2?- /f0j v'r all Gsseburger. Belletristische und humoristische Chronik der Krei5hauptstadt Gffenburg. «r. 503. Ausgabe vom 3. Januar 1900 Preis 10 Pf. Neujahr. (Aus „Scherz uud Schmerz", Gedichtsammlung von 8. Michaeli.) Um Ulitternacbt, welch’ ernlt Verrichten, Da lange schon der Wald zur Ruh’? Stumm ichau’n die balbverlcblaf’nen pichten Dem feierlichen Schauspiel zu. Erdmännlein scharren, schaufeln, zimmern; Ein müder Greis liegt auf der Bahr’. In Schnee und wind bei Sternenflimmern Begraben sie das alte Jahr. Da horch! von des Gebirges Gipfeln Ein Klang, der füßharmonilcb bebt. Doch durch die Luft kommt ob den Wipfeln Ein leuchtend weih dahergescbwebt. Ein TiTeer von Rosendüften regnet, Vom Schlummer wach wird rings die plur. Des neuen Jahres Engel segnet Zum frischen Lehen die Natur. was er uns bringt? wir find, betroffen, lins seiner Sendung noch nicht klar. Doch zagend nicht, mit kühnem Boffen Begrüssen wir das junge Jahr. Ein neues kommt, ein altes schwindet! Der bat das beite Teil erwählt, . Den jeder Cag gerüstet findet lind jeder Cag zum Kampf gestählt! Aus der Zeil vor einem Halben ZaHrHuuderl. Die Bürgermeisterkette mit der silbernen Landesvater-Medaille, Welche um den Hals des Oberhauptes der Gemeinde sich schlingt. Wenn er bei dienstlichen Veranlassungen öffentlich sich zeigt, feiert das 60jährige Jubiläum ihrer Gebrauchsanweisung. Im Verordnungsblatt vom 6. Januar 1869 macht der Großherzog bekannt, daß diese bürgermeisterliche Dienstauszeichnung insbesondere zu tragen ist bei allen kirchlichen und weltlichen Feierlichkeiten, bei denen die Bürgermeister an der Spitze der Gemeindebehörden oder als Gemeindevertreter erscheinen, oder so oft es das dienstliche Interesse und Ansehen notwendig macht, daß der Bürgermeister Jedem genau kenntlich sei. Diese Verordnuttg mag wohl heute noch Geltung haben. Unser jetziger Oberbürgermeister, der im Ausschuß wegen seines Trinkspruches auf den Herrn Pfarrverweser bei der Kircheneinweihung einigen Widerspruch fand, trug jedenfalls bei der weltlichen Feier in der Union die Amtskette nicht. Er wird also nicht offiziell als der Vertreter der Gemeinde toastet haben. Am 4. Januar 1869 versteigerte der Andreas-Hospital- fond eine Partie Oualitätsweine. Das Ergebnis war folgendes: 1857er Bergweine 34—36 fl. die Ohm „ Klingelberger 60'/s—66 „ „ „ „ Klevner 63 ’/s—66 „ „ „ 1866er Zeller Rotwein 60 „ „ „ 1857er „ 88—90 „ „ Diese Preise wurden als außerordentlich günstige bezeichnet. Statistik der Geburten im Jahre 1858 nach dem Offenburger katholischen Kirchenbuch: eheliche uneheliche Knaben 35 6 l Qr7 Mädchen 39 7 / Von den unehelichen Kindern stammen 7 von fremden Personen. Eheschließungen fanden 14 statt; es starben 73 Personen, darunter 44 weibliche. Kirchenbuchs-Auszüge der katholischen Pfarrgemeinde Offenburg für den Monat Dezbr. 1858. Geboren: Den 2. Dez. Theresia Elisabeth«; Vater: Wilhelm Stigler, hiesiger Bürger und Bäckermeister. Den 8. — August Joseph; Vater: Patrieius Wacker, hiesiger Bürger und Landwirth. Den 9. — Julius August; Vater: Anton Burg, hiesiger Bürger und Schlossermeister. Den 16 . — Magdalena Josephina; Vater: Joseph Schneider, hiesiger Bürger und Schreinermeister. Den 17. — Bertha Amalia; Vater: Johann Georg Kaiser. Bürger in Todtnau und Arbeiter in der Spinnerei dahier. Den 21. — Gustav Adolph Franz Landolin; Vater: Gustav Adolph Lössler, hiesiger Bürger und Fabrikant. Den 27. — Joseph Karl Philipp Johann; Vater: Johann Joseph Seemüller, Bürger in Konstanz uno Postkanzlist dahier. Den 31. — Karl; Vater: Karl Burgert, hiesiger Bürger und Schlossermeister. Getraut: Den 2. Dez. Joseph Huber, Bürger in Gengenbach und Postpraetieant dahier, Wittwer, und Anna Maria Luise Link, ehel. ledige Tochter des verstorbenen Oekonomen uno Gründaumwirths Friedrich Link von Sinzheim. Gestorben: Den 3. Dez. Elisabetha Jakob, geb. Spinner, 40 Jahre 24 Tage alt, Ehefrau des hie gen Bürgers und Taglöhners Augustin Jakob. Den 22. — Franziska Elisabetha Ruth, geb/ Waller, 84 Jahre 10 Monate 2 Tage alt, Wittwe des weiland Großh. Staatsraths Marimilian Ruth dahier. Monat Januar 1859. G e boren: Den 3. Jänner. Maria Apollonia; Vater: Georg Kemps, hiesiger Bürger und Ackersmann. Den 3. — Camill Gustav; Vater: Ludwig Diener, Bürger in Bischweiler, Kantons Thann, Depart. Oderrhein in Frankreich, und Schlichtmeister dahier. Den 3. — Theresia Maria Luise; Vater; Friedrich Kern, hiesiger Bürger und Waldhüier. Den 10. — Maria Apollonia; Mutter: Karolina Hack, ledig, von Ottenau, Amts Gernsbach, und Fabrikarbeiterin dahier. Den 18. — Kaldarine Alberline; Valer: Philipp Volz, Bürger in Bietigheim, Oberamts Rastalt, und Webermeister dahier. Den 21. — Marie Katharine Karoline; Vater: .laver Doll, hiesiger Bürger und Schreinermeister. Den 26. — Karl Franz nud Gustav Joseph, Zwillinge; Mutter: Margaretha Mitschler, ledige Taglöhnerin dahier. G e st.o r b e n: Den 15. Jänner. Franz Stigler, 56 I. 9 M. und 9 Tage alt, hiesiger Bürger und Kaufmann. Den 15. — Barbara Maier, geb. Weinkaus. 69 I. 1 M. 10 T. alt, Wittwe des weiland hiesigen Bürgers und Taglöhners Michael Maier. Den 16. — Karl Ritter, 62 I. alt, hiesiger Bürger und Thierarzt. Aus der Verhandlung des Bürgerausschusses. Gegen Dreiviertel der Mitgliedschaft erschien. Bis zum Schluß, der gegen 8 Uhr eintrat, harrte nicht einmal mehr die Hälfie aus. Da galt es, den Stadtrat wegen der Abrechnung für 1907 zur Rechenschaft zu ziehen. \ T- Eine Hauptpflicht der städtischen Volksvertretung! Aber diese Pflichterfüllung erschwert sich für die dazu Entschlossenen durch den Umstand, daß am Ende einer ohnehin zeitraubenden Tagesordnung der Gegenstand des Kritisierens ausgerufen wird. Diesmal erschien das Z rhlenergebnis des Stadthaushaltes außerordentlich spät; etliche Zeit vor Weihnachten, wo eine außerordentliche Geschäftstätigkeit es den wenigsten Ausschußmitgliedern gestattet, mit der nötigen Muse an die Prüfung dieses, immer kompendiöser werdenden Berichtes heranzutreten. Im Jahre 1904 erschien der Bericht schon im Oktober, 1905, 1906 in der zweiten Hälfte des November. Im diesjährigen Berichte ist vom Stadtrat aus dem Monat September vermerkt, daß der Rechenschaftsbericht dem Ausschuß und der übrigen Einwohnerschaft zur Verfügung steht, Und es ist Ende Dezember geworden, bis er an Ort und Stelle eintraf! Auf diesen Mißstand machte namens des Stadtverordneten-Vorstandes der stellvertretende Vorsitzende Geck aufmerksam, dem auch die Stadtverordneten Dr. Rombach und Vögele darin beipflichteten. Dabei stellte Letzterer fest, daß die Schuld an der immer noch nicht erledigten Abhör der 1906er Stadtrechnung nicht bei der Kommission liegt. Oberbürgermeister Hermann verwies darauf, daß es der sachverständigen Revision neben ihrer beruflichen Beschäftigung im Staatsdienst an genügender Zeit gebricht trotz der ausgeworfenen Vergütung; mit der Anstellung eines rechnungsverständigen städtischen Beamten würde auch die raschere Erledigung der Rechnungsausstellung und -Abhör ermöglicht. Diese Rechnerei-Beamtung, wie solche im ersten Gegenstand der Tagesordnung angefordert war, lehnte vorher der Ausschuß mit großer Mehrheit ab. Nur 25 Glimmen, darunter die stadträtlichen, sagten ja. Es bestund zweifellos eine Mehrheit, welche die Notwendigkeit einer solchen systematischen, andauernden Kontrolle des Offenburger städtischen Rechnungswesens ebenso für ein dringendes Bedürsnis hält, wie der Stadtrat und Vorstand der Stadtverordneten. Aber über die praktische Lösung des Problems gehen verschiedene Versionen. Da half man sich aus der Verlegenheit mit der Verweisung der Angelegenheit an den kommenden, nach Fastnacht neuzuwählenden Bürgerausschuß. Dieser möge auch die Verantwortung tragen sür die unsere hohen Umlagen noch mehr steigernde Tendenz neuer Beamtungen. — Dessenungeachtet wurden aber die beiden anderen Beamtenstellen (Armenkontrollör — und Straßen wart) nahezu einstimmig — nur gegen den Widerspruch der sozialdemokratischen Partei — bewilligt. Man machte den bestehenden Ausschuß verantwortlich, weil aus seiner Initiative heraus die Anforderung dieser neuen Beamtenstellen entstanden ist. Stadlv. Geck empfahl, sür die Rechnungsbeamtenstelle auch die Bewerbung der Finanzassistenten zuzulassen, womit sich der Vorsitzende einverstanden erklärte. Auch Stadtv. Vögele, der diese Stelle für durchaus notwendig hält; es sollen sämtliche Rechnungen vor der Auszahlung geprüft, eine laufende Kontrolle auch aus andern Gebieten, z. B. dem Gewerbebetrieb, bestehen. Dazu bedürfe es eines erfahrenen, nicht zu jungen Beamten Stadtv. Stefan lehnt aus finanziellen Bedenken die Beamtung ab; die Städte Lörrach und Bruchsal hätten nur einen Bürgermeister; unsre hohe Umlagen-Vermehrung mit der noch folgenden Wirkung des Beamtenstatuts mahne uns zur Vorsicht. Der Vorsitzende entgegnet, daß die hiermit herbeizuführende Sicherung einer guten Finanzverwaltung die richtige Sparsamkeitspolitik ist; sür das Sparen ist der Stadtrat auch. (Gelächter.) In der Vergangenheit hätten wir keine so schlechten Erfahrungen gemacht, wenn es so eingerichtet gewesen wäre, wie es jetzt beabsichtigt ist. Die Vermehrung des Beamtenpersonals ist eine notwendige Sache in Staat und Gemeinden. Der Oberbürgermeister legte dar, daß der Rechnungsbeamte auch Mitglied der Abhörkommission sein kann; ausnahmsweise würde cs sich sogar empfehlen. Er bestreitet einem Vorschlag des Stadtv. Kircher gegenüber, daß sich in Offenburg ein tüchtiger Mann zur Aushilfe sür bestimmte Zeit finden läßt. Herr K. schlug vor, die Beamten der Stadtverrechnung dadurch zu entlasten, daß man ihnen einen Teil der mechanischen Arbeiten abnehmen läßt. Stadt. Ettwein hält die Erledigung nicht sür dringend; sie lasse sich bis nach den Wahlen verschieben, wo dann der neue Ausschuß beim Voranschlag sür 1909 unter Beachtung unsrer schlechten Finanzverhältnisse entscheiden möge. Es wäre besser, der im Dienste ersahrene Stadtrechner Bührer übernehme die Kontrolle über einen jüngern Rechner, als daß ein nach Alter und Dienstzeit umgekehrtes Verhältnis entstünde. Diesen Ausführungen tritt auch Stadtv. Dr. Rombach bei. Er zeigt an den neuesten Unterschlagungssällen, z. B. in Freiburg und Konstanz, daß diese Rechnungskontrolle keine unbedingte Sicherheit gewährt. Wenn sich der Stadtrat damit entlastet, bleibt ihm zuletzt doch die Verantwortlichkeit. Wir hätten in der Vertretung der Bürgerschaft Fachmänner, z. B. die Herren Castell, Kleiser, Kircher, welche bei Ueberlastung der Stadtbehörde zu rechnerischen Revisionen herangezogcn werden könnten. Es bedürfe aber auch das Bürgermeisteramt und der Stadlrat einer Oberkontrolle. Ein junger Rechnungsbeamter müsse schon einen großen moralischen Mut haben, wenn er gegen diese mahnend austrete. In Pforzheim wolle man deshalb den Kontrolleur nur dem Stadlverordnetenvorstand unterstellen. Möge der Stadtrat seinen Antrag zurückziehen. Rach weiteren Ausführungen des Stadtv. Stefan und des Oberbürgermeisters ersolgte die Ablehnung. Gegen die Einführung einer Beamtenstelle der Armenkontrolle sprach Stadtv. Geck, der empfahl, es bei der jetzigen Einrichtung zu lassen. Schutzmann Blesch habe sich als eine sehr geeignete Persönlichkeit sür die Besorgung der Geschäfte erwiesen; er habe auch die Bildung und das richtige soziale Empfinden. Schaffe man eine Beamtung, so sei dies nur eine Entlastung der Verantwortung des Armenrates, dessen vorzügliche Einrichtung zur Genehmigung der Städteordnung so hoch gepriesen worden ist. Stadtv. Meier (KrciSsekretär) sprach über die Armenpflege. Der Oberbürgermeister stellte neue Schutzmänner in Sicht, wenn diese Beamtung nicht beschlossen wird. * D'r alt Offeburger. Bürger! Henner's guet angfange? Vum Achter in dr Nüner isch Unsereiner sanft niwergschlummert. Sitter d' Offeburger Wirt in ihrem profitlige Verein bschlosse henn, in dr Neujohrsnacht kei Kleewien meh ihre Schtammdischler z' schpendiäre, drifft mr au kei Prostbruederschaft meh am Sylveschderowed in manche Wirtshüser. Mr pfetzt jetzt e Bunsch vun Kriäsewasser deheim am warme Ose un wartet, bis im alte Johr 's Schtündli schlagt: aß de gallöppersch! Bie dere schbitzfindige Kälti, wo üs 's Chrischtkindli brocht het, gitt's für d' alti Litt üwerhaupt nix Vessers, als ä horizundali Verliegeschafdung im Etwi odder im „Malzkeller", wiä dr Wagner-Karli em Bettli sait. Um en achti rum lieg ich warm uff dr Matratz, um am Zwelst, wenn dr Rummel losgeht un am Rothuus 's Neujahr schtandesamtlig mit elektrischer Beleuchdung in's Geburtsregischter ientrage wurd, uffz'schtehn zuem Loschore. Usserdem will ich zuem Prostneujohr mien Kleewien Han. Vorsichtigerwies schtell ich mir dr Wecker uff's Nacht- dischli un riecht mr dr Rappler gnau noch dr mitteleurobäische Zitt, daß er mich in's Johr 1909 riäft, im Fall mr noch- emol im Achter e Nickerli mache sott. Ich gwinn als zue- gern minnere Nochberi, emen alde Schtrickschuelschatz, 's Neujahr ab mit em zünfdige Spruch: „Prost Neujohr, ä Bretschel an's Ohr." Wer's ere dißmol nitt abgwunne hett, isch Unsereiner. Wo ich uffwach leuchdet 's Morgerot vum Niener üwer d' großardigscht Schneelandschaft, 's Nachtliächtli funkelt noch uff em Dischli. dr Wecker zeigt Achdi vrbei, awer dr Rappelzeiger schteht immer noch uff em Zenith. Vor Wuet hätt ich ne fascht an d' Wand gworfe; awer es wurd mr klar, das ich am Sylveschterowed dr letscht dumm Schtreich im alde Johr gmacht Hab, dr Wecker nitt uffzoge. Viel hawi durch's Schlafe glauwi nitt vrlore, denn es isch recht ruhig üwernumme Ware des neu Johr. Wemmer an des Elend denkt, wo 's Alt noch üwer d' Menschheit in Jdalie brocht het, vrgeht eim juscht d' Schbekdaklerei. Un 'was mr im Schlofe gschbart, gitt mr jetzt in dr Under- schtützungsfund dr Jdaljener. So kann ich minnere Weckeruhr nit bös sien; ihn Ver- schwiegeheit vrdiänt dä Duzendpreis. Awer nitt alli Wecker gehn so schonend mit ihrer Herrschaft um. Kürzlig schteht im hiesige Volksblatt e Briecht uß Zunswier. D' Wallfahrer kehre heim uß dr Schwyz. E Zunswiereri kauft en Einsiedle e Weckeruhr als Andenke. An dr badische Grenz soll sie gschmuggelt were wegen em Uhrezoll. Was macht mr do? Dr grüen Zöllner kummt ewe in dr Jsebahnwage un fragt Jedes, ob's nix z'vrzolle häb. Unsere Zunswiereri luegt ne ebbis vrduzt an un schüttelt dr Kopf. Wo dr Grenzufsehner weglauft, fangt's unter em Schurz unserer Wallfahren z'rapplen an, wie vum e Wecker. Es will gar nimmt uffhöre. Dr Zollgardischt lauft z'ruck und schtellt fescht, daß selli Wallfahren unterm Unterrock zwische de Knie e Uhr zsammeklemmt. Atz de gallöppersch! Offenburger Allerlei. Anläßlich der furchtbaren Katastrophe in Italien sehen sich die dahier wohnhaften Italiener, insbesondere der „Mandolinenklub Aurora" veranlaßt, zur Linderung der äußersten Not eine kleine Beisteuer zu leisten. Zu diesem Zwecke beabsichtigt genannter Klub kommenden Sonntag den 3. ds. eine Abendunterhaltung abends 8 Uhr in der „Michelhalle" (Konzert, Theater usw) zu veranstalten, zu welcher Jedermann eingeladen ist. Es wird ein kleines Eintrittsgeld erhoben und der Erlös soll den schwer betroffenen Landsleuten zukommcn. Offenburg, der Kongretzort. Der Landesparteitag der Sozialdemokratie findet dahier am 27. und 28. Februar im „Dreikönigsaal" statt. Aus der Tagesordnung stehen die üblichen geschäftlichen Gegenstände, darunter die Landtagsberichterstattung durch den Abg. Kolb. Ueber die kommenden Landlagswahlen spricht Abg. Dr. Frank. Der Kongreß beginnt am Samstag nachmittags 3 Uhr. Das 2. Gaufest des Ortenauer Sängerbundes findet am 9. Mai d. I. in Offenburg statt. Der Wettgesang beginnt morgens 10 Uhr im Unionsale, das Festkonzert daselbst um 4 Uhr, woran sich das Festbankett und die Preisverteilung schließt. Vier Gesamtchöre werden eingeübt. 1. Es steht eine Linde im tiefen Tale (Stiller); 2. Nun füllt mir den Becher! (Wen- gert); 3. Still ruht die Erde (Abt); 4. Es heult der Sturm (Mendelssohn). Zum Mitwirken bei den beiden letzten Kompositionen sind nur jene Vereine verpflichtet, die im einfachen Volksgesang mitsingen. Es sind für den Wettgesang 5 Abteilungen, davon 4 im Volks- und eine im Kunstgesang eingerichtet; als erste Preise werben vergoldete Medaillen und Diplome, als zweite Preise versilberte und Diplome ausgesetzt. Festpräsident ist Rechtsanwalt Dr. Krieg, Ehrenpräsident Oberbürgermeister Hermann. Stadttheater. Unser Künstlervölkchen hat nun seinen ständigen Wohnsitz in Lahr ausgeschlagen, die Vorstellungen gehen jedoch in unveränderter Reihensolge weiter, mit kleinen Unterbrechungen während der Weihnachtszeit. Die Feiertage brachten uns das Gastspiel der letztes Jahr so beliebten Frl. Lotte Grunert im „Stabstrompeter". Die Schulung der Stimmen des Gastes hat Fortschritte gemacht und das Spiel ist voll Temperament und Grazie. Nicht nachgestanden ist ihr Frl. Lissa Segisser in . ihren musikalischen wie darstellerischen Leistungen. Von unwiderstehlichem Humor war die Darbietung des reichen Parvenüs durch Direktor Helm getragen. Gleich gut war Spiel, Mimik und Gesang der übrigen Akteure. Die Militärkapelle hatte den orchestralen Teil übernommen. Eine szenisch und schauspielerisch vorzügliche Vorstellung brachte uns der Neujahrsabend mit Roderich Benedix' unverwüstlichem „Allerwelts- vetter". Direktor Helm in der Titelpartie bot eine Rolle aus einem Guß; er mußte den ärgsten Hypochonder dahinreißen und brachte es sogar fertig, den Unmut des Publikums über die Eiseskälte des Saales mit sonnigem Humor zu beschwichtigen. Alle Partner zeichneten sich durch munteres, sicheres Spiel aus. Der Biedermaierion kam hübsch zur Geltung. Betriebsergebnis der Nebenbahn. Vom 1. April bis Ende .Juli 1908 hat die Bahn Keh l-Oltenheim-Altenbeim-O s f e n b u r g aus dem Betrieb eingenommen 52039 Mark (gegen 5037g M. in der gleichen Zeit des Vorjahres). Für den Monat Juli gestaltet sich das Resultat im Vergleich zum Vorjahr also: Personenverkehr Güterverkehr Sonstiges 7850 4033 396 >7990) (3176) (686) Zusammen also 12279 Mark gegen 11852 M., also^427 M. mehr. Es verzeichnet die Hälfte der Nebenbahnen im Juli eine verminderte 'Einnahme. Die Strecke Seelbach-Lahr-Rhein hat vom April bis Ende Juli 2257 Mark weniger eingenommen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, dagegen im Monat Juli 1908 ein Mehr von 458 M., nämlich 10981 M. Auch die Strecke Biberach-Oberharmersbach hat Mindereinnahmen zu verzeichnen. Die Spritzeisbahn, welche auf dem Meßbudenplatz in diesem Winter zum erstenmal angelegt wurde, führte sich bei dieser heftigen Kälte gut ein. Dem Eissport und dem Rodeln im Gebirge huldigten zahlreiche Anhänger dieser vortrefflichen Wintervergnügungen und Kuren zur Gesundung des Körpers. Ein altes Rezept lautet: Lecipe, 4. dlärz 1766. z belle Stunden des Vormittags; 2 des Nachmittags; Gute Gesellschaft; Viel Frühstück. Item ein wenig Nordwind zum l'runke bey der Arzeney Treib’ dieses acht Tage hinter einander. Probatum est! Der Arzt, der dieses Rezept verschrieb, ist der Dichter Klopstock; er empfahl diese Kur seinem Freunde Heim, der krank war. Von anderen erlauchten Geistern des 18. Jahrhunderts erkannte namentlich Goethe den hohen hygienischen Wert des Eislausens. Bekannt ist das schöne Bild, womit Kaulbach den jungen Goethe beim Schlittschuhlaufen in Frankfurt darstellt. Die Rodler auf der Bergbahn Fritscheneck-Riedle verrichteten Pionierarbeit zur Ausbesserung der im allgemeinen herrlichen Schneebahn. Wenn «st einmal Offenburg durch eine elektrische Bahn mit Zell-Riedle verbunden sein wird, bietet das Gebirge im Sommer und Winter einer großen Menschen- iahl seinen Zauber des Vergnügens. r Wegen Mords bestrafte Gefangene enthielten im vorigen -Jahre di« basischen Strafanstalten 29, darunter 25 im Zuchthause (1 weibl. Z^chth Mörder); 26 Inhaftierte verbüßen eine lebenslängliche h ou Personalien. Zum Oberingenieur ernannt wurde der Vorstand er Maschineninspektion Offenburg, Maschineninspektor Karl Schmidt, der «orttand der Bahnbauinspektion I Offenburg, Bahnbauinspektor Johann egg er. "Offenbu^'"" ^konomierat: Landwirtschastsinspektor Friedrich Huber Das Ritterkreuz 1. Kl. mit Eichenlaub wurde verliehen: Dem Ob« amtsrichter Karl Nüßle, dem Gymnasiumsdirektor Ludwig Zürn in Offenburg. Das Ritterkreuz 1. Kl.: Dem Vorstand der Betriebsinsp. Offenburg, Oberbetriebsinspektor E. Armbrust er, den Landgerichtsräten Dr. Martin Grüninger und Emil Stegmüller, dem Gymnasiumsprofessor Heinrich Hofs mann, dem Obersteuerinspektor Augustin Klciser, dem Domäneninspektor Albert Kircher. Das Ritterkreuz 2. Kl. dem Bahnverwalter Friedrich Merk, dem Güterverwalter Philipp Lichtenberger, dem Oberpostsekretär Karl Rädle. Das Verdienstkreuz vom Zähringer Löwen dem Baukontrolleur Joh- Bendler, dem Werkstätlevorsteher Emil Gürr, dem Betriebssekretär Karl Fendrich, dem Postsekretär Franz Huber, der Superiorin des Klosters Charlotte Sieb, dem Bauunternehmer August Schitterer, dem Prokuristen Karl Fäßler. Die kleine gold. Verdienstmedaille erhielten: Der Magazinmeister Jos. Schalter, der Büroassistent Emil A l b r e ch t, die Lokomotivführer Theodor Model, Karl Reichert, Richard Compost, Robert Hoch, Jos. Berger, Martin Gotlstein, Christoph Fiedler, Benedikt Rebmann, Wilhelm. Heitz, Karl Wurz, Karl Wieder, der Stationsmeister Philipp Galt, der Oberschaffner Adolf Tschann. Die silberne Verdienstmedaille erhielten: Der Bürodiener Lorenz Schüler, die Wagenwärter Anton Kästner und Karl Schnebele, der Kanzleidiener August Greiner und der Zollamtsassistent Ludwig Harter. Sämtliche in Offen bürg. Beim großen Beförderungs- und Ordensregen wurden fernerhin, den Leserkreis unseres Blattes interessierend, bedacht: Geh. Oberreg.- Rat Rasina, Karlsruhe (z. Geh. Rat 2. Kl.); Steuerkommissär Karl Wurz- Heidelberg (z. Obersteuerkommissär); OberlandeSgerichlsrat Dr. Dölder-Frei- burg (Ritterkr. 1. Kl. m. Eichlb.); Landgerichtsrat Ferd. Kl au ß-Freiburg (dto); Otto Hammes-Mannheim (dto.); Oderinsp. Adolf Abel-Heidelberg (dto.); Bahnverw. Reinh. Meier-Hausach (Ritterkr. 2. Kl.); Oberrechnungsrat Emil Muser-Karlsruhe (dto. m. Eichlb.); Stationskontrolleur Karl Stigler- Gengenbach (Verdienstkr. z. Zähr. Löw.); HauptlehrerW. Schnarrenberger- Schutterwald (dto.); Kanzleidiener August Stüber-Karlsruhe (silb. Verd.- Med.); die kath. Geistlichen I. B. Rohm in Ebersweier, F. Th. Ries in Durbach und Rud.'Gelinger in Oberkirch erhielten das Ritterkreuz 1. Kl. Jngloffeni Schriewes. Lieber Alter! Sport und Jugendspiel zu fördern ist das Bestreben pädagogischer und menschenfreundlicher Abhandlungen in Zeitungen und Fachschriften. Was kan» aber gesünder und fröhlicher sür unsere Kinder sein als das Treiben im Schnee und auf dem Eise in reiner herrlicher Winterluft? Vor allem das Rodeln. Ins Gebirge ist's aber sür die kleinen Offenburger zu weit; deshalb wären unsere Abhänge bei der Stegermatt und bei der Vorschußkasse ganz geeignete Plätze; man dürste nur den daselbst ganz unerheblichen Fuhrwerksverkehr auf einen anderen Weg umleiten. Aber unerbittlich kommt der städtische Sandwagen; statt nur die Trottoirs zu bestreuen, übersandet man die ganze prächtige Rutschbahn. Eine förmliche Empörung entstand unter dem lustigen kleinen Völkchen. Ties im Herzen tats mir weh und doch mußte man nachher hell auflachen, als die Knirpse auf ihren Schlitten den ausgeworfenen Schnee herbeiführten, um die versandete Bahn wieder rodelsähig und glatt zu mache«. Möchte doch der Stadtrat ein Wort reden damit die besagten Abhänge, ausgenommen die Trottoirs, in der Schneezeit nicht mehr übersandet und für die Fuhrwerke gesperrt werden. Ein Kinderfreund. Briefkaste» des Alte» Ostebnrger. Nach Haslach. Die „Schwarzw. Volksstimme" (Nr. 152) berichtet von einer Szene am dortigen Bahnhof: „Vom diensthabenden Beamten zur Ruhe verwiesen, entspann sich ein Wortwechsel." So ein Wechsel, wie er hier in den Kurs trat, fragt nichts nach de« amtlichen Protest. Nach Basel. Nehmen Sie srdl. Dank sür die Zusendung der Lör- racher „Arbeiterzeitung" Nr. 103 vom 30. Dez. Besonders hübsch finde« wir darin di« Stelle in einem Weihnachtsfeierbericht aus Lörrach: „Beim Tanzbeinschwingen zeigte es sich, daß die Musikant«, geradeso ausdauernd sind, wie die Sänger, verwandte Berufe natürlich, trotzdem mußte man sich bei früher Morgenstunde trennen, um de« heimatlichen Penaten zuzueilen." Es war den beim Tanzbeinschwingen konkurrierenden Musikanten z» gönnen, daß sie endlich bei Anbruch des Tages ihre Beine bei den Penaten niederlegen durften. * -V ■>- fir •J' Jr .Jr .Jr Jr ^ % d Allen unseren werten Kunden, Freunden und Bekannten | Die besten Glückwünsche | d zum neuen 3al>r! w 3365 Schuhgeschäft J. Ernst & Familie. G ^ ^L'-L' -L' -L -L- -L- -g- Allen werten Freunden und Bekannten zum Jahreswechsel Ale henlichsleji Glückwünsche! Frankfurt a. M. 3356 Franz Kiefer & Frau zur Gambrinushalle. Freiwillige Feuerwehr Ottenburg. Am Mittwoch, den 6. Januar (Dreikönigstag) abends 7 Uhr findet im „Dreikönigssaal" unser gewohnter KorpsvsU mit Gaben- verlofuns. Neu mgetroffkn verusskleibung in größter Auswahl zu billigsten Preisen. Karl Wörter, 332700 Offenburg, Hauptstraße 95. Fabrikstr. 7. Geschäfts-Empfehlung. ♦ ♦ Der geehrten Kundschaft hiermit die höfl. Mitteilung, daß ich als langjähriger technischer Leiter der Firma Simmler & Venator T hier dieselbe am heutigen Tage ohne Aktiven und Passiven über- nommen habe und in unveränderter Weise weiterführen werde. Ich bitte, das der Firma bisher in so reichem Maße entgegengebrachte Vertrauen auch fernerhin bewahren zu wollen. 3358 Hochachtungsvoll Alex. Stumm, Inhaber der Fa. Simmler & Venator Zellerstraße 16 — Telefon Nr. 123 Die Buchdruckerei von Adolf Geck Kesselstrasse 12 empfiehlt sich zur Anfertigung sämtlicher $ Druckarbeiten $ für kaufmännischen und privaten Bedarf: statt. Freiwillige Gaben zur Verlosung, von Korpsmitgliedern wie von Freunden und Gönnern des Korps, werden bis zum Balltage, mittags 3 Uhr im „Dreikönigssaal" dankbar entgegen genommen. Die Eintrittskarten für eingeführte Herren und Damen, welche auf den Namen ausgestellt, wollen am Balltage, mittags von 1—3 Uhr im „Dreikönigsaal" in Empfang genommen werden. Nur Inhabern solcher Karten ist der Eintritt gestattet. Wir richten an unsere Korpskameraden die frdl. Bitte, sich recht zahlreich mit ihren Familienangehörigen an dieser Veranstaltung zu beteiligen. Offenburg, den 30. Dezember 1908. Der Berwaltungsrat. 3357 E. Adrion. Rubi. Oorscfiußverein Mffenburg eingetragene Geno Herrfd)crft mit mttrefdjrtmktexr Haftpflicht. Wir bitten hierdurch höflich um Einlieferung der Einlagebüchlein mit gelbbrauner Decke zum Zwecke der Zinsengutschrift. ! 3338.3.3 Der Borstand. ! Adressierten Avisierten Begleitadressen Briefköpfe Broschüren Gataloge Girculaire Diplome Gtiquetten facturen Frachtbriefe fflittheilungen Plakate Preislisten Programme Prospekte Quittungen Rechnungen Statuten Cabellen Verträge Wechsel etc. Glückwunschkarten Oisitkarten, Verlobungsanzeigen Hochzeitseinladungen. 20,000 Mark. (Das grosse Los! bestes Festgeschenk d.er ziäcliste BacLisclien. Wohltätigkeits- Geld-Lotterie für Invaliden, Witwen u. Waisen Ziehung schon 9. Januar 1909. 2928 Bargewinne ohne Abzug. 3317.6.6 44,000 M. 1 . Hauptgewinn: 33U 20,000 M. 2927 Gewinne: 24,000 M. Ino h | U / 11 Lose 10 „ M ’ LUu d i Ifl. f Porto u. Liste 30 4 versendet Lotterie-Unternehmer J ctifrmnp Strassburg i. E. • 01UI lud , Langestr. 107 »ehattion, Druck und Skrlaa von Adolf Geck iu Offen bürg.