i D t alt Gfsevurger. Belletristische und humoristische Chronik der Kreishauptstadt Gffenburg. Nr. 316. Ausgabe vom 4. Juni 1905. Preis 10 Pf. Unsere Volksschule veröffentlicht ihren Jahresbericht, den zweiten, den das Rektorat verfaßt hat. In einem Großquartheft von 17 Druckseiten schildert uns der Bericht das Wissenswerte aus dem Schuljahre 1904/05 in drei Abschnitten: 1) Zur Geschichte der Schule, 2) Zur Organisation der Städt. Schulen und 3) Zur Statistik. Wir interessieren uns hauptsächlich für die im ersten und zweiten Abschnitt enthaltenen Kapitel Schul-Gesundheits- pflege und Neuerungen in einzelnen Zweigen des Schulbetriebes. Vorausschicken wollen wir einige statistische Daten. Die Schülerzahl betrug am 1. Dezember 1904 in der Knabenvolksschule 705, in den Mädchenklassen 746, zusammen 1452. Nach der Staatsangehörigkeit waren es 1291 Kinder badischer Untertänigkeit, 107 Reichsdeutsche und 54 Reichsausländer. Den katholischen Religionsunterricht besuchten 1145, den altkatholischen 14; zur evangelischen Kirche zählten 278, zum apostolischen Bekenntnis 1, zum israelitischen Glauben 11 und schließlich besuchten 3 Kinder gar keinen Religionsunterricht. Zu Ostern 1905 sind 127 Schüler entlassen worden oder —■ wie man hier zu sagen pflegt — „aus der Schule gekommen", nämlich 56 Knaben und 32 4- 39 — 71 Mädchen. Von den Knaben hatten am Unterricht bis zur 8. Klasse 36, bis zur 7. Klasse 15 teilgenommen, nur 3 bezw. 1 und 1 Schüler blieben in der sechsten, bezw. fünften und vierten Klasse hängen. Bei den Mädchen gestaltet sich der Erziehungserfolg nicht so günstig. Von den Mädchen vollenden 32 spätestens am 30. Juni 1905 ihr 14. Lebensjahr, während 39 spätestens Ende des Jahres dieses Alter erreichen; letztere mußten aber auf Wunsch der Eltern schon entlassen werden. Zwei Mädchen kamen nicht über die 1. Klasse hinaus, eines nicht über die vierte, zwölf blieben in der sechsten hängen; aus der 7. Klasse sind 33, aus der 8. Klasse 23 entlassen worden. In den vier Klassen der Fortbildungsschule wurden 87 Knaben und 95 Mädchen unterrichtet, zusammen 182; unter den Schülerinnen besuchten 8 den Unterricht freiwillig, wovon 4 aus der ersten Klasse der höheren Mädchenschule. Die Knaben waren auf die erste und zweite Klasse mit 44 und 43 verteilt, die 4 Klassen der Mädchenabteilung hatten 23—26 Schülerinnen. In der städtischen Kleinkinderschule sind 18 Knaben und 16 Mädchen unterrichtet worden. Im Schuljahr wurden 228 Schüler von auswärts überwiesen, während 211 aus der Anstalt austraten. Wir erkennen aus dieser Osterbilanz der Offenburger Volksschule, wie wenig Schüler im Verhältnis zur Abgangsziffer das Ziel der Volksschule erreichen; von den 127 Entlassenen hat nicht die Hälfte (59) die letzte (8.) Schulklasse mitgemacht, ein Achtel blieb in der 6. Klasse hängen. Sehen wir uns in der Schulstatistik Deutschlands um. In Berlin hat es Jahre gegeben, in denen nur 10 Prozent aller Volksschüler bis in die Obelklasse aufrückten. Nach den Angaben über die Gemeindeschulen erreichten 1896—1899 die erste Klasse 61,3 Prozent der Schüler und 62,1 Prozent der Schülerinnen, die zweite Klasse 25.9 bezw. 25,2 Proz., die dritte 10,1 bezw. 10,3 Proz., die vierte 2,5 bezw. 2,3 Proz. und die fünfte 0,2 bezw. 0,1 Prozent. Der Prozentsatz der nicht aus der obersten Klasse Entlassenen betrug 1900/1901 37 Prozent. In Hamburg, dessen Volksschule sich im allgemeinen sehen lassen kann, verließen in einem der letzten Jahre die erste Klasse 59,4 Proz., die zweite 24,4 Proz., die dritte 11,9 Proz., die vierte 3,6 Proz., die fünfte 0,6 Proz. und die noch tieferen Klaffen 0.04 Prozent. In Mannheim haben Feststellungen ergeben, daß 70—75 Prozent der Schüler die oberste Klasse nicht erreichen, in Dresden wies ein Lehrer der 10. Bezirksschule nach, daß 13,6 Prozent aller Schüler dieser Schule, die nur Dresdener Schulen besucht hatten, Sitzenbleiber waren; rechnete er die von auswärts zugezogenen Schüler hinzu, so stieg die Ziffer auf 18,7 Prozent. Im allgemeinen erreichen in Dresden das Unterrichtsziel der Volksschulen etwa 35 Prozent der Kinder. Aehnlich liegen die Verhältnisse in vielen anderen deutschen Städten. Abgesehen von einigen guten Resultaten in Zwickau, Straßburg, Stuttgart (16—12 Proz.) sind die Ergebnisse der Statistik durchweg unerfreulich, denn sie beweisen, daß unsere Volksschule im allgemeinen nur höchstens die Hälfte der Schüler zu dem Unterrichtsziele zu führen vermag, zu dem alle zu führen ihre Aufgabe ist. Es müssen also schwere Mängel der inneren oder äußeren Organisation vorhanden sein, die diesen peinlichen und bedauerlichen Mißerfolg bedingen. In der neuesten Zeit bestrebt sich die Pädagogik, geeignete Vorkehrungen zu treffen, um den Erfolg des Unterrichtes an der Volksschule zu erhöhen. Vorbildlich für dieses Bestreben find in Baden die Praktiken des Mannheimer Stadtschulrates Dr. Sicking er, für dessen System auch unsere Offenburger Volksschulleitung sehr eingenommen ist. Vor allem bemüht sich dieses Sickinger'sche System, die große Verschiedenheit der bei den Kindern vorhandenen Bildung?- und Leistungsfähigkeiten zum Aufbau eines neuen Schulklassen-Systems zu machen. Dr. Sickinger verlangt sogenannte Qualitätsklassen, entsprechend der geistigen Veranlagung und Leistungsfähigkeit der Kinder, und zwar 1. solche für krankhaft schwach veranlagte Schüler (Hilfsschulen), 2. solche für Schüler, die aus den mittleren Klassen entlassen werden müssen, 3. solche für die gut und übermittel veranlagten Schüler. In diesen Parallelklassen, wie man sie nennen könnte, ist die Schülerzahl gering bemessen (höchstens 30) und außerdem für einzelne Fächer noch in Abteilungen gegliedert, so daß die Lehrer, die besonders pädagogisch durchgebildele, im Unterrichten äußerst gewandte und erfahrene Leute sein müssen, sich immer nur mit ganz wenig Kindern beschäftigen. Alle Kinder, die in die Schule ausgenommen werden, kommen zunächst in die normale Unterklasse und machen diese durch. Hierauf erfolgt eine Scheidung der Schwächeren von denen, die den Anforderungen genügen. Die Schwächeren absolvieren nun die erste Förderuugsklasse, bis das Jahr herum ist. Dann tritt eine neue Auslese ein, die ganz Ungenügenden werden der Hilfsschule überwiesen, die Mittelmäßigen rücken in die zweite Förderungsklasse auf und die Besseren, bei denen meist soziale oder gesundheitliche Verhältnisse ihre geistige Entwicklung hemmten, treten in die zweite Normalklasse ein. Und so fort auf den weitern Stufen. Die Abschlußklassen haben den Zweck, den aus den Mittlern Klassen abgehenden Schülern wenigstens in etwas eine abgerundete und abgeschlossene Schulbildung mit auf den Weg zu geben. Von den Fächern und Stoffen der Oberklassen sollen sie wenigstens das Notwendigste und Begreiflichste erhalten. Die Offenburger Volksschule errichtete schon im vorigen Jahre eine Hilfsklasse; jetzt entsteht mit Einwilligung der Schulkommission eine Abschlußklasse für Mädchen. Der Jahresbericht sagt: Im kommenden Schuljahr sollen nämlich diejenigen Mädchen des siebten Schuljahres, die kraft Gesetzes schon an Ostern 1906 entlassen werden, eine besondere Klasse bilden und das Wesentlichste von dem Pensum des siebten und achten Schuljahres lernen. Es handelt sich hauptsächlich um Gebiete des deutschen, geographischen, naturkundlichen Unterrichts, um Rechnen und Geschäftsaufsätze. Ein dritter Schritt wird der sein müssen, daß die Kinder, die am Ende des ersten Schuljahres nicht in die zweite Klasse aussteigen können, zu einer Wiederholungsklasse zusammengefaßt werden, statt daß man sie einfach zum Sitzenbleiben verurteilt. Durch das Repetieren verlieren sie unter allen Umständen ein volles Schuljahr und werden nicht der Gesamtausbildung teilhastig, die das Gesetz ihnen geben will. Nur wegen Mangels an Schulräumen und wegen des gegenwärtigen Lehrermangels haben wir für dieses Jahr von einem bestimmten Antrag an die Schul- kommission abgesehen, aber darauf hingewiesen, daß für die 28 Repetenten des ersten Schuljahres die Bildung einer „Wiederholungsklasse" sehr wohl- tätig wäre. , Es sei noch darauf hingewiese», daß andere Pädagogen diese Sickinger'schen Hilfsmittel als verfehlt verwerfen,^während er in dem sächsischen Theoretiker und Praktiker Dr. Seyfert in Annaberg und in dem Züricher Stadtrat Fritschi eifrige Anhänger gefunden hat. (Schluß folgt.) Wie der Eisenbahnfiskus die Stadtgemeinde Offenburg entschädigen will. Zur Ergänzung der Verhandlungen des Bürgerausschusses über die Abtretung städtischen Geländes an den Staat infolge Erweiterung des Bahnhofgebietes wollen wir auch die Berechnung der Entschädigung Mitteilen, wie solche vom Ausschuß gutgeheißen worden ist. Wir bemerken, daß die Ankäufe der im Besitz zahlreicher Privatleute befindlichen Grundstücke nicht so leicht vor sich gehen; es wurden bisher nur einzelne wenige Käufe vereinbart; jetzt soll die Einigung rascher vor sich gehen Für ein Stück von 82 qm soll eine entsprechende Parzelle eingetauscht werden, die von den vom Staat angekauften Gärten der unteren Anlage (Stählin. Schmidt, Häring) unbenutzt bleibt; zum Preise von 10 Mark, den der Bahnfiskus dort bezahlte, will die Stadt den Rest der Gärten für die Anlagen erwerben. Für 1055 qm eines städtischen Ackers auf der Stegermatte (2412 a) beträgt die Entschädigung 1055 Mark. Für drei Aecker an der Bohlsbacher Straße mit 15,775 qm (ehemals Nadler und St. Andreas-Hospital) wurde ein Kaufpreis von 141,975 Mk., sowie eine Nebenentschädigung von 500 Mk. vereinbart. Von den Anlagen gibt die Stadt 4414 qm ä 15 M. ab und erhält noch eine Nebenentschädigung von 21,000 M. Endlich für eine Ackerparzelle im Galgenfeld (17 qm) 51 Mark. Im Ganzen 209,291 Mark für Gelände und 21,500 M. für Entschädigung, zusammen 239,791 Mark. Diese Preise entsprechen rem Gutachten der sachverständigen Kommission (Gartenbaudirektor Ries-Karlsruhe, Stiftungsverwalter Schlager-Freiburg, Waifemat Fz. Link und Johann Kopp-Offenburg). Zu diesem Gutachten bemerkte die Generaldirektion am 18. Januar ds. Js., indem sie eine Begründung der „überaus hochgesetzten" Preise vermißt: Unter Bezugnahme auf das uns zugegangene Gutachten der gemeinschaftlich berufenen Sachverständigenkommission erwidern wir ergebenst, daß wir sowohl die festgesetzte Minderwertsentschädigung für den verbleibenden Teil der Anlagen als auch die für die Grundstücke Lgrb. Nr. 1165, 1166 und 1167 an der Bohlsbachcrstraße ermittelten Bodenpreise überaus hoch finden und insbesondere eine nähere Begründung zu den gemachten Ansätzen vermissen. Wir wollen indessen für jetzt darauf verzichten, auf die Entschädigungsbeträge im einzelnen einzugehen und haben deshalb beschlossen, uns dem Ergebnis des Gutachtens, als der äußersten Grenze für eine aus gütlichem Wege eintretende freie Vereinbarung, nur in der Voraussetzung zu unterwerfen, daß auch die Stadtgemeinde dieses Angebot gleichfalls ohne jeglichen Vorbehalt annimmt. Wir bemerken hierzu, daß die von der Stadtgemeinde bezüglich der Bauanlage an sich gestellten Forderungen (h. i. Anlage einer weiteren Unterführung rc. re.) mit der vorliegenden Geländeabtretung in keinem ursächlichen Zusammenhänge stehen und daß es deshalb nicht angängig erscheint, jene Forderungen, über welche bereits besondere Entschließung ergangen ist und deren endgiltige Erledigung dem Enteignungsverfahren Vorbehalten bleibt, mit den vorliegenden Entschädigungsfragen zu verbinden. Wir ersuchen den Stadtrat ergebenst, eine baldgesällige Entschließung in der Angelegenheit herbeizuführen; falls das Gutachten die Annahme der Stadtgemeinde nicht finden sollte, so behalten wir uns unsere Angebote für das Enteignungsversahren vor. Jetzt wird die Geiieraldirektion wahrscheinlich den Kauf nicht mehr zu teuer finden. Der Rathaus-Mitarbeiter des „Ort. Bote" hat die Güte, uns darauf aufmerksam zu machen, daß die Stimmenzahl der Gegner des stadträtlichen Antrages nicht 39 sondern 31 beträgt. Bei der mündlichen Verkündigung des Resultates der Abstimmung haben wir 39 verstanden. Der Bericht der „Offb. Ztg." stimmt genau mit dem unsrigen überein; es ist keine Einwendung vom Rathaus erfolgt. Richtig ist, daß nur 1 Stadtrat gegen die Vorlage stimmte. Von den ö5 Stadtverordneten sollen 34 mit Ja, dagegen 30 mit Nein gestimmt haben. Von den 34 ist aber ein Stadtverordneter abzurechnen, der als einer der ersten bei der Abstimmung aus Irrtum (er glaubte der Antrag Dr. Rombach stehe zur Abstimmung) mit Ja stimmte, obgleich er Gegner der stadträtlichen Vorlage war. Unter den zustimmenden Boten befinden sich auch die Stimmen der Stadtverordneten Kopp und Link, welche als Gutachter mit der Mehrheit des Stadtrates zu den Antragstellern gehören. Unter diesen Gesichtspunkten wäre eine Mehrheit im Stadtverordneten-Kollegium problematisch. * D'r alt Offebnrger MW? mm mm Bürger! Am Zischtig erschiene zwei herzigi Maidli in minnere Kemenat un tragen e Sammelbix bie sich. „Schelle schelle Sexer" haw i welle riäfe, denn selli Bix isch mr bekannt gsien vun de Fasent her; un im Augebkick denk ich nit an unser neumodischs Zieg vum Kinderhilfsdag. D' Veef hett morges vum Märk heimbrocht, es sei e Verschwörung degege anzettelt un ußgmacht, daß mr nix gilt odder, um nitt drum angsehne z'were, Niendelschteinrädli, Hemder- oder Hoseknöpf, Denkmünze ezettra unbschraue nienkeie soll. Ebber, wo 's Kaliwer vun denne Karnewal-Vereins-Bixe uß dr Praxis kennt, hett verrote, d' Schlitz feie so kurz, daß nitt emol'e Dalerschtück durch d' Oeffnung geht. Wart, hawi denkt, euch zwei netti Mammselle will ich jetzt in kei üwli Vrlegeheit bringe. Ich lang mi einziger Frankfurter Schütze-Daler, wo immer als Rennomiär-Münz im Portmonnee schleckt, ruß, setz e wohldätigi Wien uff: „Mi einzigs Geldschtück, wo mr noch im Beutel ver- bliewen isch, soll im Orkuß dr Kinderhilfskaß vrschwinde." Mit denne Worte schtell ich de Daler uff dr Drächter vun dr Fasnachtsbix un druck e paar mol; er bliebt owe schlecke un geht nitt durch, nitt ums Verre—wie! „Es duet mr fettig leid, numme mit ein guete Wille usi- warte z' müesse, ich Hab kei Fetze anders Geld." Wo ich noch miem Schütze-Daler griffe un mit eme Be- duures denne letschte Mojikaner widder iensacke will, vrschwindet er schun im Händli vum zweite Fräuli, wo mit ere malefizisch nette Höfligkeit sait: „Wir sind, da es uns schon einige male begegnete, auf diese Fälle vorbereitet und können Ihnen gütigst wechseln." Deß sage, uß ihrem Rüdikül, wo mi Schütze-Daler drin verschwindet, drei neui Maikschtückli rußnemme un si vor minne ganz baff hinklotzendi Auge, eins noch ein andere, im Bixeschlitz vrschwinde z' koste, isch 's Werk vun e paar Sekunde gsien. Mi Herz hett döwert wege dem ehrwürdige alte Schütze-Daler un ich Hab gmeint, es dät mich ebber dreimal würge, so drucke haw i gschluckt. Doch kummt mr glich Widder d' Geischtesgegewart un ich wünsch, daß denne zwei Jungferli ihr Wegselgschäft recht floriere duet am Kinderhilfsdag. So viel mr hört, henn d' Litt, wo sunscht nix z' vrschenke henn, viel freundliger gebixelt, als manchi, denne 's nitt druff ankummt, ob si als Fidibus e Banknott nemme odder e alti Zittung. Wer awer en alter badischer Schilli nienkeit hett odder e Zwanzig-Rappeschtück, der hett noch lang nitt 's wennigscht gschtiftet. Offenburger Allerlei. s. Die Strafleubespreugung ist hier zweifellos eine höchst unzureichende. Entweder sollte recht bald ein zweiter Gieswagen beschafft werden, oder, was weit rationeller wäre, es sollten die chauffierten Straßen mittelst