v'r alt Gsseburger. Zeitschrift der Heimatkunde für die Gffenburger in der Nähe und jerne. Nr. 809. Ausgabe vom 15. November 1014. Preis 10 Pf. Kriegsbilder aus Offenburg. „Am Elften des Elften um elf Uhr_elf!" Diese stereotype Losung Bohnenburgs blieb diesmal unbeachtet. Der Gott des Krieges zerstört das närrische Weistum des Prinzen Carneval, die wachsende Trauer über die kranken und toten Landeskinder gewahrt dem Gedapken an die Vorbereitung der karnevalistischen Flitterwochen keinen Raum. Zur kalendermäßigen Minute trafen sich nur drei Exminister des Prinzen gewohnheitsgemäß an der narrenamtlichen Stätte, drei Zivilisten aus dem Lebensalter, das keinem Kriegsdienst mehr unterworfen ist. Ob wohl — so wagte Jemand zu fragen — jene echten Offenburger Vasallen des Prinzen mit der schellenklirrenden Krone am 11. November, welche zur Stunde auf fremder Erde dem blutigen Kriegswerke obliegen, an die Frist des Termins denken, der die Häupter des prinzlichen Elferrates zur Gestellung ladet? Es ist so. Eine Feldpostkarte aus Cambray in Nordfrankreich, geschrieben am 6. November, war am Elften des Elften als Lebenszeichen der fortgezogenen Faschingsfreunde angekommen : Für eine etwaige Sitzung am 11. XI. 11. 11. den K-Freunden die besten Grütze mit der Devise: Humor ist der Schwimmgürtel durchs Leben! Gg. Schäfer. Ahnungsloser Vaterlandsverteidiger und im Kulturzustande seines Zeichens humorvoller Hofschuster aus Bohnenburg! Es ist ein Freund und Talismann, der dich ins Blutfeld begleitet, solch ein von den Vätern Altoffenburgs ererbter Humor! Wenn diese Beiden sich Treue wahren, kehrt sichs wieder fröhlich heim in die alte Faschingsstadt als Sieger. Nachher soll er wieder in seine Elferrechte eingesetzt werden. * Ein unentdecktes Verbrechen bleibt immer noch jenes Dynamitattentat auf das Geleise der Schwarz Wald- bahn, welches vor einem Vierteljahre geschehen ist. Es war eine Helle Vollmondnacht des August. Die Eisenbahnen schleppten fortan Militärzüge auf und ab; bis in die späte Nacht war diesem seltenen Schauspiele die Aufmerksamkeit der Offenburger zugewandt. Um halb elf Uhr. als eben die glänzende Mondscheibe über tem Bühlerstein erschien. , erdröhnte ein erschreckender Knall von Ortenberg her. Es ' war ein Sprengschuß. meinten unsere Soldaten, die aus dem Essener Bergwerkrevier herbeigerufene Gäste waren. Die sofort folgenden Flintenschüsse der Bahnwache, die beim Wärterhause zwischen hier und Ortenberg (Bruchgasse) eingesetzt war. bestätigten die Vermutung, daß es sich um einen feindlichen Anschlag handelte. Eine Dynamitpatrone war nördlich des Wärterhauses unter eine Schiene gelegt und mittels einer Zündschnur zur Explosion gebracht. Das zerstörte Geleise ist sofort wieder in Ordnung gekommen; die Militärtransporte erfuhren keine Hemmung. Später wurde bei einer Gerichtsverhandlung in Basel der Agent Adolf Reißer mit Gefängnis bestraft, weil er mittels Dynamit eine Zerstörung der Waldshuter Eisenbahnbrücke beabsichtigte. Die Offenburger Staatsanwaltschaft versuchte nun. durch Einvernehmen dieses Reißer festzustellen, ob ein Zusammenhang mit dem Attentat auf die Schwarzwaldbahn bestehe. Es blieb ohne Resultat. — Lange Zeit nach der hiesigen Explosion ist das Geleise nach dem Schwarzwalde einer sehr strengen Bewachung unterworfen worden. * * Die Opferzahl des Schlachtfeldes steigt grauenhaft. Unter den neuesten Todesnachrichten greift uns eine besonders schmerzhaft an, weil wiederum die Dulderfamilie Konprecht-Hartlapp ein Stück ihres Familienglücks, den 22- jährigen WilliKonprecht, für's Vaterland opferte, einen trefflichen Soldaten unseres 170. Infanterie-Regiments. Ein Verwandter dieser Familie, der 19jährige Maihold Zenker (Karlsruhe) liegt als verwundeter Grenadier im Würzburger Lazarett, woselbst auch ein Sohn der so schwer heimgesuchten Frau Schuhmacher Ernst von schwerer Verletzung genesen soll. Ein anderes Todesopfer aus der Zahl der Offenburger Söhne ist Unteroffizier Alb. Müller (Reserve- Regt. 170) ein Sohn des verstorbenen Baumwarts Müller hier, gefallen am 81. Oktober in Frankreich. — Bautechniker Sig. Hansmann von.Schutterwald (Reserve-Regt. 3), gefallen, 30 Jahre alt, sowie der 35jährige Heinrich Huber, Herrenmüller in Durbach (Jnfant.-Regt. 111) sind bekannte Namen aus Offenburgs Umgebung. Das.Eiserne Kreuz erhielt Landwehrmann Laubis, bei Herrn Fahrradhändler Franz Meier hier; ferner der Wachtmeister Gustav Schatz, Sohn des Lokomotivführers Florian Schatz hier, (Feld-Art.-Regt. 76); Leutnant Fritz Klip fei im Landwehrregiment 109, Sohn des Lokomotivführers a. D. Georg Klipfel hier,; Unteroffizier E. Haffner (Jnfant.-Regt. 240) früher beim Bezirkskommando Donau- eschingen, der zum Offizierstellvertreter ernannt wurde; Vizefeldwebel Walter Bittler (Inf-Regt. 99), der Schwiegersohn des Bäckermeisters Wilh Nerlinger hier; Einj.-Unter- offizier im Jnf.-Regt 170, August Wöhrle, Sohn des MonteursWöhrle hier; Vizefeldwebel Brande! Geck (Jnf.- Regt. 116, Gießen), der Sohn des Abg. Adolf Geck hier, der bereits in den Augustkämpfen verwundet worden war und seit Anfang Oktober wieder im Felde ist; er wurde zum Offizierstellvertreter vorgeschlagen; Leutnant d. R. Fritz Hund (Feld.-Art.-Regt. 66), ein Sohn der Brauereibesitzerin Berta Hund Ww. hier; Offizierstellvertreter Vizewachtmeister Eug. Bau (Feld-Art.-Regt. 52) Sohn des Herrn Weinhändlers Bau von hier. * * * Alles fließt, sagt der Philosoph Heraklit. Unsere Garnison wechselte in der letzten Woche ihr Bild. Neue Eisenbahntransporte mit felddienstbereiten Soldaten, die mit ihren Kriegsliedern uns begrüßen, rollen vorbei. Von den ! schmucken Jägern mußten viele Abschied nehmen, die jungen Ersatzmannschaften der beiden Infanterie-Regimenter 170 und 172 haben ihre feldgrauen Abordnungen zum Tore hinaus ziehen lassen; viele Söhne der Stadt Offenburg befinden sich darunter, neue Familien kommen in Sorge, täglich auf ein Lebeszeichen aus dem Felde warten zu müssen. Und die Lücken füllen sich hier immer wieder; die kommende Woche bringt uns 500 neue Rekruten zur Ausbildung. Im Lazarett find neue Opfer des Schlachtfeldes angesagt, darunter auch Franzosen. Unter den ins Feld eingezogenen Offenburgern erblickten wir die beiden Söhne des Rechtsanwaltes Veit, die sich als Freiwillige stellten, Viktor Castell, Josef Wolf, Otto Schneider. Nos, Braun; die Namen der übrigen sollen noch erwähnt werden. Es wird aus dem Schlachtfelde berichtet, daß der vor etwa zwei Wochen ausgezogene Offenburger Nachschub schon mit Bravour gekämpft hat. * * * Ein Transport Erlöster, meistens süddeutscher Frauen und Mädchen, welche in Frankreich gefangen waren, ist heute vormittag auf dem hiesigen Bahnhof über Singen aus der Schweiz eingetroffen. Die Klugen dieser bisher gequälten Deutschen verstummten, als ihnen durch die Freiheit auch die Wahrheit zugänglich wurde; welche frohe Enttäuschung, das Vaterland nicht vomFeinde betreten zu sehen! * D'r alt Offeburger. ///-- > r, mm A>2 Bürger! Allewiel singe d' Soldate dheilbott au noch Voliksliäder vum alde Schrot und Korn. „Als ich zur Fahne fortgemüßt, hat sie so herzlich mich geküßt." Wo sie unlängscht singe, „Drum sag' ich's nocheinmal, schön sein's die Jugendjahr!"-no packt's mi doch ä weng am Herz. Wiä scheen henn mir's in unserer Jugendzitt triewe, wo d' Buewe als noch anderi Freiheite kennt henn als hiitigsdags. Es were jetzt unsere Kinder d' Hand und Gosche bunde, wenn sie uff dr Schtrooß schbiele. Im „Orden au er" isch 's neuscht Gejomer üwer unseri Buewe gschtande: Eingesandt. Die KnabenOffenbirrgs haben eine für die Betroffenen sehr üble Angewohnheit. Sie besprechen in sehr lauter Weise die Gradabzeichen der vorübergehenden Offiziere, Beamten und Unteroffiziere. Eltern und Lehrer würden sich ein Verdienst erwerben, wenn sie die Knaben auf das Ungehörige dieser Belästigung der Herren aufmerksam machten. Lliles. Sitter mr jetzt d' neumodisch Jugendwehr henn, in- deressiäre sich d' Buewe, wo emol derardigi Soldatesetzli were welle, halt für d' Scharsche vum Feldwebel uff- un abwärts. Wenn deß vum Herr Miles — waß glauwi feld- diänschtdaugliger Soldat heißt — als Beläschdigung uffgfaßt wurd, no gitt's allewiel e guedi Abhilf: mr loßt sich in d' Front versetze, wo's viel unbeläschdigter un gmüetliger hergeht als hiä. Denn in de Schützegräwe were Persone unter fuffzehn Johr nitt duldet — mit wenige Ußnahme. Unseri Buewe un Maidli vertriewe sich jetzt z' Zitt mit em Dresche vun deDanzknepf uff de Trottwar, Wiel mr nä's vrüwelt, daß sie sich für d' Knepf un Dresse dr scharschierde Soldate indressiäre. Obglich selli Angwohnet viel Schtaub uffwirwelt un viel dreckigi un ungsundi Sache in d' Nase un Müler fliäge loßt, wurd's nit als Beläschdigung empfunde. Vor fuffzig Johre, wo dr Eugen Köpf in dr Volksschuel unseri Jugend uffzoge hett, isch de Danz- kneps dr Kriäg erklärt wore. Do heißt's: d' Hosesäck umgekehrt, un gsammelt, was rußkeit! Ganzi Körb voll Danz- knepf fliäge in dr Schuelofe. wo drvon glüehnig waren isch un elend gschbaut hett. „Gehn uff d' Schtegermatt, in's Wolfe-Loch oder an dr Jserne-Kähner un schbiele Soldätlis!" Anderi Zitte, anderi Sitte! Im Owerlehrer Köhler selig sien Enkel, wo hiä Pro- fester am Gymnasi isch, ghört au zue unserem Offeburiger Kuntigent vun de Vatterlandsverdeidiger. Wo sellem sinni Abdheilung sür's Feld iendrillt waren isch, schaut Unsereiner Vielmol zue für baßledan, wemer noch ä so sage derf. Seller Feldwewel, wo d'miliderisch Jnschtruktsjon ußgüebt hett, vrkehrt mit sinne freiwillige Rekrutte, wadrunter etligi glehrti Häupter schtecke, im alde Kasernehofton uß dr Friedenszitt, als wär r dr Menascherie-Direkter im Elisium vun dr Arch Noah. Un d' Offeburiger Jugend, wo noch d' Ferjä gnosse hett, schteht jedesmal drbie un gitt Lach- salwe ab, wenn Widder emol so ä Tideladur üwer d' Herre Professer gfallen isch. E bsunders Vrgnüege macht dem Krottewar seller Anblick, wo einer vun selle Offeburiger Herre Rekrutte vum Feldwewel e Kritzer un e Ziäg-am- Riäme bekummt mit em Befehl, im e Kauflade für nä d' Büx voll Schnupfdewack z' hole. Aß de kallöppersch! riäft so e malesizischer Sexdaner. Ich hätt em gern e Watsch glanzt uu sag: warde numme, ihr Luser, ich sag's em Feldwewel, no weren 'r zue de Franzose in d' Exeziärhall gschberrt!-„Waß frage mir noch sellem Feldwewel, mit sellem kriäge mir kai Aerwet meh!" So ludett d' frech Antwort. E Woch druff bschau ich mr Widder dr Fortschritt vun minne Bohneburger Liäblingsrekrutte. Es fallt mr uff, daß en anderer Jnschtrukter drbie schteht. Und d' Buewe fange glich an z' föpple: „Gelle Sie. seller alt Feldwewel isch nimmi do?" — Un do underhalte sich selli Bürschli no — wiä 's im Jngsand vom Ordenauer bKlagt wurd — üwer d' miliderischi Scharsche: Sell wär üwerhaupt kai Feldwewel gsien; er häb sich, wiä z' Berlin dr Hauptmann vun Köppenik, unter falscher Vorschpiägelung als Rekrutte-Jn- schtrukter freiwillig gmeldet, um emol denne Herre Professer, Kauflitt ezettra, wo als Kriägsfreiwilligi ientrette sinn, un- gschtrooft sinni Mainung z' sage. Awer nitt lang sei 's gange, no häb dr Feldwewel-Schwindel e Loch kriägt un noch ere Visitt ohne Borde und Sewel biem Vatter Philipp häb 's gheiße: Aß de kallöppersch! D' «eef. t m Uff em Weg zuem Wochemärk isch mr letschthin ebbis Sunderbars begegent, Littli! Es wär mr fascht e broteni Duub ins Muul gfloge, Wenns nit e anders Vögili gsien wär. Daß ich d' Raffel grad Wagewitt uffschperr, hängt mit em Laufschritt z'samme; z' schbeet uß em Bett un uff- gregt vun dr Angscht, dr Butter kinnt schun aller verkauft sien, gehts im Aschtma-Tempo vor zuem Erdepfelmann. Vor Schnupfe halwer verschtickt, schnuuf ich dr Newell durch dr zahnlos Fuettergang in d' Luftröhr. Bums — do leiht mr e Brocke uff dr Zung! — Pfudschinder, e Schwowekäfer! Kai lewiger, e vrtrettener. Vor Uewelkeit kriägt mr fascht en Ohnmacht. Awer so viel Geischdesgegewart bhalt i noch, um noch z' luege. woher seller dot schwarz Vogel gfloge kumme isch. Uewer mir, in dr Belledasch vun ere Beamtewohnung, schüttelt 's Zimmermaidli grad e großer Fueßdeppig vum e Gaisefell üwer d' Häupder vom Bublikum uß, wo uff dr Märk geht. Bie denne dhiere Märkpriese kumme d' gueti Sache umesunscht von owe alle Litt recht, schient des Jungferli denkt z' Han. Un wo mr anfangs geht un schteht, winke d' Diänschtmaidli de Soldate morges zue de Fenschter ruß mit Bettvorlage, Bodedeppig, Abwischlumpe, Fedrewisch un Deß un Sell. 's Milideer dhuets nitt vrbiäte, d' Bollizei siehts nitt, Wiel mer kamt meh henn.