vr alt Gfseburger. Zeitschrift der Heimatkunde für die Gffenburger in der Nähe und Ferne. Nr. 1468 Ausgabe vom 6« August 1927 . Nachdruck verboten 3n der Zeit der versassungsseier. Ein dicker Nebelschwaden lag in der Frühe des Freitags über dem Rheintale. Symbolisch für die trübe politische Zeit, da das republikanische Deutschland den 8. Geburtstag der demokratischen Verfassung zu feiern berufen ist. Allüberall erhebt die Hydra der Reaktion, der Kriegshetzerei und Unterdrückung des Volkswillens beutegierig ihr Haupt. In unverhüllter Kühnheit kündet der Bund der Anhänger des faschistischen Imperialismus den Bürgerkrieg an. Mögen die Consulen aus der Zinne wachsam sein! Seit Sommer- Johanni sang von der Spitze einer Telegraphenstange die Schwarzamsel, die ich fütterte, ihr Morgen- und Abendlied. Ein langes Rezitativ melodischer Abwechslung mit dem deutlichen Schlußtoast: die Republik. Dreimal erklang das Wort wie von menschlicher Stimme. Seit Augustbeginn bleibt's aus. Hat eine Stahlhelm-Katze den Sänger für vogelfrei erklärl und dienstlich vernichtet? Auch symbolisch! Am heutigen Tage legt Offenburg das Festgewand an, um die vielen Gäste zu begrüßen, die zur Enthüllung des Ehrendenkmals eintreffen, das den Gefallenen des einstigen Regiments Nr. 172 gewidmet ist. Es steht der schöne Denkstein schlicht und eindrucksvoll an der alten Reichsstadtmauer in friedlich schöner Idylle des Volksparks im Zwinger. Keine nach Revanche dürstende Tiermajestät ist als Symbol gewählt. Der Entwurf stammt von den Architekten Brunisch und Heidt in Karlsruhe, die Ausführung besorgte Bildhauer Dietrich, Karlsruhe und Maurermeister Schitterer, Offenburg. Bei der Legung des Grundsteins am 17. Juli d. I. ist ihm vom Ausschuß (Vorsitzender Oberst a. D. Bonsack) die Urkunde hinzugegeben worden, worin über die Geschichte des Regiments gesagt ist: es wurde im Jahre 1897 im deutschen Straßburg gegründet aus den vier Bataillonen der Regimenter 99, 132, 138, 143. Im Weltkrieg 1914 bis 1918 kämpfte es tapfer in den Vogesen, an der Aisne, in Flandern, bei Verdun, an der Somme, in der Champagne, bei Arras, bei Bapaume und in vielen anderen Schlachten und Gefechten. 3921 Helden des Regiments schlafen in fremder Erde, über 10000 tragen ehrenvolle Wunden. Im Jahre 1919 wurde es aufgelöst. Namens des Bundes der ehemaligen 172er zeichnete Lokomotivführer Schlicker, für den Offenburger Stadtrat der Oberbürgermeister. Heute sind viele Regimentssöhne, teilweise aus weiter Ferne, in die letzte Garnisonstadt zurückgekehrt. Sie werden gastfreundlich ausgenommen sein. Die Hinterbliebenen des Regiments 172 finden das alte Offenburg als Grenzstadt in der neutralen, garnisonfreien Zone. Ein neuer Krieg würde die Furie des Unheils über das rechte Rheinufer rasen lassen, die Städte und Dörfer zu vernichten. Darum begeistert sich ein vernünftiger Offenburger nicht für die Rache durch neues Völkermorden. Dessen seien unsere Gäste bewußt auch in der weinseligen Begeisterung: wir wollen die Völkerverständigung im Frieden! Das wird auch bei der Verfassungsfeier unserer Stadlgemeinde zum Ausdruck gesitteter Bürgerschaft kommen. Zu einem Feste des Friedens im Haine der deutschen Republik muß sich auch die Lahrer Feuerwehr-Veranstaltung entwickeln. Der Kampf gilt einem mächtigen Feinde der Menschheit. Die hiesige Freiwillige Feuerwehr hat nun ihre Uniformierung vollendet, nach dem auf den Helmen das glänzende Wappen der Stadt Offenburg angebracht wurde. Die Lahrer werden am Sonntag „spicken". Im Bürgerausschuß sprach der Oberbürgermeister die Hoffnung aus. daß eine erhöhte finanzielle Belastung der Stadtkasse wie im vorigen Jahre nicht mehr nötig werde. Für die militärische Kleidung der Offiziere und Mannschaften wohl nicht, aber sicher hinsichtlich der „Schlagfertigkeit" der Wehr in naher Zukunft. Denn es steht die Dampfspritze vor dem Abbau! Die neue Technik der Brandbekämpfung bedient sich nicht mehr des Wassers, sondern der Kohlensäure. Es klingt unwahrscheinlich, was man aus Amerika über diesen Fortschritt berichtet. In Deutschland ist die Methode der Großfeuerlöschung bereits vervollkommnet. Der Brandherd wird in die niedere Temperatur bis 70 Grad unter Null versetzt. In einer Viertelstunde sind alle Flammen erfroren. Es wird berichtet: „Die erstaunliche Wirkung dieses Löschmittels ist durch manig- fache Versuche erwiesen. So hat man z. B- Benzintanks in Flammen gesetzt, Erdgruben mit Karbid, Holzstöße mit Holzwolle und Teer getränkt, Betonflächen mit reinem Benzin begossen und dann angezündet. Die Versuchsfeuer waren so stark, daß die Umstehenden entsetzt zurückwichen. Aber durch die dichten Schneewirbel, die mit ungeheurer Wucht auf die Flammen geschleudert wurden, waren sie in allerkürzester Zeit erstickt, und die Kälte verhinderte jede neue Entzündung des Brandherdes" Das Branduuheil von Liedolsheim, dem 39 Scheunen und zwei Wohnhäuser zum Opfer fielen, weil dem vom Blitz verursachten Feuer wegen totalen Wassermangels nicht beizukommen war, hätte mit der neuen Löschmethode verhindert werden können. Vielleicht muß jetzt die Karlsruher Feuerwehr die neue Technik einführen. Damit wird die Mannschaft sehr vermindert. Den Sachvorteil werdewdie Versicherungsgesellschaften haben, während die Städte die erhöhten Kosten des neuen Löschverfahrens aufbringen müssen. G. Detz un Sell. Die Besteuerung der Bubiköpfe, die in einem ostpreußischen Städtchen Wartenburg eingeführt werden soll, wird als eine neuzeilige Erfindung blöder Art verspottet. Und doch erinnert sie an die Zeit der zwangsweisen Kleider- verordnungen vor fünfhundert Jahren im Reiche. Da war zur Unterscheidung der Herrschaften, Bürger, Bauern und des Arbeitssklavenstandes genau verordnet, wie für jeden Stand die Kleidung, das Schuhwerk, die Haartracht aussehen muß. Die Erlaubnis zum Schmucktragen war mit jährlichen Steuern belegt, aus dem aristokratischen Klassendünkel ist eine Geldquelle gemacht worden. So gab in unserer Nachbarstadt Straßburg der hohe Rat anno 1373 unter Androhung strenger Geldstrafen in seiner Kleiderordnung nicht nur genaue Vorschriften über Form. Farbe und Länge der Kleider und Röcke und über die Machart der Schuhe. Er ging auch zum Angriff auf die Haartracht der Frauen über und verkündete: „keine soll sich färben oder Locken von totem Haar anhängen". Noch strenger nahm es der Rat von Spei er mit der weiblichen Haartracht. Er gestattete in seiner Kleiderordnung von 1356 nur Jungfrauen bis zur Verheiratung langes herabhängendes Haar. Verheiratete mußten das Haar in Netzen bergen. Keine soll ihre gewundenen Haarzöpfe oder Haarschnüre hinten herabhängen lassen oder vorne Locken, sondern ihr Haar soll hinaufgebunden sein; aber den Unverheirateten ist das gestattet. Eine Jungfrau, die nicht Mannes hat. die mag wohl ein Schapel (Stirnreif) tragen und ihre Zöpfe und Haarschnüre lassen hängen, bis daß sie beraten wird und einen Mann nimmt. In Augsburg entstund 1441 durch. die Verordnung gegen den Kleiderlsxus ein schlechter Geschäftsgang. Ein Seidenstoffhändler, dir re&eHierte, ist schwer gebüßt worden. Sollte auch bei uns durch eine Bubikopf- steuer diese Haartracht beseitigt werden- so käme es zur Revolution unter Führung der Friseure. Dem städtischen Krankenhause konnte in der Vor- Unschlagssitzung des Bürgerausschusses dos gute Zeugnis fortwährender Entwicklung ausgestellt Werdum Im letzten Wirtschaftsjahre stieg die Zahl der Verpffegungstage um 6622 auf 6 3 537. Die ueu eingerichtete Abteilung für Entbindungen wird in steigendem Maße benützt. Die allgemeine Frequenz der Anstalt wird es ermöglichen, daß auf «inen Betriebszuschuß aus der Stadtkasse verzichtet werden kann. Der Oberbürgermeister anerkannte die Tüchtigkeit der Aerzte und die aufopfernde Pstege der Schwestern in unserem vorzüglich ausgestalteten Hospitale. Wir können daran anschließend wieder darauf Hinweisen, wie unser städtisches Krankenhaus der medizinischen Literatur wertvolle Mithilfe gewährt. Das Zentralblatt für Chirurgie enthält eine Mitteilung 'unseres Chefarztes A. H. Hofmann über die völlige Heilung einer doppelten Luxation der Daumenphalangen. -In derselben wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlicht Dr. Th. Wilhelm aus der Chir.-Gyn.-Abteilung den seltsamen Fall einer tätlichen Lebererkrankung. Von demselben Arzte stammt eine Arbeit „lieber Schwangerschaftsileus" unter Be- Wgnahme auf frühere, auch von l)r. Hosmann beschriebene Fälle. Die Münchener medizinische Wochenschrift enthält eine Arbeit des Assistenzarztes P. Pfaff über „Prophylaktische Mentopin-Einspritzungen bei Laparotomien" aus der chirurgisch-gynäkol. Abteilung unseres Krankenhauses. Das Zentralblatt für Gynäkologie bringt von Herrn Kurt Harsch einen kasuistischen Beitrag zur isolierten Tubentorsion und verweist auf Feststellungen aus der Hofmann'schen Klinik im Offenburger städt. Krankenhause. Welchen Schatz großer praktischer Erfahrungen sammelte die ärztliche Berufstätigkeit unserer Klinik zum Nutzen der hilfsbedürftigen Leidenden ! Herr Chefarzt 0r. A. H o f m a n n erreicht am 12. August ein Alter von 60 Jahren, deren 27 seit Ablegung des medizinischen Staatsexamens an der Freiburger Hochschule (190t) der verehrte Arzt im Berufsdienste verbrachte. Seine wissenschaftliche Vorbereitung begann er nach dem Abitur am Mannheimer Gymnasium an den Hochschulen zu Heidelberg, München und Würzburg. In Berlin funktionierte der Koassistent an der Seite der bekannten Professoren Gerhardt, Bergmann und Ohlshausenp am Berliner Krankenhaus Friedrichsheim im Pathol. Institut. Zu Karlsruhe war der junge Mediziner vier Jahre tätig als Assistent in der Beck'schen Gynäkologischen Klinik, dann in per inneren Abteilung des Krankenhauses der Stadt Mannheim, assistierte den berühmten deutschen Chirurgen Kraske in Freiburg, Czerny in Heidelberg, Bier in Bonn. Seine zweite Heimat wurde Offenburg, da noch das alte Krankenhaus an der Landstraße ein Notbehelfer war. Seit der Ernennung zum Chefarzt der Chirurg. Abteilung im herrlichen Neubau anno 1909 vollzog der Bürger vr. Hofmann dahier etwa 15500 Operationen. Dazu zählen auch Hunderte an Soldaten zur Kriegszeit durch den städtischen Chirurgen, der für Stadt und Umgebung den Opfern des blutigen Völker- ringens ein beratender Wohltäter war. Die Mehrzahl der operativen Tätigkeit war den Mitgliedern der Krankenkasse gewidmet. Außer den Hunderten wissenschaftlicher Arbeiten auf dem chirurgischen Gebiet haben Hofmanns Vorträge auf medizinisch-naturwissenschaftlichen Kongressen der Menschheit hochschätzbare Dienste geleistet. Es ist neulich an dieser Stelle angedeutet worden, daß dem Offenburger Pfälzerklub ein Anlaß bevorsteht zur Festfeier. Der zu Mannheim geborene Chefarzt Dr. A. Hof mann stammt aus echtem Pfälzer Bauerngeschlecht. Sein Vater Balthasar und die Mutter Josefine geb. Schulz besaßen die gut bekannte Sternen- Wirtschaft in B. 2. dre beliebte Künstlerkneipe beim Theater. Es muß aus dieser olympischen Heimstätte der Sprosse mit Liebe zum Frohsinn und zur Pflege der Kunst hervorgegangen sein. Dem Fünfzigjährigen sendet Altoffenburg dankbaren Glückwunsch nebst einer Anweisung an die Apotheke im Spitalkeller: Reep, vinum sanguinis St. Andreas! Die Moral von der Geschichte. Der Schnastsvergiftungs- prozeß erhielt einen elegischen Abschluß. An die Urteilsbegründung schloß sich das wohlgemeinte Ersuchen des Gerichtsvorsitzenden, Landgerichtsdirektor Hönl, an die Vertreter der Presse, die Auffassung des Gerichts über die indirekte Mitschuld eines gewissenlosen Konzernes an dem Volksvergistungs-Attentat eifrig weiter zu verbreiten. „Ohne Spritschmuggel kein Fall Bruchsaler, kein Verbrecher Bete". Waren doch die planmäßigen Hintergehungen der Monopolgesetzgebung eine tägliche Erscheinung im Acher- und Renchtale. In solcher Schieberkolonie — man denke an die Repräsentanten Spritt-Weber, Schwarzbrenner-König Schitt! — konnte solcher Absatz so billiger Veredlungsstoffe offene Türen finden: Durch das deutsche Land erscholl nun der Warnungsrus im Interesses der öffentlichen Gesundheitspflege: Hände weg vom' geschobenen Sprit! Es soll sich künftig kein Giftmischer mehr daraus berufen können, daß er aus dem verbrecherischen Fall. Bete-Bruchsaler nichts lernte. Sodann muß das zerstörte ehrliche Gewerbe der Branntweinherstellung wieder gehoben werden. Die Monopolgesetzgebung hat den Kleinbrenner ungenügend berücksichtigt und geschädigt, die Bestrafung des Großschiebertums war moralisch wirkungslos. Die Ungeheuern Ziffern der Geldstrafen sind auf dem beschrittenen Gnadenwege so abgebaut worden, daß die Urteile der Strafgerichte fast wertlos werden und die Autorität der Gesetzgebung erschüttert ist. Möge mit der Umgestaltung der Monopolgesetzgebung nicht gezögert ioerden! Die Worte dieses weisen Richters verdienen die Beachtung in den verantwortlichen Kreisem an welche sie- gerichtet sind. Eine Trauerbotschaft traf am Freitag unerwartet die- Bürgerschaft Offenburgs: Karl Fink, der.-Musikdirektor, ist- gestorben ! Jedem Zweifelnden wurde es zur schmerzlichen! Gewißheit: die Vaterstadt verliert einen verehrten Meister der Kunst, der sein reiches Talent in den zeitgemäßen Dienst: der sittlichen Erziehung des Volkes stellte weit über die heimatliche Scholle hinaus; der Gattin und dem Kinderpaar »st ein emsiger Fürsorger unerwartet entrissen worden, der Genius der Musik klagt: um ein Talent der theoretischen und Praktischen Jüngerschaft Mitten aus einer Arbeitsfülle- riß. der unerbittliche Tod. den Meister in- seinem 53. Jahre. Und es war die überragende Anstrengung! einer Widerstands-- fähigen Konstitution, die dem guten Herzen das Ziel setzte:. Am Vorabend war der Maestro der Musik noch fröhlich im Kreise seiner Schüler. Im Gefühls der Ermüdung, suchtet er mittags eine Erhplung auf dem-! Ruhebett. Es war. ein sanfter Schlummer, aus welchem Karl Fink nicht mehr erwachte. Wie trostlos für den Kreis derer, die von. seinem arbeitsfrohen Talent beglückt wurden als Schüler, als Hörer in den Konzerten;, die er leitete. Die Nachrufe, die ihm in der Eile gewidmet wurden, verkünden in kurzen Worten, was wir beim Scheiden eines Freundes und Talentes missen. Zufällig lasen wir in der Ortsgeschichte, wie die- beiden Söhne des Bürgers und Kaufmannes Kart Fink und seiner Barbara geb. Schmieder, beide des Griesheimer Stammes, ihr jugendliches Talent enthüllten: Bor bv> Jahren, als anläßlich der groben Manöver das Geburtsfest des Landesvaters unter Mithilfe des hiesigen Musikvereins besonders feierlich begangen wurde, trat erstmals der achtjährige Franz Fink als Violinsolist auf. In den achtziger Jahren tat es ihm der Bruder Karl in einem Konzerte des Streichmusilvereins nach. Franz erwarb sich in Berliner Kunstkreisen als Violinist und Tondichter hohe Anerkennung. Karl ging von der Weimarer Orchesterschule auch nach Berlin als Schüler Joachims. Die Klarinette, sein Virtuosen-Jnstrument, geht nun auf den Knaben Karl Fink über. Nun ist von der musikalisch veranlagten Familie aus dem großen Hause der Steinstraße nur noch die Tochter, die Gattin unseres Hauptlehrers Schenkel, überlebend. Ihr mußte die Trauerkunde in weite Ferne gesandt werden, eine Hiobspost in die Zeit der bedürftigen Erholung. Es wird am Montag auf dem Friedhofe ein Trauergeleite dem toten Bürger dem Meister die Dankbarkeit, der schwer heimgesuchten Familie den Trost gewähren. Karl Fink bleibt unvergeßlich. Im Reiche des Friedens. In Karlsruhe starb im hohen Alter von 85 Jahren der zur Ruhe gesetzte Geheime Oberregierungsrat Salzer, der bekanntermaßen die erstgeborene Tochter Elise des früheren hiesigen Arztes Medizinalrat Emmerich Barth-Battiany zur Frau hatte. Der Verstorbene, einer der tüchtigsten badischen Verwaltungsbeamten, begann seine Tätigkeit beim hiesigen Bezirksamt und wirkte als Amtsvorstand in Triberg, Meßkirch, Ueberlingen und Emmendingen. Späterhin war er Kollegialmitglied der Oberrechnungskammer und noch im Ruhestand Präsident der Landwirtschaftskammer. Der harmonischen Ehe entsprossen drei Töchter, von welchen die älteste sich mit dem Fabrikbesitzer Helbing in Emmendingen, die zweite mit Oberregierungsbaurat Dahlinger in Karlsruhe verheiratete, wogegen die jüngste noch im Elternhause lebt. Mit Gattin, Töchtern und Schwiegersöhnen betrauern noch sieben Enkelkinder den Verlust eines guten und liebevollen Gatten. Vaters und Großvaters. Auch Altofsenburg behält den Papa Salzer in ehrendem Gedenken. Eine Einleitung zur militärischen Festlichkeit bildete am Freitag daß Begräbnis des Gärtnermeisters Gustav Gerwig, der nach langen Leiden seinen Lebensabend im Vrnzentiushause abschloß. Er war 1870 mit dem Freiburger Infanterie-Regiment Nr. 113 in den Krieg gezogen und hatte dann in Osfenburg ein Geschäft.. betrieben auf dem berrlick gelegenen Schanzeneck am Ausgang der Zähringerstraße. Die Emma des Drechslermeisters Bischof wurde Gerwigs Frau und Gehilfin. Ihr Gustav behielt seinen militaristischen Fimmel; beim Anblick eines Soldaten erwachte im Alten der Kriegergeist; „Donnerwetter, Lina! Brrr!", schnarrte der Lahrer in ' einem rauhen Jargon. Jetzt ließ ihm das gute Kameradenherz keine Ruhe; der unbekannte Soldat mußte seinen Kommisschoppen trinken und von der Kaserne erzählen; der Meister saß dazu. Bisweilen war's der Anlaß zu einem „fortgesetzten Lebenswandel." Die Gerwig'sche Gärtnerei war ein geachteter Betrieb. Der Meister begann seine Rubestandszeit im Hause des Schwiegersohnes, des Hauptlehrers Zipf in Freistett; aber er wollte in Offenburg sein Dasein schließen. Die letzte Ehrung erwiesen ihm die Kameraden vom Militärverein, als dessen Redner Herr Walther Heinrich den Soldaten von Fleisch und Blut in schlichten Worten würdigte. Mit dem Gärtnermeister verschwindet auch seine Plantage im Krummer. Soeben errichtet der jetzige Besitzer, Brauereidirektor Braun, dort eine monumentale Villa, die von einem Park umgeben sein wird. Der Gustav, der die Scholle mit seinem Angesichtsschweiß netzte, hat den Abbruch seiner „Villa" nicht erlebt. Ein anderer Gärtner folgte nach in den Todesgarten: Ernst Braun, der pensionierte städtische Arbeiter, hat den schweren Kampf vollendet. Er ist in Frankreich am 19. Juli 1869 zu Camplong (Departement Loire) geboren. Sein Vater, unser betagter Mitbürger, kam mit der ganzen Familie nach Deutschland; sie waren Bergarbeiter. Ernst arbeitete als Spiqueur, Praschenfahrer und Mineur bei französischen Gesellschaften auch in Lothringen. Er leistete deutschen Heeresdienst und erhielt in Offenburg. 1903 in der W. Schellffchen Fabrik eine Stellung als Glasätzer. Während 17 Jahren war Braun städtischer Gärinereiarbeiter. Wegen Krankheit trat er 1923 in den Ruhestand. Nichts für „bessere" Leute. In Freiburg fiel es auf, daß das Konzert des Berliner Kinderchors von gewissen Kreisen gemieden wurde. Eine Erklärung findet man darin, daß die Vorbereitung des Abends dem dortigen „Arbeiter-Gesangverein" übertragen wurde. Da mutz, was „gut bürgerlich" ist, wegbleiben, wie von „Arbeiter-Turnfesten". And die Berliner Sänger waren auch Proletenkinderl Aus dem Handelsregister. Die Prokura des Kaufmanns Franz Konrad und des Ingenieurs Oskar Meier bei der Firma ^ K. Martin, Maschinenfabrik hier ist erloschen. Als Liquidatoren der aufgelösten Firma Lahrer Brauhaus a. G. in Lahr sind die beiden Direktoren der hiesigen Kronenbrauerei Kistner und Weigel bestellt. Die Vertretungsbefugnis des Kaufmanns Ludwig Lochner bei der Firma Dienst u. Lochner, G. m. b- H., ist beendigt. Der umgebildeten Aktiengesellschaft Emil Wäldin, Lahr gehören der Direktor der Mittelbad. Elektrizitütsgesellschait als Vorsitzender und Spin- uereidirektor Bauer hier als Mitglied des Aufsichtsrats an. Briefkasten des Alten Offeburgers. Kri tikus E .. r. In der Mittwoch-Ausgabe der „Offenburger Zeitung" befindet sich die Mitteilung über eine Bubikopsbesteuerung in Ostpreußen. Darin ist gesagt: „B erh eira tete Bubiköp se haben doppelten Steuerbetrag zu entrichten". Diese Sprachneuheit erscheint Ihnen unpassend wegen der Konsequenzen: ledige Hinteren, verwitwete Waden, geschiedene Nabel, verlobte Zeigefinger usw. Bedenken Sie doch, daß aus Ostpreußen die Klassizität der deutschen Sprache stammt! Aebrigens hat der „Orten- auer" korrekt gedruckt „Bubikopfträger". Personalien. Polizeiwachtmeister Meliert in Karlsruhe wird zum Polizeioberwachtmeister ernannt; die hier stationierten Gendarmeriewachtmeister Dieter. Heck, Maier und Steinhäuser, ersterer als Kriminalsekretär, die übrigen als Kriminalassistenten, sind übernommen. Uebernommen werden: Gendarmerieoberwachtmeister Schäfer als Polizeisekretär und Gendarmeriewachtmeister Schölzel und Kiefer als Polizeiassistenten. Versetzt wird: Bauinspektor Josef Müller beim Badenwerk zum hiesigen Bezirksbauamt. Auszüge aus dem Standesbuch der Stadt Offeuburg 1927. Geburten im Juli. 14. Gisela Mathilde Elisabeth, V. Josef Wald, Konditor. — 16. Helene Hildegard, V. Ernst Stiefvater, Bäckermstr. — 17. Wolfgang Ludwig Hermann, V. Otto Stürz, Reichsbankinsp. — 17. Eugen, V. Eugen Freundschig. Taglühner. — 22. Rudolf Georg, B. Georg Leonhard Reu, Schreibgehilse. — 22. Elisabeth, V. Benedikt Heisch, Fuhrmann. — 24. Bernhard Franz, V. Julius Friedrich Baumann, Glasermeister. — 24. Paul, B. Alfred Mandel, Kaufmann. — 31. Jngeborg, Klara, V. Ludwig Börsig, Kaufmann. Eheschließungen im Juli. 16. Wilhelm Otto Lehmann, Kaufmann und Elisabeth Wilhelmine Zäpfel, Verkäuferin. — 22. Heinrich Wille, Kaufmann in Dundenheim und Luise Lienert, hier. — 23. Albert Feger, Blechnermeister und Anna Pauline Benz, Modistin. — 30. Otto Stolzer, Lehrer und Elisabeth Frieda Emma Horadam. Sterbefälle im Juli. 16. Philipp Herke, Rechtsanwalt a. D., 56 I. — 19. Maria Seelinger, Stütze, 51 I. — 20. Karl Oskar Rösch, Malermstr., 39 I. — Else Chrimhilde Lutz geb. Schmidt, 27 I. — 23. Karl Friedrich', Gutmann, Schreiner, 67 I. — 25. Albert Herp, Badnhofinsp., 45 I. 1 Ein treffliches Brüderlein ß I hat sich heute früh zur Schwester Sonja gesellt. | | Mannheim, 4. August 1927. I 8 Friedrichsplatz 6. 8 | Stefan Heymann j | (Svita Heymann 1 1 11172 geb. Geck. g ^lllllllllllllllllllllllllMllllllllllllllllllllllillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllPlllllllMllllllllllllllllllllllllHIIIIIMWIllMMlB Einladung ?itr Jlcrfalftmpfficr der Stabt ©fffitbtirg. Am 11. August kehrt der Tag wieder, an dem die Verfassung des deutschen Reiches Gesetz geworden ist. Zur Erinnerung an dieses Ereignis wird am Donnerstag, -en 11. August, vorm. 11 Uhr im Dreikönigssaal eine öffentliche Berfaffungsfeier stattfinden unter Mitwirkung der Stadtmusik und mit einer Ansprache des Herrn Stadtverordneten Prof. Dr. Kuner. Im Anschluß daran erfolgt die Ueberreichung der Ehrenzeichen an verdiente Feuerwehrleute für 60-, 40., 25- und 15-jährige Dienstzeit. Am Vorabend des Verfassungstages veranstaltet, die' Stadt einen Fackelzug; die Stadtmusik wird daran teilnehmen und im Anschluß daran ein öffentliches Konzert veranstalten. Aufstellung des Zuges abends 1 /a 9 Uhr in der Weingartenstraße, wo die Fackeln ausgegeben werden. Wir beehren uns, die gesamte Bevölkerung ohne Ansehen der politischen oder religiösen Richtung zu diesen Feiern einzuladen. Am 11. August werden die staatlichen und 'städtischen Gebäude beflaggt; wir ersuchen die Einwohnerschaft, auch die Privathäuser zu beflaggen. 11467 Der Oberbürgermeister. Der Landrat. Kein« Aas Verkaufs wäre, sondern beste reguläre Qualitätsware Damen-Wäsche, Korsetten Pullovers, Strümpfe gelangt in meinem Josef Fässler Gerberstr. 19 Schluss am 9. August Saison - Ausverkauf zu besonders billig. Preisen zum Verkauf Herren-Hemden, Dnlerzeuge, Kragen Krawatten, Socken 11176 Todes-Anzeige. Aus einem arbeitsreichen Leben wurde heute mittag durch Gottes unergründlichen Ratschluss unser herzensguter, innigstliebender und ebenso geliebter Gatte, Vater, Bruder und Schwager KARL FINK, Musikdirektor in die Sphären ewiger Harmonien uns allen unerwartet heimgerufen. Was wir an ihm verlieren, vermag kein Wort zu sagen. Wir bitten um ein stilles Gedenken. Offenburg, 5. August 1927. * 11174 Im Namen der in tiefer Trauer Hinterbliebenen: Lina Fink, geb. Schirmann Frau Anna Schenkel, geb. Fink Emil Schenkel, Hauptlehrer Die Beerdigung findet am Montag, 8 . August 1927, nachmittags 4 Uhr auf dem Friedhof Offenburg statt. 1 - Trauernachricht. Unser hochverdienter Dirigent Herr Musikdirektor KARL FINK ist unerwartet rasch, mitten in seinem fruchtbringenden, arbeitsreichen Wirken unserem Verein entrissen worden. Der Orchesterverein verliert in ihm einen Mitarbeiter, der seine ganze Kraft und sein grosses musikalisches Können restlos in den Dienst unserer Bestrebungen gestellt hat. Der Erfolg ist ihm n^cht ausgeblieben. Die Mitglieder des Orchestervereins stehen trauernd an der Bahre des Dahingeschiedenen und wurden ihrem allzufrüh verstorbenen Meister und Mitgründer des Vereins ein unvergessliches Andenken bewahren. Die Mitglieder werden gebeten, dem Verstorbenen durch zahlreiche Beteiligung an der Beerdigung die letzte Ehre zu erweisen. Offenburg, 5. August 1927. Per Vorstand des Orchester-Vereins. 11175 Verantwortlich für Redaktion, Drua und Verlag Adolf Geck in Offenburg.