Beilage zu Nr. 690 der Alten Gffeburger vom 4. August 1912. „Varia" aus Schutterwalds Vergangenheit. Von Emil Adolf Seigel. LXVL Die Schutter-Ordnung vom Jahre 1478. 7 ) WJ9i Nach benempten s. Bernhart Vom Bach Ritter Bogt zu Grttemberg Ege- nolff Roder Vogt In der pflege daselbe Von wegen beiden Unser gnedigen H^erjren der surften psaltz Vnd Straßburg; 2. Hans Eßpach amptman zu wildstett Von wegen der Erschafft Lichtenberg; Z. Hantz Voltz 2 ) amptman zu lare Vnd Berchtoldens land- schriber daselbs Von wegen der verschafft zu lare; Berchtoldt blutt vogt und peter schirnbartt schultheiß zu schutterchj von der Herschaft Geroltzeghe wegen; 3. Hans voltsch 3 ) von wegen der statt Straßburg Und der Iren von Ettenheim; 6. Hans Mener 7 ) schultheys zu Dffenburg von der statt von Mffenburg wegen; i. Hans sparbrott von schopfheim von wegen dörigen vom Bache der von schopffheim Halb; 8. vnd der yetzgemelt Jorg vom Bach vnd anbrecht wolff als banhren von der von schutterwald wegen; Bekennen vns mit dem brieff als zuuergangen 3 ) tagen der schütter halb ein tag zu offenburg gehalten worden ist vrsachen merklich landt schaden die bitzh er daruon entstanden sint. Das da wür obgenanten anweiten vnd Ratsbottschaften vns mit voller macht yeder von sinen obern wegen vns vff Hutt 3 ) date diß brieffs gern 7 ) offenburg vrsamelt gehabt vnd dise vereinung Hie nach gemelt zniderkommen solichen merklichen landtschaden einHelliglich gemacht haben dem ist also Zum ersten das die Hrrschafft lare vnd such die statt Straßburg daran sin sollen das die von ettenheim vnd altdorf Ir Beche 8 ) grabent In Irem costen das die furrebaßhin Iren fluß vnd gang bitz jn den Rine 3 ) haben Vnd das such der landgrab bey molberg 10 ) herrab vß gehoben, gegraben vnd wie der in alterher mit wytte") vnd tiefe gemessen ist gemacht werde damit der die überwasser so deryn dienend hintrag vnd daß zwischen den obgenannten Bechen 8 ) vnd der schütter dere landschafft fürbaßhin dauon kein schade geschehe Darnach sollen beid obgenanten vnser gnedig Hferjren psaltz vnd straßburg such die Grvschafften 12 ) lichtemberg vnd Geroltzegk die statt straßburg offenburg Iorig vom Bach vnd anbrecht wolff vnd Ir nachkomen daran sin das die alt schütter bitz jn die Aintzige auf den grab en genant die nuw schütter der da ansahet 13 ) ebwendig u ) mülheim 15 ) dem dorf an schütter durch die Remlach 73 ) hinab bitz jn den Rine 3 ) vßgehaben 17 ) gecampt 18 ) vnd hinfür ewyglich jn eren 13 ) gehalten werde jn der tieffe vnd wytte") wie dan der angefengt 2 ") worden vnd vormals zu machen angesehen gewesen ist. Daran sollen die von alttheim 21 ) Iren anteile wie jnen der von den nün 22 ) manen 28 ) hienach bestympt zu machen beuelhet 2 H wurden, machen, vnd jn eren halten, Verglich die andern jn jren bannen ouch tun sollen. Item es soll such von der schütter an vutz 23 ) vnden vß ouch jn dem graben ebgemelt niemand kein über- geend sach Duch kein gewend daryn machen Noch ob em tiche gemacht wurde, den nit zerhewen vffbrechen oder on notturfft vff tün ob die aber zu notturfft vff getan würden So sollen doch die wyder zu getan vnd also gehalten werden, das dauon kein schade geschehe Vnd besonder ouch sich des vischens an den enden nit wytter gebruchen dan mit garnen bsrnen doch so mag ein yeglich das waffer von sinem gut jn die schütter wysen. Also das der Ingang des selben wassers werde versagt das niemans kein schade da durch geschehe. <£s sol auch niemans kein schleyffe nach de Gemeyn bruch mit wesserung oder anderm daryn oder da durch machen oder das mit sinem viche vnderbrüngen er versorge dan selichs jn der gestalt das niemans kein schade da durch geschehe. Doch so mogent die armen lütt an den ortten ge- sessen zu, Iren notturften wol trenckung machen daryn sy Ir viche trencken. Also das folichs durch die nun man oder I den merteil von Jnen versorgt das niemans kein schade da durch geschehe Noch ouch die ferweg 23 ) damit nit verschlagen, vnd man sol ouch fürbaßhin all burgken vnd steg jn solich Hehe darüber machen vnd legen, das die ferweg da durch such nit verschlagen werden. <£s mag ouch menglich die- selbigen waffer hinfür bruchen mit schiffen vnd mit sunderheit mit fletzen Also emb yeden Iars von sant mathys tag 27 ) an, bitz vff des Heyligen creutztag Im meygen 28 ) vnd nit lenger vnd von sant michels tag 23 ) an bitz zu sant Kathrinen tag, 3 " oder acht tag darnach vngeuerlich vnd jn der andern Ziten des Iars mit fletzen Vnd such also das selbig Holtz ußgerumpt werde zu stunden an jn achttagen den nechsten nach dem flotzen Vnd welcher also fletzet In der alten oder nuwen 37 ) schütter der mag zu siner notturfft letzmen machen das Holtz den rechten weg zu wysen. Doch on schaden den Hamman vnd staden Vnd sol ouch alwegen Anecht an denselbigen letzmen haben die das Holtz empfahent vnd von stunde vßwerfen damit das Holtz nit vffstage vnd sobald solich Holtz vß dem waffer kompt So sollen von Stunden an solich letzmen wa die gemacht sint Suber und gantz danneyn getan werden. Es mag such ein yeder so dick er fletzet vnd notturfftig ist die beide alt und nuw schütter Rumen 32 ) ob die mit graß oder bösche verwachsen oder sunste verwußte werent, das sy selich Holtz destar baß getriben mag Vnd das ouch an solichem allem nemans kein schade da durch geschehe ob aber yemans schade geschehe den sol der der den schaden tete, yenen oblegen gütlich ob das aber gütlich nit gesin mecht Was dan von richtern wie hrenach steet für die sy dan jrs späns komen sollen darumb zu lutrung 33 ) erkennt wurt dem sollen beed parthyen nachkomen on wygrung 3 H vß zug vnd appeliren by der pene 33 ) harnach volgende. Item vnd als ouch die zwu mülmen 33 ) die zu blanken meß vnd die Zu Rorburg bitzher gemeinen landtschaden an den enden gebracht haben, die selben zwu mülmen 33 ) sollen wider abgetan vnd das geschleg gantz vsgerumpt vnd an den ortten nit me gehalten werden damit das waffer sinen fluß gehaben vnd an dem ende mit schyffen vnd fünften gebrucht werden mag. Es sollen auch die mülnen 33 ) zu Hugßwilen 37 ) vnd zu schütter 38 ) mit nebent greben also versehen vnd gehalten werden Wann überwasser keme das das nebent ab den fluß wek 33 ) möge haben vnd kein schade dauon entstände Welicher auch der wer der Holtz an die schütter vffschluge der sol daran sin Das die ladstatt daran er das Holtz vff den Hainen schlecht nach Hin fürung des Holtzes on vertzug als gut gemacht werde als das vor gewesen ist Vnd also das dadurch auch nemans kein schade entstände Dan welcher oder welche solicher ebgeschribner stuck eins oder mer verbrechent vnd nit hielten die sollen ein yedes verbrechen stuck alwegen bessern mit funff pfund pfennygen straßburger Halbs dem Hjerjren jn des ban das geschehen wer das anderleile Sol komen an die buw^") der ebgenanten waffer. Es soll ouch alwegen eim yeden Ruger von einer yeden pene verfolgen vnd werden zwen schilling Pfennig zu lon Welich oder weliche verbrechnen solich penfall schmlich armut halb nit vermochten geben sollen doch die nün richter harnach bestympen die selbichen nach gemeiner erkanntnuß zu einr myltern strauff erkennen vnd solich gelt sol gantz niemans nachgelaußen werden ouch die tetter^') dartzu halten das die den schaden jn achttagen nach der tat wyder machen vnd vff richten vnd das solich buwe voltzogen Vnd die waffer hinfür ewiglich jn eren 73 gehalten werden wie dan obstat So sint über folichs von der obgenanten Herschaften vnd parthien gesetzt vnd geordenet worden Von beiden ebgenanten vnseren gnedigen Hekschafften pfaltz vnd straßburg ein mann Von der Herschaft liechtenberg ein mann von der Herschaft lare ein mann von der Herschafft Geroltzegk ein niann Von der stat straßburg ein mann Von der statt offenburg ein man Von der von ettenheim vnd altdorff wegen ein man Von Iergen vom Bach der von schopffheim halb ein man Much von dem selben wegen vnd anbrechten wolff von der von schutterwald wegen auch ein man Die nün man sollent yeder siner Herschafft Sweren * 2 ) dem also nach zu komen Vnd zu reden wie yede parthy graben vnd jn jrem bann das waffer mit costen halten sollen, lvas such jn yedem vff die fachen arbeit gat Der fol er von siner parthye die in dartzu georden hat vß dem selben bann zymlich belont vnd gewilliget werden Doch so fol der yeder ^erschafft jerlich vnd yedes Iars vor sant marx tag^) jn sonder von solichen buwen 4 ") graben jn nemen vnd vßgeben zymlich erber 44 ) rechnung tun vnd die selbigen sin rechnung jerlich vff sant marx tag gan?) offenburg mit bringen vnd die übrigen sin mitzesellen vnd richter laußen") Heren wie solich rechnung geschehen vnd warumb das sye. Item es fol such ein yeder nun man eins yeglichen Iars jn in den: gericht daryn er seßhaft ist einen desselben gerichtz zu zweyen maln zu jm nemen vnd jn demselben bau eigentlich besehen Gb schade daryn sye geschehen oder was zu uerkomen not sye befindet dan der einchen schaden So mag er eb es ein not ist von den andern nun man den merteil zu jm beruffen, die sollen Dann den schaden besehen vnd an die ende komen bedunckt sy dann das solichs penfellig 4 ^) oder rügbar wer Sollen sy by jren eider So sy hierum gesworen haben deßglich was sy sunst durch des jar erfunden hetten das da auch rugbar wer rügen, Nemlichen eins jeden jars vff sant marx tag zu offenburg vor den richtern so yede Herschafft vff den tag einen dartzu orden vnd schicken, der yedem dan von siner Herschafft beuelhen werden sol by sinem eide zu richten niemans zu lieb noch zu leid Sünder nach siner besten verstentnuß vnd wie das für jn gebracht wurdet on geuerde vnd was ouch alß dann von denselbigen richtern mit dem meren erkennt wurt dem sol aber on wytter vßzug vnd appellieren strachs nachkomen, ouch von yeder ebgemelten Herschafft die jren die also penfellich erkennt wurdent dartzu gehalten werden Das sy dem nachkomen vnd statt tugent on alle In rede Item es sol ouch ein yeder ebgenanter nun man siner herschafft achttag zuvor verkünden vff den vorgenante sant marx tag jerlich einen richter dartzu zu geben vnd gern?) offenburg zu schicken wie obstät verglich sollent sy ouch eim yeden der gerügt sol werden vff den vorgenenten sant marx tag jerlich ouch achttag zuvor verkünden vff den vorgenanten solicher rugung antwurt zu geben vnd dem zu leben wie vor gemelt ist So dick ouch ein nün man mit rede obgat oder dartzu vnnütz oder sunst abgesetzt wurde So sol alwegen jn monatz fryste dem nechsten von siner parthye jn die er gewant ist ein andrer wyder gesetzt werden Der dan ouch sweren sol als die andern vor jn gesworn haben. Item es sol ouch jn yedem ban lut geordenet werden zu den nun manen die vff die schaden sehent Vnd was rugbar ist denselbigen immer Rügen by Iren eiden Vnd sollen dan darnach die selben nün man schuldig sin solich rügungen den vorgenanten rügern für zu bringen vff den tag als obstat In allen obzeschriben artigkeln geuerde ünd arglist vßgesundert Vnd wan wüe ob genanten amptlüt anwelten vnd Rats- bottschaften dise ordenung vnd abredung wie obstät zuuer- kommen den merklichen großen landtschaden der dan der schütter vnd anderer bech^) halb zu beswerung gemeinen lands bitzher gedient hat Vnd als vollmechtig anwalt yeder von siner gnedigen Hren obern vnd frunde wegen, hinfür ewiglich zu halten vnd dem getreuwelich vnd ongenerlich nach zu kommen bejahet vnd vereint So haben wür obgenenten Bernhart vom Bach Ritter vnd Lgenolff Reder von wegen beiden vnser gnedigen Hren pfaltz vnd straßburg Hans Lspach von wegen der herschafft liechtenberg Hans Voltz 8 ) von wegen der herschafft lare Berchtolds blut von wegen der herschafft Geroltzegk Hans voltsch^) von wegen der statt Straßburg Hans Diener 4 ) schultheiß zu offenburg von der statt offenburg wegen Jorg Aranch 4 *) von der von ettenheim vnd aldorf wegen Jorg vom Bach von der von schopfheim wegen Vnd der selb Jorg vnd anbrecht wolff von der von schutterwald wegen Alle vnd yeder jn sonnder vnßer jnsigele 48 ) von vnser selb» vnd der obgenanten vnser gnediger hren vnd frunde wegen getzugknuß aller obgeschribner ding vffenlich getan henken an den brieff Der yeder parthyeN einr glich lutende geben ist vff Nentag nechst dem Sonntag Jubilate Als man mit nach gepurt Crifti viertzehenhundert Sybentzig vnd Acht Iare. 1) Das Original ist «ine Pergament-Urkunde, hat 34 cm Hohe und 65 cm Breite; eS ist noch sehr gut erhalten und befindet sich im Gemeindearchiv Schutterwald. Die hier erfolgte Reproduktion weicht von dem Originale insosem ab, als jene der besseren Uedersichtlichkeit wegen, im Eingänge den einzelnen Beteiligten je eine Ordnungszahl vorsetzt und somit die einzelnen Beteiligten getrennt darstellt, während das Original eine derartige Aufführung der Beteiligten nicht kennt. Das Original beginnt und lautet » ' . 1 . . . ■ 1 ■ in fortlaufendem Texte also: „WIR Rachbenempten Bernhart Vom Bach Ritter Vogt zu Orttenberg Egenols Roder Vogt In der pflege daselbe Von wegen beiden Unser gnedigen Hren der fürsten pfaltz Vnd Straßburg Hans Espach amptmann zu wildstett Von wegen der Hrschasst Lichtenberg Hans Voltz amptman zu lare Vnd Berchtoldens landschriber daselbs" usw. wie in der Reproduktion. Eine Copia dieser Urkunde besitzt auch die Stadt Offenburg. Diese nimmt in einem besonderen Bande, betitelt: „Verschiedene alte Urkunden", die Seiten 25 bis inklusive 35 ein und hat folgende Ueber- schrift: „Schütter Ordnung Welche Anno 1478 Von sämtlichen an dem Schütter Fluß angränzenden Herrschaften und Mitgenoffen unanimiter aufgerichtet und zu Jederzeit Von der Posterität observirt und nach gelebet werden solle, wie solgt Wir nachbenannte Bernhard Von Bach" usw. wie im hier reproduzierten Originale. Indessen weicht sie an manchen Stellen, zwar unbedeutend, vom Originale ab und schließt mit folgendem Beglaubigungsvermerk: fideliter decopirt zu seyn, Offenburg den 9ten Junij 1764 X- Canzley des Heyl: Rom: Reichs-Statt Offenburg". 2) Die „Voltz" wurden Ende des 15. Jahrhunderts geadelt. Der hier genannte „Johann" war der Sohn des Peter Voltz des jüngeren, 1436 Schultheis in Straßburg. Ein badischer Zweig des Geschlechtes erlosch im 16. Jahrhundert. (Kindler von Knobloch, das goldene Buch von Straßburg). 3) Die „Voeltsch" waren ein weit verbreitetes Geschlecht, das unter anderem auch Lehen vom Reiche und den Bischöfen von Straßburg hatte. Mit Hans Ludwig Voltsch von Stützheim, Oberstleutnant, Kämmerer und Jägermeister des Erzherzogs Leopold, der am 13. Mai 1622 vor Molsheim durch eine Stückkugel getödet und als letzter in der Pfarrkirche zu Dachstein mit Helm und Schild beigesetzt wurde, erlosch das Geschlecht im Mannesstamme. (Kindler von Knobloch, das goldene Buch von Straßburg). 4) Mener, Demus Conradi dicti Mener in der Kurdewangaffe in Straßburg 1323. Hans Mener, Schultheiß zu Offenburg wurde 1458 vom Bischof von Straßburg mit seinem Vetter Hans Ole, in Lehensgemeinschaft gesetzt. Bischof Ruprecht verlieh dem Hans Mener 1474 auch die Lehensfolge in weiblicher Deszendenz, und als dieser ohne männlichen Nachkommen verstorben war, wurden seine beiden Töchter Eva und Martha 1507 belehnt. Eva war damals Witwe des Altschultheißen Thädinger von Offenburg, lebte noch 1542, und Martha, Gattin des Henricus Meiger (Meier) armiger re- sidens in Berghaupten (vergleiche hierher auch Seite 134, Anmerkung 5). Das Sigel des Hans Mener, 1458, zeigt im Schilde einen gehenden Wols. (Kindler von Knobloch, das goldene Buch von Straßburg). 5) — zu vergangenen. 6) --- heute. 7) = gegen. 8) = Bäche. 9) — Rhein. 10) = Mahlberg, Amt Ettenheim. 11) = Weite. 12) = Grafschast. 13) — ansangt. 14) = oben an. 15) = Müllen, Amt Offenburg. 16) Vermutlich --- Rheinlache. 17) --- ausgehoben. 18) = geräumt. 19) = Ehren. 20) — angesangen. 21) = Alienheim, Amt Offenburg. 22) --- neun. 23) -- Mann. 24) --- befohlen. 25) = biß. 26) = Fuhrweg. 27) Mathiastag = 24. Februar. 28) -- Mai. 29) Michaelstag 29. September. 30) Katharinentag ---- 25. November. 31) =» neuen. 32) =* räumen. 33) = Läuterung. 34) — Weigerung. 35) pene — Strafe. 36) — Mühle (Mahlmühle). 37) — Hugsweier, Amt Lahr. 38) -- Schultern. 39) = Weg. 40) = Bau. 41) — Täter 42) = schwören. 43) Marxtag — 25. April. 44) ---- ehrbar. 45) == lassen. 46) = straffällig. 47) Die „Kranich" waren ein altes bürgerliches Geschlecht in Straßburg i/E.; ihm entstammte der hier genannte „Jörg", der Vogt zu Ettenheim war und auch der letzte seines Geschlechts gewesen sein dürfte. Wappen: in Gold ein silberner Kranich mit rothem Schnabel und Füßen. 48) Von sämtlichen 10 Siegeln die dieser Urkunde einst angehängt wurden, ist nicht einer mehr vorhanden. Pfarrer Emil Glattfelder, der im Alter von 74 Jahren in seiner Vaterstadt Offenbnrg starb, hätte es sich nicht träumen lassen, daß seine Beerdigung nochmal zu einem Konflikt zwischen kirchlicher und weltlicher Autorität führen würde. Seiner letzten Ehrung wohnte eine Anzahl katholischer Geistlichen an, und der Kirchenchor der Dreifaltigkeitskirche sang ein Grablied. Da eine polizeiliche Anmeldung des Singens unterlassen wurde, kam es zum polizeilichen Strafmandat, aber auch nachträglich zur Aufhebung der betreffenden Bestimmung im Ortsstatut durch einen einstimmigen Stadtratsbeschluß. Die Ehrung Glattfelders durch die Kurie ließ uns nicht vergessen, welche heftigen Angriffe der einstige Pfarrherr von Balg lange Zeit zu erdulden hatte, als der Kulturkampf der siebziger Jahre seinen hohen Stand erreichte. Emil Glattfelder gehörte zu jenen katholischen Geistlichen, die mit der badischen Regierung einig waren und deshalb „Staatspfarrer" genannt wurden. Dafür hat sie die Kurie diszipliniert; der Staat setzte sie auf die von ihm zu vergebenden Pfarreien und gewährte ihnen bei der Entbebung von der Pfarrei den Gehalt lebenslänglich weiter. Der Name Glattfelder stund im Vordergrund dieser Zerwürfnisse und die Methode, durch welche in der Gemeinde Balg gegen den Pfarrer zu seiner Beseitigung Stimmung gemacht worden ist, fand die Bezeichnung „Balgerei". Jn seinem letzten Lebensstadium, als die schwindende Kraft Glattfelders der Differenz überdrüssig war, söhnte sich Glattfelder mit der Kurie aus, tat Buße und durfte wieder die Messe lesen. Nach langwierigem Altersleiden starb er eines sanften Todes. Glattfelder war der Sohn der Näherin Babette Glattfelder; die Mutter hatte einen Stolz auf ihren Theologen, der von ihr im Geiste Mercy's erzogen war, und stund ihm auch während seiner Kämpfe ermutigend zur Seite. Die schönste Tugend dieses Pfarrers war seine Wohltätigkeit, die er aber nicht zur Schau trug. Ein ehrenvolles Andenken ist ihm gesichert. Für die Redaktion verantwortlich i. V. Frau Marie Geck. — Druck und Verlag von Adolf Geck, Offenburg. schtadt brocht un e paar hundert Märkli Platzgeld sinn au zahlt Ware. 'Wenn e Schtadt nitt uffmerksam un höflig isch, no kummt ball kai Fremder un kai Verein meh. Des will ich Euch bewiese. Basse uff! Vor e paar Sunntig henn e ganzi Heerd Radfahrer- Verein ihr Bezirksfescht hiü abghalte. Wiel's meischt Sozze gsien sinn, hett ne d' Schtadt nitt emol e paar Küwelpflanze geen, um d' Vieh hall g’ dekoriere, un in de Schtroße isch kai Fähnli g’ sehne gsien. Do sinn d' L o h r e r hittigstags pfiffiger, obwohl mr sie früeher hochmüetige Protze un Mangnate gschimpft hett. Dr letscht Sunntig isch e Turnerbezirksfescht $’ Lohr abghalte Ware, au lütter Sozze.. Awer do hett sich dr Lohrer Schtadtrat nitt lumpe losse. E ghöriger Geldzuschuß hett ’S Kumittee baar kriägt. Zuem Jwer- nachte henn sie schtädtische Lokal un d' schtädtische Jnquatierungsmatrazze gratis zuegwiese bekumme. 's Rothus un alli Schtroße sinn voller Fahne ghängt un Schtrützli henn si ns de Fenschter dene Turner zue- gworfe. Des hett dene viele hundert Sozzeturner gfalle un sie henn Lohr dnzedmol hoch läwe losse, un diä kumme Widder!" »Jo, jo", sait dr jung Krakehler zuem Alde, „do kinnen 'r e Bei- schbiel nemme. Wenn Fremdi kumme, Roti, Schwärzt odder Gäli, no ghöre si fediert, sunsch kummt kai Deisel meh uff Bobneburg I So isch's, ich Hab kai schwarzi Brill uff!" Dr Alt leert si Schoppe, sait nix un geht. Viel kann mr d' Lohrer nitt abschbicke, awer ich möcht Eich doch noch ebbs vun Lohr sage, was mr hiä noch mache kinnt. Alle Sunntig schbielt in zwei Gartewirtschafte (un, wenn's liädrig Wetter isch, im e große Saal) d' Milidärkappell, odder au d' Lohrer Schtadtmusik kunzertiärt, diä schiebt dr Milidärmusik nitt noch, 's Entree loscht nur zehn Pfennig. Des isch e probats Mittel, daß d' Lohrer am Sunntig nitt alli furtgehn un d' Schtadt leer schteht. So ebbs war au für Offeburg guet, daß d' Litt e Schbaziergang mache uff dr Kinzigdamm odder in d' Anlage un ihr Geld in dr Schtadt vrzehre, deswegen kann mr doch manchmal e „Bardie Bläsier" mache. Awer vor Allem sötte d' Bohneburger dran denke, ihr Geld meh in dr Schtadt z' losse; mr kriägt hiä Alles grad so guet wie ußwärts! So, des Hab i schu lang predige welle, un Du, Alderli, bisch so guet un bsorgsch mi Schriewes an d' rächt Adreß. Gustävli. lAwer's Milid ä r bliebt alt-lohrerisch un gitt — Milidärvrbott! DrAlt.) Liäwer Alder! Ich möcht Euch gern frage, ob Ihr mr nit Uskunft geen kinne, wiä mr sich z' vrhalte hett, daß mr lang lebt un gsund bliebt? Denn d' Offeburger Jsebähnler seie arg in Brlegeheit. In dr Jsebahnkantrir sinn vrschiedeni Empfehlunge an dr Wand anbrocht Ware. Uff einem heißt's: 's Armbruschter Exbortbiär soll nit so schtark sinn, daß es eim d' Gsundheit angrifft; hintedran hängt e Dafel vum Rothus (Schtaats- brauerei), un dr Schtaat will doch nur 's Guete fir d' Mensche un fir siene Untergeweni. Nochher sieht mr e Plakat, dert schteht e Mönch odder e Kappeziener druff mit eme Bierkrug un schoppt e Briäs unter d' Ras, uu sellt Geischtlichkeit will doch au nur, was Lieb un Seel schtärke un erhalte soll. Awer jetz kummts Schabeso, dert soll e Mann hundert Johr alt were, wenn 'r allewiel drvun trinkt. Awer, Alderli, i will Euch ebbis sage: was meiuener, wenn mr alles durchenander trinke dät, no kinnt mr so 200 Jährli z'sämme retzle, odder meinener, daß em Hammel si Limonad doch noch besser isch, als alles ander? Grueß un Batschhand Emil io. * * Es wurde, wie aus hierher gelangten Schriftstücken deutlich hervorgeht, an der Spielbank des Bohnenburger Hofs das ehrenrührige Gerücht verbreitet, der Stadtrat Emil sei nicht im Stande, eine« Bock zu schießen. Demgegenüber sei zur Steuer der Wahrheit gemeldet, daß der geschätzte Nimrod und Waldmeister zur Mittagsstunde eintras und an demselben Abend, mit einem 32>psündigen Großbock — nicht Großblock — belastet, zum Crholungs - heim der notleidenden Handwerker heimkehrte. Sofort war jede Not unter ihnen verschwunden und dankbar dem Offenburger Gastschützen erhoben sich am Freitag 40 gesättigte Personen von der gemeinsamen Tafel, an welcher der Rehbock, ohne eine Spur zurückzulassen, vertilgt worden ist, — trotz dem Fasttage. Das Geweih wird am Samstag und Sonntag als carpns delicti atr der Spielbank im Bohnenburger Hof vorgezeigt werden. Richtig ist allerdings, daß der Ratsherr Emil vor einiger Zeit sich in demselben Waldrevier bei Tag und Nacht wochenlang vergebens abmühte, den Bock zu erlegen.' Nunmehr steht die Ursache des Mißerfolges zweifellos fest: wer einen Bock schießen will, darf keine Gais (Weib) mit auf die Pirsch nehmen, sonst ist der Anstand umensunscht. Bad Sulzburg, am 2. August 1912. Das Bohnenburger kurbedürftige Kleeblatt: Adolf, Franz und Xaver. P. S. Das hier unter den Kurgästen zirkulierende und andachtsvoll gelesene Gedicht Gütle's handelt auch vom Bock und den Gaise«, betrifft aber nicht den obigen Fall. Es wurde der Raritätensammlung einverleibt, worin auch eine gewisse „Bees" photographisch verewigt ist. Dekanntmachung. Die Abräumung eines Teils des Friedhofs betr. Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß das zweite Feld auf dem Friedhofe links vom Haupteingang abgeräumt werden muß. Mit der Abräumung wird am 10. November ds. Js. begonnen werden. Bis zu diesem Zeitpunkt sind auf den Grabstätten befindliche Kreuze, Einfassungen und Pflanzen zu beseitigen, widrigenfalls die Beseitigung mit der Folge angeordnet werden müßte, daß über die zu entfernenden Gegenstände durch uns nach freiem Belieben Bestimmung getroffen werden wird. Wir bemerken ausdrücklich, daß die Abräumung sich nicht auf sogenannte Kaufgräber erstreckt. Offenburg, den 1. August 1012. 4403 Der Stadtrat: R.-P. Nr. 873. August Adrion. Miltner. Kernobst-Versteigerung. Die Stadtgemeinde läßt am Freitag, den 9. August, nachmittags 2 Uhr das Kernobsterträgnis von den Bäumen auf einem Teil ihrer Grundstücke öffentlich versteigern. Zusammenkunft in der Bohlsbacherstratze bei der Karlsburg und Fortsetzung alsdann um l /s4 Uhr beim Wasserreservoir und um 6 Uhr auf dem Exerzierplatz und am alten Ortenbergerweg. Offenburg, den 2. August 1012. Der Stadtrat: 4401 - August Adrion. Miltner. Erholungsort. Die hoch im Gebirg am Fuße der Moos gelegene in Durbach-Gebirg (Station Windschläg, 2 */ü Stunden von Offenburg) nimmt 'für die Sommerzeit Gäste in Pension. Waldungen in unmittelbarer Nähe. Ausflugspunkte: Spähneplatz, Moosturm, Brandeckturm, Schloß Staufenberg usw. in kurzer Zeit zu erreichen. — liiilcfylturen, forelkp, Für länger dauernden Famssless» ausenthalt stehen 3 einfache FremHm- zimmer mit 5 Betten und eingerichWpk Küche zur Verfügung. Der Besitzer 4370.0.6 Ii. Fies. VI/ VI/ VI/ V*/ VI/ VI/ VI/ VI/ Ujt % Habe mich zur Ausübung der * ärztlichen Praxis » hier, Wilhelmstrasse 19, II (Telephon Nr. 392) niedergelassen. Pr. med. August Gerner, 4405.3.1 Arzt. VI/ VI/ VI/ VI/ VI/ vv VI/ VI/ Die Bud)dru(kerei von Adolf Ge Man verlange Preislisten. Urningen 1912. Wir machen die Umlagepflichtigen darauf aufmerksam, daß mit dem Heutigen die Fälligkeit des zweiten Viertels der Umlagen eingetreten ist und ersuchen zur Vermeidung der Mahnung um gefl. baldige Berichtigung. Offenburg, den 1. August 1912. Stadtkaffeverrechnung. 4400 Bührer. Viehmarkt Offenburg Dienstag, den 6. August 191£. Städt. Museum für Natur- und Völkerkunde. Für das Publikum geöffnet: Jeden Mittwoch und Samstag Nachmittag von 2—4 Uhr, im Sommer bis 6 Uhr, sowie jeden Sonntag von 10—4 Uhr. — Eintritt frei. Bei Besuchen an anderen Tagen und Stunden — Eintritt 20 Pf. pro Person — wende man sich an den Diener. Wohnung: Spitalstraße 4, 2. Stock. 4391.0.3 SoziaiiMsi Pariei, Vereinigte feiern gemeinsam am Sonntag, 4. Aug., nachm?/s4 Uhr im Kopf-Garten — Kopf-Halle ein t Programm: Musik, Gesang, Festrede, Kinder- üelustigungen, Glücksrad und von 8 Uhr ab: Tanz. Eintritt 15 Pf. pro Person. Die Mitglieder nebst ihren Familienangehörigen, sowie Freunde unsrer Sache sind hierzu höflichst eingeladen. 4402 Das Festkomitee. Städt. Fraueobad (Fluß-, Licht- und Luftbaömit Douche) täglich geöffnet. 4343.0.10 Gbftnrarkt » Offenbnrg jedenDonnerstag von früh 6 Uhr an in und bei der Fruchthalle. Bekanntmachung. Die Sophienstiftung betr. Die Bewerberinnen um Aussteuergaben aus der Sophieustiftung werden hiermit aufgefordert, die Zeugnisse über ihre Beschäftigung und ihr Verhalten während des letzten Jahres (vom August 1911 ab) spätestens bis zum 20. k. Mts. hierher vorzulegen. Der Mangel eines solchen Zeugnisses würde die Zulassung zur Verlosung ohne weiteres ausschließen. Offenburg, den 23. Juli 1912. Der Stadtrat als Stiftungsbchörde: 4395.2,2 August Adrion. Miltner. Das Lebensalter des Menschen 100 Jahre! deshalb „Trinkt Chabeso“ denn der Mensch lebt nicht von dem, was er ißt, sondern von dem, was er verdaut. Preise für einzele Flaschen: 1 U Ltr. 10 Jj, l k Ltr. 15 Chabeso conc. jfC. 1 . 20 . Chabeso-Fabrik Job. Bau, Offenburg i. B. Telephon Nr. AI. 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