sie war schon zu alt, um wirkungsvoll in den Farmbetrieb einzngreifeu. Und ihr Schwiegersohn Hübel, der Mann der Sophie, strebte mit Recht darnach, in seinem erlernten Berufe — er war Fachmann in der Metzgerei und Wursterei — sein Auskommen zu haben; das Zacken, war ihm zu „mißbocken". So bekam das Farmerleben unserer Landsleute bald ein Ende: sie verkauften das Landgut wieder und zogen nach Louisville in den Ort ihrer früheren Seßhaftigkeit. „kutLtrer Hübel" sah man bald am Hause prangen als Firmenschild für eine neue Aera in der Ludwigstadt. Denn die Wurstwaaren, von Meister Benedikt nach badischem Recept angefertigt, schmeckten den englischen und deutschen Amerikanern so gut, daß dem Geschäft ein gutes Fortbestehen gesichert ward. Als Gehilfe trat bald ein weiterer Badenser ans der Umgebung von Freiburg bei Hübel ein, der Hauck oder Hug hieß. Doch mit des Geschickes Mächten! — — Im freien, friedlichen Nordameiika ertönte im Jahre 1847 die Kriegstrompete. Es galt den Kampf zu bestehen gegen Mexiko.*) Amerika besaß in seinen Vereinigten Staaten kein Söldnerheer. Zur Vertheidiguug des Landes zog der Bürger aus, griff der freie Mann zur Wehr. Das deutsche Element, in Anerkennung seiner freundlichen Aufnahme in den Vereinigten Das ist nicht einmal bildlich zu nehmen, oder nicht etwa so zu verstehen, als wollte das mit Schwitzporen versehene, den edlen Kern verhüllende Membran des Offenburger Menschen diesem durch eine selbst geschlitzte Bresche andeuten, daß er nun — fern von Madrid — aus der eigenen Haut fahren und als geschälter Brävele die Freude ungezügelter Freiheit genießen sollte. Also ein Exorzismus des Spiritus vom Phlegma? Papperlapp! Es handelt sich auf Ehr und Seligkeit — wie die alten Offenburger Kinder einst sagten — nicht um eine menschliche Haut, sondern um-ich darfs und kanns nicht sagen, weil das Ding zu den Unaussprechlichen gehört, — um etwas der Haut sehr Naheliegendes und ihr Ueber- geordnetes. Kurz gesagt; um eine Hose oder ein Paar Hosen, wie das Volk bei uns sagt. Nicht um die Hosen des Herrn von Bredow, sondern um die abscheulichen, disziplinwidrigen, indiskreten Beinkleider des Herrn- Soll ich dcn Namen nennen?-Will vorerst meinen lieben Landsleuten vom Leserkreis des „Alten Offeburger" überlassen, den Charakler der männlichen Person zu enträthseln, die in jenem tragischen Augenblicke zum ersten oder vielleicht zweiten Mal im Leben wünschte, daß die liebe Gattin jetzt die Hosen anhätte. Ich- bitte schon wieder um Verzeihung, wenn ich von Anzüglichem sprach. Aber ist's bei Pantalons anders möglich? Versuchen wir, vom Thema ganz abzuschweifen und den Rock gnädigen Verzeihens über die Hose zu hängen. * * * Man erzählt vom alten Herrn v. Seldeneck, dem Freunde des früheren Großherzogs von Baden, allerlei lustige Schnurren. Zuweilen müssen sie beim Nacherzählen mit salvsni ! eingeleitet und mit naturalia non sunt turpia geschlossen werden. So auch jene nicht sehr wohlriechende Erzählung von der Hose, die der Baron zur Gewinnung einer Wette einmal in einer Gesellschaft trug und aus der bescheidenen Garderobe seines Famulus entnommen hatte. Er gab sie nicht unbefleckt zurück. Es sei ferne von mir, daß ich's weiter erzähle.- — Zu den schönsten Stunden wohlverdienter Erholung auf der Reiseflucht der Offenburger Feuerweh rer „ach Berlin werden sie den Nachmittag beim Freund Fritz in Radebeul rechnen. Das Tuskulum des Herrn F. Merke gleicht einem Paradies oder ist ein solches, wenn Mann und Weib auch nicht wie Adam und Eva ihr Dasein auffassen und in saure Aepfel nicht beißen. Wir genossen des heimatlichen Weißweines und Onkel Fritz empfahl uns auch sein Flaschenlager Rothwein mit der Staaten, eilte demonstrativ unter das zum Auszug entfaltete Sternenbanner. Benedikt Hübel griff zum Stutzen und nahm herzlichen Abschied von seinem treuen Weib Sophie. Ein Abschied auf Sein und Nichtsein! Als Freiwilliger rückte er mit dem Louisviller Nationalbataillon aus, das aus zwei deutschen und drei englischen Compagnien bestund. Hübel muß das Schwert geführt haben, wie das Haumesser; denn er erreichte den Rang eines Offiziers und brachte es monatlich auf einen Sold von 95 Dollars. Davon sandte er ein gut Theil nach Hause an seine verwaiste Offenburgerin, damit sie in der Zeit des Geschäftsschlnsses zu leben habe. Allein sein Weib Sophie wußte es so einzurichten, daß man der Ersparnisse des Kriegers nicht bedurfte. Die weißen Hemden, welche sie mit geübter Hand anfertigte, fanden in Louisville reichlichen Absatz und der Ertrag des Geschäftes nährte die Verfertigerin hinreichend. Ihr ging es gut; aber der tapfere Ehemann im fernen Süden hatte ein schweres Loos. In Mexiko war der schlimmste Feind das Fieber, das die Truppen wegraffte, die in Sümpfen nächteten, wo ihnen noch die Skorpione und Schlangen zusetzten. Die Ernährung wurde immer unzuträglicher, es blieb schließlich als Speise noch der fette Speck, mit Zucker bestreut, übrig. Jeden Monat brachte die Feldpost einen Brief vom Schatz und es verstrichen ein Jahr und 14. Tage, bis das siegreiche Heer heimkehrte. Frau Sophie reiste ihrem Benedikt nach Neiv-Albany entgegen. Als er seinen Zug führte, kannte sie den Gemahl nicht. *) Anmerkung der Redaktion. Es handelt sich um den Streit, der wegen der Einverleibung von Texas in die Union entstund. Die Führer der Unionstruppen waren die Generale Taylor und Winfield Scott, die am 14. September 1847 die Hauptstadt Mexiko eroberten und am 2. Februar 1848 den Frieden von Guadeloupe-Hidalgo abschlossen, der Texas, Ncumcxico rc. an die Union brachte. fürsorglichen Bemerkung, daß dieser eine purgative Wirkung ausübe. „Gibt's nicht. Fritz! Rothwein stopft. Jeder Arzt verordnet ihn gegen Duichfall." Was wett-st Du. daß Deine Hose augenblicklich vor seiner abführenden Wirkung nicht sicher ist? „Ich behaupte das Gegentheil und wette tausend Mark!" Da dieses Eingehen auf die Wette mir als eine Sophisterei erschien, die geeignet war, unseren Gastgeber Fritz auf alle Fälle hineinzulegen, hielt ich's für meine Pflicht, mit meiner Enthüllung über die Hose nicht mehr länger zu zögern. Ich erklärte, daß die schwa-ze Hose unseres wettlustigen Offenburgers nicht sein Eigenthum ist, sondern vorgestern von Dussi ihm aushilfsweise auvertraut wurde. Denn die eigentliche, eigentümliche Hose erlitt durch einen kühnen Harrassprung, den der alte Offenburger aus dem stillstehenden Eisenbahnzug nach der bahnsteiglofln Seite machte, um Ansichtspostkarten in einen gegenüber bereitstehenden Fahrpostwagen zu werfen, einen Riß von Osten nach Westen, der ihre Verbringung in die Klinik zu Leipzig nothwendig machte. In anderer Leute Hosen soll man nicht Wetten machen. So, nun wäre dieses Reiseabentheuer erzählt. Ich bitte, mir nicht zu zürnen; die Sache war so harmlos und dezent. Der Fünfte im Bund. Zum Grnndbuchbeamten für Offenburg ernannte die Regierung den hier ansässigen Notar Meyer. Zur Bahnhofsfrage. Wie wir ankundeten, fand dieser Tage die Vorlegung der Pläne seitens der General- direkiion statt, welche durch die technischen Beamten Baummn und Stolz, sowie durch den Betriebsbeamten Schulz vertreten war. Der Bahnhof soll am alten Platz verbleiben; die Weg- Ueberführung (Zellerstraße) wird nach dem alten Projekt beim jetzigen Steg (Muser'sches Haus) bewerkstelligt. Durch Ankauf und Beseitigung des Hochdanz'schen Hauses (Martin'sche Maschinenfabrik) wird die Wilhelmsstraße in die Rammers- weierer übergeleitet. Der Anschluß der Strecke Kork-Kehl ist vorgesehen. Ferner ist beabsichtigt, die Strecke nach Freiburg später parallel der Kinzigthal-Linie fortzusühren und oberhalb der Sägmühle abzulenken, damit die kurze Kurve beseitigt wird. Eine staatliche Giiterbestätterei tritt mit dem 1. August hier ins Leben. Wir verweisen auf die Bekanntmachung der Großh. Betriebsinspektion im Jnserarentheil. Das Baugesuch des Küfermeisters Adolf Schnaider dahier bildete einen Gegenstand der -Tagesordnung der letzten Bezirksrath s- Sollte es der sein mit dem großen Bart, den man noch nie gesehen, und mit den, fahlen kranken Gesicht, das sonst gesund und frisch mit rothen Backen sich bot? Die Stimme führte zur Erkenntniß; der Name Sophie, den der Herr Offizier ausgerufen mit dem alten herzlichen Klang, er täuschte nicht; es war der Richtige, dem Sophie um den Hals geflogen; sie störte sich nicht daran, als die Umstehenden sagten: seht, wie die Lady den Krieger mit dem großen struppigen Bart küßt. - Aber sie bemerkte gleich. >vie krank er geworden war, ihr Benedikt, dem in der Schlacht bei Montreaux f?) die Absätze von den Schuhen geschossen wurden. Ein halbes Jahr hütete er jetzt nach der Heimkehr das Krankenbett Geschwülste von Faustgröße bildeten sich an den Gelenken. Der Staat, für den «r gekämpft und gelitten, schenkte ihm wiederholt ein Stück Land, Zusammen 180 Acker, aber unbebautes Wilduiß-Terrain, das er jetzt nicht kultiviren konnte. Mit dem Arbeiten in der Metzgerei war es auch aus. Da übertrugen sie dem Invaliden Hübler eine Stelle auf der Farm des Mister Schlemmens. wo ein guter Schnaps, ein Apfelbrandy, hergestellt wurde und wo Benedikt als Friesenheimer Bauernsohn wohl am Platze war. Aber es war eine Sklavenhalterei und es wäre ihm, dem Badener, das Herz gebrochen, wenn er seinen Auftrag, die schwarzen Arbeiter mit der Peitsche zu hauen, hätte ausführen wollen. Froh darüber, daß sein Contrakt nach 2 Jahren ablief, kehrte Hübler nach dem 48 Meilen entfernten Louisville heim, -baute dann in New-Albany ein hübsches Schlachthaus, um die Metzgerei wieder auszuüben. Seine zerrüttete Gesundheit war nicht mehr widerstandsfähig, als die Cholera ihn ergriff. Benedikt Hübler starb nach 17jähriger Ehe; seine Sophie war im 35. Lebensjahre zur Wittwe geworden. sitzung. Wer sich für diese Bauangelegenheit intereffirt, die ein Beispiel bureaukratischer Verzögerungsdüftelei ist, erkundige sich beim Bauherrn. Dieser ist nun schon seit Beginn der guten Jahreszeit zur Ausführung eines Neubaues in der Kittelgasse vorbereitet und wird nun endlich — wenn nichts mehr dazwischen kommt — etliche Zeit nach Johanni damit beginnen können. Vielleicht kommt das Haus an Weihnachten unter Dach. In der geschäftlich gedrückten Zeit ist eine derartige Stockung im Baugeschäft um so bedauerlicher. Die Stadtbehörde war dem Bürger Schnaider sehr behilflich. Der Kriegerverein Straßburg trifft am Sonntag Vormittag 10'* hier ein per Extrazug, wird vom hiesigen Militärverein mit der Kapelle des 170. Regiments am Bahnhof abgeholt und unter klingendem Spiel i» die Stadt geleitet. Am Kriegsdenkmal findet eine Kranzniederlegung statt, hierauf bewegt sich der Zug zur Kopfhalle. Das Mittagessen wird nach einem angefertigten Plan (ohne Zwang und Verbindlichkeit) in verschiedenen Lokalitäten eingenommen. Um 1 Uhr marschiren die Straßburger vom Marktplatz ab nach Ortenberg zum Besuche des Schlosses und zur Unterhaltung in dortigen Wirthschaften. Um 3 /*7 Uhr erfolgt der Rückmarsch von Ortenberg, um 7*" die Abfahrt am hiesigen Bahnhof. Das Schwurgericht begann mit dem ersten Tage des 3. Quartals durch die Verhandlung gegen den 25jährigen Christian Wälde, Bauer in G u t a ch, der des Meineids beschuldigt. Er machte in einer Schöffengerichtsverhandlung, wobei gegen einen Mesierhelden vorgegangen wurde, als Zeuge unrichtige Behauptungen und gibt zu, daß er aus Aufregung die Wahrheit verletzte. Die Geschworenen erklärten den etwas beschränkten Menschen nur des fahrlässigen Falscheids für schuldig; er erhielt unter Anrechnung einer einmonatlichen Untersuchungshaft 9 Monate Gefängniß. In gleicher Weise endete die Anklage gegen den 60jährigen Landwirth Fried. Heinz von Freistett, der in einem Kuhhandelsprozeß mit dem Handelsmann Simon Bloch nicht den Eid wahrte. Er erhielt, nur des fahrlässigen Meineids beschuldigt, 8 Monate Gefängniß, abzüglich 2 Monate Untersuchungshaft. Als Dritter im Bunde der falschen Schwörer erscheint dann der 20jährige Holzhauer Joh. Nolz von Bühlerthal auf der Anklagebank, beschuldigt eines falschen eidlichen Zeugnisses, das er in einem Prügeleiprozeß geleistet. Die Geschworenen beurtheilten den Angeklagten nach der Auffassung des Vertheidigers und ließen den dämligen Sünder frei ausgehen. Jos. Friedr. Mayer von Ehrenstetten ist ein 22jähriger Friseur und ein Mensch, der sich als Additions-Korrektor hinter Schloß und Riegel brachte. Er huldigte der Anschauung, daß ein badisches Kilometerhest nicht 1000, sondern 1225 Kilometer zu durchfahren gestattet und daß die Giltigkeitsdauer 13 und mehr Monate betrage. So würde er heute noch mit seinem am 25. Mai 1900 zu Basel erivorbenen Fahrheft auf den bad. Bahnen herumkutschiren, wenn seine zahlreichen Fälschungen, die er an den Einträgen in diese Urkunde vorgenommen hatte, nicht in Triberg entdeckt wurden. Die Geschworenen waren diesem frisirenden Reiseonkel noch gewogen, da sie nur die Fälschung einer privaten (nicht öffentlichen) Urkunde aus Gewinnsucht bejahten. So erhielt Mayer (abzüglich 3 Woche« Untersuchungshaft) 3 Monate Gefängniß. Der letzte Fall, die Anklage gegen den 31jährigen verheirateten Karl L i e n e r t aus B o h l s b a ch, war interessant. Es handelt sich wieder «m einen kassenführenden Kleinbeamten, der sich mit einer Sisyphusarbeit ins Unglück brachte. Lienert war vom Militär zur Gendarmerie gegangen und erhielt nach 8jährigem Staatsdienst wegen Invalidität eine Pension vo» 1000 Mk., dann verwendete man ihn als Steuererheber in Lautenbach, was ihm noch eine Zulage von rund 600 Mk. brachte. Die Dienstzeit bei der Gendarmerie verursachte eine Vermögensentwicklung ins Negative, es entstunden Schulden, die jetzt von den Gläubigern betrieben wurden. Wer davo« Kenntniß hat, daß die Stellung eines verheiratheten Gendarmen, der nicht aus Privatmitteln zusetzen kann, keine glänzende ist, versteht die Situation Lienerts. Er schaffte sich nun die bedrängenden Gläubiger aus dem Weg. wobei er das Geld der ihm anvertrauten Staatskasse entnahm, in welche er es nach und nach wieder einzubringen hoffte. Zu den monatlichen Abrechnungen lieh er Geld oder trieb noch nicht verfallene Posten ein, führte die Register unrichtig ic. Das Aus- und Zumachen der Löcher endete damit, daß Lienert ins Loch gesperrt und seines Amtes enthoben wurde, da eine Vertuschung nicht länger möglich war. Auch die häuslichen Verhältniffe Lienerts berechtigten die Geschworenen zur Bewilligung mildernder Umstände. Er erhielt 1'/- Jahr Gefängniß abzüglich 1 Monat Untersuchungshaft. Die Leitung der Verhandlungen des 3. Quartals hatten di« Land- gerichtsräthe Clauß (Vorsitzender) und Nuss er (stell». Vorsitzender): als Richter fungirten die Landgerichtsräthe Urnau, Pfeiffer und Bucherer, Amtsrichter Dr. H o m b u r g e r. Die Anklagen wurden vertreten durch I. Staatsanwalt Arnold und Staatsanwalt v. Röder. Bertheidiger waren der Reihe nach die Rechtsanwälte Bechler, Muser, Bitzel, Leonhard und Meier. Briefkasten des Alten Offeburger- —tt. im Bahnhofviertel. Es ist für die Bewohner der nördlichen Stadttheile gewiß unbequem, an der S ä g m ü h l e baden zu müssen. Die Volksträßler müssen eine gute halbe Stunde auf dem Weg zubringen. Von 7 Uhr Abends ab könnt Ihr Nordstädtler am Schülerbadplatz beim Feuerwehrsteighaus baden. Es scheint dem bezirksamtlichen Verbot, unterhalb des Gaswerks zu baden, die gute Absicht zu Grnnoe zu liegen, die Stadtverwaltung endlich zur Errichtung einer zeitgemäßen Frauen- und Männerbadanstalt zu zwingen. — Nachdem der Geldmarkt wieder besser geworden, sollte man jetzt auf die Beschaffung der Kapitalien für die nothwendigen Erfordernisse (Spital, Badanstalt rc) das Augenmerk richten. W. hier. Bei der heute stattfindenden Aufführung „Gespenster" von Ibsen handelt es sich nicht um Gespenster-Erscheinungen. Das Stück behandelt die Vererbung krankhafter Veranlagung aus die Abkommenschaft. Berichtigungen. Der Wunsch war der Vater des Gedankens, als wir den Städtetag hierher verlegen ließen. Er findet in Ettlingen statt; hoffentlich wird Osfenburg für das nächstemal erkoren. — Die zwei letzte« Zeilen der Standesbuchauszüge in der heutigen Bellage gehören selbstverständlich unter die Geburten. Abonnenten für Mittag- und Abrudtisch werden angenommen im 794.10.2 ..«rheinischen Hof". AngkUkhm erftifchendk AbkudKLHIk. 777.104 Lcholungsorl. Die hoch im Gebirge am Fuße der Moos gelegene „Kranzwirthschaft“ in Durbach-Gebirg (Station Windschläg, 2 l k Stunden von Offenburg) nimmt für die Sommerzeit wieder Gäste in Pension (Mk. 3 pro Tag). Waldungen in unmittelbarer Nähe. Ausflugspunkte: Spähneplatz, Moosthurm, Brandeckthnrm rc. in kurzer Zeit zu erreichen. Milchkuren.. — Forellen. Der Besitzer 782.5.4 JL. Fies. Ge$c1>aft$übernat)me ^ ^ und Empfehlung. Hiermit erlaube mir, ein geehrtes Publikum von Offenburg und Umgegend darauf aufmerksam zu machen, daß ich mit Heutigem die von Herrn K. Finkenzeller gut eingerichtete Mechanische Meekftätte, Gaswerkstraße 19, übernommen habe, womit ein Verkauf sämmtlicher landwirthschaftlichen Maschinen verbunden ist. 798 Durch die mir während meiner langjährigen Praxis im Maschinenfache und allen einschlägigen Artikeln gesammelten Erfahrungen bin ich in der Lage, den Wünschen meiner werthen Kunden durchaus gerecht zu werden. Es wird mein Bestreben sein, durch solide Arbeit und Reellität das Zutrauen meiner Kundschaft zu erwerben und zu bewahren. Indem ich um geneigten Zuspruch bitte, zeichne Louis Leber, mehrjähriger Werkführer der Firma K. Martin hier. Offenburg, den 1. Juli 1901. Riegel er Flaschenbier zu haben bei 788.2.2 Frau Dilger, Strohgasse 5, 2 Stock. WM" Auf Wunsch werden die Flaschen ohne Preisaufschlag in's Haus geliefert. frunntinriti zum Au setzen empfiehlt billig 791.3.3 Branntweinbrennerei und Weinhandlung «J. Bau. Offenburg, Steinstraße Nr 25. 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Don Abonnenten IN Offenburg-Stadt theilen wir mit, daß wir die Zustellung unserer Zeitschrift „Dr alt Offeburger" an die hier wohnenden Abonnenten dem Herrn Josef Neuburger übertragen haben. Derselbe ist auch mit dem Jncasso der Beiträge betraut worden. Da bei einer solchen Aenderung in der ersten Zeit Unregelmäßigkeiten nicht zu vermeiden sind, bitten wir die verehrlichcn Bezieher um einige Nachsicht. Der Verlag. Redaktion, Druck und Verlag vvn Adolf Geck in Offenburg. Hierzu eine Beilage«