vr alt Gsseburger. Zeitschrift der Heimatkunde für die Gffenburger in der Nähe und Ferne. Rr. 856. Ausgabe vom 10. Oktober 1015. Preis 10 Pf. De« Achter des Karloffelliedes stellen wir heute den Offenburgern im Bilde vor. Es ist die Karl Winter'sche Universitätsbuchhandlung in Heidelberg, die uns gütigst erlaubte, den ehrwürdigen schwäbischen Sänger Samuel Friedrich Saut er unserem Leserkreise näher zu bringen und seinen unvergeßlichen Poesiegaben neue Freunde zu gewinnen.*) Die Zeichnung entspricht dem Titelbilde der Gesamtausgabe der Sauter'schen Gedichte vom Jahre 1845. _ Im Bilde kennzeichnet sich der Typus eines alt- schwäbischen, gemütlichen Dorfschulmeisters, voller Seelengüte und nicht ohne ein Selbstbewußtsein der Dichtergnade. Weit über seinen badischen Geburtsort Flehingen kam Sauter nicht hinaus; das nahe Zaisenhausen wurde ihm zur zweiten Heimat. In Breiten sah er Großstadtleben und dem Postwagen, der nach Durlach und Karlsruhe fuhr, schaute der Dorfpoet und Jugendpräzeptor immer sehnsüchtig nach. In diesem engen Horizont war Sauter ein scharfer Beobachter; es entging seinem Dichterauge keine Episode und kein ästhetisches Bild, das ihn zur Wiedergabe seiner Seelenempfindung in Reimzeilen nicht veranlaßt hätte. Und der Schwabe Schubart, bei dem Sauter auch Versanlehen machte, war ihm dabei vorbildlich; zu den wenigen meisterschastlichen Dichtungen Sauters, die aus der großen Menge seiner Schöpfungen hervorragen, zählt sein „Wachtelschlag". Es ist dabei wohl ein wenig bei „Des Knaben Wunderhorn" geborgt; aber Beethoven hat Sauter's Lied zu seiner Komposition gewählt. Das entzückte den Lehrer, dessen populärstes Lied aber „Das Dorfschulmeisterlein" wurde. Daß ein Dorfschulmeisterlein, bei dem in jener Zeit stets der Speisezettel sehr knappen Textes war. sich seine Hauptmahlzeit zur poetischen Verherrlichung wählte, versteht jeder. Es ist vom Kartoffellied zuerst eine Veröffentlichung des gekürzten Textes im „Rastatter Hinkenden Boten" (1812) erschienen. Daraus wird der Abdruck im „Ortenauer Boten" zu uns gekommen sein. *) SamuelFriedrich Sauter. Ausgewählte Gedichte. Eingeleitet und herausgegeben von Eugen Kilian. Mit zwei Bildern. Heidelberg. C. Winters Universitätsbuchhandlung 1902. Preis M. 1.20. Neue Strophen zum Kartoffellied verbreiteten sich im vorigen Jahrhundert unter dem deutschen Volke; z. B.: Pasteten hin, Pasteten her, Was kümmern uns Pasteten? Die Schüssel hier ist auch nicht leer Und schmeckt so gut als aus dem Meer Die Austern und Lampreten. In unserer Zeitschrift wurde diese Strophe nebst einer anderen schon einmal erwähnt; sie ist von der „Didaskalia" im Jahre 1910 dem „Wandsbecker Boten" entnommen worden. In der Beilage zur Nr. 75 „D'r alt Offeburger" ist auch ein Drake-Lied abgedruckt, das im hiesigen Vinzentiushause von einem Pfründner des Namens Rübsamen verfertigt wurde. Mögen diese Zeilen die Befriedigung geben, den originellen, erfrischenden Musenkindern des badischen Schwaben in unserem Leserkreise neue Verehrer gewonnen zu haben. Die „Neujahrsblätter der Bad. Histor. Kommission" mit der Auslese sind sehr billig zu beschaffen. In dieser sorgfältigen Auswahl finden wir köstliche Proben des schwäbischen Humors, wie er in Dialektgedichten (Krämermichel) enthalten ist, und der schönen Volkslieder (Wachtelschlag). Vieles davon lebt in unserm Volke weiter, ohne daß man sich des Dichters bewußt ist. Ernste Stunden. (Nach dem Bericht eines Offenburgers in Flandern.) Nach anstrengendem Schanzen und ermüdenden Befestigungsarbeiten zwängten wir uns am späten Abend durch die engen Laufgräben zurück nach der stark ausgebauten Grabenstellung, wo wir für drei Tage als Divisions-Reserve liegen sollten. — Jetzt nichts wie rein in den so gut wie bombensicheren Unterstand und runter mit dem schmutzigen Schuhzeug, den schlammgetränkten Socken! Wie soll uns diese Nacht bezahlen für all den Schweiß des Tages! — Nur ab und zu unterbrach den apathischen Schlaf der dröhnende Knall eines Geschoßeinschlags oder der Fußtritt eines Kameraden, der auf diese Art seine heroischen Träume freundschaftlich mit mir teilte. Aus dem tiefsten Morgenschlaf riß uns ein furchtbares, vulkanisches Krachen einer geradezu dämonischen Explosion, die „irgendwo da vorne" vor sich gegangen sein mußte. Noch hatte sich dieser Vorgang kaum ins Bewußtsein gesetzt, als ein rasendes Trommelfeuer aller Kaliber einsetzte. „Alarm — Alarm! Sofort fertigmachen! — Die Engländer haben einen Graben der . . .er gesprengt!" Wie flogen da die „Brocken" im Unterstand, wie rasch schlupften wir in die schmutzigen Stiefel, schwang sich Tornister oder Rucksack auf den müden Rücken! „Der erste und zweite Zug sofort in die vordere Linie, der dritte langsam folgen!" So hatten wir wenigstens noch einige Minuten Zeit, uns zu sammeln und gruppenweise zusammenzufinden. Dann gings im Laufschritt durch sumpfiges Waldge- lände, nasse Wiesen, über Granatlöcher und Baumstämme weg ausgeschwärmt den Laufgräben zu nach der Stellung der . . .er. Mit unverminderter Heftigkeit brüllte das feindliche Geschützfeuer und steigerte sich zu einem wahren Höllenspuk; vor und hinter dem Laufgraben platzten die Geschosse größten Kalibers, haushohe Staubwolken aufwirbelnd; Spreng- stücke, Sand und Steine flogen uns nur so um die Köpfe, und im Nu waren ganze Strecken des Annäherungsweges geradezu eingeebnet. Die Kolonne geriet ins Stocken: teils tief geduckt, in den Dreck der Grabenüberreste gepreßt, oder in stumpfsinniger Starrheit auf freiem Felde — dem Feinde völlig sichtbar — stehend, erwartete man das Weitere. — Das Ende? — Befehl von vorn: „Alles sich zurückziehen!" Schon drängten einige nach hinten, den Schrecken der Verzweiflung im Gesicht. — „Von wem kommt der Befehl?" ruft eine beherzte Stimme. Und da eilt auch schon der Hauptmann mit langen Schritten nach vorn, um die Entscheidung zu suchen. Es mochte wohl eine Stunde sein, die wir noch in völliger Ungewißheit über die Lage verbrachten, eine lange und entsetzliche Stunde, während der zu dem Granatregen noch ein lebhaftes Minenfeuer einsetzie, ein gutgezieltes, das manchen hinwegraffle: da rief einer, dem das Blut über den Waffenrock floß, um Hilfe; dort versuchte ein Verschütteter unter der schweren Decke von Lehm und Holz hervorzukriechen. „Leutnant A ... ist tot, Leutnant F . . . schwer verwundet", langsam und traurig kommt diese Kunde von der vordersten Linie, jeder sagt sie tonlos vor sich hin und als melancholisches Gemurmel Pflanzt sie sich fort weiter nach hinten — durch die ganze Kompagnie. — „Handgranaten nach vorn!-" Als Führer des Trupps schleppe ich mich vor, winde mich durch die Überreste des Laufgrabens, über Granatlöcher. zusammengestürzte Unterstände, da längs in den Dreck gestreckt — weil gerade eine Granate in der Nähe einschlug — dort emporschnellend über ein Hindernis, so gut es eben ging mit vollgepacktem Tornister, Gewehr und 150 Patronen, nebst dem Sack mit Handgranaten. Hier liegt ein Kamerad, von einer Granate zerrissen, dort hat ein Schrapnell einen andern förmlich durchsiebt; und den da kenne ich auch, der auf dem Rücken liegend mit weit aufgerissenen Augen nach oben starrt. Schweißtriefend vor Anstrengung krieche ich weiter und nähere mich dem Anfang des Schützengrabens, wie durch ein Wunder verschont von den heulenden, aus unbekannten Tiefen herstürmenden Geschossen. „Der Hauptmann ist tot!-" Wieder pflanzt sich der Satz wie eine Losung langsam und erstarrend durch die Reihen, diese Worte, die uns eine energische Stütze nahmen. Drei Sprünge brachten mich nach einer Stelle, wo der Laufgraben eine scharfe Biegung machte und in das etwas seitwärts gelegene Erdreich ein kleiner Unterstand eingelrieben war. — Ein großer Granatbrocken hatte die Schädeldecke unseres Kompagnie-Chefs eingeschlagen, als er gerade mit zwei andern Offizieren den Angriffsplan besprach ... Mit unverminderter Gewalt dröhnte das Feuer weiter, eine heftige Erregung krampfte uns das Herz zusammen, und wortlos preßten wir uns an die Wände des Grabens. Da keuchte ein Bursche an mit einer vor der Verschüttung glücklich geretteten Flasche Wein; rasch waren die Gläser gefüllt. „Prosit! Herr Kamerad." „Prosit!" Ein helles Klirren, und rasch verschwand der Inhalt in den fiebernden Kehlen. Inmitten des gräßlichsten Todeswerkes diese frohe Lebensbejahung! Es klingt mir immer noch in den Ohren: dieses elegante und doch trotzige H-e. „Prosit, Herr Kamerad!" 4288 * T'r alt Offeburger mm «rj- Bürger! Gwohnheitsmäßig Hemmer als immer dr Nammesdag dr Fränze un Franze gfiert. Morges um e Nüni rum isch als jedesmol mien Leibbalwiärer, dr Rehme Franzi, andanzt kumme un hett mr dr Saifeschuum als Brei ums Muul gschmiert. Mit em Feldzug vum Siweziger fangt dr Franz sten Gschbräch an, um nochher dr Fade dr Figaroberedsamkeit uff dr Franz Drake z' leite: so eme be- rüehmte Mann ghörtig hitt an siem Fescht dr scheenst Ehrekranz vun Erdepfelkrutt üwer d' Ohre ghängt un alli, wo sinnt Nammesbrüeder z' sien d' Ehr gniäße, sötte brägelti Erdepfel un englischi Biffdeck gschbendiärt kriäge. Un so Witter, ezettra, bis dr Balwiärer uff miem Schtupflefeld kai Härli meh endeckt heit un ich mit eme halwe Gulde gradliärt Hab. Kulturbilder aus alter Zeit. (Aus Emil Adolf Seigel's Schutterwälder Varia.) Aus dem 17. Jahrhundert berichtet das Schutterwälder Kirchenbuch (Her mortuorum) Folgendes: „Am 5. April 1676, am Tage der Auferstehung des Herrn, starb der ehrenwerte Jakob Lipps, über 70 Jahre alt, erster Zwölfer von Höfen, mit den gewohnten Sakramenten der Kirche befestigt. Er wurde am folgenden Dienstag ante. begraben und ihm in Gegenwart der Söhne eine Leichenrede gehalten. Nur einmal und das ist hier, wird in den Schutterwälder Kirchenbüchern, in den Todeseinträgen des 17. und 18. Jahrhunderts die Haltung einer Leichenrede erwähnt. Kommunale Ausgaben. Im Jahre 1722 scheinen einige Schuttenwälder Weiber in außergewöhnlicher Faschingsstimmung gewesen zu sein. Jene Zeit berichtet uns nämlich, daß am 16. Februar des genannten Jahres, dem Fastnachtmontag, „Etliche weyber" den Stabhalter „vmb Einen Trunckh" angesprochen haben. Dieser Bitte konnte der Stabhalter nicht widerstehen, er willfahrte dem schönen Geschlecht und ließ ihnen diesen Trunk auf Rechnung der Gemeinde reichen. Mit 6 ß 8 4 hatte die Gemeinde diese Freigebigkeitshandlung gesühnt und den Wirt befriedigt. Im Jahre des Heils 1739 trat unerwartet der Tod an Fastnacht einen armen Hirten aus Altenheim an. Vergilbte Blätter erzählen, daß er hier in Schutterwald tod gefallen sei, nähere Umstände werden nicht berichtet. Für Visitation durch Doktor und Barbier bezahlt die Gemeinde 9 fl; — ß — 4 5 ). Aus dem 18. Jahrhundert liegt eine Schutterwälder Gemeinderechnung vor: „Item als man den Herrn staab- halter*) zu Zunsweyer hat vorgestellt seyndt 4 man darbey gewesen, für ihren lohn und Zehrung . . 2 kl. 4 ß — 4 - Anno 1745wurden demStabhalterwährend zweier Nächte zwei Wächter in sein Haus gegeben. Als Lohn erhielten sie zusammen 8 ß. Ob dem Stabhalter wegen seiner persönlichen Sicherheit, wegen jener seines Eigentums oder wegen sonst etwas graute, darüber schweigen die noch vorhandenen stummen Erzähler jener Zeit. Eine Langfingerei, bei der man sie ertappte, brachte anno 1724 zwei Zigeunerweiber in den Schutterwälder Ortsarrest. Eine Ausgabe von 8 fl. — ß 10 ^ blieb der Gemeinde als Andenken. Durch die Zigeunerweiber selbst gingen auf (Wohl für deren Verpflegung).5 fl. — ß 10 ^ Die weiteren.3 fl. — ß — ^ erhielt der Scharfrichter von Griesheim, weil er sie wieder mit Ruthen aus dem Schutterwälder Bann gestrichen hat. Anderen Frevlern scheint man in Schutterwald damals „heimgegeigt" zu haben. Bei einem Schreiner in Hofweier, dessen Name nicht genannt wird, läßt die Gemeinde ein Geigen-Instrument, das sie 3ß — kostet, anfertigen. Man berichtet, daß dasselbe bei „Frebelspersonen" (Frevelspersonen) gebraucht wird. *) Das war Andreas Mundenast, Sohn des Paul Mundenast und der Anna Bürkle. Am 14. Februar 1677 ehelichte dieser hier in Schutterwald die Ursula Schindlerin aus Hofweier und am 31. März 1715 starb er als Schutterwälder Stabhalter. Seine genannte Ehefrau überlebte ihn um viele Jahre; von ihr wird gesagt, daß sie, ebenfalls hier, am 18. April 1727 „fromm im Herrn" verschieden sei. Im Amte des StabhalterS folgte «un auf Andreas Mundenast sein Sohn (Johann) Georg. Zue unsere Volksschuelzitte Hemmer als enander am Nammesdag gwürgt, bis dr Däz blau waren isch; im schpetere Zittalter sinn awer d' Köpf rot Ware am Owe vum Franze- dag, wenn als e paar Schoppe Neuer uffs Wohl dr Franzmänner un Fränzwiewer emol dr Farbschtoff drzue gliefert ghett henn. Hittigsdags hättig mien Balwiärer, wenner nit schun bie dr große Armee im Friede war, biem Menzer Franz sich e zünftiger Fuffzehner uff minni Koschte andudle derfe. Es gilt Euch allewiel e Durbacher „Ritzling", wo jedem dr Kriäg erklärt, Bürger, wemmer mit em uff em diplomadische Heimweg uß em Oxlische Glichgwiecht grotet. - Wer awer mit eme Halwaisige uß em Durbach kummt, soll z'erscht prowiere, ob 'r noch uff em Schtadtwappe dr goldig Nagel uff dr Kops trifft, awer nitt, wiä's glauwi vorkummt, drnewe hämmert. Z'erscht emol uff em Schpalt vum Schtubbebode 's Glichgwiecht üewe, bevor mr bie dr Kriägsnaglerei uffs Seil geht. Bie dr Therees ins Durn- eggers isch als im Herbschi 's Meldamt für Durbacher Bacheswallfahrter gsien, wo jeder sich mit siem klevnerische Zwilling ins Schtandesregischter odder in d' Unfallheweroll tendrage heit. In denne Kriägszitte brucht mr e Baß mit Bordree. wemmer per Jsebahn üwer Wind sch leg rumm odder numm vrkehre will. Gsetzt dr Fall, es bringt Einer e Durbacher Kischt an dr Windschleger Bahnhof un will mit ere uff sien Baß heimgutschiäre, no heißt's am Jsebahn-Schalder: wo henn Sie denn d' Phodegraphie vun Ihrem Reiskolleeg? Es derfe au keini Zwei mit eim Billet fahre. Wer also mit siem Zwillingsbrueder uß em Wiengäu heimkehrt un nitt mit eme Doppelbaß ußgschtattet isch, mueß sich druff gfaßt mache, daß es am Bahnhof heißt: aß 'r kallöppere! Offenburger Allerlei. 8. A. Wenn feindliche Flieger kommen, ist für die Stadt Offenburg zu beachten: 1. Sobald wir zuverlässige Mitteilung von dem Heranuahen feindlicher Flieger erhalten, ertönt ein dreimaliges Warnnngssignal mittels der beiden Sirenen. Das einzelne Signal dauert etwa 10 Sekunden. Sollten sich die Flieger bereits in gefährlicher Nähe der Stadt befinden, so lassen wir die Sirenen selbstverständlich sofort ohne Unterbrechung ertönen. ' 2. Wer sich auf der Straße befindet, suche das nächst beste Haus auf. Wer auf freiem Felde ist oder wer nicht rechtzeitig ein Haus zu erreichen vermag, lege sich platt auf den Boden. Wer sich innerhalb der Bahnanlagen oder in deren Nähe befindet, flüchte in die nächst beste Deckung. 3. Es ist gefährlich, während der Beschießung feindlicher Flugzeuge sich auf öffentlichen Straßen oder Plätzen aufzuhalten, weil selbst die abfallenden Spreng stücke der Abwehrgeschosse aus einer Höhe von 800 Metern noch tödlich wirken können. Es ist gefährlich, während der Beschießung auf Dächern oder Baikonen oder an offenen Fenstern zu verweilen. Die Hausbewohner begeben sich am besten in die Keller und suchen dort jene Stellen auf, die von außen her durch die Kelleröffnnngen von Bomben nicht bestreut werden können. 4. In jedem Hause ist der Inhaber der Wohnung ebener Erde und in dessen Ermangelung der Bewohner des nächsthöheren Stockwerkes verpflichtet, bei Alarmierung wegen Fliegergefahr die Haustüre aufzuschließen und offen zu halten. Schutzsuchenden Personen ist Einlaß zu gewähren. Zuwiderhandlungen werden mit Hast bis zu 6 Wochen oder mit Geld bis zu 150 M. bestraft (Verfügung des Großh. Bezirksamts Offenburg vom 28. August 1915). Den Einlaß suchenden Personen ist selbstverständlich zu gestatten, daß sie in dem Hause die Stelle aufsuchen, die den verhältnismäßig größten Schutz bietet. (Ziffer 3.) 6. Es wird empfohlen, bei Fliegeralarm die Fensterläden zu schließen und insbesondere an Schaufenstern die Rolläden herunterzulassen. Diese Maßnahme wird natürlich nur dann zu treffen sein, wenn die Gefahr noch keine unmittelbar bevorstehende ist. (Ziffer 1 Alarmsignal.) 6. In der Nachtzeit müssen alsbald nach Alarmierung sämtliche Lichter gelöscht oder nach außen genügend abgeblendet werden. Besonders gilt dies für die Wohnungen trft oberen Stockwerke und für alleinstehende Häuser. Ein einzelnes Licht kann großes Unheil verschulden, weil es den feindlichen Fliegern die Orientierung ermöglicht. 7. Es ist gefährlich, an den Stellen, wo Bomben abgeworfen wurden, zusammenzuströmen. Es ist gefährlich, Bomben, Bombenstücke oder Sprengstücke der Abwehrgeschosse zu berühren. Über alle Abwurfstellen und Fundplätze von Abwehrgeschossen erstatte man auf dem kürzesten Wege Meldung an das Garnisonkommando oder die Polizei- wachtstube. Zum Schutz gegen feindliche Flieger weist das Bezirksamt im Amtsverkündiger hin: In den Häusern bietet der Aufenthalt im Keller den besten Schutz; bei einem Luftschiffangriff hat man sich unbedingt dahin zu verfügen. Es empfiehlt sich, nötigenfalls unter Mitwirkung von Baukundigen in jedem Gebäude alsbald diejenigen Stellen ausfindig zu machen, an welche weder durch Türen und durch Fenster,, noch durch sonstige Öffnungen Sprengstücke von der Erde noch von benachbarten Dächern aus aus geradem Wege gelangen können. Für den Fall eines Fliegerangriffes während des Wochenmarktes wird den Besuchern des Marktes empfohlen, Schutz in den Kellern der in unmittelbarer Nähe befindlichen öffentlichen Gebäude und der umliegenden Häuser zu suchen. Wer durch Außerachtlassung der erforderlichen Vorsichtsmaßregeln infolge eigenen Verschuldens verletzt wird, kann eines etwaigen Entschädigungsanspruchs verlustig gehen. Das Kriegswahrzeichen Offenburgs, ein von Herrn Privatier Simmler entworfenes und gestiftetes Stadtwappen, wurde am Sonntag programmätzig enthüllt und zur Nagelung aufgestellt. Den ersten goldenen Nagel schlug Oberbürgermeister Hermann nach einer wirkungsvollen Ansprache, in der er die Tätigkeit des Ortsausschusses vom Roten Kreuz würdigte und die immer hilfs- und opferbereite Bürgerschaft ehrte. Tiefempfundene Worte weihte er unfern Helden draußen und heißen Dank von uns allen. — Die Gedenktafel für „Opfer aus großer, schwererZeit1814 —191 5" soll dereinst im Rathause oder Museum Aufstellung finden. Es können immer noch in der Feldpoststube Scheine für Nägel a 3, 2, 1 und 0,50 M. gelöst werden. Billigeres Brot bezw. Höchstpreise für dasselbe gibt seit 1. Oktober der Kommunalverband Offenburg-Stadt: 1500 gr Schwarzbrot 57 Pf. (bisher 60), 750 gr Schwarzbrot 29 Pf. (30), 500 gr Wasserweck 35 Pf. (40), 500 gr Zwieback 75 Pf. (80). Die Mehlrationen sind um 10 gr pro Kopf und Tag erhöht worden. 1 Pfund Weizenauszugsmehl kostet 28 Pf., gemischtes Weizenmehl 23 Pf. t. Das Lesezimmer auf Wanderschaft. Nachdem das städtische Lesezimmer wieder einmal zu Gunsten einer Volksschulklasse gewandert war, stellte es sich heraus, daß der Liebe Mühe umsonst war, da die Abortverhältnisse es nicht gestatten, dort eine Mädchenklasse unterzubringen. Das hätte man aber zuvor bedenken können. — Wäre es nicht möglich, eine oder die andere Volksschulklasse im neuen Oberrealschulgebäude für die Kriegsdauer unterzubringen? — Die Auswanderung der Klasse aus der interimistischen Unterkunft im Lokale der Handelsschule mußte erfolgen, weil Lehrerinnen wie Schülerinnen — abgesehen von den für den Handarbeitsunterricht außerordentlich schlechten Lichtverhältnissen — es vor der verpestenden Luft des wenige Schritte nördlich angebrachten Misthaufens und der Hühnerhöfe des Klosters nicht aushalten konnten. — Auf diese unhhgienischen Verhältnisse war vor langen Jahren schon durch Bezirksarzt Dr. Becker hingewiesen worden. Und bis heute konnte noch keine Abhilfe geschaffen werden, trotzdem eine öffentliche Schule der Stadt darunter leidet? Offenburger Bankgründer. Wie wir in der Fachzeitung lesen, ist je eine große Bank — genannt „Offen bürg er Bank" — in Sulzburg und St. Leonhard aufgestellt worden. Es handelt sich um Ruheplätze für die Besucher jener Handwerker-Erholungsheime. Den Bankstiftern Gustav Müller und mehreren hiesigen Handwerksmeistern erstattet die Verwaltung herzlichen Dank in dem Vereinsblatt. Ein goldenes Bühnenjubiläum feierte in dieser ernsten Zeit unser verehrter und beliebter Theaterdirektor Alfred Helm. Am Kurtheater in Bad Kreuznach, dem derzeitigen Wohnorte Helms, unterließ man nicht, seinen Ehrentag in würdiger Weise zu feiern. Die dortige Badezeitung brachte das Bild des Jubilars und erwähnte warm die Verdienste Helms um die Bühne und seine Vorzüge als Mensch und Mitbürger. Der Jubilar, dessen man hier gerne und herzlich sich erinnert, möge auch die Glückwünsche seiner Offenburger Gemeinde entgegennehmen und ein „Auf Wiedersehen in froheren Tagen!" Personalien. Versetzt: Kanzleiassistent Jakob Junker beim Amtsgericht Freiburg zum Amtsgericht Offenburg. Kanzleidiener Anton Ehrmann beim Landgericht Mannheim zum Landgericht Offenburg. Amtsdiener Alois Biedermann in Müllheim zum Bezirksamt Offen- bnrg (statt Lörrach). — Zuruhegesetzt: Amtsdiener Heinrich Schmitt in Offenburg wegen leidender Gesundheit. — Ernannt: Justizaktuar Friedrich Schemel beim Amtsgericht Bühl zum Justizsekretär bei der Staatsanwaltschaft Offenburg. — Amtsrichter Winter ist bis auf weiteres zum Dienstverweser beim Amtsgericht Offenburg bestellt. Das Eiserne Kreuz 1. Klasse erhielten die Offenburger: Major Karl Schell, Sohn der Frau Adolf Schell geb. Billet; Marineoberingenieur Paul Müller, ein Sohn des Polizeikommissärs Müller, der 3 Söhne unter den Waffen hat; Offizierstellvertreter Fink (Jnf.- Reg. 170. 1. Komp), der kurz vorher die Tapferkeitsmedaille des Militär. Karl Friedrich-Ordens erhielt. Fink war mit dem Regiment als Fahnenträger des 1. Bataillons ins Feld gerückt; er ist nicht hier geboren. Das EiserneKreuz 2. Klasse erhielten: Unteroffizier Robert Engelhardt (Sohn des Kaufmanns Engelhardt hier), der zur Zeit zum zweitenmal schwer verwundet durch einen Granatsplitter im Lazarett zu Erfurt sich befindet; Unterarzt Walter Adrion, Sohn des Bahnhofwirtes E. Adrion in Achern; Jägerleutnant Rolf Nüßle (ein Sohn des Oberamtsrichters Nüßle hier), der schwer verwundet wurde. Beförderungen: zum Leutnant Kriegsfreiwilliger Walter Weiß, Sohn des Drogisten E. Weiß hier; zum Vizefeldwebel Unteroffizier Heinrich Schreiber. Vor dem Feinde fiel Kaufmann Karl Zanger (29 Jahre alt), Sohn des Kaufmanns Johann Zanger. Er erlitt einen Kopfschuß und wurde am 30. Sept. von seinen ihn betrauernden Kameraden auf einem Soldatenfriedhofe beigesetzt. — Landsturmmann Bäcker Emil Hörth vom Leib.-Grey.-Reg. 109, ein Familienvater, wurde am 24. Sept. tödlich getroffen. — Bei einem Sturmangriff der 172er fiel der 21jährige Schnlkandidat Franz Huber. — Am 19. Sevt. starb den Heldentod Major Florian, Ritter des Eisernen Kreuzes 1. und 2. Klasse, der früher ein beliebter Offizier des Regiments 170 war. Das 1. Bataillon des Res.-Jnf.-Reg. 250 betrauert den gefallenen tüchtigen Führer, der das Vertrauen jedes einzelnen Mannes genoß. — Es siel ferner der 23jährige Kriegsfreiwillige Gefreiter Wilhelm Hagmayer (Feld- Art.-Reg. 44), ein Sohn der Frau Geometer Hagmayer Wtw. von hier. Briefkasten des Alten Offeburger. K. in Freiburg (Hebelstraße). Die Pillen sind gebucht; der „Alte" wird dafür sich regelmäßig einstellen. SI/ SM SM SM SM SM ttj! SM SM SM SM SM SM SM SM SM SM SM SM SM Rotes Kreuz Schlag-t Euren Nag-el in das £i$erne Stadtwappen in der Feldpostslabe “S.:r Für Verwundete und Kriegsinvaliden in der Heimat. Für Liebesgaben an die Krieger im Felde und in der Gefangenschaft. 5425.0.2 Zeit der Nagelung: Jeden Nachmittag von 2 bis 6 Uhr. Sonntags außerdem von 11 bis 1 Uhr. Gold-Nagel. Mk. 3.— Silber-Nagel.„ 2.— Boter Nagel.1-— Schwarzer Nagel ...... „ 0.50 Verkaufsstellen von Gutscheinen auf die verschiedenen Arten von Nägeln sind in nahezu allen hiesigen Geschäften und in der Feldpoststube eingerichtet. Ortsausschuß vom Roten Kreuz Offenburg. SKI SM SM SM SM SM SM SM SM SM SM SM SM SM SM SM SM SM SM SM SM » & Herde# ■ ■ 5278 . 12.9 fy •• Ofen in größter Auswahl billigst. Herdfabrik Offenburg - Franz Dengler, Inh. Otto Burkhardt. -- Sonntags nur von 11—1 Uhr geöffnet. Kartoffel- u. Krautmarkt Ossenburg in Verbindung mit dem Obstmarkt, jeden Donnerstag früh von 6 Uhr an bei der städtischen Fruchthalle. 5415.0.2 Bestes saures Mflobsl aus der Gegend Frankfurt, soeben frisch eingetroffen und biete solches zum billigsten Tagespreis an. Ebenfalls wird Obstmaische zum füttern abgegeben. Auch kann daselbst getrottet und gemahlen werden. J. Bau, Weingrasshandlung Offenburg. 5432 Bekanntmachung. Für arme Dienstboten, welche 80 Jahre in der Stadt Offenburg tadellos gedient haben und hier wohnhaft sind, stehen aus der Nerlinger- schen Stiftung Mittel zur Beihilfe für deren weiteren Lebensunterhalt zur Verfügung. Gesuche um Zulassung der Erträgnisse für 1915 sind bis zum 20. d. M. bei uns einzureichen. Offenburg, den 1. Oktober 1915. Der Stadtrat als Stiftungsbehörde. 5429.2.1 Hermann. Gutmann. zeldposltarlen sind bei uns zu haben. 1000 Stück ä M. 5.00 100 „ ä „ —.60 1 „ 1 Pfennig. Buchdruckerei Ad. Geck. SWendlen-Vergebuug. Aus der Pfarrer Häutzler'schen Stiftung sind folgende Stipendien zu vergeben: Das Stipendium 1. Klasse im Betrage von 51 M. 43 Pf., welches den Zweck hat, bedürftigen Knaben oder Mädchen die Erlernung eines Handwerkes oder einer Kunst (z. B. Kochen, Bügeln, Kleidermachen), womit man im Bürger- stände redlich sein Brot verdienen kann, zu ermöglichen oder zu erleichtern. Diesmal ist ein Knabe zu bevorzugen. Bon den Bewerbern oder Bewerberinnen wird gefordert: 1. daß sie arm und den Eltern die Kosten ihrer Lehre unbeibringlich sind. Waisen finden besondere Berücksichtigung; 2. daß sie der Schule entlassen sind, lesen, schreiben und rechnen können und sich hauptsächlich sittlich gut aufgeführt haben; 3. daß sie nicht unter 14 und nicht über 18 Jahre alte — eheliche oder uneheliche — Offenburger Kinder stadtbürgerlicher Eltern sind. - Das Stipendium geht durch Vermögensanfall, unsittliches Betragen oder Tod verloren. Das Stipendium 2. Klasse im Betrage von 160 M. bezweckt die Unterstützung eines unbemittelten jungen Mannes, der sich den höheren Wissenschaften oder einer Kunst im strengen Sinne widmet. Der Bewerber muß Nachweis über vorzügliche Fähigkeit, sittlich gute Aufführung und darüber Vorbringen, daß er das dritte Schuljahr (Quarta) einer Gelehrtenschule mit gutem Erfolg zurückgelegt hat. Verwandte des Testators haben nur beim Zutreffen dieser Voraussetzungen den Vorzug. DaS Stipendium wird auf die Dauer bis zur Vollendung der regelmäßigen Studienzeit verliehen unter der Bedingung des alljährlichen Nachweises über guten Fortschritt und sittlich gute Aufführung. Auch hier muß der Stipendiat ein Offenburger Kind stadtbürgerlicher Eltern sein. Verloren geht das Stipendium 2. wie dasjenige 1. Klasse und überdies noch bei Unterlassung des alljährlichen Nachweises über Fortschritt und Sittlichkeit. Bewerber haben ihre Gesuche mit den vorgeschriebenen Belegen bis zum 20. b: M. bei uns einzureichen. Offenburg, den 1. Oktober 1915. Der Stadtrat als Stistungsbehörde. 6428.2.1 Hermann. Gutmann, Slipenvien-vergebunz. Die Zinsenerträgnisse aus der Ministerialrat Karl Bürgerlichen Stiftung im Betrag von 500 M. sollen als Stipendien für Ausbildung in Kunst, Kunstgewerbe oder Wissenschaft (Theologie ausgenommen) an Heimatsangehörige der Stadt Offenburg, sofern sie talentvoll und würdig und ohne die zu ihrer Ausbildung erforderlichen Mittel sind, und zwar ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses, bewilligt werden. Gesuchen um Stipendium, wofür Formulare auf der Stadtratskanzlei verabreicht werden, sind Zeugnisse über Fleiß, Betragen und Fortschritte anzuschlietzen. Die Bewerbungsfrist läuf mit 20. Oktober d. I. ab. Offenburg, den 1. Oktober 1915. Der Stadtrat als Stiftungsbehörde. 5431.2.1 _ Hermann. _Gutmann. Stipendium. Das Pfarrer S ch a i b l e'sche Stipendium, welsches für Unterstützung Armer zur Erlernung eines Handwerks oder, wenn Fleiß und Anlagen nachgewiesen werden, zur Mitbestreitung von Studienkosten gestiftet ist, wird für 1916 zur Bewerbung ausgesetzt. Zunächst sind arme Verwandte des Testators, Pfarrer Michael Schaible, berufen. Sind solche nicht vorhanden, so können nicht verwandte Angehörige der hiesigen Stadtgemeinde mit ihrem Gesuch berücksichtigt werden. Eingaben um dieses Stipendium, wofür Formulare auf der Stadtratskanzlei verabreicht werden, sind Zeugnisse über Fleiß, Betragen und Fortschritte des Bewerbers anzuschlietzen. Die Bewerbungsfrist läuft mit 20. Oktober b. I. ab. Offenburg, den 1. Oktober 1915. Der Stadtrat als Stistungsbehörde. 5430.2.1 Hermann. Gutmann. Redaktion, Druck und Verlag von Adolf Geck, Offenburg.