v'r alt Gsfeburger. Zeitschrift der Heimatkunde für die Gffenburger in der Nähe und Ferne. Nr. 776. Ausgabe vom 29. März 1914. Preis 10 Pf. Offenburg und Umgebung im neuen Eisenbahn- bau-Voranschlag. Die Verbindungsbahn Offenburg-Windschläg-Legelshurst ist auf 4107 600 Mark Gesamtkosten veranschlagt. Es ist für die Zeit 1914/15 eine zweite Rate von 2 Millionen vorgesehen, so daß für künftig noch ein Rest von 1607 000 Mk. zur Verfügung bleibt. Nach '§ 6 des Voranschlags 1912/13 waren die Baukosten veranschlagt zu. 3 568 000 Mk. hierzu Erhöhung infolge neu hinzukommender Ausführungen. 362 700 „ zusammen 3 930 700 Mk. Hierzu 4'/a v. H. Verwaltungsaufwand rund .176 900 Mk. Gesamtaufwand 4107 600 Mk. Verwendung 1912/13 (Fortgangsnachweisung O.Z. 57).. . . 200 333 „ Kreditrest lt. Fortgangsnachweisung 1912/13 O.Z. 57 . 299 667 „ Summe 500 000 Mk. Aufgrund der Enteignungsverhandlungen und der eingehenderen Projektbearbeitung haben sich als weitere Herstellungen die Anlage eines. Haltepunktes für den Personenverkehr an der Verbindungsbahn bei Windschläg, die Erweiterung der Anlagen für die Einführung dieser Bahn in den Bahnhof Legelshurst, sowie die Beseitigung mehrerer Wegübergänge in Schienenhöhe als notwendig erwiesen.*) Auf der Station Windschläg soll der in der Schienenhöhe vorhandene Wegübergang beseitigt werden; dafür ist, nachdem schon 50 000 Mk. verwendet sind, eine letzte Teilforderung von 211300 Mk eingestellt. Für den Bahnhofumbau auf der Station Offenburg ist eine Nachtragsforderung von 235 000 Mk. geltend gemacht. Dazu bemerkt der Voranschlag: 1. Nach § 51 des Voranschlags für 1910/11 war der Gesamtaufwand einschließlich Verwaltungsaufwand veranschlagt zu 20109 800 Mk. Diese Mittel sind ausweislich der Fortgangsnachweisung 1912/13 bis Ende 1913 aufgebraucht und noch um 10031 Mk. überschritten worden. Zur Vollendung einiger Fertigstellungsarbeiten und zum Vollzug der Endabrechnungen werden einschließlich Nerwaltungsaufwand noch 80 000 Mk. erforderlich, die hier neu anverlangt werden. 2. Im nördlichen Teil des Verschubbahnhofs Offenburg erweist sich die Ausführung weiterer Gleise der An- und Abfahrtgruppen, die in dem Gesamtprojekt zwar schon vorgesehen, bisher aber zurückgestellt worden waren, im Jnteresie der leichteren Abwicklung des Betriebs, insbesondere auch im Hinblick auf die Einführung der Verbindungsbahn *) Das Enteignungsverfahren ist für die Gemarkung Windschläg durchgeführt; für die Gemarkung Appenweier, Sand und Legelshurst sind die Unterlagen für die Einleitung des Enteignungsverfahrens fertig, so daß im Frühjahr 1914 das gesamte Gelände im Besitze der Eisenbahnverwaltung sein kann. Im Enteignungsverfahren für die Gemarkung Windschläg wurde der Wunsch ausgesprochen, daß zur weiteren wirtschaftlichen Erschließung der Orte Durbach, Ebersweier und Windschläg, zur Hebung des zurückgegangenen Aus flugs Verkehrs und zur Ermöglichung neuer Arbeitsgelegenheiten, namentlich am Kehler Hafen und in Straßbnrg, an der Verbindungsbahn bei Windschläg an Stelle der früher vorgesehenen Blockstelle ein Haltepunkt für Personenverkehr errichtet werde. Nach der Eröffnung der Verbindungsbahn wird sich der jetzige llbergangsverkehr nach der Kehler Bahn in der Weise teilen, daß die Züge aus dem Oberland in Offenburg, und die aus dem Unterland wie seither in Appenweier Anschlüsse erhalten werden und umgekehrt, so daß also für die in Windschläg /Hauptbahn) zugehenden Reisenden die derzeitigen günstigen Anschlüsse in Appenweier nach Kehl—Straßbnrg verloren gehen, ohne daß in Offenburg solche für Züge vom Unterland nach Kehl—Straßburg über die Verbindungsbahn eingerichtet werden. Legelshurst —Offenburg in den Bahnhof Offenburg als erforderlich. Die Kosten hierfür betragen . . . 148 300 Mk. hierzu 4 Vs v. H. Verwaltungsaufwand . . 6 700 „ zusammen 155 000 Mk. Ziffer 1 und 2 zusammen. 235 000 Mk. Dieser Betrag zuzüglich der Ueberschreitung des Kredits bis Ende 1913 um 10 031 Mk., zusammen also im Betrag von 245 031 Mk., ergibt eine Ueberschreitung des ursprünglich angeforderten Gesamtaufwandes von 20109 800 Mk. UM 1,22 v. H. Für die Weiterführung der Renchtalbahn von Oppenau bis Griesbach, welche 2620000 Mk. kosten soll, ist die erste Rate von ^/sMillion angefordert. Für Vorarbeiten zur Beurteilung der Bauwürdigkeit einer Bahn Wolfach-Rippoldsau sind 10000 Mk. verlangt. Für den Ausbau des II. Geleises Gengenbach-Hausach ist der Betrag von 100 000 Mk. eingestellt. Aus Anlaß dieser Bauarbeiten ist noch ein Rechtsstreit anhängig, der voraussichtlich erst in dem Voranschlagszeitraum 1914/15 zur Entscheidung kommen wird. Da die Eisenbahnverwaltung sich für den Fall, daß sie den Rechtsstreit verliert, den Rückgriff auf den Bauunternehmer Vorbehalten hat, der ihr nach dem mit ihm ab- geschlosienen Vertrag schadenersatzpflichtig ist, so hat der Unternehmer die Endabrechnung noch nicht anerkannt. Von dem aus der letzten Bewilligung (§ 12 des Voranschlages für 1910/11) laut Fortgangsnachweisung 1912/13 verbliebenen, noch nicht übertragbaren Kreditrest in der Höhe von 106 513 Mk. werden daher . 100000 Mk. wieder angefordert. * D'r alt Offeburger. •V'-iS - Ä."; Bürger! Gschehn isch gschehn. odder: wer hett, der hett! So heißt's als an unserem Kaffeedisch biem Sexe- sechzig odder Därdili, wenn dr Kampf mit em Karteschbiel endlig emol zuem e Loch nutz geht. Un z' Bade-Bade biem Benassee an dr Schbielbank, wo mr als au numme zwische Schwarz un Rot d' Wahl ghett henn, isch vum Kruppje gsait wore: riänne — wa — blü! Un dr Schreiwer Karl selig, wenner de Bloser im Metzgerzweikampf rumglegt hett. isch immer vum Kampfplatz am Kaffeedisch zöge mit em Siegerruef: -fätt la schö, gommsa! Blewna! Jetzt sott mr emol Widder e zittlang uffhöre mit dr »HVahlkämpferei un denke: gschehn isch gschehn, odder: hett, wer hett! Alli beidi Bardeie, d' Roti un d' Schwärzt, sinn so glücklig gsien, e Siegesfier abz'halte, selli in dr Kopfhall un d' ändert in dr Unjon. Jedi Richdung het emol vr- schbielt un jedi emol gwunne. Also: satt la schö, gomsa! Vun denne Siegesbankettereie isch e Längs un e Breits in. de Ziddunge gschtande; awer mit keinere Silb liest mr ebbis vun sellere Wahlfeschtligkeit, wo am 4. Hornung, am Dag noch dr erschte Hauptwahl, em Kölsch z' Ehre vranschtaldel wore isch. Am Sunndig hett mr's e Hoflieferant in Schutterwald vrzehlt. Also, Lassen uff! Drei liwerali Schutterwälder welle hiä deß Ereignitz in gueter Zuevrsicht uff de Schtichwahlsieg zuem voruß würdig fiere un bschtelle bient Hoflieferant Nickel uff Sexi oweds e Hasebrote fix un ferdig, daß sie noch mit em Gottswälder V-Zügli um e halwer Siwenni rum heimgutschiäre kinne. Wo d' Schlegel un dr Ziämer mit de Dampferdepfel endlig uff dr Disch kumme, hört mr awer schun 's Gebimmel vum Aldemer Orientexpreß, un deß bedittet: aß 'r kallöppere! Awer solle sie dr Wahlfeschtfraas im Schtich losse? — Nix als e großer Henkelkoreb her un d' Kaßroll mit em Hasebrode un d' Blatt voll brägeldi Grummbiere in dr Koreb vrschtaut un drmit im Linksgallopp em Bähnli zue! Gitt's kai Schbeisewage im Bimmelbammelexpreß? Es sinn alli Kubee voll Reisendi, vum e Schamber sebaree kan also kai Red sien. Un alli Naselöcher fange nochenander an z' schnuppere, dr Schbautzig lauft alle Basseschiär in de Müler zsamme, wo d' Auge jetzt neugierig uff denne vrschlossene Henkelkoreb richde, als war ebbe gschmuggelder Kakduß drinne. Hätte selli vielt Zentrumsfreund, wo in dem Hasekubee mitgfahre sinn, dr Kölsch-Brode innewore, wär's villicht zuem e regelrechte bolidische Hasetriewe kumme. Jndesse awer haldet dr O-Zug schun im Pflumeland un seller Habaguck, wo dr Wahlfeschtessekoreb drvundragt, riäft denne gluschdige Gegner zue: „Pfui Haas'! im Pflueg wurd dr Brote vrdilgt un begösse!" Es isch e Glück gsien, daß sie dr Haas v o r dr Hauptwahl schun vrdheilt henn. Zue dr Niederlag hätt' dr Brote weniger guet gschmeckt. Un Wiel mr halt Widder vun de Wahle babble, sollener au erfahre, Bürger, wiä dr HerrLandschtand Köhler vum Zentrum in dr Kammer unseri Offeburger Landdagswahl kennzeichent hett. Es heißt in dr Ziddung üwer diä Red: „Unter Vorantritt eines verendeten Hundes hat der damalige fortschrittliche Kandidat mit Pistolen und Kakteen hantiert. (Unruhe und Zurufe links.)" Sodili! Jetz soll emol einer e Bild vun dere Hischdori mole un zuem e vrreckte Hund sage: Aß de kallöppersch! Offenburger Allerlei. Das „Offenburger Tageblatt" (Nr. 69) behauptet, es habe „Dr alt Offeburger" eine Beleidigungsklage gegen den Betriebsinspektor Hauser angekündigt. Das steht in unserem Artikel nicht. Wir wollten nur unser Bestreben mitteilen, durch Herrn Hauser direkt oder indirekt feststellen zu lassen, wie er sich zu der hier verbreiteten Aussage über seine persönliche Agitation in Diensträumen der Großh. Staatseisenbahn stellt. Da der frühere Landtagsabgeordnete Hauser es „unter seiner Würde hält", einem Mitglieds des Landtages auf eine dahingehende Anfrage zu antworten — wodurch der Großh. Betriebsinspektor Hauser sich vor der unparteiischen Oeffentlichkeit schon so charakterisierte, daß eine gerichtliche Kennzeichnung seines Verhaltens überflüssig erscheint — wurde nachher der Versuch gemacht, den Herrn Hauser auf eine andere Weise dazu zu bewegen, sein gütigst mittels der „Offenbg. Zeitung" in Aussicht gestelltes Dementi endlich zu geben. Innerhalb der letzten Woche erhielt der Großh. Betriebsinspektor in Lauda in eingeschriebenen Briefen je ein Exemplar zweier Tageszeitungen zugestellt, worin an ihn dieselbe Bitte um eine Aufklärung gerichtet wurde, wie wir sie im Hinweise darauf im „Alt Offeburger" wiederholten. Da diese beiden badischen Zeitungen nicht von ehemaligen Landtagskollegen des Herrn Hauser redigiert und verlegt sind, wird es der Großh. Betriebsbeamte in Lauda nicht „unter seiner Würde halten", die in Aussicht gestellte Dementierung zu geben. Andernfalls soll die Aufklärungsarbeit unermüdlich fortgesetzt werden. Im Gegensatz zum „Offenbg. Tageblatt" sind wir über den Grund, warum Herr H. den Antrag zum Bau einer mittleren Unterführung nicht stellte, ganz im Klaren. Herr H. ist ein so guter, treuer Kollege der Offenburger Betriebsbeamten. welche nach Hausers Versetzung - also ohne sein Mitwirken - • jenes für die kategorische Entscheidung maßgebende Gutachten abgaben, daß er nicht mit einer Brüskierung dieser Kollegen beginnen wollte; daher das kluge Zurückhalten. Nun konnte das Zentrum mit Schiller sagen: Der Mortimer starb uns sehr gelegen! Aus der II. Kammer des badischen Landtages. Die langwierige Verhandlung über die Landwirtschaft brachte den ersten Vorstoß gegen den Offenburger Abgeordneten Muser. Dieser sprach in der 45. Sitzung vom 11. März über die Kornzölle und verlas aus einer Broschüre des verstorbenen Zentrumsführers Peter Reichen- sperger („Die Gemeinschädlichkeit der in Aussicht stehenden Erhöhung des Getreidezolles" 1887.) die Stelle, worin dieser berühmte Reichstagsabgeordnete „den Effekt der Zollerhöhung auf eine Begünstigung der größeren Grundbesitzer unter Belastung aller anderen Bevölkerungsklassen hinauslaufen" läßt. Abg. Muser erwähnte noch Aussprüche der Zentrumsabg. v. Buol und Hug zugunsten einer Herabminderung der Getreidezölle. In der folgenden Sitzung (12. März) ging der Zentrumsabgeordnete Tierarzt Spang deshalb gegen den Abgeordneten Muser los. Was Reichensperger 1887 schrieb, meinte Herr Spang, brauche 1914 nicht mehr richtig zu sein; der Redner fällte im Anschluß daran das in unserer Zeitschrift schon erwähnte Urteil über die freisinnige Volkspartei: „Wir müssen es ablehnen, vom Abg. Muser darüber Belehrungen entgegenzunehmen, wir müssen dies ablehnen von einer Partei, die gerade in dieser ■ wichtigen Frage nichts anderes ist, als ein politischer Schwartenmagen. (Abg. Muser: Es ist doch traurig, wenn man hier so spricht.) Sie haben provoziert, ich nichtI (Abg. Muser: In dem Tone habe ich in meinem Leben noch nicht gesprochen, das bleibt Ihnen überlassen.)" Die Bezeichnung „Schwartenmagen" hat sich seither zu einem parlamentarischen Sprachschatz eingebürgert. Vertreten — was zuweilen vorkommt — Abgeordnete des Zentrums in einer Frage entgegengesetzte Meinungen, so ertönt unter Heiterkeit und Protest der Ruf: Schwartenmagen! So beispielsweise zuletzt am Donnerstag, wo der Abgeordnete Köhler gegen seinen Zentrumskollegen Dr. Ber- nauer wegen der Besetzung der Steuerkommissariate polemisierte. (Uber Muser's Antwort in nächster Nummer. Red.) Aus der Stadtratssitzung vom 19. März. Die Angebote auf die Schmiedearbeit beim Oberrealschulneubau sind vom Hochbauamt vorgelegt. Der Zuschlag wird der Schlosservereinigung erteilt. Laut Erlaß Gr. Ministeriums des Kultus und Unterrichts soll im laufenden Jahre eine Ausstellung weiblicher Handarbeiten in Offenburg veranstaltet werden, zu welcher auch die Gemeinden des Amtsbezirks Offenburg beizuziehen sind. Die Ausstellung wird von Ihrer Königl. Hoheit der Großherzogin besucht werden. Ein zweiter Bürgermeister in Sicht? Der Stadtrat beantragt, die Rechtsratsstelle in einen Bürgermeisterdienst umzuwandeln. cb. Der Berkehrsverein hielt Dienstag Abend eine Beratung im Ratbaussaale ab, wozu auch die Presse eingeladen war. Bekanntlich setzt sich der Verkehrsverein zusammen aus den Vorständen hiesiger großen Vereine. Unter den verschiedenen Anregungen, die zur Förderung und Hebung des Verkehrs dienen, war besonders der Vorschlag von Interesse, eine Wartehalle am Ausgang der südlichen Unterführung des Bahnhofs zu errichten. Dies könnte leicht dadurch geschehen, daß der dort bestehende Abort unterirdisch verlegt und das Häuschen zu einem Warteraum umgebaut wird. — In der Tat ist jener Abort ein widerwärtiger Angrenzer an das Trottoir. Geruchsund Gehörorgane der Passanten werden dort aufs unangenehmste belästigt. Einheimische Industrie im Kino. Die keramischen Fabriken von Zell-Harmersbach gewährten die Aufnahme ihrer Steingutfabrikation für den Film. In gut gelungenen Bildern, auf einem Film von 340 Pieter Länge, können wir die interessanten Werke der Firma Georg Schmider im Eldorado-Theater im Kaisersaal an uns vorüberziehen sehen. Kammermusik. Für intimere Konzerte braucht man sich hier keinen geeigneteren Saal zu wünschen, als den der „Neuen Pfalz". Hell, anheimelnd, vorzüglich akustisch und in den Raumverhältnissen für eine angepaßte Besucherzahl bestimmt. So wurden die ausübenden Künstler von einem vollbesetzten Hause begrüßt. Es lag eine förmliche Weihe über dem Saale. Das Straßburger Streichquartett der Herren Grcvcsmühl, Prins, Hilbert und Mawet, jeder als Meister seines Instrumentes bekannt, brachte das Mozart'sche „Jagdquartett" und das Beethoven'sche OmoU-Quartett mit vollendeter Technik, mit ungemein erhebender und erwärmender Innigkeit und Hingabe im Zusammenspiel zum Vortrag. Es war ein Genießen und Schwelgen in den klassischen Schönheiten unserer großen, unvergänglichen Meister.