vr alt Ofseburger. Zeitschrift -er Heimatkunde für die Gffenburger in der Nähe und Ferne. Nr. 878. Ausgabe vom 12. März 1916. Preis 10 Ps. vom Sssenburger Sansthmdwerk. Im Oktober teilten wir mit (vergl. Nr. 869 dieser Zeitschrift), daß das Großh. Landesgewerbeamt einen Wettbewerb veranstaltet hatte, um aus dem Kreise badischer Kunsthandwerker gediegene Vorbilder zur Herstellung der Gedenktafeln für die Kriegerehrung zu erhalten. Durch das freundliche Entgegenkommen der genannten Staatsbehörde vermögen 'wir nun auch eine Abbildung desjenigen Entwurfes zu gebtn, der aus Offenburg zum Wettbewerbe eingereicht worden war und mit einer lobenden Anerkennung bedacht worden ist. Eingesandt war der Entwurf durch die Firma C. Robert Dold, Atz- und Emaillewerkstätte dahier, die unter dem Merkworte „Ehrendank" an dem Wettbewerbe sich beteiligte. Die Ausführung dieser, im mittelalterlichen Grabplattenstile gehaltenen Votivtafel ist als Messingätzerei gedacht. Es ist vor allem die ornamentale Verteilung der schönen Inschrift auf der Fläche als ein Vorzug des Entwurfes hervorgehoben worden. Der stilisierte Reichsadler nimmt sich minder gut aus; es wurde von den Sachverständigen als fehlerhaft bezeichnet. daß die Krone ohne Zusammenhang mit dem Stück frei in der Luft schwebt; die Eckrosetten könnten besser entbehrt werden. Unter Berücksichtigung dieser, vom Preisgerichte geübten Kritik würde eine Änderung den Wert des Entwurfes, der eine Kunstrichtung aller Zeit — man denke an die Grabplatten im Bamberger Dom — Wiederaufleben läßt, nur erhöhen. Wir werden auch die Abbildung eines Entwurfes geben, dessen Ausführung auf dem Gebiete der modernen Glasmalerei liegt. Für Offenburg bietet er deshalb noch ein besonderes Interesse. Einiges über Offenburger Advokaten. Unser geschichtlicher Rückblick auf die erstmalige Landtagswahl regte bei einem Leser des „Alten" die Frage an, ob damals auch Advokaten beim politischen Kampfe eine Rolle spielten, wie es in der Gegenwart überall der Fall ist. Da muß denn darauf hingewiesen werden, daß in jener Zeit — vor bald hundert Jahren — von dem Berufe der Rechtsanwälte im modernen Sinne keine Rede sein konnte. Mit der allmäligen Einführung der in der badischen Verfassung vorgesehenen Gerichts- und Verwaltungsordnung bekamen die Städte unter ihre Einwohnerschaft auch die Vertreter der neug,regelten Advokatur. Im Jahre der ersten Landtagswahl hatte Offenburg schon seine Advokatenvertretung. Der Advokat Fernbach, der im Herbst 1819 im Hause des Handelsmannes Hölzlin (jetzt Hauptstraße 27) wohnte, war damals hier noch nicht wahlberechtigt. Der Advokat Mahler, wohnhaft beim Zunftmeister Mußler in der Steinstraße, ließ sich mit Erlaubnis des Kinzigdirektoriums erst im Juni 1819 in Offenburg nieder, um „das ihm als Rechtspraktikant zustehende Recht der Schriftenverfassung und Anwaltschaft auszuüben". Am Abend des 22. September verlor der Advokat Fernbach auf dem Heimwege von Ortenberg „ein Taschenbuch in grünen Saffian gebunden, mit silbernem Schlößchen, und weißseidenem Bande umwunden; in demselben befanden sich mehrere Briefe von Akademikern aus Tübingen, mit der Aufschrift: an C. F., einige dramatische Fragmente und Excerpte aus der mythologischen Daktyliothek von E. Klausing nebst mehreren anderen kleinen Aufsätzen, meist juridischen Inhalts". In dieser ungewöhnlichen Art einer öffentlichen Bekanntmachung im „Wochenblatt" sicherte der Advokat dem redlichen Finder eine angemeffene Belohnung zu. Im Jenner 1820 erschien folgende Bekanntmachung im „Wochenblatt": .Der Unterzeichnete sucht einen tüchtigen Scribenten gegen angemessene Bezahlung. Wer Lust und Fähigkeit zu solchem Geschäfte besitzt, beliebe sich sogleich an ihn zu wenden. Fernbach, Advokat, in Wohn, bei Hrn. Handelsmann Hölzlin." Ende November 1823 machte der Rechts-Praktikant Seldner bekannt: „Unterzeichneter, der bisher in Achern advoziert, hat nunmehr zu gleichem Zwecke seinen Wohnsitz dahier genommen. Er bringt dieses hierdurch mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntnis;, daß er in dem Schaffner Bouffleurschen Hause in der Hundsgasse (jetzt Ritterstraße) bei Herrn Professor Conrad im zweiten Stocke logirt." Die Namen der Rechtsanwälte, die jetzt genannt wurden, sind der heutigen Altgeneration Offenburgs kaum mehr bekannt. Es gibt aber noch manchen Altoffenburger, der sich der Persönlichkeit des im Juli 1824 hierhergekommenen Juristen erinnert, der folgende Anzeige veröffentlicht hat: „Der Unterzeichnete bringt zur öffentlichen Kenntniß, daß er hier advociere. Hißmaier'), Rechtspraktikant." Bald darauf erschien ein Konkurrent, der sich mit folgender „Nachricht" hier einführte: „Der Unterzeichnete widmet sich hier dem ihm nach den Gesetzen zustehenden Recht der Schriftverfassung. Seine Wohnung ist bei Hrn. Zunftmeister Michael Burger in der Hauptstraße. Waibel, Rechtspraktikant." Mit der Einführung der badischen Gerichtsordnung begann das Aussterben des Skribententums, einer damals sehr schlimmen Landplage. Ein Historiker, Leonh. Müller, schreibt darüber: „Die Gemeinden waren der Individualität, Willkür und Laune der Bezirksbeamten preisgegeben; ein Heer von Jncipienten und Skribenten überzog das Land und federfuchste im Vereine mit Zehntinspektoren und Steuerexequenten die Bevölkerung."*) **) *) Später verlegte Hitzmaier seine Wohnung in das Haus des Seilermeisters Klotz in der Gerbergasse. „Als Anwald" (I) eines abwesenden Erben versteigerte H. im Mai 1828 ein 2Söhmiges Faß aus der Verlassenschaft der Maurermeister Schmidt Wwe. in der Gerberstrabe. **) Als dann einmal die Großh. Obereinnehmerei Offenburg die Stelle eines „Skribenten" zur Wiederbesetzung ausschrieb, wurde den Bewerbern bemerkt: „daß nur ein recipirtes und mit guten Zeugnissen versehenes Individuum angenommen werden darf". Der damalige Amtsrevisor durfte zur Bewältigung der großen Arbeitslast drei und mehr Skribenten einstellen, welche nur auf eine Einnahme aus Sporteln und Gebühren angewiesen waren; sie wurden im Volksmunde „Teilungskommissäre" genannt. Alle Verordnungen gegen dieses, besonders auf dem Lande schwer empfundene Unwesen einer Brandschatzung blieben ohne großen Erfolg. Es ist das große Verdienst des Landtagsabgeordneten, Oberhofgerichtsrat Matth. Föhrenbach, gestorben in Mannheim 1841, gewesen. dem Skribentenunwesen den Todesstoß im Landtag 1819 versetzt zu haben. Am 18. Juli jenes Jahres erhielt dieser Abgeordnete ein mit dem Poststempel Stuttgart versehenes Schreiben: „An den Abgeordneten Föhrenbach I Mensch, der du lebst und ferner zu leben gedenkst, höret! K. sprach gegen eine ganze Nation und starb. Du, der du gegen einen einzelnen Stand sprichst und denselben ins Elend zu stürzen suchst, gedenke deines Daseins!" Kriegsbilder. Was uns der Aschermittwoch abend über die Häupter streute, waren Milliarden weißer Ordenssternchen, die aus grauen Wolken niederschwebten. Der Asche bedurften die Menschen nicht, die heuer den Gefahren sündhaften Faschingstobens nicht ausgesetzt waren. Auch das „Waschen des Portemonnaies" am Kinzigstrande, wie's ehedem einmal vorgeschrieben sein mochte, würde keinem Bedürfnis entsprochen haben. Man trug seinen Mammon zur Bank und zeichnete wieder ein Kriegsanleihen. Leute, die einstmals im Unterrichte des „Professors Jüllig" die schlechteste Note hatten, gehören jetzt, wo ein Wettbewerb von Reichswegen stattfindet, zu den besten Zeichnern. Wer nichts zu zeichnen hatte, schnallte sich die Schneeschuhe auf den Buckel und schob zum Gleitflug auf die Hornisgrinde Die erste Kriegsfastenzeit machte uns mit der „Teilungseinrichtung" der Brotkarten bekannt; die jetzigen Fasten bringen uns die Milch karten. Dazwischen liegen noch andere zumessende Verordnungen; und es wird in diesem ! Kartenspiel der Kriegszeit noch mancher kommunistische Trumpf ? ausgespielt werden. Die Herren Fastenprediger auf den j Kanzeln haben es heute nicht nötig, gegen die Üppigkeit zu ! kämpfen; ein dankbares Streitobjekt gewährt ihnen der stets i wachsende Wucher, der mit den Lebensbedürfnissen des ! Volkes getrieben wird. Die Sucht der mühelosen Bereiche- j rung auf Kosten der allgemeinen Wohlfahrt greift auf allen : Gebieten um sich; wir werden, indes wir uns die Feinde ' vom Halse halten, von den „Freunden" ganz planlos ge- ! brandschatzt. ! Eine betrübende Erscheinung ist die Gewinnsucht bei ! geschäftlichen Manipulationen, die nach dem Strafgesetzbuch wegen Landesverrat verfolgt werden können. Der aus Konstanz gemeldete Fall von Lieferungen kriegsdienlicher \ Gegenstände an das Ausland brachte Spuren bis nach Offen- • bürg. Es sitzt eine hiesige Frau, deren Sohn als Soldat an der Schweizer Grenze im Felde stund, wegen Verdachts der Mittäterschaft in Untersuchungshaft, die reichsgerichtlich : angeordnet wurde. Mutter und Sohn sind hier als sehr 1 fromme Leute bekannt; man hofft, daß der Verdacht sich nicht bewahrheite. Für unsere Stadt wäre es zu wünschen. Zum Heldentod des Seminaristen Adolf Kleiber (Reg. 116) ist noch zu bemerken, daß der junge Kriegsfrei- . willige auf einem Patrouillengang, zu dem er sich freiwillig stellte, gefallen ist. Franz Josef Welle, der als Ersatz- ,, reservist im Reg. 170 kämpfte, ist seinen Leiden erlegen; er j war Familienvater und 26 Jahre alt. Den Tod für's Vaterland erlitt Kaufmann Heinrich Jäger vom Leibgarde-Jnf.-Reg. Nr. 116, ein Sohn des Lokomotivführers Jäger, von dem noch ein Sohn unter den , Waffen steht. ; Auszeichnungen. Wieder hat sich ein junger Offen- ! burger das Eiserne Kreuz I. Klasse errungen. Im Feuer der heißen Kämpfe vor Verdun wurde es dem stuck, phil. et jur. Brande! Geck. Leutnant d. R. und Bataillons- ! adjutant in einem hessischen Regiment an die Brust ge- i heftet, für erprobte Tapferkeit. Der junge Offenburger steht seit dem 2. Mobilmachungstage unter den Waffen und, mit kurzer Unterbrechung während einer Verwundung im August 1914, immer vor dem Feinde. Seine Vaterstadt registriert die Ehrung mit freudiger Anteilnahme. Dem Kompagnieführer Leutnant Jtt, einem aktiven Offizier unseres Regiments Nr. 170, wurde das Eiserne Kreuz l. Klasse vom kommandierenden General persönlich überreicht. Leutnant Jtt stürmte südlich Albert nach dem amtlichen Kriegsbericht vom 17./18. Februar mit 40 Freiwilligen seiner Kompagnie eine englische Sappenstellung, erraffte im heißen Nahkampfe ein Maschinengewehr und eine Masse Beutestücke, machte 11 Engländer zu Gefangenen, 2 wurden getötet. Bei der Patrouille war auch der junge Kriegsfreiwillige Hermann Fäßler. Sohn des Herrn Prokuristen, sowie der Gefreite Buß von Ortenberg. Beide wurden mit ihren Kameraden mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Der Tag war wohl ein Ruhmestag unserer 170 er. Von unserem jüngsten Ritter des Eisernen Kreuzes erhielten wir folgende Skizze aus der Schlacht: No. 1810. .den 4. 3. 16. Meine Lieben! Hier liegen wir also im Walde hinter D. im strömenden Schneeregen in einem elenden Erdloch, von Tannenzweigen und Zeltbahnen überdacht. Ist früher mal duftiger Waldboden gewesen, so wie etwa am Gschasst oder Schwedenschanze (so müßt Ihr Euch D. vorstellen), bis eine deutsche Granate kam, den Moosboden gierig aufriß und nach Leben zur Vernichtung suchend den harten Kalksteinboden zerstieben machte. Spater kam dann ein kleiner Leutnant mit den Resten seiner braven Schar und suchte in der Wunde des Bodens Schutz vor den hagelnden Eisenfetzen, die der angepackte Riese D. auf die umklammernden kleinen Ameisen schleuderte, die seinen Riesenleib langsam erklommen und ihn zu ersticken drohten. Die dumpfe Erschütterung, die seine Eingeweide zerriß und ihm den Todesstoß gab, pflanzte sich bis in die Ferne fort und ein verhallendes unterirdisches Grollen klang wie das Todesröcheln des gefallenen Ungetüms. Die Ameisen stürzten sich auf ihre Beute, mit vorgehaltenem blankem Stahl drangen sie durch die Wunde des klaffenden Spaltes ins Haupt des Stolzen und vom Augenblick an sind sie ebenso emsig am Werke, den Toten, den sie eben mit allem Fleiße zerfetzt, in seinem schreckhaften Ebenbilde wieder erstehen zu lassen. So war der Kampf, so der Sieg, den wir Schulter an Schulter mit den Brandenburgern erfochten haben. Mehr wollte ich nicht davon sehen, mehr darf man auch nicht sehen wollen, es mutz alles andere so rasch wie möglich im Unterbewußtsein versinken, wie ein schlimmer Traum. Wer hier mit heilen Sinnen will bestehen, darf nur noch starr geradeausblickend dicht über dem Horizont das Ziel schimmern sehen. Den Weg zu ihm und was ihn bedeckt, darf er nicht erblicken, sonst ist sein Leib wahrscheinlich, die Seele sicher verloren. Der Krieg ist das Gräßlichste und Höchste, was Menschenkraft, Männerkraft zu vollbringen vermag. Drum sei er auch den Männern überlassen, deren beste er gerade erfordert. Und Fluch und Verdammnis denen, die ihn für sich verwerten oder zur Kommödie machen für Narren und Kinder. Fluch und Berderbey dem, der ihn leichtfertig herausbeschwört, und alle Martern der Unterwelt dem. der ihn vermeiden kann und es nicht tut. Nun liegen wieder tausend blühende Leben auf den Hängen dieser blutigen Erde. Tausend Hoffnungen mehr vernichtet und ungezähltes Gute für künftige Geschlechter. Das Granatloch weitet sich aus zum Unterstand und stündlich werden neue Opfer bereitgestellt-- B- Zum bereits erworbenen Eisernen Kreuz, erhielt der junge Kriegsfreiwillige Ernst Flüge. Sohn des Maschinenmeisters Göringer-Flüge, das Mecklenburger Verdienstkreuz. Die badische Silberne Karl-Friedrich-Verdienstmedaille wurde dem Kriegsfreiwilligen Vizefeldwebel Alphons Hugle, Sohn des Hauptlehrers und Organisten Hugle, Pionier Aldrecht Schirrmann, Sohn der Frau Alb. Schirrmann Wwe., verliehen. Die Hessische Tapferkeitsmedaille erhielt der Kriegsfreiwillige im Leibgarde-Regiment 116 Rudolf Köhler, Sohn der Frau Wwe. Köhler. Das Ritterkreuz II. Klasse mit Eichenlaub und Schwertern des Ordens vom Zähringer Löwen wurde dem Marinekriegsgerichtsrat Julius Stritt a. B. S. M. S. „Wittelsbach" verliehen. Das Kriegsabitur absolvierten die Oberprimaner des Gymnasiums Alfred Schönberger (von Offenburg), Rudolf Scholl, Wilhelm Sieber und Robert Wölfle. Offenburger Allerlei. Die Arbeiterfürsorge-Borlagen, welche den 2. und 4. Punkt der Tagesordnung unserer letzten Bürgerausschußsitzung bildeten, sind rasch und einstimmig nach den Vorlagen des Stadtrats angenommen worden. Ein ganz neues Projekt war darunter, die Einrichtung einer Erwerbslosenfürsorge für die Arbeiter der Offenburger Textilindustrie, an welcher sich die Stadt aufgrund eines vom Ausschuß angenommenen Vertrages beteiligt. Genau wie in den anderen badischen Städten mit ähnlichen Fabriken (Lörrach. Konstanz. Ettlingen) lauten die Satzungen dieses Vertrages, in welchen die Arbeiterschaft der Offenburger Firmen Spinnerei u. Weberei A.-G-, Walter Ckauß G. m. b. H. und Böhringer u. Reuß eingereiht wurde. Außer den Fabrikanten und unserer Stadtgemeinde ist auch die badische Regierung, vertreten durch das Ministerium des Innern, an dieser Erwerbslosenfürsorge mit je einem Sechstel beteiligt. Das Reich übernimmt die übrigen drei Sechstel des Aufwandes. Die vom Bürgermeister Huegel gegebene gedruckte Erläuterung zu dieser kommunalen Vorlage berechnet den Umfang der von der Stadt aufzubringenden Kriegskreditmittel auf monatlich rund 980 Mark. Dieser Betrag muß als ein kleiner erscheinen beim Vergleich mit der Summe der neuen Armenlasten, welche bei einer Unterstützungspflicht im Falle der Erwerbslosigkeit zahlreicher Arbeiterfamilien der Stadtkasse erwachsen könnte. In den drei genannten Betrieben, welche vor Kriegsausbruch 931 Arbeitskräfte beschäftigten, sind jetzt noch 423 tätig; davon wohnen 216 (106 verheiratete) in Offenburg. Die verminderte Arbeitsgelegenheit, verbunden mit einer sehr verteuerten Lebenshaltung, hat einen Notstand unter denjenigen Textilarbeitern hervorgerufen, die nicht in anderen Industriezweigen untergebracht werden können. Es würden höchstenfalls die 106 Familien bei einem Bestand von 6 Personen durch die vertragsmäßige Unterstützung nebst Wohnungsgeldzuschuß einen monatlichen Gesamtbetrag von 4012 Mark erhalten; für die ledigen Arbeiter kämen entsprechend 1845 M. heraus. Benachbarte Gemeinden können sich dem Vertrage anschließen. Neben den deutschen Textilern unterstehen der Fürsorge auch österr.-ungarische und schweizerische Staatsangehörige, die seit 1. Z. 1915 ständigen Aufenthalt hier hatten und auch seit Anfang vorigen Jahres einer regelmäßigen Beschäftigung nachgingen. Die im § 8 vorgesehenen Unterstützungen betragen : Bei einem Taglohn von weniger als 4.50 M. oder Monatslohn von 112.50 M. eine Zulage von 30 Pf. bis zum Höchstbetrage dieser Lohngrenze. Überdies wird an Arbeiter und Angestellte, die bis zu einem monatlichen Bezüge von 166.66 M. entlohnt werden, für Kinder unter 15 Jahren eine Zulage von 5, 8, 10, 13 M.. von da ab per Kind steigend 3 M. monatlich gewährt. Die Höchstgrenze der Bezüge darf aber zusammen 166.66 M. nicht übersteigen. Ein Ausschuß von 8 Mitgliedern unter der Vorsitze des Bürgermeisters prüft die Fürsorgeanträge; ein Besch w er deausschuß unter dem Vorsitze des Amtsvorstandes entscheidet endgiltig über die Streitigkeiten. Die zweite Eismaschine ist vom Ausschuß mit einer Mehrheit von 4 Stimmen abgelehnt worden. Näheres folgt. Goldene Kälber. Wie begehrenswert muß gegenwärtig ein Kalb sein, wenn die Mutter Kuh auf dem letzten Offenburger Viehmarkte bis zu 15 00 M. im Kurswerte eingeschätzt worden ist. Auch der übrige Teil der Rinderfamilie dürfte sich „von" schreiben, wenn das Sprichtwort es nicht verböte: quod licet Jovi non licet bovi. In einer Gemeinde unseres Amtsbezirks war ein abgängiger Farren feil; ein Händler bot 1200 M., der Gemeinderat forderte 1500. Sofort machte der Händler den Kauf fertig und erhielt noch an demselben Tage 2000 M. für den Muni. Und wegen solchen Wuchers, unter dessen Segen, sich gewissenlose Leute die Taschen mühelos füllen, muß das Volk für seine Nahrungsmittel ein Sündengeld bezahlen I Für einen abgängigen Farren hatte ein Offenburger Metzgermeister an die Gemeinde Kürzell 3020 Mark zu bezahlen. Wie werden da die Knackwürste aussehen! Edelweinpreise. Am Mittwoch fand in Durbach in der Freih. v. Neveu'schen Gutskellerei die Weinversteigerung statt. Mit Ausnahme des Rotweines, der um den Anschlagspreis (M. 160) abgesetzt wurde, erzielten alle Edelsorten höhere Preise: die Klevner 140, die Klingelberger 150, die Ruländer 160 M. pro Hektoliter. Der große Rebbesitz rentierte sich also sehr gut im Kriegsjahre 1915. Kunstnotiz. Wie in der Ro. 860 unserer Zeitschrift mitgeteilt wurde, hat unser Mitbürger Paul Wendt, Zeichner in der Schell'schen Fabrik, ein Landschaftsbild der im Sulzbacher Tale gelegenen Handwerkererholungsstätte „Friedrichshort" im Aufträge des Verbands- Präsidenten angefertigt. Die vortreffliche Olskizze ist nun abgeliefert zur Anfertigung der Chromopo st karten, wie solche ebenfalls nach den Wendt'schen Gemälden des Erholungsheims St. Leonhard bereits im vorigen Jahres angefertigt wurden. Ans der Standesbeamtung vor 25 Jahren sind folgende März-Trauungen zu erwähnen: Restaurateur Eduard Möll von Mainwangen und Barbara Faulhaber von Bodersweier (17. 3.); Schuhmacher Karl Schick von Wassers und Babette Käfer von hier (21. 3.); Steuerkommissar Carl Löser von Odheim und Sophie Adrion von hier. Znm Tode der Frau Humperdink, welche beim Besuche ihres Sohnes in Bruchsal einer Lungenentzündung erlegen ist, sei in Erinnerung gebracht, daß im Januar 1915 der Sohn Wolfram des berühmten Berliner Komponisten als Jäger zu Pferd in Offenburg sich neben dem Kriegshandwerke auch dem Studium der Komposition widmete. Am 31. Januar gab W. Humperdink dahier ein Wohltätigkeits- konzert; es verweilten auch Vater und Mutter Wolframs in unserer Stadt. Personalien. Dipl.-Jng. Walter Behrle (Sohn des f Professors) wurde als Ingenieur-Praktikant ausgenommen. D' Kettnot. Ariäg un kai Lnd un dihri Zit, wo's nix meh bal zuem schmelze git Un d' leer! Möge knurre; Wo d' Pfanne schbringe kritz un quer. Als ob drin Ljueschdeleder wär, Un d' Ruchiwiwer murre. Uriäg un kai Lnd, ’s isch nimmt nett, Wenn immer schbärliger wurd ’s Fett, Daß d' Ulaider Falde kriäge, Wenn manch dicks Bichli zsammeschnurrt Un mager wiä e Gaisbock wurd, Der mueß de Lchaltkarch ziäge. © liäwi £it, verzage nit Un diän in dere ernschde Jit L Mpferliädli singe, Bis d' 5unn us dischdre Wolke grüeßt Un 's Lewe widder aim vrsüeßt, Wenn d' Friedensglogge klinge I Nurd awer kriägt au d e r st Fett, Der so viel Weh orschuldet het Un d' Fackle bringt zuem brenne, Der soll bi küeldem Üwermuet Firr alli Zidde grindlig guet De ditsche Michel kenne I Dffenburg, \2. März (9t6. — e. Briefkasten des Alten Offeburger. Bohneburger Konsulat in Sofia. Wir bestätigen den Empfang der gefälligen Note vom 27. Februar und teilen daraus mit großer Befriedigung mit, daß bei dem von uns bestellten Geisenbraten und Erdepfelsalat (Altoffebg. No. 874) der Abgesandte Alb. Wohlschlegel sich rechtzeitig einstellte, während die anderen noch ausblieben. Die an Altoffenburg gerichteten Grüße werden herzlich erwidert an Euer ganzes Haus. A. Weln-Verskelgerung. Mittwoch, den 5, April d. I., vormittags V*ll Uhr werden wir aus den Kellereien des St. Andreas-Hospitalfonds Osfenburg im Bürgersaale — Kornstraße 2 ca 17,000 selbstgezogene Ortenberger und Zeller Naturweine einer öffentlichen Versteigerung ausgesetzt, als: 1915er weißer und gemischter Bergwein, Gutedel, Weißherbst, Klingelberger (Riesling), Klevner und Rotwein im Anschlag von 78 bis 165 M. das Hektoliter, ferner ca. 800 Liter Wcinhcfc. Versandt von Proben findet nicht statt, dagegen werden Proben am Faß. Mittwoch, den 5. April d. I., vormittags von «7 ü 9 bis 10 Uhr. sowie bei der Versteigerung verabreicht. Taxationsliste kostenfrei. Offenburg, den 4. März 4916. Die Stiftungsbehörde: 5541.3.1 Hermann. Gutmann. Bekanntmachung. In Abänderung unserer Bekanntmachung vom 3. Februar ds. Js. wird der Höchstpreis für Zwiebel bei der Abgabe im Kleinhandel an die Verbraucher innerhalb der hiesigen Stadt für das Pfund auf 20 Pfg. festgesetzt. Offenburg, den 3. März 1916. 6540_ Der Stadtrat. Auf die nächsten Freitag von 3— 5 Uhr in der MilttttbkratWSlikllk im St. Andreas-Hofpital (Eingang Spitalstr.) stattfindende Sprechstunde wird erneut hingewiesen. 6514.0.3 Mütter und Pflegemütter erhalten kostenlos Rat und Auskunft über alle Fragen der Ernährung und Pflege ihrer Kinder bis zum vollendeten 2. Lebensjahr. — Kranke Kinder werden zum Arzt verwiesen. Kinder mit ansteckenden Krankheiten dürfen nicht gebracht werden. r Empfehlung. Neues reichhaltiges und billiges Geschäfts- Die verehrliche Einwohnerschaft Offenbares und seiner Umgebung beehre ich mich, auf die Eröffnung meines neuen Geschäftes am hiesigen Platze aufmerksam zu machen. Ich werde bestrebt sein, meiner verehrten Kundschaft nur gute und billige Ware anzubieten. Hochachtungsvoll Esteban Viarnes zum „Spanischen Garten“, Ottenburg. Inhaber des bekannten hiesigen Spanischen Weinkellers. b«p- Hauptstrasse 41 Orangen, Zitronen, Trauben, JTeigen. 5522.8.8 IPcinmaift (Offenhura Dienstag. Den 11 Mürz, uoemilfags 10 bis 12^ Uhr im Kürgttsaill nrbrn dem Kothms. 5519.3.3 Äußerst günstige Gelegenheit zum Ankauf der berühmten Ortenauer Weiß- und Rotweine. Woradolheater. Samstag u. Sonntag, den 11. und 12. März: 5538 Kriegsberichte von allen Fronten. Das Geheimnis der BMraSe. Detektiv-Schlager in 2 Akten. Wild-West-Schlager in 3 Akten. Eine Geschichte aus dem Leben in 3 Akten. Hauptdarstellerin Fern Andra. Freiwillige Feuerwehr Offrnburg. Am Donnerstag, den 16. März, abends 8 Uhr, findet im Saale der „Zauberflöte" die statutengemäße Hauptversammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht über das abgelaufene Vereinsjahr. 2. Rechnungsabhör. 3. Wahl der Rechnungsprüfungskommission. 4. Verleihung von Abzeichen für 10 und mehrere Dienstjahre. 5. Allgemeine Wünsche und Anträge. Hierzu werden die Korpsmitglieder unter Hinweis auf § 14 Abs. 6 der Statuten eingeladen. Erscheinen in kleiner Uniform. Der Bern» altungsrat: 6539 I. Glück. Junker. Vorfchrrbverein Gffenbuvg eingetragene Genassenschaft mit unb eschrankter Haftpflicht. Bilanz per 31. Dezember 1913. Kassa-Conto. Coupons- und Sorten-Conto . Kurzfristige Anlagen bei Gemeinden und Sparkassen . . Effekten-Conto. Reichsschatzanweisg. u. Privat-Diskonten M. 791,060.64 Inkasso-Wechsel. . 1,688.46 Geschäfts-Wechsel . „ 121,373 46 Banken-Conto .. Jnkasso-Conto Aktiva. . . M. 54,909.43 Borschutz-Conto (fällig am 31. März 1916) . . Conto-Corrent-Conto . . . M. 3,109,807.85 Sicherungs-Conto für bew. Bürgschaften . „ 220,980.— Realcredit-Conto. Jmmobilien-Conto. 3,246.- 1,294,370.28 1,160,043.45 914,122.56 185,217.77 153,663.45 M. 3,765,572.94 398,768.10 M. 3,330,787.85 „ 170,003.26 „ 148,000.— M. 7,813,132.15 Passiva. Geschäftsguthaben-Conto . . M. 1,127,690.68 Reservefond-Conto .... „ 400,000.— Spezialreservefond-Conto . . „ 140,000.— Effekten- und Delkredere-Reservefond-Conto .... „ 30,000,— Ruhegehaltsreservefond - Conto „ 129,700.— Zinsen-Conto. „ 5,800.— M. 1,833,190.6» Anlehens-Conto (gegen 6- und mehrmonatliche Kündigung). Conto-Corrent-und Scheck-Conto M. 3,072,924.45 Banken-Conto.„ 500.— Jnkasso-Conto.„ 39,241.82 Kriegsgewinnsteuerreserveconto „ 3,000.— Akzept-Conto bezw. Bürgschaften » 220,980.— Conto für gemeinnützige Zwecke „ 2,400.— . Dividenden-Conto .... „ 68,400.78 Verlust- und Gewinn-Conto . „_8,006.99 „ 3,415,454.04 2,564,487.43 M. 7,813,132.15 Mitgliederzahl: Am Anfang des Geschäftsjahres Mitgliederzahl. 2457 Während des Geschäftsjahres neu eingetreten. 57 2514 Zum Schlüsse des Geschäftsjahres ausgeschieden .... 117 Mithin am Schlüsse des Geschäftsjahres Mitgliederzahl . . . 2397 Offenburg, den 3. März 1916. Der Vorstand: L. Fabricius, Direktor A. Willenbacher, Kassier. G. Weick, Kontrolleur. Die gekündigten Stammanteile, wie auch die Dividenden werden nur gegen Vorlage der Stammanteilbüchlein sofort bar an der Kasse ausbezahlt oder auf Wunsch auf den Konten verrechnet. 5537 Redaktion, Druck und Verlag von Adolf Geck, Offenburg.