D t alt Vsfeburger. Belletristische und humoristische Chronik der Kreishauptstadt Gffenburg. »*. 639. Ausgabe vom 13. August 1911 Preis 10 Pf. ein „f)orrendu$ casus" zu ffltenhelm im 17. Ishrhunäett. Heute wollen wir in unserem Riedorte Altenheim Einkehr halten, das in den Urkunden zuerst 1289 als „villa Altheim“ vorkommt. Die Geschichte Altenheims hängt mit dem Schicksal der Herrschaften Geroldseck, Lahr-Mahlberg und Baden-Durlach zusammen. Schon 1290 ist ein Hugo von Altheim als Bürger zu Offenburg verzeichnet. In jener Zeit hatte auch das Kloster Gengenbach für einen Altenheimer Hof den päpstlichen Schutz. Im Jahre 1629 kam Altenheim an das Haus Nassau-Saarbrücken, welches dann seine Herrschaft an Baden-Durlach verpfändete. Wir erfahren aus der Inschrift einer zinnernen Abendmahlskanne, die im Pfarr- hause aufbewahrt wird, daß schwedische Dragoner anno 1649 dieses Geschenk beim Friedensschluß machten. Zehn Jahre später geschah in dem protestantischen Dorfe, was uns der Schutterwälder Chronist, Herr E. A. Seigel, in seiner Sammlung „Varia" folgendermaßen mitteilt: Selbstmord einer Schutterwälderin, begangen in dem Dorfe Altenheim am Rheins anno 1669. (Barbara Bürkle, eine geborene Schutterwälderin, Wittwe des Jakob Weiß gewesenen Bürgers und Schneiders zu Altenheim a/Rhein, erhängt sich allda und wird auf dem öffentlichen Schelmen-Waßen daselbst begraben. Diese Begebenheit berichtet uns das Altenheimer Kirchenbuch aus genanntem Jahre Seite 23h, indem es sie am Rande des Eintrages als: „Uorrsnclus Casus" (harrsträu- bender Lall) bezeichnet, durch folgenden Eintrag,^) den ich in seinem Mriginaltexte rviedergebe, er lautet: „Dienstags den 7. Hornung Anno Domini (660 hat Barbara Bircklin, Weiland Jacob Weißen sei. gewesenen Bürgers vnd Schneiders alhie, nachgelaßme Wittib, bürtig von Schutterwaldt, welche im Jar (6^5 alhero geheurathet, Sich auß Eingeben des Teufels, und lauterer Boßheit, in ihrem Heußlein. in die Küchen — gleich vor der Stubenthür neben dem Herde, an einem Drom mit einem Strick erhenckt vnd erwürget, Sie hat vnter ihr liegend gehabt ein klein Stülelein. Ist darauff am Akittwoch hernach aus befehl des Junckhern Amptmans zu Lohr, durch den Scharff-Richter von Lobr mit dem Henker Schwert der Strick am Drom abgeschnitten, vnd zu vor ein Sechsömig faß vnter sie gestellet, daß sie alß bald ins Laß gefallen, Augeschlagen, vnd im Hauß stehen blieben biß vff den Blontag den 13. Hornung. Kuff welchen taa der pfarrherr, Schultheiß, Heimburger, Jacob Reutter, Heinnrch Büttner, Eatharm Hirsterin als Hebam, Alaria Schwingin Thristine Weissin, Waria Kellerin, durch den Amptschreiber zu Lohr, verhöret, der fürstliche Marggräfliche Gberkeitliche Bescheid vorgelesen, Vndt endlich durch samptliche Berichts-Personen geschlossen vnd erkandt worden, daß der erhenckte Leib durch den Scharpff Richter auff den öffentlichen Schelmen Waßen so! geführt vnd begraben werden. Welches auch also bald geschehen vnd Voll zogen worden. Ist ein bößes Iänckisches Weiblein gewesen. Ihre Wutter ist zu Schutterwald beim galgen öffentlich Verbrandt worden. 4 ) Alan Hat sih auch für eine Hexin gehalten. Behüte der liebe Gott für einem solchen Tode." 9 Altenheim war ehemals und bis in das Jahr 1567 katholisch. In kirchlicher Beziehung gehörte es, wohl von jeher, zur Zeit der Reformationen als Teil des Kapitels Ettenheim, zum Bistum Straßburg im Elsaß. Sein letzter katholischer Pfarrer war Claudius Barnotti, er verzichtete 1567 auf die Pfarrei, als er sich nicht entschließen konnte, sich der augsburgischen Konfession, die in genanntem Jahre in der Herrschaft Lahr und Mahlbcrg eingeführt wurde, anzuschließen. Noch im gleichen Jahre kam nach ihm: Johannes Renft aus Straßburg als erster evangelischer Pfarrer nach Altenheim. a ) Schon Theobald Adam in Altenheim gedachte dieser Begebenheit in seinem Merkchen: „Aus des Dorfes Altenheim vergangenen Tagen" Seite 45. Er bemerkt dazu weiter: „Wir dürfen nicht glauben, daß dies Verfahren ein« willkürliche Handlung, oder nur in der Herrschaft Lahr gebräuchlich gewesen sei. Schon vor dem Jahre 1600 war es in Süddeutschland auf beiden Seiten des Rheines üblich, die Leichen der Selbstmörder im Faß eingeschlagen im Strome oder einem Nebenfluß zu versenken, oder solche wie hier auf den Wasen zu verbringen." 3 ) Gefertigt von Johann Heinrich Büttner, dieser von anno 1635 bis 1669 Pfarrer in Altenheim, er starb daselbst anno 1669. 4 ) Anno 1629 den 4. April wurde nach „Volk, Hexen in der Landvogtei Ortenau und Reichsstadt Offenburg", der, aus Seite 23 und ff. 102 in den Jahren 1557 bis 1630 incl. erfolgte Hinrichtungen von Hexen in der Landvogtei Ortenau verzeichnet, eine Barbara, Peter Brinklins Frau (woher ist nicht angegeben) mit noch 3 Genossinen zusammen wegen Hexerei durch das Schwert gerichtet und die Leichen verbrannt. Ich vermute, daß diese die Mutter des Unglücklichen, von der hier Selbstmord berichtet wird, ist. Der Familiennamen „Bürkle" wurde auch in der Form „Birklin" zu Papier gebracht; auch wird man für jene Zeit, die Möglichkeit eines etwa unter Mißverständnis sich zugetragenen Schreibfehlers, wie auch die der Identität wohl rundweg nicht in Abrede stellen können, zumal Zeit und Umstände „dafür sprechen". Der weiterhin noch verbleibenden Differenz, als: „Brinklin" und „Birklin" dürste eine Jmportanz kaum mehr beizulegen sein. Wir Offenburger haben keine Ursache, über den Hexenglauben unserer westlichen Nachbaren verächtlich zu sprechen. Vom Ende des 16. Jahrhunderts bis 1642 ist in Offenburg manches Opfer des Hexenwahnes der unter sich feindseligen Bürgerschaft auf dem Hexenstuhl verzeichnet werden. Diesen und die Folterkammer hat der Stadtbrand von 1689 ausgeglüht. Schülerinnen an den badischen Lehranstalten im letzten Jahrzehnt. Im Jahre 1900,01 besuchten die badischen Gymnasien 4386 Schüler, darunter nur 1 Mädchen; anno 1910 befanden sich 166 Schülerinnen unter 6215 Besuchern. Die Ziffern der Jahrgänge sind: 1. 16. 26. 36. 62. 79. 96. 117, 163, 166. Dazu noch 6 an einem Progymnasium 1907/08. In den Realgymnasien waren 1902/03 die ersten 13 Mädchen unter 1612 Besuchern, die Entwicklung ist folgende: 13. 23. 36. 46. 49. 78. 96. 122. Bei den Oberrealschulen begann der Besuch 1901/02 mit 3 Mädchen unter 3746 Schülern: 3, 5, 7, 19. 62. 91. 121, 156, 168. Die Realgymnasien erhielten 1906/06 die ersten weiblichen Gymnasiasten, zunächst 16 unter 622 Besuchern: 16, 14, 13. 68. 114, 102. Die Gesamtzahl der Schüler sank im letzten Jahre auf 629 gegen 944 im vorhergehenden. Ganz bedeutend ist der Schulbesuch der Mädchen an den Realschulen und Höheren Bürgerschulen mit Realgymnasium- oder Realschulplan. A. 7kursige Realschulen ab 1905/06 lBesuch 1100 bis 1400) 17. 31. 131. 106, 118. B. 6kursige Realschulen im ganzen Jahrzehnt bei einem Besuch von 2000 bis 3000 180. 218. 301, 369. 492, 597. 668. 636. 691. 738. C. Bürgerschulen (Besuch 100 bis 600) 1. mit Realgymnasium-Lehrplan: 9, 10, 8, 6, 2. „ Realschul-Lehrplan a) 5kursige: 97,142,112, 93.141, 66, 62. 35, 86.77, b) 4kursige: 76, 49, 50, 47, 46, 45, 43. 39, 39. 14. Für sämtliche obengenannten höheren Lehranstalten (nicht Hochschulen) erhalten wir im Jahrzehnt folgendes Bild: Knaben Mädchen 13 094 363 13781 438 14 634 515 15114 570 15 762 800 16084 924 16087 1 053 16121 1230 16 316 1440 16788 1496 Öffentliche höhere Lehranstalten für weibliche Jugend im Jahrzehnt: 2602, 2704, 2901, 3158, 3258, 3458. 4147, 4417, 4987, 5252. Darunter waren im volksschu/pflichtigen Alter 2009 im ersten, 3840 im letzten Jahre des Jahrzehntes. In den Volksschulen (1900 bis 1908) waren Mädchen: 135 719, 138 673, 140726, 143 802, 146924, 149 790, 162 439, 155 633. Die Zahl der Knaben betrug etwa 2000 bis 5000 mehr. * D'r alt Offeburger. Bürger! Henner's Widder glese im iengloffene Schrie- wes? Es solle halt Bäum eweg, wo Niäme im Weg sinn. Un drzue noch am Orteberger Schloß. Au em Baron Hirsch sinni Parkbäum derfe nitt in dr Himmel wagse, sunscht sieht mr vor lütter Laub kei Schimmel meh, wiä bekannt- lig dr Schloßdurn heißt. In dr Offeburger Villa Pfähler huuse sie jetzt im Parik wiä d' Vandale; es krampst sich eim 's Herz im Lieb, wemmer zueluegt, wiä einer um dr ander vun feile Prachtsschtämm unter dr Axt zsammesinkt, wo dr Heinrich doch alli wiä Kinder pflegt un gschont hett, daß es e heiliger Hain gilt! Wissener noch, wiä mr als unter em Welschnußbaum baßt henn. bis mr e paar so harti Kaiwe zuem Knacke vrwischt henn? Um 's Rummluege schteht vum ganze herrlige Pfählerpark kai Schtumpe meh; un au 's Heiners Schlößli vrschwindet. Vun alle Bäum bliebt em Pfähler numme noch einer, selli Trurwied. wo er im schteinerne Topf uff siem Grab vun schlaatswege gsetzt kriägt hett. Un sellere isch au schu 's Lewe vrdleidel. Sic transit gloria mundi, hett als dr Gages vum Gymenasi gsait; uff Dütsch: so mache halt d' Mensche uß Dummheit enanderno Alles kaputt! Hoffentlig rißt dr Baron Hirsch sinni Bäum nitt ruß Wege de Offeburiger, wo 's Schloß vun deheim im Nescht sehne welle, Wiel sie z' fuul sinn, e Schbaziärgang uff Orte- berig zue de Dinkili z' mache. Wemmer vum Kinzigdhal runterkummt, isch deß Schloß, dr Schtein vun Orteberg, e ganz prachtvolls Bild uff stnnere grüene Laubschtaffelei. Wenn dr Baron Hirsch Widder emol durch Offeburg fahrt, no keie mr e Brotescht gege d' Bäumabhackerei em Schloß- Herr ins Audemobil. Ja so! er fahrt jo in dr Schees mit zwei Rappe, dr Herr Baron. Vum Audemobil will er schient's nix meh wisse noch bittere Erfahrunge mit so eme Töfftöff. Dr Baron hett vorigsjohr au emol so e Schtaubwolke- Maschien angschafft, um in dr Hochschwarzwald z' fahre. Sie kummt vun Bariß un dr Schofför mueß im Zähringerhof z' Freiburg mit em neue Audo Vorfahre. Dert isch dr Baron Hirsch mit em Jsebahnzug vun Orteberg ankumme un nimmt vorsichtshalwer noch dr Dokder Sachs mit zue dere Probfahrt am Hirschschbrung vrbei uff dr Feldberg. Also z'erscht e guets Gawelfrüehschtück im Hodell un nochher em Hölledhal zue. aß de gallöppersch! Sell Barißer Fuehrwerk, wo ganz guet üwer d' Vogese gsurrt isch, wurd im Schwarzwald maßleidig; es kriägt französischi Rewaaschgedanke un dhuet mitte uff dr Schtrooß vum Dreisamdhal biem Hirschschbrung einfach nimmt mit. Do schteh i un kan nit anderscht. Es hilft kei guets un kei böses Wort, kei Schofför un ou kei — Dokler; kei Mensche- un kei Dhiärarzt bringt so emme bocksbeinige Audel dr Eigesinn uß em Lieb. Sie kehre dr Karre um, ob 'r villicht abwärts mit sich handle laßt. — Nix isch. — Ja, wenn sie nä gschowe hätte! Seller Hirsch, wo uff em Hirschschbrungfelse drowe schteht, daugt nix zuem Vorschbann; dr Baron Hirsch, dr Dokder Sachs un dr Schofför müeßte schun selwer 's Drei- gschbann markiäre. wenn 's Audemobil im nägschte Dorf en Unterkummes finde soll in ere Nothklinik. Jetzt isch gueter Rot dhier. Wo sie sich's üwerlege. waß z' machen wär, hört mr 's Knarre vum e Laschtwage. wo vun Diddisee runterfahrt; es isch dr viärschbännig Biär- wage vun's Ganter's Brauwcrei z' Freiburg. Der kinnt dr eigesinnig Franzos in's Schleppdau nemme. Also Benzin in Ruh! Dr König Gambrinus nimmt sich um dr Schloßbsitzer von Orteberg an un dr Rangordnung gmäß rucke die zwei Wäge alsgmach in drHaupt- schtadt vum Breisgau an. Langsam, awer sicher. Em Baron Hirsch vrgeht dr Gluschte am Audemobil. Er denkt an dr Gutscher uff em Schloß un telegraphiärt em: abholen um halwer Sexi am Bahnhof Offenburg. Awer dr Zug kummt schun um halwer Finfi an un dr Gutscher isch nitt am Bahnhof, Wiel er doch e Schtund Zitt hett, um bie siem Schatz z' bussiäre. Präzies halwer Sexi fahrt d' Schloßschees am Notbahnhof an. Es setzt Euch, obglich dr Gutscher 's Delegramm vorzeigt, e ghöriger Riffel ab an dem barönlige Blitzableiter für denne kridische Dag erschter Ordnung. Nitt emol. waß 'r schwarz uff wiß bsitzt, kann dr Johann gedroscht vorzeige. Dr Baron findet sinni Idee, daß dr Schloßgutscher kai Schatz Han derf, Widder emol für bschtädigt un sait em Johann: er duldet kai Verhältnis. No mache mr em halt en End, denkt dr Gutscher un hieratet im Winter sien Marieli, wo ins Weile Köchi gsien isch. Wo dr Baron Widder uß Bariß nach Orteberg kummt un hört, daß dr Johann e Frau hett. schickt er dr Gutscher mitte in sinne Flitterwoche furt, Wiel kein verhierateter Schtallmeischter im Schloß duldet wurd. Aß de gallöppersch! Offenburger Allerlei. Die Wasserversorgung. Der Stadtrat wendet ihr seine besondere Fürsorge zu. Nicht als ob die bestehende Einrichtung unzureichend wäre, den normalen Bevars an Wasser zu liefern, sondern weil bei der andauernden Hitze das Mah dessen, was zur Annehmlichkeit für den einzelnen in Anspruch genommen wird, gar leicht überschritten wird und deshalb die Gefahr besteht, daß im Fall eines Brandes nicht sosort das nötige Wasserquantum vorhanden ist. Es ist deshalb die Anordnung getroffen, daß die an die Wasserleitung angeschlossenen öffentlichen Brunnen stark verminderten Wasserabfluß erhalten, daß die Besprengung der Straßen mittels Gießwagens von vormittags 9 Uhr ab e i n g e st e l l t wird und daß die Springbrunnen von nachmittags 4 bis 8 Uhr aus das geringste Matz