vr alt Gsseburger. Zeitschrift der Heimatkunde für die Gffenburger in der Nähe und Ferne. Nr. 807. Ausgabe vom 1. November 1914. Preis 10 Pf. Allerseelen W4. In fremdem Land ein einsames Grab, Lin Areuz aus zwei dörrenden Zweigen, Lin zerschossener Helm auf zerbrochenem Stab — Und Sonne und Segen und Schweigen. hier hat die Heide in Feuer gedampft, In Hagel und Glut der Geschosse, hier war der Boden zerwühlt und zerstampft Vom hufschlag der stürmenden Rosse. hier setzte über den blutigen Sand Hans Mors, der grinsende Ritter, hier hob er drohend die knöcherne Hand, hier mähte der furchtbare Schnitter. Und wie die Heide rot lohend geflammt, Da hat er gen Himmel gesichtet: Jetzt ist sie verfehmt, jetzt ist sie verdammt, Jetzt Hab' ich ihr Leben vernichtet —! In fremdem Land ein einsames Grab — Lin Deutscher in flämmischer Lrden — Line Amsel singt leis auf zerbrochenem Stab, Und ein neues Blühen will werden. K. Rosner. „Heidengrab". (Arbeiter-Jugend.) Das Jubiläum eines Offenburger Kunftdenkmals. Der Lärm des Völkerkrieges hat unsere Aufmerksamkeit auch von der ortsgeschichtlichen Tatsache abgelenkt, daß der schöne gotische Tempelbau der evangelisch-protestantischen Gemeinde ein Jubilar geworden ist. In zahlreichen Erwähnungen belehrte der „Alt Offeburger" unsere Jugend über die Entwicklung der evangelischen Gemeinde in der ursprünglich durchaus katholischen Stadt Offenburg und über den Fortgang des Kirchenbaues auf der außerhalb der alten Reichsfreistätte gelegenen Markung, dem damals die Schuljugend ihre besondere Aufmerksamkeit bei den Steinhauerhütten schenkte. Der letzte Donnerstag des August 1864 ist ein denkwürdiger Tag unserer Stadtgeschichte; an jenem 25. August fand der Ab schied s gottesdienst der evangelischprotestantischen Gemeinde in der Gymnasiumskirche statt. Unter dem Dache des ehemaligen Kapuzinerklosters, welches beinahe einzig dem von den Franzosen gelegten Stadtbrande widerstanden hatte, hielten die beiden christlichen Konfessionen an den Sonntagen nach einander ihre Andachten ab; derselbe Altar über der Gruft der Mönche diente viele Jahre hindurch dem katholischen und dem protestantischen Pfarrer zur Kultushandlung, ohne als entweiht zu gelten. Der Kaplan betrat die Sakristei, welche der Vikar soeben verlassen hatte. So war es seit dem 7. November 1847, an welchem Tage der erste evangelische Gottesdienst stattgefunden hatte. Wiederholt erinnerten wir an diese konfessionelle Eintracht unter gemeinsamem Dache, wenn in dem 20. Jahrhundert ob des politischen Titanenkampfes um einen Reichs- oder Landtagssitz die Toleranz der beiden christlichen Konfessionen als eine unbekannte deutsche Tugend erscheinen wollte. mm Pfarrer Bähr, unser längst verstorbener, unvergeßlicher Mitbürger, hatte als damaliger Ortsgeistlicher die Ausstattung des neuen Tempels, wo- zn auch Katholiken reiche Gaben spendeten, geleitet. Sein Finanzenverwalter war Chr. Fäßler, Kaufmann dahier. Hofprediger M ü l l er von Donaueschingen, der erste evang.-protest. Geistliche der Offenburger Pfarrei, hatte sich zur Abschiedsfeier hier eingefunden und an die dicht gedrängte Versammlung am Vormittag herzerquickende Worte gerichtet. Nach ihm sprach Dekan Kern von Mahlberg, der früher öfters als Berater der hiesigen Gemeinde ein Gast in Offenburgs Mauern war, das Schlußgebet in der Gymnasiumskirche. Dann begann der Festzug zur feierlich geschmückten Kathedrale. Von dieser Festlichkeit soll später berichtet werden. Sie fiel in die politisch wichtige Zeit der Einführung des neuen Schulaufsichtsgesetzes und des bürgerlichen Aufgebotes. Damals schlugen die Wogen der liberalen Politik hoch- auf im badischen Lande und die Freiburger Kurie lag im Kampfe mit der badischen Regierung wegen ihrer Auffassung zur Bewertung des Verhältnisses zwischen Kirche und Schule. Dieser badische „Kulturkampf" war für die Offenburger kein Grund, das Fest der Kirchenweihe unserer Protestanten nicht als eine kommunale Sache zu betrachten. Um den Festgästen aus der Nähe und Ferne auch einen besonderen leiblichen Genuß zu verschaffen, verzapfte die M. Armbruster'sche Bierbrauerei am Weihetage „Mainzer Aktienbier", während im Salmen-Festsaale „feines Unterländerbier" angestochen ward. Und den poetisch angehauchten Ludwig Dill im Berner Oberland ergriff die Sehnsucht nach Offenburg, als er in seinem Festgruß dichtete: Da denk ich an mein Heimatland Und wie sie an der Kinzig Strand Jcht bald ein Kirchlein ba^en. Ihr Wölkchen mit dem goldneu Schein, Ihr schaut so lieb und rosig drein, Wollt ihr mir Flügel leihen? 6. Kriegsbilder aus Offenburg. „Ob sie wohl kommen mag, am Allerseelentag?" In Reihen ruhen draußen im Soltdatenbeet unseres Friedhofes die Opfer des Krieges. Freund und Feind vereint in ewigem Frieden. Von einigen ist die Grabesstätte denen unbekannt, die im Leben den braven Menschen liebten und ehrten, der in den schauervollen Krieg auszog. um nimmermehr zu den Seinen heimzukommen. Hier und dort schlummert ein Held, den wir alle im Leben liebgewonnen. Nun darf kein Grabeshügel lieblos ragen am Aller' seelentag, wo sonst die reiche Welt mit luxuriösem Uber' schwänge protzt. Man setzt auch denen sproßende Chrysanthemum-Blumen auf die Scholle ihrer kleinen Behausung, zu denen nicht Mutter oder Gattin, Braut oder Schwester mit einem Sträußlein duftender Reseden wallfahren können, auch mit heißen Tränen solche kalten Ehrenhügel zu benetzen. Unsere Stadt erfüllt diese Pflicht der Pietät im Namen ihrer Bewohner. Wer aber von uns noch ein Kränzlein übrig hat. das er nicht auf eine Ehrenstätte der Gefallenen in fernem, fremdem Lande niederlegen kann, trage die Immortelle auf die frischen kleinen Erdwälle, die zum Zeichen aufgeworfen sind, daß dort Menschen modern, denen wir alle Liebe, Ehre und Dank schulden in ferne Zeiten. Und heutzutage pflegen die Toten eine Auferstehung zu halten! Oberarzt vr. Lichtenberger von der gefangenen Sanitätskolonne lebt in Frankreich. Soeben dringt die frohe Botschaft aus der Rhonestadt Lyon über die Alpen: der totgesagte und vielbeweinte Karl Esfinger aus Offenburg lebt in französischer Gefangenschaft. Ein Brief von seiner Hand gibt seinen Eltern die beseeligende Gewißheit. Wir möchten ihm den „Alten" mit dem Nekrolog senden. Ebenso erfreulich ist es, daß sich das Gerücht vom Tode unseres Landsmannes Buck nicht bestätigte. Leider aber war die Fama vom Heldentode Anton Schneggen- burgers, des Einj.-Freiw. Gefreiten unseres Regimentes, nicht unbegründet; eine Mutter und zwei Brüder beklagen das jähe Ende dieses talentvollen Menschen, der sich in Mannheim als Musikschriftsteller niedergelassen hatte. Gleichzeitig mit ihm sank ins frühe Grab der Einj.-Freiw. Unteroffizier desselben Infanterie-Regiments 170 Alfred Naritz asch er. der Sohn unseres Mitbürgers und Lokomotivführers Naudascher. Ferner der vortreffliche Adolf Ernst, Gefreiter im Res.-Reg. 126, der, ein tüchtiger Werkmeister von Beruf, in Frankreich sein junges Leben ließ, während ein Bruder unter der Zahl der Verwundeten sich befindet. Der schwergeprüften Mutter. Schuhmacher-Witwe Ernst, den Geschwistern und der Braut möge auch hier die allgemeine Teilnahme einen lindernden Trost gewähren! Wie unglücklich ist die Familie Severin Spitzmüller in Oberschopfheim, die ihre beiden Söhne, den Landwehrmann Joseph, Reg. 110 und den Unteroffizier Franz, Reg. 170 zumal verloren hat. Der kath. Gesellenverein Offenburg gibt die Trauernachricht vom Heldentode seines Mitgliedes Joseph Lehmann kund. Der Windschläger Landwehrmann Franz Gießler, der im Offenburger Baugeschäft des Herrn A. Schitterer als Maurerpolier tätig war, gehört auch zu den Toten des Schlachtfeldes; ebenso Ph. Krecht- ler, Salmenwirtsohn aus Wolfach. Leutnant Reiter vom hiesigen Jnfanterie-Reg., ist so wird aus seiner Heimat hierherberichtet. seiner Verletzung erlegen. Walter Clauss, Regiment 240, ein Bruder des Herrn Fabrikanten Clauss hier, fiel in Belgien. Einem an sie gesandten Feldbrief entnimmt die „Offenb. Ztg." über den Tod vr. Gg. Link's, daß diesen Unterarzt des 3. Bataillons vom 112. Regiment in einem Gefecht mit französischen Alpenjägern und Engländern die Kugel von englischer Seite niederstreckte, als er eben einen Verwundeten verband. Unser braver Landsmann liegt bei Richebourg (Nordfrankreich) begraben. Sein Andenken in Ehren! Die Auszeichnung desEisernenKreuzes empfingen: Augenarzt vr. Klingelhöfer, z. Z. im hiesigen Garnisonsdienste; Vizefeldwebel Döring Jnf.-Reg. 170; Feldwebel Karl Friedrich Schweikert desselben Regiments; Haupt- man Fuisting, früher beim Jnf.-Reg. 170, Schwiegersohn des Herrn Fabrikanten Walter hier; Bildhauer Hermle hier, Res.-Jnf.-Reg. 110; Alfred Kappel er aus Baden-Baden, Einj.-Freiw. im Jnf.-Reg. 170; Rittmeister von Ortloff, früher im Jnf.-Reg. 170; Leutnant der Reserve, Amtmann Dorn er, ein Neffe des Landgerichtsdirektors Dorner hier; Vizefeldwebel Pape, früher im Jnf.- Reg. 170; Johann Muckenhirn, Sohn des Korbmachers Muckenhirn, Weierbach; Zimmermann K. Hoferer, Gefreiter im Jägerbat. No. 8, aus Ohlsbach; Vizefeldwebel Th. Siebert (Reg. 98) von Bohlsbach; Vizefeldwebel Krause und Musketier Loos von der 4. Kompagnie des Jnf.-Reg. 170; Offizierstellvertreter August Kauffmann, z. Z. Unterarzt im hiesigen Krankenhause; Leutnant Guido Mayer und Musketier Gißler im Reg. 170; die Rechtsanwälte Leonhard und Or. Rösch, die beide als Landwehroffiziere ins Feld gerückt sind; Eugen Hofmann vom Reg 114, ein Sohn des Schreinermeisters Hofmann hier; Leutnant Kistner vom Fuß.-Art.-Reg. 14, ein Sohn des Brauereidirektors Kistner hier, und Vizewachtmstr. Sch uster, ein Enkel des verstorbenen Fabrikanten Otto Vittali hier; Offizierstellvertreter Fritz Eisenlohr (Regimennt 111), ein Sohn unseres Landesgerichtspräsidenten Eisenlohr; Feldwebel DettWeiler, Sohn unseres Zugmeisters. Jnf.-Reg. 87; Vizefeldw. Kofler, Reg. 170. Oberbürgermeister Hermann begab sich für einige Tage nach Köln zum Besuche seines verwundeten Sohnes. Ein erheblicher Teil unserer uniformierten Gäste zog am 24. und 25. Oktober ins Feld. Es war eine Abteilung der Jäger — wir sahen die Kriegsfreiw. F. Hutzler, R. Sachs, Krieger, Nickles. Maier; sowie Nachschübler der 172 er und die hier zugegangenen Freiwilligen der Krankenträgerabteilung. Unter letzteren die Offenburger Professoren Meyer, Schott und Ullrich, die einstigen Schüler des hiesigen Gymnasiums, der Real- und Volksschule, Max Weber, Schimpf, Tritschler, Dell Geck, Walter Müller, Schadt, Engler, Artur Tischer, Rappel. Insgesamt etwa 1000 Mann Einquartierung weniger! An Stelle des in's Feld gezogenen Stabsarztes Or. Hildebrandt wird der Marine-General-Oberarzt vr. Huth (Badenweiler) Chefarzt unseres Reserve-Lazaretts. — Zum Leutnant befördert Adolf Beyle von hier. Die Sanitätler werden mit einer großen neuen Organisation am 5. November Karlsruhe verlassen. Ein Gruppenbild ist von Hofphotograph Grimm angefertigt. Glückliche Heimkehr! __ * D'r alt Offeburger. AM* Bürger! Waß halt emol z' witt in d' Längi zöge wurd, mueß eim z'letscht vrtleide. So geht's allewiel de Offeburiger mit dr Jnquadiärung. Einer vun minne Schuelkamerade, wo mit Unsereim gschbielt hett un denne Kriägsschrecke noch er- lewe mueß, sait am Frittig zue mr: horich, Alderli. i möcht anfangs liäwer mit em Battianibebb unsere Maidli am Bahnhof helfe, mit em Fritschi biem Zwetschgedörre dhädig odder de Bumbje